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Information

Verfassungsschutzbericht: Türkischer Geheimdienst im Visier

von Fremdeninfo 15 Juni 2022
von Fremdeninfo

 

Verfassungsschutzbericht: Türkischer Geheimdienst im Visier

Von

dtj-online

–

08.06.2022

Die „Union Internationaler Demokraten“ (UID) mit ihrem Präsidenten Köksal Kuş wird im Verfassungsschutzbericht als „der größte staats­- bzw. regierungsnahe Interessenver­band“ erwähnt. Foto: UID

Rechts, links, islamistisch, antisemitisch, diffus: Der Extremismus bekommt in Deutschland immer mehr Schattierungen. Und der neue Verfassungsschutzbericht bietet wenig Anlass für Optimismus – auch hinsichtlich der geheimdienstlichen Aktivitäten der Türkei.

Das zeigt der Verfassungsschutzbericht für 2021, den Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang in Berlin vorgestellt haben. „Das Bundesamt für Verfassungsschutz war in seiner Geschichte selten in einer so umfassenden Intensität gefordert wie gegenwärtig“, sagt Haldenwang.

RECHTSEXTREMISMUS

Die Zahl der Menschen mit rechtsextremistischen Einstellungen ist erneut leicht gestiegen. Laut Bericht wuchs das Personenpotenzial im rechtsextremistischen Spektrum binnen eines Jahres um rund 1,8 Prozent auf 33.900 Menschen an.

Der Anstieg ist nicht darauf zurückzuführen, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz inzwischen die AfD als Verdachtsfall im Bereich des Rechtsextremismus einstuft. Denn der Bericht deckt nur die Entwicklung im Jahr 2021 ab, und die Partei hatte im vergangenen Jahr präventiv gegen eine Beobachtung als Verdachtsfall geklagt.

Im Fokus: die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative

Das Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts, das dem Bundesamt jetzt die Verdachtsfall-Beobachtung gestattet, erging aber erst im März 2022. Die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) und die „Anhänger des formal aufgelösten Personenzusammenschlusses „der Flügel“ werden als „Sonstiges rechtsextremistisches Personenpotenzial in Parteien“ aufgeführt.

Dieser Kategorie rechnete der Verfassungsschutz im vergangenen Jahr 7.500 Menschen zu. Damit war das Personenpotenzial hier um 1.100 Personen geringer als im Vorjahr. Im Urteil des Kölner Gerichts hieß es: „Neben dem verfassungsfeindlichen Volksverständnis der JA ist in den Äußerungen der Funktionäre und Landesverbände der JA auch eine massive ausländerfeindliche Agitation festzustellen.“

40 Prozent der Rechtsextremisten gewaltorientiert

Gegen die Verdachtsfall-Beobachtung mit nachrichtendienstlichen Mitteln hat die AfD jetzt Berufung eingelegt. Und zwar sowohl was die Gesamtpartei angeht, als auch die Nachwuchsorganisation und den früheren „Flügel“. Knapp 40 Prozent der Rechtsextremisten hält der Verfassungsschutz für gewaltorientiert.

„Die größte extremistische Bedrohung für unsere Demokratie ist weiterhin der Rechtsextremismus“, betont Faeser. Versuche von Rechtsextremisten, die Corona-Pandemie und die Flutkatastrophe im Juli zur Gewinnung von Sympathisanten zu nutzen, waren nach Einschätzung des Verfassungsschutzes 2021 nicht von Erfolg gekrönt.

Das Ziel: Zusammenbruch des „verhassten demokratischen Systems“

Sorge bereitet dem Verfassungsschutz, dass die in den USA entstandene rechte „Siege“-Ideologie in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt – gerade unter Minderjährigen, die sich im Internet radikalisieren. Die Anhänger dieser Ideologie wollten „durch gezielte terroristische Akte gegen Infrastruktur, Angehörige von Minderheiten und demokratische politische Führungspersönlichkeiten“ einen Zusammenbruch des „verhassten demokratischen Systems“ herbeiführen.

Faeser meint, „dass wir unsere Präventionsarbeit dort verstärken müssen“. Die von einigen Unionspolitikern geforderte Speicherung von Daten von Minderjährigen helfe dagegen nicht weiter.

REICHSBÜRGER

Die Zahl der „Reichsbürger“ ist laut Bericht gewachsen: von rund 20.000 auf nunmehr 21.000 Anhänger. Hier spielten wohl die Proteste gegen Corona-Schutzmaßnahmen eine Rolle. Die sogenannten Reichsbürger und Selbstverwalter zweifeln die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland an. Sie weigern sich oft, Steuern zu zahlen.

Zu den rund 30 überregional aktiven Gruppierungen zählt der Inlandsgeheimdienst unter anderem Gruppen mit Namen wie „Staatenbund Deutsches Reich“ oder „Königreich Deutschland“.

LINKSEXTREMISMUS

Einen Zuwachs um knapp 1,2 Prozent auf nunmehr 34.700 Menschen beobachtet der Verfassungsschutz im Linksextremismus. Der Anteil der Linksextremisten, die Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele ausüben oder dies zumindest billigen, lag demnach im vergangenen Jahr bei knapp 30 Prozent.

