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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Flüchtlinge

Wie geht es mit den Syrern in der Türkei weiter?

von Fremdeninfo 7 August 2021
von Fremdeninfo

 

Wie geht es mit den Syrern in der Türkei weiter?

Von

dtj-online

–

07.08.2021


Mittlerweile leben fast vier Millionen Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei. Während die einen sie nicht mehr im Land sehen wollen, sehen andere sie als tragende Säule der türkischen Wirtschaft. Nun flammt eine Diskussion über die Zugewanderten in der Türkei auf, die auch langfristig zu einem zentralen Wahlkampfthema werden könnte.

Es war Ende April 2011, als die ersten Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei ankamen. Sie flohen vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land. Zuerst kamen etwa 252 Flüchtlinge, doch schon bald sollten es mehr werden. Mittlerweile zählt die türkische Generaldirektion für Migrationsverwaltung fast vier Millionen Syrer, die in der Türkei Zuflucht gefunden haben. Für diese hohe Zahl ist auch der Flüchtlingspakt zwischen der Europäischen Union (EU) und der Türkei mitverantwortlich. Dem Abkommen nach sollte die türkische Regierung gegen Schlepperbanden vorgehen und alle von den griechischen Inseln ankommenden Flüchtlinge zurücknehmen. Im Umkehrschluss sicherte die EU zu, für jeden zurückgenommenen Flüchtling einen registrierten Flüchtling aufzunehmen. Außerdem und vor allem aber sollten der türkischen Regierung etwa sechs Milliarden Euro zur Versorgung syrischer Flüchtlinge bereitgestellt werden. Beide Seiten feierten den Deal als großen Erfolg.

Doch es gibt auch Kritik. Auf Seiten der EU bezieht sie sich darauf, dass die Regierung des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf diese Weise unterstützt wird. Dieser wird vor allem wegen Entgleisungen in Bezug auf Menschenrechte und die Unterdrückung Oppositioneller kritisiert. Innerhalb der türkischen Bevölkerung hingegen will man nicht viel von der EU-Unterstützung wissen. Dort bezieht sich der Ärger hauptsächlich auf die Syrer selbst.

Syrer werden zum Wahlkampfinstrument

Die Syrer, die am Anfang als „Gäste“ angesehen und noch freundlich empfangen wurden, will man heute nicht mehr im Land haben. Sie seien überall und würden den Türken die Arbeit wegnehmen, heißt es mittlerweile an mancher Stelle. Besonders heftig werden syrische Jugendliche unter 30 Jahren kritisiert. Sie würden nur faulenzen und von der Türkei profitieren. Stattdessen sollen sie „in ihr Land zurück und kämpfen“, liest man in vielen Social Media-Kommentaren. Oft gehen diese Bemerkungen in Rassismus über. Das Konfliktpotenzial zwischen Einheimischen und Zugewanderten ist enorm, auch mit Hinblick auf die derzeit zusätzlich ankommenden afghanischen Flüchtlinge.

Dabei beschränkt sich das Problem nicht nur auf Ultra-Nationalisten. Selbst die säkulare Elite beteiligt sich an den Abschiebungsforderungen. Es war sogar der Vorsitzende der kemalistischen CHP Kemal Kılıçdaroğlu höchstpersönlich, der die jüngsten Diskussionen über eine Abschiebung der Flüchtlinge angestoßen hat. In einem Video sagte er, dass es zu den obersten Prioritäten seiner Regierung gehören werde, die Syrer innerhalb von zwei Jahren zurückzuführen. Man habe bereits alle Pläne ausgearbeitet. Zwar fand der CHP-Vorsitzende auch freundliche Worte gegenüber den Syrern, als er diese beispielsweise als „Geschwister“ bezeichnete, doch der Populismus war insgesamt nicht zu überhören. Das dürfte angesichts der Debatten um vorgezogene Wahlen nicht weiter verwunderlich sein.

Plan: Flüchtlinge mit hohen Nebenkosten abschrecken

Anders als der CHP-Chef sorgte Tanju Özcan, Oberbürgermeister der Stadt Bolu, für größere Aufregung. Dieser sagte auf einer Pressekonferenz, dass man die Gäste endlich verabschieden wolle. Da diese aber nicht freiwillig gehen würden, werde man nicht-türkische Staatsbürger mit außergewöhnlichen Maßnahmen abschrecken. So sollen Ausländer unter anderem bei den Wasserversorgungskosten das zehnfache des normalen Preises zahlen.

Die Aussagen des CHP-Mitglieds sorgten zwar selbst bei Parteigängern für Kopfschütteln, dennoch wird darin das Ausmaß der Wut gegenüber Syrern deutlich. Damit betreibt die Partei aber auch ein Stück Wahlkampf. So hat sich auch der Vorsitzende der ultra-nationalistischen MHP, Devlet Bahçeli, in dieser Frage erstmals seit der Versöhnung mit dem türkischen Staatspräsidenten öffentlich gegen die Flüchtlinge positioniert. Wer an den Feiertagen anlässlich des islamischen Opferfests zurück nach Syrien gegangen sei und dort keine Probleme bekommen habe, solle auch nicht zurückkehren, so Erdoğans Bündnispartner. Tatsächlich waren viele zum jüngsten Fest für wenige Tage nach Syrien gereist und anschließend zurückgekommen.

Flüchtlinge wichtige Säule der türkischen Wirtschaft?

Erdoğan selbst will die Syrer auf keinen Fall zurückschicken. Erst letzte Woche sagte er vor Journalisten, dass man niemanden, der bei ihnen Zuflucht gefunden habe, „in den Schoß von Mördern“ legen werde, solange man an der Regierung sei. Mit den Syrern und dem EU-Türkei-Flüchtlingsabkommen hat der türkische Präsident ein wichtiges Druckmittel gegenüber der EU: Würde er die Grenzen öffnen, könnte die EU vor einem großen Problem wie schon bei der ersten großen Flüchtlingswelle 2015 stehen.

