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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

Analyse: 10 Jahre ‚Wir schaffen das‘ – Bürger urteilen über Merkels Flüchtlingspolitik

von Fremdeninfo 21 August 2025
von Fremdeninfo

Analyse: 10 Jahre ‚Wir schaffen das‘ – Bürger urteilen über Merkels Flüchtlingspolitik

Wir schaffen das“ – dieser Satz prägt die Flüchtlingskrise bis heute. Zehn Jahre danach diskutieren unsere Leser in der FOCUS-online-Umfrage über Folgen und Bilanz. Viele zeigen sich ernüchtert und werfen der Politik massive Versäumnisse bei Integration, innerer Sicherheit und gesellschaftlichem Zusammenhalt vor. Auch Angela Merkel selbst steht stark in der Kritik. Einzelne Stimmen mahnen, man dürfe positive Integrationsbeispiele nicht vergessen. Doch für die meisten bleibt der Merkel-Satz Symbol einer Politik des Scheiterns.

Harte Abrechnung mit Merkels Flüchtlingspolitik

Viele Leser sehen in der Flüchtlingspolitik seit 2015 den Ursprung aktueller Probleme. Genannt werden Wohnungsnot, überlastete Sozialkassen, Integrationsdefizite und steigende Kriminalität. Merkels Kurs gilt ihnen als planlos, ihr Krisenmanagement als enttäuschend. Vor allem der Vorwurf mangelnder Verantwortung zieht sich durch die Kommentare.

„80 Prozent der Städte in Deutschland leben inzwischen von finanziellen Reserven oder auf Pump (Quelle: ÖRR). 47 Milliarden Defizit in den Sozialkassen. Eine halbe Million fehlende Wohnungen in Deutschland, Stand Februar 2025! ..

„Ein Rundumblick ist ausreichend, um diese Frage mit NEIN zu beantworten. Diese Frau hat Deutschland mehr geschadet als genutzt. Wenn ich dieses Bild schon sehe, wird mir etwas übel. Jeder, der das vor zehn Jahren kritisiert hat, wurde umgehend in die rechte Ecke geschoben; und heute weiß man, die Kritiker hatten recht …

„Das war der größte Fehler, den Deutschland nach dem 2. Weltkrieg gemacht hat. Die Öffnung der Grenzen, das Aufgeben unseres Rechts ein souveräner Staat zu sein. Die Folgen sehen wir jetzt. Die Kriminalität ist sehr hoch, die innere Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet, Integration überfordert uns völlig, die Zustände an den Schulen sind …

Zehn Jahre später kann man das alles ja an Fakten messen und da sieht es eben nicht besonders positiv aus. Die Regierung hat tatsächlich ja recht wenig geschafft, kein Wunder, es wurde ja auch annähernd nichts getan, z.B. für den Wohnungsbau, die Schulen, das Gesundheitssystem usw., um auf den höheren Bedarf zu reagieren ..

„Sicher brauchen wir Arbeitskräfte auch aus dem Ausland, aber man hätte sie gezielt anwerben können, nach ihrem Ausbildungsstand und ihren Fähigkeiten

Merkels Vermächtnis scharf kritisiert

Viele Leser machen Angela Merkel persönlich für Fehlentwicklungen verantwortlich. Sie werfen ihr Machtstreben und mangelnde Selbstkritik vor und sehen keine echte Übernahme von Verantwortung. Ihr politisches Erbe gilt ihnen als belastet, öffentliche Ehrungen oder Auszeichnungen stoßen deshalb auf Ablehnung.

„Angela Merkel hat nur einen Orden verdient: den „Die Büchse der Pandora öffnen“-Orden –oder von mir aus cineastischer die ‚Goldene Himbeere‘. Sie hätte einfach nur sich selbst ernst nehmen sollen, als sie (zu Kohl) sinngemäß sagte, ’16 Jahre Kanzlerschaft sind schlecht‘. Aber Eigenerkenntnis ist wahrlich nicht ihre Stärke .

„Merkel hat Deutschland ruiniert, und dafür hat sie auch noch einen Orden bekommen. Einfach nur erbärmlich diese Politiker.

„Darf ich sagen, dass ich diese Frau nicht mag? Sie hat alle getäuscht, selbst ihrem Mentor, Herrn Kohl fiel sie in den Rücken. Sie war nicht die liebe Mutti, die sie immer spielte, sie tat alles, um die Macht zu erreichen und zu erhalten, viele Fehler säumen ihre Kanzlerschaft .

„Die Migration ist seit 2015 die Mutter aller Probleme. Das wird Merkels gesamtes politisches Erbe bestimmen und überschatten.“

Merkels Satz spaltet bis heute

Für viele steht „Wir schaffen das“ sinnbildlich für Überforderung. Manche deuten den Satz sogar als Drohung. Kritisiert wird vor allem, dass die Folgen unterschätzt wurden.

„Merkel hat sich damals nur versprochen. Eigentlich wollte sie sagen: ‚Ich schaffe euch!

„Der Satz ist in sich ein völliger Unsinn. Wir, d.h. Deutschland, hat/hatte gar nichts zu schaffen. Die ‚Zuwanderer‘ hatten etwas zu schaffen. Und, oh Wunder, sie haben es mehrheitlich nicht geschafft, und werden es auch nicht schaffen.

„Wenn ich die Zustände in unserem Land sehe, klingt dieser Satz in meinen Ohren wie blanker Hohn.

Ruf nach klaren Regeln

Einige Leser verlangen eine Einwanderungspolitik mit strikten Kriterien: Wer kommt, soll Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnisse vorweisen. Die bisherige Aufnahme gilt vielen als unkontrolliert. Parteien wie die SPD geraten unter Druck, weil sie nach Ansicht der Bürger keine wirksamen Lösungen präsentieren.

„So sieht es wirklich aus. Eine qualifizierte Zuwanderung bedeutet für mich, dass jemand einen Berufsabschluss, abgeschlossenes Studium usw. vorweisen kann, und zumindest mal geringe Sprachkenntnisse hat, zumindest Englisch. Dafür müssten Zuwanderer sich, schon bevor sie nach Deutschland kommen, bewerben .

