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Bildung

Wir sagen es euch Hilfe für ausländische Studierende

von Fremdeninfo 25 Januar 2021
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Wir sagen es euch
Hilfe für ausländische Studierende

Die Corona-Krise stellt viele internationale Studierende in Deutschland vor neue Herausforderungen.

Kim Berg / 30.03.2020
Viele Studenten haben ihre finanzielle Grundlage verloren. picture alliance / ZB

Deutschland ist das beliebteste nicht-englischsprachige Studienland für internationale Studierende:  Mehr als 300.000 von ihnen sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Zeit an einer deutschen Hochschule eingeschrieben. Die Corona-Krise ist für die meisten eine besondere Herausforderung: Viele hatten Nebenjobs in der Gastronomie oder dem Einzelhandel. Nun sind sie durch die vorübergehende Schließung der Geschäfte, Bars, Cafés und Restaurants arbeitslos. Laut Deutschem Studentenwerk (DSW), dem Bundesverband der deutschen Studentenwerke, sind mehr als 66 Prozent aller Studierenden neben dem Studium erwerbstätig, bei den ausländischen Studierenden sind es sogar 75 Prozent. DSW-Generalsekretär Achim Meyer, sagt: „Die Situation stellt sie vor erhebliche finanzielle Problem, zumal jobbende Studierende in der Regel kein Kurzarbeitergeld erhalten. Die Bundesregierung, aber auch die Bundesländer, sind jetzt gefordert, zum Wohle der Studierenden rasch und unbürokratisch zu handeln.“ Unterstützt wird er vom Bundesverband Ausländischer Studierender (BAS), der Bund und Länder um „Soforthilfe“ bittet.

Viele individuelle Probleme – und Lösungen

Die Situation vor Ort an den deutschen Hochschulen und Fachhochschulen unterscheidet sich dabei wenig. Hochschulen, ihre Auslandsämter und Studentenwerke helfen, wo und wie sie können. Beispiel Universität Bamberg. „Natürlich sind auch deutsche Studierende von den Schließungen betroffen. Doch viele von ihnen können im Gegensatz zu den Ausländern notfalls in den Zug steigen und zu ihren Eltern fahren. Das können die internationalen Studierenden nicht“, sagt der Leiter des Akademischen Auslandsamtes, Andreas Weihe. Das Auslandsamt der Uni betreut im Jahr rund  1000 Personen, die ins Ausland gehen oder für das Studium nach Bamberg kommen.

Studierende aus Osteuropa, Asien, Afrika oder Lateinamerika sind besonders stark von den finanziellen Einbußen betroffen. Viele Eltern haben nicht genügend Geld, um ihre Kinder in Deutschland in der Krise zu unterstützen. Manche Studierende haben nicht einmal die Möglichkeit in ihre Heimatländer zurückzufliegen. „Wir haben einen türkischen Studenten, der ein Auslandssemester bis Ende März absolvieren sollte, aber nun muss er bleiben, denn sein Rückflug wurde gestrichen“, sagt Weihe. Aktuell hat er keine Möglichkeit Deutschland zu verlassen. Deshalb hat die Universität ihn nun unbürokratisch für ein weiteres Semester eingeschrieben. Sein Zimmer in einem Studentenwohnheim durfte er behalten, da sein Nachmieter das Auslandssemester wegen der Corona-Krise nicht antreten möchte. „Das Stichwort der Stunde heißt improvisieren“, sagt Weihe. Es gebe keine allgemeingültige Vorgehensweise: „Wir müssen jeden Fall individuell bearbeiten.“

Überbrückungsgelder für Studierende

Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hilft ausländischen Studierenden in der Krise. „Wir sehen, dass finanzielle Notlagen entstehen, die dazu führen können, dass eine Vielzahl internationaler Studierender sich ihr Studium und ihren Lebensunterhalt in Deutschland nicht mehr leisten können“, schreibt DAAD-Generalsekretärin Dorothea Rüland auf der Website des Austauschdienstes. Deshalb fordert auch der DAAD mehr finanzielle Mittel, um besonders betroffenen Studierenden mit einem Überbrückungsgeld zu helfen. „Wir sind daher bereits mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Gespräch, ob wir zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt bekommen können. Wir wollen diesen jungen Menschen in großem Maßstab helfen“, erklärt Rüland.

25 Januar 2021 0 Kommentare
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Neue Weichen für Migrations- und Teilhabepolitik

von Fremdeninfo 24 Januar 2021
von Fremdeninfo

Neue Weichen für Migrations- und Teilhabepolitik

Hannivere.de

Die Landeshauptstadt Hannover hat am 22. Januar das Strategiepapier zur Überarbeitung ihrer Migrations- und Teilhabepolitik und damit den ersten Meilenstein in der Neuauflage des lokalen Integrationsplans 2.0. veröffentlicht. Das Papier beschreibt die städtischen Strategien für Migration und Teilhabe und bildet damit die Grundlage für alle Maßnahmen auf diesem Gebiet. Zudem haben die Einwohner*innen Hannovers den Lokalen Integrationsplan per Abstimmung umbenannt. Er heißt nun „Wir sind Hannover – Zusammenleben in der Stadt. Strategien für Migration und Teilhabe“ und setzt neue Maßstäbe für Migration und Teilhabe.

© LHH

Sozialdezernentin Sylvia Bruns und Oberbürgermeister Belit Onay mit dem neuen Strategiepapier. 

Das zeigt sich bereits im Entstehungsprozess: Über ein Jahr lang haben mehr als 70 Menschen aus der Stadtgesellschaft, den Institutionen und der Verwaltung gemeinsam an dem Strategiepapier gearbeitet. Aber nicht nur die externen Expert*innen konnten zu einer Erweiterung der städtischen Perspektive beitragen. Immer wieder befragten die Autor*innen auch die breite Öffentlichkeit. Selbst über den Namen des Papiers „Wir sind Hannover – Zusammenleben in der Stadt“ entschied die Stadtbevölkerung online.

Förderung des sozialen Zusammenhalts 

„Ziel der Migrations- und Teilhabepolitik der Landeshauptstadt Hannover ist die Förderung sozialen Zusammenhalts und die Verwirklichung gleichberechtigter Teilhabe aller Hannoveraner*innen an den verschiedenen Lebensbereichen unabhängig davon, wo sie oder ihre Vorfahren geboren wurden“, heißt es im neuen Strategiepapier.

„Integration“ wird in Hannover neu definiert

Das Papier definiert damit das Thema „Integration“ für die Landeshauptstadt Hannover neu. Zielgruppe der Ideen und Maßnahmen sind nicht lediglich Menschen mit internationaler Geschichte, sondern die gesamte Stadtgesellschaft. Für ein solidarisches und gleichberechtigtes Zusammenleben in der Stadt definiert das Strategiepapier „Teilhabe“ als einen aktiven Prozess, der es ermöglicht, die Stadtgesellschaft aktiv und sichtbar mitzugestalten – unter anderem durch eine paritätische und repräsentativere Besetzung von Gremien.

Grundlage für eine zukunftsorientierte Migrations- und Teilhabepolitik

„Dieses Papier stellt die Weichen für eine zukunftsorientierte Migrations- und Teilhabepolitik in der Landeshauptstadt Hannover. Ich freue mich sehr darüber, dass die Kooperation zwischen Verwaltung und externen Expert*innen in diesem Maße gefruchtet hat und vor allem darüber, dass so viele Menschen mit internationalen Biographien daran mitgewirkt haben“, so Oberbürgermeister Belit Onay.

