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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Antisemitismus

Antisemitismus in Deutschland: Besonders junge Juden denken über Auswanderung nach

von Fremdeninfo 29 Mai 2021
von Fremdeninfo

 

Antisemitismus in Deutschland: Besonders junge Juden denken über Auswanderung nach

Nach einer Vielzahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland spielen nach Angaben der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland vor allem jüngere Juden mit dem Gedanken, das Land zu verlassen.

© picture alliance / dpa Symbolbild

„Die ständigen antisemitischen Vorfälle beschäftigen vor allem jüngere Menschen, die eine Familie gründen oder sich eine Existenz aufbauen“, sagte Charlotte Knobloch dem „Münchner Merkur“ (Samstagsausgabe). „Sie stellen sich die Frage, ob sie weiterhin hier leben wollen.“ Sie überlegten, ob sie nach Israel auswandern sollten – „oder in irgendein anderes europäisches Land, in dem diese Dinge nicht so im Vordergrund stehen“, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) München und Oberbayern.

Antisemitismus sei nicht in Deutschland erfunden worden, sagte die 88 Jahre alte Holocaust-Überlebende. Es gebe ihn überall in Europa. „Er ist nie besiegt worden, das war klar. Aber ich habe nie geglaubt, dass Antisemitismus in dieser Form wieder auftritt und bei Demonstrationen der Hass gegen jüdische Menschen und den Staat Israel unter großem Beifall der Anwesenden hinausgeschrien wird.“ (dpa

29 Mai 2021 0 Kommentare
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Archive

Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

von Fremdeninfo 28 Mai 2021
von Fremdeninfo

Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an

Von / DPA

Berlin/Windhuk (dpa) – Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia erkennt die Bundesregierung die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an.

Die Nachkommen will Deutschland in den kommenden 30 Jahren mit 1,1 Milliarden Euro unterstützen und offiziell um Vergebung bitten. Darauf haben sich Regierungsdelegationen aus beiden Ländern nach fast sechs Jahren Verhandlungen verständigt, wie Außenminister Heiko Maas bekanntgab. «Ich bin froh und dankbar, dass es gelungen ist, mit Namibia eine Einigung über einen gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erzielen», sagte er.

Vernichtungskrieg mit Zehntausenden Toten

Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug Aufstände brutal nieder. Während des Herero-und-Nama-Kriegs von 1904 bis 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika begingen die Kolonialherren einen Massenmord, der als erster Genozid des 20. Jahrhunderts gilt. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet.

Bereits seit 2015 verwendet das Auswärtige Amt den Begriff des Völkermords in seinem allgemeinen Sprachgebrauch für den Vernichtungskrieg in Namibia. Jetzt werden die Gräueltaten auch ganz offiziell als Völkermord bezeichnet.

Anfang des 20. Jahrhunderts, zum Zeitpunkt der Gräueltaten gegen die Herero und Nama, gab es diesen juristischen Begriff noch gar nicht. Erst 1948 beschloss die UN-Generalversammlung als Konsequenz aus dem Holocaust die «Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes» und machte Völkermord damit zum Straftatbestand. Die Konvention gilt aber nicht rückwirkend, deswegen ergeben sich für Deutschland aus der Anerkennung des Völkermords auch keine rechtlichen Konsequenzen.

Eine Milliarde als «Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids»

Die Bundesregierung hat vor diesem Hintergrund auch immer wieder betont, dass es aus ihrer Sicht keinen Rechtsanspruch auf Entschädigung gibt. Dass sie nun trotzdem eine Summe von 1,1 Milliarden Euro locker macht, sieht sie als politisch-moralische Verpflichtung. Es sei eine «Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids, das den Opfern zugefügt wurde», sagte Maas. Das Geld soll über einen Zeitraum von 30 Jahren vor allem in Projekte in den Siedlungsgebieten der Herero und Nama gesteckt werden. Dabei soll es um Landreform, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen.

Bitte um Vergebung – aber kein Schlussstrich

Das dritte Kernelement der gemeinsamen politischen Erklärung, die in den nächsten Wochen noch feierlich unterzeichnet werden soll, ist die Bitte um Vergebung. Berichten zufolge soll sie durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem feierlichen Akt im Parlament von Namibia ausgesprochen werden. Offiziell angekündigt wurde das vom Bundespräsidialamt aber noch nicht.

«Unser Ziel war und ist, einen gemeinsamen Weg zu echter Versöhnung im Angedenken der Opfer zu finden», sagte Maas. Er betonte aber auch, dass die Vereinbarung mit Namibia keinen Schlussstrich unter die Vergangenheit bedeute. «Die Anerkennung der Schuld und unsere Bitte um Entschuldigung ist aber ein wichtiger Schritt, um die Verbrechen aufzuarbeiten und gemeinsam die Zukunft zu gestalten», betonte er. Ziel ist es, die Zusammenarbeit beider Länder nun deutlich zu intensivieren.

