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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Allgemein

AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: Ver.di registriert Dutzende Angriffe auf Journalisten

von Fremdeninfo 3 September 2026
von Fremdeninfo

 

 

Von Der Spiegel

Die Feindseligkeiten gegenüber Journalistinnen und Journalisten haben im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt offenbar ein neues Ausmaß erreicht. Laut einer Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Ver.di, die dem SPIEGEL vorab vorliegt, wurden seit Mai über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen registriert. Betroffen gewesen seien mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer, so die dju.

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25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs, ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede.

Konkret seien etwa Journalistinnen und Journalisten der Sender RTS, SRF, CBC News, ProSieben, RBB, WDR und MDR bei laufenden Interviews bedrängt, an Aufnahmen gehindert und im Netz diffamiert worden. Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst.

Der Vorfall ist der Auswertung zufolge kein Einzelfall. In einem wesentlichen Teil der aktuellen Vorfälle seien die Eskalationen von rechten bis rechtsextremen Streamern und Medienaktivisten ausgegangen, die das Umfeld der AfD-Veranstaltungen dominieren, so die dju.

Gewerkschaft kritisiert »passive und oft überforderte Polizei«

Kritik äußert die Journalisten-Union auch am Vorgehen der Polizei. So hätten die Einsatzkräfte etwa nach einem Übergriff auf eine Reporterin des Portals »Politico« in Lützen nicht etwa die Angreifer ins Visier genommen, sondern die Journalistin kontrolliert und die Löschung von Bildmaterial durchgesetzt.

»Wir erleben vielfach eine passive und oft überforderte Polizei in Sachsen-Anhalt. Nur vereinzelt registrieren wir ein vorbildliches Verhalten der Beamten«, teilte der stellvertretende Ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiter Lucas Munzke mit. Die Polizei komme der verfassungsrechtlichen Schutzpflicht für Medienschaffende nicht nach. Das Fehlverhalten einzelner Beamter müsse vom sachsen-anhaltischen Innenministerium und der Polizeiführung dienstrechtlich aufgearbeitet werden, fordert die Gewerkschaft.

Zudem müssten Übergriffe, Nötigungen und Nachstellungen durch Streamer und Parteisicherheitsdienste von den Strafverfolgungsbehörden konsequent geahndet werden. »Die AfD ist eine medienfeindliche Partei«, so Munzke. Sie bekämpfe nicht nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern unterbinde und behindere auch die unabhängige Berichterstattung auf Parteitagen, bei Demos und im Wahlkampf.

Ein selbst ernannter »Gonzojournalist« begleitet die AfD, tritt aggressiv gegenüber SPIEGEL-Reportern auf und war auch am Sturm auf den Reichstag 2020 in Berlin beteiligt. Lesen Sie hier mehr über das Streamer-Problem des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund.

3 September 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Bündnis gegen Rechts rüstet sich für Angriffe auf Demokratie

von Fremdeninfo 3 September 2026
von Fremdeninfo

 

 

Artikel von Bettina Stehkämper/DW-  Deutsch

  • Gewerkschaften, Kirchen und Menschenrechtler machen sich Sorgen um die Demokratie. Wie kann die Zivilgesellschaft Menschen schützen, die von Rechtsextremen bedroht werden?

 Einsatz für Demokratie und Menschenrechte ist für manche zur Mutprobe geworden: Felix Pankonin ist es in Fleisch und Blut übergegangen, alle Türen und Fenster zu verschließen und zu kontrollieren. Mal steht ein cholerischer AfD-Abgeordneter auf seinem Grundstück, mal sind die Fahrräder demoliert, mal wird ihm gedroht, dass seinen Tieren etwas passiert. Zuletzt wurde seine Partnerin tätlich angegriffen. Felix Pankonin ist Projektleiter für politische Bildung, jüdische Geschichte und Bildung gegen Antisemitismus in der Hillerschen Villa im sächsischen Zittau.

Keerthana Kuperan arbeitet als politische Referentin bei DaMOst, dem Dachverband der Migrantenorganisationen im Osten Deutschlands. Ja, sagt auch Kuperan, deren Eltern aus Sri Lanka kommen: Das Thema Rechtsextremismus habe ihre Arbeit in den letzten drei Jahren stark geprägt. „Wir haben eine total veränderte Sicherheitslage. Nach 18:00 Uhr ist niemand mehr alleine im Büro und wenn man Plakate im ländlichen Raum aufhängt, dann werden vorher Sicherheitsstrukturen aufgebaut.“

Bei ihrer Arbeit gehe es zunächst darum, dass die Aktiven körperlich unversehrt bleiben. Daneben gehe es um die Auseinandersetzung mit der in Teilen rechtsextremen Partei AfD (Alternative für Deutschland). Mit parlamentarischen Anfragen, oft zu Migration, halte sie immer wieder den politischen Betrieb auf und setze auf ein Thema, das

Migration ist doch keine politische Ausrichtung“, sagt Kuperan. Schon gar nicht in Sachsen-Anhalt, einem Bundesland mit sehr niedrigem Ausländeranteil, in dem am 6. September der Landtag neu gewählt wird. Dennoch führe das Reden über Migration, wie DaMOst beobachtet, zu einer Verschiebung nach rechts. Demokratische Netzwerke würden diskreditiert, sie verlieren Gelder und Stellen.

Anfeindungen gegen Grünen-Politikerin

Miriam Zeller ist Stadträtin der Grünen in Stendal, einer Stadt mit 37.000 Einwohnern in Sachsen-Anhalt. Sie kandidiert bei der Landtagswahl am 6. September. Als die Grünen noch in Regierungsverantwortung waren, so schildert es Zeller der DW, waren die Anfeindungen noch heftiger.

Ihre Tochter wurde nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen, sie selbst als Kriegstreiberin wüst beschimpft. Die Grünen hatten sich von Anfang an zur Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine bekannt. „Schlimmer kann es nicht mehr werden“, sagt Zeller. Sehr schnell im Gespräch verweist sie darauf, dass sie als Lehrerin zum Glück verbeamtet sei. Das Gespenst des Jobverlustes, für den Fall, dass die AfD an die Regierung kommen sollte, schreckt offensichtlich viele.