Scharfe Kritik an etablierten Parteien

Viele Leser werfen SPD und CDU vor, das Land falsch zu steuern oder Probleme zu ignorieren. Enttäuschung und Misstrauen gegenüber der politischen Klasse prägen die Kommentare. Ein Teil der Leser sieht die Schuld auch bei den Wählern der etablierten Parteien.

„Nicht Merkel ist schuld, es sind jene, die sie ins Amt gebracht und sie dort bestätigt haben, die CDU-Wähler. Und Anfang des Jahres haben diese auch gezeigt, das sie noch nichts verstanden haben. Sämtliche Altparteien haben gezielt und bewusst Politik gegen unsere Bevölkerung gemacht .

„Leider gab es 2015 keine Opposition im Bundestag außer den Grünen. Und die haben, wie nicht anders zu erwarten, gejubelt.

„Mich würde ja mal interessieren, wie viele hier selbst Merkel nach 2015 wiedergewählt haben, sich jetzt aber lautstark beschweren. Diese Leute sind das wahre Problem

 Wir schaffen das nicht!“

Vielfach diskutieren Leser die Realität der Integration und die Belastung für das Sozialsystem. Kritisiert werden eine gesellschaftliche Polarisierung, mangelnde Unterstützung der Bürger und fehlende Konsequenz in der Umsetzung.

„Das bedarf keiner Frage. Es ist überall ersichtlich, vor allem die neuen haben’s nicht geschafft sich einzufügen – außer ins Sozialnetz.

„Fragt sich, wer mit ‚wir‘ gemeint ist. Frau Merkel selbst? Ja, die hat es geschafft, der Bevölkerung gegen deren Willen eine Riesenlast aufzubürden. Die Bevölkerung? Die wurde nicht gefragt, sondern gezwungen, die Massenzuwanderung zu ertragen mit allen negativen Auswirkungen – und sie zu bezahlen. Ein paar Idealisten mögen stolz sein …

„Die Bürger sind größtenteils der Meinung: Wir schaffen das nicht! Und zwar seit langem, nicht erst seit gestern. Dennoch scheint diese Ansicht einen Großteil unserer Politiker nicht zu interessieren …

Sonstiges: Spott und Sarkasmus

Ein Teil der Nutzer befasst sich mit ironischen und sarkastischen Bemerkungen zum Satz „Wir schaffen das“. Merkels Formulierung wird ins Lächerliche gezogen

„Ihr schafft das schon, muss es heißen.

„Man muss eigentlich nur mal ganz nüchtern schauen, wie sich das Land in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, um die Frage zu beantworten.

„Die Merkel- Gedächtnispoller bei öffentlichen Veranstaltungen sind die Messlatte – auch für Nachhaltigkeit.

Diskutieren Sie mit: Wie beurteilen Sie zehn Jahre nach „Wir schaffen das“ die gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen der damaligen Entscheidung? Haben Politik und Gesellschaft Ihrer Meinung nach aus den Erfahrungen gelernt – und falls nicht: Was müsste sich jetzt ändern?

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen der Nutzerinnen und Nutzer wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz

Artikel von Fabienne Rzitki/ Focus-online

21 August 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Ehemaliger Chef des IS in Deutschland ausreisepflichtig – Abschiebung fraglich

von Fremdeninfo 21 August 2025
von Fremdeninfo

Abu Walaa hat nach seiner Niederlage vor Gericht keinen Antrag auf Berufung gestellt, daher ist das Urteil um seine Ausweisung rechtskräftig. Ob er wirklich abgeschoben wird, muss allerdings noch entschieden werden.

Das Urteil zur Ausweisung des ehemaligen Deutschland-Chefs der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, ist rechtskräftig. Das sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts der dpa. Ein Antrag auf Zulassung der Berufung sei nicht gestellt worden. Abu Walaa hatte seine Klage gegen eine Ausweisung im Juni verloren. Ob er wirklich abgeschoben wird, ist noch offen

Der als IS-Terrorist zu zehneinhalb Jahren Haft Verurteilte hatte unter anderem mit Verweis auf seine sieben Kinder in Deutschland gegen seine Ausweisung geklagt. Das Ausweisungsinteresse überwiege allerdings durch zwingende Gründe der nationalen Sicherheit, so die Richterin bei der Urteilsverkündung. Eine glaubhafte Abkehr von seiner damaligen Haltung als IS-Terrorist und eine Deradikalisierung seien nicht zu erkennen.

Gericht sieht Wiederholungsgefahr

Im schriftlichen Urteil, das inzwischen veröffentlicht wurde, setzt sich das Gericht noch einmal ausführlich damit auseinander. So bestehe aus verschiedenen Gründen Wiederholungsgefahr, wenn der Mann 2027 regulär aus der Haft entlassen werden sollte.

Die Verhandlung um die Ausweisung ist nur eine Vorstufe – über die eigentliche Abschiebung muss in einem abgetrennten Verfahren entschieden werden. „Hier wartet die Kammer nach wie vor den Ausgang des Asylverfahrens ab, insbesondere mit Blick auf eine möglicherweise drohende Todesstrafe im Irak“, so ein Sprecher des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts.

Von Welt

21 August 2025 0 Kommentare
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Archive

Der Standpunkt von Bündnis 90/Die Grünen zu Einwanderungs- und Flüchtlingsfragen

von Cumali Yağmur 20 August 2025
von Cumali Yağmur

Mit dem heutigen technologischen Fortschritt und dem Zusammenwachsen der Welt haben neue Migrationsbewegungen begonnen. Menschen sind gezwungen, ihre Länder aus Gründen wie Kriegen, Dürren, ihren politischen Ansichten, religiösen Überzeugungen, ihrer Zugehörigkeit zu einer Minderheit oder ihrer sexuellen Orientierung zu verlassen.

Unabhängig davon, aus welchem Grund sie nach Europa kommen, müssen alle Menschen menschlich behandelt werden. Niemand darf wegen seiner Ansichten, seines Glaubens oder seiner Hautfarbe verachtet oder gedemütigt werden.

Die Grünen erkennen seit Jahren an, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.

