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AllgemeinFlüchtlinge

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Flüchtlinge

Stoppt die Abschiebung nach Syrien

4 Juni 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Stoppt die Abschiebung nach Syrien

von Fremdeninfo 4 Juni 2026
von Fremdeninfo

Von: Süheyla Kaplan

Eine meiner kurdischstämmigen Schülerinnen aus der syrischen Region Afrin hat von der Ausländerbehörde einen Abschiebungsbescheid erhalten.

Sie besucht derzeit einen berufsbezogenen Deutsch-B2-Kurs. Junge Frauen, die vor dem IS und anderen islamistischen Terrororganisationen geflohen sind und hier Schutz gesucht haben, dürfen nicht den Preis für die politischen Verhandlungen zahlen, die zwischen Deutschland und der Jolani-Führung (HTS) geführt werden.

Die Zukunft von Frauen und jungen Mädchen darf nicht dem Jolani-Regime geopfert werden, das man zu legitimieren versucht.

Meine Schülerin ist eine erfolgreiche, fleißige und vielversprechende junge Frau. Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, damit sie ihre Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung in Deutschland fortsetzen kann. Um ihren Verbleib zu sichern, werde ich eine Stellungnahme an die Ausländerbehörde verfassen und alle rechtlichen Wege bis zum Ende ausschöpfen.

4 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Die Linke fordert Wahlrecht für Migranten: Wer fünf Jahre hier lebt, soll wählen dürfen

von Fremdeninfo 4 Juni 2026
von Fremdeninfo

           Von Welt

Die oppositionelle Linkspartei (Die Linke) hat dem Bundestag einen Antrag vorgelegt, der vorsieht, dass Migranten, die seit mindestens fünf Jahren legal in Deutschland leben, an Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen teilnehmen dürfen. Der Antrag bringt die seit Jahrzehnten andauernde Debatte über das „Ausländerwahlrecht“ in Deutschland erneut auf die Tagesordnung.

Der Antrag mit dem Titel „Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer“ wurde unter der Federführung des Linken-Abgeordneten Ferat Koçak vorbereitet und von zahlreichen Abgeordneten, darunter den Ko-Parteivorsitzenden Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, unterzeichnet.

Die Partei argumentiert, dass Millionen von in Deutschland lebenden Migranten zwar arbeiten, Steuern zahlen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, aber dennoch von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen bleiben.

„Demokratisches Repräsentationsdefizit entsteht“

Im Antrag wird darauf hingewiesen, dass ein Großteil der in Deutschland lebenden Migranten bereits seit vielen Jahren im Land ansässig ist, aber dennoch nicht an Wahlen auf Bundes- und Landesebene teilnehmen darf.

Nach Ansicht der Linken stellt dies ein gravierendes Defizit in der demokratischen Repräsentation dar. Die Partei erinnert daran, dass im Jahr 2025 etwa 14 Millionen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in Deutschland leben, von denen rund 5 Millionen EU-Bürger sind. Statistiken zufolge beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der ausländischen Bevölkerung in Deutschland etwa 15 Jahre.

Die Parteiführung vertritt den Standpunkt, dass das Recht auf politische Teilhabe nicht an die Einbürgerung oder den wirtschaftlichen Status gebunden sein sollte.

Debatte über verfassungsrechtliche Hürden

Das Wahlrecht in Deutschland ist derzeit an die deutsche Staatsangehörigkeit gebunden. In einem Urteil aus dem Jahr 1990 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass der im Grundgesetz verankerte Begriff des „Volkes“ im Grundsatz „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“ die deutschen Staatsangehörigen meint, und erklärte entsprechende Landesregelungen zum Ausländerwahlrecht für nichtig.

Die Linke argumentiert hingegen, dass sich Deutschlands Identität als Einwanderungsland über die Jahre gefestigt habe und die rechtliche Auslegung neu bewertet werden müsse. Parteivertreter weisen darauf hin, dass in verschiedenen Artikeln des Grundgesetzes lediglich vom „Volk“ statt explizit vom „deutschen Volk“ die Rede sei, weshalb der aktuelle Ansatz neu diskutiert werden könne.

Initiativen aus Schleswig-Holstein und Hamburg

Das Thema Ausländerwahlrecht kam in Deutschland erstmals im Jahr 1989 ernsthaft auf die Tagesordnung. Am 14. Februar 1989 verabschiedete das Land Schleswig-Holstein eine Regelung, die bestimmten Ausländergruppen, die seit mindestens fünf Jahren legal im Land lebten, das Wahlrecht bei Kommunalwahlen einräumte. Einen Tag später beschloss Hamburg, Ausländern mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens acht Jahren das Wahlrecht bei Bezirkswahlen zu gewähren.

Auf Antrag der CDU/CSU erklärte das Bundesverfassungsgericht beide Regelungen am 31. Oktober 1990 jedoch für verfassungswidrig und hob sie auf.

EU-Bürger sind wahlberechtigt

Kurz nach dem Urteil des Verfassungsgerichts wurde mit dem Vertrag von Maastricht das Recht für EU-Bürger eingeführt, an Kommunalwahlen in ihrem jeweiligen Wohnsitzland teilzunehmen. In diesem Rahmen dürfen in Deutschland lebende EU-Bürger seit 1994 bei Kommunalwahlen sowohl wählen als auch kandidieren.

Im Gegensatz dazu sind Millionen von Menschen aus Nicht-EU-Staaten, allen voran Menschen türkischer Herkunft, trotz ihres langjährigen Aufenthalts in Deutschland weiterhin von Wahlen ausgeschlossen.

Kritik der Opposition

Der Vorstoß der Linken löste politische Debatten aus. Die Kritik konzentriert sich darauf, dass das Wahlrecht direkt mit der Staatsangehörigkeit verknüpft ist und eine Entkoppelung die Bedeutung der deutschen Staatsbürgerschaft schwächen könnte. Laut Gegenstimmen sollte das Wahlrecht nicht nur eine Folge der Betroffenheit durch das Leben im Land sein, sondern ein Ausdruck der Teilhabe an der politischen Souveränität.

