• Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Fremdeninfo
Fremden Info
Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung
Flüchtlinge

EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

16 Juli 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Asyl-Verschärfung: In Großbritannien zu bleiben, wird für alle Ausländer schwere

14 Juli 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Prämien für Rückkehrer: Poseck für regelmäßige Abschiebeflüge nach Syrien

13 Juli 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Mehr als eine Million Migranten beantragen rechtlichen Status in Spanien

12 Juli 2026 0 Kommentare
AllgemeinFlüchtlinge

Güler will in Syrien für „inklusiven Transitionsprozess“ werbenSerap

15 Juni 2026 0 Kommentare
Flüchtlinge

Das neue europäische Asylrecht

13 Juni 2026 0 Kommentare
Archive

Warum deutsch-türkische Abgeordnete im Bundestag keine „Alibi-Türken“ sind

von Fremdeninfo 30 September 2021
von Fremdeninfo

Warum deutsch-türkische Abgeordnete im Bundestag keine „Alibi-Türken“ sind

Von

dtj-online

–

Grünen-Politiker Cem Özdemir während einer Rede im Bundestag. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der neue Bundestag ist gewählt. Mehr als 100 Kandidat:innen mit türkischer Zuwanderungsgeschichte hatten sich für den Einzug in den 20. Deutschen Bundestag beworben. Etwa ein Fünftel davon schaffte es. Was treibt sie an?

Cem Özdemir, Serap Güler oder Aydan Özoğuz: Diese Namen sind bekannt. Sie sind schon lange im politischen Deutschland angekommen. Ein Blick auf ihre Karrieren offenbart: Die meisten von ihnen konnten vor allem jenseits integrationspolitischer Themen punkten.

Dass Türkei-stämmige Politiker im Bundestag dennoch weiterhin eine Nachricht wert sind, zeigt, dass dies nicht selbstverständlich ist, zumindest für Journalist:innen. Oft flaut die Aufmerksamkeit nach der Wahl schnell ab. Viele Errungenschaften dieser Politiker:innen mit türkischen Wurzeln sind für die Mehrheitsgesellschaft nicht sichtbar.

„Quoten-Türken“ mit Kontakten?

Als „Quoten-Türken“ verschrien, ist die Realität eine andere. Viele Türkei-stämmige Politiker:innen kümmern sich um wichtige Angelegenheiten, die die Allgemeinheit betreffen. Viele von ihnen pflegen dennoch enge Kontakte zur deutsch-türkischen Community.

Wir haben einige näher unter die Lupe genommen und erklären, für welche Themen sie in ihrer parlamentarischen Arbeit stehen wollen.

SPD stellt die meisten Türkei-stämmigen Abgeordneten

Die SPD stellt die meisten Bundestagsabgeordneten mit türkischer Zuwanderungsgeschichte. Sie sind zu acht: Hakan Demir, Metin Hakverdi, Macit Karaahmetoğlu, Cansel Kızıltepe, Mahmut Özdemir, Aydan Özoğuz, Derya Türk-Nachbaur und Gülistan Yüksel.

Einige dieser Namen sind bereits bekannt. Zum Beispiel der des Rechtsanwalts Metin Hakverdi, der seit 2013 im Bundestag sitzt. Er konzentriert sich weniger auf Türke-spezifische oder türkische Themen. Deshalb kennen ihn auch nur die wenigsten in der Community.

Internationale Beziehungen und Transatlantismus

In seiner langjährigen Arbeit als Politiker war er vielmehr im Bereich internationale Beziehungen, beispielsweise innerhalb der EU und mit Balkan-Ländern unterwegs. Auch in den transatlantischen Beziehungen hat Hakverdi eine nicht unwichtige Rolle eingenommen.

Ein weiterer Sozialdemokrat, der erneut in den Bundestag einzieht, ist Mahmut Özdemir. Özdemir, der sich schon im Alter von 14 Jahren das ambitionierte Ziel gesetzt hat, Außenminister zu werden, hat nie mit seiner Zuwanderungsgeschichte um Stimmen gebuhlt. Zwar hat er einen sehr guten Draht in die türkische Community in Duisburg, versuchte jedoch nie den „Alibi-Migranten“ zu spielen und trat dafür als Mitglied des Innenausschusses oder als stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Recht- und Verbraucherschutz für allgemeine Themen ein.

Er ist Mitglied der parlamentarischen Gruppe Binnenschifffahrt. Der Duisburger Deutsch-Türke will bewusst keine Nischenpolitik betreiben. Als seine politischen Vorbilder nennt er den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und den früheren SPD-Parteichef Franz Müntefering.

Dağdelen betreibt klassisch Linke-Politik

Bei den Linken sind neben der prominenten Politikerin Sevim Dağdelen, die oft mit ihren Türkei-kritischen Positionen polarisiert und dafür kritisiert wird, auch Gökay Akbulut und Ateş Gürpınar in den 20. Deutschen Bundestag eingezogen. Besonders Dağdelen dürften den allermeisten ein Begriff sein.

Zwar wird ihr vorgeworfen, die Terrororganisation PKK zu verteidigen, doch ihre Karriere und Standpunkte sind klassisch für linke Politik. Sie stellt mit ihrer Fraktion zum Beispiel Anträge zum Bundeswehrabzug aus Mali oder spezifische Anfragen zu Rüstungsgenehmigungen.

Cem Özdemir will Minister werden

Ein weiterer prominenter Politiker ist Cem Özdemir, dem diesmal sogar eine Ministerrolle zukommen könnte. Neben ihm sind von den Grünen Ekin Deligöz, Filiz Polat und Melis Sekmen eingezogen. Damit zählen die Grünen insgesamt vier deutsch-türkische Bundestagsabgeordnete.

Cem Özdemir, der zu den deutsch-türkischen Politikern der ersten Stunde im Bundestag zählt, hört man inhaltlich nicht mehr an, dass er einmal mit integrationspolitischen Themen punktete. Regelmäßig sitzt er in Talkshows und Fragerunden, um über Koalitionsverhandlungen, Klimaschutz und Verkehrspolitik zu diskutieren

30 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Politik

Deutsche Politik und die türkeistämmigen Wähler*innen

von Fremdeninfo 29 September 2021
von Fremdeninfo

Deutsche Politik und die türkeistämmigen Wähler*innen

Aus dem Türkischen von Elif Amberg.

 

Die 60jährige Geschichte türkeistämmiger Menschen in Deutschland ist auch eine Geschichte des Ringens um die eigene Stimme. Gleichzeitig kommt es durch die wachsende Mitbestimmung der vergangenen Jahre zu einer Pluralisierung politischer Einstellungen.

Generation, die nach Abschluss des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens als „Gastarbeiter*innen“ 1961 nach Deutschland kam, stand viele Jahre kein aktives oder passives Wahlrecht zu. Durch die nachfolgenden Generationen und anhaltende Migration änderte sich mit den Jahren ihre Stellung in der deutschen Gesellschaft und damit ihr Verhältnis zur deutschen Politik. Heute deutet die Positionierung der Türkeistämmigen bei den Wahlen in Deutschland auf die Vielfältigkeit und die Veränderungen hin, die im Laufe der Zeit entstanden sind.

„Die Menschen finden ihren Platz im gesellschaftlichen Leben“

Lange Zeit war die türkeistämmige Bevölkerung an den Rand der institutionellen Politik gedrängt. Die „Ausländerbeiräte“ – heute werden sie meist Integrationsräte genannt -, die aus Bürger*innen ohne Staatsbürger*innenschaft bestehen und im Grunde wie ein Beratungsgremium arbeiteten, stellen ab den 70er Jahren für die Eingewanderten eine Zwischenlösung dar, um auf kommunaler Ebene an der Politik teilzuhaben zu können. Im Laufe der Jahre wurden die Türkeistämmigen ein Teil der Einwanderungsgesellschaft in Deutschland und konsequenterweise wuchs die Forderung nach politischer Teilhabe. Eine wichtige Rolle für die Politisierung der Türkeistämmigen spielten rassistische Angriffe und Morde, deren Zahl in den 90er Jahren stieg. Im Zuge des Inkrafttretens des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000 ließen sich viele türkeistämmige Menschen einbürgern, was einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung ihrer politischen Partizipation darstellte. Laut einer Statistik sind im Jahr 2021 rund 1,4 Millionen von den ungefähr 3 Millionen in Deutschland lebenden türkeistämmigen Menschen deutsche Staatsbürger*innen. 893.000 der eingebürgerten Türkeistämmigen können bei den Wahlen ihre Stimme abgeben. Das sind 1,5 Prozent aller Stimmberechtigten in Deutschland. Jedoch haben Türkeistämmige immer noch nicht das Recht wie EU-Bürger*innen, sich auch ohne die deutsche Staatsangehörigkeit an den Kommunalwahlen zu beteiligen.

