Von: BKMO)
Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
Obentrautstraße 72
10963 Berlin
030 896838126
Von: BKMO)
Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
Obentrautstraße 72
10963 Berlin
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Berlin. Quellenangabe: HAZ vom 12.06.2026,
Eine Mehrheit der Deutschen wünscht sich einen stärkeren Schutz gegen Diskriminierung. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage. Das Berliner Meinungsforschungsinstitut befragte 3500 Menschen zwischen dem 12. Februar und dem 16. März.
85 Prozent der Befragten wünschen sich demnach eine Verbesserung des rechtlichen Schutzes vor Diskriminierung. 88 Prozent stimmten der Aussage zu, dass es flächendeckend Beratungsstellen für von Diskriminierung Betroffene geben sollte. Und 82 Prozent sprachen sich für längere Fristen aus, um gegen erfahrene Benachteiligung vorgehen zu können. Für die Einführung eines Verbandsklagerechts votierten ebenfalls 82 Prozent. Bei der Verbandsklage erhalten Vereine oder Verbände die Möglichkeit, nicht die Verletzung eigener Rechte vor Gericht geltend zu machen, sondern die Verletzung von Rechten der Allgemeinheit. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Ferda Ataman, sagte: „Nirgendwo sind Menschen bei Diskriminierung so sehr auf sich allein gestellt, wie in Deutschland.“ Sie fügte hinzu: „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wird in diesem Sommer 20 Jahre alt. Es ist höchste Zeit für eine grundlegende Reform, die noch dazu den Rückhalt der Mehrheit der Bevölkerung findet.“
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und die geplante Reform findet Ataman „zu schwach“. So seien insbesondere die Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung für Betroffene in Deutschland im europäischen Vergleich unterentwickelt. „Weder können in Deutschland Verbände oder Antidiskriminierungsstellen klagen, noch Betroffene vor Gericht unterstützen. Auch andere Möglichkeiten der Unterstützung fehlen der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, wie Auskunftsansprüche und vorgerichtliche Entscheidungen.“
Die Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, über die der Bundestag am Donnerstag in erster Lesung beraten hat, soll von Diskriminierung Betroffenen länger Zeit geben, ihre Ansprüche geltend zu machen. Die Frist soll von zwei Monaten auf vier Monate verlängert werden. Auch soll der Schutz vor sexueller Belästigung ausgeweitet werden. Er soll künftig nicht nur auf den Arbeitsplatz beschränkt sein, sondern auch im Fitnessstudio und in der Fahrschule gelten. Ataman sprach sich für eine Verlängerung der Frist auf mindestens zwölf Monate aus und plädierte ferner dafür, „Staatsangehörigkeit“ und „sozialer Status“ als weitere Diskriminierungsmerkmale in das Gesetz aufzunehmen. Auch der Gesundheitsbereich und Diskriminierungen durch Künstliche Intelligenz blieben „antidiskriminierungsrechtliche Grauzonen“. Und schließlich könne sich nicht auf das Gesetz berufen, wer Diskriminierungen durch staatliche Stellen erlebe.
Von: Zeynep Hayir
In den letzten Wochen haben Beschäftigte im Gesundheitswesen und Ärzte in verschiedenen Städten Deutschlands gegen die Sparpläne im Gesundheitssystem protestiert. Während unter dem Vorwand von Milliardendefiziten in den Krankenkassen über neue Maßnahmen, Beitragserhöhungen und Ausgabenkürzungen diskutiert wird, betonen die Beschäftigten im Gesundheitswesen, dass nicht die Patienten und Arbeitnehmer die Ursache des Problems sind.
Die Behörden argumentieren, dass die steigenden Gesundheitsausgaben das System unter Druck setzen. Doch das Bild, mit dem die Bürger auf der Straße konfrontiert sind, ist eindeutig: Facharzttermine werden in vielen Regionen erst in Wochen oder gar Monaten vergeben. Die Wartezimmer der Hausärzte sind überfüllt. Krankenhäuser kämpfen mit massivem Personalmangel. Dennoch werden als Lösung erneut Einsparungen und neue finanzielle Belastungen auf die Tagesordnung gesetzt.
Genau an diesem Punkt stellt sich in der Öffentlichkeit eine andere Frage: Warum wurde über die in der Vergangenheit getätigten Milliardeninvestitionen immer noch keine Rechenschaft abgelegt, während heute aufgrund der Defizite der Krankenkassen Opfer verlangt werden?
Während der Corona-Pandemie hat Deutschland Milliarden von Masken gekauft. Ein Teil dieser in einer Krisensituation getroffenen Entscheidungen mag unter den damaligen Umständen notwendig erschienen sein. Doch Jahre später stellt sich heraus, dass Millionen von Masken in Lagern ungenutzt blieben und heute vernichtet werden, weil ihr Verfallsdatum abgelaufen ist. Während Milliarden Euro aus öffentlichen Mitteln ausgegeben wurden, wird weiterhin darüber diskutiert, wie korrekt diese Planungen tatsächlich waren.
Heute hingegen werden unter dem Vorwand, dass die Krankenkassen Defizite aufweisen, neue Sparpakete geschnürt. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen werden noch stärker belastet. Die Patienten sehen sich mit immer längeren Wartezeiten konfrontiert, und von den Bürgern wird erwartet, dass sie eine höhere finanzielle Last tragen.
