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Cumali Yağmur
Allgemein

Welche Migrantengruppen wählen die AfD und warum?

von Cumali Yağmur 18 Mai 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

In meinem heutigen Artikel werde ich darauf eingehen, warum rechtsextreme Parteien wie die AfD (Alternative für Deutschland) innerhalb von migrantischen Minderheiten bevorzugt werden.

In Deutschland haben sich bestimmte Kreise, die von der Wirtschaftskrise betroffen sind, der AfD zugewandt – einer fremdenfeindlichen und faschistischen Partei. Die AfD, die ihre Stimmen in den letzten Jahren rasant steigern konnte, kletterte in Meinungsumfragen zeitweise sogar zur stärksten Kraft in Deutschland empor.

Wenn die AfD „Ausländer raus“ sagt, macht sie keinen Unterschied zwischen „du bist schon lange in Deutschland“, „du bist neu angekommen“ oder „du bist gut integriert“. Mit demagogischen Parolen wie „Ausländer nehmen uns unsere Wohnungen und Arbeitsplätze weg“ säen sie Zwietracht in der Bevölkerung. Sie behaupten, Migranten würden unrechtmäßig Sozialleistungen beziehen oder viele Kinder bekommen, nur um mehr Kindergeld zu erhalten. Sie werfen Migranten vor, die deutsche Kultur zu überschatten und ihre eigene Kultur aufzuzwingen. Zudem behaupten sie, Ausländer seien überproportional kriminell, würden den gesellschaftlichen Frieden stören und fordern die sofortige Abschiebung straffällig gewordener Migranten.

Die Abschiebung straffällig gewordener Migranten wird auch von einer rechten Gruppe innerhalb der CDU/CSU unterstützt. Doch der Versuch, straffällige Personen mit einem pauschalisierenden Ansatz abschieben zu wollen, ist das Produkt einer gefährlichen Denkweise. Es ist kein ethischer Ansatz, Menschen, die in diesem Land eine Straftat begangen haben, in andere Gesellschaften zu schicken und dort den Frieden zu stören.

AfD-Anhänger behaupten, Migranten seien voreingenommen gegenüber Deutschen und würden die Ruhe im Land stören. Werden Sie all diese migrantenfeindlichen Aussagen ignorieren und die AfD weiterhin unterstützen? Ist Ihnen bewusst, dass Sie damit Ihr eigenes Grab schaufeln? Die AfD vertritt gegenüber Migranten eine nationalistische, rassistische und faschistische Linie und zeigt eine offen feindselige Haltung. Sie verfolgen eine Rhetorik, die ohne jede Unterscheidung will, dass alle Migranten „ihre Koffer packen und in ihr Herkunftsland zurückkehren“. Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz betont immer wieder, dass die AfD eine rechtsextreme, faschistische, demokratie- und fremdenfeindliche Organisation ist. Aus diesem Grund fordern demokratische Parteien und Gewerkschaften das Verbot der Partei.

Auf der anderen Seite des Medaillons steht die AfD auch jenen progressiven, demokratischen und sozialistischen Deutschen voreingenommen gegenüber, die nicht so denken wie sie. Sie wollen die Demokratie im Land schwächen und eine repressive Ordnung im Sinne ihrer eigenen Ideologie errichten. Ihr Ziel ist es, den sozialen Charakter des Staates zu verändern und eine Struktur zu schaffen, die nur denjenigen dient, die ihrer Meinung sind. Sie streben eine antidemokratische, unterdrückende, erniedrigende und ausbeuterische Ordnung gegen Andersdenkende an.

In der deutschen Geschichte gab es all dies bereits während der Hitler-Diktatur. Es ist bekannt, was solch diktatorische Ansichten über das Land gebracht haben. Die dunklen Seiten der deutschen Geschichte und der Aufstieg des Faschismus durch die Gewinnung einer Massenbasis sind historische Fakten. Auch wenn die AfD heute die Vergangenheit nicht eins zu eins wiederholt, lässt sich unter den aktuellen Bedingungen erahnen, was sie tun könnte, wenn sie an die Macht käme.

In aktuellen Umfragen erscheint die AfD deutschlandweit zeitweise als stärkste Partei. Zum jetzigen Zeitpunkt möchte keine der etablierten Parteien eine Koalition mit der AfD eingehen. In einigen ostdeutschen Bundesländern erzielen sie jedoch so hohe Ergebnisse, dass sie die Kraft erreicht haben, allein zu regieren. Es zeigt sich, dass sie bei Bundestagswahlen etwa 12 Prozent der Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund erhalten.

Die Migrantengruppen, die die AfD wählen, lassen sich wie folgt einordnen:

  1. Diejenigen, die glauben, integriert zu sein:Meist Personen, die seit vielen Jahren in Deutschland leben und meinen, sich der Gesellschaft angepasst zu haben. Sie wählen die AfD, weil sie neu ankommende Migranten nach ihnen nicht im Land haben wollen.
  2. Geringverdiener:Einige Migranten in prekären finanziellen Verhältnissen glauben der populistischen Rhetorik und Demagogie der AfD und wenden sich ihr zu.
  3. Ideologische Nähe:Es gibt unter Migranten auch Personen, die die nationalistischen, rassistischen und faschistischen Ansichten der AfD teilen. Beispielsweise finden Personen aus dem Umfeld der MHP/Graue Wölfe unter Türken Gemeinsamkeiten mit der Rhetorik der AfD. Die Kandidatur von zwei Sympathisanten der Grauen Wölfe für die AfD bei den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg ist ein Beispiel hierfür.
  4. Sicherheitsbedenken:Insbesondere in Großstädten lebende migrantische Frauen wenden sich aufgrund der Sicherheitsdebatten der letzten Jahre teilweise der AfD zu.

Hier möchte ich erneut an die Migranten appellieren: Verdüstert nicht eure eigene Zukunft, indem ihr faschistische Parteien wie die AfD wählt. Ihr müsst wissen, dass man nach der Zerstörung der Demokratie unter einer Diktatur nicht leben kann und am Ende gezwungen sein könnte, die Koffer zu packen. Die Völkermorde, die in der Vergangenheit an Juden, Sinti, Roma und anderen Minderheiten begangen wurden, könnten uns heute in anderer Form erneut begegnen. Vielleicht nicht exakt auf die gleiche Weise, aber in anderen Methoden als Fortsetzung der Vergangenheit.

Als Migranten müssen wir gemeinsam mit den deutschen demokratischen Parteien und zivilgesellschaftlichen Kräften die Demokratie verteidigen. Wir dürfen der Diktatur keinen Durchgang gewähren und nicht schweigen, wenn der Verfassung und den demokratischen Errungenschaften Schaden zugefügt wird. Wir müssen eine entschlossene Haltung zeigen, um die AfD und ähnliche Parteien durch gemeinsame Organisierung und Kampf auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen.

Michel Friedman ist ein freier Journalist jüdischer Abstammung und lebt in Frankfurt am Main. Er war Mitglied der CDU, ist es aber heute nicht mehr.“

Migranten, die die AfD wählen, müssen ihren Kopf in beide Hände nehmen und gründlich nachdenken. Sie müssen erkennen, dass sie sich mit der Wahl der AfD ihr eigenes Grab schaufeln. Man sollte nicht – ob bewusst oder unbewusst – sein eigenes Ende vorbereiten, sondern seine Schritte mit Bedacht wählen.

Faschistische Parteien haben überall auf der Welt eine feindselige Politik gegen Minderheiten und andere Nationen verfolgt und Völkermorde begangen. Als migrantische Minderheiten, die in dieser Gesellschaft geboren und aufgewachsen sind und nun ein untrennbarer Teil von ihr sind, dürfen wir auf keinen Fall faschistische Parteien in Europa wählen. Wenn faschistische Parteien an die Macht kommen, könnt ihr nicht einfach „eure Koffer packen und in euer Herkunftsland zurückkehren“. Da ihr nicht in jenen Gesellschaften aufgewachsen seid, wird eine erneute Integration dort nicht einfach sein. In Deutschland, wo ihr geboren seid und lebt, muss gemeinsam mit demokratischen und sozialistischen Kreisen gegen faschistische Parteien gekämpft werden.

Europa und insbesondere Deutschland sind mittlerweile zur dauerhaften Heimat der Migranten geworden. Daher muss die Institutionalisierung der Demokratie vorangetrieben und die von Parteien wie der AfD ausgehende Gefahr erkannt werden. Wir müssen die Demokratie in den Ländern, in denen wir leben, schützen und diesen Kampf gemeinsam mit der einheimischen Bevölkerung gegen diese Bedrohung führen.