Das Bundesinnenministerium erinnert zudem daran, dass langjährig in Deutschland lebende Migranten durch Einbürgerung das Wahlrecht erlangen können. Die Linke hingegen betont, dass Einbürgerungsprozesse nicht immer einfach seien und viele Menschen aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen diese Möglichkeit nicht nutzen könnten.

Unterschiedliche Praktiken in Europa

In Europa steigt die Zahl der Länder, die Ausländern das kommunale Wahlrecht gewähren. Schweden (seit 1975), Dänemark (seit 1981), die Niederlande (seit 1985) und Finnland (seit 1991) erlauben ansässigen Ausländern die Teilnahme an Kommunalwahlen. Auch in Ländern wie Belgien, Irland, Spanien, Portugal, Slowenien, der Slowakei, Estland, Litauen und Ungarn können Ausländer unter bestimmten Bedingungen an lokalen Wahlen teilnehmen.

In Deutschland ist das Thema Ausländerwahlrecht durch den jüngsten Vorstoß der Linken erneut zu einem zentralen Diskussionspunkt der Bundespolitik geworden.

4 Juni 2026 0 Kommentare
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Bildung

Rettet die Turkologie an der JLU Gießen – Finanzierung dauerhaft sichern!

von Cumali Yağmur 3 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Fremdeninfo

Wir fordern die hessische Landesregierung auf, die Finanzierung der Professur für Turkologie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) dauerhaft zu sichern und eine nahtlose Wiederbesetzung nach der Pensionierung des bisherigen Lehrstuhlinhabers ab Oktober 2026 zu garantieren.

Es darf nicht zugelassen werden, dass diese strategisch, kultur- und geopolitisch bedeutende Säule unserer hessischen Bildungslandschaft den Sparzwängen des Hessischen Hochschulpaktes zum Opfer fällt.

Warum das wichtig ist: Die geplante Streichung der Professur ist ein bildungspolitischer Skandal und ein offener Bruch von Regierungsversprechen. Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD wurde der Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts fest vereinbart. Um Türkisch als Fremdsprache flächendeckend in Hessen anzubieten, haben das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Kultusministerium in der letzten Legislatur ein Projekt zur Entwicklung des Studienfachs Didaktik des Türkischen in Auftrag gegeben. Dieses wissenschaftliche Konzept liegt nun fertig in der Schublade. Die Streichung der Professur entzieht diesem mühsam erarbeiteten Fundament die Existenzberechtigung und verbrennt Steuergelder.

Mit hunderttausenden Menschen bildet die türkeistämmige Community die größte Bevölkerungsgruppe nichtdeutscher Herkunft in Hessen. Türkisch ist hier die meistgesprochene Herkunftssprache. Das Streichen dieser Professur ignoriert die Lebensrealität und die kulturelle Identität von Hunderttausenden Bürgerinnen und Bürgern und verhindert die professorale Ausbildung künftiger Lehrkräfte für Türkisch an hessischen Schulen.

Die Türkologie ist kein akademisches Nischenfach, sondern auch ein Kernbereich strategischer Außen- und Sicherheitspolitik. Die Expertise der Gießener Turkologie umfasst den gesamten zentralasiatischen Raum. Eine Region, die für die deutsche Wirtschaft und die europäische Rohstoffsicherheit im globalen Systemwettbewerb von herausragender Bedeutung ist. Wer in Zeiten globaler Krisen Sprach- und Kulturkompetenz abbaut, betreibt strategische Selbstverzwergung. Wir fordern das Land Hessen auf, die Turkologie in Gießen als Sondertatbestand und Landesprofessur zu finanzieren, anstatt die Verantwortung auf die sich in den Zwängen des Hochschulpaktes agierende Universität abzuwälzen.

Begründung

  1. Steuergeldverschwendung stoppen: Das hessische Wissenschafts- und Kultusministerium haben ein zweijähriges Projekt zur Entwicklung des Studienfachs Didaktik des Türkischen in Gießen in Auftrag gegeben und finanziert. Dieses Konzept liegt jetzt fertig ausgearbeitet vor. Die Professur jetzt einzustampfen bedeutet, dieses Fundament ungenutzt zu vernichten und Steuergelder mutwillig zu verbrennen.
  2. Koalitionsversprechen einlösen: Die schwarz-rote Landesregierung bricht ihr eigenes Wort des Ausbaus des herkunftssprachlichen Unterrichts. Ohne eine universitäre Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Gießen ist dieses Versprechen eine reine Luftnummer. Wer die Professur streicht, verhindert Türkischunterricht in Hessen.
  3. Respekt vor der Lebensrealität hundertausender türkeistämmiger Menschen in Hessen: Das Streichen dieser Professur ist ein Schlag ins Gesicht der kulturellen Identität und Anerkennung dieser Menschen. Während Russisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch, Polnisch und Ukrainisch als prüfungsrelevante reguläre Fremdsprachen an hessischen Schulen eingeführt wurden, werden die Strukturen für die Einführung von Türkisch als Fremdsprache kaputtgespart, obwohl Türkisch die quantitativ größte, am tiefsten verwurzelte Herkunftssprache in Hessen ist.
  4. Geopolitische Kurzsichtigkeit verhindern: Wir brauchen wirtschaftlich und außenpolitisch Expertise für den gesamten zentralasiatischen Raum.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Ayse Asar, Berlin

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3 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

„Schöne Tage werden wir sehen, Kinder, sonnige Tage werden wir sehen…“ (Nazım Hikmet)

von Fremdeninfo 3 Juni 2026
von Fremdeninfo

Autorin: Zeynep Hayır

Heute gedenken wir nicht nur eines großen Dichters, sondern des Gewissens einer ganzen Ära. Nazım Hikmet war ein Wegbereiter, der die Richtung der türkischen Lyrik veränderte. Er holte die Poesie aus den Palästen und elitären Kreisen und trug sie in die Sprache der Arbeiter, der Armen, der Gefangenen und derer, die sich nach ihrer Heimat verzehrten. In seinen Versen fand sich nicht nur die Liebe, sondern auch Freiheit, Gleichheit, der Kampf um das tägliche Brot und die Sehnsucht des Menschen nach einem würdevollen Leben.