Sicherlich ist die Finanzierung des Gesundheitssystems ein ernsthaftes Problem. Die alternde Bevölkerung, steigende Arzneimittelkosten und wachsende Behandlungskosten können nicht ignoriert werden. Die zunehmende Unzufriedenheit in der Öffentlichkeit liegt jedoch nicht nur an der wirtschaftlichen Lage. Die Menschen sehen einerseits die Folgen von milliardenschweren Fehlplanungen und fragen sich andererseits, warum die Last der Einsparungen immer auf die Schultern der Gesellschaft gelegt wird.
Das Thema, das heute in Deutschland diskutiert wird, ist nicht nur das Defizit der Krankenkassen. Diskutiert wird, wie öffentliche Mittel verwendet werden, wer für die Folgen politischer Entscheidungen verantwortlich ist und auf wessen Rücken die Last des Sozialstaats abgeladen wird.
Genau aus diesem Grund erregen die jüngsten Proteste der Beschäftigten im Gesundheitswesen so viel Aufmerksamkeit. Denn der Widerstand auf der Straße richtet sich nicht nur gegen bloße Budgetzahlen, sondern gegen die politischen Prioritäten.
Die gestellte Frage ist einfach, aber wirkungsvoll: Wenn Milliarden Euro für Masken aufgebracht werden konnten, die in Lagern verrotteten und heute vernichtet werden, warum wird dann nicht die gleiche Entschlossenheit gezeigt, um die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu stärken?
Von: Mehmet Tanlı
Nur noch wenige Tage vor dem Kulturfestival unter dem Motto „Einheit und Solidarität“, das am Samstag im Kölner Tanzbrunnen – einem der bekanntesten Veranstaltungsorte direkt am Rhein – stattfinden wird, sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Veranstaltet wird das Festival alle zwei Jahre von der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DİDF), einer der aktivsten und bekanntesten Migrantenselbstorganisationen in Deutschland.
Alev Bahadır, die Bundesvorsitzende der DİDF, erklärte gegenüber der Öffentlichkeit und der Presse: „Im Programm unseres Festivals werden Kontrast, Kai Degenhardt, Junge Arbeiter, Mustafa Özarslan, Agirê Jiyan, Gaye Su Akyol und die bekannte Gruppe Moğollar auftreten.“
Neben einem reichen Musikprogramm werden auch Vertreter aus den Bereichen Kultur, Politik, Gewerkschaften und Literatur am Festival teilnehmen. Zu den Gästen zählen unter anderem Özlem Alev Demirel (Mitglied des Europäischen Parlaments, Die Linke), Seyit Aslan (Vorsitzender der EMEP), Can Dündar (Journalist und Autor), Fehim Taştekin (Journalist und Autor) sowie Gamze Kubaşık (Autorin und Tochter von Mehmet Kubaşık, der vom NSU ermordet wurde).
Teilnehmer aus ganz Deutschland und den Nachbarländern erwartet
Alev Bahadır fügte hinzu: „Unser Festival findet alle zwei Jahre im Kölner Tanzbrunnen statt. Nachdem im Jahr 2024 rund 8.000 Menschen teilgenommen haben, erwarten wir auch in diesem Jahr eine ähnliche Resonanz aus ganz Deutschland und den Nachbarländern. Wir freuen uns darauf, die Bevölkerung sowie Sie, die Vertreter der Presse, bei unserem Festival begrüßen zu dürfen.“
Das Festival für Einheit und Solidarität wird seit 2015 im Kölner Tanzbrunnen veranstaltet und richtet sich gegen Aufrüstung, Kriege, den Rechtsruck und den Abbau von Sozialrechten. In diesem Jahr findet das Festival am Samstag, den 13. Juni, zwischen 14:00 und 22:00 Uhr statt. Eintrittskarten sind entweder über die DİDF-Ortsvereine oder über Eventim erhältlich. Zudem werden aus vielen Städten Busse zu sehr günstigen Preisen nach Köln eingesetzt.
Von Mehmet Tanli
Die Journalistenvereinigung der Türkei (TGC), die seit ihrer Gründung im Jahr 1946 für die Entwicklung des Journalistenberufs, den Schutz der Presse- und Meinungsfreiheit, die Stärkung der Solidarität unter Kollegen und die Aufrechterhaltung berufsethischer Grundsätze arbeitet, feierte heute in ihrer Zentrale mit einer großen Zeremonie sowohl ihr 80-jähriges Bestehen als auch den 38. Jahrestag der Gründung des Pressemuseums.
Bei der Zeremonie wurden 28 erfahrene Journalisten, die dem Beruf viele Jahre gedient haben und zwischen 1959 und 1966 Mitglieder der Vereinigung wurden, mit der Ehrenplakette der Journalistenvereinigung der Türkei ausgezeichnet:
Adnan Özyalçıner, Ahmet Şenova, Aydın Öztürk, Demir Feyizoğlu, Doğan Özgüden, Erdoğan Arıpınar, Ergüder Tırnova, Erkan Göksel, Gündüz Serdengeçti, Günsel Çeliker, Hasan Çeliker, Hilmi Yavuz, Hulusi Yavaşlar, İbrahim Dinçer, Kemal Şener, Naci Yener, Okşan Atasoy, Orhan Ayhan, Rahmi Turan, Selami Turgut Genç, Seraciddin Zıddıoğlu, Sökmen Baykara, Suat Türker, Şevket Uygun, Ünal Sakman, Turgay Olcayto, Yalçın Kamacıoğlu, Yalçın Toker.