Nicht alle sind zufrieden

Die Verhandlungen wurden von Beauftragten der beiden Regierungen geführt, die Herero und Nama waren aber eng eingebunden. Bei einigen Vertretern der Volksgruppen hatten erste Hinweise auf das Abkommen jedoch bereits Kritik ausgelöst. Es sei nichts weiter als ein PR-Coup Deutschlands und ein Akt des Betruges der namibischen Regierung, hatte es in einer Erklärung der Ovaherero Traditional Authority und Nama Traditional Leaders Association geheißen. Einige ihrer Vertreter haben eine Petition im Bundestag eingebracht und planten am Freitag eine Protestkundgebung in Berlin.

Die Ovaherero Traditional Authority ist nur eine von vielen Herero-Gruppen, von denen acht offiziell von der Regierung anerkannt und in der namibischen Verhandlungsdelegation vertreten sind. Auch die Nama Traditional Leaders Association ist nicht repräsentativ für alle Nama-Gruppen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) begrüßte das Abkommen, forderte aber auch, alle Herero- und Nama-Verbände einzubeziehen. Auch die Verbrechen des deutschen Kaiserreiches im heutigen Kamerun, Togo, Tansania, im chinesischen Qingdao und auf Pazifikinseln warteten zudem noch auf Aufarbeitung.

Jahrelange Verhandlungen

Deutschland hatte sich ab 1884 Kolonien in Afrika, Ozeanien und Ostasien angeeignet. Es verfügte damit über das viertgrößte koloniale Gebiet und war Besatzungsmacht nicht nur in Deutsch-Südwestafrika (Namibia), sondern auch in Kamerun, Togo, Deutsch-Ostafrika (Tansania), im chinesischen Tsingtao und auf Pazifikinseln. Die gewaltvolle Herrschaft der Deutschen führte zu Aufständen und Kriegen. Mit der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg wurden ihre Kolonien dann unter den Siegermächten aufgeteilt.

Die jetzt abgeschlossenen Verhandlungen hingen lange Zeit an der heiklen Frage einer finanziellen Entschädigung für koloniale Ausbeutung und Unterdrückung fest. Über lange Strecken muteten sie wie ein Gefeilsche um Bedingungen und Umstände für die längst überfällige Entschuldigungsgeste Deutschlands an. Die Bundesregierung habe einer «bedingungslosen Entschuldigung» an die namibische Regierung, ihr Volk und die betroffenen Gemeinden zugestimmt, wolle aber nicht den Begriff «Reparationen» benutzen, hatte Namibias Präsident Hage Geingob noch im vergangenen August geklagt. Auch der Begriff «Heilung der Wunden» wurde als unzureichend abgelehnt.

Aus deutscher Sicht war es wichtig, jetzt noch vor der Bundestagswahl zu einer Einigung zu kommen. Denn auch die beiden Parlamente sollen noch zustimmen.

28 Mai 2021 0 Kommentare
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Rassismus

Antonio Rüdiger: „Für einige Deutsche werde ich nie Deutscher sein

von Fremdeninfo 28 Mai 2021
von Fremdeninfo

 

  1. Antonio Rüdiger: „Für einige Deutsche werde ich nie Deutscher sein

 
Fußball Nationalspieler Rüdiger

„Für einige Deutsche werde ich nie ein Deutscher sein“


Nur noch wenige Tage und die deutsche Nationalmannschaft beginnt ihr EM-Trainingslager. In Seefeld in Österreich will Bundestrainer Joachim Löw seine 26 Nominierten in Turnierform bringen. Reporter Dirk Schommertz hat sich schonmal vor Ort umgeschaut.

 

Antonio Rüdiger hat in einem bemerkenswerten Beitrag das Rassismusproblem im Fußball illustriert. Der deutsche Nationalspieler glaubt, dass es nicht wirklich ernst genommen wird. Er sagt, das seien „nicht nur paar Idioten“ auf der Tribüne. Das Problem gehe tiefer.

Kurz vor dem Champions-League-Finale mit dem FC Chelsea am Samstag (21 Uhr, im Sport-Ticker von WELT) und der EM-Vorbereitung mit der Nationalmannschaft hat Antonio Rüdiger fortwährenden Rassismus im Fußball beklagt. In einem sehr persönlichen Beitrag für „The Players’ Tribune“ berichtete der Verteidiger von seiner Kindheit im Berliner Bezirk Neukölln und prangerte eine aus seiner Sicht scheinheilige Kultur im Profigeschäft an.

„Hin und wieder haben wir eine große Social-Media-Kampagne, und jeder fühlt sich gut mit sich selbst, und dann kehren wir zur Normalität zurück. Nichts ändert sich jemals wirklich“, schrieb Rüdiger, der am Samstag in Porto mit Chelsea gegen Manchester City um den Königsklassentitel spielt.

Um die Super League innerhalb von 48 Stunden zu verhindern, hätten Presse, Fans und Spieler zusammengestanden, „aber wenn es in einem Fußballstadion oder online offensichtlichen rassistischen Missbrauch gibt, ist das immer kompliziert?“, fragte der 28-Jährige rhetorisch. Seine Antwort: „Vielleicht, weil es nicht nur ein paar Idioten auf der Tribüne sind. Vielleicht, weil es viel tiefer geht“, bleibe Rassismus ein gesellschaftliches Dauerproblem.

