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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Religion

Ramadan unter Pandemiebedingungen: Fastenbrechen online

von Fremdeninfo 22 April 2021
von Fremdeninfo

Ramadan unter Pandemiebedingungen: Fastenbrechen online

Von

dtj-online

–

  1. April 2021

In Zeiten von Corona wird das Fastenbrechen im engsten Familienkreis begangen. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der muslimische Fastenmonat Ramadan ist zu gewöhnlichen Zeiten eine Hochzeit für gemeinsame Fastenbrechen: Familien und Freunde, die sonst aufgrund mangelnder Zeit nicht zusammenkommen können, treffen sich, um das Fasten gemeinsam zu brechen. Sogar die deutsche Politik hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung des Ramadans entdeckt und lädt auf höchsten Ebenen zu Fastenbrechen ein.

Doch seit letztem Jahr ist alles anders. Auch Muslim:innen müssen seitdem den Monat unter Pandemiebedingungen begehen. Um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen, sind strikte Regeln erforderlich. Dadurch kann der traditionell wichtige Aspekt des Zusammenkommens im Ramadan nicht verwirklicht werden. Zumindest nicht in Präsenz. Das findet auch Kadir Boyacı schade. „Mir fehlen die kleinen Nuancen, die einen Ramadan zum Ramadan machen“, sagt der Generalsekretär des „Bund Deutscher Dialoginstitutionen“ (BDDI): „So fehlt es mir, mit meinen engsten Freunden und Vertrauten einen dieser wunderschönen Ramadan-Abende zu verbringen. Einer dieser Abende, an denen man zusammen sitzt, nach dem gemeinsamen Fastenbrechen Tee trinkt und über Gott und die Welt philosophiert.“

Für viele Vereine und Organisationen, denen dieser Aspekt aber wichtig ist, ist das ein Alptraum. Dennoch: Den Lerneffekt hat man mitgenommen. Man hat aus der ersten Welle der Pandemie im Jahr 2020 gelernt und will diesmal alles anders machen. So auch die bundesweit sechs Vereine und Verbände für interkulturellen und interreligiösen Dialog.

Fastenbrechen via Zoom

Gemeinsam wollen sie am 22. April ein Fastenbrechen mit mehreren hundert Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland veranstalten. Und das ganz Corona-konform. In diesen Zeiten geht das selbstverständlich nur online. Eigentlich habe man einen bundesweiten Tag des Fastenbrechens organisieren wollen, in der an unterschiedlichen Städten Deutschlands die Veranstaltung stattfinden sollte, erklärt Boyacı, der das Online-Fastenbrechen organisiert. Doch das könne nun zum zweiten Mal nicht stattfinden.

Vergangenes Jahr habe man noch nicht konkret gewusst, wie man mit der Situation umgehen solle, aber „den Tag dieses Jahr abzusagen, stand nie zur Debatte“, stellt er klar. Boyacı weiter: „Für mich und die anderen Mitorganisator:innen war von Anfang an klar, dass wir diesen Tag organisieren wollen und ihn online stattfinden lassen werden. Eher nehmen wir den Umstand einer Online-Veranstaltung in Kauf, als dass wir den Start des ,,Tags des gemeinsame Fastenbrechens‘‘ um noch ein weiteres Jahr verschieben.“

Die Resonanz sei groß. Es gebe bereits viele Zusagen. Deshalb ist sich Boyacı sicher: „Wir sind zuversichtlich, dass die Veranstaltung trotz aller Widrigkeiten ein Erfolg wird.“

Iftar, bei dem jede/r mitbringt, was er/sie will

Ein den Teilnehmer:innen vorgeschlagenes Menü gibt es zwar nicht. Vielleicht aber, so Boyacı, könne man eine Art Kochbuch zum Tag des gemeinsamen Fastenbrechens veröffentlichen. So würden die Teilnehmer:innen einen Einblick in verschiedene Kulturen bekommen.

Langfristig kann sich der BDDI eine solche Veranstaltung nicht dauerhaft online vorstellen: „Doch ich schaue mit größter Zuversicht auf die Zukunft und hoffe, dass wir so bald wie möglich wieder mit unseren Liebsten zusammen sein können.“

Wichtige Bestandteile des Ramadan nur online

Auch andere Elemente des Ramadan finden in diesem Jahr online statt. So beispielsweise die sogenannte „Muqabala“, bei der sich Muslim:innen für gewöhnlich in einer Moschee treffen und dabei den Koran lesen. Zu Corona-Zeiten verlagern viele Moscheen die Lesungen ins Digitale und übertragen sie online.

22 April 2021 0 Kommentare
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Dutzende Türken in Deutschland untergetaucht: Anklage gegen „Schein-Einlader“

von Fremdeninfo 20 April 2021
von Fremdeninfo

Dutzende Türken in Deutschland untergetaucht: Anklage gegen „Schein-Einlader“

Von

dtj-online

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20. April 2021

 
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Laut Anklage wurden 53 Menschen aus der Türkei eingeladen, 46 seien dieser gefolgt. Nach der Einreise hätte sich die Gruppe zerstreut. Das Symbolfoto zeigt den neuen Flughafen Istanbul von innen. Quelle: Pixabay/Şinasi Müldür

Mehrere türkische Staatsbürger sollen mithilfe sogenannter grauer Dienstpässe ohne Visum nach Deutschland eingereist und teilweise untergetaucht sein.

Gegen eine Person wurde in Hannover in dem Zusammenhang Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte. Das türkische Innenministerium leitete unterdessen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ermittlungen gegen sechs Gemeindeverwaltungen wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Vorgang ein.

Dem in Hannover Angeklagten Ersin K. wird Oberstaatsanwalt Klinge zufolge vorgeworfen, zwischen dem 30. Juli und 1. August 2020 fälschlich Einladungen für mehrere Personen in der Türkei ausgestellt zu haben. Er soll demnach als „Schein-Einlader“ fungiert und den Personen so die Einreise ohne Visa nach Deutschland ermöglicht haben. K. werde Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen.

Laut Anklage wurden 53 Menschen aus der Türkei eingeladen, 46 seien dieser gefolgt, sagte Klinge. Nach der Einreise hätte sich die Gruppe zerstreut. Inzwischen habe man fünf Personen gefunden, die kurze Zeit später Asyl beantragt hätten.

Dienstpässe von der AKP-Gemeinde

Türkische Medien hatten bereits Anfang April berichtet, dass 45 Menschen aus der osttürkischen Provinz Malatya mithilfe von Dienstpässen nach Deutschland gereist waren und davon nur zwei in die Türkei zurückkehrten. Anlass der Reise und der Ausstellung der Pässe war demnach ein Umweltseminar in Hannover. Vier Mitarbeiter der Gemeinde Malatya wurden vom Dienst suspendiert.

Der Vorfall in Malatya war nach türkischen Medienberichten aber kein Einzelfall. Zahlreiche andere Gemeinden sollen in ähnliche, fast professionelle Praktiken verwickelt sein. Die Reisenden zahlten nach türkischen Medienberichten für die Pässe zwischen 6000 und 8000 Euro pro Person.

