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4 Februar 2026 0 Kommentare
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Deutsch-türkisches Leben 1990: Museum zeigt Foto-Reportage

von Fremdeninfo 30 Juni 2021
von Fremdeninfo

Deutsch-türkisches Leben 1990: Museum zeigt Foto-Reportage

Von

dtj-online

–

29.06.2021

 
 
 

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Duisburg: Das Foto zeigt ein Selbstbildnis des türkischen Fotojournalisten Ergun Çagatay in Grubenkleidung vor Beginn des Besuchs eines Steinkohlebergwerks in Duisburg-Walsum. Das Foto aus dem Frühjahr 1990 ist in der Fotoausstellung „Wir sind von hier“ über das Leben von Türkeistämmigen in Deutschland zu sehen. Foto: Ergun Çagatay/Ruhr Museum/dpa

1990 dokumentiert der türkische Fotograf Ergun Çağatay sechs Wochen lang, wie seine Landsleute und deren Nachkommen in Deutschland leben. Eine Ausstellung in Essen zeigt jetzt die eindrucksvollsten Bilder. Anlass ist die Unterzeichnung des Anwerbeabkommens vor 60 Jahren.

Das Leben von Türkeistämmigen in Deutschland im Jahre 1990 zeigt eine Fotoausstellung in Essen seit letzter Woche Montag. Unter dem Titel „Wir sind von hier“ präsentiert das Ruhr Museum auf dem Gelände der Zeche Zollverein 116 dokumentarische Fotografien des türkischen Fotografen Ergun Çağatay (1937-2018). Er reiste damals nach Deutschland im Rahmen eines Projekts der Pariser Agentur Gamma über Arbeitsmigration nach Mittel- und Nordeuropa.

Çağatay fertigte die Bilder im Frühjahr 1990 innerhalb von sechs Wochen in Hamburg, Köln, Werl, Berlin und Duisburg an. Zu sehen sind Einzel- und Gruppenporträts von Migrant:innen bei ihrer Arbeit etwa in den Ford-Werken, bei Familienfeiern oder Moscheebesuchen. Çağatay schuf insgesamt rund 3500 Aufnahmen.

60 Jahre Anwerbeabkommen

Anlass der Ausstellung ist der 60. Jahrestag der Unterzeichnung des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens am 30. Oktober 1961. In Essen ist die Schau bis zum 31. Oktober zu sehen. Die Texte in der Ausstellung und im Katalog sind durchgängig auf Deutsch und Türkisch.

„Nie zuvor wurde das Thema des türkischen Lebens in Deutschland in solcher Breite und so facettenreich fotografisch dokumentiert“, sagte der Direktor des Ruhr Museums, Heinrich Theodor Grütter, am Freitag in Essen. In seiner umfassenden Reportage zeige Çağatay auch, wie die türkische Einwanderung Deutschland verändert habe. Die Ausstellung wird durch das Auswärtige Amt und die RAG-Stiftung gefördert.

Döner 3,50 Mark

Obwohl 30 Jahre alt, wirken die Bildmotive oft vertraut und aktuell. Çağatay fotografierte etwa einen türkischen Imbiss, in dem der Döner damals 3,50 Mark kostete. Eine Reihe von Aufnahmen zeigen türkische Obst- und Gemüsehändler vor ihren bunten Auslagen. Viele Fotos machte Çağatay in den Arbeitswelten der Migrant:innen und ihrer Nachkommen. „Das Ziel meiner Reise bestand darin, die soziale Integration beziehungsweise Nicht-Integration der zweiten Generation zu zeigen“, zitiert die Ausstellung den vor drei Jahren gestorbenen Fotografen.

„Durch die Geschichten und Erfahrungen der Menschen bekommt Zuwanderung ein Gesicht, besser gesagt: viele Gesichter“, sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Michelle Müntefering (SPD), am Freitag in Essen. „Gerade hier im Ruhrgebiet wissen wir, wie wichtig diese Gesichter und Geschichten für den Zusammenhalt der Gesellschaft sind, die nur aus Vielfalt Stärke gewinnt.“

Alis Buch

Flankiert werden die Bilder von acht Video-Interviews mit Persönlichkeiten, die wichtige Beiträge zum Thema deutsch-türkische Migration geleistet haben. Interviewt wurde etwa der Investigativ-Journalist Günter Wallraff, der 1985 seine Erfahrungen als Türke „Ali“ in seinem Buch „Ganz unten“ veröffentlicht hatte.

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit einem Symposium, einer deutsch-türkischen Kulturnacht, aber auch mit Kochkursen. Erstmals begleitet das Ruhr Museum eine Ausstellung mit einem eigenen Instagram-Kanal. Er hat die Adresse @60JahreAlmanya. Das Museum will damit vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Die Schau soll anschließend auch in Hamburg und Berlin gezeigt werden. Ab November will das Goethe-Institut die Bilder parallel in der Türkei präsentieren.

dpa/dtj

orte verbieten

 
30 Juni 2021 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Rund 11.000 Migranten warten auf Visa-Termin für Familiennachzug

von Fremdeninfo 29 Juni 2021
von Fremdeninfo

Rund 11.000 Migranten warten auf Visa-Termin für Familiennachzug

Von

 Dap/ dtj-online

–Knapp 11.000 Angehörige von Migranten warten einem Medienbericht zufolge auf einen Termin in deutschen Auslandsvertretungen für ein Visum zum Familiennachzug.

Demnach gab es Stand Ende März 10.974 Terminanfragen für einen Familiennachzug zu einem hierzulande aufgenommenen Flüchtling mit sogenanntem subsidiären Schutz – etwa in Botschaften und Konsulaten im Libanon, im Nordirak und in der Türkei. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag) vorliegt.

