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Angehörige entsetzt: Ermittlungen zum Hanau-Anschlag eingestellt

von Fremdeninfo 17 Dezember 2021
von Fremdeninfo

Angehörige entsetzt: Ermittlungen zum Hanau-Anschlag eingestellt

Von

dtj-online

–

17.12.2021

 
 
 
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Eine Teilnehmerin hält ein Plakat „Niemals vergessen#Hanau“ auf der Kundgebung zum Gedenken an den rassistischen Anschlag in Hanau. Foto: Andreas Arnold/dpa

Keine Mitwisser, keine Gehilfen: Aus Sicht der Ermittler war der Attentäter von Hanau ein Einzeltäter mit rassistischen Motiven. Aus der Perspektive der Angehörigen ändert das nichts am Vorwurf des Behördenversagens. Es bleiben: unbeantwortete Fragen und Entsetzen.

In nur sechs Minuten hat der Attentäter von Hanau vor knapp zwei Jahren neun Menschen erschossen. Seither lasten Trauer, Schmerz und Wut schwer auf dem Leben der Hinterbliebenen. Warum hat niemand Tobias R. gestoppt, der vor seiner Tat wirre Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Netz veröffentlichte?

Warum durfte er Waffen besitzen, obwohl er unter Wahnvorstellungen litt? Und welche Rolle hat der in der Tatnacht überlastete Hanauer Polizei-Notruf 110 gespielt? Auch wenn die Bundesanwaltschaft die Ermittlungsakten zu dem Anschlag vom 19. Februar 2020 nun schließt, bleiben diese Fragen aus Sicht der Angehörigen offen.

400 Zeugen befragt

An mehreren Tatorten in Hanau hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. an jenem Abend neun Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach kehrte er nach Erkenntnissen der Ermittler in sein Elternhaus in der Stadt im Osten des Rhein-Main-Gebiets zurück, tötete seine Mutter und nahm sich selbst das Leben.

Knapp zwei Jahre lang haben Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt den Täter, seine Motivation und Hintergründe sowie Kontaktpersonen durchleuchtet. Rund 300 Hinweisen und Spuren gingen sie nach, 400 Zeugen wurden vernommen und Hunderte Asservate untersucht. Nach Überzeugung der Ermittler handelte Tobias R. allein, ohne Mitwisser oder Gehilfen. Auch Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung seines Vaters sieht die Bundesanwaltschaft nicht.

Welche Rolle spielt der Vater des Attentäters?

Die „Initiative 19. Februar Hanau“, in der sich Opfer-Familien und Überlebende zusammengeschlossen haben, will das in einer ersten Reaktion am Donnerstag so nicht stehen lassen. „Wir sehen nicht, dass die Rolle des Vaters des Täters in der Tatnacht ausermittelt ist“, erklärt sie.

Vielmehr hätten sich im Zusammenhang mit dem Prozess wegen Beleidigung gegen den Vater im Oktober neue Hinweise darauf ergeben, wie offensiv dieser das rassistische Weltbild seines Sohnes geteilt habe. In dem Aufsehen erregenden Verfahren war der Mann vom Amtsgericht Hanau zu 5.400 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Mann mit „rassistischem Gedankengut“

Angeklagt war er wegen Beleidigung in drei Fällen, es ging um Äußerungen in einer Anzeige und zwei Schreiben. Die Vorsitzende Richterin hatte dem Mann mit Blick auf einen der Vorwürfe ein „rassistisches Gedankengut“ bescheinigt. Nachdem sowohl er als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt haben, dürfte das Verfahren vor dem Landgericht Hanau in die nächste Instanz gehen.

Die Bundesanwaltschaft selbst erklärt, man habe die Rolle des Vaters von Tobias R. im Rahmen der Ermittlungen umfassend beleuchtet. Es hätten sich keine Verdachtsmomente ergeben, „dass der Vater des Attentäters in irgendeiner Weise an den Tötungen beteiligt war oder auch nur im Vorfeld Kenntnis von ihnen erlangt hatte“, so die Ermittler.

„Teilnahme oder Mitwisserschaft“?

Tobias R. habe – ungeachtet psychischer Beeinträchtigungen – „ein selbstbestimmtes Leben“ geführt. Laut einem posthum erstellten Gutachten soll er an einer paranoiden Schizophrenie gelitten haben, auf die eine rechtsradikale Ideologie aufgesetzt gewesen sei.

 

„Ein in erheblichem Umfang übereinstimmendes Weltbild von Vater und Sohn mit extremistischen und verschwörungstheoretischen Tendenzen vermag weder für sich alleine noch mit der vorgenannten zu Tage getretenen Einflussnahme eine Teilnahme oder Mitwisserschaft zu begründen“, so die Bundesanwaltschaft.

Hinterbliebene hoffen auf U-Ausschuss

Gegen die Entscheidung der Behörde könnten sich Angehörige in einem Klageerzwingungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Frankfurt wehren. Eine Frist dafür läuft vier Wochen lang, ob dieser Schritt gegangen wird, werde noch mit Angehörigen und mehreren Anwälten überlegt, heißt es am Donnerstag von der Initiative, die seit der Tat auf eine lückenlose Aufklärung und Konsequenzen eintritt.

