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Demirtas in Türkei verurteilt: Prokurdischer Politiker soll für Jahrzehnte ins Gefängnis

von Fremdeninfo 17 Mai 2024
von Fremdeninfo

Demirtas in Türkei verurteilt: Prokurdischer Politiker soll für Jahrzehnte ins Gefängnis

 

Einst war Selahattin Demirtas ein Rivale Erdogans. Seit 2016 sitzt der kurdische Politiker jedoch wegen Terrorismusvorwürfen in Haft. Jetzt verurteilt ein türkisches Gericht ihn zu mehr als 40 Jahren Gefängnis. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte fordert hingegen seine Freilassung.

                                                                                           

    

                                                                                          Demirtas ist einer der einflussreichsten Politiker der Türkei. © IMAGO/UIG

Ein türkisches Gericht hat Medienberichten zufolge den früheren Vorsitzenden der prokurdischen HDP-Partei, Selahattin Demirtas, zu 42 Jahren Gefängnis verurteilt. Dem bereits seit 2016 inhaftierten Demirtas wurde vorgeworfen, im Zusammenhang mit den gewaltsamen Protesten im Jahr 2014 gegen die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobane durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unter anderem die Einheit des Staates verletzt zu haben.

Die frühere Ko-Vorsitzende der HDP, Figen Yüksekdag, wurde von dem Gericht in Sincan am Rande der Hauptstadt Ankara zu 30 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, wie der private türkische Nachrichtensender NTV und die Menschenrechtsgruppe MLSA berichteten. Zudem wurden Dutzende prokurdische Politiker im Prozess um tödliche Unruhen in der syrisch-kurdischen Stadt Kobane 2014 zu Haftstrafen von 9 bis 30 Jahren verurteilt. Es wird erwartet, dass die verurteilten Politiker in Berufung gehen.

Der 51-jährige Demirtas war in 47 Punkten angeklagt, darunter Verletzung der Einheit des Staates und der territorialen Integrität sowie Anstiftung zu einem Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft forderte in 38 Fällen lebenslange Haft. Das Verfahren begann im April 2021, die Verteidigung hat den Prozess als politisch motiviert bezeichnet.

Der Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hatte das Verfahren in der Vergangenheit kritisiert und die Freilassung des kurdischen Politikers verlangt. Insgesamt waren in dem Prozess 108 Menschen angeklagt worden, von denen nur einige freigesprochen wurden.

„Urteil als Dokument der Schande“

Die Yesil Sol Parti (Grüne Links Partei), unter deren Dach die HDP-Kandidaten bei der vergangenen Wahl angetreten sind, twitterte nach dem Urteil: „Die rechtswidrigen Urteile gegen unsere Genossen im Fall der Verschwörung von Kobane werden uns in unserem Kampf für Frieden, Demokratie und Freiheit nicht entmutigen! Dieses rechtswidrige Urteil wird als Dokument der Schande für den herrschenden Block in die Geschichte eingehen.“

Die Proteste flammten auf, als 2014 die größtenteils von Kurden bewohnte Stadt Kobane nahe der türkischen Grenze in Nordsyrien vom IS angegriffen wurde und die türkische Armee untätig blieb. Bei den Protesten starben 37 Menschen.

Staatspräsident Erdogan beschuldigt die HDP, der politische Arm der verbotenen Untergrundorganisation PKK zu sein. Die PKK wird von der EU, den USA und der Türkei als Terror-Organisation eingestuft. Die HDP weist Verbindungen zum Terrorismus zurück. Gegen die Partei läuft ein Verbotsverfahren, sie wurde im Parlament zur DEM.

Erdogans AK-Partei musste am 31. März bei Kommunalwahlen die schwerste Niederlage seit mehr als 20 Jahren einstecken. Experten zufolge erschwert dies seine Pläne für ein Referendum über eine Verfassungsänderung. Diese könnte dem 70-Jährigen ermöglichen, auch nach dem Ablauf seiner gegenwärtigen Amtszeit 2028 an der Macht zu bleiben.

                                                                                         Demirtas ist einer der einflussreichsten Politiker der Türkei. © IMAGO/UIG

17 Mai 2024 0 Kommentare
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Türkei: Selahattin Demirtaş zu langer Haft verurteilt

von Fremdeninfo 16 Mai 2024
von Fremdeninfo

            Türkei: Selahattin Demirtaş zu langer Haft verurteilt

                                    Von: Spiegel

Selahattin Demirtaş sitzt seit 2016 in türkischer Haft. Nun soll der pro-kurdische Politiker das Gefängnis für Jahrzehnte nicht mehr verlassen. Auch die frühere HDP-Ko-Vorsitzende Figen Yüksekdağ wurde zu langer Haft verurteilt.

