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4 Februar 2026 0 Kommentare
Allgemein

Donald Trumps Niederlage im Iran-Krieg

von Fremdeninfo 26 März 2026
von Fremdeninfo

Artikel von Andreas Schwarzkopf / F.R.

Der US-Präsident sitzt in der Falle. Offensive im Iran-Krieg würde ihn die Midterms kosten, einen Rückzug erlaubt Israel nicht. Nun bleibt nur Aussitzen.

US-Präsident Donald Trump hat seinen Krieg gegen das Mullah-Regime bereits verloren. Noch wehrt er sich mit der bekannten Kombination aus Drohungen und angeblichen Gesprächen, die ihn unberechenbar machen soll. Doch das Buhei kann nicht verschleiern, dass er keine sinnvollen Optionen mehr hat. Für ein gesichtswahrendes Ergebnis am Verhandlungstisch sind die Ajatollahs trotz aller Angriffe und Verluste noch immer zu stark.

In die Offensive gehen kann er für einen Befreiungsschlag nicht, weil bei der Sicherung der Straße von Hormus und erst recht bei einer Bodenoffensive zum Sturz des islamistischen Regimes nicht nur viele US-Soldatinnen und -Soldaten sterben müssten, sondern auch der Ölpreis weiter steigen würde. Beides würde ihm und seinen Republikanern eine Niederlage bei den Midterms im November bescheren und Trump für den Rest seiner Amtszeit in eine lame duck verwandeln.

Den Waffengang kann er nicht beenden, weil sein israelischer Bündnispartner die Theokratie weiter angreifen will. Und so bleibt Trump nichts anderes übrig, als darauf zu warten, bis die israelische Regierung von Benjamin Netanjahu den Iran militärisch so sehr geschwächt und die iranischen Führungskader so sehr dezimiert hat, dass das Land für eine Weile keine größere Bedrohung mehr für Israel ist.

Bis dahin wird Trump weiter Ultimaten stellen und verstreichen lassen oder mit militärischen Nadelstichen seine Bilanz aufzupolieren suchen. Und danach wird Trump einfach mal wieder behaupten, erfolgreich gewesen zu sein. Seine Fans und die ihm ergebenen Republikaner werden ihm zustimmen und sich mit ihm anderen Problemen zuwenden.

Donald Trump und der Iran-Krieg: Wird dem Narzissten im Weißen Haus nicht gefallen

Die verbalen Nachgefechte dürften Trump zwar weiter Zustimmung kosten. Schon jetzt monieren einige aus dem MAGA-Lager, der Krieg gegen den Iran sei nicht nur teuer, sondern breche das Wahlversprechen Trumps, die USA aus Kriegen herauszuhalten. Das wird dem Narzissten im Weißen Haus nicht gefallen, kümmern wird es ihn aber auch nicht. Er wird einfach für einen neuen Aufreger sorgen und damit seine Strategie der zweiten Amtszeit fortsetzen.

Der Rest der Welt wird weiter versuchen, bestmöglich durch diese Zeit zu kommen. Die Golf-Staaten werden weiter den Kopf einziehen und auf ein baldiges Ende des Krieges gegen den Iran hoffen. Netanjahu wird, so lange er kann, die Gegner Israels schwächen. Die Hisbollah im Libanon soll hinter den Litani-Fluss gedrängt werden. Die Hamas im Gaza-Streifen wird weiter daran gehindert werden, wieder zu erstarken. Und die Rufe etwa aus europäischen Staaten nach einem nachhaltigen Frieden verknüpft mit einer Zweistaatenlösung, werden weiter ungehört bleiben. Netanjahu und den Seinen reicht es, wenn ihre Gegner nicht mehr angreifen können.

Deutschland und die anderen EU-Staaten werden bis zu einem Kriegsende weiter darüber diskutieren, ob der Angriff auf den Iran völkerrechtswidrig war, aber wegen der Abhängigkeit von den USA und wegen der Launenhaftigkeit Trumps lieber nicht allzu laut ihre Kritik äußern, um Schaden abzuwenden.