Unter Profi-Kollegen ist Thema Rassismus eine Randnotiz

Schon als Kind habe er Ausgrenzung erfahren und verinnerlicht. „Ich wurde hier geboren, aber für einige Deutsche werden ich nie ein Deutscher sein“, sei damals eine Lektion gewesen, schrieb Rüdiger, dessen Eltern vor dem Bürgerkrieg in Sierra Leone nach Deutschland geflüchtet waren. „Es ist bittersüß, weil Deutschland meiner Familie alles gegeben hat“, sagte der 40-malige Nationalspieler.Auch unter Profi-Kollegen sei das Thema Rassismus eine Randnotiz. „Es gibt immer PlayStation, Instagram, Autos, das nächste Spiel – es gibt immer etwas, das uns von harten Gesprächen ablenkt“, sagte Rüdiger. „Posten, Posten, Posten. Das Gefühl, wir haben etwas getan. Und doch haben wir nichts getan. Nichts verändert sich“, beklagte der Berliner, der von rassistischen Beleidigungen in Italien und persönlichen Anfeindungen in England erzählte.

 

Auch sein Text werde keine schnelle Änderung bringen, schrieb Rüdiger. „Wir werden dieses Problem nicht mit einer Social-Media-Kampagne oder mit diesem Artikel lösen. Ich habe zu viel gelebt, um die Hoffnung eines Kindes zu haben. Aber ich bin nicht hoffnungslos. Ich werde weiter kämpfen – für immer. Weil ich weiß, dass es Leute gibt, die sich darum kümmern. Ich weiß, dass es Leute gibt, die mich wirklich hören“, sagte der Profi. Für diese Menschen wolle er das Champions-League-Finale gewinnen – als Junge aus Neukölln.

28 Mai 2021 0 Kommentare
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Politik

Der rassistischer Brandanschlag in Solingen ist nach 28 Jahre nicht vergessen!

von Fremdeninfo 25 Mai 2021
von Fremdeninfo

Der rassistischer Brandanschlag in Solingen ist nach 28 Jahre nicht vergessen!

Cumali YAgmur

Am 29. Mai 1993 kommen bei einem rassistischer Brandanschlag in Solingen auf das Wohnhaus der türkischen Familie Genç zwei Frauen und drei Mädchen im Alter von vier, neun und zwölf Jahren ums Leben.

Wie bei dem Anschlag in Mölln 1992, bei dem drei Frauen getötet worden waren, wurden mit dem Brandanschlag in Solingen erneut  EinwanderInnen Opfer eines vorsätzlich gelegten Brandes. In den folgenden Tagen kam es in Solingen zu zahlreichen Trauerkundgebungen, bei denen Vertreter der türkeistämmigen Community stärkeren Schutz vor rechtsradikalen Gewalttaten forderten. Auch in anderen Städten fanden nach dem Anschlag in Solingen Protestkundgebungen statt. Immer wieder in der deutschen Geschichte muss man sich mit solchen Formen rassistischer Gewalttaten auseinandersetzen. Es ist kein Zufall, daß nach dem Anschlag in Solingen die Mordserie der nationalsozialistischen Untergrundorganisation NSU begann, einer Terror-Gruppe um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Am 9. September 2000 wurde in Nürnberg auf den Blumenhändler Enver Simsek geschossen. Er starb kurz darauf. Die Tat war der Auftakt der NSU-Mordserie aber erst nach mehr als zehn Jahren nach seinem Tod werden die Täter bekannt.

Die Neonazis ermordeten Simsek aus rassistischen Motiven. Mindestens neun weitere Menschen tötet die Gruppe anschließend: Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik und Halit Yozgat. Außerdem erschießen die Terroristen.

Bereits vorher hatten die Rechtsterroristen Anschläge verübt. Dabei wurde die Tochter eines Ladenbesitzers in Köln schwer verletzt; in Nürnberg war ihr Sprengsatz fehlerhaft und verletzte einen türkischen Gastwirt nur leicht. In beiden Fällen richteten sich die Ermittlungen zuerst auf das jeweilige Umfeld der Opfer.

Dieses Schema wiederholte sich bei den folgenden Morden, Dazu kamen die besonders rätselhaften Fälle von Heilbronn, wo die Terroristen die Polizistin Michele Kiesewetter erschossen, sowie in Kassel. Dort am Tatort in einem Internetcafé war ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes anwesend, der angeblich privat gechattet haben soll und das schwer verletzte NSU-Opfer hinter dem Tresen liegend nicht gesehen haben will.

Der Fall sorgt bis heute für Spekulationen, da der Geheimdienstmitarbeiter Agenten im rechtsextremen Milieu führte, die in der hessischen Neonazi-Szene gut vernetzt waren. Im Zuge der Ermittlungen zum Mord an den CDU-Politiker Walter Lübcke 2019 tauchten Personen aus dieser Szene dann erneut auf.

Das mutmaßlich rechtsradikale und rassistische Attentat Hanau erschüttert Deutschland 2020. Ein Mann tötete zehn Menschen, Kinder von Einwanderern, sich selbst und seine Mutter. „Hass ist ein Gift in der Deutsche Gesellschaft“, so die Bundeskanzlerin Merkel.