Zunehmend professionell ist aus Sicht des Verfassungsschutzes die Aufklärung rechtsextremistischer Netzwerke und vermeintlicher Gegner durch sogenannte Antifa-Gruppen. „Vereinzelt bestehen Kontakte in Verwaltungsstrukturen, über die rechtswidrig Personendaten oder vertrauliche Informationen erlangt werden können“, heißt es dazu.

ISLAMISTISCHE GRUPPIERUNGEN

Die Anhängerschaft islamistischer Gruppen ist nach Einschätzung der Kölner Behörde erstmals seit vielen Jahren leicht geschrumpft: um rund 1,5 Prozent auf 28.290 Menschen. An Attraktivität verloren demnach besonders salafistische Gruppen. Vor allem von dschihadistisch motivierten Einzeltätern und Kleinstgruppen gehe aber nach wie vor eine große Gefahr aus, warnt der Verfassungsschutz.

NEUER PHÄNOMENBEREICH

Erstmals in einem Verfassungsschutzbericht aufgeführt ist das im April 2021 neu eingerichtete Beobachtungsobjekt „Demokratiefeindliche und/oder sicherheitsgefährdende Delegitimierung des Staates“.

In dieser Kategorie fasst der Inlandsgeheimdienst sehr unterschiedliche Gruppierungen und Akteure jenseits des klassischen Links-Rechts-Schemas zusammen: Gruppen und Einzelpersonen, die bestimmte, teilweise antisemitisch unterlegte Verschwörungstheorien verbreiten, das demokratische Staatswesen in Zweifel ziehen oder dieses ablehnen.

„Das Verbot der Grauen Wölfe hat höchste Priorität“

Dazu, wie groß die Zahl der Anhänger dieser heterogenen Szene ist, gibt es noch keine Einschätzung. Die Linke-Innenpolitikerin Martina Renner glaubt, durch die neue Kategorie erhielten rechte Akteure, die bei Corona-Protesten aufgetreten seien, „ein Alibi“.

AUSLÄNDISCHE GEHEIMDIENSTE

Hauptakteure sind laut Bericht nach wie vor Russland, China, der Iran und die Türkei. Deutschland bleibe für türkische Nachrichtendienste und Sicher­heitsbehörden weiterhin eines der vorrangigen Ausforschungs­ziele.

„Die nachrichtendienstlichen Aktivitäten werden auf hohem Niveau fortgesetzt und richten sich auch weiterhin hauptsächlich gegen vermeintliche oder tatsächliche Kritiker und Opponen­ten der Regierung. Auch die Einflussnahmeaktivitäten türkischer regierungsnaher Organisationen werden nahezu si­cher fortgeführt“, wird im Bericht festgehalten. Darin Erwähnung findet auch die Terrororganisation der PKK.

dpa/dtj

15 Juni 2022 0 Kommentare
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Information

Schweden gibt nach: Neue Terrorgesetze und Rüstungsexporte in die Türkei

von Fremdeninfo 15 Juni 2022
von Fremdeninfo
15

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Schweden gibt nach: Neue Terrorgesetze und Rüstungsexporte in die Türkei

Von

dtj-online

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14.06.2022

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Archivfoto: Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu trifft seine schwedische Amtskollegin Ann Linde. Foto: MFA Turkey

Schweden will jetzt in zwei Punkten der Türkei entgegenkommen, um die NATO-Blockade des Landes beizulegen. Geplant sind zwei Gesetzesänderungen.

Im Streit um die Aufnahme von Schweden und Finnland in die NATO gibt es nach Angaben von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg Bewegung. Wie Stoltenberg am Montag bei einem Besuch bei der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson sagte, kommt das skandinavische Land Einwänden der Türkei in zwei Punkten entgegen. Schweden habe bereits damit begonnen, seine Anti-Terror-Gesetzgebung zu ändern. Zudem werde das Land sicherstellen, dass der rechtliche Rahmen für Rüstungsexporte seinem zukünftigen Status als NATO-Mitglied mit neuen Verpflichtungen gegenüber Verbündeten widerspiegele.

„Das sind zwei wichtige Schritte, um die von der Türkei geäußerten Bedenken anzugehen“, zeigte sich Stoltenberg erfreut. Andersson versicherte, dass die schwedischen Anti-Terror-Gesetze in den vergangenen Jahren geändert worden seien und weiter geändert würden. „Wir nehmen die türkischen Bedenken sehr ernst und nicht zuletzt ihre Sicherheitsbedenken im Kampf gegen den Terrorismus“, sagte sie an Stoltenbergs Seite.

Schweden laut Stoltenberg jetzt schon geschützt

Schweden und Finnland hatten Mitte Mai die Aufnahme in das Verteidigungsbündnis beantragt. Die Türkei blockiert derzeit als einziges NATO-Mitglied den Beginn des Aufnahmeprozesses der beiden Länder. Meinungsverschiedenheiten gibt es unter anderem um die Terrororganisation PKK. Die Einwände scheinen sich vor allem gegen Schweden und weniger gegen Finnland zu richten.