Maßnahmen für sozialen Zusammenhalt 

Mit diesem Meilenstein ist die Arbeit der Autor*innen allerdings noch nicht beendet. Nachdem der Internationale Ausschuss das Strategiepapier verabschiedet hat, sollen Maßnahmen entwickelt werden, die zum sozialen Zusammenhalt, gleichberechtigter Teilhabe und Chancengerechtigkeit beitragen. Die Stoßrichtung sowie Schwerpunkte dafür gibt das neue Papier jetzt vor. Sylvia Bruns, Dezernentin für Soziales und Integration der Landeshauptstadt Hannover, gibt einen Ausblick auf die nächsten Schritte: „Mit dem Strategiepapier wurden hohe Maßstäbe gesetzt. Ich freue mich auf den weiteren Prozess mit den Expert*innengruppen zur Erarbeitung des Ziele- und Maßnahmen Katalogs, der jetzt starten wird. Bis Herbst soll ein Entwurf zur Entscheidung in der Lenkungsgruppe und bis Ende des Jahres ein beschlussfähiges Papier vorliegen. Ich bin sicher, es wird ein intensiver Dialogprozess, geprägt von vielen innovativen Ideen für ein Umdenken in der Migrations- und Teilhabepolitik Hannovers.“

Hintergrund

„Wir sind Hannover – Zusammenleben in der Stadt“ ist die Weiterentwicklung des Lokalen Integrationsplans (LIP) von 2008. Der Rat der Stadt hatte die Aktualisierung 2019 in Auftrag gegeben. Grundlegende Neuerung im aktuellen Prozess ist beispielsweise der geänderte Adressat*innenkreis – der jetzt die gesamte Stadtgesellschaft ist. Migration wird als Normalität einer Einwanderungsstadt verstanden, deswegen wurde unter anderem auch das Thema Antidiskriminierung als Querschnittsthema festgelegt.  

Zum Strategiepapier

Das komplette Strategiepapier „Wir sind Hannover – Zusammenleben in der Stadt. Strategien für Migration und Teilhabe“ ist im Online Sitzungsmanagement (SIM) der Landeshauptstadt Hannover einsehbar. 

LIP 2.0-Team

Sachgebiet Integration

Ansprechpartner/innen:

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  • Herr Björn Schönfeld
  • Herr Massih Khoshbeen
  • Frau Maya Nyagolova
  • Herr Daniel Kalifa
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    Der Lokale Integrationsplan

    Seit seinem Inkrafttreten 2008 dient der LIP als Leitfaden für die Integration in Hanno… mehr…

24 Januar 2021 0 Kommentare
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Jetzt soll sich Deutschland vom „Migrationshintergrund“ verabschieden

von Fremdeninfo 22 Januar 2021
von Fremdeninfo

Jetzt soll sich Deutschland vom „Migrationshintergrund“ verabschieden

Stand: 21.01.2021 | Lesedauer: 5 Minuten

Von Marcel Leubecher

Politikredakteur

Migrationshintergrund bei der Vorstellung einer Kampagne in NRW zum Thema erfolgreiche Integration

Quelle: picture alliance/dpa

Eine von der Regierung beauftragte Kommission zur Integrationspolitik will die Kategorie „Migrationshintergrund“ abschaffen. Viele würden sich durch den Begriff herabgesetzt fühlen. Eine Abschaffung hätte weitreichende Konsequenzen.

Kaum etwas verändert die deutsche Gesellschaft seit Jahrzehnten so stark wie die im internationalen Vergleich sehr starke Zuwanderung. Während ein Teil der Bevölkerung diesen Wandel vor allem als Bereicherung empfindet, fokussiert sich ein anderer Teil vor allem auf negative Begleiterscheinungen, wie Straßengewalt durch Zuwanderergruppen oder die durchschnittlich geringere Erwerbstätigkeit der Bevölkerung mit Migrationshintergrund.

Um angesichts der vielen Chancen und Probleme Handlungsempfehlungen für ihre künftige Politik zu erhalten, beauftragte die Bundesregierung vor zwei Jahren eine vor allem aus Sozialwissenschaftlern bestehende „Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit“, die jetzt ihren Abschlussbericht an die Bundeskanzlerin übergab.

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Der Kampf gegen Zuwandererarmut ist kein „rechtes Narrativ“

Irritierenderweise distanziert sich die Fachkommission Integrationsfähigkeit gleich in der Einleitung ihres 200 Seiten langen Abschlussberichts partiell von ihrem Arbeitsauftrag: Im Zuge der Beratungen habe man „entschieden, vom Begriff der ‚Integrationsfähigkeit‘ Abstand zu nehmen“, da dieser „eine Verengung“ darstelle.

„So etwas wie die ‚Integrationsfähigkeit‘ von Ländern oder Gesellschaften und im Übrigen auch von Personen“ könne „nicht plausibel gemessen oder bestimmt werden“. Der Begriff vermittele, dass es „für Integration eine klare Grenze“ gebe, die „schon aus analytischen Gründen nicht existieren“ könne.

In Zukunft soll es „Eingewanderte und ihre Nachkommen“ heißen

Daher beschloss also die Fachkommission Integrationsfähigkeit, sich nicht auf Integrationsfähigkeit, „sondern auf die Frage zu konzentrieren, wie man die Integrationsprozesse so gestalten kann, dass sie in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht erfolgreich verlaufen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken“.

Unter den vielen Vorschlägen und Anregungen, wie dies besser gelingen könne, wurde in der öffentlichen Vorstellung des Berichts vor allem ein Punkt in den Vordergrund gestellt. Nämlich das Ziel, sich vom Begriff des „Migrationshintergrundes“ zu verabschieden und zukünftig nur noch von „Eingewanderten und ihren (direkten) Nachkommen“ zu reden.

Die Staatsministerin für Integration, Annette Widmann-Mauz, erklärte in der Pressekonferenz am Mittwoch: „Der Bericht der Fachkommission macht deutlich: 15 Jahre nach seiner Einführung ist der Begriff ‚Migrationshintergrund‘ nicht mehr zeitgemäß“, es sei „besonders wichtig“ diesen Begriff zu „ersetzen“.

-Mauz: „Wir können so einen Begriff nicht über Nacht in den Statistiken ersetzen, aber wir sollten es uns vornehmen“

Quelle: picture alliance/dpa/Reuters/Poo

Viele der 21 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund fühlten „sich durch den Begriff herabgesetzt“. Die im Kanzleramt angesiedelte Integrationsministerin skizzierte weiter ihr Vorhaben: „Wir können so einen Begriff nicht über Nacht in den Statistiken ersetzen, aber wir sollten es uns vornehmen.“

Es sei gut, eine Diskussion zu beginnen, „wie wir den Begriff ablösen, zugleich aber auch künftig Entwicklungen und Herausforderungen bei der Integration statistisch messbar machen können“, sagte die CDU-Politikerin, die gemeinsam mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) die Kommission bei ihrer fast zweijährigen Arbeit federführend begleitete.

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„Das ist Selbstaufgabe, keine Integrationspolitik“

Die Kommission selbst empfiehlt, „das bisher im Rahmen des Mikrozensus verwendete statistische Konzept des ‚Migrationshintergrunds‘ aufzugeben“. Das betreffe „sowohl die Bezeichnung als solche als auch die Definition der Gruppen, die in diese Kategorie fallen“. Heute haben Personen laut Statistischem Bundesamt einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil ohne deutsche Staatsbürgerschaft geboren wurden.

Nach den Vorstellungen der Kommission soll stattdessen künftig eine Kategorie geschaffen werden, die alle Personen zusammenfasst, die „entweder selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 in das Gebiet der heutigen Bundesrepublik eingewandert sind“.

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„Deutschland ist kein rassistisches Land. Ich sehe das doch“

Diese Kategorie soll dann „Eingewanderte und ihre (direkten) Nachkommen“ heißen. Beispielsweise fällt ein hier geborenes Kind eines Syrers mit einer herkunftsdeutschen Mutter unter die Kategorie „Migrationshintergrund“. In der vorgeschlagenen Kategorie „Eingewanderte und ihre (direkten) Nachkommen“ wären Kinder solcher und ähnlicher Konstellationen nicht enthalten, weil nicht beide Eltern zugewandert sind.