Subsidiären oder eingeschränkten Schutz bekommt, wem in der Heimat ernsthafter Schaden droht, zum Beispiel Folter oder Krieg. So fallen zum Beispiel viele syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in diese Kategorie.

Auch viele Flüchtlinge fern von der Familie

Die Zahl der monatlich erteilten Visa für den Nachzug zu subsidiär Schutzberechtigten liegt laut dem Funke-Bericht weiter deutlich unter der per Gesetz beschlossenen Grenze von 1000 Personen pro Monat. Im Januar 2021 erteilten die deutschen Auslandsvertretungen demnach 264 Visa für den Familiennachzug, im Februar 473, im März 442 und im April 363.

In dem komplexen Antragsverfahren tritt das Bundesverwaltungsamt als Schnittstelle zwischen Ausländerbehörden und Auslandsvertretungen auf. Mit der Corona-Pandemie und Einschränkungen auch in der Arbeit deutscher Konsulate waren die Zahlen zuletzt noch einmal deutlich gesunken, sie hatten aber schon zuvor unter der Obergrenze gelegen.

Die Innenexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, kritisierte die Bundesregierung scharf. „Es ist eine Schande, dass derzeit nur wenigen hundert Angehörigen von subsidiär Schutzberechtigten im Monat der Familiennachzug ermöglicht wird – das entspricht nicht einmal der Hälfte des ohnehin verfassungswidrigen Kontingents“, sagte Jelpke den Funke-Zeitungen.

dpa/dtj

29 Juni 2021 0 Kommentare
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Pride Parade in Istanbul: Polizei geht mit Tränengas gegen Demo vor

von Fremdeninfo 28 Juni 2021
von Fremdeninfo

Pride Parade in Istanbul: Polizei geht mit Tränengas gegen Demo vor

Von

dtj- Dpa online

–

 

Einem Demonstrationsverbot und massivem Polizeiaufgebot zum Trotz haben sich in Istanbul Hunderte Menschen zur Pride Parade versammelt. Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstrierende ein.

Berichten zufolge wurden auch Plastikgeschosse in die Menge gefeuert. Mehrere Menschen wurden den Veranstaltenden zufolge festgenommen. Unter dem Motto „Die Straße gehört uns“ hatten verschiedene Zusammenschlüsse zu der Parade aufgerufen. Die Protestierenden kritisierten unter anderem ein zunehmend LGBTQI+-feindliches Klima im Land.

LGBTQI+ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans-, Inter- und queere Menschen und das Pluszeichen als Platzhalter für weitere Identitäten.

Bereits am Vortag wurden rund um den Veranstaltungsort Absperrgitter aufgestellt, die Demonstration wurde wenige Stunden vor dem geplanten Beginn von der Stadtteilregierung untersagt. Die Anordnung erging unter Berufung auf das Demonstrationsgesetz, das Verbote unter anderem wegen Verstoßes gegen die „Moral“ ermöglicht.

Pride-Week untersagt

„In der Türkei sind wir seit 2015 mit einem radikalen Wandel der Regierungspolitik gegenüber LGBTQI+ Menschen konfrontiert. Der Staat hat den LGBTQI+-Menschen sozusagen den Krieg erklärt“, sagte Yıldız Tar von der Organisation Kaos GL der Deutschen Presse-Agentur. Die Regierung übe eine Politik aus, die darauf abziele, die Feindschaft gegenüber LGBTQI+ im „gesamten Volk zu verbreiten“. Hassverbrechen würden nicht bestraft und nähmen stetig zu. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat LGBTQI+ in der Vergangenheit immer wieder verbal angegriffen.

Zu Beginn der Woche war in Istanbul zudem ein Picknick anlässlich der sogenannten Pride-Week untersagt worden. Mehreren Berichten zufolge beschlagnahmte die Polizei Utensilien in Regenbogenfarben. Im vergangenen Jahr hatte das Handelsministerium angeordnet, Produkte mit Regenbogenfahnen und anderen Symbole für sexuelle und Gender-Vielfalt als ungeeignet für Menschen unter 18 Jahren zu kennzeichnen.

dpa/dtj

 
 
28 Juni 2021 0 Kommentare
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Migrations-Deal: EU billigt Milliarden für Türkei zur Versorgung von Geflüchteten

von Fremdeninfo 25 Juni 2021
von Fremdeninfo

Migrations-Deal: EU billigt Milliarden für Türkei zur Versorgung von Geflüchteten

Von  dpa

| Die Türkei kann nach dem EU-Gipfeln in Brüssel auf weitere Milliardenhilfen für die Versorgung von Flüchtlingen aus Syrien hoffen. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten forderten am Donnerstagabend die EU-Kommission auf, unverzüglich Vorschläge für eine Fortsetzung der finanziellen Unterstützung vorzulegen.

© dpa Geflüchtete an der griechisch-türkischen Grenze (Symbolbild)

Erste Überlegungen der Brüsseler Behörde sehen vor, der Türkei bis 2024 zusätzliche 3,5 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt zukommen zu lassen. Bislang wurden bereits rund sechs Milliarden Euro bereitgestellt.

3,7 Millionen Geflüchtete

Mit dem frischen Geld soll die Türkei dazu gebracht werden, den 2016 geschlossenen Flüchtlingspakt einzuhalten. Er sieht unter anderem vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Im Gegenzug nehmen EU-Staaten der Türkei Schutzbedürftige aus Syrien ab und finanzieren Hilfen für in der Türkei lebende Flüchtlinge. Ihre Zahl wurde zuletzt mit rund 3,7 Millionen angegeben.