                                                           

                                                                 Türkei: Selahattin Demirtaş zu langer Haft verurteilt © Sertac Kayar / REUTERS

 

Ein türkisches Gericht hat Medienberichten zufolge den früheren Vorsitzenden der pro-kurdischen HDP-Partei, Selahattin Demirtaş, zu 42 Jahren Gefängnis verurteilt. Dem bereits seit 2016 inhaftierten Demirtas wurde vorgeworfen, im Zusammenhang mit den gewaltsamen Protesten im Jahr 2014 gegen die Belagerung der nordsyrischen Stadt Kobanê durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) unter anderem die Einheit des Staates verletzt zu haben.

Die frühere Ko-Vorsitzende der HDP, Figen Yüksekdağ wurde von dem Gericht in Sincan am Rande der Hauptstadt Ankara zu 30 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, wie der private Sender NTV und die Menschenrechtsgruppe MLSA berichteten.

Der 51-jährige Demirtaş, war in 47 Punkten angeklagt, darunter Verletzung der Einheit des Staates und der territorialen Integrität sowie Anstiftung zu einem Verbrechen. Der Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hatte das Verfahren in der Vergangenheit kritisiert und die Freilassung Demirtas’ verlangt. Insgesamt waren in dem Prozess 108 Menschen angeklagt worden, von denen nur einige freigesprochen wurden.

Die Proteste flammten auf, als 2014 die größtenteils von Kurden bewohnte Stadt Kobanê nahe der türkischen Grenze in Nordsyrien vom IS angegriffen wurde und die türkische Armee untätig blieb. Bei den Protesten starben 37 Menschen.

Widersacher Erdoğans

Der charismatische Demirtaş war lange ein ernsthafter Rivale von Präsident Recep Tayyip Erdoğan, zweimal trat er gegen ihn bei den Präsidentschaftswahlen an. Dann wurde ihm von der Regierung in Ankara »Terrorismus« vorgeworfen, im November 2016 wurde er inhaftiert. Staatspräsident Erdoğans beschuldigt die HDP, der politische Arm der verbotenen Untergrundorganisation PKK zu sein. Die HDP weist dies zurück. Gegen die Partei läuft ein Verbotsverfahren, die Partei wurde im Parlament zur DE

16 Mai 2024 0 Kommentare
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Joschka Fischer: «AfD nicht die Hand reichen»

von Fremdeninfo 16 Mai 2024
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                             Joschka Fischer: «AfD nicht die Hand reichen»

                                                                     Geschichte von dpa
                                                           
                                                           Joschka Fischer, ehemaliger Aussenminister und Vizekanzler Deutschlands. © Markus Scholz/dpa

 

Der frühere Außenminister Joschka Fischer sieht in der AfD und deren thüringischem Landeschef Björn Höcke eine große Bedrohung für die Demokratie in Deutschland. «Da kannst du nicht einfach nach neutestamentarischer Art die Hand reichen», sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch bei der Verleihung des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises in Hamburg. «Das wird nicht funktionieren.»

 Angesichts innen-, aber auch außenpolitischer Unsicherheiten rief der 76-Jährige insbesondere junge Menschen dazu auf, für die Demokratie einzustehen. «Wir müssen diesen Rechtsstaat und diese Demokratie mit Klauen und Zähnen verteidigen», sagte er im Gespräch mit «Zeit»-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo.

Auf die Unsicherheit Europas angesprochen, bekräftigte Fischer seine Sorge vor weiteren Angriffen Russlands. «Putin wird nicht aufhören nach diesem Krieg, wenn er ihn gewonnen hat. Sondern weiter westlich weitermachen», sagte er über den Krieg in der Ukraine. Ebenso besorgten ihn der Gaza-Krieg, die chinesische Taiwan-Politik, der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen, führte er weiter aus.

Der Helmut-Schmidt-Zukunftspreis wurde am Abend in festlichem Rahmen im Hamburger Thalia Theater verliehen – in diesem Jahr ging die Auszeichnung an die amerikanische KI-Expertin und Vorsitzende der gemeinnützigen Signal-Stiftung, Meredith Whittaker.

Der Helmut-Schmidt-Zukunftspreis wird von der Wochenzeitung «Die Zeit», der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung und der Hamburger Denkfabrik The New Institute ausgelobt. Die Auszeichnung würdigt innovative Leistungen in den Bereichen Demokratie, Gesellschaft und Technologie. In diesem Jahr wurde der Preis zum dritten Mal vergeben. 2023 ging er an die damalige Ministerpräsidentin Finnlands, Sanna Marin. 2022 wurde die ugandische Klimaschutzaktivistin Vanessa Nakate ausgezeichnet.