Die seit vielen Jahren in Deutschland lebenden migrantischen Minderheiten sind längst ein untrennbarer Teil dieser Gesellschaft. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir gegenüber dieser Gesellschaft Verantwortung tragen. Nicht gegen den Faschismus zu kämpfen, bedeutet, seine menschliche Pflicht nicht zu erfüllen. Gegen jede Art von Bedrohung, die sich gegen die Demokratie und die Menschenrechte richtet, muss Schulter an Schulter mit den progressiven Kräften Deutschlands gekämpft werden.

18 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

„Über Ihre einseitige Berichterstattung“

von Fremdeninfo 18 Mai 2026
von Fremdeninfo

 

Lesebriefe  von: Mehmet  Kara

Ich verfolge Ihre Beiträge auf Fremdeninfo regelmäßig. Dabei stelle ich fest, dass Sie in Ihren Veröffentlichungen zum Nahen Osten eine einseitige Haltung einnehmen und einen antisemitischen Ansatz gegenüber Israel verfolgen. Ich habe den Eindruck, dass Sie das Existenzrecht Israels als Staat nicht verteidigen, sondern stattdessen eine rein pro-palästinensische Position beziehen. Zudem denke ich, dass Sie vor bestimmten Entwicklungen im Nahen Osten die Augen verschließen und diese Themen nicht ausreichend behandeln.

Andererseits schätze ich Ihre sehr gehaltvollen und qualitativ hochwertigen Beiträge gegen Rassismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sehr. Ich halte Sie für eine wichtige Plattform im Kampf für Migrantenrechte und unterstütze Ihren Vorschlag zur politischen Organisierung (Parteibildung) von Migranten. Dennoch bitte ich Sie, Ihre Haltung gegenüber Israel und dessen Staatsrecht zu überdenken. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer publizistischen Tätigkeit.“

Sehr geehrter Herr Mehmet  Kara

wir werden versuchen, Ihnen eine inhaltlich fundierte Antwort auf Ihr Schreiben zu geben. Tatsächlich liegt der Schwerpunkt unserer Veröffentlichungen auf Migrationsthemen in Europa und insbesondere in Deutschland; in diesen Bereichen produzieren wir regelmäßig Inhalte. Wie Sie jedoch anmerken, lassen uns die Ereignisse in der Welt und im Nahen Osten zwangsläufig nicht unberührt. Daher veröffentlichen wir von Zeit zu Zeit auch Analysen zu diesen Themen.

Als Antwort auf Ihr Schreiben haben wir versucht, unsere Ansichten im Folgenden darzulegen. Diese Standpunkte mögen Sie vielleicht nicht vollständig zufriedenstellen, aber sie werden Ihnen helfen, unsere Perspektive auf den Nahen Osten zu verstehen und zu erkennen, in welchen Punkten wir übereinstimmen oder differieren.

Wir möchten betonen, dass wir die Geschehnisse im Nahen Osten keineswegs gutheißen und die Ereignisse nicht einseitig betrachten:

  • Hamas und zivile Opfer: Wir akzeptieren keinesfalls den Angriff der Hamas auf Israel sowie die Entführung und Ermordung unschuldiger Menschen. Solche Taten haben dem palästinensischen Volk nicht genützt, sondern großen Schaden zugefügt. Wir haben die Angriffe der Hamas auf Zivilisten von Anfang an verurteilt und verurteilen sie weiterhin.
  • Israels unverhältnismäßige Gewaltanwendung: Andererseits akzeptieren wir keineswegs, dass Israel diese Angriffe als Vorwand nutzt, um das palästinensische Volk monatelang zu bombardieren, Menschen aus ihrer Heimat zu vertreiben, Kinder zu töten und Methoden der totalen Zerstörung anzuwenden. Wir unterstützen die Vision einer Zweistaatenlösung und wünschen uns, dass die Parteien in Frieden und unter gleichen Bedingungen zusammenleben. Anstatt eine Seite blind zu unterstützen, setzen wir uns dafür ein, dass die Fehler beider Seiten benannt und kritisiert werden.
  • Das iranische Regime und Minderheitenrechte: Wir verurteilen die Vernichtungs-, Unterdrückungs-, Folter- und Hinrichtungspolitik, die das Mullah-Regime im Iran seit Jahren gegen Minderheiten betreibt, aufs Schärfste. Wir unterstützen die verfassungsmäßigen demokratischen Rechte der Kurden und anderer Minderheiten im Iran vollumfänglich. Wir sind der Meinung, dass das iranische Volk ein solch repressives Regime nicht verdient hat.
  • Externe Interventionen und US-Politik: Wir verurteilen es aufs Schärfste, wenn die USA und Israel gemeinsam den Iran angreifen und dabei unschuldige Kinder, Frauen und die Natur durch Bomben vernichtet werden. Wir unterstützen keinesfalls die Politik der Unterdrückung, Gewalt und Drohung, welche die USA gegenüber den Ländern im Nahen Osten verfolgen.
  • Libanon und regionaler Frieden: Wir unterstützen die seit Monaten andauernden Angriffe und Kriegstaktiken Israels gegen den Libanon und Beirut keineswegs und protestieren dagegen. Dass der israelische Staat unter dem Vorwand der „Sicherheit“ alles bombardiert, ist inakzeptabel. Israel muss aufhören, mit Unterstützung der USA Druck auf die Völker des Nahen Ostens auszuüben, muss seine aggressive Haltung ablegen und lernen, mit den Staaten der Region in Frieden zusammenzuleben.
  • Fremdeninfo redaktion
18 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Bulgarien gewinnt den Eurovision Song Contest 2026

von Fremdeninfo 18 Mai 2026
von Fremdeninfo

Von:  Wien Eurovision

Der in Wien ausgetragene Eurovision Song Contest 2026 stand im Schatten von Protesten gegen Israel. Während Bulgarien den Wettbewerb mit einem historischen Vorsprung gewann, belegte Israel den zweiten Platz.

Der 70. Eurovision Song Contest (ESC), der dieses Jahr in der österreichischen Hauptstadt Wien stattfand, wurde unter dem Eindruck von Anti-Israel-Protesten abgeschlossen. Bulgarien ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor, während das im Zentrum der Proteste stehende Israel den zweiten Platz erreichte.

Das Finale des ESC, einer der weltweit größten Musikorganisationen, wurde von heftigen Debatten über die Teilnahme Israels begleitet. Spanien, die Niederlande, Island, Irland und Slowenien zogen sich aus Protest gegen die Teilnahme Israels vom diesjährigen Wettbewerb zurück. Trotz aller Kontroversen sicherte sich Bulgarien den Sieg.

Historischer Vorsprung für Bulgarien

DARA, die Bulgarien mit dem Song „Bangaranga“ vertrat, belegte im Jury-Voting mit 204 Punkten den ersten Platz. Durch zusätzliche 312 Punkte aus dem Publikumsvoting gewann Bulgarien den Wettbewerb mit einem massiven Gesamtvorsprung.

Im Finale, an dem insgesamt 25 Länder teilnahmen, lag Israel nach der Jury-Wertung zunächst auf dem fünften Platz. Mit den Zuschauerstimmen erreichte Israel jedoch insgesamt 343 Punkte und kletterte auf den zweiten Platz. Dass Bulgarien Israel mit insgesamt 173 Punkten Unterschied schlug, ging als einer der größten Punktabstände in die Geschichte des Eurovision Song Contests ein.

In der Finalnacht traten Dänemark, Deutschland, Israel, Belgien, Albanien, Griechenland, die Ukraine, Australien, Serbien, Malta, Tschechien, Bulgarien, Kroatien, Großbritannien, Frankreich, Moldau, Finnland, Polen, Litauen, Schweden, Zypern, Italien, Norwegen, Rumänien und Österreich auf.

Proteste gegen den israelischen Auftritt

Der israelische Künstler Noam Bettan, der als dritter Starter auf die Bühne ging, wurde vom Publikum mit Palästina-Flaggen protestiert. Während seines Auftritts wurden im Saal zahlreiche palästinensische Flaggen entfaltet.

Agnes Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, erklärte in einem Social-Media-Beitrag: „Angesichts des anhaltenden Genozids, der illegalen Besetzung und der Apartheid-Bedingungen sollte Israel keine Bühne beim Eurovision Song Contest gegeben werden.“ Der Rückzug von Spanien, Slowenien, den Niederlanden, Island und Irland prägte ebenfalls die Ereignisse des Abends.