Er zahlte einen hohen Preis. Jahre verbrachte er in Gefängnissen. Seine Bücher wurden verboten, sein Name sollte zum Schweigen gebracht werden. Doch seine Gedichte überwanden eiserne Tore, hohe Mauern und Landesgrenzen. Denn Nazıms Feder war nicht bloß die eines Literaten; es war die Feder eines Menschen, der seine Ideale niemals aufgab. Er war kompromisslos. Angesichts von Unterdrückung wich er keinen Schritt zurück. Selbst als er den Weg ins Exil antreten musste, verlor er weder seine Liebe zur Heimat noch seinen Glauben an den Kampf.

Während er der türkischen Lyrik die kraftvollsten Beispiele des freien Versmaßes schenkte, definierte er zugleich die gesellschaftliche Verantwortung der Literatur neu. Seine Gedichte schienen nicht bloß zum Lesen geschrieben zu sein, sondern um gelebt zu werden und die Welt zu verändern.

Er lebte mit der Sehnsucht nach seiner Heimat und schloss – genau wie Jahre später Yılmaz Güney, Ahmet Kaya und viele andere – fern von dem Boden, auf dem er geboren wurde, die Augen für immer. Er hinterließ jedoch nicht nur Bücher, sondern ein Erbe des Widerstands, das von Generation zu Generation weitergetragen wird.

Als jemand, der selbst Jahre in der Protestmusik verbracht hat, weiß ich: Manche Worte werden nicht einfach nur ausgesprochen; sie vermischen sich mit dem Leben der Menschen. Sie begleiten ihren Weg, ihr Warten, ihren Zorn und ihre Hoffnung. Nazıms Gedichte sind genau so. Trotz der vergangenen Zeit leben sie noch immer auf den Plätzen, in den Fabriken, in den Gefängnissen, auf den Wegen des Exils und in den Herzen derer, die von einer gerechteren Welt träumen.

Solange das System der Ausbeutung fortbesteht, wird auch Nazıms Hoffnung auf jene „schönen Tage“ weiterleben. Die Standhaftigkeit in seinen Gedichten hallt heute noch in den Stimmen jener wider, die hinter Gittern, auf den Straßen oder im Exil das Leben verteidigen – einen Preis zahlend, aber ungebeugt. Der Glaube an die schönen Tage keimt, genau wie in seinen Versen, irgendwo wieder auf und lässt die Hoffnung stetig weiterwachsen.

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3 Juni 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Rassismus

Die Identitätszange in der türkischen Politik: Rassismus, Nationalismus und Ausgrenzung

von Cumali Yağmur 3 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

Jahrelang habe ich in Deutschland Artikel gegen Nationalismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geschrieben und dagegen angekämpft. Ich habe stets betont, dass Rassismus und Nationalismus kulturelle Phänomene sind, die in allen Kulturen existieren.

Rassismus und Nationalismus entstehen nicht durch die in einem Land lebenden Minderheiten; im Gegenteil, da es sich um kulturelle Phänomene handelt, werden Minderheiten zu Opfern dieser Gesinnungen. Auf der einen Seite steht eine Mentalität, die versucht zu vernichten und zu demütigen, auf der anderen Seite stehen diejenigen, die darunter leiden. Nationalismus und Rassismus nehmen zu jeder Zeit eine feindselige Haltung gegenüber anderen Nationen, unterschiedlichen Weltanschauungen und dem „Anderen“ ein. Egal wo auf der Welt, ich habe meine Kritik an Nationalismus und Rassismus immer fortgesetzt und tue dies auch weiterhin.

In der Türkei hat diese feindselige Haltung des Nationalismus und Rassismus gegenüber anderen Völkern und Überzeugungen von Zeit zu Zeit zu Versuchen der Auslöschung ganzer Gemeinschaften und zu Massakern geführt. Der Völkermord an den Armeniern, die Ereignisse in Dersim sowie der Druck auf Aleviten und Kurden sind Beispiele hierfür. In den letzten Jahren lässt sich zudem eine Zunahme von Nationalismus und Rassismus in der breiten Masse beobachten.

An dieser Stelle möchte ich ein Missverständnis vermeiden: Obwohl ich die sozialdemokratische Ideologie nicht verteidige, ist der in den letzten Tagen innerhalb der CHP (Republikanische Volkspartei) aufflammende Nationalismus und Rassismus gegen Kemal Kılıçdaroğlu bemerkenswert. Unter dem Deckmantel ideologischer Kritik wurde gegen Kılıçdaroğlu aufgrund seiner alevitischen, kurdischen und aus Dersim stammenden Identität eine regelrechte Lynchkampagne mit nationalistischem und rassistischem Ansatz geführt. Nach den Wahlergebnissen (oder während des Parteitags-Prozesses) taten sie so, als hätte er alle Entscheidungen allein getroffen, und warfen dabei alles in einen Topf.

Diejenigen, die dem AKP-MHP-Faschismus keinen Widerstand leisten und ihn nicht kritisieren – wie etwa Personen wie Fatih Altaylı –, schwiegen monatelang gegenüber Tayyip Erdoğan und Devlet Bahçeli, während sie Kemal Kılıçdaroğlu gegenüber schamlos und unter Missachtung journalistischer Ethik beleidigend wurden. Ähnliche Journalisten und einige Nationalisten, die im Grunde keine CHP-Anhänger sind, überhäuften Kılıçdaroğlu mit Beleidigungen. Diese Sprache gegenüber Kemal Kılıçdaroğlu ist absolut inakzeptabel. Leider ist die Diskussions- und Kritikkultur in der Türkei oft aggressiv, streitlustig und weit entfernt von Friedfertigkeit. Die Menschen betrachten es fast als Pflicht, den Gegenüber feindselig anzugreifen.

Hätten sie diese scharfe Kritik gegen den AKP-MHP-Block richten und die Massen hinter sich bringen können, hätten sie dieses System vielleicht ändern können. Bisher wurde bei keinem CHP-Vorsitzenden die Konfession (das Sunnitentum) oder die Herkunft derart ausgrenzend thematisiert. Warum wird nur gegen Kılıçdaroğlu mit einem nationalistischen und rassistischen Duktus vorgegangen?

