Türkei
Bundesregierung fordert Freilassung von Kulturmäzen Kavala
Bundesaußenministerin Baerbock hat die sofortige Freilassung des türkischen Kulturmäzens und Menschenrechtsaktivisten Kavala gefordert, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
Bundesaußenministerin Baerbock hat die sofortige Freilassung des türkischen Kulturmäzens und Menschenrechtsaktivisten Kavala gefordert, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.
25.04.2022
US-Präsident Joe Biden hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges erneut als Völkermord bezeichnet und damit Entrüstung in der Türkei ausgelöst.
„Wir lehnen solche Erklärungen und Entscheidungen ab, die historische Fakten aus politischen Motiven verzerren, und verurteilen diejenigen, die auf diesem Fehler beharren“ teilte das Außenministerium in Ankara am Sonntag mit.
Biden wiederhole damit einen Fehler, den er schon im vergangenen Jahr gemacht habe. Die Türkei reagierte damit auf eine Erklärung Bidens von Sonntag. Darin schrieb er, der „Völkermord an den Armeniern“ sei eine der schlimmsten Gräueltaten des 20. Jahrhunderts gewesen.
„Heute gedenken wir der eineinhalb Millionen Armenier, die verschleppt, massakriert wurden oder im Rahmen einer Vernichtungskampagne zu ihrem Tod marschierten und wir trauern angesichts des tragischen Todes so vieler Menschen“, so Biden. Im vergangenen Jahr hatte Biden die Massaker an den Armenien bereits als Völkermord anerkannt und damit mit einem jahrzehntelangen Tabu gebrochen. Ankara hatte daraufhin gefordert, den „schwerwiegenden Fehler“ zurückzunehmen.
Präsident Recep Tayyip Erdoğan hingegen sandte anlässlich des 24. April eine Botschaft an den Patriarchen von Konstantinopel der Armenischen Apostolischen Kirche, Sahak Mashalyan.
In seiner Botschaft brachte Erdoğan zum Ausdruck, dass er sich noch einmal mit Respekt an die „osmanischen Armenier“ erinnere, die ihr Leben verloren, und sprach den Hinterbliebenen sein aufrichtiges Beileid aus.
„Ich wünsche allen osmanischen Bürgern, die unter den schwierigen Bedingungen des Ersten Weltkriegs gestorben sind, Gottes Barmherzigkeit“, sagte der Präsident. Es sei wichtig, den gemeinsamen Schmerz ohne religiöse, ethnische oder kulturelle Diskriminierung zu verstehen und zu teilen und die Zukunft „gemeinsam zu bauen“. Dabei verwies er auch auf die laufenden Wiederannäherungsgespräche zwischen Armenien und der Türkei.
Rund 1,5 Millionen Armenier wurden Historikern zufolge im Ersten Weltkrieg Opfer systematischer Tötungen im Osmanischen Reich. Als dessen Rechtsnachfolgerin gibt die Türkei zwar Massaker an 300.000 bis 500.000 Menschen zu, weist die Einstufung als Völkermord aber zurück.
Das Thema sorgte am Sonntag in der Türkei auch für eine hitzige innenpolitische Debatte. Der armenische Oppositionspolitiker Garo Paylan geriet unter Druck, weil er beim Parlamentspräsidenten einen Gesetzesentwurf zur Anerkennung der Massaker als Völkermord eingereicht hatte.
Der Antrag wurde umgehend abgelehnt. Fahrettin Altun, Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten, bezeichnete den Vorgang als „Verrat“ und „Verleumdung“ der türkischen Nation sowie ihrer Geschichte.
dpa/dtj
In Berlin hat es in den letzten Tagen pro-palästinensische Demonstrationen gegeben. Erneut wurden dabei allerdings antisemitische Parolen gerufen. Auch Journalisten wurden angegriffen.
