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Gänsehaut“: Zeynep Avcı begeistert mit türkischem Song bei „The Voice of Germany“

von Fremdeninfo 15 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Gänsehaut“: Zeynep Avcı begeistert mit türkischem Song bei „The Voice of Germany“

Von

dtj-online

–

15.10.2021

 
 
 
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Zeynep Avcı während ihres Auftritts bei The Voice of Germany, Quelle: Screenshot/The Voice of Germany

Die bekannte Castingshow „The Voice of Germany“ findet auch in diesem Jahr statt. Dabei gab es gleich zum Auftakt einen echten „Knaller“. Die Berliner Sängerin Zeynep Avcı schaffte es mit ihrem Auftritt, sämtliche Jury-Mitglieder zu elektrisieren. Dabei dürften weder Sarah Connor, noch Mark Forster, Nico Santos, Johannes Oerding sowie die meisten Zuschauer:innen kaum ein Wort verstanden haben. Ein Beitrag, wie auch die breite türkische Gefühlsebene in der Musik Eingang in diese Gesellschaft finden könnte.

Als Zeynep Avcı auf die Bühne von „The Voice of Germany“ stieg, ahnte niemand, welche bahnbrechende Performance die junge Berlinerin an den Tag legen würde. Nach einem kurzen ruhigen Einstieg in den Song eskalierte die Deutsch-Türkin regelrecht am Mikrofon und sorgte für einen andauernden Gänsehaut-Zustand bei den Mitgliedern der Jury. Aber auch die Zuschauer:innen dürfte es kaum auf ihren Sitzen gehalten haben. Sowohl die kräftige und besonders ausdrucksstarke Stimme der Sängerin als auch die spürbar transportierten Emotionen wie Kummer, Frust und Melancholie rundeten den mehr als gelungenen Auftritt ab. Die kaum zu übersehende Begeisterung der Jury-Mitglieder und ihre Aussagen sprechen Bände.

Zeynep Avcı mit „Yalan“ bei „The Voice of Germany“

Avcı hatte sich den Song „Yalan“ (auf Deutsch: Lüge) von Tan Taşçı ausgesucht. Höchstwahrscheinlich wird das nähere Umfeld der Gesangsvirtuosin davon abgeraten haben, denn dieses Liebeslied transportiert mehrere emotionale Ebenen, von denen man in der deutschen Kunst- und Kulturszene eher vorsichtig Gebrauch macht. Natürlich thematisieren auch deutsche Liebeslieder häufig genug Trennung und den damit verbundenen Schmerz. Doch Menschen aus der Türkei bauschen den Kummer und dieses Gefühlschaos immer maximal auf. Was sich oftmals schon in der Rhetorik zeigt, findet einen unweigerlichen Ausdruck im Klang und den Schwingungen des Gesangs, aber auch in der Melodie.

Arabeske Musikrichtung oftmals „too much“ für das deutsche Ohr

Die meisten Lieder dieser Art werden zur Musikrichtung „Arabeske“ gezählt. Typisch für diese Richtung sind vor allem sentimentale Texte über unerfüllte Liebe, aber auch konkrete Sorgen des Alltags. Seit Ende der 60er Jahre ist die Arabeske Bestandteil der türkischen Popmusik. Ihren Ursprung hat diese Richtung in den arabischen Ländern. Die vielen Schwingungen in dieser Musik wirken wie ein Weinen oder ein Klagen. Doch diese orientalische Art und Mentalität wirkt in hiesigen Kreisen als „too much“ oder einfach zu viel des Guten. Es sind so viele Emotionen in diesen Liedern, die zudem mit Nachdruck transportiert werden, dass das deutsche Ohr davon regelrecht belästigt wird. Um es zu veranschaulichen: Der deutsche Gaumen ist an die scharfen Gewürze des Orients nicht so gewöhnt. Ein schärferes Gericht kann dann schonmal als zu scharf empfunden werden. Damit vergeht der Genuss und es wird zu einer Qual. Etwa so verhält es sich mit der arabesken Musik.

Zeynep Avcı zieht Aufmerksamkeit auf sich

Dennoch hat Zeynep Avcı genau mit so einem Song für einen echten Knall in The Voice of Germany 2021 gesorgt. Ein Lied, das zu ihrer verzierten und verschnörkelten, aber kräftigen Stimmfarbe perfekt passt. Sie sang es sogar um Längen besser als der Urheber Tan Taşçı, der die Leistung der Berlinerin via Social Media würdigte. Der türkische Schmusesänger verlinkte ihren Auftritt via Instagram und schrieb: „Ich bin sehr berührt“. Wie ist es Avcı gelungen, das mehrheitlich deutsche Gehör hierzulande so punktuell zu berühren und die teils unverständlichen Emotionen zu transportieren? Man weiß es nicht so genau, doch ihr Erfolg hat die deutsch-türkische Community sichtbar aufgewühlt. Dies verdeutlichten die hunderttausenden Posts in den sozialen Medien, in denen sich Deutsch-Türken für den Transfer ihrer Emotionalität in die Herzen des überwiegend deutschen Publikums bedankten.

Vielen Dank für den Transfer dieser Emotionen, Zeynep Avcı

Denn es ist wie ein Aufatmen für die Millionen Deutsch-Türken, die mit ebenjener Musik und Kultur seit Jahrzehnten in diesem Land leben. Dabei hat die Mehrheitsgesellschaft kaum ein Ohr für ihre Emotionen und ein geringes Interesse daran, sich an ihrer Lebenswirklichkeit zu beteiligen. Türkische Pop-Musik ist zwar gern gehört, aber nur wenn es mit seiner Beweglichkeit für gute Laune sorgt. So in etwa mit dem berühmten Tarkan-Lied „Kiss Kiss“ aus den 90er Jahren. Generationenübergreifend wird auf dieses Lied verwiesen, obschon er nur noch im nostalgischen Kontext für die Deutsch-Türken eine Rolle spielt.

Mit Zeynep Avcı ist diese Musikrichtung im deutschen TV angekommen und wie ein Komet eingeschlagen. Es bleibt zu hoffen, dass Avcı auch im Verlauf der Show auf weitere türkische Lieder setzt. Denn in dieser Welt ist die Deutsch-Türkin heimisch. Dieses Gefühl kommt auch bei uns schonungslos an. Und wer weiß, vielleicht wird sie tatsächlich auch die diesjährige Siegerin von The Voice of Germany. Es sei ihr gegönnt.

15 Oktober 2021 0 Kommentare
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„Das Land braucht mehr als Willkommenskultur

von Fremdeninfo 15 Oktober 2021
von Fremdeninfo

 

„Das Land braucht mehr als Willkommenskultur“

Von

Stefan Kreitewolf

–

15.10.2021

Die Studie „ZuGleich“ untersucht unter anderem die Zustimmung der Gesellschaft zu Migration und Integration.

Die Studie „ZuGleich“ untersucht unter anderem die Zustimmung der Gesellschaft zu Migration und Integration. In den vergangenen Jahr sank die Akzeptanz für Zuwanderung. Die Wissenschaftlerin Zeynep Demir erläutert im DTJ-Online-Interview die Gründe.

Eine Kernerkenntnis Ihrer Studie „Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ lautet: Beim Konfliktthema Migration sinkt der Anteil der Menschen, die Integration für den richtigen Weg halten. Warum?