16 Mai 2024 0 Kommentare
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Hasskriminalität verunsichert ganze Gruppen von Menschen

von Fremdeninfo 15 Mai 2024
von Fremdeninfo

                             Hasskriminalität verunsichert ganze Gruppen von Menschen

                                                               Geschichte von dpa

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                                                            Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man die Hashtags Hass und Hetze in einem Twitter-Post. © Fabian Sommer/dpa

 

 

Unter Hasskriminalität wie Beleidigungen, Diskriminierung oder sogar Körperverletzungen leiden einer neuen Studie zufolge oft nicht nur einzelne Menschen, sondern ihr gesamtes Umfeld. «Es soll eine ganze Gruppe verunsichern – und das tut es auch», sagte der Leiter der Studie «Hass in der Stadt» des Landeskriminalamts Niedersachsen, Alexander Gluba, der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewalt habe etwas Zufälliges und könne potenziell jeden treffen. Menschen könnten die entscheidenden Merkmale, die den Hass auslösten, nicht ablegen – etwa Hautfarbe oder Geschlecht. Diese Merkmale seien «unveränderbar und identitätsstiftend», erklärte der Soziologe Lukas Boll.

Der Studie zufolge gaben 37,5 Prozent der betroffenen Befragten an, dass Dritte durch sogenannte vorurteilsmotivierte Taten verängstigt wurden. Besonders hoch war deren Anteil unter jüdischen Menschen (58,8 Prozent) und Menschen mit queerer Geschlechtsidentität (59,3 Prozent). Von 2012 bis 2022 gab es der Untersuchung zufolge in Niedersachsen 7837 Fälle von Hasskriminalität, vor allem mit fremdenfeindlichem, antisemitischem, ausländerfeindlichem oder rassistischem Hintergrund.

Für die nicht repräsentative Studie wurden zwischen Februar und April 2022 per Zufallsstichprobe 50.000 Menschen in Hannover angeschrieben, 7411 verwertbare Antworten gingen ein. Außerdem wurden einige besonders stark betroffene Gruppen gesondert angesprochen, darunter jüdische Menschen, Sinti und Roma, queere Menschen und Mandatsträger. Es handele sich um eine der größten Studien zu Hasskriminalität in Deutschland, sagte Boll. Die Ergebnisse dürften in anderen Großstädten ähnlich ausfallen.

Die Studie ergab, dass 43,3 Prozent der Befragten in ihrem Leben schon einmal Opfer von Hasskriminalität geworden waren, etwa die Hälfte der Befragten gab an, dass Familienmitglieder und der Freundeskreis betroffen waren. Ziel der Studie sei gewesen, das «als groß vermutete Dunkelfeld bei vorurteilsgeleiteten Straftaten und Diskriminierung zu untersuchen und dadurch aufzuhellen», sagte Gluba.

Wer das Opfer von Hasskriminalität geworden ist, vermeidet es der Studie zufolge wesentlich häufiger, öffentlich über seine Identität zu sprechen – vor allem im Nahverkehr oder auf der Straße und im Park: Insgesamt 35 Prozent der Betroffenen erklärten, in bestimmten Situationen nicht offen über ihre Identität zu sprechen, vor allem bei jüdischen Menschen war der Anteil hoch. Dagegen waren es unter Menschen, die Tatopfer ohne Vorurteilsmotiv wurden oder gar nicht betroffen waren, deutlich weniger – nämlich 14,6 Prozent beziehungsweise 15,4 Prozent.

Insgesamt 15,7 Prozent der Opfer von Hasskriminalität gaben an, schon einmal umgezogen zu sein, einen Umzug vorzubereiten oder zu erwägen, weil sie sich wegen ihrer Identität nicht mehr sicher fühlten. Unter den Tatopfern ohne Vorurteilsmotiv waren es 3,6 Prozent, unter den Befragten, die gar nicht betroffen waren, 2,9 Prozent. «Mich hat am meisten bewegt, wie groß der Abstand ist» betonte Gluba.

Erschreckend sei das Anzeigeverhalten – aber auch das «überrascht mich nicht», betonte er. Vier von fünf Menschen zeigen der Befragung zufolge Taten rund um Hasskriminalität nicht an. Viele gaben demnach als Grund an, die Tat nicht als so schwerwiegend angesehen zu haben – andere gingen davon aus, dass es «nichts bringt», die Polizei den Fall ohnehin nicht aufklären könne oder sie wollten das Erlebnis vergessen. Gluba sprach von einer «gewissen Art der Resignation» – und mahnte: «Was uns nicht angezeigt wird, können wir nicht verfolgen.»

Es gab aber auch positive Erkenntnisse: Wurden unbeteiligte Dritte Zeuge eines Falles von Hasskriminalität, setzten sie sich nach Angaben von 46,9 Prozent der Betroffenen mit Worten oder sogar körperlich für die Opfer ein. Ziel müsse sein, die Zivilcourage zu stärken, sagte Boll. Studienleiter Gluba kündigte an, mit Vertretern der «vulnerablen Gruppen» sprechen zu wollen und diese möglichst zu stärken, andere müssten sensibilisiert werden: «Es braucht viel Aufklärung.» So habe es am 8. Mai einen Workshop von Justiz, Polizei, Stadt Hannover und Opferhilfeeinrichtungen gegeben.