Stoltenberg betonte, Schweden stehe nach seiner „historischen Entscheidung“ zum NATO-Antrag besser da als vorher. Viele NATO-Mitglieder hätten dem Land Sicherheitsgarantien gegeben. Würde Schweden angegriffen, dann halte er es für undenkbar, dass die Verbündeten nicht reagieren würden

15 Juni 2022 0 Kommentare
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Salafismus

Rheinland-Pfalz: Mutmaßlicher IS-Unterstützer festgenommen

von Fremdeninfo 14 Juni 2022
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Rheinland-Pfalz: Mutmaßlicher IS-Unterstützer festgenommen

DPA

Aleem N. wollte nach Syrien, seine Einreise scheiterte jedoch. Dann soll er begonnen haben, Propaganda der Terrormiliz »Islamischer Staat« ins Deutsche übersetzt zu haben. Nun kamen ihm Ermittler auf die Spur.

Die Bundesanwaltschaft hat in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Römerberg einen mutmaßlichen Unterstützer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) festnehmen lassen. Zeitgleich zu der am Montag erfolgten Festnahme seien in der Schweiz drei weitere Beschuldigte durch die Schweizer Bundesanwaltschaft und die Jugendanwaltschaft Winterthur festgenommen worden, teilten die deutschen Ermittler heute in Karlsruhe mit.

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Dem in Rheinland-Pfalz festgenommene Aleem N. werde die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen.

Den Karlsruher Ermittlern zufolge ist N. seit Langem ein Anhänger dschihadistischer und radikalislamischer Ideen. Er habe unter anderem versucht, sich in Syrien vom IS militärisch ausbilden zu lassen, und habe dann an Kampfhandlungen oder terroristischen Anschlägen mitwirken wollen. Jedoch scheiterte die Einreise in die IS-Gebiete den Angaben nach zweimal. Daher habe der Mann von Deutschland aus agiert.

»Seine Aufgabe bestand vor allem darin, offizielle Texte, Videos oder Audiobotschaften des IS aus dem Arabischen ins Deutsche zu übersetzen und auf verschiedenen Kanälen des Messengerdienstes Telegram im deutschsprachigen Raum zu verbreiten«, hieß es weiter. Der IS betrachte dies als gleichwertig mit der unmittelbaren Beteiligung am gewaltsamen Dschihad.

Zur Entscheidung über den Vollzug der Untersuchungshaft sollte N. noch heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden

14 Juni 2022 0 Kommentare
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Information

Deutlich mehr Einbürgerungen – Syrer und Türken in der Mehrzahl

von Fremdeninfo 13 Juni 2022
von Fremdeninfo

Deutlich mehr Einbürgerungen – Syrer und Türken in der Mehrzahl

Von

dtj-online

–

12.06.2022

 
 
 
 
„Einbürgerungsfeier
Archivfoto: Eine aus Indien stammende Frau hält nach der Einbürgerungsfeier für fast 2200 Menschen in der Frankfurter Paulskirche ihren neuen Pass in den Händen. Foto: Fabian Sommer/dpa

In Deutschland haben sich im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Menschen einbürgern lassen als im Jahr davor – die meisten von ihnen hatten zuvor die syrische Staatsbürgerschaft.

131.600 Ausländerinnen und Ausländer wurden laut Statistischem Bundesamt 2021 in Deutschland eingebürgert. „Dieser Anstieg ist gut zur Hälfte auf die hohe Zahl an Einbürgerungen von Syrerinnen und Syrern zurückzuführen“, berichtete das Amt am Freitag in Wiesbaden. 19.100 syrische Staatsangehörige wurden 2021 eingebürgert – fast dreimal so viele wie 2020.

Am zweithäufigsten wurden Menschen aus der Türkei eingebürgert (12.200 Menschen). Danach folgten rumänische (6900), polnische (5500) und italienische (5000) Staatsangehörige. Insgesamt nahmen Menschen mit 173 unterschiedlichen Nationalitäten die deutsche Staatsbürgerschaft an. Jede vierte Person hatte zuvor den Pass eines EU-Mitgliedstaates. Für eine Einbürgerung nötig sind ausreichende Sprachkenntnisse, ein gesicherter Lebensunterhalt und in der Regel eine Mindestaufenthaltsdauer von acht Jahren.

Syrer erfüllen Bedingungen

„Die hohe Zahl der Einbürgerungen von Syrerinnen und Syrern steht im Zusammenhang mit der Zuwanderung von syrischen Schutzsuchenden in den Jahren 2014 bis 2016, die mittlerweile immer häufiger die Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen“, erklärten die Statistiker. Die große Mehrheit der neu eingebürgerten Syrerinnen und Syrer war allerdings noch keine acht Jahre im Land, im Durchschnitt waren es 6,5 Jahre.

