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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

Türken kaufen sich offenbar Strafanzeigen in ihrer Heimat, um Asyl in Deutschland...

19 Oktober 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

90 Prozent aller abgelehnten Asylbewerber klagen gegen ihre Bescheide – fast 200.000...

12 Oktober 2026 0 Kommentare
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21 September 2026 0 Kommentare
Allgemein

Die Scham der Vergangenheit darf nicht das Schweigen von heute sein: Für eine Zwei-Staaten-Lösung gegen den Völkermord in Gaz

von Fremdeninfo 12 Oktober 2026
von Fremdeninfo

                    Fatih Kurgulu / Berlin

Deutschland, das zu dem von Israel an den Palästinensern begangenen Völkermord schweigt, schämt sich für das, was es seinerzeit den Juden angetan hat. Aus dieser Scham heraus schafft es Deutschland nicht, seine Stimme gegen den Völkermord zu erheben, den Israel an den Palästinensern verübt.

Der in der Vergangenheit in Deutschland verübte Völkermord an Juden, Sinti und Roma sowie an Menschen, die sich dem Hitler-Faschismus widersetzten, kann niemals unterstützt werden; er muss aufs Schärfste verurteilt werden, und solche menschenfeindlichen Tragödien dürfen sich niemals wiederholen.

Dieser Völkermord wurde während des Hitler-Faschismus begangen, und diese Generation lebt heute nicht mehr. Die nachfolgenden Generationen sind mit der Verurteilung dieser Taten aufgewachsen und haben Völkermorde in jeder Epoche verflucht – was auch vollkommen richtig und notwendig war.

Die neue Generation hat jedoch keinen Grund, sich zu schämen oder zögerlich zu sein. Was Israel heute den Palästinensern antut, muss ebenso aufs Schärfste verurteilt werden. Wer auch immer einen Völkermord an der Menschheit verübt, muss verurteilt werden. Der Völkermord, den Israel an den Palästinensern in Gaza begeht, darf keinesfalls akzeptiert werden und ist aufs Schärfste zu verurteilen.

Niemand stellt das Existenzrecht Israels als Staat infrage; ebenso gehört es jedoch zur Pflicht des Staates Israel, das Staatsrecht der Palästinenser zu verteidigen. Im Israel-Palästina-Konflikt muss die Zwei-Staaten-Lösung als der dienlichere und grundlegende Weg zur Gewährleistung des Friedens angesehen werden.

Der Terror der Hamas kann niemals verteidigt werden; Terrorismus und jegliche Form von Terrormethoden dürfen keinen Platz in der Politik haben.

Den in Deutschland lebenden Juden wurde die notwendige Unterstützung zuteil, und diese muss auch weiterhin gewährt werden. Es müssen Voraussetzungen und gleiche Bedingungen geschaffen werden, damit sowohl Juden als auch Migranten in Deutschland leben können. Heute müssen Staaten von terrortypischen Methoden und Vorgehensweisen Abstand nehmen und verbleibende Mängel in der Demokratie beseitigen. Die Staaten müssen sich von einer kolonialistischen Mentalität lösen und demokratische Methoden und Wege einschlagen.

Egal wo auf der Welt: Man muss sich gegen Völkermorde erheben und sie aufs Schärfste verurteilen. Diese Haltung Israels zu kritisieren, steht in keinerlei Zusammenhang mit Antisemitismus.

Ich verurteile das aggressive Verhalten Israels im Nahen Osten aufs Schärfste; Israel kann sich damit niemals im Recht sehen. Es muss sich unverzüglich mit den Palästinensern für den Frieden an den Verhandlungstisch setzen und das Recht auf zwei Staaten erörtern.

12 Oktober 2026 0 Kommentare
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Flüchtlinge

90 Prozent aller abgelehnten Asylbewerber klagen gegen ihre Bescheide – fast 200.000 Verfahren offen

von Fremdeninfo 12 Oktober 2026
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             Von: Welt

 Die Zahl der unerledigten Klagen stieg 2026 innerhalb von sieben Monaten um 4749. Gleichzeitig ziehen sich die Verfahren in die Länge. Das liegt auch daran, dass die Klagen von abgelehnten Asylbewerbern rasant steigen.

 Asylverfahren beschäftigen zunehmend die Justiz. Bei deutschen Verwaltungsgerichten waren zum Stichtag 15. August bundesweit 196.315 Asylklagen offen. Mitte Januar waren es noch 191.566 Verfahren. Damit stieg die Zahl der unerledigten Klagen innerhalb von sieben Monaten um 4749. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Frage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger hervor, über die die Deutsche Presse-Agentur berichtet.

Gleichzeitig nimmt die Dauer der Klageverfahren zu den Asylentscheidungen bundesweit wieder zu. Im Schnitt dauerten die Verfahren zu Klagen gegen Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im ersten Halbjahr dieses Jahres 15,3 Monate. Für das Vorjahr hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine frühere parlamentarische Anfrage eine durchschnittliche Dauer von 14,3 Monaten ausgewiesen, wobei die Daten für den Monat Dezember da nicht vorlagen.

Vier Jahre lang sank die durchschnittliche Verfahrensdauer

Fest steht: Nach einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von 26,5 Monaten im Jahr 2021 waren die Klageverfahren Jahr für Jahr kürzer geworden. 2024 dauerten Gerichtsverfahren, in denen es um Klagen gegen Asylerstanträge oder Folgeanträge ging, im Schnitt 16,7 Monate.

Und: In manchen Bundesländern dauern diese Klageverfahren doppelt so lang wie in anderen Ländern. Das Schlusslicht bildete im ersten Halbjahr dieses Jahres nach Auskunft der Bundesregierung Sachsen mit einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von 20,4 Monaten. Auch in Niedersachsen (20 Monate) musste, wer gegen einen Asylbescheid klagte, besonders lange auf eine Entscheidung des Gerichts warten. In Rheinland-Pfalz lag sie im Schnitt bereits nach 9,2 Monaten vor, in Bayern nach 10,7 Monaten.

Allerdings: Während die Dauer in Bayern in den vergangenen drei Jahren entweder sank oder zumindest nicht zunahm, war in Rheinland-Pfalz ein umgekehrter Trend zu beobachten. Im Jahr 2023 waren die Asylklageverfahren dort im Schnitt bereits nach fünf Monaten abgeschlossen gewesen.

Ein Grund für eine längere Verfahrensdauer ist die Zunahme der Zahl der Asylklagen. Einfluss auf die Dauer der Verfahren hat auch, ob am jeweiligen Verwaltungsgericht besonders viele Klagen von Menschen aus bestimmten Herkunftsländern eingehen, bei denen die Entscheidung für oder gegen Schutz in Deutschland schwierig ist.

Klagen von abgelehnten Asylbewerbern steigen rasant

Im Jahr 2025 wurden laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zwischen Januar und November insgesamt 149.995 Entscheidungen des Bamf juristisch angefochten. Die Klagequote (also der Anteil der beklagten Asylentscheidungen an ihrer Gesamtheit) lag somit bei 52,0 Prozent.

12 Oktober 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Friedenspreisträger kritisiert deutsches Schweigen zu Israel

von Fremdeninfo 12 Oktober 2026
von Fremdeninfo

Friedenspreisträger Philippe Sands hat Deutschland „unanständiges Schweigen“ im Umgang mit Israel vorgeworfen. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden – gerade unter Freunden. „Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit“, sagte der französisch-britische Jurist, Autor und Nachfahre von Holocaustüberlebenden in seiner Dankesrede in der Frankfurter Paulskirche.

