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4 Februar 2026 0 Kommentare
Allgemein

Baden-Württemberg: Omid Nouripour sieht Cem Özdemirs Wahlsieg als „Blaupause“ für die Grünen

von Cumali Yağmur 3 April 2026
von Cumali Yağmur

Omid Nouripour

Ein Bericht des Spiegels

Özdemirs Sieg bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wird maßgeblich auf die Distanz zurückgeführt, die er zur Bundespartei in Berlin wahrte. Dies scheint jedoch innerhalb der Partei niemanden zu verärgern; im Gegenteil, viele interpretieren dies als einen möglichen Weg zum Erfolg.

Nach einem beeindruckenden Aufschwung gewannen die Grünen unter der Führung von Cem Özdemir die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Dass Özdemir im Wahlkampf oft eine andere Linie als die Bundespartei einschlug, löste an der Parteibasis kein Missfallen aus. Der Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass dieser Weg Özdemirs es wert sei, wiederholt zu werden.

Nouripour bezeichnete die Wahl als eine „Blaupause“ dafür, wie Bündnis 90/Die Grünen bundesweit wieder für breite Massen wählbar werden könnten. „Wir müssen nicht überall im gleichen Ton sprechen. Unterschiedliche Bundesländer, verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Lebensrealitäten vertragen unterschiedliche Narrative und Schwerpunkte“, so Nouripour.

Nouripour: Özdemirs Stil könnte den Grünen eine „neue Dynamik“ verleihen

Nouripour, der wie Özdemir dem „Realo“-Flügel der Grünen angehört, sprach von einem „Meisterstück“ Özdemirs: „Er hat gezeigt, dass grüne Politik die Unterstützung von Mehrheiten gewinnen kann, indem sie den Menschen zuhört, sich auf ihre Realitäten konzentriert und die Mitte der Gesellschaft anspricht.“

Der Bundestagsvizepräsident betonte, dass dieser Stil, der auf Vertrauen und Stabilität basiere und der Führung die nötige „Beinfreiheit“ lasse, der gesamten Partei eine neue Dynamik verleihen könne.

Lob von den Parteivorsitzenden, Skepsis von der Grünen Jugend

Die Co-Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, bezeichnete das Ergebnis als „sensationell“. Özdemir habe bewiesen, dass Wahlen in der politischen Mitte gewonnen werden können, was auch für die Bundesebene eine gute Nachricht sei. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte sie: „Wir können von ihm lernen, ehrgeizig in den Zielen und pragmatisch in der Methode zu sein und das Land über die Partei zu stellen.“

Der andere Co-Vorsitzende, Felix Banaszak, wertete das starke Wahlergebnis als Antwort auf die „politische Orientierungslosigkeit“ von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Kritische Stimmen kamen hingegen von der „Grünen Jugend“. Bundessprecher Louis Bobga äußerte am Sonntagabend gegenüber n-tv Zweifel daran, ob Özdemirs Kurs „tatsächlich noch grüne Politik“ darstelle. Die Grüne Jugend kritisierte insbesondere Özdemirs Unterstützung für Verbrennungsmotoren sowie das Aussparen von Themen wie der Umverteilung von Reichtum.

Bobga: Wir wollen Palmer nicht in der Regierung sehen

Bobga betonte, dass Özdemir nicht allein, sondern als Teil der Partei regieren müsse. Zudem forderte er, dass der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer keine Rolle in der künftigen Landesregierung spielen dürfe.

Die enge Freundschaft zwischen dem ehemaligen Grünen-Mitglied Boris Palmer und Cem Özdemir hatte Spekulationen befeuert, Palmer könne Minister im neuen Kabinett werden. Özdemir lobt Palmer bei jeder Gelegenheit und bezeichnet ihn als „sehr wichtigen Ratgeber“. Palmer hatte Mitte Februar zudem die Trauung von Özdemir und dessen Ehefrau Flavia Zaka vollzogen.


3 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Gastarbeiterkind Özdemir wird Ministerpräsident – aus der Türkei kommt dafür Gegenwin

von Cumali Yağmur 3 April 2026
von Cumali Yağmur

Artikel von Yasemin Kulen

Cem Özdemir ist in Bad Urach auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Seine Eltern kamen als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Jahrzehntelang hat er sich in der deutschen Politik nach oben gekämpft. Er war Bundesminister. Nun wird er voraussichtlich der erste Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes mit türkischen Wurzeln.

Das ist eine historische Zäsur. Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte ist es ein Beweis: Integration funktioniert. Wer in Deutschland Leistung bringt, kann aufsteigen. Doch nicht alle teilen diese Begeisterung. Aus der Türkei und aus Teilen der türkischen Community in Deutschland kommt seit Jahren Gegenwind.

Eine gespaltene Community

„Özdemir ist eine Figur, die die Community ein bisschen spaltet“, sagt Tuncay Özdamar, Leiter der türkischsprachigen Redaktion von WDR Cosmo. „Ein Teil der Community ist stolz, dass ein Gastarbeiterkind es bis nach ganz oben geschafft hat. Er war schon Bundesminister, wird nun Ministerpräsident eines großen Bundeslandes. Das finden die Leute toll und viele sind stolz auf ihn.“

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Gleichzeitig betont der Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoglu vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM): „Aber die Community ist divers und heterogen. Es ist natürlich eine historische Wahl mit einer Aufstiegsgeschichte, die löst emotionale Gefühle aus.“ Ob diese positiven Gefühle von einem Großteil der Community geteilt werden, lässt er offen.

Die türkische Tageszeitung Hürriyet brachte die Ablehnung eines Teils der Community auf den Punkt. Özdemir sei „nur noch dem Namen nach einer von uns“, schrieb das Blatt.

Erdogan nennt ihn einen „angeblichen Türken“

Für die türkische Regierung ist Özdemir seit Jahrzehnten eine unbequeme Figur. Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte einmal seine türkische Herkunft öffentlich in Frage. Im Streit um die Anerkennung des osmanischen Völkermordes an den Armeniern fragte Erdogan laut „Tagesspiegel“: „Was ist das denn für ein Türke? Das müsste mal mit einem Bluttest im Labor festgestellt werden.“ Bei anderer Gelegenheit nannte er Özdemir einen „angeblichen Türken“.

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Özdemir seinerseits zog gegen Erdogan verbal vom Leder. Nach den Niederlagen der AKP bei den Kommunalwahlen 2019 bezeichnete er den türkischen Staatspräsidenten als „alten verbitterten Mann, der sein Land vergiftet“, berichtet der „Tagesspiegel“. Die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu kommentierte Özdemir in der Wochenzeitung „Kontext“: Der türkische Staatschef habe Angst vor Wahlen, „selbst wenn die Wahlen unfair sind.“

Özdemir macht keinen Hehl aus seiner Haltung. „Ich bin Deutscher mit türkischen Wurzeln. Ich bin Bundesbürger und Baden-Württemberger. Was ich politisch anstrebe, entscheide ich selbst“, sagt er laut „Stuttgarter Zeitung“. „Dort träumt man davon, die türkischstämmigen Menschen in Deutschland politisch zu führen. Dagegen habe ich immer gekämpft.“

Kein Einlenken trotz Druck aus Ankara

Dass Özdemir in der türkischen Community kein einfaches Standing hat, wurde ihm früh deutlich gemacht. Laut „Stuttgarter Zeitung“ suchten prominente Vertreter türkeistämmiger Menschen das Gespräch mit ihm. Sie wollten ihn dazu bringen, seinen kritischen Kurs gegenüber Ankara aufzugeben. Er sollte sich vor türkischstämmigem Publikum anders äußern als vor Deutschen.