Es häufen sich rassistische Anschläge auf Wohnheime von Asylbewerbern, Drohbriefe werden gegen Politiker und Politikerinnen gerichtet und die laut geäußerten rassistischen und antisemitischen Äußerungen von rechten Bundestagsabgeordneten.

Rassismus und Antisemitismus kann man nicht nur mit Lippenbekenntnissen bekämpfen. Es ist Zeit, zu akzeptieren, dass dieses Land sich längst zu einem Einwanderungsland entwickelt hat. Dazu gehören Gesetze wie das volle Bürgerrecht für alle, die hier leben,  um ein friedlicheres Zusammenleben zu gewährleisten.

25 Mai 2021 0 Kommentare
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Rassismus

Björn Höcke: Durchsuchung im Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs

von Fremdeninfo 22 Mai 2021
von Fremdeninfo

 

 

Björn Höcke: Durchsuchung im Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs

 
 
Anselm

Er soll sich online über die Seenotretterin Carola Rackete ausgelassen und Flüchtlinge als Kriminelle stigmatisiert haben: Die Staatsanwaltschaft hat das Wohnhaus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke durchsuchen lassen.

© Stefan Boness/Ipon / imago images/IPON

Im Zuge von Ermittlungen wegen Volksverhetzung ist das Wohnhaus des Thüringer AfD-Landesvorsitzenden Björn Höcke durchsucht worden. Das bestätigte ein Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Mühlhausen am Samstag. Zuvor hatten Zeitungen der Funke Mediengruppe online über den Polizeieinsatz vor einigen Tagen im Wohnort Höckes im Landkreis Eichsfeld berichtet.

Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich seit fast einem Jahr mit Vorwürfen gegen den AfD-Fraktionsvorsitzenden des Thüringer Landtags – unter anderem wegen Äußerungen gegen die Seenotretterin Carola Rackete, die Höcke in sozialen Medien verfasst haben soll. Die Durchsuchung solle Erkenntnisse über die Urheberschaft der Äußerungen liefern, sagte der Behördensprecher.

Höcke steht im Verdacht, ein Bild von Rackete gepostet zu haben mit der Zeile: »Ich habe Folter, sexuelle Gewalt, Menschenhandel und Mord importiert.« Er könnte damit eine bestimmte Menschengruppe – Flüchtlinge – pauschal als Kriminelle stigmatisiert haben, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft.

Damit offiziell staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Höcke aufgenommen werden konnten, hob der Justizausschuss des Landtags im Dezember vergangenen Jahres seine Immunität auf.

Höcke ist auch der Gründer des später als erwiesen rechtsextrem eingestuften »Flügels« der Partei. Die Gruppierung ist zwar inzwischen formal aufgelöst, doch nach Ansicht des Landesverfassungsschutzes haben sich Programmatik und Personenpotenzial des »Flügels« im AfD-Landesverband fortgesetzt. Bundesverfassungsschutzchef Thomas Haldenwang hatte Höcke als Rechtsextremisten bezeichnet.

Vergangene Woche war zudem bekannt geworden, dass der Thüringer Verfassungsschutz inzwischen den AfD-Landesverband unter Höckes Führung als gesichert extremistisch eingestuft hat.

22 Mai 2021 0 Kommentare
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Archive

EU-Parlament für Aussetzung türkischer Beitrittsverhandlungen

von Fremdeninfo 21 Mai 2021
von Fremdeninfo

EU-Parlament für Aussetzung türkischer Beitrittsverhandlungen

Von

 Dpd / dtj-online

 
 
 
 
Archivfoto: Abgeordnete hören der Rede von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen während einer Plenarsitzung im Europäischen Parlament zu. Foto: Francisco Seco/AP/dpa

Das Europaparlament hat vorgeschlagen, die ohnehin stillstehenden Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union angesichts der angespannten Beziehungen offiziell auszusetzen.

Sollte die Türkei den negativen Trend weg von den Werten und Normen der Staatengemeinschaft nicht konsequent umkehren, bestehe man auf die Aussetzung dieser Verhandlungen, hieß es in einem am Mittwoch angenommenen Bericht. So könnten eventuell neue Modelle für die künftigen Beziehungen gefunden werden. Der Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten, Manfred Weber (CSU), sprach von einem starken Signal. Die Türkei ist seit 2005 EU-Beitrittskandidat, die Verhandlungen liegen allerdings auf Eis.

Die Türkei wies den Bericht als „inakzeptabel“ zurück. Er sei einseitig und keinesfalls objektiv und komme zudem in einer Zeit, in der man versuche, die Beziehungen zwischen EU und der Türkei im Rahmen einer „positiven Agenda“ wiederzubeleben, teilte das Außenministerium in Ankara mit.

Türkei fordert „konstruktive Anstrengungen“

Als EU-Beitrittskandidat erwarte die Türkei „konstruktive Anstrengungen“ vom EU-Parlament, um die Beziehungen zur Türkei zu verbessern anstatt eine Plattform für „gegenstandslose Vorwürfe und blinde Anschuldigungen“ zu bieten.