Mit Blick auch den Seegebietsstreit zwischen den EU-Ländern Griechenland und Zypern sowie der Türkei begrüßten die Teilnehmer die Deeskalation in den vergangenen Monaten und erneuerten ihre Zusage, auf dieser Basis zu einer stärkeren Zusammenarbeit bereit zu sein.

Wann Gespräche über die angedachte Modernisierung der Zollunion aufgenommen werden könnten, wurde allerdings offen gelassen. Nach Angaben von Diplomaten ist ein Teil der Mitgliedstaaten der Ansicht, dass ein Verzicht auf neue Provokationen von türkischer Seite noch kein großes Engagement rechtfertigt.

Der Konflikt im östlichen Mittelmeer hatte sich im vergangenen Jahr wegen türkischer Erdgaserkundungen in umstrittenen Gebieten gefährlich zugespitzt. In Griechenland befürchteten Menschen sogar einen neuen Krieg. (dpa)

25 Juni 2021 0 Kommentare
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„Deutsch und muslimisch, das passt für viele nicht zusammen“

von Fremdeninfo 23 Juni 2021
von Fremdeninfo

„Deutsch und muslimisch, das passt für viele nicht zusammen“

Von

Murat Gökmen

–

05.05.2021

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Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Fiete Aleksander ab 2015 mit seinem schwarzen, aber stets pointierten Humor bei den „Datteltätern“ als „Fiete“. Zuletzt ist es um den deutschen Muslim aus Berlin etwas stiller geworden. Wir sprachen mit ihm über die Grenzen von Satire und die Schwierigkeiten als Konvertit in der muslimischen Community.

Unter den Videos auf Youtube und den Posts auf Instagram wurde immer wieder nach ihm gefragt, viele hatten es vermutlich auch geahnt. Nach Monaten der Ungewissheit stand es Anfang Februar schließlich fest: Fiete, eines der Gründungsmitglieder, ist kein Teil der Datteltäter mehr. Fast zeitgleich gaben er und die Datteltäter das bekannt. Wieder kommentierten zahlreiche User, der Tenor war eindeutig: Die Mehrheit war traurig und enttäuscht über das Aus.

Fiete verweist auf inhaltliche, professionelle und persönliche Differenzen, viel reden möchte er über das Thema aber nicht und entschuldigt das mit noch offenen rechtlichen Fragen. Gesprächsstoff gab es aber auch so zur Genüge.

Hallo Fiete. Danke, dass du dir Zeit nimmst. Wie geht es dir, womit bist du derzeit beschäftigt?

Sehr gerne. Es geht mir ganz gut so weit. Ich betrachte die Zeit als eine Art Findungsphase, die letzten Monate waren nicht ganz einfach. Ich habe kürzlich einen Job gefunden, das hilft mir, meinen Alltag und meine Gedanken zu strukturieren.

Du machst auch wieder Videos.

Ja, ich habe in diesem Jahr TikTok für mich entdeckt. Der Aufwand bei der Produktion ist überschaubar, es macht mir Spaß.

Wie kommen deine Inhalte an? Hast du ein bestimmtes Ziel vor Augen?

Bisher erstaunlich gut. In erster Linie möchte ich die Menschen unterhalten, sie aber auch zum Nachdenken anregen. Diese Mischung gelingt mir bisher. Ein bestimmtes Ziel habe ich nicht, der Spaß steht im Vordergrund.

In deinen Videos geht es viel um dein Leben und deine Erfahrungen als Konvertit. Du verpackst an sich ernste Themen mit einer gewissen Prise Satire. Hat Satire für dich als Muslim Grenzen?

Auf jeden Fall. Es heißt zwar stets, dass Satire alles darf, ich sehe das aber etwas anders. Für mich darf Satire nie nach „unten“ treten, sondern wenn, dann immer nur nach „oben“. Über Menschen, die ohnehin benachteiligt sind, mache ich keine Witze. Ich würde mich zum Beispiel nie über den Islam oder überhaupt eine Religion lustig machen. Anders sieht es aus, wenn es um bestimmte Auslegungs- oder Verhaltensweisen von Muslim:innen geht. Mein Ansatz ist stets, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten und sie zum Reflektieren zu bringen.

Wie ist das als Künstler im Alltag? Hat man die ganze Zeit verschiedene Ideen, die einem durch den Kopf schwirren und bei denen du sagst: „Dazu muss ich ein Video machen“? Wie gelingt es dir, den Schalter umzulegen?

Es ist unterschiedlich, aber manchmal habe ich schon eine kreative Phase, da könnte ich ganz viele Videos machen. Es ist aber nicht nur eine Idee, dazu gehört ja mehr. Was für dich in einem Moment lustig ist, kann für Außenstehende ganz anders wirken. Ich liebe es aber, in eine Rolle zu schlüpfen und sie zu spielen. Das mache ich, wenn ich vor der Kamera stehe. Dieses Switchen gelingt mir meist sehr gut und ist für mich eine willkommene Abwechslung.

Wie erlebst du die islamische Community in Deutschland? Immer wieder hört man davon, dass es schwer als Konvertit:in ist, Anschluss zu finden.

Das kann ich so bestätigen. Es gibt wenige Communitys, die offen sind für andere Nationalitäten. Türken, Marokkaner, Bosnier – sie bleiben lieber unter sich. Ich erlebe es oft, dass die Menschen es mir nicht abnehmen, dass ich deutsch und muslimisch bin, da haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Erst neulich ist mir das mit kleinen Kindern passiert. Ich selbst habe auch keine Community in Berlin, in der ich wirklich nachhaltig Anschluss gefunden habe. Als positive Beispiele fallen mir eigentlich nur München und Wien ein.

