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Türkeistämmige Kandidaten bei der Bundestagswahl: Wer schafft den Einzug ins Parlament?

von Cumali Yağmur 25 Februar 2025
von Cumali Yağmur

 

Türkeistämmige Kandidaten bei der Bundestagswahl: Wer schafft den Einzug ins Parlament?

                                                      

                                                                                  Cem Özdemir

Rund 982.000 Wahlberechtigte in Deutschland haben türkische Wurzeln – ein bedeutender Anteil mit Einfluss auf die Bundestagswahl. Während bekannte Politiker wie Cem Özdemir nicht erneut antreten, bewerben sich zahlreiche neue Kandidaten um ein Mandat. Welche Parteien setzen auf türkeistämmige Politiker, und wer hat die besten Chancen?

Wenn am kommenden Sonntag der neue deutsche Bundestag gewählt wird, sind Schätzungen zufolge etwa 982.000 Wahlberechtigte der türkeistämmigen Community zuzuordnen. Das sind etwa 13,8 Prozent aller Wahlberechtigten mit sogenanntem Migrationshintergrund. Von allen Stimmberechtigten sind es 1,6 Prozent.

Zuletzt waren insgesamt 18 Abgeordnete mit türkischer Einwanderungsgeschichte im Bundesparlament vertreten – so viele wie nie zuvor. Das waren immerhin 2,44 Prozent aller Parlamentarier. Neun von ihnen gehörten der SPD an, vier den Grünen, zwei der Linkspartei, zwei der CDU und eine dem BSW.

Özdemir hat andere Pläne

Einige der 2021 gewählten Parlamentarier werden dem neuen Bundestag nicht mehr angehören. Der prominenteste von ihnen ist Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Er stellt sich nicht mehr zur Wahl, weil er 2026 Winfried Kretschmann als Ministerpräsident von Baden-Württemberg nachfolgen will.

Zwei weitere Grünen-Abgeordnete werden ebenfalls nicht mehr mit dabei sein. Ekin Deligöz war zuletzt als Staatsministerin im Familienministerium tätig. Nun will die Verwaltungswissenschaftlerin, die 2006 die muslimischen Frauen zum Ablegen des Kopftuchs aufgerufen hatte, jüngere Kräfte nachrücken lassen.

Einst für die Grünen, nun für die CDU?

Auch Canan Bayram wird nicht mehr kandidieren. Die ehemals direkt gewählte Abgeordnete des Stimmkreises Berlin-Friedrichshain – Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost verzichtete aus Unbehagen über den Kurs der Partei auf einen erneuten Antritt.

Eine andere, 2021 für die Grünen eingezogene türkeistämmige Politikerin könnte hingegen wieder in den Bundestag kommen – wenn auch unter anderen Vorzeichen. Die wegen Unstimmigkeiten in der Migrations- und Wirtschaftspolitik zur CDU gewechselte Mittelstandspolitikerin Melis Sekmen bewirbt sich für diese um das Direktmandat in Mannheim.

SPD erneut mit meisten Kandidaten aus der türkischen Community

Bei CDU und CSU war Serap Güler zuletzt die einzige türkeistämmige Abgeordnete. Diesmal kandidieren noch weitere Unionsangehörige mit türkischer Einwanderungsgeschichte. Neben Güler und Sekmen machen sich auch Richterin Tijen Ataoğlu, der Unternehmer Sertaç Bilgin und Ali Ertan Toprak von der Kurdischen Gemeinschaft Hoffnungen auf ein Mandat.

Die Wuppertalerin Derya Altunok, die der ultrarechten „Jungen Freiheit“ ein Interview gab, verlor hingegen das Rennen um die Direktkandidatur in Wuppertal gegen Ex-Verfassungsschutz-Chef Thomas Haldenwang. Mit Platz 58 auf der Zweitstimmenliste wird sie wahrscheinlich nicht im nächsten Bundestag vertreten sein. Demgegenüber wird mit Hülya Düber in Würzburg erstmals auch die CSU eine türkeistämmige Direktkandidatin aufbieten.

Viele Kandidaten wagen den ersten Schritt

Bei der SPD werden der Staatssekretär im Innenministerium, Mahmut Özdemir, und Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoğuz erneut kandidieren. Hingegen ist Cansel Kızıltepe als Arbeitsministerin nach Berlin zurückgekehrt und steht der Bundespolitik nicht mehr zur Verfügung. Auch Takis Mehmet Ali wird nicht erneut kandidieren.

Zur Wiederwahl in den Bundestag stellen sich auch die bisherigen SPD-Abgeordneten Metin Hakverdi, Hakan Demir, Macit Karaahmetoğlu, Derya Türk-Nachbaur, Nezahat Baradari und Gülistan Yüksel. Erstmals den Einzug wollen Sinem Taşan-Funke, Umut Kurt, Yıldız Härtel, Dr. Ferdi Akaltın, Elvan Korkmaz Emre, Renan Demirkan, Serdar Yüksel, Özge Kadah, Canan Canlı, Nezaket Yıldırım, Handan Güven, Sahime Dirican und Tuna Fırat schaffen.

AfD greift auf zwei türkeistämmige Kandidaten zurück

Die Linkspartei, die sich zuletzt in den Umfragen deutlich steigern konnte, will unter anderem mit Gökay Akbulut und Ateş Gürpınar wieder in den Bundestag einziehen. Weitere türkeistämmige Kandidaten sind Ferhat Koçak, Cansu Özdemir, Cansın Köktürk, Cem İnce und Funda Römer.