Die Türkei nahm zuletzt im Jahr 2012 mit Can Bonomo am Eurovision Song Contest teil. Seit 2013 bleibt das Land dem Wettbewerb mit der Begründung fern, dass das „Punktesystem nicht fair“ sei.

Rückgang der Einschaltquoten

Die Boykottaufrufe aufgrund der Teilnahme Israels spiegelten sich auch in den Zuschauerzahlen wider.

In Italien verfolgten 1,856 Millionen Menschen das erste Halbfinale auf dem staatlichen Sender RAI. Im Vergleich zum Vorjahr, als 2,489 Millionen Zuschauer einschalteten, war ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

In den Niederlanden, einem der Länder, die sich zum Boykott entschieden hatten, sanken die Einschaltquoten im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent. Das erste Halbfinale wurde dort von durchschnittlich 541.000 Menschen gesehen, was den niedrigsten Stand seit 2012 markiert. Auch in Großbritannien (minus 253.000), Schweden (minus 316.000) und Belgien (rund 430.000 weniger) verfolgten deutlich weniger Menschen den Wettbewerb.

18 Mai 2026 0 Kommentare
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Forscher: Offenheit für AfD wächst trotz mehr Radikalität

von Fremdeninfo 18 Mai 2026
von Fremdeninfo

Artikel von dpa

Der Extremismusforscher Gideon Botsch sieht eine massiv steigende Offenheit der Wähler für die AfD – obwohl die Partei nach seiner Ansicht immer rechtsextremer wird. «Wir gehen davon aus, dass die Bereitschaft, die AfD zu wählen, massiv gestiegen ist und das Stigma, was mit der AfD-Wahl verbunden sein mag, deutlich geschmolzen ist», sagte Botsch der Deutschen Presse-Agentur. Der Politikwissenschaftler leitet die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses-Mendelssohn-Zentrum in Potsdam. In jüngsten Umfragen erreichte die AfD bundesweit in der Sonntagsfrage bis zu 29 Prozent. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet.

Klientel ist gewachsen

Die AfD hat nach Einschätzung des Forschers auch durch eine schärfere Migrationspolitik mehr Anhänger bekommen. «Wir haben die AfD in Brandenburg schon lange mit einer Stammwählerschaft von bis zu einem Viertel der Bevölkerung taxiert», sagte Botsch. «Besonders seit etwa 2023 hat die AfD ihre Klientel deutlich ausweiten können. Das hängt mit der Bundespolitik zusammen, mit dem deutlichen Versuch, die AfD rechts zu überflügeln seitens der Unionsparteien.»

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe versucht, «der AfD die Wähler abspenstig zu machen», sagte der Wissenschaftler. «Sie ist durch diese Politik nicht geschwächt, sondern gestärkt worden.» Ihre Themen erhielten scheinbar Bestätigung, «vor allem in der Erklärung der Migration zum Hauptproblemfeld Deutschland.»

Botsch: Rückzug anderer Parteien

Die übrigen Parteien ziehen sich nach Ansicht des Forschers aus der Fläche zurück. Das macht er am Beispiel von Bürgermeisterwahlen fest. «Wir müssen uns, glaube ich, keine Illusionen darüber machen, dass die AfD gute Chancen hat, in den kommenden Jahren weitere kommunale Spitzenämter zu erringen, insbesondere auf der Ebene der Bürgermeister», sagte Botsch.

Mit René Stadtkewitz gewann am 10. Mai erstmals ein AfD-Kandidat eine Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister in Brandenburg. «Dass es der AfD in Zehdenick im ersten Durchgang gelungen ist, ist schon alarmierend», sagte Botsch. «Das Entscheidende ist, dass hier die demokratischen Parteien – sieht man von einem Kandidaten der FDP ab, die ja in Brandenburg im Landtag nicht vertreten ist -, überhaupt keinen Kandidaten aufgestellt hatten.» Daraus sollten sie «dringend lernen». Er verwies auch auf den Trend, dass zunehmend unabhängige Kandidaten gewinnen.

Forscher: AfD radikalisiert sich weiter

Die AfD rückt dem Forscher zufolge weiter nach rechts. «Dabei wird die Partei immer rechtsextremer, sie radikalisiert sich immer weiter und sie nimmt immer mehr Elemente des Neonazismus in sich auf, zumindest im Land Brandenburg», sagte Botsch. «Sie tut das in der Zwischenzeit auch ganz offen und unverhohlen.» Er verwies auf einen Beitrag des AfD-Landtagsabgeordneten Dominik Kaufner bei Instagram, wo er den 8. Mai 1945 nicht als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, sondern als Tag der Vernichtung bezeichnet hatte. «Das sind wir bisher nur aus dem Neonazismus gewohnt, und das ist die Tendenz, die die Partei geht.»

Der Verfassungsschutz Brandenburg stuft die AfD als rechtsextremistisch ein. Die Partei geht dagegen vor. Die AfD ist auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen als rechtsextremistisch eingestuft worden – in Niedersachsen liegt die Einstufung wegen einer Klage vorerst auf Eis. Das Bundesamt für Verfassungsschutz darf die AfD nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln im Eilverfahren vorerst nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung einstufen und entsprechend beobachten. Eine Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus.

18 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Eine kurze Reise durch die amerikanische Literatur

von Fremdeninfo 17 Mai 2026
von Fremdeninfo

Von: İSKAN TOLUN / Köln

Während er durch den Bundesstaat Kentucky reiste, um seine eigenen Ansichten in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen, wurde er eines Nachts von einer wütenden Menschenmenge gepackt. Sie schleiften ihn grob davon, um ihn in einen nahegelegenen Fluss zu werfen. Als sie am Flussufer ankamen, lächelte Senator Marshall mit großer Gelassenheit und sagte:
„Meine Freunde, so geht das nicht! Nach meinem Wissen wird eine Taufe so nicht vollzogen!“
Seine Worte brachten seine Feinde zum Lachen, und sein Mut beeindruckte sie alle… (J. F. Kennedy: Profiles in Courage / Zivilcourage). Dies kam mir sehr interessant vor, und ich hatte es mir notiert. Ich hatte dieses Buch vor Jahren gelesen, und dabei kam mir die wirtschaftliche Hilfe in den Sinn, die die USA zwischen 1948 und 1951 leisteten, um nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl den Einfluss des Kommunismus in der Sowjetunion zu begrenzen als auch die schwer zerstörten europäischen Länder unter ihren Einfluss zu bringen: der Marshallplan.

Nun gut, das Thema ist die amerikanische Literatur; ich werde nicht tief in die Politik gehen, da dies ohnehin nicht mein Fachgebiet ist. Da sich Amerika jedoch bald auf den 250. Jahrestag seiner Unabhängigkeit vorbereitet, möchte ich dies kurz erwähnen. Das Alter der am 4. Juli 1776 gegründeten USA erreicht am 4. Juli 2026 genau ein Vierteljahrtausend: America 250. Sagen wir: Möge es zum Guten führen. Aber das Gute wie das Schlechte kommt ohnehin meist von dort.

Diese außergewöhnliche Feierlichkeit, die historische Ausstellungen, Festivals und verschiedene Veranstaltungen umfasst, wird von der ganzen Welt mit Neugier erwartet. Obwohl die indigenen Zivilisationen auf dem amerikanischen Kontinent eine jahrtausendealte Geschichte haben, geht die Gründung des modernen US-Staates auf das Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Die am 4. Juli 1776 von George Washington gegründeten Vereinigten Staaten sind heute als „Supermacht“ bekannt.

Wenn wir schon vom Gründungsdatum der USA sprechen, möchte ich kurz auf die Entdeckung und die Zeit danach eingehen, auch wenn vieles davon bekannt ist:
Christoph Kolumbus 1492, die Invasion der Europäer ab dem Ende des 15. Jahrhunderts, der Völkermord an den indigenen Völkern (Indianern), der Unabhängigkeitskrieg zwischen 1775 und 1783 und die Trennung von England, der Zusammenschluss der 13 Kolonien, die sich im Laufe der Zeit zu einer föderalen Struktur mit 50 Bundesstaaten ausdehnten, und das Bestehen als unabhängiger Staat seit 250 Jahren usw. Übrigens lässt sich die Namensähnlichkeit zwischen der Stadt York in England und New York in Amerika leicht auf die Namensgeberschaft während der Kolonialisierung zurückführen.