Was läuft dort besser?

In Wien bin ich des Öfteren, da meine Frau dort herkommt. Dort hat man das Gefühl, ein Teil der Community zu sein. Dazu muss man aber auch den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich kennen. Dort ist der Islam eine anerkannte Glaubensgemeinschaft und verfügt über bessere Strukturen. Hier bei uns ist das leider noch nicht so. Daher kocht jeder so ein bisschen sein eigenes Süppchen. Helfen würde es, wenn die Moscheen verstärkt auf Deutsch predigen, ohne die jeweiligen Muttersprachen zu vernachlässigen.

Als Künstler schaust du gerne über den (muslimischen) Tellerrand hinaus. Die Gesellschaft wirkt derzeit stark polarisiert, Corona-Leugner, Querdenker und Verschwörungstheoretiker machen sich lautstark bemerkbar. Sie behaupten zum Teil, dass wir derzeit die „DDR 2.0“ erleben. Als jemand, dessen Eltern in der DDR aufgewachsen sind, wie antwortest du auf diesen Vorwurf? Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr?

Die Meinungsfreiheit ist keineswegs in Gefahr. Ansonsten würden wir die obskuren und verschwörungstheoretischen Äußerungen dieser Gruppierungen nicht kennen und über sie diskutieren. Alternative Fakten und verdrehte „Wahrheiten“ können von jedem geäußert werden, nur muss man sich dann nicht wundern, wenn diese Aussagen klar als falsch bezeichnet und vehement kritisiert werden – oder ich mich dem satirisch widme. Ganz schnell wird dann auch das eigentliche Thema verlassen und man wird in politische Lager eingeordnet und auf persönlicher Ebene angegriffen. Der Fokus fürs Wesentliche geht auf diesem Weg sehr schnell verloren.

Dass während einer zu unseren Lebzeiten bisher ungekannten, globalen Notsituation solche Ansichten ans Tageslicht kommen, ist ganz normal. Niemand hat es kommen sehen und niemand wusste mit Sicherheit, wie mit der Lage umzugehen ist. Entsprechende Gruppierungen missbrauchen solche Momente für ihre Zwecke. Wegen politischer Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung durch Maßnahmen wie Ausgangssperren und Maskenpflicht auf eine „DDR 2.0“ zu verweisen, halte ich für anmaßend und respektlos gegenüber all denjenigen, denen im Rahmen der Teilung Deutschlands Unrecht angetan wurde. Es ist schlichtweg falsch.

****

Fiete Aleksander wurde 1991 in Berlin geboren und verbrachte fast sein gesamtes bisheriges Leben in der Hauptstadt. Mit 18 konvertierte er zum Islam. Nach seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen gründete er mit mehreren anderen Mitstreiter:innen die Datteltäter, von denen er sich im Sommer 2020 trennte. Als @fiete_boi ist er inzwischen auf der Plattform TikTok unterwegs und lädt dort regelmäßig Videos hoch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. 

23 Juni 2021 0 Kommentare
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„Deutsch und muslimisch, das passt für viele nicht zusammen“

von Fremdeninfo 23 Juni 2021
von Fremdeninfo

„Deutsch und muslimisch, das passt für viele nicht zusammen“

Von

Murat Gökmen

–

05.05.2021

ab 2015 mit seinem schwarzen, aber stets pointierten Humor bei den „Datteltätern“ als „Fiete“. Zuletzt ist es um den deutschen Muslim aus Berlin etwas stiller geworden. Wir sprachen mit ihm über die Grenzen von Satire und die Schwierigkeiten als Konvertit in der muslimischen Community.

Unter den Videos auf Youtube und den Posts auf Instagram wurde immer wieder nach ihm gefragt, viele hatten es vermutlich auch geahnt. Nach Monaten der Ungewissheit stand es Anfang Februar schließlich fest: Fiete, eines der Gründungsmitglieder, ist kein Teil der Datteltäter mehr. Fast zeitgleich gaben er und die Datteltäter das bekannt. Wieder kommentierten zahlreiche User, der Tenor war eindeutig: Die Mehrheit war traurig und enttäuscht über das Aus.

Fiete verweist auf inhaltliche, professionelle und persönliche Differenzen, viel reden möchte er über das Thema aber nicht und entschuldigt das mit noch offenen rechtlichen Fragen. Gesprächsstoff gab es aber auch so zur Genüge.

Hallo Fiete. Danke, dass du dir Zeit nimmst. Wie geht es dir, womit bist du derzeit beschäftigt?

Sehr gerne. Es geht mir ganz gut so weit. Ich betrachte die Zeit als eine Art Findungsphase, die letzten Monate waren nicht ganz einfach. Ich habe kürzlich einen Job gefunden, das hilft mir, meinen Alltag und meine Gedanken zu strukturieren.

Du machst auch wieder Videos.

Ja, ich habe in diesem Jahr TikTok für mich entdeckt. Der Aufwand bei der Produktion ist überschaubar, es macht mir Spaß.

Wie kommen deine Inhalte an? Hast du ein bestimmtes Ziel vor Augen?

Bisher erstaunlich gut. In erster Linie möchte ich die Menschen unterhalten, sie aber auch zum Nachdenken anregen. Diese Mischung gelingt mir bisher. Ein bestimmtes Ziel habe ich nicht, der Spaß steht im Vordergrund.

In deinen Videos geht es viel um dein Leben und deine Erfahrungen als Konvertit. Du verpackst an sich ernste Themen mit einer gewissen Prise Satire. Hat Satire für dich als Muslim Grenzen?