Für die Grünen treten Filiz Polat, Ayşe Asar, Alpay Artun, Dr. Samet Yılmaz, Hacer Aydemir und Aslı Küçük als türkeistämmige Kandidaten an. Das BSW ist bislang durch die wegen ihrer PKK-freundlichen Linie umstrittene Sevim Dağdelen im Bundestag vertreten. Auf den Listen der Partei finden sich zudem Eyüp Yıldız, Yasimin Zorlu und Diyar Agu als Kandidaten aus der türkischen Einwanderercommunity.

Die FDP hofft auf einen Schub zum Wiedereinzug in letzter Minute. Ob es für ihre türkeistämmigen Bewerber Ömer Erdoğan, Mahmut Türker, Cem Torun, Ferhat Asi und Akif Yıldız reichen wird, ist ungewiss. Die in Teilen rechtsextremistische AfD nominiert zwei türkeistämmige Direktkandidaten: in Miltenberg Kerim Erdem, in der früheren Republikaner-Hochburg Rosenheim Leyla Bilge. Als Voraussetzung für eine Parteifunktion in der AfD gilt jedoch eine ausgeprägte Islamfeindlichkeit.

25 Februar 2025 0 Kommentare
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AfD-Erfolg und mangelndes Vertrauen in einen Zusammenhalt in Vielfalt liegt am Scheitern der demokratischen Mitte

von Cumali Yağmur 24 Februar 2025
von Cumali Yağmur

Pressemitteilung vom 24. Februar 2025

 

Türkische Gemeinde in Deutschland: AfD-Erfolg und mangelndes Vertrauen in einen Zusammenhalt in Vielfalt liegt am Scheitern der demokratischen Mitte

 

Die Union hat die meisten Stimmen bekommen, die Bundestagswahl gewonnen hat aber klar die AfD, findet die Türkische Gemeinde in Deutschland und warnt vor migrationspolitischen Scheindebatten.

Der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoğlu sagt:

 

„Aktuell sitzt die AfD am Ruder, ohne auf der Regierungsbank zu sitzen. Sie braucht keine Regierungsverantwortung, muss kein einziges Ministerium besetzen, um den Diskurs zu bestimmen und dieses Land gegen die Wand zu fahren. Viele Parteien sind in unterschiedlichem Ausmaß den Narrativen der AfD gefolgt und haben versprochen, das ‚Migrationsproblem‘ zu lösen – mit dem Ziel, die AfD zurückzudrängen. Das ist krachend gescheitert. Sie legitimieren den Daseinszweck dieser rechtsextremen und rassistischen Partei, seit sie ‚irreguläre‘ Migranten, übrigens auch Menschen, verantwortlich machen für volle Wartezimmer, einen knappen Wohnungsmarkt oder eine angespannte Sicherheitslage. Ich frage Sie direkt: Glauben Sie denn ernsthaft, Sie lösen diese Probleme durch Abschiebungen und Grenzschließungen? Verantwortlich für diese Missstände ist das Versagen der Politik der letzten 20 Jahre. Das ist eine unbequeme Wahrheit für alle Parteien. Dieser Verantwortung sollten Sie sich stellen, denn mit Sündenböcken operieren nur die Extremisten. Wenn Medien und Politik nicht sofort aufhören, migrationspolitische Scheindebatten zu führen, werden wir in Deutschland 2029 buchstäblich unser blaues Wunder erleben.“ 

Die Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Aslıhan Yeşilkaya-Yurtbay, weist auf den Schaden hin, den der Wahlkampf angerichtet hat:

„Sie haben ab jetzt die Verantwortung für unsere Zukunft, für alle Menschen in diesem Land – auch die bald 30 %, die eine Migrationsgeschichte besitzen. Fangen Sie endlich damit an, die echten Probleme der Menschen zu lösen – wie zu hohe Mieten, kaputte Infrastruktur, lahmende Wirtschaft und ja, auch eine Stimmung, die geprägt ist von Schuldzuweisungen und zunehmendem Rassismus. Es gab in diesem Land mal ein Vertrauen darin, dass Vielfalt und Migration etwas Gutes ist, etwas Produktives, Teil eines Wirtschaftswunders. Diesen Glauben gab es bei Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte und über Parteigrenzen hinweg. Der Wahlkampf hat dieses Vertrauen zerstört. Menschen mit Zuwanderungsbiografie sind verängstigt und denken darüber nach, Deutschland zu verlassen. Vielfalt ist unsere Gegenwart und ohne Migration hat unser Land keine Zukunft. Was könnte schlimmer sein als ein Volk, das sich durch die Gegenwart verunsichern lässt und das Vertrauen in seine Zukunft verloren hat? Wir brauchen dieses Vertrauen. Im Augenblick sind es Bündnisse wie ‚Zusammen für Demokratie‘, Gewerkschaften und Kirchen und es sind Demonstrationen, die uns Kraft geben. Menschen, die Schulter an Schulter mit uns stehen. Wir brauchen eine wirklich breite Bewegung für eine offene Gesellschaft.“

24 Februar 2025 0 Kommentare
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Bundestsag 2025 wahl zur Partein ergernisse

von Fremdeninfo 24 Februar 2025
von Fremdeninfo

                                               

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Bundestagswahl: Muss jetzt auch Habeck Platz machen? Es wird eng für ihn!

von Fremdeninfo 24 Februar 2025
von Fremdeninfo

Bundestagswahl: Muss jetzt auch Habeck Platz machen? Es wird eng für ihn!

