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Archive

Türkisches Justizministerium zur Zwangsentkleidung: „Halbnackte Untersuchungen nur bei Verdacht

von Fremdeninfo 11 Januar 2021
von Fremdeninfo

Türkisches Justizministerium zur Zwangsentkleidung: „Halbnackte Untersuchungen nur bei Verdacht“

 

Von

dtj-online

–

28. Dezember 2020

 
 
 

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Gibt es in türkischen Gefängnisanstalten Zwangsentkleidungen? Das behaupten jedenfalls mehrere junge Frauen. Nun hat auch das Justizministerium Stellung bezogen. Die Vorwürfe konnte es dabei nicht vollständig aus der Welt schaffen.

Das türkische Justizministerium hat sich nach den Diskussionen zu den Berichten über Zwangsentkleidungen Frauen in türkischen Gefängnissen geäußert. Dabei hatten mehrere Betroffene behauptet, dass sie im Zuge der Verhaftungswelle nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 bei Durchsuchungen vollständig entblößt worden seien. Viral ging das Thema unter dem Hashtag #ÇıplakAramayaSessizKalma – Erhebe deine Stimme gegen Zwangsentkleidung (bei der polizeilichen Durchsuchung).

Der Fall wurde zum großen Thema im Land, nachdem der HDP-Abgeordnete Ömer Faruk Gergerlioğlu ihn vor der türkischen Generalversammlung „TBMM“ ansprach. Einige Politiker:innen der regierenden AKP bezichtigten Gergerlioğlu daraufhin der Lüge. In der Türkei gebe es keine Zwangsentkleidungen bei Untersuchungen. Detaillierte Beschreibung der Umstände

Der Skandal beschäftigt mittlerweile auch das türkische Justizministerium. In einer schriftlichen Mitteilung beschrieb es detailliert, unter welchen Umständen „Untersuchungen bei halbnacktem Zustand“ stattfinden. Zwangsentkleidungen versuchte das Ministerium damit zu dementieren, doch Kritiker:innen sind der Ansicht, dass auch genau solche Praktiken gegen die Menschenwürde verstoßen. Entweder sei der obere oder untere Körperbereich jeweils abgedeckt, schrieb das Ministerium. Falls Körperöffnungen untersucht werden müssten, werde ein Facharzt herangezogen.

„Schamgefühl der Untersuchten wird beachtet“

Solch eine Praktik würde außerdem nur bei einem Verdacht auf mitgetragene gefährliche Gegenstände vorgenommen. Dabei werde stets auf das Schamgefühl der Personen geachtet. Die Untersuchungen würden nur in geschlossenen und von außen nicht sichtbaren Räumen im Beisein von zwei Bediensteten des jeweils selben Geschlechts durchgeführt, so das Ministerium.

Dennoch stelle eine solche Untersuchungsform eine Ausnahme dar. Für willkürliche Handlungen während dieser Untersuchungen gebe es keine Toleranz.

Die Erklärung des Justizministeriums ist aber wenig erhellend und kaum zufriedenstellend, zumal auf die einzelnen Fälle nicht eingegangen wird. Unter dem Hashtag #ÇıplakAramayaSessizKalma hatte beispielsweise Betül Alpay Kabadayı in einer Videobotschaft geschildert, wie sie die Untersuchung erlebte. Sie habe mit einem Kittel und nackten Beinen durch einen X-Ray laufen müssen, wobei mehrere männliche Gefängniswärter ihr dabei zugesehen hätten. Kabadayı verwies auf die Kameraaufnahmen der entsprechenden Gefängnisanstalt.

11 Januar 2021 0 Kommentare
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Religion

MHP-Chef Bahçeli kritisiert Anerkennung der AABF in Deutschland scharf

von Fremdeninfo 4 Januar 2021
von Fremdeninfo

MHP-Chef Bahçeli kritisiert Anerkennung der AABF in Deutschland scharf

Von

dtj-online

Die Anerkennung der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF) hat in der Türkei zu großen Diskussionen geführt. Der Vorsitzende der nationalistischen MHP sowie die linkskemalistische Zeitung „Aydınlık“ sind mit dem neuen Status der Gemeinde nicht einverstanden und sehen in der Anerkennung „einen Plan des Westens“. Die AABF selbst entgegnete der Kritik ihrerseits mit scharfen Worten. 

Die Erlangung des Körperschaftstatus der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF) in Nordrhein-Westfalen schlägt hohe Wellen, die bis in die Türkei reichen. Neben einigen türkischen Medien kritisierte nun auch der Chef der nationalistischen Partei MHP den neuen Status der AABF. „Die westlichen Pläne, die unsere zum islamischen Glauben gehörenden alevitischen Cans (Anm. d. Red.: alevitische Bezeichnung für Personen dieser Glaubensrichtung), instrumentalisieren und in einem Bundesland Deutschlands schandhaft als eine eigenständige Religion anerkennen, werden von der muslimisch-türkischen Nation ignoriert“, sagte Devlet Bahçeli bei einer Sitzung mit den Ortsvorsitzenden seiner Partei.

„Sie werden uns nicht trennen und spalten können“, so der langjährige Parteivorsitzende weiter. Damit kritisierte der nationalistische Politiker, dass das Alevitentum als eine vom Islam losgetrennte, separate Religion dargestellt werde. Die Frage, ob es sich beim Alevitentum tatsächlich um eine eigenständige Religion oder lediglich um eine separate Konfession handelt, ist sowohl unter den Aleviten selbst als auch in der Forschung umstritten.

AABF wird Kirchen gleichgestellt

Der AABF wurden kürzlich von der Landesregierung NRW die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts vergeben. Damit wurde der 1989 gegründete Verein mit bundesweit 160 Mitgliedsgemeinden und 24.000 Mitgliedern, den beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland gleichgestellt. Das Bundesinnenministerium schätzt die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden Aleviten auf etwa 800.000 – 900.000.