Dramatische Rückschritte in der Türkei sehen die EU-Abgeordneten bei Grundrechten und der Rechtsstaatlichkeit sowie bei institutionellen Reformen. Nicht zuletzt kritisieren sie die Außenpolitik der Türkei in Teilen als feindselig – auch gegenüber der EU und ihren Mitgliedstaaten. Gleichzeitig verwiesen die Abgeordneten darauf, dass ein enger Dialog und die Zusammenarbeit mit der Türkei im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik weiter bestehen müsse. Man befürworte weiter die Visaliberalisierung und wolle die Bevölkerung in der Türkei unterstützen.

21 Mai 2021 0 Kommentare
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Archive

„Erdoğan wird nicht ewig Präsident sein“

von Fremdeninfo 20 Mai 2021
von Fremdeninfo

„Erdoğan wird nicht ewig Präsident sein“

Von

Stefan Kreitewolf

–

Im DTJ-Interview: Nahost-Experte Gunter Mulack. Foto: privat

Besorgniserregend sei die Entwicklung der Türkei in den vergangenen Jahren, sagt der ehemalige Diplomat und Leiter des Orient-Instituts Gunter Mulack im DTJ-Interview. Er sieht aber auch Chancen für das Land.

Herr Mulack, Syrien, Zypern, Griechenland, Libyen: Die Türkei ist an vielen Konflikten beteiligt. Was steckt dahinter?

Die Türkei verfolgt in ihrer Außenpolitik vor allen Dingen das Ziel, mögliche Rohstoffvorkommen im östlichen Mittelmeer, also Gas, zu sichern. Deswegen gab es auch die Auseinandersetzung gerade mit Griechenland. Und der Einsatz von türkischen Truppen in Libyen zeigt wiederum das Interesse der Türkei, sich als ein Staat zu gerieren, der für Sicherheit und Stabilität einsteht.

In Libyen bricht die Türkei, neben anderen Staaten, das UN-Waffenembargo, in Syrien verstößt sie gegen Menschenrechte. Können Sie uns erklären, was Präsident Recep Tayyip Erdoğans Absichten sind?

Die Türkei will Flagge zeigen. In Libyen will sie sich sicher auch später wirtschaftlich beteiligen, wenn die Erdölindustrie wieder hochfährt.

„Schutzmacht für den Islam als politisches System“

Anders gefragt: Welche geopolitischen Ziele verfolgt der Präsident?

Geopolitisch verfolgt die Türkei ein Ziel: die Verhinderung eines kurdischen Staates in Grenznähe zur Türkei. Deswegen ist Ankara auch in Syrien tätig geworden, um die Region im Norden Syriens zu besetzen. Ein möglicher Kurdenstaat, womöglich noch mit Unterstützung Syriens, ist für Erdoğan ein Dorn im Auge. Andererseits will er sich mehr und mehr als Beschützerstaat für unterprivilegierte muslimische Staaten gerieren. Aktuell ist die Türkei der einzige Staat, der da ganz deutlich Partei für die Palästinenser ergriffen hat. Der Präsident will seine Macht zeigen und hinterlegen, dass die Türkei ein wichtiger Akteur in der Region ist. Er versucht, eine eigenständige Linie zu entwickeln – mit einer neo-osmanischen Machtentfaltung und als Schutzmacht für den Islam als politisches System.

Stichwort neo-osmanische Politik: Will der türkische Präsident tatsächlich das Osmanische Reich wiederaufleben lassen?

Erdoğan will damit im Kontext der, wirtschaftlich gesehen, miserablen Lage im Land zeigen, dass die Türkei stark ist. Wegen der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Wegbrechen des Tourismus will er nach außen auftrumpfen und zeigen: ‚Wir sind eine wichtige Macht.‘ Dass ein Großteil der Türken nationalistisch denkt und stolz auf das Vaterland ist, spielt ihm in die Karten. Das Signal lautet nach innen wie außen: Mit der Türkei ist zu rechnen.

„Gewisses Erpressungspotenzial vorhanden“

Welche Rolle spielt der Westen mit Blick auf die Türkei?

Mit dem Westen möchte man sich nicht völlig überwerfen, besonders nicht mit der EU. Denn die EU als Handelspartner, und Deutschland ganz besonders, bleibt von einer sehr großen Wichtigkeit für das Land. Die Türkei bleibt wiederum für den Westen wichtig, da sie Millionen von Flüchtlingen beherbergt. Dadurch ist aber auch ein gewisses Erpressungspotenzial vorhanden.

Ist die Türkei – immerhin NATO-Mitglied – noch ein verlässlicher Partner für Europa?

Ja, das ist die große Frage. Man muss sich aber davor hüten, die Türkei ins Abseits zu stellen. Das halte ich für falsch. Es ist ein großer Staat mit einer großen Wirtschaft und enormer Militärmacht, die wir als Westen durchaus gebrauchen können, zum Beispiel als wichtigen Partner in der NATO. Denn die Türkei hat immer eine wichtige Brückenfunktion zum Nahen Osten. Erdoğan ist aktuell an der Macht. Wie lange er an der Macht bleiben wird, bleibt abzuwarten. Und eines ist klar: Er wird nicht ewig Präsident sein. Um die Frage zu beantworten: Langfristig sehe ich die Türkei immer noch als verlässlichen Partner an.