                                Artikel von Marcel Görman

 

Das vorläufige amtliche Endergebnis der Bundestagswahl ist da. Friedrich Merz gewinnt mit einem Dämpfer die Wahl. Seine Union wird klar stärkste Kraft, landet allerdings unter 30 Prozent. Die Ampel-Parteien sind die Wahlverlierer. Christian Lindner fliegt mit der FDP aus dem Parlament und tritt zusammen mit Wolfgang Kubicki zurück. Auch die bisherige Kanzlerpartei SPD erlebt eine historische Niederlage.

In der Nacht zum Montag kam dann heraus, dass das BSW den Einzug in den Bundestag äußerst knapp verpasst hat – es fehlten rund 13.000 Stimmen. Eine BSW-Fraktion hätte eine schwarz-rote Mehrheit verhindert und eine Kenia-Koalition mit den Grünen nötig gemacht. Mehr zu den aktuellen Ereignissen und Reaktionen hier im Newsblog zur Bundestagswahl.

Der Tag danach: Reaktionen auf die Bundestagswahl 2025 im Newsblog

+++ Zum Aktualisieren HIER klicken +++

8.46 Uhr: AfD und Linke erreichen zusammen 216 Sitze im Bundestag. Damit haben CDU/CSU, SPD und Grüne keine Zweidrittelmehrheit mehr im Parlament. Die Randparteien von rechts und links können somit Änderungen des Grundgesetzes blockieren, wie eine Auflockerung der Schuldenbremse für mehr Investitionen in die Bundeswehr oder ein neues Bundeswehr-Sondervermögen. Ein möglicher Ausweg wäre die Erklärung einer Notlage, was wiederum die Karlsruher Verfassungsrichter wieder stoppen könnten.

8.38 Uhr: Marie-Agnes Strack-Zimmermann bringt sich selbst ins Spiel für die Lindner-Nachfolge als mögliche Parteivorsitzende der FDP. „Ich stehe voll und ganz hinter der FDP und werde dort in der Partei Verantwortung übernehmen, wo es notwendig ist und wo es gewünscht wird“, so die Liberale gegenüber der „Bild“.

Spekulationen um Wagenknecht und Habeck – weitere Rücktritte heute?

8.21 Uhr: Verkündet Sahra Wagenknecht heute ihren Rückzug aus der Politik? Sie hatte ihre politische Zukunft mit dem Abschneiden des BSW bei der Bundestagswahl verknüpft. Nun hat ihre Partei es nicht ins höchste deutsche Parlament geschafft. „Wenn man nicht im Bundestag ist, dann ist man kein Faktor mehr in der deutschen Politik. Das

8.38 Uhr: Marie-Agnes Strack-Zimmermann bringt sich selbst ins Spiel für die Lindner-Nachfolge als mögliche Parteivorsitzende der FDP. „Ich stehe voll und ganz hinter der FDP und werde dort in der Partei Verantwortung übernehmen, wo es notwendig ist und wo es gewünscht wird“, so die Liberale gegenüber der „Bild“.

Spekulationen um Wagenknecht und Habeck – weitere Rücktritte heute?

8.21 Uhr: Verkündet Sahra Wagenknecht heute ihren Rückzug aus der Politik? Sie hatte ihre politische Zukunft mit dem Abschneiden des BSW bei der Bundestagswahl verknüpft. Nun hat ihre Partei es nicht ins höchste deutsche Parlament geschafft. „Wenn man nicht im Bundestag ist, dann ist man kein Faktor mehr in der deutschen Politik. Das

7.52 Uhr: Wird Robert Habeck, anders als die anderen früheren Ampel-Spitzenkräfte Olaf Scholz und Christian Lindner, die Wahlpleite politisch überleben? Zwar haben die Grünen das zweitbeste Ergebnis bei einer Bundestagswahl geholt – doch blieben weit hinter ihren selbst gesteckten Zielen zurück. Nun landet die Partei vermutlich wieder in der Opposition. Kann Robert Habeck als gescheiterter Kanzlerkandidat einen Anspruch auf den Fraktionsvorsitz erheben? Oder muss er abtreten aus der ersten Reihe der Partei?

Aus den eigenen Reihen wird erste Kritik laut, weil Habeck von einem „achtbaren“ Ergebnis sprach. Ex-Parteichef Reinhard Bütikofer nahm diese Einschätzung prompt auseinander (hier mehr dazu).

BSW-Spitzenpolitiker spricht von „rumänischen Verhältnissen“: Verschwörung gegen Wagenknecht?

6.59 Uhr: 4,972 Prozent – äußert knapp hat es für die Wagenknecht-Partei nicht gereicht. Der BSW-Europaabgeordnete Fabio De Masi meint, bei der Bundestagswahl habe es „rumänische Verhältnisse“ gegeben. Eine Anspielung auf die jüngst annullierte Präsidentenwahl in dem EU-Land. Es müsse „über die Verfassungsmäßigkeit dieser Wahl gesprochen werden“, so De Masi auf X. Diese Wahl werde noch „Karlsruhe beschäftigen“, also das Bundesverfassungsgericht.