Die Mehrheit der Befragten spricht sich für die Integration aus. Unter Eingewanderten ist der Anteil wie in den Vorjahren stärker. Aber noch 34 Prozent derer, die nie eingewandert sind, erwarten eine Assimilation, also die Teilhabe bei gleichzeitiger Aufgabe kultureller Identitäten. Insgesamt sinkt die Befürwortung der Integration zwischen den Jahren 2014, 2016 und 2021. Die Konflikte um Fragen von Migration und Integration drücken sich in den Vorstellungen der Bürger deutlich aus. Teilhabe ja, aber bei der Akzeptanz von kulturellen Eigenheiten ist der Zuspruch begrenzt – und genau das erklärt den Rückgang der Integrationsbefürwortung.

Welche Migrationsbiografien haben die Protagonist:innen Ihrer Studie?

In unserer Studie haben 32,2 Prozent der Befragten eine Migrationsbiografie. Wir haben bei der Zusammensetzung sehr viele verschiedene ethnische Hintergründe berücksichtigt. Der größte Anteil setzt sich aber aus Menschen mit türkischer Herkunft zusammen.

„Zunahme des Rechtspopulismus“ wichtiger Faktor

Die kulturellen Eigenschaften der Neuankömmlinge zu respektieren sowie ihre Gleichwertigkeit anzuerkennen, daran hapert es ihrer Studie zufolge. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum viele Befragte der Überzeugung sind, dass Migrant:innen ihre kulturelle Prägung aufgeben sollten?

Eine Erklärung hierfür wäre, dass die politischen Auseinandersetzungen und die starke Zuwanderung in den Jahren 2015 und 2016 und die Zunahme des Rechtspopulismus deutliche Spuren auf die Einstellungen der Bürger:innen in Fragen der kulturellen Anpassung hinterlassen haben. Das Verständnis von Vielfalt ist in einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland ein wichtiger Baustein der Integration und kann aus unserer Perspektive noch besser gefördert werden.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie und ihre Begleiterscheinungen auf die Ergebnisse Ihrer Studie?

Die Auswertung der Daten zeigt, dass mit der Corona-Pandemie die Zustimmung zu einer Willkommenskultur wieder zunimmt. Die meisten Befragten begrüßen es, wenn Einwandernde sich für Deutschland entscheiden. Mehr als 60 Prozent freuen sich, dass Deutschland vielfältiger und bunter wird. Jede fünfte befragte Person lehnt dies hingegen ab. Insgesamt sehr wir, dass die Pandemie einen Einfluss auf die Einstellungen zur Migration haben kann. Wir benötigen weitere Studien, die den Migrationsaspekt mitberücksichtigen, wenn Einstellungen während der Pandemie untersucht werden.

Bildung und Alter entscheidend

In der Studie ist von einer „Kultur der Abwehr“ zu lesen. Sie sehen eine deutliche Zunahme bei der Abwertung von Geflüchteten. Was folgt für die Politik daraus?

Helfen könnte aus unserer Sicht eine zugewandte Einwanderungspolitik, die das Ankommen stärkt und den Prozess des Ankommens unterstützt, zum Beispiel durch Bildung und Kommunikation. Schulische und außerschulische Bildung zu Grundfragen von Migration und Akkulturation müssen gestärkt werden. Sie könnte vermitteln, wie sich Menschen Kulturen aneignen und sich Gesellschaften gemeinsam ändern. Und mit dem Blick auf zukünftige Migrationsbewegungen in Deutschland braucht das Land mehr als Willkommenskultur. Es müssen Konzepte bestehen, wie Menschen in einer vielfältigen Gesellschaft ankommen.

Welche Rolle spielen Geschlecht und Bildung auf die Einstellung der Befragten?

Wir sehen in unseren Analysen, dass Bildung, aber auch das Alter mit den Einstellungen der Befragten einhergehen kann. Zum Beispiel können wir sagen, dass jüngere Befragte sich stärker für eine gegenseitige Annäherung aussprechen als ältere. Außerdem zeigt die Studie, dass je höher das Bildungsniveau der Befragten ist, desto stärker auch deren Zustimmung zur Integration ausfällt. Befragte mit einem hohen Bildungsgrad weisen im Vergleich zu weniger Gebildeten signifikant häufiger eine positive Haltung zur Willkommenskultur auf. Bildung scheint als soziodemographisches Merkmal einen sehr großen Einfluss auf die Einstellungen zu haben. Bezogen auf das Geschlecht zeigen sich keine signifikanten Unterschiede.

„Es braucht mehr als Lippenbekenntnisse“

Gibt es weitere Trends, die sich aus Ihrer Studie ableiten lassen?

Wir konnten in unserer Studie eine besorgniserregende Zahl beobachten: 33 Prozent der Befragten, die nach Deutschland eingewandert sind, geben an, sehr oft oder oft rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt zu sein. Wenn politisch nur auf Teilhabe in Arbeit und Bildung gesetzt wird, gerät die gemeinsame Akzeptanz von Vielfalt und Identitäten jenseits nationaler Grenzen als Motoren des Zusammenlebens aus dem Blick. Um die Gesellschaft mitzunehmen und die Realität von Vielfalt nicht in schädigende Konflikte geraten zu lassen, braucht es mehr als Lippenbekenntnisse zur Einwanderungsgesellschaft.

Können Sie das näher erläutern?

Zu oft entbrennen über die Frage der Kultur unnötige Konflikte, die mit Herabwürdigungen von Minderheiten oder Hasstaten einhergehen. Anderen wird eine kulturelle Differenz unterstellt, die an den Realitäten vorbeigeht. Zum Beispiel wird Einwanderern unterstellt, sie würden sich nicht mit Deutschland identifizieren. Unsere Studie ergibt aber: Gerade einmal fünf Prozent der eingewanderten Befragten identifizieren sich nur mit ihrem Herkunftsland.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zeynep Demir ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld und arbeitete an der Studie „ZuGleich – Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit“ mit.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. 

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Türkische Gemeinde in Deutschland e.V Pressemitteilung

von Fremdeninfo 12 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde in Deutschland e.V
Almanya Türk Toplumu
Bundesgeschäftsstelle – Genel Merkez

