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Politik

Vor den Europawahlen: Generation rechts: Warum junge Europäer immer häufiger Rechtspopulisten ihre Stimme geben – und welche Folgen dieser Trend ha

von Fremdeninfo 10 Mai 2024
von Fremdeninfo

Vor den Europawahlen: Generation rechts: Warum junge Europäer immer häufiger Rechtspopulisten ihre Stimme geben – und welche Folgen dieser Trend hat

Handelsblat

Geschichte von Waschinski, Gregor Louven, Sandra Scheer, Olga Steuer, Helmut Specht, Frank Wermke, Christian Baumann, Meret Neuerer, Dietmar

 

                                                               

                                                              News Bilder des Tages Marine Le Pen, d put e du parti et candidate la pr sidentielle, lors d une vi data-portal-copyright= © Bereitgestellt von Handelsblatt

 

AfD, Le Pen, Meloni: Für eine wachsende Zahl junger Menschen sind das keine Feindbilder mehr, sondern wählbare Alternativen. Der rechte Rand schafft es immer häufiger, cool zu wirken – mithilfe ausgeklügelter Strategien.

– In einer ganzen Reihe von EU-Staaten legen rechtspopulistische Parteien in den jüngeren Altersklassen zu.

– Bandenkriminalität in Schweden, ökonomische Unsicherheit in Spanien: Die Gründe für die steigende Beliebtheit rechter Parteien bei jungen Europäern sind vielfältig. Abstiegsangst spielt fast immer eine Rolle.

– „Für den Erfolg von rechten Bewegungen ist es nicht entscheidend, ob eine Ungerechtigkeit objektiv besteht oder nur subjektiv empfunden wird“, sagt die Anthropologin Julia Ebner. Sie sieht erstaunliche Parallelen zwischen Rechtsextremen und Islamisten.

– Ein Team von Handelsblatt-Reportern hat sich auf Spurensuche begeben: Handelt es sich nur um eine Momentaufnahme auf einem zutiefst verunsicherten Kontinent – oder einen Generationenbruch, der die politische Zukunft von Europa prägen könnte?

„Jordaaaaaaan, ein Foto!“ Eine junge Französin drängelt sich durch den Pulk um Jordan Bardella. Den Vornamen zieht sie in die Länge wie ein aufgeregter Teenager, der einem Popstar begegnet. Doch Bardella macht keine Musik, sondern Politik. Er trägt einen dunklen Anzug, darunter einen Rollkragenpullover. Und er repräsentiert eine Partei, die bei Frankreichs Jugend bis vor Kurzem so sexy war wie die CD-Sammlung der Eltern.

Bardella ist für den Rassemblement National (RN) unterwegs, der früher Front National hieß. Ein Wahlkampftermin in der Kleinstadt Montereau, anderthalb Autostunden südöstlich von Paris gelegen. Der 28-Jährige gilt als Erbe Marine Le Pens, die der Rechtsaußenpartei ein gemäßigteres und jüngeres Image verpasst hat. Bei der Europawahl Anfang Juni ist Bardella Spitzenkandidat. Dort dürfte der RN klar die stärkste Kraft werden – auch wegen zahlreicher Stimmen von Jungwählern.

Das Phänomen lässt sich nicht nur in Frankreich beobachten. In einer ganzen Reihe von EU-Staaten legen rechtspopulistische Parteien in den jüngeren Altersklassen zu. Bei der Parlamentswahl in den Niederlanden Ende November kam die Partij voor de Vrijheid (PVV) von Geert Wilders bei den unter 35-Jährigen auf 17 Prozent, davor waren es nur sieben Prozent. Als Portugal im März über ein neues Parlament abstimmte, gewann die rechtspopulistische Partei Chega (auf Deutsch: „Es reicht!“) bei Jungwählern stark hinzu.

Auch in Deutschland holt das Rechtsaußenlager auf, und das nicht nur im Osten der Republik. Im vergangenen Jahr lag die AfD bei den Landtagswahlen in Bayern unter Jungwählern auf Platz drei, in Hessen sogar auf Platz zwei. Den Trend belegt die Untersuchung „Jugend in Deutschland 2024“: Bei den unter 30-Jährigen, die eine Parteipräferenz haben und wählen gehen wollen, würden 22 Prozent für die AfD votieren. Keine andere Partei kommt auf einen so hohen Wert. Methodisch entspricht die Studie nicht den klassischen Sonntagsfragen, was was ihr einige Kritik einbrachte, doch bei anderen Umfragen lässt sich eine ähnliche Tendenz beobachten.

Und bisweilen schlägt rechtsradikale Gesinnung in Gewalt um: Zumindest einer der vier jungen Täter, die vor einer Woche den SPD-Politiker Matthias Ecke in Dresden zusammengeschlagen haben, zählt laut Landeskriminalamt Sachsen zum „rechten Spektrum“.

Neben einer eher linken „Generation Greta“, die bei Fridays for Future für den Schutz des Klimas demonstriert, existiert offenbar auch eine andere Strömung, die an Kraft zulegt. Wächst in Europa eine „Generation rechts“ heran?

Fest steht: Eine zunehmende Zahl junger Europäer ist empfänglich für die Botschaften vom rechten Rand zu Migration und Sicherheit. Bei der Europawahl werden sie für nationalistische Politiker stimmen, auch wenn sie ganz selbstverständlich in einer EU ohne Grenzkontrollen oder nervige Roaming-Gebühren aufgewachsen sind. Und sie scheinen weniger Berührungsängste mit Parteien zu haben, die für die Generation ihrer Eltern noch oft als unwählbar galten.

„Der Rechtsruck der jungen Generation dürfte den Prozess der europäischen Integration weiter schwächen und vieles Erreichte revidieren“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Handelsblatt. „Vielen der jungen Generation ist offensichtlich nicht bewusst, dass eine Schwächung Europas letztlich ihre eigenen Zukunftschancen verschlechtert und im Systemwettbewerb mit China und den USA Deutschland und Europa viel Wohlstand kosten wird.“

Ein Team von Handelsblatt-Reportern hat sich einen Monat vor der Europawahl auf Spurensuche begeben: Wo liegen die Gründe für die Anziehungskraft von rechtspopulistischen Parteien bei jungen Menschen in der EU? Und handelt es sich nur um eine Momentaufnahme auf einem zutiefst verunsicherten Kontinent – oder um einen Generationenbruch, der die politische Zukunft Europas prägen könnte?

1. Das coole Gesicht der neuen Rechten

„Jordaaaaaaan!“ Die junge Französin hat es zu Bardella geschafft und macht ein Selfie. Der Politiker kommt auf seinem Weg entlang der Weinstände und Kirmesbuden nur langsam voran. Viele Menschen auf dem Jahrmarkt von Montereau, den Bardella Mitte April besucht, suchen seine Nähe. Ein beträchtlicher Teil von ihnen gehört zur Generation U30.

Als die Partei noch Front National hieß und vom Holocaust-Verharmloser Jean-Marie Le Pen geführt wurde, galt sie als rassistische Altherrenrunde und war für die meisten Franzosen unwählbar. Marine Le Pen hat nicht nur den Namen geändert, sondern ihren Vater auch aus der Partei geworfen. „Parteikader, die für die rechtsextreme Vergangenheit standen, wurden herausgedrängt und durch junge Gesichter wie Bardella ersetzt“, sagt Ronja Kempin, Frankreichexpertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Auch Nicolas hat sich in Montereau mit Bardella fotografiert. Der 18-Jährige studiert im ersten Jahr an der Sorbonne, einst Hochburg der französischen 68er-Bewegung. Nicolas’ Hauptfach ist Geschichte, seinen Nachnamen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Bei den Europawahlen will der Erstwähler dem RN seine Stimme geben. Was sagt er, wenn man die Partei als rechtsextrem bezeichnet? Nicolas schüttelt den Kopf: „Jordan Bardella hat es geschafft, die Franzosen zu versammeln, egal was ihr sozialer oder religiöser Hintergrund ist.“ Auch Einwanderer würden ihn unterstützen. Bardella komme aus einfachen Verhältnissen und habe mit den italienischen Wurzeln seiner Familie selbst einen Migrationshintergrund.

Den Austritt aus der EU will Nicolas auf keinen Fall. Allerdings wünscht er sich „ein weniger föderalistisches Europa“, den „Respekt für das Volk“ und die „Verteidigung der europäischen Werte“. Dann sagt er: „Die Türkei hat eben nicht unsere Werte.“

1. Das coole Gesicht der neuen Rechten

„Jordaaaaaaan!“ Die junge Französin hat es zu Bardella geschafft und macht ein Selfie. Der Politiker kommt auf seinem Weg entlang der Weinstände und Kirmesbuden nur langsam voran. Viele Menschen auf dem Jahrmarkt von Montereau, den Bardella Mitte April besucht, suchen seine Nähe. Ein beträchtlicher Teil von ihnen gehört zur Generation U30.

Als die Partei noch Front National hieß und vom Holocaust-Verharmloser Jean-Marie Le Pen geführt wurde, galt sie als rassistische Altherrenrunde und war für die meisten Franzosen unwählbar. Marine Le Pen hat nicht nur den Namen geändert, sondern ihren Vater auch aus der Partei geworfen. „Parteikader, die für die rechtsextreme Vergangenheit standen, wurden herausgedrängt und durch junge Gesichter wie Bardella ersetzt“, sagt Ronja Kempin, Frankreichexpertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin.