Zuvor hatte auch die linkskemalistisch und nationalistisch ausgerichtete türkische Tageszeitung „Aydınlık“ den Körperschaftsstatus der AABF in zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf ihrer Titelseite beanstandet. Die Zeitung gilt als Sprachrohr der antiimperialistischen Vaterlandspartei um Doğu Perinçek.

„Die PKK ist bald am Ende, wir haben noch die AABF im Angebot“, hieß es auf dem Titelblatt sarkastisch. Deutschland plane eine Spaltung der Gesellschaft und nutze dafür die Aleviten. Der AABF selbst warf die Zeitung Beziehungen zur Terrororganisation PKK vor. Am darauffolgenden Tag zog die Zeitung sogar Statements unterschiedlicher alevitischer Vereine hinzu, um ihren Standpunkt zu verfestigen.

AABF: „Wir sind mit bluthändigen Faschisten nicht verbrüdert“

Der Generalsekretär der AABF, Hüseyin Mat, kritisierte in einer Presseerklärung die Worte aus der Türkei. Dem MHP-Chef warf er Rassismus und Faschismus vor. Diese gehörten zu dessen offizieller Ideologie: „Wir sind mit zurückgebliebenen und bluthändigen Faschisten wie euch weder verbrüdert, noch eins. Wir waren es nie und werden es auch nie werden“. Mat weiter: „Wir sind mit all jenen politischen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Identitäten in der Türkei verbrüdert und eins, die an die Demokratie glauben. Wir leben seit Jahrhunderten zusammen und werden es auch weiterhin tun

4 Januar 2021 0 Kommentare
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Bildung

SPD-Fraktion fordert Aufwertung von Herkunftssprachen als Fremdsprachen an hessischen Schulen

von Fremdeninfo 23 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Landesverband der SPD Hessen

 
 SPD-Fraktion fordert Aufwertung von Herkunftssprachen als Fremdsprachen an hessischen Schulen
Von
SPD-Fraktion Hessen
am 17. Dezember 2020, 13:22 Uhr
Bild: Angelika Aschenbach

Die SPD-Fraktion fordert in ihrem Antrag „Aufwertung von Herkunftssprachen als Fremdsprachen an hessischen Schulen“ (Drucksache 20/4296), den sie heute in den Landtag eingebracht hat, in Hessen häufig gesprochene Sprachen wie Türkisch, Arabisch oder Griechisch als Fremdsprache und versetzungsrelevantes Wahlpflichtfach im Regelunterricht der Schulen. „Wir halten Mehrsprachigkeit für eine wertvolle Ressource, die von den hessischen Bildungseinrichtungen noch zu wenig gefördert wird. Gerade für Kindern aus Migrantenfamilien kann das Kultusministerium ein Zeichen setzen und den Unterricht in Herkunftssprachen aufwerten“, erklärte der SPD-Abgeordnete Turgut Yüksel, Mitglied im Kulturpolitischen Ausschuss.

Yüksel kritisierte, dass die hessische Landesregierung bis heute kein Konzept zur Aufwertung von Herkunftssprachen vorgelegt habe. Die SPD schließe sich hingegen mit ihrem Antrag einer Petition der „Hessischen Initiative Fremdsprache“ an, die rund 20.000 Unterschriften gesammelt hatte, um das Fremdsprachenangebot zu modernisieren.

„Um die sprachliche Vielfalt der hessischen Schülerinnen und Schüler in einer globalisierten Welt zu fördern, darf das Kultusministerium nicht ausschließlich auf den Ausbau des Deutsch-Unterrichts setzen. Zweifellos ist das sichere Beherrschen von Deutsch die wesentliche Voraussetzung für schulischen Erfolg, aber wir müssen zusätzlich die bereits in der familiären Sozialisation erworbenen Sprachkenntnisse entwickeln und ausbauen“, forderte Yüksel.

An hessischen Schulen gebe es bereits Unterricht in Herkunftssprachen wie Türkisch, Arabisch oder Griechisch. Dieser finde jedoch häufig an den Nachmittagen in Arbeitsgruppen statt und habe keine Relevanz für die Versetzung. „Ich wünsche mir, dass Hessen ein mutiges Zeichen setzt und den Wert der Mehrsprachigkeit anerkennt, indem das Kultusministerium Herkunftssprachen als Wahlpflichtfach durchsetzt“, so Turgut Yüksel

23 Dezember 2020 0 Kommentare
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Bildung

Mehrsprachige Erziehung

von Fremdeninfo 23 Dezember 2020
von Fremdeninfo
Mehrsprachige Erziehung

Ein mehrsprachig erzogenes Kind entwickelt ein feineres Sprachgefühl – Mehrsprachige Erziehung – ist das sinnvoll? Kleinkindern fällt es im Normalfall recht leicht, ihre Umgebungssprache zu lernen. Ebenso können sie eine zweite Sprache integrieren, die von einer oder mehreren Personen im Umfeld gesprochen wird.

von Nicole Ulrich
Kindertherapeutin

Mehrsprachige Erziehung – ein Erwerb fürs Leben?

Was ein kleines Kind lernt, vergisst es nicht mehr. Selbst, wenn es eine zweite oder dritte Sprache im späteren Leben kaum noch oder gar nicht mehr nutzt, sind die grundsätzlichen Elemente noch im Gehirn verankert.

Ein mehrsprachig erzogenes Kind entwickelt außerdem ein feineres Sprachgefühl. So fällt es später leichter, noch eine weitere Sprache zu lernen. Auch das Verständnis für kulturelle Unterschiede wird gefördert, denn im Wortschatz und der Grammatik einer Sprache schwingt stets auch ihr kultureller Hintergrund mit.

Theoretisch kann es also nur von Vorteil sein, wenn Ihr Kind von klein auf mehrere Sprachen beherrscht. Es kann jedoch problematisch werden, wenn es diese vermischt, fehlerhaft spricht oder ihm eine andere als die Landessprache geläufiger ist.

Die Voraussetzungen

Eine grundsätzliche Voraussetzung ist, dass Personen im näheren Umfeld eine Sprache, die das Kind lernen soll, selber als Muttersprache sprechen. Das können die Eltern oder Verwandte sein, aber auch die Erzieher im Kindergarten.