Gemeinden in der Türkei können graue Dienstpässe auch für Personen beantragen, die keine Staatsbedienstete sind. In dem Fall muss die Reise im Rahmen einer Zusammenarbeit mit einer Nichtregierungsorganisation im Ausland erfolgen. Die Türkei hatte die Ausstellung von grauen Dienstpässen vergangene Woche vorübergehend eingestellt, um Missbrauch vorzubeugen.

dpa/dtj

 

20 April 2021 0 Kommentare
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„Einwanderer müssen sich an die deutschen Regeln halten. Punkt.“

von Fremdeninfo 20 April 2021
von Fremdeninfo

NTERVIEWIslamkritikerin Ayaan Hirsi Ali  

„Einwanderer müssen sich an die deutschen Regeln halten. Punkt.“

Von Marc von Lüpke und Florian Harms

 
Islamkritikerin: "Einwanderer müssen sich an die deutschen Regeln halten. Punkt.". Musliminnen: Einwanderung könne eine Bedrohung für die Rechte der Frauen in Europa sein, warnt die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali. (Quelle: imago images/IPON)

Musliminnen: Einwanderung könne eine Bedrohung für die Rechte der Frauen in Europa sein, warnt die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali. (Quelle: IPON/imago images)

  •  Muslimische Einwanderung nach Deutschland kann eine Gefahr für die Rechte europäischer Frauen sein, meint Ayaan Hirsi Ali. Hier erklärt sie, warum deutsche Werte so wichtig sind

Hunderttausende Muslime sind seit 2015 nach Deutschland eingewandert, das Zusammenleben verläuft nicht immer problemlos. Gerade Frauen und die Errungenschaft der Gleichberechtigung sieht die international bekannte Frauenrechtlerin und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali in Europa bedroht. Denn die Stellung der Frauen sei in vielen muslimischen Ländern anders als etwa in Deutschland.

Härtere Strafen für sexuelle Gewalttaten fordert Hirsi Ali auf der einen Seite, Assimilation der muslimischen Einwanderer an die Mehrheitsgesellschaft auf der anderen. Angesichts der gesellschaftlichen Versäumnisse und einer falschen Tabuisierung durch die Politik sei eine Integration dieser Menschen nicht mehr einfach möglich. Was aber dann? Ein Gespräch über die Grenzen der Toleranz, die Selbstbestimmung der Frauen und die Nutzlosigkeit von Appellen. 

t-online: Frau Hirsi Ali, die deutsche Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Hunderttausende Menschen kamen im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 ins Land, Bundeskanzlerin Angela Merkel versprach: „Wir schaffen das!“ Wie lautet Ihr Fazit heute, fünfeinhalb Jahre später: Hat Deutschland es geschafft, die Flüchtlinge aus muslimischen Staaten zu integrieren?

Ayaan Hirsi Ali: Nein, Deutschland hat das nicht einmal ansatzweise geschafft. Merkels „Wir schaffen das!“ war nur ein wohlfeiler Slogan. Solche Parolen auszusprechen ist immer viel leichter, als eine effiziente Politik zu betreiben.

Wie hätte denn eine effiziente Politik ausgesehen?

Nehmen Sie die sexuellen Angriffe arabischer und nordafrikanischer Männer auf Frauen am Silvesterabend 2015 in Köln: Die sind nicht wirklich aufgearbeitet worden, stattdessen wurden die Frauen weitgehend alleingelassen – und allen anderen Frauen in Deutschland wurde damit signalisiert: Im Zweifel schützt der Staat euch nicht.

 

 

Na ja, es gab damals eine große mediale und politische Debatte.

Aber es hat sich doch kaum etwas geändert! Solche Angriffe könnten heute immer noch geschehen, weil viele junge Männer den Eindruck haben, sie könnten sich das in Deutschland ungestraft erlauben. Es ist immer dasselbe in Westeuropa: Sobald eine Debatte aufkommt, dass die Regeln, Werte und Kultur eines Landes auch für Einwanderer gelten sollen, wird sie schnell abgewürgt. Die politische Reaktion auf die sexuellen Übergriffe in Köln 2015 war erbärmlich.

Ayaan Hirsi Ali, geboren 1969 in Somalia, ist Politikwissenschaftlerin, Frauenrechtlerin und Islamkritikerin. Mit 22 Jahren sollte sie zwangsverheiratet werden, Hirsi Ali floh nach Europa. Von 2003 bis 2006 war sie Mitglied des Parlaments der Niederlande, später ging sie in die USA und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an. Ihre Bücher wie „Ich klage an“ oder „Reformiert euch!“ avancierten zu internationalen Bestsellern. Nun erscheint mit „Beute. Warum muslimische Einwanderung westliche Frauenrechte bedroht“ Hirsi Alis neuestes Werk in Deutschland.

Sie meinen die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker?

Frau Reker empfahl damals Frauen, sicherheitshalber Abstand zu fremden Männern zu halten. Damit hat sie die Täter-Opfer-Rolle umgekehrt. Die Frauen haben doch nichts Falsches getan, sie wollten einfach nur Silvester feiern! Aber die Angreifer haben sich gegenüber den Frauen so verhalten, wie es in ihren Herkunftsländern viel zu oft der Fall ist. Das Signal der deutschen Politik an die übergriffigen männlichen Einwanderer war fatal. Stattdessen hätte in aller Deutlichkeit klargestellt werden müssen: Ihr Einwanderer müsst euch an die deutschen Regeln halten, Punkt!

In Ihrem neuen Buch „Beute“ warnen Sie davor, dass die Einwanderung in westeuropäische Länder die Rechte der Frauen bedrohe.

Viele der Migranten in Westeuropa stammen aus muslimischen Ländern. Das Problem für Frauen besteht darin, dass sie in vielen muslimischen Ländern in „gut“ und „schlecht“ eingeteilt werden. „Gute“ Frauen sind in dieser Denkweise verschleiert, keusch und tugendhaft, sie kümmern sich aufopferungsvoll um Haushalt und Kinder und haben einen Ehemann oder Verwandten als „Beschützer“. „Schlechte“ Frauen, die sich nicht an diese Konventionen halten, werden oft als Beute betrachtet. In dieser chauvinistischen Denkweise sind „schlechte“ Frauen selbst schuld, wenn sie sexuell angegriffen werden, weil sie sich nicht „richtig“ verhalten.

Aber diese Sichtweise haben ja beileibe nicht alle Muslime.

Selbstverständlich nicht. Die Mehrheit der Muslime würde niemals einer Frau gegenüber aggressiv werden. Aber zu viele junge Männer aus muslimischen Herkunftsländern eben leider schon! Der Grund ist die unselige Haltung, dass „schlechte“ Frauen eine Beute seien.

Ayaan Hirsi Ali: Die Frauenrechtlerin fordert seit langer Zeit Reformen im Islam. (Quelle: ullstein bild/Boness/IPON)Ayaan Hirsi Ali: Die Frauenrechtlerin fordert seit langer Zeit Reformen im Islam. (Quelle: Boness/IPON/ullstein bild)

Wie kommt es zu dieser Haltung?

Viele junge Männer aus muslimischen Ländern kennen europäische Frauen zunächst vor allem aus zwei Quellen: Hollywood- und Pornofilmen. Da werden Frauen als willige, untertänige Gespielinnen dargestellt. Wenn sie dann nach Deutschland kommen, treffen diese Männer auf Frauen, die sich offensichtlich nicht an die „Regeln“ für „gute“ Frauen halten und oft auch keinen sichtbaren männlichen Begleiter haben. Also haben sie den Eindruck, diese Frauen seien genauso „verfügbar“ wie in den Filmen. So kommt es zu sexuellen Gewalttaten. Die Ereignisse von Köln 2015 und auch die vielen Vergewaltigungsfälle, die ich in meinem Buch beschreibe, geschahen ja nicht von ungefähr. Die Mentalität vieler junger muslimischer Flüchtlinge gegenüber Frauen ist ein großes Problem für westeuropäische Staaten.

Können Sie diese These mit Zahlen belegen?

Nehmen wir Dänemark, dort verzeichnet die nationale Statistikbehörde bei Gerichtsurteilen, ob der Täter „nichtwestlicher“ Abstammung oder Herkunft ist. Ein hoher Anteil der Verurteilungen wegen Sexualdelikten, davon rund zwei Fünftel der Verurteilungen wegen Vergewaltigung, entfällt dabei auf „nichtwestliche“ Einwanderer und ihre Nachkommen. Dabei beträgt deren Bevölkerungsanteil in Dänemark nur 13 Prozent. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

Können bessere Integrationsprogramme helfen, das Problem zu lösen?