  • Menschen, die seit 5 Jahren in Deutschland leben, sollten das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft erhalten.
  • Asylsuchende müssen ihr Recht auf Asyl vollumfänglich wahrnehmen können. Sie sollten möglichst nicht abgeschoben werden.
  • Menschen, denen in ihrem Herkunftsland Krieg oder Folter droht, sollten auch bei einem abgelehnten Asylantrag nicht abgeschoben werden.
  • Migranten in Deutschland müssen die gleichen Rechte genießen.
  • Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse sollten unbürokratisch erteilt werden.
  • Jeder Mensch muss seine religiöse Überzeugung frei ausüben können.
  • Sie dürfen bei der Arbeits- und Wohnungssuche nicht diskriminiert werden.
  • Frauen sollten ein von ihrem Ehepartner unabhängiges Aufenthaltsrecht erhalten.
  • Der Familiennachzug darf nicht eingeschränkt werden.
  • Ihr Zugang zu Beschäftigungen im öffentlichen Dienst sollte erleichtert werden.
  • Es sollte kein generelles Kopftuchverbot im öffentlichen Raum geben.
  • Neuankommenden müssen Deutsch- und Integrationskurse angeboten werden.
  • Auch Kinder mit Migrationshintergrund müssen in Kitas (Kindertagesstätten) aufgenommen werden.
  • Mehrsprachige Bildungssysteme sollten gefördert werden.
  • Migranten dürfen im Alltag nicht verachtet werden; sie dürfen keinem Rassismus, Nationalismus und keiner Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt sein.
  • Migranten sind zu einem festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft geworden. Ein friedliches Zusammenleben muss gewährleistet werden.
  • Zusammen gefaßt C.Yagmur
20 August 2025 0 Kommentare
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Impressum

Mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg

von Fremdeninfo 20 August 2025
von Fremdeninfo

41,2 Prozent aller Hamburgerinnen und Hamburger haben nach Daten des Statistikamts Nord einen Migrationshintergrund. (Symbolbild)© Jonas Walzberg/​dpa

Die Zahl der Hamburgerinnen und Hamburger mit einem Migrationshintergrund ist weiter gestiegen. So hatten Ende vergangenen Jahres 41,2 Prozent der Menschen in der Hansestadt ausländische Wurzeln, wie es in einer Auswertung des Melderegisters durch das Statistikamt Nord heißt. Das seien 0,8 Punkte mehr als im Jahr zuvor und 5,1 Punkte mehr als vor fünf Jahren.

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Bevölkerungsalter: Anteil junger Menschen in Deutschland weiterhin historisch niedrig

Zu Menschen mit Migrationshintergrund zählten die Statistiker nach eigenen Angaben die ausländische Bevölkerung sowie unabhängig von ihrer Nationalität alle ab 1950 Zugewanderten. Dazu gehören unter anderem auch in Deutschland geborene und eingebürgerte frühere Ausländerinnen und Ausländer sowie in Deutschland geborene Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit deutscher Staatsangehörigkeit, bei denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat.

Rund 811.000 Menschen mit Migrationshintergrund in Hamburg

Die meisten der 811.252 Menschen mit Migrationshintergrund leben den Angaben zufolge prozentual in den Stadtteilen Billbrook, Veddel und Billwerder. Dort liege deren Anteil bei 89,1, 76,5 und 71,1 Prozent. Besonders wenige Menschen mit Migrationshintergrund wiederum wohnen in Spadenland, Reitbrook und Tatenberg mit 9,9, 12,8 und 13,8 Prozent.

Auf Bezirksebene liegen Mitte und Harburg mit 55,6 beziehungsweise 53,9 Prozent ganz vorn. Am wenigsten Menschen mit Migrationshintergrund leben mit jeweils 33,7 Prozent in den Bezirken Eimsbüttel und Nord.

Nach den Herkunftsländern betrachtet stammen die meisten Hamburgerinnen und Hamburger mit Migrationshintergrund aus der Türkei. Insgesamt 99.619 Frauen und Männer kämen von dort, errechneten die Statistiker. Danach folgten Polen (71.912 Menschen), Afghanistan (61.780), die Ukraine (43.147) und Russland (38.575). Von allen in der Statistik erfassten Menschen mit einem Migrationshintergrund stammten 210.933 aus einem EU-Land.

Migrantenanteil unter Kindern und Jugendlichen bei 57,7 Prozent

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegt der Migrantenanteil in Hamburg den Angaben zufolge bei 57,7 Prozent, wobei deren Verteilung große Unterschiede aufweist. So haben den Statistikern zufolge in Billbrook 98,9 Prozent aller unter 18-Jährigen einen Migrationshintergrund, während es in Tatenberg nur 11,1 Prozent seien.

Elbvertiefung – Der tägliche Newsletter für Hamburg

Erfahren Sie aus der Redaktion der ZEIT, was in Hamburg wichtig ist – prägnant, persönlich und pointiert, jeden Werktag um 6 Uhr.

In rund zehn der 104 Hamburger Stadtteile haben mehr als 80 Prozent der jungen Leute einen Migrationshintergrund. Auf Bezirksebene liegt der höchste Anteil mit 74,6 Prozent in Mitte, der niedrigste mit 47,7 Prozent in Eimsbüttel. © dpa-infocom, dpa/ Die Zeit

20 August 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Nach migrationsfeindlichen Unruhen: Britischer Ort darf Asylbewerber-Unterkunft räumen

von Fremdeninfo 20 August 2025
von Fremdeninfo

Nachdem Asylbewerber wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs angeklagt worden war, brachen Proteste gegen eine Unterkunft aus. Ein Gericht fällt nun ein weitreichendes Urteil.

Nach einer Reihe einwandererfeindlicher Ausschreitungen in der britischen Gemeinde Epping darf die Stadtverwaltung die dortige Asylbewerber-Unterkunft in einem Hotel räumen lassen. Ein Gericht gab dem entsprechenden Antrag der Gemeinde am Dienstag statt. Das Urteil könnte nach Einschätzung des Innenministeriums weitreichende Folgen für die Unterbringung von Asylbewerbern in ganz Großbritannien haben.

