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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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4 Februar 2026 0 Kommentare
Allgemein

Der Bericht der niedersächsischen Landesregierung, der rein am Schreibtisch entworfen wurde, spiegelt nicht die Realität wider

von Cumali Yağmur 24 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

 Von: Cumali Yagmur 

In dem Bericht wird die Perspektive, dass Migranten „zu Deutschland gehören“, in den Vordergrund gerückt und dies als Erfolg gepriesen. Natürlich gehören Migranten zu Deutschland, da sie hier leben; nichts könnte natürlicher sein. Migranten müssen ohnehin bei jeder Gelegenheit die Tatsache betonen, dass sie bereits in diesem Land leben. Dass die SPD dies jedoch als ein Beispiel für „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ präsentiert, entspricht nicht den Tatsachen und ist zudem eine falsche Sichtweise.

Landesminister Olaf Lies (SPD) bezeichnet den Bericht als ein „Dokument des gesellschaftlichen Zusammenhalts“. Dabei ist dieses Dokument grundlegend fehlerhaft und deckt sich nicht mit der Realität vor Ort. Ein in Deutschland lebender Migrant fühlt sich bereits zugehörig, weil er sich innerhalb der Grenzen des Landes befindet, in dem er lebt.

Obwohl der Prozess der Einbürgerung von Migranten als ein positiver Schritt angesehen wird, versuchen Migranten auf diesem Weg eigentlich nur, sich rechtlich abzusichern. Insbesondere Syrer lassen sich derzeit aufgrund der befürchteten Abschiebewelle massenweise einbürgern.

Die Staatsbürgerschaft löst jedoch keine Probleme. Selbst wenn sie deutsche Staatsbürger sind, werden viele Menschen nur auf dem Papier als „Deutsche“ behandelt. Bei Bewerbungen erhalten sie aufgrund ihrer „ausländischen“ Namen weiterhin Absagen. Daher bietet die Staatsbürgerschaft oft nicht mehr als die Garantie, im Land bleiben zu können.

Nun frage ich Herrn Olaf Lies: Können Sie der Öffentlichkeit auch die Statistiken der im öffentlichen Dienst beschäftigten Migranten offenlegen?

Im vergangenen Jahr verließen 27,8 % der ausländischen Schulabgänger die Schule ohne Abschluss. Bei Jugendlichen mit deutschem Pass lag diese Quote bei 5,9 %. Wie kann man von gesellschaftlicher Integration sprechen, wenn etwa 28 % der migrantischen Jugendlichen ohne Abschluss aus dem System gedrängt werden?

Zwei von drei Migranten suchen nach Arbeit, Wohnraum oder einem Ausbildungsplatz. Ich frage Herrn Lies erneut: Wie sollen diese Menschen unter den aktuellen Bedingungen Wohnungen und Arbeit finden?

Sollen die Migranten und die Öffentlichkeit mit diesem am Schreibtisch erstellten Bericht, der die Realität verfälscht, getäuscht werden?

Welche sozialen Begegnungsstätten haben Sie in Niedersachsen und in der Landeshauptstadt Hannover für Migranten geschaffen? Wie viel Budget haben Sie für Migrantenverbände bereitgestellt? Welche politischen Rechte haben Sie Migranten eingeräumt? Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es hier nicht einmal einen „Ausländerbeirat“, in dem Migranten vertreten sind. Welche von Migranten gewählte politische Institution existiert hier überhaupt?

 

24 Dezember 2025 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Rückblick auf das Jahr 2025: Was hat sich für Migranten geändert?

von Cumali Yağmur 24 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

Von:  Cumali Yağmur

Während wir das Jahr 2025 hinter uns lassen, müssen wir die Entwicklungen und Probleme dieses Jahres Revue passieren lassen. Insbesondere für migrantische Minderheiten brachte das Jahr 2025 eine Reihe neuer Maßnahmen und politischer Veränderungen mit sich. Lassen Sie uns dieses Jahr aus der Perspektive der Migranten bewerten.

Einschränkungen aus Sicherheitsgründen
Unter dem Titel „Migration begrenzen, Demokratie schützen“ hat Deutschland einige Beschlüsse zuungunsten von Migranten gefasst. Mit der Begründung, „den Rechtsstaat und die Demokratie wirksam zu schützen“, wurde die Innenpolitik neu strukturiert; Ziel war es, die Zahl der Asylsuchenden zu reduzieren.

Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Jahr 2024 entfachte die Sicherheitsdebatten im Land erneut. Nach diesem Angriff wurden Ziele wie die Bekämpfung illegaler Migration, die Förderung qualifizierter Zuwanderung, die Vorbereitung auf Cyberangriffe und der Schutz des Rechtsstaats gegen interne und externe Bedrohungen öffentlich bekannt gegeben. All diese Aufgaben wurden der im Jahr 2025 neu gebildeten Bundesregierung übertragen.

Wirtschaftskrise überschattet die Migrationsagenda
Gleichzeitig stellen viele Politiker fest, dass die migrationsbezogenen Probleme von der Krise überschattet wurden, in die die Landeswirtschaft geraten ist. Ankündigungen von Großkonzernen wie Volkswagen über Werksschließungen oder Massenentlassungen verstärkten die Sorgen um die Beschäftigung. Hohe Inflation, steigende Energiepreise und der Fachkräftemangel vertieften die Krisen zusätzlich.

Diese wirtschaftliche Stagnation deutet sowohl auf eine konjunkturelle als auch auf eine strukturelle Krise hin. Dass in Gesundheitsämtern immer noch Faxgeräte genutzt werden und die Defizite in der Digitalisierung sind Anzeichen dieser Krise. Zudem haben Cyberangriffe, die mutmaßlich aus Russland stammen, insbesondere die Bedrohungen für die Infrastruktur erhöht. Aus diesem Grund wurden harte Maßnahmen zur Bürokratieabbau und zur Stärkung der Sicherheitsbehörden ergriffen.

Migranten im Fadenkreuz
Im Schatten all dieser Entwicklungen beschleunigte die Regierung ihre Schritte zur Begrenzung der Migration. Nach dem Anschlag in Magdeburg wurden Barrieren errichtet, um die Einfahrt von Fahrzeugen in Weihnachtsmärkte zu verhindern, und es wurden strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Feierlichkeiten im Jahr 2025 verliefen ohne Zwischenfälle.

Die grundlegenden Probleme im Zusammenhang mit der Migration sind jedoch nicht gelöst. Obwohl die Zahlen bei Asylanträgen und illegaler Migration zurückgegangen sind, versuchten laut der europäischen Grenzschutzagentur Frontex in den ersten neun Monaten dieses Jahres etwa 166.000 Menschen, auf irregulärem Weg in die Europäische Union zu gelangen. Deutschland hat wieder Grenzkontrollen eingeführt. Die nach den vorgezogenen Neuwahlen im Februar 2025 gebildete SPD-CDU/CSU-Koalition befürwortet die Zurückweisung von Flüchtlingen an den Grenzen. Die Kommunen berichten derweil, dass sie das Ende ihrer Kapazitäten erreicht haben.

„Rückkehr“-Versprechen statt Integration
Migranten, die seit Jahren in Deutschland leben, erhielten in Kernbereichen wie Arbeit, Bildung und Wohnen keine ausreichende Unterstützung. Im Bildungssystem wurden für Migrantenkinder immer noch nicht die notwendigen Reformen umgesetzt. Während der Ukraine-Russland-Krieg andauert, wird prognostiziert, dass die Migration aus dieser Region zunehmen wird. Trotz der Rufe zur Rückkehr und „Rückkehrprämien“ im Zusammenhang mit der neuen Regierung in Syrien sind die Syrer nicht in ihr Land zurückgekehrt.

