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Flüchtlinge

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Rassismus

Saka, Rashford und Sancho: Wieder England, wieder Rassismus

von Fremdeninfo 23 Juli 2021
von Fremdeninfo

Saka, Rashford und Sancho: Wieder England, wieder Rassismus

Von

 Dpa- dtj-online

–

13.07.2021

 

 beleidigenden Schriftzug auf dem Wandbild von Manchester United-Stürmer und England-Spieler Marcus Rashford an der Wand des Coffee House Cafe in der Copson Street, Withington, befestigt wurden. Das Wandbild wurde am Morgen nach der Niederlage der englischen Fußballmannschaft zerstört. Mit Empörung und Entsetzen haben Politik, Fußballverband und Gesellschaft in Großbritannien auf rassistische Beleidigungen gegen die englischen Elfmeter-Fehlschützen im EM-Finale reagiert. Foto: Martin Rickett/PA Wire/dpa

Tausende feiern im Wembley-Stadion während des Finales friedlich. Doch es gibt auch die andere Seite. Vor und in der Arena wird randaliert, es gibt etliche Festnahmen. Und wieder hat der englische Fußball mit Rassismus zu kämpfen.

Die Spuren des Chaos einer unrühmlichen englischen Fußball-Nacht waren nicht zu übersehen. Vor dem Wembley-Stadion bot sich den letzten Enttäuschten auf dem Weg nach Hause ein Meer aus kaputten Bierdosen und sonstigem Abfall, auch um den Trafalgar Square und Piccadilly Circus türmte sich in der Nacht der Müll. Die Londoner Polizei meldete am Montag knapp zwei Dutzend verletze Beamte, der englische Verband FA verurteilte, dass Fans versucht hatten, das Finalstadion zu stürmen – und die niedergeschlagenen Spieler in den Sozialen Medien rassistisch beleidigt wurden.

Prinz William: „Abscheulich“

Prinz William sprach am Montag von inakzeptablem und „abscheulichem Verhalten“. „Es muss jetzt aufhören, und alle Beteiligten sollten zur Rechenschaft gezogen werden“, twitterte der Queen-Enkel. Die rassistischen Kommentare würden ihn „krank“ machen. Beim 2:3 im Elfmeterschießen gegen Italien hatten Bukayo Saka (19) als letzter Schütze und vor ihm Jadon Sancho (21) und Marcus Rashford (23) verschossen.

„Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist“, teilte die FA mit, der Prinz William vorsteht. „Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen und drängen zugleich auf die härtest möglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist.“ Die Londoner Polizei kündigte Ermittlungen an.

Die englischen Spieler waren vor allen ihren EM-Spielen auf ein Knie gegangen, um ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung zu setzen. Der britische Regierungschef Boris Johnson und seine Innenministerin Priti Patel hatten durchaus Verständnis für Menschen gezeigt, die ihren Unmut über die Geste äußerten. Nach dem Finale twitterte Johnson: „Die Verantwortlichen für diese entsetzlichen Beschimpfungen sollten sich schämen.“

Rashford, der bei Manchester United spielt, hatte in der abgelaufenen Saison mehrfach rassistische Beleidigungen gegen ihn öffentlich gemacht. Auch Sadio Mané vom FC Liverpool und der englische Nationalspieler Jude Bellingham von Borussia Dortmund waren betroffen. „Was zur Hölle denken sich diese Menschen?!“, sagte am Montag Ex-Nationalspieler Alan Shearer bei der BBC. „Was stimmt mit ihnen nicht?! Das ist so lächerlich, absolut ekelhaft.“ Die Diskussion wird hängen bleiben von diesem EM-Finale – ebenso die Bilder stark betrunkener und ausfällig gewordener Fans. Rashford erklärte, Kritik an seiner Leistung sei okay, er werde sich aber niemals dafür entschuldigen, wer er sei und wo er herkomme.

Hässliche Szenen

Zwar hatten rund um das Finale Zehntausende friedlich gefeiert. In den Straßen rund um das von Neubauten umgebene Wembley-Stadion wurden immer wieder die Turnierhits „Football’s coming home“ und „Southgate You’re The One“ gesungen. Einigen Engländern stieg der Finaleinzug der Three Lions aber sichtbar zu Kopf. Abgesehen von der fast zu erwartenden Randale auch in der Innenstadt war es an den Sicherheitszäunen des Stadions zu hässlichen Szenen gekommen.

Dutzende hatten versucht, ohne Tickets Zutritt zu erlangen. Die FA schrieb von „einer Gruppe von Menschen“, Videos in den Sozialen Medien zeigten teils chaotische Szenen im dichten Gedränge. Berichten aus dem Stadion zufolge besetzten etliche Menschen ohne Tickets Plätze der eigentlichen Karteninhaber. Mehrere Hundert Fans waren ohne Aussicht auf den Zutritt zum Stadion gefahren, die Polizei sperrte im Laufe des Spiels ab.

„Das ist völlig inakzeptabel“, teilte der Verband mit, der ankündigte, gemeinsam mit den Behörden gegen jeden vorzugehen, „der illegal in das Stadion eingedrungen ist“. Die Polizei teilte mit, dass in London 86 Menschen wegen einer Vielzahl von Straftaten festgenommen worden seien, davon 53 in Wembley. Corona-Verstöße gehörten wohl kaum dazu. 19 Londoner Polizisten wurden demnach verletzt. Landesweit wurden Hunderte Randalierer festgenommen.

Delta-Variante breitet sich aus

Nachdem Johnson angekündigt hatte, am 19. Juli das Land komplett zu öffnen, hielten sich schon am Sonntag und in der Nacht zum Montag nur die wenigsten Fans an Masken- und Abstandsregeln. Es bleibt zu befürchten, dass auch in London vermehrt Virusinfektionen in Zusammenhang mit der EM festgestellt werden. In Großbritannien steigen die Zahlen insbesondere wegen der als ansteckender geltenden Delta-Variante.