Da Doğan Özgüden im Exil lebt und nicht an der Versammlung teilnehmen konnte, wurde seine Ehrenplakette stellvertretend Faruk Pekin überreicht, einem seiner Kampfgefährten aus den 60er Jahren in der Türkei.
Vor der Zeremonie sandte Özgüden folgende Dankesbotschaft an den Präsidenten der TGC, Vahap Munyar, und die Generalsekretärin Sibel Güneş:
„Ich danke Ihnen bereits im Voraus dafür, dass Sie mich zum 80. Jahrestag unserer Vereinigung mit der Verleihung der Ehrenplakette ehren.
Ich habe vor 74 Jahren, im Jahr 1952, in Izmir mit dem Journalismus begonnen und übernahm sofort Verantwortung in der Journalistenvereinigung von Izmir sowie in der Journalistengewerkschaft von Izmir. Als ich 1964 die Chefredaktion der Zeitung Akşam in Istanbul übernahm, wurde ich Mitglied der Journalistenvereinigung von Istanbul.
In der zweiten Hälfte der 60er Jahre leitete ich die Zeitschrift Ant. Aufgrund der Exilbedingungen, zu denen uns beide der Putsch vom 12. März zwang, leiten meine Frau, die Journalistin İnci Tuğsavul, und ich seit 52 Jahren die Agentur Info-Türk in Brüssel.
Obwohl ich Mitglied der Vereinigung der professionellen Journalisten Belgiens (AJP) bin, ist es mir eine Ehre, auch die Mitgliedschaft in der Journalistenvereinigung der Türkei aufrechtzuerhalten.
Aufgrund der aktuellen Gegebenheiten kann ich leider auch an der diesjährigen Preisverleihung nicht persönlich teilnehmen. Ich bitte darum, meinen Preis meinem geschätzten Kollegen Faruk Pekin zu überreichen, mit dem ich bei der Zeitschrift Ant zusammengearbeitet habe und der in meinem Namen an der Versammlung teilnehmen wird.“
Faruk Pekin, der den Preis bei der Zeremonie entgegennahm, übermittelte dem Vorstand der TGC den Dank von Doğan Özgüden.
Eröffnungsrede des TGC-Präsidenten Vahap Munyar
„Die Journalistenvereinigung der Türkei ist seit ihrer Gründung 1946 nicht nur eine Berufsorganisation für Journalisten geblieben, sondern hat auch eine wichtige Verantwortung für den Schutz der Pressefreiheit, der beruflichen Solidarität und der demokratischen Werte übernommen. Auch heute setzt sie ihre Arbeit entschlossen fort, damit die Bürger Zugang zu Nachrichten und zur Wahrheit haben und der freie Informationsfluss gewährleistet bleibt. Wir als TGC-Vorstand betrachten es als unsere Pflicht, die Grundrechte und Freiheiten, die untrennbare Bestandteile der demokratischen Gesellschaftsordnung sind, zu verteidigen.
Mit unserer ‚Erklärung der Rechte und Pflichten der Journalisten der Türkei‘ tragen wir weiterhin zur Verbreitung eines Journalismus bei, der frei von Hassrede ist, für den Frieden eintritt und an ethischen Grundsätzen festhält. Wir sehen es als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung, jede Bemühung zur Beseitigung von sexuellem Missbrauch und Ausbeutung von Frauen und Kindern zu unterstützen.
Wir fordern ein Arbeitsumfeld, in dem Journalisten nicht körperlich angegriffen werden oder mit ungerechtfertigten Festnahmen und Verhaftungen konfrontiert sind, nur weil sie ihren Beruf ausüben. Im Bewusstsein der Werte, die unsere Republik – die am 29. Oktober 2026 ihren 103. Geburtstag feiern wird – unseren Bürgern, Frauen, Journalisten, Intellektuellen, Jugendlichen und Kindern gebracht hat, setzen wir unsere Arbeit fort.“
Auszeichnungen für Özgüden und Tuğsavul in den vergangenen Jahren
Die Journalistenvereinigung der Türkei hatte İnci Tuğsavul bereits 1963 mit dem Preis „Journalistin des Jahres“ ausgezeichnet.
Özgüden und Tuğsavul, die seit 52 Jahren die Presseagentur Info-Türk in Brüssel leiten, wurden auch während ihrer Exiljahre mit folgenden Preisen geehrt:
Artikel von Stephanie Munk/ Merkur
Laut einem UN-Bericht beherbergt Deutschland weltweit die zweitmeisten Flüchtlinge. Seit Langem sinkt die Zahl der Asylbewerber wieder – doch die Lage sei trügerisch.
München – Nur ein Land nimmt weltweit noch mehr Flüchtlinge auf als Deutschland. Das geht dem Jahresbericht „Global Trends“ des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor. Die Zahlen zeigen: Deutschland liegt bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern weltweit auf Rang zwei. 2,7 Millionen Menschen hat die Bundesrepublik bis Ende 2025 aufgenommen.