Sands erhielt die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung in Anwesenheit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse – für seinen Einsatz „für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts“, wie es in der Urkunde heißt. Er ist Professor in London und arbeitet am Internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Debattenbeschränkung“ in Deutschland „beunruhigend“

Die Frage, ob Israel an den Palästinensern einen Genozid verübe oder nicht, sei „ein nutzloses Ablenkungsmanöver“, sagte Sands: „Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten.“ Sie müssten angeprangert werden „und diejenigen, die anprangern – ganz gleich, welche Bezeichnung sie verwenden -, sollten nicht zum Schweigen gebracht, ausgeschlossen oder bestraft werden, nur weil sie ihre Rede- und Meinungsfreiheit ausüben“, sagte Sands. Die „Debattenbeschränkung“ in Deutschland sei „beunruhigend“.

Sands sagte: „Die Tatsache der Verbrechen zum Schweigen zu bringen ist unanständig. Diejenigen zum Schweigen zu bringen, die versuchen, die Verbrechen anzuprangern, ist unanständig.“ Deutschland habe viele Gräuel angeprangert. „Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut.“

„Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung.“

Viele Staaten hätten inzwischen Palästina als Staat anerkannt, Sanktionen verhängt oder das Handeln Israels in den besetzen Gebieten als ethnische Säuberungen bezeichnet, sagte Sands. „Deutschland kennt sich aus mit ethnischer Säuberung. Warum dann das Schweigen?“

Eine echte Staatsräson für Deutschland müsse das Schweigen über Völkerstraftaten brechen, sagte Sands – „wo auch immer sie geschehen und durch wen auch immer sie begangen werden, auch wenn es Freunde, vor allem, wenn es Freunde sind“. Unter Applaus sagte er: „Schweigen ist nicht der Weg. Nicht für eine Familie. Nicht für eine Gemeinschaft. Nicht für ein Land.“

Gleichzeitig stellte er klar: „Die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 waren entsetzlich.“ Auch dies sei „eine ungeheuerliche Verletzung grundlegender Normen des Völkerrechts“. Wie jeder Staat habe Israel das Recht, sich zu verteidigen. Aber: „Dieses Recht ist nicht unbegrenzt und muss innerhalb der Grenzen des Völkerrechts ausgeübt werden.“

Am Ende seiner mit viel Applaus bedachten Rede zitierte er unter Live-Begleitung aus dem Lied „Anthem“ von Leonard Cohen. Darin heißt es, in allem sei ein Sprung und durch ihn gelange das Licht hinein.

Völkerrechtsexperte aus jüdischer Familie

Die Laudatio hielt die Direktorin des NS-Dokumentationszentrums München, Mirjam Zadoff. Sands sei „der Nachkomme einer großen jüdischen Lemberger Familie“ und zugleich „einer der wichtigsten Völkerrechtsexperten unserer Zeit“. Dass er den Friedenspreis erhalte, sei „nicht weniger als ein Anlass zur Hoffnung“.

80 Mitglieder seiner Familie seien ermordet worden, sagte Sands in seiner Rede. Sein Großvater überlebte in Paris. Sands wurde 1960 in London geboren, wo er mit seiner Frau und drei Kindern lebt. Als Jurist wirkte er an zahlreichen internationalen Strafverfahren mit. Dabei setzte er sich unter anderem für Palästinenser und Rohingya ein, für die Solomon Islands, Georgien und die Ukraine.

In der Paulskirche sagte Sands, die Menschen der Ukraine „brauchen unsere Unterstützung und unsere Solidarität, und sie sollten sie bekommen. Ihr Kampf ist unser Kampf.“

„Ökozid“ als fünftes Verbrechen

Sands ist auch Schriftsteller. Sein erstes Buch „Rückkehr nach Lemberg“ handelt vom Schicksal seiner Familie, aber auch davon, dass ebenfalls im heutigen Lwiw die Idee des Völkerrechts entstand. Andere gehen auf Strafverfahren zurück, etwa „Die Verschwundenen von Londres 38“ über die Diktatur Pinochets in Chile. Seine Bücher seien oft genauso spannend wie die seines Freundes und Nachbarn John Le Carré, sagte Zadoff.

Sands setzt sich als Jurist auch dafür ein, neben Genozid auch „Ökozid“ als Straftatbestand beim Internationalen Gerichtshof zu verankern. Neben Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Angriffskrieg müsse es ein fünftes Verbrechen geben.

„Auch diejenigen, welche die Natur zerstören, sollten zur Rechenschaft gezogen und vor ein internationales Gericht gestellt werden“, sagte Sands bei seiner Rede. Im nächsten Jahr erscheint über dieses Thema sein jüngstes Buch „Das fünfte Verbrechen“.

(APA/dpa)

12 Oktober 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

von Fremdeninfo 12 Oktober 2026
von Fremdeninfo

|               Quelle: dpa, Reuters, KNA

Bärbel Bas zieht sich als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück. Sie begründete den Schritt mit dem Tod ihrer Stieftochter, aber auch mit Angriffen aus der Union.

Bärbel Bas tritt als Arbeitsministerin und als Parteichefin der SPD zurück. Sie begründete den Schritt in einer Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union. In dem von der SPD-Spitze verbreiteten Schreiben am Montagmorgen schrieb Bas:

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten.

„Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin

Diese Zeit wolle sie sich ausreichend nehmen, teilte die 58-Jährige mit.

Bas kritisiert „öffentliche Angriffe“ vom Koalitionspartner

Bas nannte zugleich als einen weiteren Grund für ihren Rücktritt öffentliche Angriffe „auch aus den Reihen des Koalitionspartners“. Diese seien in einer für sie schwierigen Zeit zuletzt „weiter forciert“ worden.

Politiker aus der Union hatten Bas zuletzt scharf dafür kritisiert, dass sie Gesetzentwürfe zu geplanten Reformvorhaben zum Beispiel in der Rente nicht schnell genug vorlege. Sie hatten ihr vorgeworfen, die Reformen zu verschleppen und zu blockieren.

Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben.

„

Bärbel Bas, Arbeitsministerin und SPD-Chefin

SPD-Co-Chef Lars Klingbeil sei bereits informiert, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe sie gebeten, sie aus dem Amt zu entlassen.

In ihrer Mitteilung bedankte sich Bas für die Unterstützung im Arbeitsministerium. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten eine starke Hausleitung verdient, „die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt“, erklärte sie. Auch der SPD-Spitze sprach sie Dank aus. Abgeordnete im Bundestag werde sie bleiben, erklärte Bas.

Bärbel Bas: Stellungnahme auf Instagram

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Klingbeil und Miersch bedauern Rückzug von Bas

Klingbeil äußerte sich traurig über die Entscheidung von Bas. „Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen“, betonte er. Deshalb könne er den Schritt persönlich nachvollziehen. „Die Angriffe gegen sie in den letzten Tagen ihrer Trauer waren unanständig. Sowas gehört sich nicht“, betonte der Vizekanzler.

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch würdigte, Bas habe Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. „Aber die Kraft ist endlich.“

Seit 2009 im Bundestag

Bärbel Bas ist seit 2009 Bundestagsabgeordnete der SPD. Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte und Personalmanagement-Ökonomin war von 2013 bis 2019 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, anschließend stellvertretende Fraktionsvorsitzende und von 2021 bis 2025 Bundestagspräsidentin.

Seit Mai 2025 war sie Bundesministerin für Arbeit und Soziales, seit Juni 2025 gemeinsam mit Lars Klingbeil SPD-Vorsitzende.

Erklärung zum Rücktritt von Bärbel Bas im Wortlaut

„Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute wende ich mich mit einer sehr persönlichen Nachricht an Euch.