Im Fokus bleibt für die Hinterbliebenen nun vor allem der Untersuchungsausschuss zu dem Anschlag vor dem Hessischen Landtag, der sich vor allem mit der Frage befasst, ob es vor, während oder nach der Tat zu einem Behörden“versagen“ gekommen ist. In der Verantwortung sieht die Initiative in erster Linie die hessische Landesregierung.

Überlastung des Hanauer Notfalls?

Als ein zentraler Punkt wird es bei der nächsten öffentlichen Sitzung des Gremiums an diesem Freitag um die Überlastung des Hanauer Polizei-Notrufs in der Tatnacht gehen. Als Zeuge wird unter anderem der Vater von Vili Viorel Păun gehört, der dem Täter nach den ersten Schüssen in der Hanauer Innenstadt gefolgt war, um ihn zu stoppen, und von diesem in seinem Wagen erschossen worden war.

Zuvor hatte er mehrfach vergeblich den Hanauer Polizei-Notruf gewählt – dessen Kapazitätsengpässe schon Jahre vor dem Anschlag von Polizisten moniert worden sein sollen. Die Hanauer Staatsanwaltschaft hatte ein Ermittlungsverfahren gegen Polizisten abgelehnt, weil sie keinen strafprozessualen Anfangsverdacht sah. Auch zu mehreren weiteren Anzeigen hatten die Hanauer Staatsanwälte Ermittlungsverfahren nach eingehender Prüfung abgelehnt beziehungsweise eingestellt.

dpa/dtj

17 Dezember 2021 0 Kommentare
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Özdemir erstmals in Brüssel: Waldschutz ganz oben auf der Agenda

von Fremdeninfo 15 Dezember 2021
von Fremdeninfo

Özdemir erstmals in Brüssel: Waldschutz ganz oben auf der Agenda

Von

dtj-online

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14.12.2021

 
 
 
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13.12.2021, Belgien, Brüssel: Virginijus Sinkevicius (l-r), EU-Kommissar für Umwelt, Ozeane und Fischerei, und Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sprechen mit Luis Planas Puchades, Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei von Spanien, während eines Treffens der EU-Landwirtschaftsminister im Gebäude des Europäischen Rates. Die EU-Ministerinnen und Minister streben eine politische Einigung über die Fangmöglichkeiten und Quoten für die wichtigsten Bestände der EU für das Jahr 2022 an. Foto: Virginia Mayo/AP/dpa

Der Schutz und Erhalt bestehender Wälder soll nach dem Willen des neuen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir künftig bei „allen internationalen Handelsabkommen“ garantiert werden.

Die aktive Zerstörung der Wälder sei katastrophal für den Klimaschutz, sagte er am Montag in Brüssel bei einem Treffen der EU-Agrarministerinnen und -minister. „Deshalb müssen wir uns nicht nur für den Schutz der Wälder in Deutschland einsetzen, sondern global auf dem ganzen Planeten.“ Als konkretes Beispiel nannte Özdemir das Handelsabkommen Mercosur.

Über den Aufbau der Freihandelszone zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur war im Sommer 2019 nach jahrelangen Verhandlungen eine politische Grundsatzeinigung erzielt worden. Der Deal wird allerdings nun von mehreren EU-Staaten wie Frankreich oder Österreich wieder infrage gestellt.

Keine Produkte auf Kosten von Wäldern

Kritiker befürchten, dass europäische Landwirte künftig in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden könnten und gleichzeitig die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. Die EU-Kommission verweist hingegen unter anderem darauf, dass das Abkommen Unternehmen in der EU schätzungsweise jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen ersparen und die Exporte ankurbeln könnte.

Die EU-Kommission hatte Mitte November einen Gesetzesvorschlag präsentiert, wonach Soja und Palmöl, aber auch andere Produkte, für die Regenwaldfläche neu gerodet wurde, nicht mehr in die Europäische Union gelassen werden sollen. „Das trifft sich auch mit den Interessen der neuen Koalition in Berlin“, so Özdemir.

Studie über Brustbeinbrüche bei Legehennen

Özdemir sieht darüber hinaus die Ergebnisse einer Studie zu Brustbeinbrüchen bei Legehennen „mit großer Besorgnis“. Der Grünen-Politiker verwies am Rande des Treffens auf eine Studie aus Dänemark, wonach 85 Prozent der Legehennen Brustbeinbrüche aufweisen, unabhängig von der Haltungsform. „Die Ursache, soweit man das heute sagen kann, ist vermutlich genetisch bedingt. Die Zucht scheint eine wichtige Rolle zu spielen“, so Özdemir.

Wie er bei seiner Amtseinführung betont habe, sehe er sich auch als obersten Tierschützer Deutschlands, so Özdemir. „Wenn man sich das Recht nimmt, Tiere zu nutzen, dann hat man auch die Pflicht, die Tiere bestmöglich zu schützen“, sagte er. Deswegen solle geprüft werden, was in Deutschland bei dem Thema getan werden müsse.