Bündnis für Demokratie: Aufklären, wie man sich wehren kann

Menschen wie Pankonin, Kuperan und Zeller sollen stärker geschützt werden. Das Bündnis „Zusammen für Demokratie“ will Personen oder Einrichtungen, die von Rechtsextremen attackiert oder bedroht werden, unterstützen. Wer wegen seines Einsatzes für die Demokratie angegriffen wird, soll nicht allein bleiben, so das Ziel der „Solidaritätsvereinbarung“, die von über 80 Verbänden unterstützt wird: darunter Gewerkschaften, die großen christlichen Kirchen, Sportverbände, Menschenrechtsorganisationen, Sozial- und Umweltverbände. Sie hatten sich 2024 zu einem Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossen, als klar wurde, dass die Angriffe auf die Demokratie immer stärker wurden.

Jetzt wollen die Bündnis-Mitglieder Hilfe anbieten nach Anschlägen auf Jugend- oder Kulturzentren, bei Hass-Kampagnen gegen Menschen, die sich öffentlich äußern, oder wenn ehrenamtlich Engagierte bedroht werden: mit einer öffentlichen Solidarisierung oder durch rechtliche oder finanzielle Unterstützung. Das Bündnis hat mächtige Akteure wie den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Umweltverbände wie Greenpeace und kirchliche Organisationen.

Die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit seinen über fünf Millionen Mitgliedern, hat es sich nicht nehmen lassen, die neue Vereinbarung in Berlin vorzustellen. Auf die Frage der Deutschen Welle, ob die AfD bei einem Wahlsieg tatsächlich personell Tabula rasa machen könne, wird Yasmin Fahimi deutlich: „Diese Phantasterei der AfD in Sachsen-Anhalt, einen ganzen Personalaustausch in Verwaltungen, Ministerien, Gerichten und Polizei vorzunehmen, ist völlig rechtswidrig. Genau in diesem Sinne klären wir auch unsere Mitglieder auf, dass man sich dagegen wehren kann. Es ist auch ein Ausdruck der autoritären Haltung zu glauben, man könne per Dekret einfach mal eben schalten und walten, wie man will. So funktioniert unsere Demokratie nicht.“

Deshalb schule der DGB die Kolleginnen und Kollegen, damit sie sich wehren können, im Verfassungs- wie auch im Beamtenrecht, so Fahimi. Von der Politik würde sich die Gewerkschafterin mehr Engagement wünschen.

„Wir müssen gerade in den Regionen, aber auch in unseren Institutionen darauf achten, dass die Menschen sich nicht irgendwelchen rechtswidrigen Anordnungen einfach ergeben müssen, sondern ich glaube, es wäre gut, wenn die Innenministerkonferenz darüber berät, wie auch hier klare Informationen, Seminare, Workshops angeboten werden, damit die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, in den Ministerien, in den rechtsstaatlichen Institutionen nicht alleingelassen werden“, sagt Fahimi der DW. Die Rechtsschutzexperten des DGB stehen nur den Mitgliedern zu Verfügung, deren Expertise aber teilt der DGB im Bündnis.

Hoffnung auf Hilfe für queere Menschen nach Angriffen auf CSD

Andre Lehmann, vom Verband Queere Vielfalt, ein Bürgerrechtsverband, der seit 1990 die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans* und intergeschlechtlichen, queeren Menschen (LGBTQ+) vertritt, lobt das Bündnis in höchsten Tönen.

„Natürlich kann dieses Bündnis für queere Menschen, die vor Ort engagiert sind, mehr Schutz bedeuten. Wir sehen ja gerade ganz viele Angriffe auf die CSDs in ganz Deutschland. Die Verantwortlichen vor Ort wissen teilweise gar nicht, was tun sie in diesem Fall? Hier kann so ein Bündnis reingehen“, sagt Lehmann im Interview mit der DW.

Der islamistische Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin habe die queere Gemeinschaft tief verunsichert. Hinzu komme, so Lehmann, dass ausgerechnet jetzt viele Demokratieprojekte finanziell ausgeblutet würden.

Das fehlende Geld für Demokratieprojekte durch Kürzungen und Umstrukturierungen der Bundesregierung wird das Bündnis kaum ersetzen können. Wichtiger scheinen die unterschiedlichen Fähigkeiten zu sein, die Mitglieder mitbringen.

Sophie Lampl, Vorständin von Greenpeace, benennt das für ihre Organisation: „Das ist mit Sicherheit eine der Stärken, die wir als Umweltverband einbringen können: unsere Kampagnenfähigkeit. Zu unterstützen, wenn zivilgesellschaftliche Organisationen oder Einzelpersonen angegriffen werden, hier auch öffentlich zur Seite zu springen und dieses Unrecht sichtbar zu machen.“

Wird das Bündnis auch auf dem Land helfen können?

Felix Pankonin hat das Bündnis „Zusammen für Demokratie“ schon oft geholfen: durch Rechtsberatung, Geld für Sicherheit und ideelle Unterstützung. Was sich der Historiker wünscht, ist mehr Präsenz der großen Akteure auf dem Land. In Zittau seien die Engagierten für Demokratie fast immer auf sich gestellt. Sie befürchten, dass nach der Wahl in Sachsen-Anhalt-Wahl auch in Sachsen der Wind rauer wird.

Der Grünen-Politikerin Miriam Zeller haben bisher kleine örtliche Netzwerke geholfen, berichtet sie. Sie glaube, dass ein großes Netzwerk mit seiner neuen Solidarität viel ausrichten kann und eine wichtige Hilfe sein könnte, auch auf dem Land.

Andre Lehmann gibt sich kämpferisch: „Wir werden diese Demokratie verteidigen und im Zweifel auch unsere Leute vor Ort durch dieses Tal führen“.