Die Beamten dankten zugleich den friedlichen Fans. Unmittelbar nach dem Spiel hatte die Polizei versucht, Menschenansammlungen vor dem Stadion aufzulösen. Es flogen Bierflaschen. „Diese Leute sind eine Peinlichkeit für die englische Mannschaft und alle wahren Fans, die eines der wichtigsten Spiele unserer Geschichte genießen wollten“, twitterte die FA, die sich gemeinsam mit den weiteren britischen sowie dem irischen Verband um die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2030 bewerben will. Gute Werbung waren die Videos und Bilder von Sonntagabend nicht.

dpa/dtj

23 Juli 2021 0 Kommentare
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Archive

Türkei: Ausreisesperre gegen Sängerin Hozan Cane aufgehoben

von Fremdeninfo 15 Juli 2021
von Fremdeninfo

Türkei: Ausreisesperre gegen Sängerin Hozan Cane aufgehoben

Von

dtj-online

–

15.07.2021

 
 
 
Edirne: Hozan Cane steht vor dem Gericht. Die Ausreisesperre gegen die Kölner Sängerin wurde beim gestrigen Prozess in der Westtürkei aufgehoben. Cane will sobald wie möglich nach Deutschland zurückkehren. Foto: Linda Say/dpa

Die Ausreisesperre gegen die unter Terrorvorwürfen angeklagte Kölner Sängerin Hozan Cane in der Türkei ist aufgehoben worden.

Die Kölnerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane kann das Land nun verlassen. Nach Angaben ihrer Unterstützer:innen, einem Solidaritätskreis zu dem unter anderem der Journalist Günter Wallraff gehört, soll sie bereits am Donnerstagabend am Flughafen Köln/Bonn landen. Sie werde dort von ihrer Tochter erwartet.

Beim Verlassen des Gerichts sagte sie der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin glücklich über das Urteil und dass ich nach Hause zurück kann, aber ich habe in den letzten Jahren so viel gelitten, dass dieses Glücksgefühl untergeht.“ Der Prozess wird am 20. September fortgesetzt.

Facebook- und Twitter-Postings als Beweis

Cane wird Mitgliedschaft in der PKK vorgeworfen, die in der Türkei, Europa und den USA als Terrororganisation eingestuft wird. Bereits im November 2018 war die Sängerin für den Vorwurf zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hob das Urteil jedoch auf und der Fall wurde neu aufgerollt. Die Anklage stützt sich unter anderem auf Inhalte von Facebook- und Twitter-Profilen.

Hozan Cane war kurz vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Juni 2018 in Edirne festgenommen worden. Dort hatte sie eine Wahlkampfveranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP unterstützt. Sie war mehr als zwei Jahre inhaftiert. Seit Oktober 2020 galt die Ausreisesperre.

Cane hat kurdische Wurzeln und besitzt nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre Tochter Gönül Örs war Ende Juni in der Türkei wegen Terrorvorwürfen zu mehr als zehn Jahren Haft verurteilt worden. Sie konnte das Land aber verlassen und ist wieder zurück in Köln.

dpa/dtj

 
15 Juli 2021 0 Kommentare
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Religion

EuGH: Arbeitgeber können Tragen von Kopftüchern verbieten

von Fremdeninfo 15 Juli 2021
von Fremdeninfo

EuGH: Arbeitgeber können Tragen von Kopftüchern verbieten

 
 

Arbeitgeber können Tragen von Kopftüchern verbieten

Eine Firma darf politische oder religiöse Symbole untersagen, wenn sie ein Bild der Neutralität vermitteln oder soziale Konflikte vermeiden will – das hat der Europäische Gerichtshof in zwei Fällen aus Deutschland entschieden.

© Wolfram Steinberg/dpa Darf eine Firma ihren Mitarbeiterinnen verbieten, während der Arbeit ein Kopftuch zu tragen? Darüber hat nun erneut der Europäische Gerichtshof befunden.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die Rechte von Arbeitgebern gestärkt, die muslimischen Mitarbeiterinnen das Tragen von Kopftüchern verbieten wollen. Das Verbot des Tragens jeder sichtbaren Ausdrucksform politischer, weltanschaulicher oder religiöser Überzeugungen könne durch das Bedürfnis des Arbeitgebers gerechtfertigt sein, gegenüber den Kunden ein Bild der Neutralität zu vermitteln oder soziale Konflikte zu vermeiden, entschied der EuGH am Donnerstag. Hintergrund des Urteils waren zwei Fälle aus Deutschland.

In dem einen Fall war eine muslimische Mitarbeiterin einer überkonfessionellen Kita mehrfach abgemahnt worden, weil sie mit Kopftuch zur Arbeit gekommen war. Vor dem Arbeitsgericht Hamburg wurde daraufhin verhandelt, ob die Einträge aus der Personalakte gelöscht werden müssen. Das Gericht bat den EuGH um eine Stellungnahme. Ähnlich ging das Bundesarbeitsgericht 2019 mit dem Fall einer Muslimin aus dem Raum Nürnberg vor, die gegen ein Kopftuchverbot bei der Drogeriemarktkette Müller geklagt hatte. Während sich die Angestellte in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt sah, verwies die Drogeriekette auf unternehmerische Freiheit.

In einem Gutachten des Gerichtshofs zu den Fällen wurde zuvor argumentiert, dass ein Arbeitgeber keine Ganz-oder-gar-nicht-Haltung vertreten müsse. Es sei rechtens, große religiöse oder politische Symbole unter Verweis auf einen neutralen Dresscode zu untersagen, aber kleine Symbole, „die nicht auf den ersten Blick bemerkt werden“, auszunehmen. Die Gutachten sind für die Richterinnen und Richter bei ihrer Entscheidung nicht bindend.

Bereits 2017 hatte der EuGH in einem ähnlichen Fall mit einem vielbeachteten Urteil Schlagzeilen gemacht. Damals sprachen sich die obersten Richter der EU dafür aus, dass Arbeitgeber ein Kopftuch im Job unter Umständen verbieten könnten, etwa wenn weltanschauliche Zeichen generell in der Firma verboten seien und es sachliche Gründe dafür gebe.

15 Juli 2021 0 Kommentare
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Deutsche Sicherheitskreise: Türkischer Geheimdienst könnte auch in Deutschland zuschlagen

von Fremdeninfo 14 Juli 2021
von Fremdeninfo

Deutsche Sicherheitskreise: Türkischer Geheimdienst könnte auch in Deutschland zuschlagen

Von

dtj-online

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02.07.2021

 
 
 

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Die türkische Regierung entführt Oppositionelle und Andersdenkende. Die Gefahr für unangenehme Regierungskritiker ist in wirtschaftlich schwachen Staaten oder in korrupten Ländern besonders hoch. Deshalb flohen viele Oppositionelle nach Mitteleuropa. Doch sind sie dort wirklich sicher?