Anstatt Integrationsprobleme zu lösen, konzentrierte sich die Bundesregierung auf Rückkehrversprechen. Dieser Ansatz trägt lediglich dazu bei, die Spaltung in der Gesellschaft zu vertiefen.

Der Aufstieg der AfD und Ablenkungsmanöver
Dass die Partei Alternative für Deutschland (AfD) in den Meinungsumfragen vorne liegt, wird mit der zunehmenden Ablehnung gegenüber Migranten in Verbindung gebracht. Diese Situation jedoch nur auf Migranten zurückzuführen, dient dazu, das eigentliche Problem – die Wirtschaftskrise – zu verschleiern. Wenn die Migrations- und Minderheitenpolitik auf einer transparenten und egalitären Basis diskutiert würde, würde die Demokratie gestärkt und durch den Schutz von Minderheiten sowie die Anerkennung gleicher Rechte könnte das Vertrauen in der Gesellschaft wieder aufgebaut werden.

Der Antrag der CDU/CSU: Die Abschiebepolitik wird verschärft
Die Unionsparteien (CDU/CSU) forderten die Regierung in einem dem Bundestag vorgelegten Antrag unter anderem zu Folgendem auf:

  • Stopp der illegalen Migration,
  • Erhöhung der Grenzsicherheit,
  • Sofortige Abschiebung von Straftätern und Gefährdern,
  • Zurückweisung von Personen ohne Einreisedokumente ungeachtet ihres Schutzbegehrens,
  • Festhalten dieser Personen im „Ausreisegewahrsam“ bis zur Durchführung der Abschiebung,
  • Ausweitung der Befugnisse der Bundespolizei bei Abschiebungen.

In der Begründung des Antrags wurde neben dem Anschlag in Magdeburg auch auf den Mord in Aschaffenburg sowie die Vorfälle in Mannheim und Solingen verwiesen und behauptet, dass die aktuelle Migrationspolitik die Sicherheit der Bevölkerung gefährde. Es wurde festgestellt, dass die Migrationsregelungen auf europäischer Ebene ihre Funktion verloren hätten und durch nationales Recht neu geordnet werden müssten. Zudem wurde die Einbürgerungsfrist in einigen Fällen wieder auf 5 Jahre angehoben.

Spaltende Rhetorik statt inklusiver Sprache
Die Worte von CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz, „Migranten verschandeln das Stadtbild“, brachten das Fass zum Überlaufen. Diese Aussage stieß bei der Bevölkerung, den Medien und der Zivilgesellschaft auf großen Widerstand. Obwohl Merz einen Rückzieher machte und sagte: „Ich hätte es in einer anderen Sprache ausdrücken müssen“, ist es die Aufgabe eines Kanzlers, die Bevölkerung nicht zu spalten, sondern inklusive Lösungen für Probleme anzubieten.

Schließlich wurde vorgeschlagen, das „Bürgergeld“-System zu reformieren und Personen, die ihre Termine nicht wahrnehmen, die Leistungen zu kürzen. Dies fällt als eine weitere Entwicklung auf, die das Verständnis des Sozialstaats beschädigen könnte.

Neujahrswunsch
Nach all diesen Entwicklungen ist unsere Hoffnung, dass das Jahr 2026 Schauplatz einer egalitäreren, auf Menschenrechten basierenden und konsistenteren Politik sein wird.

Bei dieser Gelegenheit gratuliere ich allen Lesern herzlich zum neuen Jahr und wünsche ein Jahr voller Frieden und Gerechtigkeit.

24 Dezember 2025 0 Kommentare
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İsa Turan
Flüchtlinge

Migrantische Repräsentation, Staatsbürgerschaft und die Widersprüche der schwedischen Demokratie

von Fremdeninfo 23 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Von:  Isa Turan / Schweden

Die schwedische Demokratie definierte sich lange Zeit über das Ideal des Folkhemmet (Volksheim), den universalen Wohlfahrtsstaat und ein Modell des institutionellen Konsenses. Diesem Narrativ zufolge ließen sich Klassenkonflikte durch parlamentarische Repräsentation und gewerkschaftliche Aushandlungsprozesse steuern. In den letzten Jahrzehnten jedoch traten die gravierenden Grenzen dieses Modells immer deutlicher zutage. Während migrantische Arbeit eine zentrale Rolle für den schwedischen Kapitalismus und die Reproduktion des Wohlfahrtsstaates spielt, wird sie systematisch von der politischen Repräsentation ausgeschlossen. Das Problem ist hierbei kein individuelles „Integrationsdefizit“, sondern liegt in der klassenspezifischen und staatsbürgerlichen Strukturierung der Demokratie selbst begründet.

Die Politik behauptet nach wie vor, sich um Begriffe wie Gleichheit, Solidarität und Demokratie zu formieren. Betrachtet man jedoch die politische Repräsentation der Migranten, die einen erheblichen Teil der Arbeiterklasse ausmachen, so scheinen diese Begriffe weitgehend entleert. Es gibt Wahlurnen, es gibt Stimmen; doch das Wort und die Entscheidungsgewalt liegen nach wie vor in den Händen einer schmalen Schicht.

Heute machen im Ausland Geborene etwa 20 Prozent der schwedischen Bevölkerung aus. In der Industrie, im Pflegesektor, im Verkehrswesen und im Gesundheitswesen – also dort, wo die Räder des Landes am Laufen gehalten werden – stellen migrantische Arbeiter einen entscheidenden Anteil. In Stockholm steigt dieser Wert sogar auf bis zu 23 Prozent. Demgegenüber liegt der Anteil von Abgeordneten mit Migrationshintergrund in den Regionalparlamenten lediglich bei etwa 3 Prozent. Dieses Bild zeugt nicht von einer Frage der Anpassung, sondern offenbart ein eklatantes Klassen- und Repräsentationsproblem.

Auch wenn Migranten mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung auf lokaler und regionaler Ebene das aktive und passive Wahlrecht genießen, bleibt die nationale Politik weitgehend ein geschlossener Raum. Die Staatsbürgerschaft als Voraussetzung für ein Abgeordnetenmandat schließt Hunderttausende Werktätige, die seit Jahren in diesem Land leben, arbeiten und gewerkschaftlich organisiert sind, von den nationalen Entscheidungsprozessen aus. Dieser Zustand ist kein Indikator für Demokratie, sondern für eine selektive Repräsentation.

Das Erfordernis der Staatsbürgerschaft fungiert hierbei nicht bloß als juristisches Kriterium, sondern als Mechanismus, der die klassenmäßige Repräsentation filtert. Während migrantische Arbeiter Teil des Produktionsprozesses sind und in Gewerkschaften sowie bestimmten Bereichen der Lokalpolitik ihren Platz finden, werden sie auf nationaler Ebene aus den Machtmechanismen herausgehalten. Um es mit Nicos Poulantzas zu sagen: Diese Situation pfercht die migrantische Arbeit in eine Position ein, die zwar „repräsentativ, aber machtlos“ ist. Während die Demokratie formal fortbesteht, verengt sich ihr klassenspezifischer Gehalt zusehends.