Epping liegt rund 30 Kilometer nordöstlich des Londoner Stadtzentrums. Im Juli war es dort zu einwandererfeindlichen Ausschreitungen gekommen, nachdem ein Asylbewerber wegen eines mutmaßlichen sexuellen Übergriffs auf ein 14-jähriges Mädchen angeklagt worden war. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Hunderte Menschen haben seitdem an mehreren einwandererfeindlichen Protesten sowie Gegendemonstrationen vor dem Bell Hotel teilgenommen, das bislang als Unterkunft für Asylbewerber dient. Mehrere Männer wurden wegen gewaltsamer Unruhestiftung angeklagt, am Montag fand eine erste Gerichtsverhandlung statt. Die Unruhen breiteten sich auf weitere Städte wie London und Manchester aus.

Die Stadtverwaltung hatte in ihrem Antrag argumentiert, durch eine weitere Unterbringung der Asylbewerber in dem Hotel bestehe die „klare Gefahr einer Eskalation der Spannungen in der Gesellschaft“. Das Gericht gab dem Hotelbetreiber Somani Hotels Limited bis zum 12. September Zeit, um die Unterkunft zu räumen.

Das britische Innenministerium hatte vor dem Urteil vor „erheblichen Auswirkungen“ auf die Unterbringung von Asylbewerbern in Großbritannien gewarnt. Die Regierung von Premier Keir Starmer steht unter dem Druck der in Umfragen aufstrebenden rechtspopulistischen Partei Reform UK. Starmer hatte versprochen, die Zahl der in Großbritannien ankommenden Asylbewerber

Von: (AFP)

20 August 2025 0 Kommentare
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Kultur

Der Löwenanteil -Para _Şêr

von Fremdeninfo 19 August 2025
von Fremdeninfo

In letzter Zeit gibt es ein großes Interesse an Kinder- und Jugendbüchern bzw. -romanen. Als Verlag können wir diese Nachfrage natürlich nicht ignorieren. Unser Autor İskan Tolun hat all seine anderen Arbeiten auf Eis gelegt und sich ganz auf diesen (kurdischen) Kinder- und Jugendroman konzentriert. „Para Şêr“, also „Der Löwenanteil“, wird schon bald die Leserinnen und Leser erreichen.

Der neue Roman unseres Autors zeichnet sich durch einen ausgesprochen poetischen Erzählfluss aus. Auch wenn es sich um einen fiktionalen Roman handelt, ist er historisch geprägt. Mit seinem einzigartigen Stil und seiner unverwechselbaren Handschrift schildert der Autor die Zeit der Hungersnöte, die Phase, in der die aus Amerika stammende Kartoffel populär wurde, sowie – wenn auch oberflächlich – die Traditionen vieler Völker und Glaubensrichtungen aus der Antike. Dabei nimmt er auch Bezug auf Legenden und Mythen wie Apollon, Gilgamesch und den selbstlosen König Usînara.

Unser Autor hat somit ein großartiges Werk geschaffen, in dem er Menschen unterschiedlichster Kulturen und Glaubensrichtungen, die in früheren Zeiten eng miteinander lebten, mit Liebe und Respekt darstellt. Der Roman ist voller humorvoller Gedichte, bringt Kinder und Jugendliche zum Lachen, berührt sie, unterhält sie und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Vor allem aber gelingt es dem Autor mit großer Meisterschaft, unseren Kindern und Jugendlichen – also unserer Zukunft – Hoffnung für die Zukunft zu geben und zugleich ihr Interesse an Geschichte zu wecken. Die historische Tiefe, die poetische Sprache, die philosophische Dimension und der humorvolle Erzählstil des Romans sind von bemerkenswerter Stärke.

Wenn man dabei auch die Rolle, die Bedeutung und die Verarbeitung von Kunst in diesem Werk berücksichtigt, erkennt man den wahren Wert unserer Autorinnen und Autoren umso deutlicher.

Unser Autor İskan Tolun erzählt diesmal mit viel Feingefühl und liebevoller Sorgfalt die teils traurige Geschichte eines Holzfällers, der zugleich Mutter und Vater für seine zwei kleinen Kinder ist – und das in einem humorvollen Stil, mit nachdenklich stimmenden und heiteren Gedichten. Ob ihm das selbst bewusst ist oder nicht, lässt sich schwer sagen, doch eines können wir mit Sicherheit behaupten: Er hat damit einen ganz neuen Weg in der Kinderliteratur eingeschlagen.Tatsächlich gilt: Ein Werk ist umso erfolgreicher, je mehr es nach Menschlichkeit „duftet“, je authentischer es die Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens einfängt und je stärker es mit der Natur verflochten ist. Genau das können wir in jedem einzelnen Werk unseres Autors beobachten. Die Kunst ist in ihrer Ausdruckskraft durch ihre eigenen Linien begrenzt – sie bedeutet nicht zwangsläufig, die Natur oder den Menschen eins zu eins abzubilden. Unser Autor ist sich auch dessen sehr wohl bewusst. Eine wahrer Künstler*in ist jemand, der oder die es vermag, sich selbst mit einem Lebensgefühl, einer Denkweise, unverfälscht und ganz aus dem Inneren kommend in das Werk einzubringen. Und genau das gelingt unserem Autor meisterhaft. Wie in all seinen bisherigen Werken wird auch beim Lesen des Romans Para Şêr / Der Löwenanteil deutlich, dass wir es mit einem wahren Künstler zu tun haben.

Para Şêr ist wie das Entdecken der Feinheit und Zierlichkeit einer Miniatur in einer Skulptur – oder wie ein wunderschönes Gemälde aus der Hand eines großartigen Malers, das sich mit seinen Formen so lesen lässt, wie man sie in der Natur sieht. Kurz gesagt: ein außergewöhnlicher Roman. Ja, man kann mit voller Überzeugung sagen, dass es sich um einen Roman handelt, den man immer wieder lesen möchte.

Ein kurzer Auszug aus dem Roman genügt, um dies zu bestätigen:

Xalê Sado êdî hertim, di ber xwe de, bi kêf û coş digot:

Onkel Sado sagte immer wieder voller Freude und Begeisterung zu sich selbst:

 “Şikir ji xwedê re, zarokên min dixwînin.

„Gott sei Dank, meine Kinder gehen zur Schule.