Türkische Gemeinde in Deutschland – Obentrautstr. 72 – 10963 Berlin

               Pressemitteilung vom 12.10.2021

Sondierungsgespräche ignorieren 25% der Bevölkerung
Diese Woche sondieren die drei Parteien einer möglichen Ampel-Koalition SPD, Grüne und
FDP. Während die Beteiligten im Laufe der Sondierungen immer wieder den Begriff
„Aufbruch“ verwenden, fällt es schwer, an diesen Aufbruch zu glauben, wenn 25% der
Bevölkerung nicht in den Gesprächen vertreten sind: Menschen mit Migrationsgeschichte.
Ein echter Aufbruch muss auch sie und die Themen der Einwanderungsgesellschaft
miteinbeziehen.
83 Abgeordnete haben Migrationsgeschichte. Das sind 11,3% des Bundestages. Auch wenn
die Zahl im Vergleich zum letzten Bundestag gestiegen ist, reicht diese Quote noch lange
nicht für eine adäquate Repräsentanz – diese müsste bei 25% liegen. Noch weniger
Hoffnung auf eine starke Berücksichtigung von Themen der Einwanderungsgesellschaft
macht die Besetzung der Sondierungsteams. Keine der fast 30 beteiligten Personen der
Ampel-Parteien hat Migrationsgeschichte.
Unsere Wahlprüfsteine, die wir zur Bundestagswahl 2021 durchgeführt haben, haben uns
wirklich positiv gestimmt. Wir haben gesehen, dass den Parteien und den Abgeordneten die
Themen der Einwanderungsgesellschaft wichtig sind und im Vergleich zu 2017 auch noch
wichtiger geworden sind. Das war vor der Wahl. Nach der Wahl dürfen diese Bereitschaft
und dieser Wille zur Veränderung nicht plötzlich verschwinden. Sie müssen sich in konkreten
Entscheidungen widerspiegeln – sowohl inhaltlich als auch personell“, sagt Gökay Sofuoğlu,
Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.
„Alles andere ist blanke Realitätsverweigerung“, fügt Atila Karabörklü hinzu,
Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. „Außerdem haben wir zur
Bundestagswahl 2021 einen Forderungskatalog erarbeitet, der 47 Forderungen in sechs
Themenbereichen der Einwanderungsgesellschaft stellt. Darin fordern wir von der nächsten
Bundesregierung u.a. die Einrichtung eines Integrations- bzw. Vielfaltsministeriums, die
Verabschiedung eines bundesweiten Partizipationsgesetzes, die Möglichkeit zur schnelleren
Einbürgerung und die Zulassung von Mehrstaatigkeit. Einige der 47 Forderungen sind bereits
in ähnlicher Form Teil der Wahlprogramme und/oder die Parteien und Direktkandidat:innen
schließen sie den Antworten unserer Wahlprüfsteine nach zu urteilen nicht aus. Daher sind
wir guter Dinge. Wir beobachten die nächsten Wochen sehr genau und sind wirklich
gespannt auf die Ergebnisse der Sondierung und der Koalitionsverhandlungen.“

Obentrautstr. 72
10963 Berlin

www.tgd.de
info@tgd.de
presse@tgd.de

Referent für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
Kaan Bacı

E-Mail: Kaan.Bagc@tgd.de
Handy: 01520 6862206

——————-
Pressekontakt:
Kaan Bağcı
Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.
Obentrautstraße 72, 10963 Berlin
Telefon: 030 896 83 81 13 / Mobil: 01520 6862206
Mail: Kaan.Bagci@tgd.de

12 Oktober 2021 0 Kommentare
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Salafismus

IS-Frauen zurück in Deutschland: Was wird nun aus den Kindern?

von Fremdeninfo 11 Oktober 2021
von Fremdeninfo

IS-Frauen zurück in Deutschland: Was wird nun aus den Kindern?

Von

dtj-online

–

10.10.2021

 
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=„Dschihadistinnen zurück in Deutschland“ width=“696″ height=“479″>
Frankfurt/Main: Eine verschleierte Frau mit einer Maske betritt aus der Gangway einer Chartermaschine heraus einen abgeschirmten Bereich der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt. In einer zunächst geheim gehaltenen Aktion hatte die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der US-Armee insgesamt acht deutsche Anhängerinnen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) mit ihren 23 Kindern im Rahmen einer humanitären Aktion aus einem Gefangenenlager in Syrien geholt. Mit einer Chartermaschine wurden die Frauen über Kuwait nach Deutschland gebracht, wo fast alle sofort in Haft genommen wurden. Foto: Boris Roessler/dpa

Sie lernten mit Sprengfallen umzugehen und erzogen ihre Söhne zu Terrorkämpfern. Obgleich die Ideologie der Islamisten Frauen an den Herd verweist, sind unter den deutschen IS-Frauen einige dabei, die sich nicht nur um Haushalt und Kinder gekümmert haben.

Bei mehreren von der Bundesregierung aus Syrien zurückgeholten mutmaßlichen IS-Frauen wird vermutet, dass sie der Ideologie der Terrormiliz bis heute nicht abgeschworen haben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gelten mindestens zwei von ihnen als „Gefährderinnen“. Das bedeutet, dass ihnen die Polizei schwere politisch motivierte Straftaten zutraut.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch acht Frauen mit ihren Kindern nach Deutschland fliegen lassen. Die Mütter, die dem Vernehmen nach alle freiwillig zurückkehrten, sollen sich alle dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen haben. Zuletzt lebten sie und ihre 23 Kinder mehrere Jahre im Gefangenenlager Roj im Nordosten Syriens, das unter kurdischer Verwaltung steht.

Nach Landung direkt in die Haft

Humanitäre Helfer berichten seit Jahren von erbärmlichen Lebensumständen in diesem und anderen Gefangenenlagern, in denen sich mutmaßliche IS-Familien aufhalten. Es wird geschätzt, dass dort noch etwas mehr als 100 deutsche Staatsbürger leben, darunter etliche Kinder, die im Ausland geboren wurden.

Eine Chartermaschine brachte die Frauen und Kinder kurz vor Mitternacht nach Frankfurt am Main. Ein Großteil der Rückkehrerinnen sei nach der Landung in Haft genommen worden, teilte Außenminister Heiko Maas (SPD) mit. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen lagen gegen sechs Frauen Haftbefehle vor.

Kinder radikal erzogen

Drei der Frauen ließ die Bundesanwaltschaft festnehmen. Am Donnerstag wurden sie dem Ermittlungsrichter vorgeführt, der die Haftbefehle gegen sie in Vollzug setzte. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, wird ihnen die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

Außerdem sollen sie ihre Kinder im Sinne der radikal-islamistischen Ideologie der Gruppe erzogen haben. Eine von ihnen habe ein Sturmgewehr besessen, hieß es. Sie soll in einer Frauenbrigade gedient haben und auch im Umgang mit Sprengfallen geschult worden sein.

Werbung für den IS

Eine andere der drei soll Anhängerinnen für den IS angeworben haben. Den Angaben zufolge reiste sie im Dezember 2014 mit ihrer minderjährigen Tochter in das damals vom IS kontrollierte Gebiet. Zudem soll sie für eine 16-Jährige die Ausreise nach Syrien organisiert haben. Die nun nach Deutschland zurückgekehrte Frau habe in Syrien nacheinander mindestens sechs IS-Mitglieder nach islamischem Ritus geheiratet, heißt es in der Mitteilung.

In sozialen Medien habe sie ihre Zustimmung zu Terroranschlägen in Europa ausgedrückt. Ihrer Tochter habe sie Hinrichtungsvideos gezeigt. Im syrischen Al-Rakka soll sie wahrscheinlich Ende 2016 eine vom IS versklavte Jesidin angewiesen haben, Arbeiten im Haushalt zu verrichten und das muslimische Gebet zu sprechen.

Eine Frau „gekauft“

Diese Mutter aus Osnabrück hatte nach dpa-Informationen auch engen Kontakt zu der damals noch in Deutschland lebenden Jennifer W., die seit April 2019 in München vor Gericht steht. Die Frau aus Lohne in Niedersachsen war nach eigener Aussage 2014 in den Irak gereist, um dort aus ideologischer Überzeugung einen IS-Kämpfer zu heiraten.

Der Anklage zufolge „kaufte“ das Paar eine Frau, die der vom IS systematisch verfolgten Religionsgemeinschaft der Jesiden angehörte, und deren Tochter als Sklavinnen. Im Sommer 2015 soll Jennifer W. zugesehen haben, wie das kleine Mädchen ungeschützt in praller Sonne unter anderem an einer Atemlähmung verstarb, nachdem ihr Ehemann es angebunden hatte.