 

                                         

 

                                                Habeck nach der Bundestagswahl. © IMAGO/

In der finalen Wahlwoche habe Forsa „gegen den Trend“ eine „absurde“ letzte Umfrage veröffentlicht, in der das Bündnis Sahra Wagenknecht bei 3 Prozent lag. Zudem hätten „etliche der ins Wählerverzeichnis eingetragenen 213.000 Auslandsdeutschen nicht wählen können“. Darüber hinaus seien am Sonntagmittag „Fake-Zahlen“ über Nachwahlbefragungen, sogenannten exit polls, in den sozialen Netzwerken kursiert. Diese sahen das BSW bereits draußen. De Masi stellt in den Raum, ob diese durch ein Leak bei ARD und ZDF in den Umlauf kamen. All das, und eine „massive Medienkampagne“ über Monate, habe der Partei von Wagenknecht geschadet und Menschen in ihrer Wahlentscheidung beeinflusst.

Altgrüne tadelt Junggrüne nach Hohn über Lindner: „Das macht dich sehr klein“

6.26 Uhr: Die Sprecherin der Grünen Jugend, Jette Nietzard (26), macht sich lustig über Ex-Finanzminister Christian Lindner. Der Liberale kündigte nach dem Absturz der FDP seinen Abschied aus der Politik an. „Ich freue mich, dass der Mann von Franca Lehfeldt jetzt kürzer tritt, um ihr Karriere und Kind zu ermöglichen“, so die junge Grüne. Die Ehefrau von Lindner ist eine bekannte Journalistin und erwartet ihr erstes Baby.

Von der grünen Ex-Ministerin Renate Künast (69) bekommt Nietzard auf X direkt einen Tadel dafür: „Jette, das ist unsouverän und macht dich sehr klein.“

Kohl-Enkel, Bosbach-Tochter und Corona-Virologe schaffen es in den Bundestag

6.01 Uhr: An Wahltagen enden politische Karriere (bislang: Olaf Scholz, Christian Lindner, Wolfgang Kubicki), andere nehmen ihren Anfang. Vor allem die CDU bringt nah der Bundestagswahl einige neue und spannende Gesichter ins Parlament.

  • Hendrik Streeck: Der Virologe wurde bekannt während der Corona-Pandemie, teilweise als eine Art „Gegenspieler“ von Christian Drosten, mit anderen Einschätzungen und Deutungen der Lage. Nun gewann er für die CDU seinen Bonner Wahlkreis.
  • Caroline Bosbach: Die Tochter des bekannten Christdemokraten Wolfgang Bosbach hat es im Rheinisch-Bergischen-Kreis ebenfalls geschafft, das Direktmandat zu gewinnen.
  • Johannes Volkmann: Der Enkel von Helmut Kohl hat seinen hessischen Lahn-Dill-Wahlkreis auch gewonnen und sitzt nun mit erst 28 Jahren im Bundestag.
  • Johannes Winkel: Der JU-Chef aus Düsseldorf hat es auch in den Bundestag geschafft.
24 Februar 2025 0 Kommentare
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Bundestagswahl 2025: Mehr als sieben Millionen Wahlberechtigte sind Zuwanderer

von Fremdeninfo 23 Februar 2025
von Fremdeninfo

Bundestagswahl 2025: Mehr als sieben Millionen Wahlberechtigte sind Zuwanderer

                                                              Artikel von Gillmann/ Handelsblatt

                                                          

 Stimmabgabe an der Wahlurne: Bei der Bundestagswahl am Sonntag sind rund 7,1 Millionen Bürger wahlberechtigt, die eine Einwanderungsgeschichte haben. data-portal-copyright=

Zwölf Prozent der Wahlberechtigten haben einen Migrationshintergrund. Und ihre Zahl steigt: Seit 2021 ist sie um mehr als 500.000 gewachsen. Die meisten kommen aus einem bestimmten Land.

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, zeigt sich auch bei den Wahlen. Etwa 7,1 Millionen Bürger mit Migrationshintergrund waren im Jahr 2023 wahlberechtigt. Das sind etwa zwölf Prozent aller Wahlberechtigten, zeigt eine Berechnung des jüngsten Mikrozensus nach Angaben des Mediendienstes Migration.

Die Analysen zeigen: Seit der Bundestagswahl 2021 ist die Zahl wahlberechtigter Einwanderer um mehr als eine halbe Million gestiegen. Die Zahl basiert auf den amtlichen Daten bis 2023 und einer Umfrage des Dienstes unter den Bundesländern für 2024.

Wahlberechtigt sind Eingebürgerte prinzipiell mit Erhalt der deutschen Staatsangehörigkeit. 2023 wurden gut 200.000 Menschen in Deutschland eingebürgert.

Die insgesamt gut sieben Millionen Zugewanderten, die 2023 wahlberechtigt waren, waren deutlich jünger als die übrige Bevölkerung: 28 Prozent von ihnen waren zwischen 18 und 34 Jahre alt; unter der Bevölkerung ohne Einwanderungsgeschichte waren es nur 20 Prozent.

Etwa zwei Millionen der gut sieben Millionen Menschen stammen aus anderen EU-Ländern, die meisten aus Polen, fast eine Million aus der Türkei. Mehr als zwei Millionen kamen aus den Ländern der früheren Sowjetunion, vor allem Spätaussiedler und ihre Kinder.

