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Eine kurze Reise durch die ägyptische Literatur

von Fremdeninfo 19 Oktober 2026
von Fremdeninfo 19 Oktober 2026
iskan-tolun
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İSKAN TOLUN / Köln

Diesmal ist die Reihe an Ägypten – ein Land, das zu den neugierigst beäugten gehört und für seine Pyramiden berühmt ist. Ja, das Thema dieser Artikelserie lautet: Eine kurze Reise durch die ägyptische Literatur. Ich denke jedoch, dass es nicht richtig wäre, dieses mysteriöse Land zu behandeln, ohne seine Geschichte und geografische Struktur zu erwähnen. Denn es besitzt eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht, sowie weltberühmte Pyramiden, die bis heute faszinieren. Schließlich ist das antike Ägypten eine der ältesten und tief verwurzelten Zivilisationen der Welt, deren historische Wurzeln etwa siebentausend Jahre zurückreichen.

Obwohl das Land zu großen Teilen von Wüsten bedeckt ist, befindet sich der überwiegende Teil in Nordafrika und ein kleiner Teil in Asien. Auch wenn etwa 95 Prozent seines Territoriums aus Wüste bestehen, handelt es sich um ein äußerst strategisches Land. Trotz der geografischen Lage des Großteils seiner Fläche in Nordafrika wird es als Teil der Region des Nahen Ostens betrachtet. Dies liegt wohl an seinen geopolitischen, historischen und kulturellen Bindungen. Auch seine Literatur verfügt über ein reichhaltiges und tief verwurzeltes Erbe von etwa fünftausend Jahren, das von den antiken Zeiten bis in die Moderne reicht.

Ägypten ist in der Tat ein Land, das seit jeher durch seine Geschichte, seine Literatur und seine geografische Lage Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schließlich gehört es zu den Ländern, die in Geschichtsbüchern am häufigsten genannt werden. Wie viele neugierige Leser habe auch ich Dutzende Bücher über die Geschichte Ägyptens verschlungen. Denkt man an Ägypten, kommen einem als Erstes Pyramiden, Pharaonen, Kriege und Völkerwanderungen in den Sinn. Aufgrund seiner strategischen Lage ist wohlbekannt, dass es Ziel zahlreicher Angriffe war. Einer der ersten Namen, der einem bei diesen Eroberungen einfällt, ist der makedonische König Alexander der Große.

Als Alexander der Große Ägypten eroberte, ließ er im Nil-Delta eine Stadt errichten, die seinen Namen trug (im Jahr 331 v. Chr.): Alexandria. Später entwickelte sich diese Stadt Alexandria zu einem der größten Kultur-, Handels- und Wissenschaftszentren der antiken Welt. (Alexander der Große gründete an vielen von ihm besetzten Orten Städte, die seinen Namen trugen: Es ist bekannt, dass er nach dem Sieg bei Issos im Jahr 333 v. Chr. auch in der heutigen Türkei eine Stadt gründete: İskenderun.)

Ja, Ägypten war in den alten Zeiten nicht nur ein Zentrum für Kultur und Handel, sondern entwickelte sich auch zu einer Schule, die zahlreiche Persönlichkeiten ausbildete und Philosophen hervorbrachte. Eine dieser symbolträchtigen Figuren jener antiken Epoche war Hypatia. Ich habe die Lebensgeschichte und die humanistische Lebensweise dieser Philosophin mit Bewunderung gelesen; auch ihr tragisches Ende ist unvergesslich. (Hypatia, die Tochter des damaligen Bibliothekars und Philosophen Theon, deren ethnische Wurzeln in der antiken griechischen Kultur lagen und die im ägyptischen Alexandria geboren wurde, war auch Gegenstand eines meiner Romane: „İbret-Ulu Tanrım“. Die deutsche Version: „Verdammnis“.)

Das antike Ägypten, eine der bedeutendsten Hochburgen der esoterischen Kultur, gehört zu den geheimnisvollsten Gesellschaften und Ländern der Weltgeschichte. Dieses Land ist wahrlich eine in Stein gemeißelte, mysteriöse Geschichte. Obwohl die moderne Technologie der heutigen Wissenschaftler auf höchstem Niveau ist, konnten sie die Geheimnisse dieser mysteriösen Geschichte und Kultur noch immer nicht vollständig durchdringen (wobei die Geheimnisse heute zu einem großen Teil entschlüsselt sind). Wie dem auch sei, kehren wir zum eigentlichen Thema zurück: der Literatur.

Die Geschichte des Sinuhe, die als Weisheitsliteratur gilt und aus Lehrerzählungen besteht, ist einer der bekanntesten und bedeutendsten Texte der altägyptischen Literatur. Dieses vermutlich fiktive Werk, das in die Zeit des Mittleren Reiches datiert wird, wird aus der Ich-Perspektive des Hofbeamten oder Kommandanten Sinuhe erzählt. Der Papyrus Westcar, der fünf Wundergeschichten enthält, ist ein altägyptischer Text aus verschiedenen Erzählungen, die von Wundern und außergewöhnlichen Ereignissen berichten, die von Priestern und Zauberern gewirkt wurden.