In einem politischen Klima, in dem die extreme Rechte aufsteigt und Migranten zur direkten Zielscheibe macht, gewinnt dieses Repräsentationsdefizit eine noch gefährlichere Dimension. Der Kampf gegen Rassismus lässt sich nicht nur auf der Straße führen; er ist nur möglich, wenn Migranten in den Parlamenten, in den Kommunen und in den Entscheidungsmechanismen stark vertreten sind. Nicht repräsentierte Arbeit ist stets ein leichtes Ziel.

An diesem Punkt ist die historische Verantwortung der Linken und der Gewerkschaftsbewegung entscheidend. Eine Politik, die sich der migrantischen Arbeiter nur bei Streiks, Kundgebungen oder zu Wahlzeiten erinnert, kann keinen Anspruch auf Gleichheit erheben. Gleichheit bedeutet, dass dort, wo Arbeit ist, auch das Recht auf Mitsprache und Entscheidung bestehen muss.

Es ist funktional, die Diskussion über migrantische Repräsentation in den Rahmen von „Integration“ und „kultureller Anpassung“ zu zwängen. Das Problem ist nicht das fehlende Erkanntwerden, sondern der Ausschluss von Entscheidungsprozessen. Solange Anerkennung sich nicht mit Umverteilung und politischer Repräsentation verbindet, erzeugt sie keine demokratische Gleichheit; im Gegenteil, sie legitimiert bestehende Ungleichheiten.

Diese Exklusion wird auch über den städtischen Raum reproduziert. Wie Henri Lefebvre betonte, ist der Raum ein Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse. Der Ausschluss migrantischer Arbeit aus politischen Prozessen befeuert die räumliche Segregation und faktische Gettoisierung, die sich außerhalb der Stadtzentren ballt. Die im Rahmen des Miljonprogrammet errichteten Vorstädte haben sich mit der Transformation des Wohlfahrtsstaates in Areale verwandelt, in die migrantische Arbeit politisch und ökonomisch an die Peripherie gedrängt wurde.

Dieser Zustand, den Loïc Wacquant als „fortgeschrittene Marginalität“ bezeichnet, wird von der extremen Rechten als Ursache gesellschaftlicher Probleme dargestellt, obwohl er deren Ergebnis ist. Noch frappierender ist, dass diese Sprache nicht auf die extreme Rechte beschränkt bleibt; selbst Akteure, die sich links verorten, lassen ihre Politik von Begriffen wie „Anpassung“, „Problemviertel“ und einem sicherheitszentrierten Diskurs prägen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die politische Repräsentation von Migranten ist weder eine sekundäre Integrationsfrage noch ein technisches Partizipationsproblem. Sie ist ein fundamentaler Indikator, der den Klassencharakter der schwedischen Demokratie, die Grenzen des Bürgerschaftsregimes und die Aporien des Konsensmodells sichtbar macht. Ein wirklicher Kampf gegen Faschismus und Rassismus setzt voraus, Migranten von der Rolle passiver Wähler zu befreien und sie zu Entscheidungsträgern zu machen. Andernfalls wird die schwedische Demokratie eine unvollständige Demokratie bleiben, die einen Teil der Werktätigen außerhalb des Systems hält.

23 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Migranten als nationale Minderheit: Ein notwendiger Schritt für Deutschlands Demokratie

von Fremdeninfo 23 Dezember 2025
von Fremdeninfo

Uwe Schmidt/Berlin
„Ihr jahrelanger Kampf für die Belange von Migranten ist aus meiner Sicht von unschätzbarem Wert. In Europa, und insbesondere in Deutschland, führen Sie den notwendigen Kampf gegen Rassismus und Nationalismus mit großer Entschlossenheit. Ich weiß nur zu gut, wie steinig, gewunden und herausfordernd dieser Weg ist.

In einer Zeit, in der die deutsche Gesellschaft nach rechts rückt, ist es eine Tatsache, dass dieser Kampf sowohl schwieriger als auch entscheidender geworden ist. Ihre Bemühungen, die in allen gesellschaftlichen Bereichen ausgegrenzten, herabgesetzten und diskriminierten Migranten zu sensibilisieren, damit sie für ihre eigenen Belange eintreten, sind höchst anerkennenswert.

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, wird zwar theoretisch akzeptiert, doch in der Praxis werden die entsprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt. Dieser Status bleibt oft nicht mehr als ein bloßer Slogan. Ich schließe mich der Theorie von Herrn Cumali Yağmur von Fremdeninfo, Migranten als eine ‚Minderheit‘ anzuerkennen und ihnen alle damit verbundenen Rechte zu gewähren, von ganzem Herzen an.

Migranten sind seit über einem halben Jahrhundert über verschiedene Generationen hinweg zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Dass diese Menschen noch immer nicht den Status einer Minderheit genießen, ist ein historischer Irrtum. Einige deutsche Politiker sind aufgrund ihrer nationalistischen, rassistischen und chauvinistischen Haltung derart verblendet, dass sie die Realität nicht mehr sehen können.

Es ist ein Phänomen, das begrüßt werden muss, dass Migranten in Deutschland trotz aller Hindernisse aus eigener Kraft aufsteigen und Erfolge erzielen. Diese Menschen, die trotz Ausgrenzung um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen, sollten gewürdigt werden. Der Weg, um die Ziele rechter und faschistischer Parteien, die ihre Strategien auf Migrantenfeindlichkeit aufbauen, zunichtezumachen, besteht darin, Migranten als Minderheit anzuerkennen und ihnen alle demokratischen Rechte zu gewähren. Den Migranten diese Rechte aus Angst vor Wählerverlusten vorzuenthalten, ist mit demokratischen Werten nicht vereinbar.

Deutschland muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen; diese Fehler dürfen sich niemals wiederholen. Solange man die im Land lebende migrantische Minderheit schützt und unterstützt, kann sie vollends in die Gesellschaft integriert werden. Wer Migranten ausgrenzt, grenzt letztlich sich selbst aus und isoliert sich. Für die Institutionalisierung der Demokratie und um ein Abdriften der Gesellschaft nach rechts zu verhindern, fungieren Migranten als eine Art ‚Puffer‘. Der gemeinsame Kampf für die Demokratie – zusammen mit der 25 Millionen Menschen starken migrantischen Bevölkerung – gegen das Erstarken faschistischer Parteien in Deutschland ist der einzige Weg, die Demokratie zu bewahren.

Warum verweigert Deutschland den Migranten diese Rechte, während es anderen Minderheiten im Land Minderheitenrechte zugesteht? Das ‚Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten‘ sollte auch auf Migranten Anwendung finden.

Wir müssen die von Herrn Yağmur angestoßene Debatte konsequent gemeinsam weiterführen, um zu erreichen, dass dieses Rahmenübereinkommen des Europarates auch für Migranten anerkannt wird. Sollte dies auf politischem Wege nicht gelingen, müssen wir bereit sein, bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen, um dies durchzusetzen.

Ich werde den Lesern im Folgenden erläutern, was das ‚Rahmenübereinkommen des Europarates zum Schutz nationaler Minderheiten‘ beinhaltet und welche Volksgruppen es derzeit offiziell als Minderheiten anerkennt.“

Nationales und internationales Minderheitenrecht

Der Schutz der nationalen Minderheiten in Deutschland sowie ihrer Sprachen wird durch Vorschriften des deutschen Rechts als auch durch internationale Abkommen gewährleistet.