Vierte Rückholaktion

Es war die vierte und bisher größte Rückholaktion für deutsche Staatsbürger mit IS-Bezug. Die Bundesregierung hatte 2019 damit begonnen, Kinder aus den Gefangenenlagern nach Deutschland zu bringen – zunächst über den Nordirak. Später kamen auch Frauen mit staatlicher Hilfe zurück.

Das Flugzeug, dass die Frauen und Kinder in der Nacht nach Frankfurt brachte, flog anschließend weiter nach Dänemark. Die dänischen Behörden bestätigten am Donnerstag, dass drei Mütter mit dänischer Staatsbürgerschaft und ihre insgesamt 14 Kinder aus dem Lager im Nordosten Syriens evakuiert wurden. Sie seien gegen 3.00 Uhr in der Nacht auf dem Flugplatz Karup eingetroffen, teilte die Sozialverwaltung mit. Bei der Ankunft seien die Frauen von der dänischen Polizei festgenommen worden. Die Kinder befänden sich wegen der Entscheidungen ihrer Eltern in einer schwierigen Lage.

Psychologische Unterstützung notwendig

Die Islamforscherin Susanne Schröter hält psychologische Betreuung für Kinder von IS-Rückkehrerinnen für dringend notwendig. „Sie sind radikalisiert und sie sind traumatisiert“, sagte die Leiterin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. „Das Zurückkommen nach Deutschland ist für sie ein traumatischer Prozess.“

In Frankfurt waren in der Nacht nach Angaben aus Sicherheitskreisen ungefähr zehn Mitarbeiter von Jugendämtern aus ganz Deutschland vor Ort, um sich um die Kinder zu kümmern, mit Plüschtieren und Schokolade, um die Situation ein wenig zu entspannen. Teilweise waren auch Angehörige wie Großeltern, Onkel, Tanten gekommen, um die Kinder in Empfang zu nehmen.

dpa/dtj

dtj-online
11 Oktober 2021 0 Kommentare
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60 Jahre Anwerbeabkommen: Zwei Seiten veränderten Tausende Schicksale

von Fremdeninfo 7 Oktober 2021
von Fremdeninfo

60 Jahre Anwerbeabkommen: Zwei Seiten veränderten Tausende Schicksale

Von

dtj-online

–

06.10.2021

 
 
 
 
60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei“ width=“696″ height=“853″>
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l.) und seine Frau Elke Büdenbender werden von Atila Karabörklü, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, und Robert Fuchs (r.), Geschäftsführer vom Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD), beim Festakt zum 60-jährigen Jubiläum des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei im Haus der Kulturen der Welt durch die DOMiD-Ausstellung „Viel erlebt, viel geschafft . viel zu tun! – Geschichten aus der Migrationsgesellschaft“ geführt. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Das Dokument, das die deutsche Gesellschaft und das Leben vieler Menschen aus der Türkei veränderte, umfasst nur zwei Seiten. Ein Blick ins Jahr 1961 weckt schöne und traurige Erinnerungen – an Strapazen, Kinder, die zurückblieben und an Freundschaft in der neuen Heimat.

Die Leistungen und Erfahrungen der sogenannten Gastarbeitergeneration sollen nach Ansicht von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Zukunft stärker gewürdigt werden.

Diese von Optimismus, Mut und Durchhaltewillen geprägten Geschichten sollten „einen angemessenen Raum in unseren Schulbüchern und in unserer Erinnerungskultur“ erhalten, sagte er am Dienstag in Berlin bei einem Festakt zum 60. Jahrestag der Vereinbarung, mit der einst die Arbeitsmigration aus der Türkei nach Deutschland organisiert worden war.

Steinmeier fordert Anerkennung, Respekt und Neugier

„Nehmen Sie sich den Platz, der Ihnen zusteht“, forderte der Bundespräsident die Besucher der Festveranstaltung auf. Die deutsche Gesellschaft sei viel zu spät bereit gewesen, ihre Sicht auf die ursprünglich nur als Zuwanderer-auf-Zeit angesehenen Menschen zu ändern, von denen viele dann doch dauerhaft blieben, sagte Steinmeier.

„Vieles ist dadurch liegengeblieben, und ich glaube, durch das Liegenbleiben sind viele Probleme überhaupt erst entstanden“, sagte Steinmeier. Denn Anerkennung, der Respekt voreinander und Neugier auf eine andere Kultur auf beiden Seiten seien nötig, um Vorbehalte oder gar Ängste zu überwinden.

Arbeitskräfte sollten nur zwei Jahre bleiben

Er fügte hinzu: „Die Bereitschaft, engstirnigen Nationalismus und kulturellen Hochmut hinter sich zu lassen, auf andere zuzugehen, sich aufeinander einzulassen, voneinander zu lernen, das ist die beste Voraussetzung für ein friedliches Miteinander und für eine bessere Zukunft.“

Am 30. Oktober 1961 hatte Deutschland mit der Türkei ein Abkommen zur Anwerbung von Arbeitern abgeschlossen, so wie zuvor bereits mit Italien, Griechenland und Spanien. Ursprünglich sollte keiner der aus der Türkei angeworbenen Arbeiter länger als zwei Jahre bleiben.

Familien-Nachzug erst später möglich

Deshalb gab es anfangs auch keine Möglichkeit, die Familie mitzubringen. Die Arbeitsmigranten, die man damals „Gastarbeiter“ nannte, schliefen oft in Mehrbettzimmern, viele schickten einen Großteil ihres Lohns zur Familie in der Türkei.

Auf Druck der Wirtschaft, die ihre bereits angelernten Kräfte nicht alle zwei Jahre durch Neuankömmlinge ersetzen wollten, wurde das Rotationsprinzip später aufgegeben und der Familien-Nachzug gestattet.

Erinnerungen an Mölln und Solingen

Zu den Veranstaltern des Festaktes gehört auch die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), die mit einer durch die Pandemie bedingten Verzögerung am Dienstag zugleich ihren 25-jährigen Geburtstag feierte. Der Dachverband war 1995 gegründet worden – auch als Reaktion auf rassistische Ausschreitungen und Anschläge wie in Mölln und Solingen.

TGD-Funktionäre der ersten Jahre erinnerten an das Engagement des Verbandes für die doppelte Staatsbürgerschaft. Ein weiterer Schwerpunkt der Mitgliedsvereine sind bis heute Maßnahmen zur Verbesserung von Bildungschancen der Kinder und Enkel von Einwanderern aus der Türkei.

Uğur Şahin als Musterbeispiel

Einen Seitenhieb kann sich der TGD-Vorsitzende Gökay Sofuoğlu beim Festakt nicht verkneifen. „Wir danken explizit den Nachbarn von Uğur Şahin“, sagte er. Der Biontech-Chef Şahin ist Sohn von „Gastarbeitern“. Er hatte in der Grundschule zunächst keine Empfehlung für das Gymnasium erhalten. Erst nach einer Intervention eines deutschen Nachbarn konnte er die angestrebte Schule besuchen. Er schloss als Jahrgangsbester ab.

Darüber, wie die Menschen, die damals aus der Türkei gekommen sind, und ihre Nachkommen Deutschland verändert haben, ist viel geschrieben worden. Über überforderte Grundschullehrerinnen, die nicht wussten, wie Sprachförderung funktioniert, aber plötzlich viele Kinder in ihren Klassen hatten, die nur Türkisch sprachen.