15 Mai 2024 0 Kommentare
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Information

Verfassungsschutz warnt: Arabische Clans und radikale Islamisten verbünden sich zunehmend

von Fremdeninfo 15 Mai 2024
von Fremdeninfo

Verfassungsschutz warnt: Arabische Clans und radikale Islamisten verbünden sich zunehmend

Geschichte von Peter Sieben

Verfassungsschutz warnt: Arabische Clans und radikale Islamisten verbünden sich zunehmend

Clan-Größen und extremistische Islamisten treten immer öfter gemeinsam vor die TikTok-Kameras. Verfassungsschützer beobachten derweil noch einen anderen Trend.

Düsseldorf/Berlin – Der Feind meines Feindes ist mein Freund: Das ist wohl die Devise, nach der neuerdings Mitglieder krimineller arabischer Clans und radikal islamistische Salafisten eine unheilvolle Allianz bilden. Beide Gruppierungen lehnen demokratische Institutionen des deutschen Staats ab und beide versuchen, im Netz gezielt vor allem junge Menschen zu rekrutieren.

Kriminelle Clans und extremistische Salafisten produzieren gemeinsam TikTok-Clips

Immer öfter machen sie das gemeinsam. Berliner Clan-Größen besuchen salafistische Moscheen und radikale Islamismus-Influencer treten mit Szene-Akteuren vor die TikTok-Kameras. Das passiert deutschlandweit, in Berlin und Bremen ebenso wie im Ruhrgebiet. „Die Vermischung von Clans und Salafisten beobachten wir schon seit längerer Zeit“, sagte Jürgen Kayser, Chef des NRW-Verfassungsschutzes in Düsseldorf, bei der Vorstellung des aktuellen Lageberichts Islamismus am Dienstagmorgen.

Die Sicherheitsbehörden erkennen dabei einen Rekrutierungs-Trend der Radikalen: Zwar seien wieder vermehrt salafistische Anwerber in den Fußgängerzonen unterwegs und auf Islamisten-Demos wie zuletzt in Hamburg wolle die Szene Stärke demonstrieren. Insgesamt hätten die einschlägigen Salafisten-Moscheen aber zumindest teilweise an Bedeutung verloren – weil die Radikalisierung im Internet schlichtweg sehr viel schneller und einfacher sei. Das Internet sei „ein Hochleistungsmotor für die Radikalisierung“, sagte Innenminister Reul. Das gelte vor allem für die Plattform TikTok.

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Flüchtlinge

Bevölkerung ächzt unter Asyl-Politik: Stimmung in Deutschland spitzt sich zu

von Fremdeninfo 15 Mai 2024
von Fremdeninfo

          Bevölkerung ächzt unter Asyl-Politik: Stimmung in Deutschland spitzt sich zu

                                                                Geschichte von Henrik Jonathan / Der Westen
                                               
                                                Immer mehr Deutsche fordern ein Umdenken in der Asyl-Politik und lehnen den Zuzug ab. © IMAGO/Funke Foto Services

 

Die politische Stimmung in Deutschland wird kurz vor der Europawahl rauer. Das macht sich auch in einer neuesten Studie des deutsch-französischen Fernsehsenders „Arte“ bemerkbar. Die Toleranz gegenüber der Asyl-Politik sinkt drastisch.

Demnach fordert ein Mammutanteil der EU-Bevölkerung eine sofortige Änderung der Asyl-Politik: Mehr als 70 Prozent der 22.726 Befragten finden, dass zu viele Flüchtlinge aufgenommen werden.

Asyl-Politik: Deutsche Bevölkerung denkt radikaler als der EU-Durchschnitt

Die Erkenntnisse aus Deutschland sind noch eindeutiger: Hierzulande finden 77 Prozent der Befragten, dass Deutschland zu viele Flüchtlinge aufnimmt. Ein deutlicher Fingerzeig in Richtung der Ampel, die im vergangenen Jahr 351.915 Asylanträge entgegengenommen hat. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge kamen die meisten Schutzsuchenden aus Syrien, gefolgt von der Türkei und Afghanistan.

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Im Vergleich zum größten Zustrom der jüngeren Vergangenheit, im Zuge der Flüchtlingskrise 2015/16, ging die Anzahl der gestellten Anträge zwar um 52,8 Prozent zurück, die derzeitigen Sorgen sind dennoch groß. Bundesweit klagen die Kommunen, dass sie an ihre Belastungsgrenzen geraten und ihre Aufnahmekapazitäten längst erschöpft seien. Themen, die die Bevölkerung negativ stimmen, sind unter anderem

  • die fehlende Integration
  • der wachsende Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen, beispielsweise um bezahlbaren Wohnraum
  • eine zusätzliche finanzielle Belastung des Sozialsystems

Einer Umfrage von „Ipsos“ zufolge ist die Migration kurz vor der Europawahl das zweitgrößte Sorgenthema der Deutschen (35 Prozent), unmittelbar hinter der anhaltenden Inflation (37 Prozent).