Ein Beispiel ist Hikmet Çetin, ein Profil, das jahrelang seine kurdische Identität nicht äußerte und nicht zu ihr stand. Als er in Afghanistan im Einsatz war, hieß es, er „beherrsche die afghanischen Sprachen (Paschtu/Dari) wie seine Muttersprache“; dabei konnte er nur aufgrund seiner Kurdischkenntnisse eine Verbindung zu diesen Sprachen herstellen. Sein Kurdisch wurde verleugnet, stattdessen wurde betont, er spreche Afghanisch wie seine Muttersprache. Man hat Hikmet Çetin sogar von seinem Krankenbett geholt, um ihn sagen zu lassen, dass „Kılıçdaroğlu Konfessionspolitik betreibt“, obwohl der Mann kaum in der Lage war zu sprechen.

Tatsächlich ist ein Punkt, den man an Kılıçdaroğlu kritisieren könnte, dass er selbst seine Identität als Alevit, Kurde und Dersim-Heimischer auf den Plätzen nicht deutlicher hervorgehoben hat. Doch die Nationalisten und Rassisten, die ihn angriffen, taten dies, indem sie ständig auf diese Identitäten verwiesen und ihn zur Zielscheibe machten.

Ich möchte unterstreichen: Ich habe die sozialdemokratische Ideologie der CHP nie geteilt und die CHP nie gewählt. Nur während der Präsidentschaftskandidatur von Kılıçdaroğlu habe ich meine Stimme für ihn abgegeben. Ich gehöre ideologisch der Tradition von Devrimci Yol (Revolutionärer Weg) an. Bei Wahlen in der Türkei sowie bei der Stimmabgabe in Deutschland habe ich mich für die HDP bzw. die DEM-Partei entschieden; ihnen fühle ich mich ideologisch nahe. In Deutschland war und bin ich seit Jahren auf verschiedenen Ebenen in der Bewegung der Grünen politisch aktiv.

Mein eigentliches Ziel hier ist es, die nationalistischen und rassistischen Angriffe gegen andere Überzeugungen, Glaubensrichtungen und Nationen zu thematisieren. Ich rate den Sozialdemokraten, aus diesem Prozess hervorzugehen, ohne in einen historischen Fehler zu verfallen, der Partei zu schaden und stattdessen eine Kultur des Konsenses zu entwickeln. Sie haben keine andere Wahl, als gemeinsam zu agieren, ohne die CHP zu beschädigen, ohne sich zu spalten und indem sie die Verständigungskultur stärken.

3 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Beschwerden über rassistische Diskriminierung in Deutschland haben sich verdoppelt

von Fremdeninfo 3 Juni 2026
von Fremdeninfo

Von: ferda Ataman

Die Zahl der Diskriminierungsbeschwerden bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat im Jahr 2025 ein Rekordniveau erreicht. Die Beschwerden über rassistische Diskriminierung haben sich im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt.

Avrupa Demokrat Haber Merkezi
Dem Jahresbericht 2025 der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zufolge ist die Zahl der Diskriminierungsbeschwerden in Deutschland auf einen historischen Höchststand gestiegen. Dem Bericht nach gingen im Jahr 2025 insgesamt 13.067 Beratungsanfragen bei der Stelle ein.

Während die Zahl der Anträge im Jahr 2021 noch bei 7.750 lag, stieg sie 2022 auf 8.827, 2023 auf 10.772 und 2024 auf 11.405. Damit verzeichnet das Jahr 2025 die höchste Anzahl an Anträgen seit Bestehen der Statistik.

Rassistische Diskriminierung an erster Stelle
Bei einer Pressekonferenz in Berlin stellten die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Ferda Ataman, und die Geschäftsführerin des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (advd), Eva Andrades, den Bericht der Öffentlichkeit vor.

Dem Bericht zufolge bezog sich der größte Teil der Beschwerden im Jahr 2025 mit 4.571 Anträgen auf Diskriminierung aufgrund von „Rassismus und ethnischer Herkunft“. Im Jahr 2021 lag diese Zahl noch bei 2.054. Somit haben sich die Anträge im Zusammenhang mit rassistischer Diskriminierung innerhalb von vier Jahren mehr als verdoppelt. Im Bericht wurde zudem darauf hingewiesen, dass rassistische Äußerungen und Haltungen in den letzten Jahren immer offener zum Ausdruck gebracht werden.

Behinderung und Geschlechterdiskriminierung folgen
An zweiter Stelle der Beschwerdestatistik stehen Diskriminierungen aufgrund von Behinderungen und chronischen Krankheiten mit 3.015 Anträgen. Es folgen Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (2.407 Anträge), des Alters (1.261 Anträge) sowie der Religion oder Weltanschauung (733 Anträge).

Ein erheblicher Teil der Anträge betraf Diskriminierungen im Arbeitsleben. Laut Bericht entfielen 3.670 Beschwerden auf den Arbeitsmarkt, 1.927 auf den Zugang zu Dienstleistungen und Produkten, 1.466 auf staatliche Institutionen, 835 auf den öffentlichen Raum, 603 auf den Bildungsbereich, 505 auf Polizei und Justiz, 488 auf die Wohnungssuche und 474 auf das Gesundheitswesen.

„Das ist nur die Spitze des Eisbergs“
Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Ferda Ataman, betonte, dass Menschen in Deutschland regelmäßig am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens Diskriminierung ausgesetzt seien.

Ataman erklärte, dass die 13.067 im Jahr 2025 registrierten Anträge nur einen kleinen Teil der tatsächlich erlebten Diskriminierung widerspiegeln: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Sie wies darauf hin, dass viele Betroffene trotz erlebter Diskriminierung keine rechtlichen Schritte einleiten oder Beratungsangebote nutzen könnten. Besonders besorgniserregend sei das Ausmaß der Diskriminierungsfälle in staatlichen Institutionen.