Leerstehende Häuser in der Türkei

Und darüber, wie es ist, wenn Herr Yıldırım nicht zum Bewerbungsgespräch oder zur Wohnungsbesichtigung eingeladen wird, und sich fragt, ob er als Herr Schmitz womöglich bessere Chancen gehabt hätte.

Doch auch in vielen Dörfern, aus denen die „Gastarbeiter“ auswanderten, sind die Folgen der Veränderung, die das Anwerbeabkommen damals ausgelöst hat, bis heute sichtbar. In Stein und Beton lässt sich der materielle Aufstieg der Auswanderer dort besichtigen – auch wenn die Erbauer dieser Häuser oft einen Großteil ihrer Zeit bei Kindern und Enkeln in Deutschland verbringen.

Resopalfenster aus Deutschland

Der langjährige Türkei-Korrespondent Frank Nordhausen schreibt in seinem demnächst erscheinenden Buch „111 Gründe, die Türkei zu lieben“:

„Dörfer voller hübsch renovierter, sauber verputzter und stets frisch gestrichener Häuser mit Resopalfenstern aus Deutschland, Sonnenkollektoren und Satellitenschüsseln auf dem Dach. Diese Ortschaften gleichen Puppenstuben. Sie werden nur noch im Sommer zum Leben erweckt, im Winter halten ein paar Alte Wache, um Plünderungen zu verhindern. Doch die Kinder und Enkel kommen immer seltener in die Türkei, und wollen, wenn sie anreisen, lieber Strandurlaub an der Ägäis machen.“

dpa/dtj

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7 Oktober 2021 0 Kommentare
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Wie die „Gastarbeiter“ der ersten Stunde Deutschland erlebten

von Fremdeninfo 7 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Wie die „Gastarbeiter“ der ersten Stunde Deutschland erlebten

Von

dtj-online

–

05.10.2021

 
 
 
 
=“60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei“ width=“696″ height=“464″>
Duisburg: Selahattin Civelek (l.), 71 Jahre, Gastarbeiter seit 1973, und Şerafettin Tüzün (r.), 81 Jahre, seit 1964 in Deutschland, sitzen auf dem Sofa. In der Mitte steht Saadettin Tüzün. Foto: Federico Gambarini/dpa

Sie kamen nur mit dem Allernötigsten – über das Anwerbeabkommen mit der Türkei vom Oktober 1961. Die „Gastarbeiter“ nahmen harte Arbeit und karge Umstände hin. Zwei von ihnen berichten von guten Löhnen, sozialer Isolation – und „dreckiger Arbeit“.

Nur einen Koffer mit Lebensmitteln und etwas Wäsche hatte er dabei. Im Oktober 1964. Drei Tage brauchte Şerafettin Tüzün mit dem Zug von Istanbul nach München. Dann weiter im Bus nach Köln. „Ich wollte unbedingt nach Deutschland. Arbeiten“, erzählt der 81-Jährige heute.

Als er ins übervolle Abteil stieg, war er 24, konnte kein Wort Deutsch. Wie insgesamt Hunderttausende Landsleute in diesen Zeiten hoffte er auf „Almanya“, wo die Wirtschaft boomte und man händeringend Arbeitskräfte suchte. Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen war drei Jahre zuvor geschlossen worden – und jährt sich nun am 30. Oktober zum 60. Mal.

„Tut mir leid, die Wohnung ist schon weg“

„Es war sehr hart. Schwere Metallarbeit, am Schleifband“, schildert Tüzün, bedächtig, lächelnd. Er schuftete ein Jahr in den Motorenwerken von Klöckner-Humboldt-Deutz. „Ich wohnte im Ledigenheim. Wir waren vier Leute in einem Zimmer.“

Die Miete wurde vom Lohn abgezogen. 110 D-Mark pro Woche verdiente Tüzün. Danach heuerte er in einer Stahlhütte in Hattingen an, suchte dort vergeblich eine Wohnung, um die Familie nachzuholen. „Aber sie wollten keine Ausländer, sagten immer: Tut mir leid, die Wohnung ist schon weg.“

Plackerei ohne Schutzvorkehrung

Tüzün stammt aus der Schwarzmeerstadt Sinop, hatte Militärdienst und Textilfabrik hinter sich, lebte in Armut, bevor er sich entschloss, sein Glück im unbekannten Deutschland zu versuchen.

Seit 1955 hatte die Bundesrepublik Anwerbeabkommen mit mehreren Ländern geschlossen, am 30. Oktober 1961 mit Ankara. Regionen wie das Ruhrgebiet waren Motor des Wirtschaftswunders, viele „Gastarbeiter“ waren unter Tage oder in Fabriken eingesetzt. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren extrem.

Plackerei ohne Schutzvorkehrung, Demütigung und Ausbeutung hatte Undercover-Reporter Günter Wallraff 1985 im Bestseller „Ganz Unten“ angeprangert. Dafür hatte er zwei Jahre als vermeintlicher türkischer Arbeiter Ali malocht.

„Viele sagten: ‚Du musst kommen’“

Selahattin Civelek kam 1973. In Izmir hatte er eine Autolackiererei. „Aber ich hatte viele Bekannte in Deutschland, die gesagt haben: Du musst kommen. In Deutschland liegt das Geld auf der Straße.“ Als 21-Jähriger landete er in Duisburg, wurde Stahlarbeiter bei Thyssen.

„Ich habe im Stahlstaub gearbeitet, am Stahlofen, ohne Schutzmaske. Wir haben richtig Gas drin gehabt in der Halle. Es war heiß, sehr laut“, berichtet der heute 71-Jährige. Ihm platzte das rechte Trommelfell. „Meine Lungen sind kaputt, mein Ohr ist kaputt.“

Civelek wirkt dennoch zufrieden, stolz auf das Erkämpfte. „Ich dachte erst, ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht. In der Türkei war ich Boss, in Deutschland war ich Arbeiter. Alle Türken haben hier nur dreckige Arbeit gemacht.“ Sein Antrieb: „Ich wollte, dass meine Familie gut lebt.“

Nur vier Stunden Schlaf

Frau und Tochter holte er nach einem Jahr nach Duisburg, zwei weitere Kinder kamen zur Welt. „Ich habe sehr geschuftet, nebenbei auch noch in einer Lackiererei, nur vier Stunden geschlafen“. Nachts lernte er deutsche Vokabeln. Er war fix, fiel auf, wurde Vorarbeiter. „Da habe ich 60 Pfennig mehr verdient pro Stunde.“

Tüzün hatte derweil bei der Bahn angefangen, reinigte seit 1968 Abteile im Schichtdienst – und blieb dabei bis zur Rente im Jahr 2000. Er erinnert sich noch genau, wie schmerzlich er Frau und Töchter vermisste, jeden Pfennig ansparte, um ihnen fast seinen ganzen Lohn zu schicken. Die Bahn verschaffte ihm endlich eine Wohnung, 1969 kamen seine Liebsten. Und wo ist nun seine Heimat?