Autor: Bettina Stehkämper

3 September 2026 0 Kommentare
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Aus der Feder von Naci Sönmez: Fatsa, Widerstand und Erbe

von Cumali Yağmur 3 September 2026
von Cumali Yağmur

             Von: Naci Sönmez

Nachdem Fikri Sönmez zum Bürgermeister gewählt worden war, entstand in Fatsa ein Beispiel für lokale Demokratie, dessen Auswirkungen in der Geschichte des linken Kampfes in der Türkei bis heute nachwirken. Da dieses einzigartige Experiment die Herrschenden zutiefst beunruhigte, sollte es vernichtet werden, und neun Monate später begann die „Operation Punkt“ (Nokta Operasyonu) gegen Fatsa. Dieser blutige Angriff, der sich gegen die gesamte Bevölkerung einer Stadt richtete, war eine Generalprobe für den herannahenden Militärputsch vom 12. September 1980.

Naci Sönmez wuchs als Sohn von Fikri Sönmez inmitten des linken Gedankenguts auf. Bereits in seinen Jahren am Gymnasium war er Teil der revolutionären Bewegung, die sich in Fatsa entwickelte. Nach 1980 beteiligte er sich aktiv am politischen Kampf. In seinem Werk „Dünden Bugüne Fatsa Fikri“ (Der Gedanke von Fatsa von gestern bis heute) erzählt er von seinem Vater, den Menschen in dessen Umfeld und den damaligen Ereignissen. Zudem beleuchtet er durch Einblicke in sein eigenes Leben die jüngere Geschichte revolutionärer Bewegungen und linker Organisationen.

Auf der einen Seite die Schwierigkeiten, die die schwere Niederlage gegen den Faschismus des 12. Septembers mit sich brachte, auf der anderen Seite die Leere durch den Zerfall des weltweiten sozialistischen Systems; die ideologische Krise und die Weggabelungen im politischen Kampf sowie die Erfolge und Schwächen politischer Initiativen, die oft nur tastend vorankamen… Naci Sönmez berichtet von seinen eigenen Erlebnissen, Beobachtungen und Erfahrungen innerhalb des beharrlich geführten Kampfes für den Sozialismus. Dieses Buch ist die Geschichte einer intellektuellen Kontinuität, die die linke Vergangenheit von Fatsa schildert.

„Eines weiß ich: Wir haben es nicht geschafft! Doch aus der Asche des Feuers, das wir entfacht haben, wird der revolutionäre Geist von Fatsa wiederauferstehen. Daran glaube ich von ganzem Herzen.“

3 September 2026 0 Kommentare
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Wir haben einen weiteren Reisenden zu den Sternen verabschiedet.

von Halit Yaşar Demirbağ 2 September 2026
von Halit Yaşar Demirbağ

  Von: Halit Yaşar Demirbağ

Wir haben Musa (Uğur) Özdemir am 24. August verloren. Uğur, der seiner unheilbaren Krankheit erlag, wurde 1957 in Çemişgezek geboren. In seinen Kindheitsjahren, im Alter von nur 13 Jahren, zog er zu seinem Onkel nach Istanbul. In seinem Viertel, Gazi Mahallesi, lernte er Revolutionäre kennen und schloss sich den Reihen von Devrimci Yol (Revolutionärer Weg) an. Wie jeder Revolutionär blieb auch er von Folter und Gefängnisaufenthalten nicht verschont. Als er nach dem Putsch vom 12. September erneut polizeilich gesucht wurde, ging er 1987 ins Ausland.

Er setzte seinen Kampf in Bremen fort. In Straßburg nahm er an Hungerstreiks teil, um sich mit politischen Gefangenen zu solidarisieren. Später wurde er einer der Mitbegründer des Alevitischen Kulturzentrums (Cemevi) in Bremen, war dort mehrfach im Vorstand tätig und zuletzt dessen Delegierter. Uğur war verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Unser Genosse Musa Uğur, der sein Leben der Revolution widmete, war einer von Tausenden Revolutionären, die sich diesem Weg verschrieben hatten, obwohl sie wussten, wie steinig, gewunden und steil der Pfad der Revolution ist. Sein Leben in Bremen führte er bis zu seiner Erkrankung mit dem festen Glauben und dem Bewusstsein für die Revolution fort. Sein Abschied hinterlässt bei uns eine tiefe Trauer.

Lieber Musa, ruhe in Frieden; von nun an werden die Sterne deine Weggefährten sein. Wir werden dich, wie all unsere verstorbenen revolutionären Genossen, niemals vergessen und dich in unseren Herzen weiterleben lassen.

2 September 2026 0 Kommentare
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SPD-Oberbürgermeisterkandidat Axel von der Ohe besuchte die Redaktion von Fremdeninfo

von Fremdeninfo 2 September 2026
von Fremdeninfo

               Von Cumali Yagmur und Halit Yasar Demirbag

Axel von der Ohe, der SPD-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Hannover, besuchte heute die Redaktion der Webseite „www.fremdeninfo.de“. Während des Besuchs wurde die Situation von Menschen mit Migrationshintergrund ausführlich erörtert. Von der Ohe betonte, dass Hannover eine multikulturelle Stadt sei und diese Eigenschaft bewahrt werden müsse.

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Hannover liegt bei 42,2 %. Von der Ohe erklärte: „Sollte ich bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 gewählt werden, werde ich der Oberbürgermeister für alle Menschen sein, die in Hannover leben.“ Er kündigte an, neue Maßnahmen für Themen einzuleiten, die sowohl Migranten als auch Deutsche gleichermaßen betreffen, wie etwa Verkehr, Umwelt- und Klimaschutz, Sicherheit und Wohnungsnot.