Migranten nehmen an einem Deutschkurs in Frankfurt teil. Deutschland liegt weltweit auf Platz 1 bei der Aufnahme von Geflüchteten. © Patrick Pleul/dpa
Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih, präsentierte den Bericht am Donnerstag in Genf. Die Daten weisen auf eine historische Wende hin: Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren ist die Zahl der weltweit Vertriebenen zurückgegangen. Ende 2025 waren demnach rund 117,8 Millionen Menschen auf der Flucht. Das sind vier Prozent weniger als im Jahr zuvor. In Deutschland ging die Zahl der Geflüchteten im Land im Laufe des vergangenen Jahres um drei Prozent zurück, schreibt das UNHCR.
Deutschland auf Platz zwei bei Aufnahme von Flüchtlingen laut neuem UN-Bericht
Die sechs größten Aufnahmeländer weltweit beherbergen gemeinsam 36 Prozent aller Flüchtlinge, geht aus den Daten hervor. Die Rangliste der Länder, die Ende 2025 am meisten Geflüchtete weltweit aufgenommen haben, sieht folgendermaßen aus:
Die in Deutschland lebenden Flüchtlinge stammen laut dem Bericht überwiegend aus der Ukraine (1,2 Millionen), Syrien (668.600) und Afghanistan (288.300). Anders als in vielen anderen Aufnahmeländern sind viele der über die vergangenen Jahrzehnte nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge inzwischen eingebürgert oder verfügen über andere Aufenthaltstitel. Sie zählen dann nach UNHCR-Definition nicht mehr als Flüchtlinge und Asylbewerber.
Die hohe Zahl der Einbürgerungen erklärt auch den leichten Rückgang der syrischen Flüchtlingszahlen in Deutschland, obwohl im laufenden Jahr rund 4.800 syrische Asylbewerber neu hinzugekommen sind. Weltweit sank die Zahl der syrischen Flüchtlinge von 2024 bis Ende 2025 um 18 Prozent auf 4,9 Millionen. 1,3 Millionen Syrer kehrten im Laufe des Jahres 2025 in ihr Heimatland zurück.
Aus Deutschland, wo mehr als 1,5 Millionen als Asylbewerber eingereiste Syrer und Afghanen leben, kehrten bislang jedoch erst wenige Tausend in ihre Heimat zurück. Nach Syrien gab es beispielsweise seit Monaten keine Abschiebungen mehr aus Deutschland, weil es offenbar Probleme bei der Beschaffung von Passersatzpapieren gibt.
Die Zahl der ukrainischen Asylsuchenden stieg laut UN weltweit bis Ende 2025 leicht um zwei Prozent auf 5,2 Millionen. Rund 95 Prozent der ukrainischen Geflüchteten befänden sich in Europa, die meisten davon in Deutschland (1,2 Millionen). 25.000 geflüchtete Ukrainer kehrten laut dem Bericht im Jahr 2025 von Deutschland zurück in ihr Heimatland.
Der wichtigste Grund für den globalen Rückgang der Flüchtlingszahlen ist die gestiegene Zahl der Rückkehrer, heißt es vom Flüchtlingshilfswerk. 2025 kehrten insgesamt 14,7 Millionen Menschen in ihre Herkunftsregionen zurück.
Das sind 50 Prozent mehr als im Vorjahr und der zweithöchste Stand seit Beginn der Datenerhebung vor 60 Jahren. Die meisten Rückkehrer stammten aus Afghanistan (1,9 Millionen), Syrien (1,3 Millionen) und dem Sudan (651.000).
Doch UNHCR-Chef Salih warnt in einer Pressemitteilung davor, diese Zahlen als Zeichen nachhaltiger Entspannung zu deuten. Viele der Rückkehrer seien nicht freiwillig heimgekehrt, sondern dazu gezwungen worden – etwa Millionen Afghanen, die Pakistan und der Iran 2025 zur Ausreise drängten. Wer zur Rückkehr in ein unsicheres Land ohne ein eigenes Auskommen gezwungen werde, riskiere, die nächste Fluchtwelle auszulösen, mahnte Salih.
Besonders besorgniserregend ist laut UNHCR auch die Lage jener Flüchtlinge, die bereits seit Jahren im Exil leben: Rund 70 Prozent aller Flüchtlinge weltweit befinden sich seit mindestens fünf Jahren außerhalb ihrer Heimat – viele unterhalb der Armutsgrenze und ohne Aussicht auf eine Lösung ihrer Situation.
Einen schweren Rückschlag erlebte laut dem UN-Bericht 2025 das sogenannte Resettlement – die gezielte Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge durch aufnahmebereite Staaten. Die Zahl dieser Umsiedlungen sank um mehr als die Hälfte auf weltweit nur noch 81.800. Das ist das niedrigste Niveau seit 15 Jahren.
Hauptverantwortlich dafür waren die USA unter ihrem Präsidenten Donald Trump, die ihr Kontingent um 89 Prozent auf lediglich 11.500 Plätze reduzierten. Deutschland, das traditionell nur wenige Resettlement-Plätze anbietet, nahm auf diesem Weg 2.200 Flüchtlinge auf.