Es gibt aber auch Stimmen, die im Verbleib der Syrer einen großen Vorteil sehen. Diese Ansicht wird derzeit eher von Mitgliedern der regierenden AKP vertreten. In diesem Zusammenhang sprach der ehemalige stellvertretende AKP-Vorsitzende Yasin Aktay von den Syrern als tragende Säule der türkischen Wirtschaft. „Wenn Sie aus einigen Regionen die Syrer wegschicken, wenn die Syrer weggehen, würde die Wirtschaft des Landes einbrechen“, so Aktay in einem Interview mit Euronews. Kurze Zeit später vernahm man von Mehmet Özhaseki, dem aktuellen stellvertretenden Vorsitzenden der Partei, ähnliche Aussagen. Die Syrer würden in der Industrie von Gaziantep und Kayseri die härtesten Arbeiten erledigen. Das sorgte innerhalb der Bevölkerung für große Verwunderung.

Laut einer Studie der internationalen Arbeitsorganisation ILO arbeiten derzeit rund 950.000 Syrer in der Türkei. Doch die Dunkelziffer, also die Zahl derer, die inoffiziell im Land beschäftigt sind, wird viel höher geschätzt. Laut der Studie sind die meisten Syrer im Handelswesen, Bauwesen und in der Produktion und dort vor allem in der Textilindustrie tätig.

7 August 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Türkei nimmt Migranten nicht zurück: Athen bittet EU um Hilfe

von Fremdeninfo 5 August 2021
von Fremdeninfo

Türkei nimmt Migranten nicht zurück: Athen bittet EU um Hilfe

Von

dtj-online / dpa

=“Weniger Migranten in Auffanglagern auf den Ägäis-Inseln“ width=“696″ height=“464″>
Archivfoto: Eine Frau steht mit einem Baby im Arm und drei kleinen Kindern im Flüchtlingslager Kara Tepe in der Nähe von Mytilini auf Lesbos zwischen Zelten. Foto: Panagiotis Balaskas/AP/dpa

Griechenland hat die EU-Kommission aufgefordert, die Türkei zur Rücknahme von abgewiesenen Asylbewerbern zu bewegen. Mittlerweile gebe es auf den griechischen Inseln 1908 Migranten, deren Asylanträge abgelehnt worden seien.

Laut dem Flüchtlingsabkommen zwischen der Türkei und der EU von 2016 ist die Türkei verpflichtet, diese Menschen von Griechenland zurückzunehmen. Ankara hatte die Rückführung jedoch im März 2020 auf Eis gelegt und den Schritt mit der Corona-Pandemie begründet.

Die Türkei verweigere seit 17 Monaten die Zusammenarbeit, obwohl es längst Corona-Tests gebe, um bei der Rückführung Sicherheit zu gewährleisten, kritisierte der griechische Migrationsminister Notis Mitarakis am Mittwoch mit einem Schreiben an die Brüsseler Behörde. Athen hatte bereits im Januar die Hilfe der EU gefordert.

EU schaltet sich ein

Bislang sei jedoch nichts geschehen. Man erwarte, dass das Nachbarland den Verpflichtungen des Flüchtlingspakts nachkomme – sowohl bei der Rücknahme abgelehnter Asylbewerber als auch im Bemühen, illegale Überfahrten zu verhindern.

Die EU-Kommission bestätigte am späten Mittwochnachmittag den Eingang des Schreibens. „Die Kommission (…) unterstützt weiterhin alle Bemühungen um eine Wiederaufnahme der Rückführungen von den griechischen Inseln in die Türkei„, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Man wisse um die Herausforderungen Griechenlands.

Auf den griechischen Inseln der Ost-Ägäis befinden sich derzeit insgesamt noch rund 6650 Migranten.

dpa/dtj

5 August 2021 0 Kommentare
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Archive

Baerbock: Grüne wollen Einwanderungsministerium schaffen

von Fremdeninfo 3 August 2021
von Fremdeninfo

 

  1. Baerbock: Grüne wollen Einwanderungsministerium schaffen

Politik

Baerbock will Einwanderungsministerium für „Vielfalts- und Teilhabepolitik“ schaffen


 
Diversität sei schon lange Realität in Deutschland, sagt Annalena Baerbock
Quelle: Getty Images/Pool
Annalena Baerbock hat die Einrichtung eines Ministeriums für Einwanderung gefordert. Die Äußerung fiel in einem Interview mit einer deutsch-türkischen Interessenvertretung, deren Dachverband sich für ein solches Ministerium einsetzt.
Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock will nach der Bundestagswahl ein Einwanderungsministerium schaffen. Es sei an der Zeit, nicht nur über Einwanderung zu reden, sondern vor allem darüber, wie man Gleichstellung und Teilhabe in der Gesellschaft wirklich schaffen könne, sagte Baerbock in einem Interview mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). „Dafür muss Einwanderungspolitik nicht zuletzt aus dem Innenministerium herausgelöst werden und eben die Vielfaltspolitik, die Teilhabepolitik in den Mittelpunkt eines gebündelten Ministeriums gestellt werden.“

Diversität sei schon lange Realität in Deutschland, so Baerbock. Trotzdem fehle es der Einwanderungsgesellschaft sowohl an einem Selbstverständnis als auch an einem öffentlichen Diskurs. Es sei an der Zeit, nicht nur über Einwanderung zu reden, sondern vor allem darüber, wie man Gleichstellung und Teilhabe in der Gesellschaft wirklich schaffen und Diskriminierung bekämpfen könne.

„Gerade in Führungspositionen, gerade in einigen Berufsgruppen, auch in der Politik, in der Öffentlichkeit sind eben nicht alle gleichberechtigt repräsentiert“, sagte Baerbock. Daher wollten die Grünen auch ein Bundespartizipations- und Teilhabegesetz vorlegen, um künftig bei Bundesgremienbesetzungen „deutlich die Vielfältigkeit in unserem Land auch sicherzustellen“.

Die TGD, die das Interview auf YouTube veröffentlichte, ist eine Interessenvertretung türkischstämmiger Deutscher und in Deutschland lebender Türken. Sie ist Mitglied der Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen, zu deren Kernforderungen ein neues Ministerium gehört, in dem die „Themenfelder Teilhabe und Chancengleichheit in der Einwanderungsgesellschaft“ verankert werden sollen.