Der Begriff „Migrationshintergrund“ – beziehungsweise im internationalen Bereich „migrant background“ – wird schon lange in der Sozialforschung verwendet und wurde in der aktuellen Definition vom Statistischen Bundesamt erst 2005 als Kategorie eingeführt. Hintergrund war, dass durch zunehmende Einbürgerungen die Kategorie „Deutsch-Nichtdeutsch“ nicht mehr ausreichte, um Daten über den migrantischen Bevölkerungsteil zu erheben. Weil von Behörden über Polizei bis zur Bundesarbeitsagentur viele Institutionen mit der Kategorie des Statistischen Bundesamtes arbeiten, wäre eine Änderung recht aufwendig und würde Vergleiche über längere Zeiträume erschweren.

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Ich mag mein Land, umso mehr, wenn ich sehe, was um uns herum passiert

Die Kommission Integrationsfähigkeit kritisiert noch weitere Begriffe: Beispielsweise sei die Verwendung von „Aufnahmegesellschaft“ deswegen „problematisch“, weil er oft so verstanden werde, „als ob dazu nur Personen gehörten, deren Eltern und Großeltern schon in Deutschland geboren wurden“.

Dabei seien auch die „bereits im Lande lebenden Einwanderinnen und Einwanderer“ Teil der Aufnahmegesellschaft. Ebenfalls „vermeidet die Fachkommission den Begriff der ,Mehrheitsgesellschaft‘“. Damit werde häufig eine „Wir“-Gruppe gegenüber den „anderen“, den Eingewanderten, konstruiert.

Ebenfalls sei es schwierig, die Begriffe „Flüchtling“ oder „Geflüchtete“ als Sammelbegriff für alle über das Asylsystem zugewanderte Menschen zu nutzen, man schlage deshalb „Schutzsuchende“ vor.

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Staatsministerin Widmann-Mauz hob unter den vielen Impulsen der Kommission noch hervor, dass Deutschland ein vielfältiges Einwanderungsland mit einer vielfältigen Einwanderungsgesellschaft sei, und schloss die Behauptung an, „das war Deutschland schon immer“. Sie plädierte für eine „neue Kultur“, die Politik müsse „mehr dafür tun, dass sich Menschen einbürgern lassen“.

Für die CDU-Politikerin komme es jetzt darauf an, dass wir „Integration neu denken und von der Migration abkoppeln“, es gebe viele Gruppen in der Gesellschaft, die der Integration bedürften, ganz unabhängig von einer Wanderungsgeschichte ihrer Familie.

Arbeitsmarkt-Integration von Flüchtlingen ist auf einem guten Weg

Die Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden in den deutschen Arbeitsmarkt kommt einer neuen Studie zufolge gut voran. Und das auch trotz der Corona-Pandemie, die inzwischen vielerorts zu Rückschlägen geführt hat.

Quelle: WELT

Derya Caglar, die Vorsitzende der 25-köpfigen Fachkommission, sagte: „Das T

22 Januar 2021 0 Kommentare
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Was fehlt, ist eine antirassistische Gesamtstrategie

von Fremdeninfo 20 Januar 2021
von Fremdeninfo

Was fehlt, ist eine antirassistische Gesamtstrategie

Kommentar

Die Erwartungen an den im März 2020 gegründeten Kabinettsausschuss der Bundesregierung zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus waren groß. Warum der vorgelegte Maßnahmenkatalog hinter den Erwartungen zurückbleibt und wie stattdesssen eine antirassistische Gesamstrategie für die plurale Einwanderungsgesellschaft aussehen könnte, kommentiert die migrationspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Filiz Polat.

12. Januar 2021
Von Filiz Polat
Filiz Polat, migrationspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion Bildnachweis

  • In Folge des Mordes an Walter Lübcke am 2. Juni 2019, den schrecklichen Anschlägen in Halle am 9. Oktober 2019 und in Hanau am 19. Februar 2020 richtete die Bundesregierung im März 2020 erstmalig in der Geschichte Deutschlands auf Druck der Zivilgesellschaft einen Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus ein. Ziel war es, ressortübergreifend ein „wirksames Maßnahmenpaket“ zu erarbeiten, „das langfristig darauf hinwirkt, eine von Rechtsextremismus und Rassismus freie und chancengerechte Gesellschaft – auch Einwanderungsgesellschaft“ – zu schaffen. Ein Katalog von 89 „Maßnahmen“ ist das Ergebnis. Die Bundesregierung bleibt allerdings hinter den Erwartungen zurück, sie bleibt inkonsequent im Bekenntnis strukturellem Rassismus durch strukturelle Maßnahmen wirksam zu begegnen. Was bedeutet das für den Weg in eine rassismuskritische und chancengerechte Einwanderungsgesellschaft?

Rassismus ist für viele Menschen in Deutschland bittere Realität. Rassismus ist tief in unseren Institutionen und Strukturen verankert und verbreitet. Schon Kinder müssen aufgrund ihres Äußeren, ihrer Namen und den damit verknüpften rassistischen Stereotypen schmerzlich erfahren, dass Rassismus ihr ständiger Begleiter ist – sei es in der Kita, auf der Schulbank oder später in Ausbildung oder Studium, auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche. Rassismus behindert, grenzt aus, verletzt und verhindert damit ein friedliches und chancengerechtes Zusammenleben.

Rassismus ist eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben und findet seinen furchtbaren Ausdruck auch in einer Vielzahl rassistisch motivierter Gewalttaten und Anschläge in Deutschland über die letzten Jahrzehnte. Erst der Mord an Walter Lübcke und in kurzer Zeitfolge das Attentat in Halle und schließlich der Anschlag am 19. Februar in Hanau, der neun Menschen aus rassistischen Motiven das Leben kostete, hat den Handlungsdruck auf die Bundesregierung erheblich erhöht. „Deutschland hat ein Rassismusproblem“ – diese Erkenntnis war erstmalig so oft und so breit zu hören wie nie zuvor – auch durch Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Die Bundesregierung war gezwungen zu reagieren. Deshalb wurde im Mai 2020 der Kabinettausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus eingesetzt, der bis Oktober einen ausführlichen Maßnahmenkatalog vorlegen sollte. Der Kabinettsausschuss setzte sich ambitionierte Ziele: Das Bewusstsein für Rassismus solle als gesamtgesellschaftliches Problem geschärft werden und staatliche Strukturen geschaffen, die Betroffene vor Diskriminierungen schützen. Auch die „Anerkennung und Wertschätzung einer vielfältigen und chancengerechten Gesellschaft und Stärkung gleicher Teilhabechancen von Menschen mit Einwanderungsgeschichte“ wurde als eines der zentralen Ziele formuliert.

„Für uns – die Menschen, die von Rassismus betroffen sind – ist es überlebensnotwendig, dass dieser Kabinettsausschuss hervorragende Arbeit leistet und seine Ziele erreicht. Für Deutschland bietet er die Chance für ein neues Kapitel auf dem Weg in eine vielfältige, rassismus- und diskriminierungsfreie Gesellschaft, die gemeinsam am Zusammenhalt arbeitet und den Werten des Grundgesetzes Geltung verschafft .“ So formulierte die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen ihre Erwartungen, aber auch Hoffnungen an den Kabinettsausschuss und unterstrich die Dringlichkeit konsequenten Handelns von Seiten der Bundesregierung. Und auch der Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland begrüßte die Einsetzung und unterstrich gleichzeitig, dass „ein wirksames Maßnahmenpaket mit klaren und überprüfbaren Zielen“ notwendig sei, das „[im] Sinne eines ‚lernenden Konzepts‘ […] regelmäßig gemeinsam mit Zivilgesellschaft und Wissenschaft auf seine Wirksamkeit geprüft und weiterentwickelt“   werde. Die Erwartungen waren eindeutig und die Hoffnungen, dass mit dem Kabinettausschuss endlich der lange geforderte politische Paradigmenwechsel vollzogen würde, groß.

Welche Maßnahmen im Kampf gegen Rassismus und für eine antirassistische Einwanderungsgesellschaft notwendig sind, hat zuletzt der Begleitausschuss der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen im Sommer 2020 in einer eigenen „Antirassismus Agenda 2025“  detailliert ausbuchstabiert. Daran muss sich der Maßnahmenkatalog der Bundesregierung genauso messen lassen, wie an den selbst gesetzten Zielen.