Für eine Integration der muslimischen Einwanderer ist es zu spät. Sie müssen sich an das Wertesystem der westlichen Länder assimilieren.

 

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Also eine Anpassung unter Aufgabe ihrer eigenen Kultur?

Wenn Sie als westlicher Mann mit Ihrer Frau nach Afghanistan oder in einen Staat im Nahen Osten umziehen, müssen Sie sich doch auch anpassen. Ihre Frau braucht dort einen männlichen Begleiter, wenn sie irgendwohin will. Menschen können sich anpassen – und das können und müssen auch muslimische Einwanderer in westeuropäischen Staaten tun.

Damit würden wir aber doch dieselben gesellschaftlichen Zwänge übernehmen wie in restriktiven Gesellschaften. Unser Wertesystem in Europa basiert auf Toleranz: Hier darf jeder seinen Lebenswandel selbst bestimmen.

Das ist genau das Problem! Die Toleranz geht zu weit. Sie lässt zu, dass einzelne Männer das Recht von Frauen auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit verletzen. Je länger ihr dieses Problem in Deutschland ignoriert, desto größer wird es. Viele der jungen Männer sind voller Energie, aber arbeitslos. Sie haben hier oft keine familiäre Anbindung. Irgendjemand muss ihnen aber deutlich machen, dass in ihrer neuen Heimat Regeln und Werte gelten. Und dass sie nicht ihre eigenen Gesetze machen oder die ihrer Herkunftsländer mitbringen können.

Wie genau sollte die Assimilation Ihrer Meinung nach denn aussehen?

In verpflichtenden Kursen sollte nicht nur die Landessprache vermittelt werden, sondern auch die Werte des jeweiligen Landes. Insbesondere in Bezug auf die Rechte der Frauen. Jeder, der hierherkommt, muss wissen: Wer Frauen oder Homosexuellen gegenüber gewalttätig wird, wird bestraft. Und auch Anfeindung muss konsequent geahndet werden, sonst macht sich der Staat lächerlich.

Und was sollte nach Ihrer Ansicht mit Zugewanderten geschehen, die diese Regeln verletzen?

Wer sich wiederholt nicht an die Regeln hält, muss gehen. So hart es auch klingt. Ich sage nicht, dass jeder Einwanderer die Verfassung komplett kennen sollte. Es muss aber jeder wissen, was er tun darf und was nicht. Die Sache verhält sich doch so: Diese Menschen kommen aus eigenem Entschluss hierher. Sie wollen in Deutschland oder einem anderen europäischen Land leben und sich eine Zukunft aufbauen. Die Aufgabe der Deutschen besteht darin, den Einwanderern ihre kulturellen Werte zu vermitteln. Und die Aufgabe der Einwanderer ist es, diese Werte zu achten.

Angela Merkel: 2015 besuchte die Bundeskanzlerin eine Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. (Quelle: imago images/Metodi Popow)Angela Merkel: 2015 besuchte die Bundeskanzlerin eine Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. (Quelle: Metodi Popow/imago images)

Werte sind das eine, Regeln das andere. Sollte Deutschland Ihrer Ansicht nach auch Gesetze verschärfen?

Unbedingt. Wie in vielen europäischen Ländern ist auch in Deutschland das Strafjustizsystem nicht für eine Massenimmigration ausgelegt, wie sie 2015 in Deutschland stattgefunden hat. Ich beschreibe in meinem Buch verschiedene sexuelle Straftaten an Frauen, die von muslimischen Einwanderern begangen worden sind: nicht nur Morde, auch Vergewaltigungen und Verletzungen. Wenn junge Männer dafür vergleichsweise milde Strafen bekommen, etwa nur drei oder fünf Jahre Gefängnis, sehen sie das nicht als richtige Strafe an. Denn in ihren Herkunftsländern sind häufig viel härtere Bestrafungen üblich.

Sie verlangen aber doch nicht ernsthaft, dass Deutschland das Strafjustizsystem autokratischer Staaten übernehmen soll?

Natürlich nicht, aber harte Verbrechen müssen hart bestraft werden. Und ein Gefängnisaufenthalt muss immer eine Strafe sein. Ich habe den Eindruck, dass viele inhaftierte junge Männer das nicht so empfinden.

Warum wurde es in Deutschland so lange vermieden, über die Probleme der Einwanderung offen zu diskutieren?

Es ist fast überall in Westeuropa dasselbe: Lange Zeit wollte die Politik die Probleme nicht wahrhaben, man glaubte, die Leute würden sich schon irgendwie integrieren. Das ist im Kern die Aussage von Angela Merkels Satz „Wir schaffen das!“. Aber Appelle reichen eben nicht, zumal, wenn sie sich nur an die Mehrheitsgesellschaft richten. Wenn manche Zugewanderte sich einer Integration verweigern, muss die Politik schnell und konsequent handeln. Zum Glück hat die Debatte in Deutschland ja nun begonnen, leider eher unfreiwillig durch den Aufstieg der AfD. Man darf das Thema aber nicht Populisten und Extremisten überlassen. Die anderen Parteien müssen sich schnell intensiver mit dem Thema befassen, sonst kommt es nach der Corona-Pandemie mit aller Macht zurück.

Könnte es sein, dass wir in Deutschland unsere Werte den Einwanderern nicht gut genug vermitteln können, weil wir sie selbst gar nicht mehr richtig kennen?

Ich habe den Eindruck, ihr Deutsche kennt eure Werte sehr gut. Aber ihr seid sehr zurückhaltend, sie anderen nahezubringen. Frage ich Deutsche, worin ihre kulturellen Werte bestehen, höre ich oft: Bier und Würstchen. Ihr solltet ruhig etwas selbstbewusster sein. Bekennt euch offensiv zu eurer Freiheit, eurem Rechtsstaat, der Gleichberechtigung von Mann und Frau!

Spielt die nationalsozialistische Vergangenheit eine Rolle, warum Deutsche ihre Werte so wenig betonen?

Das ist ein Grund. In anderen Ländern ist es der Kolonialismus, in den USA vor allem die Sklaverei. Aber der Westen hat trotz all dieser Verbrechen Grund, stolz auf sich zu sein: Demokratie und Rechtsstaat, Liberalismus und Gleichberechtigung sind bahnbrechende Errungenschaften, von vielen wissenschaftlichen Durchbrüchen ganz zu schweigen. Wir dürfen nicht immer nur auf die Dinge schauen, die ohne Zweifel schlecht waren. Für die Staaten Afrikas und des Nahen Ostens wäre es ein Segen, würden dort die westlichen Werte wie Toleranz und Rechtsstaat uneingeschränkt gelten. In Europa macht man sich oft keine Vorstellung davon, wie wenig wert ein Leben in vielen anderen Ländern ist.

Gerade wegen dieser fehlenden Freiheit kommen ja viele Menschen nach Europa.

Richtig, auch bei mir selbst war es damals so. Deshalb verstehe ich nicht, warum die Europäer nicht viel stärker für ihre Werte eintreten. Dadurch könnte sich das Leben von so vielen Menschen verbessern, vor allem von Frauen. Europa kann dabei helfen, muslimische Frauen zu emanzipieren. Viele Einwanderer halten ja Kontakt zu ihren Herkunftsländern. So können sie die in Europa erlernten Werte in die muslimische Welt tragen. Das ist hundertmal produktiver als der „Demokratieexport“ durch Appelle oder gar Feldzüge wie in Afghanistan oder damals im Irak.

Was muss konkret geschehen, damit alle muslimischen Frauen in Europa selbst über ihr Leben bestimmen können?