Kritik an staatlichen Institutionen
Ataman kritisierte, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland keinen ausreichenden Schutz gegen Diskriminierung durch staatliche Stellen biete. Sie betonte, dass der Staat sich selbst weitgehend aus dem Geltungsbereich des Diskriminierungsrechts herausnehme und die bestehenden gesetzlichen Regelungen dringend aktualisiert werden müssten.

Zudem warf Ataman der Regierung vor, im Kampf gegen Diskriminierung nicht genügend Unterstützung zu leisten. Das Budget für Beratungsstellen sei unzureichend, und langjährige Reformvorschläge würden nicht berücksichtigt.

Beratungsstellen an der Belastungsgrenze
Eva Andrades, Geschäftsführerin des Antidiskriminierungsverbandes Deutschland (advd), erklärte, dass die Zahl der Menschen, die aufgrund von Diskriminierung Beratung suchen, jedes Jahr steige.

Die Beratungsstellen seien mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen, so Andrades. Während die meisten Anfragen aufgrund rassistischer Diskriminierung gestellt würden, gebe es auch in anderen Diskriminierungskategorien deutliche Zunahmen. „Diskriminierung ist ein reales Problem und in Deutschland weit verbreitet“, sagte Andrades und betonte, dass die Politik wirksamere Maßnahmen ergreifen müsse. Betroffene und Beratungsorganisationen fühlten sich derzeit allein gelassen.

3 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Keine gute Entwicklung“ – CDU-Politiker fordert Änderung von Doppelpass-Gesetz

von Cumali Yağmur 3 Juni 2026
von Cumali Yağmur

 

 

 Von: Dpa

Immer mehr Einbürgerungen von Doppelstaatlern: CDU-Innenexperte Krings schlägt vor, dass Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit leichter wieder verlieren können sollten.

 Fünf Jahre Aufenthalt in Deutschland reichen für Einbürgerung

Seit der von der Ampel-Koalition verabschiedeten Reform des Staatsangehörigkeitsrechts 2024 können Eingebürgerte ihre vorherige Staatsangehörigkeit grundsätzlich behalten und mehrere Staatsangehörigkeiten haben. Vorher war das nur für EU-Bürger möglich, sowie in bestimmten Ausnahmefällen und wenn der Herkunftsstaat die Entlassung aus der alten Staatsangehörigkeit verweigert.

Seit der Reform reichen für die Einbürgerung fünf statt bisher acht Jahre rechtmäßiger, gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland. Besonders gut integrierte Ausländer konnten sich nach der Reform bereits nach drei Jahren einbürgern lassen – diese sogenannte Turbo-Einbürgerung hat die schwarz-rote Bundesregierung aber im vergangenen Jahr wieder gekippt.

 

Fazit: Die CDU macht die Reformen der SPD-Grünen-Regierung zur doppelten Staatsbürgerschaft und zum Asylrecht rückgängig. Die Haltung der CDU gegenüber Migranten schadet sowohl dem Land als auch den Zuwanderern. Obwohl Deutschland bereits hinter anderen europäischen Ländern zurückliegt, macht sie in der Migrationspolitik enorme Rückschritte. Die CDU, die immer noch versucht, das Leben der Migranten, die seit 70 Jahren in Deutschland leben, zu erschweren, erschüttert das Vertrauen dieser Menschen in dieses Land. Dabei tragen diese Menschen zur Entwicklung, zur Kultur und zur Zukunft dieses Landes in jeder Hinsicht bei.

Solange eine so undankbare, nationalistische und rassistische Politik verfolgt wird, wird den AfD-Wählern der Weg geebnet und die AfD an die Macht gebracht. Damit wird – zusammen mit allen demokratischen Parteien – der Demokratie im Land ein schwerer Schlag versetzt

3 Juni 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Über die politischen Inkonsistenzen türkeistämmiger Politiker in Deutschland

von Cumali Yağmur 2 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Von: | Cumali Yağmur

Heute möchte ich mich mit den widersprüchlichen politischen Haltungen einiger Politiker türkischer Herkunft befassen, die in verschiedenen deutschen Parteien aktiv sind. Die Präferenzen dieser Politiker – ob in der SPD, den Grünen, der Linken, der CDU oder gar in der AfD – in Bezug auf Angelegenheiten der Türkei stehen leider oft im krassen Gegensatz zu ihren politischen Überzeugungen in Deutschland.

Wir beobachten, dass ein Teil derer, die in Deutschland in sozialdemokratischen, ökologischen oder linken Parteien Politik machen, ins AKP- oder MHP-Lager abdriften, sobald es um die Türkei geht. Man kommt nicht umhin zu fragen: Wie ist das möglich? Wie kann man in Deutschland Mitglied demokratischer und linker Parteien sein, während man in Bezug auf die Türkei eine derart „status-quo-orientierte“ oder rechtsextreme Haltung einnimmt? Handeln diese Personen in den linken, grünen und sozialdemokratischen Parteien Deutschlands nach dem Motto „Nur zum Schein dabei sein“?

In der Politik sollte man eine Weltanschauung haben, und die in Deutschland vertretene Ideologie sollte mit ähnlichen universellen Werten in der Türkei in Einklang gebracht werden. Ein Beispiel: Während die Grünen die Ereignisse von 1915 als „Völkermord an den Armeniern“ und die Dersim-Ereignisse von 1938 als „Massaker“ anerkennen, lehnen einige türkeistämmige Mitglieder innerhalb der Partei diese Beschlüsse ab. Es sei daran erinnert, dass Cem Özdemir sich intensiv dafür einsetzte, dass die Resolution zum Armenier-Thema den Bundestag passierte. Damals versuchten einige türkeistämmige grüne Abgeordnete, sich reinzuwaschen, indem sie der Abstimmung fernblieben oder Ausreden wie „Ich war an dem Tag nicht da“ erfanden. Es gab sogar jene, die eine doppelzüngige Politik betrieben, indem sie türkische Botschaften besuchten und dort erklärten, den Völkermord an den Armeniern nicht anzuerkennen.