Auch Nicolas hat sich in Montereau mit Bardella fotografiert. Der 18-Jährige studiert im ersten Jahr an der Sorbonne, einst Hochburg der französischen 68er-Bewegung. Nicolas’ Hauptfach ist Geschichte, seinen Nachnamen möchte er nicht in der Zeitung lesen. Bei den Europawahlen will der Erstwähler dem RN seine Stimme geben. Was sagt er, wenn man die Partei als rechtsextrem bezeichnet? Nicolas schüttelt den Kopf: „Jordan Bardella hat es geschafft, die Franzosen zu versammeln, egal was ihr sozialer oder religiöser Hintergrund ist.“ Auch Einwanderer würden ihn unterstützen. Bardella komme aus einfachen Verhältnissen und habe mit den italienischen Wurzeln seiner Familie selbst einen Migrationshintergrund.

Den Austritt aus der EU will Nicolas auf keinen Fall. Allerdings wünscht er sich „ein weniger föderalistisches Europa“, den „Respekt für das Volk“ und die „Verteidigung der europäischen Werte“. Dann sagt er: „Die Türkei hat eben nicht unsere Werte.“

Marjorie Daviaud hat schon bei der Präsidentschaftswahl 2022 für Le Pen gestimmt. Die 24-Jährige sagt, sie sei Schauspielerin. Der Alltag sei in den letzten Jahren viel teurer geworden. Und ihr gehe es um die Unsicherheit, die sie als Frau selbst auf den Straßen spüre: „Das hat auch mit der Einwanderungspolitik zu tun.“

In einer Europawahl-Umfrage für die Zeitung „Le Figaro“ liegt das liberale Bündnis von Präsident Emmanuel Macron bei den unter 35-Jährigen bei nur noch sieben Prozent. Macron habe aus Sicht vieler junger Leute nicht die Versprechen eingelöst, mit denen er 2017 angetreten sei, sagt Frankreichexpertin Kempin, „das treibt die jungen Wähler an die politischen Ränder – und sie sind zunehmend bereit, dem RN als Alternative eine Chance zu geben“.

2. Zukunftssorgen als Triebfeder

Ein Stimmenzuwachs am rechten Rand ist oft ein Ausdruck gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Das gelte zwar keineswegs nur für Jungwähler, sagt Politikwissenschaftler Benjamin Biard, der sich am Sozialforschungszentrum Crisp in Brüssel mit Demokratiefragen befasst. Aber: Unter jungen Europäern seien Zukunftssorgen derzeit besonders verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Studie „Jugend in Deutschland 2024“, die unter Beteiligung des Sozialwissenschaftlers Klaus Hurrelmann erarbeitet wurde: Der Nachwuchs in der Bundesrepublik wird im Vergleich zu früheren Befragungen immer unzufriedener, besonders mit Blick auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage.

Ökonom Fratzscher hält die Sorgen für berechtigt. „Nie in den letzten 80 Jahren wurde einer jungen Generation eine Welt mit so vielen großen Problemen und Krisen vererbt wie der jungen Generation heute“, sagt der DIW-Chef. Angesichts einer zunehmenden Klimakrise, sozialer Polarisierung, geopolitischer Konflikte und Sorgen um Technologie und Arbeitsplätze seien daher „Frustration und die Zukunftsängste“ der Jüngeren berechtigt.

Es gibt eine gewissen Legitimität der Kritikpunkte“, sagt auch Biard. Die rechten Parteien würden die Ängste mit ihrer emotionalen Wortwahl aber auszunutzen und verstärken: „Sie heizen die Glut an.“

Das zeigt sich auch am Mittwochabend im Berliner Bezirk Pankow. An den Straßenlaternen der von Kleingärten gesäumten Bahnhofstraße dominiert das Blau der AfD-Plakate. Der Ortsverein Pankow hat Mary Khan-Hohloch und Alexander Sell zum Bürgerdialog eingeladen, zwei AfD-Listenkandidaten für die Europawahl. Auch die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch kommt zum Zuhören vorbei. Und als „Ehrengast“ wird die 27-jährige AfD-Kreistagsabgeordnete Marie-Thérèse Kaiser begrüßt. Sie wurde wegen Volksverhetzung verurteilt, weil sie in einem Social-Media-Beitrag afghanische Ortskräfte der Bundeswehr in einen Zusammenhang mit Gruppenvergewaltigungen setzte. Seither wird sie in der Partei als eine Art Märtyrerin verehrt.

Das kleine Lokal, in dem man sich trifft, ist weiträumig von der Polizei abgeriegelt. Der Altersschnitt der Antifa-Demonstranten, die draußen johlen, ist deutlich niedriger als der der Zuhörer im Saal. Doch auch drinnen sitzen neben etlichen Grau- und Weißhaarigen auffallend viele junge Menschen. Einer von ihnen trägt ein Blümchen-T-Shirt und könnte locker als Grünen-Wähler durchgehen, sein Nachbar wird sich später in der Diskussion noch als Marc vorstellen. Beide sind gekommen, um sich über die AfD zu informieren, und werden von einer Frau, selbst Parteimitglied, freudig begrüßt.

EU-Parlamentskandidat Sell berichtet dann von den rund 40 Podiumsdiskussionen, die er an Berliner Schulen absolviert habe. Den meisten Gegenwind gebe es im Villenstadtteil Zehlendorf, wo die verzogenen Kinder lebten, denen man das viele Geld ansehen könne und wo man die Lehrer am Cordsakko erkenne. Und dann gebe es Schöneberg mit 85 Prozent Migrantenanteil, wo „arabische Jungmänner“ sich von den „Lehrer-Schluffis“ nicht indoktrinieren ließen. Da, erzählt Sell, habe er punkten können. Denn die AfD sei die einzige Partei, die den Leuten die Wahl lasse, ob sie lieber Achtzylinder oder Elektroautos fahren wollten

Kandidatin Khan-Hohloch, Jahrgang 1994 und mit iranischen Wurzeln, kommt gerade vom Europawahl-„Speeddating“ an Potsdamer Schulen. „Man merkt, dass gerade junge Leute unglaublich interessiert sind“, sagt sie – und meint damit das Interesse an ihrer Partei.

Irgendwann meldet sich Salvador, ein Teenager, dessen Eltern aus Südamerika stammen. Er will gar keine Frage stellen, aber mal klarstellen, dass man auch in Deutschland durchaus mehr Wert auf Nationalstolz legen könnte. Dann hebt Marc zu einem Plädoyer an, dass der Ukrainekrieg nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden könne und dass bei allen bisherigen Kriegen die USA die alleinigen Gewinner gewesen seien. „Das darf nicht noch einmal passieren!“, ruft er – und erntet stürmischen Beifall.

Irgendwann fasst sich auch Marcs Nachbar mit dem Blümchen-T-Shirt ein Herz – und meldet leise Zweifel an: Die AfD sage, dass der Euro Deutschland schade. Er aber habe gehört, dass Deutschland zu den größten Gewinnern der Gemeinschaftswährung zähle. Das sehe er anders, antwortet Sell. Der Euro befeuere die Inflation und nutze allein der Exportwirtschaft, die Bürger hätten wenig davon.

Dann ist die Veranstaltung zu Ende, es gibt noch Schmalzbrote und Bier. Als die beiden jungen Männer gehen wollen, nimmt der Sprecher des AfD-Bezirksvorstands sie zur Seite. Das mit dem Euro, das müsse man doch noch einmal vertiefen, sagt er. Und so reden sie weiter. Die Antifa draußen ist da längst verschwunden, die Polizeisperren sind abgebaut.

In Pankow zeigt sich einmal mehr: Die Zuwendung zu rechten Parteien hat nur zum Teil etwas damit zu tun, wie prekär die Lebenschancen für die junge Generation wirklich sind. Mindestens ebenso sehr geht es um Symbolisches: um nationale Identität, um traditionelle Männlichkeit, um vermeintliche grüne Verbotspolitik, um die angebliche Diktatur der Brüsseler Bürokraten.

3. Reizthemen Migration und innere Sicherheit

Oder wie in Schweden um ein Bedrohungsgefühl. Die Sozialdemokratie hat dem Land über 100 Jahre hinweg einen egalitären Sozialstaat mit einem engmaschigen Schutznetz verpasst. Allerdings merken auch die schwedischen Sozialdemokraten, dass etwas ins Rutschen geraten ist. „Die jungen Wähler heute gehören nicht mehr zur ‚Generation Greta‘, bei der das Klima und das Retten der Welt im Vordergrund steht“, heißt es in einer Analyse der Partei. Und sollte diese Entwicklung nicht gestoppt werden können, würden sich mehr junge Wähler „zu autoritären und individualistischen Lösungen hinwenden, und immer weniger werden die Sozialdemokraten wählen“.

Die Prognose ist bereits Realität geworden: Kamen Schwedens Sozialdemokraten 2018 bei den 18- bis 21-jährigen Wählern auf 29 Prozent der Stimmen, waren es 2022 nur noch 20 Prozent. Im gleichen Zeitraum steigerten die rechtspopulistischen Schwedendemokraten ihren Stimmenanteil bei der jungen Altersgruppe von zwölf auf 22 Prozent.