Wählen diese Menschen anders als Nichtzugewanderte? Ja, schreibt der Mediendienst mit Blick auf entsprechende Umfragen. Auch die Wahlbeteiligung ist niedriger als bei den angestammten Deutschen, wächst aber.

Zustimmung für Union und SPD schwindet

Traditionell hätten Zuwanderer aus Gastarbeiterländern wie der Türkei oder Italien eher die SPD gewählt – auch durch den Einfluss der Gewerkschaften in den Betrieben –, Spätaussiedler eher die CDU/CSU. Die Zustimmung für diese Parteien bröckele aber seit ein paar Jahren, vor allem für die SPD.

Im Gegenzug sei bei den Wahlen 2017 und 2021 die Zustimmung für andere Parteien, insbesondere Linke und Grüne, gestiegen. Für BSW und AfD lagen hier noch keine Daten vor.

Was Zuwanderer in den aktuellen Sonntagsfragen angeben, wird nicht gesondert erfasst. Einen Hinweis gibt aber eine Befragung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) aus dem Jahr 2024. Danach hatte die SPD bei vielen wahlberechtigten Zuwanderern die meisten Sympathiepunkte, besonders beliebt war sie bei Menschen mit einem EU-Hintergrund und bei jenen aus der Türkei, aus Nahost und Nordafrika.

Unter Menschen mit postsowjetischem Migrationshintergrund lag dagegen die CDU/CSU vorn, dicht gefolgt von der SPD. Die AfD schneidet auf der Beliebtheitsskala aller Zuwanderer am schlechtesten ab. Die meiste Zustimmung erfährt sie noch von Menschen mit postsowjetischem Migrationshintergrund.

Das BSW hat ein vergleichbar großes Wählerpotenzial bei Menschen aus der Türkei, aus Nahost und Nordafrika. Diese Zuwanderer neigen deutlich häufiger zur Wahl des BSW als Personen ohne Migrationshintergrund.

Wie Muslime wählen

Antworten auf die Frage, wie die 5,5 Millionen in Deutschland lebenden Muslime wählen, sofern sie die deutsche Staatsbürgerschaft haben, gibt eine Befragung der Forschungsgruppe Wahlen zu den Europawahlen 2024.

Damals mussten vor allem die Ampelparteien unter muslimischen Wählerinnen und Wählern deutliche Verluste hinnehmen. Die neuen Parteien – das BSW und die türkisch geprägte Dava, eine konservative Wählervereinigung, die laut Bundeszentrale für politische Bildung vor allem Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erreichen möchte – schafften es in dieser Wählergruppe indes aus dem Stand auf je 17 Prozent.

Einer Befragung des Dezim von Februar 2024 zufolge hat das Vertrauen von Muslimen in Politiker in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen; im Vergleich zu anderen Gruppen ist ihr Vertrauen besonders gering.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie des Forschungszentrums des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für alle neu eingebürgerten Menschen. Demnach ist das Interesse an Wahlen und Parteien generell sehr gering.

SPD erfährt bei Syrern noch am meisten Zuspruch

Eine Befragung der deutsch-syrischen Organisation Hiwarat unter mehr als 300 Syrerinnen und Syrern zeichnet ein anderes Bild: Demnach beabsichtigen knapp 60 Prozent, an der Wahl teilzunehmen, 22 Prozent hatten noch keine Staatsangehörigkeit, würden aber gerne wählen.

Am meisten Zuspruch unter den Befragten bekam mit Abstand die SPD. Mehr als ein Drittel beklagte allerdings, deutsche Parteien würden die Interessen der syrischen Bürgerschaft nicht berücksichtigten.

23 Februar 2025 0 Kommentare
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Vakıflı: Letztes armenisches Dorf der Türkei vor ungewisser Zukunft

von Fremdeninfo 21 Februar 2025
von Fremdeninfo

 

Vakıflı: Letztes armenisches Dorf der Türkei vor ungewisser Zukunft

                                                                      Von Dtj

 

                                                            

Zwei Männer spielen ein Brettspiel im Teehaus von Vakıflı, umgeben von der traditionellen Steinarchitektur des Dorfes. Foto: kulturportali.gov.tr

Vakıflı, das letzte von hauptsächlich Armeniern bewohnte Dorf der Türkei, steht vor großen Veränderungen. Ein staatliches Wohnbauprojekt könnte die historische und kulturelle Struktur der kleinen Gemeinde in der Provinz Hatay massiv beeinflussen.

Das armenische Dorf Vakıflı in der Provinz Hatay steht vor einer ungewissen Zukunft. Wie der Informationsdienst des Hilfswerks „Pro Oriente“ berichtet, droht das letzte von Armeniern bewohnte Dorf der Türkei durch ein geplantes staatliches Wohnbauprojekt stark verändert zu werden. Die Bewohner befürchten, dass der Bau das soziale und kulturelle Gefüge der kleinen Gemeinde mit weniger als 150 Einwohnern nachhaltig stören könnte.

Besonders besorgniserregend sei, dass laut „Vatikan News“ fast die Hälfte des Dorfes von Enteignungen betroffen sein könnte. Bereits in der Vergangenheit gab es juristische Auseinandersetzungen um Immobilien, die einst der armenischen Gemeinschaft gehörten. Obwohl das türkische Verfassungsgericht im Jahr 2022 eine Verletzung der Eigentumsrechte feststellte, wurden die betroffenen Grundstücke bislang nicht an die Armenische Kirchen-Stiftung von Vakıflı zurückgegeben.