Judenfeindliche Äußerungen während Demonstrationen in Berlin am Wochenende haben Empörung ausgelöst. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hob am Sonntag hervor, es gebe in Deutschland keinen Platz für Judenfeindlichkeit. Der Rechtsstaat müsse konsequent handeln. „An antisemitische Beschimpfungen dürfen wir uns niemals gewöhnen – egal von wo und von wem sie kommen.“
Der CDU-Abgeordnete Paul Ziemiak sprach von einem Skandal und kritisierte: „Das was wir hier an islamischen Antisemitismus erleben, ist eine Schande für unsere Hauptstadt.“ Wer die Augen davor verschließe, mache sich schuldig.
Am Samstag waren mehrere hundert pro-palästinensische Demonstranten durch Kreuzberg und Neukölln gezogen. Nach Angaben der Polizei gab es Straftaten und Festnahmen. Es werde wegen antisemitischer und volksverhetzender Anfeindungen ermittelt, sagte ein Sprecher. Genaueres sollte im Laufe des Sonntags mitgeteilt werden.
Nach Angaben von Beobachtern wurden bei dem Aufzug am Samstagabend judenfeindliche Äußerungen wie „Drecksjude“ laut. Bei der Demonstration seien zudem Journalisten getreten, geschubst und geschlagen worden, teilte die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union mit. Die Polizei habe nicht auf Hilferufe reagiert und Journalisten angewiesen, der Demonstration fernzubleiben oder hinterherzulaufen.
Die Polizei teilte zunächst nur mit, die Versammlungsleitung habe Personen nach dem Versammlungsfreiheitsgesetz ausgeschlossen. „Wir standen mit beiden Seiten im Austausch.“
Erst am Freitag hatte es in Neukölln eine pro-palästinensische Demonstration gegeben. Dabei flogen nach Polizeiangaben Steine, Beamte wurden verletzt, Feuerwerkskörper gezündet und Böller geworfen. Die Polizei sprach von „äußerst emotionalen Teilnehmenden“, die Israel Aggression in Jerusalem vorwarfen.
Hintergrund der Demos sind die Zusammenstöße rund um den Tempelberg, die in den vergangenen Wochen zugenommen haben. In der Vergangenheit gab es mehrmals ähnliche Vorfälle in Berlin.
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Der Prozess gegen den inhaftierten Kulturförderer und angeblichen Putschisten Osman Kavala in der Türkei geht in die Endphase.
Heute werden die Abschlussplädoyers der Verteidigung und der Angeklagten vorgetragen, sagte der Anwalt Kavalas, İlkan Koyuncu, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Urteil werde zu Beginn nächster Woche erwartet.
Dem 64-Jährigen werden in dem Prozess Umsturzversuch im Zusammenhang mit den Gezi-Protesten von 2013 sowie „politische und militärische Spionage“ im Zusammenhang mit dem Putschversuch von 2016 vorgeworfen. Kavala weist die Vorwürfe strikt zurück. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte 2019 die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten angeordnet und die Haft als politisch motiviert eingestuft. Wegen der Inhaftierung Kavalas hat der Europarat ein Ausschlussverfahren gegen die Türkei eingeleitet.
In dem sogenannten Gezi-Verfahren stehen neben Kavala auch weitere bekannte Angeklagte vor Gericht. Kavala ist als einziger von ihnen inhaftiert und sitzt seit rund viereinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Verurteilt wurde er bisher noch nicht. Der Fall hatte 2021 zu einem diplomatischen Eklat geführt, nachdem zehn Botschafter in Ankara, darunter der deutsche, Kavalas Freilassung forderten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan drohte mit der Ausweisung der Botschafter, setzte sie aber nicht um.
Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch und hatte in der Vergangenheit immer wieder argumentiert, dass sich keine Beweise für die Anschuldigungen finden ließen.
Unterstützer, Menschenrechtler und Oppositionspolitiker unterstellen der islamisch-konservativen Regierung, mit der Inhaftierung Kavalas von Engagement abschrecken zu wollen, das nicht mit der Ideologie der regierenden Partei AKP übereinstimmt. Die Regierung argumentiert ihrerseits, die Justiz in der Türkei sei unabhängig. Erdoğan hatte Kavala in der Vergangenheit öffentlich mehrmals als Terroristen bezeichnet.
dpa/dtj
Eine der größten Frauenrechtsgruppen der Türkei befürchtet ein Verbot durch den Staat. Die Staatsanwaltschaft sieht durch die Gruppe „Familienstrukturen“ in Gefahr.
Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen sie, erklärte die Plattform „Kadın Cinayetlerini Durduracağız“ (Deutsch: Wir werden Femizide stoppen) am Freitag. Der Behörde zufolge hat es öffentliche Beschwerden über die Gruppe wegen „Verhaltens gegen die Moral“ gegeben, sagte das Vorstandsmitglied Fidan Ataselim der Deutschen Presse-Agentur. Der Organisation wird demnach vorgeworfen, „unter dem Gewand der Verteidigung von Frauenrechten“ Familienstrukturen zerstören zu wollen. Ihre Organisation wies die Vorwürfe als „ungesetzlich und haltlos“ zurück. Ein Gerichtstermin für eine erste Anhörung steht noch nicht fest.
Die Plattform Kadın Cinayetlerini Durduracağız dokumentiert seit 2010 Gewalt gegen Frauen in der Türkei. Angesichts einer wachsenden Tendenz im Land, freie Meinungsäußerungen zu unterdrücken, befürchtet die Gruppe laut Ataselim, bei einer Verurteilung verboten zu werden.
Das offensichtliche Bestreben, die Plattform zu verbieten, sei politisch motiviert und provokativ, sagte die Leiterin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in der Türkei, Emma Sinclair-Webb, der dpa. „Es ist ein klarer Fall von gerichtlicher Schikane, eine Kampagnengruppe zu diskreditieren, die sehr erfolgreich darin gewesen ist, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die sehr hohe Zahl von Frauenmorden in der Türkei zu schärfen“, so Sinclair-Webb.
Im Jahr 2021 registrierte die Organisation 280 Morde an Frauen in der Türkei. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden ihren Daten zufolge 73 Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet.
dpa/dtj
Der Rapper Murda ist in der Türkei zu einer Haftstrafe von mehr als vier Jahren verurteilt worden. Ein Istanbuler Gericht sprach den Niederländer mit türkischen Wurzeln wegen der Verherrlichung von Drogenkonsum in seinen Songtexten schuldig.
Sein Anwalt Ümit Gürkal Egemen kündigte Einspruch gegen das Urteil an. Der 38-jährige Murda, mit bürgerlichem Namen Mehmet Önder Doğan, reagierte via Instagram enttäuscht auf das Urteil und nannte es „sehr traurig. Für die jungen Leute, die meine Musik hören, Künstler generell, die sich frei ausdrücken wollen“.
Murda, der sich laut seinem Anwalt aktuell in den Niederlanden aufhält, wo es einen lockeren Umgang mit Drogen gibt, veröffentlicht Songs hauptsächlich auf Türkisch und ist einer der populärsten Rapper in der Türkei und auch in Europa durchaus bekannt. Laut Egemen beziehen sich die Vorwürfe unter anderem auf den Song „Eh Baba“. Darin rappt Murda etwa „Ich habe einen Joint gedreht, angezündet. Mann, der hat mich geschüttelt“.
In den vergangenen Jahren sind türkische Behörden immer wieder gegen Rapper und andere Kreative vorgegangen. Stimmen aus der Szene kritisieren das als starke Einschränkung der Kunstfreiheit unter der Regierung der islamisch-konservativen Partei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdoğan.
dpa/dtj
„Demonstrationen;Extremismus;Schweden“ width=“696″ height=“464″>15.04.2022, Schweden, Örebro: Demonstranten zünden einen Polizeibus im Park Sveaparken in Örebro an. Die schwedische Polizei bereitet sich nach eigenen Angaben auf neue gewaltsame Zusammenstöße vor, nachdem es am Karfreitag zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten gekommen war, als eine rechtsextreme Anti-Islam-Gruppe dort einen Koran verbrennen wollte. Foto: Kicki Nilsson/TT NEWS AGENCY/AP/dpa
In Schweden ist es rund um Proteste von Rechtsextremen zu Ausschreitungen gekommen.