Zum 75. Jubiläum der Genfer Flüchtlingskonvention rief UNHCR-Chef Salih Regierungen, Hilfsorganisationen, den Privatsektor und die Zivilgesellschaft zum gemeinsamen Handeln auf. Sein Appell: „Asyl und Flüchtlingsschutz retten Leben und dürfen nicht zur Debatte stehen“, sagte er. „Wir können eine Zukunft nicht akzeptieren, in der Millionen Menschen über Jahre oder Jahrzehnte ohne echte Perspektive bleiben.“
„Inklusion ist keine Bürde, sondern ein Gewinn“, mahnte der UNHCR-Chef. Geflüchtete trügen, wenn sie die Chance dazu bekämen, zur Wirtschaft und dem Sozialsystem ihres Gastlandes bei. (Quellen: Global Trends Report 2025, UNHCR.org, dpa, frühere Berichterstattung) (smu)
Von: Zeynep Hayir
Die Aussagen, die Fatoş Pınar Türker im Gerichtssaal vorbrachte, lösten in der Türkei ein breites gesellschaftliches Echo aus. Frauenorganisationen, Juristen, Menschenrechtsverteidiger und Tausende von Menschen reagierten auf die Geschehnisse. Doch diese Reaktion betrifft nicht nur eine aktuelle Debatte, sondern rückt auch andere Geschichten wieder in den Vordergrund, die seit Jahren erzählt, aber oft nicht gehört wurden.
Denn leider sind die Schilderungen kein Einzelfall, den nur eine Frau erlebt hat. Drohung, Zurschaustellung, Erniedrigung und Gewalt über den weiblichen Körper sind eine der ältesten Herrschaftsmethoden der Menschheitsgeschichte. In Kriegen, bei Besatzungen, in Verhörzimmern, Gefängnissen und sogar nach dem Tod wurde der weibliche Körper oft zum Objekt einer Machtdemonstration gemacht.
Die Realität, die viele Menschen heute durch die Worte von Fatoş Pınar Türker erkennen, ist Teil einer Wahrheit, die revolutionäre Frauen, politische Gefangene, Menschenrechtsverteidiger und kurdische Frauen seit Jahren zu vermitteln versuchen. Ähnliche Schilderungen finden sich seit vielen Jahren in Briefen aus Gefängnissen, in Verteidigungsreden vor Gericht, in Menschenrechtsberichten und in Zeugenaussagen.
Im Laufe der Geschichte zielten Machthaber nicht nur darauf ab, Menschen zum Schweigen zu bringen. Sie beabsichtigten gleichzeitig, Gemeinschaften zu unterwerfen, das Gedächtnis zu verletzen und Angst dauerhaft zu machen. Aus diesem Grund wurde der weibliche Körper nicht nur als der Körper einer Einzelperson angegriffen, sondern als Symbol der Gemeinschaft, der Identität und des Widerstands, dem er angehört.
In vielen Teilen der Welt wurde sexualisierte Gewalt gegen Frauen während Kriegen als Kriegsmethode eingesetzt. In Folterzentren wurden erniedrigende Praktiken am weiblichen Körper durchgeführt. Gewalt gegen Frauen entwickelte sich zu einer Form der Unterdrückung, die nicht nur darauf abzielt, körperlichen Schaden zuzufügen, sondern eine Botschaft an die Gesellschaft zu senden.
Auch in der jüngeren Geschichte der Türkei kommen ähnliche Debatten und Behauptungen über schwere Menschenrechtsverletzungen seit Jahren zur Sprache. Insbesondere die Ereignisse in der konfliktgeladenen Atmosphäre der 1990er Jahre hinterließen tiefe Wunden im gesellschaftlichen Gedächtnis. Bilder von getöteten Guerilla-Kämpferinnen, deren Körper an Panzer gebunden und hinterhergeschleift wurden, brannten sich in das Gedächtnis ein. Diese Bilder wurden zu einem Symbol nicht nur für einen Tod, sondern für die Unterdrückung und Zurschaustellung des weiblichen Körpers auch nach dem Ableben.
Der weibliche Körper wurde mal in Gewahrsam, mal im Gefängnis, mal in Verhörzimmern und mal nach dem Tod zum Objekt einer Machtdemonstration. Daher sollte die Gewalt, die über den weiblichen Körper ausgeübt wird, nicht nur als Angriff auf Einzelpersonen betrachtet werden, sondern als eine Form der Unterdrückung, die auf das gesellschaftliche Gedächtnis und die Menschenwürde abzielt.
Einige Frauen erzählten das Erlebte in Gerichtssälen. Einige schrieben Briefe aus den Gefängnissen. Einige sagten vor Menschenrechtsorganisationen aus. Andere wiederum verloren ihr Leben, ohne dass ihre Stimmen gehört werden konnten.
Hierin liegt der Wert der heutigen gesellschaftlichen Reaktion. Wenn diese Reaktion nicht auf einen einzigen Vorfall beschränkt bleibt und auch den Stimmen der Frauen Gehör schenkt, die jahrelang nicht gehört wurden, kann sich die Tür zu einer echten gesellschaftlichen Aufarbeitung öffnen.
Denn die Gewalt, die über den weiblichen Körper ausgeübt wird, ist nicht neu.