Auf jeden Fall. Es heißt zwar stets, dass Satire alles darf, ich sehe das aber etwas anders. Für mich darf Satire nie nach „unten“ treten, sondern wenn, dann immer nur nach „oben“. Über Menschen, die ohnehin benachteiligt sind, mache ich keine Witze. Ich würde mich zum Beispiel nie über den Islam oder überhaupt eine Religion lustig machen. Anders sieht es aus, wenn es um bestimmte Auslegungs- oder Verhaltensweisen von Muslim:innen geht. Mein Ansatz ist stets, den Menschen einen Spiegel vorzuhalten und sie zum Reflektieren zu bringen.

Wie ist das als Künstler im Alltag? Hat man die ganze Zeit verschiedene Ideen, die einem durch den Kopf schwirren und bei denen du sagst: „Dazu muss ich ein Video machen“? Wie gelingt es dir, den Schalter umzulegen?

Es ist unterschiedlich, aber manchmal habe ich schon eine kreative Phase, da könnte ich ganz viele Videos machen. Es ist aber nicht nur eine Idee, dazu gehört ja mehr. Was für dich in einem Moment lustig ist, kann für Außenstehende ganz anders wirken. Ich liebe es aber, in eine Rolle zu schlüpfen und sie zu spielen. Das mache ich, wenn ich vor der Kamera stehe. Dieses Switchen gelingt mir meist sehr gut und ist für mich eine willkommene Abwechslung.

aus einem aktuellen Video zum islamischen Fastenmonat. Quelle: Screenshot/TikTok

Wie erlebst du die islamische Community in Deutschland? Immer wieder hört man davon, dass es schwer als Konvertit:in ist, Anschluss zu finden.

Das kann ich so bestätigen. Es gibt wenige Communitys, die offen sind für andere Nationalitäten. Türken, Marokkaner, Bosnier – sie bleiben lieber unter sich. Ich erlebe es oft, dass die Menschen es mir nicht abnehmen, dass ich deutsch und muslimisch bin, da haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Erst neulich ist mir das mit kleinen Kindern passiert. Ich selbst habe auch keine Community in Berlin, in der ich wirklich nachhaltig Anschluss gefunden habe. Als positive Beispiele fallen mir eigentlich nur München und Wien ein.

Was läuft dort besser?

In Wien bin ich des Öfteren, da meine Frau dort herkommt. Dort hat man das Gefühl, ein Teil der Community zu sein. Dazu muss man aber auch den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich kennen. Dort ist der Islam eine anerkannte Glaubensgemeinschaft und verfügt über bessere Strukturen. Hier bei uns ist das leider noch nicht so. Daher kocht jeder so ein bisschen sein eigenes Süppchen. Helfen würde es, wenn die Moscheen verstärkt auf Deutsch predigen, ohne die jeweiligen Muttersprachen zu vernachlässigen.

Als Künstler schaust du gerne über den (muslimischen) Tellerrand hinaus. Die Gesellschaft wirkt derzeit stark polarisiert, Corona-Leugner, Querdenker und Verschwörungstheoretiker machen sich lautstark bemerkbar. Sie behaupten zum Teil, dass wir derzeit die „DDR 2.0“ erleben. Als jemand, dessen Eltern in der DDR aufgewachsen sind, wie antwortest du auf diesen Vorwurf? Ist die Meinungsfreiheit in Deutschland in Gefahr?

Die Meinungsfreiheit ist keineswegs in Gefahr. Ansonsten würden wir die obskuren und verschwörungstheoretischen Äußerungen dieser Gruppierungen nicht kennen und über sie diskutieren. Alternative Fakten und verdrehte „Wahrheiten“ können von jedem geäußert werden, nur muss man sich dann nicht wundern, wenn diese Aussagen klar als falsch bezeichnet und vehement kritisiert werden – oder ich mich dem satirisch widme. Ganz schnell wird dann auch das eigentliche Thema verlassen und man wird in politische Lager eingeordnet und auf persönlicher Ebene angegriffen. Der Fokus fürs Wesentliche geht auf diesem Weg sehr schnell verloren.

Dass während einer zu unseren Lebzeiten bisher ungekannten, globalen Notsituation solche Ansichten ans Tageslicht kommen, ist ganz normal. Niemand hat es kommen sehen und niemand wusste mit Sicherheit, wie mit der Lage umzugehen ist. Entsprechende Gruppierungen missbrauchen solche Momente für ihre Zwecke. Wegen politischer Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung durch Maßnahmen wie Ausgangssperren und Maskenpflicht auf eine „DDR 2.0“ zu verweisen, halte ich für anmaßend und respektlos gegenüber all denjenigen, denen im Rahmen der Teilung Deutschlands Unrecht angetan wurde. Es ist schlichtweg falsch.

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Fiete Aleksander wurde 1991 in Berlin geboren und verbrachte fast sein gesamtes bisheriges Leben in der Hauptstadt. Mit 18 konvertierte er zum Islam. Nach seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen gründete er mit mehreren anderen Mitstreiter:innen die Datteltäter, von denen er sich im Sommer 2020 trennte. Als @fiete_boi ist er inzwischen auf der Plattform TikTok unterwegs und lädt dort regelmäßig Videos hoch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner:innen geben deren eigene Auffassungen wieder. 

23 Juni 2021 0 Kommentare
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Angriff auf HDP-Büro: Mitarbeiterin getötet

von Fremdeninfo 19 Juni 2021
von Fremdeninfo

 

Angriff auf HDP-Büro: Mitarbeiterin getötet

Von

dtj-online

Ein Angreifer stürmt in das Büro der türkischen Oppositionspartei HDP und schießt um sich. Eine Frau stirbt. Wohl nur durch einen Zufall kommt es nicht zu noch mehr Toten. Die Hintergründe.

