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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Allgemein

Unterstützung aus Brüssel für den inhaftierten Journalisten Merdan Yanardağ

von Fremdeninfo 14 April 2026
von Fremdeninfo

Von: Mehmet Tanlı

Nach der breiten Solidarität in der Türkei erhält der inhaftierte Journalist und Autor Merdan Yanardağ nun auch Unterstützung aus dem Ausland, insbesondere aus Brüssel.

Am Sonntag fand in der belgischen Hauptstadt Brüssel eine Solidaritätsveranstaltung für Dr. Merdan Yanardağ statt, den Chefredakteur des Senders Tele1, der seit sechs Monaten im Silivri-Gefängnis inhaftiert ist. Seine Ehefrau, die Autorin Sevim Kahraman Yanardağ, sowie weitere Journalisten trafen sich in Brüssel mit Lesern und signierten Yanardağs Bücher.

Die vom Bündnis „platFORUM“ organisierte und vom Journalisten Mehmet Tanlı moderierte Veranstaltung fand im Saal Parochzaal Moorsel im Brüsseler Stadtteil Tervuren statt. Als Redner traten Sevim Kahraman Yanardağ, der in Brüssel lebende erfahrene Journalist Doğan Özgüden sowie der Satiriker und künstlerische Leiter des Binfikir-Theaters, Erdinç Utku, auf.

Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Karikaturenausstellung des Künstlers İsmail Doğan zum Thema Pressefreiheit. Musikalisch umrahmt wurde das Programm von dem Volkskünstler Aytekin Kılıç und seinem Bruder Nizamettin Kılıç, die anatolische Klagelieder (Deyiş) sowie bekannte Werke der Protestmusik vortrugen.

EFJ: Tele1 muss zurückgegeben und Merdan Yanardağ freigelassen werden

Die Veranstaltung begann mit einer Begrüßungsrede von İsmet Yılmaz im Namen von „platFORUM“, einer Plattform progressiver und demokratischer Kreise in Belgien. Ein Höhepunkt war die Botschaft von Ricardo Gutierrez, dem Generalsekretär der Europäischen Journalisten-Föderation (EFJ), die 300.000 Journalisten in 44 Ländern vertritt. Die Botschaft wurde von Serpil Aygün verlesen. Gutierrez forderte die Einstellung aller Anklagen gegen Yanardağ sowie die Freilassung aller in der Türkei inhaftierten Journalisten. Die EFJ forderte zudem, dass Tele1 wieder uneingeschränkt senden darf, und rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Sanktionen gegen die von der MHP unterstützte AKP-Regierung aufgrund des Drucks auf die Medien zu verhängen.

Juristischer Druck auf die freie Presse muss enden

Alle Redner betonten die schwere Lage der Pressefreiheit in der Türkei. Unabhängige und oppositionelle Kanäle seien mit gerichtlichem Druck, Verhaftungen, der Einsetzung von Zwangsverwaltern und Sendeverboten konfrontiert.

Mehmet Tanlı, ehemaliger Tele1-Deutschlandvertreter und Mitglied der Kölner Solidaritätsplattform, präsentierte Daten zur Repression gegen Journalisten weltweit. Er wies darauf hin, dass die Zahl der inhaftierten Journalisten weltweit um 7 Prozent gestiegen sei. „Während China die Liste anführt, liegt die Türkei weltweit auf Platz 9. Derzeit sitzen in der Türkei 31 Journalisten im Gefängnis. Merdan Yanardağ ist unschuldig und nicht allein“, so Tanlı. Er forderte seine Freilassung bei der kommenden Verhandlung am 11. Mai.

Merdan Yanardağs Brief aus Silivri verlesen

Sevim Kahraman Yanardağ verlas einen Brief ihres Mannes aus dem Silivri-Gefängnis. Darin bedankte er sich für die Solidarität und schrieb: „Die Türkei steht an einem Scheideweg. Wir haben die Krise der Hoffnung überwunden und den Mut gestärkt. Der Kampf geht weiter, Solidarität hält am Leben. Die AKP-Regierung versucht, ihre politische Lebensdauer zu verlängern, aber sie befindet sich in einer Sackgasse.“ Der Brief, in dem betont wurde, dass Tele1 als Alternative zu den etablierten Medien gezielt angegriffen werde, erhielt langen Applaus.

„Rückschritt bei der Pressefreiheit ist ein Drama“

Der Satiriker Erdinç Utku verglich in seinem gewohnt ironischen Stil die Entwicklungen in der Türkei mit denen in Belgien. Er merkte an, dass die Türkei Belgien in Sachen Surrealismus längst überholt habe. „Um eine demokratische Türkei zu erleben, möchte ich in die Zeit vor 1980 zurückkehren, denn selbst damals war es freier als heute“, so Utku sarkastisch. Zur weltweiten Platzierung der Türkei auf Rang 9 der inhaftierten Journalisten sagte er: „Platz 9? Sollten wir nicht Erster sein? Einem Land unter der Führung von Recep Tayyip Erdoğan stünde der Weltmeistertitel doch besser zu.“

Historische Perspektive: Chronologie des Kampfes um Pressefreiheit

Der seit vielen Jahren in Brüssel lebende Doyen des Journalismus, Doğan Özgüden, beleuchtete die historische Dimension der Unterdrückung der Presse in der Türkei. Er erinnerte an den 6. April, den „Tag der ermordeten Journalisten“, und wies darauf hin, dass seit der Ermordung von Hasan Fehmi im Jahr 1909 bereits 117 Journalisten ihr Leben verloren haben. Özgüden berichtete von seinen eigenen Erfahrungen mit Exil und Gerichtsverfahren und erinnerte an Meilensteine der Zensur wie den Überfall auf die Tan-Zeitung sowie die Repressionen der Militärputsche von 1971 und 1980.