Für den Politikwissenschaftler Tommy Möller von der Universität in Stockholm ist die seit Jahren eskalierende Bandenkriminalität in Schweden mit vielen Todesopfern ein Grund für den Rechtsrutsch. „Das ist definitiv ein Faktor“, sagt er. Jüngere Menschen seien häufiger als ältere Opfer der Gewaltwelle geworden, deren Täter oft einen Migrationshintergrund hätten.

In Schweden mit seinem ausgeprägten Sozialstaat ist es die Bandenkriminalität, die Rechtspopulisten junge Wähler zutreibt. In Spanien und Portugal sind es eher ökonomische Zukunftsängste. Der Politologe Luca Manucci leitet an der Universität Lissabon ein Projekt über die Normalisierung der Rechtsextremen in Portugal und Spanien. Er sagt: Die meisten jungen Portugiesen und Spanier seien keine Aktivisten, die die Welt bereist hätten. „Sie haben die Finanzkrise und die Pandemie erlebt und sorgen sich ganz grundsätzlich um die wirtschaftliche Zukunft, die Folgen

der Globalisierung und die Gefahren für das Finanzsystem“.

Die rechtspopulistische spanische Partei Vox setzt stark auf traditionelle Themen wie Vaterland und Familie. Mit ihnen inszeniert sich Vox-Chef Santiago Abascal als Jugendversteher. „Sagt ihnen, dass ihr dasselbe wollt wie eure Eltern: Vaterland, Freiheit, Zukunft!“, ruft er in einem Werbespot seiner Partei Hunderten von jungen Spaniern von einer Bühne aus zu. Die schwenken spanische Flaggen, Fächer in den spanischen Nationalfarben oder grüne Vox-Luftballons.

„Die Partei schafft ein Ideal eines Staates, der vielleicht nie existiert hat, aber es verfängt bei einigen jungen Wählern“, sagt Mélany Barragán von der Universität Valencia. Vox hat bei den Parlamentswahlen im vergangenen Juli zwar 19 der zuvor 52 Sitze verloren. Bei den Jungen hat die Partei jedoch an Popularität zugelegt: In einer Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts CIS gaben 10,4 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, für Vox votiert zu haben. Vor der Wahl 2019 sagten das nur 3,3 Prozent von ihnen. Auch die Wähler von Chega in Portugal seien im Schnitt jünger als die der anderen Parteien, so Manucci.

4. Trendy auf Tiktok

„In einigen Ländern ist es trendy geworden, rechtsextreme Parteien zu wählen“, sagt Pawel Zerka von der Denkfabrik European Council on Foreign Relations (ECFR). Das gelte vor allem für junge Männer. Die Politiker vom rechten Rand wiederum versuchen, mit zur Schau gestellter traditioneller Maskulinität besonders beim männlichen Nachwuchs zu punkten. Wie etwa der AfD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Maximilian Krah, der aktuell wegen Spionageverdachts gegen einen seiner Mitarbeiter unter Druck steht. Wenn Krah in Internetvideos zur deutschen Jugend spricht, dann klingt er so: „Jeder dritte junge Mann hatte noch nie eine Freundin. Du gehörst dazu? Schau keine Pornos, wähl nicht die Grünen, geh raus an die frische Luft!“ Sein Lebenstipp: „Echte Männer sind Patrioten, dann klappt’s auch mit der Freundin.“

In Österreich fährt die FPÖ diese Strategie schon lange: Als Heinz-Christian Strache die rechtspopulistische Partei 2005 in seinen Dreißigern übernahm, machte er in klarer Abgrenzung zu den traditionellen und angestaubten Großparteien SPÖ und ÖVP seine vermeintliche Jugendlichkeit zum Markenzeichen. Damals war noch Facebook das angesagte Netzwerk der Jungen, dort präsentierte sich Strache auf Fotos in Discos, mit ausgeschnittenem Shirt, Wodka und Red Bull griffbereit. Über den Lifestyle stolperte der damalige Vizekanzler 2019 dann aber im sogenannten Ibiza-Skandal, der seine politische Karriere beendete. Der aktuelle FPÖ-Chef Herbert Kickl ist deutlich zurückhaltender, dennoch ist sein Tiktok-Account mit Ausschnitten aus Reden und Interviews der erfolgreichste eines Politikers in Österreich. Bei Wählern unter 30 und insbesondere jungen Männern ist die Partei nach wie vor die populärste.

Ihre Botschaften an die junge Generation verbreiten die Rechtsaußenparteien bevorzugt auf von jungen Menschen genutzten Plattformen wie Tiktok – und sind dort umtriebiger als die etablierten Parteien. „Die meisten jungen Leute lesen heute keine Theoretiker mehr, wie es die 68er-Jugend mit Sartre oder Simone de Beauvoir getan hat“, sagt Barragán von der Uni Valencia. „Heute geht es mehr um Emotionen und Narrative. Und genau damit ziehen rechtsradikale Parteien in den sozialen Netzwerken erfolgreich die Aufmerksamkeit junger Menschen auf sich.“ Die sozialen Netzwerke ermöglichen es den Populisten auch, etablierte Medien zu umschiffen, die rechte Positionen einordnen oder warnende Kommentare veröffentlichen.

Vor allem Tiktok nimmt an Bedeutung zu: Inzwischen nutzt in Deutschland mit 51 Prozent mehr als die Hälfte aller 14- bis 29-Jährigen die App regelmäßig, vor einem Jahr waren es noch 44 Prozent. Die AfD ist auf Tiktok schon lange aktiv. Einer Auswertung des Politikberaters Johannes Hillje zufolge hatte sie dort von Anfang 2022 bis März 2024 mehr Präsenz als alle anderen Bundestagsparteien zusammen gezeigt. Das zeige, dass die teilweise vom Verfassungsschutz beobachtete AfD „die effektivste Tiktok-Kommunikation unter den Parteien betreibt“, sagt Hillje. „Die ‚Generation Tiktok‘ droht zu einer ‚Generation AfD‘ zu werden.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen europäischen Staaten: Bardella hat auf Tiktok 1,2 Millionen Follower, so viele wie kaum ein anderer Politiker in Frankreich. Und in Italien hat Giorgia Meloni die sozialen Medien zum zentralen Kommunikationsinstrument ihrer Regierung gemacht. Pressekonferenzen gibt Meloni selten, Zeitungsinterviews kaum. In der virtuellen Öffentlichkeit der Netzwerke liefert sie stattdessen täglich Fotos und Videoschnipsel an ihre wachsende Follower-Schar: 2,9 Millionen sind es bei Facebook, 2,7 Millionen bei Instagram, 2,2 Millionen bei X, 1,5 Millionen bei Tiktok.

5. Melonis Marsch durch die Institutionen

„Italia cambia l’Europa“ steht unter der Zeltdecke, „Italien ändert Europa“. Daneben prangt das Logo der Fratelli d’Italia mit der grün-weiß-roten Flamme, einer Reminiszenz an die neofaschistischen Wurzeln der Partei. Hinter der Bühne schimmert durch eine Plastikplane die Bucht von Pescara hindurch, einer Hafenstadt an der Adriaküste. Mehr als zwei Stunden Programm sind schon vorbei, als der Moderator Ende April endlich „die junge Frau“ ankündigt, „die die italienische Rechte in die Hand genommen hat“, die „unsere Träume hat fliegen lassen“. Er meint Meloni. Italiens Ministerpräsidentin hat erreicht, wovon andere Rechtsaußenparteien in Europa träumen: die Übernahme der Regierungsmacht.

Meloni blickt von der Bühne auf ein Meer aus Fratelli-Fahnen. Etwa drei Autostunden von Pescara entfernt pilgerten am gleichen Tag etwa 150 Rechtsextremisten zum Grab des „Duce“ in seinem Geburtsort Predappio. Es ist der Todestag des Faschistenführers Benito Mussolini. Meloni verliert in ihrer Rede kein Wort über den Faschismus oder gar über Mussolini. Sie hetzt auch nicht gegen Deutschland oder Frankreich wie noch im Parlamentswahlkampf 2022.

Stattdessen preist Meloni Erfolge beim Dauerthema Migration an, wie etwa das Abkommen zwischen der EU und Tunesien, das „unter dem starken Druck“ ihrer Regierung entstanden sei. „Zusammen ändern wir auch Europa!“, ruft sie am Ende ihrer Rede – und singt dann, umringt von strahlenden jungen Männern und Frauen, die Nationalhymne.

Meloni ist salonfähig geworden. Sie pflegt ein gutes Verhältnis zu US-Präsident Joe Biden, unterstützt die Ukraine im Kampf gegen Russland, lächelt immer wieder mit EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen in die Kameras. Dass Meloni das Land gesellschaftspolitisch deutlich nach rechts rückt, geht darüber weitgehend unter.

Melonis Wahlerfolg 2022 zog sich durch alle Schichten und Altersklassen. Auch bei den 25- bis 34-Jährigen holte die postfaschistische Partei laut mehreren Umfrageinstituten mit rund 23 Prozent die meisten Stimmen. Nimmt man die Stimmen für die rechte Lega und die konservative Forza Italia dazu, kommt man gar auf mehr als 40 Prozent in dieser Altersklasse. Selbst bei den noch Jüngeren (18 bis 24 Jahre) hat mehr als ein Viertel für die aktuelle Regierungskoalition gestimmt.