Bei einem Angriff auf das Büro der prokurdischen Oppositionspartei HDP im westtürkischen Izmir ist die Mitarbeiterin Deniz Poyraz erschossen worden. Ein Angreifer sei am Donnerstag in das Parteibüro im Zentrum der Stadt eingedrungen und habe um sich geschossen, teilte die HDP mit. Dabei sei die 38-Jährige getötet worden.

Nach Angaben des Provinzgouverneurs wurde der Mann festgenommen. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unklar. Der HDP-Co-Vorsitzende Mithat Sancar sieht auch die Regierung in der Verantwortung. Der Angriff kam kurz vor einem möglichen Verbotsverfahren gegen die HDP, die zweitgrößte Oppositionspartei im Parlament ist (DTJ-Online berichtete). Die Partei steht in der Türkei unter massivem Druck.

Täter mit Wolfsgruß

Tausende Parteimitglieder sitzen in Haft, darunter der ehemalige Vorsitzende Selahattin Demirtaş. Am Donnerstag ging auch ein Prozess gegen Demirtaş und 107 weitere prominente HDP-Politiker in Ankara weiter. Die Angeklagten verließen aus Protest gegen den Angriff in Izmir den Gerichtssaal.

Die HDP beschuldigte die Regierung, für den Angriff vom Donnerstag mitverantwortlich zu sein, weil sie die Partei immer wieder zur Zielscheibe mache. Die islamisch-konservative Regierungspartei AKP und ihr ultranationalistischer Partner MHP seien „Anstifter und Mittäter“, hieß es in einer Erklärung.

Angreifer in Militäruniform

Es tauchten auch Fotos vom Täter mit „Wolfsgruß“ auf. Dabei handelt es sich um die Grußform der Grauen Wölfe, die einen Wolf darstellt. Als „Graue Wölfe“ werden u.a. Anhänger der rechten türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) bezeichnet. MHP-Chef Devlet Bahçeli wies die Anschuldigungen

 

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19 Juni 2021 0 Kommentare
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„Banden-Mafia-Ordnung“: HDP protestiert gegen erneuten Verbotsantrag

von Fremdeninfo 11 Juni 2021
von Fremdeninfo

„Banden-Mafia-Ordnung“: HDP protestiert gegen erneuten Verbotsantrag

Von

 Dpa/ dtj-online

In Anspielung auf jüngst von Sedat Peker veröffentlichte Videos protestierte die HDP mit dem Hashtag „Stellt nicht die HDP, sondern die Mafia vor Gericht“ gegen das Verfahren. Foto: hdp.org.tr

Nach der erneuten Einreichung eines Verbotsantrags gegen die prokurdische Partei HDP in der Türkei hat sich deren Führung mit scharfen Worten an die Öffentlichkeit gewandt.

„Wir werden der Dunkelheit dieser Banden-Mafia-Ordnung niemals die Bühne überlassen“, sagte die Co-Vorsitzende Pervin Buldan am Dienstag in einer Rede, aus der ihre Partei auf Twitter zitierte. Die Justiz solle vielmehr den wahren Verbrechern im Land nachstellen: Die Türkei sei Sklavin eines Netzwerks aus Mafia, Banden und Politik, so Buldan.

Die Generalstaatsanwaltschaft in der Türkei hatte am Montag erneut eine Verbotsklage gegen die Oppositionspartei beim Verfassungsgericht eingereicht. In der rund 850 Seiten langen Anklageschrift werde unter anderem die Schließung der Partei und politische Betätigungsverbote für rund 500 Parteimitglieder gefordert, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte bereits Mitte März eine erste Verbotsklage eingereicht, die aber wegen formaler Mängel nicht angenommen worden war.

Zweitgrößte Oppositionspartei

In Anspielung auf jüngst vom Mafiaboss Sedat Peker veröffentlichte Videos protestierte die HDP mit dem Hashtag „Stellt nicht die HDP, sondern die Mafia vor Gericht“ gegen das Verfahren. Peker verbreitet seit einigen Wochen Videos über das Internet, in denen er unter anderem führenden Politikern im Umfeld des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan Verbindungen zur organisierten Kriminalität unterstellt. Buldan sagte, das Volk verlange nach einem Staatsanwalt, der den Anschuldigungen Pekers nachgehe, die über Bürokraten und Minister hinweg bis in den „Palast“ hineinreichten. Die Justiz aber beschäftige sich stattdessen mit dem HDP-Verbotsverfahren.

Der zweitgrößten Oppositionspartei wird auch in dem überarbeiteten Antrag unter anderem Separatismus vorgeworfen. Das Gericht muss die Anklage noch annehmen. Der Vorstehende des Verfassungsgerichts, Zühtü Arslan, ernannte am Dienstag einen Berichterstatter – ein erster Schritt im Verfahren.

Die HDP hatte bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vor drei Jahren 11,7 Prozent der Stimmen erhalten. Präsident Erdoğan wirft der HDP vor, der verlängerte Arm der terroristischen PKK zu sein. Die Partei weist das zurück

11 Juni 2021 0 Kommentare
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Türkische Vereine in Deutschland Bande „Osmanen Germania“ wurde mit Mafia-Geld aus der Türkei finanziert

von Fremdeninfo 10 Juni 2021
von Fremdeninfo

Türkische Vereine in Deutschland Bande „Osmanen Germania“ wurde mit Mafia-Geld aus der Türkei finanziert

Ein Mafioso berichtet über Geldtransfers auf Anweisung eines Politikers der Erdogan-Partei. Bandenmitglieder hatten enge Verbindungen zur Regierung in Ankara.