Die politischen Präferenzen der Türkeistämmigen haben sich in den vergangenen 60 Jahren diversifiziert. Viele der in den 60er Jahren nach Deutschland gekommenen türkeistämmigen Arbeiter*innen haben über die Gewerkschaftsmitgliedschaften eine gewachsene Beziehung zur SPD, die bis zu den Bundestagswahlen 2017 eine prägende Rolle spielte. Da die SPD für Migrant*innen eine vergleichsweise offene Partei war, zog sie schon früh Türkeistämmige, die aktiv Politik betreiben wollten, an. Jedoch ergab eine Studie, dass die türkeistämmigen deutschen Wähler*innen, die bis in die jüngste Vergangenheit zu rund 60 Prozent SPD gewählt hatten, bei den Bundestagswahlen 2017 dies nur noch zu 35 Prozent taten. Laut einer gemeinsamen Studie der Universitäten Duisburg-Essen und Köln verteilten sich die Stimmen der türkeistämmigen Deutschen auf die anderen Parteien wie folgt: CDU (20 Prozent), Die Linke (16 Prozent) und Bündnis 90/Die Grünen (13 Prozent).

Da es keine offiziellen Daten zu den Präferenzen der türkeistämmigen Wähler*innen für die aktuellen Wahlen im Jahr 2021 gibt, lässt sich eine Bewertung nur auf Grundlage von Umfrageergebnissen verschiedener Institute und Meinungsforschungsunternehmen abgeben. Das Meinungsforschungsunternehmen Data4U führte im Winter 2019-2020 unter türkeistämmigen Deutschen eine Umfrage durch, die für die Wahlen 2021 die folgende Schätzung ergab: SPD (44 Prozent), Bündnis 90/Die Grünen (26 Prozent) und CDU (12 Prozent). Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlichte im Januar 2021 eine Studie, nach der die Unterstützung der SPD im Jahr 2015 bei ca. 50 Prozent lag, im Jahr 2019 jedoch auf 13 Prozent absank. Gleichzeitig liege die Unterstützung für Bündnis 90/Die Grünen bei ca. 13 Prozent. In derselben Studie wird ein Ansteigen der Unterstützung für die CDU auf 50 Prozent angegeben. Nach wie vor ist die SPD die stärkste Partei unter den türkeistämmigen Wähler*innen, doch die Wahl der CDU, die lange mit „Ausländerfeindlichkeit“ in Verbindung gebracht wurde, ist definitiv kein Tabu mehr.

Laut Caner Aver, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung in Essen, ist die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung hinsichtlich Methodik und Repräsentation problematisch, gleichzeitig beschreibe sie jedoch eine richtige Tendenz. Aver führt mehrere Gründe für die Abwanderung der Wähler*innen von der SPD zu den anderen Parteien an. Die SPD habe in der Großen Koalition mit der CDU ihre Zusagen bei dem für türkeistämmige Wähler*innen wichtigen Thema doppelte Staatsbürgerschaft nicht eingehalten. Ein anderer Grund sei, dass die CDU Integrationsversprechen der SPD teilweise in die Tat umgesetzt habe und z.B. türkeistämmige Kandidat*innen in ihren politischen Vitrinen präsentiere. Es gebe nach Aver jedoch einen sehr viel gewichtigeren Grund für diese Entwicklung: Die Weltanschauung und somit auch die politischen Präferenzen der Türkeistämmigen änderten sich mit ihrem Übergang in die Mittelschicht. Das bindende historische Dreieck Arbeiter*innen-Gewerkschaft-SPD, habe sich aufgelöst, und somit auch das stereotype Wahlverhalten: „Die Menschen finden jetzt in der dritten Generation ihren Platz im gesellschaftlichen Leben. Zum Beispiel wählen die Umweltbewussten die Grünen, die Arbeitgeber die FDP und die Konservativen die CDU. Das ist quasi eine Art der Normalisierung.“

Der Einfluss der türkischen Politik auf das Wahlverhalten

Ein Barbier in Berlin-Kreuzberg. Ein beliebter Treffpunkt der türkeistämmigen Ladenbesitzer im Kiez. Im Fernsehen laufen türkische Rap-Videos. Die Kunden und die Mitarbeiter unterhalten sich über die kommenden Wahlen. Die meisten haben zwar kein Wahlrecht, aber sie reden darüber, dass „Merkels Partei“ eigentlich „gar nicht so schlecht“ sei. Einer von ihnen sagt, Armin Laschet würde auch „die Türken mögen“. Seine Kinder und seine wahlberechtigte Ehefrau würden ihre Stimme der CDU geben. Ein anderer scherzt darüber, seine Stimme der AfD geben zu wollen: „Sie sagen wenigstens ganz offen, dass sie uns hassen.“ Alle im Laden lachen.

Der Politikwissenschaftler Dr. Mustafa Acar von der Universität Hamburg sagt, die CDU sei in der Vergangenheit auf die Stimmen der radikalen Rechten von sechs bis neun Prozent angewiesen gewesen und habe daher eine Politik zum Nachteil von Migrant*innen betrieben. Acar führt aus: „Seit der Gründung der AfD ist die CDU von dieser Notwendigkeit befreit.“ Acar fügt hinzu, dass seitdem die Parteien, die den Beitritt der Türkei in die EU befürworteten, ihre Haltung im Laufe der Regierungszeit von Erdoğan und der AKP geändert haben, die Position der CDU, die schon immer gegen den Beitritt war, bei den Wähler*innen kaum mehr eine Rolle spiele. Schließlich befürworte keine der Parteien in ihrem Parteiprogramm für die Wahlen 2021 den EU-Beitritt der Türkei unter ihrer jetzigen Regierung. Parteien wie die FDP fordern die sofortige Beendigung der EU-Beitrittsverhandlungen, während die Grünen für die Neuaufnahme der Verhandlungen unter der Bedingung des Wiederaufbaus eines Rechtstaats und der Demokratie sind.

Unter den sich als konservativ verstehenden Türkeistämmigen gibt es Wähler*innen, die an den Interessen der türkischen Regierung orientiert die CDU wählen. Diese Erdoğan-Anhänger*innen glauben, dass im Falle eines Wahlsieges von Armin Laschet die pragmatische Politik Merkels in Bezug auf die deutsch-türkischen Beziehungen fortgeführt werden wird. Staatspräsident Tayyip Erdoğan hatte nach der Wahl Armin Laschets zum CDU-Vorsitzenden im Januar diesen angerufen und ihm für die anstehende Bundestagswahl seine besten Wünsche überbracht. Darüber hinaus gehen verschiedene regierungsnahe türkische Medien in ihren meinungsbildenden Kolumnen von einer Verschlechterung der deutsch-türkischen Beziehungen aus, sollten die Grünen, die SPD oder die Linke die Wahl gewinnen. In diesen Parteien würden – so die regierungsnahen Medien – mehr „Türkeifeinde“ als Kandidat*innen aufgestellt, wie zum Beispiel der Grünen-Politiker Cem Özdemir, der die Anerkennung des Völkermords an den Armenier*innen durch den Bundestag unterstützt hatte und deshalb von Staatspräsident Erdoğan höchstpersönlich zur Zielscheibe gemacht wurde.