In einem Luxushotel an der Piazza della Repubblica, einem der prachtvollen Plätze Roms, wird der Saal schon früh wegen Überfüllung geschlossen. Es haben sich zu viele Fans von Matteo Salvini angemeldet. Italiens Vizepremier und Lega-Chef stellt hier am Mittwochabend seine Autobiografie vor. „Controvento“ heißt sie, „gegen den Wind“. Es sind vor allem grau melierte Anzugträger gekommen und einige Damen in Hosenanzügen, alle eher über 40. Aber auch Cristian Aurizi ist hier, 30 Jahre alt, Hemd und braune Lederjacke. Er hat Politikwissenschaften studiert, engagiert sich in der Jugendorganisation der Lega. In die Partei ist er eingetreten, als Salvini sie 2013 als Vorsitzender übernommen hat. Nach dem Auftritt kommt Aurizi mit einem signierten Buch in der Hand aus der Lobby, zeigt stolz die Widmung: „Per Cristian“.

„Mehr Italien! Weniger Europa!“, heißt der aktuelle Wahlslogan der Lega. Salvini gibt sich offen fremdenfeindlich, sprach zuletzt von einem neuen Europa, „das keine chinesische oder islamische Kolonie“ sein werde. Aurizi stört das nicht. „Salvini ist der Einzige, der unser Land verteidigt“, sagt der junge Mann. „Gegen Migranten, für unsere Traditionen, gegen grüne Häuser und Elektroautos.“

Wo Salvini rhetorisch kräftig hinlangt, softet Meloni eher ab. An ihrer Strategie der Normalisierung nimmt sich eine Reihe von rechten Parteien in Europa ein Beispiel, unter anderem der Rassemblement National in Frankreich, der selbst von einer „Entteufelung“ spricht. Harte Positionen wie der Austritt aus dem Euro oder aus der EU werd

zurückgenommen, die Rhetorik in der Migrationspolitik und bei anderen Reizthemen wird weichgespült.

Ein Gegenbeispiel ist laut Demokratieforscher Biard die AfD in Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren eher radikalisiert habe. Doch in vielen anderen Ländern hätten sich diese Parteien verändert und versucht, „sich ihrer alten Dämonen zu entledigen“. Das Ziel sei es, als regierungsfähige Alternative zu erscheinen. Dieser Imagewandel funktioniere gerade bei jungen Wählern, die sich nicht an das frühere Auftreten erinnern können.

6. Brüssel in Sorge

Das Berlaymont-Gebäude ist ein kreuzförmiger Komplex aus Glas und Stahl, die Architektur soll Transparenz symbolisieren. Doch für das Rechtsaußenlager und seine Anhänger ist die dort ansässige EU-Kommission eine ebenso intransparente wie abgehobene Machtzentrale. Die Stimmungslage insbesondere bei enttäuschten Jugendlichen wird im Machtzentrum der EU sehr genau registriert. Vor der letzten Europawahl habe es auf Schulpodien nur zwei Themen gegeben, erzählt die EU-Abgeordnete Svenja Hahn (FDP): den Klimawandel und Uploadfilter. Heute werde sie von jungen Menschen immer häufiger zu Sicherheits- und Migrationspolitik, aber auch zu Wirtschaft und Rente befragt.

Dass die Stimmung heute eine andere als vor fünf Jahren ist, ist auch der konservativen EVP-Fraktion aufgefallen. Beim Gesetz zur Wiederherstellung der Natur stimmten die Konservativen gemeinsam mit den beiden rechten Fraktionen Europäische Konservative und Reformer (EKR) sowie Identität und Demokratie (ID) gegen den Gesetzentwurf. Bei der Abstimmung über die Euro-7-Abgasnorm gingen die Konservativen noch weiter: Hier setzten sie von Anfang an auf eine Allianz mit den Parteien am äußeren rechten Rand und erarbeiteten einen Kompromiss, dem mehrheitlich nur die Konservativen, die Rechten und die Liberalen zustimmten.

Die Zusammenarbeit der Konservativen mit den Rechtspopulisten mag in deutschen Landtagen noch ein politisches Tabu sein – auf europäischer Ebene ist es längst gebrochen. Bei einer Wahlkampfdebatte der Spitzenkandidaten Ende April schloss von der Leyen eine Kooperation mit der EKR im EU-Parlament nicht aus. Zur EKR gehört unter anderem die Fratelli d’Italia.

7. Aufklärung hilft

Eines fällt beim wachsenden Zustrom junger Europäer zu rechtspopulistischen Bewegungen immer wieder auf: „Für den Erfolg von rechten Bewegungen ist es nicht entscheidend, ob eine Ungerechtigkeit objektiv besteht oder nur subjektiv empfunden wird“, sagt die Anthropologin Julia Ebner, die in Oxford zu rechtem Extremismus und Islamismus forscht.

Die etablierte Politik in den Staaten der Europäischen Union, vielerorts seit Jahrzehnten darauf trainiert, objektiv bestehende Probleme mit Geld zuzuschütten, tut sich schwer mit solchen subjektiven Befindlichkeiten. Die Rechtspopulisten hingegen schlachten sie laut Ebner nach Kräften aus, etwa indem sie über die sozialen Medien Missstände aus anderen Ländern verbreiten, verbunden mit der suggestiven Frage: „Wird es bei uns bald auch so aussehen?“

Ebner setzt auf Aufklärung über die sozialen Medien, in denen Rechtspopulisten verstärkt ihre Verführungsarbeit leisten: „Ein ganz wichtiger Punkt wäre es, im Bildungsbereich die Schnittstelle zwischen Psychologie und Digitalkompetenz zu behandeln.“ Junge Menschen müssten wissen: „Wie wirken digitale Räume auf mich, was machen sie mit meiner Identität? Wie lassen sich diese Mechanismen missbrauchen, um mich zu manipulieren?“

Eine Aufklärungsarbeit, die nicht nur angesichts der derzeitigen rechtspopulistischen Welle sinnvoll wäre. Ansonsten bleibt die lakonische Aussicht: Wenn rechte Populisten derzeit bei jungen Wählern cool sind, dann werden sie es auch irgendwann nicht mehr sein. Fragt sich nur, wie lange das dauert und was bis dahin mit der Demokratie in Europa geschieht.

10 Mai 2024 0 Kommentare
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Religion

Im Interview – Plötzlich fordert Grünen-Chef Nouripour Abschiebung islamistischer Demonstranten

von Fremdeninfo 9 Mai 2024
von Fremdeninfo

              Im Interview – Plötzlich fordert Grünen-Chef Nouripour Abschiebung islamistischer Demonstranten

                                            Geschichte von dpa / Focus Onlien

 

 

                                                          

 

In einem Gespräch mit Bild-Vizechef Paul Ronzheimer hat sich der Grünen-Chef Omid Nouripour zu den islamistischen Demos geäußert.
Nouripours Worte fielen persönlich und deutlich aus. IMAGO/Chris Emil Janßen © IMAGO/Chris Emil Janßen

 

In einem Gespräch mit Bild-Vizechef Paul Ronzheimer hat sich der Grünen-Chef Omid Nouripour zu den islamistischen Demos geäußert. Nouripours Worte fielen persönlich und deutlich aus.

Der Co-Bundesvorsitzende der Grünen, Omid Nouripour, hat ein Verbot der für Samstag in Hamburg angekündigten islamistischen Demonstration und des Veranstalters Muslim Interaktiv gefordert.

Nouripour sagte im Podcast des Bild-Vizechefs Paul Ronzheimer: „Gerade die Truppe, die diese Kalifat-Demos macht, muss verboten werden. Und ehrlich gesagt, habe ich keine Antwort, warum es noch nicht passiert ist.“ Vereinsverbote seien ja gar nicht so kompliziert.

In Hamburg forderten Islamisten das Kalifat

Die als extremistisch eingestufte Gruppe Muslim Interaktiv hat für Samstag erneut zu einer Kundgebung auf dem Steindamm aufgerufen. Die Demonstration richte sich „gegen Zensur und Meinungsdiktat“, hieß es in der auf X (vormals Twitter) verbreiteten Ankündigung. Die Polizei bestätigte am Montag eine entsprechende Anmeldung, die von der Versammlungsbehörde geprüft werde.

Bei einer Demonstration Ende April waren etwa 1000 Menschen auf die Straße gegangen. Auf Schildern war dabei unter anderem der Spruch „Kalifat ist die Lösung“ zu lesen.

Nouripour: „Ich persönlich ertrage diese Demos nicht“

Wer ein Kalifat fordere, lehne die demokratische, freiheitliche Grundordnung ab, sagte Nouripour in dem Podcoast. „Auch das ist ein Grund, warum nicht nur die Demo verboten werden sollte, sondern auch die Organisation, die das will.“

Er könne nur hoffen, dass das schnell geschehe. Denn solche Parolen erfüllten „eindeutig den Straftatbestand Volksverhetzung“. Der Grünen Co-Chef fügte hinzu: „Ich persönlich ertrage diese Demos nicht.“

Nouripour fordert Abschiebung islamistischer, ausländischer Demonstranten

Nouripour forderte ein energischeres Vorgehen gegen Islamisten in Deutschland. Dazu müssten die Ordnungsbehörden und die Polizei personell verstärkt werden. Es fehle überall an Personal für eine konsequente Strafverfolgung. Das Strafrecht beinhalte alle möglichen Strafen, auch Gefängnisstrafen.