Kunst und Solidarität vereint

Während der Veranstaltung wurden Porträts der inhaftierten Journalisten İsmail Arı, Alican Uludağ und Merdan Yanardağ sowie Fotos von Solidaritätsaktionen an die Wand projiziert. Neben der Karikaturenausstellung von İsmail Doğan wurden auch Bücher von Yanardağ und den anwesenden Autoren zu Gunsten der Solidaritätskampagne verkauft. Zum Abschluss des Programms signierte Sevim Kahraman Yanardağ die Bücher für die Besucher, während die Brüder Kılıç mit ihren Liedern für Frieden und Solidarität den Abend beendeten.

14 April 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Über Cem Özdemir werden falsche Artikel geschrieben, ohne ihn wirklich zu kennen

von Cumali Yağmur 14 April 2026
von Cumali Yağmur


Von : Cumali Yağmur

Die Möglichkeit, dass Cem Özdemir Ministerpräsident von Baden-Württemberg wird, mag der aktuellen AKP-MHP-Regierung in der Türkei missfallen. Dass seine Eltern vor vielen Jahren als Gastarbeiter aus der Türkei kamen, ändert jedoch nichts an grundlegenden Tatsachen: Cem Özdemir ist ein Politiker der deutschen Grünen und ist seit Jahren in der Kultur dieser Partei verwurzelt.

Aufgrund seiner politischen Überzeugungen stellt sich Cem Özdemir weltweit gegen Menschenrechtsverletzungen, antidemokratische Maßnahmen gegen die Presse oder die Unterdrückung der Opposition. In einem solchen politischen Klima ist er gereift. Ich kenne ihn seit seiner frühen Jugend, da wir in derselben Partei Politik gemacht haben. Ich gehöre zu denjenigen, die am besten wissen, durch welche Gedanken er politisiert wurde und was für eine Persönlichkeit er besitzt.

Cem Özdemir spielte eine maßgebliche Rolle bei der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern von 1915–1916 durch den Deutschen Bundestag. Wo auch immer auf der Welt ein Genozid begangen wird, Cem wird immer dagegen aufstehen.

Liest man seine Artikel in der Zeitschrift Fremdeninfo, die wir in seinen jungen Jahren gemeinsam herausgegeben haben, lässt sich deutlich erkennen, mit welchem politischen Fundament er aufgewachsen ist. In einigen Berichten sehe ich, dass Cem Özdemir direkt mit der türkischen Innenpolitik identifiziert wird und man zu dem Schluss kommt, der AKP-MHP-Block lehne ihn nur deshalb ab. Diese Art der Logik spiegelt nicht nur die Realität nicht wider, sondern zeigt auch, dass diese Personen Cem überhaupt nicht kennen.

Cem Özdemir besitzt eine ausreichend erfahrene und starke Persönlichkeit, um seine politischen Entscheidungen eigenständig zu treffen. Er ist entschlossen; er pflegt einen arbeitsamen Führungsstil und steht hinter seinen Entscheidungen. Er ist diszipliniert und besonnen; er besitzt die Willenskraft, einen Entschluss, an den er glaubt, bis zum Ende durchzusetzen. Gleichzeitig ist er jemand, der die Medienwelt und die öffentliche Meinung sehr gut analysiert und seine Worte wohlüberlegt wählt. Er ist ein charismatischer Politiker mit einer starken Urteilskraft, der die Massen mit seiner humorvollen Sprache beeinflussen kann.

Es ist ein großer Fehler, oberflächliche Artikel zu schreiben, ohne diese Seiten von ihm zu kennen, und zu versuchen, ihn lediglich über seine Verbindungen zur Türkei zu bewerten. Cems Weltanschauung ist klar: Er ist äußerst sensibel, wenn es um die Rechte von Unterdrückten, Diskriminierten und Minderheiten geht. Da ich ihn seit vielen Jahren kenne, kann ich diese Tatsachen in aller Deutlichkeit aussprechen. Cem Özdemir versteht es, den Prozess in seinen Beziehungen zu anderen Parteien und Politikern nach seinen eigenen Methoden zu steuern, ohne seine Prinzipien aufzugeben. Mit seiner höflichen, aber prinzipientreuen Haltung besitzt er die Kraft, sein Gegenüber zu beeindrucken. Als Politiker geht er seinen Weg weiter, indem er seinen Werten und seiner Methode der Politikgestaltung treu bleibt.

14 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Hätte die SPD früher handeln müssen?

von Fremdeninfo 14 April 2026
von Fremdeninfo

 

Von: Stefanie Helbig und Andreas Schinkel / Haz

Um den insolventen Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ gibt es weiter Wirbel – auch in der Partei. Denn da waren Hülya Iri und ihre Tochter gut vernetzt.

Hannover.

Der Wirbel um den insolventen Verein „Integrationsarbeit Kronsberg“ hält an – und schreckt im heraufziehenden Kommunalwahlkampf die hannoversche SPD auf. Hülya Iri, eine ehemalige SPD-Ratsfrau, hat den Verein mit Teilen ihrer Familie gegründet und war bis vor Kurzem gut in der Partei vernetzt. Jetzt bemüht sich die hannoversche SPD, eine scharfe Trennlinie zwischen sich und Iri zu ziehen. Man prüfe, ein Parteiordnungsverfahren gegen Hülya Iri und Teile ihrer Familie einzuleiten, heißt es vonseiten der SPD, „mit dem Ziel, die Mitgliedschaft ruhen zu lassen, solange das derzeitige Insolvenzverfahren läuft und die Vorwürfe nicht proaktiv ausgeräumt wurden“.

Iris Verein hat mehr als 1,2 Millionen Euro Fördergeld, vor allem aus staatlichen Töpfen, bekommen und dennoch Insolvenz angemeldet. Ein Insolvenzverwalter prüft, ob die Zuschüsse zweckgebunden verwendet wurden – oder in private Taschen flossen. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.

Iri war nicht nur Ratsfrau, sondern auch Mitglied im Fraktionsvorstand. Im Sommer 2024 gingen erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der SPD-Geschäftsstelle und dem Stadtverband ein. In einem Schreiben vom 11. Juli 2024, das dieser Redaktion vorliegt, heißt es, „dass die Genossin und Ratsfrau Hülya Iri Zuwendungen des Landes an den von ihr gegründeten Verein massiv veruntreut“ habe. Beweise dafür seien aber nicht vorgelegt worden, betont die SPD.