Wie die Universität Kopenhagen in einer Pressemitteilung schrieb, liegt der Brustbeinbruch „allem Anschein nach“ daran, dass große Eier von innen auf den Körper der Hennen drücken. Generell könne festgestellt werden, dass das Problem größer werde, je größer die Eier und je kleiner die Hühner seien. Die Körper seien zu stark belastet, da die Hennen darauf gezüchtet würden, klein zu sein, aber viele große Eier zu legen.

dpa/dtj

 

 

15 Dezember 2021 0 Kommentare
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Neuer FDP-Fraktionschef macht sich für Einwanderung stark – aus einem Grund

von Fremdeninfo 13 Dezember 2021
von Fremdeninfo

Neuer FDP-Fraktionschef macht sich für Einwanderung stark – aus einem Grund

Von

dtj-online

–

12.12.2021

 
 
 
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Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung in Deutschland ist besonders hoch. Die Folgen sind womöglich bald zu spüren. Die FDP hält mehr Einwanderung für geboten – aber hinein in Jobs.

Der neue FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr plädiert für eine deutliche Steigerung der Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt. Diese sei nötig, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken und Wachstum zu ermöglichen, aber auch zur Sicherung der Sozialsysteme, sagte der liberale Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

„Der Bundeshaushalt schießt mittlerweile über 100 Milliarden Euro als Steuerzuschuss in die gesetzliche Rentenversicherung. Das sind alles berechtigte Ansprüche von Rentnerinnen und Rentnern. Aber es zeigt die demografische Schieflage.“ Dürr war am Dienstag zum Nachfolger von Christian Lindner als Fraktionschef der Liberalen im Bundestag gewählt worden.

„Der Chef der Bundesagentur für Arbeit spricht von einer Notwendigkeit der Einwanderung pro Jahr von 400.000 Menschen. Ich halte die Zahl für realistisch und will es begründen“, sagte Dürr. „Erstens wirtschaftspolitisch: Wir gehören mit Japan zu den ältesten Ländern der Welt. In allen Branchen in Deutschland ohne Ausnahme werden derzeit Arbeitskräfte gesucht. Unser Wohlstand hängt davon ab, ob wir das schaffen.“

Vorbild Kanada und Australien

Ziel müsse es sein, Migration in den deutschen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, nicht nur in die sozialen Sicherungssysteme. Nur wenn dies gelinge, werde Deutschland Wachstumsraten haben, die dann für Investitionen in Bildung, Klimaschutz und die Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme verwendet werden könnten.

Deutschland müsse sich wie ein modernes Einwanderungsland verhalten und sich beim Management der Einwanderung an Ländern wie Kanada, Neuseeland oder Australien orientieren.

Einwanderung „in die Mitte der deutschen Gesellschaft“

„Jeder, der nach Deutschland einwandern möchte und auch jeder, der hier ist, muss sich die Frage stellen: Hat sie oder er dauerhaft Lust, in der Mitte der deutschen Gesellschaft zu leben? Und hat er oder sie Lust, erfolgreich im Arbeitsmarkt zu sein? Ich glaube, das sind zwei Voraussetzungen“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende. „Und wenn die nicht erfüllt sind, dann wird Integration nicht erfolgreich sein.“

Unabhängig davon sei es richtig, Menschen, die vor Kriegen flüchteten und deren Leben direkt bedroht sei, Asyl zu gewähren oder einen Flüchtlingsstatus. „Aber ich würde die beiden Dinge trennen. Das eine ist die humanitäre Hilfe, und das andere ist die gezielte Einwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt“, sagte er. Unklar sei auch, woher die Einwanderer in der Zukunft kommen. „Ich kann da nur mutmaßen, das wird auch der asiatische Raum sein, aber das muss sich zeigen“, sagte Dürr. „Aber allein, dass wir es heute noch nicht so richtig wissen, zeigt, wie schlecht wir in der Vergangenheit waren.“

dpd

13 Dezember 2021 0 Kommentare
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Weimarer Menschenrechtspreis geht an Selahattin Demirtaş

von Fremdeninfo 13 Dezember 2021
von Fremdeninfo

Weimarer Menschenrechtspreis geht an Selahattin Demirtaş

Von

dtj-online

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12.12.2021

 
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10.12.2021, Thüringen, Weimar: Süleyman Demirtaş, Bruder des Preisträgers, dem kurdischem Menschenrechtsanwalt und -verteidiger Selahattin Demirtaş, trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein anlässlich der Vergabe des Weimarer Menschenrechtspreises. Die Stadt Weimar ehrt den inhaftierten Demirtaş mit ihrem diesjährigen Menschenrechtspreis. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Die Stadt Weimar ehrt den inhaftierten kurdischen Politiker und Anwalt Selahattin Demirtaş mit ihrem diesjährigen Menschenrechtspreis.

Mit dem Preis wird sein Einsatz für eine friedliche Lösung der Situation der Kurden, Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung der Menschen in der Türkei gewürdigt, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und linke HDP-Oppositionspolitiker sitzt laut Stadtangaben seit 2016 „unrechtmäßig“ in Haft.

Das Schicksal des 48-Jährigen stehe beispielhaft für die zunehmende Verfolgung von Menschenrechtlern und Politikern in der Türkei, die öffentlich ein Ende von Willkür, Rechtlosigkeit und Minderheitenunterdrückung forderten, begründete die Stadt die Entscheidung für Demirtaş. Mit der Verleihung solle daher ein Zeichen für mehr Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit in der Türkei gesetzt werden.

Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung nahm am Freitagabend stellvertretend der Bruder des 48-Jährigen in Weimar entgegen. Der Menschenrechtspreis wird seit 1995 von der Stadt verliehen. Er wird alljährlich am 10. Dezember vergeben, dem von der UNO deklarierten Internationalen Tag der Menschenrechte.

dpa/dtj

 

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13 Dezember 2021 0 Kommentare
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Europarat leitet Verfahren ein: Türkei muss bis Januar reagieren

von Fremdeninfo 5 Dezember 2021
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Europarat leitet Verfahren ein: Türkei muss bis Januar reagieren

Von

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03.12.2021

 
 

 
Osman Kavala spricht im Jahr 2014 im EU-Parlament. Foto: dpa

Seit vier Jahren sitzt Osman Kavala im Gefängnis – ohne Gerichtsurteil. Die türkische Regierung bleibt in dem Fall stur, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte längst Kavalas Freilassung angeordnet hat. Das hat nun Folgen.

Der Europarat hat im Konflikt um den inhaftierten Kulturförderer Osman Kavala in einem historisch fast einmaligen Schritt ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Türkei eingeleitet. Das Ministerkomitee mit Vertretern der 47 Mitgliedstaaten stimmte am Donnerstag für das Verfahren, wie der Europarat am Freitag mitteilte.

Seit Einführung 2010 wurde das Vertragsverletzungsverfahren erst einmal ausgelöst: gegen Aserbaidschan. Die Türkei warf dem Europarat nach der Entscheidung Voreingenommenheit vor. Hintergrund des Verfahrens ist die fortgesetzte Weigerung Ankaras, Kavala aus der Haft zu entlassen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte schon vor rund zwei Jahren dessen Freilassung angeordnet und die Haft als politisch motiviert eingestuft. Als Mitgliedsland des Europarats ist die Türkei verpflichtet, sich an Urteile des Gerichts zu halten.

Ausschluss nach Verfahren möglich

Zuvor war mit einiger Spannung erwartet worden, ob sich die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit im Ministerkomitee finden würde, um das Verfahren auszulösen. Im Raum stand die Frage, ob es der Türkei gelingen würde, genügend Staaten zu mobilisieren, die dagegen stimmen würden. Beobachter befürchteten, der Europarat könne so seine Glaubwürdigkeit verlieren.

Die Straßburger Institution wacht über die Einhaltung der Menschenrechte und ist keine EU-Institution. Das Vertragsverletzungsverfahren ist mehrstufig und führt keineswegs zwangsläufig zu einem Ausschluss der Türkei aus dem Europarat.

Ankaras „unabhängige“ Justiz

Das Außenministerium in Ankara erklärte nach der Entscheidung: „Wir fordern den Europarat auf, weitere Schritte zu vermeiden, die eine Einmischung in die unabhängige Justiz bedeuten würde.“ Man halte es für einen inkonsistenten Ansatz, Kavala weiterhin auf der Tagesordnung zu halten, während auch andere Staaten Urteile nicht umsetzten.

Der Europarat agiere nicht auf Basis von legalen und gerechten Kriterien, sondern von politischen Erwägungen. „Wenn das Ministerkomitee des Europarats die Wirksamkeit des Menschenrechtssystems aufrechterhalten möchte, sollte es diesen voreingenommenen und selektiven Ansatz stoppen.“

Vier Jahre Haft – ohne Urteil

Kavala ist seit vier Jahren inhaftiert, ohne je verurteilt worden zu sein. Dem 64-Jährigen werden in einem Prozess in Istanbul ein Umsturzversuch im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten sowie „politische und militärische Spionage“ im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 vorgeworfen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan greift Kavala auch immer wieder persönlich an. Kavala selbst weist die Vorwürfe strikt zurück. Die Türkei ist seit 1950 Mitglied im Europarat und hat mehr als 3.500 Entscheidungen des Menschenrechtsgerichtshofes umgesetzt.

Türkei muss bis 19. Januar Stellung beziehen

Mit der Auslösung des Verfahrens wird die Türkei nun zunächst formell über die neue Entwicklung benachrichtigt und soll bis zum 19. Januar Stellung beziehen. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit könnte dann das Ministerkomitee den Fall zur erneuten Prüfung an den EGMR weiterleiten.

Sollte dieser die Nicht-Umsetzung des Kavala-Urteils feststellen, müsste dann der Ministerrat über weitere Schritte entscheiden – welche das wären, ist nicht festgeschrieben. In jedem Fall wäre der Weg zu einem Ausschluss der Türkei aus dem Europarat noch sehr weit.

SPD unterstützt die Entscheidung

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe, der auch in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats sitzt, begrüßte das Vertragsverletzungsverfahren. „Das ist die einzig folgerichtige Entscheidung“, sagte er der dpa. „Der Europarat zeigt sich handlungsfähig. Wer die Gerichtsurteile nicht umsetzt, kann nicht Mitglied des Europarats sein.“

Im Konflikt mit dem Europarat steht die Türkei auch im Fall des seit fünf Jahren inhaftierten prokurdischen Oppositionspolitikers Selahattin Demirtaş. Auch dessen Freilassung forderte das Ministerkomitee am Donnerstag zum wiederholten Male.

dpa/dtj

 

 
 
5 Dezember 2021 0 Kommentare
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Zeynep Avcı überzeugt erneut bei „The Voice of Germany“

von Fremdeninfo 29 November 2021
von Fremdeninfo

Zeynep Avcı überzeugt erneut bei „The Voice of Germany“

Von

dtj-online

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27.11.2021

 
 
 
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Zeynep Avcı gewann bei „The Voice of Germany“ ihr erstes Battle. Quelle: Youtube/Screenshot

Die Berliner Deutsch-Türkin Zeynep Avcı hat es bei „The Voice of Germany“ in die nächste Runde geschafft. Die Sängerin trat diesmal mit zwei weiteren Teilnehmenden auf und siegte. Dabei meisterte sie eine besondere Challenge.