Studie: „Migranten nutzen uns nicht“

Deutschland stellt aber noch nicht den Spitzenwert der Ablehnung dar. Noch mehr Kritik kommt aus Zypern, Irland und Österreich. Am kritischsten sehen die Griechen die Asyl-Strategie, 90 Prozent plädieren für eine Reduktion des Zuzugs. Entsprechend der großen Kritik fordern 85 Prozent der befragten Bürger von der Europäischen Union, mehr Maßnahmen zur Bekämpfung der irregulären Migration zu ergreifen.

Mildere Meinungen kommen unter anderem aus Ungarn und Dänemark. Eine bemerkenswerte Erkenntnis, da die nationalen Regierungen unter Viktor Orbán beziehungsweise Mette Frederiksen eigentlich eine harte Linie gegen die Migration fahren. Beide Länder nehmen jedoch deutlich weniger Flüchtlinge auf, als beispielsweise Deutschland. Entsprechen sind sie mit vermeidlich milderen Herausforderungen konfrontiert. Der Trend, dass sich Bevölkerungen aus migrationskritischen Ländern toleranter gegenüber Flüchtlingen zeigen, spiegelt sich jedoch in der gesamten Studie wider.

Erstaunlich ist zudem die kritische Haltung gegenüber den zuziehenden Migranten. Nur 39 Prozent der Europäer sind der Meinung, dass Europa von der Einwanderung profitiert. Angesichts des flächendeckenden

Fachkräftemangels und der voranschreitenden Demografie auf dem europäischen Arbeitsmarkt eine bittere Erkenntnis.

15 Mai 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

EU-Parlament: Schärfere EU-Asylregeln endgültig beschlossen

von Fremdeninfo 14 Mai 2024
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EU-Parlament: Schärfere EU-Asylregeln endgültig beschlossen

            Von Spiegel

Zehn Jahre hatten die EU-Staaten über neue Asylregeln gestritten. Jetzt wurde eine Reform beschlossen. Kernpunkte: schnelle Asylverfahren an den EU-Außengrenzen und Unterstützung für EU-Staaten, in denen besonders viele Migranten ankommen.

                                               

                                                 EU-Parlament: Schärfere EU-Asylregeln endgültig beschlossen © AFP
 
Die EU-Asylreform ist nach jahrelangem Streit endgültig beschlossen. Die EU-Staaten stimmten den Plänen, die unter anderem schnelle Asylverfahren an den Außengrenzen vorsehen, in Brüssel zu, wie die Länder mitteilten. Fast zehn Jahre hatten die EU-Länder über neue Asylregeln debattiert. Das Paket aus zehn Gesetzestexten sieht eine deutliche Verschärfung der Verfahren vor. Zugleich sollen Hauptankunftsländer wie Italien oder Griechenland entlastet werden. Dafür ist ein verpflichtender Solidaritätsmechanismus zur Umverteilung von Migranten in Europa geplant.

Die Bestätigung durch den Rat der Europäischen Union war der letzte notwendige Schritt für die Reform. Vorgeschrieben sind nun unter anderem einheitliche Verfahren an den Außengrenzen, damit rasch festgestellt wird, ob Asylanträge unbegründet sind und geflüchtete Menschen dann schneller und direkt von der Außengrenze abgeschoben werden können. So sollen Asylgesuche von Menschen aus Herkunftsstaaten mit einer EU-weiten Anerkennungsquote von weniger als 20 Prozent bereits in Auffanglagern an den Außengrenzen geprüft werden.

Auch Familien mit Kindern müssen diese Verfahren durchlaufen. Die Bundesregierung hatte sich vergeblich für eine Ausnahme eingesetzt.

Tunesien und Albanien künftig »sichere Drittstaaten«

Nach der Neuregelung können Mitgliedsländer Migranten zudem künftig in »sichere Drittstaaten« wie Tunesien, Albanien oder Bangladesch zurückschicken, in denen sie dann Asyl beantragen müssen. Allerdings müssen die Geflüchteten eine Verbindung zu dem Drittstaat haben, in den sie abgeschoben werden – etwa durch Angehörige oder ein Studium.

An einer Asylreform wird bereits seit 2015 und 2016 intensiv gearbeitet. Damals waren Länder im Süden Europas wie Griechenland mit einer Vielzahl von ankommenden Menschen aus Ländern wie Syrien überfordert. Hunderttausende kamen unregistriert in andere EU-Staaten. Dies hätte eigentlich nicht passieren dürfen, denn nach der sogenannten Dublin-Verordnung sollen Asylbewerber da ihr Verfahren durchlaufen, wo sie die Europäische Union zuerst betreten haben.

Die Reform leitet insbesondere einen deutlich härteren Umgang mit Menschen aus Ländern ein, die als relativ sicher gelten. Ein Drittstaat darf nur dann als sicher eingestuft werden, wenn eine strikte Liste von Kriterien erfüllt ist. So müssen etwa das Leben und die Freiheit des Antragstellers garantiert werden.