Eineinhalb Jahre später hat der Vorsitzende des SPD-Stadtverbandes, Adis Ahmetović, einen weiteren Brief mit Hinweisen auf „schwerwiegende Unregelmäßigkeiten bei Fördermittelverwendung, Vereinsführung und Kontrollstrukturen“ beim Integrationsverein bekommen. Daraufhin habe Ahmetović umgehend den Kontakt zu Iri aufgenommen und um Aufklärung gebeten, teilt die SPD mit. Auf Drängen der Partei hat Iri dann eine eidesstattliche Erklärung unterschrieben, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

Im Februar 2026 seien von einer weiteren Person Vorwürfe gegen die Arbeit des Vereins erhoben worden, teilt die SPD weiter mit. Dies hat dann dazu geführt, dass Iri auf Druck der Partei ihr Ratsmandat niedergelegt hat.

Hätte die SPD früher handeln müssen? Das fragt sich jetzt manches Parteimitglied. Die Parteispitze rechtfertigt sich: „Diverse Instanzen“ hätten den Verein unterstützt, „darunter die Region Hannover, das Land Niedersachsen sowie der Bund“. Auch die Staatsanwaltschaft sei den Vorwürfen gegen Iri damals nicht nachgegangen.

Iris Tochter Esma übernahm im Dezember 2024 den Vereinsvorsitz von ihrer Mutter. Auch Iris Tochter ist in der SPD Hannover keine Unbekannte. Seit 2024 war sie Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) in der Region Hannover. Von diesem Amt ist sie am Freitag, 10. April, zurückgetreten. Auch engagierte sie sich im sogenannten „Jungen Team“, mit dem die Jusos Spitzenkandidaten im Wahlkampf unterstützen.

Die Einsätze führten Iris Tochter in die Nähe prominenter SPD-Politiker. Bei öffentlichen Auftritten war sie unter anderem im Umfeld von Stephan Weil und dem aktuellen SPD-Oberbürgermeisterkandidaten Axel von der Ohe zu sehen. Innerhalb der Partei wird sie von vielen Seiten als diszipliniert und zuverlässig beschrieben, als engagierte Kraft an der Basis. Iris Tochter hat sich zu den Vorfällen im Integrationsverein bisher nicht geäußert, trotz mehrfacher Bitten dieser Redaktion um Stellungnahme. Der Vereinssitz am Kronsberg liegt im Landtagswahlkreis von Doris Schröder-Köpf, die seit 2013 für die SPD im Landtag sitzt. Bis 2022 war sie zudem Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe. Hülya Iri unterstützte die Landtagsabgeordnete im Wahlkampf, und Doris Schröder-Köpf schrieb Iri, wie es ihre Aufgabe als Landesbeauftragte gebot, Empfehlungsschreiben, um sie bei Fördermittelanträgen zu unterstützen. Schröder-Köpf teilt mit, dass sie keine Stellung zu den Vorgängen rund um Iris Integrationsverein nehmen wolle, „bevor eine Sachaufklärung vorliegt“. „Im Übrigen unterstützte ich während meiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe viele Initiativen und Vereine in ganz Niedersachsen bei ihren Vorhaben.“

Es ist nicht das erste Mal, dass es zwischen Iri und der SPD Streit gibt. 2016, im Vorfeld der Kommunalwahl, gelang es Iri, im Wahlkreis Kirchrode, Bemerode, Wülferode den damaligen SPD-Platzhirsch Michael Klie vom ersten Listenplatz zu verdrängen. Iri hatte für die Kandidatenkür etliche neue Parteimitglieder mobilisiert, viele ebenfalls mit türkischen Wurzeln. Dass Iri überhaupt für die Ratswahl antreten wollte, teilte sie ihren Genossinnen und Genossen erst kurz vor der Kandidatenkür mit. Am Ende wurde Iri tatsächlich Spitzenkandidatin im Wahlkreis und zog später in den Rat ein. Nicht wenige Sozialdemokraten waren erbost.

Quellenangabe: HAZ vom 14.04.2026, Seite 16

14 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

MIT 7 JAHREN BEGANN SEIN WEG, JETZT IST ER VORSITZENDER

von Cumali Yağmur 13 April 2026
von Cumali Yağmur

Von: Turgut Öker

Ali İldem ist der Sohn von Haydar İldem. Haydar İldem gehört zu den Gründern des Alevitischen Kulturzentrums Hamburg, dessen Grundstein wir vor genau 38 Jahren mit einer Handvoll gläubiger und standhafter Freunde legten. Das Zentrum wurde 1989 offiziell anerkannt und markierte einen Wendepunkt in der alevitischen Bewegung.

Ali war erst 7 Jahre alt, als er zu uns stieß. Er kam gemeinsam mit seiner Familie zu unseren Versammlungen; mit stillen, aufmerksamen und neugierigen Augen beobachtete er seine Umgebung. Er hörte zu, beobachtete und begann diesen „Weg“ (Yol) bereits in diesem jungen Alter zu lieben.

Mit der Zeit übernahm er aktive Aufgaben in unseren Jugendgruppen. Er reifte heran, leistete große Arbeit und diente der Gemeinschaft. Schritt für Schritt wuchs er in diesem „Weg“ auf. Nachdem er verschiedene Verantwortungen innerhalb des Alevitischen Kulturzentrums Hamburg übernommen hatte, wurde er gestern auf der Generalversammlung in das Amt des Vorsitzenden gewählt.

Nicht nur Ali, sondern auch der Großteil der Jugendlichen, die mit ihm in den Vorstand gewählt wurden, sind unsere Kinder, die in unseren Jugendgruppen großgeworden sind und diesen „Weg“ verinnerlicht haben. Dieses Bild zeigt uns deutlich:

Dieser „Weg“ bringt jene hervor, die aus seinem eigenen Schoß kommen, und nicht jene, die ihm fremd sind. Er beherbergt keine Elemente, die nicht seinem Wesen entsprechen, und versteht es, sich mit der Zeit von ihnen zu reinigen. Im Gegensatz zu jenen, die in den letzten Jahren ohne jegliche Anstrengung und aus kalkulierten Gründen in Organisationen „hineingeschmuggelt“ wurden, ist der Amtsantritt dieser in Europa geborenen Jugendlichen, die durch Erfahrung, Arbeit und Dienst gereift sind, die Botschaft des Beginns einer neuen Ära.