Wê bivin efendî û pêşîya xwe baş bivînin.

Möge etwas aus ihnen werden, und mögen sie ihren eigenen Weg auf gute Weise gehen.

 Ahmo laîke bive doktor û Çelo jî bive ébûqat.

Dem Ahmo gebührt es Arzt zu werden und Çelo wird ein Rechtsanwalt.

 Ez ê hingê ji wan re bikrim du dest cilê bi qerewat.”

Dann werde ich ihnen zwei Anzüge mit Krawatte aus feinem Stoff kaufen.”

 Lê, ji kêfa re hertim, hêstir diketin çavê wî û girînê wî dihat.

Doch trotz seiner Freude trat ihm oft ein Schleier in die Augen, und seine Tränen stiegen auf.

“Tu kurmacîya xwe ji bîra nekî, eger baş nizanî, divê zêdekî…”

„Vergiss deine Muttersprache nicht – wenn du es nicht gut kannst, musst du es umso mehr lernen…“

 (CEGERXWÎN)

Anmerkung:

Unser Meisterautor İskan Tolun, bekannt als moderner Dengbêj, hat neben einem Dutzend türkischer Bücher und Romane zuvor auch in seiner Muttersprache Kurdisch ein wunderbares Buch und einen Roman für Kinder und Jugendliche verfasst: Rovîyê Xasûk – Peyvên Felsefesi û Çîrok und Gavanê Kal.

Auf vielfachen Wunsch wurde sein Buch, ebenso wie die Romane Verdammnis und Deniz’ Utopie, auch auf Deutsch veröffentlicht: Der schlaue Fuchs – Philosophische Worte und Geschichten.

Das nächste türkische Werk unseres Autors wartet bereits fertig darauf, veröffentlicht zu werden:

Manzaradan Parçalar (Seçkin Kitapların Özeti)

Szenen aus der Landschaft (Kurzfassungen bedeutender Werke)

Folgen Sie uns. Auf ein baldiges Wiedersehen!..

Ozan Yayıncılık und Babıali Kitaplığı

19 August 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Flüchtlingspolitik: Wie weit Dobrindts „Migrationswende“ ist

von Cumali Yağmur 19 August 2025
von Cumali Yağmur

In der vorigen Woche sorgte eine Nachricht aus Pakistan für Aufsehen: Pakistanische Behörden nahmen in der Nacht zum Donnerstag nach Angaben eines Polizeisprechers mindestens 20 Afghanen fest, die eine Aufnahmezusage von Deutschland haben. Die Reaktionen fielen kritisch bis empört aus.

Wie ist die Lage in Pakistan?

Derzeit warten mehr als 2.000 Afghanen im Rahmen der verschiedenen Bundesaufnahmeprogramme in Pakistan auf eine Ausreise nach Deutschland. Sie sind vielfach ehemalige Ortskräfte – also lokale Mitarbeiter, die der Bundeswehr, dem Auswärtigen Amt oder Entwicklungshilfeorganisationen während des Afghanistan-Einsatzes zur Hand gingen – oder gelten als besonders gefährdet. Da die deutsche Botschaft in Kabul seit dem Fall Afghanistans an die islamistischen Taliban geschlossen ist, durchlaufen die Betroffenen in Pakistan ein Prüfverfahren. Allein bis zum Gespräch mit den Sicherheitsbehörden vergehen oft Monate.

Nun teilte ein Sprecher des Auswärtigen Amts mit, dass 211 Afghaninnen und Afghanen mit einer grundsätzlichen Aufnahmezusage aus Deutschland inzwischen aus Pakistan in ihr Herkunftsland abgeschoben wurden.

Was ist der Grund für die Festnahmen?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat alle Bundesaufnahmeprogramme der Ampelkoalition stoppen lassen. Er befindet sich damit prinzipiell im Einklang mit dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD, demzufolge die Aufnahmeprogramme „so weit wie möglich“ beenden werden sollten. Die Entscheidung trifft übrigens auch Regimegegner aus Russland und Belarus, die keine Visa mehr bekommen. Anders als Dobrindt ist Außenminister Johann Wadephul (CDU) der Meinung, dass Deutschland rechtsstaatlichen Grundsätzen folgen müsse. Wer eine Aufnahmezusage bekommen habe, der müsse auch kommen dürfen, findet er. Pakistan hatte den Druck stetig erhöht.

Dobrindt reagierte auf die neuesten Nachrichten mit dem Hinweis, die pakistanischen Behörden seien darüber informiert worden, dass sich unter den Betroffenen auch Menschen in Aufnahmeprogrammen befänden. Es gebe Kontakt zu diesen Menschen – und Unterstützung für sie. Es werde außerdem in jedem Einzelfall geprüft, ob eine rechtsverbindliche Verpflichtung zur Aufnahme bestehe. Daneben finde eine Sicherheitsüberprüfung statt.

Die Flüchtlingsschutzorganisation Pro Asyl hat dessen ungeachtet gemeinsam mit dem Patenschaftsnetzwerk Ortskräfte, dessen Kern aus ehemaligen Bundeswehr-Soldaten besteht, Strafanzeige gegen Dobrindt und Wadephul gestellt. Beide hätten sich unter anderem der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht, teilten sie mit.

Ebenfalls am Freitag wurde bekannt, dass das Auswärtige Amt im Rechtsstreit um die Erteilung von Visa für Flüchtlinge aus Afghanistan seine Beschwerde gegen eine Eilentscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts zurückgenommen hat. Das Gericht hatte am 7. Juli entschieden, dass Deutschland einer afghanischen Familie, die 2023 eine Zusage im Rahmen des Bundesaufnahmeprogramms erhalten hatte, Visa zur Einreise erteilen muss. Ein Sprecher des Berliner Gerichts sagte auf Anfrage, dort habe es seit Juli insgesamt 20 ähnlich gelagerte Eilbeschlüsse gegeben. In sämtlichen Fällen sei das Auswärtige Amt mit einer einstweiligen Anordnung verpflichtet worden, den jeweiligen Antragstellenden Visa auszuhändigen.

Wie steht es sonst um die Flüchtlingspolitik?