Mit Blick auf die Schwierigkeiten, mit denen Migranten häufig bei der Wohnungs- und Arbeitssuche konfrontiert sind, sowie die Ausgrenzung im Alltag, betonte er, gezielte Maßnahmen ergreifen zu wollen. Von der Ohe sagte: „Ich werde darauf achten und sicherstellen, dass mehr Personal mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst eingestellt wird. Die Vor- und Nachteile des Systems der anonymisierten Bewerbung müssen wir hingegen detailliert prüfen.“

Im Rahmen seines Wahlkampfs habe er viele Migranten getroffen, die ihm von ihren alltäglichen Herausforderungen berichtet hätten. „Ich notiere mir diese Probleme regelmäßig; gemeinsam mit meinen Parteifreunden diskutieren wir darüber und entwickeln Lösungsvorschläge. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Probleme von Migrantenkindern in den Schulen auf Landesebene gelöst werden“, so von der Ohe. Er fügte hinzu, dass Migrantenkinder schneller Kitaplätze finden müssten und einkommensschwache Migrantenfamilien bei den Kitagebühren finanziell unterstützt werden sollten. Zudem betonte er: „Alle Kinder sollten ein kostenloses Mittagessen erhalten.“

Von der Ohe kritisierte rechtsextreme und reaktionäre Parteien wie die AfD, die das Zusammenleben mit Migranten ständig untergraben. Er betonte, dass man gemeinsam gegen diese Denkweise kämpfen werde: „Ich werde nicht zulassen, dass irgendjemand aufgrund seiner Religion, Nationalität oder Überzeugung herabgesetzt oder gedemütigt wird.“

Der Oberbürgermeisterkandidat erklärte zudem, dass in allen Bereichen des städtischen Lebens, insbesondere im Sport, neue Möglichkeiten für Migranten geschaffen und Maßnahmen zur Förderung ihrer Talente ergriffen werden sollen. Er wolle zudem Migrantinnen dabei helfen, die Schwierigkeiten im gesellschaftlichen Leben zu überwinden. Auch die Unterstützung der Aktivitäten von Migrantenvereinen sowie die Lösung ihrer Finanzierungsprobleme sagte er zu.

Er betonte, dass Medienvertretern eine wichtige Aufgabe dabei zukommt, Migranten über die Kommunalwahl zu informieren. Durch mediale Aufklärung solle die Wahlbeteiligung erhöht werden. Zudem ergänzte von der Ohe, dass man migrantischen Arbeitgebern und Gewerbetreibenden (insbesondere kleinen Betrieben in der Gastronomie) beratend zur Seite stehen werde, um deren Rentabilität zu steigern, ihren Beitrag zur Wirtschaft zu erhöhen und bürokratische Hürden abzubauen.

Innerhalb der SPD wolle er diese Themen diskutieren und seine Parteikollegen noch stärker dafür sensibilisieren. „Die SPD war von Anfang an die Partei, die am sensibelsten auf die Probleme von Migranten reagiert hat. In unserer Partei gibt es zahlreiche Politiker mit Migrationshintergrund. Wir werden diese Tradition fortsetzen und das friedliche Zusammenleben in Hannover verteidigen. Durch das, was wir voneinander lernen, müssen wir den Willen zum gemeinsamen Leben trotz aller Schwierigkeiten stärken“, sagte er.

Von der Ohe erinnerte daran, dass heute bereits die dritte und vierte Generation von Migrantenkindern in der deutschen Gesellschaft lebt und sie ein untrennbarer Teil davon sind. Es sei ein natürlicher Prozess, Menschen mit Migrationshintergrund in allen Lebensbereichen anzutreffen.

Abschließend appellierte von der Ohe an die Bürger von Hannover: „Ich bin sicher, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen und jede Herausforderung meistern werden. Wenn Sie mir bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 Ihre Stimme geben, werden wir nach meiner Wahl als Oberbürgermeister für alle gemeinsam arbeiten.“

2 September 2026 0 Kommentare
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Allgemein

SCHADEN BEGRENZEN IST EIN GEWINN (Sinngemäß: Je früher man einen Fehler korrigiert, desto besser)

von Fremdeninfo 1 September 2026
von Fremdeninfo

                Von: Celal Işıks 

Vor fünfhundert Jahren war die Zusammenarbeit zwischen Idris-i Bitlisi und Yavuz [Sultan Selim] keine Einheit auf Basis einer kurdischen und türkischen Identität, sondern eine religiöse, islamische Verbundenheit.

Idris-i Bitlisi handelte zum Vorteil und Nutzen seiner selbst und seines Stammes. Yavuz handelte ebenfalls nicht für die Türken oder das Türkentum, sondern im Namen der wirtschaftlichen und politischen Interessen seiner eigenen Dynastie (der Osmanen) und schloss dementsprechend Bündnisse.

In dieser Hinsicht war das Bündnis zwischen Yavuz und Idris-i Bitlisi gegen Schah Ismail kein Pakt zwischen Nationen, sondern ein Interessenbündnis, das auf einem religiösen und konfessionellen Fundament errichtet wurde. Denn zu jener Zeit gab es noch keinen kollektiven Begriff der „Nation“.

Wenn Öcalan daher heute für die kurdisch-türkische Einheit ein Bündnis als Referenz heranzieht, das vor 500 Jahren stattfand, ist dies eine sehr falsche und bedauerliche Situation.

In der Zeit, als dieses Bündnis geschlossen wurde und Yavuz gegen den Iran Krieg führte, verübte Idris-i Bitlisi in Anatolien ein großes Massaker an alevitischen Kizilbasch. Dieses Ereignis als Referenz heranzuziehen bedeutet, die Schmerzen der in diesem Land lebenden türkischen und kurdischen Kizilbasch-Aleviten wieder aufzuwühlen.

Dies hieße zudem, blind zu sein für die Existenz der alevitischen Kizilbasch (Türken oder Kurden) innerhalb der kurdischen politischen Bewegung und der DEM-Partei.

Falls Öcalan also tatsächlich eine solche Erklärung abgegeben hat, ist dies eine Situation, die eine ernsthafte Selbstkritik erfordert. Falls nicht, ist es an einen Punkt gelangt, an dem eine ausreichende Erklärung zu diesem Thema unumgänglich ist.

Andernfalls würden Sie mit einem Friedensprozess, der sich auf die „islamische kurdisch-türkische Brüderschaft“ von vor fünfhundert Jahren bezieht, die historischen Wunden der alevitischen Kizilbasch, die diesen Prozess unterstützen, erneut blutig reißen.