Es gab ein regelrechtes Beben, als die Sängerin Zeynep Avcı mit einem türkischen Liebessong auf der Bühne von „The Voice of Germany“ auftrat. Das Video von ihrem Auftritt zählt inzwischen mehr als 10 Millionen Streams. Mit der multimedialen Verbreitung wird die Sängerin das X-Fache an Reichweite generiert haben. Die Herzen der Jury hatte sie ohnehin erobert. Mit ihrem zweiten Auftritt legte die Deutsch-Türkin nun nach und beweist damit, dass sie die aktuelle Show sogar gewinnen könnte. Avcı ist alles andere als ein Geheimfavorit.

Zeynep Avcı besiegt Konkurrenz im Battle

In der zweiten Runde der Show hatte Zeynep Avcı zwei Challenges zu meistern. Zum einen durfte sie nicht alleine auftreten. Denn das Format sieht in dieser Runde ein Dreier-Battle vor. Avcı stand gemeinsam mit Simon Fetzer und Alisha Popat auf der Bühne. Die zweite Hürde für die Sängerin mit der magischen Stimme war, dass sie ein deutsches Lied singen, aber für ihren Part eine türkische Strophe schreiben musste. Im Refrain des Liedes sangen dann alle drei Konkurrenten auf Deutsch. Dabei ging es um „Durch die schweren Zeiten“ der Rockmusik-Ikone Udo Lindenberg.

Kann sie auch anders überzeugen? Ja, sie kann!

Als Zeynep Avcı in der ersten Runde mit dem Song „Yalan“ (auf Deutsch: Lüge) von Tan Taşçı auftrat, sorgte sie für einen unvorhersehbaren Impact. Das Resultat waren elektrisierte Zuhörer:innen bundesweit. Eine begeisterte Jury warb um ihre Gunst und sie konnte sich frei aussuchen, zu welchem Coach sie geht. Obwohl ihre Stimme so beeindruckend ist, wurde sie gefragt, ob der schwungvolle türkische Gesang mit europäischen Klängen zu vereinbaren sei.

Beim zweiten Auftritt wurde deutlich, dass ihr diese Integration nahezu perfekt gelungen ist. Dabei hat sie ihre kulturellen Spezialitäten beibehalten und dem Ganzen ihre stimmliche Signatur verpasst. Kann Zeynep Avcı auch anders überzeugen? Die Antwort ist eindeutig: Ja, und wie!

dtj-online
29 November 2021 0 Kommentare
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Tod durch Polizeigewalt? Mehrere Polizisten in Köln suspendiert

von Fremdeninfo 28 November 2021
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Tod durch Polizeigewalt? Mehrere Polizisten in Köln suspendiert

Von

dtj-online/ Dpa

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23.11.2021

 
 
 

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22.11.2021, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Herbert Reul (CDU), Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht auf einer Pressekonferenz. Gegen mehrere Beamte der Polizei in Köln wird wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Foto: David Young/dpa

Mehrere Beamte der Polizei Köln werden verdächtigt, bei einem Einsatz viel zu massiv vorgegangen zu sein. Ein italienischer Staatsbürger starb mehrere Wochen später in einer Klinik. Nun prüft die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe – die Beamten wurden vorläufig suspendiert.

Wieder ein Fall von mutmaßlicher Polizeigewalt: Nach dem Tod eines Mannes wird gegen mehrere Beamte der Kölner Polizei wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Sie werden verdächtigt, im April 2021 bei einem Einsatz wegen einer Unfallflucht übermäßig gewalttätig gegen den 59-Jährigen vorgegangen zu sein und ihn verletzt zu haben, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) wurden mit Stand von Montag fünf Beamte vorläufig des Dienstes enthoben. An diesem Donnerstag komme dazu der Innenausschuss auf Antrag von Reul zu einer Sondersitzung zusammen, teilte der Landtag mit.

Der Einsatz wegen Unfallflucht soll damals im Kölner Stadtteil Bickendorf gelaufen sein. DIe Person kam nach Angaben der Staatsanwaltschaft danach in ein Krankenhaus, das sie nach ambulanter Behandlung aber noch am selben Tag wieder verließ. Im Juni 2021 allerdings sei der Mann – nach einem dann zweiwöchigen stationären Aufenthalt in einer Klinik – gestorben. Angehörige sollen anschließend auf den Vorfall im April hingewiesen haben. Daraufhin sei die Leiche obduziert worden, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Mann stammte aus Italien

Nun wird geprüft, ob der Tod des italienischen Staatsangehörigen im Zusammenhang mit dem Geschehen bei dem Polizeieinsatz steht. Mit den Ermittlungen wurde die Polizei Bonn betraut. Die Praxis, bei internen Verdachtsmomenten oder Verdachtsfällen eine andere, „unparteiische“ Polizeibehörde ermitteln zu lassen, wird inzwischen immer wieder kritisiert.