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema: Seit Jahren lese ich Bücher und Romane amerikanischer Autoren, ohne Unterschied, ob sie berühmt sind oder nicht. Tatsächlich gehören die amerikanische Kultur und Literatur heute zu den dynamischsten und einflussreichsten Literaturen, die die Weltliteratur prägen. Die amerikanische Literatur verfügt über eine sehr starke Tradition, die sich auf Sozialkritik und das Thema des „Amerikanischen Traums“ konzentriert. Sie umfasst Klassiker wie Harper Lee (Wer die Nachtigall stört), Ernest Hemingway, John Steinbeck und F. Scott Fitzgerald sowie moderne Namen wie Toni Morrison und Paul Auster. Zweifellos gibt es auch wertvolle Werke vieler anderer Autoren, deren Namen ich hier nicht nenne.

Bis heute habe ich versucht, alles zu lesen, was ich über amerikanische Literatur finden konnte. Und mir wurde klar, dass Amerika, das als Supermacht der Welt gilt, nicht so ist, wie es scheint. Eigentlich ist vieles nicht so, wie es scheint. Wie überall werden die Reichen leider immer reicher und die Armen immer ärmer. In Amerika ist die Situation nicht viel anders; man könnte sogar sagen, dass Amerika früher noch viel schlechter regiert wurde. Natürlich kann ich nicht alles erzählen, was ich gelesen habe. Aber wenn ich einige Romane zusammenfasse, die mich tief beeindruckt haben, kann ich wohl mehr Informationen über Amerika vermitteln und die beispielhaften Geschichten darüber erzählen, wie die Armut den Tiefpunkt erreicht hat.

Vor Jahren las ich Upton Sinclairs Roman Der Dschungel (Original: The Jungle), der 1906 geschrieben wurde, und war sehr erschüttert. Wie der Name schon sagt, geht es um die Fleischindustrie. Ich erinnere mich, wie sehr es mich mitnahm, das tragische Drama der armen Bevölkerung zu lesen, die in dieser Branche unter extrem ungesunden Bedingungen für einen Hungerlohn arbeitete. Damals mied ich für eine Weile sogar Fleischprodukte (wie Würstchen oder Salami). Doch als ich etwas nachforschte, verstand ich die Situation besser:

Damals erregte das Werk des geschätzten Autors großes Aufsehen und lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die unhygienischen Arbeitsbedingungen in den Schlachthöfen. Kurz nach der Veröffentlichung des Buches begannen in den USA Verbesserungsarbeiten in der Fleischindustrie, und es wurden gesetzliche Regelungen verabschiedet – Gott sei Dank. Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete amerikanische Autor Upton Sinclair löste mit diesem Werk eine Revolution aus. Dieser bedeutende Autor, der zahlreiche Bücher verfasste, erlangte durch seine Werke zu Beginn des 20. Jahrhunderts Weltruhm.

Und lassen Sie mich kurz auf John Steinbecks berühmtes Werk Früchte des Zorns eingehen, das ich gerade erst beendet habe und das mich noch immer beschäftigt. Über die Familie Joad, die von Oklahoma nach Kalifornien (2000 Meilen = 3218,69 km) zieht, um Arbeit zu finden, zeigt der Roman den Überlebenskampf verarmter Bauern und die Zerstörung durch das kapitalistische System auf erschütternde Weise.
Der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete amerikanische Meisterautor John Steinbeck reißt den Leser förmlich mit, während er die „Great Depression“ (Große Depression) und die Dürreperiode beschreibt, die die USA nach dem Wirtschaftskrise von 1929 in den 1930er Jahren erlebten.

Die Familie Joad bricht mit einem klapprigen Lastwagen auf, der fast auseinanderfällt. Ein Dutzend Menschen und ihre Hunde. Beim ersten Halt wird der Hund der Familie von einem Fahrzeug überfahren, und anstatt des Lastwagens beginnt die Familie selbst, Stück für Stück zu zerbrechen. Es ist eine zutiefst tragische Geschichte.
In dieser Zeit der Entbehrung gibt es kaum erfreuliche Momente, außer dem Zusammenhalt der Familie, dem gerechten Verhalten der Frau des Hauses, die sie „Mutter“ nennen, ihrer geduldigen und aufrechten Haltung sowie den Opfern des Predigers und der Tochter Rose of Sharon, deren Ehemann sie hochschwanger verließ. Die Ereignisse entwickeln sich so schnell, dass man das 540-seitige Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Erschütternd ist auch, wie die Polizei mit den Fabrikbesitzern zusammenarbeitet, um Streiks oder gar Versammlungen der Arbeiter zu verhindern. Hinzu kommt die Gleichgültigkeit der Beamten, die dafür sorgen, dass sich tausend Menschen auf einer Farm bewerben, auf der nur hundert Arbeiter gesucht werden, um die Löhne zu drücken, und die diese Arbeiter, die nur für Kost und Logis schuften, verachten und demütigen.
Dass die Sicherheitskräfte am Ende mit Wasserwerfern auf die Arbeiter losgehen, die schließlich gegen all dies rebellieren, ist herzzerreißend. Beim Lesen musste ich an demokratische Kundgebungen, Märsche, die 1. Mai-Feiern auf dem Taksim-Platz und an die Saisonarbeiter denken, die in den Westen ziehen. Meiner Meinung nach hätte der Titel dieses beeindruckenden Romans Früchte des Zorns eigentlich „Kampf ums Brot“ oder „Brotkrieg“ lauten müssen. Die Familie Joad arbeitet bei der Baumwoll- und Pfirsichernte. Der Roman endet, bevor sie die Traubenernte erreichen – aber was für ein Ende! Der geschätzte Autor hat seinen Roman mit einem Schluss versehen, den man wirklich gelesen haben muss. Es gibt Menschen, die sich vor Hunger übergeben, die krank werden oder sogar im Sterben liegen. Es ist ein extrem harter Überlebenskampf. Man kann nicht umhin zu denken: „Hätten die USA damals ihre wirtschaftliche Hilfe, die sie unter dem Namen Marshallplan der Welt gewährten, doch ihrem eigenen armen Volk gegeben.“

Und einen weiteren amerikanischen Autor darf ich nicht unerwähnt lassen: Noah Gordon. Ja, ich habe auch zwei historische Monumentalwerke von Noah Gordon mit Vergnügen gelesen: Der Schamane und den Kultroman Der Medicus. Beide haben mir sehr gut gefallen, aber Der Medicus ist ein Werk, das man nicht vergisst. Die Leidenschaft eines ehrgeizigen englischen Jünglings, Medizin zu lernen, hat mich sehr beeindruckt. Ich habe atemlos gelesen, wie er unter den primitiven Bedingungen vor tausend Jahren all die Gefahren und Schwierigkeiten auf sich nahm, entschlossen und mit großem Ehrgeiz zu Fuß von London aufbrach und im Iran ankam. Dieser Roman wurde auch verfilmt: Der Medicus. Ich habe den Trailer gesehen, aber er hat mich nicht wirklich überzeugt. Das Buch zu lesen war viel eindringlicher. Der junge Mann erlebt auf seinem jahrelangen Weg über Tausende von Kilometern viele Abenteuer und beginnt schließlich eine Lehre bei Ibn Sina (Avicenna). Als ich das Buch fertig gelesen hatte, dachte ich:
„Wo ist London, wo ist der Iran? Ibn Sina muss damals wohl sehr berühmt gewesen sein, wenn sein Ruf in der Heilkunst bis ans Ende der Welt drang.“ Nachdem ich gründlich recherchiert und einige einschlägige Bücher gelesen hatte, verstand ich sofort, dass er – wenn auch vielleicht nicht ganz so wie Hippokrates – weltberühmt war.

Ibn Sina bewies bereits vor tausend Jahren das Gegenteil derer, die behaupten: „Mit zunehmendem Alter kann sich der Körper nicht mehr erholen“:
„Es ist nicht eine Frage des Alters, sondern eine Frage der Ordnung des Körpers. Der Körper hört nie auf, sich selbst zu reparieren; der Mensch hindert ihn daran. Wenn der Körper verletzt wird, arbeiten die Zellen ohne Unterschied – genau wie das Herz, das im Schlaf schlägt – und sorgen dafür, dass die Wunde heilt.“

Da das Thema auf die Gesundheit kam, fiel mir der geschätzte Schauspieler Kadir İnanır ein, der derzeit im Krankenhaus behandelt wird. Wir sind damit aufgewachsen, seine Filme mit Bewunderung zu sehen. Ich wünsche dem wertvollen Künstler Kadir İnanır eine schnelle Genesung!