89 Vorhaben – effektive Maßnahmen für eine antirassistische Einwanderungsgesellschaft?

Die Einrichtung des Kabinettsausschusses ist sicherlich ein Meilenstein und ein wichtiges Signal an Menschen mit Rassismuserfahrung gewesen. Doch bereits die Frage, ob die Bekämpfung von Rassismus neben Rechtsextremismus sowohl in Titel und Arbeitsauftrag des Kabinettsausschusses aufgenommen werden sollte, führte wie so oft zu kontroversen Debatten innerhalb der Koalition. Es wurde sich zwar letztendlich auf eine ambitionierte Zielsetzung geeinigt, doch die Kontroversen blieben, weshalb die Veröffentlichung der Maßnahmen um einen Monat verschoben werden musste. Ganz in Manier der Großen Koalition wurde zudem versucht strittige Punkte vorab abzuräumen. So einigte man sich zwar vorab zur Ersetzung des Begriffes „Rasse“ im Grundgesetz, vertagte die konkrete Ausgestaltung allerdings in eine Arbeitsgruppe unter Federführung der Bundesjustizministerin. Ähnlich verfuhr das Kabinett mit der Einigung über eine*n Rassimusbeaugftragte*n, der*die gänzlich ins Jahr 2022 verschoben wurde und entsprechend im 89 Punkte umfassenden Maßnahmenpaket gar nicht mehr auftauchte.

Insgesamt ist das Maßnahmenpaket der Bundesregierung eine Aneinanderreihung von Einzelprojekten über acht Ministerien verteilt, die weder ineinandergreifen noch strukturell wirken werden. Zu einer wirksamen Bekämpfung von Rassismus und für die Gestaltung einer antirassistischen Einwanderungsgesellschaft bedarf es einer koordinierten und kohärenten Gesamtstrategie, in der das Problemfeld intersektional bearbeitet wird. Nur so kann eine erfolgreiche antirassistische Politik gesamtgesellschaftlich Wirkung entfalten. Gesetzliche Regelungen und strukturelle Veränderungen tauchen in den 89 Maßnahmen kaum auf. Mehr Rechte für Menschen mit Rassismuserfahrung, mehr gesetzlich verbriefte Teilhabe- und Repräsentationsmöglichkeiten fehlen gänzlich.

Gemessen an den formulierten Erwartungen und Hoffnungen muss daher leider konstatiert werden, dass diese Bundesregierung keine Vision für die Gestaltung einer antirassistischen und chancengerechten Einwanderungsgesellschaft hat.

Rassismus erkennen, benennen, bekämpfen

Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Annette Widmann-Mauz formulierte einen Dreiklang: „Rassismus erkennen, benennen, bekämpfen“. Allerdings wird die Bundesregierung in ihrem Maßnahmenpaket diesem Dreiklang nicht konsequent gerecht.

Um Rassismus zu erkennen und zu benennen, braucht es neben der aktiven Einbeziehung der Perspektive und Expertise der (post-)migrantischen Zivilgesellschaft und Wissenschaft, eine umfassende empirische Datengrundlage über die Lebensrealitäten von Menschen mit Rassismuserfahrung in Deutschland, die nicht auf undifferenzierten Fremdzuschreibungen basiert. Es ist daher zu begrüßen, dass die Bundesregierung ihr Wissens- und Kompetenzdefizit im Bereich Rassismus erkannt hat und im Maßnahmenpaket mit diversen Studien und Forschung in Federführung der verschiedenen Ministerien versucht gegenzusteuern. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist beispielsweise mit einer wissenschaftliche Studie über drei Jahre zur Bestandsaufnahme und Ausgestaltung einer Diversitätsstrategie in Bundesbehörden am Beispiel des Ministeriums selbst dabei. Außerdem mit einem Rassismus- und Antidiskriminierungsmonitor, der durch das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) dauerhaft erstellt werden soll. Das Bundesjustizministerium mit einer Studie zu den in § 46 Abs. 2 S. 2 Strafgesetzbuch benannten Strafzumessungsumständen, um eine Hilfestellung für Gerichte und Staatsanwaltschaften bei der Norm zu bieten. Und das originär zuständige Bundesforschungsministerium, welches mit nur einer Maßnahme im Katalog insgesamt mit dabei ist, will insgesamt die Forschungsförderung zu Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ausbauen und für die Verbesserung der Forschungsdateninfrastruktur sorgen.

Das Bundesinnenministerium wird eine Forschungsförderung für den Bereich Islam-/Muslimfeindlichkeit auf den Weg bringen. Allerdings bleibt es die wohl am meisten geforderte und diskutierte Studie zu strukturellem Rassismus in der Polizei schuldig. Stattdessen trägt der Innenminister ein Forschungsprojekt zum Polizeialltag bei, das allerdings eine Untersuchung von Racial Profiling und Rassismus innerhalb der Sicherheitsbehörden komplett ausklammert. Ein fatales Signal, welches aber exemplarisch die Lücke bei den genannten Forschungsvorhaben offenbart, sich selbstkritisch mit den eigenen staatlichen, rassistisch wirkenden Strukturen auseinanderzusetzen.

Insgesamt nimmt die Bundesregierung scheinbar für den Maßnahmenkatalog verhältnismäßig viel Geld in die Hand – eine Milliarde Euro über die nächsten vier Jahre. Wo genau im Bundeshaushalt 2021 bereits Mittel eingeplant sind, konnte die Exekutive dem Parlament bisher allerdings nicht transparent darstellen. Nur das mehr als die Hälfte in das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ fließen sollen. Im Finanzplan 2021-2024 der Bundesregierung ist von dieser Höhe aber nichts zu lesen.

Strukturelle Probleme mit strukturellen Antworten lösen – die grüne Antirassismus-Agenda

Rassismus ist ein tief in unserer Gesellschaft, ihren Strukturen und Institutionen verwurzeltes Problem. Es muss klar sein: Struktureller Rassismus lässt sich nur mit strukturellen Maßnahmen konsequent und vor allem nachhaltig bekämpfen. Dafür hat die grüne Bundestagsfraktion eine ressortübergreifende Antirassismus-Agenda vorgelegt, die sowohl gesellschafts- und sicherheitspolitische Maßnahmen aufzeigt und auf strukturelle Probleme strukturelle Antworten gibt.

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Demo-Schild mit Aufschrift "Kein Einzelfall #georgefloyd #hanau"
#BLM Demonstration in Hamburg im Juni 2020 Bildnachweise

Es reicht nicht aus, nach jeder schrecklichen rassistischen Gewalttat Betroffenheit zu zeigen, seine Profilbilder zu ändern, für einen kurzen Zeitraum Raum in Medien und politischen Debatten zu schaffen, wenn sich danach faktisch kaum etwas ändert – sei es in der Sprache, sei es in Strukturen, sei in der Politik. Zwar sind wir heute gesellschaftlich glücklicherweise ein Stück weiter als in den 1990er Jahren. Nach dem schrecklichen Anschlag 1993 in Mölln erschien der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl nicht einmal zur Gedenkveranstaltung und begründete seine Absage damit, es würde sich nur um „Beileidstourismus“ handeln. Unsere Ansprüche sollten heute aber auch deutlich andere sein. Wir müssen weiterhin dafür kämpfen, dass alle mit am Tisch sitzen, mitreden und mitbestimmen können. Diskriminierungsschutz, Repräsentation und Stärkung der Zivilgesellschaft müssen zentrale Pfeiler für eine Antirassismuspolitik im 21. Jahrhundert sein.

Es braucht einen fortlaufenden gesellschaftlichen Diskurs über unsere Einwanderungsgesellschaft und deren antirassistische Ausgestaltung. Dieser Diskurs sollte durch die Schaffung eines „Partizipationsrats Einwanderungsgesellschaft“ vorangetrieben werden und als unabhängiges Gremium mit Vertreter*innen aus der (post-)migrantischen Zivilgesellschaft, sowie Wissenschaft und Forschung besetzt und gesetzlich verankert werden, ähnlich dem Deutschen Ethikrat. Dass bis heute keine Arbeitsdefinition der Bundesregierung für alle Rassismen in ihren Gemeinsamkeiten und Wechselwirkungen besteht, zeigt die Notwendigkeit beratender Expertise.