Tuba Bozkurt [1] tritt als Kandidatin der Grünen für das Berliner Abgeordnetenhaus im Wahlkreis Gesundbrunnen und Wedding an. Bei ihren Besuchen im Kiez werden ihr Fragen gestellt wie: „Akzeptieren Sie, dass sie eine Türkin sind?“, „Was denken Sie in Bezug auf die Türkei?“ oder „Wie stehen Sie zum armenischen Völkermord?“ Am 26. September wird in Berlin auch das Abgeordnetenhaus gewählt, sodass die Berliner*innen zur Wahl des Bundestages, des Abgeordnetenhauses und der Bezirksverordnetenversammlungen aufgerufen sind. Bozkurt kandidiert in einem Stadtviertel mit einem Bevölkerungsanteil von 64 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund, von denen die Mehrheit Türkeistämmige sind. Bozkurt klammert in ihrem Wahlkampf die Türkeithemen aus. Sie ist der Meinung, dass die Lebensumstände der Menschen im Stadtviertel wichtiger seien als die Türkeipolitik der Grünen. „Ich frage sie nach ihrem Leben und den Problemen, die sie hier haben.“ So seien die wichtigsten Themen im Stadtviertel Armut und Bildungsungleichheit, gefolgt von Diskriminierung nach Herkunft und dem Recht auf das Kopftuch im Arbeitsleben. „Wenn wir unser Parteiprogram ins Türkische übersetzen lassen, denken wir schon, die Wähler*innen erreicht zu haben“, sagt Bozkurt. „Doch diese Einstellung schaut von oben herab. Wir müssen die Menschen dort erreichen, wo sie leben, dort besuchen und uns ihre Probleme und Wünsche anhören.“

Sorgen im Alltagsleben

Viele türkeistämmige Wähler*innen gehen unabhängig von ihrer politischen Grundeinstellung oder der Türkeipolitik der Parteien allein aufgrund ihrer Alltagsprobleme zur Urne. Manchmal korrespondieren die alltäglichen Sorgen auch mit Themensetzungen konservativer Parteien. Das hat Auswirkungen auf die Art und Weise der politischen Teilhabe von Türkeistämmigen. In Kreuzberg beispielsweise beschweren sich viele Menschen über die schmutzigen Straßen und das Chaos im Kiez. Deshalb könnten konservative Parteien wie die CDU, die diese Themen in den Vordergrund rückt, hier durchaus Stimmen erhalten. Hikmet Gülmez zum Beispiel, der für die CDU für den Bundestag im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg 2 kandidiert, verspricht den Menschen in seinen Wahlbroschüren mehr Polizeipräsenz am Kottbusser Tor und Görlitzer Park, wenn er denn gewählt wird.

„Vor den Wahlen kommen sie und grüßen uns, danach lassen sie sich nicht wiedersehen. Jeder arbeitet für seine eigenen Interessen. Politik heißt Vorteilsnahme.“ Das sind die Worte von Hayati Atasever, der seit 36 Jahren in Deutschland lebt. Er betreibt gemeinsam mit seiner Ehefrau Zeynep Atasever einen Spätkauf in Kreuzberg. Seit er im Jahr 1997 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat, wählt er die Grünen. Atasever habe sich immer den Zielen der Grünen verbunden gefühlt, werde aber bei diesen Wahlen zum ersten Mal eine andere Partei wählen. Er ist der Meinung, dass die Grünen, die den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg regieren und die Bürgermeisterin stellen, ihre Probleme nicht ernst nehmen. Atasever ist der Meinung, dass die lokal regierende Partei in den letzten fünf Jahren ihre Versprechen nicht gehalten habe: „Sie haben versprochen, den kleinen Ladenbetreibern zu helfen. Aber sie haben ihr Wort nicht gehalten.“ Der Laden von Hayati und Zeynep kämpft seit 10 Jahren mit dem Problem, dass vor diesem ein Radweg verläuft, weshalb sie davor keine Tische aufstellen dürfen. Deshalb konnten sie im Sommer nicht die Verluste der Pandemiemonate ausgleichen. Hayati Atasever beklagt, dass die Ladenbesitzer auf dieser Straße „regelrecht verbluten“. Immer wieder müssten Restaurants schließen. Zeynep Atasever beschwert sich über die Umsatzeinbußen, die der Radweg verursache, und über die ständigen Unfälle direkt vor dem Laden. Sie, ihre Kinder und viele Freund*innen hätten bei den letzten Kommunalwahlen die Grünen gewählt. „Nie wieder!“ sagt Atasever. „Das gleiche gilt auch für die SPD. Die einen sind nicht besser als die anderen.“ Denken alle in ihrem Bekanntenkreis ähnlich? „Nein“ sagt sie, „Die Kinder werden keinen Rückzieher machen. Sie unterstützen unter allen Umständen die Grünen.“

[1] Anm. d. Redaktion.: Tuba Bozkurt wurde am 26. September als Kandidatin von Bündnis 90 / Die Grünen für den Wahlkreis Gesundbrunnen und Wedding ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt.

29 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Reaktionen zur Bundestagswahl: Wie die Welt auf die Wahlergebnisse blickt

von Fremdeninfo 27 September 2021
von Fremdeninfo

 Bundestag Wahlergebnise 2021

CDU CSU 24,1  Sitz 195 Kanzlerrkandidat  Armin Laschet

SPD 25,7         Sitz 205   “ Olaf Scholz

Die Grünen 14,6 Sitz 116    “ Annelena Baerbock

FDP 11,5 Sitz 93

AFD 10,3 Sitz 83

Linke 4,9 Sizt  39

( 3 Direkmandt )  

 

 

Reaktionen zur Bundestagswahl: Wie die Welt auf die Wahlergebnisse blickt

 
  Wer führt künftig das bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Land der Europäischen Union? In anderen Hauptstädten und in den Brüsseler EU-Institutionen werden die beginnenden Gespräche über die Bildung einer neuen Bundesregierung genau verfolgt werden. Die ersten Reaktionen auf den knappen Ausgang der Wahl am Sonntag fallen sehr unterschiedlich aus. Ein Überblick:
Scholz geht als Gewinner aus der Wahl hervor. © AFP Scholz geht als Gewinner aus der Wahl hervor.

USA

„Donnerwetter… Sie sind beständig“ – mit diesen Worten kommentierte US-Präsident Joe Biden am Sonntag Berichte über den Vorsprung der SPD bei der Bundestagswahl. Dass der wohl mächtigste Präsident der Welt mit einem Kanzler Olaf Scholz Probleme hätte, gilt als unwahrscheinlich. Beide Politiker feierten zuletzt zum Beispiel den Durchbruch für eine globale Mindeststeuer für international tätige Unternehmen als großen Erfolg.

Polen

Die nationalkonservative PiS-Regierung in Warschau freut sich vor allem über das gute Abschneiden der Liberalen. „Die FDP wird das Zünglein an der Waage, und das ist für uns eine hervorragende Nachricht“, kommentierte Polens Botschafter in Berlin, Andrzej Przylebski.

Die Außenminister der Partei – wie zum Beispiel Hans-Dietrich Genscher – seien für Polen immer gut gewesen. Ob die neue Regierung von der SPD oder der CDU geführt werde, macht demnach keinen großen Unterschied. „Was die SPD betrifft, so gibt es eine Angst vor zu großer Empathie gegenüber Russland, aber das bezieht sich eher auf die Parteiführung als auf Scholz“, sagte Przylebski. Die Grünen seien Russland gegenüber vorsichtiger, was für Polen hilfreich sei.

China

„Wir hoffen und erwarten, dass die neue deutsche Regierung ihre pragmatische und ausgewogene China-Politik fortsetzt“ – ohne einer Partei direkt zu gratulieren, hat Peking nach der Bundestagswahl die Hoffnung auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit Deutschland geäußert.

Ausdrücklich wurde in einer Stellungnahme des Außenministeriums der Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewürdigt, die in ihrer Amtszeit großen Wert auf den Ausbau der Beziehungen zur Volksrepublik gelegt habe. „China weiß dies sehr zu schätzen“, sagte Sprecherin Hua Chunying. Vor der Wahl hatten Beobachter in China Befürchtungen geäußert, dass sich unter einer neuen Bundesregierung das Verhältnis verschlechtern und sich Deutschland eher an den USA orientieren könnte, die ein internationales Bündnis gegen Peking schmieden.

Europäische Union

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wurden lange Zeit Ambitionen auf die Nachfolge von Angela Merkel als Bundeskanzlerin nachgesagt. Die CDU-Politikerin äußerte sich am Montag zunächst nicht öffentlich zum Wahlausgang – in ihrer Behörde und auch in der Vertretung der Mitgliedstaaten wird das knappe Wahlergebnis allerdings eher mit Sorge gesehen. Befürchtet wird vor allem, dass es bis zur Bildung einer neuen Regierung in Berlin nicht möglich sein dürfte, auf EU-Ebene größere Entscheidungen zu treffen. Problematisch könnte das unter anderem für die jüngst vorgestellten Gesetzesprojekte zum Erreichen der EU-Klimaschutzziele sein.

Frankreich

Wie von der Leyen äußerte sich auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zunächst nicht zum Wahlergebnis. Auch im Élysée-Palast hofft man vor allem darauf, dass sich die Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht zu sehr in die Länge ziehen werden. Zum Start der französischen EU-Präsidentschaft im Januar braucht Frankreich einen starken Partner, um gemeinsam Projekte etwa in den Bereichen Verteidigung und Wirtschaft voranzutreiben.