„Wir fordern einen Paradigmenwechsel in der gesamten Migrationspolitik und eine Abkehr vom bisherigen Grundtenor (Migration als Bedrohung und Regulierungsproblem)“, heißt es auf der Homepage der Bundeskonferenz. „Damit das gelingt, muss Migrationspolitik vom Bundesinnenministerium als dem Sicherheitsressort abgekoppelt werden.“ Baerbock wählte in dem Interview ähnliche Formulierungen und berief sich auch auf die Forderungen der Bundeskonferenz.

m Februar hatten mehrere prominente Grünen-Mitglieder in einem Positionspapier ein Ministerium für gesellschaftlichen Zusammenhalt gefordert. Dieses solle unter anderem für Einwanderung, Migration und Flucht zuständig sein. Unterschrieben wurde das Papier von 18 Parteimitgliedern, darunter Claudia Roth und Katharina Schulze.

Schon im Jahr 2016 war die Idee eines Einwanderungsministeriums diskutiert worden, nachdem sich die damalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), dafür eingesetzt hatte. Grüne und Linke hatten den Vorschlag damals unterstützt.

3 August 2021 0 Kommentare
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Archive

Türkische Gemeinde in Deutschland / Almanya Türk Toplumu

von Fremdeninfo 3 August 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde in Deutschland
Almanya Türk Toplumu

Bundesgeschäftsstelle – Genel Merkez






Türkische Gemeinde in Deutschland – Obentrautstr. 72 – 10963 Berlin


Pressemitteilung vom 02. August 2021


60 Jahre nach dem Anwerbeabkommen: Migrant:innen entscheiden die
Bundestagswahlen!


Vor rund 60 Jahren wurden Menschen aus zahlreichen Ländern angeworben, um den
Aufbau Deutschlands nach dem Krieg zu unterstützen und das Wirtschaftswunder zu
ermöglichen. Früher noch Gastarbeiter:innen, leben diese Menschen mittlerweile in der
dritten und vierten Generation in Deutschland und tragen mit ihrer Arbeit zur Stabilität und
zum Erfolg dieses Landes bei. Der Anteil an Menschen mit Migrationsgeschichte ist
gewachsen und wächst weiterhin. Zur Bundestagswahl werden rund 7,5 Mio. von ihnen
wahlberechtigt sein – dieses Wähler:innenpotential nicht zu sehen und ihre Themen nicht
auf die Tagesordnung zu setzen, wäre ein großer Fehler.


Es reicht ein Blick auf die knappen Wahlprognosen, um zu verstehen, dass Menschen mit
Migrationsgeschichte für diese Bundestagswahl zum Zünglein an der Waage werden
können. Die 7,5 Mio. Menschen mit Migrationsgeschichte machen über 12% aller
Wahlberechtigten aus (2019 rund 60,4 Mio. Menschen)1. Gelingt es einer Partei und ihrer
Kandidatin oder ihrem Kandidaten, diese Menschen und ihre Themen anzusprechen und für
sich zu gewinnen, stellt diese Partei mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste Kanzlerin oder
den nächsten Kanzler.


Gemeinsam mit der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) im
Rahmen des von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderten Projektes 60 Jahre
Merhaba (www.60jahre–merhaba.de), hat die TGD die Spitzenkandidat:innen der Parteien
eingeladen, sich den Menschen vorzustellen und auf für sie wichtige Themen einzugehen.
Alle sind unserer Einladung gefolgt und wir werden die entstandenen Videos jeweils
montags am #MyVoteMonday in alphabetischer Reihenfolge veröffentlichen. Wir beginnen
mit Annalena Baerbock von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – und zwar heute!


Zu den Zielen der Kampagne äußert sich der Projektleiter bei der Stiftung Zentrum für
Türkeistudien und Integrationsforschung, Yunus Ulusoy, wie folgt: „Wir möchten den
Menschen zeigen, dass Ihre Stimme Gewicht hat und dass sich die Spitzenkandidat:innen
einen Wettbewerb um sie liefern. Sie sollten von ihrem demokratischen Recht Gebrauch
machen und unser Land durch ihre Stimme mitgestalten. Die Wahlbeteiligung unter den
Deutschen mit Migrationsgeschichte liegt deutlich niedriger als bei den Deutschen ohne
Migrationsgeschichte, weshalb sie ausbaufähig ist – dazu wollen wir beitragen.“


Gökay Sofuo
ğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, fügt hinzu:
„Wir wünschen uns, dass Politiker:innen die Themen und Interessen der Wähler:innen mit
Migrationsgeschichte noch viel stärker adressieren und zur Kenntnis nehmen. Wir haben
kluge Antworten von den Spitzenkandidat:innen erhalten, wundern uns aber schon, wie
wenig diese Themen dann im Wahlkampf eine Rolle spielen – gerade angesichts der
Tatsache, dass diese Bevölkerungsgruppe wahlentscheidend sein wird.“



1 https://mediendienst–integration.de/integration/politik.html


Obentrautstr. 72

10963 Berlin


www.tgd.de

info@tgd.de

presse@tgd.de



Referent für Presse– und
Öffentlichkeitsarbeit

Kaan Ba
ğcı

E–Mail:
Kaan.Bagc@tgd.de
Handy: 01520 6862206

 
 
3 August 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Laschet will Abschiebungen nach Afghanistan weiterführen – SPD sieht „menschenfeindliche Linie“

von Fremdeninfo 3 August 2021
von Fremdeninfo

…

 
 

Laschet will Abschiebungen nach Afghanistan weiterführen – SPD sieht „menschenfeindliche Linie“

 
 
| In der SPD regt sich Kritik zu den jüngsten Äußerungen der Union hinsichtlich der Debatte um eine Fortsetzung der Abschiebungen nach Afghanistan.
Armin Laschet will bei Straftätern keine Ausnahmen machen und weiterhin abschieben (Archivfoto) Quelle: Getty Images/Sascha Schuermann © Getty Images/Sascha Schuermann Armin Laschet will bei Straftätern keine Ausnahmen machen und weiterhin abschieben (Archivfoto) Quelle: Getty Images/Sascha Schuermann