Die Beziehungen werden nun nicht mehr über Dolmetscher geführt. Jetzt sind unsere Jugendlichen an der Reihe, deren Muttersprache Deutsch ist, die Europa kennen und aus der Mitte dieser Gesellschaft kommen. Dieser Wandel ist nicht zu unterschätzen; es ist eine Transformation, die die Richtung der Zukunft bestimmen wird.

Auf dem Foto unten sehen Sie Ali als 9-jährigen Jungen an meiner Seite. Zwischen damals und heute liegen nicht nur vergangene Jahre; dort stecken große Mühe, ein unerschütterlicher Glaube und ein heiliger „Weg“.

Diesen Jungen heute auf dem Stuhl des Vorsitzenden des Alevitischen Kulturzentrums Hamburg zu sehen, zu dessen Gründern ich gehören darf, ist für mich nicht nur eine Freude, sondern auch ein Anlass für großen Stolz.

Möge dein Weg offen sein, Ali İldem.

 

 

 

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Cumali Yağmur
Kultur

Spuren der Migrationskultur in Hannover

von Cumali Yağmur 13 April 2026
von Cumali Yağmur

 
Von: Cumali Yağmur

Auf meinen Artikel mit dem Titel „Spuren der Migrationskultur“ habe ich sowohl Lob als auch vielfältige Kritik erhalten.

Ich werde versuchen, den Kritikern auf respektvolle Weise aus meiner eigenen Perspektive zu antworten. Auch wenn ich vielleicht nicht jede Erwartung vollends erfüllen kann, vertraue ich auf Ihr Verständnis. Ich möchte betonen, dass ich sachlich fundierte Kritik als eine offene und absolut richtige Methode betrachte.

Einige Kritiker bemängelten, dass ich nicht tief genug in die Materie Hannovers eingetaucht sei und der Text oberflächlich geblieben sei; sie forderten eine detailliertere Recherche. Insbesondere wurde kritisiert, dass ich nur einige wenige „Kneipen“ erwähnt habe, obwohl es in Hannover zahlreiche Betriebe gibt, die seit vielen Jahren aktiv sind.
Ich lebe seit elf Jahren in Hannover und habe in dieser Zeit viele Restaurants und Lokalitäten besucht. In meinem ersten Artikel konnte ich nur auf einige wenige davon eingehen; in meinem zweiten Artikel werde ich jedoch – auch unter Berücksichtigung Ihrer Vorschläge – weitere Orte behandeln.

Andere Kritiker betonten, dass Migrationskultur nicht allein aus Vereinen bestehe, sondern dass es auch andere kulturelle Aktivitäten gebe. Ich persönlich empfinde jedoch einen Mangel an kulturellen Angeboten in Hannover, die über die klassische Vereinsarbeit hinausgehen. Um dieses Defizit zu beheben, sollte über den Stadtrat ein „Treffpunkt“ geschaffen werden, an dem alle Migranten ihre kulturellen Aktivitäten bündeln und ausüben können. Ein solcher Treffpunkt sollte von der Stadtverwaltung finanziert werden. Man könnte sogar – ähnlich wie in Frankfurt – ein „Multikulturelles Dezernat“ fordern. Die Migrationskultur ist in Hannover derzeit nicht in dem Maße präsent, wie sie es verdient hätte. Gemeinsam könnten wir hierfür ein Konzept erarbeiten und vorlegen.

Die Politik muss endlich verinnerlichen: Deutschland besteht längst aus einer multiethnischen und multikulturellen Struktur. Die illusionäre Vorstellung, dass eine migrantische Minderheit allein durch die Anpassung an eine dominante deutsche Leitkultur integriert werden kann, muss aufgegeben werden.
Es muss darüber nachgedacht werden, was für migrantische Minderheiten getan werden kann, und es müssen Lösungsvorschläge unterbreitet werden. Es muss sichergestellt werden, dass sowohl die einheimische Bevölkerung als auch die migrantische Minderheit auf Augenhöhe und unter gleichen Bedingungen von allen Rechten profitieren. Geschieht dies nicht, wird das Ziel mit hohlen Phrasen über eine einseitige „Integration“ – wie schon seit 70 Jahren – nicht erreicht. Wir müssen uns dessen bewusst werden, die aktuelle Lage neu analysieren und gemeinsam eine neue Lebenspraxis verwirklichen.

Andererseits habe ich eine Bitte an meine Kritiker für meinen zweiten Artikel: Helfen Sie mir. Teilen Sie mir die Restaurants oder Orte mit, die ich Ihrer Meinung nach besuchen und über die ich schreiben sollte. Ich bin davon überzeugt, dass das Ergebnis durch eine kollektive Zusammenarbeit viel besser ausfallen wird.

Zudem könnten wir einen erneuten Blick auf die Kriminalstatistik von Hannover werfen und Informationen von den Sicherheitsbehörden einholen. Werden kriminelle Vorfälle übertrieben dargestellt? Dass Hannover in der Kriminalstatistik deutschlandweit an dritter Stelle steht, ist durchaus nachdenklich stimmend.
Als Journalist ist es mein Ziel, stets sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte der Stadt, in der wir leben, zur Diskussion zu stellen. Auch ein Kollege, der bei der HAZ (Hannoversche Allgemeine Zeitung) über Restaurants und Kneipen schreibt, veröffentlicht dazu regelmäßig Beiträge.