Idealerweise spricht eine Person stets in derselben Sprache mit dem Kind. So kann es ein Gefühl speziell für diese entwickeln und sich darauf konzentrieren. Das Risiko, verschiedene Sprachen zu vermischen, wird damit geringer.

Lernt allerdings ein Kleinkind eine Sprache fehlerhaft, ist es später umso schwerer, die Fehler zu beheben. Wer mit dem Kind kommuniziert, sollte die jeweilige Sprache daher vorzugsweise sicher beherrschen.

Kinder unter vier bis fünf Jahren bringen die optimalen Voraussetzungen zum Erlernen einer Sprache mit. Sie haben die Fähigkeit, diese intuitiv zu erfassen. Daher bietet es sich an, Ihr Kind von klein auf bilingual zu erziehen. Das Gehirn entwickelt dann quasi von vornherein zwei Schaltkreise, zwischen denen bei Bedarf einfach gewechselt wird.

Ab etwa dem Schulalter ändert sich der Lernprozess kontinuierlich: Das Gehirn muss ein neues Netzwerk aufbauen, welches zum Erlernen von Vokabeln mit der Muttersprache abgeglichen wird. Um die Grammatik zu beherrschen, muss zunächst die Struktur der Sprache erfasst werden. Die neue Sprache wird dann nicht mehr so intuitiv verinnerlicht wie im Kleinkindalter.

Wann ist die bilinguale Erziehung sinnvoll?

Die bilinguale Erziehung bietet sich immer dann an, wenn die Eltern unterschiedliche Sprachen sprechen oder die Landessprache nicht ihre Muttersprache ist. Auch, wenn beispielsweise die Großeltern die Landessprache nicht beherrschen, kann ein Kind zweisprachig erzogen werden.

Idealerweise sind dann beide Sprachen als Muttersprache vertraut. Wird eine andere als die Landessprache besser beherrscht, sind Probleme spätestens in der Schule vorprogrammiert. Beherrschen beide Elternteile diese nicht sicher und kommunizieren in einer Fremdsprache, muss das dennoch kein Problem sein:

Im Kindergartenalter kann die Landessprache noch von den Erziehern fehlerfrei vermittelt werden, auch der Umgang mit anderen Kindern trägt dazu bei.

Ebenso kann ein mehr- oder fremdsprachiger Kindergarten gewählt werden, wenn Sie ihr Kind bilingual erziehen oder selbst nur in einer Sprache mit Ihrem Kind kommunizieren, aber dennoch möchten, dass es zweisprachig aufwächst.

Durch die Mehrsprachigkeit werden die beruflichen Perspektiven wesentlich vielseitiger. Kinder, die bilingual aufgewachsen sind, können sich oft besser auf eine Sache konzentrieren und gedanklich zwischen verschiedenen Aufgaben wechseln. Mit der Zweisprachigkeit verbessern sie zugleich die Fähigkeit, ihre Aufmerksamkeit zu kontrollieren.

In der Regel ist es für ein Kind leicht, durch Zuhören und Nachahmen mehrere Sprachen zu lernen. Das gelingt sogar, wenn beispielsweise die Muttersprache eines Elternteils spanisch und die des anderen Elternteils englisch ist und beide in der eigenen Sprache mit ihm kommunizieren.

Die Landessprache lernt es dann zusätzlich durch den Umgang mit anderen Kindern und in jeglichen Alltagssituationen, in denen sie gesprochen wird.

Zu beachten ist stets: Das Sprachniveau der Umgangspersonen beeinflusst die Sprachentwicklung und Ausdrucksfähigkeit des Kindes. Es kann daher vorteilhafter sein, in der Muttersprache mit dem Kind zu kommunizieren, wenn die Landessprache nur mangelhaft beherrscht wird.

Probleme mit der Mehrsprachigkeit

Ein bilingual aufwachsendes Kind muss nicht nur mehrere Sprachen lernen, sondern auch, zwischen diesen zu unterscheiden. Spricht eine Person mal in dieser, mal in jeder Sprache mit ihm, fällt das schwerer. Sprechen unterschiedliche Personen jedoch konsequent in der jeweiligen Sprache, kann es diese zuordnen.

Es kommuniziert dann intuitiv selbst immer in der Sprache, die zu der Person gehört.

Dennoch kann es natürlich vorkommen, dass gelegentlich ein „Sprachsalat“ heraussprudelt. Dann ist eine Korrektur, wie sie auch bei fehlerhaften Sätzen eines einsprachig aufwachsenden Kindes erfolgen würde, besonders wichtig.

Im Laufe der Zeit entwickelt sich normalerweise das bewusste Unterscheidungsvermögen.

Wird im Schulalter keine der Sprachen richtig beherrscht, ist es an der Zeit, sich Hilfe zu suchen, andernfalls können sich Lernschwierigkeiten einstellen. Nachhilfeunterricht in der Landessprache wäre eine Möglichkeit, wobei dann die Zweitsprache zur schwächeren werden kann. Diesen Kompromiss sollten Eltern jedoch in einem solchen Fall eingehen.

23 Dezember 2020 0 Kommentare
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Archive

Was läuft eigentlich in der BIG Partei?

von Fremdeninfo 23 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Was läuft eigentlich in der BIG Partei?

Von

dtj-online

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22. Dezember 2020

 

 

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BIG und AKP auf einem Bild: Haluk Yıldız mit Mustafa Yeneroğlu (mittlerweile nicht mehr in der AKP) und Ismet Mısırlıoğlu (von links nach rechts).
 

In unserer Mini-Reihe widmen wir uns den türkischen Kleinstparteien in Deutschland. Heute geht es um die wohl wichtigste, um das „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“.