Einen Wunschpartner gibt es in Paris offiziell nicht. Noch vor der Wahl hatte der Élysée die FDP in der Rolle des Königsmachers und damit als entscheidenden Part in den Koalitionsverhandlungen gesehen.

Spanien

Der sozialistische Regierungschef Pedro Sánchez gratulierte Scholz zu „großartigen Ergebnissen“. Spanien und Deutschland würden weiter für ein starkes Europa und einen gerechten und grünen Wiederaufbau nach der Corona-Krise arbeiten, bei dem niemand zurückgelassen werde, kommentierte er. Mit großer Aufmerksamkeit wird in Ländern wie Spanien vor allem beobachtet, wie sich eine künftige Bundesregierung zur Frage gemeinsamer Schulden der EU und der Rückkehr zu einer strengeren Haushaltsdisziplin aufstellen wird.

Großbritannien

Von Premierminister Boris Johnson gab es zunächst keine Reaktion auf die deutschen Wahlergebnisse. Der Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei, Keir Starmer, gratulierte hingegen Scholz und sprach von einer inspirierenden Kampagne.

Norwegen

Der Wahlsieg der Sozialdemokraten in Norwegen vor gut zwei Wochen hat sich als gutes Omen für die SPD erwiesen. Nachdem Olaf Scholz damals Jonas Gahr Støre gratuliert hatte, erwiderte der voraussichtliche nächste norwegische Regierungschef diese jetzt in Richtung Berlin. „Herzliche Glückwunsche aus Norwegen!“, schrieb der Norweger am Sonntagabend auf Twitter an Scholz und die SPD gerichtet. Es handele sich um ein „beeindruckendes Ergebnis nach einem inspirierenden Wahlkampf“. Er freue sich auf die enge Zusammenarbeit

27 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Droht den „Grauen Wölfen“ nach der Wahl das Verbot?

von Fremdeninfo 26 September 2021
von Fremdeninfo

 

Droht den „Grauen Wölfen“ nach der Wahl das Verbot?

Von

Stefan Kreitewolf

–

24.09.2021

Der Wolfsgruß gilt als Erkennungs- und Grußzeichen der Ülkücü-Bewegung. Foto: Wikimedia

Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags bestätigt Stimmen, die ein Verbot der türkischen Ülkücü-Bewegung fordern. Für die Rechtsextremisten, hierzulande als „Graue Wölfe“ bekannt, könnte es nach der Wahl eng werden.

Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags stärkt die Gegner der türkischen Ülkücü-Bewegung. Er bescheinigt den Rechtsextremisten, die hierzulande als „Graue Wölfe“ bekannt sind, „verfassungsfeindliche Ziele in kämpferisch-aggressiver Weise“. Gemeinhin reicht das in Deutschland für ein Verbot.

Das Gutachten vom 10. September geht davon aus, dass die Ülkücü-Bewegung, die in hierzulande als Verein eingetragen ist, „den Gedanken der Völkerverständigung schwerwiegend, ernst und nachhaltig beeinträchtigen“ wolle. Das passt ins Bild. Schließlich ist das erklärte Ziel der Bewegung, das türkisch-nationalistische Gedankengut unter Deutsch-Türken zu verbreiten.

Verbot in Frankreich – Zieht Deutschland nach?

Die Berliner Linken-Politikern Helin Evrim Sommer sieht sich bestätigt. Sie setzt sich seit Längerem für ein Verbot der „Grauen Wölfe“ in Deutschland ein. Sommer fordert: „Es muss umgehend eine Verbotsverfügung gegen die wichtigsten Dachorganisationen der ‚Grauen Wölfe‘ in Deutschland erlassen werden.“

Der internationale Vergleich zeigt: Das ist möglich. Frankreich hat die „Grauen Wölfe“ bereits im November 2020 verboten. Die österreichische Regierung wiederum verbot 2019 die Symbole der Organisation. Auch der Bundestag hatte bereits 2020 fraktionsübergreifend ein Verbot gefordert. Die Hürden dafür seien aber zu hoch, hieß es damals aus dem Bundesinnenministerium.

„Affinität zu Waffen“ und „höhere Gewaltbereitschaft“

Indes registrierte der Verfassungsschutz eine „höhere Gewaltbereitschaft“ und „Affinität zu Waffen“ in der „türkisch-rechtsextremistischen Szene“. Dass sich Angriffe auf türkische Oppositionelle und Exilanten in den vergangenen Wochen und Monaten mehren, ist ein Zeichen für die Radikalisierung und Polarisierung der hiesigen Türkei-stämmigen Community. Ob die „Grauen Wölfe“ direkt an den Übergriffen beteiligt waren, bleibt aber Spekulation.

Fakt ist: Die Organisation ist groß. In Deutschland ist sie in 200 lokalen Vereinen organisiert. Der Bewegung, deren Mitglieder sich selbst als „Idealisten“ (Türkisch: Ülkücü) bezeichnen, werden hierzulande mindestens 11.000 Anhänger zugezählt. Drei Dachorganisationen bestimmen ihre Ausrichtung:

  • die „Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu“: die mit ADÜTDF abgekürzte sogenannte Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland;
  • die „Avrupa Türk-Islam Birligi“: ATIB oder Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa;
  • und die „Avrupa Türk Kültür Dernekleri Birligi“: auch als ATB, Europäisch-Türkische Union, bekannt.

„Graue Wölfe“ sind gut vernetzt

Dass Mitglieder der „Graue Wölfe“ auf Kundgebungen der Union Internationaler Demokraten (früher UETD), die als Lobbyorganisation der AKP gilt, auftauchten oder auf Veranstaltungen des Moscheeverbandes DITIB anwesend waren, zeigt, wie gut vernetzt sie sind.

Bereits im Verfassungsschutzbericht für 2019 ist von einem großen Mobilisierungspotenzial die Rede. Außerdem hieß es darin: „Die unterschiedlichen Ausprägungen reichen von klassischem Rassismus bis hin in den Randbereich des Islamismus.“ Das American Jewish Committee (AJC) Berlin kommt in einer Studie zu dem Schluss: Die „Grauen Wölfe“ seien „antisemitisch, nationalistisch und kurdenfeindlich

26 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Flüchtlinge

Türkei: Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik?

von Fremdeninfo 24 September 2021
von Fremdeninfo

 

Türkei: Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik?

 
 
Von Hilal Köylü
 
 

|Die Türkei praktizierte lange eine „Politik der offenen Tür“ und ließ Millionen von Syrern ins Land. Durch die Wirtschaftskrise wuchs die Ablehnung dieser Politik. Schickt Präsident Erdogan die Flüchtlinge nun zurück?

© picture-alliance/dpa/M. Assanimoghaddam Syrische Flüchtlingskinder im türkischen Edirne

Als der syrische Bürgerkrieg in Syrien im Jahr 2011 ausbrach, gab sich die türkische Regierung großzügig gegenüber syrischen Schutzsuchenden. Ankara argumentierte damals, dass das syrische Regime Menschenrechtsverletzungen begehe. Syrische Flüchtlinge müssten daher beschützt werden. Obwohl die Opposition davor warnte, dass dieser Schritt Gefahren für Frieden und Wohlstand mit sich bringen könnte, leitete Präsident Recep Tayyip Erdogan eine „Politik der offenen Tür“ ein. Die Türkei begann, ein „Schutzregime“ einzurichten: Syrer wurden nicht mehr abgeschoben, sondern in Flüchtlingslagern untergebracht, wo sie grundlegende Versorgung erhielten.

Das Ergebnis dieser „Politik der offenen Tür“ ist heute nicht zu übersehen: Nach Angaben des Innenministers Süleyman Soylu befanden sich im August 3,7 Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei – fast die Hälfte von ihnen Kinder unter 18 Jahren. Die mit Abstand beliebteste Stadt für Exil-Syrer ist Istanbul. In der Bosporusmetropole leben nach Angaben der türkischen Migrationsbehörde rund 530.000 Syrer.

Das Geld der EU hat das Problem nicht gelöst, meint Politologe Bagci. © Klaus Weddig Das Geld der EU hat das Problem nicht gelöst, meint Politologe Bagci.

Viele türkische Experten und Teile der Opposition sehen die liberale Flüchtlingspolitik jedoch kritisch. „Die Türkei konnte die Zahl der Flüchtlinge nicht richtig vorausberechnen und unterschätzte völlig, wie teuer die Versorgung wird. Die Flüchtlinge wurden dadurch immer mehr zu einem Politikum“, sagt etwa Hüseyin Bağcı, Fachmann für internationale Beziehungen an der Technischen Universität des Nahen Ostens in Ankara.