Özdemir lehnte das ab. „Ich rede den Leuten nicht nach dem Mund und äußere mich vor türkischstämmigen Zuhörern nicht anders als vor deutschstämmigen“, sagt er. Dafür zahle er bekanntermaßen einen Preis. Er kenne türkischstämmige Kollegen in Deutschland, die sich auf die Bevormundung aus Ankara eingelassen hätten. Manche würden regelrecht Politik für Erdogan machen. Die Messlatte für ihn sei das Grundgesetz – keine autoritären Ideen aus Ankara. An diesem Kurs hat sich bis heute nichts geändert.

Graue Wölfe: Organisierte Feindschaft

Der Sozialwissenschaftler Kemal Bozay forscht über türkische Rechtsextreme in Deutschland. Er gilt laut „Stuttgarter Zeitung“ als einer der renommiertesten Experten zu den sogenannten Grauen Wölfen.

Den Ursprung der Ablehnung sieht er in einer alten Integrationsleerstelle: „Viele junge Menschen, die über ihr Elternhaus eine Verbindung zur Türkei haben, haben in Deutschland Diskriminierung und Stigmatisierung erlebt“, sagt Bozay. Das habe dazu geführt, dass sich viele von deutschen Werten getrennt und neue Identitäten gesucht hätten. Dieses Vakuum hätten rechtsextreme Parteien und Bewegungen aus der Türkei gefüllt.

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„Die Ülkücü waren immer sehr gut organisiert in Jugendclubs und Fußballvereinen und haben den jungen Menschen eine Heimat geboten“, sagt Bozay. Die Ülkücü – Türkisch für „Idealisten“ – ist ein Sammelbegriff für türkische Rechtsextreme. Heute versuchten diese Gruppen, Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen. Bozay beobachtet, dass viele von ihnen sich der CDU verbunden fühlen und teilweise in die Partei eintreten. Konkret wurde das kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Der türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Varank trat bei einer Veranstaltung in Esslingen auf und betonte Nähe zur CDU. Man solle nicht „Feinde der türkischen Flagge“ wählen – gemeint waren damit Politiker wie Özdemir.

Die Armenien-Resolution als Wendepunkt

Einen entscheidenden Einschnitt markierte das Jahr 2016. Özdemir setzte sich im Bundestag für die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern ein. Für viele Türken – auch in Deutschland – ist das ein rotes Tuch. Die Folge war eine beispiellose Hetzkampagne gegen ihn.

„Die sozialen Medien tragen mit dazu bei, dass solche aus der Türkei politisch orchestrierten Aktionen auch bei den Grauen Wölfen in Deutschland ankommen“, sagt Bozay laut „Stuttgarter Zeitung“. Die Anfeindung sei nachweisbar nicht von einzelnen Personen ausgegangen, sondern in großem Umfang organisiert worden.

Für Bozay ist Özdemir trotzdem ein historisch wichtiger Politiker: „Man muss zunächst klarstellen, dass Özdemir auch für viele andere migrantische Gruppen Türen geöffnet hat und eine Art Pionier gewesen ist.“ Er habe den Weg für andere Personen mit Migrationsgeschichte geebnet. Seit den 90er Jahren sei er eine wichtige Identifikationsfigur gewesen.

Distanz zur Community als politisches Kalkül

Sinanoglu vom DeZIM erklärt, dass Özdemir immer eine gewisse Distanz zur eigenen Community gewahrt habe. „Das gehört aber zum Besteck eines Politikers. Allerdings identifizieren sich dann viele Leute nicht mehr mit ihm. Die sagen dann: ‘Er spricht nicht meine Sprache’“, so der Experte.

Hinzu kommt Özdemirs Verhältnis zum Islam. WDR-Redakteur Özdamar fasst es zusammen: „Özdemir ist ein Vertreter des Laizismus und macht dementsprechend Politik. Er weiß aber auch, dass die meisten Türken in Deutschland eher konservative Wurzeln haben. Deshalb tritt er moderat auf. Er akzeptiert den Islam, die Islamisten lehnt er aber ab.“ 2018 war Özdemir Mitbegründer der „Initiative säkularer Islam“. Sinanoglu ordnet Özdemirs Verhalten grundsätzlicher ein: „Diese Mischung aus Bezugnahme und Distanz auf die eigene Community lässt sich auch als politische Strategie lesen.“

Türkischstämmige Wähler als Druckmittel

Für Ankara bleibt der Einfluss auf die Diaspora strategisch wichtig. Der Politikwissenschaftler Eren Güvercin beziffert laut „Stuttgarter Zeitung“ die Zahl der wahlberechtigten Türkischstämmigen in Baden-Württemberg auf bis zu 350.000. „Diese Wähler könnten auch bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg das Zünglein an der Waage sein“, sagt er.

AKP-Abgeordneter Varank formulierte den türkischen Machtanspruch offen: Erdogan habe mit seinen Anhängern in Deutschland ein Druckmittel gegen Bundeskanzler Friedrich Merz in der Hand. Viele Vertreter der türkischen Community mieden deshalb öffentliche Auftritte mit Özdemir. Sie hätten Angst, bei Erdogan in Ungnade zu fallen.

Özdemir: „Ein einfacher Erfolg in der deutschen Demokratie“

Özdemir lässt sich von alldem nicht beirren. „Ich habe es als Arbeiterkind zum Bundesminister geschafft. Für die Regierung in Ankara ist das ein Widerspruch, den sie nicht aushält“, sagt er laut „Stuttgarter Zeitung“. „Für mich ist es ein einfacher Erfolg in der deutschen Demokratie, in der ich zuhause bin.“

Er wolle weiterhin als positives Beispiel für türkischstämmige Menschen dienen. „Viele junge Türkinnen und Türken in Deutschland sehen, dass man es mit türkischen Wurzeln bis nach oben schaffen kann“, sagt Özdamar vom WDR. „Deutschland gibt den Menschen die Möglichkeit, darauf kann das Land stolz sein.

3 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

MIT MULTIPLEN IDENTITÄTEN IRANER SEIN; SYRER SEIN; BÜRGER DER TÜRKEI SEIN

von Cumali Yağmur 2 April 2026
von Cumali Yağmur

Von: Celal Isik/Istanbul

Der Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran, der sowohl im Nahen Osten als auch auf globaler Ebene Auswirkungen hat, scheint sich – genau wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine – in die Länge zu ziehen. Nach diesem Krieg, der darauf abzielt, den Nahen Osten neu zu gestalten, wird nichts mehr so sein wie zuvor.

Während einerseits gesagt wird: „Wir verhandeln; dieser Krieg endet“, entsenden die USA andererseits Truppen in die Region. Dient dies dazu, die eigene Position in den Verhandlungen zu stärken, oder ist es die Vorbereitung auf einen Bodenkrieg? Die klare Antwort darauf wird uns die Zeit geben.

Während die USA durch das Eindringen in die Straße von Hormus und die Besetzung der Insel Chark ihre Verhandlungsposition stärken wollen, wird der Iran, der die Kontrolle über Hormus verliert, seinen größten Trumpf in diesem Krieg verloren haben.

Obwohl die Angriffe Irans mit ballistischen Raketen und verbündeten Organisationen (wie Haschd asch-Scha’bi, Hisbollah), die den gesamten Nahen Osten und insbesondere die Golfstaaten beunruhigen, noch eine Weile andauern könnten, deutet das Fehlen eines starken Luftverteidigungssystems sowie die wirtschaftliche Krise darauf hin, dass dieser Krieg nicht zugunsten des iranischen Regimes enden wird. Auch wenn es die Golfstaaten noch eine Weile beunruhigt, sieht die Zukunft eines wirtschaftlich am Ende befindlichen Irans in diesem Krieg nicht rosig aus.