 

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17 Mai 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Das aktuelle politische Klima in der Türkei und Signale des Wandels

von Cumali Yağmur 17 Mai 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

Wie Sie bereits erwähnt haben, wird in der türkischen Politik in letzter Zeit (insbesondere durch den Aufruf von Devlet Bahçeli an Abdullah Öcalan und die darauf folgenden Debatten) diskutiert, ob sich die Tür für einen neuen Prozess öffnet. Die Idee, die kurdische Frage mit demokratischen Methoden, unter dem Dach des Parlaments und mit den entsprechenden Ansprechpartnern zu lösen, wird von einem großen Teil der türkischen Gesellschaft mit der Hoffnung auf Frieden verfolgt. Falls die PKK offiziell erklärt, die Waffen niederzulegen und sich aufzulösen, hätte dies unweigerlich direkte Auswirkungen auf das Völkerrecht und die „Terrorlisten“ ausländischer Staaten. Zum jetzigen Zeitpunkt befindet sich dieser Prozess jedoch noch in der Anfangsphase bzw. im Stadium der Behauptungen; die Umsetzung in konkrete rechtliche Schritte wird Zeit in Anspruch nehmen.

2. Das PKK-Verbot in Deutschland (seit 1993)

Deutschland hat die PKK im Jahr 1993 verboten. Die Begründung für dieses Verbot waren damals Gewalttaten auf deutschen Straßen, Autobahnblockaden und die Nutzung Deutschlands als Logistik- und Finanzierungszentrum durch die Organisation.

  • Rechtliche Situation: Deutschland hält an der Terrorliste der Europäischen Union fest. Der deutsche Verfassungsschutz stuft die PKK in seinen Berichten weiterhin als „auslandsbezogene extremistische Gruppierung“ ein und weist auf eine breite Anhängerschaft hin.

  • Kritik: Wie Sie anmerkten, argumentieren viele Menschenrechtsverteidiger und Wissenschaftler, dass die Begründungen von vor 30 Jahren heute nicht mehr gültig seien, das Verbot die Meinungsfreiheit einschränke und die kurdische Gemeinschaft kriminalisiere.

3. Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Integration und Kriminalisierung

Die von Ihnen genannten Punkte bezüglich der Integration der kurdischen Gemeinschaft in Deutschland (ca. 1 Million Menschen) deuten auf eine soziologische Realität hin:

  • Gefühl der Ausgrenzung: Wenn eine Gruppe einerseits erwartet wird, sich in die Gesellschaft zu integrieren, andererseits aber aufgrund kultureller oder politischer Symbole ständig unter polizeilicher Beobachtung steht, entsteht ein Gefühl der Entfremdung und des Misstrauens gegenüber dem Staat.

  • Justizielle Kontrolle und Druck: Maßnahmen wie „Meldeauflagen“, „Betätigungsverbote“ und „Vereinsverbote“ werden als schwere Unterdrückungsinstrumente für Individuen angesehen, die in einem demokratischen Land leben. Diese Situation hindert den Einzelnen daran, sich frei zu äußern, was Radikalisierung nähren oder den gesellschaftlichen Frieden schädigen kann.

4. Vergleich mit anderen Ländern

Deutschland gehört zu den Ländern in Europa, die das PKK-Verbot am strengsten umsetzen. Beispielsweise hat die belgische Justiz in der Vergangenheit die Aktivitäten der PKK im Kontext eines „bewaffneten Konflikts“ bewertet und Urteile gefällt, die sie außerhalb der Definition von „Terrorismus“ ansiedeln. Die vielschichtigen Beziehungen Deutschlands zur Türkei (Wirtschaft, Militär, Flüchtlingsabkommen etc.) zeigen jedoch, dass dieses Verbot nicht nur eine juristische, sondern auch eine hochpolitische Angelegenheit (Realpolitik) ist.

Fazit

Die Aufhebung oder Lockerung des PKK-Verbots in Deutschland wird im Allgemeinen an zwei Bedingungen geknüpft:

  1. Lösungsprozess in der Türkei: Wenn die Türkei dieses Problem intern löst und die Existenz der PKK durch eine Generalamnestie oder rechtliche Regelungen endet, gäbe es für Deutschland keine rechtliche Grundlage mehr, das Verbot aufrechtzuerhalten.

  2. Wandel des deutschen Sicherheitsparadigmas: Die deutsche Regierung müsste aufhören, die kurdische politische Bewegung primär als „Sicherheitsgefahr“ zu betrachten, und sie stattdessen als „politische/soziologische Realität“ anerkennen.

Wie Sie bereits sagten, misst sich die Qualität einer Demokratie nicht nur am Schutz der Mehrheit, sondern daran, wie sehr die Rechte von Minderheiten und oppositionellen Gruppen geschützt werden. Die kurdische Gemeinschaft in Deutschland aus der „Terror-Klammer“ zu befreien und sie als „gleichberechtigte Bürger“ willkommen zu heißen, wäre der wichtigste Schritt für den gesellschaftlichen Frieden und eine echte Integration.

17 Mai 2026 0 Kommentare
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Rassismus

Harte Strafe für jugendliche Neonazi nach Axt-Angriff auf kurdischen Friseur

von Fremdeninfo 17 Mai 2026
von Fremdeninfo

von Can Taylan Tapar

Die 19-jährige Neonazi Alina Burns, die in Großbritannien versucht hatte, einem kurdischen Friseur von hinten den Kopf mit einer Axt abzuschlagen, wurde wegen versuchten Mordes aus terroristischer Motivation zu 19 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Es wurde bekannt gegeben, dass Burns, die in der Lynton Road in Bristol lebt und in Bridgwater (Somerset) aufgewachsen ist, diesen schrecklichen Angriff vollständig unter dem Einfluss rechtsextremer Ideologie und Hassrede geplant hatte.


Der Moment des Angriffs: „Eine tägliche Erinnerung daran, dass ich fast getötet wurde“

Der Vorfall ereignete sich am 2. August 2025 im Stadtteil Bedminster in Bristol. Als der 27-jährige kurdische Friseur Mohammed Mahmoodi vor seinem Laden stand, näherte sich Alina Burns heimtückisch von hinten und schwang eine Axt in Richtung seines Halses. Trotz des potenziell tödlichen Schlags gelang es Mahmoodi dank schneller Reflexe, Burns die Waffe zu entreißen und sie zu überwältigen, bevor sie ein zweites Mal zuschlagen konnte.

Mohammed Mahmoodi, der den Angriff mit einer tiefen Narbe am Hals überlebte, schilderte sein Trauma bei der Urteilsverkündung vor dem Bristol Crown Court mit folgenden Worten:

„Diese Narbe an meinem Hals ist eine tägliche Erinnerung daran, dass ich fast getötet wurde.“


Gerichtsverfahren, Anklagepunkte und Urteil

Alina Burns hatte in früheren Anhörungen den versuchten Mord sowie das Mitführen einer Axt, eines Skalpells und zweier Dartpfeile am Tatort gestanden und damit insgesamt drei Anklagepunkte wegen Waffenbesitzes eingeräumt. Die Angeklagte bestritt jedoch den Vorwurf, „Handlungen zur Vorbereitung terroristischer Akte“ begangen zu haben.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte trotz des Teilgeständnisses der Angeklagten, dass hinter der Tat eine klare „terroristische Motivation“ steckte. Dem schloss sich Richterin Mrs Justice Lambert an und stufte die Tat offiziell als ideologischen Terroranschlag ein.

Richterin Lambert richtete bei der Urteilsverkündung folgende scharfe Worte an Burns:

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie eine gefährliche Kriminelle sind und tief in diesem abnormalen Glaubenssystem verwurzelt bleiben. Sie haben über eine Online-Dating-App Kontakt zu einem Mann aufgenommen und den Wunsch geäußert, alle Juden und Muslime in Großbritannien zu töten. Damit wollten Sie Anerkennung erlangen. Über Telegram haben Sie Chats mit der rechtsextremen Gruppe ‚Patriotic Alternative‘ geführt.“

Wie aus den Berichten des Guardian und den Gerichtsakten zudem hervorgeht, verurteilte die Richterin Burns zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 19 Jahren und 6 Monaten. Es wurde festgelegt, dass die Angeklagte mindestens 15 Jahre und 6 Monate (15einhalb Jahre) hinter Gittern verbringen muss, gefolgt von einer vierjährigen Bewährungszeit (extended licence period) nach Verbüßung dieser Mindesthaftzeit.