Sie würden damit Personen wie Altan Tan, Kemal Öztürk und Levent Gültekin die Gelegenheit geben, die alevitischen Kurden und die Linken, die Bestandteile der DEM sind, anzugreifen.

Indem Sie die DEM von alevitischen Kurden und Linken „reinigen“, würden Sie die Tür genau für das öffnen, was die Regierung will: die Partei auf eine religiöse „Ummah-Linie“ zu ziehen.

Damit würden Sie dem pluralistischen, säkularen und demokratischen Paradigma der DEM schaden, und das wäre jammerschade.

Je früher man den Schaden begrenzt, desto besser.

1 September 2026 0 Kommentare
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Frauen

SPÖ-Jugend ruft zum „Schulstreik“ gegen Kopftuchverbot

von Fremdeninfo 1 September 2026
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             Von  (APA)

Die SPÖ-Vorfeldorganisationen Sozialistische Jugend und die Roten Falken haben mit kommunistischen Jugendorganisationen und der Initiative „Schule brennt“ am Montag auf Instagram zu einem „Schulstreik“ gegen das Kopftuchverbot aufgerufen, auch die SPÖ-nahe Aktion Kritischer Schüler_innen ist unter den Organisatoren gelistet. Das von ÖVP, SPÖ und NEOS beschlossene Gesetz verbietet Mädchen bis 14 das Kopftuchtragen am Schulgelände, bei einem Verstoß drohen Strafen bis 800 Euro.

Bei der Demo am Platz der Menschenrechte in Wien soll am 9. Oktober (12 Uhr) laut dem Aufruf nicht nur gegen das Kopftuchverbot selbst demonstriert werden, sondern generell gegen „Rassismus, Sexismus und Militarisierung an Schulen“. „Es ist kein Zufall, dass gerade jetzt muslimische Jugendliche politisch angegriffen werden und gleichzeitig das Bundesheer im letzten Schuljahr fast 3.000 Mal an Schulen war, um Propaganda für Krieg zu verbreiten: Rassismus dient der Kriegsvorbereitung“, wird im dazugehörigen Text von „Schule brennt“ gewarnt, den die SJ und die Roten Falken auf ihren Instagram-Konten geteilt haben.

Bundespartei verteidigt Verbot

Die Bundesregierung begründet das Ende des Vorjahrs beschlossene Kopftuchverbot mit dem Schutz der Freiheit muslimischer Mädchen. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) nannte das Kopftuch u.a. ein „Zeichen der Unterdrückung und ein Mittel der Kontrolle von Mädchen ab dem frühesten Kindesalter“. Eine ähnliche Regelung für Volksschulen war vom Verfassungsgerichtshof 2020 mit dem Argument aufgehoben worden, dass eine nur auf Muslime abzielende Regelung dem Gebot der religiösen Neutralität des Staates widerspricht. Auch gegen das aktuelle Gesetz, das nächsten Montag mit dem Schulstart in Ostösterreich erstmals schlagend wird, wurden Anfechtungen angekündigt.

In der SPÖ-Bundespartei wurde das Kopftuchverbot auf APA-Anfrage verteidigt. Jedes Kind habe unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Religion ein selbstbestimmtes Aufwachsen und Leben verdient und den Schulen komme in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle zu. Die neue Regelung solle – in Kombination mit sensibilisierender Burschenarbeit – verhindern, dass Mädchen zum Tragen eines Kopftuchs gezwungen werden bzw. den Druck auf jene verringern, die sich bewusst dagegen entscheiden.

FPÖ-Bundesparteisprecherin Lisa Schuch-Gubik sah in einer Aussendung einen „unfassbaren Kniefall vor dem politischen Islam und einen Verrat an unseren Werten“ bei der SJ. Es sei ein „Offenbarungseid“, wenn eine SPÖ-Jugendorganisation „gemeinsam mit radikalen Kräften für ein Symbol der Frauenunterdrückung auf die Straße gehen“ wolle.

(APA)

1 September 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Jugend

Migrantenjugend im digitalen Zeitalter: Politische Passivität und soziologischer Wandel

von Cumali Yağmur 1 September 2026
von Cumali Yağmur

                           Von: Cumali Yağmur


In meinem heutigen Artikel werde ich mich mit der Organisierung und der politischen Teilhabe von migrantischen Jugendlichen im digitalen Zeitalter befassen.

Unter den migrantischen Minderheiten ist der Anteil derer, die sich politisieren und an der Politik ihres Wohnsitzlandes beteiligen, verschwindend gering. Oft fungieren die erste und zweite Generation lediglich als Auslandsvertretungen von Parteien und Gruppen aus ihren Herkunftsländern. Es ist eine bekannte Tatsache, dass es in deutschen Parteien, Gewerkschaften und sozialen Einrichtungen nur sehr wenige migrantische Mitglieder gibt und die vorhandenen Mitglieder kaum aktiv mitwirken. Dieses Problem besteht seit Jahren: Migranten und Jugendliche organisieren sich nicht ausreichend im Sinne ihrer eigenen Probleme und setzen sich nicht genügend für ihre Rechte ein.

Die Tendenz, Strukturen aus den Herkunftsländern zu repräsentieren, unterscheidet sich prozessbedingt kaum zwischen der ersten und zweiten Generation sowie den Neuankömmlingen aus verschiedenen Ländern. Auch diejenigen, die in letzter Zeit über den Asylweg gekommen sind und ein Aufenthaltsrecht erhalten haben, betreiben über ihre Unterstützer in Europa lediglich die Politik ihrer eigenen Länder. Diese Strukturen verschwinden jedoch nach einiger Zeit, wenn sie keine Basis finden. Die von ihnen gegründeten Vereine schließen mit der Zeit, da sie bei der migrantischen Minderheit auf wenig Interesse stoßen.

Bei den Jugendlichen, die in Europa und Deutschland geboren und aufgewachsen sind, zeigt sich hingegen eine Generation, die mit Politik kaum etwas am Hut hat. Diese jungen Menschen lassen sich weder von den politischen Agenden der Herkunftsländer ihrer Familien beeinflussen, noch zeigen sie großes Interesse an den Parteien in den Ländern, in denen sie leben. Die Wahlbeteiligung unter Migranten ist äußerst gering. Es fehlt an Motivation, sie an die Wahlurnen zu bringen, oder an einer starken Organisationsstruktur, in die sie kanalisiert werden könnten.

