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Flossen die Fördergelder in private Immobilien?

von Fremdeninfo 27 April 2026
von Fremdeninfo 27 April 2026
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VON:STEFANIE HELBIG /Haz

Familie der Ex-SPD-Ratsfrau Hülya Iri schweigt zu den Finanzen ihres insolventen Vereins „Integrationsarbeit Kronsberg“. Die Ermittlungen laufen.

Hannover.

Was ist mit den über eine Million Euro an Fördergeldern passiert, die der mittlerweile insolvente Verein der ehemaligen SPD-Ratsfrau Hülya Iri über die Jahre erhalten hat? Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass das Geld zweckwidrig zum Kauf von Immobilien verwendet worden sein könnte. Nach Recherchen unserer Redaktion besitzt die Familie allein in Hannover drei Immobilien im Wert von mehreren Hunderttausend Euro – zwei davon wurden nach Gründung des Vereins im September 2018 erworben. Das geht aus den Grundbucheinträgen der Gebäude hervor.

Zwei Immobilienkäufe seit 2020

Demnach hat Hülya Iris Tochter Esma B. im Jahr 2020 ein Reihenendhaus in Bemerode gekauft. 116 Quadratmeter Wohnfläche, ein schneeweißer Neubau, vergleichbare Objekte werden auf Immobilienportalen für bis zu 600.000 Euro inseriert. Bemerkenswert: Zum Zeitpunkt des Kaufs war die Erzieherin und Verwaltungsfachangestellte erst 22 Jahre alt. Sie wohnt selbst nicht dort, das Reihenhaus ist Recherchen dieser Redaktion zufolge vermietet.

Im November 2024 erwarb die Familie eine weitere Wohnung im Stadtteil Mittelfeld, laut Grundbuch gehört sie Esma und ihrem Bruder Emre B. In dem Haus werden Wohnungen zwischen 484.900 Euro und 549.900 Euro angeboten, wie aus Inseraten auf Immobilienportalen hervorgeht.

Im Grundbuch der dritten Immobilie – eines Reihenendhauses, das Hülya Iri im Jahr 2016 und damit vor der Vereinsgründung erworben hat – steht Esma ebenfalls gemeinsam mit ihrem Bruder Emre.Bei der Adresse handelt es sich um die Anschrift, die Hülya Iri in offiziellen Unterlagen als Wohnsitz angegeben hat. Im November 2024 hat sie die Wohneinheit ihren Kindern überschrieben.

„Spekulationen privater Art“

Ob und in welchem Umfang ein Zusammenhang zwischen den Fördergeldern und den nach der Vereinsgründung getätigten Immobilienkäufen besteht, ist bislang nicht abschließend belegt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie die Häuser finanziert worden sein könnten. Iri war bislang als Integrationsberaterin in ihrem eigenen Verein angestellt. Esma B. hatte zunächst als pädagogische Assistentin bei der Stadt gearbeitet. Später bildete sie sich zur Verwaltungswirtin fort und bekam einen Job in der Kfz-Zulassungsstelle, den sie bereits nach sechs Monaten kündigte – offenbar, um im Verein ihrer Mutter zu arbeiten. Emre B., der jetzt 24 Jahre alt ist, hat erst Anfang März eine bis Jahresende befristete Stelle im Ordnungsdezernat von SPD-Oberbürgermeisterkandidat Axel von der Ohe angetreten. Er ist dort zuständig für „Prozessmonitoring, Controlling und Organisation“, wie aus einer Anfrage der CDU-Fraktion an die Stadtverwaltung bekannt wurde.

Auf Anfragen dieser Redaktion, aus welchen Mitteln Esma B. den Kauf finanziert hat, teilte ihre Anwältin mit, dass sie ihrer Mandantin geraten habe, sich „zu Spekulationen jeglicher Art privater Angelegenheiten“ nicht zu äußern. Hülya Iris Anwalt und Emre B. reagierten auf Anfragen dieser Redaktion nicht.

Das Bamf fordert vom „Integrationsarbeit Kronsberg e.V.“ rund 740.000 Euro zurück, nachdem Überprüfungen den Verdacht ergeben haben, dass die Mittel zweckwidrig eingesetzt worden sein könnten. Der Verein hat Ende März Insolvenz angemeldet.

Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt

Dabei geht es um Mittel in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro vom Landessozialamt, der Region Hannover und dem Bamf. Eigentlich sollten sie für soziale Projekte im Stadtteil Kronsberg eingesetzt werden, zum Beispiel für ein „Respekt Café“, für Sportveranstaltungen und Workshops gegen Antisemitismus. In einer Projektbeschreibung, die der Redaktion vorliegt, versprach der Verein: „Der Zielgruppe soll eine sinnstiftende und sinnvolle Beschäftigung ermöglicht werden, damit die Jugendlichen weg von der Straße kommen und nicht in Versuchung geraten, kriminell zu werden.“ Nach bisherigen Recherchen dieser Redaktion haben die Sportveranstaltungen aber nicht stattgefunden, auch das „Respekt Café“ hat keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Vereinsgründerin Hülya Iri und ihre Tochter, die den Vereinsvorsitz 2024 von ihrer Mutter übernahm, wegen des Verdachts der zweckwidrigen Verwendung von Fördergeldern. Insgesamt seien neun Anzeigen eingegangen, unter anderem eine von Dezember 2025, in der die Vereinsvorsitzenden beschuldigt werden, die Gelder für Immobilien ausgegeben zu haben. „Die Angaben aus dieser anonymen Anzeige sind ausreichend für einen Anfangsverdacht“, sagte Oliver Eisenhauer, Sprecher der Staatsanwaltschaft, gegenüber dieser Redaktion.

Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre er durch die Insolvenz des Vereins und auch durch eine eventuelle Privatinsolvenz nicht gelöst. Laut Patrick Skeries, Sprecher des Amtsgerichts Hannover, werden Schulden, die aus vorsätzlich rechtswidrigen Handlungen entstehen, nicht durch ein Insolvenzverfahren aufgehoben.

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