„Und wenn die Leute deutsche Staatsbürger sind, dann sind sie im Gefängnis. Aber wenn sie keine deutschen Staatsbürger sind, gibt es auch im Strafgesetzbuch die Regel, dass ab einer bestimmten Strafe die Leute natürlich auch ausländerrechtlich angegangen werden. Heißt: das Land verlassen.“

9 Mai 2024 0 Kommentare
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Religion

Verbot wurde geprüft – Kalifat-Demo von „Muslim Interaktiv“ findet am Samstag erneut in Hamburg statt

von Fremdeninfo 8 Mai 2024
von Fremdeninfo

         

Verbot wurde geprüft – Kalifat-Demo von „Muslim Interaktiv“ findet am Samstag erneut in Hamburg statt

                 Geschichte von dpa

                                            

 

 

 

 

                                                   

                                                        Kalifat-Demo auf dem Steindamm in Hamburg. IMAGO/Blaulicht News © IMAGO/Blaulicht News

 

Trotz Protests kann eine weitere angekündigte Demo der Gruppe Muslim Interaktiv stattfinden. Es soll aber strengere Auflagen geben als bei der vorigen Versammlung.

Eine weitere angekündigte Demonstration der als extremistisch eingestuften Gruppe „Muslim Interaktiv“ darf am kommenden Samstag in Hamburg stattfinden, wird aber mit strengen Auflagen belegt. Das sagte Hamburgs Polizeipräsident Falk Schnabel am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei, Innenbehörde und Verfassungsschutz zum Umgang mit der extremistischen Gruppierung und ihren Versammlungen.

„Ein Verbot wird sich rechtlich nicht halten lassen“

Ein mögliches Versammlungsverbot sei wie schon vor der Demonstration der Gruppe am 27. April intensiv geprüft worden, führte Schnabel aus. Dazu sei auch Videomaterial von der vorangegangenen Kundgebung ausgewertet worden. „Ein Verbot wird sich rechtlich nicht halten lassen“, fasste Schnabel die Ergebnisse zusammen. Wie schon im April solle es aber die Auflagen geben, dass nicht zur Gewalt aufgerufen und das Existenzrecht Israels nicht geleugnet werden dürfe. Als zusätzliche Auflage solle auch die Forderung eines Kalifats auf deutschem Boden nicht erlaubt werden. 

Bei der ersten Kundgebung Ende April, die von Muslim Interaktiv organisiert worden war, hatten rund 1000 Demonstranten eine ihrer Meinung nach islamfeindliche Politik und Medienberichterstattung in Deutschland aggressiv angeprangert. Außerdem wurde ein Kalifat als Lösung gesellschaftlicher Probleme gefordert. Der Aufmarsch hatte bundesweit Empörung ausgelöst.

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Archive

Integrationssenatorin pocht auf Bargeld für Geflüchtete

von Fremdeninfo 8 Mai 2024
von Fremdeninfo

                    Integrationssenatorin pocht auf Bargeld für Geflüchtete

                     Geschichte von dpa

                                             

                                        Cansel Kiziltepe (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung,
                                      spricht bei einer Pressekonferenz in der Mensa auf dem Campus Efeuweg. © Britta Pedersen/dpa

 

Berlins Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe stemmt sich gegen eine enge Begrenzung der verfügbaren Bargeldhöhe bei der geplanten Bezahlkarte für Flüchtlinge. «Es entspricht nicht meinem Verständnis einer humanitären Flüchtlingspolitik, dass Geflüchtete nur 50 Euro Bargeld bekommen sollen. Das ist menschenverachtend», sagte die SPD-Politikerin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

«Der Bargeldbetrag muss Gleichberechtigung und Teilhabe ermöglichen und rechtssicher festgelegt werden», sagte sie weiter. Geflüchtete sollten mit der Bezahlkarte selbst entscheiden können, wann sie mit Karte zahlen oder mit Bargeld.

«Ich setze mich dafür ein, dass geflüchtete Menschen in Berlin auch weiterhin das Geld, das ihnen zusteht, zu 100 Prozent selbstbestimmt und ohne Reglementierung verwenden können, auch in Form von Bargeld.» Denn diese Menschen seien aufgrund ihrer finanziellen Lage umso mehr auf Bargeld angewiesen, etwa bei Einkäufen auf Wochen- und Flohmärkten.

Bund und Länder hatten sich im November 2023 darauf verständigt, dass Asylbewerberinnen und Asylbewerber künftig einen Teil der staatlichen Leistungen zum Lebensunterhalt als Guthaben erhalten und nicht mehr als Bargeld. Damit soll unter anderem verhindert werden, dass Migranten Geld an Schlepper oder Familie und Freunde im Ausland überweisen. Viele Details der Bezahlkarte sind noch offen, jedes Bundesland kann Einzelheiten in eigener Regie festlegen.

In Brandenburg hat mit Märkisch-Oderland ein erster Landkreis Nägel mit Köpfen gemacht: Dort dürfen sich Geflüchtete über die bundesweit einsetzbare Chipkarte höchstens 50 Euro Bargeld pro Kopf und Monat als eine Art Taschengeld auszahlen lassen. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) lehnt die 50-Euro-Grenze strikt ab, weil das die Integration behindere. In der rot-schwarz-grünen Koalition in Potsdam gibt es wegen der Karte Streit.

«Ich verfolge die unsägliche Debatte um die Bargeldhöhe für die Bezahlkarte für geflüchtete Menschen mit Sorge», sagte Kiziltepe. Diese Debatte löse kein einziges Problem. «Zum Glück gibt es in Brandenburg mit Sozialministerin Ursula Nonnemacher eine Stimme der Vernunft.» Die Bezahlkarte sei kein Selbstzweck und sei nicht geeignet, um mit ihr die Zuwanderung zu steuern, wie es manche Politiker immer wieder gern behaupteten, so Kiziltepe.

Berlin beteiligt sich an einem länderübergreifenden Vergabeverfahren für die Bezahlkarte. Wenn die Ergebnisse vorliegen, voraussichtlich im Sommer, entscheidet der schwarz-rote Senat über die Einführung. Zuvor müssen laut Integrationsverwaltung noch die genauen Kriterien für die Karte festgelegt werden. Vor diesem Hintergrund sei es nicht wahrscheinlich, dass die Bezahlkarte noch in diesem Jahr in Berlin eingeführt werde, hieß es aus Kiziltepes Ressort.

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Religion

Jeder zweite angehende Islam-Lehrer lehnt Israels Existenz ab

von Fremdeninfo 8 Mai 2024
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               Jeder zweite angehende Islam-Lehrer lehnt Israels Existenz ab

                                              Geschichte von Frederik Schindler/ Wldt

 

Künftige islamische Religionslehrer an Schulen vertreten häufig islamistische, antiwestliche und antisemitische Positionen, wie eine aktuelle Studie zeigt. So denkt ein Drittel etwa, Juden hätten zu viel Macht.

                                              

                                                                  icture alliance/dpa © Bereitgestellt von WELT

 

 

 

 

 

Die erste bundesweite Studie über die Einstellungen und Werte angehender islamischer Religionslehrer und Theologen hat beunruhigende Ergebnisse hervorgebracht. Ein relevanter Teil der Studenten Islamischer Religionspädagogik und Islamischer Theologie vertritt islamistische, antiwestliche und antisemitische Positionen. In den Studiengängen werden Islam-Lehrer für den bekenntnisorientierten Schulunterricht, Sozialarbeiter, Seelsorger und Wissenschaftler ausgebildet.

Für die Untersuchung haben die Religionspsychologin Sarah Kaboğan vom Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster sowie der Sozialwissenschaftler und islamische Religionspädagoge Abdulkadir Şenel vom dortigen Zentrum für Islamische Theologie 252 Studenten an allen elf Universitäten befragt, an denen man diese beiden Fächer studieren kann. Damit wurden etwa elf Prozent aller Studenten dieser Fächer befragt. Die Studie wurde bereits Ende März im „British Journal of Religious Education“ veröffentlicht.

Die Autoren beschreiben die Studenten als zukünftige „Multiplikatoren des Islam in Deutschland“. Knapp 60 Prozent der angehenden islamischen Religionslehrer und Theologen stimmen demnach der Aussage eher oder voll und ganz zu, dass „der Westen für die schlechten Zustände in vielen islamischen Ländern verantwortlich“ sei. Rund 47 Prozent stimmen eher oder vollends zu, dass der Staat Israel „keine Existenzberechtigung“ habe. Über ein Drittel stimmt eher oder uneingeschränkt zu, dass Juden „zu viel Macht und Einfluss in der Welt“ hätten.