Neu ist, dass die Gesellschaft beginnt, diese Geschichten zu hören.
Von: Cumali Yağmur
Dass die Fraktionen (Kliken) innerhalb der CHP sich nicht frei ausdrücken können, hat die Partei in ihren heutigen Zustand gebracht. Die Tatsache, dass es innerhalb der CHP zahlreiche Fraktionen gibt, lässt sich nicht mehr leugnen. Kemal Kılıçdaroğlu hat im Jahr 2013 einen Teil der „Ulusalcılar“ (Nationalisten) aus der Partei entfernt.
Personen, die derzeit aus verschiedenen linken Gruppen unter dem Dach der CHP als Abgeordnete gewählt wurden, agieren eher als Vertreter ihrer jeweiligen Fraktionen denn als Vertreter der Partei. Sie verteidigen ihre eigenen Ansichten in einer Art und Weise, die man als „päpstlicher als der Papst“ bezeichnen könnte. Diese Personen können nicht offen und ehrlich zugeben, dass sie eigentlich keine CHP-Anhänger sind und die Partei lediglich als Instrument für ihre eigenen politischen Ambitionen nutzen. Anstatt die Probleme der türkischen Gesellschaft zu diskutieren, bekämpfen sich die innerparteilichen Fraktionen gegenseitig.
Andererseits versuchen auch externe Kreise über soziale Medien die CHP nach ihren eigenen Vorstellungen zu lenken, selbst wenn sie keine Parteimitglieder sind. Die meisten dieser Personen, denen wir in den sozialen Medien begegnen, sind keine echten Politiker, sondern unseriöse Akteure.
Eine Gruppe versucht die CHP durch reaktionäre, nationalistische und rassistische Ansätze zu beeinflussen, indem sie die alevitische, dersimische und kurdische Identität von Kemal Kılıçdaroğlu angreift. Es gibt eine weitere Gruppe innerhalb der Partei, die sich als „türkisch-kemalistisch“ gibt, aber ihre Opposition gegen Kılıçdaroğlu nicht offen ausspricht. Eine andere Gruppe hingegen führt lediglich einen Machtkampf und tut alles, um ihre aktuelle Position zu sichern.
Die politische Ethik und eine universelle Kultur, die in der Politik vorhanden sein sollten, existieren leider weder in der türkischen Gesellschaft noch innerhalb der CHP in vollem Maße. Da nicht alles offen diskutiert wird, versucht jeder, seine Geschäfte hinter verschlossenen Türen abzuwickeln. Da in der Türkei nicht einmal eine bürgerliche Demokratie entwickelt ist, fehlt auch das Verständnis für innerparteiliche Demokratie. Menschen wechseln ihre Gesinnung über Nacht wie Chamäleons.
Die aktuelle Situation der CHP deutet auf zwei Wege hin: Entweder werden sie als zwei getrennte Parteien auf schmerzhafte Weise ihren Weg fortsetzen, oder sie entwickeln eine politische Tugend, finden einen Kompromiss und gehen – wenn auch mühsam – gemeinsam weiter. Die CHP muss sich so schnell wie möglich aus dieser Sackgasse befreien, indem sie ihr Verständnis von innerparteilicher Demokratie, ihre Führung und ihre Methoden weiterentwickelt.
Die Presse in der Türkei agiert außerhalb ethischer Regeln und stiftet Unruhe, indem sie fast wie leidenschaftliche Fußballfans Partei ergreift. Diese Situation spielt der AKP und MHP in die Hände und liefert ihnen Vorwände. Gleichzeitig beschuldigen sich die Fraktionen innerhalb der Partei gegenseitig der Zusammenarbeit mit der AKP-MHP und beziehen entsprechend Stellung.
Die wirtschaftliche Lage in der Türkei treibt die Massen in eine tiefe Unzufriedenheit und auf die Suche nach Hoffnung. Doch das Volk, das das Vertrauen in linke Parteien verloren hat, sieht den einzigen Ausweg erneut in der Autoritarisierung der AKP-MHP. Die Gesellschaft vertraut niemandem, während sie nach einer Rettung aus ihrer schwierigen Lage sucht. Wirtschaftliche Nöte können die Massen in verschiedene Richtungen treiben. Die Gesellschaft in der Türkei sucht einen Retter; findet sie keinen, kann sie die AKP-MHP, die eigentlich die Verursacher der Krise sind, erneut als „Retter“ ansehen. Diese wirtschaftlichen und politischen Probleme machen neue Bestrebungen und ein neues politisches Verständnis in der Türkei unumgänglich. Die türkische Gesellschaft befindet sich in einer Übergangsphase und schwankt in dieser Suche in einem Teufelskreis hin und her.
Auch die CHP antwortet nicht auf dieses Verlangen der Gesellschaft. Die Menschen denken: „Die sind sowieso schon untereinander zerstritten, sie nützen sich ja nicht einmal selbst etwas; sie können auch die wirtschaftlichen Probleme der Gesellschaft nicht lösen.“
Massen, die so denken, können die AKP-MHP als Rettung sehen und anderen Parteien den Rücken kehren. Die CHP und alle anderen Oppositionsparteien, die dafür verantwortlich sind, können den Bedürfnissen der Gesellschaft nicht gerecht werden.