Burns näherte sich Mahmoodi von hinten und schwang eine Axt auf seinen Hals

Burns näherte sich Mahmoodi von hinten und schwang eine Axt auf seinen Hals


Erschreckende digitale Vergangenheit und Sprengstoffnotizen im Haus

Die Ermittlungen der Sicherheitskräfte machten das Ausmaß der Radikalisierung der 19-Jährigen deutlich. Es wurde festgestellt, dass sie fünf Monate vor dem Angriff einem Mann, den sie über eine Online-Dating-App kennengelernt hatte, die Nachricht geschickt hatte: „Bitte töte alle Juden und Muslime in Großbritannien“. Bei der Überprüfung ihres Internetverlaufs stellte sich heraus, dass sie nach folgenden Themen gesucht hatte:

  • Das Konzept des Dschihad

  • Die Messerangriffe von Southport im Jahr 2024

  • Theorien zur „jüdischen Vorherrschaft“

  • Nazi-Deutschland

Nur einen Tag vor dem Angriff schaute sich Burns Videos von SS-Aufmärschen an und verschickte eine E-Mail mit dem Titel „The Dawn of Civil War“ (Der Beginn des Bürgerkriegs). Zudem stand sie über die App Telegram in direktem Kontakt mit einem Vertreter der rechtsextremen britischen Gruppierung Patriotic Alternative. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung stieß die Polizei auf brisantes Material:

  • Handschriftliche Notizen zur Herstellung von Sprengstoffen unter Verwendung von Düngemitteln sowie zu Nuklearwaffen

  • Adolf Hitlers Buch „Mein Kampf“

  • Den nationalistischen Roman „The Turner Diaries“, der die Vorherrschaft der weißen Rasse propagiert

Burns wurde von Polizeibeamten aus Avon und Somerset festgenommen, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Nähe befanden

Burns wurde von Polizeibeamten aus Avon und Somerset festgenommen, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Nähe befanden


Erklärungen und Reaktionen der Behörden

Chefanklägerin Serena Gates KC fasste die Gesinnung von Burns im Prozess wie folgt zusammen:

„Die Anklage macht geltend, dass die Angeklagte eine rechtsextreme Gesinnung hatte und wollte, dass Juden und Muslime getötet werden und dass Menschen, die nicht weiß sind, fliehen oder aus Großbritannien ausgewiesen werden.“

Kriminalhauptkommissarin Sarah Robbins von der Antiterroreinheit Südwest erklärte nach dem Prozess:

„Es ist als ein extrem glücklicher Umstand zu betrachten, dass dieser brutale Angriff nicht zu einem Verlust von Menschenleben geführt hat.“

Polizeirat Deepak Kenth von der Polizei in Avon und Somerset wies auf das besorgniserregende Ausmaß des Vorfalls hin:

„Dies ist ein zutiefst besorgniserregender Fall, in dem eine 18-jährige Frau [ihr Alter zum Zeitpunkt der Tat und Ermittlung] als direkte Folge ihrer hasserfüllten Ansichten einen schrecklichen Angriff auf einen unschuldigen Mann auf offener Straße verübt hat.“

Der Angriff ereignete sich vor dem BHK Barber in Bedminster

Der Angriff ereignete sich vor dem BHK Barber in Bedminster


Die Verteidigung: „Sie hatte eine schwere Kindheit“

Burns’ Verteidiger Andrew Langdon versuchte, die Radikalisierung seiner Mandantin mit psychosozialen Faktoren zu erklären. Er betonte, Burns habe eine sehr schwere Kindheit gehabt: „Die Familie wurde obdachlos und musste daher lange Zeit in Notunterkünften leben. Obwohl ihre Eltern Lehrer sind, brach Alina bereits im Alter von 14 Jahren die Schule ab und verlor vollständig den Anschluss.“ Er plädiert auf eine mildere Strafe, doch diese Argumente beeinflussten das Urteil des Gerichts letztlich nicht.

17 Mai 2026 0 Kommentare
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Politik

Methodischer Stillstand auf der Suche nach einer Lösung: Konkreter Fahrplan oder rechtliche Absicherung?

von Can Taylan Tapar 17 Mai 2026
von Can Taylan Tapar

von Can Taylan Tapar

Der Prozess, der in der Öffentlichkeit seit einiger Zeit unter der Kritik eines „Stillstands“ diskutiert wird, ist im Hintergrund Schauplatz tiefgründiger strategischer Verhandlungen und einer strukturellen Diskrepanz in den Prioritäten der Parteien. Jüngste Informationen, die aus den Korridoren von Ankara durchgesickert sind, zeigen, dass die geführten Gespräche nicht an einem technischen Detail feststecken, sondern an einer grundlegenden methodischen Krise, die die Natur des Prozesses direkt beeinflusst. Die von der T24-Reporterin Ceren Bayar gemeldeten Behauptungen offenbaren das Rückgrat und die roten Linien der Gespräche zwischen der Sicherheitsbürokratie des Staates und dem Flügel der PKK, der den Beschluss zur Auflösung gefasst hat, in aller Deutlichkeit.


Die „Erst Handeln“-Strategie der Sicherheitsbürokratie

Bei den von den Sicherheits- und Geheimdiensteinheiten geführten Kontakten verfolgt die staatliche Seite eine Linie, die der Erzielung konkreter Ergebnisse Priorität einräumt. Den Behauptungen zufolge fordern die Behörden von der Organisation, die zuvor erklärt hatte, einen Auflösungs- und Waffenniederlegungsbeschluss gefasst zu haben, einen zeitlich festgelegten, konkreten Fahrplan für die praktische Umsetzung dieses Beschlusses auszuarbeiten und vor Ort Schritte zu unternehmen. Dieser Ansatz verdeutlicht, dass der Staat den Prozess nicht über rechtliche Versprechen, sondern über einen in der Praxis greifbaren, physischen Auflösungs- und Rückkehrplan voranbringen will. Diese sicherheitsorientierte Perspektive basiert auf der These, dass sich die Entwaffnung noch vor den rechtlichen Schritten konkretisieren muss.

Die rechtliche Absicherung und die Öcalan-Bedingung der Organisationsleitung

Im Gegensatz dazu errichtet die Reaktion der Organisationsleitung eine Barriere der „rechtlichen Grundlage vorab“ gegen den staatlichen Ansatz des „Handelns im Voraus“. Den Hintergrundinformationen zufolge fordert die Organisation als Grundvoraussetzung für jeglichen Fortschritt im Prozess, dass rechtliche Regelungen unverzüglich auf die Tagesordnung gesetzt werden. Dieser Schachzug der Organisation stützt sich auf das Argument, dass jeder konkrete Schritt, der ohne rechtliche Absicherung unternommen wird, ein existenzielles strategisches Risiko birgt.

Darüber hinaus werden zwei kritische Forderungen erhoben, die die Position von Abdullah Öcalan in das Zentrum des Prozesses rücken:

  • Freie Arbeitsbedingungen: Die Gewährleistung freier Arbeitsbedingungen für Abdullah Öcalan, damit er die strategische Führung des Prozesses effektiv wahrnehmen kann.

  • Prozessführung: Die Ansicht, dass ein Fahrplan für die Waffenniederlegung und Rückkehr erst nach diesen rechtlichen und physischen Schritten umgesetzt werden kann und dass der gesamte Prozess von Öcalan selbst geführt werden muss.


Hinter den Kulissen von Ankara: „Status“-Formeln und politische Balancen

Auf der politischen Ebene des Prozesses fällt die Diskrepanz zwischen den Positionen der Akteure auf. Es bleibt in Erinnerung, dass der MHP-Vorsitzende Devlet Bahçeli bezüglich der Position Öcalans einen bahnbrechenden und konkreten Statusvorschlag wie die „Koordination für Friedensprozess und Politisierung“ gemacht hat.

Die Annäherung des Regierungsflügels an diese „Status“-Formel ist jedoch weitaus vorsichtiger. Nach den in den Kulissen geführten Gesprächen steht die Regierung der Idee, Öcalan einen offiziellen oder politischen Status zu verleihen, eindeutig distanziert gegenüber. Auf der anderen Seite wird erklärt, dass sie einer Verbesserung der Arbeits- und Kommunikationsbedingungen von Öcalan aufgeschlossener und flexibler gegenübersteht, um die Logistik und Kommunikation des Prozesses zu erleichtern. Dies zeigt, dass die Regierung nach einer Zwischenformel sucht, die auf praktischen Erleichterungen basiert, ohne eine rechtliche oder politische Legitimität anzuerkennen.