„Der später Verstorbene war nicht Beschuldigter im Verfahren wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort, sondern ein Angehöriger“, erläuterte der Sprecher. Offenbar habe er sich in den polizeilichen Einsatz eingemischt. „Was sich dann konkret abgespielt hat, ist Gegenstand der noch andauernden Ermittlungen.“ Noch nicht geklärt sei etwa, ob der 59-Jährige Widerstand geleistet habe.

Videos belasten Polizisten

Nach der Auswertung von Handys ergaben sich den Angaben zufolge aber weitere Verdachtsmomente jenseits des konkreten Falls gegen Polizeibeamte. Dabei gehe es unter anderem um eine mögliche Verabredung zur Anwendung von Gewalt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Beamte sollen sich zum Beispiel zu gemeinsamen Diensten verabredet haben, „um eventuellen Widerstandshandlungen potenzieller Beschuldiger mit übermäßiger Gewalt zu begegnen“.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, natürlich gelte für die fünf Polizisten die Unschuldsvermutung. Zugleich zeigte er sich schockiert von den Vorwürfen und den aufgetauchten Chats. Zu der Handy-Auswertung sagte er: „Die Ergebnisse allein lassen mich an der inneren Haltung und Eignung der damals eingesetzten Beamten zweifeln.“ Der Inhalt sei absolut inakzeptabel. „Ein solches Dienstverständnis, eine solche Haltung in der Polizei – da können sie mich beim Wort nehmen – werde ich nicht dulden.“

Weder rassistisch noch rechtsextrem?

Möglicherweise hätten die Beamten bei Einsätzen Widerstandshandlungen bewusst provoziert, um selbst Gewalt anwenden zu können, so Reul. Einer der Beschuldigten sei sogar so weit gegangen, dass er mit den Folgen geprahlt habe. Ein anderer habe erklärt, er habe „einen umgeklatscht“. Nach derzeitigen Erkenntnissen seien die Inhalte „nicht rechtsextrem und auch nicht rassistisch“. Es könne sich auch um reine Prahlerei handeln, sagte Reul. Man werde nun alles tun, um den Fall aufzuklären.

Vier der fünf Polizisten seien noch Beamte auf Probe. Sollten sie verurteilt werden, stehe sehr wahrscheinlich ihre Entlassung an.

Dpa/ dtj

28 November 2021 0 Kommentare
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Nun doch: Auch Cem Özdemir soll Minister werden

von Fremdeninfo 27 November 2021
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Nun doch: Auch Cem Özdemir soll Minister werden

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25.11.2021

 
 
 
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Archivfoto: Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) und seine Frau Pia Maria Castro stehen bei der Preisverleihung zum „Preis für Verständigung und Toleranz“ an der Pressewand. Foto: Fabian Sommer/dpa

Der frühere Grünen-Chef Cem Özdemir soll Agrarminister in einer künftigen Bundesregierung mit SPD und FDP werden.

Cem Özdemir wird laut der Deutschen Presseagentur neuer Agrarminister. Das gehe aus einem Schreiben von Bundesgeschäftsführer Michael Kellner an Parteimitglieder vom Donnerstagabend hervor.

Grünen-Spitzenpolitiker aus mehreren Bundesländern hatten sich zuvor für den früheren Parteichef als Bundesminister ausgesprochen. Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz twitterte am Donnerstagabend: „Ich kann mir kein Kabinett mit grüner Beteiligung vorstellen, in dem Cem Özdemir nicht dabei ist. Und ich denke: so geht es den allermeisten in diesem Land.“

Realos wollen ihn als Minister sehen

Bayaz und Özdemir sind beide vom Realoflügel der Grünen aus Baden-Württemberg und haben türkische Wurzeln. Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank wünscht sich ihren Parteifreund Özdemir als Bundesminister. „Mir geht es sicher wie sehr, sehr vielen Leuten in diesem Land: Ein Bundeskabinett mit grüner Beteiligung ist ohne Cem Özdemir nur schwer vorstellbar“, twitterte die Wissenschaftssenatorin am Donnerstagabend.

Am Abend dauerten die Personaldiskussionen bei den Grünen an und verzögerten die Urabstimmung der Partei über Koalitionsvertrag und Regierungsmannschaft um einen Tag. Özdemir war auch als Außenminister im Gespräch, diesen Posten bekommt aber dem Anschein nach seine Parteikollegin Annalena Baerbock.

Linker Flügel will stattdessen Hofreiter

Der linke Flügel wehrt sich dem Vernehmen nach gegen die geplante Besetzung eines Ministeramts mit Özdemir, die am Ende den linken Fraktionschef Anton Hofreiter das erhoffte Ministeramt kosten könnte.

Özdemir war von 2008 bis 2018 Bundesvorsitzender und holte bei der Bundestagswahl im September die meisten Stimmen aller erfolgreichen Grünen-Direktkandidaten. Er bekam in seinem Wahlkreis Stuttgart I 40 Prozent der Erststimmen. Damit wurde er im Südwesten sogar Stimmenkönig unter den Direktkandidaten aller Parteien.