Wenig Kontakt zu Deutschen

„Die Türkei ist auch mein Zuhause. Aber hier ist es gut, meine Familie ist hier.“ Sieben Kinder hat er, drei sind in Deutschland geboren. Sie haben ihren Weg gemacht, viele studierten, die meisten haben einen deutschen Pass. Tüzüns Deutsch ist holprig geblieben. „Am Arbeitsplatz waren nur türkische Leute.“

Die Arbeiter der ersten Jahre hatten wenig Kontakt zu Deutschen, wollten nicht auffallen, muckten nicht auf, wie Hacı Halil Uslucan, Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, sagt. „Zentrales Motiv war ja, in kurzer Zeit viel Geld zu verdienen, um dann schnell zurückzukehren.“

Etwa drei Viertel waren Männer, ein Viertel Frauen. Junge Leute. Erst als diese dann doch blieben, ihre Familien holten, sesshaft wurden, seien sie in der Gesellschaft deutlich sichtbar geworden – mit Fragen nach Kita-Plätzen, Schulen, Bildung.

„Hau-ab-Prämie“

Als die Bundesrepublik 1973 einen Anwerbestopp verhängte, lebten etwa vier Millionen „Gastarbeiter“ in Deutschland, ein knappes Drittel in Nordrhein-Westfalen. Rechtsradikale Parteien wie die Republikaner und die NPD hetzten.

Die Bundesregierung wollte ihre Rückkehr 1980 bis 1983 mit einem finanziellen Anreiz forcieren, erläutert Uslucan. Die Türken nannten das damals „Hau-ab-Prämie“: Es gab einige Tausend D-Mark und eine Auszahlung der angesparten Rentenbeiträge nach einem halben Jahr. Trotzdem blieben viele in Deutschland.

Heute leben etwa 2,8 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland. Die Hälfte von ihnen besitzt einen deutschen Pass. Es gibt viele Erfolgsgeschichten – wie die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci. Oder das Gastarbeiterkind Serap Güler, NRW-Staatssekretärin für Integration, seit einer Woche neue Bundestagsabgeordnete.

„Tschüss, Deutschland!“

An diesem Dienstag sollen die Verdienste der „Gastarbeiter“ bei einem Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin gewürdigt werden. Auch Ausstellungen wie im Ruhr Museum in Essen oder im Kölner Doku-Zentrum Domid rücken deren Leben und Leistung in den Fokus.

Deren Nachkommen sind selbstbewusster geworden, weiß Uslucan. ZfTI-Studien zeigten, dass 60 bis 80 Prozent der Türkeistämmigen Diskriminierung erlebt haben – bei Bildung, Bewerbungen, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. Das werde nicht mehr hingenommen. „Mehmet fordert dieselben Chancen und Rechte ein wie Sebastian.“

Civelek hatte eine schnelle Rückkehr in die Türkei eingeplant, aber dann den richtigen Zeitpunkt verpasst – die Kinder in der Schule, Studium, ihre Familiengründung. Augenzwinkernd erzählt er: „2005 kam die Rente. Da habe ich „Tschüss Deutschland“ gesagt. Jetzt habe ich ein schönes Haus in Istanbul. Und in Deutschland mache ich Urlaub.“

dpa/dtj

dtj-online
7 Oktober 2021 0 Kommentare
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Türkische Gemeinde in Deutschland Almanya Türk Toplumu Pressemitteilung

von Fremdeninfo 6 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Türkische Gemeinde in Deutschland
Almanya Türk Toplumu Pressemitteilung

Bundesgeschäftsstelle – Genel Merkez

Türkische Gemeinde in Deutschland – Obentrautstr. 72 – 10963 Berlin
Pressemitteilung vom 06. Oktober 2021

60 Jahre Almanya – „Gastarbeiter:innen“ und die jüngeren Generationen müssen
endlich Teil der deutschen Geschichte werden!

60 Jahre Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei – die Türkische
Gemeinde in Deutschland (TGD) hat gestern dieses geschichtsträchtige Jubiläum gemeinsam
mit ca. 130 geladenen Gästen im Haus der Kulturen der Welt gefeiert. Mit dabei waren der
Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier, der eine Festrede hielt, sowie seine Exzellenz
der Botschafter der Türkei, Ahmet Başar Şen.

Die TGD war hoch erfreut darüber, dass Bundespräsident Steinmeier solch warme und
ermutigende Worte für die 60-jährige Geschichte der Migration aus der Türkei gefunden
hat. „Die Geschichten der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter verdienen einen
angemessenen Raum in unseren Schulbüchern und in unserer Erinnerungskultur; eine
Randnotiz wird ihrem Beitrag für unser Land nicht gerecht. Wenn wir ihre Geschichten
erzählen, als integralen Teil der Geschichte dieser Republik, dieses Landes, erst dann
verstehen wir unser aller Geschichte“, so Bundespräsident Steinmeier. Deutschland sei
außerdem ein Land mit Migrationshintergrund und es sei höchste Zeit, dass wir uns dazu
bekennen würden. Am Ende seiner Festrede bestärkte Bundespräsident Steinmeier
Jugendliche, junge Frauen und Männer in Deutschland, sich den Platz zu nehmen, der ihnen
zusteht. „Nehmen Sie sich den Platz in der Mitte, und füllen Sie ihn aus! Gestalten Sie diese
Gesellschaft mit, denn es ist Ihre Gesellschaft“

Der Festakt fand in Kooperation mit mehreren Projekten und Partnern statt: Das
Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) zeigte
eine Wanderausstellung „Viel erlebt, viel geschafft … viel zu tun! – Geschichten aus der
Migrationsgesellschaft“. Die ausgestellten Objekte, Dokumente und Fotografien erinnern an
die vielen Menschen, die zwischen 1955 und 1968 als Arbeitsmigrant:innen in die BRD und
DDR kamen. Musiker:innen aller Generationen und unterschiedlicher Genres traten im
Ensemble „Deutschlandlieder/Almanya Türküleri“ mit Liedern auf, die sie während ihres
Lebens in Deutschland herausgebracht haben und stellen damit die deutsch-türkische
Musikgeschichte in den Fokus. Darüber hinaus stellte Özcan Mutlu sein in Zusammenarbeit
mit Correctiv veröffentlichtes Buch „60 Jahre – Wie Deutschland meine Heimat wurde“ vor
und zeigte Portraits der Menschen, die im Buch zu Wort kommen.

„Mit 60 Jahren verbinde ich wirklich viel: Wohlstand, Leistung, Vielfalt, politische
Versäumnisse, Rassismus, gesellschaftliche Bereicherung – viel Positives, aber auch
Negatives. Unsere gemeinsame Geschichte ist komplex und hat viele Facetten“, sagt Gökay
Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der TGD. „Insgesamt können wir eine Erfolgsgeschichte
sehen. Eine Geschichte, die damit angefangen hat, dass Menschen ihre Heimat für die
Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen haben. Eine Geschichte, die weiterging mit den
großartigen Leistungen und Herausforderungen der Migrant:innen und ihrer Kinder und die
jetzt mit der Enkel- und Urenkel-Generation in der Gegenwart angekommen ist. Sie sind
fester Bestandteil dieses Landes und tragen den Willen zur Teilhabe in sich. Das sind gute
Nachrichten!“

Zu dieser Erfolgsgeschichte gehört aber auch eine andere Seite. „Innerhalb von 12 Jahren
sind rund 900.000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland gekommen. So viele
unterschiedliche Menschen und trotzdem gibt es eine Reihe schmerzhafter Erfahrungen, die
ihren Platz im kollektiven Gedächtnis der Deutschtürkinnen und Deutschtürken einnehmen“
meint Atila Karabörklü, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland. „Da
geht es um politische Fehler, wie die „Türkenklassen“, die Residenzpflicht oder die
Rückkehrprämie unter Bundeskanzler Kohl. Und es geht um Rassismus und
Rechtsextremismus, es geht um die vielen Mordanschläge und um den skandalösen Umgang
der staatlichen Behörden damit. Wir glauben, dass eine ehrliche Auswertung der 60 Jahre
notwendig ist, damit auch die Erinnerungen der „Gastarbeiter:innen und ihrer Kinder“
endlich zum Teil deutscher Geschichte werden können. Dann erst haben wir ein stabiles
Fundament, auf dem wir eine Einwanderungsgesellschaft bauen können“, betont Karabörklü
abschließend.