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich am Wochenende für erneute Abschiebungen ausgesprochen. „Wir verhandeln gerade mit Afghanistan, damit wir Straftäter weiterhin dorthin abschieben können“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans reagierte entsetzt. „Diese Überlegung ist voll auf der menschenfeindlichen Linie von Populisten. Auch ausländische Straftäter sind Menschen. Sie verdienen ihre Strafe, aber niemand hat das Recht, sie in den Tod zu schicken. Sollte das drohen, müssen Abschiebungen gestoppt werden“, sagte er der „Rheinischen Post“

Zustimmung für Seehofer war zuvor auch vom Kanzlerkandidaten der CDU/CSU gekommen. Trotz des Vormarschs der radikalislamischen Taliban befürwortet der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet die Beibehaltung der bisherigen Praxis. „Wir beobachten die Situation in Afghanistan sehr genau“, sagte er der „Bild“-Zeitung. „Aber unsere Linie bleibt klar: Wer in Deutschland straffällig wird, hat sein Gastrecht verwirkt.“

ARCHIV - 07.04.2021, Sachsen, Dresden: Teilnehmer einer Kundgebung gegen Sammelabschiebung nach Afghanistan befestigen mit Klebeband ein Banner mit der Aufschrift "Wir fordern keine Abschiebung nach Afghanistan" auf dem Altmarkt. (zu dpa "Innenministerium prüft Pause für Abschiebungen nach Afghanistan") Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa/Sebastian Kahnert ARCHIV – 07.04.2021, Sachsen, Dresden: Teilnehmer einer Kundgebung gegen Sammelabschiebung nach Afghanistan befestigen mit Klebeband ein Banner mit der Aufschrift „Wir fordern keine Abschiebung nach Afghanistan“ auf dem Altmarkt. (zu dpa „Innenministerium prüft Pause für Abschiebungen nach Afghanistan“) Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++


Video: Laschet: Weiter nach Afghanistan abschieben (dpa)

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Video Player von: Glomex (Datenschutzrichtlinien)

Der Grundsatz „Null Toleranz gegenüber Kriminellen“ erlaube keine Ausnahmen, sagte der CDU-Politiker. Straftäter müssten „weiter konsequent abgeschoben werden, auch nach Afghanistan“.

Die zahlreichen Offensiven der Taliban und die Folgen für die Bevölkerung könnte Deutschland jedoch nicht ignorieren. „Die Lage erfordert daher eine fortlaufende Bewertung und sorgsames Vorgehen bei Rückführungen“, betonte Laschet.

Die Grünen pochen dagegen wegen der sich dramatisch verschlechternden Sicherheitslage in Afghanistan auf einen Abschiebestopp. Zudem kritisierte auch der Grünen-Politiker Omid Nouripour die Abschiebungs-Forderungen als menschenverachtend. Die SPD habe den Vorstoß von CDU-Laschet zu Recht kritisiert, sagte Nouripour, der auch außenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion ist, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Grünen-Politiker wirft SPD „Heuchelei“ vor

Gleichzeitig differenzierte er: Die Grundlage für Abschiebungen sei der asylpolitische Lagebericht des Auswärtigen Amtes, für das wiederum SPD-Minister Heiko Maas zuständig sei, so Nouripour. „Wenn die SPD die Kritik also ernst meint, dann muss sie sich endlich für einen aktuellen und realistischen Lagebericht einsetzen. Bis dahin ist die Kritik an Abschiebungen Wahlkampf bedingte Heuchelei.“

In den vergangenen Jahren waren ausschließlich Männer – vorwiegend Straftäter und sogenannte Terrorgefährder – gegen ihren Willen nach Afghanistan zurückgebracht worden. Die Bundeswehr hatte ihren Einsatz dort Ende Juni beendet. Parallel zu dem Abzug der internationalen Truppen haben die militant-islamistischen Taliban mehrere Offensiven begonnen und zahlreiche Bezirke unter ihre Kontrolle gebracht

3 August 2021 0 Kommentare
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Fremdenfeindlichkeiten

Die wachsende Ausländerfeindlichkeit in der Türkei

von Fremdeninfo 30 Juli 2021
von Fremdeninfo

Die wachsende Ausländerfeindlichkeit in der Türkei

Das Land am Bosporus erlebt einen Stimmungswandel: Arabern, Geflüchteten und Superreichen schlägt offene Feindseligkeit entgegen. Woran liegt das?

Susanne Güsten

Nicht beliebt. Auch arabische Touristen werden angegangen. Foto:Foto: Dilara Senkaya, Reuters

Arabische Gesänge schallen über den Bosporus, wenn abends in Istanbul die Ausflugsboote losfahren. „Man glaubt gar nicht mehr, dass man in Istanbul ist“, schimpft eine türkische Einwohnerin der Metropole. An den Ufern spazieren Familien aus der Golf-Region, auf den Einkaufsstraßen wird Arabisch gesprochen, an den Kreuzungen betteln syrische Flüchtlingskinder.

Während des islamischen Opferfestes in den vergangenen Tagen war der Andrang der Araber besonders spürbar. Für viele Türken wurde das Fest zu einem Wendepunkt: Die Stimmung gegen Araber schlägt in offene Feindseligkeit um.

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Die Ausländerfeindlichkeit richtet sich nicht nur gegen arabische Touristen und gegen die 3,6 Millionen syrischen Flüchtlinge, sondern auch gegen reiche Zuwanderer aus Nahost, die sich mit einem Immobilienkauf türkische Pässe sichern.

Eine Investition von 250.000 Dollar genügt, um dem Käufer und seiner Familie die türkische Staatsbürgerschaft zu erwerben, und viele Interessenten aus politisch instabilen oder repressiven Nahost-Ländern nehmen die Einladung dankbar an. Iraker, Iraner und Saudis sind die führenden ausländischen Käufer.

Vorurteile und Gerüchte über die Araber gleichen denen in Europa. „Die bieten 14-jährige Mädchen als Prostituierte feil“, entrüstet sich ein Ladeninhaber an der Einkaufsmeile Istiklal Caddesi in der Stadtmitte von Istanbul. Im Internet kursieren Videos, in denen angeblich arabische Badegäste an einem Strand lauthals „Gott ist groß“ skandieren. Überfremdungsängste brechen sich Bahn.

