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Münchner Ausländerbehörde: Korruptions-Skandal noch schlimmer

von Fremdeninfo 10 Juni 2026
von Fremdeninfo 10 Juni 2026
Das Kreisverwaltungsreferat in München. © SIGI JANTZ
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Artikel von Thomas Gautier

Eine ehemalige Mitarbeiterin der Münchner Ausländerbehörde soll Vietnamesen illegal Aufenthaltsgenehmigungen ausgestellt haben. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Ermittler 100.000 Euro Bargeld sowie Gold und Silber.

München – Der Korruptions-Skandal im Münchner Kreisverwaltungsreferat weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft München I hat am 3. Juni Anklage gegen eine ehemalige Mitarbeiterin der Behörde sowie zwei weitere Angeschuldigte erhoben. Es geht um Hunderttausende Euro, die geflossen sein sollen, damit Ausländer in Deutschland bleiben konnten, die eigentlich nicht das Recht dazu hatten.

Gegen die 36-jährige Ex-KVR-Mitarbeiterin besteht der Verdacht der Bestechlichkeit in 85 Fällen, jeweils in Tateinheit mit gewerbs- und bandenmäßigem Einschleusen von Ausländern, in 68 Fällen hiervon in Tateinheit mit gewerbs- und bandenmäßiger Urkundenfälschung. Den 34-jährigen bzw. 31-jährigen albanischen Angeschuldigten liegt ebenfalls gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern zur Last, zudem Beihilfe zur Bestechlichkeit. Gegen einen der beiden besteht zudem der Verdacht der gewerbs- und bandenmäßigen Urkundenfälschung.

Falsche Aufenthalts-Titel für Vietnamesen – gegen Zehntausende Euro Schmiergeld?

Und so soll’s gelaufen sein: Die Angeschuldigten sollen in einer Vielzahl von Fällen dafür gesorgt haben, dass Vietnamesen die Möglichkeit zum Aufenthalt in Deutschland bekamen. Die Angeschuldigte war im Tatzeitraum als Mitarbeiterin in der Münchner Ausländerbehörde tätig, die zum KVR gehört.

Ihr wird vorgeworfen, dass sie von September 2024 bis Mai 2025 in 85 Fällen Aufenthaltsgenehmigungen und sogenannte Fiktionsbescheinigungen für vietnamesische Antragsteller ausstellte – obwohl sie wusste, dass sie dafür nicht die Voraussetzungen erfüllten. Dafür soll sie fett abkassiert haben: Die vietnamesischen Antragsteller „entrichteten hierfür jeweils Zuwendungen im mindestens fünfstelligen Bereich“, so die Anklage. Also jeweils mindestens 10.000 Euro in 85 Fällen!

Gefälschte slowenische Papiere

Einer der anderen Beschuldigten soll für die Antragsteller zunächst slowenische Aufenthaltstitel gefälscht oder gefälschte slowenische Aufenthaltstitel beschafft haben. Zudem soll er unter anderem die vietnamesischen Antragsteller kontaktiert haben. Der weitere Angeschuldigte soll die vietnamesischen Antragsteller in den Räumlichkeiten des KVR in Empfang genommen und von ihnen das Geld kassiert haben.

Zwei der Beschuldigten sitzen seit schon seit Mitte Dezember 2025 in Untersuchungshaft. Bei einer Durchsuchung ihrer Privatwohnung im Oktober 2025 wurde Bargeld in Höhe von rund 100.000 Euro, zudem 200 Gramm Gold und 250 Gramm Silber aufgefunden. Es ist laut Staatsanwaltschaft „beabsichtigt, im Rahmen der Hauptverhandlung die Einziehung eines Betrages in Höhe von 850.000 Euro“ gegen diese beiden Angeschuldigten zu beantragen (sie sind verheiratet).

Jetzt muss das Landgericht entscheiden

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und damit über eine mögliche Terminierung der Hauptverhandlung wird die zuständige Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I entscheiden. Gegen fünf weitere Beschuldigte dieser Tätergruppierung sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Ihnen wird vorgeworfen, als Bandenmitglied bzw. als Vermittler zwischen Bandenmitgliedern und Antragstellern tätig geworden zu sein. Zudem wurden gegen sämtliche vietnamesische Antragsteller ebenfalls Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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