In der Stadt Örebro im Süden des Landes wurden am Karfreitag mehrere Polizeiautos angezündet, wie der Sender SVT am Samstag berichtete. Etwa ein Dutzend Polizisten erlitt Verletzungen. Insgesamt waren an den Protesten nach Angaben der Polizei etwa 500 Menschen beteiligt. Auch in der Hauptstadt Stockholm kam es zu Ausschreitungen mit Steinwürfen.
Hintergrund sind mehrere rechte Demonstrationen sowie die Tatsache, dass diese von der Polizei genehmigt wurden. Daraufhin gab es auch Gegendemonstrationen. Bereits am Gründonnerstag hatte es SVT zufolge Krawalle gegeben, nachdem ein bekannter Rechtsextremist eine Genehmigung für Versammlungen bekommen hatte, bei denen er den Koran verbrennen wollte.
Eine weitere für Samstag angesetzte Demonstration in der Stadt Landskrona wurde wegen der Ausschreitungen kurzfristig nach Malmö verlegt. Trotzdem versammelten sich in Landskrona um die 60 Demonstranten, auch hier kam es zu Krawallen.
dpa/dtj
Armenien, Georgien und die Türkei sind zu beliebten Ländern für Exilrussen geworden. Es gibt schon Initiativen vor Ort, die Ankommenden unterstützen. Viele Menschen fliehen „aus Angst vor einer Verhaftung in Eile“.
Zehntausende Russinnen und Russen haben seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine am 24. Februar ihrer Heimat den Rücken gekehrt. In der türkischen Metropole Istanbul und der armenischen Hauptstadt Eriwan unterstützt die russische Initiative „Die Arche“ die Ausgereisten bei der Ankunft.
Man stelle vor allem Unterkünfte für Menschen bereit, die „aus Angst vor einer Verhaftung in Eile fliehen mussten“, sagt Eva Rapoport (38), Freiwillige bei der Organisation, der Deutschen Presse-Agentur in Istanbul. „Wir versuchen, jede Art von Hilfe anzubieten, damit sie wenigstens einige Zeit kostenlos unterkommen und herausfinden können, wie es für sie weitergeht.“
Einige Exilanten hätten Russland auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Aussichten angesichts der harten Sanktionen des Westens verlassen, sagt Rapoport. Junge Männer hätten zudem Angst, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Vor allem gut ausgebildete Menschen seien unter den Neuankömmlingen.
„Die Arche“ wurde Anfang März, kurz nach Beginn des Krieges, gegründet. Sie finanziert sich nach eigenen Angaben aus Spenden. Bekannter Unterstützer ist der in London lebende Exil-Oppositionelle Michail Chodorkowski. Für Neuankömmlinge miete man etwa Wohnungen mit bis zu sechs Schlafzimmern an, sagt Rapoport. Alleine in Istanbul habe man bislang mehr als 200 Unterkünfte vermittelt.
Zahlen, wie viele Russen seit Beginn des Krieges in die Türkei gekommen sind, gibt die Regierung nicht bekannt. Zu touristischen Zwecken reisen jedes Jahr Millionen Russen in die türkischen Urlaubsregionen. Das Nato-Land Türkei hält seinen Luftraum für russische Flieger im Gegensatz zu Europa offen und beteiligt sich nicht an Sanktionen. Russen können zudem ohne Visum einreisen, was das Land zu einem Drehkreuz macht. Ein Teil der Neuankömmlinge ließe sich nicht in der Türkei nieder, sondern reise weiter, so Rapoport.
In der Ex-Sowjetrepublik Armenien halten sich nach offiziellen Angaben mittlerweile 75.000 Menschen aus Russland auf – Experten gehen sogar von 100.000 aus. Hotels, Pensionen und Mietwohnungen in der Hauptstadt Eriwan sind voll belegt, wie ein dpa-Reporter vor Ort berichtete.
In Eriwan haben vor allem Programmierer Chancen auf eine Arbeitsstelle – dort sind einige IT-Unternehmen angesiedelt. Weil in Armenien auch Russisch gesprochen wird, gibt es für die Neuankömmlinge, darunter viele junge Familien, keine Sprachbarrieren.