Wer sich bereits nach sechs Jahren einbürgern lassen möchte, kann das laut Staatsangehörigkeitsgesetz über „besondere Integrationsleistungen“ erreichen. Dazu zählen besonders gute Sprachkenntnisse, schulische oder berufliche Leistungen, aber auch bürgerschaftliches Engagement. Familienmitglieder können in diesen Fällen ohne Mindestaufenthaltsdauer miteingebürgert werden.

dpa/dtj

13 Juni 2022 0 Kommentare
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Berlin: Mann rast mit Auto in Schülergruppe – Lehrerin tot

von Fremdeninfo 11 Juni 2022
von Fremdeninfo

Berlin: Mann rast mit Auto in Schülergruppe – Lehrerin tot

Von

dtj-online

–

09.06.2022

 

 
„Auto fährt in Berlin in Menschenmenge“
Ein Sprengstoffexperte in einem speziellen Schutzanzug geht nach dem tödlichen Zwischenfall an einer abgesperrten Straße in Berlin entlang. Foto: Christoph Soeder/dpa

Es ist Berlins wichtigste Einkaufsstraße, das weltbekannte KaDeWe liegt nicht weit entfernt. Am Mittwoch fährt plötzlich ein Auto in eine Menschenmenge. Eine Lehrerin aus Hessen stirbt. Für die Polizei sind noch viele Fragen offen.

Millionen Menschen kennen den Ort in Berlin, an dem sich das Leben für einige am Mittwoch schlagartig verändert – das gilt besonders für eine Schülergruppe aus Hessen. Zwischen der Gedächtniskirche und dem Luxuskaufhaus KaDeWe ist großflächig mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

Gegen 10.30 Uhr am Mittwochvormittag gingen vorher Notrufe ein. Ein Auto ist in eine Menschenmenge gefahren. Der silberfarbene Kleinwagen steckt 200 Meter weiter in einem Schaufenster. Das Glas zersplittert, die Scherben sind auf dem Boden verteilt. Dutzende Polizeiautos und Krankenwagen stehen an der Straße. Ein Hubschrauber kreist in der Luft.

Schulklasse aus Bad Arolsen

Etwas entfernt sieht man einen abgedeckten Körper auf der Straße. Es sind Bilder, die einem klar machen, was es bedeutet, wenn jemand aus dem Leben gerissen wird. Viele Opfer des Autofahrers gehören zu einer 10. Schulklasse aus Bad Arolsen in Nordhessen. Die getötete Frau war eine Lehrerin.

Ein weiterer Lehrer wurde schwer verletzt, ebenso eine ganze Reihe von Schülern, einige lebensgefährlich. „Die grausame Amoktat an der Tauentzienstraße macht mich tief betroffen“, schreibt Bundeskanzler Olfa Scholz (SPD) am Abend bei Twitter. „Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin endet im Alptraum.“

Scholz mit „Gedanken bei den Opfern“

Die hessische Landesregierung zeigt sich tief bestürzt. „Diese schockierende Nachricht aus Berlin macht mich fassungslos und tief betroffen. Meine Gedanken sind bei den Opfern, die voller Freude auf einer Klassenfahrt in der Hauptstadt waren“, teilt Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) mit.

 

Notfallbetreuungsteams seien nach Bad Arolsen geschickt worden, um den Angehörigen, Mitschülern und Lehrern beizustehen. Der Autofahrer wurde nach seiner Tat von Passanten festgehalten, berichtet Polizeisprecher Thilo Cablitz. Die Polizei habe den 29-Jährigen dann festgenommen.

Täter psychisch labil?

Im Laufe des Tages gibt es zunehmend Hinweise, dass es kein Unfall war. In dem Auto, das der Schwester des Fahrers gehört, lagen Polizeiangaben zufolge Türkei-feindliche Schriftstücke und Plakate, wie sie auf Demonstrationen hochgehalten werden. Ob sie tatsächlich dem Fahrer zuzuordnen sind und mit dem Motiv der Tat in Zusammenhang stehen, ist zur Stunde noch unklar. Polizeipräsidentin Barbara Slowik sprach von einem „Tatverdächtigen“, der in ein Krankenhaus gebracht wurde.

Im Moment gebe es keine Erkenntnisse zu einer politischen Motivation. Der Fahrer, ein Deutsch-Armenier, soll psychisch auffällig sein, hieß es von der Polizei. Er soll nach seiner Festnahme um Hilfe gebeten haben.

dpa/dtj

11 Juni 2022 0 Kommentare
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Erdrückende Inflation in der Türkei: „Ich kann mir kaum noch was zu essen kaufen

von Fremdeninfo 10 Juni 2022
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Erdrückende Inflation in der Türkei: „Ich kann mir kaum noch was zu essen kaufen“

 Von Susanne Güsten 

Die Inflationsrate in der Türkei liegt bei 73 Prozent – doch Präsident Erdogan behauptet, das sei kein Problem.

„Schwester, kannst du das Mikrofon ausmachen?“, bittet ein Teppichverkäufer in der Altstadt von Istanbul, bevor er sich zur Wirtschaftslage äußern mag. Wer solle ihm kleinen Mann denn helfen, wenn er eingesperrt werde, fügt er entschuldigend hinzu, wo doch selbst die prominenten Intellektuellen nicht mehr freigelassen würden.

„Wenn ich jetzt zum Beispiel sagen würde, dass Deutschland an unserer Wirtschaftsmisere schuld ist, dann wäre das in Ordnung – das könnte ich ins Mikrofon sagen.“ Die erdrückende Inflation zu beklagen und die Wirtschaftspolitik der türkischen Regierung zu kritisieren, das sei dagegen zu riskant .