Türkei als Zwischenstopp

In den folgenden Jahren stellte sich immer mehr heraus, dass tausende syrische Migranten nach Europa weiterzogen. Alleine im Jahr 2015 kamen nach Angaben der Europäischen Kommission über 850.000 Menschen in Griechenland an. Die EU musste reagieren: Trotz zahlreicher Einwände von Seiten des Flüchtlingskommissars der Vereinigten Nationen, des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) und verschiedener NGOs beschlossen Brüssel und Ankara im März 2016 das EU-Türkei-Abkommen. Der sogenannte Flüchtlingsdealsollte die Anzahl der Geflohenen, die über die östliche Mittelmeerroute in die EU kamen, reduzieren.

Migranten, die in Griechenland ankommen, werden seither, wenn sie kein Asylrecht besitzen, von griechischen Behörden in die Türkei zurückgeschoben. Im Gegenzug siedelt die EU die gleiche Anzahl asylberechtigter Syrer aus den Lagern in die EU-Mitgliedsländer um. Hinzu kommt, dass die EU im Rahmen des Deals insgesamt sechs Milliarden Euro zur Versorgung syrischer Flüchtlinge an Ankara auszahlte. Dem türkischen Präsident reicht das nicht: Erdogan hat mehrfach betont, dass die Türkei in den vergangenen achteinhalb Jahren bereits 40 Milliarden Euro für syrische Flüchtlinge ausgegeben habe.

„Das Problem kann nicht mit Geld gelöst werden“

Auch Bağcı kritisiert vor allem Brüssel für das Abkommen mit Ankara: „Die EU will das Problem allein dadurch lösen, dass sie Geld in die Türkei schickt. Doch die Türkei allein kann die Last der syrischen Flüchtlinge nicht bewältigen“, mahnt der Experte. Auch Murat Erdogan, Migrationsexperte an der Deutsch-Türkischen Universität Istanbul, beklagt, dass Europa zu lange auf finanzielle Hilfen gesetzt hätte, um einen weiteren Flüchtlingszustrom zu vermeiden. „Die EU hat die falsche Politik verfolgt. Und jetzt setzt sie sogar die Finanzverhandlungen mit Ankara fort“. Es sei viel effektiver, einen „Unterstützungs- und Kooperationsmechanismus“ mit konkreten Hilfen einzurichten, argumentiert der Migrationsexperte, der nicht mit dem türkischen Präsidenten verwandt ist.

Stimmung gegenüber Flüchtlingen ist gekippt

Dieser scheint jedoch in letzter Zeit seine großzügige Flüchtlingspolitik zurückzufahren. Der Hauptgrund ist, dass die Akzeptanz der Millionen von Flüchtlingen in der türkischen Bevölkerung zurückgeht.

Im August brach sich der Fremdenhass in Ankara Bahn. Syrer wurden angegriffen, Geschäfte und Autos angezündet und zerstört. © DHA Im August brach sich der Fremdenhass in Ankara Bahn. Syrer wurden angegriffen, Geschäfte und Autos angezündet und zerstört.

Die zunehmende Ablehnung gegenüber Migranten ist hauptsächlich auf die in der Türkei seit Herbst 2018 anhaltende Währungs- und Wirtschaftskrise zurückzuführen. Existenzängste und Verteilungskämpfe haben in der türkischen Gesellschaft zugenommen. Vor allem die größte Oppositionspartei CHP legt daher eine schärfere Rhetorik gegen Flüchtlinge an den Tag. CHP-Chef Kemal Kilicdaroglu hatte zuletzt erklärt, dass er alle Flüchtlinge in ihr Herkunftsland zurückschicken werde, sollte seine Partei an die Macht kommen.

Der Druck auf Erdogans Flüchtlingspolitik macht sich offensichtlich nun bemerkbar. „Wir sind uns der Unruhen in der Gesellschaft bewusst“, sagte Präsident Erdogan zuletzt. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu kündigte an, dass man mit den Vereinten Nationen über die Rückführung der Syrer in ihr Heimatland beraten wolle. Auch AKP-Sprecher Ömer Çelik deutete zuletzt Verhandlungen an, die eine Wende in der Flüchtlingspolitik bedeuten könnten: „Es gibt noch keine konkrete Entscheidung“, so Çelik. „Es ist notwendig, mit Jordanien, dem Irak und anderen Ländern zu sprechen, um eine Änderung unserer Politik vorzunehmen“.

 
  • Wikileaks veröffentlich Video, dass Ermordung von Zivilisten durch US-Soldaten im Irak zeigt dw.com-Logo
  • Präsidenten-Treffen in Moskau Integration statt AbschiebungFür Migrationsexperte Murat Erdogan steckt hinter der Debatte um eine mögliche Rückführung von Syrern vor allem eine politische Drohkulisse der Opposition. Man wolle die Regierung unter Druck setzen – es handele sich jedoch um reinen Populismus, so Murat Erdogan. „650.000 syrische Babys wurden in der Türkei geboren. 770.000 syrische Kinder werden zurzeit in türkischen Schulen unterrichtet (…) Man kann nicht erwarten, dass diese Menschen freiwillig zurückkehren, man kann sie aber auch nicht einfach so zwingen, zurückzukehren“. Stattdessen müsse man die entgegengesetzte Richtung einschlagen, fordert Migrationsexperte Erdogan, und dazu brauche es wirksame Maßnahmen zur Integration
24 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Die Todesliste der Türkei und was Sedat Peker damit zu tun hat

von Fremdeninfo 20 September 2021
von Fremdeninfo

 

  • Die Todesliste der Türkei und was Sedat Peker damit zu tun hat

    Von

    dtj-online

    –

    20.09.2021

     
     
     Türkische Dissidenten im Visier: Kann die Bundesrepublik Cevheri Güven, Erk Acarer, Can Dündar und Co. schützen? Quelle: Shutters

    Nach dem Angriff auf den türkischen Exil-Journalisten Erk Acarer Anfang Juli wurde eine „Todesliste“ mit den Namen türkischer Personen in Deutschland publik. Neben dem Journalisten tauchen darin Namen wie Cevheri Güven und Can Dündar auf. Was das mit Ankara zu tun hat.

    Als Can Dündar Ende 2015 in der Türkei verhaftet wurde, gab es internationale Reaktionen darauf. Der jahrelange Druck auf die Pressefreiheit in der Türkei wurde endlich stärker wahrgenommen. Denn Dündar war schon immer international gut vernetzt.

    Als er im Mai 2016 in Ankara einem Anschlag nur knapp entging, verließ der Journalist mit einem Linienflugzeug das Land gen Deutschland. Angekommen in der Bundesrepublik, schlüpfte Dündar in die Rolle des Chefredakteurs in einem eigens für ihn gegründeten Medium.

    Dündar provozierte Ankara mit „özgürüz“

    Mithilfe des gemeinnützigen Recherchenetzwerks Correctiv wurde das Medium „özgürüz“ ins Leben gerufen. Obschon die Plattform einen vielversprechenden Start hinlegte, ebbten Reichweite und Relevanz des Projekts schnell wieder ab. Dennoch ist Dündar in Deutschland das Gesicht von „özgürüz“ – und steht damit auch federführend für die andauernde Türkei-Kritik des Mediums.

    Seine Reichweite und der Effekt seiner Kampagnen werden auch in Ankara wahrgenommen. Es scheint, als hätte die türkische Regierung eine solch erfolgreiche Kampagne gegen die Türkei – ausgehend von einem einzigen Exil-Journalisten – nicht kommen sehen.

    Dündar und 54 weitere Personen auf türkischer Todesliste

    Dündar hatte bereits kurz nach seiner Ankunft in Deutschland zahlreiche Preise erhalten. Die Verleihungen nutzte er als Bühne, um auf die Repressalien der türkischen Regierung aufmerksam zu machen. Das konnte der Türkei nicht gefallen.

    Heute findet sich Dündars Name, gemeinsam mit 54 weiteren, auf einer sogenannten „Todesliste“. Genau genommen stehen darin die Namen von 55 türkischen Exilant:innen, Journalist:innen, Politiker:innen, prominente Kulturschaffenden sowie Homosexuellen. Sie eint ihre „Kritik an der türkischen Regierung“, wie es in dem Dokument, das DTJ-Online vorliegt, heißt.