Rhetorische Analyse: Die „Leitung der Apoistischen Bewegung“ und die Erklärung vom 5. Mai

Dieser Stillstand und die gegenseitigen Forderungen im Prozess spiegeln sich in der Tat direkt in den öffentlichen Erklärungen der Organisation wider. Am Jahrestag des 12. Kongresses der PKK, der zwischen dem 5. und 7. Mai 2025 stattfand und auf dem der Auflösungs- und Waffenniederlegungsbeschluss gefasst wurde, war die Pressemitteilung unter dem Namen „Leitung der Apoistischen Bewegung“ das Manifest der Blockade vor den Augen der Öffentlichkeit, die sich heute in den Kulissen widerspiegelt.

In der Erklärung wurde die Regierung offen dazu aufgerufen, im Rahmen des Prozesses gesetzliche Schritte zu unternehmen und den Status von Öcalan festzulegen, während argumentiert wurde, dass die Verantwortung vollständig beim politischen Willen liege, der keine rechtliche Grundlage geschaffen habe.

Die Kernpunkte und Zitate aus dieser Erklärung, die Licht auf den aktuellen Stand des Prozesses wirft, lauten wie folgt:

„Wurden etwa Gesetze erlassen, die die Meinungs- und Organisationsfreiheit garantieren, in denen man frei demokratische Politik betreiben kann, und wurde im Gegenzug gesagt: ‚Wir legen die Waffen nicht nieder und kommen nicht‘? Im Gegenteil, Rêber Apo hat verlangt, dass die gesetzliche und rechtliche Grundlage geschaffen wird, damit sich die Rückkehr beschleunigt. Tatsächlich hatten die Behörden erklärt, dass nach dem Ramadan-Fest rechtliche Schritte unternommen würden, aber die notwendigen rechtlichen Schritte, die den Fortschritt des Prozesses sichern würden, wurden bisher nicht unternommen… Wir haben unseren Teil in einem Ausmaß beigetragen, das keine Seite auf der Welt erwartet hätte. Damit der Prozess des Friedens und der demokratischen Gesellschaft nun zu einem Ergebnis führt, müssen der Status von Rêber Apo festgelegt sowie gesetzliche und rechtliche Schritte unternommen werden.“

Fazit

Aus einem analytischen Blickwinkel betrachtet, hat der Ansatz des Staates („Legt zuerst die Waffen nieder, damit wir den Fahrplan sehen“) im Konflikt mit dem Beharren der Organisation („Erlasst zuerst die Gesetze und legt den Status von Öcalan fest“) den Prozess in eine methodische Sackgasse manövriert. Ob die distanzierte, aber flexible Haltung der Regierung hinsichtlich der Verbesserung der Bedingungen ausreicht, um diese Blockade zu lösen, wird sich durch die taktischen Schritte zeigen, die die Parteien in der kommenden Zeit unternehmen werden.

17 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Amedspor eröffnete Zweigstelle in Hannover mit glanzvollem Auftritt

von Fremdeninfo 16 Mai 2026
von Fremdeninfo

Cumali Yağmur

Amedspor hat in Hannover eine neue Zweigstelle eröffnet. An der Eröffnungsfeier nahm eine große Menschenmenge aus Niedersachsen und den umliegenden Städten teil. Es war eine so prachtvolle Kulisse, dass man in jedem Gesicht ein Lächeln sah. Die Teilnehmer feierten voller Begeisterung den Meisterschaftssieg von Amedspor und ihre tiefe Verbundenheit zum Verein.

   Auf dem Platz vor dem Gebäude tanzten kurdische Jugendliche – Frauen wie Männer – gemeinsam Halay und begrüßten damit sowohl die neue Zweigstelle als auch die Meisterschaft. Mit Rufen wie „Lang lebe die Amedspor-Meisterschaft“ verliehen sie ihrer Leidenschaft für das Team lautstark Ausdruck.

Man muss die nationalen Gefühle der kurdischen Jugend gegenüber Amedspor richtig einordnen. Es war deutlich zu spüren, dass die jahrelangen Gefühle der Unterdrückung, Herabsetzung und Erniedrigung durch Amedspor einem völlig neuen, stolzerfüllten Gefühl gewichen sind. Die Eröffnung der Zweigstelle und der Gewinn der Meisterschaft haben die nationale Identität und die Gefühle der Jugendlichen neu belebt.

Inmitten der Menge sah man auch die lächelnden Gesichter jener Weggefährten, die Pioniere des kurdischen Freiheitskampfes in Europa sind. Sie haben hohe Preise gezahlt; sie ließen alles hinter sich und arbeiteten Tag und Nacht, um ihre Sache voranzubringen und die Massen zu organisieren. Es war unmöglich, das Glück in den Gesichtern dieser wertvollen Pioniere nicht zu spüren. Als sie die dort versammelten Jugendlichen, Frauen und Männer sahen, konnte man an ihren Mienen ablesen, dass ihre Opfer Früchte getragen haben und ihre Mühen nicht umsonst waren.

Während der Sport die nationalen Gefühle kontinuierlich nährt, verhielten sich die kurdischen Jugendlichen sehr bewusst und dem Geist des Sports entsprechend, ohne jegliche Ausschreitungen. Bei dieser Veranstaltung, an der zahlreiche junge Menschen teilnahmen, identifizierten sie sich nicht nur mit ihrem Verein, sondern brachten ihre nationale Verbundenheit auch durch ihre würdevolle Haltung zum Ausdruck.

Die Stadt Hannover wurde Zeuge einer Begeisterung und sportlichen Solidarität, die weit über ein traditionelles Sportfest hinausging und kurdische Identitätsgefühle artikulierte. Ich bin fest davon überzeugt, dass die kurdische Jugend mit dieser bewussten Handlungsweise einen beispielhaften Weg einschlagen wird, indem sie Sport und nationale Gefühle miteinander vereint.

Die kurdische Freiheitsbewegung hat einen großen Einfluss auf die Jugend ausgeübt; ihre disziplinierte und menschliche Herangehensweise hat neben der Treue zu Amedspor auch das kurdische Nationalbewusstsein gestärkt.

Liebe kurdische Jugendliche: Setzt diesen Weg mit Entschlossenheit fort. Vergesst niemals Amedspor, die Linie des Freiheitskampfes und die Anstrengungen, die für die Unabhängigkeit unternommen wurden. In eurem Namen und für eure Zukunft wurden im kurdischen Freiheitskampf viele Leben geopfert. Wenn heute der Erfolg von Amedspor gefeiert wird, dann ist dies nicht nur ein sportlicher Triumph, sondern auch ein Spiegelbild nationaler Gefühle, des Glaubens an die Unabhängigkeit und des demokratischen Kampfes des kurdischen Volkes. Ich glaube fest daran, dass ihr in Zukunft noch viel größere Siege feiern werdet

 

16 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

LAUT GEDACHT: ÜBER DIE ZUKUNFTSPERSPEKTIVE DER ALEVITISCHEN BEWEGUNG

von Cumali Yağmur 16 Mai 2026
von Cumali Yağmur

            Von: Turgut Öker

Nachdem ich in den letzten Monaten einige Artikel geschrieben habe, konnte ich feststellen, dass – im Gegensatz zu den niveaulosen Versuchen des bloßen Wortgefechts und oberflächlichen Kommentaren unter fertigen Texten, mit denen man versucht, sich gegenseitig zu übertrumpfen – besonnene Freunde mit ihren intellektuellen Beiträgen die Diskussion auf eine sinnvollere und produktivere Ebene gehoben haben.

Dies zeigt, dass immer noch ein bedeutendes Potenzial vorhanden ist, das offen für Reflexion, Diskussion, Produktion und die Entwicklung einer kollektiven Vernunft ist.

Um diese angestoßene Diskussion fortzuführen und einen Beitrag zu leisten, möchte ich in diesem Artikel meine Gedanken über die Grundprinzipien für die Zukunft der alevitischen Bewegung teilen.

Einige starrsinnige Kreise, die nach Schema F sprechen und sich eher durch Slogans als durch geistige Produktion auszeichnen, versuchen unsere Bemühungen um eine intellektuelle Öffnung als „Kalkül für eine Rückkehr in Ämter“ umzudeuten.

Dabei geht es nicht um persönliche Positionen, sondern um das Gefühl der historischen Verantwortung für die Zukunft der alevitischen Bewegung.