Sein Geld reiche hinten und vorne nicht mehr, sagt der Mann, der in einem Teppichgeschäft angestellt ist. Bei 73,5 Prozent liegt die offizielle Inflation in der Türkei mittlerweile, so hoch wie seit 1998 nicht mehr. Regierungsunabhängige Experten und die Opposition werfen der Regierung vor, diese schockierende Zahl sei noch geschönt. Enag, eine Gruppe unabhängiger Wirtschaftswissenschaftler, beziffert die Inflationsrate auf 160 Prozent.

Gestiegene Energiepreise und der Ukraine-Krieg heizen die Inflation auf der ganzen Welt an, doch in der Türkei kommen hausgemachte Probleme hinzu. Nach der gängigen Volkswirtschaftslehre sollte ein Land als Mittel gegen die Inflation die Leitzinsen erhöhen, um das Geld knapper zu machen, doch Präsident Recep Tayyip Erdogan ist anderer Ansicht.

 

Auf seine Anweisung hin hat die türkische Zentralbank die Zinsen mehrmals gesenkt und damit die Inflation und den Wertverlust der Lira beschleunigt. Die türkische Landeswährung hat seit Anfang des vergangenen Jahres die Hälfte ihres Wertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Trotzdem will Erdogan die Zinsen weiter senken.

Die Bürger begehren nicht auf

Für Normalbürger geht es um mehr als um Wirtschaftstheorie. Ein Frührentner, der mit umgerechnet 150 Euro im Monat auskommen muss, zählt seine Ausgaben auf: Miete, Wasser, Strom – „da kann ich mir kaum noch was zu essen kaufen“. Der Preis für ein Laib Brot hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Nach einer Schätzung der UN haben 15 Millionen Türken nicht genug zu essen.

Besonders empfindlich ist die Krise auf Wochenmärkten wie dem Sali Pazari im Istanbuler Stadtteil Kadiköy zu spüren, wo Menschen mit geringem Einkommen ihre Lebensmittel, Kleidung und Haushaltsartikel kaufen, während wohlhabende Türken in Einkaufszentren und Supermärkten shoppen wie die Deutschen.

In einer Tiefgarage werden in Kadiköy jeden Dienstag hunderte Stände aufgebaut, an denen alles von Tomaten und Käse bis zu Unterwäsche und Kinderkleidung zu einem Bruchteil der Ladenpreise feilgeboten wird. Selbst dort drehen die Käufer inzwischen jede Lira dreimal um, berichten die Händler.

Auch Benzin, Strom und Gas werden ständig teurer. Der Preisauftrieb hat sich so stark beschleunigt, dass die Entlastung durch eine Erhöhung des Mindestlohnes um 50 Prozent im vorigen Dezember schon verpufft ist. Auf die 4253 Lira des aktuellen Netto-Mindestlohns sind Millionen türkische Arbeitnehmer angewiesen. Im Dezember war die Summe noch 345 Euro wert, heute sind es noch 234 Euro.

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Selbst für kleine Freuden reicht das Geld oft nicht mehr. Käse-Toast ist einer der beliebtesten Snacks der Türken. An jeder Straßenecke ist der „Kasarli Tost“ in kleinen Läden und an Kiosken zu haben. Weil sich viele Türken den Käse nicht mehr leisten können, wird der Käse-Toast inzwischen mancherorts ohne Käse angeboten: Er besteht nur noch aus Toastbrot, Ketchup und einem Stück Paprika.

Trotz der Krise begehren die Bürger nicht gegen die Regierung auf, denn viele haben Angst, wegen kritischer Äußerungen ins Gefängnis zu kommen. Ein Journalist, dessen regierungskritische Straßenumfragen im Internet millionenfach angeklickt werden, berichtet von mehr als hundert Strafverfahren, die gegen ihn selbst und befragte Bürger laufen.

Nur drei Prozent der Türken können mit ihrem Einkommen bequem leben

Anonym erhobene Umfragen lassen erahnen, wie schwer der Alltag für viele geworden ist. Demnach können nur drei Prozent der Türken mit ihrem Einkommen bequem leben. Zwei Drittel der Befragten haben große Schwierigkeiten, mit ihrem Geld bis zum Monatsende auszukommen; die anderen schlagen sich durch, oft mit Hilfe von Verwandten. Andere belasten ihre Kreditkarten immer weiter oder legen sich weitere Kreditkarten zu, um ihre Rechnungen zu bezahlen oder die Schulden bei anderen Kartenanbietern zu begleichen.

Erdogans Regierung schwankt unterdessen zwischen Schönfärberei und Notmaßnahmen. Der Präsident behauptete vor ein paar Tagen, die Türkei habe überhaupt kein Problem mit der Inflation. Es gebe lediglich ein Problem wegen steigender Lebenshaltungskosten, sagte Erdogan. Worin für die Verbraucher der Unterschied bestehen soll, behielt er für sich. Kurz darauf verfügte die Regierung eine Deckelung der Mietpreise, die bis zum nächsten Jahr nur um 25 Prozent erhöht werden dürfen.