Nach dem Tod meiner Stieftochter habe ich festgestellt, dass ich Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten. Diese möchte ich mir ausreichend nehmen. Darüber hinaus muss ich leider feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden. Da ich momentan nicht die Kraft aufbringen kann, kurzfristig meine Regierungs- und Parteiarbeit vollumfänglich auszuüben, habe ich mich entschieden, beide Ämter aufzugeben. Deshalb habe ich meinen Co-Vorsitzenden und Vizekanzler Lars Klingbeil darüber informiert, dass ich mein Amt als Parteivorsitzende mit dem heutigen Tag niederlege. Gleichzeitig habe ich den Bundeskanzler gebeten, mich aus dem Amt der Bundesministerin für Arbeit und Soziales zu entlassen.

Dieser Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesministeriums jetzt eine starke Hausleitung verdient haben, die mit voller Kraft die anstehenden Gesetze und Reformvorhaben vorantreibt. Am Ende meiner Zeit als Ministerin möchte ich vor allem eines sagen: Danke für die Unterstützung, die ich im gesamten Haus erfahren habe.

Gleiches gilt für meine Partei. Die SPD wird die richtigen Schlüsse aus den zurückliegenden Wahlen ziehen und wieder eine politische Kraft werden, die unser Land in eine gute Zukunft führt. Die Weichen dafür sind u. a. mit dem Konvent und dem Grundsatzprogrammprozess gestellt. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Lars Klingbeil und Matthias Miersch für die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit und bei Euch allen in Partei und Fraktion für die Unterstützung bedanken. Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte. Denn was bleibt, sind nicht die Ämter, die wir getragen haben, sondern Spuren, die wir in den Herzen der Menschen hinterlassen. Danke, dass ich ein Stück dieses Weges mit Euch gehen durfte. Nicht jeder Schritt war einfach. Nicht jede Entscheidung war leicht. Und sicherlich ist nicht alles gelungen. Aber eines war für mich immer klar: Es lohnt sich, für das einzustehen, woran wir glauben.

Im Deutschen Bundestag werde ich weiterhin die Bürgerinnen und Bürger meines Wahlkreises Duisburg vertreten und hoffe sehr, bald wieder mit voller Kraft meine Arbeit erfüllen zu können.

Glück auf und Freundschaft, Eure Bärbel Bas“

Quelle: dpa, Reuters, KNA

12 Oktober 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Friedenspreisträger Sands übt Kritik an deutscher Israelpolitik

von Fremdeninfo 11 Oktober 2026
von Fremdeninfo

 

 

Von Tageschau

Philippe Sands hat in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Seine Dankesrede nutzte der Autor und Völkerrechtler für deutliche Kritik am „Schweigen“ der deutschen Politik zum Krieg in Gaza.

Der französisch-britische Jurist und Autor Philippe Sands hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen und dem Westjordanland angeprangert. Die Angriffe der palästinensischen Terrororganisation Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 nannte Sands am Sonntag bei der Entgegennahme des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in Frankfurt entsetzlich. Wie jeder Staat habe auch Israel das Recht, sich zu verteidigen. Doch seien in den Palästinensischen Autonomiegebieten Grenzen des Völkerrechts überschritten worden.

Kritik am „lauten Schweigen“ der Bundesrepublik

Dabei sei es unerheblich, welche konkreten Begrifflichkeiten man für die Geschehnisse verwende, betonte Sands in seiner mehrfach von Applaus unterbrochenen Rede. „Es gibt keine Hierarchie unter den verschiedenen Völkerstraftaten. Töten als Kriegsverbrechen oder als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist nicht weniger schwerwiegend als ein Völkermord“, so der Jurist. „Dies sind alles schreckliche Verbrechen.“

Deutschland warf der aus einer jüdischen Familie stammende Friedenspreisträger vor, sich in der Debatte zu zögerlich zu verhalten. Die Bundesrepublik habe viele Gräuel angeprangert von Syrien bis Iran, von Myanmar bis Sudan. „Doch zu Israel, zum Gazastreifen und zum Westjordanland ist das deutsche Schweigen bis heute laut. Zugleich sind die Debattenbeschränkungen beunruhigend.“

Kritik an den Zuständen im Gazastreifen oder dem Westjordanland sei weder antisemitisch noch „Anti-Israel“, fügte Sands hinzu. Gerade unter befreundeten Staaten gelte es, Missstände offen anzusprechen. Zugleich räumte der Friedenspreisträger ein, dass das Völkerrecht „nicht perfekt, uneingeschränkt wirksam oder gefeit vor Äußerungen roher Gewalt“ sei. „Aber eine Welt ohne Regeln ist unsinnig. Und diese Regeln sind nicht bloß für andere da, für unsere Feinde. Sie sind universell. Sie sind auch für uns da und unsere Freunde.“

Laudatorin Zadoff rühmt „Haltung und Klarheit“ von Sands

Sands ist Professor für Internationales Recht am University College London und wurde seit 2016 durch mehrere literarische Sachbücher einem breiten Publikum bekannt. Dazu gehört „Rückkehr nach Lemberg“, 2018 auf Deutsch erschienen. Darin erzählt Sands mit Blick auf die eigene Familiengeschichte von der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in der heute ukrainischen Stadt Lwiw während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg.

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wurde dem 65-Jährigen in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Damit würdigte die Jury den Einsatz von Sands für Gerechtigkeit, Frieden und das Völkerrecht. An dem Festakt nahmen zahlreiche prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

In ihrer Laudatio würdigte die österreichische Judaistin und Historikerin Mirjam Zadoff, Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München, Sands als einen Juristen, „der das Internationale Recht mit Haltung und Klarheit vertritt in einer Zeit, in der Sinn und Legitimation des Völkerrechts immer häufiger in Frage gestellt werden“.

Zugleich werde ein Geschichtenerzähler geehrt, „dessen Bücher hohen literarischen Anspruch mit historischer Präzision verbinden“, so die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums München. „Und wir ehren einen Weltenwanderer, dessen Neugier, Offenheit und Heiterkeit ihn nicht nur in weit entfernte Gegenden unserer Zeit führen, sondern auch in vergangene Landschaften.“

Mit Material von KNA.

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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Frauen

Bitte vergiss nicht zu leben“

von Fremdeninfo 11 Oktober 2026
von Fremdeninfo

                   Von Johannes Boldt/ Haz

Sie überlebte einen Bombenanschlag, wird bedroht, trat für ihre Gemeinschaft in den Hungerstreik. Nun erhält die pakistanische Anwältin Jalila Haider den „Alternativen Nobelpreis“. Ein Gespräch mit der Frau, deren Familie für ihren Kampf einen hohen Preis bezahlt ha

Letztes Druckmittel: Jalila Haider (in Weiß) und ihre Unterstützerinnen bei ihrem Hungerstreik in Quetta im Jahr 2018.Foto: IMAGO/M. Arshad/PPA
Jalila Haider erinnert sich noch genau an diesen Weg. Kein Bus wollte sie mitnehmen. Also lief sie durch das pakistanische Quetta, fünf Stunden lang, bis zum Prüfungsort. Haider war Studentin, sie wollte Anwältin werden. Doch an diesem Tag genügte etwas, das sie nicht ablegen konnte, um eine Busfahrt für sie gefährlich zu machen: Sie war Hazara.

„Ich fragte mich ständig: Was haben wir falsch gemacht?“, erinnert sie sich. Busse mit Hazara-Passagieren wurden angegriffen, Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder Universität getötet. „Etwas so Einfaches wie der Weg zur Schule, eine Busfahrt oder die Fahrt durch die eigene Stadt wurde plötzlich zu einer Frage des Überlebens.“

Mehr als zwei Jahrzehnte später wird genau diese Frau mit einer der weltweit renommiertesten Auszeichnungen für Menschenrechtsarbeit geehrt. Jalila Haider erhält den Right Livelihood Award, häufig „Alternativer Nobelpreis“ genannt. Die Jury würdigt die 41-jährige Pakistanerin dafür, als erste Anwältin aus ihrer Hazara-Gemeinschaft Barrieren durchbrochen und sich ethnischer, staatlicher und patriarchaler Verfolgung entgegengestellt zu haben.