 

Inhaltsverzeichnis

  • Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten
  • Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
  • Umsetzung der Sprachencharta
  • Bundestagswahlrecht und Parteienrecht
  • Roma-Strategie der Europäischen Union

Unsere Verfassung verbietet jede Form von Diskriminierung wegen der Sprache oder auf Grund von Heimat und Herkunft (Artikel 3 Abs. 3 Satz 1 Grundgesetz). Daran sind neben der Gesetzgebung auch die Verwaltung auf allen staatlichen Ebenen sowie die Rechtsprechung gebunden. Bereits dadurch sind Minderheiten in Deutschland geschützt. Darüber hinaus gibt es weitere Regelungen und Vereinbarungen.

Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten

Externer LinkÜbersicht der Berichte der Bundesrepublik Deutschland zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten und Stellungnahmen des Europarates

zur Webseite

Das Übereinkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten verbietet jede Diskriminierung einer Person wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit. Ebenso schützt es die Angehörigen dieser Minderheiten vor einer Assimilierung gegen ihren Willen. Ferner verpflichtet es die Mitgliedstaaten zum Schutz der Freiheitsrechte und zu umfänglichen Fördermaßnahmen zu Gunsten der nationalen Minderheiten.

Für Deutschland ist das Rahmenübereinkommen am 1. Februar 1998 in Kraft getreten und hat Geltung im Rang eines Bundesgesetzes.

Die Unterzeichnerstaaten müssen innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten den Europarat umfassend über die Umsetzung informieren. Danach müssen sie alle fünf Jahre Bericht erstatten. Ein beratender Ausschuss unabhängiger Experten unterstützt den Europarat bei seinen Kontrollaufgaben.

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Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen

Traditionell in einem Staat gesprochene Minderheiten– und Regionalsprachen sollen mit der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen als bedrohter Aspekt des europäischen Kulturerbes geschützt und gefördert werden.

In Deutschland werden sechs Minderheitensprachen nach der Sprachencharta geschützt:

  • Dänisch
  • Nordfriesisch
  • Saterfriesisch
  • Romanes
  • Niedersorbisch
  • Obersorbisch

Als eigenständige Sprache ebenfalls geschützt wird die Regionalsprache Niederdeutsch, die in acht der sechzehn deutschen Bundesländer gesprochen wird.

Die nach der Sprachencharta vorgesehenen staatlichen Maßnahmen beziehen sich etwa auf verschiedene Lebensbereiche.

Dazu gehören folgende Maßnahmen:

  • Unterricht der Sprache und in der Sprache
  • Verwendung der Regional- oder Minderheitensprachen vor Verwaltungsbehörden
  • Nutzen der Sprache in Rundfunk und Presse, bei kulturellen Tätigkeiten und Einrichtungen sowie im wirtschaftlichen und sozialen Leben

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Umsetzung der Sprachencharta

Die Unterzeichnerstaaten haben die Möglichkeit, aus den oben genannten Lebensbereichen zwischen mehreren Verpflichtungen zu wählen. Jede Vertragspartei muss dabei mindestens 35 Paragrafen oder Absätze aus den in der Sprachencharta aufgeführten Verpflichtungen anwenden.

Für die Umsetzung der Sprachencharta sind in der Bundesrepublik Deutschland vor allem die Länder und nur in geringem Umfang der Bund zuständig. Vor der Unterzeichnung der Sprachencharta durch die Bundesrepublik Deutschland wurde daher den Ländern die Möglichkeit eröffnet, sich angepasst an die unterschiedlichen Lebensbedingungen der einzelnen Minderheiten– und Sprachgruppen vor Ort situationsgerecht zur Umsetzung einzelner Maßnahmen zu verpflichten. Die Verpflichtungen der jeweiligen Länder variieren daher im Detail – je nach der dort angesiedelten Minderheit und/oder Sprachgruppe.

Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen ist ebenfalls ein Abkommen des Europarats. Sie trat am 1. Januar 1999 für Deutschland in Kraft. Wie das Rahmenübereinkommen gilt die Sprachencharta in Deutschland als Bundesgesetz. Deutschland muss wie alle übrigen Unterzeichnerstaaten dem Europarat alle drei Jahre, ab Juli 2021 alle fünf Jahre, einen Bericht über die Umsetzung der Sprachencharta vorlegen. Der Europarat wird bei seinen Kontrollaufgaben durch einen Sachverständigenausschuss unterstützt.

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Bundestagswahlrecht und Parteienrecht

Die sogenannte Fünfprozentklausel besagt, dass bei Bundestagswahlen bei der Verteilung der Sitze auf die Landeslisten nur die Parteien berücksichtigt werden, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten haben. Diese Regelung gilt für Parteien nationaler Minderheiten nicht (§ 4 Abs. 2 Satz 3 Bundeswahlgesetz).
Im Bundeswahlgesetz wurden zudem für die Kreiswahlvorschläge und die Landeslisten von Parteien nationaler Minderheiten Sonderregelungen im Hinblick auf das Erfordernis von Unterstützungsunterschriften getroffen (§ 20 Abs. 2 Satz 4, § 27 Abs. 1 Satz 4 Bundeswahlgesetz).

Nach dem Parteiengesetz werden Parteien nationaler Minderheiten bei der staatlichen Finanzierung sowie beim Sammeln ausländischer Spendengelder privilegiert (§ 18 Abs. 4 Satz 3, § 25 Abs. 2 Nr. 3b Parteiengesetz).

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Roma-Strategie der Europäischen Union

Externer LinkGleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma in der EU

zur Webseite der Europäischen Kommission

Die Europäische Kommission hat unter deutscher Ratspräsidentschaft im Oktober 2020 einen neuen strategischen EU-Rahmen zur Gleichstellung, Inklusion und Teilhabe der Roma bis 2030 vorgelegt.

In Ergänzung hierzu hat das Bundeskabinett am 23. Februar 2022 das nationale Handlungskonzept „Antiziganismus bekämpfen, Teilhabe sichern!“ beschlossen.

Über dessen Umsetzung informiert die Bundesregierung ab 2023 alle zwei Jahre im Rahmen eines Berichtes. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) schreibt das nationale Handlungskonzept fort und koordiniert die Erstellung der Berichte.

23 Dezember 2025 0 Kommentare
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Kultur

Zwischen Tannenbaum und Tradition:

von Cumali Yağmur 22 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

 

Von Cumali Yagmur

 Frage – Cumali Yağmur: Feiern Sie das Weihnachtsfest?

Muharrem Aslan: In unserer Kultur gibt es keine Tradition des Weihnachtsfestes. Da unsere Kinder jedoch hier geboren und aufgewachsen sind, sind sie in Kindergärten und Schulen innerhalb dieser Kultur großgeworden. Sie sind in der deutschen Gesellschaft aufgewachsen. Die Weihnachtsfeiern, die sie bei ihren Freunden sehen, gefallen ihnen auch. Sie leben genau wie die deutschen Kinder: Sie schmücken den Tannenbaum und warten auf Geschenke unter dem Baum. Da sie in der deutschen Gesellschaft leben, versuchen sie das, was sie dort gelernt haben, auch zu Hause umzusetzen.