Susanne Güsten

Ein Foto, das am 26. Mai 2021 in Istanbul aufgenommen wurde, zeigt auf einem Mobiltelefon Sedat Peker, der auf seinem…Foto: AFP/Ozan Kose

Erdogan-treue türkische Vereine in Deutschland wie die verbotene Bande „Osmanen Germania“ sind nach Aussage eines Mafiabosses mit illegalem Geld aus der Türkei finanziert worden. Der Mafioso Sedat Peker sagte jetzt, er habe Geld für die Vereine nach Deutschland geschickt. Peker handelte demnach auf Anweisung von Metin Külünk, einem Vorstandsmitglied der Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

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Deutsche Sicherheitsbehörden hatten Külünk bereits im Verdacht, enge Kontakte mit den „Osmanen“ zu pflegen. Die Aussagen von Mafioso Peker sind politisch brisant, weil sie den Vorwurf untermauern, dass die AKP-Regierung kriminelle türkische Gruppen in Deutschland lenkt.

Peker packt seit Anfang Mai über seine engen Beziehungen zu Regierungspolitikern in Ankara aus. Der 49-jährige Verbrecher war lange ein Anhänger der AKP: In einer Rede sagte er einmal, er werde im Blut von Regierungsgegnern baden. Heute wirft er Innenminister Süleyman Soylu vor, ihm den früher gewährten Schutz entzogen zu haben.

Aus dem Exil führt Peker per YouTube einen Rachefeldzug gegen Soylu und andere Politiker. So enthüllte er, Soylu habe ihm Polizeischutz verschafft. Dem Sohn eines Ex-Ministerpräsidenten wirft Peker Drogenhandel im großen Stil. Ein früherer Regierungsberater soll nach seinen Aussagen Waffen an radikal-islamische Rebellen in Syrien geliefert haben. Die bisher neun Videos wurden rund 90 Millionen Mal angeklickt.

Foto zeigt „Osmanen“-Funktionär mit Soylu und anderen Ministern

In der jüngsten Folge seiner YouTube-Videos sagte Peker, er sei von dem AKP-Politiker Külünk gebeten worden, Geld an türkische Vereine in Deutschland zu schicken. Regelmäßig sei deshalb Geld „unter der Hand“ nach Deutschland geflossen. An welche Organisationen in der Bundesrepublik das Geld ging, sagte der Rechtsnationalist Peker nicht ausdrücklich.

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu

Der türkische Innenminister Süleyman SoyluFoto: REUTERS/Ahmet Bolat

Die Verwicklung von Külünk in die Angelegenheit lässt aber vermuten, dass die „Osmanen“ unter den Nutznießern waren. Mitglieder der Gruppen hatten enge Verbindungen zu höchsten Regierungskreisen in Ankara: Am Montag kursierten auf Twitter Fotos, die einen „Osmanen“-Funktionär mit Soylu und anderen Ministern zeigten.

Pekers Enthüllungen bestätigen einen Verdacht deutscher Behörden. Die „Osmanen Germania“ waren 2018 von Bundesinnenminister Horst Seehofer wegen Gewalttaten, Erpressung, Zwangsprostitution und anderen Vorwürfen verboten worden. In einem Prozess in Stuttgart wurden führende Funktionäre des Vereins ein Jahr darauf zu Haftstrafen verurteilt.

Schon damals vermuteten deutsche Ermittler, dass es enge Verbindungen zwischen den „Osmanen“ und der türkischen Regierung gebe. Der „Spiegel“ zitierte einen Beamten mit den Worten, der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern sei der „Schlägertrupp“ des türkischen Staates in Deutschland.

Deutsche Sicherheitsbehörden hörten Gespräche ab

Deutsche Sicherheitsbehörden hörten Gespräche von Külünk ab, in denen es um die „Osmanen“ ging. Der AKP-Politiker soll Aktionen der Gruppe in Deutschland organisiert und Erdogan persönlich darüber informiert haben. Mitglieder der „Osmanen“ wurden demnach aufgerufen, gegen Kurden und Erdogan-Kritiker in Deutschland vorzugehen. Zudem soll Külünk bei einer Geldübergabe an die „Osmanen“ beobachtet worden sein.

[Mehr zum Thema: So bringt der türkische Mafia-Pate Sedat Peker Erdogans Regierung in Bedrängnis (T+)]. 

Der AKP-Politiker wies die Vorwürfe damals zurück und erklärte, der türkische Staat sei nicht in illegale Machenschaften verwickelt. Zu den neuen Vorwürfen von Peker hat sich der Politiker noch nicht geäußert. Laut türkischen Medienberichten erhielt Külünk von dem Mafiaboss jeden Monat 10.000 Dollar, doch Peker sagte, er habe Külünk sehr viel mehr Geld gegeben.

In seinem jüngsten Video verstärkte Peker auch seine Angriffe auf Innenminister Soylu. Der Minister ermöglichte demnach einem Geschäftsmann, gegen den wegen Geldwäsche ermittelt wurde, die Flucht in die Schweiz. Soylu habe den Unternehmer Sezgin Baran Korkmaz bei einem Treffen im Innenministerium im Dezember über die laufenden Ermittlungen informiert, sagte Peker. Kurz darauf setzte sich Korkmaz ab.

Schon 2019 erregte ein Urteil aus Berlin in Deutschland und der Türkei viel Aufsehen, als ein Gericht erlaubte, vor den „Osmanen Germania“ als „bewaffneten Arm“ Erdogans zu warnen. Das hatte Grünen-Politiker Cem Özdemir getan.