 

10 Juni 2022 0 Kommentare
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Kultur

Und nichts bleibt, wie es war – Orhan Pamuk wird 70

von Fremdeninfo 8 Juni 2022
von Fremdeninfo

 

Und nichts bleibt, wie es war – Orhan Pamuk wird 70

Von

dtj-online

–

07.06.2022

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Archivfoto: Der türkische Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk während eines Interviews. Im Hintergrund ist die türkische Fahne zu sehen. Foto: Tolga Bozoglu/epa/dpa

Der Schriftsteller Orhan Pamuk wird 70 Jahre alt. Wandel und Veränderung stecken in fast all seinen Arbeiten. Auch für den Nobelpreisträger könnte sich etwas Fundamentales ändern.

Wenn der türkische Autor Orhan Pamuk an diesem Dienstag 70 Jahre alt wird, dann wohl mit einer Gewissheit, dass nichts so bleibt, wie es ist. In einem Interview mit einem US-Museum sagte er einmal: „Hoffe nicht auf Kontinuität. Am Ende wird eh alles weggespült.“ Die Auseinandersetzung mit Wandel und Veränderung steckt in fast allen Arbeiten Pamuks („Schnee“, „Museum der Unschuld“, „Nächte der Pest“). Häufig spielt dabei eine eine große Rolle: seine Heimatstadt Istanbul.

Orhan Pamuk wurde 1952 in der Stadt am Bosporus geboren. Er wächst auf in der Republik Türkei, die zum Zeitpunkt seiner Geburt erst knapp 30 Jahre alt ist. Im gleichen Jahr tritt die Türkei der NATO bei und verstärkt damit ihre Bindungen an den Westen. Er selbst sei in einer verwestlichten Familie aufgewachsen, mit einem liberalen Vater, der immer Poet sein wollte, und einer konservativen Mutter.

Flucht auf die Prinzeninseln

Seine Sommer verbrachte er auf den der Stadt vorgelagerten Inseln (türkisch: Adalar). Von dort aus muss er beobachtet haben können, wie die damals vergleichsweise beschauliche Stadt sich mit einem unglaublichen Baugeschehen in die Landschaft fraß. Mittlerweile wohnen offiziellen Zahlen zufolge 16 Millionen Menschen in Istanbul – und es werden weiter mehr.

Istanbul beschrieb er einmal wie seinen eigenen Körper. Die Entwicklung der Stadt beobachtet er wie ein Chronist. Er nutzt immer neue Formen und Methoden zur Beschreibung. Das sei natürlich, er kenne schließlich keinen besseren Ort, so Pamuk im Interview mit dem Museum. „Meine Bücher ziehen immer weitere Kreise und verschlingen so immer mehr Teile der Stadt.“

Architekturstudium abgebrochen

Dass er Schriftsteller geworden ist und 2006 den Nobelpreis für Literatur verliehen bekommen hat, verdankt Pamuk eigenen Aussagen zufolge „einer Schraube, die locker im Kopf“ saß. Mit Anfang 20 habe er sein Architekturstudium abgebrochen, und auch den Traum, Maler zu werden, für die Schriftstellerei an den Nagel gehängt.

Die Melancholie in seinen Texten, die auch in der Türkei beliebt sind, erklärt Pamuk als natürliches Ergebnis seiner Umgebung. Es habe ihn emotional geprägt, in einer Stadt aufzuwachsen, deren Bauten vom Glanz alter Zeiten zeugen, in der die Menschen aber deutlich ärmer sind als jene in Europa, an das man den Anschluss suche.

Wohnung nicht erdbebensicher

Die Stadt hat Pamuk nicht nur dadurch geprägt, dass zahlreiche Leser wohl gern einmal in die von so starken Kontroversen geprägte Stadt reisen wollen. In ihr steht das Museum der Unschuld zu seinem gleichnamigen, 2008 erschienen Roman. Pamuk selbst lebt seit mehr als 50 Jahren in einem Haus in dem mittlerweile zum Szeneviertel avancierten Cihangir. Vom Balkon dieses Hauses blickt Pamuk auf die Meerenge Bosporus. Eine Sammlung seiner Fotos dieses Ausblicks hat der Literat zur Ausstellung gemacht.

Seine Wohnung muss er womöglich bald verlassen und eine neue Bleibe für sich und seine 20.000 Bücher umfassende Bibliothek suchen. Pamuk soll das Haus auf eigenen Willen einer Prüfung zur Erdbebensicherheit unterzogen haben, mit dem Ergebnis, dass es abgerissen werden muss. Das berichteten mehrere türkische Medien, darunter etwa die Zeitung „Hürriyet“, vergangene Woche.

Kritischer Geist

Dazu, dass sich die Türkei und Istanbul unter den 20 Jahren AKP-Regierung stark verändert hat, hat Pamuk selten geschwiegen. Er kritisierte offen Einschränkungen der Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit, protestierte gegen die Flutung eines des ältesten Siedlungsgebiete der Welt für einen Dammbau und prangerte türkische YouTube- und Twitter-Blockaden an. Nicht zuletzt mit seinem offenen Plädoyer für die Anerkennung der Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord zog er viel Kritik von Landsleuten auf sich.