Wenn sich die Lebensumstände ändern, ist es unvermeidlich, dass eine solche Situation entsteht. Der Ort, an dem ein Mensch lebt, bestimmt auch seine Kultur. Da Kultur kein statisches Phänomen ist, befindet sie sich in ständigem Wandel. Man kann den kulturellen Wandel nicht aufhalten. Der Veränderungsprozess ist so, wie man sagt: „Das Wasser bahnt sich seinen Weg.“

Cumali Yağmur: Stört es Sie nicht, dass die Kinder Weihnachten feiern?

Muharrem Aslan: Das sind kulturelle Veränderungen, die sich außerhalb unseres Einflusses entwickeln; das müssen wir akzeptieren. Ob wir wollen oder nicht, die neuen Generationen nehmen die hiesige Kultur an, weil sie hier geboren sind und aufwachsen. Auch wenn uns diese Situation vielleicht missfällt, müssen wir die Zukunft der Kinder und ihre kulturelle Wandlung akzeptieren.

Cumali Yağmur: Müssen Sie sich an jede Kultur anpassen?

Muharrem Aslan: Gegen einen freiwilligen kulturellen Austausch ist nichts einzuwenden. Wichtig ist es, die positiven Aspekte jeder Kultur zu übernehmen und gegen die negativen Aspekte anzukämpfen. Mit den positiven Seiten jeder Kultur kann eine weltweit gültige, universelle kulturelle Struktur geschaffen werden. So wie Kultur kein Privateigentum einer einzelnen Nation ist, nimmt man von jeder Kultur das Wertvolle an. Man sollte sich dem nicht widersetzen und sogar die heute gültigen Aspekte verschiedener Kulturen akzeptieren.

Cumali Yağmur: Glauben Sie, dass Ihre eigene Kultur verloren geht?

Muharrem Aslan: Kulturen verschwinden nicht, sie unterliegen einem ständigen Wandel; man muss diesen Wandel akzeptieren. Heutzutage hat sich die Technologie weiterentwickelt; Techniken, die gestern noch galten, nutzen wir heute nicht mehr. Mit dem Fortschritt der Technik und dem „Kleinerwerden“ der Welt können die Menschen stärker zusammenwachsen. Dieses Zusammenwachsen bringt neue kulturelle Synthesen mit sich. In den europäischen Ländern, in denen wir leben, gibt es Menschen aus der ganzen Welt. Diese Menschen kommen aus unterschiedlichen kulturellen Strukturen. Das muss man als Reichtum der europäischen Kultur akzeptieren. Jeder muss seine eigenen Vorurteile ablegen und offen für jede Kultur sein. Die europäischen Kulturen müssen ihre Hegemonie über die Migrantenkulturen aufgeben.

Cumali Yağmur: Bleiben Sie hinter der Kultur zurück, die sich in der Türkei entwickelt?

Muharrem Aslan: Wir können hier mit den kulturellen Strukturen und Entwicklungen in der Türkei nicht ganz Schritt halten. Während sich die kulturellen Werte in der Türkei weiterentwickeln, können wir als die in Europa lebende türkische und kurdische Gemeinschaft diese Entwicklungen nicht vollständig mitvollziehen. Wir leben in Europa mit einer „Migrantenkultur“. Es ist nicht möglich, dass die Migrantenkultur exakt dieselbe ist wie die Kultur in den Herkunftsländern. Wir versuchen, mit den Kulturen zu leben, die wir mitgebracht haben.

Die neuen Generationen jedoch haben sich völlig verändert und leben außerhalb der von uns mitgebrachten „türkischen und kurdischen Kultur“. Dem kann man sich nicht widersetzen; wir müssen diese Situation akzeptieren. Obwohl junge Menschen mit Migrationshintergrund in Europa ein untrennbarer Teil der europäischen Kultur sind, werden sie nicht vollends akzeptiert. Dieser kulturelle Konflikt ist unvermeidlich, solange die europäischen Gesellschaften diese Jugendlichen herabsetzen und diskriminieren. Eine Kultur, die eine andere Kultur verspottet, unterdrückt und demütigt, kann niemals von sich behaupten, frei zu sein.

Cumali Yağmur: Sehr geehrter Herr Muharrem Aslan, ich danke Ihnen für diese Informationen.

22 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Gefälschte Sprachzertifikate tauchen in Niedersachsen auf

von Fremdeninfo 22 Dezember 2025
von Fremdeninfo

 Artikel von dpa

Bei Einbürgerungsverfahren sind in einzelnen niedersächsischen Kreisen und kreisfreien Städten zuletzt gefälschte oder unrechtmäßig erworbene Sprachzertifikate aufgefallen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter rund 50 Kommunen in Niedersachsen.

Voraussetzung für die deutsche Staatsbürgerschaft sind Deutschkenntnisse auf dem Niveau B1. Damit sollen Antragstellerinnen und Antragssteller nachweisen, dass sie ihren Alltag selbstständig auf Deutsch bewältigen können.

Wie Fälschungen in Hannover auffielen

In der Region Hannover sind Fälle, in denen die tatsächlichen Deutschkenntnisse nicht dem bescheinigten Niveau des vorgelegten Sprachzertifikats entsprechen, nach Angaben der Verwaltung selten.

Meist handele es sich um gefälschte Sprachzertifikate, die früh im Verfahren erkannt würden, sagte ein Sprecher der Kommune. Im laufenden Jahr seien acht Fälschungen festgestellt worden, im vergangenen Jahr 29. Die Dokumente fielen demnach meist vor Erstgesprächen auf – etwa wegen auffälliger Schriftarten, ungewöhnlicher Layouts oder falscher Siegel der Prüfstellen.

Verständigungsschwierigkeiten seien nicht automatisch ein Hinweis auf Täuschung, oft spiele Nervosität eine Rolle, sagte der Sprecher. Eine Statistik zu sogenannten Stellvertreterprüfungen – also Sprachtests, die mutmaßlich von anderen Personen abgelegt wurden – führt die Region Hannover nach eigenen Angaben nicht.

Schwierige Verständigung bei guten Sprachzertifikaten

In Oldenburg passte nach einer internen Auswertung in 15 Verfahren im laufenden und im vergangenen Jahr das tatsächliche Sprachniveau nicht zu den vorgelegten Sprachzertifikaten. Als mögliche Ursachen nannte die Stadt den Kauf gefälschter Dokumente sowie Stellvertreterprüfungen.

In einzelnen Fällen wurden dabei sogar gute oder sehr gute Sprachzertifikate vorgelegt, obwohl eine Verständigung im persönlichen Gespräch kaum möglich gewesen sei, teilte die Stadt mit. Insgesamt seien bislang vier Stellvertreterprüfungen festgestellt worden. In 21 Verdachtsfällen hätten sich nach Überprüfungen 11 Sprachzertifikate als Fälschungen erwiesen.

Insgesamt betreffen Täuschungsversuche nur einen kleinen Teil der Einbürgerungsanträge. Im laufenden Jahr gab es in der Region Hannover und der Stadt Oldenburg vergleichsweise 3.464 (Stand 9. Dezember) und 1.267 (Stand 15. Dezember) Anträge.

Wo keine Fälle bekannt sind

Andere Kommunen wie Cuxhaven, Wittmund, Grafschaft Bentheim, Holzminden und Osterholz meldeten hingegen im laufenden oder vergangenen Jahr keine Fälschungen oder Täuschungen bei Sprachzertifikaten. Wenige Kreise führten über diese Fälle keine Statistik.