Für Haider ist die Auszeichnung mehr als eine persönliche Ehrung. „Ich sehe sie als Anerkennung der gemeinsamen Kämpfe so vieler Menschen, mit denen ich im Laufe der Jahre gearbeitet habe“, sagt sie im Gespräch. Sie nennt Frauen, Minderheiten, Flüchtlinge und Menschenrechtsverteidiger. Und ihre eigene Gemeinschaft, die Hazara. „Die Auszeichnung bedeutet mir umso mehr, weil der Druck nicht verschwunden ist.“

Haider wird 1984 in Quetta geboren, der Hauptstadt der pakistanischen Provinz Belutschistan. Sie wächst mit fünf Geschwistern in einer Hazara-Familie auf. Dass ihre ethnische und religiöse Zugehörigkeit eines Tages darüber entscheiden könnte, ob sie sicher durch ihre Heimatstadt kommt, bestimmt ihre frühe Kindheit noch nicht. „Ich glaube, dass ich zur letzten Generation der Hazara in Quetta gehöre, die diese Vielfalt noch so selbstverständlich erlebt hat.“

Die Hazara sind eine überwiegend schiitische Minderheit, deren Geschichte von Verfolgung geprägt ist. In Belutschistan verschärfte sich die Gewalt insbesondere seit der Jahrtausendwende. Radikale sunnitische Gruppen verübten Bombenanschläge und gezielte Tötungen. Haider und andere Vertreter der Gemeinschaft gehen davon aus, dass seit 1999 annähernd 3000 Hazara getötet wurden.

Haider erlebt, wie die Gewalt eine Stadt verändert. Freunde ziehen sich zurück, weil sie fürchten, selbst zu Opfern zu werden, wenn sie mit Hazara unterwegs sind. „Gewalt tötet nicht nur Menschen“, sagt sie. „Sie zerstört auch Beziehungen, verändert gesellschaftliche Räume und schafft Angst zwischen Gemeinschaften, die zuvor miteinander gelebt haben.“

Feminismus begann zu Hause

Dass Haider später Jura studiert, hat viel mit ihrem Vater zu tun. Für die Gesellschaft, in der seine Töchter aufwuchsen, sei er ungewöhnlich progressiv gewesen. Seine Töchter sollten eigenes Geld verdienen und unabhängig sein. Jalila sollte Anwältin werden.

Als sie zwölf Jahre alt ist, nimmt sich ihr Vater das Leben. „Ihn in diesem Alter zu verlieren, hat unser Leben völlig verändert.“ Seine Vorstellungen von Würde, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung aber bleiben. „Für mich kam der Feminismus nicht zuerst aus Büchern oder von der Universität. Er begann zu Hause.“

Danach hält ihre Mutter die Familie zusammen. Sie selbst wollte Ärztin werden, heiratete jedoch kurz nach der Schule und konnte diesen Traum nicht verwirklichen. Obwohl das Geld knapp ist, bringt sie alle sechs Kinder durch Schule und Studium. Wenn Jalila zweifelt, sagt ihre Mutter: „Hab keine Angst, ich bin bei dir.“

2007 beginnt Haider ihr Jurastudium, 2010 macht sie ihren Abschluss. Ein Jahr später eröffnet sie ihre eigene Praxis. Bis 2026 hat ihre Kanzlei nach Angaben von Right Livelihood mehr als 7000 Fälle bearbeitet. Haider vertritt politische Aktivisten und Menschenrechtsverteidiger, Frauen, Flüchtlinge und Angehörige von Minderheiten.

Es sind Zahlen, hinter denen Geschichten stehen, die Haider nicht loslassen. 2020 erfährt sie von einer jungen Frau, deren Familie behauptet, sie sei eines natürlichen Todes gestorben. Frauen hatten jedoch bei der Vorbereitung des Körpers für die Beerdigung Spuren entdeckt. Haider macht den Fall öffentlich. Der Leichnam wird exhumiert, Beschuldigte werden festgenommen.

Ein anderer Fall betrifft eine Frau, die zur Beilegung eines Konflikts zwischen zwei Familien verheiratet worden war. Statt Versöhnung folgt Rache. Die Frau wird nach etwa drei Tagen gefesselt in einer Grube gefunden – lebend. Ihre Verletzungen sind so schwer, dass sie Teile ihrer Beine und Füße verliert. Später stirbt sie.

Anschläge auf Anwälte

„Als Anwältin soll man sich mit Beweisen, Verfahren und juristischen Argumenten beschäftigen“, sagt Haider. „Aber hinter jeder Akte steht ein Mensch.“ Gerade Frauen kämen oft zu ihr, nachdem sie lange Gewalt und Erniedrigung erlebt hätten. Viele hätten zuvor gehört, sie müssten schweigen oder die Ehre ihrer Familie schützen. „Manchmal ist das Wichtigste, was eine Anwältin einer Frau geben kann, nicht nur ein juristisches Mittel, sondern auch das Selbstvertrauen, daran zu glauben, dass ihre Stimme etwas wert ist.“

Auch Haider selbst erlebt, wie nah der Tod kommen kann. 2016 haben sich Anwälte in einem Krankenhaus in Quetta versammelt. Wenige Stunden zuvor ist der Präsident der Anwaltskammer von Belutschistan erschossen worden. Dann explodiert eine Bombe. 62 Anwälte sterben. Haider überlebt.

„Ich verlor Freunde, sehr enge Freunde, Kollegen und Mentoren“, erzählt sie. Menschen, die eben noch miteinander gesprochen und gelacht hätten, seien Sekunden später nicht mehr da gewesen. Wenn sie heute daran denkt, erinnert sie sich an Gesichter und Stimmen. „Überleben bedeutet nicht, dass man einfach weitermacht.“ Und trotzdem macht Haider weiter.

2018 reicht ihr der Gerichtssaal nicht mehr. Wieder werden Hazara getötet. Demonstrationen und Appelle haben aus ihrer Sicht zu wenig bewirkt. In der Gemeinschaft habe sich beinahe die Erwartung festgesetzt, dass jeder der Nächste sein könnte. Haider beginnt einen Hungerstreik. Sie fordert, dass der damalige pakistanische Armeechef persönlich mit den Hazara verhandelt – und ist bereit, ihren Protest bis zum Tod fortzusetzen.

Eine Frau aus einer verfolgten Minderheit sitzt nun in einer patriarchalisch geprägten Region und verweigert ihrem eigenen Körper die Nahrung, weil ihr kaum noch ein anderes Druckmittel geblieben ist. Um sie herum wächst die Solidarität. Studenten kommen, Anwälte, Journalisten, Aktivisten und Menschen aus anderen ethnischen und religiösen Gemeinschaften.

„Ich wusste genau, wofür ich mich entschied und warum“, sagt Haider. Sie habe dem System eine Frage stellen wollen: „Wie weit muss eine Gemeinschaft gedrängt werden, bevor ihre Mitglieder bereit sind, ihr eigenes Leben zu riskieren, nur damit ihre Stimmen gehört werden?“

Nach vier Tagen kommt der Armeechef nach Quetta und verhandelt. Zum ersten Mal erreicht ein Protest von Hazara-Frauen eine solche politische Ebene. In den folgenden Jahren geht die Zahl der Angriffe auf die Gemeinschaft nachhaltig zurück, hält Right Livelihood fest.

Für diese Verbindung aus juristischer Arbeit und Aktivismus erhält Haider nun den Right Livelihood Award. Sie hat zudem die Organisation „We the Humans“ gegründet. Ein Projekt beschäftigt rund 400 Hazara-Witwen, deren Männer dem Terror zum Opfer gefallen sind. Als Mitbegründerin der Women’s Democratic Front trug Haider außerdem dazu bei, den ersten Women’s March in Belutschistan auf den Weg zu bringen.