Eine antirassistische Einwanderungsgesellschaft ist auf einen effektiven Diskriminierungsschutz angewiesen. Um dem Anspruch, Diskriminierung effektiv zu bekämpfen, gerecht werden zu können, muss das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nach 15 Jahren endlich reformiert werden. Dafür müssen die bestehenden Schutzlücken im privaten und öffentlichen Bereich geschlossen werden und ein umfassendes Verbandsklagerecht eingeführt werden. Wir brauchen ein AGG, das Betroffene in der Durchsetzung ihrer Rechte wirkungsvoll unterstützt und echten Rechtsschutz gewährleistet. Zudem braucht es einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten und zwar für alle. Deshalb muss endlich ein flächendeckendes Netz von qualifizierten und unabhängigen Melde- und Beratungsstellen deutschlandweit sichergestellt und entsprechend ausgebaut werden. Ein wichtiger Baustein für einen effektiven Diskriminierungsschutz ist außerdem eine finanziell und personell besser ausgestatte Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Deshalb soll die ADS aufgewertet und als eine oberste Bundesbehörde errichtet werden, um ihre Bedeutung und ihre Unabhängigkeit zu stärken.

Zivilgesellschaftliche Arbeit, die sich gegen Rassismus und für unsere plurale Demokratie einsetzt, muss strukturell und finanziell nachhaltig gefördert werden. Es braucht deshalb endlich ein Demokratiefördergesetz auf Bundesebene, das diesen Namen auch verdient. Dabei soll sichergestellt sein, dass die Unabhängigkeit zivilgesellschaftlichen Engagements nicht ausgehöhlt wird. Außerdem muss das Gemeinnützigkeitsrecht dringend reformiert werden, um die Rechtssicherheit und Gleichbehandlung verschiedener zivilgesellschaftlicher Akteure bei gemeinnützigem bürgerschaftlichem Engagement gegen Rassismus, für Grund- und Menschenrechte und unsere Demokratie zu garantieren.

Die Ausgestaltung der antirassistischen und chancengerechten Einwanderungsgesellschaft kann nur funktionieren, wenn die Gleichstellung aller Menschen im Land auf eine gesetzliche Grundlage gestellt ist. Hier ist die Bundesregierung bedauerlicherweise blank, keine Vision, keine verbindliche Maßnahme.

Ein Teilhabe- und Partizipationsgesetz auf Bundesebene zur Sicherstellung der rechtlichen Gleichbehandlung und gesellschaftlichen und politischen Teilhabe und Beteiligung wären dafür ein guter Anfang. Damit könnte eine diversitätsorientierte Öffnung von Institutionen gesetzlich festgeschrieben und endlich vorangetrieben werden. Um Repräsentation zu garantieren, fordern wir zudem eine Reform des Bundesgremienbesetzungsgesetzes. Nicht zuletzt muss mindestens auf kommunaler Ebene das Wahlrecht für Ausländer*innen endlich ermöglicht und statt weiteren Einschränkungen im Staatsangehörigkeitsrecht braucht es 20 Jahre nach der großen Reform unter Rot-Grün eine zeitgemäße Weiterentwicklung. Das wäre der Kern einer Einbürgerungsoffensive, die wirklich zum Ziel hat, dass Ausländer*innen zu Deutschen werden und sich auch sicher sein können, es bleiben zu können.

„Einheit in Vielfalt“ sollte nicht nur unser Anspruch sein, sondern als gesamtstaatliche Aufgabe verstanden werden, die gesetzlich verankert werden muss. Es geht dabei um nicht weniger als die Anerkennung und Wertschätzung einer vielfältigen und chancengerechten Gesellschaft und die Schaffung gleicher Teilhabechancen für Menschen mit Einwanderungsgeschichte.

Gemeinsam Vielfalt gestalten

Der Kabinettsausschuss war für Menschen mit Rassismuserfahrung von historischer Bedeutung. Doch damit ist es bei weitem nicht getan. Einzelne Maßnahmen mögen gut und richtig sein, ebenso wie die zusätzliche finanzielle Förderung. Wir brauchen aber mehr als Einzelmaßnahmen. Es braucht endlich eine umfassende, gesamtstaatliche Strategie, die strukturell etwas ändert. Letztendlich haben die Debatten rund um den Kabinettsausschuss uns nochmal vor Augen geführt, dass Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit tatsächlich noch sehr tief in unserer Gesellschaft, ihren Strukturen und Institutionen verwurzelt sind.

Die eindrücklichen Worte von Semiya Şimşek, deren Vater das erste Mordopfer des NSU war, sollten uns alle Mahnung und Auftrag sein: „Ich habe meinen Vater verloren, wir haben unsere Familienangehörigen verloren. Lasst uns verhindern, dass das auch anderen Familien passiert. Wir alle gemeinsam zusammen, nur das kann die Lösung sein.“ Es haben seitdem zu viele weitere Menschen ihre Familienangehörigen und Freund*innen verloren. Deshalb ist es umso mehr unsere Pflicht als gesamte Gesellschaft ein Versprechen abzugeben, ein Versprechen an Semiya Şimşek, ein Versprechen an die Menschen in unserer Gesellschaft, deren Leben von Rassismus bedroht ist, dass wir alles, was erforderlich, notwendig und möglich ist, unternehmen werden, damit Rassismus nicht weiter selbstbestimmtes Leben behindern und verhindern kann. Lasst uns den Aufbruch in eine rassismuskritische und chancengerechte Einwanderungsgesellschaft wagen. Lasst uns gemeinsam Vielfalt gestalten.

 

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20 Januar 2021 0 Kommentare
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Alman dis isler Bakani Heiko Maas in Türkiye ziyareti.

von Fremdeninfo 20 Januar 2021
von Fremdeninfo

Alman dis isler Bakani Heiko Maas in  Türkiye ziyareti.

Cumali Yagmur

Türkiye Cumhurbaşkanı Erdoğan, ülkesinin yeniden AB’ye yaklaşmak istediğini vurguladı.

Dışişleri Bakanı Maas’ın şimdi Ankara’ya gitmesinin sebeplerinden biri de bu. . Dışişleri Bakanı Heiko Maas bu Pazartesi günü Ankara’ya yaptığı ziyarette, Türkiye’nin AB ile ilişkilerde yeni bir başlangıç ​​yapmaya gerçekten hazır olup olmadığını öğrenmek istiyor. Üç ay önce, Maas’ın Türkiye’ye planladığı bir ziyaret, Türkiye Doğu Akdeniz’deki doğalgaz anlaşmazlığının tırmanmasına izin verdiği için iptal edilmişti. Bu arada, Türk hükümeti Avrupa ile anlaşmazlığı çözme kararlılığını açıkladı – çünkü Türkiye’nin ekonomik yardıma ihtiyacı var ve ABD ile yeni bir kavgadan korkuyor. Maas, meslektaşı Mevlüt Çavuşoğlu’ndan Ankara’daki hükümetin Avrupa ile yakınlaşmak için ne yapmak istediğini öğrenmek isteyecek. Maas’ın ziyareti Türkiye ile Avrupa arasındaki yeni bağlantılar zincirine katılıyor. Perşembe günü, Çavuşoğlu AB dışişleri temsilcisi Josep Borrell ile görüşmek üzere Brüksel’e uçtu  ve Türk-Yunan ikili sorunlarla ilgili görüşmeler 25 Ocak’ta İstanbul’da başlayacak. AB Komisyonu başkanı Ursula von der Leyen ve Konsey Başkanı Charles Michel’in bu ay Türkiye’de olması bekleniyor. Cumhurbaşkanı Recep Tayyip Erdoğan geçen hafta „Avrupa ile ilişkileri tekrar rayına oturtmak“ istediğini söyledi. Erdoğan, Kasım ayından bu yana AB ile yeni bir başlangıç ​​çağrısı yapıyor. O sırada, ekonomik krizin boyutu netleşince damadı Berat Albayrak maliye bakanlığı görevinden istifa etti. Enflasyon oranı yüzde 14,6, gıda ile yüzde 20’nin bile üzerinde. Ülkenin acilen yeni yatırımcı güvenine ihtiyacı var – Türkiye’nin en büyük ticaret ortağı olarak AB ile ilişkilerin normalleşmesi bunun için önemli. Buna karşılık, Avrupa öncelikle Türkiye ile mülteci anlaşmasını uzatmaya çalışıyor. Erdoğan sadece ekonomik nedenlerle Avrupa’ya yakınlık arayışında değil. Joe Biden’in ABD’deki seçim zaferinden bu yana, Ankara ile Washington arasında yeni gerginlikler ortaya çıktı. Sadece birkaç gün önce Erdoğan, ülkesinin bu ay S-400 hava savunma sistemi için başka bir pilin teslimatı hakkında Rusya ile görüşeceğini duyurdu. ABD, geçen yıl ilk pilin teslimine NATO ortağına yaptırımlarla yanıt verdi. 