Unabhängig davon ermittelt die Polizei bundesweit wegen des Handels mit gefälschten Sprachzertifikaten. Dabei geht es um Angebote, für die unter anderem in sozialen Medien geworben wird. Nach Recherchen von «Stern» und RTL lassen sich falsche Zertifikate demnach für rund 1.500 Euro über Plattformen wie Tiktok bestellen. Entsprechende Hinweise liegen niedersächsischen Kommunen nicht vor.

Laut einer Sprecherin des Landkreises Holzminden gab es in diesem Jahr lediglich einen anonymen Hinweis, dass in einem Fall die Fragen und Antworten der Sprachprüfung über die Plattform Telegram käuflich erworben wurden. Dazu liegen allerdings noch keine weiteren Erkenntnisse vor.

Künftig zehn Jahre Einbürgerungssperre möglich

Bei nachgewiesenen Fälschungen werden Einbürgerungsanträge abgelehnt und Strafanzeigen gestellt. Wer im Einbürgerungsverfahren täuscht oder unvollständige Angaben macht, soll künftig zehn Jahre lang nicht mehr deutsche Staatsbürger werden können. Das sieht ein Gesetzentwurf zur Einstufung sicherer Herkunftsländer vor, die der Innenausschuss des Bundestags Anfang Dezember beschlossen hat.

Um Fälschungen schneller zu erkennen, haben einige Kommunen ihre Prüfverfahren verschärft. In Oldenburg erhielten Mitarbeitende nach Angaben einer Sprecherin flächendeckende Schulungen, zudem sollen neue Prüfungsmaterialien eingesetzt werden.

QR-Codes führen zu gefälschten Websites

Um Missbrauch zu erschweren, setzen einige Sprachschulen auf zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Nach Angaben einer Sprecherin des Landkreises Hameln-Pyrmont versehen sie Sprachzertifikate etwa mit QR-Codes, die auf die Website des jeweiligen Anbieters führen. Mittlerweile erstellen Betrüger allerdings auch gefälschte Webseiten, die den Originalseiten täuschend ähnlich sehen.

Verhindern lassen sich Fälschungen seitens der Einbürgerungsbehörde nicht, teilte eine Sprecherin des Landkreises Rotenburg mit. Die Behörde könne jedoch mit besserer Verifikation entgegenwirken, hieß es

22 Dezember 2025 0 Kommentare
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Politik

Das Regime der justiziellen Vernichtung: Neue Angriffe im Schatten der globalen Krise

von Can Taylan Tapar 21 Dezember 2025
von Can Taylan Tapar

Die Geschwindigkeit und Härte, mit der das Erdoğan-Regime in den letzten Tagen oppositionelle Stimmen mithilfe der Justiz zerschlägt, überraschen nicht mehr – doch sie schüren die Wut. Dieser autoritäre Sprung ist kein zufälliger Wutausbruch, sondern die neue und härteste Phase der faschistoiden Institutionalisierung des Regimes.

Der Griff der Justiz und zum Schweigen gebrachte Journalisten

Die Ereignisse der letzten zehn Tage sind der Beweis dafür, dass die Pressefreiheit systematisch „vernichtet“ werden soll. Die Chronologie deutet auf ein beängstigendes Tempo hin:

  • 11. Dezember: Der Journalist Enver Aysever wurde aufgrund einer Kritik am „Rechtsextremismus“ und seiner soziologischen Feststellungen in einem Interview verhaftet. Die zugrundeliegende Logik brandmarkt säkulare Kritik als „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindschaft“. Indem Aysever auf die Rolle des Rechtsextremismus bei der gesellschaftlichen Zersetzung hinwies, rührte er an das ideologische Schutzschild des Regimes.

  • 19. Dezember: Der Journalist Levent Gültekin wurde unter dem Vorwand der „Desinformation“ festgenommen. Damit hat das Regime erneut deklariert, dass es kritische Kommentare als „Fake News“ etikettiert und die Zensur faktisch legalisiert hat.

  • 20. Dezember: Ironischerweise wurde auch der AKP-nahe Journalist Zihni Çakır verhaftet. Dies zeigt, dass das Regime selbst „Abweichungen“ in den eigenen Reihen nicht mehr toleriert, der Loyalitätstest verschärft wurde und das System begonnen hat, seine eigenen Anhänger zu fressen.

Fügt man diesem Bild den wegen Spionagevorwürfen inhaftierten Merdan Yanardağ, den zu 4 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilten und weiterhin inhaftierten Fatih Altaylı sowie die Operationen gegen Şaban Sevinç und Yavuz Oğhan hinzu, wird das Panorama klarer. Laut dem Bericht von Reporter ohne Grenzen (RSF) vom Dezember 2025 wurden in der Türkei im letzten Jahr 20 Verhaftungen, drei Hausarrest-Anordnungen und Dutzende gerichtliche Kontrollmaßnahmen gegen Journalisten verhängt. Unser Land stellt einen erheblichen Teil der weltweit inhaftierten Journalisten.

Das Erdoğan-Regime ist ein Klassenprojekt

Betrachtet man die Situation im Lichte des historischen Materialismus, so ist das Erdoğan-Regime ein Apparat, der konstruiert wurde, um die Interessen der Bourgeoisie zu schützen und die werktätigen Massen unter Druck zu halten. Die Unabhängigkeit der Justiz ist längst eine Illusion. Jene Mentalität, die seit den Ergenekon- und Balyoz-Prozessen mit fingierten Beweisen, geheimen Zeugen und medialen Lynchkampagnen die Unschuldsvermutung mit Füßen tritt, wendet diese Methoden heute in noch raffinierterer Form gegen die Opposition an. Das Wegsehen beim juristischen Mord seit der Einstellung der Korruptionsermittlungen vom 17. bis 25. Dezember hat das Fundament für das heutige Bild gelegt.

Um seine mit religiös-konservativen Codes verwobene Hegemonie zu schützen, zerstört das Regime den Boden für rationale Diskussionen. Das „Desinformationsgesetz“ und der Knüppel der Justiz dienen eigentlich dazu, zu verhindern, dass die werktätigen Massen die Wahrheit erkennen; sie dienen dazu, die Korruption, das Schmelzen des Mindestlohns angesichts der Inflation sowie die steigende Arbeitslosigkeit und Armut zu verschleiern. Denn je mehr die kritischen Medien zum Schweigen gebracht werden, desto reibungsloser funktionieren die Ausbeutungsmechanismen.

Die Liquidierung der Politik: Von den Rathäusern in die Zellen

Der Angriff beschränkt sich nicht nur auf Journalisten; auch der politische Raum wird verengt.

  • Lokalverwaltungen: Die nacheinander eröffneten Verfahren und Haftandrohungen gegen den Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu sowie die Operationen gegen oppositionelle Stadtverwaltungen wie in Adana zielen darauf ab, eine „arbeitnehmerorientierte“ Politik in den Lokalverwaltungen zu untergraben. Das Ziel ist es, sicherzustellen, dass die lokalen Ressourcen nicht der Bevölkerung, sondern den Kapitalgruppen der zentralen Macht zufließen.

  • Kurdische Politik und die Linke: Der Knüppel des Regimes trifft am härtesten die kurdischen Politiker. Die jahrelange Inhaftierung von Selahattin Demirtaş, die willkürliche Ablehnung des Antrags von Selçuk Mızraklı auf Verlegung in den offenen Vollzug und die Verhinderung der Freilassung von Figen Yüksekdağs Zellengenossin Gazel Bulut zeigen, wie sich das Recht in ein „Racheinstrument“ verwandelt hat.