Ziel von Hasskampagnen

Doch ihre Arbeit hat einen Preis. Haider erhält Morddrohungen, wird festgenommen und Ziel von Hasskampagnen. Unbekannte schießen vor dem Haus ihrer Familie. Menschen wenden sich von ihr und ihren Angehörigen ab. Am stärksten trifft es ihre Mutter. „Sie war nie Teil von Politik oder Aktivismus und verstand oft nicht einmal vollständig, was ich eigentlich tat“, sagt Haider. „Trotzdem musste sie die Folgen meiner Arbeit tragen.“ Mittlerweile sei ihre Mutter bettlägerig.

Haider erinnert sich an einen Morgen am Frühstückstisch. Ihre Mutter sah sie an und sagte: „Du solltest nicht hierbleiben. Sie werden dich nicht in Frieden leben lassen, egal, was du tust.“ Aktuell lebt Haider in den USA und promoviert in Rechtswissenschaften. Ihr Alltag besteht aus Lesen, Schreiben, Forschung und Lehrveranstaltungen. Fast gewöhnlich könnte dieses Leben wirken.

Nur fühlt sich das Gewöhnliche für sie noch immer ungewöhnlich an. „Ich hatte so lange mit Druck, Unsicherheit, Drohungen, Gerichtsverfahren, ständigen Telefonanrufen und Krisen gelebt, dass mir ein ruhigeres Leben fremd vorkam.“ Menschen aus Pakistan wenden sich weiterhin an sie. „Ich glaube, ich lerne immer noch, mit weniger Chaos zu leben.“

Vielleicht liegt darin eine weniger offensichtliche Geschichte hinter ihrer Auszeichnung. Der Right Livelihood Award erzählt von Mut. Haider erzählt inzwischen auch von dessen Grenzen. Es gebe viele Momente, in denen sie müde sei, mutig sein zu müssen. Sie habe sich gefragt, ob ihr Einsatz den Schmerz wert gewesen sei, den ihre Familie ertragen musste. „Ich habe Angst. Ich werde müde. Ich glaube nicht, dass Mut bedeutet, keine Angst mehr zu haben.“

Früher habe sie Mut stärker damit verbunden, Risiken einzugehen. Heute sehe sie das anders. Mut könne auch bedeuten, sich selbst zu schützen und zu wissen, wann man zurücktreten müsse. „Ich stehe noch immer für dieselben Werte. Aber ich habe gelernt, dass auch das eigene Überleben wichtig ist.“

Seit 1980 zeichnet Right Livelihood Menschen und Organisationen aus, die sich für gesellschaftlichen Wandel einsetzen. Neben Haider werden 2026 die KI-Forscherin Timnit Gebru, die Georgian Young Lawyers’ Association und die südafrikanische Rural Women’s Assembly geehrt. Die Preisverleihung findet im Dezember in Stockholm statt.

Ein klarer Auftrag

Haider versteht die Aufmerksamkeit als Auftrag. „Anerkennung lässt die Drohungen, die Verfahren, die Online-Kampagnen oder die Schwierigkeiten der Menschen in meiner Heimat nicht verschwinden.“ Aber sie zeige, dass ihre Kämpfe weit über Pakistan hinaus wahrgenommen werden. Und vielleicht führt der Weg deshalb am Ende zurück zu dem zwölfjährigen Mädchen in Quetta. Zu Jalila Haider kurz nach dem Tod ihres Vaters. Was würde sie diesem Mädchen heute sagen?

Dass schwere Jahre kommen werden. Dass sie Angst haben, weinen, Fehler machen und erschöpft sein wird. Dass all das keine Schwäche ist. Und dass sie nicht ständig beweisen muss, wie stark sie ist. „Vielleicht würde ich sie einfach in den Arm nehmen und sagen: Du wirst Dinge überleben, die du dir heute noch nicht einmal vorstellen kannst.“ Und noch wichtiger als jeder Satz über Mut: „Aber bitte vergiss darüber nicht zu leben.“

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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Bildung

 Es Brodelt an Frankreichs Schulen

von Fremdeninfo 11 Oktober 2026
von Fremdeninfo

                     Von: Birgit Holzer/ Haz

 

Blockaden an französischen Schulen und Universitäten – immer wieder kommt es zu Ausschreitungen. Was die Gründe sind, zeigt ein Besuch am Lycée Antoine-de-Saint-Exupéry im Pariser Vorort Créteil, wo die Bewegung begann.
Von Birgit Holzer
Irgendwann wird es dem jungen Mann, der sich mit einem Mikrofon vor dem Eingangstor seiner Schule aufgestellt hat, etwas zu ruhig. Er beschließt, die Stimmung wieder anzuheizen. „Hey Leute, wir brauchen euch, wir brauchen eure Mobilisierung, wir brauchen eure Power!“, ruft er, während jemand im Hintergrund die Hip-Hop-Musik lauter stellt. Die Dutzenden Jugendlichen, die sich am Dienstag kreisförmig um den Eingang des Lycées Antoine-de-Saint-Exupéry in Créteil aufgereiht haben, lassen sich bereitwillig mitreißen. Sie beginnen zu tanzen und zu klatschen.

Das Gymnasium in dem Vorort im Südosten von Paris war das erste in Frankreich, dessen Schülerinnen und Schüler Mitte September gemeinsam mit ihren Lehrkräften aus Protest gegen die schwierigen Lernbedingungen das Gebäude blockierten. Wenige Tage später kam es in Hunderten weiteren Bildungseinrichtungen im ganzen Land zu Streiks und Demonstrationen, durch die die Betroffenen auf ihre Probleme hinwiesen. Die Gebäude sind oft baufällig und heruntergekommen. Es fehlt an Lehrpersonal und Vertretungskräften, ja sogar an Stühlen und Tischen. Auch am Mittwoch waren mehr als 450 Schulen blockiert.

Gewaltsame Zusammenstöße

An einem ersten nationalen Protesttag vor gut einer Woche gingen laut der Gewerkschaft CGT insgesamt 300.000 Menschen, darunter überwiegend Beschäftigte im öffentlichen Dienst, auf die Straße. An diesem Dienstag waren es erneut den Organisatoren zufolge sogar 450.000, das Innenministerium zählte 266.000 Demonstranten. Inzwischen blockieren auch zahlreiche Studierende ihre Universitäten. Die Forderungen sind überall ähnlich und auch vor dem Gymnasium in Créteil zu hören. „Wir wollen mehr finanzielle Mittel für die Schulen, wir wollen respektiert werden, wir wollen ein Ende der Polizeigewalt gegen Minderjährige“, ruft der junge Protestanführer in sein Mikrofon. Seine Kameraden antworten mit zustimmenden Jubelrufen. Ein paar Meter entfernt stehen zwei Polizisten und beobachten die Demonstration. Eingreifen müssen sie nicht.

Andernorts in Frankreich blieb die Stimmung nicht so entspannt. Zigtausende schlossen sich den Demonstrationszügen an. Wie schon in den Tagen davor kam es unter anderem in Marseille, Toulouse und Lyon zu gewaltsamen Zusammenstößen junger Leute mit Ordnungskräften. Protestler setzten Mülltonnen und Fahrzeuge in Brand oder bauten Barrikaden auf. Die Polizei wiederum setzte Tränengas ein, jagte teils Jugendliche, um sie festzunehmen.

Es sind jene drastischen Gewaltszenen, die der Bewegung eine so große Aufmerksamkeit auch über die französischen Landesgrenzen hinaus verschaffen und die Regierung nervös machen. Seit Beginn der Proteste vor gut einer Woche wurden mehr als 6500 Menschen verhaftet, über 715 Polizisten und Gendarmen, 85 Lehrkräfte und Schulleiter sowie mindestens 215 Jugendliche verletzt.