Mehr zum Thema

Enthüllungen in der Türkei Erdogan und sein Problem mit dem Mafiaboss

Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei

Susanne Güsten

Von der Justiz in der Türkei haben Soylu, Külünk und andere Politiker trotz der schweren Vorwürfe nichts zu befürchten, weil die Regierung Richter und Staatsanwälte kontrolliert. Politisch wiegen die Enthüllungen des Mafiabosses aber schwer, weil sie das Misstrauen deutscher Politiker gegenüber der Türkei bestätigen dürften. Auch innenpolitisch gerät die Regierung durch Pekers Aussagen in die Defensive. Nach einer Umfrage sind 61 Prozent der Wähler überzeugt, dass Mafiosi in der Türkei mächtige Schutzherren haben.

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10 Juni 2021 0 Kommentare
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Religion

Bloße Präsenz der Muslime für AfD „große Gefahr

von Fremdeninfo 8 Juni 2021
von Fremdeninfo

Bloße Präsenz der Muslime für AfD „große Gefahr“

Von

 Dpa/ dtj-online

Das Deutsche Institut für Menschenrechte rät den anderen Parteien zur Abgrenzung von der AfD. Denn die stehe nicht auf dem Boden des Grundgesetzes, stellt die Institution in einem neuen Bericht fest.

Die AfD vertritt nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) ein national-völkisches Menschenbild, das der im Grundgesetz verankerten Achtung der Würde des Menschen zuwiderläuft. Die AfD sei eine Partei, die „rassistische und rechtsextreme Positionen“ vertrete, heißt es in einer aktuellen Analyse des DIMR mit dem Titel „Nicht auf dem Boden des Grundgesetzes“.

Dort wird weiter ausgeführt, in der AfD seien „rassistische Positionierungen Bestandteil ihres Programms, ihrer Strategie sowie von Positionierungen durch Führungspersonen und Mandatsträger“ der Partei – „bis hin zu offen ausgesprochenen Drohungen, in denen sie der Gewalt zur Erreichung ihrer politischen Ziele das Wort reden“.

Das Institut ist Deutschlands unabhängige nationale Menschenrechtsinstitution. Es wird vom Bundestag finanziert. Ein Kuratorium legt die Richtlinien für die inhaltliche Arbeit des Instituts fest, das sich aus Vertretern von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medien und Politik zusammensetzt.

„Völkische Positionen“

Die nun verfasste Analyse richte sich an Akteure in der schulischen und außerschulischen Bildung, sowie an staatliche, politische und gesellschaftliche Akteure, teilte das DIMR mit. Sie diene dem Zweck, „sie darin zu unterstützen, rassistische und rechtsextreme Positionen zu erkennen“, erläuterte die Leitung des Instituts.

Rechtsextreme Positionen zeichneten sich aus „durch einen politischen Autoritarismus“, der auf eine Ablösung der freiheitlich demokratischen Grundordnung abziele, stellt der Autor der Publikation, Hendrik Cremer, fest. National-völkische Positionen zielten darauf ab, den Grundsatz der Gleichberechtigung aller zum Staatsvolk gehörenden Menschen zu durchbrechen.

So fokussiere die AfD in ihrem Grundsatzprogramm von 2016 „auf ein Bevölkerungsideal in Deutschland, das eine kulturelle Homogenität aufweist, die es gegen „importierte kulturelle Strömungen“ zu verteidigen gilt“. Im Unterschied zum Rassismus im frühen 20. Jahrhundert werde er heutzutage nicht allein biologistisch und unter Bezug auf physische Merkmale begründet, sondern vor allem unter Bezugnahme auf „die Kultur“ oder die Religionszugehörigkeit. Im Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2017 habe die Partei behauptet, die bloße Präsenz von Muslimen in Deutschland sei eine „große Gefahr“.

Partei verschiebt bewusst Grenzen des Sagbaren

Dass die Partei Menschen nicht als Individuen anerkenne, sondern in Gruppen unterteile, die sie in einer bestimmten Hierarchie sehe, zeige auch das Programm der AfD für die nächste Bundestagswahl. Dort heißt es unter anderem: „Die gemeinschaftsstiftende Wirkung der deutschen Kultur ist Fundament unseres Grundgesetzes und kann nicht durch einen Verfassungspatriotismus ersetzt werden.“

Die AfD versuche bewusst, die „Grenzen des Sagbaren“ zu verschieben, sodass eine „Gewöhnung an ihre rassistischen, national-völkischen Positionen – auch im öffentlichen und politischen Raum – erfolgt“, heißt es in der Publikation des Instituts. Sie verunglimpfe Deutschland als „Quasi-Diktatur“, um sich selbst als rettende Kraft zu inszenieren.

Höcke gewinnt an Bedeutung

Um die Grundlagen der Verfassungsordnung wirksam zu verteidigen, sollten sich Parteien, die auf dem Boden des Grundgesetzes stünden, von Parteien, die rassistische und rechtsextreme Positionen verträten, „abgrenzen und verhindern, dass diese direkt oder indirekt politische Gestaltungsspielräume erlangen“, stellte das DIMR fest.

Die Radikalisierung der AfD in den vergangenen Jahren lasse sich auch an der Position von Björn Höcke ablesen, heißt es in der Analyse. Dieser sei längst zu einer „zentralen Figur innerhalb der Gesamtpartei geworden“. Die Thüringer AfD unter ihrem Chef Höcke wird seit März vom Landesverfassungsschutz als gesichert extremistisch eingestuft. In Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen werden die jeweiligen Landesverbände vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall mit nachrichtendienstlichen Mitteln beobachtet. Gestern wurde die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zweitstärkste Kraft, verlor aber gegenüber der letzten Wahl in jenem Bundesland an Stimmen.

8 Juni 2021 0 Kommentare
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