Ein Viertel der Befragten habe fundamentalistisches Weltbild

Die Studie stuft knapp ein Viertel der Befragten als „Personen mit einer umfassenden fundamentalistischen Weltanschauung“ ein. Diese Befragten bejahen alle vier der folgenden Aussagen: „Es gibt nur eine wahre Religion“, „Das Befolgen der Gebote meiner Religion ist mir wichtiger als die Gesetze des Staates, in dem ich lebe“, „Nur der Islam ist in der Lage, die Probleme unserer Zeit zu lösen“ und „Die Muslime sollten sich um eine Rückkehr zu einer Gesellschaftsordnung bemühen, wie sie zur Zeit des Propheten Mohammed herrschte“.

Ähnlich hohe Zustimmungswerte erhielten Aussagen der abgefragten Islamismus-Skala. Demnach befürworten rund 22 Prozent eine Islamisierung der Politik („Der Islam sollte die einzige und höchste politische Autorität sein“), rund 23 Prozent eine islamistische Geschlechterordnung („Die Gesellschaft wäre besser dran mit einer strikteren Trennung von Männern und Frauen“) und 25 Prozent eine Islamisierung des Rechtssystems („Die islamischen Gesetze der Scharia, die Handlungen wie Ehebruch oder Homosexualität hart bestrafen, sind viel besser als die deutschen Gesetze“).

Immerhin zehn Prozent stimmen der Aussage zu, dass Muslime „weltweit unterdrückt“ würden und sich deshalb „mit Gewalt verteidigen“ müssten; immerhin sechs Prozent sehen es als „Pflicht eines jeden Muslims“ an, „Ungläubige zu bekämpfen und den Islam weltweit zu verbreiten“.

Die Münsteraner Wissenschaftler Kaboğan und Şenel befragten die Studenten auch nach der Gleichberechtigung der Geschlechter. Über die Hälfte ist der Ansicht, dass Händeschütteln zwischen Männern und Frauen vermieden werden sollte. Ein Fünftel ist überzeugt, dass Männer berufstätig sein sollten, während Frauen sich um den Haushalt kümmern sollten. 98 Prozent lehnen es hingegen ab, dass Frauen geschlagen werden können.

Frauen weisen bei der Gleichberechtigung der Geschlechter signifikant höhere und beim Islamismus niedrigere Werte auf als Männer. Demokratische Werte wie Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit sowie garantierte Minderheitenrechte seien sowohl von Männern als auch von Frauen „stark und relativ einheitlich bejaht“ worden, heißt es in der Studie weiter.

Über zwei Drittel der Befragten fühlt sich durch den deutsch-türkischen Moscheeverband Ditib vertreten, knapp 59 Prozent von der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Ditib untersteht der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die wiederum unmittelbar dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterstellt ist. Die IGMG wird vom Verfassungsschutz im Bereich Islamismus beobachtet. Ideologische Leitfigur des Verbands ist der frühere türkische Ministerpräsident Necmettin Erbakan, der zahlreiche antisemitische Schriften veröffentlicht hat. Die Studienautoren stellen fest, dass islamische Verbände mit religiös-orthodoxen Vorstellungen „erheblichen Einfluss“ auf das Studium und die Karriere der Studenten ausübten.

Die Studie zeigt außerdem „eine leichte Tendenz zur Ablehnung der Reformorientierung“. Die Autoren definieren Reformorientierung als gekennzeichnet durch ein symbolisches – und damit kein wörtliches und ahistorisches – Verständnis des Korans, die Kontextualisierung des Islams in Europa, gleichberechtigte Beziehungen zu Nicht-Muslimen und Homosexuellen sowie zwischen den Geschlechtern und eine kritische Reflexion über das Gewaltpotenzial des Islams.

Für die Untersuchung hatten Studenten Islamischer Religionspädagogik und Theologie aller elf Universitäten in Deutschland eine Einladung erhalten. Sie wurden bereits zwischen April und Juni 2022 online befragt. Rund drei Viertel der Befragten ist weiblich, was der Geschlechterverteilung in den Studiengängen entspricht. Rund 90 Prozent sind in Deutschland geboren; rund 95 Prozent haben einen Migrationshintergrund, also nach Deutschland zugewanderte Eltern oder Großeltern. Davon sind rund 68 Prozent der Familien türkischer und acht Prozent marokkanischer Herkunft.

8 Mai 2024 0 Kommentare
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Archive

Türkischer Liefer-Gigant Getir zieht sich nicht nur aus Deutschland zurück

von Fremdeninfo 8 Mai 2024
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Türkischer Liefer-Gigant Getir zieht sich nicht nur aus Deutschland zurück

 Von: dpa

Bald wohl ein seltenes Bild: Ein Lieferfahrer des türkischen Lieferdienstes „Getir“ fährt mit seinem Fahrrad durch Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa

 
Die Expansion von Getir suchte vor wenigen Jahren ihresgleichen, besonders während der Pandemie. Nun geht es wieder in die andere Richtung. Künftig will sich der Lebensmittel-Bringdienst auf seinen Kernmarkt konzentrieren.

Der türkische Lebensmittel-Bringdienst Getir zieht sich vom deutschen Markt komplett zurück. „Das Unternehmen wird sich auf seinen Kernmarkt in der Türkei konzentrieren, wo es das größte Potenzial für langfristiges, nachhaltiges Wachstum sieht“, teilte Getir am Montag mit. Der Anbieter gibt auch sein Geschäft in Großbritannien, den Niederlanden und den USA auf. Mit einer neuen Finanzierungsrunde will Getir nun seine Marktposition in der Türkei ausbauen. Lediglich sieben Prozent des Gesamtumsatzes seien in Ländern außerhalb der Türkei erbracht worden, hieß es weiter.

Wie viele Beschäftigte aufgrund der Neuausrichtung ihre Arbeit verlieren, wurde am Montag zunächst nicht bekannt. In Deutschland sollen zwischen 1200 und 1300 Personen betroffen sein, heißt es auf spiegel.de. Voraussichtlich bis Mitte Mai würden Getirs Fahrradkuriere von deutschen Straßen verschwinden. Das Unternehmen dankte allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren „Einsatz und harte Arbeit“.

Markt gilt vor allem aufgrund der geringen Marge als hart umkämpft

Bereits in der vergangenen Woche gab es Medienberichte, wonach Getir vom deutschen Markt verschwinden werde. Im umkämpften sogenannten Quick-Commerce-Geschäft, also dem Liefern von Supermarktprodukten innerhalb weniger Minuten, hatte Getir Ende 2022 den angeschlagenen Konkurrenten Gorillas in Deutschland übernommen. Im Sommer 2023 verkündete das Unternehmen dann den Rückzug aus Spanien, Portugal und Italien. Wenige Wochen später strich Getir Tausende Stellen. Damals hieß es, das Unternehmen wolle das Geschäft in Europa vor allem auf Deutschland konzentrieren.

 

Der Markt gilt vor allem aufgrund der geringen Marge als hart umkämpft. In der Corona-Pandemie boomte dieses Geschäft, vor allem junge Menschen in Großstädten nutzten die neuen Liefermöglichkeiten. Danach ging das Interesse spürbar zurück.

 

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Türkei stellt Handel mit Israel ein – und will sich Völkermord-Klage anschließe

8 Mai 2024 0 Kommentare
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Politik

Grünes Vorstandsmitglied fordert bundesweites AfD-Verbot

von Fremdeninfo 7 Mai 2024
von Fremdeninfo

                   Grünes Vorstandsmitglied fordert bundesweites AfD-Verbot

 

                                    

                                                 Pia Schellhammer © Harald Tittel/dpa/Archivbild

 

In der Debatte über ein Verbotsverfahren gegen die AfD haben die Grünen in Rheinland-Pfalz Position bezogen. Sie haben eine klare Meinung.

Mainz – Die rheinland-pfälzische Fraktionsvorsitzende der Grünen, Pia Schellhammer, hat nach den Angriffen auf Politiker im Wahlkampf ein bundesweites Verbot der AfD gefordert. In ihrer Funktion als Mitglied des erweiterten Parteivorstands sagte Schellhammer dem SWR in Mainz, die zunehmende Gewalt im Wahlkampf sei das Ergebnis einer fatalen Verrohung des politischen Diskurses. Fraktionssprecher Claudius Ruch bestätigte Schellhammers Forderung. Von der Landespartei war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Als Beispiel nannte Schellhammer, es gebe aktuell mehr Anfeindungen von Politikern als früher und eine systematische Zerstörung von Wahlplakaten. Verantwortlich dafür sei die AfD, sie sei die „Kommandozentrale für Hass und Hetze“. Deshalb sollten die Sicherheitsbehörden beginnen, Vorbereitungen für ein AfD-Verbotsverfahren zu treffen.

isher werden drei ostdeutsche Landesverbände der AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Auf Bundesebene wird die Partei bislang als Verdachtsfall geführt.

Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in Münster wird im Berufungsverfahren zwischen der AfD und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) am kommenden Montag ein Urteil verkünden. Die AfD wehrt sich in dem Verfahren dagegen, dass der Verfassungsschutz die gesamte Partei als extremistischen Verdachtsfall führt.