Orhan Inandı, Präsident des türkisch-kirgisischen Sapat-Schulnetzwerks, wurde Anfang Juni in Kirgisistan entführt (DTJ-Online berichtete). Seine Ehefrau befürchtet Folter durch den türkischen Geheimdienst. Ihr Mann verschwand in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Das Auto von Inandı wurde in der Nähe seines Hauses mit offenen Türen aufgefunden.

Ende Mai wurde auch Selahaddin Gülen entführt. Wie aus der Meldung der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu hervorgeht, soll der türkische Geheimdienst „MIT“ die Operation im Ausland durchgeführt haben. Wo genau diese stattfand, wurde nicht erwähnt. Laut kenianischen Medien zufolge geschah die Entführung in dem afrikanischen Land. Selahaddin Gülen ist ein Neffe des muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen. Ihm wird in der Türkei vorgeworfen, hinter dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 zu stecken. Gülen bestreitet das.

Welche Rolle spielen die Peker-Enthüllungen?

Der erneute Anstieg von Entführungen im Ausland könnte mit den brisanten Enthüllungen von Sedat Peker zu tun haben. Denn dieser zieht derweil so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass die türkische Regierung Themen braucht, um abzulenken. Mit solchen Entführungen demonstriert die türkische Regierung Macht und Stärke. Und nicht nur Peker selbst generiert Reichweite, auch zahlreiche Journalisten im Exil kommentieren seine Videos und führen Belege zu seinen Behauptungen an.

Zum Beispiel werden Beiträge von Cevheri Güven mehrere 100.000 Male gestreamt. Ihre Reichweite beunruhigt die türkische Regierung. Zwar sind nur wenige kritische Stimmen in der Türkei übrig geblieben. Exilierte Journalisten wie Can Dündar, Yavuz Baydar oder eben Güven haben indes bewiesen, dass sie ihre investigativen Recherche im Exil nicht aufgeben.

Cevheri Güven: „Fühle mich in Deutschland relativ sicher“

Güven selbst sagt, dass er sich in Deutschland recht sicher fühle. Zwar habe der türkische Geheimdienst bereits in 23 Ländern Menschen entführt, dennoch sei das in Mitteleuropa unwahrscheinlich. Angesichts der steigenden Entführungsfälle gibt es aber Grund zur Sorge.

Deutsche Sicherheitskreise beobachten die Entwicklung mit steigender Sorge und schließen nicht mehr kategorisch aus, dass der türkische Nachrichtendienst MIT gegen Oppositionelle in Deutschland vorgehen könnte. Ein Mitarbeiter aus Sicherheitskreisen, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte gegenüber DTJ-Online, dass „allen Hinweisen auf staatsterroristische Aktivitäten der türkischen Nachrichtendienste mit Hochdruck nachgegangen wird. Dabei steht nicht nur der MIT im Fokus, sondern auch türkische Rechtsextremisten, die im Auftrag des türkischen Staates handeln“. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir teilt offenbar diese Einschätzung.

In einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung bittet er um Stellungnahme, ob sich Vergleichbares auch in Deutschland ereignen könne. Die Antwort der Bundesregierung war kurz und deutlich: Man erwarte keine ähnlichen Vorfälle in Deutschland, sei aber wegen der Ereignisse in Kirgistan besorgt.

„Türkische Fanatiker sind größte Bedrohung“

Den Exil-Journalisten Güven beruhigt das nicht. Für eine Entführungsaktion könne der türkische Geheimdienst in Deutschland, ähnlich wie in Frankreich, auch auf fanatische Deutsch-Türken zurückgreifen. Wie DTJ-Online bereits mehrfach berichtete, könnte das „Külünk-Netzwerk“ in Deutschland Rekruten für solche Aufgaben bereitstellen.

Insbesondere der türkische Innenminister Süleyman Soylu und Geheimdienstchef Hakan Fidan seien wegen Güvens journalistischer Leistung aufgebracht. Güven habe nach seinen viralen Youtube-Videos Hinweise aus der Türkei erhalten, wonach man versuche, seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen.

„Das habe ich den deutschen Sicherheitsbehörden mitgeteilt. Ich bin zuversichtlich, dass sie alles Nötige dafür tun, diese Gefahr bereits im Vorfeld abzuwenden“, hofft der türkische Exiljournalist.

 

14 Juli 2021 0 Kommentare
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Nach türkischer Haft: Gönül Örs ist wieder in Köln

von Fremdeninfo 12 Juli 2021
von Fremdeninfo

Nach türkischer Haft: Gönül Örs ist wieder in Köln

Von

dtj-online

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10.07.2021

 
 

 
Die Kölnerin Gönül Örs auf einem Balkon des Kölner Rathauses. Foto: David Young/dpa

Als ihre Mutter in der Türkei in Haft kommt, reist eine Kölnerin im Jahr 2019 kurzentschlossen zu ihr. Dann gerät sie selbst ins Visier der dortigen Justiz. Nun ist wieder in ihrer Heimatstadt – und will nicht mehr zurück in die Türkei.

Die in der Türkei zu einer hohen Freiheitsstrafe verurteilte Kölnerin Gönül Örs ist nach mehr als zwei Jahren wieder in Deutschland. An der Seite von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigte sie sich am Freitag vor Freunden und Unterstützern im Kölner Rathaus und brachte ihre Erleichterung zum Ausdruck.

„Ich bin einfach nur froh, zu Hause zu sein“, sagte die 39-Jährige. Vor zwei Wochen hatte ein Istanbuler Gericht sie unter anderem wegen Terrorvorwürfen zu zehn Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Die Ausreisesperre gegen sie wurde allerdings aufgehoben – diese Möglichkeit nutzte sie nun, um nach Deutschland zurückzukehren.

Örs weist alle Vorwürfe zurück

Hintergrund der Anklage ist eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. Örs wurde laut Gerichtsakten vorgeworfen, mit neun weiteren Personen das Schiff besetzt, Banner aufgehängt und PKK-Slogans gerufen zu haben. Sie weist die Vorwürfe zurück. In Deutschland wurden Ermittlungen gegen Örs in dem Fall nach Angaben ihrer Anwältin eingestellt.

Die Richter in der Türkei verurteilten Örs für Terrorpropaganda zu einem Jahr und acht Monaten, für Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung zu fünf Jahren und für „Entführung oder Beschlagnahmung“ von Beförderungsmitteln zu drei Jahren und neun Monaten Haft.