Ich bin allen Kritikern dankbar, dass sie die Punkte angesprochen haben, die ich übersehen habe. Es hat mich sehr gefreut, dass der Artikel eine so hohe Reichweite erzielt hat. Ihre Kritik und Ihre Vorschläge sind für mich jederzeit willkommen. Die konstruktive Kritik der Leserschaft ist für mich unbezahlbar. Ich bereite meine Texte für Sie auf und möchte, dass Sie beim Lesen sowohl Freude haben als auch informiert werden. Ich möchte betonen, dass ich auch in Zukunft häufiger solche Texte verfassen werde, um Sie auf dem Laufenden zu halten.

13 April 2026 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Keine Arbeit für 20 Asylbewerber – warum Neuss die Vorgaben nicht erfüllt

von Fremdeninfo 13 April 2026
von Fremdeninfo

Von: RP-Online

Neuss. Das Gesetz ist eindeutig: Asylbewerbern müssen Arbeitsgelegenheiten geboten werden. In Neuss nimmt jedoch nur ein einziger eine solche Tätigkeit wahr, obwohl 20 infrage kämen. Der Grund: Der Verwaltung fehlt das Personal, um das Gesetz umzusetzen.

 Die Stadt Neuss kommt einer gesetzlichen Pflicht nicht nach und wird diese Aufgabe auch in naher Zukunft nicht umsetzen können: Für erwerbsfähige Asylbewerber müssen Kommunen sogenannte Arbeitsgelegenheiten schaffen. Aktuell nimmt in Neuss aber nur ein einziger Asylbewerber eine solche Arbeitsgelegenheit wahr und mehr sei derzeit auch „nicht umsetzbar“, so die Verwaltung in einer Mitteilung für den Ausschuss für Chancengleichheit und Integration. Der „personelle Ressourcenrahmen“ sei nicht ausreichend, lautet die Begründung.

Zum Hintergrund: Das Asylbewerberleistungsgesetz schreibt die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber vor (Paragraf 5 AsylbLG). Dabei sollen die Asylbewerber vor allem in den Aufnahmeeinrichtungen, in denen sie leben, mit anpacken. Sie sollen „zur Aufrechterhaltung und dem Betrieb der Einrichtung herangezogen werden“, heißt es juristisch korrekt. Aber auch bei staatlichen, kommunalen oder gemeinnützigen Trägern sollen Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden. Die erwerbsfähigen Asylbewerber sind verpflichtet, den angebotenen Tätigkeiten nachzukommen. Sie erhalten dafür eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 80 Cent pro Stunde. Ausgenommen sind allerdings Asylbewerber, die schulpflichtig sind, eine Berufsausbildung oder ein Studium aufgenommen haben oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erwerbstätig sind. Auch Personen, die bereits das Renteneintrittsalter erreicht haben oder aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Pflegebedürftigkeit nicht arbeitsfähig sind, kommen nicht infrage.

Für Neuss folgt daraus, dass von den insgesamt 243 Asylbewerbern, die unter das Gesetz fallen, aktuell 20 Personen für eine Arbeitsgelegenheit herangezogen werden können, erklärt die Verwaltung. Sie hat dazu mit einem Landkreis in Thüringen (der in der Mitteilung namentlich nicht genannt wird) Gespräche geführt. Dieser Kreis habe aktuell mehr als 150 Asylbewerbern solche Arbeitsgelegenheiten verschafft. „Dort wurde ein Stellenpool eingerichtet, in dem insgesamt 13 Träger wettbewerbsneutrale Stellen anmelden“, heißt es in der Mitteilung. Dadurch könne jedem in Frage kommenden Asylbewerber eine passende Tätigkeit zugewiesen werden – allerdings erst nachdem der Asylbewerber einen Deutschkurs absolviert hat.

Für diesen Prozess würden in der Verwaltung des thüringischen Kreises vier Mitarbeitende eingesetzt. „Zusätzlich wurde eine befristete Stelle für den Aufbau der Strukturen geschaffen. Das Amt für Migration und das Jobcenter befinden sich im Verantwortungsbereich derselben Person, sodass dort gebündeltes Fachwissen vorliegt“, schildert die Verwaltung weiter das Vorgehen in Thüringen.

Diesen Prozess auf Neuss zu übertragen, sei allerdings nicht möglich. Denn: Im zuständigen Sachgebiet in der Neusser Verwaltung herrscht Personalmangel. Eine Organisationsuntersuchung im vergangenen Jahr habe ergeben, dass der Bereich ohnehin einen Mehrbedarf von drei Vollzeitstellen habe, die nach wie vor nicht besetzt seien. „Zudem ist dieses Sachgebiet aktuell mit der Einführung der Bezahlkarte beschäftigt“, so die Verwaltung weiter. Sprich: Ohne neues Personal wird es auch künftig keine Arbeitsgelegenheiten für die Asylbewerber in Neuss geben.

(bebe)

13 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Was ist der Club Voltaire eigentlich? – Ein kurzes Porträt für alle, die ihn nicht kennen.

von Cumali Yağmur 13 April 2026
von Cumali Yağmur

Von: Asim Onarat / Frankfurt am Main

Der Club Voltaire wurde in den 1960er Jahren in einer Seitenstraße der Fressgasse gegründet. Er war damals der Treffpunkt der Frankfurter 68er-Generation, die gegen den Vietnamkrieg protestierte. Klein, urig, fast schon versteckt – aber bis heute ist er ein öffentlicher Raum, in dem alle zusammenkommen: von den mutigsten „Weißhaarigen“ des gesellschaftlichen Widerstands, wie etwa den Omas gegen Rechts, bis hin zu den heutigen Studierenden. Seit den 1960er Jahren ist er ununterbrochen aktiv. Fast jede Woche finden hier verschiedenste Veranstaltungen und Treffen statt; gleichzeitig ist er ein kleines Lokal, in dem man sich abends mit Freunden treffen kann.