Das „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ (kurz BIG) ist die vermutlich erste von überwiegend türkischen Personen gegründete Partei in Deutschland. Gründer ist Haluk Yıldız, ein bekennender Erdoğan-Unterstützer, wie in den letzten Jahren in zahlreichen TV-Auftritten deutlich wurde. Er trat unter anderem bei ARD-Monitor, Phoenix und im ZDF bei Maybrit Illner auf und stellte sich stramm hinter den türkischen Machthaber. Ansonsten gibt sich Yıldız eher moderat, bezeichnet sich selbst als „Brückenbauer“.

 

Haluk Yıldız im Vergleich zur Konkurrenz eher besonnen

In direkter Konkurrenz steht BIG zur „Allianz Deutscher Demokraten“ (AD-D). Verglichen mit den „Ausrastern“ in den Reihen der AD-D kann Yıldız als besonnener und ruhiger Politiker bezeichnet werden. Dennoch ist die deutlich erfahrenere und vermeintlich besser aufgestellte BIG Partei nicht sonderlich erfolgreicher. Sie verfolgt seit 2010 das selbsterklärte Ziel, die Interessen von Migrant:innen zu verteidigen. Bei den Europawahlen 2019 schaffte die Partei mit 68.647 Stimmen ein Ergebnis von 0,2 Prozent. Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen kam BIG sogar auf 0,4 Prozent bei knapp 30.000 Wähler:innen. Dennoch fand der aufopferungsvolle Einsatz des Parteivorsitzenden Yıldız für die türkische Regierungspartei AKP nie große Beachtung bei ihr.

Gnadenstoß durch Erdoğans Unterstützung für AD-D

Als dann der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im September 2017 bei einer Pressekonferenz zur Unterstützung der AD-D aufrief, traf das die BIG-Gefolgschaft ins Mark. Noch vor dem Pressestatement des türkischen Präsidenten glaubten sie noch an Konsequenzen für die AD-D, weil diese auf Wahlplakaten das Abbild von Erdoğan nutzte – anscheinend ungefragt. „So dumm kann man doch nicht sein. Die türkische Regierung wird damit sicherlich abrechnen“, vermuteten BIG-Unterstützer. Doch das Gegenteil geschah.

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Ganz nah dran an der AKP-Lobbyorganisation UETD

Bei einem genaueren Blick auf die BIG-Mitglieder wird deutlich, wie stark die Partei mit der AKP-Lobbyorganisation „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD) verwoben sind. Diese heißt heute „Union Internationaler Demokraten“. Folgende BIG-Mitglieder haben oder hatten eine Funktion in der „UETD“:

  • – Yaşar Erdoğan, BIG-Landesvorsitzender Hamburg, war Vorsitzender der Hamburger Niederlassung der „UETD“;
  • – Şahin Salbars, BIG-Landesvorsitzender Bremen, war bis 2010 Generalsekretär der „UETD“ in Bremen;
  • – Yaşar Mert, BIG-Landesvorsitzender Baden-Württemberg, engagierte sich ebenfalls in der „UETD“ in Baden-Württemberg;
  • – Ahmet Aksoy, BIG-Landesvorstandsmitglied NRW, war Vorsitzender der „UETD“ in Solingen.

Stellvertretender Vorsitzender Mısırlıoğlu betreibt Denunziation

Landesvorsitzender der BIG-Berlin und stellvertretender Bundesvorsitzender ist ein gewisser Ismet Mısırlıoğlu. Er sorgte mit seinem Hinweis auf den vermeintlichen Aufenthaltsort des in der Türkei gesuchten Adil Öksüz für einen Artikel im türkischen Regierungsblatt „Sabah“. Öksüz gilt für die türkischen Behörden als einer der Drahtzieher in der Nacht vom Putschversuch am 15. Juli 2016. Dennoch sind in dieser Causa noch dutzende Fragen ungeklärt. So auch der Aufenthaltsort von Öksüz. Darum ranken sich viele Mythen. Eine davon besagt, dass er in Deutschland versteckt werde, da er sensible Daten geliefert habe.

Zusammenarbeit mit türkischem Regierungsblatt „Sabah“

Durch die Denunziation von Mısırlıoğlu wurde eine Person in Berlin verunglimpft und hochgradig gefährdet. In dem Artikel tauchten detaillierte Fotos des angeblichen Aufenthaltsorts auf sowie der Name der beschuldigten Person. Bei dem angeblichen Wohnort handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus mitten in der Hauptstadt. Auch in anderen Teilen von Deutschland wurden in den vergangenen drei Jahren mehrfach völlig unbegründet Personen aus der türkischen Community auf dieselbe Art verunglimpft.

Es reicht dabei oft aus, dass ein Anhänger der Regierung einen einfachen Verdacht äußert. Kurz darauf erscheinen Artikel in Medien wie Sabah, zum Teil mit den Namen der voreilig und zu unrecht verdächtigten Personen. Dabei werden deren Persönlichkeitsrechte überhaupt nicht beachtet. Mısırlıoğlus Verdacht entpuppte sich letztlich auch als Reinfall. Wo sich Öksüz aufhält, ist bis heute weiter ungeklärt. Was die BIG Partei angeht: mit Einsatz für die Rechte von Migranten hat diese Art von Denunziation nichts zu tun.

 
 
23 Dezember 2020 0 Kommentare
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Religion

Alevitische Gemeinde erlangt Körperschaftsstatus

von Fremdeninfo 18 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Alevitische Gemeinde erlangt Körperschaftsstatus

Von

dtj-online

–

  1. Dezember 2020

Die Alevitische Gemeinde Deutschlands (AABF) war bereits als Religionsgemeinschaft anerkannt. Mit einer Entscheidung vom Donnerstag wird die Gemeinde in Nordrhein-Westfalen nun rechtlich den beiden großen christlichen Kirchen gleichgestellt.

Die Alevitische Gemeinde Deutschlands (AABF) hat in Nordrhein-Westfalen die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erlangt. Das hat der Hauptausschuss des Landtags NRW am Donnerstag nach einer Anhörung beschlossen. Dem war ein Entwurf einer Verordnung der Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vorausgegangen. Mit diesem Status wird die Gemeinschaft den beiden großen christlichen Kirchen gleichgestellt. So erhält die Gemeinde unter anderem das Recht auf Steuereinzug bei ihren Mitgliedern und Vergünstigungen bei Steuern, Abgaben und Gebühren. Zudem erhält sie ein Mitspracherecht in unterschiedlichen Gremien.