Die drei bis vier Millionen Menschen, die vor dem Krieg auf der Straße waren, haben sich nach den US- und israelischen Angriffen zurückgezogen und dem Mullah-Regime eine Atempause verschafft. Dass sich ein bedeutender Teil dieser Massen zurückgezogen hat, zeigt jedoch auch, dass die Gegnerschaft nicht nur eine prinzipielle Ablehnung des Regimes war, sondern auch stark durch wirtschaftliche Gründe motiviert war.

Die Verlängerung des Krieges könnte nicht nur das iranische Regime unter Druck setzen, sondern gleichzeitig das Ende der politischen Macht von Trump in den USA und Netanjahu in Israel bedeuten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich ein dritter Weltkrieg, wie in anderen Regionen auch, im Nahen Osten diskontinuierlich über einen langen Zeitraum hinweg ausbreiten wird.

Ein Krieg, der im Iran andauert und das Potenzial hat, auf den gesamten Nahen Osten überzugreifen, würde Bürgerkriege auslösen, die die gesamte Region und allen voran den Iran, den Irak, Syrien usw. zerreißen könnten. Dies würde ein äußerst instabiles und schwer zu steuerndes gesellschaftliches Bild für die globale Weltordnung schaffen. Eine chaotische Situation, die schwer zu kontrollieren und zu verwalten ist, wird auch nicht im Interesse der globalen herrschenden Mächte liegen.

Ein zerfallener Iran bedeutet insbesondere für Israel eine ungewisse Zukunft. Das werden vor allem Israel sowie die jüdische Lobby in den USA und weltweit nicht wollen. Gewünscht wird eine iranische Führung und eine Nahost-Ordnung, die Israel nicht als einen „vom Erdboden zu tilgenden Feind“ betrachtet, sondern im Einklang mit den USA, der EU und anderen Weltmächten steht.

Sowohl die zionistische Netanjahu-Regierung als auch das iranische Mullah-Regime sind die größten Plagen, die sowohl für die Völker des Irans und Israels als auch für den gesamten Nahen Osten abgewendet werden müssen. Ebenso ist die faschistische Trump-Regierung eine große Gefahr für Amerika und die ganze Welt – ein geisteskranker, pädophiler „Trieb-Maniak“, in dessen Person sich alles Böse verkörpert.

Wenn dieser Krieg der Krieg derer ist, die sich in religiösem Gewand gegenseitig als Feinde sehen, die vom Erdboden getilgt werden müssen; wenn es der Krieg derer ist, die darauf warten, dass auf der einen Seite der Mahdi und auf der anderen Seite der Messias kommt, um sie zu retten – dann kann es in diesem Religionskrieg, der im 21. Jahrhundert mit einer mittelalterlichen Mentalität geführt werden soll, weder für die Völker Irans noch für das Volk Israels ein nützliches Ergebnis geben.

Dieser blindgläubige Religionskrieg dient allenfalls den Interessen der Imperialisten, die ihre Vorherrschaft sichern, indem sie den Glauben und die Religionen als politisches Instrument missbrauchen und Völker gegeneinander aufhetzen. Es ist ein Krieg, der jenen nützt, die den Nahen Osten ausbeuten, indem sie ihn in mittelalterlicher Dunkelheit belassen.

Kapitalismus und Imperialismus bedeuten ohnehin Krieg. Dieser Krieg der Religionen ist die Politik von 300 reichen Familien, die die Völker des Nahen Ostens zur mittelalterlichen Dunkelheit verdammen, um die Welt nach ihren Wünschen auszubeuten und zu regieren. Dieser Religionskrieg, der den Zielen der Imperialisten dient, die den Armen den Himmel zeigen, während sie die Erde unter sich aufteilen, schadet den Völkern.

Sowohl das iranische Mullah-Regime als auch der zionistische Netanjahu-Faschismus sind zwei Komponenten einer solch ungerechten Weltordnung. Diese beiden Regime, die den gesamten Nahen Osten für die Völker in einen Kerker verwandeln, sind in Wirklichkeit zwei volksfeindliche Regime, die einander bedingen und nähren.

Im Nahen Osten sind Religions- und Konfessionskriege (wie der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten) sowie rassistischer Nationalismus immer noch die grundlegenden Instrumente der Politik. Die Lösung ist ein laizistisches und demokratisches gesellschaftliches Verwaltungsmodell, in dem die Völker des Nahen Ostens in Frieden zusammenleben, ohne dass jemand dem anderen seinen Glauben aufzwingt.

Ein Gesellschaftsmodell, in dem mehr als eine Identität eines Menschen anerkannt werden kann. Beispiel: Ein Mensch im Iran sollte sagen können: „Ich bin sowohl Kurde als auch Iraner und auch Schiite.“ In der Türkei sollte man Kurde, Alevit, Armenier, Aramäer oder Lasse sein können und gleichzeitig Bürger der Türkei (Türkiyeli).

STAATEN HABEN KEINE RELIGION ODER SPRACHE; MENSCHEN HABEN EINE RELIGION UND EINE SPRACHE.


Kommentare im Text:

  • Haydar Demirci: Solange der Imperialismus nicht in die Knie gezwungen wird, scheint es unmöglich, in irgendeinem Teil des Nahen Ostens ein gesundes System zu etablieren. Kurz gesagt: Man sollte auch nicht davon ausgehen, dass sich der Krieg über viele Jahre hinwegziehen wird. Die Parteien scheinen jederzeit zu Zugeständnissen bereit zu sein. Zudem ist das Ausmaß der Zerstörung gewaltig.

2 April 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Über das parlamentarische System, die politische Sprache und Kultur in der Türkei

von Cumali Yağmur 2 April 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

In diesem Artikel werde ich meine Einschätzungen zum parlamentarischen System, zur parlamentarischen Sprache und zur politischen Kultur in der Türkei teilen.

Das parlamentarische System in der Türkei setzt sich aus den Kommunalverwaltungen (Bezirks- und Stadtverwaltungen) und der Großen Nationalversammlung der Türkei (TBMM) auf nationaler Ebene zusammen. In der Türkei gibt es kein föderales System (Eyalet-System). Da die Türkei zudem kein Mitglied der Europäischen Union ist, entsendet sie keine Abgeordneten in das Europäische Parlament.

Heutzutage hat sich die Sprache der Politiker leider weit außerhalb des ethischen Rahmens bewegt. Da kein Verständnis für eine konstruktive Opposition entwickelt werden konnte, die unserer eigenen Perspektive entspricht, kann keine gesunde Politik betrieben werden. Diejenigen, die einen beleidigenden und herabwürdigenden Stil pflegen, sind sich nicht bewusst, wie sehr dies den Wert der Politik mindert. Es herrscht ein Umfeld, in dem selbst derjenige, der die Wahrheit spricht, nicht toleriert wird. Politiker können sich nicht einmal auf grundlegende Wahrheiten einigen. Was der eine als „weiß“ bezeichnet, nennt der andere nur aus Prinzip „schwarz“, um dagegen zu sein. Gegenüber denjenigen, die nicht so denken wie man selbst, wird eine feindselige Haltung eingenommen.

Unter der Kuppel des Parlaments werden wir über bloße Beleidigungen hinaus zeitweise Zeuge von physischer Gewalt und Faustkämpfen. Es werden unsägliche Beschimpfungen ausgestoßen und gegenüber weiblichen Abgeordneten wird ein grobes Verhalten an den Tag gelegt, das der Würde des Parlaments nicht entspricht. In den Kommissionssitzungen sieht es nicht viel anders aus; statt einer kompromissbereiten Haltung dominiert die Anspannung.