Erst Haft, dann Hausarrest und Ausgangssperre

Sie sprachen Örs in allen Anklagepunkten schuldig. In Köln betonte Örs ihre Unschuld. Sie werde in Berufung gehen und notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. „Ich werde bis zum Schluss dafür kämpfen, weil ich unschuldig bin.“

Die Kölnerin war im Mai 2019 in die Türkei gereist, um ihre damals inhaftierte Mutter – die Sängerin Hozan Cane (Künstlername) – im Gefängnis zu besuchen. Örs wurde dann selbst festgenommen. Sie saß drei Monate in der Türkei in Untersuchungshaft und stand sechs Monate unter Hausarrest, ab Juni vergangenen Jahres galt eine Ausreisesperre.

„Sehr harte Zeiten“

In Köln sagte Örs am Freitag, im Jahr 2019 sei ihr von der Reise in die Türkei abgeraten worden. Aber als Tochter habe sie gedacht, sie müsse dahin, um ihrer Mutter beizustehen. Im Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre sagte sie, es seien „sehr harte Zeiten“ gewesen.

Eine Rückkehr in die Türkei schloss sie vorerst aus, weil es dort keine Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebe. Erst wenn sich dies geändert habe, werde sie vielleicht umdenken, sagte Örs. In der kommenden Woche habe ihre Mutter einen Gerichtstermin. „Ich hoffe sehr, dass sie nächste Woche nach Hause kommt.“

In Freiheit wolle ihre Mutter ein Lied singen, das sei ein Traum von ihr.

dpa/dtj

 

12 Juli 2021 0 Kommentare
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Exil-Journalist Erk Acarer mitten in Berlin angegriffen

von Fremdeninfo 11 Juli 2021
von Fremdeninfo

 

Exil-Journalist Erk Acarer mitten in Berlin angegriffen

Von

dtj-online

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11.07.2021

 
 

Der regierungskritische türkische Journalist Erk Acarer, der im deutschen Exil lebt, ist in Berlin angegriffen worden. Währenddessen wird in der Türkei der Angreifer im Fall Can Dündar aus der Haft entlassen. Welch fatales Zeichen.

Nach Angaben der Polizei wurde der Exil-Journalist Erk Acarer am Mittwochabend im Bezirk Neukölln von mehreren Angreifern verletzt. Er erlitt eine Wunde am Kopf und wurde medizinisch behandelt. Der Angriff ereignete sich demnach gegen 21.50 Uhr im Innenhof seines Wohnhauses im Stadtteil Rudow.

Zwei Männer hätten den 48-jährigen Journalisten geschlagen und getreten, ein dritter Mann habe die Umgebung beobachtet. Als Zeugen aufmerksam wurden, seien die Männer geflohen, teilte die Polizei am Donnerstag mit.Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz im Landeskriminalamt (LKA) ermittelt.

„Mit Messer und Faust angegriffen“

Zahlreiche Journalisten und Politiker erklärten sich solidarisch mit Acarer. Die Polizei äußerte sich zunächst nicht dazu, wer hinter dem Angriff stecken könnte. Nach dem Angriff twitterte Acarer am Mittwochabend ein Foto von sich und schrieb dazu auf Türkisch: „Ich bin in meinem Haus in Berlin mit Messer und Faust angegriffen worden.“

Er sei nicht in Lebensgefahr, habe einige Schwellungen am Kopf und sei im Krankenhaus. „Ich kenne die Täter. Ich werde niemals vor dem Faschismus kapitulieren.“ Er und seine Familie stünden unter Polizeischutz.

„Drei Angreifer mit Waffen“

In einem Video von Donnerstagmorgen sprach der Journalist von drei Angreifern mit Waffen. Einer von ihnen habe gesagt: „Du wirst nicht schreiben.“ Weil viele Zeugen im Hof gewesen seien, hätten die Angreifer die Waffen nicht benutzen können. Weiter sagte er: „Dieser Angriff ist der Beweis dafür, dass alles, was wir gegen die islamistische und faschistische AKP-MHP-Regierung geschrieben und gesagt haben, korrekt ist.“

Die AKP ist die Partei des regierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Sie bildet ein Regierungsbündnis mit der ultranationalistischen MHP, ohne die sie im Parlament keine Mehrheit hätte.

Bericht über MİT-Aktivitäten

Acarer, der schon länger in Berlin lebt, wurde zusammen mit anderen Journalisten in der Türkei angeklagt. Vorgeworfen wurde ihnen die Veröffentlichung von geheimen Informationen zur staatlichen Sicherheit und zu Geheimdienstaktivitäten. Hintergrund waren nach Angaben von Amnesty International unter anderem Berichte über einen in Libyen getöteten Mitarbeiter des türkischen Geheimdienstes.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir twitterte: „Es ist ungeheuerlich, dass Exilanten aus der Türkei hierzulande Angst haben müssen um ihre Sicherheit. (…) Bin auf die Reaktion der Bundesregierung gespannt.“

Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen schrieb: „Erdoğans Schergen greifen in Berlin einen Exil-Journalisten in seiner Wohnung mit Messern an. Wie lange will die Bundesregierung dem lebensgefährlichen Treiben des Erdoğan-Netzwerks noch zuschauen?‘ Auch viele türkischstämmige Journalisten warfen Erdoğan vor, für den Angriff verantwortlich zu sein.

Nur Geldstrafe für Dündar-Attentäter

Gut fünf Jahre nach einem Attentat auf den regierungskritischen Journalisten Can Dündar in der Türkei ist der Schütze verurteilt worden. Der Attentäter wurde zu drei Jahren und einem Monat Haft sowie zu Geldstrafen verurteilt, wie aus den der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Gerichtsunterlagen vom Donnerstag hervorging.

Das Urteil erging wegen Bedrohung mit einer Waffe, vorsätzlicher Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes. Die Haftstrafe wurde jedoch zur Bewährung ausgesetzt. Im Mai 2016 hatte der nun Verurteilte vor einem Gerichtsgebäude in Istanbul auf Dündar geschossen, diesen jedoch verfehlt. Yagiz Senkal, ein weiterer Journalist, wurde verletzt. Der Attentäter wurde im Oktober 2016 aus der Untersuchungshaft entlassen.