Bundesweit 160 Mitgliedsgemeinden und 24.000 Mitglieder

Die Alevitische Gemeinde mit Sitz in Köln wurde 1989 gegründet. Heute gehören ihr bundesweit 160 Mitgliedsgemeinden sowie etwa 24.000 Mitglieder an. Das Bundesinnenministerium schätzt die Zahl der in Deutschland lebenden Aleviten auf 500.000 – 600.000. Als Dachverband war die Gemeinde bereits als Religionsgemeinschaft anerkannt. Seit dem Schuljahr 2011/12 koordiniert die Gemeinde den an NRW-Schulen angebotenen alevitischen Religionsunterricht. Die Landesregierung begründet die Entscheidung unter anderem mit ihrer „verbindlichen Lehrautorität in Bezug auf alle den Glaubensinhalt betreffenden Fragen, die Lehren und Grundsätze gegenüber den in den Mitgliedsgemeinden tätigen geistlichen inne“ habe. Außerdem sei die innere Struktur, ihre Organe, Vertretungsregelungen sowie die Mitgliedschaft in ihrer Satzung klar geregelt.

Das Alevitentum ist eine vorwiegend in der Türkei beheimatete Glaubensrichtung, die sich im 13. und 14. Jahrhundert unter den zugewanderten oghusisch-turkmenischen Stämmen in Anatolien und Aserbaidschan verbreitete. In der Forschung und auch innerhalb der Aleviten ist umstritten, ob es sich um eine eigene Religion handelt oder um eine separate Konfession. Eine besondere Nähe besteht zum sufischen Bektaschi-Orden und dessen Gründer Hacı Bektaşi Veli. Er gilt als Lehrmeister, seine Grabstätte in Nevşehir ist ein Wallfahrtsort für die Aleviten.

AABF: „Historischer Tag und Novum für Aleviten“

Die AABF bezeichnete die Entscheidung in einer Presseerklärung als „historischen Tag“. Sie sei in der Geschichte der Aleviten ein Novum und ein großer Ansporn: „Sie ist uns eine Verpflichtung. Die Verpflichtung, auch zukünftig unser ganzes Tun und Engagement dafür einzusetzen, dass wir die Vielfalt der Gesellschaft gegen die Einfalt des Denkens schützen und noch intensiver dafür einsetzen, dass unsere Gesellschaft frei und offen bleibt“, heißt es weiter.

Elisabeth Müller-Witt, Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag NRW, zeigte sich über die Entscheidung des Hauptausschusses erfreut: „Ihre Ziele, also unter anderem die Integration und Partizipation ihrer Mitglieder in der deutschen Gesellschaft und die Erteilung eines eigenen Religionsunterrichts, sind von unschätzbarem Wert“, so Witt.

Wie sieht es bei anderen muslimischen Gemeinden aus?

Witt ermutigte in ihrer Erklärung auch andere Religionsgemeinschaften, sich anerkennen zu lassen. Der Schritt sei auch als ein „Signal an alle anderen“ zu verstehen. Doch tatsächlich warten andere muslimische Religionsgemeinschaften schon lange auf eine Anerkennung. So läuft beispielsweise ein Rechtsprozess zwischen dem Land NRW und einigen Gemeinschaften. 2017 hatte das Oberverwaltungsgericht NRW entschieden, dass die beiden muslimischen Dachverbände „Islamrat“ und „Zentralrat der Muslime“ keinen Anspruch auf die Gestaltung des Islamunterrichts hätten, da sie nicht als Religionsgemeinschaften angesehen würden. Das Bundesverwaltungsgericht hatte entschieden, dass das Oberverwaltungsgericht in NRW seine Entscheidung überprüfen müsse

18 Dezember 2020 0 Kommentare
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Information

Es sinkt aber die Zahl derjenigen, die in Deutschland Schutz suchen. Für Studierende aus dem Ausland wird es dagegen immer attraktiver.

von Fremdeninfo 18 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Es sinkt aber die Zahl derjenigen, die in Deutschland Schutz suchen. Für Studierende aus dem Ausland wird es dagegen immer attraktiver.

DPA

Die Migration nach Deutschland wandelt sich. „Die humanitäre Zuwanderung ist in den letzten vier Jahren zurückgegangen, aber es kommen mehr Menschen nach Deutschland, um zu studieren und zu arbeiten“, heißt es im Migrationsbericht für das Jahr 2019, den die Bundesregierung am Mittwoch veröffentlicht hat.

Von den 81,8 Millionen Einwohnern Deutschlands hatte 2019 mehr als jeder Vierte (21,2 Millionen) einen Migrationshintergrund. Das sind etwa 400.000 mehr als im Vorjahr. Menschen aus der Türkei stellen hier die größte Gruppe. „Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt“, heißt es im Bericht.

Insgesamt zogen 2019 rund 1,6 Millionen Menschen nach Deutschland, ähnlich viele wie im Jahr zuvor. Etwa 66 Prozent der Zugewanderten kamen demnach aus einem europäischen Land. Gleichzeitig wurden 1,2 Millionen Fortzüge erfasst. Es handelt sich laut Bericht um den niedrigsten Wanderungssaldo seit 2011.

Weniger Asylsuchende

Die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland ist 2019 erneut gesunken. 142.509 Menschen stellten einen Erstantrag, etwa 20.000 weniger als im Vorjahr. Von den Erstantragstellern waren etwa 22 Prozent Kinder im Alter von unter einem Jahr, die in Deutschland geboren wurden.