Das Erste und Wichtigste ist Bildung. Die Schulpflicht muss für Jungen und Mädchen gleichermaßen gelten. Wer Mädchen vom Unterricht abhält, muss konsequent bestraft werden. Zweitens sollten alle muslimischen Kinder an einem Sexualkundeunterricht teilnehmen. Ohne Ausnahme. Mädchen müssen wissen, dass sie allein über ihren Körper bestimmen, nicht ihre künftigen Ehemänner. Drittens müssen Zwangsehen, von denen es auch in Europa immer noch viele gibt, unterbunden werden.

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Wie lang wird es dauern, bis alle muslimischen Zuwanderer integriert sind?

Das wird ein langer Weg.

Frau Hirsi Ali, vielen Dank für das Gespräch.

 

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Verwendete Quellen:

  • Gespräch via Zoom mit Ayaan Hirsi Ali
 
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20 April 2021 0 Kommentare
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Erdoğan über die Rolle der UID: „Ein heiliger Kampf“

von Fremdeninfo 19 April 2021
von Fremdeninfo

Erdoğan über die Rolle der UID: „Ein heiliger Kampf“

Von

dtj-online

–Als Scripted Reality bezeichnet man im TV-Sektor eine Pseudo-Doku, in der reale Ereignisse durch vorgefertigte Texte und Szenarien vorgetäuscht werden. Was in vermeintlich authentischen Passagen durch Laien vorgetragen wird, ist eigentlich das vorgefertigte Werk eines Regisseurs. Oftmals so gut umgesetzt, dass viele vermuten, darin die Realität zu sehen. Dabei ist es für den geschärften Blick möglich, den Fake zu erkennen. Was die AKP in Deutschland betreibt, ist ein ähnlich schleierhafter Prozess. Sie ist da, ohne selbst aufzutreten. Doch die fließenden Übergänge werden auch hin und wieder deutlich. Dafür braucht es den geschärften Blick.

Die AKP des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan will in Europa seit Jahren erfolgreich sein. Dabei ist nicht die Rede vom Beitrittsprozess der Türkei in die Europäische Union. Vielmehr geht es um die türkische Diaspora, die dem türkischen Staatspräsidenten bei Wahlen das ein oder andere Mal neues Leben eingehaucht hat. Welches Potential die Türken in Europa haben, hat vor Erdoğan kaum ein türkischer Politiker erkannt.

Nach wie vor bemühen sich nur Jünger des türkischen Präsidenten um Wählerstimmen in Deutschland, fahren Menschen mit Bussen in der privaten Freizeit an die Urnen, besuchen sie zuhause und berühren die Community an den Nervenenden. Die Kemalisten etwa treffen sich maximal in maroden Herrencafés und Teestuben unter Gleichgesinnten und träumen davon, die Ideale des Staatsgründers Mustafa Kemal eines Tages zu realisieren. Doch dieser Zug scheint in der Türkei mehr und mehr abgefahren zu sein.

AKP ist mit der UID in Deutschland institutionalisiert

Erdoğan und seine permanent wechselnden Kabinettsmitglieder kommen oft und gerne nach Deutschland. Über den einen oder anderen gibt es Gerüchte, dass sie sich von deutsch-türkischen Unternehmern eine Villa im Bergischen Land (NRW) haben schenken lassen. Andere haben über die Jahre eine Infrastruktur etabliert, die sie aus der Ferne steuern können. Dank treuer Gefolgsleute, die für wirtschaftliche Vorteile in der Türkei hierzulande Dinge für türkische Politiker erledigen.

Doch eine AKP-Präsenz in Deutschland gibt es nicht direkt. Für diesen Zweck wurde einst die Union Europäisch-Türkischer Demokraten e.V. gegründet. Der eingetragene deutsche Verein ist heute in Union Internationaler Demokraten umbenannt. In der Umbruchphase schieden zahlreiche Mitglieder der ersten UETD-Generation aus. Der ehemalige Vorsitzende Zafer Sırakaya stieg als einziger politisch auf und wurde mit den Wahlen am 24. Juni 2018 Abgeordneter der AKP im türkischen Parlament.

„AKP“-Dependence in Köln?

Die UID residiert in einer Villa, umzäunt und abgeschirmt. Unweit vom Flughafen Köln-Bonn gelegen, ist es auch eine gute Location für diplomatische Fahrten auf das Gelände des Airports. Unauffällig und schnell. Doch als der deutsche Ableger der AKP will die UID nicht wahrgenommen werden, auch wenn die Verbindungen nicht von der Hand zu weisen sind. Zu oft ist in der Vergangenheit klar geworden, dass die AKP in Deutschland von der UID vertreten wird.

Auch die jüngste Motivationsrede des türkischen Präsidenten gegenüber Mitgliedern der UID macht diesen Umstand wieder deutlich. Die UID solle die wachsende Erdoğan- und Islamfeindlichkeit in Europa bekämpfen. Vor allem die UID betrachte man „als das wichtigste Mittel für diesen heiligen und schwierigen Kampf“, so Erdoğan. Der Präsident machte auch klar, was er als Zielsetzung von der UID erwartet: „Es geht darum, in den Ländern, in denen Ihr Euch befindet, den Geist der Solidarität gut zu begreifen und Eure Rechte dort zu erlangen, diese Rechte auf höchstem Level zu verteidigen.“

UID vom Verfassungsschutz beobachtet

Nun hat die UID einen ziemlich frischen Vorstand. Es fällt auf, dass seit den Wahlen am 15. Februar alte Gesichter wieder an Bord sind. Der Solinger Rechtsanwalt Fatih Zingal etwa, der mit dem Kongress in Bosnien im Mai 2018, bei dem die UETD in UID getauft wurde, aus dem Verein ausschied, ist als Pressesprecher wiedergewählt worden. Auch ehemalige UETD-Eiferer wie Adem Taflan sind wieder dabei und natürlich zahlreiche neue Gesichter.

Besonders auffällig ist die Wahl des neuen Vorsitzenden ausgefallen. Während alle auf Bülent Güven setzten, der auch zuvor eine wichtige Rolle bei der UID inne hatte, wurde Köksal Kuş neuer Vorsitzender. Verwunderlich, weil die seit 2017 durch den Bundesverfassungsschutz beobachtete UID bzw. UETD sich damit wohl keinen Gefallen getan hat. Doch vielleicht sollte man diese Besetzung als ein Zeichen für den zunehmenden Einfluss des AKP-Koalitionspartners MHP werten. Denn Kuş war einige Jahre aktives Mitglied der Grauen Wölfe bzw. der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.“. Ebenfalls eine Organisation, die durch den Verfassungsschutz einiger Bundesländer beobachtet wird.

Zudem macht Kuş keinen Hehl daraus, dass er einige Ikonen der türkisch-nationalistischen Szene verehrt. So schrieb er zum Beispiel im April 2018 via Facebook lobende Worte über Alparslan Türkeş, den Gründer der türkisch-nationalistischen Partei MHP. Auch wundert vor diesem Hintergrund wenig, dass die UID plötzlich mit der eigenen Corporate Identity an den Todestag Türkeş‘ erinnert.