Ein weiterer problematischer Bereich der Politik ist das Fortbestehen feudaler Arbeitsgewohnheiten wie Bestechung, „Vetternwirtschaft“ (Erledigung von Dingen durch Beziehungen) und Nepotismus (Begünstigung von Verwandten). In den Köpfen der Bevölkerung herrscht noch immer der Gedanke: „Wenn du irgendwo einen ‚Onkel‘ (einflussreichen Gönner) hast, wird deine Angelegenheit geregelt.“ Die meisten Menschen, die vor den Türen des Parlaments warten, wenn dieses tagt, sind in Wirklichkeit Verzweifelte, die von Abgeordneten oder dem System ungerecht behandelt wurden. Einige Abgeordnete nehmen eine Haltung ein, die den einfachen Bürger eher schikaniert, anstatt dem Volk zu dienen. Dabei schwören diese Abgeordneten im Parlament feierlich auf die Verfassung, ehrlich zu arbeiten. Doch die geleisteten Eide und gegebenen Versprechen bleiben meist in der Luft hängen. Solange sich kein kultureller Wandel und kein Verständnis für Ehrlichkeit etablieren, kann der gewünschte Fortschritt nicht erzielt werden.

Die Fraktionssitzungen der Parteien haben sich in Schauplätze verwandelt, in denen schwere Beleidigungen gegen andere Parteien in der Luft fliegen. Manchmal kommt es zu Momenten, in denen Vorwürfe weit „unter der Gürtellinie“ geäußert werden. Dieser harte Stil schafft einen solchen Bruch, als würden sie sich nie wieder in die Augen schauen oder einander grüßen können. Diese Diskussionskultur ist kein Produkt der Moderne, sondern einer mittelalterlichen und feudalen Denkweise.

Insbesondere in der Ära der AKP-MHP-Koalition beobachten wir, dass sich diese Situation weiter verschlechtert hat und Rückschritte gemacht wurden. Die Sprache, die Präsident Tayyip Erdoğan verwendet, entspricht weder dem Geist eines modernen parlamentarischen Systems noch einem zeitgemäßen Stil. Die Erwartung der Gesellschaft ist, dass Politik mit einer Sprache geführt wird, die der Höflichkeit, der kulturellen Struktur und den ethischen Regeln der modernen Ära entspricht.

In der aktuellen Situation werden diese Erwartungen jedoch nicht erfüllt; stattdessen wird eine Sprache verwendet, die weit hinter den Erwartungen des Volkes zurückbleibt, was den gesellschaftlichen Verlauf negativ beeinflusst. Solange dies nicht korrigiert wird und sich die von der Moderne geforderte politische Sprache und Mentalität nicht etabliert, wird auch der Wähler nichts Neues lernen können. Abgeordnete sollten in den Augen des Volkes als vorbildliche, bewusste und kultivierte Menschen gelten. Wenn das Volk jedoch deren aktuelles Gebaren und ihre Sprache sieht, ist die Enttäuschung groß.

Dieses Thema sollte nicht nur unter moralischen Gesichtspunkten betrachtet werden; dies ist eine objektive Analyse der gegenwärtigen Lage, und die vorliegenden Daten führen uns zu diesem Ergebnis. Die von Parlamentariern verwendete Sprache muss kulturell weiterentwickelt sein, und sie selbst müssen vorbildliche Persönlichkeiten darstellen, damit die Vorurteile des Volkes gegenüber der Politik und den Politikern abgebaut werden können.

2 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Mindestens 40 Migranten sterben bei Bootsunglücken in Mittelmeer und Ärmelkanal

von Fremdeninfo 2 April 2026
von Fremdeninfo

Von:Welt

Mehrere schwere Bootsunglücke an Europas Außengrenzen haben im Mittelmeer, in der Ägäis und im Ärmelkanal mindestens 40 Menschenleben gefordert. Migranten gerieten bei gefährlichen Überfahrten in Seenot, viele weitere wurden gerettet.

Bei Vorfällen mit Booten im Mittelmeer und im Ärmelkanal sind mindestens 40 Migranten ums Leben gekommen. Italiens Küstenwache meldete am Mittwoch den Fund von 19 toten Migranten auf einem Boot vor der italienischen Insel Lampedusa. Vor der türkischen Ägäisküste wurden indes mindestens 19 Menschen aus Afghanistan tot aus dem Wasser geborgen, darunter ein Baby, wie die türkische Küstenwache mitteilte. Beim Versuch, den Ärmelkanal zu überqueren, starben zwei weitere Menschen.

Sieben Migranten, darunter zwei Kinder, würden wegen „Unterkühlung und einer Kohlenwasserstoff-Vergiftung“ behandelt, teilte Filippo Mannino, Bürgermeister der nahe Tunesien gelegenen italienischen Insel Lampedusa, der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit. 58 Überlebende, darunter fünf Kinder, konnten nach Angaben der Küstenwache nach Lampedusa gebracht werden.

Die Rettungsaktion fand der Küstenwache zufolge rund 135 Kilometer vor der Insel in der libyschen Such- und Rettungsregion statt. Das Boot war dort am Dienstag von einem italienischen Aufklärungsflugzeug entdeckt worden. Da sich keine Schiffe der libyschen Küstenwache oder zivile Schiffe in der Nähe befanden, die Hilfe leisten konnten, wurde beschlossen, ein Schiff der italienischen Küstenwache von Lampedusa aus zu entsenden, erklärte der Sprecher der Küstenwache, Roberto D’Arrigo. Ihm zufolge könnten einige der Migranten auf dem Transport nach Lampedusa gestorben sein, welcher bei äußerst rauem Wetter mit bis zu sieben Meter hohen Wellen stattfand.

Die Opfer seien vermutlich alle an Unterkühlung gestorben, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa und verwies auf starken Wind, Regen und Temperaturen um die zehn Grad. Aufnahmen von Ansa zeigten vermutlich Leichensäcke, die von Bord eines Schiffes der Küstenwache getragen wurden.

„Wir sind zutiefst bestürzt angesichts eines weiteren tragischen Vorfalls im Mittelmeer“, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk auf X. UN-Vertreter würden „den Überlebenden sofortige Hilfe leisten.“

Lampedusa ist ein wichtiges Einfallstor für Migranten, die von Nordafrika aus über das Mittelmeer nach Europa fahren. Das letzte schwere Unglück auf der gefährlichen Route hatte sich im August des vergangenen Jahres ereignet, als 27 Menschen bei zwei Schiffsbrüchen vor Lampedusa starben. In diesem Jahr haben laut dem Innenministerium bisher mehr als 6100 Migranten Italien über das Meer erreicht.

Die türkische Küstenwache barg indes am Mittwoch nach eigenen Angaben vor der Insel Bodrum 18 Leichen aus dem Wasser, ein weiterer Mensch starb später im Krankenhaus. 21 Insassen des Schlauchboots überlebten demnach das Unglück und konnten gerettet werden.

Den Angaben zufolge hatte eine Patrouille das Schlauchboot am Morgen vor der Küste von Bodrum geortet und zum Halten aufgefordert. Stattdessen sei das Boot „mit hohem Tempo geflüchtet“. Daraufhin sei Wasser ins Boot eingedrungen und dieses sei gesunken. Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Mugla, Idris Akbiyik, handelte es sich bei den Bootsinsassen um Afghanen. Akbiyik machte schlechtes Wetter und die unruhige See für das Unglück verantwortlich.

Türkische Rettungskräfte versorgen einen verletzten Migranten AFP/DEMIROREN NEWS AAGENCY

Auch im Ärmelkanal zwischen Großbritannien und Frankreich ereignete sich am Mittwoch ein tödliches Unglück mit einem Flüchtlingsboot. Zwei Migranten seien bei dem Versuch, den Kanal vor der Küste von Gravelines in Nordfrankreich illegal zu überqueren, ums Leben gekommen, teilte die zuständige Präfektur mit.