Auch die Verteilung der Schutzsuchenden auf die EU-Staaten wird mit einem »Solidaritätsmechanismus« neu geregelt. Damit sollen jene Länder, in denen viele Geflüchtete ankommen, entlastet werden – also beispielsweise Italien, Griechenland oder Spanien. Geplant ist, dass pro Jahr mindestens 30.000 Geflüchtete aus diesen Ländern in andere EU-Staaten umverteilt werden. Wenn die Länder keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, müssen sie Unterstützung leisten, zum Beispiel in Form von Geldzahlungen.

Das britische »Ruanda-Modell« ist mit den neuen EU-Regeln deshalb vorerst nicht vereinbar. Großbritannien will illegal Eingereiste ab dem Sommer unterschiedslos nach Ruanda abschieben, London hat mit dem ostafrikanischen Land dazu ein Abkommen geschlossen.

In Deutschland wirbt die CDU für ein Vorgehen nach britischem Vorbild. In dem neuen CDU-Grundsatzprogramm heißt es, wer in Deutschland Asyl beantrage, solle zukünftig in einen »sicheren Drittstaat« gebracht werden, ein Asylverfahren durchlaufen – und selbst im Falle eines positiven Bescheids auch dort bleiben.

Die EU-Asylagentur hatte vergangenes Jahr rund 1,1 Millionen Anträge verzeichnet, den höchsten Stand seit 2016. Rund 330.000 davon entfielen auf Deutschland. Die neuen Asylregeln treten mit Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft. Danach haben die Mitgliedsländer zwei Jahre Zeit, sie national umzusetzen.

14 Mai 2024 0 Kommentare
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Antisemitismus

Antidiskriminierungsstelle: „Genderverbote“ sind problematisch

von Fremdeninfo 14 Mai 2024
von Fremdeninfo

                           Antidiskriminierungsstelle: „Genderverbote“ sind problematisch

                                                        Geschichte von Susanne Kusicke/Faz

 

 

                                                     

                                                       Ferda Ataman, Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, auf einer Pressekonferenz Ende April in Berlin © dpa

 

Ein Kurzgutachten der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht Grundrechte berührt, wenn Bundesländer das Gendern verbieten. Ferda Ataman, die Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, äußerte am Montag, ein „Genderverbot“ sei „ein Rückschritt ins letzte Jahrhundert“. Es diente einem Kulturkampf auf dem Rücken von Minderheiten. „Der Staat sollte Respekt und Toleranz fördern, nicht verbieten“, so Ataman.

In dem Kurzgutachten im Rahmen der von der Antidiskriminierungsstelle herausgegebenen Schriftenreihe „Standpunkte“ kamen Juristen zu dem Schluss, dass bestimmte Grundrechte von einem Verbot betroffen sein könnten. So bestehe „insbesondere die Gefahr, dass staatliche Einrichtungen verpflichtet werden, das Geschlechtsdiskriminierungsverbot sowie allgemeine Persönlichkeitsrechte von Frauen, intergeschlechtlichen sowie nicht-binären Menschen zu verletzen“.

„Genderverbote“ in Bayern, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt

Bayern, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt hatten in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass an Schulen, Hochschulen, in der Verwaltung und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk die geltende deutsche Rechtschreibung angewandt werden solle. Die Verbote beziehen sich dabei jeweils auf Genderzeichen wie Stern, Doppelpunkt, Unterstrich oder Binnen-I, nicht auf Paarbildungen wie „Schülerinnen und Schüler“ oder geschlechtsneutrale Schreibungen wie „Lehrkräfte“ oder „Studierende“. Diese Sonderzeichen zu verbieten, ist laut dem Gutachten der Antidiskriminierungsstelle „problematisch“.

Ataman argumentierte nun, es gebe keinen angeblichen „Genderzwang“, gegen den sich die „Verbote“ auf Länderebene richteten. „Das ist eine Scheindebatte“, sagte die Bundesbeauftragte.

Dem Gutachten zufolge greifen Verbote an Hochschulen in die Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 GG) ein. Hochschulen dürften ihre Angelegenheiten selbst regeln. Wie auch der Rat für deutsche Rechtschreibung betonte, hätten Hochschulen und Lehrende „die Freiheit des Studiums nicht nur bei der Wahl von Lehrveranstaltungen, sondern auch bei der Erarbeitung und Äußerung wissenschaftlicher Meinungen der Studierenden zu beachten und zu schützen“.

„Online-Anrede als ,Herr‘ oder ,Frau‘ diskriminierend“

An Schulen könnten „Verbote die betroffenen Lehrkräfte und Schüler*innen in ihrer Meinungsfreiheit des Artikel 5 I 1 GG sowie in ihrer allgemeinen Handlungsfreiheit des Artikel 2 I GG verletzen und sie gegebenenfalls selbst diskriminieren“, heißt es in dem Kurzgutachten weiter.