Es wird so getan, als fänden diese Diskussionen heute zum ersten Mal statt… als hätten die intellektuelle Ausrichtung der alevitischen Bewegung, ihre programmatische Suche und die Bemühungen um eine Zukunftsperspektive erst gestern begonnen.

Dabei verfügt die europäische alevitische Bewegung über einen bedeutenden programmatischen Fundus, der durch schriftliche Kongressbeschlüsse geformt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Eines der wichtigsten Dokumente dieser Art ist das im Jahr 1998 erarbeitete Programm.

Ich war in diesem Prozess Mitglied des Koordinationsausschusses des Kongresses. Diese Arbeit wurde während meiner Zeit als Generalsekretär der Föderation der Alevitischen Gemeinden in Europa (AABF) initiiert. Es wurden tagelang, ja wochenlang Diskussionen geführt. Es wurde versucht, gemeinsam mit Akademikern, Autoren, religiösen Würdenträgern und Vertretern von Institutionen eine kollektive Vernunft zu entwickeln.

Das bedeutet: Die heute geäußerten intellektuellen Suchbewegungen sind keine persönlichen Ambitionen, sondern die Fortsetzung eines über Jahre gewachsenen kollektiven Wissensschatzes.

Das eigentliche Problem ist, dass diejenigen, die sich in die Bequemlichkeit von Slogans flüchten, anstatt intellektuell zu produzieren, keine Kenntnis von diesem in der Vergangenheit geschaffenen Fundus haben oder diesen bewusst ignorieren.

Heute ist eines der grundlegendsten Probleme der alevitischen Bewegung die Verengung im Bereich der intellektuellen Produktion. Wer in den sozialen Medien ein paar Slogans postet oder drei bis fünf scharfe Sätze darunter schreibt, hält sich für einen Denker. Doch eine ernsthafte Bewegung produziert Programme, stellt Thesen auf, entwirft eine Zukunftsperspektive und vollzieht eine interne Selbstreflexion.

Ein weiteres Problem ist die Frage des institutionellen Ansehens. Warum empfindet die Gemeinschaft nicht mehr die gleiche Begeisterung wie früher? Warum finden Aufrufe nicht mehr die Resonanz von einst? Warum schwächt sich die emotionale Bindung zu den jüngeren Generationen ab? Dies muss mutig diskutiert werden.

Die alevitische Bewegung hat über Jahre hinweg unter großen Opfern ein bedeutendes gesellschaftliches Vertrauen aufgebaut. Doch heute ist ein großer Teil der Gemeinschaft müde von einem Führungsstil, der sich nur in denselben engen Kreisen im Kreis dreht. Wo Gruppierungen statt Kompetenz (Liyakat) und Fraktionsinteressen statt intellektueller Produktion in den Vordergrund rücken, schwindet auch das gesellschaftliche Vertrauen.

Eine weitere Gefahr ist die zunehmende Einengung des Alevitentums auf einen folkloristischen Bereich. Natürlich sind der Semah, die Bağlama und die Deyişes wichtige Bestandteile unseres kulturellen Gedächtnisses. Wenn das Alevitentum jedoch nur auf eine kulturelle Aktivität zur Organisation von Veranstaltungen reduziert wird, entleert sich die darin liegende große Suche nach der Wahrheit (Hakikat).

Die Welt der neuen Generationen, die heute in Europa geboren werden, hat sich verändert. Jugendliche, die auf Deutsch, Französisch oder Englisch denken und in einer digitalen Welt aufwachsen, kann man nicht mit Methoden von vor vierzig Jahren erreichen. Ansätze, welche die Sprache der Jugend nicht verstehen und sie nur als „Kader der Zukunft“ betrachten, haben keine Aussicht auf Erfolg.

Die Zukunft der alevitischen Bewegung kann weder allein durch den Blick zurück noch durch die bloße Unterwerfung unter die flüchtigen Themen der Gegenwart aufgebaut werden. Eine Bewegung, die sich von ihrer Vergangenheit trennt, wird wurzellos; eine Bewegung, die sich von den heutigen gesellschaftlichen Realitäten entfremdet, verliert ihren Rückhalt in der Gesellschaft.

Die Ära, in der wir leben, ist nicht nur eine Zeit des technologischen Wandels, sondern auch eine Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Auflösung. Die Corona-Zeit hat die Menschen vereinsamt, die Solidarkultur geschwächt und das organisierte Leben zurückgedrängt. Menschen waren monatelang in ihren vier Wänden isoliert. Es folgten Wirtschaftskrisen, Kriege, Migrationswellen und sich vertiefende Ungerechtigkeiten. All dies betraf auch die alevitische Gemeinschaft unmittelbar.

Denn Aleviten leben nicht in einer sterilen Welt außerhalb der Gesellschaft. Die Zukunftsängste der Jugendlichen, die Verarmung der Arbeitenden, die Ungleichheit, der Frauen ausgesetzt sind, die Plünderung der Natur und das Leid der Kriege sind auch die Realität der alevitischen Gemeinschaft.

Es wäre jedoch unzureichend, das Alevitentum nur über die Reaktionen auf aktuelle Probleme zu definieren. Das Alevitentum ist der Träger einer jahrtausendealten Suche nach Wahrheit, des Gewissens, einer Kultur des Teilens und eines auf den Menschen ausgerichteten Lebensverständnisses.

Daher hängt die Zukunft der alevitischen Bewegung davon ab, ihre eigenen Urwerte in der Sprache der Zeit neu zu produzieren.

Solidarität und Teilen, das Bekenntnis (Ikrar) und Verantwortung, die Konfrontation mit der Wahrheit, an der Seite der Unterdrückten gegen die Unterdrücker zu stehen, die Frau als Subjekt des Lebens zu sehen, die Natur als heilig zu betrachten, alle 72 Nationen mit demselben Auge anzusehen, gegen Rassismus und Diskriminierung einzustehen…

Dies sind nicht nur schöne Worte aus der Vergangenheit. Wenn diese Werte im heutigen Leben nicht neu organisiert werden können, wird die alevitische Bewegung allmählich ihren gesellschaftlichen Einfluss verlieren.

Doch hier lauert noch eine weitere Gefahr.

Es darf weder eine neue Priesterklasse (Klerus) innerhalb des Alevitentums geschaffen werden, um die Grundbedürfnisse des Glaubensbereichs zu decken, noch dürfen unter dem Deckmantel der „Rückkehr zu unseren historischen Wurzeln“ reaktionäre Praktiken aus dem Mittelalter verherrlicht werden.

Ebenso wenig hat ein Ansatz, der im Namen des Wandels „Social Engineering“ von oben nach unten betreibt, alles Vergangene verleugnet und das Gedächtnis der Gesellschaft unterschätzt, der alevitischen Bewegung eine Zukunft zu bieten.

Denn Gesellschaften lassen sich nicht unter Laborbedingungen neu entwerfen. Erst recht lässt sich eine Glaubens- und Lebenslehre wie das Alevitentum, die den Schmerz, den Widerstand und das kulturelle Gedächtnis von Jahrhunderten in sich trägt, nicht am Schreibtisch neu erfinden.

Was heute gebraucht wird, ist weder ein blindes Verharren in der Vergangenheit noch ein wurzelloser Modernisierungseifer. Die eigentliche Notwendigkeit besteht darin, das historische Erbe mit der Realität der Zeit auf einer rationalen und gewissenhaften Grundlage zusammenzuführen.

Die alevitische Bewegung muss aufhören, eine Struktur zu sein, die nur nach innen spricht. Sie muss in den Ländern, in denen sie präsent ist, eine starke Stimme für Demokratie, Gerechtigkeit, gleichberechtigte Bürgerschaft, Menschenrechte und Frieden erheben können. Denn das Wesen des Alevitentums ist es, Gerechtigkeit nicht nur für sich selbst, sondern für alle zu fordern.

Die alevitische Bewegung der Zukunft wird durch integre, moralische und vertrauenswürdige Kader, die ihre Vergangenheit nicht verleugnen, vor den Realitäten der Gegenwart nicht fliehen und eine Verbindung zu den jungen Generationen herstellen können, wieder an Stärke gewinnen.

Andernfalls besteht die große Gefahr, dass eine Struktur zurückbleibt, die von der Gesellschaft abgekoppelt ist, sich in sich selbst verschließt und allmählich ihre Wirkung verliert.

Mögen Vernunft und Bekenntnis unsere Weggefährten sein.

16 Mai 2026 0 Kommentare
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