Den Angaben zufolge kamen Rettungskräfte acht Migranten zur Hilfe, deren Boot nach dem Ablegen nahe Gravelines in Not geraten war. Drei von ihnen hätten eine „sofortige medizinische Versorgung“ benötigt, zwei Migranten seien kurz darauf für tot erklärt worden, erklärte die Präfektur weiter.

Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei den Toten um zwei Männer aus dem Sudan und Afghanistan. Eine Frau sei verletzt ins Krankenhaus gebracht worden; sie sei außer Lebensgefahr. Fünf Überlebende seien in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Polizei.

Es handelt sich um die ersten bekannt gewordenen Todesfälle bei der Überquerung des Ärmelkanals in diesem Jahr. 2025 waren auf der Route laut einer AFP-Zählung auf Grundlage offizieller französischer und britischer Quellen mindestens 29 Migranten ums Leben gekommen.

2 April 2026 0 Kommentare
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Fast eine Million Euro Fördergeld – und dennoch insolvent

von Fremdeninfo 2 April 2026
von Fremdeninfo

Fast eine Million Euro Fördergeld – und dennoch insolvent

Quellenangabe: HAZ

Der von SPD-Frau Hülya Iri gegründete Verein Integrationsarbeit Kronsberg ist finanziell am Ende – trotz hoher Fördersummen. Der Insolvenzverwalter will jetzt Licht ins Dunkel bringen.

Hilfe für Frauen bei der Jobsuche wollte sie anbieten, Schwimmkurse für Geflüchtete, Hausaufgabenhilfe für Kinder und eine Beratungsstelle, die „spontan und kurzfristig auf alle Hilfesuchenden eingeht“. Das kündigte 2019 die damalige SPD-Ratsfrau Hülya Iri gegenüber dieser Redaktion an, als sie im Jakobskamp in Bemerode die Räume ihres neuen Vereins „Integrationsarbeit Kronsberg“ eröffnete. Sieben Jahre später meldet der Verein Insolvenz an, obwohl rund 800.000 Euro Fördergeld aus Berlin in die Vereinskasse geflossen sind und vermutlich auch Geld aus der Landeskasse. Iri hat jetzt auf Drängen der SPD-Parteispitze ihr Ratsmandat niedergelegt, aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Was ist geschehen? Und vor allem: Wo ist das Geld geblieben?

Wurden Fördermittel zweckmäßig verwendet?

Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Iri selbst hat auf mehrere Bitten dieser Redaktion um Stellungnahme nicht reagiert. Selbst für die SPD-Parteispitze soll sie nicht mehr erreichbar sein. Wenn man die Büronummer ihres Vereins wählt, springt ein Anrufbeantworter an. Für Iri gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Licht ins Dunkel zu bringen, ist jetzt Aufgabe von Insolvenzverwalter Joachim Heitsch. Das Amtsgericht Hannover hat ihn beauftragt, zu prüfen, wie die finanzielle Lage des Vereins aussieht. Dem Vernehmen nach verfügt der Verein weder über nennenswerte liquide Mittel noch über Vermögenswerte.

„Ich schaue mir jetzt unter anderem an, ob Fördermittel zweckmäßig verwendet worden sind oder nicht“, sagt Heitsch. Zwei bis drei Monate werde er brauchen, um sich einen Überblick zu verschaffen und Zahlungsströme nachzuvollziehen. Wenn der Verein nachweislich überschuldet und zahlungsunfähig ist, eröffnet Heitsch das Insolvenzverfahren. Sein Gutachten entscheidet auch darüber, ob strafrechtlich relevante Vorgänge der Staatsanwaltschaft übergeben werden müssen. Das wäre dann der Fall, wenn öffentliches Fördergeld nicht für Integrationshilfen, sondern für private Zwecke ausgegeben worden wäre. „Derzeit steht der Verein unter vorläufiger Insolvenzverwaltung“, sagt Heitsch. Das bedeutet: Der Insolvenzverwalter hat Kontrolle über sämtliche Zahlungsein- und ‑ausgänge.

Bereits seit mehreren Monaten wird in der Ratspolitik, aber auch in Kreisen von Flüchtlingshelfern über Iris Integrationsverein diskutiert – und spekuliert. Spätestens, seit im September die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD bekannt wurde. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei fragte nach Fördersummen und möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der Mittel für Integrationsprojekte. Dabei wurde deutlich, dass der Bund dem Verein in drei Jahren (2023 bis 2025) insgesamt 924.479 Euro bewilligte. Abgerufen wurden 739.583 Euro (Stand September 2025). Erforderliche Verwendungsnachweise für die Mittel seien eingereicht worden, Unregelmäßigkeiten habe man nicht festgestellt, heißt es weiter in der Antwort der Bundesregierung. Dem Vernehmen nach soll der Verein auch Fördermittel vom Land bekommen haben.

Bei der Staatsanwaltschaft Hannover sind zudem mehrere anonyme Anzeigen eingegangen, die auf angebliche Missstände in Iris Verein hinweisen, zuletzt im Januar 2026. „Das waren lose Behauptungen ohne Substanz“, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Oliver Eisenhauer. Da man keine Anhaltspunkte gesehen habe, sei auch nicht ermittelt worden. Eisenhauer vermutet, dass die Hinweise politisch motiviert waren.

„Da war wenig los“

Dennoch fragt sich jetzt manch ehrenamtlicher Integrationshelfer, wie es sein kann, dass ein kleiner Verein mit zwei Mitarbeitenden derart hohe Fördersummen bekommen hat. Zum Vergleich: Der stadtweit engagierte Verein Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte bekommt aus der Stadtkasse rund 72.000 Euro jährlich. „Nach meiner Beobachtung war in den Räumen des Vereins von Frau Iri wenig los“, sagt eine ehrenamtlich engagierte Flüchtlingshelferin aus dem Viertel, die ihren Namen nicht nennen will. „Und als wir einmal fragten, ob der Verein einem jugendlichen Geflüchteten bei der Jobsuche helfen könne, wurde das abgelehnt mit der Begründung, dass man so etwas nicht mache“, erzählt sie weiter.

Staatliche Stellen scheinen angesichts der beantragten Insolvenz des Vereins nun genauer hinzuschauen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilt auf Nachfrage dieser Redaktion mit, dass man den gesamten Vorgang prüfe, zu Einzelheiten aber noch nichts sagen könne.

SPD distanziert sich

Der Wirbel um den Integrationsverein am Kronsberg hat auch eine politische Komponente. Im heraufziehenden Kommunalwahlkampf kommt der SPD das Thema denkbar ungelegen. Iri war nicht nur einfache Ratsfrau, sondern Mitglied im Fraktionsvorstand. Sie galt als scharfzüngige Rednerin, vor allem wenn es um migrationspolitische Themen ging. In einer Stellungnahme betont die SPD, mit Iris Verein nichts zu tun zu haben. „Wir haben geprüft, ob es eine organisatorische oder finanzielle Beteiligung der SPD am Verein gibt oder ob ein Zusammenhang zwischen dem Verein und der SPD besteht“, teilt die SPD-Geschäftsstelle mit. Das sei nicht der Fall. Eine weitergehende Sachverhaltsaufklärung zu möglichen Unregelmäßigkeiten bei einem externen Verein sei nicht Aufgabe einer Partei.

 

 

2 April 2026 0 Kommentare
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Todesstrafe in Israel: Grüne fordern Sanktionen gegen israelische Minister

von Fremdeninfo 1 April 2026
von Fremdeninfo

 

Artikel von David Rech / DIE ZEIT

Die von der Knesset beschlossene Todesstrafe für Terroristen sorgt in Deutschland für Empörung. Die Linke nennt das Gesetz rassistisch, die Grünen fordern Sanktionen

Grünen-Vorsitzende Franziska Brantner hat die Bundesregierung aufgefordert, israelische Politiker nach dem Beschluss zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen zu sanktionieren. „Die Bundesregierung darf nicht länger wegschauen, sondern muss handeln“, sagte Brantner dem Magazin Spiegel. Nötig seien jetzt gezielte Sanktionen zumindest gegen den rechtsextremen Polizeiminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister Bezalel Smotrich.