In einigen Städten an der türkischen Grenze zu Syrien leben inzwischen mehr Syrer als Türken. In der Grenzprovinz Hatay sei es inzwischen so weit, dass sich die Syrer als die Herren fühlten und die Türken aufforderten, die Gegend zu verlassen, behauptet der ehemalige Parlamentspräsident Hüsamettin Cindoruk.

Wie Fremde in der eigenen Stadt

Alteingesessene Istanbuler berichten, dass sie sich wie Fremde in der eigenen Stadt fühlen – wegen der Touristen, der vielen Wasserpfeifen-Cafés, und weil es in einigen Stadtteilen mehr arabische Ladenschilder gibt als türkische. Schätzungsweise zwei Millionen Araber, davon etwa eine Million Syrer, leben laut lokalen Medienberichten in der 16-Millionen-Metropole.

Er könne die Ausländerdiskussion in der EU jetzt besser verstehen, sagt ein türkischer Akademiker, der einige Jahre in Europa verbracht hat. Auf Twitter machen erboste Türken unter dem Hashtag #GitmeVaktinizGeldi (Zeit, dass ihr geht) ihrer Wut über Araber Luft. Eine regierungsnahe Fernsehkommentatorin, die für die rasche Einbürgerung der Flüchtlinge plädiert, wird als „arabische Lesbe“ beschimpft.

Die Opposition hat das Thema für sich entdeckt. Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu fordert die Rückführung der syrischen Flüchtlinge in ihre Heimat und spricht wegen der steigenden Zahl von Flüchtlingen aus Afghanistan von einer „Schicksalsfrage“ für das Land. Tanju Özcan, ein Parteifreund von Kilicdaroglu und Bürgermeister der Stadt Bolu östlich von Istanbul, will Ausländer mit hohen Sondergebühren für Wasser und Abwasser aus der Stadt vertreiben. Es reiche nicht, den Ausländern städtische Hilfen zu streichen oder Geschäftsgründungen zu verweigern, sagte der Lokalpolitiker. „Sie sollen verschwinden.“

Präsident Recep Tayyip Erdogan wurde von der Diskussion überrascht. Jahrelang konnte sich Erdogan bei seiner „Politik der offenen Tür“ in Syrien auf die Toleranz der Türken verlassen und die Aufnahme der Syrer als humanitäre Pflicht rechtfertigen.

30 Juli 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Seit 35 Jahren lebt Intensivpflegerin Farah Demir in Deutschland – mit vorläufiger Duldung. Leserinnen und Leser fordern deutlich, ihr die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen.

von Fremdeninfo 28 Juli 2021
von Fremdeninfo
 

hriften und Formalem … Lorenz Semper, Hannover

Mittwoch, 28. Juli 2021 HAZ Forum

„Schreiende Ungerechtigkeiten“

Seit 35 Jahren lebt Intensivpflegerin Farah Demir in Deutschland – mit vorläufiger Duldung. Leserinnen und Leser fordern deutlich, ihr die deutsche Staatsbürgerschaft zu verleihen.

 

 
 
Farah Demir, Intensivkrankenpflegerin auf der Covid-19-Intensivstation, steht vor dem Campus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie lebt seit 35 Jahren in Deutschland, dennoch ist sie nur vorläufig geduldet – und bleibt somit von einer Abschiebung bedroht.Foto: Ole Spata/dpa

Fleißig undsystemrelevant

Zum Artikel „Weiter nur geduldet“ vom 17. Juli:.

Warum muss eine Frau wie Farah Demir diese Tortur über sich ergehen lassen? So tüchtig, so gut gebildet, arbeitet sie seit Jahren als Krankenschwester in der Intensivmedizinischen Abteilung der MHH und muss trotzdem ständig mit der Angst leben – irgendwann und irgendwohin – abgeschoben zu werden! Es ist beschämend zu lesen, dass die Behörden nicht in der Lage sind, ihrer eigentlichen Fünktion nachzukommen und solchen Mitbürgern und Mitbürgerinnen unbürokratisch zu helfen. Geben Sie doch endlich dieser fleißigen und systemrelevanten Frau die deutsche Staatsangehörigkeit! Christine Steinmann, Burgdorf

Verwaltung mitSchwächen

Da lebt eine hoch qualifizierte MHH-Intensivkrankenschwester seit Jahren mit einer vorläufigen Duldung, befürchtet eine Abschiebung und fühlt sich durch nachlässige Behandlung unserer Behörden bei uns nicht willkommen. Da nimmt sich der Staatssekretär im Innenministerium nicht die Zeit, eine Petition entgegenzunehmen, weil ihm eine Plenarsitzung wichtiger ist. Und da gibt es einen aus Togo stammenden vielfachen Straftäter, der seit 2006 ein vorläufiges Aufenthaltsrecht hat! Wie passen diese Situationen zusammen? Mich machen diese Verwaltungsschwächen zornig. Peter M. Johannsen, Neustadt

Die Maßstäbestimmen nicht

Womit hat ein Mensch es verdient, so demütigend behandelt zu werden? Der Umgang mit Farah Demir und vielen anderen Personen mit ähnlichem Schicksal macht traurig und ratlos. Richtig wütend werde ich aber, in der- selben Zeitungsausgabe von einem 49-jährigen Mann aus Togo zu lesen, der ebenfalls seit 15 Jahren geduldet in Deutschland lebt, permanent straffällig wird, den Staat nur Geld kostet und offensichtlich über null Unrechtsbewusstsein verfügt. Sind wir in unserer so toll organisierten Bundesrepublik nicht in der Lage (oder willens?), hier unterschiedliche Maßstäbe anzulegen? Hoffentlich folgt Herrn Seehofer nach der Bundestagswahl jemand im Innenministerium, der diese schreienden Ungerechtigkeiten beseitigt. Peter Dams, Hannover

WeltfremdeEntscheidungen

Zwei Meldungen des gleichen Tages: „ Mann fährt 78-mal ohne Fahrschein mit dem Zug“ und „Weiter nur geduldet“. Ergebnis der Lektüre: Für den Kriminellen, der noch wegen diverser weiterer Delikte aktenkundig ist, folgen keine Abschiebung wegen „Abschiebungshinderungsgründen“ und ein vorläufiges Aufenthaltsrecht. Die bestens integrierte Krankenschwester, deren einzige Verfehlung darin besteht, keine Geburtsurkunde vorlegen zu können: nur geduldet!