Die Lösung für das Problem in der Türkei besteht darin, eine breite Frontbildung anzustreben, sich auf kleinste gemeinsame Nenner zu einigen und gegen die faschistische Diktatur der AKP-MHP zu kämpfen, um diese zu besiegen.
Artikel von Thomas Gautier
Eine ehemalige Mitarbeiterin der Münchner Ausländerbehörde soll Vietnamesen illegal Aufenthaltsgenehmigungen ausgestellt haben. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Ermittler 100.000 Euro Bargeld sowie Gold und Silber.
München – Der Korruptions-Skandal im Münchner Kreisverwaltungsreferat weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft München I hat am 3. Juni Anklage gegen eine ehemalige Mitarbeiterin der Behörde sowie zwei weitere Angeschuldigte erhoben. Es geht um Hunderttausende Euro, die geflossen sein sollen, damit Ausländer in Deutschland bleiben konnten, die eigentlich nicht das Recht dazu hatten.
Gegen die 36-jährige Ex-KVR-Mitarbeiterin besteht der Verdacht der Bestechlichkeit in 85 Fällen, jeweils in Tateinheit mit gewerbs- und bandenmäßigem Einschleusen von Ausländern, in 68 Fällen hiervon in Tateinheit mit gewerbs- und bandenmäßiger Urkundenfälschung. Den 34-jährigen bzw. 31-jährigen albanischen Angeschuldigten liegt ebenfalls gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern zur Last, zudem Beihilfe zur Bestechlichkeit. Gegen einen der beiden besteht zudem der Verdacht der gewerbs- und bandenmäßigen Urkundenfälschung.
Und so soll’s gelaufen sein: Die Angeschuldigten sollen in einer Vielzahl von Fällen dafür gesorgt haben, dass Vietnamesen die Möglichkeit zum Aufenthalt in Deutschland bekamen. Die Angeschuldigte war im Tatzeitraum als Mitarbeiterin in der Münchner Ausländerbehörde tätig, die zum KVR gehört.
Ihr wird vorgeworfen, dass sie von September 2024 bis Mai 2025 in 85 Fällen Aufenthaltsgenehmigungen und sogenannte Fiktionsbescheinigungen für vietnamesische Antragsteller ausstellte – obwohl sie wusste, dass sie dafür nicht die Voraussetzungen erfüllten. Dafür soll sie fett abkassiert haben: Die vietnamesischen Antragsteller „entrichteten hierfür jeweils Zuwendungen im mindestens fünfstelligen Bereich“, so die Anklage. Also jeweils mindestens 10.000 Euro in 85 Fällen!
Gefälschte slowenische Papiere
Einer der anderen Beschuldigten soll für die Antragsteller zunächst slowenische Aufenthaltstitel gefälscht oder gefälschte slowenische Aufenthaltstitel beschafft haben. Zudem soll er unter anderem die vietnamesischen Antragsteller kontaktiert haben. Der weitere Angeschuldigte soll die vietnamesischen Antragsteller in den Räumlichkeiten des KVR in Empfang genommen und von ihnen das Geld kassiert haben.
Zwei der Beschuldigten sitzen seit schon seit Mitte Dezember 2025 in Untersuchungshaft. Bei einer Durchsuchung ihrer Privatwohnung im Oktober 2025 wurde Bargeld in Höhe von rund 100.000 Euro, zudem 200 Gramm Gold und 250 Gramm Silber aufgefunden. Es ist laut Staatsanwaltschaft „beabsichtigt, im Rahmen der Hauptverhandlung die Einziehung eines Betrages in Höhe von 850.000 Euro“ gegen diese beiden Angeschuldigten zu beantragen (sie sind verheiratet).
Jetzt muss das Landgericht entscheiden
Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und damit über eine mögliche Terminierung der Hauptverhandlung wird die zuständige Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I entscheiden. Gegen fünf weitere Beschuldigte dieser Tätergruppierung sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, als Bandenmitglied bzw. als Vermittler zwischen Bandenmitgliedern und Antragstellern tätig geworden zu sein. Zudem wurden gegen sämtliche vietnamesische Antragsteller ebenfalls Ermittlungsverfahren eingeleitet.
Von: Celal Isik/ Istanbul
Außer der DEM-Partei und einigen links-sozialistischen Parteien eint alle Systemparteien – ob in der Regierung oder in der Opposition – das Festhalten an den geheimen Codes und der offiziellen Ideologie des Staates. Abgesehen von feinen Nuancen wirken sie wie verschiedene Zweige desselben Hauptstroms.
Die CHP zum Beispiel hat in Bezug auf einen grundlegenden Gründungscode wie „Türke zu sein“ oder „türkischer Abstammung zu sein“, auf dem der Staat fußt, keinerlei Kritik oder Selbstkritik geübt, die sie von der MHP oder der AKP unterscheiden würde. Im Gegenteil, sie hat diesen Code fanatisch verteidigt und tut dies auch weiterhin.
In diesem Sinne hat die CHP zu keiner Zeit der Geschichte, einschließlich heute, eine oppositionelle Haltung gegenüber dieser Gründungsphilosophie oder gegenüber rechten Regierungen eingenommen, die diese Philosophie verteidigen.