Erdoğan über die Rolle der UID im Wortlaut

„Wir zweifeln nie daran, dass Türken und Muslime im Europa von morgen einen deutlich sichtbareren Platz einnehmen werden, so wie sie es verdienen. So wie diese Situation uns Hoffnung schenkt, ist es für die Anderen ein Albtraum. Der alarmierende Anstieg der Islam- und Fremdenfeindlichkeit ist nur eines von zahlreichen Merkmalen hierfür. Die in einigen europäischen Ländern, unter unterschiedlichen Bezeichnungen der Bevölkerung aufgezwungenen, Gott bewahre, neuen islamischen Modelle sind eine Reflexion dieser kranken Einstellung. Die Islamfeindlichkeit ist zu einem der wichtigsten Instrumente geworden, die westliche Politiker missbrauchen, um ihre Fehler zu vertuschen und ihre eigene Schwäche zu verbergen. Die Mainstream-Medien, Akademiker, Schriftsteller, Minister und Politiker auf Ebene von Ministerpräsidenten haben ebenfalls begonnen, sich dieser populistischen Methode hinzugeben, worauf einst lediglich marginalisierte Gruppen zurückgriffen. Politiker, die in der Außenpolitik versagen, im Inland in die Enge getrieben werden und sich auf persönliche Rivalitäten einlassen, versuchen ihre eigene Unzulänglichkeit zu tarnen, indem sie mich und die Muslime angreifen. Die seit mehreren Tagen andauernden hitzigen Debatten sind das jüngste Beispiel für diese Hysterie in den europäischen Medien und in der europäischen Politik. Wir betrachten die Union der Internationalen Demokraten (UID) als das wichtigste Mittel für diesen heiligen und schwierigen Kampf. Also eure Mission ist keine gewöhnliche Aufgabe. Sie ist äußerst bedeutsam und es geht darum, in den Ländern, in denen Ihr Euch befindet, den Geist der Solidarität gut zu begreifen und Eure Rechte dort zu erlangen diese Rechte auf höchstem Level zu verteidigen.

19 April 2021 0 Kommentare
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Staatsanwalt klagt „Schein-Einlader“ an

von Fremdeninfo 19 April 2021
von Fremdeninfo

Montag, 19. April 2021 Hannover

Staatsanwalt klagt
„Schein-Einlader“ an

45 Teilnehmer einer türkischen Delegation kamen im Herbst
nach Hannover – nur zwei kehrten zurück in ihre Heimat

Von Manuel Behrens

Wurden sie eingeschmuggelt? Auf einer Liste sind die 45 eingereisten Menschen aus der türkischen Provinz Malatya aufgeführt.Fotos: Gero Breloer/dpa, privat

Haben türkische Beamte gemeinsam mit einem hannoverschen Unternehmer Dutzende von Landsleuten illegal nach Deutschland eingeschleust? Korruption und Menschenschmuggel – diese Vorwürfe kursieren derzeit in den regierungskritischen Medien der Türkei. Ins Scheinwerferlicht ist dabei auch ein Unternehmer aus Hannover geraten. Der 39-jährige K. soll im September vergangenen Jahres 45 Rathausmitarbeiter und andere Personen aus der Provinz Malatya in Ostanatolien nach Hannover eingeladen haben – doch 43 von ihnen kehrten nicht mehr in die Türkei zurück. Nun hat die Staatsanwaltschaft Hannover Anklage gegen K. erhoben. „Ihm wird vorgeworfen, gegen das Aufenthaltsgesetz verstoßen zu haben“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Als sogenannter Schein-Einlader soll er im Namen seiner Firma bei der Einreise geholfen haben.

In Hannover sollte die Delegation in K.s Unternehmen an einem zehntägigen Umwelt- und Fortbildungsprojekt teilnehmen. Um visafrei nach Deutschland einreisen zu können, sollen ihnen für die Reise spezielle „Graue Pässe“ für jeweils mehrere Tausend Euro ausgestellt worden sein – so berichten es türkische Medien. Für die ausgestellten Pässe sollen die Delegationsmitglieder umgerechnet jeweils 5000 bis 8000 Euro bezahlt haben. Der HAZ liegt die Einladung von K.s Unternehmen an die Verwaltung von Malatya vor, wie auch die Liste der 45 eingereisten Personen.

43 Menschen untergetaucht

Ob das Umweltprojekt jemals stattgefunden hat, ist unklar. Aber: Nach türkischen Medienberichten kehrten nur zwei Teilnehmer in die Türkei zurück. Ziel der 43 großteils jungen Menschen: Sie sollen nach ihrer Ankunft in Deutschland untergetaucht sein und später Asyl beantragt haben, um sich hier ein neues Leben aufzubauen.

Der Vorgang in Hannover ist kein Einzelfall. Stattdessen wird in der Türkei heftig darüber diskutiert, ob die regierende AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan gezielten Menschenhandel betreibt und mit den Zahlungen für die „Grauen Pässe“ Geld verdient. Auch die Provinz Malatya wird von der AKP regiert. Wie türkische Medien berichten, stehen die verschwundenen Menschen der Partei nahe. Kurios ist daher, dass sie sich als politische Oppositionelle, etwa Kurden oder Anhänger der Gülen-Bewegung, ausgegeben haben sollen, um als politisch Verfolgte Asyl zu beantragen.

  1. war für ein Statement nicht zu erreichen. Auf einer der AKP verbundenen Nachrichtenseite weist er die Vorwürfe gegen ihn zurück. Auf K. sind mehrere Betriebe in Hannover angemeldet, allerdings handelt es sich dabei allem Anschein nach um Fake-Adressen.

Auch die türkische Botschaft in Berlin hat sich bisher nicht auf eine Anfrage zu dem Vorfall geäußert.

Was weiß die Bundesregierung?

Aufgeflogen war der Skandal um die verschwundenen türkischen Staatsbürger nach einer Anfrage der sozialdemokratischen Oppositionspartei CHP, die sich nach deren Verbleib erkundigt hatte. Dass sich Menschen durch den Erwerb der „Grauen Pässe“ nach Deutschland einkaufen, ist nicht unbekannt – und wird demnächst sogar Thema im Bundestag. Die Linken-Abgeordnete Gökay Akbulut will den Schmuggel- und Korruptionsskandal in der nächsten Fragerunde einbringen. So soll es um die Frage gehen, ob die Bundesregierung Kenntnis vom Geschäft mit den Pässen und den vermeintlichen Umweltprojekten hat.

Gegenüber der HAZ sagte die Abgeordnete Akbulut: „Etwa 1000 Menschen sollen türkischen Medienberichten zufolge gegen Zahlung von hohen vierstelligen Beträgen aus der Türkei nach Deutschland gebracht worden sein. Im Zentrum dieses europaweiten kriminellen Netzwerks sollen mehrere Bürgermeister der AKP sein.“ Die Pässe sollen den Einreisenden nach der Ankunft wieder abgenommen worden sein. Akbulut fordert die Aufklärung des Schmuggelskandals: „Die Bundesregierung muss klar und deutlich diese organisierte Kriminalität der AKP-Politiker untersuchen und aufs Schärfste verurteilen. Leider hat die Bundesregierung sich bisher vieles von Erdogan gefallen gelassen.“

Bei der Stadt Hannover ist der Besuch der vermeintlichen Verwaltungsdelegation nicht bekannt. Wohl aber gab es Kontakt zum Unternehmen von K. „Die Landeshauptstadt Hannover erhielt im Januar 2020 eine Anfrage zum Empfang des Bürgermeisters des Landkreises Yesilyurt (Provinz Malatya) für Februar 2020“, antwortet die Verwaltung auf Anfrage. „Aus terminlichen Gründen kam es jedoch nicht zu einem Treffen und damit auch nicht zu einem Austausch mit einer Delegation aus Malatya.“

Auch der Hamburger Anwalt Mahmut Erdem beschäftigt sich mit der verschwundenen Delegation. Nach seinen Informationen aus der Türkei werde der Skandal klein gehalten. „Dort wird nicht ermittelt. Es gibt nur eine Voruntersuchung des Gouverneurs gegen den Gemeinderat und die verschwundenen Verwaltungsmitarbeiter.“ Doch wo sind die Menschen jetzt, die sich im September nach ihrer Ankunft in Deutschland verteilt haben sollen? Laut türkischen Medien befinden sich einige in Bremen und Hamburg.

Eine Anfrage nach ihrem Verbleib beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge blieb bisher unbeantwortet.