Das in den letzten Jahren eingeführte aktive und passive Wahlrecht für in Deutschland lebende türkische und kurdische Migranten bei den Wahlen in ihren Herkunftsländern hat die lokalen Probleme der Migranten gewissermaßen überschattet. Dass die Parteien die politischen Debatten aus der Türkei nach Europa und Deutschland tragen, drängt die eigentlichen Probleme der hiesigen Migranten in den Hintergrund. Ohne gegen das Wahlrecht an sich zu sein, halte ich diese Situation unter den gegebenen Umständen für schädlich für die grundlegenden Probleme der Migranten an ihrem Wohnort und betrachte dies als eine falsche Entwicklung. Ich bin der Meinung, dass dieses Thema neu diskutiert und tiefgreifend bewertet werden muss.

In Europa herrscht eine Atmosphäre, als fänden die Wahlen in der Türkei hier statt; Migranten vergessen ihre eigenen Sorgen und arbeiten für Parteien in der Türkei. Auch die Parteien, die aus der Türkei kommen und in Europa und Deutschland Wahlkampf betreiben, tun dies mit einem türkeizentrierten Verständnis, ohne die hiesigen politischen und sozialen Strukturen ausreichend zu kennen.

Die neue Generation der Jugendlichen steht der deutschen Gesellschaft näher, da sie in dieser geboren und aufgewachsen ist. Doch als „Kinder des digitalen Zeitalters“ legen sie Tablet und Telefon kaum aus der Hand. Dieser Zustand, der zu einem allgemeinen gesellschaftlichen Trend geworden ist, wurde mit der fortschreitenden Technologie zu einem Teil des Lebens. Da auch Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland ständig Zeit in der digitalen Welt verbringen, schwächen sich die Bindungen zu ihren Familien ab und sie führen ein politikfernes Leben.

Da dieses Problem in Europa immer größer wird, wurde in einigen Ländern die Handynutzung an Schulen verboten. Auch in Deutschland wird darüber diskutiert, aber eine Entscheidung scheint noch lange auf sich warten zu lassen. Doch was wird ein Verbot verhindern? Ein Verbot nur in den Schulen reicht nicht aus; die Jugendlichen verbringen den Großteil ihrer Zeit außerhalb der Schule weiterhin am Telefon. In einer Zeit, in der die Technologie so weit fortgeschritten ist, geht es nicht nur um Verbote, sondern darum, den richtigen und produktiven Umgang mit diesen Werkzeugen zu lehren, ohne dem täglichen Leben zu schaden. Ohne sich gegen die Technologie zu stellen, muss sichergestellt werden, dass die Gesellschaft diese Möglichkeiten sinnvoller nutzt.

In den entwickelten kapitalistischen Ländern können die Menschen mit dem atemberaubenden Tempo der Technologie nicht schritthalten. Migrantische Minderheiten, die in diesen Ländern leben, kämpfen mit sozialen Problemen und sehen sich gleichzeitig einer durch die digitale Transformation verursachten Entfremdung gegenüber.

Die Gründe für das Desinteresse der Jugendlichen an der Politik sollten akribisch untersucht werden. Liegt das Hauptproblem darin, dass ältere Politiker nicht die Sprache der Jugend sprechen, oder darin, dass den Jugendlichen in der Politik nicht genügend Raum gegeben wird? Man muss den Ursachen auf den Grund gehen und Jugendliche entsprechend den Bedingungen der neuen Ära zur Politik ermutigen. Nicht nur migrantische Jugendliche, auch deutsche Jugendliche gehen auf Distanz zu traditionellen Organisationen; die Jugendorganisationen der Parteien haben ihre alte Stärke verloren.

Der Rechtsruck der Gesellschaft in Europa und der Aufstieg der AfD in Umfragen, die in einigen Regionen zur stärksten Partei geworden ist, ist ein Beweis dafür, wie gefährlich dieses Vakuum ist. Insbesondere die Wahlergebnisse in Ostdeutschland zeigen, dass diese Regionen beginnen, unter die Kontrolle rechtspopulistischer Bewegungen zu geraten.

Die Zahl der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die in Parteien aktiv sind, ist sehr gering. Gesellschaftliche Faktoren wie familiäre Umstände und Ausgrenzung schrecken Jugendliche von der Politik ab. Zudem müssen viele Jugendliche aufgrund finanzieller Schwierigkeiten schon in jungen Jahren arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Während sie arbeiten, um ihre Bildungs- und Lebenshaltungskosten zu decken, finden sie keine Zeit für politisches Engagement. Obwohl sie im Alltag Zielscheibe von Nationalismus und Rassismus sind und bei der Suche nach Arbeit, Wohnung oder Praktikumsplätzen Diskriminierung erfahren, gelingt es ihnen nicht, diese Probleme in einen politischen Kampf umzuwandeln.

Da migrantische Jugendliche sich nicht untereinander organisieren können und nicht über ausreichende Erfahrung verfügen, können sie keine unabhängige Struktur aufbauen. Heute haben sich die gesellschaftlichen Strukturen in Europa verändert; an die Stelle der ehemals aktiven politischen Gruppen ist eine tiefe Stille getreten. In Gymnasien und Universitäten wird Politik nicht mehr ausreichend diskutiert. Jugendliche mit Migrationshintergrund nehmen nicht nur nicht den Platz in der Gesellschaft ein, der ihnen zusteht, sondern entwickeln auch kein Organisationsmodell. Vielleicht zeichne ich ein pessimistisches Bild, aber aus der Sicht eines Soziologen erkenne ich einen großen Wandel in den gesellschaftlichen Strukturen.