Sein in diesem Jahr auf Deutsch erschienener Roman „Nächte der Pest“ hat ihm wegen der angeblichen Beleidigung von Staatsgründer Atatürk und der türkischen Flagge eine Anzeige eingebracht. Pamuk hat die Vorwürfe von sich gewiesen. Seine Geschichte sei vielmehr ein Ausdruck von Bewunderung gegenüber der historischen Persönlichkeit Atatürks. In Gefahr fühlt er sich aber nicht, wie er auf einer Literaturmesse in Köln erklärte. Sein Anwalt habe ihm versichert, dass auch das vorbeigehen werde.

dpa/dtj

8 Juni 2022 0 Kommentare
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Information

Türkei: So bereitet sich die Opposition auf die Wahlen vor

von Fremdeninfo 7 Juni 2022
von Fremdeninfo

Türkei: So bereitet sich die Opposition auf die Wahlen vor

Von

dtj-online

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07.06.2022

 
 
 

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Beide gelten als mögliche Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen: Der Bürgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoğlu (Mitte links), und der neben ihm stehende CHP-Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu. Doch haben sie auch eine Chance? Foto: Tolga Ildun / Shutterstock

Noch ist unklar, wann genau die nächsten Präsidentschaftswahlen stattfinden. Offiziell ist der Juni 2023 angegeben. Auch von vorgezogenen Wahlen ist aber die Rede. Die Opposition bereitet sich jedenfalls jetzt schon vor und will vor allem gegen mögliche Wahlmanipulation angehen.

Offiziell sind es noch mehr als 365 Tage bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen in der Türkei. Geplant sind die Wahlen für den 18. Juni 2023. Doch glaubt man Politikwissenschaftlern und kritischen Medien in der Türkei, sind vorgezogene Wahlen nicht auszuschließen. Daneben gibt es auch viele weitere Spekulationen, beispielsweise wenn es um die Präsidentschaftskandidat:innen geht.

Zwar ist dieses Szenario sehr unwahrscheinlich und angesichts der Aussagen seiner Sprecher derzeit nicht mehr als ein Gerücht zu sehen, dennoch ist es sogar noch unklar, ob der amtierende Präsident Recep Tayyip Erdoğan überhaupt nochmal als Präsidentschaftskandidat antritt oder ob er die Kandidatur seinem Verteidigungsminister Hulusi Akar überlässt. Welche Position Erdoğan in so einem Fall im Anschluss einnehmen würde, weiß ebenfalls noch niemand.

Viel spannender ist die Benennung des Kandidatin bzw. der Kandidatin auf Seiten der Opposition. Hier haben sich insgesamt sechs Parteien zusammengeschlossen, um bei den Wahlen gemeinsam gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan anzutreten. Das als „6er-Tisch“ (6’lı Masa) bekannt gewordene Bündnis vereint unter anderem die zweitgrößte türkische Partei CHP, die DEVA-Partei um den ehemaligen Erdoğan-Weggefährten und AKP-Minister Ali Babacan sowie die Iyi-Partei um die nationalistische Meral Akşener.

Wer wird Präsidentschaftskandidat der Opposition?

Wer letztendlich die endgültige Kandidatur übernimmt, ist noch unklar. Türkische Politikjournalisten wie Deniz Zeyrek von der „Sözcü“ glauben zwar fest an die Kandidatur des Vorsitzenden der kemalistischen CHP, Kemal Kılıçdaroğlu. Aber auch Namen wie die des Oberbürgermeisters Mansur Yavaş (Ankara) oder Ekrem İmamoğlu (Istanbul) sind nicht ausgeschlossen. Für die letzteren beiden sprechen die überraschenden Wahlsiege bei den Bürgermeisterwahlen 2019 sowie die in der Bevölkerung angenommene staatsmännische Art, Politik zu betreiben.

Der wenig charismatische Kılıçdaroğlu hingegen hat zwar landesweit einen größeren Bekanntheitsgrad, dennoch glauben viele, dass er gegen Erdoğan keine Chance haben würde, da er in vergangenen Wahlen bereits deutliche Niederlagen einstecken musste. In jedem Fall aber will die Opposition den Fehler von 2014 vermeiden, als der weitgehend unbekannte Kandidat Ekmeleddin İhsanoğlu trotz der damaligen Unterstützung der rechtspopulistischen Partei MHP gegen Erdoğan lediglich 38 Prozent aller Stimmen holen konnte. Jener MHP übrigens, die heute die Seiten gewechselt hat und ein Bündnis mit der AKP eingegangen ist.