Historische Wurzeln und kulturelles Erbe von Vakıflı

Das Dorf erlitt beim schweren Erdbeben im Februar 2023 erhebliche Schäden. Viele Gebäude wurden zerstört oder stark beschädigt, darunter auch die örtliche Kirche. Nun droht mit dem Bauprojekt eine weitere tiefgreifende Veränderung für die Gemeinschaft.

Vakıflı ist historisch mit den Ereignissen von 1915 verbunden, als viele Armenier am Mosesberg (Musa Dağı) Zuflucht suchten. Die heutigen Bewohner sind Nachkommen jener Menschen, die dort wochenlang ausharrten, bis sie von einem französischen Kriegsschiff aufgenommen wurden. Die Geschehnisse jener Zeit inspirierten Franz Werfel zu seinem bekannten Roman „Die 40 Tage des Musa Dagh“.

Bis heute sprechen die Dorfbewohner einen einzigartigen armenischen Dialekt, der mit arabischen und türkischen Einflüssen durchmischt ist. Doch mit dem drohenden demografischen Wandel könnten Sprache und Traditionen der letzten armenischen Gemeinde der Türkei zunehmend verloren gehen.

21 Februar 2025 0 Kommentare
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Immer mehr rechte Straftaten in Bayern

von Fremdeninfo 21 Februar 2025
von Fremdeninfo

           Immer mehr rechte Straftaten in Bayern

                      Artikel von dpa/ S.Z.

                                               

    Politisch motivierte Straftaten sind in der aktuell aufgeheizten Lage in Bayern leider keine Seltenheit. 47 Prozent aller Verbrechen in dem Bereich gehen auf das Konto rechter Täter. (Illustration) (Foto: Christoph Reichwein/dpa)

Auch wenn die Gesamtzahlen zur politisch motivierten Kriminalität in Bayern rückläufig sind, muss die Statistik für 2024 Sorgen machen. Denn ein Bereich verzeichnet einen bedenklichen Zuwachs.

München (dpa) – Beinahe jede zweite politisch motivierte Straftat in Bayern wurde im vergangenen Jahr von Tätern aus dem rechten Lager begangen. Von den 7.680 für 2024 in der Statistik vermerkten Straftaten mit einem politischen Hintergrund gingen 3.612 auf die Liste von Rechten oder gar Rechtsextremisten – dies entspricht einem Anteil von 47 Prozent und dem höchsten Wert seit 2019. Das geht auf eine Auswertung des Innenministeriums auf Anfrage der Grünen im Landtag hervor, welche der Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt.

Anteil steigt von 2023 auf 2024 massiv an

Zum Vergleich: 2023 lag der Anteil den Angaben zufolge noch bei rund 37 Prozent – damals standen 3.055 rechte Straftaten einer Gesamtzahl von 8.041 gegenüber. 2019 gab es gerade mal 4.560 politisch motivierte Straftaten in Bayern, davon 2.503 Fälle der Kategorie „rechts“.

Bozoğlu: Nicht zu überhörendes Alarmsignal

„Dass die politisch motivierten Straftaten aus dem rechten Spektrum zum zweiten Jahr in Folge ein Höchstniveau erreicht, ist ein nicht zu überhörendes Alarmsignal“, sagte Cemal Bozoğlu, Sprecher für Strategien gegen Rechtsextremismus der Landtags-Grünen. Das aufgeheizte politische Klima befeuere Straftäter mit rechter Gesinnung. „Das darf nicht verharmlost werden.“ Die Staatsregierung müsse die Gefahren richtig einordnen und „dringend restriktive wie präventive Maßnahmen“ einleiten.

Auch Mord und Totschlag kein Tabu 

Wie brutal politisch motivierte Straftäter vorgehen – und das sie auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken, zeigte eine andere Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Landtags-SPD. Demnach gab es zwischen 2016 und Ende 2024 27 entsprechende Vorfälle. Die Bandbreite reicht von einem am Ende glimpflich ausgegangenen Schubsers auf die U-Bahn-Gleise in Nürnberg samt antisemitischer Beschimpfungen bis zum sogenannten Polizistenmord in Georgensgmünd, wo ein Beamter des Spezialeinsatzkommandos Nordbayern von einem „Reichsbürger“ erschossen wurde. 

In Summe gehen die meisten der Fälle auch auf das Konto rechter Täter (12), gefolgt von ausländischer Kriminalität (7), religiöser Kriminalität (5), ausländischer Ideologie (2) und aus dem linken Spektrum (1). „Wir müssen entschlossen und hart gegen diese Täter vorgehen, denn die Zahlen sind erschreckend. Gerade auch die Gewalttaten durch Nazis und Rechtsextremisten“, sagte Florian von Brunn (SPD). 

Auch mehr Straftaten mit Bezügen zum Ausland

Generell nimmt die Kriminalität mit der sogenannter „auslandsbezogener Ideologie“ stark zu. 2021 lag die Zahl noch bei 69 Fällen, 2024 sind es bereits 548. Hierunter fallen Straftaten im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder dem palästinensischen Extremismus. Ein Erklär-Ansatz dafür ist der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der sich anschließenden Gegenreaktion des israelischen Militärs im Gazastreifen. 