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sei ein Verbot ein „Eingriff in die verfassungsrechtlich gesicherte Programmautonomie“ sein. Es verletze damit die Rundfunkfreiheit aus Artikel 5 Absatz 1 Satz 2 GG. Der Gesetzgeber könne zwar teilweise die Organisationsstruktur des Rundfunks regeln, „doch die Entscheidung über die Inhalte und Formen des Programms steht den Rundfunkanstalten zu“, so die Antidikriminierungsstelle. Einwirkungen auf die Rundfunkfreiheit müssten grundsätzlich besonders gerechtfertigt werden.

Die „Genderverbote“ stünden zudem im Widerspruch zur Rechtslage in der Privatwirtschaft und zu den Wertungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), heißt es in dem Kurzgutachten weiter. Das Gleichbehandlungsgesetz verpflichte „Arbeitgebende und Unternehmen, ihre Angestellten und Kund*innen bei der persönlichen Ansprache nicht wegen des Geschlechts zu diskriminieren“. Ansonsten drohe ein Entschädigungs- und Unterlassungsanspruch.

Das in demselben Gesetz enthaltene Diskriminierungsverbot verbiete es darüber hinaus auch, „geschäftliche Kontakte mit bestimmten Merkmalsträgern von vornherein auszuschließen, etwa durch den Zwang für Menschen mit nichtbinärer Geschlechtszugehörigkeit, bei einem Online-Vertragsschluss die Anrede ‚Herr‘ oder ‚Frau‘ auszuwählen.“

14 Mai 2024 0 Kommentare
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Grüne verabschieden Trittin: «Mit allen Wassern gewaschen»

von Fremdeninfo 13 Mai 2024
von Fremdeninfo

                                          Grüne verabschieden Trittin: «Mit allen Wassern gewaschen»

                                                                               Geschichte von dpa
                                                                          
                                                              Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt zur Abschiedsfeier für den Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin. © Britta Pedersen/dpa

 

 

Im Beisein von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und anderer prominenter Weggefährten haben die Grünen im Bundestag den früheren Partei- und Fraktionschef sowie Umweltminister Jürgen Trittin verabschiedet.

Vizekanzler Robert Habeck würdigte den 69-Jährigen in Berlin als mutigen, streitbaren und immer überzeugten Kämpfer für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Gerechtigkeit. Es sei gut, dass Trittin auch parteiübergreifend Respekt bezeugt werde. Trotz harter Auseinandersetzungen in der Sache wüssten Politiker, dass am Ende alle aus Überzeugung heraus fürs Gemeinwohl stritten. «Und deswegen freue ich mich besonders, dass Angela Merkel ihm die Ehre gibt. Und ich weiß, dass er sich darüber auch freut. Das ist doch ein schönes Zeichen.»

Die Veranstaltung am Abend im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus war nicht öffentlich, die Teilnahme Merkels hatten die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Britta Haßelmann und Katharina Dröge bereits Mitte April bestätigt. 

Trittin hatte im Dezember angekündigt, sein Bundestagsmandat niederzulegen. Anfang Januar schied er nach rund 25 Jahren aus dem Parlament aus. Von 1998 bis 2005 war er Umweltminister. Merkel war Trittins Vorgängerin in diesem Amt von 1994 bis 1998. In den vergangenen Jahren trat Trittin vor allem als Außenpolitiker in Erscheinung. Im Juli feiert er seinen 70. Geburtstag.

Özdemir: «Deutschlandhasser» verraten das Land

Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) sagte auf die Frage, was er von Trittin gelernt habe: «Mit allen Wassern gewaschen sein.» Auch er lobte die «schöne Geste», dass man parteiübergreifend Respekt füreinander habe. Die Unterschiede zwischen den demokratischen Parteien seien jeweils viel kleiner als zu den «Deutschlandhassern, Putin-Fans und Erdogan-Fans», die das Land verrieten und verkauften. 

Umweltministerin Steffi Lemke sagte, Trittin habe für den Umwelt-, Natur- und Klimaschutz viel geleistet. Ausgezeichnet hätten ihn «große Stringenz, große Eloquenz und auch Härte».

13 Mai 2024 0 Kommentare
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Politik

Behrens warnt vor rechter Radikalisierung der Gesellschaft

von Fremdeninfo 13 Mai 2024
von Fremdeninfo

                            Behrens warnt vor rechter Radikalisierung der Gesellschaft

                                                                                                                  Geschichte von dpa

                                                        

                                                             Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens spricht in Hannover. © Julian Stratenschulte/dpa

 

Angesichts einer Zunahme rechter Straftaten in Niedersachsen warnt Innenministerin Daniela Behrens vor einer Verrohung der politischen Auseinandersetzung. Diese beginne mit einer dramatisch steigenden Zahl von Hassbotschaften im Netz und setze sich über Sachbeschädigungen und Pöbeleien auf der Straße bis hin zu brutalen Gewalttaten fort, sagte die SPD-Politikerin am Montag in Hannover. Sie sprach von «Radikalisierungstendenzen in der Mitte der Gesellschaft».