Dündar reagiert empört

Der im deutschen Exil lebende Dündar kommentiert das Urteil höhnisch auf Twitter: „Was es nicht für gute Richter gibt, nicht wahr? (…) Der liebevolle Richter hat auch noch Strafminderung wegen guter Führung angewendet und die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Der Mann ist ohnehin frei. Allen Attentätern zur Kenntnis.“

Wegen Berichten über eine Beteiligung des türkischen Geheimdienstes an Waffenlieferungen für Islamisten in Syrien wurde Dündar, der ehemalige Chefredakteur der türkischen Zeitung „Cumhuriyet“, im gleichen Jahr zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Er verließ das Land und lebt mittlerweile in Berlin. In der Türkei laufen weiterhin Prozesse gegen ihn.

dpa/dtj

11 Juli 2021 0 Kommentare
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Religion

Islam-Unterricht in Bayern: Kritiker reichen Verfassungsklage ein

von Fremdeninfo 9 Juli 2021
von Fremdeninfo

Islam-Unterricht in Bayern: Kritiker reichen Verfassungsklage ein

Von

dtj-online

–

09.07.2021

 
 

 

BILD dpa

Nur einen Tag nach dem Landtagsbeschluss zur Einführung des neuen Wahlpflichtfachs „Islamischer Unterricht“ in Bayern haben Kritiker Klage am Verfassungsgerichtshof eingereicht. Die Hintergründe.

Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur den Eingang der Klage. Der Pädagoge Ernst-Günther Krause, der Bund für Geistesfreiheit Bayern und die Regionalgruppe München im Förderkreis der Giordano-Bruno-Stiftung monieren, dass die verfassungsrechtlich erforderlichen Voraussetzungen für die Einführung des Schulfaches fehlen.

Am Dienstagabend hatte der Landtag die Überführung des bisherigen landesweiten Modellversuchs in ein reguläres Schulfach gebilligt. Dieses soll für Schülerinnen und Schüler insbesondere muslimischen Glaubens an rund 350 Schulen künftig statt Religionslehre und neben Ethik wählbar sein.

Staatliches Angebot – in deutscher Sprache

Es handelt sich um ein staatliches Angebot, bei dem staatliche Lehrkräfte in deutscher Sprache Wissen über die islamische Religion sowie eine grundlegende Werteorientierung „im Geiste der Werteordnung des Grundgesetzes und der bayerischen Verfassung“ vermitteln sollen.

Das Gesetz vermenge in intransparenter und unzulässiger Weise einen staatlich verantworteten Islamkundeunterricht mit einem religiös bekenntnisorientierten Islamunterricht, hatte Krause schon vor Wochen per Pressemitteilung kritisiert.

AfD kündigte Klage an

Auch die AfD hatte bereits angekündigt, vor den Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu ziehen. Dagegen lobte Bayerns Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer die Einführung des Schulfachs als weiteren, wichtigen „Meilenstein für die Integration unserer muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger“. Sie rief die Eltern muslimischer Kinder auf, das neue Angebot wahrzunehmen.

Das neue Fach hat eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Anfangs gab es etwa eine „Islamische Unterweisung“ in türkischer Sprache, später dann auf Deutsch. Ein Modellversuch „Islamischer Unterricht“ lief seit 2009 und wurde immer weiter ausgedehnt (DTJ-Online berichtete).

Zuletzt gab es ihn laut Ministerium an 364 Schulen, vor allem an den Grund- und Mittelschulen und insbesondere in Ballungsgebieten. So viele Standorte sollen es auch zum Start als Wahlpflichtfach im Herbst sein, später soll das Angebot bedarfsgerecht ausgebaut werden.

dpa/dtj

 

9 Juli 2021 0 Kommentare
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Archive

Türkische Mafia, Osmanen Germania: Solinger Taner Ay nach Peker-Enthüllungen in Erklärungsnot

von Fremdeninfo 9 Juli 2021
von Fremdeninfo

Türkische Mafia, Osmanen Germania: Solinger Taner Ay nach Peker-Enthüllungen in Erklärungsnot

Von

dtj-online

–

08.07.2021

 
 
 
 

Sedat Peker sprach in einem seiner letzten Videos von den „Brüdern in Deutschland“. Diese seien gute Leute, die der Mafia-Leader schätze, und denen er über den AKP-Politiker Metin Külünk Geld vermittelt habe. Die Hintergründe.

Kurz nach dieser Enthüllung brach in türkischen Medien und Social-Media-Kanälen ein Shitstorm los. Dieser richtete sich nicht nur gegen Metin Külünk. Auch einzelne Vereine und Personen aus Deutschland wurden thematisiert. Darunter die mittlerweile verbotenen Osmanen Germania und ein gewisser Taner Ay aus dem nordrhein-westfälischen Solingen.

Eine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Der Gründer der Osmanen Germania, Selçuk Can Şahin, veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Videobotschaft, in Form zweier Videoaufnahmen. Beide teilte der Solinger Geschäftsmann Taner Ay auf seinem persönlichen Feed. Offenbar nicht ohne Grund.

Finanzierte Peker die Osmanen Germania?

Der Deutsch-Türke steht unter Verdacht, eng mit den Osmanen Germania verbunden zu sein. Ein Video Şahins richtete sich an die deutsche Öffentlichkeit. Es ist acht Minuten lang. Er erklärt darin: „Mein Name ist Selçuk Can Şahin. Der Gründer von den Osmanen Germania. Ich möchte mich gerne zu den neuesten Vorfällen in den Medien äußern, die so nicht stimmen.„

Anlass für die Videos sind Behauptungen des flüchtigen Mafia-Paten Sedat Peker, der mit seinen mittlerweile ins Stocken geratenen Enthüllungen die Türkei auf Trab hält. Ohne weitere Namen zu nennen, gab Peker an, über Külünk Geld an eine Gruppierung in Deutschland übermittelt zu haben. Schon bald wurde spekuliert, dass es sich dabei um die Osmanen Germania handeln könnte.

Hawala-artige Deals

Zwar beteuert Şahin, nie Geld von Peker bekommen zu haben. Doch dass er Geld von Külünk erhielt, sei korrekt. In sozialen Medien und von Seiten oppositioneller Journalisten in der Türkei wurde daraufhin der Solinger Ay verdächtigt, der Mittelsmann bei diesen Hawala-artigen Deals zu sein.

In Şahins Video heißt es indes weiter: „Und dann gibt es noch Namen wie Çetin Ay, den ich persönlich nicht kenne, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Erst durch die Medien habe ich erfahren, dass er unser Berater sein soll. Die Osmanen Germania hatten Herrn Çetin dabei noch nie als Berater und kennen ihn gar nicht. Und seinen Sohn Taner Ay genauso wenig.“

Şahin widerspricht sich auf Türkisch

Mit diesen Worten nimmt Şahin also einen ihm angeblich unbekannten Mann in Schutz. Im zweiten Video spricht der deutsch-türkische Rocker in seiner Muttersprache: Es fällt auf, dass der Anführer der Osmanen Germania der türkischen Sprache eher auf umgangssprachlichem Niveau mächtig zu sein scheint.