In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Köln den Verfassungsschützern Recht gegeben: Die Richter sahen ausreichend Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der AfD. Weil das Bundesamt seinen Sitz in Köln hat, sind die Gerichte in NRW zuständig. Die Linke hatte nach dem Angriff auf den SPD-Politiker Matthias Ecke in Dresden erneut ein mögliches Verbot der AfD ins Gespräch gebracht. Es sei vor allem die extreme Rechte, die versuche, ein Klima der Angst zu erzeugen, sagte Linken-Chef Martin Schirdewan am Montag in Berlin. „Wir fordern ganz konkret, das AfD-Verbot zu prüfen und sehr ernsthaft zu prüfen.“ Die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative solle auf jeden Fall verboten werden.

Kommandozentrale für Hetze“ – Grüne macht AfD für Gewalt gegen Politiker verantwortlich

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Erst kürzlich wurden mehrere Politiker körperlich angegriffen. Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende in Rheinland-Pfalz, Pia Schellhammer, trägt die AfD Verantwortung für die zunehmende Gewalt im Wahlkampf. imago/Torsten Silz © imago/Torsten Silz

Erst kürzlich wurden mehrere Politiker körperlich angegriffen. Für die Grünen-Fraktionsvorsitzende in Rheinland-Pfalz trägt die AfD Verantwortung für die zunehmende Gewalt im Wahlkampf.

Die rheinland-pfälzische Fraktionsvorsitzende der Grünen, Pia Schellhammer, hat nach den Angriffen auf Politiker im Wahlkampf ein bundesweites Verbot der AfD gefordert.

In ihrer Funktion als Mitglied des erweiterten Parteivorstands sagte Schellhammer dem SWR in Mainz, die zunehmende Gewalt im Wahlkampf sei das Ergebnis einer fatalen Verrohung des politischen Diskurses.

Fraktionssprecher Claudius Ruch bestätigte Schellhammers Forderung. Von der Landespartei war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

Schellhammer macht AfD für Gewalt im Wahlkampf verantwortlich

Als Beispiel nannte Schellhammer, es gebe aktuell mehr Anfeindungen von Politikern als früher und eine systematische Zerstörung von Wahlplakaten.

Verantwortlich dafür sei die AfD, sie sei die „Kommandozentrale für Hass und Hetze“. Deshalb sollten die Sicherheitsbehörden beginnen, Vorbereitungen für ein AfD-Verbotsverfahren zu treffen.

Drei AfD-Landesverbände gelten als gesichert rechtsextrem

Bisher werden drei ostdeutsche Landesverbände der AfD vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Auf Bundesebene wird die Partei bislang als Verdachtsfall geführt.

Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in Münster wird im Berufungsverfahren zwischen der AfD und dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) am kommenden Montag ein Urteil verkünden. Die AfD wehrt sich in dem Verfahren dagegen, dass der Verfassungsschutz die gesamte Partei als extremistischen Verdachtsfall führt.

In erster Instanz hatte das Verwaltungsgericht Köln den Verfassungsschützern Recht gegeben: Die Richter sahen ausreichend Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der AfD. Weil das Bundesamt seinen Sitz in Köln hat, sind die Gerichte in NRW zuständig.

Linke sagt, AfD versuche „Klima der Angst“ zu erzeugen

Die Linke hatte nach dem Angriff auf den SPD-Politiker Matthias Ecke in Dresden erneut ein mögliches Verbot der AfD ins Gespräch gebracht. Es sei vor allem die extreme Rechte, die versuche, ein Klima der Angst zu erzeugen, sagte Linken-Chef Martin Schirdewan am Montag in Berlin.

„Wir fordern ganz konkret, das AfD-Verbot zu prüfen und sehr ernsthaft zu prüfen.“ Die AfD-Jugendorganisation Junge Alternative solle auf jeden Fall verboten werden.

dpa

7 Mai 2024 0 Kommentare
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Anklage gegen Israel: US-Senatoren bedrohen Chefankläger des Strafgerichtshofes

von Fremdeninfo 7 Mai 2024
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Anklage gegen Israel: US-Senatoren bedrohen Chefankläger des Strafgerichtshofes

Unterzeichner drohen UN-Juristen und ihren Familien. Deutliche Reaktion aus Den Haag. Ähnlicher Konflikt bereits 2019 unter Trump.

Eine Gruppe einflussreicher US-Senatoren der Republikanischen Partei hat den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Karim Khan, vor der Ausstellung internationaler Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu und andere israelische Amtsträger gewarnt.

 

Im Falle einer solchen Ausstellung drohen sie ihm mit „strengen Sanktionen“. Dies geht aus einem Brief hervor, der von zwölf republikanischen Senatoren, darunter Tom Cotton aus Arkansas, Marco Rubio aus Florida und Ted Cruz aus Texas, unterzeichnet worden ist.

„Ziele Israel an und wir werden dich ins Visier nehmen“

In dem knappen, einseitigen Schreiben wird Khan darüber informiert, dass jeglicher Versuch des IStGH, Netanyahu und andere Vertreter des israelischen Staates oder der Armee für ihre Handlungen im Gazastreifen zur Rechenschaft zu ziehen, „nicht nur als Bedrohung der Souveränität Israels, sondern auch der Souveränität der Vereinigten Staaten“ interpretiert werde.

„Wenn Sie Israel ins Visier nehmen, werden wir Sie ins Visier nehmen“, warnen die Senatoren Khan. Sie drohen damit, seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu sanktionieren und ihn und seine Familien aus den USA auszuweisen. Der Brief endet mit der drohenden Bemerkung: „Sie wurden gewarnt.“ 

In einer Stellungnahme gegenüber dem Online-Magazin Zeteo äußerte der demokratische Senator Chris Van Hollen aus Maryland Kritik an den Drohungen der republikanischen Senatoren:

Es ist in Ordnung, sich gegen eine mögliche gerichtliche Maßnahme auszusprechen, aber es ist absolut falsch, sich in eine gerichtliche Angelegenheit einzumischen, indem man Richter, ihre Familienmitglieder und ihre Mitarbeiter mit Vergeltungsmaßnahmen bedroht. Diese Gangstermethoden sind etwas für die Mafia, nicht für US-Senatoren.

Die Palästinensischen Gebiete sind ICC-Mitglied

Obwohl weder Israel noch die Vereinigten Staaten Mitglieder des IStGH sind, wurden die palästinensischen Gebiete im April 2015 mit dem Status eines Mitgliedsstaates aufgenommen.

Khan, ein britischer Anwalt, wurde im Februar 2021 zum Chefankläger des ICC ernannt, eine Woche nachdem das Gericht bereits mehrheitlich entschieden hatte, dass seine territoriale Zuständigkeit auf „Gaza und das Westjordanland“ ausgedehnt wird.

 

Nach den Terrorangriffen der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 hatte Khan bekannt gegeben, dass das Gericht über mögliche Kriegsverbrechen sowohl von Hamas-Militanten in Israel als auch von israelischen Streitkräften in Gaza befinden wird.

Gemäß dem Römischen Statut von 2002 kann der IStGH Einzelpersonen wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord anklagen.

IStGH reagiert auf Drohungen

Am Freitag veröffentlichte das Büro des Chefanklägers in Den Haag eine beispiellose Stellungnahme auf Twitter, in der es ein Ende der Vergeltungsdrohungen gegen den ICC und Versuche, seine Beamten zu „behindern“ und „einzuschüchtern“, forderte. Die Erklärung fügte hinzu, dass solche Drohungen „eine Straftat gegen die Verwaltung der Justiz“ gemäß dem Römischen Statut darstellen könnten. Im Wortlaut heißt es:

 

Die Anklagebehörde ist sich des großen öffentlichen Interesses an ihren Ermittlungen bewusst und begrüßt Kommentare, die Äußerung von Bedenken und die Beteiligung an ihren Aktivitäten von staatlichen und gewählten Vertretern, Nichtregierungsorganisationen, Akademikern und Aktivisten.

Das Amt ist bestrebt, mit allen Beteiligten konstruktiv zusammenzuarbeiten, sofern ein solcher Dialog mit seinem im Römischen Statut verankerten Mandat vereinbar ist, unabhängig und unparteiisch zu handeln.

Diese Unabhängigkeit und Unparteilichkeit wird jedoch untergraben, wenn Einzelpersonen damit drohen, Vergeltungsmaßnahmen gegen den Gerichtshof oder gegen Bedienstete des Gerichtshofs zu ergreifen, falls das Amt in Ausübung seines Mandats Entscheidungen über Untersuchungen oder Fälle trifft, die in seine Zuständigkeit fallen.

Solche Drohungen können, selbst wenn sie nicht in die Tat umgesetzt werden, einen Verstoß gegen die Rechtspflege gemäß Artikel 70 des Römischen Statuts darstellen. Diese Bestimmung verbietet ausdrücklich sowohl „die Bestechung eines Beamten des Gerichtshofs im Kontext der Ausübung seiner Dienstpflichten“ als auch „die Nötigung, Einschüchterung oder Verleitung eines Beamten des Gerichtshofs durch Bestechung, um ihn zu zwingen oder zu veranlassen, seine Dienstpflichten nicht oder nicht ordnungsgemäß zu erfüllen“.

Das Amt besteht darauf, dass alle Versuche, seine Beamten zu behindern, einzuschüchtern oder in unzulässiger Weise zu beeinflussen, unverzüglich eingestellt werden.