Dieser Text, der als eines der wichtigsten und ältesten Werke der ägyptischen Literatur gilt, besitzt in seiner literarischen Struktur eine Rahmenhandlung – also Geschichten innerhalb einer Geschichte –, ähnlich den berühmten Märchen aus 1001 Nacht. Und das berühmte Ägyptische Totenbuch ist eine Sammlung von Zaubersprüchen, Amulett-Texten, Gebeten und Leitfäden auf Papyrus, die verfasst wurden, damit die Seelen der Verstorbenen im antiken Ägypten sicher durch das Jenseits reisen, sich vor Gefahren schützen und bei der Verurteilung durch die Götter freigesprochen werden konnten. Diese Literaturgeschichte reicht etwa fünftausend Jahre zurück.

Und die moderne ägyptische Literatur: Die moderne ägyptische Literatur beginnt mit der Besetzung Ägyptens durch Napoleon im Jahr 1798. Die Ankunft der Druckpresse im Land markierte einen neuen Wendepunkt in der Literatur. Unter dem Einfluss des Westens löste sie sich aus ihrer klassischen Struktur und geriet unter den Einfluss der westlichen Literatur. Folglich war Napoleons Ägyptenfeldzug nicht nur in der europäischen Geschichte, sondern auch in der Geschichte des Nahen Ostens ein Wendepunkt. Man kann sagen, dass Übersetzungen aus der französischen Literatur und das Zeitungswesen die Entstehung moderner Gattungen wie des Romans und der Kurzgeschichte ermöglichten.

In diesem durch westlichen Einfluss begonnenen Transformationsprozess wurde ein reicher Schatz geschaffen, indem die nationale Identität bewahrt und die traditionelle arabische Literatur mit westlichen Einflüssen verschmolzen wurde. Dadurch wurde diese Literatur, die durch Sozialkritik und die Erhöhung individueller Gefühle geformt wurde, zu einem der Grundsteine der modernen Literatur nicht nur Ägyptens, sondern der gesamten arabischen Welt.

Autoren, die den sich wandelnden Aufbau der Gesellschaft in ihren Werken widerspiegelten, leisteten wichtige Beiträge zur Entwicklung der Literatur auf nationaler wie auch auf universeller Ebene: Anfang des 20. Jahrhunderts leisteten Autoren wie Muhammad Taymur und Mahmud Taymur Pionierarbeit für die moderne Kurzgeschichte und das Theater. Die Bedingungen, die mit dem Unabhängigkeitskampf von 1919 begannen und sich unter dem Einfluss der darauffolgenden politischen Umbrüche fortsetzten, lenkten die Schriftsteller sichtlich zum gesellschaftlichen Realismus. Meisterhafte Federführer Ägyptens wie Taha Hussein und Yusuf Idris brachten sowohl die Volkssprache in die Literatur ein als auch die moderne Kurzgeschichte und den Roman auf ihren Höhepunkt.

Und der Nobelpreisträger Nagib Mahfuz, der als das Juwel der ägyptischen Literatur gilt: Nagib Mahfuz tritt dem Leser sowohl mit seinen Romanen als auch mit seinen Kurzgeschichten in einer schlichten, klaren Sprache und mit einer unaufdringlichen Erzählweise gegenüber – manchmal mit den Sorgen des Alltags, manchmal mit Wundern und Geheimnissen im gewöhnlichen Lauf des Lebens. Die Spiegelung der Gesellschaft zeigt sich in seinen Romanen ebenso wie in seinen Kurzgeschichten, die der Autor mit seiner Vorstellungskraft verbindet; dies diente nicht nur seinen Lesern, sondern auch zahlreichen Schriftstellern als Inspirationsquelle.

Während Nagib Mahfuz seine Geschichten erzählt, zeichnet er im Hintergrund gewissermaßen die Topografie der großen Veränderungen Ägyptens sowie seiner durch Revolutionen geprägten politischen und gesellschaftlichen Geschichte. Der Autor bringt die Straßen der ägyptischen Städte, die einfachen Menschen und den gesellschaftlichen Wandel mit enormer Meisterschaft zu Papier. Mit scharfer Beobachtungsgabe und einer Erzählweise, die den Leser direkt in die Geschichte hineinzieht, zeichnet er ein lebendiges Porträt des politischen und sozialen Lebens Ägyptens in turbulenten Zeiten.

Seine als Meisterwerk geltende Roman-Serie Die Kairoer Trilogie thematisiert drei Generationen des traditionellen Händlers Ahmad Abd al-Dschawwad und seiner Familie, die in Kairo leben. Die Geschichte beginnt im Ersten Weltkrieg und reicht bis zur ägyptischen Revolution von 1952. Sie umfasst einen Zeitraum von etwa 40 Jahren und vermittelt den gesamten Zauber, das Mysterium und den Schmerz Ägyptens auf menschlicher Ebene. Der Meisterautor legt die Veränderungen der politischen Probleme zusammen mit den Wandlungen im Leben der Charaktere auf sehr schlichte Weise offen. Nach diesem besagten Meisterwerk wurde der geschätzte Autor mit berühmten Schriftstellern wie Dickens, Balzac, Zola, Tolstoi und Dostojewski verglichen.

Der Artikel ist einer schmerzgeprüften kurdischen Familie aus Sulaimaniyya gewidmet, die sich in der Hoffnung auf eine Reise nach Europa auf den Weg machte und im Fluss Mariza schlagartig ihre drei Kinder verlor!..

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