Imperialistische Widersprüche und das vom Westen geschaffene Vakuum

Warum gewinnt dieser autoritäre Sprung gerade jetzt an Fahrt? Die Antwort liegt in dem internationalen Vakuum und den imperialistischen Widersprüchen, die Erdoğan meisterhaft nutzt.

  • Der Trump-Effekt: Die Rückkehr von Donald Trump in das US-Präsidentenamt und seine „America First“-Politik lockern den menschenrechtlichen Druck auf die Türkei. Washington sieht Erdoğan als ein „ausgleichendes Element“ im Nahen Osten.

  • Die Krise Europas: Während der Ukraine-Russland-Krieg Europa in eine Energie- und Sicherheitskrise stürzt, verschafft sich Erdoğan einerseits durch Energieabkommen mit Russland eine wirtschaftliche Atempause und vermarktet andererseits die militärischen Kapazitäten der Türkei (Lage am Schwarzen Meer, Rüstungsindustrie) an den Westen.

  • Das Abkommen des Schweigens: Aufgrund von Sicherheitsbedenken gibt der Westen grünes Licht für Erdoğans internen Autoritarismus. Da die internationale Kontrolle schwächer wird, agiert das Regime im Inneren rücksichtsloser. Während Erdoğan seit Beginn des Krieges außenpolitisch als „Vermittler“ punktet, zerschlägt er im Inneren die Opposition.

Fazit: Der Ausweg aus der Dystopie ist Widerstand

Dass Erdoğan „Demokratie“-Reden schwingt, während er Journalisten in Zellen sperrt, wirkt wie aus einem dystopischen Roman; doch dieser Roman ist leider unsere Realität. Aber diese Repressionen sind zugleich ein Zeichen für die Schwäche und die Angst des Regimes.

Angesichts dieser Gesetzlosigkeit zu schweigen, wäre ein Sieg für das Regime. Diese Geschehnisse sind kein Schicksal, sondern eine verschärfte Phase des Klassenkampfes. Es ist notwendig, diese Ereignisse mit einer rationalen Haltung zu analysieren und sich von dogmatischen Ideologien zu lösen. Die Geschichte lehrt uns: Faschistoide Strukturen können nur durch kollektiven Widerstand gestürzt werden.

Mut bedeutet, die Wahrheit zu suchen und sie auszusprechen; sich nicht dem Sieg der vorübergehenden Lügen zu beugen. Das Erdoğan-Regime kann dieses globale Vakuum nicht ewig ausnutzen; denn diejenigen, die auf der Seite der Arbeit stehen, werden früher oder später Rechenschaft fordern.

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Flüchtlinge

Umfrage zu Dobrindts „Migrationswende“: Bei diesen Wählern ist die Zustimmung am größten

von Fremdeninfo 21 Dezember 2025
von Fremdeninfo

 

Artikel von dpa/Eva Maria Braungart/Berliner Zeitung 

Viele Menschen halten die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) angekündigte „Migrationswende“ grundsätzlich für sinnvoll. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergeben.

Auf die Frage, ob sie das von Dobrindt verfolgte Ziel einer Reduzierung der Zuwanderung von Asylsuchenden teilen, antworteten 53 Prozent der Befragten, dieses „voll und ganz“ zu befürworten. Weitere 23 Prozent der erwachsenen Bundesbürger befürworten dieses Ziel „eher“.Insgesamt 15 Prozent der Deutschen lehnen Dobrindts Kurs ganz oder eher ab. Neun Prozent der Befragten trauten sich in dieser Frage entweder kein Urteil zu oder machten keine Angabe.Den größten Anteil von Befürwortern des Ziels, die Asylzuwanderung zu reduzieren, findet sich laut Umfrage unter den Menschen, die bei der zurückliegenden Bundestagswahl die AfD gewählt haben. Überdurchschnittlich groß ist der Anteil derjenigen, die hier „voll und ganz“ zustimmen, auch bei Wählern von CDU und CSU sowie von BSW und FDP. Etwas geringer sind die Werte hier bei den SPD-Wählern von SPD, deutlich geringer bei den Anhängern von Grünen und Linke. Für Dobrindts „Migrationswende“ sprechen sich tendenziell mehr ältere als jüngere Menschen aus.Der Bundesinnenminister hatte nach seinem Amtsantritt im Mai eine Intensivierung der von seiner Vorgängerin, Nancy Faeser (SPD), angeordneten Kontrollen an allen deutschen Landgrenzen verfügt. Außerdem gab er die Order, auch Asylbewerber an den Grenzen zurückzuweisen – mit Ausnahme von Schwangeren, Kranken und anderen Menschen, die vulnerablen Gruppen angehören.Auf EU-Ebene setzt sich Dobrindt für verschärfte Regeln ein, die eine Auslagerung von Asylverfahren in Staaten außerhalb der Europäischen Union ermöglichen und sogenannte Rückkehrzentren (Return Hubs) erlauben, in die ausreisepflichtige Asylbewerber gebracht werden, die nicht in ihre Heimat- oder Herkunftsländer abgeschoben werden können. Allerdings müssten für beide Maßnahmen erst noch Staaten gefunden werden, die solche Einrichtungen auf ihrem Territorium akzeptieren.Dazu, ob die angekündigte „Migrationswende“ der Bundesregierung tatsächlich vollzogen wird, gibt es ein vielfältiges Meinungsbild. Lediglich acht Prozent der Befragten sehen demnach eine „deutliche Kursänderung“. Eine „leichte Kursänderung“ wird von 38 Prozent der Bundesbürger wahrgenommen. 42 Prozent der Deutschen erkennen keine Änderung des Kurses der Bundesregierung in der Migrationspolitik. Mehr als jeder Zehnte (zwölf Prozent) mag dies entweder nicht beurteilen oder antwortete nicht auf diese Frage. An der Umfrage nahmen zwischen dem 12. Dezember und dem 15. Dezember mehr als 2100 Wahlberechtigte teil.Nach Angaben des Bamf wurden von Januar bis Ende November 2025 insgesamt 157.436 Personen als Asylsuchende registriert, davon 106.298 mit einem Erstantrag und 51.138 mit einem Folgeantrag. Die Zahl der Erstanträge liegt damit zwar um 51 Prozent unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, als noch 216.861 Erstanträge gestellt wurden.

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Allgemein

Die Früchte des Kampfes: Ein Abend im Zeichen kurdischer Identität

von Cumali Yağmur 20 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

Cumali Yagmur

Am 19. Dezember 2025 fand im Hannover Kuppelsaal ein Konzert mit kurdischen Künstlern statt, das von einem erlesenen und zahlreichen Publikum besucht wurde. Die Zuschauer, die sich mit den von den Künstlern vorgetragenen Liedern identifizierten, erlebten eine Welle der Begeisterung. Das kurdische Volk, das sich jahrelang nach seiner eigenen Kultur gesehnt hatte, verschmolz an jenem Abend in einer tief empfundenen, von Herzen kommenden Emotionalität.

Angesichts der intensiven Zuneigung, die ihnen die Menge entgegenbrachte, sangen die Künstler ihre Lieder mit großer Leidenschaft. Melodien, die sie jahrelang nicht frei vor großen Menschenmengen singen durften, schrien sie an jenem Abend so heraus, wie es ihnen aus dem Herzen kam. Dass alle namhaften Künstler der Region zusammenkamen und ihre Lieder ausschließlich in kurdischer Sprache vortrugen, erfüllte die Zuhörer mit großer Freude.