Wie sagte Altkanzler Gerhard Schröder einmal markig: „Kriminelle Ausländer sofort raus!“ Scheint bei der Ausländerbehörde nicht angekommen zu sein, hier hält man sich an das umgekehrte Prinzip. Damit werden alle rechtschaffenen Bürger provoziert, und die Kriminellen dürfen frohlocken. Wie weltfremd muss man eigentlich sein, um solche Entscheidungen zu treffen? Wilfried Paschköwitz, Garbsen

Bestimmungen sozial verträglich ändern

Es ist eine unglaubliche Schande, wie Behörden mit unserer Mitbürgerin Farah Demir umgehen. Als Bürger dieses Landes schäme ich mich für die Unfähigkeit unserer Politiker und wichtigen Entscheidungsträger in den Verwaltungen, eine menschlich vertretbare Entscheidung zu treffen.

Da kommt ein kleines Mädchen im Alter von zwei Jahren als Flüchtlingskind mit seinen Eltern in unser Land. Fluchtbedingt sind die Papiere nicht vollständig vorhanden. Dieses Mädchen, heute eine erwachsene Frau, die seit 35 Jahren in unserem Land lebt, die sich voll integriert hat, die das Abitur erfolgreich abgelegt hat, die einen sozialpflegerischen Beruf erlernte und diesen mit viel Erfolg ausübt, erhält immer wieder von den zuständigen Ämtern nur befristete Duldungsbescheide.

Warum findet sich kein Politiker oder ein entscheidungsbefugter Verwaltungsbeamter, der diesem unerträglichen Drama ein Ende bereitet? Diese Frau hätte gern die deutsche Staatsbürgerschaft, weil Deutschland ihre Heimat geworden ist. Wenn irgendein „erfolgreicher Sportler“ aus dem Ausland in unser Land kommt und für die Nationalmannschaft dringend benötigt wird, wird ihm sehr schnell die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen.

Da fliegt unser Gesundheitsminister Jens Spahn nach Albanien und bemüht sich, Pflegekräfte für Deutschland anzuwerben, die zwar kaum ein Wort Deutsch sprechen und dementsprechend nur eingeschränkt als Pflegekräfte bei uns tätig werden können. Gleichzeitig wollen unsere Behörden eine hoch qualifizierte Pflegekraft in unserem Land nur dulden, sie nicht voll integrieren, indem sie ihr die deutsche Staatsbürgerschaft anbieten und damit ein Dauerbleiberecht ohne Einschränkungen verschaffen. Die Entscheidungsträger verschanzen sich dabei kleinlich hinter gesetzlichen Bestimmungen, die auch geändert oder sozial verträglich interpretiert werden könnten.

Dabei wäre es einfach, für diese Personengruppe ein neues humanes Gesetz zu erlassen: Wer als Kind (Alter könnte festgelegt werden) ohne entsprechende Papiere als Flüchtling in unser Land gekommen ist, einen Schulabschluss geschafft und eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen hat und nicht kriminell geworden ist, darf die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Ich appelliere deshalb besonders an Stephan Weil, dass er als Ministerpräsident kraft seines Amtes Frau Demir die deutsche Staatsbürgerschaft zuerkennt. Viele Kranke der MHH, die von Farah Demir kompetent und liebevoll versorgt wurden, werden ihm dankbar sein.

Farah Demir braucht für ihre aufopferungsvolle Arbeit an kranken Menschen keinen Bundesverdienstorden. Sie braucht die deutsche Staatsbürgerschaft, damit sie wie ein normaler Mensch leben und auch reisen kann. Es ist ein Skandal, dass Frau Demir neben ihrer herausfordernden Arbeit nun abends noch putzen gehen muss, um Geld für ihre Anwaltskosten zusammenzubekommen. Klaus G. Klockewitz, Hannover

UngleicheBehandlung

Ein Mann aus Togo begeht seit 1999 ungezählte Straftaten, besitzt aber ein vorläufiges Aufenthaltsrecht! Und andererseits muss eine verdiente Mitbürgerin, die seit vielen Jahren in der MHH einen schweren sozialen Dienst an der Bevölkerung leistet, jeden Tag mit der Sorge aufwachen, in ihr „Heimatland“ abgeschoben zu werden. Mir fehlen die Worte. Eckhardt Mietzke, Hannover

Hinter Vorschriftenversteckt

Wenn man sich vor Augen führt, was für ein Zugewinn Menschen wie Frau Demir für unsere Gesellschaft sind und wie wichtig es für uns alle ist, engagierte, kompetente und loyale Menschen für unser Land zu gewinnen, dann kann man nur fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass unsere Bürokratie mal wieder grandios versagt. Umso erschütternder ist das im Vergleich zum dargestellten Fall eines Togolesen, der seit Jahresbeginn 78-mal ohne Ticket gefahren und auch sonst durch zahlreiche Sexual- und Eigentumsdelikte, Körperverletzungen, Hausfriedensbrüche und Nötigungen in Erscheinung getreten ist. Sein Asylantrag ist seit 2006 abgelehnt. Wie will man damit Frau Demir Grundsätze, Prinzipien, Werte und Gerechtigkeit unserer Demokratie und unseres Rechtssystems plausibel vermitteln? Und wie wollen wir alle anderen, insbesondere den Zweiflern am System, auf unseren Gesellschaftskonsens verpflichten? Hierzu sind mutige Entscheider in Politik und Behörden gefordert. Die bisher Verantwortlichen verstecken sich wohl lieber hinter Vorschriften und Formalem … Lorenz Semper, Hannover

28 Juli 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

70 Jahre Flüchtlingskonvention: EU lässt Menschen im Stich

von Fremdeninfo 27 Juli 2021
von Fremdeninfo

70 Jahre Flüchtlingskonvention: EU lässt Menschen im Stich

Von

dtj-online

–

27.07.2021

In letzter Zeit wird die Flüchtlingskonvention in mehreren EU-Staaten nicht so ernst genommen, wie es einmal der Fall war. Morgen jährt sich diese zum 70. Mal.