AB, geçtiğimiz günlerde Akdeniz anlaşmazlığı nedeniyle Ankara’ya yaptırım çıkardı ve Mart ayında ek adımları görüşecek. Erdoğan hükümeti, Avrupa’yı uzlaşmacı kılmak için bir süredir Akdeniz’in Türkiye ile AB üyeleri Yunanistan ve Kıbrıs arasında tartışmalı olan kısımlarında doğalgaz aramıyor. Yunanistan ile 2016’da sona eren görüşmelerin yeniden başlaması da aynı amaca hizmet ediyor. Bununla birlikte, hızlı sonuçlar beklenemez. Somut adımların neye benzemesi gerektiği hala belirsiz Erdoğan geçtiğimiz günlerde Yunanistan Başbakanı Kyriakos Mitsotakis ve Fransa Cumhurbaşkanı Emmanuel Macron ile de kişisel görüşmeler yaptı. Ancak Paris hükümeti, Fransa’nın Ankara’dan önceden „somut jestler“ beklediğini söyledi. Berlin Bilim ve Siyaset Vakfı’ndan İlke Toygür, Twitter’da AB’nin Türkiye’den „somut adımlara“ ihtiyacı olduğunu yazdı. Avrupa Parlamentosu Türkiye raportörü Nacho Sanchez Amor, Türk terörle mücadele yasalarının etkisiz hale getirilmesi, muhalif siyasetçiler ve aktivistlerin serbest bırakılması ve sivil toplum, medya ve Kürt partisi HDP üzerindeki baskının sona ermesini  Avrupa insan Haklari mahkemesinin  Selahattin Demirtas ve digerr politikacilarin serbest burakilmasinna karar verdi karari Erdogan tanimiyoruz dedi… Sağcı milliyetçi koalisyon ortağı Devlet Bahçeli, anayasa reformlarını şiddetle reddediyor. Maas bu nedenle Ankara’da gerçek  Avrupa Birligine  yaklasim gerçekçinin  ne kadar dogru olduğunu öğrenmek  icin Türkiyey ziyaret ertti.

20 Januar 2021 0 Kommentare
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Die Türkei versucht, vor Joe Biden Fakten zu schaffen“

von Fremdeninfo 18 Januar 2021
von Fremdeninfo

Die Türkei versucht, vor Joe Biden Fakten zu schaffen“

Von

Stefan Kreitewolf

–

31. Dezember 2020

 
 

 
Die Journalistin Kristin Helberg lebte in Syrien und warnt vor einem Einmarsch türkischer Truppen in den Norden Syriens. Foto: Jan Kulke

Kristin Helberg lebte sieben Jahre in Damaskus und war mehrfach für Reportagen im kurdisch geprägten Nordosten Syriens unterwegs. Im Interview warnt sie vor einem neuen türkischen Einmarsch.

Frau Helberg, lange Zeit galt das autonome Kurdengebiet „Rojava“ als sicherer Rückzugsort in dem vom Krieg gezeichneten Land. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein, wie geht es der Bevölkerung vor Ort?

Tatsächlich gibt es unter den Kurden in Nordsyrien ein andauerndes Gefühl der Bedrohung. Die Menschen fürchten, dass die Türkei weiter vordringt. Und das ist eine berechtigte Sorge, weil die Türkei in der Vergangenheit bereits drei Mal intervenierte. Die Regierung von Präsident Erdoğan hat ein offensichtliches Interesse daran, das Grenzgebiet unter türkische Kontrolle zu stellen und damit eine dauerhafte kurdische Autonomie auf der syrischen Seite der Grenze zu verhindern.

Wie geht die Bevölkerung damit um?

Die Menschen in Qamischli und anderen Städten der Region leben unter schwierigen ökonomischen Bedingungen. Dazu kommt die große Ungewissheit. Es machen sich immer noch Menschen auf den Weg nach Europa, weil sie keine Zukunft, keine Perspektive vor Ort sehen. Das betrifft vor allem junge Kurden und hängt mit diesem Bedrohungsszenario zusammen.

Die türkische Armee hat vor circa einem Jahr – im Oktober 2019 – einen sogenannten Sicherheitskorridor an der türkisch-syrischen Grenze installiert. Welche Auswirkungen hat das auf Rojava?

Die Idee war damals, ein zusammenhängendes Gebiet unter kurdischer Kontrolle weiter zu erschweren. Diese Politik begann im Sommer 2016, als Ankara mit Hilfe ihrer syrischen Söldner, der Kämpfer der Syrischen Nationalen Armee (SNA), das Gebiet zwischen Dscharābulus und Aʿzāz besetzt hat. Bis heute steht es unter türkischer Kontrolle und ist de facto eine Art türkisches Protektorat. Damit wurde damals die Verbindung zwischen Afrin und dem Rest Rojavas gekappt.

Der Angriff auf Afrin, die sogenannte „Operation Olivenzweig“ folgte dann Anfang 2018.

Genau, die kurdische Enklave steht seitdem auch unter türkischer Kontrolle. Die von Ankara bezahlten islamistischen SNA-Milizionäre begehen dort straflos Verbrechen – sie plündern, vergewaltigen, foltern und beschlagnahmen das Eigentum kurdischer Bewohner, das hat die UN-Untersuchungskomission zu Syrien in ihrem letzten Bericht vom September 2020 dokumentiert. Darauf folgte der Versuch der Türkei, ein Gebiet noch viel weiter östlich mit eigenen Truppen oder Milizionären zu besetzen. Das ist 2019 gelungen – zwischen Raʾs al-ʿAin und Tall Abyad. Und aktuell sehen wir zunehmend Angriffe auf Ain Issa. Der Ort ist für die kurdische autonome Selbstverwaltung von großer Bedeutung – auch strategisch, weil er an der wichtigen Schnellstraße M4 liegt. Die Absicht der Türkei ist offensichtlich, diesen Ort irgendwie unter türkische Kontrolle zu bringen, der autonomen Verwaltung zu schaden und das Projekt Rojava weiter zu schwächen.

„Die Türkei will Rojava weiter schwächen“

Sie sprechen es an: Immer häufiger wird zuletzt von Zwischenfällen und bewaffneten Scharmützeln zwischen YPG und türkischen Soldaten oder Söldnern berichtet. Das nährt die Furcht vor einem weiteren türkischen Einmarsch in Nordsyrien. Wie wahrscheinlich ist solch ein Szenario?

Das Szenario zeichnet sich eigentlich seit Ende November ab. Kämpfer der SNA greifen immer wieder Ain Issa an und stören den Verkehr auf der Schnellstraße M4, die als Lebensader Nordsyriens gilt. Die Angriffe dort sind ein Bruch des Sotschi-Abkommens aus dem Oktober 2019. Damals hatten sich die Türkei und Russland geeinigt, die türkischen Angriffe auf die Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu stoppen. Dafür zogen sich diese 32 Kilometer von der Grenze ins Landesinnere zurück. Seither patrouillieren russische und türkische Soldaten gemeinsam entlang der M4, sie müssen sich aber dem Abkommen zufolge von der M4 fernhalten. Die YPG erfüllte ihren Teil des Abkommens, trotzdem gehen die türkischen Angriffe weiter.