——————-
Pressekontakt:
Kaan Bağcı
Türkische Gemeinde in Deutschland e.V.
Obentrautstraße 72, 10963 Berlin
Telefon: 030 896 83 81 13 / Mobil: 01520 6862206
Mail: Kaan.Bagci@tgd.de

6 Oktober 2021 0 Kommentare
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Wahlrecht für Alle Menschen

von Fremdeninfo 6 Oktober 2021
von Fremdeninfo
Wahlrecht für Alle Menschen

Die Bundestagswahl 2021 ist vorbei. Auch in diesem Jahr wurden Millionen von Bürger*innen ausgeschlossen, weil Ihnen die Staatsbürgerschaft fehlt. „Genau 14% der Menschen in Deutschland durften nicht mitwählen – das ist fast die Größe von Portugal. Wahlrecht soll aber ein Recht sein und kein Privileg! Wir sind Sanaz und Azadeh und fordern Wahlrecht für alle in Deutschland lebenden Menschen!“ cumali, unterstützen Sie diese Forderung mit Ihrer Unterschrift?

 
Nicht ohne uns 14 Prozent: Bundestagswahlrecht für alle in Deutschland lebenden Menschen

6.246 haben Sanaz Azimipour & Javier Toscano & Azadeh Ataei’s Petition unterschrieben. Lassen Sie uns 7.500 erreichen!

Unterschreiben Sie diese Petition mit einem Klick

Wir werden stumm geschaltet. Unsere Stimmen werden nicht gezählt. Dabei haben wir Ideen. Wir haben Träume, die wir teilen möchten und kennen Wege, die zu mehr Gerechtigkeit führen. Wir haben Pläne für eine bessere Gesellschaft und ein Mitspracherecht in der Rettung unserer Umwelt. Wir haben all das und noch viel mehr! Trotzdem dürfen wir nicht mitmachen: wir dürfen nicht wählen.Wir sind Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft.  Wir leben, lieben, arbeiten, bezahlen Steuern und engagieren uns seit Jahren in Deutschland. Wir sind die 14 Prozent!

In weniger als drei Monaten findet die nächste Bundestagswahl statt. Und zwar ohne die Stimmen von 14 Prozent aller Volljährigen in Deutschland. Das sind fast zehn Millionen Stimmen die WIEDER nicht vertreten werden. Zusammen sind wir mehr als die Gesamtbevölkerung Österreichs!
Und wir dürfen SCHON WIEDER nicht wählen. Deutschland hat eins der schärfste Gesetze weltweit, wenn es um das Wahlrecht von den nicht Staatsangehörige geht. Das zeigt es wurde noch nicht verstanden, was Demokratie heißt, oder was diese sein kann. Der Grund: Uns fehlt die deutsche Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist eine Grundvoraussetzung, um in die wichtigste politische Beteiligungsform, wie Bundes- und Landtagswahlen, teilnehmen zu dürfen.

Es reicht! Es kann nicht sein, dass wir, fast zehn Millionen Bewohner*innen, von dem wichtigsten politischen Instrument eines jeden Staates ausgeschlossen werden. Und das nur weil uns die Privilegien fehlen. Wahlrecht muss ein Recht sein, kein Privileg!  Wir möchten bei der nächsten Bundestagswahl nicht wieder nur zugucken. Deutschland als ein demokratisches Land muss seine undemokratischen Gesetze ändern. Deshalb fordern wir: Bundestagswahlrecht und Kommunalwahlrecht für alle Menschen die seit fünf Jahren ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben.

—————————————————————————

FAQ:

1.Warum ist das Wahlrecht wichtig?
Das Wahlrecht ist die Grundvoraussetzung einer Demokratie. Ohne dieses Recht können Menschen sich nicht an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen. Demokratie ist die Integration verschiedener Visionen, um in Summe eine gemeinsame Zukunft aufzubauen. Demokratie verkörpert die Idee der Vielfältigkeit. Ohne Wahlrecht werden Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft aus der Gesellschaft ausgeschlossen. 

2. Spinnerei oder Phantasie?
Nein. In anderen Staaten auf unserer Erde ist dieses Selbstbestimmungsrecht bereits Realität. Es gibt viele Beispiele von anderen Ländern, wo das Wahlrecht nicht nur Staatsbürger*innen gehört, sondern Bewohner*innen die über einen bestimmten Zeitraum im entsprechenden  Land leben: In Südkorea haben nicht-Staatsangehörige, die über drei Jahre dort leben, das Wahlrecht. In Chile und Kolumbien bekommen Bewohner*innen nach fünf Jahren das Wahlrecht. In Irland, Schottland und Wales dürfen alle Menschen wählen. In Polen, UK, Spanien, Portugal und Luxemburg dürfen nicht-Staatsangehörige je nach Gegenseitigkeitsvereinbarungen mit anderen Ländern an Kommunalwahlen teilnehmen.

3. Warum lassen sich die Menschen nicht einfach einbürgern?
Es gibt verschiedene Hürden die verhindern,dass Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen. Folgende Anforderungen werden an uns gestellt:

– gesicherter Lebensunterhalt ohne Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld

– ausreichende Deutschkenntnisse

– keine verurteilte Straftat 

–  in den meisten Fällen: aufgeben der anderen Staatsangehörigkeit Es gibt Tausende Menschen, die in Deutschland geboren sind oder seit mehr als ein paar Jahrzehnten in Deutschland leben ohne, dass sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Die Gründe sind Vielfältig. Entweder wir können sie nicht bekommen, beispielsweise weil wir die andere nicht aufgeben möchten, oder weil wir ganz einfach die deutsche Staatsbürgerschaft gar nicht möchten. Wählen, möchten wir trotzdem! 

4. Warum Einbürgerung nicht die Voraussetzung für das Wahlrecht sein sollte?
Eingebürgert zu werden heißt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Wie in Frage 3 ausführlicher erklärt, ist die Einbürgerung nicht Barrierefrei.. Beim Wahlrecht dagegen geht es um die Ausübung demokratischer Partizipation und um den Aufbau von Freiheit und Selbstbestimmung aller Menschen unabhängig von ihrer Herkunft.    

5. Warum fordern wir das Wahlrecht ab fünf Jahren Wohnsitz in Deutschland?Wir wissen, dass der politische Wandel Kompromisse braucht,  deswegen lassen wir uns von der Erfahrung anderer inspirieren. Erfolgreiche Erfahrungen aus Chile, Kolumbien, Südkorea und anderen Ländern haben gezeigt, dass es möglich ist, dass Menschen nach fünf Jahren genug Kenntnisse über die politische Lage eines Landes haben  und somit auch einen Beitrag zu dessen Gestaltung leisten können und sollten.