Türkeistämmige Politiker nehmen in Botschaften und Konsulaten an Feierlichkeiten zum 23. April, 19. Mai und 29. Oktober (Tag der Republik) teil. Dabei wird argumentiert, dass der 23. April von den Republikanern als Datum entworfen wurde, um den 24. April – den Gedenktag an den Völkermord an den Armeniern – zu überschatten. Ebenso wird das Datum des 19. Mai 1919 mit dem Genozid an den Pontos-Griechen in Verbindung gebracht. Da die Geschichte der türkischen Republik auf „Lügen und Täuschungen“ basiere, müsse dieses Verständnis entsorgt und die Geschichte wahrheitsgetreu neu geschrieben werden.

Bei der Gründung der Republik Türkei wurden andere Nationen ignoriert. Armenier, Kurden, Lasen, Araber und Tscherkessen wurden ausgeschlossen. Die Republik wurde auf dem Motto „Ein Staat, eine Nation, eine Flagge“ errichtet und im Sinne des Kemalismus geformt, der als neue Ideologie präsentiert wurde. Obwohl die Türkei eine multiethnische Gesellschaft ist, hielt der soziale Frieden in dieser Republik, die nur im Namen der türkischen Nation gegründet wurde, nicht lange an. Da andere Völker ständig schikaniert und herabgesetzt wurden, haben sie die Republik nie vollends angenommen.

In jeder Periode wurde versucht, das Regime durch Unterdrückung und Verhaftungen aufrechtzuerhalten, mit der Begründung, es gäbe Aufstände gegen die Republik. Seit 1915 unterstützte ein Teil der Kader, die später die Republik gründeten, den Völkermord an den Armeniern. Die 1925 begonnene Scheich-Said-Bewegung gegen die Unterdrückung eben dieser Kader wurde blutig niedergeschlagen; dieser Prozess endete mit dem Tod tausender Kurden, Angehöriger anderer Minderheiten und Aleviten. Während der Thrakien-Pogrome 1934 wurden jüdische Geschäfte geplündert, zahlreiche Juden vertrieben und verhaftet. 1938 wurde in Dersim ein großes Massaker verübt, bei dem zahlreiche Menschen getötet und tausende ins Exil geschickt wurden; der Name der Stadt wurde in „Tunceli“ geändert. Sogar Prof. Dr. Hüseyin Çelik erkannte während seiner Zeit in der AK-Partei das Dersim-Massaker an und vertrat die Ansicht, dass eine Entschuldigung sowie die Rückgabe beschlagnahmter Güter notwendig seien. In Dersim wurden der geistliche Führer Seyit Rıza, sein Sohn und viele weitere hingerichtet. Wir müssen uns unserer Geschichte stellen, um uns von diesen Schmerzen zu befreien.

Im Jahr 1955 (Pogrom von Istanbul am 6./7. September) wurden die Geschäfte von Nichtmuslimen geplündert, Menschen auf den Straßen Gewalt ausgesetzt und verhöhnt. Der „sunnitische Glaube“ wurde als inoffizielle Staatsreligion akzeptiert; obwohl man den Aleviten sagte „Ihr seid unsere Geschwister“, wurden ihnen ihre Grundrechte verweigert, und in jeder Ära kam es zu Massakern an ihnen. In der jüngeren Geschichte gab es in den Jahren 1978–1980 großes Leid in Çorum, Malatya und Kahramanmaraş. 1993 wurden in Sivas 33 Autoren und Künstler vor den Augen der Welt lebendig verbrannt, nur aufgrund ihres Glaubens. Selbst heute hält unter der AKP-MHP-Regierung die Unterdrückung und Herabwürdigung der Aleviten an, denen keinerlei Rechte zugestanden werden. Obwohl sie Steuern zahlen, werden Cemevis (Alevitische Gebetshäuser) immer noch nicht als Kultstätten anerkannt. Erdoğan beleidigte diesen Glauben einst, indem er Cemevis als „Cümbüş evi“ (Häuser des Amüsements/Spektakels) bezeichnete.

Heute leben und arbeiten zahlreiche Aleviten, Kurden, Armenier, Tscherkessen, Lasen und Georgier aus der Türkei als Arbeiter in Deutschland. Daten wie der 23. April und der 19. Mai werden hier von Vertretern und Anhängern des türkischen Staates unter „Mythen und Lügen“ gefeiert. Diese Feierlichkeiten erinnern die hier lebenden Kurden, Aleviten, Tscherkessen und Armenier an vergangene Leiden; die Menschen möchten auch hier nicht derselben Diskriminierung und Verachtung ausgesetzt sein. Tugendhafte Politiker in Europa kennen diese historischen Verzerrungen. Sogar die osmanische Geschichte wurde nicht von ihnen selbst, sondern von ausländischen Historikern wie Hammer geschrieben; die Lügen der Republikgeschichte sind ihnen wohlbekannt. An diesem Punkt müssen türkeistämmige Politiker Position beziehen: Machen sie Politik im deutschen Parlament oder stehen sie an der Seite der reaktionären, nationalistischen und rassistischen Parteien in der Türkei? Eine doppelzüngige Politik, die versucht, es beiden Seiten recht zu machen, ist nicht tragbar.

Ein passendes Beispiel an dieser Stelle ist Ozan Ceyhun. Obwohl er die Ideologie der Grünen nicht vollständig verinnerlichte, trat er im linken Flügel auf und stieg bis zur Kandidatur für das Europaparlament auf. Später wechselte er von den Grünen zur SPD; als er auch dort nicht fand, was er suchte, kehrte er in die Türkei zurück und wurde Kandidat der AKP für Izmir. Da er nicht gewählt wurde, ernannte ihn die AKP-Regierung zum Botschafter in Wien. Einige deutsche Politiker bezeichnen solche Personen als „Politiker, die ihren Platz nach ihrem eigenen Vorteil wechseln“.

Ähnlich gibt es Politiker, die bei Veranstaltungen der türkischen Konsulate in Europa wie in eine völlig andere Identität schlüpfen und Reden halten, die Deutschland verunglimpfen. Dabei vertreten Botschaften und Konsulate stets die Politik der Partei, die in der Türkei gerade an der Macht ist. Es ist inakzeptabel, dass einige Namen, die in deutschen Parteien Politik machen, die kurdische, tscherkessische, arabische oder armenische Realität in der Türkei leugnen und diese Gruppen als „Separatisten“ brandmarken, nur um sich bei den Konsulaten anzubiedern.