Es ist eine Tatsache, dass die Konkurrenz zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und einheimischen Jugendlichen in Deutschland hoch ist. Es ist jedoch ein großer Fehler, dass sich migrantische Jugendliche immer noch als „Ausländer“ definieren und sich selbst außen vor halten. Das Fehlen von „Idol“-Politikern, an denen sich Jugendliche heute orientieren könnten, entfremdet sie ebenfalls von der Politik. Der Mangel an charismatischen und visionären Persönlichkeiten in den deutschen Parteien, die Jugendliche beeinflussen könnten, war in den letzten Jahren eine herbe Enttäuschung. Der Platz der ehemals einflussreichen Führungspersönlichkeiten konnte nicht gefüllt werden, und neue Politiker können nicht die gleiche Wirkung auf die Gesellschaft erzielen.

Sich verändernde gesellschaftliche Strukturen beeinflussen den politischen Bereich ebenso tiefgreifend wie alle anderen Lebensbereiche. Solange Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland keine neuen Organisationsstrukturen rund um ihre Probleme aufbauen, werden diese Probleme nicht gelöst werden. Die Geschichte hat gezeigt, dass Minderheiten nur dann Erfolg hatten, wenn sie ihre eigenen Organisationen gründeten und für demokratische und gleiche Rechte kämpften.

Obwohl jede Partei in Deutschland Jugendorganisationen hat, sind diese keine starken Strukturen mehr, die die gesamte Gesellschaft umfassen. Jugendliche mit Migrationshintergrund können ihre Ansichten in diesen Strukturen nicht ausreichend repräsentieren. Unter den heutigen Bedingungen ist es unerlässlich, dass sich diese Jugendlichen nicht nur auf „Migrantenthemen“, sondern auf alle politischen Inhalte konzentrieren – vom Klima über die Wirtschaft und Justiz bis hin zur Digitalisierung. Sie müssen sich in allen Bereichen weiterbilden und ihren Platz in der Politik der Zukunft einnehmen. Die Migrationsfrage ist in Europa kein Problem einer einzelnen Nation, sondern ein gesellschaftliches Problem; daher müssen sich migrantische Jugendliche in allen Bereichen der Politik spezialisieren und ihre eigenen originären Organisationen schaffen.

Der gesellschaftliche Rechtsruck in Europa könnte weitere reaktionäre Formationen auslösen. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass neben der AfD auch andere rechtsextreme Parteien entstehen könnten. Dagegen müssen Demokraten, Sozialisten und migrantische Jugendliche in der Gesellschaft ihre eigenen Organisationen gründen und eine gemeinsame Basis für den Kampf schaffen.

1 September 2026 0 Kommentare
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Neue Rekorde: Wie SPD und Linke von der Einbürgerungspraxis profitieren

von Fremdeninfo 31 August 2026
von Fremdeninfo

Artikel von Lennart Zielke/berliner Zeitung

Die Zahlen der Einbürgerungsstatistik von 2025 sprechen für sich: 333.343 Menschen – das entspricht einer Stadt von der Größe Mannheims – haben im vergangenen Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten. Ein Rekord.Ein Blick auf die Liste der Herkunftsländer ist aufschlussreich. An der Spitze steht Syrien mit 65.775 Einbürgerungen, gefolgt von der Türkei (34.185). Auch der Irak (13.792), Afghanistan (10.883) und der Iran (10.125) sind im oberen Mittelfeld zu finden. Hinzu kommen Kosovo (9710), Bosnien und Herzegowina (8841) sowie Ägypten (4848). Zählt man diese mehrheitlich muslimisch geprägten Staaten zusammen, ergeben sich 158.159 Personen – rund 47 Prozent aller Einbürgerungen.Und das ist konservativ gerechnet. Denn die Statistik listet nur die jeweils größten Herkunftsländer je Kontinent auf. Weitere muslimisch geprägte Staaten verschwinden in Sammelposten unter „Sonstige“. Der tatsächliche Anteil könnte noch etwas höher liegen. Gut die Hälfte der neuen Staatsbürger stammt demnach aus dem islamischen Kulturkreis.An dieser Stelle wird es politisch interessant. Denn ein deutscher Pass bedeutet vor allem eines: das Recht, an Landtags-, Bundestags- und Europawahlen teilzunehmen

Das Meinungsforschungsinstitut Insa hat kürzlich das Wahlverhalten muslimischer Wähler untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Dürften nur Muslime wählen, käme die SPD auf 26 Prozent, die Linke auf 23 Prozent. Zusammen hätte Rot-Rot damit eine parlamentarische Mehrheit.Die Union landet bei 22 Prozent, die AfD bei elf, die Grünen bei acht, das BSW bei sieben. Zum Vergleich: In der allgemeinen Sonntagsfrage kommt die SPD auf zwölf Prozent, die Linke auf elf. Bei muslimischen Wählern schneiden beide Parteien also weit überdurchschnittlich ab.Der Zusammenhang liegt nahe: Wer sich für erleichterte Zuwanderung und einen Ausbau des Sozialstaats einsetzt, kann tendenziell bei dieser Wählergruppe punkten. Der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz formuliert es auf der Plattform X so: „Die mächtigste Waffe der linken Parteien ist die Turboeinbürgerung.“Damit rückt der Kern der Entwicklung in den Blick: das reformierte Staatsbürgerschaftsrecht. Die Ampel-Regierung hatte die Hürden für die Einbürgerung deutlich gesenkt. Die reguläre Wartezeit bis zur Möglichkeit der Beantragung sank damit von acht auf fünf Jahre.

Zudem muss der bisherige Pass nicht mehr abgegeben werden: Mehrstaatigkeit ist generell erlaubt. Auch für in Deutschland geborene Kinder wurden die Regeln gelockert: Lebt ein Elternteil seit fünf Jahren in Deutschland, dann erhält das Kind automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit.Der Zugang zur Staatsbürgerschaft wurde in den Jahren nach der Flüchtlingskrise ab 2015 also spürbar erleichtert. Dass durch diese Öffnung besonders viele Menschen aus muslimisch geprägten Ländern eingebürgert wurden – und damit tendenziell rot-rote Stimmen hinzukamen –, kann mittlerweile als einer der zentralen Effekte der Reform verstanden werden.Dass sich hier etwas verschiebt, zeigt der Blick auf die längerfristige Entwicklung. 2010 lebten nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) schätzungsweise 4,1 bis 4,3 Millionen Muslime in Deutschland – rund fünf Prozent der Bevölkerung. 2025 sind es laut Bamf-Hochrechnung bereits 6,6 bis 7,0 Millionen – etwa acht bis achteinhalb Prozent.Binnen fünfzehn Jahren entspricht das einer Zunahme von rund 60 Prozent.An der Einbürgerungspraxis wird sich absehbar nichts verändern.