Wir alle sagen es: Demokratie bedeutet nicht nur, wählen zu gehen. Demokratie lebt von Räumen, in denen Stimmen nicht verstummt sind und unterschiedliche Meinungen nebeneinander existieren können. Wir sehen, in welche Richtung sich die Welt und Deutschland bewegen. Jeden Tag werden uns Räume, die uns gehören, aus verschiedenen Vorwänden weggenommen. Weltweit erstarken rechte Kräfte, und kritische Worte sind unerwünscht. Solche Orte sind für uns Migranten – neben unseren eigenen Vereinsräumen – eine lebenswichtige Garantie. Selbst wenn wir nicht persönlich dort sind, wissen wir: Dies sind Zufluchtsorte, an denen man uns beisteht, uns unterstützt und unsere Rechte verteidigt.

Wenn der Club Voltaire verschwindet, schließt nicht nur ein Raum.
Eine Möglichkeit weniger.
Eine weitere Stimme, die verstummt.
Und wir bleiben ein Stück einsamer zurück.


Von: Cumali Yağmur

Als ich 1972 nach Frankfurt kam, nahm mich ein Freund namens Adil mit in den „Club Volta“. Der Ort hat mich sofort fasziniert. Nachdem ich mich in Frankfurt niedergelassen hatte, nahm ich an jedem Treffen dort teil; der Club wurde mit der Zeit zu einem Teil von mir.

In den Räumen im Obergeschoss gründeten wir ein „Türkei-Komitee“. Wir organisierten zahlreiche Versammlungen, um die politische Unterdrückung in der Türkei an die Öffentlichkeit zu bringen, luden bedeutende Persönlichkeiten ein und führten Debatten. Nach dem Militärputsch von 1980 hielten wir gemeinsam mit dem verstorbenen Jürgen Roth und Kamil Taylan ständig Treffen ab, um die faschistische Junta in der Türkei zu verurteilen.

Der Club wurde für mich zu einem Ort, an dem ich mehr Zeit verbrachte als zu Hause. Meine Jugend verging dort, dort wurde ich politisiert, dort nahm ich an den hitzigsten politischen Diskussionen teil. Wenn diese Wände eine Seele hätten und sprechen könnten, würden sie jedes meiner Worte bezeugen.

Dass ein Ort wie der Club Voltaire verschwindet, fühlt sich an, als würde ein Teil meines Körpers weggerissen… Auch wenn ich seit zehn Jahren nicht mehr in Frankfurt lebe, ist meine Vergangenheit und mein politischer Kampf aus meinen Jugendjahren dort bewahrt. Diesen Ort zu verlieren, fühlt sich an, als würde ein Teil von mir selbst ausgelöscht.“

13 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Magyars Traumsieg in Ungarn verändert Gleichungen in Europa

von Fremdeninfo 13 April 2026
von Fremdeninfo

Artikel von dpa

Der Triumph will zelebriert sein. Als so gut wie feststand, dass seine Tisza-Partei die Parlamentswahl sogar mit einer Zweidrittelmehrheit an Mandaten gewann, schritt Peter Magyar, mit der ungarischen Fahne in der Hand, durch die Menge seiner begeisterten Anhänger. Dann erklomm er die Bühne, die am Budaer Donauufer genau gegenüber dem mächtigen, glanzvoll beleuchteten Parlamentsgebäude vorbereitet war – für die Rede vor einer Kulisse, die Bilder für die Geschichtsbücher zu erzeugen vermochte.

Viktor Orbans vernichtende Niederlage nimmt der EU eine große Last ab.

Die Parlamentswahl am Sonntag umweht tatsächlich der Hauch des historisch Bedeutsamen. Nach 16 Jahren an der Macht erlitt der rechtspopulistische und russlandfreundliche Ministerpräsident Viktor Orban eine vernichtende Niederlage. Nach Auszählung fast aller Wahllokale errang die bürgerliche Tisza-Partei nach Angaben der Wahlkommission 138 von 199 Mandaten und kam auf 53,2 Prozent der Stimmen. Auf Orbans Fidesz-Partei entfallen 55 Mandate, bei einem Stimmanteil von 38,3 Prozent.

Die rechtsextreme Partei Unsere Heimat (Mi Hazank) übersprang mit 5,9 Prozent der Stimmen die Fünf-Prozent-Hürde und errang 6 Mandate. Sonst schaffte es keine weitere Partei ins Parlament. In der neuen Volksvertretung wird es keine linken, grünen oder liberalen Parteien geben.

Mit der Zweidrittelmehrheit hat Magyar freie Hand

In seiner Rede vor zehntausenden begeisterten Anhängern ging Magyar auf die Handlungsoptionen ein, die die parlamentarische Zweidrittelmehrheit eröffnet. «Sie wird den Übergang effizienter, friedlicher und reibungsloser machen.» Orban hatte selbst seit 2010 mit solchen Super-Mehrheiten regiert. Diese nutzte er dazu aus, um seine autoritäre Machtarchitektur mit Verfassungsänderungen, Gesetzen im Verfassungsrang und Personalbesetzungen auf der Grundlage eiserner Loyalität einzuzementieren.

«Ich fordere alle Marionetten, die uns die (Orban-)Regierung in den Nacken gesetzt hat, zum Rücktritt auf», rief Magyar in die Menge. Konkret erwähnte er unter anderem den Staatspräsidenten Tamas Sulyok, den Obersten Staatsanwalt Gabor Balint Nagy und die Spitzen des Verfassungsgerichts und der Medienaufsichtsanstalt. Mit der Zweidrittelmehrheit im Parlament wird Magyar die Möglichkeit haben, diese Amtsträger abzusetzen und neue zu wählen.

Einfach so durchregieren wie Orban, dem letztlich nur an der Errichtung eines autoritären Systems lag, wird aber nicht reichen. Magyar steht unter dem hohen Erwartungsdruck einer Wählerschaft, die sich einen Ausweg aus wirtschaftlicher Stagnation, korrupten Praktiken und außenpolitischer Isolation des Landes wünscht. Mit einer in nur zwei Jahren aufgebauten Partei, der sich zum Teil als exzellente Fachleute ausgewiesene Menschen anschlossen, die aber eben auch sehr autonome Persönlichkeiten sind, wird Magyar in absehbarer Zeit liefern müssen.