Was ist das für ein Politikverständnis und was für eine politische Ethik? Es fällt wirklich schwer, das zu verstehen. Wie ein Chamäleon ständig die Farbe zu wechseln – in Deutschland so, in Türkeifragen genau das Gegenteil – entspricht nicht der politischen Moral. Die Öffentlichkeit muss solche Politiker hinterfragen und sie dazu bringen, Farbe zu bekennen. Wenn Sie Sozialdemokrat, Ökologe oder Linker sind, müssen Sie auch in Bezug auf die Türkei eine Haltung einnehmen, die diese Werte widerspiegelt. In Deutschland „links“ und in Türkeifragen „rechts“ oder „status-quo-orientiert“ zu sein, widerspricht der politischen Konsistenz. Solange sie von dieser Haltung nicht ablassen, sollten demokratische Parteien in Deutschland das Handeln dieser Politiker nicht als innerhalb „ethischer Grenzen“ betrachten.

In Deutschland links, grün oder sozialdemokratisch zu sein und in der Türkei der AKP-MHP-Linie nahezustehen, widerspricht der Natur der Politik. Die Parteien sollten diese Politiker dazu zwingen, Farbe zu bekennen und zu klären, auf welcher Seite sie stehen.

2 Juni 2026 0 Kommentare
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Fremdenfeindlichkeiten

DIE KAMERA LÄUFT: EUROPAS UNSICHTBARE REALITÄT

von Fremdeninfo 2 Juni 2026
von Fremdeninfo


Autorin: Zeynep Hayır

Bilder aus den Niederlanden, die zeigen, wie ein Polizist eine schwangere Frau gewaltsam zu Boden schleudert, dominierten innerhalb kürzester Zeit die europäische Agenda. Dieses wenige Sekunden lange Video wurde in den sozialen Medien millionenfach geteilt, flimmerte über die Fernsehbildschirme und löste heftige öffentliche Debatten aus. Nach dem Vorfall stellten sich viele Menschen dieselbe entscheidende Frage: Was wäre passiert, wenn diese Aufnahmen nicht aufgetaucht wären?

In den letzten Jahren rücken nicht nur in den Niederlanden, sondern in vielen Ländern Europas harte Eingriffe gegen Geflüchtete, Pushbacks in Grenzregionen, Menschenrechtsverletzungen in Abschiebezentren und Vorwürfe von Polizeigewalt oft nur dann in den Fokus der Öffentlichkeit, wenn eine Kameraaufnahme existiert. Kamerabilder sind nicht mehr nur die Dokumentation eines Ereignisses; sie sind oft zum einzigen Beweis für die bloße „Existenz“ dieses Ereignisses geworden.

Es greift jedoch zu kurz, diese Szene aus den Niederlanden lediglich als einen isolierten Polizeieinsatz zu betrachten. Denn dieses Bild ist ein kleines, aber erschütterndes Spiegelbild der tiefgreifenden und aufwühlenden Transformation, die Europa in den letzten Jahren durchläuft.

Warum begeben sich Menschen auf die Flucht?

Niemand verlässt seine Heimat ohne Not. Dass ein Mensch seine Kindheit, seine Familie, seine Sprache, seine Kultur und sein gesamtes Leben hinter sich lässt, um eine tausende Kilometer lange Migrationsreise anzutreten, ist meist keine Wahl, sondern eine lebensnotwendige Notwendigkeit. Ein Großteil der Menschen, die heute versuchen, Europa zu erreichen, flieht vor Kriegen, Wirtschaftskrisen, Armut und Perspektivlosigkeit.

Migration jedoch nur als eine Geschichte zu lesen, die an den Grenzen Europas beginnt, wäre unvollständig. Die Geschichte der Migration beginnt viel früher: in Städten unter Bombenbeschuss, in kollabierenden Volkswirtschaften, in schließenden Fabriken und in geografischen Regionen, in denen politische Instabilität herrscht.

Der Nahe Osten ist das konkretste Beispiel hierfür. Die Besetzung des Irak, der über zwanzig Jahre dauernde Krieg in Afghanistan, der Zerfall Libyens, der Bürgerkrieg in Syrien, die humanitäre Katastrophe im Jemen und die Tatsache, dass das palästinensische Volk seit Jahrzehnten gezwungen ist, unter Besatzung, Blockade und Kriegsbedingungen zu leben, haben Millionen von Menschen vertrieben. Die jüngsten Zerstörungen im Gazastreifen sind nicht nur eine humanitäre Krise, sondern auch die Quelle neuer Migrationsbewegungen. Menschen, die ihre Häuser, Schulen und Krankenhäuser verloren haben, werden gezwungen, neue Wege zum Überleben zu suchen.

In Regionen, in denen kein direkter Krieg herrscht, vertiefen Wirtschaftssanktionen, Verschuldungspolitiken und die vom globalen Kapital geschaffenen Abhängigkeitsmechanismen Arbeitslosigkeit und Elend. Die Menschen fliehen nicht nur vor Bomben; sie fliehen auch vor dem Hunger und der Unfähigkeit, ihren Kindern eine sichere Zukunft zu bieten. Daher zahlen die Massen, die an den Toren Europas warten, faktisch den Preis für politische und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten, die auf globaler Ebene wirken.

Europas neues Sicherheitszeitalter

Während die Ursachen für Migration fortbestehen, vollzieht sich in Europa ein völlig anderer Prozess. In den letzten Jahren wurde das Thema Migration von einem humanitären Anliegen zu einem reinen „Sicherheitsthema“ herabgestuft. Nach der Flüchtlingskrise 2015 wurden die Grenzpolitiken verschärft, Überwachungsmechanismen ausgeweitet und die Angelegenheit weitgehend der Kontrolle von Sicherheitsinstitutionen überlassen.