Aus dem CSU-geführten Bundesinnenministerium hieß es auf Anfrage, man orientiere sich am Koalitionsvertrag: Die „Turboeinbürgerung“ nach drei Jahren – unter Vorweisung besonderer Qualifikationen – wurde zwar abgeschafft, an der grundsätzlichen Reform des Staatsbürgerschaftsrechts werde aber festgehalten – umgesetzt mit der Gesetzesnovelle von Union und SPD vom 30. Oktober 2025.

Wie viele der Rekord-Einbürgerungen 2025 auf die verkürzten Wartezeiten zurückgehen, lässt sich aus der Statistik nicht ableiten.Eine Anfrage dieser Zeitung beim Auswärtigen Amt bezog sich auf die Lage in Syrien, dem größten Herkunftsland der neuen Staatsbürger. Die Antwort: Nach dem Fall des Assad-Regimes habe sich die Sicherheitslage „stark verbessert“, bleibe aber „volatil“.

Wer zurückkehren wolle, müsse selbst prüfen, ob die Voraussetzungen vorliegen – eine „individuelle Entscheidung“. Ein Rückkehrdruck ergibt sich daraus nicht. Die meisten werden langfristig in Deutschland bleiben.

31 August 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Kurdische Organisationen im Iran, Irak, in Syrien und der Türkei sowie mögliche Szenarien

von Cumali Yağmur 31 August 2026
von Cumali Yağmur


Von: Cumali Yağmur

Wenn wir uns die kurdischen Organisationen im Iran und Irak ansehen, stoßen wir auf eine Vielzahl kleinerer und größerer Gruppen. Die Struktur der PKK im Kandil-Gebirge übt einen erheblichen Einfluss auf diese Organisationen aus, und es besteht eine wechselseitige Interaktion zwischen diesen Gruppen.

Doch wie würde sich die Situation dieser Gruppen gestalten, wenn in der Türkei ein Waffenstillstand erreicht würde und die PKK die Waffen niederlegte? Welche Haltung würde die Türkei ihnen gegenüber einnehmen? Nehmen wir zum Beispiel ein Szenario in Syrien an, in dem sich die SDF (Demokratische Kräfte Syriens) auflöst, in die syrische Armee eingegliedert wird und der syrische Staat Kurdisch als zweite Amtssprache anerkennt: Wohin würde sich die Position der Gruppen im Iran und Irak in einem solchen Fall entwickeln? Was wäre das Schicksal dieser Strukturen, wenn es einen Ort namens „Kandil“ nicht mehr gäbe?

Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die Gruppen in diesen Ländern werfen:

1. Komala (Revolutionäre Gesellschaft der Werktätigen des Iranischen Kurdistans)

Komala ist eine linke Partei im iranischen Kurdistan, die 1969 von Abdullah Mohtadi und Ömer İlhanizade gegründet wurde. Ihr Hauptsitz befindet sich in der Stadt Sulaimaniyya im Irak. Die Partei folgt einer kommunistisch-leninistischen Ideologie. Ihr Unterschied zur PKK besteht darin, dass sie eine eher städtisch geprägte und „linkere“ Bewegung ist.

Heute ist die Organisation in drei oder vier verschiedene Flügel gespalten, wobei der Flügel unter Abdullah Mohtadi als der bekannteste und stärkste gilt. Seit 1980 führen sie einen bewaffneten Kampf gegen das iranische Regime. Durch die „Jina Mahsa Amini“-Proteste im Jahr 2022 machten sie ihren Namen in der Weltöffentlichkeit stark bekannt. Der iranische Staat stuft Komala als Terrororganisation ein.

2. Gorran (Bewegung für Wandel)

Diese Bewegung mit Sitz in Sulaimaniyya (Irak) war zeitweise sehr einflussreich in der Autonomen Region Kurdistan. Sie wurde als Reaktion auf die Korruption innerhalb der KDP gegründet und schaffte es anfangs, mit 25 % der Stimmen 25 Abgeordnete ins Parlament zu entsenden. Aufgrund interner Spaltungen hat sie jedoch heute ihre einstige Stärke verloren.

3. Die Hauptakteure: KDP, PUK und PJAK

Während die KDP (Barzani) und die PUK (Talabani) weiterhin die traditionellen Mächte im Irak und Iran darstellen, ist die PJAK (Partei für ein freies Leben in Kurdistan), die als iranischer Ableger der PKK bekannt ist, ein wichtiger Akteur.

  • PJAK: Diese Organisation mit Schwerpunkt in Ostkurdistan (Iran) nutzt das Kandil-Gebirge als Stützpunkt. Ihr bewaffneter Arm trägt den Namen YRK (Verteidigungseinheiten Ostkurdistans). In den 2000er Jahren lieferten sie sich heftige Kämpfe mit der iranischen Armee, nahmen jedoch nach einem 2011 erklärten Waffenstillstand eine passivere Rolle ein. Heute setzen sie ihre Existenz als kleine Gruppe fort. Die PJAK, die vom Iran auf der Liste der Terrororganisationen geführt wird, wurde zeitweise auch von den USA in diese Liste aufgenommen.

Regionale Auswirkungen und jüngste Entwicklungen

Die USA haben im weiteren Verlauf einige dieser Gruppen von der Terrorliste gestrichen oder begannen, mit ihnen zu kooperieren. Insbesondere im Kampf gegen den IS (Daesh) in der Region Rojava spielten diese Gruppen eine effektive Rolle und kämpften aktiv an vorderster Front.

31 August 2026 0 Kommentare
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