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass Deutschland für die schon im September letzten Jahres angeordneten Grenzkontrollen bis Ende Juni insgesamt 80,5 Millionen Euro ausgegeben hat. Der größte Posten ist demnach die „Mehrarbeitsvergütung“, also die Bezahlung von Überstunden. Von Mitte September 2024 bis Ende Juni 2025 entfielen darauf 37,9 Millionen Euro.

Dobrindt betonte indes zuletzt erneut die Erfolge. Laut Bundesinnenministerium sind vom 8. Mai bis zum 4. August zwar nur insgesamt 493 Menschen an deutschen Landesgrenzen zurück worden, die ein Asylgesuch gestellt hatten. Die Gesamtzahl der Zurückweisungen gehe allerdings weit darüber hinaus und betrage mehrere Tausend, heißt es. Bei einem Besuch der Bundespolizei in Duderstadt (Niedersachsen) dankte der Minister den Beamten – und stellte klar, dass die Kontrollen lediglich gelten sollten, bis das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) wirke.

Wie geht es weiter?

Ob das Bundesinnenministerium mit Blick auf die Bundesaufnahmeprogramme bei seiner harten Haltung bleibt, ist ungewiss. Ähnliches gilt für die Zurückweisung von Asylbewerbern an den Landesgrenzen. Zwar hat das Verwaltungsgericht die Zurückweisung von drei Somaliern an der Grenze zu Polen für rechtswidrig erklärt. Die meisten Experten weisen dem Urteil eine grundsätzliche Bedeutung zu.

Dobrindt wartet hingegen auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes. Die wiederum kann es erst geben, wenn ein anderes Gericht den EuGH anruft. Genau das halten Fachleute für unwahrscheinlich. Schließlich seien die Zurückweisungen so offensichtlich europarechtswidrig, dass gar keine Anrufung nötig sei.

Von :Artikel von Markus Decker / RND Redaktion Netzwerke Deutschland

19 August 2025 0 Kommentare
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AllgemeinReligion

Historisch: Griechenland erkennt Bektaschi-Aleviten als religiöse Gemeinschaft an

von Fremdeninfo 19 August 2025
von Fremdeninfo

In der Türkei werden die Bektaschi-Aleviten nicht als eigenständige religiöse Gemeinschaft anerkannt, obwohl sie seit über acht Jahrhunderten fester Bestandteil Anatoliens sind. In Griechenland nun hingegen schon. Ein neuer Gesetzentwurf stärkt ihre Rechte in Bildung, Ritualen und Eigentumsfragen

Zum ersten Mal in der Geschichte Griechenlands wird die Bektaschi-Alevitische Gemeinschaft in Westthrakien offiziell als eigenständige religiöse Gruppe anerkannt. Ein entsprechender Gesetzentwurf, der vom griechischen Parlament eingebracht wurde, sieht weitreichende Rechte für die rund 3.500 Mitglieder dieser Gemeinschaft vor, wie die Seite Ekathimerini berichtet.

Die Gesetzesinitiative erlaubt es den Bektaschi-Aleviten:

  • Eigene Vereine zu gründen, um ihre Immobilien selbst zu verwalten,
  • Eheschließungen und Beerdigungen nach ihren religiösen Riten durchzuführen,
  • Mitspracherecht bei der Bildung ihrer Kinder zu erhalten,
  • und ihre Gebetsstätten offiziell anerkennen zu lassen.

Hochzeiten und Beerdigungen wurden bislang von sunnitischen Gelehrten durchgeführt

Ahmet Karahussein, ein führender Vertreter der Gemeinschaft, betonte, dass bisher religiöse Zeremonien wie Hochzeiten und Beerdigungen von sunnitischen Muftis oder Imamen durchgeführt werden mussten – ein Umstand, der der religiösen Identität der Bektaschi-Aleviten nicht gerecht wurde.

Die Bektaschi-Aleviten sind sehr wahrscheinlich aus dem schiitischen Islam hervorgegangen, zeichnen sich jedoch durch eine stark mystische Ausrichtung und Werte aus, die oftmals als progressiv gelten. In einem Land, in dem die muslimische Minderheit in Westthrakien überwiegend sunnitisch und ethnisch vielfältig ist, stellt diese Anerkennung einen bedeutenden Schritt in Richtung religiöser Pluralität dar.

Historisch betrachtet wurden Muslime in Westthrakien von der griechischen Regierung lange Zeit homogen als „Türken“ behandelt – eine Sichtweise, die auch von der Türkei vertreten wird. Bis in die 1970er Jahre wurden alle muslimischen Gruppen gleich behandelt und türkische Lehrer durften in der Region unterrichten, was zu einer Vernachlässigung der inneren Vielfalt führte

von: dpa

19 August 2025 0 Kommentare
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Information

Wir trauern um den Tod eines Freundes, der so viel Leid hinterlassen hat.

von Fremdeninfo 18 August 2025
von Fremdeninfo

Mit großer Trauer habe ich erfahren, dass wir unseren Professor, Mete Tuncay, verloren haben. Er war unser wahrer „Hodscha“ (Lehrer/Meister). Seine Bücher „Die Errichtung der Einparteienherrschaft in der Republik Türkei 1923–1931“ und „Linke Strömungen in der Türkei 1908–1925“ standen stets griffbereit in unseren Regalen.

Er war der Professor, der die offizielle türkische Geschichtsschreibung und unsere kemalistischen Gewissheiten erschütterte. Wir haben so unendlich viel von ihm gelernt…

Ich lernte ihn 1994 persönlich kennen, als ich nach siebzehn Jahren im Exil in die Türkei zurückkehrte. Damals gab er die Zeitschrift „Tarih ve Toplum“ (Geschichte und Gesellschaft) heraus. Als ich ihm sagte, dass ich zur „Armenierfrage“ arbeite, sagte er zu mir: „Arbeite nicht daran, lass es sein. Du kannst es niemandem recht machen; du wirst zwischen allen Stühlen sitzen.“ Er war der Überzeugung, dass die politische Spannung um das Thema ein ernsthaftes Hindernis für eine objektive akademische Arbeit darstellte.