Beide Politiker würden mit ihrer Politik von Vertreibung und Gewalt Menschenrechte mit Füßen treten. Die von Ben-Gvir vorangetriebene Ausweitung der Todesstrafe, „die de facto ausschließlich Palästinenser betrifft und im Schnellverfahren ohne Ermessensspielraum erfolgen soll, offenbart den zutiefst rassistischen Charakter dieser Politik“, sagte die Grünen-Vorsitzende. Worte allein reichten daher nicht mehr aus.

Auch in der Linkspartei sorgte die Entscheidung aus Israel für Empörung. Co-Parteichef Jan van Aken sagte dem Magazin: „Dass die rechte Mehrheit im Parlament die Todesstrafe für Straftaten einführen will, die de facto nur Palästinenser begehen können, ist ebenso diskriminierend wie rassistisch.“ Das neue Gesetz werde die Region weiter spalten, sagte van Aken.

1 April 2026 0 Kommentare
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Niedersachsen führt ein Waffenverbot in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Personenverkehrs ein. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder.

von Fremdeninfo 1 April 2026
von Fremdeninfo

Hannover.Quellenangabe: HAZ

Die Zahl der Messerangriffe in Niedersachsen steigt. 3185 Fälle wurden im vergangenen Jahr landesweit verzeichnet, 130 mehr als im Vorjahr. „Das Niveau der Messerangriffe ist deutlich zu hoch“, sagte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik vor zwei Wochen. Nun zieht sie die Konsequenzen: Ab dem 1. April 2026 gilt in allen Bussen und Bahnen des öffentlichen Personenverkehrs in Niedersachsen ein Waffenverbot.

Welche Waffen sind gemeint?

Unter das Verbot fallen alle Waffen gemäß des Waffengesetzes, also Schusswaffen, aber auch Hieb- und Stichwaffen. Gefährliche Reizgase sind ebenfalls verboten – Pfefferspray ist dagegen erlaubt, wenn es ausdrücklich als Tierabwehrspray gekennzeichnet ist. Das Waffenverbot erstreckt sich darüber hinaus auf Messer aller Art und Klingenlänge – also auch auf Teppichmesser, Küchen- oder Taschenmesser.

Wann und wo gilt das Verbot?

Die Regelung gilt rund um die Uhr und in allen Bussen, Bahnen und anderen Verkehrsmitteln des öffentlichen Personenverkehrs sowie auf allen Bahnsteigen, in Bahnhofsgebäuden und dazugehörigen Unterführungen.

Wenn ich mir ein Küchenmesser gekauft habe – darf ich dann nicht mehr Bahn fahren?

Doch, aber unter einer Bedingung: Das Messer darf nicht zugriffsbereit sein. Das bedeutet, dass es so gut im Rucksack oder einem Trolley verstaut sein muss, dass man mindestens drei Handgriffe benötigt, um es in der Hand zu halten. Der Gesetzgeber empfiehlt, dass das Messer in der Originalverpackung mitgenommen oder in einer Brotdose untergebracht wird, um auf die drei Handgriffe zu kommen: Rucksack öffnen, Verpackung herausnehmen, Verpackung öffnen.

Ich bin Handwerker. Kann ich mein Werkzeug noch mitnehmen? Und darf ich ein Cuttermesser in der Hosentasche haben?

Werkzeuge fallen nur unter das Verbot, wenn es sich um Messer handelt, wie zum Beispiel Teppichmesser. Auch die müssen in der Regel in einer Tasche oder einem Werkzeugkoffer so verstaut sein, dass sie nicht zugriffsbereit sind. Allerdings gilt für Handwerker und andere Berufsgruppen, die für ihren Arbeitsalltag Messer benötigen, dass sie Ausnahmen geltend machen können. So sollen beispielsweise Feuerwehrleute auf dem Weg vom oder zum Einsatz Messer bei sich führen dürfen.

Kann ich mir in der Bahn keinen Apfel mehr aufschneiden?

Doch, das geht weiterhin – hier lässt der Gesetzgeber ausnahmsweise von seiner strengen Linie ab. Der Einsatz eines Messers etwa zum Obstschälen gilt als „allgemein anerkannter Zweck“ und dafür darf die Klinge ausgepackt werden. Vorher und nachher muss das Messer aber nicht zugriffsbereit im Rucksack transportiert werden, also am besten verstaut in einer Brotdose.

Gilt das Verbot auch für Kinder und Jugendliche?

Die Regelung gilt für alle Menschen, unabhängig vom Alter.

Wie läuft eine Kontrolle ab?

Kontrollen erfolgen in der Regel stichprobenartig, und es braucht dafür keinen konkreten Anlass. Polizistinnen und Polizisten haben das Recht, im Rahmen einer solchen Kontrolle die Identität einer Person festzustellen, sich alle mitgeführten Gegenstände zeigen zu lassen und gegebenenfalls gefundene Waffen zu konfiszieren. Die Maßnahmen müssen verhältnismäßig sein und dürfen nur so weit gehen, wie es zur Durchsetzung eines Waffenverbots nötig ist.

Gilt das Verbot auch im Fernverkehr?

Der Fernverkehr ist Bundessache, und dort gilt bereits ein entsprechendes Waffenverbot.

Welche Strafen drohen, wenn ich mit einer Waffe erwischt werde?

Ein Verstoß gegen das Verbot ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld bis zu 10.000 Euro geahndet werden kann. Zudem können gefundene Gegenstände sichergestellt werden.

 

 

1 April 2026 0 Kommentare
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Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer wieder in ihre Heimat gehen. Experten halten das aus vielen Gründen aber für wenig realistisch.

von Fremdeninfo 1 April 2026
von Fremdeninfo

Quellenangabe: HAZ

80 Prozent aller Syrerinnen und Syrer in Deutschland sollten im Lauf der nächsten drei Jahre in ihre Heimat zurückkehren, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag – das sei auch der Wunsch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.

Ende Februar 2026 waren 930.112 syrische Staatsangehörige ins Ausländerzentralregister eingetragen. Zudem wurden seit dem Jahr 2015 mehr als 245.000 Syrer eingebürgert, allein im Jahr 2024 nahmen rund 83.000 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Ein Überblick über die Aussichten auf eine massenhafte Rückkehr und die Frage, wie realistisch Merz’ und al-Scharaas Wunsch überhaupt ist.

Wie läuft die Integration in den Arbeitsmarkt?

Im September 2025 arbeiteten in Deutschland laut Bundesagentur für Arbeit rund 316.900 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit. Davon waren rund 266.100 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Beschäftigungsquote der Syrerinnen und Syrer hat sich in den vergangenen Jahren mit jedem Jahr erhöht. Betrug diese im September 2016 lediglich 5,7 Prozent, lag sie im September 2025 schon bei 39,4 Prozent. Dies lasse jedoch keine Aussage darüber zu, wie gut sich die Menschen aus Syrien in den Arbeitsmarkt integrieren, heißt es bei der Arbeitsagentur. Schließlich flössen auch die Zahlen neu ankommender Syrer mit in die Quote ein. Besonders gut integrierte Geflüchtete, die bereits eingebürgert wurden, fallen zudem aus der Statistik heraus. Bürgergeld bezogen im Dezember 2025 rund 444.100 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit. Darunter etwa 302.700 Erwerbsfähige, von denen rund 23 Prozent einer Arbeit nachgingen, und Bürgergeld als Aufstocker bezogen.

Ist die genannte Zahl der Rückkehrer realistisch?