Die Europäische Union lässt Flüchtlinge nach Ansicht einer Expertin teils im Stich und verstößt damit gegen internationales Recht. Diese Kritik äußert die Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration, Petra Bendel, anlässlich des 70. Jahrestags der Verabschiedung der Genfer Flüchtlingskonvention am Mittwoch dieser Woche.

„Der Anlass muss Mahnung und Ansporn sein und sollte die Europäerinnen und Europäer daran erinnern, dass sie eine Verpflichtung gegenüber Flüchtlingen haben“, sagte Bendel, Politikwissenschaftlerin an der Universität Erlangen-Nürnberg, der Deutschen Presse-Agentur. „Und man muss den Finger in die Wunde legen: Diese Verpflichtung wird vielfach gebrochen.“

Wenige Fluchtmöglichkeiten

Die Konvention ist der Grundpfeiler des internationalen Flüchtlingsrechts. Sie garantiert Menschen Schutz, die in ihrer Heimat verfolgt werden wegen ihrer „Rasse, Religion, Nationalität“, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politischen Überzeugung. Sie wurde am 28. Juli 1951 verabschiedet.

Bendel verweist darauf, dass vor den griechischen Inseln Flüchtlingsboote Richtung Türkei zurückgedrängt werden. Die von der EU finanziell unterstützte libysche Küstenwache fange Flüchtlingsboote ab und bringe Menschen zurück nach Libyen. „Es ist ein Kernelement der Konvention, dass Menschen nicht zurückgewiesen werden dürfen in Länder, in denen sie nicht sicher sind“, sagt Bendel. „Es darf nicht sein, dass EU-Länder dagegen verstoßen.“ Ein Verstoß sei auch die Unterbringung der Menschen in Lagern mit menschenunwürdigen Zuständen wie auf der griechischen Insel Lesbos.

dpa/dtj

27 Juli 2021 0 Kommentare
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Nach Angriff auf türkischen Journalisten in Berlin Türkische Exilanten bedroht – Bundesregierung befasst sich mit „Todeslisten“

von Fremdeninfo 27 Juli 2021
von Fremdeninfo

Nach Angriff auf türkischen Journalisten in Berlin Türkische Exilanten bedroht – Bundesregierung befasst sich mit „Todeslisten“

In Deutschland lebende Kritiker der Erdogan-Regierung werden eingeschüchtert. Das Innenministerium spricht erstmals von „Hinweisen“ auf Feindeslisten.

Hannes Heine  dpa

Eine Mann zeigt den „Wolfsgruß“ der türkischen Grauen Wölfe auf einer Kundgebung in München.Peter Kneffel/dpa

Die Bundesregierung hat sich erstmals zu sogenannten Todeslisten geäußert, auf denen die Namen türkischer Exilanten in Deutschland verzeichnet sein sollen. „Derzeit gibt es Hinweise zu verschiedenen Listen mit Namen von Personen, die der türkischen Regierung mutmaßlich kritisch gegenüberstehen“, schreibt Innenstaatssekretär Helmut Teichmann in einer dem Tagesspiegel vorliegenden Antwort an die Bundestagsabgeordnete Evrim Sommer (Linke).

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Eine konkrete Liste habe die Bundesregierung derzeit nicht, heißt es weiter, die „Erkenntnisverdichtung“ dauere an. Wie berichtet hatten nach Deutschland geflohene Kritiker der Regierung in Ankara erfahren, dass unter türkischen Rechten hierzulande Listen kursierten, auf denen bis zu 55 Exilanten genannt werden sollen. In Deutschland waren immer wieder Journalisten, Politiker und Aktivisten aus der Türkei bedroht, zuweilen auch attackiert worden.

Erst vor zwei Wochen wurde der türkische Journalist Erk Acarer, der in Berlin-Neukölln lebt, von zwei Männern angegriffen, ein dritter Mann habe die Umgebung beobachtet. Acarer musste in eine Klinik. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt.

Am Wochenende wurde bekannt, dass sich auch der kurdische Musiker Ferhat Tunç auf einer „Todesliste“ befinde. Er selbst hatte bekannt gemacht, von der Polizei Darmstadt informiert worden zu sein. In Köln wiederum ist der Fernsehjournalist Celal Baslangiç betroffen.

Erdogans AKP koaliert mit der rechtsradikalen MHP

In Berlin hatte Acarer nach dem Angriff ein Foto von sich auf Twitter veröffentlicht und dazu auf Türkisch geschrieben: „Ich bin in meinem Haus in Berlin mit Messer und Faust angegriffen worden.“ Er habe Schwellungen am Kopf, aber „werde niemals vor dem Faschismus kapitulieren.“ Und: „Dieser Angriff ist der Beweis dafür, dass alles, was wir gegen die islamistische und faschistische AKP-MHP-Regierung geschrieben und gesagt haben, korrekt ist.“

Die islamistische AKP ist die Partei von Staatschef Recep Tayyip Erdogan, die MHP eine Partei rechtsradikaler Nationalisten. Ihre Anhänger werden oft als Graue Wölfe bezeichnet, ein Sammelbegriff für türkische Faschisten. Unter Exilanten und Kennern der Szene vermuten einige, dass Graue Wölfe hinter den Angriffen in Deutschland stecken.