Es gibt auch Rückgänge in manchen Bereichen 

Dagegen sank von 2023 auf 2024 die Zahl der Straftaten im Bereich „sonstige Zuordnung“, wo etwa Delikte von sogenannten Reichsbürgern und Coronaleugnern erfasst werden – von 3.444 Straftaten auf 2.607 Straftaten. Auch bei Straftaten von Tätern, die dem linken Milieu zugeordnet werden, ist der Trend rückläufig: 727 im vergangenen Jahr stehen etwa 868im Jahr 2023 und 1.328 im Jahr 2019 gegenüber.

Ruf nach mehr Prävention und Ermittlern

„Die aktuellen Zahlen belegen: Islamistischer Terror schürt gezielt Angst bei den Menschen – und diese Angst wird von rechtsextremen und rechtspopulistischen Kräften für ihre Zwecke missbraucht“, sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze. Die gefährliche Dynamik sich gegenseitig befeuernder Straftaten müsse durchbrochen werden – mit Prävention und einer modernen, gut ausgestatteten Sicherheitsinfrastruktur. „Polizei und Verfassungsschutz brauchen dringend mehr digitale Ermittler, um auch in sozialen Netzwerken effektiv gegen Extremismus vorzugehen.“

21 Februar 2025 0 Kommentare
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Religion

Islamischer Staat ruft wohl zu Anschlägen in Deutschland auf

von Fremdeninfo 20 Februar 2025
von Fremdeninfo

Islamischer Staat ruft wohl zu Anschlägen in Deutschland auf

Anschläge mit Auto – IS fordert wohl zu weiteren Taten auf

 

                            

Junger Mann mit Smartphone (Symbolbild): Der IS will vor allem Jugendliche mobilisieren. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Der Islamische Staat versucht wohl immer stärker, Jugendliche zu mobilisieren. Dafür greift er auch zu besonders perfiden Mitteln.

Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) hat wohl dazu aufgerufen, unter anderem in Deutschland Anschläge mit Autos zu verüben. Das berichtet die „Bild“ und beruft sich dabei auf ein Bild auf der deutschsprachigen Propaganda-Seite „Al Saif Media“

In einem Bild auf der Internetseite werden Städte wie Berlin, München, Frankfurt, Wien, Brüssel, Antwerpen und Salzburg als potenzielle Ziele genannt. Zu sehen ist auf der Abbildung der Blick durch die Windschutzscheibe eines Autos, auf den Köpfen der Passanten befinden sich Fadenkreuze. Auf dem Navigationsgerät des Autos steht eine Aufforderung, sie zu überfahren.

IS zielt wohl vor allem auf Jugendliche ab

Laut einem Polizisten verbreitet sich das Bild online schnell. Der „Bild“ erklärt er: „Und die gefährliche Strategie des IS, sogenannte einsame Wölfe zu inspirieren, die dann plötzlich selbstradikalisiert irgendwo losschlagen, scheint nun wie befürchtet vermehrt aufzugehen.“

„Gerade Jugendliche sind auf Social Media wie TikTok und Instagram sehr empfänglich für diese perfide Propaganda.“ Wie der Beamte weiter erklärt, wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Anschläge Minderjähriger verhindert. Dabei würden die Terroristen auch persönliche Nachrichten über Instagram-Profile aus Syrien oder Afghanistan schicken.

Statistisch zu ermitteln, wie groß der Zulauf zu Islamismus bei Jugendlichen tatsächlich ist, ist schwierig – etwa, da die Radikalisierung zu großen Teilen über das Internet abläuft und es zudem keine formellen Mitgliedschaften gibt. Nach Zahlen des Verfassungsschutzes ist das Personenpotenzial für Rechtsextremismus mit etwa 40.000 im Jahr 2023 deutlich größer als das des Islamismus im selben Jahr (27.200)..

20 Februar 2025 0 Kommentare
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Steinmeier: Anschlag in Hanau war Angriff auf Demokratie

von Fremdeninfo 20 Februar 2025
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Steinmeier: Anschlag in Hanau war Angriff auf Demokratie

                         Von:  Frankfurter Rundschau

 

                                    

                                       Der Bundespräsident spricht auf der Gedenkveranstaltung © Andreas Arnold/dpa

Zum fünften Jahrestag des Anschlags in Hanau ruft der Bundespräsident zum Kampf gegen Rassismus und Extremismus auf. Bei einer Gedenkstunde wird an die Opfer erinnert.

Hanau – Der rassistische Anschlag in Hanau vor fünf Jahren war nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „ein Anschlag auf unsere offene Gesellschaft und unsere liberale Demokratie“. Das gelte auch für die „vermutlich islamistisch motivierten Anschläge der vergangenen Monate“, sagte das Staatsoberhaupt bei der offiziellen Gedenkstunde zum fünften Jahrestag der Morde.

Am 19. Februar 2020 hatte ein deutscher Täter in Hanau neun junge Menschen aus rassistischen Motiven erschossen. Danach tötete er seine Mutter und sich selbst.

Steinmeier rief zum Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus, Islamismus „und gegen jede andere Form der Menschenfeindlichkeit“ auf. „Es ist an uns, für ein gutes Miteinander zu sorgen, jeden Tag und immer wieder aufs Neue. Das ist die Botschaft, die wir heute hier aus Hanau in unser Land senden sollten.“

Hinterbliebene melden sich zu Wort

 

Bei der Gedenkstunde sprachen auch vier Hinterbliebene vor den etwa 400 geladenen Gästen. Sie forderten ebenfalls ein entschiedenes Einschreiten gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit, aber auch weitere Aufklärung der Tatumstände und personelle Konsequenzen.