Auf Türkisch hält er sich vergleichsweise kurz und spricht nur zwei Minuten lang. Allerdings sind es zwei Minuten zu viel, weil er sich widerspricht: Diesmal meint Şahin dem Geschäftsmann Taner Ay auf einer Veranstaltung der UETD (mittlerweile UID) in Köln begegnet zu sein. Bei dem Termin seien auch Fotos entstanden.

„Welt“: „Taner A. war führendes Mitglied der Osmanen Germania“

Darüber hinaus teilte Şahin mit, dass er die Herren Çetin und Taner Ay nicht persönlich kenne. Diese seien aber keinesfalls Mitglieder der Osmanen Germania und auch nie gewesen. Warum der Rocker den in Bedrängnis geratenen Taner Ay per Video in Schutz nimmt, wirft Fragen auf.

Der Solinger Taner Ay und Osmanen-Germania-Vertreter auf einer UETD-Veranstaltung in Köln.

Bereits 2019 schrieb Lennart Pfahler in der „Welt“ über Taner Ay und seine vermeintlichen Beziehungen zu den Osmanen Germania. Der Redaktion würden Belege vorliegen, wonach Ay gar „ein führendes Mitglied“ der mittlerweile verbotenen Gruppierung gewesen sei.

Enge Beziehungen zum türkischen Außenminister

Der selbe Taner Ay platziert in seinem Instagram-Feed gern Fotos mit hochrangigen türkischen Regierungsmitgliedern sowie Bürokraten. Seine Beziehungen zu diesen Politikern würden so weit reichen, dass er bei der G20-Außenministerkonferenz in Bonn im Februar 2017 als Teil der türkischen Delegation unterwegs gewesen sei, behauptet er.

Wer sein Instagram-Profil durchforstet, wird unschwer erkennen, dass er ein besonderes Verhältnis zum türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu pflegt. Aus den Foto geht hervor, dass sie sich privat treffen, etwa zum Golf spielen. Offenbar ließ es sich der türkische Außenminister auch nicht nehmen, den Solinger Ay auf seinem Familienanwesen im Bergischen zu besuchen – quasi auf einen „Çay“ in Solin

Der Solinger Taner Ay und der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu beim Golf spielen.

Solinger Taner Ay und Mevlüt Çavuşoğlu privat>
Ay und Çavuşoğlu beim privaten Treffen.
Solinger Taner Ay und Mevlüt Çavuşoğlu
Ay postet auch Instagram-Stories mit Çavuşoğlu.

Eine Erklärung, warum Taner Ay nun ins Visier der Öffentlichkeit geraten ist, könnte ein Foto mit dem derzeit in der Kritik stehenden türkischen Innenminister Süleyman Soylu sein. Peker führt nämlich einen rhetorischen Krieg gegen Soylu und greift ihn über fragwürdige Personen aus dessen Umfeld an.

Selfies mit politischen Größen?

Neben Soylu postete Ay in seinem Feed auch ein Foto mit dem Chef des türkischen Geheimdienstes Hakan Fidan sowie dem Verteidigungsminister Hulusi Akar. Im Vergleich zu Çavuşoğlu und Soylu sehen beide aber eher desinteressiert aus. Es scheint so, als hätte Ay auf einer Veranstaltung die Chance genutzt, sich Selfies mit den politischen Größen zu besorgen.

Ay mit dem umstrittenen türkischen Innenminister Süleyman Soylu.

In seiner Instagram-Bubble gibt Ay gerne den türkischen Geschäftsmann mit exklusiven Verbindungen in die Politik und eigenen Gefolgsleuten. Nicht fehlen dürfen: teure Autos und Designer-Klamotten. Wenn Ay aus seinem Anwesen tritt, stehen seine Butler scheinbar bereit, um ihm die Türen für seine Luxusfahrzeuge aufzuhalten.

Den Bildern zufolge fährt der Solinger in der Türkei bevorzugt italienische Sportwagen, in Deutschland steht ihm eine Porsche-Flotte bereit. Auf dem Dach eines Porsche Panameras hatte er ein Blaulicht montiert, um den damaligen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım vor einem Hotel in Düsseldorf abzuholen und ihn zu eskortieren.

Pflegt Ay Kontakte zur türkischen Mafia?

Nachdem Peker in einem Video von den „Freunden in Deutschland“ sprach, ranken sich weitere Mythen in den sozialen Medien um Taner Ay. Er sei gar der Anführer der Osmanen Germania, heißt es im Netz. Und sein Vater Çetin Ay fungiere als Ehrenbotschafter der Türkischen Republik Nordzypern in Düsseldorf. Zumindest den Titel Nordzyperns scheint er nun verloren zu haben.

Taner Ay posiert mit schweren Waffen
Ay posiert gern mit schweren Waffen …
Taner Ay posiert in der Waffenfabrik
… und in einer Waffenfabrik.

Mit seinen Videos auf Instagram erinnert Taner Ay an die türkische Kultserie „Tal der Wölfe“ (hier geht es zum betreffenden Video). Darin spielt „Polat Alemdar“, ein nationalstolzer Mafiosi, die Hauptrolle. Er agiert verdeckt und eigeninitiativ für den Staat. Dieses Klischee inszeniert Taner Ay via Social Media.

Hinzu kommt: Ay posiert gern mit schweren Waffen und Personen aus dem Umfeld der türkischen Mafia. Darauf lassen seine Fotos mit Alperen Göktuğ Yılmaz deuten. Ein Blick auf dessen Account lässt aufhorchen. Denn dieser junge Mann hat ebenfalls einen Hang zum Posen mit türkischen Bürokraten, Politikern und der Mafia. So stellt er sich an die Seite von Alaattin Çakıcı und Mehmet Ali Ağca. Beide Figuren sind vorbestrafte gefährliche Schwergewichte der türkischen Unterwelt.

Alperen Göktuğ Yılmaz, Vater Yılmaz, Solinger Taner Ay
Von links: Alperen Göktuğ Yılmaz, Vater Yılmaz und der Solinger Ay.
Alperen Göktuğ Yılmaz, Taner Ayhttps://i1.wp.com/dtj-online.de/wp-
Alperen Göktuğ Yılmaz und Taner Ay.
Alperen Göktuğ Yılmaz und Mafia Anführer Alaattin Çakıcı
Alperen Göktuğ Yılmaz mit Mafiapate Alaattin Çakıcı.
Alperen Göktuğ Yılmaz mir Papst Attentäter Mehmet Ali Ağca
Alperen Göktuğ Yılmaz mit dem Papst-Attentäter Mehmet Ali Ağca.