Europa atmet auf

Orban hatte sich der Europäischen Union (EU), der Ungarn seit 2004 angehört, entfremdet. Der von ihm betriebene Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stand im Widerspruch zu Geist und Buchstaben der Europäischen Verträge. Seine Anlehnung an das Russland von Präsident Wladimir Putin wurde nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 noch deutlicher. Sie verstärkte die Entfremdung zur EU.

Orban blockierte zuletzt mit seinem Veto einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine – obwohl sein Land dazu gar nichts beigetragen hätte. Kurz vor den Wahlen wurden die Mitschriften von Telefonaten bekannt, die Orban mit Putin und der ungarische Außenminister Peter Szijjarto mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow führten. Die Art und Weise, wie sich die Ungarn ihren russischen Gesprächspartnern anbiederten, schockierte. Szijjarto gab etwa an Lawrow EU-Interna weiter und besorgte ihm auf dessen Wunsch vertrauliche Dokumente.

Magyar bewertete den Wahlausgang in seiner Rede als Beleg dafür, dass «die Ungarn ihren Platz in Europa sehen». Das Land werde wieder ein starker Partner in EU und Nato sein, versprach er. Ein Ungarn, das etwa in der Ukraine-Frage nicht mehr blockiert, ließe die EU wieder an Handlungshoheit gewinnen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf der Plattform X erfreut: «Ein Land findet zurück auf seinen europäischen Weg.» Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilte Magyar auf X mit: «Ich freue mich auf die Zusammenarbeit für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa.»

Budapest singt und feiert

In der Hauptstadt Budapest löste die Abwahl Orbans eine Euphorie aus, wie sie noch nie nach einer Wahl zu bemerken war. Im Umfeld des Batthyany-Platzes, wo Magyar auftrat, und entlang der Großen Ringstraße auf der Pester Seite sangen und feierten große Mengen vor allem junger Menschen ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden. Auch der «Budapest-Karneval» könnte Teil der Erzählung für die Geschichtsbücher werden.

13 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Propaganda für Erdogan oder harmloses Kinderspiel?

von Cumali Yağmur 12 April 2026
von Cumali Yağmur

Quellenangabe: HAZ von Jutta Rinas

In einer Moschee des türkischen Religionsverbandes Ditib in Garbsen bei Hannover haben kleine Kinder mit Spielzeuggewehren Schlachtszenen aus dem Ersten Weltkrieg aufgeführt. Dramapädagogik nennt das die Moschee.

Besonders die Kriegsszenen am Ende wirken verstörend. Mehrere kleine Jungen – mutmaßlich im Vorschul-, höchstens im Grundschulalter – zielen da während einer Aufführung in der türkischen Ditib-Moschee in Garbsen mit ihren Spielzeuggewehren auf imaginäre Feinde. Wenig später liegt ein Kind – offenbar als gefallener Soldat – am Boden, bedeckt mit einer riesigen türkischen Fahne. Betrauert wird es hingebungsvoll von drei kleinen, mit Kopftüchern bekleideten Mädchen. Die Worte „Çanakkale Geçilmez“ („Çanakkale ist unpassierbar“) sind in großen Buchstaben im Hintergrund zu lesen.

Die Kinder stellen mit diesen martialischen Szenen die sogenannte Schlacht von Çanakkale von 1915 nach, ein blutiges Gefecht im Ersten Weltkrieg, in dem die Truppen des Osmanischen Reiches die Alliierten bei dem Versuch zurückschlugen, die Dardanellen zu erobern und damit den Weg nach Istanbul (damals Konstantinopel) freizumachen. Ein Video dieser Aufführung postete die Gemeinde anlässlich des Jahrestags der Schlacht am 18. März auf ihrer Facebook-Seite. Es liegt dieser Redaktion vor. Mittlerweile ist es offenbar gelöscht. Aber der türkischstämmige Journalist Eren Güvercin hatte zuvor Ausschnitte auf dem Kurznachrichtendienst X veröffentlicht – und schwere Vorwürfe erhoben.

Extremen Militarismus hält er der Gemeinde vor: Sie positioniere Kinder mit Holzgewehren in „Schützengräben“ und spiele den Abtransport von Gefallenen in Leichentüchern nach. Dadurch stelle sie den Krieg nicht als Katastrophe, sondern als heldenhaftes Abenteuer dar. Die Kinder würden instrumentalisiert, um nationalistische Mythen zu reproduzieren. „Kleinkinder Krieg spielen zu lassen und den ‚Märtyrertod‘ auf dem Schlachtfeld als religiöses Ideal darzustellen hat in einer Bildungseinrichtung oder einem Gebetsraum nichts zu suchen“, schreibt er auf X.

Die Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen könne sehr wohl ein Bestandteil früher Bildung sein, argumentiert die Gemeinde in einem an Güvercin gerichteten Schreiben. Sie stifte eine kollektive Identität und könne zu moralischen Reflexionen anregen. Ein Verständnis von Antimilitarismus oder Antinationalismus, wie es in Deutschland durch die Aufarbeitung des Nationalsozialismus entstanden sei, sei auf die Türkei nicht so ohne Weiteres übertragbar – und liege im Fall dieser dramapädagogischen Inszenierung nicht vor. Weder würde der Krieg verherrlicht, noch die eigene Nation überhöht. Man erinnere vielmehr an die Opfer und die Verteidigungsbereitschaft des türkischen Volkes. Auf mehrfache Nachfragen dieser Redaktion reagierte die Garbsener Ditib-Gemeinde nicht.