Opfer einer Polizeigranate

Besonders bewegt viele das Schicksal eines 15-Jährigen aus Lens bei Lille, dem am Montag durch eine Polizeigranate die linke Hand abgerissen wurde. Laut dem zuständigen Staatsanwalt Étienne Thierry konnte noch nicht festgestellt werden, ob der Jugendliche eine bereits geworfene Granate aufgehoben hatte, die dann in seiner Hand explodierte oder ob die Polizei sie auf ihn warf. In Saint-Ouen-l’Aumône nordöstlich von Paris wurde ein 14-Jähriger von einer Tränengasgranate getroffen, die ein Polizist mit einem Cougar-Lanzengerät direkt abgefeuert hatte. Er erlitt einen doppelten Kieferbruch, alle oberen Zähne wurden gebrochen und die unteren ausgeschlagen. In beiden Fällen sowie in einigen weiteren nahm die französische Polizeiinspektion IGPN Ermittlungen auf. Am Mittwoch kündigte Innenminister Laurent Nunez an, es würden keine Schallgranaten mehr eingesetzt.

Immer wieder fallen Vergleiche mit den Studentenprotesten im Mai 1968. Die Zahl der Festnahmen sei jetzt schon größer als damals, betonte der Linkspolitiker und Präsidentschaftskandidat Jean-Luc Mélenchon: „Die polizeiliche Gewaltspirale ist außer Kontrolle geraten.“ Im rechten Spektrum wiederum werfen manche Mélenchon und seiner Partei LFI (La France Insoumise) vor, die Jugendbewegung für den Wahlkampf zu instrumentalisieren und die Proteste noch anzuheizen, indem sie die Gymnasiasten zur Rebellion ermutigen. „LFI bedient sich ihnen als Kanonenfutter“, sagte die Regierungssprecherin Maud Bregeon. Zunehmend werden die Proteste und der Umgang mit ihnen zu einem Wahlkampfthema.

Die brutale Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Kinder und Jugendliche sei inakzeptabel, sagt der Philosophie-Lehrer Antoine, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Mit zwei Kolleginnen hat er sich unter die Streikenden gemischt. „Die jungen Leute wollen anständige Unterrichtsbedingungen, und die einzige Antwort der Regierung besteht darin, die Polizei mit Schlagstöcken, Granaten und Gummigeschossen zu schicken“, klagt er. „Damit gibt man den Schülern zu verstehen, dass ihre Stimme keinen Platz im öffentlichen Raum hat.“

Demonstration aus Solidarität

Hier in Créteil laufe alles ruhig ab, aber über eine gewaltfreie Protestaktion werde ja kaum gesprochen. „Es muss erst zu einer Konfrontation kommen, damit sich etwas bewegt.“ An seiner Schule fehle es bislang an Lehr- und Vertretungspersonal, einer Schulkrankenschwester und an Psychologen. Nach einem Marsch der Schüler, Eltern und Lehrer zur örtlichen Schulbehörde wurde dort eine Delegation von ihnen empfangen und man versprach zumindest die Schaffung von drei neuen Stellen.

„Wir demonstrieren trotzdem aus Solidarität mit den anderen Schulen im ganzen Land weiter, denn die Probleme sind überall dieselben“, sagt die 17-jährige Vesalemei Aravimtham. „Im Sommer ist es wahnsinnig heiß in den Unterrichtsräumen, im Winter sehr kalt. In meiner Klasse sind wir 35, in einer anderen sogar 43. So kann doch niemand lernen.“ Ihre Freundinnen und sie fotografieren sich gegenseitig mit Pappschildern, auf die sie mit bunten Stiften Slogans geschrieben haben. „Wir verpassen unsere Lektionen, um Ihnen eine zu geben“, steht auf einem.

Mehrere Jugend- und Studierendenorganisationen haben deshalb einen Katalog von zehn Sofortmaßnahmen aufgestellt, die sie von der Regierung einfordern. Zu ihnen gehören ein umfassender Renovierungsplan für die Schul- und Universitätsgebäude, massive Neueinstellungen, eine Neuorganisation der oft sehr vollen Stundenpläne und langen Schultage – und ein Ende des gewaltvollen Vorgehens gegen die Protestler durch die Polizei.

Die Regierung zögerte eine Antwort tagelang hinaus. Inzwischen hat Premierminister Sébastien Lecornu mehrere Arbeitsaufträge an seine Minister weitergegeben, um bis Ende Oktober Vorschläge für Verbesserungen in verschiedenen Bereichen zu machen: die Vermeidung von Unterrichtsausfällen durch bessere Vertretungsangebote, insbesondere bei längerfristig fehlenden Lehrkräften, die Renovierung der teils stark heruntergekommenen Gebäude, eine neue Organisation der Tagesabläufe sowie mehr Mitspracherechte für Schülerinnen und Schüler.

Doch wird das ausreichen, um die Bewegung einzudämmen? „Solange wir nicht die zehn Milliarden Euro bekommen, die unseren Berechnungen nach nötig sind, werden wir weiterhin demonstrieren und blockieren“, kündigte Sabrine Kharbach, Sprecherin des größten Schüler- und Studentenzusammenschlusses, an. „Wir wollen echte Zahlen auf dem Tisch sehen.“

Der Regierung fehlt das Geld

Doch genau das ist für die Regierung angesichts des hohen Defizits schwierig. Gerade hat sie einen Haushaltsentwurf für 2027 vorgelegt, in dem sie insgesamt 43 Milliarden Euro Einsparungen eingeplant hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen soll das Bildungs- und Erziehungsministerium zwar eine leichte Erhöhung erhalten. Allerdings wird der Abbau von Stellen geplant, weil die Zahl der Schülerinnen und Schüler aufgrund des demografischen Wandels sinkt – statt einer Reduzierung der Klassengrößen und der Aufstockung von Vertretungspersonal.

Manche Experten verweisen auch auf noch tiefere Probleme, die den Protesten zugrunde liegen. Der auf Sozialbewegungen spezialisierte Historiker Stéphane Sirot etwa spricht von einem „angsteinflößenden Kontext“, dem die jungen Leute ausgesetzt seien: von der extremen Hitze und den Waldbränden im Sommer über die wirtschaftlichen Probleme bis zu den Ängsten vor KI, dem Klimawandel und den aktuellen Kriegen in der Welt. Er erkenne eine „allgemeine Krise des mangelnden Gehörtwerdens durch die Politik“, sagte wiederum Frédéric Dabi, Generaldirektor des Meinungsforschungsinstitutes IFOP.

Von der Regierung heißt es, sie hoffe auf ein Abflauen der Bewegung zum Ferienbeginn am 17. Oktober. Andere verweisen auf die Entschlossenheit der jungen Leute. Er demonstriere, bis es zu echten Verbesserungen nicht nur in seiner Schule komme, sagt Anis, 18-jähriger Gymnasiast am Lycée Antoine-de-Saint-Exupéry. „Ich bin stolz auf das, was wir schon erreicht haben.“ Im vergangenen Schuljahr sei seine Französisch-Lehrerin zwei Monate lang ersatzlos ausgefallen, das sei problematisch für seine anstehenden Abiturprüfungen. „Von unserer Generation heißt es immer, wir würden uns nur für die sozialen Medien interessieren, aber wir stehen heute hier zusammen und setzen uns für unsere Zukunft ein.“

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Drei Jahre nach dem Massaker vom 7. Oktober scheint eine Zwei-Staaten-Lösung ferner denn je. Das Misstrauen ist in Israel auf beiden Seiten sehr groß. Trotzdem hält die deutsche Regierung offiziell an der Idee fest.

von Cumali Yağmur 11 Oktober 2026
von Cumali Yağmur

Von Alexander Will/ Haz 
Es ist eines der Dogmen deutscher und europäischer Politik: Der Konflikt zwischen Arabern und Israelis um Gaza und die Westbank lässt sich nur mit der Gründung eines unabhängigen arabischen Staates lösen.