Wie eng Taner Ay mit der türkischen Mafia oder den Osmanen Germania tatsächlich verbunden ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Auch, ob Ay aufgrund der jüngsten Enthüllungen ins Visier deutscher Sicherheitsbehörden geraten ist, bleibt unbeantwortet.

9 Juli 2021 0 Kommentare
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Rassismus

Anschlag in Hanau: Was lief schief in der Tatnacht?

von Fremdeninfo 7 Juli 2021
von Fremdeninfo

Anschlag in Hanau: Was lief schief in der Tatnacht?

 
Martín Steinhagen

 

Was wussten die Behörden über den Täter? Warum wurde er nicht gestoppt? Ein Ausschuss soll offene Fragen zum Anschlag in Hanau klären. Es geht vor allem um die Polizei.

Ein Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke zeigt die Porträts von neun Opfern der Anschläge in Hanau. © Andreas Arnold/​dpa Ein Gemälde unter der Frankfurter Friedensbrücke zeigt die Porträts von neun Opfern der Anschläge in Hanau.

„Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! Konsequenzen!“ Die Initiative 19. Februar Hanau bringt immer wieder ihre zentralen Forderungen auf den Punkt, oder genauer: vor die Ausrufezeichen. Die vier Worte stehen auf Transparenten, Plakaten und über Presseerklärungen. Überlebende und Angehörige der 2020 bei dem rassistischen Anschlag in der hessischen Stadt Ermordeten haben sich zu der Initiative zusammengeschlossen, um sich Gehör zu verschaffen. In der Nacht vom 19. Februar 2020 hatte ein 43-Jähriger in der Hanauer Innenstadt und im Stadtteil Kesselstadt neun junge Menschen sowie seine Mutter ermordet.

„Wir machen seit 16 Monaten alles Mögliche, um Antworten zu bekommen“, sagt Sprecherin Newroz Duman. Die Initiative hat unter anderem eigene Recherchen angestellt, um das Geschehen vor, während und nach der Tatnacht zu rekonstruieren. Ein Ergebnis ist ein Dokument mit 18 eng beschriebenen Seiten, veröffentlicht zum Jahrestag im Februar. Aus Sicht der Initiative beschreibt es eine „Kette behördlichen Versagens“ – und es wirft etliche Fragen auf.

Viele dieser Fragen greift nun ein neuer Untersuchungsausschuss im hessischen Landtag auf. Für Duman auch ein Erfolg des unermüdlichen Einsatzes der Betroffenen. Am Mittwochnachmittag soll das Gremium auf Initiative der Fraktionen von SPD, FDP und Linke eingesetzt werden. Auch die schwarz-grüne Regierungskoalition hat zuletzt ihre Zustimmung signalisiert. Die Umstände der Tat machten eine „Untersuchung der Vorgänge innerhalb der Hessischen Landesregierung und ihrer nachgeordneten Behörden notwendig“, heißt es in dem Antrag. Ziel sei es, „eventuelle Versäumnisse“ zu untersuchen.

Nach der Tat hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich gezogen. Noch sind sie nicht abgeschlossen. Da der Täter sich selbst erschoss, wird gegen ihn nicht mehr ermittelt. Bei der Karlsruher Behörde steht jedoch die Suche nach potenziellen Mitwissern oder Helfern im Mittelpunkt, nicht mögliche Fehler der Behörden.

Die Fragen, die der Untersuchungsausschuss beantworten soll, lassen sich grob in drei Themenkomplexe gliedern: Sie betreffen den Täter, den Polizeieinsatz in der Tatnacht und den Umgang mit Opfern, Überlebenden und Angehörigen. So soll er aufklären, welche Informationen den hessischen Behörden über den späteren Mörder vorlagen und warum er legal Waffen besitzen konnte. Er hatte auf seiner Website auch wahnhafte, rassistische Pamphlete und Videos veröffentlicht. Mit ähnlich lautenden, wirren Anzeigen hatte sich der Mann bereits an Behörden gewandt, ohne dass man dort die Gefahr erkannte.

Was lief schief in der Tatnacht?

Die meisten Fragen werfen allerdings Vorgänge in der Tatnacht auf. Ein Beispiel: Die Notrufnummer 110 war schnell überlastet, viele Hilfesuchende kamen nicht durch. Unter ihnen auch der 22-jährige Vili Viorel Păun, der den Täter mit seinem Auto verfolgte – und kurz darauf von ihm erschossen wurde. Das Land Hessen hat ihn im April posthum mit der Medaille für Zivilcourage geehrt. Die Abgeordneten wollen jetzt etwa wissen, ob der Täter früher hätte gestoppt werden können, wenn Păuns Hinweise die Polizei erreicht hätten, und ob seither etwas unternommen wurde, um die Probleme mit der Notruftechnik tatsächlich abzustellen.

Seit Anfang Juni bekannt wurde, dass gegen 18 Beamte des Frankfurter Spezialeinsatzkommandos wegen mutmaßlich rechtsextremer Chatnachrichten ermittelt wird, stellen sich weitere Fragen. Nach Angaben des hessischen Innenministeriums waren 13 der betroffenen Polizisten am 19. Februar 2020 in Hanau im Einsatz. Ob und welchen Einfluss das auf das Geschehen hatte, ist einer der Aspekte, denen sich der Ausschuss widmen soll. 

Dabei geht es etwa auch um die Erstürmung des Hauses des Täters durch Frankfurter Spezialkräfte. Der Mann lebte dort mit seinem Vater und seiner Mutter. Die Polizei hatte das Reihenhaus im Hanauer Stadtteil Kesselstadt erst gegen drei Uhr morgens gestürmt, Stunden nach den Morden, obwohl die Adresse schnell bekannt war. „Warum hat das so lange gedauert? Wer hat dort die Entscheidungen getroffen, einer der jetzt Verdächtigen?“, fragt Duman. Aus ihrer Sicht müsse aber der gesamte Polizeieinsatz überprüft werden.