«Wir brauchen eine wache Gesellschaft, wo alle Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag dazu leisten, dass diese Demokratie beschützt wird und dass sie auch gelebt wird», forderte die Ministerin. Dazu gehöre es, im privaten Umfeld, im Internet, in der Kneipe oder auf dem Sportplatz zu widersprechen, wenn etwa Politiker oder Ausländer verächtlich gemacht oder beschimpft werden.

Einen Schwerpunkt bilde dabei die Stimmungsmache von rechts, sagte Behrens. «Die größte Gefahr für unseren Rechtsstaat ist ganz klar die rechte Gewalt», sagte sie. Dazu zählten fremden- und ausländerfeindliche sowie antisemitische Taten. «Ich finde, diese Entwicklung ist beunruhigend, und sie ist auch gefährlich.» Salonfähig gemacht würden extrem rechte Positionen insbesondere von der AfD, die Ressentiments schüre und sehr aktiv an der Spaltung der Gesellschaft arbeite, kritisierte Behrens.

Die Ministerin zeigte sich zudem «beschämt» über den Anstieg des Antisemitismus. «Gerade in Deutschland, gerade mit unserer historischen Verantwortung dürfen wir Angriffe auf Jüdinnen und Juden, Antisemitismus in Gänze, niemals tolerieren und auch nicht achselzuckend hinnehmen», sagte sie.

Die wichtigsten Zahlen zur politischen Kriminalität in Niedersachsen

Insgesamt ist die Zahl der politisch motivierten Straftaten im Land im vergangenen Jahr um etwa zehn Prozent auf 4596 Taten zurückgegangen. Bei der Kriminalität von rechts verzeichnete die Polizei dagegen einen Anstieg von 25 Prozent auf 2313 Taten. Das sind fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Damit macht dieser Bereich inzwischen mehr als die Hälfte der politisch motivierten Kriminalität in Niedersachsen aus.

Zugenommen haben neben den rechten Taten auch Taten mit Bezug zu den Terrorangriffen der Hamas in Israel und dem Krieg in Gaza, die oft antisemitisch motiviert waren: 2023 gab es 273 Fälle, im Jahr davor waren es lediglich 6 Fälle. Straftaten der Kategorie Hass im Netz legten von 792 auf 855 Fälle zu. Damit hat sich der Wert seit der ersten Erfassung im Jahr 2019 mehr als verdoppelt. Auch die Hasskriminalität gegen die sexuelle Orientierung ist stark gestiegen von 74 Fällen im Jahr 2022 auf 127 Fälle im Jahr 2023.

Dass die politisch motivierte Kriminalität insgesamt dennoch zurückging, erklärte Innenministerin Behrens damit, dass die Corona-Pandemie, überregionale Wahlen und Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 eine größere Rolle spielten als 2023. So sank die Zahl der Gewaltstraftaten von 296 auf 192 Fälle, die der Übergriffe auf Amts- und Mandatsträger von 537 auf 445 Fälle. Letztere wurden dennoch immer noch mehr als doppelt so häufig festgestellt wie im Jahr 2019.

Ministerin und Polizei wollen IP-Vorratsdatenspeicherung gegen Hass im Netz

Um Straftaten im Internet, häufig der Einstieg in eine Radikalisierung, konsequenter ahnden zu können, sprach sich Behrens erneut für die Einführung einer Vorratsdatenspeicherung von Internetverbindungsdaten aus. Alle 16 Bundesländer seien sich in dieser Forderung an den Bund einig, sagte die SPD-Politikerin. Die Bundesregierung favorisiert jedoch das sogenannte «Quick Freeze»-Verfahren, bei dem die Daten erst dann gespeichert werden, wenn ein Verdacht auf eine Straftat erheblicher Bedeutung wie etwa Mord oder Totschlag besteht. «Wir sind der Meinung, das reicht nicht aus», sagte Behrens.

Landespolizeipräsident Axel Brockmann sagte, das Risiko, entdeckt zu werden, spiele eine große Rolle, um Straftaten zu verhindern. Die Möglichkeit, Täter überhaupt ermitteln zu können, habe für ihn eine größere Bedeutung als eine Verschärfung der Strafen. «Da ist gerade bei Hass und Hetze im Netz die IP-Adresse oftmals der einzige und der entscheidende Ermittlungsansatz», sagte Brockmann. Die CDU hatte vergangene Woche die Landesregierung aufgefordert, eine Bundesratsinitiative für die IP-Vorratsdatenspeicherung auf den Weg zu bringen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewertete die Zahlen zur politisch motivierten Kriminalität als weiterhin hoch. Das müsse die Landesregierung bei ihrer Finanzplanung für 2025 berücksichtigen. «Zwar hatten wir nie mehr Beschäftigte bei der Polizei in Niedersachsen als aktuell, allerdings war auch die Aufgabenlast nie höher und komplexer», sagte GdP-Landesvize Sebastian Timke.

13 Mai 2024 0 Kommentare
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