Die Zahl der Antragstellenden war von 2008 bis 2016 neun Jahre in Folge gestiegen. 2018 fiel sie dann unter das Niveau von 2014 (173.072 Erstanträge) – also des Jahres vor dem großen Flüchtlingszustrom. Im vergangenen Jahr sank sie abermals. „Seit dem Jahr 2014 belegt Syrien unter den zugangsstärksten Staatsangehörigkeiten für Fluchtmigration den ersten Rang“, heißt es im Bericht. 2019 kam etwa jede vierte Person unter den Erstantragstellern aus Syrien.

Meisten Studienanfänger kamen aus China

Während die Zahl der Erstantragstellenden sinkt, steigt eine andere: die der ausländischen Studenten. An den deutschen Hochschulen waren im Wintersemester 2019/20 rund 410.000 Studierende aus dem Ausland eingeschrieben. Davon gehörten über drei Viertel zu sogenannten „Bildungsausländern“. Hiermit sind unter anderem Studenten gemeint, die über eine ausländische Hochschulzugangsberechtigung verfügen. Rund 110.000 dieser Bildungsausländer haben 2019 ein Studium in Deutschland begonnen. Zum Vergleich: 2015 waren es noch etwa 10.000 weniger. Die meisten ausländischen Studienanfänger kamen 2019 aus China, gefolgt von Indien und Italien.

Daneben stieg auch die Zahl der sogenannten Erwerbsmigranten aus Nicht-EU-Staaten – im Vergleich zu 2018 um etwa fünf Prozent auf circa 64.000. 2010 lag die Zahl der Erwerbsmigranten noch bei etwa 30.000. Bei Fachkräften und Hochqualifizierten wurde im gleichen Zeitraum ein Anstieg von gut 19.000 auf rund 39.000 Zuwandernde verzeichnet.

dpa

18 Dezember 2020 0 Kommentare
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Religion

Der Alevitischen Gemeinde Deutschland

von Fremdeninfo 11 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Der Alevitischen Gemeinde Deutschland

zur Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts

 

Als Menschen,

als Religionsgemeinschaft und als Akteure,

die sich für die Integration und für ein friedliches Miteinander der Religionen und Lebensanschauungen einsetzen haben wir als Alevitische Gemeinde Deutschland die lebendige und vielfältige Gemeinschaft von Kulturen und Religionen in unserem Land mitgestaltet und bereichert.

Mit dem Engagement unserer 160 Gemeinden leisten wir bundesweit seit über 30 Jahren einen wertvollen Beitrag als Mittlerin zwischen unterschiedlichen Kulturen und Traditionen und verkörpern die Vielfalt, das Recht auf Meinungsfreiheit und der Religionsfreiheit.

Als Körperschaft in der Form eines Vereins hat unser Engagement und unsere Arbeit die Sichtbarkeitunddie Wertschäztungerfahren.

Nun erhält die Alevitische Gemeinde Deutschland als anerkannte Religionsgemeinschaft die höchste Form der gesellschaftlich-juristischen Anerkennung.

Indem Bewusstsein,dassdie hierzulandelebendenMenschenalevitischenGlaubens dauerhaft einen Teil der Bevölkerung der Region bilden und ihr gelebter Glaube zu einem festen Bestandteil des religiösen Lebens im Land geworden ist, erleben wir nun ein historischesEreignis.

Die Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an unsere Gemeinde ist uns ein großer Ansporn und noch mehr:

 

Sie ist uns eine Verpflichtung. Die Verpflichtung, auch zukünftig unser ganzes Tun und Engagementdafüreinzusetzen,dasswirdieVielfaltderGesellschaftgegen dieEinfaltdes Denkens schützen und noch intensiver dafür einsetzen, dass unsere Gesellschaft frei und offenbleibt.

Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat den Hauptausschuss einberufen und folgenden Tagesordnungspunkt festgesetzt:

 

Entwurf einer Verordnung zur Verleihung der Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechts an die Alevitische Gemeinde Deutschland mit Sitz in Köln

11 Dezember 2020 0 Kommentare
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Information

Menschenrechte in der Türkei am Boden

von Fremdeninfo 11 Dezember 2020
von Fremdeninfo

Menschenrechte in der Türkei am Boden

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dtj-online

-Am 10. Dezember ist Internationaler Tag Menschenrechte. Quelle: Shutterstock

#StandUp4HumanRights – ein Hashtag der Vereinten Nationen am Tag der Menschenrechte. Was sich nach einem freudigen Anlass anhört, ist in Wahrheit ein digitales Mahnmal. Es soll alle Menschen in Freiheit daran erinnern, dass es andere nicht so gut haben. In der Türkei sind auch an diesem Tag zehntausende Menschen grundlos oder aus fadenscheinigen Gründen inhaftiert, Frauen und Kinder ihrer Freiheit beraubt und Familien voneinander getrennt. Ein Überblick.

Das International Press Institute (IPI) hat anlässlich des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember die Türkei dazu aufgerufen, allen Journalist:innen eine freie Berichterstattung zu ermöglichen. Laut IPI sitzen derzeit noch 79 von ihnen in türkischen Gefängnissen. 65 davon werden wegen Terrorismusvorwürfen in Haft gehalten. Mit der IPI-Kampagne #FreeTurkeyJournalists wird eine umfassende Dokumentation der Verstöße gegen die Rechte von Journalist:innen. Auch das Projekt „Sei meine Stimme“ setzt sich für sie ein und verleiht ihnen eine Stimme.

Pressefreiheit: Türkei auf Platz 154

Auch Reporter ohne Grenzen e.V. (RoG), ein international anerkannter Verein für die Rechte von Journalist:innen weltweit, verfolgt die Vergehen der türkischen Regierung gegen Medienschaffende. Auf der Rangliste der Pressefreiheit kommt die Türkei unter 180 Ländern auf einen miserablen 154. Platz. Anders als IPI zählt RoG nur 13 Journalisten in Haft: Das sind Ahmet Altan, Uğur Yılmaz, Ercan Gün, Gültekin Avcı, Ayşenur Parıldak, Hanım Büşra Erdal, Aytekin Gezici, Hüseyin Aydın, Ufuk Şanlı, Seyid Kılıç, Emre Soncan, Nedim Türfent und Miktat Algül. „In Dutzenden weiteren Fällen ist ein direkter Zusammenhang der Haft mit der journalistischen Tätigkeit wahrscheinlich, lässt sich aber derzeit nicht nachweisen (…) „, begründet RoG die geringe Anzahl der Inhaftierten.