„EU-Beitritt würde zu Reibungen führen“

Weil die Türkei immer undemokratischer wird, fordern viele, zum Beispiel im Europaparlament, einen Stopp des 2005 begonnenen Beitrittsprozesses mit der Türkei. Wie sehen Sie das?

Naja, der Beitrittsprozess ist nicht vorangekommen. Das muss man ganz klar sagen. Zurzeit ist es schwierig, einen autoritären Staat wie die Türkei, mit dem Islam als wichtigste Grundlage für die Politik, in ein säkulares Europa aufzunehmen. Das würde, glaube ich, nur zu Reibungen führen und nicht funktionieren. 

Insbesondere zu Deutschland bestehen viele Beziehungen, nicht zuletzt wegen der vielen Türkei-stämmigen Menschen, die in der Bundesrepublik leben. Ankara versucht verstärkt, in Moscheen und religiösen Einrichtungen sowie durch die Medien Einfluss zu nehmen. Wie schätzen Sie das ein?

Natürlich ist Deutschland sehr wichtig und man versucht, die gut ausgebildeten und oft auch wirtschaftlich erfolgreichen türkischstämmigen Deutschen auf seine Seite zu bringen. Die Türkei appelliert an das Vaterlandsgefühl dieser Menschen.

Eine letzte Frage: Wird die Türkische Republik im Jahr 2023 ihren 100. Geburtstag als Republik noch erleben?

Ja, das wird sie. Denn ich sehe keine unmittelbaren Revolutionen oder sonstige Unruhen aufziehen. Als Staat ist die Türkei stabil.

Dr. Gunter Mulack war Botschafter der Bundesrepublik und Islam-Beauftragter des Auswärtigen Amtes. Aktuell arbeitet er als Direktor des Orient-Instituts.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. 

 

20 Mai 2021 0 Kommentare
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Archive

Razzien in ganz Deutschland – Seehofer verbietet Vereine im Hisbollah-Umfeld

von Fremdeninfo 19 Mai 2021
von Fremdeninfo

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Razzien in ganz Deutschland – Seehofer verbietet Vereine im Hisbollah-Umfeld

 
 

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat drei Vereine verboten, denen Spendentätigkeiten im Umfeld der in Deutschland verbotenen Hisbollah vorgeworfen wird.

Bundesinnenminister Horst Seehofer Quelle: dpa/Fabian Sommer © dpa/Fabian Sommer Bundesinnenminister Horst Seehofer Quelle: dpa/Fabian Sommer

Am frühen Mittwochmorgen habe es in mehreren Räumlichkeiten in Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein Durchsuchungen und Beschlagnahmen gegeben, teilte ein Sprecher des Innenministeriums auf Twitter mit. „Wer den Terror unterstützt, wird in Deutschland nicht sicher sein. Egal in welchem Gewand seine Unterstützer in Erscheinung treten, sie werden in unserem Land keinen Rückzugsort finden“, fügte er hinzu.

Es handelt sich um die Vereine „Deutsche Libanesische Familie“, „Menschen für Menschen“ sowie „Gib Frieden“, die bereits am 15. April verboten worden waren. Alle drei Vereine gelten als Ersatzorganisationen des bereits 2014 verbotenen Vereins „Waisenkinderprojekt Libanon“, später umbenannt in „Farben für Waisenkinder e.V.“ (kurz WKP).

Den Vereinen wird vorgeworfen, unter dem Deckmantel religiöser und humanitärer Ziele in Deutschland Spendengelder für „Märtyer-Familien“ der Hisbollah im Libanon zu sammeln und damit letztlich Anschläge gegen Israel zu fördern. Ende 2019 hatte das Bundesjustizministerium dem Generalbundesanwalt die allgemeine Strafverfolgungsermächtigung gegen die Hisbollah erteilt. Im März 2020 hatte Seehofer dann gegen die schiitische Hisbollah ein Betätigungsverbot ausgesprochen.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden waren die drei Vereine als Ersatz für den Verein „Waisenkinderprojekt Libanon“ gegründet worden. Den hatte der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) 2014 verboten.

Der vor allem vom Libanon aus operierenden radikal-islamischen Hisbollah wird vorgeworfen, mit Gewalt und Anschlägen gegen Israel vorzugehen, dessen Existenzrecht sie abstreitet. Der militärische Arm der Organisation war bereits seit 2013 von der EU als Terrororganisation eingestuft. In den vergangenen Tagen hatte es aus dem Libanon heraus Versuche gegeben, Israel mit Raketen zu beschießen. Im Libanon ist die Hisbollah an der Regierung beteiligt.

Hisbollah nutzt Deutschland als Rückzugsraum

Die Hisbollah hat hierzulande eigentlich keine offiziellen Ableger. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden nutzt die vom Verfassungsschutz als „terroristische Vereinigung“ eingestufte Gruppierung Deutschland aber vor allem als Rückzugsraum und zum Sammeln von Spenden. Durch das vor einem Jahr erlassene Betätigungsverbot dürfen auch keine Kennzeichen der Hisbollah mehr verwendet werden und Vermögen kann eingezogen werden. Das Symbol der Gruppe ist ein grüner Schriftzug auf gelbem Grund mit einer Hand, die ein Sturmgewehr hält.