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Rassismus

Extra-Kontrolle wegen Hautfarbe oder Kopftuch: EuGH sieht Diskriminierung

von Fremdeninfo 19 April 2021
von Fremdeninfo

 

Extra-Kontrolle wegen Hautfarbe oder Kopftuch: EuGH sieht Diskriminierung

Von

dtj-online

–

19. April 2021

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Symbolfoto: Im konkreten Fall geht es um einen aus Chile stammenden Mann, der in Schweden lebt. Er war 2015 bei einem Inlandsflug der schwedischen Airline Braathens einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle unterzogen worden. Als Grund nimmt er an, man habe ihn für einen arabischen Muslim gehalten. Foto: -/Eurokinissi via ZUMA Wire/dpa

Der Europäische Gerichtshof hat die Rechte von Menschen gestärkt, die sich wegen ihrer Hautfarbe oder ethnischer Zugehörigkeit diskriminiert fühlen.

Zu einem Fall aus Schweden stellten die obersten EU-Richter am Donnerstag klar, dass die Betroffenen das Recht haben, eine mögliche Diskriminierung gerichtlich prüfen zu lassen.

Im konkreten Fall geht es um einen aus Chile stammenden Mann, der in Schweden lebt. Er war 2015 bei einem Inlandsflug der schwedischen Airline Braathens einer zusätzlichen Sicherheitskontrolle unterzogen worden. Als Grund nimmt er an, man habe ihn für einen arabischen Muslim gehalten. Er verklagte die Fluglinie wegen Diskriminierung auf umgerechnet etwa 1000 Euro Schadenersatz. Das Unternehmen bestritt die Diskriminierung, erklärte sich aber zur Zahlung bereit, um „guten Willen“ zu zeigen und ein langes Verfahren zu vermeiden.

Schwedische Regel nicht zulässig

Das zuständige schwedische Gericht erster Instanz verurteilte die Fluglinie daraufhin zur Zahlung, wies aber Anträge zur Feststellung einer Diskriminierung ab. Die Richter beriefen sich auf schwedisches Verfahrensrecht: Nach der Anerkenntnis der Zahlung durch die Fluggesellschaft sei das Gericht verpflichtet, den Rechtsstreit ohne Prüfung der etwaigen Diskriminierung zu entscheiden. Der EuGH entschied nun, eine solche nationale Klausel verstoße gegen EU-Recht.

Zweck der Anti-Diskriminierungs-Richtlinie der EU sei die Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung. Dafür bräuchten Opfer einer Diskriminierung wirksamen gerichtlichen Schutz. Nicht zulässig sei deshalb eine nationale Regel, die eine Prüfung der etwaigen Diskriminierung verhindere. Die Zahlung eines Geldbetrags reiche nicht aus, um den gerichtlichen Rechtsschutz zu gewährleisten.

dpa/dtj

19 April 2021 0 Kommentare
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Archive

Ungleiche Partner: Deutsch-Türke kooperiert mit Rechtspopulisten

von Fremdeninfo 16 April 2021
von Fremdeninfo

Ungleiche Partner: Deutsch-Türke kooperiert mit Rechtspopulisten

Von

Stefan Kreitewolf

–

14. April 2021

 

 
Der BIG-Parteichef Haluk Yıldız geht in Frankfurt eine überraschende Koalition ein. Foto: wikimedia commons

Die Einen verstehen sich als Schutzmacht gegen „rechtspopulistische Islamophobie“, die Anderen fordern einen Asylstopp und eifern der AfD nach. Gemeinsam bilden sie nun eine Fraktion. Was steckt hinter der Kooperation von BFF und BIG-Partei in Frankfurt?

Allein sind sie zu klein, aber gemeinsam bilden sie eine Fraktion im Frankfurter Rathaus. Die Rede ist von den rechtspopulistischen „Bürgern für Frankfurt“ (BFF) und der Migranten-Partei „Bündnis Innovation und Gerechtigkeit“ (kurz: BIG). Die beiden Kleinparteien bündeln ihre Kräfte, um mehr Einfluss zu haben.

Mit nur zwei Mandaten hatte die BFF nach der Kommunalwahl Mitte März ihren Fraktionsstatus verloren. Um eine Fraktion bilden zu können, sind in Frankfurt am Main mindestens drei Mandate nötig. Das nötige dritte Mandat kommt nun von überraschender Seite: Haluk Yıldız, seines Zeichens Gründer und Vorsitzender der BIG-Partei, bot seine Hilfe an, berichtet die „Hessenschau“.

Ungleiche Partner in verlockendem Szenario

Der Unternehmensberater, der in der Vergangenheit in deutschen Talkshows wiederholt Position für den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezogen hatte, war erstmals in den Stadtrat gewählt worden. Gemeinsam bekommen die ungleichen Partner bis zu 200.000 Euro pro Jahr und ein eigenes Büro im Frankfurter Rathaus. Ein verlockendes Szenario, das offenbar gegenseitige Zugeständnisse ermöglichte.

Denn unterschiedlicher könnten die politischen Heimaten der beiden Parteien nicht sein. Die BIG-Mitglieder verstehen sich als Kämpfer gegen „rechtspopulistische Islamophobie“. Bekannt wurden sie mit ihrem vehementem Einsatz für das Recht muslimischer Frauen auf Kopfbedeckung – auch im öffentlichen Dienst.

Indes eifert die BFF der AfD nach. Mathias Mund, BFF-Vorsitzender, forderte jüngst einen Asylstopp. Auch Islamophobie zählt eigentlich zu seinem Repertoire. Mit seinen Parteikumpanen bekämpfte er zum Beispiel die Ausstellung „Contemporary Muslim Fashion“ im Museum Angewandte Kunst oder die Förderung muslimischer Vereine.

Gemeinsame Kritik an „frühkindlicher Übersexualisierung“

Die großen Unterschiede sollen überbrückt werden. So äußerten sich jedenfalls Mund und Yıldız bei der Präsentation ihrer Fraktion in der vergangenen Woche. Gemeinsam wollen sie als Christen und Muslime für „Familienwerte“ einstehen. Gemeinsam kritisierten sie eine „frühkindliche Übersexualisierung“ in der Gesellschaft.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Bündnis entwickelt. Schließlich waren beide Parteien jahrelang gegenseitige Feindbilder. Die Fraktionsbildung scheint aktuell hauptsächlich finanziellen Überlegungen geschuldet zu sein. Ob konstruktive Politik so funktionieren kann, werden die kommenden fünf Jahre im Frankfurter Rathaus zeigen.

 

16 April 2021 0 Kommentare
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Frauen

Per Bikini zum Islam- und Integrationsexperten

von Fremdeninfo 15 April 2021
von Fremdeninfo

Per Bikini zum Islam- und Integrationsexperten

Von

Emre Yavuz

–


 
 

Mit meiner Kritik daran, dass muslimische Frauen in unseren Medien erst dann als vollwertige Mitglieder unserer liberalen Gesellschaft dargestellt werden, wenn sie sich öffentlich im Bikini zeigen oder auf eine andere Art und Weise ihre persönliche Ablehnung der Traditionen und Bräuche ihrer Eltern quasi zur Profession machen, scheine ich vielen Leuten aus der Seele gesprochen zu haben.

Übrigens galt meine Kritik gar nicht mal so sehr dem Schönheitswettbewerb „Miss Turkuaz“. Es gibt viele derartige Schönheitswettbewerbe auf der Welt und dieser ist halt einer davon. Ich interessiere mich ziemlich wenig für sie, bin der Einladung zur Veranstaltung in der Vergangenheit nicht gefolgt und würde derartigen Einladungen auch zukünftig nicht folgen. An dieser Meinung ändert auch die Tatsache nichts, dass die diesjährige Preisträgerin nicht nur aus dem Dorf meiner Eltern stammt, sondern auch mit mir verwandt ist. Ich kenne sie persönlich nicht, bin mir aber auf Grundlage der Erzählungen meiner Familienmitglieder ziemlich sicher, dass sie eine wunderbare junge Dame ist und diese Auszeichnung verdient. Ich bin glücklich für sie, dass die Jury sie für die beste Kandidatin gehalten hat.