    Auch Rapper Ezhel auf Todesliste

    Der Verfasser der Liste ist unbekannt. Doch laut einigen Betroffenen, wie etwa dem Journalist Cevheri Güven, kamen diesmal die deutschen Sicherheitsbehörden proaktiv auf die Betroffenen zu. „Ich hatte zuvor telefonisch Kontakt zu den Sicherheitsbehörden aufgenommen, doch diesmal kamen sie persönlich und unterrichteten uns von einer akuten Gefährdungslage“, berichtet Güven.

    Zwar tauchen in der Liste auch Personen auf, die als lautstarke Regime-Gegner bekannt sind. Doch eine ernsthafte Bedrohung für die türkische Regierung sind sie nicht. Etwa der türkische Modedesigner und bekennende Homosexuelle Barbaros Şansal oder der Rapper Ezhel.

    Stimmungsmache gegen türkische Regierung?

    Beide bewiesen in der Vergangenheit: Sie können Stimmung gegen die türkische Regierung machen. Dennoch werden beide wohl kaum ihren Sturz verursachen. Nicht umsonst sagt Ezhel in seinem Song „Allahından bul“ (auf Deutsch: „Strafen soll dich Allah“), dass er kein Terrorist sein könne, solange seine „Waffe die Musik“ sei.

    Mit seinen satirischen und politischen Messages kann Ezhel vermutlich die Generation Z erreichen – einen Regimewandel indes eher nicht. Gleiches gilt für Şansal. Trotz aller Kritik wird es ihm mit seiner Unterstützung der türkischen LGBTQ+ Community kaum gelingen, Recep Tayyip Erdoğan vom Thron zu stoßen. Journalisten wie Cevheri Güven oder Erk Acarer sind da ein anderes Kaliber.

    Angriff auf Exil-Journalisten wegen Todesliste?

    Letzterer wurde am 7. Juli vor seinem Haus in Berlin von zwei türkischen Personen angegriffen und geschlagen (DTJ-Online berichtete). Dabei erlitt der Journalist, der für das Exilmedium Artı TV arbeitet, schwere Körperverletzungen. „Sie haben gesagt, ich solle aufhören zu schreiben“, sagte Acarer über die Täter, die er „kenne“.

    Die deutschen Behörden legten bis heute keinerlei Ermittlungsergebnisse in der Angelegenheit vor. Doch mit der aktuellen und äußerst konkreten Gefährdungslage verschärft sich die Situation der Schutzsuchenden noch einmal.

    Welche Rolle spielt Sedat Peker?

    Die Frage, warum die Eskalationsspirale gerade jetzt wieder nach oben führt, beschäftigt die Öffentlichkeit. Expert:innen hegen eine erste Vermutung: In der Liste der 55 Personen spielen Güven und Acarer, gemeinsam mit Ahmet Nesin und Celal Başlangıç, die größte Rolle in der Berichterstattung zu den Enthüllungen rund um „Sedat Peker„.

    Der Mafia-Pate hielt die türkische Öffentlichkeit mit seinen Enthüllungen über Korruption und Kriminalität hochrangiger türkischer Regierungsmitglieder und ihrer Vetter in diesem Frühsommer auf Trab. Nur wenige Medienschaffende, übrigens auch die wenigsten von ihnen, die im Exil sind, trauen sich aus Angst vor der Reaktion des türkischen Regimes an das Thema heran.

    Acarer und Güven belegen Peker-Enthüllungen zum Teil

    Peker ist der Stachel im Fleisch der türkischen Regierung. Zu viele Interna aus seinen Videos und Tweets haben sich bereits belegen lassen. Die türkische Öffentlichkeit hält Peker längst für einen glaubwürdigen Whistleblower. In manchen Punkten, die der flüchtige Mafiaboss offenlässt, spielen Investigativjournalisten wie Güven und Acarer eine Rolle.

    Mit seinen Kommentaren zu Pekers Enthüllungen erreicht Güven mittlerweile selbst hunderttausende Menschen. Seine Beteiligung geht sogar soweit, das Peker persönlich Stellung zu Güvens Kommentar-Videos bezieht.

    „Warte nur!“

    Die Strategie des türkischen Mafia-Paten ist klar. Er geht einen gefährlichen Weg. Die Sicherheit für ihn und seine Familie ist nicht mehr gewährleistet, obwohl Peker seine Schritte minutiös plant. Den einen Schritt zu viel ist er bislang nicht gegangen, obschon er es bei jeder Gelegenheit befürchtet. Es scheint, bislang kenne er immer einen Ausweg.

    Im vermeintlich sicheren Exil preschen Güven und Acarer vor. Doch auch Deutschland scheint für sie kein sicherer Hafen zu sein. Denn trotz Personenschützern vor seinem Haus gab es bei Acarer jüngst erneut einen Vorfall (DTJ-Online berichtete).

    s

20 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Özil verrät, welche Partei er wählen wird und hat Buchpläne

von Fremdeninfo 19 September 2021
von Fremdeninfo

Özil verrät, welche Partei er wählen wird und hat Buchpläne

Von

dtj-online/ dpa

–

 
=“Eintracht Frankfurt – Fenerbahce Istanbul – Training Istanbul“ width=“696″ height=“430″>
15.09.2021, Hessen, Frankfurt/Main: Fußball: Europa League, vor dem Gruppenspiel Eintracht Frankfurt gegen Fenerbahçe im Deutsche Bank Park. Mesut Özil nimmt am Abschlusstraining von seinem Team im Stadion teil. Foto: Arne Dedert/dpa

Fußball-Weltmeister Mesut Özil hat verraten, wem er bei der Bundestagswahl seine Stimme geben will. Er werde am 26. September die Partei Team Todenhöfer wählen.

Özil postete bei Twitter zu einem „Treffen mit Deutschlands mutigstem Politiker“ ein gemeinsames Foto mit dem 80-Jährigen. Dieser habe hinter ihm gestanden, als er vor drei Jahren bei der WM in Russland eine schwere Zeit erlebt habe. „Nun stehe ich hinter ihm“, fügte Özil hinzu.

Jürgen Todenhöfer reagierte kurz darauf und schrieb bei Twitter, er und Özil würden auch ein gemeinsames Buch planen. „Es wird eine Überraschung.“

Ehemaliger CDU-Abgeordneter

Der Publizist gehörte als Christdemokrat von 1972 bis 1990 dem Bundestag an, war aber im vergangenen Jahr aus der CDU ausgetreten.

Der 92-malige Ex-Nationalspieler Özil war nach Querelen um ein umstrittenes Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dem folgenden Vorrunden-Aus bei der WM 2018 aus der DFB-Auswahl zurückgetreten. Der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler, der in Gelsenkirchen geboren wurde, wechselte zu Jahresbeginn vom FC Arsenal zu Fenerbahçe. Vor wenigen Tagen gastierte er mit seinem neuen Team in Frankfurt.

dpa/dtj

19 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Türkei kann keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagt Erdogan

von Fremdeninfo 14 September 2021
von Fremdeninfo

 

Türkei kann keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, sagt Erdogan

 
  In einem Telefonat mit Bundespräsident Steinmeier hat der türkische Präsident Erdogan Hilfe für die Nachbarstaaten gefordert, um geflüchteten Menschen aus Afghanistan helfen zu können. Zugleich machte er deutlich, dass die Türkei keine weiteren Flüchtlinge mehr versorgen könne.
„Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagt Recep Tayyip Erdogan Quelle: AP © AP „Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagt Recep Tayyip Erdogan Quelle: AP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Hilfe für afghanische Flüchtlinge in den Nachbarstaaten gefordert. Diese Länder trügen die Last der afghanischen Migration, sagte Erdogan nach Angaben seines Büros am Dienstag in einem Telefonat mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Die EU-Staaten sollten die afghanischen Nachbarländer unterstützen, damit diese geflüchteten Afghaninnen und Afghanen in der Nähe der Heimat helfen könnten.

Zugleich unterstrich Erdogan, die Türkei sei nicht in der Lage, noch zusätzliche Flüchtlinge zu versorgen. „Niemand möchte eine ähnliche Erfahrung wie die syrische Flüchtlingswelle von 2015 machen“, sagte er. Damals hatte die Türkei Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, von denen viele in Booten auf griechische Inseln übersetzten, um von dort aus in reichere EU-Staaten wie Deutschland zu gelangen.