Am Anfang der Woche ging aus einem „Focus“-Bericht hervor, dass es im Kabinett keinen Minister und keine Ministerin mit einer Migrationsbiografie geben sollte. Nun erfolgte offensichtlich ein Umdenken in der Koalition. Laut „Bild“ könnte das aber zu einem handfesten Streit bei den Grünen und sogar der Ablehnung des Koalitionsvertrags führen.

dpa/dtj

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27 November 2021 0 Kommentare
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Religion

Was im Koalitionsvertrag über den Islam und die Türkei steht

von Fremdeninfo 27 November 2021
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Was im Koalitionsvertrag über den Islam und die Türkei steht

Von

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26.11.2021

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Die Vorsitzenden der drei Parteien stellten auf einer Pressekonferenz den gemeinsamen Koalitionsvertrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP für die künftige Bundesregierung vor. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der Islam und die Türkei spielten in den Parteiprogrammen für die Bundestagswahl 2021 eine wichtige Rolle. Auch in dem finalen und in dieser Woche vorgestellten Koalitionsvertrag der SPD, Grünen und FDP kommen die Themenbereiche vor.

Die Bildung der ersten Ampel-Koalition auf Bundesebene wird immer wahrscheinlicher. Am Mittwoch präsentierten die Spitzen der Parteien SPD, Grüne und FDP den Koalitionsvertrag. Jetzt sind die Mitglieder und Delegierten am Zuge und müssen dem Vertrag eigentlich nur noch zustimmen. Dies soll in allen drei Parteien in den kommenden Tagen stattfinden, wahrscheinlich noch im November. Die Grünen wollen mit 125.000 Mitgliedern neben dem Koalitionsvertrag auch über das Personaltableau ihrer Partei für das neue Kabinett entscheiden. Der designierte Neu-Kanzler Olaf Scholz (SPD) glaubt, dass alle drei Parteien dem Vertrag zustimmen werden. „Ich bin da sehr zuversichtlich. Es ist ein gutes Ergebnis aus der Sicht aller drei Parteien“, sagte er am Mittwochabend in einem TV-Interview.

Menschen mit türkischer Migrationsbiografie interessieren sich neben anderen Themen vor allem dafür, wie die neue Regierung mit der Türkei umgehen wird. Die innenpolitischen Entwicklungen in der Türkei werden in dem Koalitionsvertrag als „besorgniserregend“ bezeichnet. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschen-, Frauen und Minderheitenrechte seien „massiv abgebaut worden“. Deshalb werde man sich bei den Beitrittsverhandlungen zur EU dafür einsetzen, keine weiteren Kapitel zu öffnen, aber auch keine zu schließen. Stattdessen soll der Dialog fortgesetzt werden: „Wir werden die EU-Türkei-Dialogagenda mit Leben füllen und den Austausch mit der Zivilgesellschaft und Jugendaustauschprogramme ausbauen.“

Wenig Konkretes über die Türkei

Insgesamt wirkt der Abschnitt zur Türkei so, als hätte man den Passus dem Parteiprogramm der Sozialdemokraten entnommen. Während die Grünen vor der Wahl auf konkrete Kritik an bestimmten Entwicklungen in der Türkei, wie der Inhaftierung von „politischen Gefangenen“ oder dem Austritt aus der Istanbul-Konvention eingingen, fiel das Programm der SPD in Bezug auf die Türkei vergleichsweise schmal aus. Die Grünen hatten auch die Intensivierung der Jugendaustauschprogramme ins Spiel gebracht. In dem Parteiprogramm der FDP wurde die Türkei ebenfalls erwähnt. Doch dort lag der Tenor auf der Beendigung der EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Land. Konkret hieß es: „Eine von Präsident Erdoğan autoritär regierte Türkei kann für uns Freie Demokraten kein Kandidat für eine Mitgliedschaft in der EU sein. “

Muslime sollen umfassenden Schutz erhalten

Auch der Islam fındet in dem Koalitionsvertrag Erwähnung, allerdings ebenfalls eher am Rande. Unter dem Abschnitt „Kirchen und Religionsgemeinschaften“ heißt es, dass man Ausbildungsprogramme für „Imaminnen und Imame an deutschen Universitäten“ ausbauen wolle. Die Parteien wollen damit die Unabhängigkeit der Glaubensgemeinschaften vom Ausland gewährleisten. Außerdem soll das Religionsverfassungsrecht weiterentwickelt werden, „um die Beteiligung und Repräsentanz der Religionsgemeinschaften, insbesondere muslimischer Gemeinden“ zu verbessern.

In diesem Zusammenhang wird immer wieder über den Körperschaftsstatus muslimischer Gemeinden diskutiert. Die Sozialdemokraten hatten in ihrem Wahlprogramm auch versprochen, gegen die grassierende Islamfeindlichkeit vorzugehen. Es sollten „Straftaten in diesem Bereich konsequenter erfasst und geahndet werden“. In dem Koalitionsvertrag heißt es, dass man der „zunehmenden Bedrohung von Musliminnen und Muslimen und ihren Einrichtungen “ durch „umfassenden Schutz, Prävention und bessere Unterstützung der Betroffenen“ begegnen werde. Wie dieser Schutz konkret aussehen soll, wird nicht näher erläutert.