Aber deswegen muss ich diese Wettbewerbe nicht mögen. Ich muss sie auch nicht hassen. Ich kann damit leben, dass es sie gibt, weil ich es an Deutschland und Europa zu schätzen weiß, dass auch andere Leute damit leben können, was ich selbst so alles außerhalb des allgemeinen Mainstream-Spektrums tue und lasse.

Und genau darum geht es hier.

Eine liberale Gesellschaft definiert sich weder über die plumpe Freiheit nackter Haut, noch über die seltsame Freiheit, traditionell lebende Menschen auf ekelhafte Art und Weise zu verspotten.

Eine liberale Gesellschaft definiert sich über die Freiheit des Geistes.

Und die Aufgabe der Medien ist es weniger, durch tendenziöse Berichterstattung eine bestimmte Meinungsbildung zu forcieren, dafür aber umso mehr, die Realitäten unserer Gesellschaft möglichst objektiv darzustellen. Diese lächerliche Instrumentalisierung einer 19-jährigen muslimischen Schönheitskönigin im Fernsehen, die mich heute Morgen wirklich sehr irritierte, war aber einfach nur noch abartig.

Ein Deutschland, in dem Menschen aus anderen Kulturen erst dann als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden, wenn sie eine gewisse Abneigung gegenüber ihrer Herkunftskultur demonstrieren bzw. ohne es überhaupt zu wollen diesen Eindruck erwecken, ist nicht mein Deutschland.

Ein solches Deutschland gibt es auch gar nicht. Es mag in einigen abgeschotteten Regionen dieses Landes normal sein, Andersartigkeit mit Spott und Abneigung zu begegnen, jedoch weiß ich wirklich nicht, was daran so toll sein soll, dass Fernsehsender einen derartigen Umgang noch unterstützen. Und dieses Problem ist mittlerweile nun wirklich weit über die Bildzeitung hinaus gewachsen.

Deutschland ist ganz anders. Deutschland ist bunt. Deutschland ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Deutschland hat schon längst begriffen, dass Vielfalt unsere Stärke ist. Deutschland wird erfolgreicher, wenn es seine eigenen Potentiale weckt und fördert.

Unsere kulturelle Vielfalt ist unser gesellschaftliches Kapital. Punkt.

Wohin uns die Engstirnigkeit einiger Leute bringen soll, versteh ich nicht. Wenn Menschen, die meinen, Frauen vorschreiben zu müssen, was sie auf dem Kopf zu tragen haben, die Liberalität angreifen (und ja, das tun sie!), warum werden andere Menschen dann, wenn sie Frauen vorschreiben, was sie NICHT zu tragen haben, plötzlich zu Superhelden der Freiheit?

Liberalität geht anders.

Liberalität ist geprägt von gegenseitiger Anerkennung und bedingungslosem Respekt. Man muss niemanden lieben, um ihn oder sie zu respektieren, aber wenn man jemanden respektiert, dann macht man diese Person oder ihren Lebensstil nicht zum öffentlichen Gespött.

Dann liebt man schlicht und einfach diese Gesellschaft dafür, dass sie jeder Kultur, die die Freiheiten anderer Kulturen respektiert, ein gleichwertiges Existenzrecht zuschreibt.

Hier geht es übrigens zum Beitrag, der mich dazu verleitet hat, diese Zeilen zu schreiben.

 

15 April 2021 0 Kommentare
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Salafismus

Acht IS-Mitglieder bekommen türkischen Pass

von Fremdeninfo 13 April 2021
von Fremdeninfo

Acht IS-Mitglieder bekommen türkischen Pass

Von

Stefan Kreitewolf

–

11. April 2021

Die Türkei hat acht Mitgliedern des sogenannten Islamischen Staates (IS) die türkische Staatsbürgerschaft gewährt, berichten Medien. Das Land setzt damit seine fragwürdige Politik gegenüber der Terrorgruppe fort. 

Acht Mitglieder des selbsternannten Islamischen Staates (IS) sind seit dieser Woche türkische Staatsbürger. Die Türkei habe ihnen Pässe des Landes ausgehändigt, berichtete die Nachrichtenseite Ankara Gazetesi. Zuvor hatte die türkische Justiz die Vermögen der Männer wegen Terrorverbindungen beschlagnahmt.

Insgesamt hatten das Innen- sowie das Finanzministerium Vermögenswerte von 86 Personen wegen Mitgliedschaft in der dschihadistischen Organisation eingefroren. Doch die Aktion war größer angelegt, wie nun bekannt wurde. Neben mutmaßlichen Mitgliedern des IS richtete sich die Finanzsperre auch gegen weitere knapp 300 Menschen und Körperschaften aufgrund von Verbindungen zu Organisationen, die von der Türkei als Terroristen eingestuft werden. Dazu zählten auch Anhänger von Fethullah Gülen.

Türkei regionaler IS-Transitknotenpunkt

Die den IS-Mitgliedern gewährte Staatsbürgerschaft wirft indes Fragen auf. Gilt doch die Türkei seit Aufkommen der Organisation 2011 in der Region als regionaler Transitknotenpunkt für Mitglieder der Gruppe. Über das Land verliefen mehrere Hauptrouten für ausländische Kämpfer, die sich dem IS auf dem Höhepunkt des selbsterklärten Kalifats anschlossen.

Zwar bemüht sich Ankara in den vergangenen Monaten verstärkt darum, den Schmuggel von Kämpfern und Waffen des IS zu unterbinden. In der syrischen Provinz Afrin arbeitet sie aber ganz offen mit Dschihadisten-Gruppen zusammen, die mit dem IS koalieren.

IS-Terror in der Türkei

Kritiker und Oppositionelle bemängeln weiterhin einen unvorsichtigen Umgang Ankaras mit IS-Terroristen. Sie sehen dadurch die Sicherheit türkischer Staatsbürger in Gefahr. In trauriger Erinnerung bleiben vor allem die blutigen Terror-Anschläge des IS in der Türkei.

2015 sprengten sich mehrere Anhängern des IS in Suruç an der syrischen Grenze in die Luft und töteten dabei 34 junge Menschen. Wenig später, im Oktober 2015 folgte der bislang schwerste Terroranschlag der türkischen Geschichte: Vor dem Hauptbahnhof in Ankara wurden 100 Menschen getötet, ermordet von IS-Selbstmordattentätern.

Zwar befindet sich der IS seit dem Tod des Anführers Abu Bakr al-Bagdadis in der Defensive. Dennoch geht von der Gruppe weiterhin Gefahr aus. Warum die türkische Regierung nun Staatsbürgerschaften an acht IS-Kämpfer vergab, bleibt ihr Geheimnis.

13 April 2021 0 Kommentare
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Archive

„Mafia, komm raus!“ in der Türkei: Spuren führen bis nach Deutschland

von Fremdeninfo 11 April 2021
von Fremdeninfo

„Mafia, komm raus!“ in der Türkei: Spuren führen bis nach Deutschland

Von

dtj-online

Mafia, manchmal auch Palermo genannt, ist ein geselliges Ratespiel. Das Spiel funktioniert am besten, wenn es mehrere Mitspieler und einen Leiter gibt. In der Türkei sind nun vier große Player an den Tisch zurückgekehrt, teilweise direkt aus der Haft. Die Rede ist von Alaattin Çakıcı, Mehmet Ağar, Engin Alan und Korkut Eken. Doch wer ist der Leiter in diesem Spiel?