Gerade Ende September bekräftigte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wieder, zwei Staaten seien „der beste Weg, um einen umfassenden, gerechten und dauerhaften Frieden für Palästina und Israel zu schaffen“. Genau ein Jahr zuvor hatte der deutsche Außenminister Johann Wadephul in einer Grundsatzrede gefordert, der Zwei-Staaten-Prozess müsse jetzt endlich gestartet werden.

Nur – wie realistisch ist das Festhalten an dieser Idee, die seit Jahrzehnten das Ziel europäischer Nahostpolitik ist? Betrachtet man die Lage vor Ort, stellt sie sich gänzlich anders dar, als europäische Regierungszentralen das gern hätten: In Wirklichkeit ist die Zwei-Staaten-Lösung auf lange Zeit tot.

Die Hürden sind hoch

Unter Arabern und Juden in Israel und den Palästinensergebieten gibt es kein Zutrauen dazu. Ohne die Menschen geht es aber nun einmal nicht. Eine Pew-Research-Studie von Ende September machte die mentale Lage in der Region kristallklar: In Israel sagen nur 17 Prozent der Befragten, dass die friedliche Koexistenz eines jüdischen und eines arabischen Staates möglich sei, in Ostjerusalem und der Westbank sind es 21 Prozent. Auf israelischer Seite ist der Wert so niedrig wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

Die Hürden sind auf beiden Seiten auf unabsehbare Zeit wohl unüberwindbar. Die Pew-Forscher fanden auf beiden Seiten prinzipielle, spiegelbildliche Gründe für dieses Denken. Da ist zum einen das Bild von der „ewigen Feindschaft“ der beiden Völker, die unmöglich zu beenden sei, weil sie um Land kämpfen, das beide jeweils für unteilbar halten. Zudem seien die kulturellen und religiösen Unterschiede unüberbrückbar.

Zum anderen zeigte die Pew-Analyse tiefe Spuren jahrzehntelanger Gewalterfahrungen: Auf beiden Seiten glauben viele Menschen, dass diese über viele Generationen aufgerissenen Gräben nicht zuzuschütten sind.

Siedlungen schaffen Fakten

Arabische Skeptiker führten in der Umfrage außerdem die israelische Siedlungspolitik in der Westbank und den Streit über den Status von Jerusalem an, das beide Seiten für sich beanspruchen. Israel ermöglicht seit Jahren immer neue völkerrechtswidrige Siedlungen im Westjordanland – die Aussicht auf einen zusammenhängenden Palästinenserstaat wird so auch aus Sicht Europas immer unwahrscheinlicher.

Hört man sich vor Ort unter Arabern in der Westbank um, bekommt man zwei weitere Gründe für diese tiefe Skepsis zu hören. In einer Gesellschaft, die sich seit den 1990er-Jahren religiös radikalisiert hat, spielt islamisch motivierte Ablehnung heute eine große Rolle.

Sie umfasst die Idee, dass Land, das einmal der Umma – also der konstruierten Gemeinschaft aller Muslime – gehörte, nie wieder aufgegeben werden dürfe. Sie umfasst auch die Popularität antijüdischer koranischer Inhalte, die inzwischen nicht nur als unterstützende Nebenargumente in dem Territorialkonflikt benutzt werden, sondern als vermeintlich valide, ideologische Fundamente für den Kampf „gegen die Juden“ als solche dienen.

Im säkularen oder auch christlichen Umfeld begründet man die Skepsis gegenüber einer Zwei-Staaten-Lösung häufig, aber in der Regel nur in vertraulichen Gesprächen noch mit einem weiteren Phänomen: dem fatalen Zustand der arabischen Gesellschaft – in den Gebieten und in den arabischen Staaten gleichermaßen – sowie der Unfähigkeit und Korruptheit der palästinensischen Führung. Letztere sei an Machtsicherung interessiert, jedoch nicht an einer Veränderung der Situation, in der sie sich bequem eingerichtet habe.

Dieses Argument spiegelt sich erneut auf israelischer Seite. In der Pew-Umfrage wie in persönlichen Gesprächen wird häufig argumentiert, man habe ja „auf der anderen Seite“ gar keine Partner. Tatsächlich gilt die Palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah als eine der korruptesten politischen Institutionen des Nahen Ostens. Sie regiert seit mehr als 20 Jahren ohne Legitimation durch Wahlen. Ihr Präsident Mahmud Abbas ist in den Augen vieler ein in der Wolle gefärbter Antisemit.

Hauptsächlich speist sich die Ablehnung einer Zwei-Staaten-Lösung auf israelischer Seite aber aus historischen Erfahrungen. Immer wieder wäre eine arabische Staatsgründung aus ihrer Sicht im Bereich des Möglichen gewesen – 1948, 2004/2005 im Rahmen der israelischen Räumung Gazas, 2006 im Rahmen des sogenannten Konvergenzplanes, 2008 oder 2017. Immer wieder hätten die palästinensischen Organisationen Fatah und Hamas abgelehnt und stattdessen auf Gewalt gesetzt.

Die wichtigste Entwicklung, die den Glauben an die Möglichkeit einer Zwei-Staaten-Lösung am nachhaltigsten unterminierte, war die Gaza-Erfahrung. 2005 war das israelische Militär aus dem Gazastreifen abgezogen, jüdische Siedlungen wurden abgebaut. Das Resultat war eine arabische Quasi-Staatlichkeit unter der Hamas, die in den Massakern des 7. Oktobers 2023 gipfelte.

Die Idee scheint diskreditiert

Heute fragen sich viele Israelis, was wohl geschähe, wenn die Westbank ein arabischer Staat wäre – und welche Pogrome dann von dort zu gewärtigen wären.

Die Folgen des 7. Oktobers für das israelische Denken illustrieren Geschichten wie die von Ofir Libshtein. Der Vorsitzende der Regionalverwaltung Scha’ar HaNegev – direkt an der Grenze zum Gazastreifen – hatte noch am 4. September 2023 auf einem Hügel, der die Grenzanlagen überragt, über Pläne für eine israelisch-arabische, grenzübergreifende Sonderwirtschaftszone informiert.

Er sah das Projekt, das die Verständigung über eine gegenseitig nützliche wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern sollte, damals auf einem sehr guten Weg. Etwa einen Monat später war Libshtein tot – ermordet von Terroristen aus dem Gazastreifen.

Solche Geschichten haben auch in erheblichen Teilen des linken Lagers die Zwei-Staaten-Idee tief diskreditiert, und sie entfalten politische Wirksamkeit: Im laufenden Wahlkampf hat keine der wirklich wichtigen jüdischen Parteien diese Idee noch auf der Agenda.

Unterdessen ventilieren proarabische wie israelische Kreise sogar erneut den Gedanken einer Ein-Staaten-Lösung, also eines arabisch-jüdischen Staates auf dem gesamten Territorium des historischen Mandats-Palästinas. Das läuft auf arabischer Seite auf die Idee hinaus, durch Geburtenzuwachs in wenigen Generationen die Mehrheit zu stellen und den Staat zu übernehmen.

Das ist für Israel unannehmbar. Auf israelischer Seite kursieren Gedanken, die eine Art Zweiklassen-Gesellschaft mit eingeschränkten Rechten für Araber vorsehen. Das ist sowohl für diese als auch für eine Mehrheit der israelischen Gesellschaft völlig inakzeptabel.

All das weiß man auch in Brüssel und Berlin – und hält doch am politischen Wunschdenken fest. Das hat zwei Gründe. Zum einen sterben langgehegte und geliebte Dogmen sehr langsam. Zum anderen gibt es keine alternativen Ideen für eine „Lösung“. „Lösungen“ aber gelten als hohe Staatskunst, Ambivalenzen als das Gegenteil.