Menschen werden wieder entführt

Alpay Antmen, Abgeordneter der größten türkischen Oppositionspartei CHP, hat ein Dossier mit dem Titel „Die Menschenrechte unter der AKP“ vorbereitet. Demzufolge ist die Türkei in dunkle, alte Zeiten der ungeklärten Entführungen zurückgefallen. Für diese Zeit steht sinnbildhaft das Oldtimer-Fahrzeug des weißen Ford Toros, mit dem in den 90er Jahren vor allem in den vor allem von Kurden bewohnten Gebieten Menschen entführt wurden. Viele dieser Personen sind nie wieder aufgetaucht. Auch DTJ-Online berichtete in den vergangenen Jahren häufig von Entführungen von vermeintlichen Regierungsgegnern, die nun auch grenzübergreifend stattfinden.

Internationale Presse greift Folter in türkischen Haftanstalten auf

Auch werden immer häufiger Fälle von Folter in der Türkei öffentlich bekannt. Zum Teil in Gerichtsdokumenten, aber auch in Augenzeugenberichten, werden Fälle von schwerer Folter detailliert beschrieben. Meistens handelt es sich um Vergehen in der Haft. Dabei soll es sich um keine normalen bzw. offiziellen Haftanstalten handeln, sondern um geheime Folterzentren, wie das gemeinnützige Recherchenetzwerk „Correctiv“ herausgefunden hat. In die Recherche waren unter anderem auch ZDF Frontal 21, Addendum, El Pais, Haaretz, Monday Morning, TT News Agency, Le Monde und Il Fatto Quotidiano involviert. Der Beitrag wurde als Black Sites Turkey bekannt und behandelt die spektakuläre Entführung von Gülen-Anhängern aus dem Kosovo im Jahre 2018.

Folter und Entführung auch 2020 aktuell

Anfang des Jahres tauchten neue Berichte über Folter auf. Eine Gruppe von Studenten wurde in der türkischen Hauptstadt Ankara im Februar durch das Dezernat für Terrorismusbekämpfung abgeführt. Ihnen wurde vorgeworfen, an der Neu-Strukturierung der Gülen-Bewegung beteiligt zu sein. Angesichts der großen Stille in den Medien und der Bevölkerung beklagte Mustafa Yeneroğlu, Ex-AKP-Politiker und erster Abgeordneter der neuen DEVA-Partei von Ali Babacan, die Ignoranz im Lande. „Folter ist eine Menschenrechtsverletzung“, so der ehemalige Erdoğan-Vertraute. Vor allem wegen der Menschenrechtsverletzungen trat er eigenen Angaben zufolge aus der AKP aus.

Rang 123 bei Einschränkungen der Grundrechte

Laut Alpay Antmen von der CHP sind zwischen 2002 und 2020 mehr als 432 ungeklärte Morde geschehen, die Petitionen zur Aufklärung einiger dieser Morde seien im Parlament 22 Mal durch das Veto der AKP verhindert worden. Außerdem sei die Türkei unter der AKP im weltweiten Index der Rechtsstaatlichkeit unter 128 Ländern bei den Einschränkungen durch die Regierung auf Platz 124, bei den Einschränkungen von Grundrechten auf Platz 123 und bei dem Recht auf Muttersprache auf Platz 103 gelandet.

Die Fälle Osman Kavala und Selahattin Demirtaş

Im Fall des in der Türkei inhaftierten Mäzens Osman Kavala fordert der Europarat eine sofortige Freilassung, da Kavala trotz Urteil des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte immer noch inhaftiert sei. Dieser Fall sowie jener des pro-kurdischen Politikers und ehemaligen HDP Co-Vorsitzenden Selahattin Demirtaş sorgen für internationales Aufsehen. Die Türkei erhöht mit der Inhaftierung beider Persönlichkeiten nicht unbedingt ihr Ansehen. Dabei beteuert der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei jeder Gelegenheit, für ihn würden Menschenrechte an erster Stelle kommen. Doch Kavala und Demirtaş sind in seinen Augen, auch ohne rechtskräftige Verurteilung, einfach Terroristen.

Frauen und Kinder in Haft

Noch am 9. Dezember wurde Betül Uluçam (34) nur 24 Stunden nach der Geburt ihres Kindes durch die Polizei festgenommen und ins Gefängnis von Salihli gebracht. Als Begründung wird Uluçam eine Nähe zu Hizmet, besser bekannt als Gülen-Bewegung, vorgeworfen. Für die türkische Regierung ist die Bewegung des muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Belege, die auch international anerkannt würden, konnte oder wollte die Türkei bisher nicht liefern. Insofern gelten Anhänger von Hizmet auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich, England und den USA etwa als politische Schutzbedürftige. Die Istanbuler Gefangenenhilfsorganisation „Ceza Infaz Sisteminde Sivil Toplum Derneği“ (CISST) schätzt, dass über 700 Mütter mit ihren Kindern in türkischen Gefängnissen leben.

Einsatz für Menschenrechte: HDP-Abgeordneter Gergerlioğlu allein auf weiter Flur

Der HDP-Abgeordnete Ömer Faruk Gergerlioğlu zählt zu den sehr wenigen Personen der Öffentlichkeit, die diese Fälle thematisieren. Via Twitter verurteilte der Politiker die Verhaftung der jungen Frau, die nach der Geburt noch gar nicht bei Kräften sein konnte. Außerdem beklagt Gergerlioğlu die Inhaftierung von Eltern kleiner bis junger Kinder, die bei Verwandten aufwachsen und das Gefühl von Familie verlieren. Sie sind mitunter die größten Leidtragenden des aktuellen Regimes, da sie unverschuldet ohne ihre Eltern aufwachsen.