Daran gibt es erhebliche Zweifel. „Solch hohe Rückkehrzahlen dürften sich als Illusion erweisen und dürften selbst im Weg der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein“, sagte Migrationsforscher Daniel Thym dem „Handelsblatt“. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Marcel Emmerich, sagte, es sei töricht von Merz, „eine solch illusorische Zahl in den Raum zu stellen“. Er lasse nicht nur außer Acht, dass viele Syrer „in zentralen Bereichen unsere Gesellschaft mittragen“. Auch sei die Sicherheitslage in Syrien nach wie vor brüchig. Allerdings gehen schon jetzt Menschen zurück: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verfügt über Zahlen staatlich geförderter freiwilliger Ausreisen, bei denen die Rückkehrer finanziell unterstützt werden. Im Jahr 2025 wurden den Angaben des Bundesamts zufolge etwas weniger als 6000 entsprechende Anträge eingereicht, ausgereist sind davon bis Ende des Jahres weniger als 3700 Personen. In den ersten beiden Monaten des neuen Jahres wurden demnach bereits knapp 1300 Anträge gestellt.

Welche Probleme haben rückkehrwillige Syrer?

Vor gewaltige Schwierigkeiten stellt potenzielle Rückkehrer die zerstörte Infrastruktur in Syrien. Die Versorgung mit Strom und Wasser verbessert sich zwar langsam, bleibt aber mangelhaft. Viele Häuser sind zerstört, es gibt nicht genug Schulen und Krankenhäuser. Zu den prominenten Rückkehrern aus Deutschland gehört Safwat Raslan, den Übergangspräsident al-Scharaa im vergangenen Jahr zum Beauftragten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Lands ernannt hat. Er sagte im vergangenen November, der Wiederaufbau des Lands sei eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr weiterer Syrer aus dem Ausland. Er betont: „Derzeit hat Syrien nicht die Infrastruktur dafür.“ Die Bundesregierung will aber, zunächst die freiwillige Rückkehr deutlich stärken, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm. „Ein gezieltes Rückkehrprogramm Syrien mit Beratung, Starthilfe und wirtschaftlichen Perspektiven vor Ort ist denkbar“, erklärte er. Bundeskanzler Merz hatte am Montag zudem umfangreiche Unterstützung Deutschlands beim Wiederaufbau von Wirtschaft und Infrastruktur in Land angekündigt.

Dürfen Syrer nur zur Erkundung in ihre Heimat?

Nein. Wer nach Syrien reist, um zu prüfen, ob eine Rückkehr infrage kommt, riskiert den Verlust seines Schutzstatus in Deutschland. Nach dem Ende des Assad-Regimes wollte die damalige Ampel-Koalition Flüchtlingen eine einmalige Erkundungsreise nach Syrien erlauben. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hielt aber an dem Verbot fest. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR fordert, das zu ändern. „Bei einer freiwilligen Rückkehr sind Erkundungsbesuche in die Heimat für die Entscheidung von Flüchtlingen zurückzukehren, ausschlaggebend“, sagte Katharina Thote, UNHCR-Repräsentantin in Deutschland. Throm von der Unionsfraktion lehnt das weiterhin ab und erklärt: „Wer in seine Heimat reist, kann nicht zugleich dauerhaften Schutz in Deutschland beanspruchen.“

Solch hohe Rückkehrzahlen dürften im Weg der freiwilligen Ausreise unerreichbar sein.

Daniel Thym,

Migrationsforscher

 

Quellenangabe: HAZ

1 April 2026 0 Kommentare
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Die drei Zustände meines Türkseins

von Fremdeninfo 31 März 2026
von Fremdeninfo

Von: Prof. Dr. Taner Akçam

Ich bin 73 Jahre alt. In meinem Leben habe ich drei verschiedene „Zustände des Türkseins“ erlebt; drei unterschiedliche Erfahrungen mit meiner Identität als Türke. Es wird ein wenig persönlich, aber das ist in Ordnung. Ich weiß, dass die Schilderung dieser verschiedenen Zustände verdeutlichen wird, was ich zum Thema „Die Linke und das Türksein“ zu sagen habe.

Meinen ersten Zustand des Türkseins erlebte ich in der Türkei. Man könnte ihn als den „Zustand der Unkenntnis über das eigene Türksein“ definieren. Mein zweiter Zustand ist jener, den ich in Deutschland erlebte; eine Erfahrung, bei der mir mein Türksein – wenn man so will – gewaltsam in Erinnerung gerufen wurde. Meinen dritten Zustand erlebe ich in den USA. Diesen möchte ich als die „Normalisierung meines Türkseins“ bezeichnen. Es ist ein entlastender Zustand des Türkseins, dem keine besondere Bedeutung mehr beigemessen wird.

Der erste Zustand: Das Türksein gar nicht wahrnehmen

Dieses Türksein, bei dem man nicht merkt, dass man Türke ist, möchte ich mit dem Vers beschreiben: „Ol mâhîler ki deryâ içredir deryâyı bilmezler“ (Jene Fische, die sich im Meer befinden, aber das Meer nicht kennen). Ein Zustand des Fliehens vor dem Türksein oder der bloßen Unkenntnis darüber. Warum wohl?

Es gibt zwei Erklärungsansätze, die einem sofort in den Sinn kommen und die jeder auswendig kennen dürfte: Erstens: Wir waren Linke. Das linke Denken war ein universelles Denken; wir waren Internationalisten, die keine Unterschiede zwischen Religion, Nation oder Klasse kannten. Wer links war, definierte sich nicht über seine ethnische Herkunft. Aus diesem Grund habe ich die „türkische“ Identität nie in den Vordergrund gestellt. Der zweite Grund waren die Kurden. [Andere Gruppen wie Armenier, Griechen, Aramäer/Suryoye und Juden nenne ich hier nicht explizit, da sie ohnehin „nicht existierten“ und „die Anderen“ waren.]

Letztlich wussten wir als Linke, dass das herrschende System in der Türkei den Kurden ihre grundlegendsten Rechte verweigerte. Die Unterdrücker waren Angehörige der „türkischen“ Herrschaftsklasse und unterdrückten die Kurden „im Namen des Türkseins“. Daher zogen wir es vor, das Wort „Türkiyeli“ (aus der Türkei stammend) zu verwenden, anstatt uns mit dem „Türksein“ zu identifizieren oder damit in Verbindung gebracht zu werden.

Dies sind vielleicht respektable, höchst „unschuldige“ Gedanken. Aber jede Geschichte verbirgt andere Realitäten. Wir lebten in einer Gesellschaft, die eine Hierarchie nach Religion, ethnischer Herkunft und kultureller Identität aufgebaut hatte. Zudem waren die Grundsteine dieser hierarchischen Struktur, an deren Spitze der sunnitisch-muslimische Türke stand, durch Massaker, Vertreibung und Unterdrückungspolitik gegen jene gelegt worden, die nicht dazugehörten. Die Türken waren diejenigen, die am meisten vom System profitierten. Ob man sich dessen bewusst war oder nicht: Wenn man zur Gruppe der Türken gehörte, hatte man Glück und profitierte automatisch von den Folgen der Unterdrückung anderer ethnisch-religiöser Gruppen durch das System.

Wenn man diese privilegierte Lage jedoch nicht offen benennt und sein Türksein hinter universellen Kategorien versteckt, legt man das Fundament für das Misstrauen des „Anderen“. Deshalb glaubten uns beispielsweise die Kurden unsere „universalistischen Reden“ kaum; sie sahen den Türkismus hinter diesem Diskurs sehr klar und deutlich.