Linke: Todeslisten gefährden auch Sicherheit Deutschlands

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) aufgefordert, den türkischen Botschafter in Deutschland einzubestellen. DJV-Bundeschef Frank Überall begrüßte den Polizeischutz für betroffene Exiljournalisten, sagte aber auch: „Heiko Maas muss dem türkischen Botschafter unmissverständlich klar machen, dass hier eine Grenze überschritten wird und dass Drohungen und Gewalt gegen Journalisten, die hier Zuflucht vor dem repressiven Regime der Türkei gefunden haben, inakzeptable Straftaten sind.“

Die Abgeordnete Sommer, die das Bundesinnenministerium zu den aktuellen Vorfällen gefragt hatte, sagte am Montag: „Erdogans Terrornetzwerk in Deutschland ist aktiver denn je. Mit systematisch erstellten Todeslisten soll ein Exempel an oppositionellen Exilanten statuiert werden. Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie sich klar positioniert und ihrer Schutzpflicht nachkommt.“ Kanzlerin Angela Merkel müsse den türkischen Botschafter einbestellen: „Solche Hinrichtungslisten gefährden auch die innere Sicherheit Deutschlands.“

Die Bundesregierung hat erst vor einigen Tagen die Pläne Erdogans verurteilt, das seit dem Zypern-Krieg verlassene Varosia wieder zu besiedeln. Aus der Stadt flohen die griechisch-sprachigen Zyprioter, als der Norden der Mittelmeerinsel 1974 von türkischen Truppen besetzt wurde. Anders als die Regierung in Ankara erkennen die Vereinten Nationen das später ausgerufene Nordzypern nicht als Staat an.

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„Ich kenne die Täter“ Erdogan-Kritiker Erk Acarer in Berlin angegriffen

Der türkische Journalist Erk Acarer teilte nach dem Angriff ein Bild von sich bei Twitter.

27 Juli 2021 0 Kommentare
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Werden türkische Flüchtlinge rechtswidrig abgewiesen?

von Fremdeninfo 25 Juli 2021
von Fremdeninfo

 

 

Werden türkische Flüchtlinge rechtswidrig abgewiesen?

Von

dtj-online

 
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Jülide Çetin und Şeyma Demirel stehen kurz vor einer Abschiebung nach Bulgarien.

Seit knapp 40 Tagen warten die beiden Lehrerinnen Jülide Çetin und Şeyma Demirel nun am Flughafen in Frankfurt auf eine klare Entscheidung. Für sie ist es eine Schicksalsfrage. Es bleiben ihnen wenige Optionen.

Personen aus der Türkei stellen seit dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 Asylanträge in Deutschland. Viele Gülenisten, Journalisten und pro-kurdische Aktivisten werden seither mit schwerster politischer Verfolgung konfrontiert.

Zehntausende Gülenisten, Tausende Kurden und Dutzende Journalisten befinden sich seit vielen Jahren im Gefängnis und sitzen mehrjährige Haftstrafen ab. In der Regel werden sie damit beschuldigt, als Mitglieder einer Terrororganisation den Staat umstürzen zu wollen.

Akademiker:innen und Hausfrauen mit Kindern

Dass es sich bei vielen dieser Personen um unbewaffnete Akademiker:innen, Lehrer:innen, Ärzt:innen, ältere Menschen sowie einfache Hausfrauen mit Kindern handelt, scheint den staatlichen Behörden gleichgültig zu sein. Dabei gilt die Gefahr nicht nur für Menschen in der Türkei.

Die Regierung um den Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan rühmt sich regelmäßig damit auch Andersdenkende im Ausland zu entführen und in die Gefängnisse zu stecken (DTJ-Online berichtete).

Auslands-Türk:innen fliehen nach Deutschland

Aus diesem Grund verlassen nicht nur Türk:innen aus der Türkei das Land, um vor dem Erdoğan-Regime sicher zu sein. Auch Gülenisten etwa, die in Einrichtungen der Gülen-Bewegung im Ausland im Einsatz sind oder waren, fliehen oft nach Europa. Deutschland ist als eines der vergleichsweise sicheren Länder das präferierte Ziel dieser Personengruppen.

Vermehrt fliehen Personen aus Ländern, die ein strategisches Bündnis mit der Türkei haben oder starke Wirtschaftsbeziehungen zur Türkei hegen. Darunter fallen zahlreichen Länder aus dem Balkan, Afrika und Asien. Jülide Çetin und Şeyma Demirel sind zwei Lehrerinnen, die bis vor Kurzem noch in Vietnam lebten.

40 Tage am Flughafen Frankfurt

Doch die Tatsache, dass die Türkei aus benachbarten Staaten wie Thailand, Malaysia, Myanmar und Indonesien bereits Andersdenkende entführt hat, fühlten sie sich in Vietnam nicht mehr sicher. Ursprünglich wollten die beiden Lehrerinnen direkt nach Deutschland reisen.

Doch aufgrund der weltweiten Corona-Pandemie konnten Sie zunächst ein Visum in Bulgarien beantragen. Vor knapp 40 Tagen kamen Sie in Frankfurt an, doch nun sollen Sie nach Bulgarien zurückgeführt werden.

Bulgarien kein sicheres Land für türkische Flüchtlinge

Zwar ist Bulgarien ein Mitgliedsstaat der Europäischen Union, aber gleichzeitig ein Nachbarstatt der Türkei. Zudem gibt es in Bulgarien eine sehr große türkische Community mit wirtschaftlichen und familiären Verbindungen in die Türkei. Aus diesem Grund wird Bulgarien auch mit Denunziantentum in Verbindung gebracht.

Türkeistämmige Bulgar:innen könnten, genauso wie die Türken in Deutschland ihren Aufenthaltsort an türkische Behörden weiterreichen. Und für den türkischen Geheimdienst MIT dürfte der Nachbarstaat auch ein einfacheres Feld sein als Deutschland.

Negativbeispiel Abdullah Büyük

Doch wie Boldmedya berichtete, sollen Çetin und Demirel dennoch nach Bulgarien abgeschoben werden. Dabei hat es in der Vergangenheit auch Fälle gegeben, in denen der bulgarische Staat mutmaßliche Anhänger des islamischen Gelehrten Fethullah Gülen an die Türkei übergeben hat.

So etwa in dem Fall des Unternehmers Abdullah Büyük. Dieser hatte im April 2016 politisches Asyl in Bulgarien beantragt. Nachdem dessen Antrag auf Schutz durch bulgarische Behörden abgelehnt wurde, übergaben ihn die Behörden am 10. August 2016 an der Grenztür von Kapıkule an die Türkei. Seither ist Büyük nun in Haft. Bulgarien ist kein sicheres Land für türkische Flüchtlinge. So auch nicht für die Lehrerinnen Jülide Çetin und Şeyma Demirel.

25 Juli 2021 0 Kommentare
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