Weitere Vereinbarungen der „Ampel“

Im Koalitionsvertrag wurde unter anderem Folgendes festgeschrieben: Die Mietpreisbremse soll verlängert werden. In Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt soll die Miete binnen drei Jahren nur noch bis zu 11 Prozent steigen dürfen statt wie bisher bis zu 15. Stromkunden sollen entlastet werden, indem zum 1. Januar 2023 die EEG-Umlage abgeschafft wird. In der Finanzpolitik vereinbarten SPD, Grüne und FDP, die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse ab 2023 wieder einzuhalten. Zum Schutz der Bundeswehr-Soldaten bei Auslandseinsätzen soll eine Bewaffnung von Drohnen ermöglicht werden. Die deutschen Rüstungsexporte sollen mit einem neuen Gesetz effektiver beschränkt werden. In der Asylpolitik wurde vereinbart, dass mehr Flüchtlinge künftig ihre Angehörigen zu sich nach Deutschland holen können. Den gesetzlichen Mindestlohn wollen SPD, Grüne und FDP von jetzt 9,60 Euro auf 12 Euro pro Stunde erhöhen. Bis 2030 soll Deutschland 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien beziehen. Die Ampel-Parteien wollen den öffentlichen Nahverkehr stärken und dazu vom kommenden Jahr an die sogenannten milliardenschweren Regionalisierungsmittel erhöhen.

Nach dem Zeitplan der drei Parteien soll Scholz in der Woche ab dem 6. Dezember im Bundestag zum Kanzler gewählt werden. Damit endet nach 16 Jahren die Ära von Angela Merkel (CDU), die bei der Bundestagswahl am 26. September nicht mehr kandidierte.

Mit Material von DPA

27 November 2021 0 Kommentare
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Koalitionsvertrag: Ampel gibt freie Fahrt für gesellschaftlichen Aufbruch!

von Fremdeninfo 26 November 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde in Deutschland
Almanya Türk Toplumu
Bundesgeschäftsstelle – Genel Merkez

Türkische Gemeinde in Deutschland – Obentrautstr. 72 – 10963 Berlin

Pressemitteilung vom 26.11.2021

Koalitionsvertrag: Ampel gibt freie Fahrt für gesellschaftlichen Aufbruch!

Der Koalitionsvertrag beschreibt insgesamt eine Politik, die in vielen Bereichen auf Respekt
und Partizipation setzt, die mit den Bürger:innen gestaltet werden soll und nicht für sie. Die
Türkische Gemeinde in Deutschland bewertet dies als die Basis zur Gestaltung der Zukunft
einer Einwanderungsgesellschaft. Für die Bereiche Gleichstellung und Vielfaltsgestaltung,
aber auch Integration und Migration, ist der proklamierte gesellschaftliche Aufbruch
deutlich zu erkennen.

„Im Wahlkampf haben wir viele Themen vermisst und auch im ersten Sondierungspapier war
noch nicht zu erkennen, ob wirklich ein Aufbruch für die Zukunft einer pluralen Gesellschaft
zu erwarten wäre. Es hat uns überrascht, wie viele Ideen aus der Zivilgesellschaft von der
neuen Regierung aufgenommen wurden. Ob Partizipationsgesetz, Partizipationsrat,
Demokratiefördergesetz, Mehrstaatigkeit oder Aufenthalts- und Bleiberecht. Wir haben eine
starke Zivilgesellschaft in Deutschland und in diesem Papier wird sie in ihrer ganzen Vielfalt
ernstgenommen“, erklärt Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in
Deutschland.

„Die künftige Bundesregierung möchte die Bekämpfung von Rassismus und
Rechtsextremismus ausbauen und die Antidiskriminierungspolitik deutlich stärken, womit sie
sich endlich einem Kernproblem in Deutschland stellt. Die ausstehende Aufarbeitung des
NSU-Komplexes soll energisch vorangetrieben werden und es soll ein Erinnerungsort für die
Opfer des NSU entstehen. Das sind sehr wichtige Signale an die Menschen, die in
Deutschland Rassismus und Diskriminierung erlebt haben und erleben. Wir werden unsere
Anstrengungen gemeinsam mit unseren vielen Partnern in der Zivilgesellschaft noch einmal
verstärken, damit diese Ziele auch wirklich erreicht werden können“, betont Atila
Karabörklü, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

„Der Aufbruch in den Köpfen ist also sichtbar. Wir wünschen uns, dass dieser Aufbruch auch
auf den Stühlen sichtbar wird. Mit Cem Özdemir steht nun der erste Mensch mit
Migrationsgeschichte am Kabinettstisch fest und die Grünen haben ihre Glaubwürdigkeit in
Sachen Diversität unterstrichen. Es ist von zentraler Bedeutung für den gesellschaftlichen
Zusammenhalt, dass in einem Kabinett für gesellschaftlichen Aufbruch Frauen und Männer,
Ost- und Westdeutsche mit und ohne Migrationsbiographie sichtbar gemeinsam
Verantwortung übernehmen für unsere Zukunft. Nachdem FDP und Grüne in Sachen Parität
und Diversität sehr unterschiedlich geliefert haben, ruhen unsere Erwartungen nun auf den
Sozialdemokraten. Wir möchten daran erinnern, dass 50% Frauen, 25% Menschen mit
Migrationsgeschichte und 20% Menschen aus Ostdeutschland unser Land prägen, durch ihr
Engagement und ihre Arbeitskraft.“

26 November 2021 0 Kommentare
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