Anstatt das Paradigma zu kritisieren und zu demokratisieren, welches Nicht-Türken wie Griechen, Armenier und Kurden ausschließt und nicht in das System integriert, beharrt sie auf ihrer Haltung, die darauf eingeschworen ist, dieses System zu verteidigen.
Anstatt jenen Kemalismus zu kritisieren, der behauptet, „das Türkentum sei eine Rasseneinheit“, hat sie ihm eine unantastbare Heiligkeit zugeschrieben.
Das größte Hindernis für die Demokratisierung der Türkei heute ist diese Gründungsphilosophie sowie die Gesamtheit der Regierungs- und Oppositionsparteien, die diese Philosophie gemeinsam verteidigen.
Die CHP, die İYİ-Partei und die Zafer-Partei stehen in dieser offiziellen Ideologie niemals im Widerspruch zur regierenden AKP und MHP. Ihr einziger Konflikt besteht darin, wer am Steuer dieses gemeinsamen „Machtwagens“ sitzen darf.
Die Gründungsphilosophie der CHP und der von ihr gegründeten Republik Türkei, die auf der türkischen Abstammung basiert, verdankt ihre Existenz beinahe der Feindseligkeit gegenüber Armeniern, Griechen und Kurden, die als Kollaborateure äußerer Feinde betrachtet werden. Dieses Staatsverständnis, das ohne Feindbilder nicht existieren kann, scheint heute der gemeinsame Nenner fast aller Regierungs- und Oppositionsparteien in der Türkei zu sein.
Diejenigen, die die Errichtung einer pluralistischen demokratischen Republik anstelle dieses monistischen (einheitlichen) Verständnisses in der Türkei am meisten herbeisehnen, sind bedauerlicherweise jene Völker, die von diesem Staatssystem ausgeschlossen, ignoriert, Genoziden und Assimilation unterworfen wurden. In diesem Land, das Demokratie so dringend nötig hat, sind dies allen voran Kurden, Aleviten, nicht-muslimische Minderheiten sowie andere ethnische und soziale Minderheiten.
Die Regierung versucht heute, die Kurden – die Gruppe, die am meisten Demokratie benötigt – mit der Täuschung der „islamischen Brüderlichkeit“ zu spalten, zu schwächen und die Demokratie-Front zu zerschlagen. Die CHP ist auch in diesem Punkt bisher nicht in der Lage, eine zukunftsweisende Vision zu entwickeln, die dem pluralistischen, demokratischen Block Hoffnung gegen die Regierung gibt. Stattdessen neigt sie dazu, sich mit rassistischen Parteien wie der Zafer-Partei oder der İYİ-Partei einer monistischen, antidemokratischen, radikal rechten Front zuzuwenden.
Das größte Übel, das man dem Land antun kann, besteht darin, jenen gesellschaftlichen Kreisen, die Demokratie fordern, die Türen zu verschließen und sie stattdessen jenen zu öffnen, die Feinde der Demokratie und des sozialen Friedens sind.
Die CHP unter Özgür Özel muss ihre Türen gegenüber der rassistisch-nationalistischen „Front des Unheils“ schließen und gemeinsam mit allen demokratischen Kräften handeln, die Demokratie und Frieden ins Land bringen wollen.
Eine CHP unter Özgür Özel, die aus wahltaktischem Kalkül pragmatisch und prinzipienlos nach dem Motto „drei Stimmen von hier, fünf Stimmen von dort“ handelt, würde bedauerlicherweise den Weg für ein despotisches und autokratisches Regime ebnen, das sich so festsetzt, dass in diesem Land nie wieder Wahlen stattfinden könnten.
Damit ein gesellschaftliches System entsteht, in das alle Menschen dieses Landes mit ihren unterschiedlichen ethnischen und religiösen Identitäten als gleichberechtigte Bürger einbezogen werden, und damit eine demokratische Republik errichtet werden kann, muss die CHP ihren Platz innerhalb des breitesten Demokratie-Bündnisses einnehmen und ihre Prinzipien klar definieren.
Sie muss das alte monistische und etatistische (staatsgläubige) Republik-Paradigma durch ein pluralistisches, laizistisches und partizipatives demokratisches Republik-Paradigma ersetzen. Die CHP sollte die Sozialdemokratie anstelle von Etatismus und Nationalismus verteidigen.
Eine CHP, die dies nicht umsetzt, hat ebenso wenig eine Zukunft wie die von ihr fanatisch verteidigte, veraltete Republik. Das Schicksal eines Staates, der sich nicht aktualisieren kann und hinter den gesellschaftlichen Forderungen zurückbleibt, ist düster.
Die grundlegende Frage in der CHP lautet heute nicht: Özgür Özel oder Kılıçdaroğlu? Sondern: Wird die CHP eine sozialdemokratische Partei sein? Wird sie – wie es die Konsequenz daraus wäre – gemeinsam mit den demokratischen Kräften im breitesten Kampf-Bündnis für Demokratisierung und sozialen Frieden eintreten? Oder wird sie an der Seite rassistischer Parteien und Politiken verharren, die keinen Wandel wollen und auf der rassistischen Politik der „alten Türkei“ beharren?
Dies ist die grundlegende und richtige Frage, die sich die CHP und alle ihre Mitglieder heute stellen müssen.
Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.