Rassismus: Razzia in Hannover

von Cumali Yağmur

 

Quellenangabe: HAZ

Plakat am Spielplatz: Verdacht auf Volksverhetzung
Mehr als ein Jahr nachdem Unbekannte in Groß-Buchholz ein rassistisches Fake-Plakat aufgestellt haben, konnten Polizei und Staatsanwaltschaft nun drei Beschuldigte ausfindig machen. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover auf Anfrage bestätigt, gab es bereits im März Durchsuchungen an den Adressen der mutmaßlichen Täter.
Die Tafel war Mitte Februar 2025 auf einem Spielplatz in Groß-Buchholz aufgetaucht und sollte den Anschein erwecken, als sei sie von der Stadtverwaltung hergestellt worden – inklusive offiziellem Hannover-Logo. Auf dem Schild wurde vor angeblichen Gewalttaten und Vergewaltigungen durch Migranten in der Nachbarschaft gewarnt.
Das ist die „Sturmfeste Niedersachsen“
In sozialen Medien hatten mutmaßliche Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe „Sturmfeste Niedersachsen“ auf Fotos neben der Tafel posiert. Dabei zeigten die Vermummten das White-Power-Handzeichen, ein Neonazi-Symbol für die vermeintliche Vorherrschaft der „weißen Rasse“. Ob Personen, die auf den Bildern zu sehen sind, zu den nun Beschuldigten gehören, ist unklar.
Der niedersächsische Verfassungsschutz bezeichnet die „Sturmfeste“ als lokalen Ableger der rechtsextremistischen Identitären Bewegung. Auf ihrem Instagram-Account plustern sich junge Männer beim Kampfsport, Wandern und dem Verteilen von Aufklebern auf.
Gefälschtes Plakat im Look der Verwaltung
„Im Rahmen der Ermittlungen wurden Mitte März 2026 Durchsuchungsbeschlüsse an den Wohnanschriften der Beschuldigten vollstreckt“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. „Dabei wurden Beweismittel sichergestellt, die noch ausgewertet werden müssen.“ Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung dauern noch an.
Die Stadt hatte das Schild sofort nach seiner Entdeckung entfernen lassen. „Das Schild widerspricht in seiner Botschaft unseren freiheitlichen Grundwerten“, teilte die Verwaltung mit. Auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) verurteilte das rassistische Plakat in Groß-Buchholz.
Weitere mutmaßlich rechtsextreme Taten
In den vergangenen Wochen gab es in Hannover zwei Straftaten mit mutmaßlich politischem Hintergrund. Mitte April verwüsteten Unbekannte Blumenkränze und beschmierten Gedenkplatten am ehemaligen Konzentrationslager in Ahlem. Knapp einen Monat zuvor wurde das Holocaust-Mahnmal an der Oper in der Innenstadt großflächig mit Farbe besprüht. Die Ermittlungen in beiden Fällen dauern an.

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