Im Jahr darauf unterzeichneten die EU und die Türkei ein Migrationsabkommen, dass den Zuzug von Migranten nach Europa begrenzen soll. Im Gegenzug sagte die EU der Türkei Finanzhilfen und Reiseerleichterungen für türkische Bürger zu. Derzeit beherbergt die Türkei etwa 3,7 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien.

Erdogan forderte von Steinmeier, die EU solle schnelle Schritte zur Umsetzung des Migrationsabkommens unternehmen. Dazu gehörten ein Neustart der Beitrittsgespräche mit der Türkei, eine Aktualisierung der Zollunion und visafreie Reisen für Türkinnen und Türken in die EU.

14 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Türkische Gemeinde: Migrationsfragen werden im Wahlkampf ausgeblendet

von Fremdeninfo 13 September 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde: Migrationsfragen werden im Wahlkampf ausgeblendet

Von

dtj-online

–

13.09.2021

 
 
 
 
e=“Gökay Sofuogl – Bundesvorsitzender Türkische Gemeinde“ width=“696″ height=“463″>
Archivfoto: Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Im Bundestagswahlkampf wird nach Einschätzung der TGD zu wenig darüber gesprochen, wie es in der Migrationspolitik weitergehen soll. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Wenn die AfD über Migration spricht, geht es meist um Migrationsabwehr. Das ist bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien anders. Der Türkischen Gemeinde fällt jedoch auf: Von ihren Wahlkämpfern wird das Thema weitgehend ausgeblendet.

Im Bundestagswahlkampf wird nach Einschätzung der Türkischen Gemeinde zu wenig darüber gesprochen, wie es in der Migrationspolitik weitergehen soll. Er erlebe, „dass die Parteien – mit Ausnahme der Grünen – gerade sehr vorsichtig sind, was das Thema Migration und Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft angeht“, sagte der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Gökay Sofuoğlu, der Deutschen Presse-Agentur. Das sei sehr bedauerlich, auch mit Blick auf die rund zwölf Prozent der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte.

Die TGD hatte die Direktkandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien in den vergangenen Wochen zu ihren Einstellungen und Positionen in Sachen Migration und Integration befragt. Nach Angaben des Verbandes antworteten 209 Kandidaten und Kandidatinnen der Grünen. Von der Linkspartei bekam die Türkische Gemeinde 187 Antworten, von der SPD 143 Antworten und von der FDP 129.

Nur wenige Kandidaten antworten

Den Angaben zufolge antworteten dagegen nur 24 Kandidaten der AfD sowie insgesamt 21 Direktkandidaten von CDU und CSU. Er sei erschüttert von der geringen Resonanz seitens der Unionskandidaten, sagte der Co-Vorsitzende der TGD, Atila Karabörklü, zumal er den Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet (CDU), als „sehr interessiert und kompetent“ wahrnehme, wenn es um die Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft gehe.

Auf die Frage, ob sie angesichts des mit sechs Prozent sehr niedrigen Anteils im öffentlichen Dienst Zielquoten für Menschen mit Migrationsgeschichte befürworteten, antworteten laut TGD nur die befragten Politiker der Linken mehrheitlich mit „Ja“. Von den SPD-Kandidaten, die an der Befragung teilnahmen, waren 35 Prozent dafür, 49 Prozent dagegen. 16 Prozent machten keine Angaben. Von den befragten Grünen sprachen sich 33 Prozent für eine solche Quote aus, 57 Prozent dagegen. Die Kandidaten von FDP, CDU/CSU und AfD, die der Türkischen Gemeinde antworteten, sprachen sich jeweils mit großer Mehrheit gegen eine „Migrationsquote“ aus.

Forderung nach Quote

„Wir haben auch bei den Frauen gesehen, dass es einfach so nicht funktioniert“, begründete Sofuoğlu die Forderung des Dachverbandes nach einer Quote. Wichtig sei, dass Menschen mit Migrationsgeschichte im öffentlichen Dienst und in der Politik auch in Leitungsfunktionen präsent seien.

Obwohl inzwischen mehr als ein Viertel der Bevölkerung ausländische Wurzeln habe, seien Menschen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen im öffentlichen Dienst und in der Politik kaum vertreten. „Die Fußball-Nationalmannschaft spiegelt Deutschland besser wider als die deutsche Politik“, sagte Sofuoğlu.

Positives Beispiel aus NRW

Eines der wenigen positiven Beispiele sei der baden-württembergische Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne). Es sei gut, dass hier ausnahmsweise ein Politiker mit Migrationsgeschichte in einer Position sei, wo relevante Entscheidungen getroffen würden. Karabörklü verwies darauf, dass dem aktuellen Bundeskabinett kein Mensch mit Migrationshintergrund angehöre.

In der neuen Regierung sollte das Thema Migration und Integration „besser platziert sein“, forderte Sofuoğlu. Die Integrationsbeauftragten der Bundesregierung hätten zu wenige Befugnisse und kaum eigene Ressourcen. Die Befragung der Kandidaten habe gezeigt, dass es inzwischen mehr Zuspruch für ein eigenständiges Einwanderungsministerium gebe als noch vor vier Jahren.

dpa/dtj

 
13 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Archive

Flüchtlinge, Terrorismus – „Afghanistan wird Folgen für Deutschland haben“

von Fremdeninfo 11 September 2021
von Fremdeninfo

…

 
 

Flüchtlinge, Terrorismus – „Afghanistan wird Folgen für Deutschland haben“

 
 
Anna Schneider
 
 

|

WELT: Herr Neumann, Sie sagten vor wenigen Tagen: „Meine Begründung von Sicherheitspolitik ist keine konservative, sondern eine liberale.“ Warum sind Sie dann im Zukunftsteam von CDU-Chef Armin Laschet?

Der Terrorismusexperte Peter Neumann Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Der Terrorismusexperte Peter Neumann Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

Peter Neumann: Weil die Union eine Volkspartei ist, sie hat verschiedene Wurzeln: die liberale, die eher konservative und die christlich-soziale. Man kann also in der CDU auch sehr gut ein eher liberal orientierter Mensch sein …

WELT: Sie besetzen die Themen Außen- und Sicherheitspolitik in diesem Zukunftsteam und haben gemeinsam mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Laschet Ihre sicherheitspolitische Agenda vorgestellt – was kann man sich darunter vorstellen?

Neumann: Deutschland wurde 16 Jahre lang ganz gut regiert, aber gerade in diesem Bereich hat sich viel gewandelt, es gibt noch viele Baustellen. Gerade was innere und äußere Sicherheit und die Verknüpfung beider angeht. Das sah man beispielsweise jetzt ganz deutlich in Afghanistan. Deutschland hat diesen Auslandseinsatz als vor allem als Militäreinsatz betrieben, dabei hätte man das von Anfang an enger mit Entwicklungshilfe, mit Wirtschaftspolitik und mit Diplomatie abstimmen müssen. Was in Afghanistan passiert ist, wird Folgen für Deutschland haben – sei es beim Thema Terrorismus oder beim Thema Flüchtlinge.

Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

Der Leitgedanke dieses Sicherheitspapiers ist also die verbesserte Vernetzung von innerer und äußerer Sicherheit, ist eine Sicherheitspolitik aus einem Guss. Das machen viele Länder bereits, aber Deutschland eben nicht: Zu oft stellen wir uns das Land nicht als eines vor, das Sicherheitspolitik betreibt. Diese Berührungsangst muss überwunden werden. Hierbei würde ein nationaler Sicherheitsrat helfen. Das ist ein zentraler Vorschlag in unserem Papier.

WELT: FDP-Vize Johannes Vogel sagte in einem WELT-Interview: „Wir erleben in Deutschland aber oft einen vulgär-pazifistischen Ausdruckstanz, wenn es um die Frage von Handlungsfähigkeit und Ausrüstung der Bundeswehr geht.“ Sie würden ihm wohl zustimmen, was die bessere Ausstattung der Bundeswehr angeht?

Neumann: Da sind wir als CDU ganz grundsätzlich dafür. Die linken Parteien dieses Landes äußern sich diesbezüglich oft zweideutig: Zwar sprechen sie sich für die Bundeswehr aus, gleichzeitig sind sie aber nicht bereit, die Mittel bereitzustellen, damit diese ihre Aufgaben auch tatsächlich erfüllen kann. Die CDU hingegen will eine schlagkräftige, gut ausgerüstete Armee, die in der Lage ist, ihre Aufgaben zu erfüllen. Und wir wollen, dass unsere Leute geschützt werden, etwa durch bewaffnete Drohnen.