Was bedeutet das für die kurdische Selbstverwaltung? Rojava wurde erst von den USA unterstützt und dann wieder fallengelassen und wird jetzt von Russland, Syrien und der Türkei bedroht. Schaffen es die Kurden, ihre Autonomie zu erhalten?

Die Geschichte wiederholt sich: Die Kurden sind Spielball geopolitischer Interessen. Und bei ihnen macht sich das Gefühl von Verrat breit. Sie wurden von den Amerikanern und den Europäern im Stich gelassen. Hinzu kommt: Sie sind von den Russen abhängig. Und die handeln eher etwas aus, das der Rückkehr des syrischen Regimes dient. Die Kurden müssen sich nun entscheiden: Arrangieren sie sich mit Assad oder wollen sie weiter gegen die türkischen Invasionen kämpfen?

Ist das Projekt Rojava damit gescheitert?

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage unter dem neuen US-Präsidenten entwickelt. Ich habe den Eindruck, dass die Türkei versucht, vor dem Amtsantritt von Joe Biden am 20. Januar 2021 Fakten zu schaffen. Dazu passen die anhaltenden Angriffe auf die M4 und Ain Issa. Aber um auf die Frage zurück zu kommen: Ich glaube, langfristig wird das Projekt Rojava scheitern, weil alle involvierten Mächte kein Interesse an einer wirklichen kurdischen Autonomie innerhalb Syriens haben.

Aktuell sind Tausende ehemalige IS-Kämpfer in kurdischen Gefängnissen interniert. Gefährden sie den sozialen Frieden in der Region?

Die Kurden haben den IS mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition bekämpft. Und sie tun das noch heute. In den kurdischen Lagern sitzen zehntausende IS-Kämpfer und -Sympathisanten mit ihren Familien. Für hunderte ausländische Kämpfer fühlt sich niemand zuständig, auch nicht die Bundesregierung oder andere europäische Länder. Lediglich deutsche Frauen und Kinder werden bisher zurückgeholt, was richtig ist, aber nicht ausreicht. In den Lagern kommt es immer wieder zu Ausbrüchen und Aufständen. Und es ist bekannt, dass einige Dutzend ehemalige IS-Kämpfer inzwischen bei der SNA mitkämpfen. Das ist für den sozialen Frieden in der Region toxisch, weil sowohl radikale Islamisten als auch arabische Nationalisten gegen die Kurden kämpfen und der Hass zwischen Kurden und Arabern weiter wächst.

„Erdoğan nutzt syrische Kämpfer“

Die Politik des türkischen Präsidenten führt dazu, dass türkische Soldaten und Söldner immer häufiger an bewaffneten Konflikten teilnehmen, zum Beispiel in Libyen oder in Bergkarabach. Er rechtfertigt das mit Interessen der Türkei. Welche Auswirkungen hat das auf Syrien und die Region?

Präsident Erdoğan verfolgt diese Außenpolitik, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Da braucht es außenpolitische Kampagnen, die nationale Gefühle bei den Türken freisetzen. Erdoğan nutzt syrische Kämpfer, wie wir wissen, nicht mehr nur innerhalb Syriens, sondern auch in Libyen oder in Bergkarabach. So muss er nicht mit der eigenen türkischen Armee agieren, sondern kann nicht-staatliche Milizen vorschicken. Diese Art der Kriegsführung nutzt er auch im Mittelmeerraum, um eigene Interessen bei der Erdgas-Gewinnung durchzusetzen. Das ermöglicht ihm, sich vor den juristischen und humanitären Verpflichtungen einer Kriegspartei oder Besatzungsmacht zu drücken und die Verantwortung auf Andere zu schieben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 
18 Januar 2021 0 Kommentare
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Wie tickt „Türken-Armin“ Laschet, der neue CDU-Chef?

von Fremdeninfo 17 Januar 2021
von Fremdeninfo

Wie tickt „Türken-Armin“ Laschet, der neue CDU-Chef?

Von

Stefan Kreitewolf

–

16. Januar 2021

 
 
 
 
Foto: dpa-Bildfunk

Armin Laschet ist zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt worden. Aufgrund seiner Ansichten wurde er auch „Türken-Armin“ genannt. Wofür steht der ehemalige Integrationsminister aus Nordrhein-Westfalen?

Das Rennen um den Posten des Vorsitzenden der CDU ist entschieden. Armin Laschet (59), aktuell Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (NRW), setzte sich auf einem digitalen Parteitag gegen Friedrich Merz (65) und Norbert Röttgen (55) durch. In seiner Antrittsrede gab er den Versöhner, der Menschen zusammenführen und Interesse ausgleichen will. Laschet kann aber auch anders.

Der Politiker, der schon seit jungen Jahren Mitglied der CDU ist, polarisiert und eckt in seiner Partei an. 2005 wurde er Integrationsminister in NRW. Aufgrund seiner liberalen und weltoffenen Ansichten nannten ihn seine Kritiker „Türken-Armin“. 2009 betonte er: „Wir müssen die ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt unseres Landes nicht als Bedrohung, sondern als Chance und Herausforderung begreifen.“ Darauf verwies er jüngst auch in einer Rede, die er im Landtag über Biontech-Gründer Prof. Uğur Şahin hielt.

Kritisch gegenüber dem Kopftuch, für den Dialog

Der „Spiegel“ war sich damals sicher: Laschet sei ein „Vorreiter“, der „die Bundespolitiker integrationspolitisch in den Schatten stellt“. Der Aachener setzt sich für einen offenen Dialog zwischen Christen und Muslimen ein. Dem Tragen des Kopftuchs steht er indes kritisch gegenüber, vor allem bei Kindern.

2018 warb seine Landesregierung massiv für ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Der Ministerpräsident und sein Kabinett vertraten die Ansicht, das Kopftuchtragen unterhalb der Religionsmündigkeit ab 14 Jahren müsse gesetzlich verboten werden. 2019 rückte der Landeschef von dem Vorhaben ab. Die rechtlichen Hürden waren zu hoch.

Dennoch zeigt die gescheiterte Initiative, dass er in dem gescheiterten Verbot keine Diskriminierung von Muslimen sieht, sondern für einen „liberalen“ Islam werben möchte. Dass er dies als gläubiger Katholik versucht, ist fragwürdig.

Brückenbauer zwischen Erzkonservativen und Reformern

Dennoch geht mit dem neuen CDU-Chef die Hoffnung einher, dass die Zuwanderungs- und Integrationspolitik der Bundesrepublik weiter geöffnet wird. Die nächsten Monate werden zeigen, wie er das schwere Erbe seiner Vorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer weiterführen wird.

Laschet muss sich nun als Brückenbauer beweisen, der einerseits das erzkonservative Lager der Alteingessenen in der CDU mit denjenigen einen muss, die frischen Wind und eine andere Politik favorisieren. Der Spagat wird nicht leicht. Doch Laschet ist erfahren und kampferprobt.

„Druck auf Erdoğan erhöhen“

Das könnte ihm auch im Rennen um den Posten des Kanzlerkandidaten helfen. Als CDU-Chef gilt er als aussichtsreicher Bewerber. Und in dieser Position könnte er auch direkter als bislang mit der Türkei und Präsident Recep Tayyip Erdoğan (AKP) zu tun bekommen. Ihm gegenüber gibt er sich regelmäßig kompromisslos.

„Man muss den Druck auf Erdoğan erhöhen, dass wir dieses Spiel nicht zulassen, wie er in Idlib Krieg führt und Europa mit Flüchtlingen unter Druck setzt“, sagte er im März vergangenen Jahres. Ob Laschet in der neuen Position weiterhin so rigoros gegen Ankara auftreten wird, bleibt abzuwarten.

Lesen Sie hier auch einen Gastbeitrag von Armin Laschet für DTJ Online vom 28. Mai 2018.