Ich hatte ihn auch zu der Konferenz eingeladen, die wir 2004 in Minnesota im Rahmen des „Workshops für armenische und türkische Akademiker“ organisierten. Aus unseren Gesprächen dort erfuhr ich, dass Professor Mete eigentlich der Idee der „Mukatele“ (gegenseitige Massaker) sehr nahestand [der These „Sie haben zugeschlagen, und wir haben auch zugeschlagen“, die Ziya Gökalp zugeschrieben wird, von der wir aber wissen, dass er sie so nicht geäußert hat]. Ich bewahre den Vortrag, den er auf der Konferenz in Minnesota hielt, immer noch auf. Ich frage mich, ob er ihn wohl irgendwo veröffentlicht hat? Auch dort lehnte er die Verwendung des Wortes Völkermord ab: „Ich halte es nicht für richtig, das Wort Völkermord für die Massaker an den Armeniern zu verwenden“, sagte er.

Zudem machte er einen akademischen Vorschlag, der seinem Rat an mich von 1994, „Beschäftige dich nicht damit“, ähnelte: „Wenn ich berücksichtige, was bisher zu diesem Thema geschrieben wurde, glaube ich nicht, dass es im Moment möglich ist, eine objektive und unparteiische Studie durchzuführen. Daher schlage ich vor, das Urteil aufzuschieben, bis die Bedingungen dafür reif sind.“

Ich fürchte, dass die Wiedergabe dieser Zeilen in den Augen derer, die Professor Mete nicht kannten, ein falsches Bild von ihm erzeugen könnte. Deshalb muss ich hinzufügen: Er kannte die Massaker an den Armeniern an, verurteilte sie und bezog eine sehr klare Haltung gegen die Leugnung.

Den Grund dafür, dass die armenischen Massaker zu einem unaussprechlichen Tabu wurden, sah er in der Tatsache, dass der armenische Reichtum geplündert worden war.

Zusammenfassend möchte ich unterstreichen: Er war der Mensch, der unsere Vorstellungen von der frühen Republikzeit geprägt hat. Es obliegt uns, das zu vollenden, was bei ihm unvollendet blieb. Er war der Doyen einer Ära. Mit ihm ging auch eine Ära zu Ende. Möge er in Frieden ruhen

Von: Taner Akçam

18 August 2025 0 Kommentare
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Politik

Ich veröffentliche die Antworten auf Lesermeinungen zu meinem Artikel

von Cumali Yağmur 18 August 2025
von Cumali Yağmur

von Cumali Yağmur

Vor einigen Wochen wurde hier mein Artikel mit dem Titel „Es sollen eine Stiftung für Migranten und ein Migrantenministerium in Europa gegründet werden“ veröffentlicht. Auf meinen Artikel kamen so viele Antworten, dass ich den starken Wunsch verspürte, die Meinungen von zwei ausgewählten Frauen und zwei Männern mit der Leserschaft und der Öffentlichkeit zu teilen.

Anstatt diesen Personen einzeln und privat zu schreiben, hielt ich es für angebrachter, mich hier gesammelt bei ihnen zu bedanken. Ich habe es für richtig befunden, die Schreiben von vier ausgewählten Personen hier zu veröffentlichen. Es hat mich sehr gefreut, dass die Leser so viel gesunden Menschenverstand zeigten und ihre Meinungen öffentlich kundtaten. Dadurch kam ich zu der Überzeugung, dass für die Probleme der zugewanderten Minderheiten eine sensiblere Öffentlichkeit geschaffen wird und diese bereits sensibler geworden ist.

Seit Jahren schreibe und diskutiere ich in der Öffentlichkeit über die Themen der zugewanderten Minderheiten. Die Probleme, mit denen diese Minderheiten in Europa im Allgemeinen und in der deutschen Gesellschaft im Besonderen konfrontiert sind, sind bis heute ungelöst.

Ich bin davon überzeugt, dass die Forderung nach einer Stiftung und einem Ministerium sehr legitim und angesichts der aktuellen Entwicklungen die richtige ist.

Ich übergebe nun das Wort den Lesern und ermögliche so, dass ihre Meinungen und die anderer gelesen werden können.

Sehr geehrter Herr Yağmur,
von Ünal Bircan

Ich habe Ihren Artikel mit dem Titel „Es sollen eine Stiftung für Migranten und ein Migrantenministerium in Europa gegründet werden“ sehr aufmerksam gelesen. Ich kann nicht umhin, Ihnen uneingeschränkt zuzustimmen.

Ich verfolge Ihren jahrelangen Kampf, die Sprache, das Ohr und die Stimme der Migranten zu sein, aus nächster Nähe. Ihren Einsatz für alle Migranten finde ich seit Jahren richtig und wichtig.

Ich kenne auch sehr gut diejenigen, die das Migrationsthema jahrelang für ihre eigenen Interessen missbraucht haben. Diejenigen, die Migranten ständig für ihre eigenen Zwecke benutzt und ihnen Steine in den Weg gelegt haben, werden vor der Geschichte zur Rechenschaft gezogen werden.

Jahrelang haben sie unter dem Vorwand, die zugewanderte Minderheit in die deutsche Gesellschaft integrieren zu wollen, in deren Namen gesprochen. Während sie im Alleingang handelten, zeigten die Migranten daran keinerlei Interesse.

Um an Finanzmittel zu gelangen, verbreiteten sie, wie viele psychische Probleme die Migranten hätten. Sie erfanden fiktive und unwahre statistische Zahlen und manipulierten die Anzahl der psychisch Kranken nach oben.

Deshalb haben sie sich überschlagen, um Arbeitsplätze für sich selbst und Finanzierungen für ihre Organisationen zu sichern. Ich möchte betonen, dass diese Leute den Problemen der zugewanderten Minderheit mehr geschadet als genutzt haben.

In der heutigen Zeit sind Migranten in der Position, ihre Probleme selbst in die Öffentlichkeit zu tragen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten.

In dieser Phase ist die Gründung einer Stiftung im Namen der Migranten und eines Migrantenministeriums in der politischen Arena eine zwingende Notwendigkeit.

von Sultan Tekir

Ich lese Ihre Artikel regelmäßig und verfolge Ihre Arbeit. Sie thematisieren immer wieder häusliche Gewalt und körperliche Angriffe auf Frauen. Als Mann möchte ich Ihnen dafür danken, dass Sie den Druck und die Gewalt gegen Frauen in diesen Angelegenheiten ansprechen.