„Es macht einen Unterschied, wie die Polizei reagiert, wenn der Notruf aus einer Shisha-Bar kommt“, ist Duman überzeugt. Ihre Initiative hat Aussagen von Verletzten oder Angehörigen dokumentiert, die von diskriminierendem Verhalten berichten. Es geht dabei um den Umgang mit Verletzten und Getöteten kurz nach der Tat und um das Informieren ihrer Angehörigen. „Das hat mit strukturellem Rassismus zu tun“, sagt Duman. „Blonden Deutschen“ wären die Beamten anders gegenübergetreten, ist sie überzeugt.

Auch die Abgeordneten des Landtags wollen jetzt rekonstruieren, „wann genau innerhalb der Polizeistrukturen in der Tatnacht bekannt geworden ist, dass es sich mutmaßlich um einen rassistisch motivierten Anschlag handelt“, und welche Standards für den Umgang mit Opfern von Terroranschlägen in der Polizei gelten. Waren die Behörden zunächst von einem ganz anderen Hintergrund ausgegangen, wie einige sehr frühe Medienberichte aus der Stadt, in denen über Organisierte Kriminalität spekuliert wurde? Und prägte das den Einsatz und wie man den Betroffenen gegenübertrat? 

Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, von der die Initiative zum Ausschuss ausging, sagt: „Wir kamen da mit den normalen parlamentarischen Mitteln nicht weiter“, Innenminister Peter Beuth (CDU) habe gemauert. Deshalb sei ein Untersuchungsausschuss jetzt zwingend. Den Antrag habe man mit Hinterbliebenen eng abgestimmt. 

„Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die Fragen der Opferfamilien beantwortet werden“, sagt auch der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner. Deshalb werde seine Fraktion dem Antrag zustimmen, auch wenn er von der Opposition kommt. Ob hessischen Behörden tatsächlich Fehler vorzuwerfen seien, da wolle er sich nicht vorab festlegen. Es gelte „allen Fragen nachzugehen“ und mögliche Fehler, aber auch „falsche Theorien“ aufzudecken.

Politisch geraten die in Hessen mitregierenden Grünen beim Thema Rechtsextremismus immer wieder unter Druck. Die Fraktion hatte sich bei der Einsetzung eines NSU-Untersuchungsausschusses 2015 enthalten und das später selbst als Fehler bezeichnet. Und in den Skandalen rund um rechte Umtriebe hessischer Polizisten stellt sich die Landtagsfraktion bislang hinter Innenminister Beuth. Der grüne Ortsverband Hanau hat hingegen vor wenigen Tagen per offenem Brief die Entlassung des Ministers gefordert. „Die Grünen sind eine vielfältige Partei, in der es vielfältige Positionen gibt“, heißt es dazu von Fraktionschef Wagner.

Ob es dem Hanau-Untersuchungsausschuss gelingt, auch über Fraktionsgrenzen effektiv zusammenzuarbeiten, oder ob dort der politische Schlagabtausch im Vordergrund steht, muss sich zeigen.

„Der Untersuchungsausschuss ist aus unserer Sicht vor allem ein weiteres Instrument, um für Aufklärung zu sorgen“, sagt Newroz Duman. „Vielleicht bekommen wir nur neue Puzzleteile hinzu – aber die brauchen wir.“ Nur so könnten die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Und das ist schließlich eine der Forderungen mit dem Ausrufezeichen.

7 Juli 2021 0 Kommentare
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Information

Türkische Gemeinde in Deutschland

von Fremdeninfo 6 Juli 2021
von Fremdeninfo

Türkische  Gemeinde  in  Deutschland

AlmanyaTürkToplumu  Bundesgeschäftsstelle–GenelMerkezTürkischeGemeindeinDeutschland–Obentrautstr.72-10963Berlin

Pressemitteilungvom 5.7.2021

7,4Mio. Wählerinnen und Wähler im Fokus: TGD befragt über 1.700 Direktkandidat:innen zur Bundestagswahl 2021

Für die diesjährige Bundestagswahl am 26. September sind 1,4 Mio. Personen türkischer Herkunft und ca. 7,4Mio. Menschen mit Migrationsgeschichte wahlberechtigt. Als Türkische Gemeinde in Deutschland schauen wir besonders kritisch auf die Position der Direktkandidat:innen zu Themenfeldern und gesellschaftlichen Schieflagen, dieinsbesondere Menschen mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung betreffen.Unser Ziel ist eine lebendige Migrationsgesellschaft, in der Vielfalt gelebt wird und in Institutionen, Politik und Medien sichtbar repräsentiert ist. Ein wichtiges Mittel zur Erreichung dieses Ziels ist die Partizipation an Wahlen, denn die Teilnahme an Wahlen ist ein demokratisches Grundrecht und eine Möglichkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten. Ein anderer wichtiger Bestandteil sind politischeVisionen für ebendiese lebendige Migrationsgesellschaft.Und genau da kommen unsere Wahlprüfsteine ins Spiel: Sie dienenzur Ermittlung der politischen Inhalte der Direktkandidat:innen zu Themenfeldern, die eine besondere Relevanz für Menschen mit Migrationsgeschichte haben, beispielsweise: Sollten bürokratische Hürden bei der Einbürgerung abgebaut werden? Planen Sie, etwas gegen die nach sozioökonomischen Kriterien ungleiche Verteilung von Hausarztpraxen zu tun? Oder:Halten Sie es für sinnvoll, die Ressorts zur Gestaltung unserer Einwanderungsgesellschaft in einem eigenständigen Ministerium zusammenzuführen?Hierzu erhalten die gut 1.700 Direktkandidat:innender Parteien CDU/CSU, SPD, Die Linke, Grüne, FDPund AfD ab jetzt die Einladung, an einerOnline-Befragung teilzunehmen. Die Ergebnisse werden Anfang September auf unserer Homepage (www.tgd.de) veröffentlicht und geben eine Orientierungshilfe für die Wahlentscheidung. Daher hoffen wir auf eine sehr hohe Beteiligung. Bei der Befragung zur letzten Bundestagswahl 2017 haben 760, also 43% der Direktkandidat:innen, teilgenommen. Wie solch eineAuswertung aussehen kannund mehr Informationen zu den Wahlprüfsteinen 2017, findenSie in unserer Ergebnisdarstellung von 2017: https://www.tgd.de/2017/09/08/auswertung-der-wahlpruefsteine-der-tgd-zur-bundestagswahl-2017/Obentrautstr. 7210963 Berlinwww.tgd.deinfo@tgd.depresse@tgd.deReferent für Presse-und Öffentlichkeitsarbeit Kaan BağcıE-Mail: Kaan.Bagc@tgd.deHandy: 0

6 Juli 2021 0 Kommentare
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