Der realistische Ausblick deutet darauf hin, dass der Status quo noch viele Jahre anhalten wird. Für manche Lagen gibt es eben für lange Zeit keine Lösungen. Die rund um Israel ist so ein Fall. Zwei Staaten wird es dort auf absehbare Zeit nicht geben

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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Allgemein

NEUSS – AKP-Lobby-Netzwerk im Ausland, UID, empfängt Bilal Erdoğan auf ihrer Generalversammlung

von Fremdeninfo 11 Oktober 2026
von Fremdeninfo

                 Von: Süheyla Kaplan

Die Union Internationaler Demokraten (UID) hat auf ihrer 9. Ordentlichen Generalversammlung in der Region Düsseldorf-Neuss Necmeddin Bilal Erdoğan empfangen. Erdoğan, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung zur Verbreitung von Wissen (İlim Yayma Vakfı), betonte in seiner Rede die Bedeutung der im Ausland lebenden türkischen Gemeinschaft sowie die Arbeit im Bereich Bildung und Jugend.

Bilal Erdoğan nahm an der Generalversammlung der UID teil, die für ihre Nähe zur AKP-Regierung bekannt ist und durch ihre Aktivitäten für die türkische Diaspora in Europa hervortritt. Er erklärte, man sei bereit, im Ausland lebende türkische Staatsbürger zu unterstützen, damit diese in ihren jeweiligen Aufnahmeländern erfolgreicher werden.

In seiner Rede sagte Erdoğan: „Alle unsere Staatsbürger sind für unsere Diaspora von großer Bedeutung. Wir sind bereit, unser Bestes zu tun, damit sie in den Ländern, in denen sie leben, erfolgreicher sind.“

In einer Mitteilung der UID hieß es, Erdoğan habe insbesondere den Wert betont, den die Themen Wissenschaft, Bildung und Jugend für die im Ausland lebende türkische Gemeinschaft besitzen. Die Vereinigung dankte Erdoğan für seine Teilnahme und seinen Beitrag zur Generalversammlung.

UID-Rolle in Europa bleibt umstritten

Die UID, die innerhalb der türkischen Gemeinschaft in Europa organisiert ist, gerät aufgrund ihrer Beziehungen zu türkeistämmigen Wählerinnen und Wählern im Ausland sowie ihrer politischen Aktivitäten immer wieder in die öffentliche Diskussion. Kritikern zufolge ist die Organisation Teil des politischen und gesellschaftlichen Einflussnetzwerks der AKP in Europa.

Im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz aus dem Jahr 2021 wurde die UID als Lobby-Organisation der AKP eingestuft. In den Berichten von 2023 und 2024 wurde auf die regelmäßigen Kontakte der Organisation zu türkischen Regierungsvertretern und AKP-Repräsentanten hingewiesen. Den Berichten zufolge verfügt die UID über das Potenzial, politischen Einfluss auf die türkeistämmige Gemeinschaft in Deutschland auszuüben.

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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Grundsicherung: Verlieren Hunderttausende Syrer ihren Anspruch? Schutzstatus soll aberkannt werden

von Fremdeninfo 11 Oktober 2026
von Fremdeninfo

 

Artikel von Lukas von Hoyer/ SK Südkuiere 

Grundsicherung: Verlieren Hunderttausende Syrer ihren Anspruch? Schutzstatus soll aberkannt werden

Die Bundesregierung möchte offenbar den Schutzstatus Hunderttausender Syrer aberkennen. Dabei geht es vor allem um Empfänger der Grundsicherung.

Knapp 14 Jahre lang tobte in Syrien ein Bürgerkrieg, der Hunderttausende Tote forderte. In dieser Zeit verließen Millionen Syrerinnen und Syrer das Land, einige von ihnen fanden in Deutschland eine neue Heimat. Im Juli 2026 lebten rund 912.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland, wie der Mediendienst Integration informiert. In den vergangenen Monaten sind einige Syrer in ihr Heimatland zurückgekehrt, die meisten allerdings geblieben. Die Lage in Syrien ist weiterhin unsicher, wie das Auswärtige Amt (AA) aufklärt. Trotzdem soll der Schutzstatus von Syrern nun im großen Stile aberkannt werden. Was hätte das zur Folge?

Auch interessant: Es gibt Unterschiede zwischen der Grundsicherung und dem Arbeitslosengeld. Außerdem hat die Bedeutung des Kooperationsplans bei der neuen Grundsicherung zugenommen.

Viele Syrer könnten Berechtigung für Grundsicherung verlieren

Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD beschlossen, Geflüchtete nach Syrien abzuschieben. Dabei sollte mit „Straftätern und Gefährdern“ begonnen werden. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) plant nun offenbar, Hunderttausenden Syrern den Schutzstatus abzuerkennen. Von entsprechenden Plänen, die durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) umgesetzt werden sollen, berichtet das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Beginnen sollte die Widerrufsprüfung bei allein reisenden jungen Männern, die Sozialhilfe beziehen, die also nicht arbeiten und dem Staat auf der Tasche liegen“, zitiert das RND Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Ärzte und Pfleger, die berufstätig sind, hätten demnach die Möglichkeit, „in einen Arbeitsaufenthaltstitel zu wechseln“.

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat es im Mai 2026 rund 415.000 Personen aus Syrien und der Arabischen Republik gegeben, die in Deutschland für die Grundsicherung berechtigt sind. Die meisten dieser Personen würden ihren Anspruch wohl verlieren, wenn ihnen der Schutzstatus aberkannt wird. Wenn sie keine Duldung erhalten, wären sie ausreisepflichtig. Hierbei kommt es auf die Prüfung von Einzelfällen an.

Immer mehr Syrer erhalten keinen Schutzstatus mehr

Bereits in den vergangenen Monaten wurde deutlich, dass der Schutz von Menschen aus Syrien in Deutschland nachgelassen hat. Das ZDF berichtete davon, dass im ersten Halbjahr 2026 bei 8320 Überprüfungen der Schutzstatus von syrischen Staatsbürgern in 23,2 Prozent der Fälle zurückgenommen oder widerrufen wurde. Im Jahr 2025 hatte diese Quote noch bei 3,7 Prozent gelegen.

Dem Bericht zufolge teilte die Bundesregierung mit, dass das Bundesamt begonnen habe „sukzessive die Aberkennungstätigkeit auf die Personengruppen auszuweiten, auf welche die Entscheidungstätigkeit im Asylverfahren aufgrund der Verbesserung der humanitären Lage in Syrien bereits ausgeweitet worden ist“. Der Widerruf findet derzeit bei Menschen statt, deren Asylverfahren bereits länger als 21 Monate andauern. Ein weiterer Fall ergibt sich daraus, dass das BAMF aufgrund des Erfolgs einer Untätigkeitsklage zu einer Entscheidung verpflichtet ist. Widerrufe würde es zudem bei Menschen geben, die nicht als besonders schutzbedürftig eingestuft werden und ihren Lebensunterhalt in Syrien mutmaßlich selbst bestreiten könnten.

Unterdessen möchte die Bundesregierung die Anreize für Syrer erhöhen, freiwillig in ihr Heimatland zurückzukehren. „Parallel zum Widerruf braucht es ein besseres Programm zur Förderung der freiwilligen Rückkehr von syrischen Flüchtlingen. Das soll den Anreiz, freiwillig auszureisen, erhöhen. Denn jede freiwillige Ausreise ist billiger als eine zwangsweise Abschiebung“, sagte Throm dem RND. Derzeit liegt die Ausreiseprämie für jede erwachsene Person bei 1000 Euro.

11 Oktober 2026 0 Kommentare
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