Die jahrelang unterdrückte kurdische Kunst und Literatur wurde in der Vergangenheit oft so dargestellt, als sei sie die gemeinsame Kunst der gesamten Türkei. Doch an jenem Abend wehte sowohl bei den Künstlern als auch beim Publikum ein Hauch, als begänne eine neue Ära. Die Früchte des jahrzehntelangen Kampfes der kurdischen Bewegung waren an jenem Abend sowohl bei den Künstlern als auch bei den Massen deutlich spürbar.

Obwohl der anhaltende Druck sowie die Verhaftungen gegen Kurden, ihre Künstler und Intellektuellen in der Türkei bedauerlicherweise zeitweise immer noch andauern, machten all diese Widrigkeiten an jenem Abend einer fast schon feiertagsähnlichen Stimmung Platz. Die fünfzigjährige Erfahrung der kurdischen Bewegung schuf im Zusammenschluss mit den Künstlern eine positive und kraftvolle Atmosphäre.

Als das Volk am Ende des Konzerts die Bühne stürmte, fielen sich Künstler und Zuhörer in die Arme. In einer Atmosphäre wahrer Festlichkeit erlebten die Menschen in Schönheit und Einigkeit einen unvergesslichen Abend. Diese bedeutungsvolle Nacht endete auf eine Weise, die tiefe Spuren in den Herzen hinterließ und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

20 Dezember 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Gedenken an das Massaker von Maraş

von Cumali Yağmur 19 Dezember 2025
von Cumali Yağmur

Turgut Öker

Vor 47 Jahren, zwischen dem 19. und 26. Dezember 1978, wurde in Maraş ein barbarischer Völkermord begangen. Hunderte von Kindern, Jugendlichen und alten Menschen – unschuldige Aleviten, die in Maraş lebten – wurden grausam ermordet.

Während des Völkermords wurden Revolutionäre, Aleviten und die Opfer selbst, die unter Einsatz ihres Lebens bis zum Äußersten Widerstand leisteten, um noch mehr Morde zu verhindern, vor Gericht gestellt und jahrelang in Gefängnissen dem Verfall preisgegeben. Der Rädelsführer des Völkermords, Ökkeş Şendiller, wurde hingegen zum Abgeordneten ernannt, während die anderen barbarischen Angreifer einer nach dem anderen belohnt wurden. Das heißt, die Mörder wurden zu Helden verklärt und die Ermordeten zu Schuldigen erklärt.

Warum wurde all dies getan?
Damit dieses Land von Imperialisten bis in seine tiefsten Strukturen hinein ungehindert ausgebeutet werden kann…
Damit das Land von einer militärfaschistischen Diktatur regiert wird…
Damit alle revolutionären Kräfte liquidiert werden und das Land der Herrschaft von islamistisch-reaktionären Kräften überlassen wird, die sich nach dem Mittelalter sehnen…

Und leider haben sie ihre Ziele erreicht. Die in Maraş lebende alevitische Gemeinschaft war gezwungen, ihre Heimat, ihre Häuser und ihr Land zu verlassen und in andere Länder zu fliehen. Heute wurden auf dem Boden, den die Aleviten räumen mussten, militante Überreste von Al-Qaida und dem IS angesiedelt, die aus Syrien mitgebracht wurden.

Ganze 30 Jahre lang konnte im Stadtzentrum von Maraş, dem Ort des Völkermords, nicht einmal eine einzige Verurteilung der Taten ausgesprochen werden. Unserer Märtyrer konnte nicht gedacht werden.

Vor 17 Jahren organisierten wir mit einer Gruppe von Freunden zum ersten Mal eine Gedenkveranstaltung im Zentrum von Maraş. Reaktionär-faschistische Gruppen, organisiert von Ökkeş Şendiller, einem der Drahtzieher des Völkermords, griffen unsere Kundgebung an. Das Gouverneursamt nahm diesen Angriff zum Vorwand und erlaubt seit diesem Tag keine Gedenkfeiern mehr im Stadtzentrum. Es wird uns lediglich gestattet, im Garten unseres Cemevis in Yörükselim zu gedenken – ein Cemevi, dessen Bau wir angeführt haben, damit die alevitische Gemeinschaft nicht vollständig assimiliert wird.

Mit dieser Mentalität kann kein Fortschritt erzielt werden. Die Wunden der Türkei können nicht heilen, ohne dass man sich dem in der Vergangenheit erlittenen Schmerz stellt, ohne dass Friedensdenkmäler an den Orten des Völkermords errichtet werden und ohne dass alle Teile der Gesellschaft an diesen Gedenkfeiern teilnehmen und sich der erlebten Grausamkeit stellen. Erst wenn der Staat seine Verantwortung anerkennt, sich entschuldigt und die notwendigen Schritte unternimmt, werden die Wunden heilen und ein gesellschaftlicher Friede ermöglicht.

Wahre Geschwisterlichkeit kann nur mit einer Gesinnung aufgebaut werden, die sich den Tatsachen stellt, und nicht mit einer, die leugnet und vertuscht.

Deshalb werden wir, wie jedes Jahr, auch dieses Jahr am 20. Dezember – also morgen – in Maraş-Yörükselim sein. Wir werden unserer Märtyrer erneut gedenken.

Wir haben nicht vergessen.
Wir werden nicht vergessen lassen.

Cumali Yagmur

 „Heute ist der 19. Dezember; der Jahrestag des Massakers von Maraş in der Türkei. Die Ereignisse, deren Zündschnur durch den Bombenanschlag auf ein Kino in Maraş entfacht wurde, entwickelten sich zu einem organisierten Angriff auf alevitische Wohnviertel. In diesem Prozess, der offensichtlich im Voraus geplant war, wurden Gebiete mit hoher alevitischer Bevölkerungsdichte systematisch ins Visier genommen. Infolge dieser faschistischen Angriffe wurden 111 alevitische und linksorientierte Bürger ermordet.

Während eine ganze Stadt vor den Augen der Welt in Brand gesteckt wurde, waren ausschließlich Menschen alevitischen Glaubens das Ziel. Faschistische Banden stachelten die Bevölkerung mit Gräuelpropaganda und Demagogie wie „Die Aleviten organisieren sich, sie werden den Staat angreifen“ auf; mit Gruppen, die sie aus Dörfern und Städten zusammenzogen, richteten sie ein großes Blutbad an.

Dass die staatlichen Sicherheitskräfte diesen Angriffen tatenlos zusahen, vergrößerte das Ausmaß des Massakers noch weiter. Im historischen Verlauf vom Osmanischen Reich bis zur Republik waren Aleviten immer wieder Massakern ausgesetzt und ihr Eigentum wurde geplündert. In der Gründungsphase der Republik wurde eine Struktur übernommen, die unterschiedliche Identitäten und Glaubensrichtungen ausschloss. Obwohl den Aleviten „Brüderlichkeit“ versprochen wurde, wurde der sunnitische Glaube durch Institutionen wie das Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) innerhalb der Staatsstruktur offiziell institutionalisiert. Obwohl Aleviten ihre bürgerlichen Pflichten erfüllen und ihre Steuern zahlen, werden ihnen grundlegende Rechte und Freiheiten weiterhin vorenthalten.“

19 Dezember 2025 0 Kommentare
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