Diese Transformation zeigt sich nicht nur in der Migrationspolitik, sondern auch in den Verteidigungsausgaben auf dem gesamten Kontinent. Nach dem Russland-Ukraine-Krieg haben die europäischen Länder ihre Militärbudgets rasant aufgestockt. Deutschland hat eines der umfassendsten Aufrüstungsprogramme seit dem Zweiten Weltkrieg gestartet. Die enormen Ressourcen, die der Verteidigungsindustrie zugewiesen werden, haben den Budgetdruck auf Sozialausgaben und öffentliche Dienstleistungen erhöht.

Dass Automobil- und Industriestätten, die einst Zentren ziviler Produktion waren, sich nun Militärprojekten zuwenden, ist symbolisch für diesen Wandel. Während die Sicherheitsbudgets wachsen, definieren Staaten die Zukunft zunehmend über „militärische Bereitschaft“. An diesem Punkt wird die folgende Frage unumgänglich: Auf welche Zukunft bereitet sich dieser gigantische Sicherheitsapparat vor, und für wen wird diese Aufrüstung betrieben?

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass es eine untrennbare Verbindung zwischen Aufrüstung und Konflikten gibt. Während Kriege neue Migrationswellen auslösen, bringen Migrationswellen härtere Sicherheitspolitiken mit sich, und diese Politiken führen wiederum zu höheren Mauern und noch höheren Militärausgaben.

Steigende Mauern, aufsteigende extreme Rechte

Heute hat der Aufstieg rechtsextremer Bewegungen in ganz Europa ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Von Deutschland bis zu den Niederlanden, von Frankreich bis Österreich werden Migranten in politischen Debatten als „Sündenböcke“ instrumentalisiert. Die Rechnung für wirtschaftliche Probleme, die Wohnungskrise und soziale Ungleichheit wird oft den Fremden präsentiert.

Doch während die Lebenshaltungskosten steigen und die Kluft in der Einkommensverteilung wächst, wird die gesellschaftliche Wut nicht auf die Fehler des Systems gerichtet, sondern auf die Menschen, die versuchen, die Grenze zu überqueren. Dies stärkt sowohl rassistische Rhetorik als auch die Tendenz, universelle Konzepte wie Menschenrechte und das Recht auf Asyl im Schatten politischer Debatten verschwinden zu lassen.

Die eigentliche Frage

Die wenigen Sekunden Videomaterial aus den Niederlanden, in denen eine schwangere Frau zu Boden geworfen wird, haben die große und dunkle Transformation sichtbar gemacht, in die Europa geraten ist. Auf der einen Seite Millionen, die aufgrund von Zerstörung den Weg der Flucht wählen; auf der anderen Seite steigende Mauern und härter werdende Regime.

Die eigentliche Frage, die heute gestellt werden muss, ist nicht, warum ein Polizist sich so verhält. Die eigentliche Frage ist: Warum baut eine der reichsten Regionen der Welt jeden Tag höhere Mauern, obwohl die globalen Bedingungen, die Millionen von Menschen zur Flucht zwingen, nicht beseitigt werden?

Denn das Problem sind nicht nur die Grenzen; das Problem ist, wie eine Welt konstruiert wurde, die Menschen dazu zwingt, auf diese Grenzen zuzumarschieren.

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Allgemein

Offener Brief an Fatih Zingal

von Erdoğan Sedef 2 Juni 2026
von Erdoğan Sedef

 Von: Turgut Yüksel ( Mitglied des Hessischen Landtags (SPD)

„Von den vier Großen der Süper Lig hat nur Trabzonspor Amedspor nicht beglückwünscht. Ich gratuliere Trabzonspor von ganzem Herzen zu dieser Haltung.“ – Fatih Zingal

Sehr geehrter Herr Zingal,

mit großer Empörung habe ich Ihren Facebook-Beitrag zur Kenntnis genommen, in dem Sie die Haltung von Trabzonspor gegenüber dem kurdischen Fußballverein Amedspor (Diyarbakır) ausdrücklich begrüßen.

Gerade weil Sie sich in Deutschland öffentlich gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung positionieren und sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen, hat mich diese Aussage sehr irritiert. Wer für Respekt, Vielfalt und ein friedliches Miteinander eintritt, sollte diese Werte gegenüber allen Menschen und Gruppen gleichermaßen vertreten.

Als öffentliche Persönlichkeit tragen Sie eine besondere Verantwortung. Viele Menschen orientieren sich an Ihren Aussagen. Wer Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Identität bauen möchte, sollte darauf achten, keine ethnischen oder gesellschaftlichen Spaltungen zu vertiefen. Anerkennung, Respekt und Fairness dürfen nicht davon abhängig gemacht werden, welcher ethnischen oder kulturellen Gruppe jemand angehört.

In einer vielfältigen Gesellschaft wie Deutschland brauchen wir Stimmen, die verbinden statt trennen. Glaubwürdigkeit im Einsatz gegen Diskriminierung zeigt sich gerade darin, dass für alle dieselben Maßstäbe gelten – unabhängig davon, ob es sich um Kurden, Türken, Deutsche oder andere Bevölkerungsgruppen handelt.

Ich würde mir wünschen, dass wir alle – insbesondere Personen des öffentlichen Lebens – dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, den gegenseitigen Respekt zu stärken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Nur so können wir glaubhaft für eine offene und demokratische Gesellschaft eintreten.

Es gibt Menschen, die in Deutschland und anderen Ländern vorgeben, gegen Rassismus zu kämpfen und dies als große Tugend zur Schau stellen. Doch gleichzeitig legitimieren sie dieselbe Diskriminierung im eigenen Land unter dem Deckmantel des „Nationalismus“. Wer auf der Bühne von „Brüderlichkeit“ spricht, aber im nächsten Atemzug nach der Devise „Der beste Kurde ist ein toter Kurde“ handelt, offenbart eine tiefe charakterliche Armut. Anstatt Vorurteile abzubauen, schüren solche Personen diese weiter und nutzen sie als populistisches Material für den eigenen persönlichen Vorteil. Was hier zur Schau gestellt wird, ist keine Tugend – es ist reinste Heuchelei.

Mit freundlichen Grüßen,

Turgut Yüksel
Mitglied des Hessischen Landtags

2 Juni 2026 0 Kommentare
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