Der zweite Zustand: Minderheit in Deutschland sein

Hier spreche ich von einem „Zustand des Türkseins“, den jeder Linke erlebt hat, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Dass wir Türken sind, wurde uns nicht nur durch das deutsche Rechtssystem, sondern auch durch die deutsche Gesellschaft gewaltsam in Erinnerung gerufen. Ob wir uns selbst so sahen oder nicht: Wir galten als Türken und wurden deshalb ausgegrenzt und herabgesetzt.

Es war wohl in den Jahren 1978-79; als ich in München in den Bus stieg und bemerkte, dass sich niemand neben mich setzte, nur weil ich schwarze Haare hatte – da begriff ich, dass ich Türke war.

1981 nahm ich meinen verstorbenen Vater in Hamburg mit in eine Kneipe, um ihm die deutsche Kultur zu zeigen. Kaum hatten wir uns gesetzt, wurden wir rausgeworfen, weil wir Türken waren. Am Nebentisch saßen deutsche Freunde, Mitglieder des „Antifaschismus-Komitees“ unseres Vereins. Während wir vor ihren Augen fast mit Tritten und Schlägen hinausgeworfen wurden, tranken sie ruhig ihr Bier weiter.

Ebenfalls in jenen Jahren suchte ich eine Wohnung. Ich rief bei Anzeigen in der Zeitung an, aber jedes Mal, wenn man an meinem Akzent merkte, dass ich Ausländer war, hieß es „die Wohnung ist vergeben“ und man legte auf. Mein deutscher Freund, bei dem ich damals wohnte, fing wieder an, mir Vorträge über „Klassenkampf“, „wir werden alle unterdrückt“, „Universalität“ und „Internationalismus“ zu halten. Ich erinnere mich, dass mir der Geduldsfaden riss. Wütend stellte ich ihm das Telefon hin und verlangte, dass er die Nummer anruft, bei der man mir gerade aufgelegt hatte. Er tat es. Gemeinsam erfuhren wir, dass die Wohnung, die angeblich „vergeben“ war, noch frei war und er sie besichtigen könne. Ich erinnere mich, wie ich ihn anschrie: „Nichts da mit Universalität! Ob du dein Deutschsein akzeptierst oder nicht, du profitierst als Deutscher von den Vorteilen dieses Landes, das musst du erst einmal begreifen!“ In solchen Momenten versteht man den Kurden oder den Aleviten in der Türkei viel besser. Wie gesagt, dieser Zustand ist ein Wandel, den jeder türkische Flüchtling durchmacht.

Ich möchte dieses Türksein als ein „Zorn-Türksein“ oder „Reaktions-Türksein“ definieren. Obwohl man kein besonderes Verlangen hat, sich als Türke zu definieren, wird man Ziel rassistischer Angriffe und zwangsweise zum „Türken“ erklärt. Mit dem Zorn „Wenn ich Türke bin, dann bin ich es eben, na und?“ entwickelt man Gedanken über die tiefe Bedeutung des Türkseins (als Ausländer).

Der dritte Zustand: Das Türksein, das ich von den Armeniern lernte

In meinen ersten Jahren in Amerika erlebte ich einen Schock darüber, wie häufig Menschen ihre ethnische und nationale Identität definierten. Niemand versteckte seine nationale oder kulturelle Identität; man sprach darüber in einer sehr offenen und entspannten Art und Weise. Ich erinnere mich, wie ich meinen Kollegen am Institut in Deutschland theoretische Analysen darüber schrieb, „wie sehr die Sprache in den USA ethnisiert“ sei.

Dann kam der Prozess, in dem mich Armenier als „türkischen Akademiker“ wahrnahmen. Ich entsprach nicht dem „Türken-Typus“, den sie gewohnt waren, aber das hinderte sie nicht daran, mich als Türken zu sehen. Da ich kein gewöhnlicher Leugner war, waren die Wege für einen Dialog weit offen. Diese Entspanntheit gab mir die Möglichkeit, mein Türksein in einer ganz anderen Dimension kennenzulernen.

Laut einem Freund namens Ohannes war mein eigentliches Ziel das Wohl der Türken. Weil ich offen mit Armeniern über das sprach, was ihnen widerfahren war, verschaffte ich ihnen vielleicht eine psychologische Erleichterung; aber das, was ich tat und schrieb, war im Grunde für die Türken. Mit Blick auf die Türken sagte er: „Eines Tages werden sie begreifen, dass du diese Bemühungen nicht für die Armenier, sondern für die Türken unternimmst.“

Ein weiteres beeindruckendes Beispiel war Anna: „Wann immer ich Türkisch hörte, sagte ich: ‚Die Sprache meines Feindes, die Sprache derer, die Unheil über mein Volk gebracht haben.‘ Nachdem ich dich kennengelernt habe, begann ich, wenn ich Türkisch hörte, zu sagen: ‚Die Sprache meines Freundes‘.“

Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dass das Türksein weder eine Schande ist, die man verstecken muss, noch eine Last, für die man Zorn gegenüber dem Anderen empfinden sollte. Die Welt ging nicht unter, wenn man seine Identität aussprach. Die Frage ist: Was war der Grund für diese Entspannung?

Ich möchte hier keine tiefschürfenden soziologischen Analysen darüber anstellen, dass Identitäten nicht statisch, sondern variabel sind, dass sie nicht einen ontologischen Wesenskern des Individuums beschreiben, sondern relational konstruiert und innerhalb eines Narrativs geformt werden.

Meine Antwort bezüglich der Entspannung ist sehr einfach: „Die gemeinsame Geschichte.“ Was die Normalisierung meines Türkseins ermöglichte, war, dass ich begann, mit meinen armenischen Freunden eine „gemeinsame Geschichte“ über uns selbst und unsere Historie zu erzählen. Ich möchte betonen: Mit „gemeinsamer Geschichte“ meine ich nicht „eine einzige und dieselbe“ Geschichte; es war eine gemeinsame Erzählung, die Unterschiede sieht und sich des Leids und der Verantwortung bewusst ist. Mein Türksein war etwas, das innerhalb dieser Erzählung konstruiert, geteilt und durch gegenseitige Anerkennung normalisiert wurde. Mein Türksein wurde im Prozess des Sprechens mit Armeniern „innerhalb einer wechselseitigen Erzählung“ neu aufgebaut.

Daher ist mein Rat an die türkischen Linken, zu erkennen, dass in der Geschichte, die sie über sich selbst erzählen, „der Andere“ fehlt. Solange sie kein Narrativ entwickeln können, das den Kurden, den Armenier, den Griechen und den Aramäer/Suryoye als ein „Subjekt“ wie sich selbst betrachtet, können sie ihr Türksein nicht normalisieren. Der Grund, warum sie ihr Türksein verstecken, ist das Fehlen einer gemeinsamen Geschichte, die sie mit dem Anderen teilen könnten.

Was bedeutet das in politischer Hinsicht? Eigentlich ist es sehr einfach: Anstatt den Gründungsprozess der eigenen Identität und des Staates als einen „nationalen Befreiungskampf, der trotz Fehlern gegen den Imperialismus aus dem Nichts geschaffen wurde“ zu erzählen, sollte man anfangen zu sagen: „Es ist jammerschade“ (Yazık oldu). Man muss in der Lage sein, über die Kurden, Armenier, Aramäer und Juden dieses Landes zu sagen: „Es ist jammerschade um sie.“ Man muss lernen, ihren Schmerz zu einem Teil der eigenen Geschichte zu machen.

In der Antwort auf die Frage „Was waren wir, was sind wir geworden?“ liegt auch hier ein Kern. Denn die Geschichte, die die türkische Linke über sich selbst und die Gesellschaft erzählt, antwortet weder auf die heute so dringend benötigte Frage des „Zusammenlebens“, noch schafft sie ein gesundes Türksein. Stattdessen erzeugt sie ein problematisches Türksein, das sich verstecken muss und ein Zusammenleben unmöglich macht.

 

 

31 März 2026 0 Kommentare
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