6. Wie haben wir die 14 Prozent berechnet?
Daten aus der statistisches Bundesamt – Bevölkerung und Erwerbstätigkeit: Ergebnisse des Ausländer Zentrale.Die Daten  Entschieden 29, März 2021.

(Die Anzahl von alle Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft bis 31.12.2020: 11,432,460 davon angenommen. 9695372 volljährige ist eine Approximation mit  [-175032 , + 262548 ] Irrtuminterval)

7. Warum ist es auch eine Frage des Anti-Rassismus?
Die meisten Migrant*innen und migrantisierten Personen werden von Rassismus und anderen Diskriminierungsarten betroffen.  Ohne Wahlrecht fehlt die Möglichkeit für die eigenen Menschenrechte auf politischer Ebene zu kämpfen und mitzubestimmen.

6 Oktober 2021 0 Kommentare
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Wahlberechtigte: Fast jeder Achte mit einer Migrationsgeschichte

von Fremdeninfo 2 Oktober 2021
von Fremdeninfo

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Wahlberechtigte: Fast jeder Achte mit einer Migrationsgeschichte

Von

dtj-online

–

02.10.2021

 
 
 
 
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Der Deutsche Bundestag. Foto: pixabay

Fast jeder achte Wahlberechtigte in Deutschland hat eine Migrationsgeschichte. Im neuen Bundestag haben rund elf Prozent der Abgeordneten ausländische Wurzeln. 

Rund 7,9 Millionen Menschen mit Wurzeln im Ausland waren bei der Bundestagswahl am vergangenen Sonntag wahlberechtigt. Das geht aus einer Auswertung des Statistischen Bundesamts auf Basis des Mikrozensus 2020 hervor. „Dies entspricht etwa einem Drittel (36 Prozent) aller Personen mit Migrationshintergrund und 13 Prozent aller Wahlberechtigten“, teilten die Statistiker mit.

Einbezogen wurden Personen, „wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren“ wurden, so die Definition. Diese Gruppe stellte laut Mikrozensus 2020 gut ein Viertel der Bevölkerung.

Am häufigsten aus der Türkei

41 Prozent der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte wurden bereits in Deutschland geboren, 36 Prozent besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit seit der Geburt.

Die Mehrheit der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte wurde aber im Ausland geboren (59 Prozent). „Diese 4,7 Millionen zugewanderten Wahlberechtigten lebten durchschnittlich bereits 31 Jahre in Deutschland“, berichtete das Amt. Zugewandert waren sie am häufigsten aus Polen, Kasachstan und Russland. Die Eltern der in Deutschland Geborenen stammten am häufigsten aus der Türkei, Polen und Italien.

Mehr Abgeordnete mit Migrationsgeschichte

Der Anteil der Abgeordneten mit Migrationsgeschichte liegt jetzt bei 11,3 Prozent, nach 8,2 Prozent in der zurückliegenden Wahlperiode. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Datenerhebung des Mediendienstes Integration hervor.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fraktionen sind groß. Laut den Berechnungen des Mediendienstes hat die Linke mit einem Anteil von 28,2 Prozent als einzige Partei einen Anteil von Abgeordneten mit Migrationsgeschichte, der über dem Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt. Aktuell haben etwa 26 Prozent der Bevölkerung eine Migrationsgeschichte. Das heißt, entweder sie selbst oder mindestens ein Elternteil wurde nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren.

Wie sieht es in der AfD aus?

In der neuen SPD-Fraktion stieg der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte den Angaben zufolge im Vergleich zur zurückliegenden Legislaturperiode deutlich: von 9,8 Prozent auf nunmehr 17 Prozent. Bei den Grünen sank er demnach leicht, von 14,9 Prozent auf 13,6 Prozent.

Laut der Recherche des Mediendienstes haben 7,2 Prozent der AfD-Abgeordneten eine Migrationsgeschichte. In der FDP-Fraktion sind es 5,4 Prozent. Bei der CDU/CSU stieg der Anteil der Menschen mit ausländischen Wurzeln zwar leicht an. Sie bleibt aber den Berechnungen zufolge mit 4,6 Prozent die Fraktion mit dem geringsten Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund

2 Oktober 2021 0 Kommentare
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Mitten in Düsseldorf: Spionage-Verdächtiger soll Gülen-Anhänger ausgespäht haben

von Fremdeninfo 1 Oktober 2021
von Fremdeninfo

Mitten in Düsseldorf: Spionage-Verdächtiger soll Gülen-Anhänger ausgespäht haben

Von

dtj-online

–

01.10.2021

 
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Spezialkräfte der Polizei im Hotel des Verdächtigen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Gesperrte Straßen, Spezialkommandos im Anmarsch und aufgebrachte Hotelgäste: In diesem Chaos wurde Mitte September ein türkischer Staatsbürger festgenommen. Viele Fragen blieben damals offen. Nun erhärtet sich ein Verdacht. Sollten Gülen-Anhänger ausgespäht und eingeschüchtert werden?

Ein vor zwei Wochen in einem Düsseldorfer Hotel festgenommener Türke steht im Verdacht, Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung in Deutschland ausgespäht zu haben. Gegen den 40-Jährigen ermittelt nun die Bundesanwaltschaft, wie die Karlsruher Behörde am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Es gebe „hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte“ dafür, dass der Mann Informationen über Personen aus dem Raum Köln gesammelt habe, um sie an den türkischen Nachrichtendienst MIT zu übermitteln.

Festnahme mit Großeinsatz

Der Mann war am 17. September in einem Großeinsatz festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, wegen des Verdachts der Verabredung zu einem Verbrechen.

Nach ihren Angaben hatten Einsatzkräfte Schriftstücke entdeckt, die auf eine Gefährdung bestimmter Personen hätten schließen lassen. Die Betroffenen seien von der Polizei kontaktiert und gewarnt worden.

Plante der Verdächtige einen Anschlag?

Zeitweise hatten auch mögliche Anschlagspläne im Raum gestanden. Zu solchen Vorwürfen teilte die Bundesanwaltschaft nichts mit. „Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen besteht ein Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit“, hieß es. Ermittelt wird außerdem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Den Angaben zufolge soll der Mann 200 Schuss scharfe Munition besessen haben. Womöglich sollten die Betroffenen damit eingeschüchtert werden.

Der „Spiegel“ hatte vor einer Woche berichtet, dass auf der Liste Namen von Anhängern der Gülen-Bewegung gestanden hätten, ergänzt mit persönlichen Informationen. Laut „Bild“-Zeitung war bei dem Festgenommenen zudem ein verdächtig hoher Geldbetrag auf dem Konto eingegangen.

Waffe im Hotel, Spezialkommando vor der Tür

Der Mann soll ein Hotelgast gewesen sein. Laut Bundesanwaltschaft hatte ein Mitarbeiter bei ihm eine Waffe entdeckt und die Polizei verständigt. Diese hatte das Gebäude räumen lassen und es über Stunden mit mehreren Spezialeinsatzkommandos durchkämmt, weil eine „akute Gefahrenlage“ zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte.

Die Waffe hatte sich später als Schreckschusswaffe entpuppt. Auch ein verdächtiger Koffer stellte sich als harmlos heraus. Wegen des Großeinsatzes hatten rund 550 Gäste das Hotel verlassen müssen. Die umliegenden Straßen wurden weiträumig abgesperrt. Das Hotel hatte erst am Montagmorgen wieder öffnen können.

dpa/ Dtl

1 Oktober 2021 0 Kommentare
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