Die Sicherheitsbehörden rechneten 2020 in Deutschland bis zu 1050 Menschen dem „extremistischen Personenpotenzial“ der Hisbollah zu.

Die Hisbollah wurde 1982 im Libanon gegründet und für zahlreiche Anschläge in Israel verantwortlich gemacht. In Deutschland war bislang wie in den meisten anderen EU-Staaten nur der militärische Arm verboten, der politische Arm dagegen erlaubt. Die EU hatte den militärischen Teil 2013 auf die Terrorliste gesetzt. Großbritannien stufte die Organisation im März 2019 aber in ihrer Gesamtheit als terroristisch ein und folgte damit unter anderem den Niederlanden, den USA und Kanada. Israel dringt seit Langem auf einen solchen Schritt auch in Deutschland

19 Mai 2021 0 Kommentare
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Antisemitismus

Experte beobachtet „unfassbare antisemitische Radikalisierung“ in Deutschland

von Fremdeninfo 18 Mai 2021
von Fremdeninfo

 

 

Experte beobachtet „unfassbare antisemitische Radikalisierung“ in Deutschland

   Die antisemitischen Proteste und Ausschreitungen in Deutschland lösen weiter Besorgnis und Entsetzen aus. Der Antisemitismusbeauftragter der Stadt Berlin, Samuel Salzborn, sagte am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“, gerade finde eine „unfassbare antisemitische Radikalisierung statt“. Es sei ein „ganz aggressives antisemitisches Klima in der Bundesrepublik“ zu erleben.
Samuel Salzborn, Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin Quelle: picture-alliance © picture-alliance Samuel Salzborn, Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin Quelle: picture-alliance

Auch Städtetagspräsident Burkhard Jung verurteilte die jüngsten Vorfälle scharf. Die Integrationsstaatssekretärin im Bundeskanzleramt, Annette Widmann-Mauz (CDU), kündigte an, die Bundesregierung wolle muslimischem Antisemitismus stärker entgegentreten.

Am vergangenen Wochenende war es bei Pro-Palästina-Demonstrationen unter anderem in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Mannheim und Stuttgart teilweise zu Ausschreitungen und offenem Judenhass gekommen. Antisemitische Parolen lösten Entsetzen aus.

Gewaltpotential im „rechtsextremen und muslimischen Milieu“

Salzborn sagte zu einer Veröffentlichung des Zentralrats der Juden in Deutschland von antisemitischen Beschimpfungen, das sei „ein Aufschrei des Zentralrates, endlich hinzusehen und nicht mehr wegzuschauen“. Antisemiten seien beim Namen genannt worden, um klar zu machen, dass diese sich nicht verstecken könnten.

Man habe zwar stets auch einen Antisemitismus in der Mitte und bei den Linken erlebt, aber „das Gewaltpotential, das liegt ganz besonders im rechtsextremen und muslimischen Milieu“.

Die Bundesrepublik verstehe sich als wehrhafte Demokratie, sagte Salzborn. Das solle ernstgenommen werden mit allen Möglichkeiten des Strafrechtes. Zu lange hätten die Behörden gemeint, Antisemitismus sei nur eine Meinung, aber es sei „ein Weltbild, das unmittelbar mit Gewalt verknüpft ist“, sagte er.

Städtetagspräsident Jung sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Angriffe auf Jüdinnen und Juden, auf Synagogen oder antisemitische Parolen bei Demonstrationen sind ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft.“ Kritik an der Politik Israels bleibe in Deutschland selbstverständlich erlaubt. Doch Hass und Antisemitismus seien dabei absolut inakzeptabel, betonte der Leipziger Oberbürgermeister.

Widmann-Mauz sagte der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“, in Schulen und Integrationskursen solle über Antisemitismus nicht nur im Kontext der Schoah, sondern auch mit Blick auf aktuelle geopolitische Konflikte im Nahen Osten gesprochen werden. „Darüber hinaus brauchen wir auch im laufenden Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ einen Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Antisemitismus in muslimischen Communities“, erklärte sie.

18 Mai 2021 0 Kommentare
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Enthüllungen in der Türkei: Erdogan und sein Problem mit dem Mafiaboss

von Fremdeninfo 17 Mai 2021
von Fremdeninfo

Enthüllungen in der Türkei: Erdogan und sein Problem mit dem Mafiaboss

Susanne Güsten

Ein Mafiapate legt Kontakte zwischen der türkischen Regierung und dem organisierten Verbrechen offen. Die Berater von Präsident Erdogan sind entsetzt.

© Foto: picture alliance/dpa Welche Verbindungen gibt es zwischen der Partei von Präsdient Recep Tayyip Erdogan und der Mafia?