Gewalt an Frauen nimmt stetig zu

Ein Dauerthema der vergangenen Jahre in der Türkei ist Gewalt gegen Frauen. Das hat sich auch 2020 nicht geändert. Vor wenigen Tagen ist die 25-jährige Selvan Acar in Fethiye in ihrer Wohnung leblos aufgefunden worden. Die Polizei fahndet derzeit nach ihrem Ehemann. Leider eine von vielen traurigen Schlagzeilen in diesem Jahr. 2003 starben laut einem Bericht des CHP-Abgeordneten Necati Tığlı 83 Frauen nach Gewalt durch Männer. In den ersten neun Monaten im Jahre 2020 liege diese Zahl bei 369. Dies sei ein Anstieg von 344,5 Prozent, den die AKP zu verantworten habe, so Tığlı. Laut Innenminister Süleyman Soylu liegt die Zahl der Morde an Frauen bei 234. Für den umstrittenen Minister ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr, in dem 308 Frauen ums Leben kommen mussten. Zum Vergleich: In Deutschland erfasste das Bundeskriminalamt im letzten Jahr rund 130 Morde an Frauen. Wie auch in der Türkei sind die Täter meist die Partner oder Ex-Partner.

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Information

Maas und EU auf Konfrontationskurs gegen Türkei: „Vermittlungsbemühungen gescheitert“

von Fremdeninfo 10 Dezember 2020
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Maas und EU auf Konfrontationskurs gegen Türkei: „Vermittlungsbemühungen gescheitert“

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dtj-online

–Bundesaußenminister Heiko Maas hat die deutschen Bemühungen um eine Entspannung der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei für vorerst gescheitert erklärt. Parallel beschließen die Außenminister neue Sanktionsarten.

„Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten außerordentlich darum bemüht, einen Weg zu finden, wie man den Dialog mit der Türkei forcieren kann“, sagte der Außenminister am Montag am Rande von Gesprächen mit EU-Amtskollegen in Brüssel. Bedauerlicherweise sei es aufgrund der Spannungen zwischen der Türkei, Zypern und Griechenland aber nicht dazu gekommen, dass direkte Gespräche aufgenommen werden konnten. Es habe „viel zu viele Provokationen“ gegeben, sagte Maas. Deswegen werde man nun über die Konsequenzen beraten.

Eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen wird beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag erwartet. Die Staats- und Regierungschefs hatten Anfang Oktober beschlossen, dann eine Bewertung der türkischen Politik vorzunehmen. Zugleich wurde vereinbart, im Fall neuer einseitiger Maßnahmen der Türkei alle möglichen Instrumente und Optionen zu nutzen, was auch neue Sanktionen einschließen könnte. Um die Türkei davon abzuhalten, war ihr zudem eine engere Zusammenarbeit für den Fall in Aussicht gestellt worden, dass sich der Konflikt mit den EU-Ländern Griechenland und Zypern beruhigt.

Erdoğan: „Werden Imperialismus nicht zulassen“

In dem Konflikt geht es vor allem darum, dass Griechenland und Zypern der Türkei vorwerfen, im östlichen Mittelmeer illegal Erdgasvorkommen zu erkunden. Die türkische Regierung weist die Vorwürfe zurück und vertritt den Standpunkt, dass die Erdgassuche rechtmäßig sei und nur in Seegebieten erfolge, die zum türkischen Festlandsockel gehören.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sagte am Montag, es sei nicht möglich, dass die Türkei mit der längsten Küste im Mittelmeer bei den Entwicklungen in der Region Zuschauer bleibe. Ankara vertrete die eigenen Interessen und die der türkischen Zyprer. Die Türkei habe mehrmals zum Ausdruck gebracht, dass sie sich „Drohungen und Erpressungen“ nicht beugen und Imperialismus nicht zulassen werde, sagte er weiter.

Zudem warnte Erdoğan die EU vor einer Instrumentalisierung durch Griechenland. Die Europäische Union müsse sich sobald wie möglich von ihrer „strategischen Blindheit“ befreien und dürfe nicht zulassen, dass sie von Griechenland und den griechischen Zyprern als „Rammbock im östlichen Mittelmeer“ benutzt werde, sagte Erdoğan in einer Videobotschaft. Er wünsche nach wie vor eine Konferenz mit allen beteiligten Akteuren. „Wie erwarten von unseren Ansprechpartnern, dass sie diese Hand, die die Türkei ausgestreckt hat, nicht in der Luft hängenlässt.“ In der EU werden solche Äußerungen mittlerweile allerdings kaum mehr ernst genommen.

Neues Sanktionsinstrument à la USA

Die Außenminister der EU-Staaten werden in Brüssel auch ein neues Sanktionsinstrument für den Kampf gegen schwere Menschenrechtsverletzungen beschließen. Die Regelung wurde unter dem derzeitigen deutschen EU-Ratsvorsitz ausgehandelt. Sie wird ermöglichen, Vermögenswerte von Personen, Unternehmen und Organisationen einzufrieren. Dies geschieht dann, wenn sie nachweislich zum Beispiel an Folter, Sklaverei oder systematischer sexueller Gewalt beteiligt sind. Zudem drohen gegen Personen auch Einreiseverbote.

Bislang konnten Menschenrechtsverletzungen nur im Zusammenhang mit Strafmaßnahmen gegen Staaten oder im Rahmen von speziellen Sanktionsregimen geahndet werden. Sie wurden von der EU im Kampf gegen Cyberangriffe und den Einsatz von Chemiewaffen geschaffen. Das hat eine Reaktion der EU auf Menschenrechtsverletzungen bislang kompliziert oder unmöglich gemacht. Daher kam es im Fall der grausamen Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi für die Beteiligten zu keinen Konsequenzen. Die politische Einigung der EU-Staaten auf die neue Regelung erfolgte bereits in der vergangenen Woche. Vorbild ist der sogenannte Global Magnitsky Act der USA.

dpa/dtj

10 Dezember 2020 0 Kommentare
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