Mafia gibt es überall. Egal wo sie sind, geht es um Drogen, Schwarzgeld, Prostitution sowie Mord und Totschlag. In mediterranen Regionen dieser Welt ist die Mafia zudem noch „patriotisch“, etwa in Italien oder in der Türkei. Natürlich geht es hierbei um eine selbstdefinierte und höchst fragwürdige Art des Patriotismus. Dazu zählen „Attentate für den Staat“, wie beispielsweise jenes auf Papst Johannes Paul II. Den Mordanschlag auf das Oberhaupt der katholischen Christen verübte Mehmet Ali Ağca am 13. Mai 1981. Drei Kugeln trafen den Papst und verletzten ihn schwer.

Der türkische Rechtsextremist hatte bereits drei Jahre zuvor den Journalisten Abdi Ipekçi ermordet. Seine Verbindungen zur Mafia sind mittlerweile bekannt. 2020 sprach Ağca über den mittlerweile wohl in Ungnade gefallenen und flüchtigen Mafia-Boss Sedat Peker. „Alle Wege haben sie versperrt. Nur dem Möchtegern-Mafiosi voller Botox haben sie den Weg geebnet“, spielte Ağca auf die damaligen politischen Verbindungen Pekers an. Während der Papst-Attentäter Peker ablehnt, ist er ein bekennender Fan von Alaattin Çakıcı.

Çakıcı ein schweres Kaliber

Der 68-Jährige Çakıcı gilt als der wahre Pate in der Türkei. Er wurde 1998 in Frankreich wegen zahlreicher Vergehen verurteilt. 2006 erhielt er wegen Anstiftung zum Mord an seiner Ex-Frau lebenslängliche Haft. Das Strafmaß wurde später auf knapp 19 Jahre reduziert. Devlet Bahçeli, Vorsitzender der ultranationalistischen MHP, hatte bereits 2018 Çakıcıs Freilassung gefordert und diese mit dem Koalitionspartner AKP schließlich durchgesetzt.

Die Folgen dieser politischen Freilassung zeigten sich schnell. Ende vergangenen Jahres machte Çakıcı mit seinem handschriftlichen Drohbrief gegen CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu auf sich aufmerksam. Seither wächst der Einfluss von Çakıcı mehr und mehr. Zuletzt kam er mit Mehmet Ağar, Engin Alan und Korkut Eken in Bodrum zusammen. Ein Treffen von Schwergewichten der türkischen Unterwelt mit viel Aussagekraft. Warum sie sich getroffen haben, ist nicht bekannt.

Mafia mit besten Beziehungen zur Regierung

Dass Bahçeli und Çakıcı im Geiste verbrüdert sind, ist mittlerweile ein offenes Geheimnis. Doch auch andere Mitglieder der türkischen Regierung unterhalten mit Schwergewichten dieses Tisches in Bodrum beste Beziehungen. Yavuz Selim Kıran etwa, seines Zeichens stellvertretender Außenminister der Türkei.

Mehmet Ağar hatte Kıran gerade besucht, als Sedat Peker in Nordmazedonien von der örtlichen Polizei festgenommen wurde. Peker sollte in die Türkei abgeschoben werden. Seine Bemühungen, sich in das Drogengeschäft in Nordmazedonien einzuschleusen, wurden enttarnt. Doch Peker durfte auf eigenen Wunsch in den Kosovo ausreisen.

Kenner der Szene glauben, dass dieser Vorgang mit dem Besuch von Ağar bei Kıran zu tun hat. Die „Botox-Mafia“ habe diese sehr spezifische Botschaft verstanden, die laute: „Du hast keinen Platz mehr an unserem Tisch der Wölfe“. Diese Atmosphäre der Rehabilitation der türkischen Mafia wird im Guardian als ein starkes Signal für den Rückfall der Türkei in die Verhältnisse der 80er Jahre gewertet. Praktiken in der Türkei, die speziell im Zuge des Ausnahmezustands nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 zutage getreten sind, hatten bereits mehrfach diesen Anschein erweckt.

Die Unsichtbaren: Entführungen, Folter, Vergewaltigung

Die 80er Jahre der Türkei sind dunkel und blutig, gekennzeichnet durch Gewalt zwischen türkischen Rechtsextremisten und linken Gruppen aus dem kurdischen Spektrum. Damals hat sich der türkische Geheimdienst mit der Mafia zusammengetan, um politische Attentate durchzuführen. Dieser unheilige Bund wurde aufgedeckt, als ein Autounfall in Susurluk zum Tode eines Abgeordneten, des stellvertretenden Polizeichefs von Istanbul sowie dem Anführer der Grauen Wölfe führte.

Entführung und Folter von linken sowie pro-kurdischen Aktivist:innen gehörte ebenfalls zur gängigen Praxis. Die weißen „Toros-Vans“ wurden zum Sinnbild der Entführungen von Oppositionellen. Diese Praxis scheint derzeit eine Wiedergeburt zu erleben. Noch im Januar tauchte der tagelang vermisste Gökhan Güneş auf und gab an, entführt und gefoltert worden zu sein. Seine Peiniger hätten sich als „die Unsichtbaren“ zu erkennen gegeben. Doch wer steckt hinter diesem Schleier?

Mafia, Staat oder Mafia-Staat?

Unter den Gesichtspunkten, dass sich die türkische Mafia bereits in der Vergangenheit dazu berufen gefühlt hat, die „Drecksarbeit“ für skrupellose Regierungen zu übernehmen, liegt der Verdacht an einer Beteiligung besagter Mafiosi an den aktuellen Entführungen nahe. Doch angesichts der personellen Verstrickungen zwischen Regierungsmitgliedern und namhaften Mafia-Anführern richtet sich der Blick auch in Richtung türkischer Regierung.

Der Einfluss von Devlet Bahçeli scheint sich immer mehr bemerkbar zu machen. Die Folgen sind gravierend. Während die türkische Opposition ohnehin unter Druck steht, wie auch das jüngste Hafturteil gegen den HDP-Abgeordneten Ömer Faruk Gergerlioğlu vor Augen führt, wird die Drohkulisse durch Aktionen wie dem Drohbrief von Alaattin Çakıcı nur noch weiter ausgebaut. Gemessen an ihren Taten in der Vergangenheit und ihrer politischen sowie strukturellen Vernetzung ist die Bedrohung durchaus real. Çakıcı ist nicht nur für Mitglieder der Regierung, sondern auch für hochrangige Personen aus den Sicherheitskreisen eine echte Größe.

Junge Möchtegern-Mafia nach dem Vorbild der Großen

So genießen derzeit Personen wie Çakıcı einen Legendenstatus. Das sieht man am besten bei einem Blick auf die Social Media-Kanäle ihrer Neffen und jüngeren Verwandten. Sie sehen aus, als wären sie aus der türkische Kultserie „Tal der Wölfe“ entsprungen. Sie posieren auf Instagram in teuren Sportwagen, haben ihre ganz eigenen Handlanger und führen sich auf wie die Könige dieser Welt.

Neben Fotos und Videos über ihr protziges Leben in Prunk und Glamour tauchen immer wieder Fotos mit türkischen Ministern wie etwa Mevlüt Çavuşoğlu (Außenminister), Hulusi Akar (Ex-Generalstabschef und heutiger Verteidigungsminister) sowie Hakan Fidan (Geheimdienstchef) auf. Und dann gibt es diese Querverweise und Verlinkungen. Fotos mit den großen Legenden der Mafia, etwa Alaattin Çakıcı oder Mehmet Ağar. Bei einem näheren Blick auf diese Vernetzungen reichen diese fragwürdigen Verbindungen bis nach Deutschland, zu deutschen Unternehmern und auch Politikern.

 

 
11 April 2021 0 Kommentare
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