 
 
 
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Stefan Kreitewolf
 
 
 
 
 
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17 Januar 2021 0 Kommentare
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Anwältin von Ex-Agent Altaylı: Beweise unter Folter erlangt

von Fremdeninfo 15 Januar 2021
von Fremdeninfo

Anwältin von Ex-Agent Altaylı: Beweise unter Folter erlangt

Von

dtj-online

–

14. Januar 2021

 
 
 
 
Ex-MIT-Agent Altaylı ist seit 2017 in der Türkei in Haft. Bild: dpa / Private Aufnahme

Im Prozess gegen den inhaftierten Ex-Agenten Enver Altaylı hat seine Anwältin dem Gericht Parteilichkeit vorgeworfen. Es lasse Beweise zu, die durch Folter erlangt worden seien.

In einem Antrag hat Dilara Yılmaz, Tochter und Anwältin von Altaylı, den Austausch der Richter gefordert. Im Verfahren gegen ihren Mandanten seien ihrem Einspruch zum Trotz Beweismittel zugelassen worden, die durch Folter und Entführung erlangt worden seien, sagte Yılmaz der dpa. Es gebe zahlreiche weitere Beweise, die die Befangenheit der Richter nahelegten. So seien in der Vergangenheit etwa mehrere Anträge der Verteidigung „ungerechtfertigt“ abgewiesen worden.

Der 76-Jährige, der in der Türkei geboren wurde, zuletzt aber in Deutschland lebte und beide Staatsbürgerschaften besitzt, war 2017 im südtürkischen Urlaubsort Antalya festgenommen worden. Seitdem sitzt er im türkischen Gefängnis. Ihm werden Gründung oder Führung einer Terrororganisation vorgeworfen. Zudem wird er beschuldigt, Staatsgeheimnisse mit dem Ziel der militärischen oder politischen Spionage erworben zu haben. Der Prozess soll am 18. Februar fortgesetzt werden.

Bild mit Roth als Beweis

Altaylı soll früher neben dem türkischen Geheimdienst MIT auch für den amerikanischen Geheimdienst CIA tätig gewesen sein. Er hatte im Dezember Aufklärung über ein Foto mit der Grünen-Politikerin Claudia Roth verlangt, das in der Anklageschrift als Beweismittel gegen ihn aufgeführt wird. „Ich verstehe nicht, für welche Straftat dies ein ergiebiges Beweismittel darstellen sollte“, schreibt Altaylı in einem Antrag, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, an das Gericht für schwere Straftaten in Ankara. „Für die Führung einer Terrororganisation? Oder etwa für Spionage?“

Bundestagsvizepräsidentin Roth sagte damals, es lasse „tief in die Seriosität der türkischen Justiz blicken“, falls solch ein Foto als Beweis herangezogen werde. Das sei „an Absurdität nicht zu überbieten“.

Der Fall Altaylı ist einer der prominentesten Fälle von deutschen Staatsbürgern in türkischer Haft. Der deutsche Botschafter besucht ihn regelmäßig. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es zu Altaylı, dass „Fälle, in denen von einem politischen Hintergrund der Verhaftung auszugehen ist, auf politischer Ebene gegenüber der Türkei angesprochen wurden und werden“.

dpa/dtj

 

15 Januar 2021 0 Kommentare
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CDU-Politiker will keine „Ülkücüs“ in der Partei

von Fremdeninfo 12 Januar 2021
von Fremdeninfo

CDU-Politiker will keine „Ülkücüs“ in der Partei

Von dpa

dtj-online

–

11. Januar 2021

 
 
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Dpa

Der CDU-Innenpolitiker Christoph de Vries will nicht, dass Anhänger der türkisch-nationalistischen Ülkücü-Bewegung bei der CDU andocken. Er fordert eine Überprüfung vor einer Mitgliedschaft.

„Rechtsextremisten haben in der CDU nichts zu suchen, egal ob sie deutschen oder türkischen Ursprungs sind“, sagte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries der Deutschen Presse-Agentur. Er rate seiner Partei deshalb „dringend zu einem Unvereinbarkeitsbeschluss, der die Bekleidung von Ämtern und Mandaten sowie die Aufnahme in die CDU ausschließt und bei bestehenden Mitgliedschaften die Prüfung von Ordnungsmaßnahmen vorsieht“.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen sei der Umgang mit Anhängern der auch als „Graue Wölfe“ bekannten ultranationalistischen Bewegung in den vergangenen Jahren zu sorglos gewesen, kritisierte de Vries. Das habe sich erst bei den jüngsten Kommunalwahlen wieder gezeigt.

Mehrere Kandidaten bei den Kommunal- und Integrationswahlen

Auf eine entsprechende Frage des AfD-Abgeordneten Götz Frömming hatte Innen-Staatssekretär Hans-Georg Engelke am 1. Dezember geantwortet, der Bundesregierung lägen „vereinzelte Erkenntnisse über die Kandidatur von Personen aus dem Umfeld des türkischen Rechtsextremismus bei den Kommunal- und Integrationswahlen am 13. September 2020 in NRW vor“.

De Vries sieht hier auch den CDU-Landesvorsitzenden, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet, in der Verantwortung. „Mir ist unverständlich, warum der Parteivorsitzende in NRW als erklärter Vertreter eines Kurses der Mitte nicht längst dagegen eingeschritten ist“, sagte der CDU-Abgeordnete. Sevim Dağdelen von der Linksfraktion im Bundestag hatte den Abgeordneten von CDU und CSU unlängst in einer Plenardebatte zugerufen: „Es wäre besser, Sie würden Ihre Energie darauf verwenden, den zahlreichen Unterwanderungsversuchen der Grauen Wölfe in der Union stärker vorzubeugen.“

Der Verfassungsschutz schätzt, dass der Bewegung in Deutschland rund 11.000 Menschen angehören. Sie bezeichnen sich selbst als „Idealisten“ (türkisch: ülkücü). Im Verfassungsschutzbericht für 2019 heißt es: „Die unterschiedlichen Ausprägungen reichen von klassischem Rassismus bis hin in den Randbereich des Islamismus“.

dpa/dtj

 

12 Januar 2021 0 Kommentare
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AKP-naher Rektor an der Boğaziçi: Festnahmen nach Protesten

von Fremdeninfo 11 Januar 2021
von Fremdeninfo

AKP-naher Rektor an der Boğaziçi: Festnahmen nach Protesten

Von

dtj-online

Ein Student der Boğaziçi-Universität tritt während einer Demonstration gegen ein Schild eines Polizisten. Foto: Zeynep Kuray/AP/dpa

An der renommierten Boğaziçi-Universtiät haben Studenten gegen die Ernennung eines neuen Rektors protestiert. 16 Personen wurden festgenommen. Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem Imamoğlu unterstützt die Proteste.

Nach Protesten von Studenten an der renommierten Boğaziçi-Universität in Istanbul hat die türkische Polizei 16 Personen festgenommen. Nach zwölf weiteren werde gefahndet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Ihnen würden ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und Widerstand gegen diensthabende Beamte vorgeworfen.

Studenten der Boğaziçi-Universität hatten am Montag gegen die Ernennung eines neuen Rektors durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan protestiert. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei. Erdoğan hatte den neuen Rektor Melih Bulu, der 2015 für die islamisch-konservative Regierungspartei AKP als Abgeordnetenkandidat angetreten war, am Samstag ernannt. Als Präsident hat Erdoğan das Recht, Rektoren einzusetzen. Die Studenten kritisieren unter anderem die Nähe des Rektor zur AKP und die Ernennung als undemokratisch. Sie fordern das Recht ein, ihren eigenen Rektor zu wählen.

Imamoğlu zeigt Solidarität

Der Oberbürgermeister der türkischen Millionenmetropole Istanbul, Ekrem İmamoğlu, hat sich mit den Studenten und Professoren der Universität in ihrem „rechtschaffenen Kampf“ gegen den neuen, von Präsident Erdoğan ernannten Rektor, solidaris

 

 
11 Januar 2021 0 Kommentare
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