Emis Gürbüz, Mutter des ermordeten Sedat Gürbüz, bekräftigte die Kritik vieler Angehöriger an Versäumnissen von Polizei und Behörden in der Tatnacht und danach. Die Entschuldigung des hessischen Innenministers Roman Poseck (CDU) vom vergangenen Jahr für Fehler bei dem Polizeieinsatz akzeptiere sie nicht, sagte Gürbüz. Poseck war vor fünf Jahren noch nicht hessischer Innenminister.

 

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                                                   Zu der Gedenkveranstaltung kam viel politische Prominenz.

In Berlin erinnerten am Abend nach Polizeiangaben rund 5.000 Menschen in einer Gedenkdemonstration an den Anschlag. Sie zogen durch Neukölln, viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer schwenkten Palästina-Flaggen. Im Laufe des Tages hatte es in Berlin bereits mehrere kleinere Gedenkveranstaltungen gegeben. dpa

20 Februar 2025 0 Kommentare
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Rechtsextremismus: Hanau fünf Jahre später – Warum das Attentat erschreckend aktuell ist

von Fremdeninfo 20 Februar 2025
von Fremdeninfo

Rechtsextremismus: Hanau fünf Jahre später – Warum das Attentat erschreckend aktuell ist

                                                                Artikel von Markus Decker

                                              

Angehörige stehen während der Gedenkfeier im Jahr 2020 für die Opfer des Anschlags vor einem Grabstein. Ein 43-jähriger Deutscher hatte am 19. Februar 2020 insgesamt neun Menschen aus rassistischen Motiven getötet. © Boris Roessler/dpa

Das Erschrecken war groß. Als Tobias R. am 19. Februar 2020 im hessischen Hanau neun junge Menschen aus rassistischen Motiven erschoss sowie anschließend seine Mutter und sich selbst tötete, da schien die Republik für ein paar Stunden stillzustehen. Dies galt umso mehr, als sich ein Jahr zuvor der Anschlag auf die Synagoge in Halle mit zwei Todesopfern und das Attentat auf Kassels Regierungs­präsidenten Walter Lübcke ereignet hatten. Der Rechts­extremismus zeigte, wozu er fähig ist. Fünf Jahre nach Hanau scheint es so, als sei das Thema erledigt. Denn heute stehen die Angriffe von Mannheim, Solingen, Magdeburg, Aschaffenburg und München im Mittelpunkt und die Frage, ob sie das Ergebnis einer falschen Migrations­politik sind. Tatsächlich hat sich die rechts­extremistische Bedrohung aber keineswegs erledigt.

Vater des Hanau-Attentäters terrorisiert Hinterbliebene

Das zeigt sich nach wie vor in Hanau. Dort terrorisiert der Vater des Hanau-Attentäters, Hans Gerd R., seit Jahren die Hinterbliebenen der Opfer. Erst Ende Oktober wurde der seinerzeit 77-Jährige zu einer Geldstrafe von 21.600 Euro verurteilt. Der Rentner sei „zweifelsohne rassistisch“, hieß es bei Gericht, und habe die Menschen­würde von Migranten „böswillig verächtlich gemacht“. Das Gericht lehnte es jedoch ab, den Mann zu inhaftieren, und fand, sein Handeln sei „etwas, was die Gesellschaft ertragen muss“. Das wiederum ist schwer zu ertragen.

Dass sich Taten wie jene in Hanau wieder ereignen können, bewies zuletzt die Tat eines 35-Jährigen im schwedischen Örebro, der in einem Bildungszentrum sieben Frauen und drei Männer umbrachte – darunter Menschen mit Wurzeln in Syrien, Eritrea und Bosnien-Herzegowina. Ähnliches geschah 2016 im Münchner Olympia-Einkaufs­zentrum.

Täter bei Anschlägen sind immer Männer

Überhaupt gibt es zwischen all den Anschlägen von Rechts­extremisten, Islamisten oder psychisch labilen Amok­läufern mit oder ohne Migrations­hintergrund ein verbindendes Element. Die Täter sind immer Männer. Nur spielt das in der öffentlichen Debatte fatalerweise keine Rolle – weil die Hälfte der Bevölkerung aus Männern besteht. Gewalttaten sind dabei oft Folge gesellschaftlicher Isolation und psychischer Not und werden von den Tätern politisch aufgeladen. Sonst müssten sie ja ihre Isolation und ihre Not bekennen und um Hilfe bitten.

Hanau ist und bleibt aktuell. Auch wenn in den vergangenen Monaten die Gewalttaten von Islamisten und psychisch auffälligen Migranten die Republik erschüttert haben: Gewalt und Terror durch Rechtsradikale sind statistisch gesehen die größte Gefahr im Spektrum der politischen Gewalt­kriminalität. Das darf man auch in einer aufgeheizten Debatte um Konsequenzen aus den aktuellen Anschlägen nicht vergessen.

Diese Debatte setzt auch die Gemeinschaft der Migrantinnen und Migranten unter Druck. Auch deshalb ist es wichtig, der Opfer zu gedenken.

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