Sorge vor Wahlmanipulation

Aber auch auf bürokratisch-organisatorischer Seite bereitet sich die Opposition auf die Wahlen vor. Schon jetzt hat sie einen Maßnahmenplan gegen Wahlmanipulation erarbeitet. Am Montag stellte eine Kommission der Opposition diesen Plan vor. Demnach wolle man ab sofort eigene Mitglieder intensiv auf den Wahlabend vorbereiten, sodass eine mögliche Manipulation rechtzeitig verhindert werden könne. „Wir erarbeiten am 6er-Tisch jede mögliche Maßnahme. Die Wahlen, wann auch immer sie stattfinden sollen, sind für unser Land und unser Volk enorm wichtig“, sagte Şenol Sunat (Iyi-Partei) stellvertretend für alle sechs Parteien. Die Politikerin weiter: „Die Tage, in denen wir das Präsidialsystem, das unser Land nach und nach in den Abgrund führt, hinter uns lassen und zum vom 6er-Tisch gemeinsam vereinbarte verstärkte parlamentarische System übergehen, sind sehr nah.“

Finden vorgezogene Wahlen in der Türkei statt?

Ob die Wahlen vorgezogen werden, bleibt weiterhin nur als Spekulation im Raum. Die Opposition glaubt, dass die Regierung die derzeitige wirtschaftliche Krise im Land nicht überstehen kann und peilt den November an. Der türkische Staatspräsident selbst lehnte das ab. Die Wahlen würden wie geplant im Juni kommenden Jahres stattfinden.

 

 

 

 

 

7 Juni 2022 0 Kommentare
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Aus der Türkei bis nach Deutschland: Großes Schleusernetzwerk aufgedeckt

von Fremdeninfo 6 Juni 2022
von Fremdeninfo

Aus der Türkei bis nach Deutschland: Großes Schleusernetzwerk aufgedeckt

Von

dtj-online

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05.06.2022

 

 

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Mehrere mutmaßliche Drahtzieher des Schleusernetzwerks wurden festgenommen. Foto: Europol

Ermittler haben in mehreren europäischen Ländern insgesamt acht mutmaßliche Drahtzieher großer internationaler Schleusernetzwerke festgenommen – fünf davon durch die Bundespolizei.

Im Zuge der Ermittlungen der Taskforce „Pathfinder“ wurden bisher 126 mutmaßliche Mittäter festgenommen worden, teilten Bundespolizei und Europol am Freitag mit. 19 dieser Festnahmen seien in Deutschland erfolgt. Bei 70 Durchsuchungen in Bayern, Sachsen und Nordrhein-Westfalen hätten Ermittler Beweismittel und Vermögenswerte von mehr als 600.000 Euro sichergestellt.

Neben den acht festgenommenen Verdächtigen identifizierten die Ermittler sechs weitere mutmaßliche Drahtzieher. Insgesamt sollen deren Netzwerke mindestens 10.000 Menschen, überwiegend syrische und türkische Staatsangehörige, mittels PKW, aber auch per Kleintransporter und LKW, unter teils lebensgefährdenden und unmenschlichen Bedingungen aus der Türkei über die Balkanroute überwiegend nach Österreich und Deutschland sowie andere Länder Westeuropas gebracht haben.

Die kriminellen Organisationen seien wie Reiseunternehmen aufgebaut gewesen – mit Fahrern, Transportfirmen und Unterkünften, die gegen Bezahlung gemeinsam genutzt werden konnten. Ihre Kunden hätten die Täter über soziale Medien geworben, Geld sei über das sogenannte Hawala-Finanzsystem an Banken vorbei geflossen.

dpa/dtj

6 Juni 2022 0 Kommentare
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Erdoğan wegen „Flittchen“-Aussage angezeigt

von Fremdeninfo 5 Juni 2022
von Fremdeninfo

Erdoğan wegen „Flittchen“-Aussage angezeigt

Von

dtj-online

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03.06.2022

 
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Im Fokus: Recep Tayyip Erdoğan, Präsident der Türkei. Foto: Burhan Özbilici/AP/dpa

Wegen „diskriminierender Sprache“: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist mehrfach angezeigt worden, weil er Teilnehmer der Gezi-Proteste 2013 als „Flittchen“ bezeichnet hatte.

Unter anderem Politiker der oppositionellen CHP und Frauenrechtsorganisationen reichten Strafanzeigen gegen Erdoğan ein, wie sie jeweils auf Twitter mitteilten. Der Vorsitzende der CHP, Kemal Kılıçdaroğlu, riet Erdoğan auf Twitter, künftig lieber den Mund zu halten und erhielt dafür Zustimmung vom berühmten türkischen Pianisten Fazıl Say.

Auch die bekannte Autorin Elif Şafak empörte sich via Twitter über die „diskriminierende Sprache“. Erdoğan hatte am Mittwoch, dem neunten Jahrestag der regierungskritischen Proteste, zu der scharf kritisierten Bezeichnung gegriffen.

Demonstrierende weiter in Haft

Ende Mai 2013 hatten die Gezi-Proteste am Istanbuler Taksim-Platz ihren Ausgang genommen. Sie richteten sich ursprünglich gegen ein geplantes Bauprojekt auf dem Areal des Gezi-Parks am Taksim, arteten danach aber aus.

Die Regierung hatte die Proteste brutal niederschlagen lassen. Zahlreiche Menschen sitzen wegen der Teilnahme an den Demonstrationen noch immer in türkischen Gefängnissen.

dpa/dtj

5 Juni 2022 0 Kommentare
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