Georgien ist ebenfalls eine Option als Zufluchtsort für Russen. Auch dort wird Russisch gesprochen. Bis Mitte März registrierten die Behörden mehr als 30.000 Einreisen aus dem Nachbarland. Mehr als 17.000 Russen verließen laut Innenministerium Georgien aber wieder.
dpa/dtj
Die Linke im Europaparlament hat den türkischen Militäreinsatz gegen die PKK im Nordirak scharf kritisiert. Dient die Offensive dazu, von innenpolitischen Problemen Erdoğans abzulenken?
„Wieder einmal wird auch die Zivilbevölkerung getroffen“, teilte Özlem Alev Demirel, außen- und friedenspolitische Sprecherin der Linken im EU-Parlament am Dienstag mit. Sie rufe die türkische Regierung auf, die Militäroperation umgehend zu beenden. Die nach Ansicht der Politikerin völkerrechtswidrige Offensive diene dazu, von innenpolitischen Problemen abzulenken und den Nationalismus in der Türkei zu bestärken.
Das türkische Verteidigungsministerium teilte am Montag mit, die Luftwaffe habe unter anderem Verstecke, Tunnel und Munitionsdepots bombardiert. Es seien Kampfjets, Hubschrauber, bewaffnete Drohnen und Bodentruppen eingesetzt worden.
Am Dienstag gab das Ministerium bekannt, bisher 26 „Terroristen neutralisiert“ zu haben. Die Türkei begründete die Offensive mit dem Schutz vor Terrorangriffen und dem Recht auf Selbstverteidigung. Die PKK steht in der Türkei, Europa und den USA auf der Terrorliste und unterhält Stellungen in der Südosttürkei und im Nordirak. Linke Parteien präsentierten sich in der Vergangenheit wiederholt als PKK-nah oder distanzierten sich nicht von ihren Taten.
Der Irak verurteilte den türkischen Militäreinsatz ebenfalls scharf. Er sei „inakzeptabel“, verletze die irakische Souveränität und bedrohe die nationale Sicherheit, hieß es in einer Erklärung des irakischen Präsidialamts. Das irakische Außenministerium bestellte zudem den türkischen Botschafter ein und überreichte ihm eine Protestnote.
Das türkische Militär hat bereits mehrmals Einsätze gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien geführt. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte in der Vergangenheit bei ähnlichen Einsätzen angezweifelt, dass diese mit dem Völkerrecht vereinbar sind.
dpa/dtj
Rund 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können nach Experten-Schätzung nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben.
Beides sei aber zentral für eine berufliche und gesellschaftliche Teilhabe, betonte das Forschungsnetzwerk AlphaFunk am Mittwoch in Duisburg. Bei Erwachsenen mit geringen schriftsprachlichen Fähigkeiten handele es sich nicht um eine homogene Gruppe, sagte Netzwerk-Leiter Michael Schemmann.
Entsprechend müsse man versuchen, diese Menschen noch stärker, gezielter und auf den unterschiedlichsten Wegen für Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung zu gewinnen. Neben den bewährten Weiterbildungsstrukturen mit den Volkshochschulen als zentralen Akteuren seien auch Kooperationen etwa mit sozialen Diensten oder Fußballvereinen wichtig.
Schemmann zufolge ergab eine Analyse des Netzwerks zudem, dass aufsuchende Angebote besonders wichtig seien – also in die Stadtteile hineinzugehen. Als Einstieg könnten auch mal Nähkurse oder Sportangebote dienen.
Nach Bundesländern aufgeschlüsselte Schätzzahlen gebe es zwar nicht. Es handele sich aber um „erschreckend“ viele Betroffene – „und das findet in jeder Kommune statt“, schilderte der Parlamentarische Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, Klaus Kaiser. Man komme an die Menschen oft nur schwer heran, weil das Thema mit einem Tabu belegt sei und viele Betroffene Strategien zur Verdeckung entwickelt hätten. So heiße es: „Ich habe gerade meine Brille nicht dabei, würden Sie mir den Text bitte vorlesen?“ Oder auch: „Das Formular fülle ich lieber in Ruhe zuhause aus.“
Das vom Land NRW geförderte Forschungsnetzwerk AlphaFunk ist ein Kooperationsprojekt der Universitäten Köln und Duisburg-Essen sowie dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn.
dpa/dtj
Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.