Zu oft wird das Thema Sicherheitspolitik ideologisch debattiert. Ein Beispiel: Inlandseinsätze. Es will ja niemand, dass die Bundeswehr pötzlich durch die Straßen patrouilliert. Aber gäbe es in Deutschland jetzt einen Anschlag wie den am 11. September 2001 in den USA, was nicht besonders wahrscheinlich, aber auch nicht auszuschließen ist, sollte das Land in der Lage sein, sehr schnell sehr viele Menschen mobilisieren zu können, um das Land zu sichern. Das kann nur die Bundeswehr.

Sie hat zum Beispiel auch sehr spezifische Fähigkeiten, etwa im ABC-Bereich, den zivile Agenturen einfach nicht haben. In so besonderen Gefährdungslagen müssen wir auf die spezifischen Fähigkeiten der Bundeswehr im Innern unterstützend zurückgreifen können – natürlich unter Führung der Polizei und im Rahmen festgelegter Grenzen.

WELT: Was würde es für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik bedeuten, wenn sich im Herbst eine linke Regierung bildete – etwa Rot-Grün-Rot?

Neumann: Linke Parteien sind nicht bereit, realistische Außenpolitik zu machen, die sich auch an Auslandseinsätzen beteiligt. Deutschland würde in diesen Politikbereichen schlicht und einfach nicht mehr ernst genommen werden. Zum Bereich der inneren Sicherheit habe ich bislang in diesem Wahlkampf noch fast gar nichts von diesen Parteien vernommen.

Ein liberaler Rechtsstaat braucht einen klaren Ordungsrahmen, um Freiheit zu sichern. Was wir als CDU versuchen, ist, eine möglichst liberale Ordnung bereitzustellen. Denn wenn der liberale Staat nicht mehr in der Lage ist, Ordnung herzustellen, dann machen es eben andere.

Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT © Martin U. K. Lengemann/WELT Quelle: Martin U. K. Lengemann/WELT

WELT: Wo ziehen Sie dabei die Grenze zwischen der Freiheit des Einzelnen und der notwendigen Sicherheit für alle?

Neumann: Es geht uns darum, die Befugnisse und Instrumente der Kriminalitätsbekämpfung, die der Staat bereits hat, den digitalen Realitäten anzupassen. So etwa bei Online-Durchsuchungen oder intelligenter Videosicherheitstechnik. Schon jetzt kann eine Festnetzleitung abgehört werden, dort findet aber immer weniger Kommunikation statt. Entsprechend müssen die Möglichkeiten zur Kriminalitätsbekämpfung da geschaffen werden, wo sie heute benötigt werden, zum Beispiel bei verschlüsselten Nachrichten über Messenger-Dienste.

Beim Videoschutz bin ich dafür, dass wir an bestimmten Brennpunkten beziehungsweise Gefahrenorten Videosicherheitstechnik einsetzen, die die Polizei unterstützt – zum Beispiel an Bahnhöfen oder Flughäfen. Dabei geht es aber eben nicht um Massenüberwachung, und das ist der Punkt:

Der liberale Staat zeichnet sich dadurch aus, dass Freiheitsbeschränkungen grundrechtskonform und verhältnismäßig sein müssen und kontrolliert werden. Intelligente Videokameras, die durch moderne, effiziente und innovative Technik mehr Sicherheit bringen und zugleich zielgerichteter Datenschutzinteressen berücksichtigen, aus ideologischen Gründen abzulehnen, halte ich nicht für zielführend.

WELT: Warum setzt die CDU im Wahlkampf erst jetzt auf das Thema Sicherheit?

Neumann: Bislang waren die Parteien in diesem Wahlkampf die Getriebenen. Themen zwangen sich ihnen auf; von Corona über die Flut bis zur Afghanistan-Krise. Afghanistan sehe ich nun als Weckruf, der uns dazu bringen sollte, die Themen äußere und innere Sicherheit endlich ernsthaft zu diskutieren.

WELT: Welche Lehren sollte die nächste Bundesregierung aus dem Afghanistan-Debakel ziehen?

Neumann: Bei Auslandseinsätzen müssen die Ziele von Anfang an klar definiert sein – daher wäre eben auch ein nationaler Sicherheitsrat wünschenswert. Sobald man seine Ziele definiert hat, müssen Mittel zur Verfügung gestellt werden, die diesen Zielen angemessen sind. Und das war in Afghanistan nicht der Fall.

WELT: Gehen Sie davon aus, dass Deutschland und Europa durch den Fall Afghanistans an die Taliban einer erhöhten Terrorgefahr ausgesetzt ist?

Neumann: Ich denke, das sich die unmittelbare Terrorgefahr erhöht hat. Nicht nur direkt aus Afghanistan, sondern weil in der dschihadistischen Szene nun nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder eine positive Stimmung herrscht. Es wird – auch in den sozialen Medien – versucht, eine Art Momentum zu schaffen, das Leute motivieren soll.

Mittelfristig muss man beobachten, ob in Afghanistan erneut eine chaotische Situation entsteht, wie es vor 20 Jahren schon einmal der Fall war – damals wurde das Land zum Rückzugsraum für international orientierte terroristische Gruppen.

WELT: Sprechen wir uns das nächste Mal, wenn Sie Innenminister in einem Kabinett Laschet sind?

Neumann: Es gibt keine Absprachen für das, was nach der Wahl passiert – aber ich wäre bereit, Verantwortung zu übernehmen.

11 September 2021 0 Kommentare
FacebookTwitterWhatsappBlueskyEmail
Neuere Beiträge
Ältere Beiträge

Beliebte Artikel

  • Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025

    22 Juli 2025
  • Ermittlungen gegen Ex-SPD-Ratsfrau Iri: Was ist am Kronsberg wirklich passiert?

    28 April 2026
  • Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche

    4 Dezember 2025
  • Journalist und Aktivist Hakan Tosun stirbt nach brutalem Angriff

    14 Oktober 2025
  • Der Löwenanteil -Para _Şêr

    19 August 2025

Unser Team

Cumali Yağmur

Verantwortliche Redaktor

Ayşe Eker

Ayşe Eker

Redaktorin

Erdoğan Sedef

Erdoğan Sedef

Redaktor

Rojin Erten

Rojin Erten

Redaktor

Can Taylan Tapar

Can Taylan Tapar

Redaktor

Halit Yaşar Demirbağ

Halit Yaşar Demirbağ

Redaktor

Kategorien

  • Allgemein
  • Archive
  • Impressum
  • Politik
  • Religion
  • Flüchtlinge
  • Kultur
  • Frauen
  • Jugend
  • Salafismus
  • Veranstaltungen
  • Information
  • Rassismus
  • Antisemitismus
  • Fremdenfeindlichkeiten
  • Bildung
  • Featured

Neueste Artikel

  • Fest an Privatschule: Schüler singen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“

    23 Juli 2026
  • Aggressives Verhalten von Sicherheitskräften gegenüber Medienvertreter in der Hannoveraner Niki-de-Saint-Phalle-Promenade

    23 Juli 2026
  • Trotz heftiger Kritik haben Bundestag und Bundesrat das Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung verabschiedet. Die erste größere Reform der schwarz-roten Koalition ist damit beschlossen

    22 Juli 2026
  • 10 Jahre nach dem rassistischen Anschlag von München: Rechte Gewalt bleibt Alltag in Deutschland

    22 Juli 2026
  • Jugendamt und Migrantenfamilien

    22 Juli 2026

Über uns

Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025

22 Juli 2025

Neueste Artikel

In unsicheren Zeiten braucht es starke Männer.
17 Oktober 2025
Muslimischer Frau Schweinefleisch in den Rachen geschoben: Mann verurteilt
16 Oktober 2025
Der Fall Kiel sollte eine Lehre für die Grünen sein
16 Oktober 2025

Hervorgehoben

Statistik: Bürgergeld-Bezieher nach Nationalitäten – Stand Anfang 2025
22 Juli 2025
Ermittlungen gegen Ex-SPD-Ratsfrau Iri: Was ist am Kronsberg wirklich passiert?
28 April 2026
Appell für Gerechtigkeit: Frauen der AABF wehren sich gegen Willkür und Rechtsbrüche
4 Dezember 2025
  • Startseite
  • Anmelden
  • Über uns
  • Kontakt
  • Datenschutzerklärung
  • Newsletter
  • Impressum
Fremdeninfo
  • Startseite
  • Flüchtlinge
  • Politik
  • Kultur
  • Religion
  • Rassismus
  • Frauen
  • Jugend
  • Bildung