Die Sichtweise der aus der Türkei stammenden Migranten auf Frauen liegt weit hinter der europäischen Perspektive. In der heutigen Zeit sehen sie Frauen immer noch als Sklavinnen. Es gibt Männer mit einer brutalen Mentalität, die die Frau als ihr Privateigentum betrachten, eingepfercht zwischen Bett und Küche. Diese zurückgebliebenen Männer, die auch Gewalt und Schläge gegen ihre Kinder anwenden, versuchen, alles mit roher Gewalt zu lösen. Sie sollen wissen, dass sie mit Gewalt und Schlägen nichts erreichen werden und diese falschen Wege so schnell wie möglich verlassen.

Ich glaube, dass eine Stiftung und ein Ministerium, die im Namen der Migranten gegründet werden, diese Probleme aufgreifen und tiefgreifende Lösungsvorschläge unterbreiten werden.

Dadurch würden die bestehenden Organisationen, die bisher keinen Nutzen für Migranten hatten, endlich ihre Hände von diesem Thema lassen und sie nicht länger hinhalten.

Bisher wurden Migranten wie ungelöste Probleme behandelt, über die seitenweise geschrieben wurde. Man hat Experimente mit ihnen gemacht und Forschungen über sie angestellt, als wären sie keine Menschen.

Damit sich so etwas nicht wiederholt, müssen die Stiftung und das Ministerium eingreifen und zielgerichtete Schritte zur Lösung des Problems einleiten.

Herr Yağmur,
von Kenan Ari

Ich lese Ihre Artikel seit Jahren regelmäßig und leite sie an mein Umfeld weiter. Sie finden sie, genau wie ich, sehr gut.

Der muttersprachliche Unterricht war in Deutschland schon immer ein Diskussionsthema. Lehrkräfte, die muttersprachlichen Unterricht erteilen, erhalten nicht das gleiche Gehalt wie ihre deutschen Kollegen. Mit der Zeit wurde der muttersprachliche Unterricht aus den Schulen verdrängt, nur einige Sprachen wurden als Wahlfach akzeptiert. Für Lehrkräfte, die in den Ruhestand gehen, werden keine neuen eingestellt.

Das eurozentrische Denken hat überwogen, und man hat versucht, die Migranten im eigenen Schmelztiegel zu assimilieren und aufzulösen. Die Sprachen und Kulturen der Migranten wurden in den europäischen Gesellschaften nicht akzeptiert und ständig herabgewürdigt. In dem Glauben, die europäische Kultur sei der der Migranten weit überlegen, haben sie die Ärmel hochgekrempelt, um sie zu assimilieren.

An den Schulen wird statt einer mehrsprachigen Bildung der Unterricht in Migrantensprachen verweigert, während nur europäische Sprachen Ansehen genießen.

Dabei finanzieren sie verschiedene Institutionen und Organisationen mit unseren Steuergeldern, um uns zu assimilieren und auszulöschen. Wir brauchen niemanden mehr, der uns bevormundet. Wir leben mittlerweile in der fünften Generation in den europäischen Gesellschaften. Wir sind stark genug, um Druck auszuüben, damit eine Stiftung für die zugewanderte Minderheit gegründet und diese mit den Steuern, die wir an den deutschen Staat zahlen, finanziert wird.

Von der Politik kann ebenfalls die Einrichtung eines Migrantenministeriums gefordert werden, das, wie andere Ministerien auch, durch die Steuern der einheimischen Bevölkerung und der zugewanderten Minderheit finanziert werden kann.

Die Aufgaben und Pflichten des Migrantenministeriums könnten festgelegt werden, um Lösungen für alle Schwierigkeiten zu bieten, mit denen Migranten konfrontiert sind.

Diese Forderungen müssen in kurzer Zeit umgesetzt werden, und die Arbeit sollte so schnell wie möglich beginnen.

Sehr geehrter Cumali Yağmur,
von Gönül Kara

Ich verfolge Sie ständig in den sozialen Medien und in der Presse. Gleichzeitig lese ich Ihre sehr inhaltsreichen Artikel zum Thema Migration und empfehle sie auch anderen.

Der in letzter Zeit in Europa zunehmende Nationalismus, Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit treffen in erster Linie die Migranten. Rechte und faschistische Kreise verbreiten in der Öffentlichkeit die Behauptung, Migranten würden ihnen die Arbeitsplätze und Wohnungen wegnehmen und sie dadurch zu Opfern machen.

Angesichts dieser Entwicklungen finanzieren die Staaten in Europa und Deutschland – obwohl es ihre Aufgabe wäre – mit unseren Steuergeldern Ausländerbeauftragte und Personen, die über Rassismus sprechen sollen. Diese reden dann über uns, schwatzen gewissermaßen nur und erstellen Berichte. Jahrelang wurden wir wie ein Pfau untersucht, und das geht immer noch so weiter.

Die Art und Weise, wie neu ankommende Migranten in Deutschland heute empfangen werden, ist dieselbe wie vor 50 Jahren.

Ich möchte die Idee der Gründung einer Stiftung und eines Ministeriums für Migranten nachdrücklich unterstreichen.

Solche Stiftungen wurden für die türkischen Minderheiten in Griechenland und für Minderheiten auf dem Balkan gegründet, und man versucht, deren Probleme mithilfe dieser Stiftungen zu lösen.

Deutschland ist hier sehr spät dran und sollte einen Schlussstrich unter all die rückwärtsgewandten Integrations-Nester, die Migrationsberater und alle Berater ohne jegliche Gestaltungskraft ziehen und stattdessen die Stiftung unterstützen. Daran anknüpfend ist auch die Gründung eines neuen Ministeriums unerlässlich.

Ich glaube, dass das Migrationsthema dadurch eine neue Stufe erreichen und nützlicher gestaltet werden kann.

Ich bin davon überzeugt, dass man für neue Ideen und Vorschläge offen sein und diese unterstützen sollte.

18 August 2025 0 Kommentare
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