Gemeinde postet Kriegsbilder von Kindersoldaten

Güvercin ist nicht der einzige Islamexperte, der die Aktivitäten der Garbsener Ditib-Gemeinde problematisch findet. Es handele sich eindeutig um politische Veranstaltungen, in denen Kinder für nationalistische und kriegsverherrlichende Propaganda instrumentalisiert würden, sagt auch der an der Ruhr-Universität Bochum tätige Politikwissenschaftler Ismail Küpeli. Der Märtyrertod werde als positiv und erstrebenswert dargestellt. Dafür, dass die Gemeinde diese Haltung fördert, spricht auch folgender Vorgang: Im Jahr 2017 postete sie Aufnahmen aus der Schlacht von Çanakkale, darunter Kriegsbilder von Kindersoldaten. Auf einem sagt einer von ihnen: „Auch ich wurde als Opfer für das Vaterland geboren.“

Küpeli betont überdies, dass solche historischen Aufführungen in Ditib-Moscheen auch dazu dienten, aktuelle Kriege zu feiern. Im Fall einer ähnlichen Darbietung in einer Ditib-Gemeinde 2018 in Herford sei dies der damalige Angriffskrieg der Türkei in Nordsyrien gewesen. Die Herforder Aufführung hatte bundesweit für Aufregung gesorgt. Das nordrhein-westfälische Integrationsministerium hatte im Nachhinein festgestellt, dass auch in weiteren Städten in NRW sowie im Süden Deutschlands ähnliche Kriegsspiele von Kindern aufgeführt worden waren.

Auch Aufführungen wie die jetzt in Garbsen seien keine isolierten Einzelfälle, sagt Küpeli. Sie seien eingebunden in den Einsatz der Ditib-Vereine für die Verbreitung der türkisch-islamischen Staatsideologie, die ihnen von der türkischen Religionsbehörde Diyanet vorgegeben werde.

Der Landesverband der Ditib in NRW hatte sich von der Herforder Aktion allerdings distanziert. Aus pädagogischer und religiöser Perspektive seien Veranstaltungen falsch, bei denen Kinder auf Anleitung mit Waffen in der Hand aufmarschierten, auch wenn diese als Theaterspiel oder Folklore gedacht seien, hieß es damals. Die Erinnerung an türkische Gefallene im Ersten Weltkrieg wie in der Schlacht von Çanakkale habe eine „lange Tradition in der türkischen Kultur“, hieß es, allerdings nicht in Form von Inszenierungen für Kinder. Diese seien „Entgleisungen“ .

Ditib-Landesverband prüft Kriegsspiel in Garbsen

Der niedersächsische Landesverband der Ditib wertete die Garbsener Darbietung gegenüber dieser Redaktion bislang nicht. Der Sachverhalt werde derzeit geprüft. Man könne noch keine abschließende Stellungnahme abgeben.

Fazit: Fremdeninfo-Redaktion

„Kleine Kinder, die mit Spielzeuggewehren auf imaginäre Feinde zielen, schießen und die im Ersten Weltkrieg (Schlacht von Gallipoli/Çanakkale) gefallenen Soldaten nachstellen… Dass im Anschluss der „tote“ Soldat in eine türkische Flagge gehüllt wird, während man andere Mädchen dazu bringt, an seiner Seite zu weinen… Wird denn nicht an die psychologischen Wunden gedacht, die all dies bei den Kindern hinterlässt?

Im Hintergrund steht in Großbuchstaben: ‚Çanakkale ist unbezwingbar‘. Warum werden Kinder in unserer heutigen Gesellschaft und in diesem zarten Alter mit nationalistischen und rassistischen Ideen vergiftet? Diese Situation fügt dem Geist der Kinder nicht nur Schaden zu, sondern reißt sie auch in ein psychologisches Drama hinein. Wie richtig ist es, diesen Krieg aus dem Jahr 1915 heute an diesem Ort nachzustellen?

Gleichzeitig suchten nationalistische Kreise den Weg der Leugnung und behaupteten, es sei eine Lüge, als die Ereignisse von 1915–1916 (Vorwürfe zum Völkermord an den Armeniern) im deutschen Bundestag thematisiert wurden. Diese Mentalität, die heute die Schlacht von Gallipoli nachstellt und die Welt kleiner Kinder vergiftet, ist eine nationalistische und rassistische Logik. Dieser Ansatz muss verurteilt werden, egal von wem er ausgeht

12 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Es ist falsch zu sagen, dass Menschen das Land verlassen sollen

von Fremdeninfo 12 April 2026
von Fremdeninfo


Von: Fremdeninfo Redaktion

Eine deutsche Webseite hat der migrantischen Minderheit aus der Türkei folgende Frage gestellt: „Liebe Türkeistämmige, wenn ihr Erdoğan so erfolgreich findet, warum kehrt ihr dann nicht in euer Land zurück?“ Diese Frage entspringt meist einer konservativen bis reaktionären Denkweise. Menschen haben jedoch das Recht, selbst zu entscheiden, wo sie leben möchten.

 

Es gibt unter den Türkeistämmigen Menschen, denen die Politik von Recep Tayyip Erdoğan gefällt. Es ist zweifellos widersprüchlich, in Deutschland zu leben und gleichzeitig eine autoritäre Ein-Mann-Herrschaft in der Türkei zu befürworten. Dennoch können und dürfen wir diese Menschen nicht aus Deutschland vertreiben.

Erdoğan regiert das Land mit einer reaktionären, religiös-fundamentalistischen und diktatorischen Gesinnung; Menschenrechte werden oft missachtet. Die Pressefreiheit wurde faktisch abgeschafft, und zahlreiche Journalisten befinden sich in Haft. Bei vielen Politikern und Bürgermeistern der CHP sowie der pro-kurdischen DEM-Partei wurden Zwangsverwalter eingesetzt und die rechtmäßig gewählten Amtsträger verhaftet.

Ein Teil der hier lebenden Türkeistämmigen unterstützt diese Zustände und genießt dennoch die Vorzüge des Lebens in Deutschland. Es ist jedoch falsch, deshalb ihre Ausweisung zu fordern. Stattdessen muss man den Dialog suchen und aufzeigen, dass das Erdoğan-Regime eine Ein-Mann-Diktatur ist, die eine zerstörerische Politik verfolgt. Die Forderung nach Abschiebung aufgrund politischer Ansichten ist der falsche Weg.

Ein historischer Vergleich: Zur Zeit des Nationalsozialismus gab es in der damaligen Sowjetunion lebende Deutsche, die Hitler unterstützten. Hätte man diese deshalb kollektiv aus dem Land vertreiben sollen?

12 April 2026 0 Kommentare
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