Stellungnahme des Büros des Chefanklägers des ISTGH, Den Haag

In ihrem Brief hatten die zwölf republikanischen Senatoren Khan daran erinnert, dass die USA mit dem „American Service-Members‘ Protection Act“ ein Mittel hätten, um gegen ihn und Vertreter des UN-Gerichtes vorzugehen.

Dieses US-Gesetz, das 2002 von George W. Bush unterzeichnet worden war, ist weithin als „The Hague Invasion Act“ bekannt. Es ermächtigt US-Präsidenten dazu, „alle notwendigen und angemessenen“ Mittel zu verwenden, um die Freilassung nicht nur von US-Personen, sondern auch von Verbündeten zu erreichen, die vom IStGH inhaftiert oder festgehalten werden“.

Die Formulierung war damals als direkte und physische Drohung gegen das UN-Gericht in Den Haag interpretiert worden.

USA hatten schon 2019 Maßnahmen gegen den IStGH ergriffen

Die USA hatten unter der Präsidentschaft von Donald Trump Mitte März 2019 bereits einmal Visaverbote gegen Mitarbeiter des IStGH ausgesprochen. Human Rights Watch kritisierte damals, dass dies Verfolgung schwerer internationaler Verbrechen gefährden könnte.

Der damalige US-Außenminister Michael Pompeo kündigte an, dass das Verbot für IStGH-Mitarbeiter gelten wird, die an potenziellen Untersuchungen von US-Bürgern beteiligt sind.

Bei dem damaligen Konflikt ging es um, Ermittlungen wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen im Irak und ebenfalls um das israelische Vorgehen in den palästinensischen Gebieten.

Aktuelle Berichte deuten auf eine wachsende Sorge in Israel in, dass der IStGH Haftbefehle gegen Netanyahu und andere hochrangige Kabinetts- und Militärbeamte vorbereitet.

7 Mai 2024 0 Kommentare
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Religion

Kalifat-Demo in Hamburg: Polizist hat Faxen dicke – „Uns fliegt Extremismus um die Ohren“

von Fremdeninfo 5 Mai 2024
von Fremdeninfo

Kalifat-Demo in Hamburg: Polizist hat Faxen dicke – „Uns fliegt Extremismus um die Ohren“

               Geschichte von Metin Gülmen

• 14 Std.

 

 

Es sind Bilder, die noch immer nachhallen: Männer halten am 27. April Schilder mit der Aufschrift „Kalifat ist die Lösung“, wettern gegen eine angeblich islamfeindliche Berichterstattung und die Pressefreiheit, rufen „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“). Mehr als 1.000 Islamisten halten eine Kalifat-Demo in Hamburg ab, besetzen den Steindamm.

Nicht nur das: Sie fordern die Abschaffung der Demokratie sowie aller Rechte für Frauen, Schwule, Christen, Juden und Andersdenkende. Die Hamburger Politik schaut nur tatenlos zu, die Polizei hält mit strengen Auflagen dagegen. Die Steinzeit-Islamisten setzen sie auf der Kalifat-Demo in Hamburg penibel genau um, um keinen Anlass zu geben, diese und künftige Demos zu verbieten. Jetzt hat ein Polizist die Faxen dicke – und kritisiert die Politik scharf, fordert Gegenmaßnahmen gegen aufkeimenden Islamismus!

Kalifat-Demo in Hamburg: Polizist hat Faxen dicke

Manuel Ostermann (34) ist CDU-Politiker mit dem Schwerpunkt Innere Sicherheit, in erster Linie aber Bundespolizist und Vize-Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft. Gegenüber dieser Redaktion legt er den Finger in die Wunde, sagt: „Die Politik überschlägt sich im Denken und Handeln, wenn es gegen Rechtsextremismus geht. Aber beim Thema Islamismus duckt man sich ab!“ Der 34-Jährige weiter: „Falsch verstandene politische Korrektheit und der Eindruck von ideologischen Handfesseln erschweren den Kampf gegen Extremismus in Gottes Namen!“ Ostermann sieht es als fatalen Fehler an, dass der Polizei die Hände gebunden sind, wenn es gegen islamistischen Extremismus gehe. Er führt aus: „Wir können nicht einfach anklopfen und durchgreifen, wenn nicht Gefahr im Verzug ist. Wir müssen auch die islamistischen Strukturen beleuchten können und nicht erst, wenn eine Straftat passierte. Das ist uns aktuell nicht möglich, es braucht eine klare Beweislage für Gefährdung und einen richterlichen Beschluss. Uns fliegt das Ding um die Ohren!“

                                  

                                      Islamisten auf der Kalifat-Demo in Hamburg am 27. April. Foto: IMAGO/Blaulicht News © Bereitgestellt von Der Westen

„Uns fliegt das Ding um die Ohren“

Seit Jahren sei die islamistische Szene auf Tour, nicht nur in Hamburg, sondern auch in NRW, wo beispielsweise Hassprediger wie Abu Alia im Ruhrgebiet predigen (hier mehr). Bundespolizist Ostermann: „Wir müssen viel stringenter in unseren Maßnahmen werden. Predigt- und Auftrittsverbot, dazu noch bestimmte Hassprediger engmaschig überwachen – dazu müssen auch deutsche Staatsbürger gehören. So können wir als Polizei schon im Vorfeld Herr der Lage werden!“

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Verschleierte Frauen demonstrieren auf der Kalifat-Demo in Hamburg für den Entzug ihrer eigenen Rechte. Foto: IMAGO/Blaulicht News © Bereitgestellt von Der Westen
 

Es könne nicht sein, dass man sich im Hinblick auf EM 2024 in Deutschland nicht nur auf das sportliche Ereignis freue, sondern auch besorgt sei wegen potenzieller Terror-Gefahren. „Hier gilt das Grundgesetz. Wir müssen ein durchsetzungsfähiger Rechtsstaat werden, sonst verlieren wir als solcher unsere Legitimation“, so Ostermann.

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Um den Steinzeit-Islamisten Paroli zu bieten, ruft die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) zusammen mit der „Kulturbrücke“ und dem Verein „Säkularer Islam“ am Samstag (4. Mai) um 13 Uhr zur Demo gegen das Kalifat, Islamismus und Antisemitismus sowie für freiheitlich-demokratische Werte auf. Über 1.000 Teilnehmer wurden bei der Polizei angemeldet. Als Austragungsort wurde wieder der Steindamm in Hamburg ausgewählt – als klares Zeichen gegen die Islamisten, so KGD-Bundesvorsitzender Ali Ertan Toprak (55).

5 Mai 2024 0 Kommentare
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Erstmals seit acht Jahren: Erdoğan empfängt CHP-Chef

von Fremdeninfo 5 Mai 2024
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Erstmals seit acht Jahren: Erdoğan empfängt CHP-Chef

  Von: dtj-online

Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der CHP-Vorsitzende Özgür Özel trafen sich in der Parteizentrale der AKP. Warum der Stuhl neben Erdoğan frei war, blieb unklar. Foto: AKP

Erstmals seit acht Jahren hat der türkische Präsident Erdoğan einen Vorsitzenden der oppositionellen CHP empfangen. Die kurze Zusammenkunft mit Özgür Özel wirft Fragen auf – und lässt Raum für Spekulationen über die Zukunft der politischen Landschaft in der Türkei.

Überraschend trafen sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der zugleich Parteichef der AKP ist, und der Vorsitzende der oppositionellen CHP, Özgür Özel, im Hauptquartier der AKP in Ankara. Das Treffen am Donnerstagnachmittag, das etwa anderthalb Stunden dauerte, wurde mit Spannung begleitet und war erwartet worden. Es war das erste Treffen zwischen Erdoğan und einem CHP-Chef seit acht Jahren. Zuletzt war der Präsident 2016 mit Kemal Kılıçdaroğlu zusammengekommen.

Tee und Schokolade wurden den anwesenden Journalisten gereicht, während Özel Erdoğan ein Objekt aus der „Gururla“-Serie vom türkischen Glaswarenhersteller Paşabahçe übergab. Dieses Geschenk war den Angaben nach inspiriert von einem Rat des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk an einen der ersten türkischen Studenten, die in europäische Hauptstädte entsandt wurden: „Wir schicken euch als Funken, ihr müsst als starke Flammen zurückkehren“.

Auch Gezi-Proteste sollen ein Thema gewesen sein

Darüber hinaus brachte Özel auch eine Mesir-Paste von einem Festival in Manisa, seinem Heimatort, mit, als symbolische Geste der Verbundenheit und des guten Willens. Die im Vorfeld genannten Themen umfassten eine breite Palette – von Rentenangelegenheiten über kommunale Schulden bis hin zu politischen Fragen wie dem Gezi-Park-Prozess und der Schließung des Taksim-Platzes am 1. Mai für Feiern und Demonstrationen. Ob sie tatsächlich besprochen wurden, blieb unklar. Vorgestern war es in Istanbul wie in den Jahren zuvor zu Tumulten und zahlreichen Festnahmen gekommen.

Obwohl keine offiziellen Aussagen zu den Ergebnissen des Treffens gemacht wurden, könnte dieses Treffen einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen AKP und CHP markieren. Die kommenden Tage werden zeigen, ob und wie sich die politische Landschaft in der Türkei in Folge dieses historischen Treffens verändern wird.

 

5 Mai 2024 0 Kommentare
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Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

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