Der Pate sitzt an einem Tisch und schaut in die Kamera, unter seinem offenen Hemd schimmert eine Goldkette, vor ihm liegen Bücher und Papierstapel. So beginnen die Videobotschaften des türkischen Mafiabosses Sedat Peker, die Ankara erbeben lassen. Denn was Peker zu sagen hat, ist pures Dynamit – besonders wenn er von dem „sauberen Süleyman“ spricht, dem türkischen Innenminister Süleyman Soylu. In seinen Videos enthüllt Peker enge Verbindungen zwischen der türkischen Regierung und dem organisierten Verbrechen. Auch im fünften Clip, der am Sonntag verbreitet wurde, spielte der „saubere Süleyman“ eine große Rolle.

Der 49-jährige Peker ist unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vorbestraft und stand mehrmals wegen Mord, Mordversuch, Entführung und anderen Vorwürfen vor Gericht. Eine Zeit lang trat der nationalistische Mafiaboss als besonders rabiater Anhänger der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf. So drohte er öffentlich, er werde Gegner der Regierung am nächsten Baum aufhängen und in ihrem Blut baden. Da die Justiz ihn unter Verweis auf die Meinungsfreiheit gewähren ließ, war klar, dass Peker den Schutz der Regierung genoss.

Aber damit ist es vorbei. Im Januar 2020 floh Peker überstürzt ins Ausland – kurz darauf wurde sein Rivale aus der türkischen Unterwelt, Alaattin Cakici, auf Betreiben von Erdogans rechtsnationaler Koalitionspartei MHP aus dem Gefängnis entlassen. Cakici habe seitdem Pekers Platz als staatsnaher Mafiaboss übernommen, kommentierten die Medien. Peker soll inzwischen in Dubai leben. Von dort aus veröffentlicht er seit einem Monat über sein Twitter-Konto ein Video nach dem anderen. Die Serie begann, als die türkische Polizei in landesweiten Razzien mehrere Dutzend Mitglieder seiner Bande festnehmen ließ. Peker ärgert sich besonders über Soylu: Dieser habe ihn lange geschützt, dann aber fallen gelassen. Der Innenminister nennt Peker inzwischen eine „Ratte“.

Der Mafioso behauptet, er habe auf Befehl von Soylu türkischen Polizeischutz erhalten und dem Innenminister häufig geholfen. Noch voriges Jahr habe er per Internet eine Solidaritätsbewegung für Soylu organisiert und ihm so das politische Überleben gesichert, nachdem der Minister wegen einer schlecht organisierten Corona-Ausgangssperre zurückgetreten war. Damals gab es eine Twitter-Kampagne gegen Soylus Rücktritt – Erdogan beließ den Minister deshalb im Amt.

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Heute ist Soylu mächtiger denn je. Der Minister tue so, als habe er eine weiße Weste, schimpft Peker. Dabei habe der „saubere Süleyman“ seine Anhänger zu Richtern und Staatsanwälten befördern lassen, sagt er in seinem Video vom Sonntag. In anderen Clips greift Peker den früheren Innenminister Mehmet Agar an, dem schon lange Verbindungen zur Mafia nachgesagt werden: Während Agars Amtszeit in 1990er Jahren kam heraus, dass der türkische Staat rechtsgerichtete Mafosi als Handlanger einsetzte, um vermeintliche Staatsfeinde zu töten. Peker behauptet, dass diese Verbindungen heute noch funktionieren. So sei eine junge Frau, die den Sohn von Agar bei der Polizei als Vergewaltiger angezeigt habe, kurz darauf tot aufgefunden worden. Die Staatsanwaltschaft stellte alle Ermittlungen rasch ein.

Andere Videos befassen sich mit angeblichen Drogenlieferungen aus Südamerika in die Türkei, die von der Justiz ignoriert worden seien. Peker berichtet auch von seinen eigenen Verbrechen als regierungstreuer Mafioso. So habe er einen ehemaligen Parlamentsabgeordneten in einer Polizeiwache krankenhausreif prügeln lassen, weil dieser angeblich Erdogan und die Präsidentenfamilie beleidigt hatte.

Selbst Erdogan-Berater sind entsetzt. Wenn Pekers Behauptungen auch nur zu einem Tausendstel wahr seien, wäre dies eine Katastrophe, sagte der ehemalige Justizminister Cemil Cicek. Er rief die Justiz zum Handeln auf – doch die Staatsanwälte, die sonst bei jeder regierungskritischen Äußerung einschreiten, schweigen bisher beharrlich. Das liegt womöglich daran, dass Peker noch viel mehr über die dunklen Kontakte zwischen Regierung und Verbrecherbanden erzählen könnte, wenn er unter Druck gesetzt wird. Minister Soylu sei die Schlüsselfigur im Dreieck zwischen Erdogans Regierungspartei AKP, Bahcelis MHP und der Mafia, sagt der Oppositionspolitiker Özgür Özel.

In der türkischen Öffentlichkeit haben Pekers Enthüllungen sogar die Corona-Pandemie von der Tagesordnung verdrängt. Die Journalistin Tugce Tatari stellte in einem Beitrag für das Nachrichtenportal T24 eine Frage, die das ganze Land beschäftigt: „Ist die Türkei ein Mafia-Staat?

 
17 Mai 2021 0 Kommentare
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