Erst wenn die Waffen schweigen, werden die Europäer sich womöglich daran beteiligen, die Straße von Hormus für die freie Schifffahrt zu sichern und damit die eigenen Handelswege. Es sei denn, sie finden einen Weg, diese Aufgabe vollständig den USA und den Golf-Staaten zu überlassen. Schließlich war es bekanntlich nicht der Krieg der Europäer.

26 März 2026 0 Kommentare
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Allgemein

„Viel ungehemmter ausgelebt“: Rassismus an Schulen nimmt zu

von Fremdeninfo 26 März 2026
von Fremdeninfo

 Artikel von Pitt von Bebenburg/ F.R

Eine von 5000 Schulen: Im Jahr 2017 präsentierte die Falkschule in Frankfurt sich als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Sanem Kleff leitete 25 Jahre lang „Schule ohne Rassismus“. Sie erklärt, warum Rechtsextremismus mancherorts als cool gilt.

Mit langem Atem kämpft Sanem Kleff gegen Rassismus und Diskriminierung. Die Lehrerin hat gemeinsam mit dem Journalisten Eberhard Seidel und ihrem Team das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ in mittlerweile 5000 Schulen verankert. Es ging vom Verein „Aktion Courage“ aus, der auch zu den Initiatoren der Internationalen Wochen gegen Rassismus gehörte. Derzeit laufen bundesweit wieder mehrere Tausend Veranstaltungen in dieser Reihe rund um den 21. März, den Internationalen Tag gegen Rassismus.

Frau Kleff, wie verbreitet sind Rassismus und Diskriminierung an Schulen?

Selbstverständlich spiegelt sich in der Schule alles wider, was in der Gesellschaft auch passiert. Alles Gute, alles Schlechte. Der Stress, die Freudenmomente, die Ängste, alles spiegelt sich wider. Das tragen Kinder und Jugendliche in die Schulen hinein und selbstverständlich auch die erwachsenen Pädagoginnen und Pädagogen. Es wäre erstaunlich, wenn es dort weniger Ängste oder Rassismus gäbe als außen.

Was kann man dagegen tun? Wo kann man ansetzen?

Man muss dafür sensibel sein. Wir haben einen Vorteil in der Einrichtung Schule, dass wir junge Menschen dort beieinander haben, die noch in der Entwicklungsphase sind und bei deren Haltungen noch nicht ausentwickelt sind. Bei ihnen besteht noch die Möglichkeit, positive Entwicklungen zu befördern und zu unterstützen. Die Arbeit unserer „Schulen gegen Rassismus“ ist vor allem präventiv. Wir unterstützen alle Ansätze, die Schutz bieten vor Rassismus, Antisemitismus, Menschenhass. Da gibt es einige Lernziele, von denen wir wissen, dass sie Menschen widerstandsfähiger gegen Hass und Aggression machen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel ist nachgewiesen, wie wichtig das Selbstwertgefühl eines Menschen ist. Je mehr Selbstwertgefühl dieser Mensch hat, desto geringer ist sein Bedürfnis, andere herabzuwürdigen oder gar gewaltsam zu attackieren. Eine Schlussfolgerung muss sein, dass Schule alles dafür tun sollte, um ein Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen entstehen zu lassen, zu fördern und zu stärken. Dazu gehören Anerkennung, die Möglichkeit, sich auszuprobieren und der Austausch mit anderen.

Mittlerweile haben 5000 Schulen sich ihrem Netzwerk angeschlossen und sich als „Schule ohne Rassismus – Schule für Courage“ bekannt. Da wird mit ganz unterschiedlichen Projekten gearbeitet. Welche haben Sie persönlich besonders beeindruckt?

Das ist subjektiv, man kann da kein Ranking machen. Mir persönlich gefallen Projekte, die mit Kreativität, Kunst und Kultur arbeiten. Ich bin überzeugt, dass solche kreativen Methoden in der politischen Bildungsarbeit sehr starke Wirkung haben können.

Wie sieht das dann praktisch an einer Schule aus?

Da denke ich spontan an eine berufsbildende Schule in Berlin, die wir sehr eng begleitet haben. Die Schülerinnen und Schüler dort haben sich mehrere Wochen lang mit dem Thema Rechtsextremismus beschäftigt, mit seinen Wurzeln, welche Organisationen es gibt, welche Aussagen sie tätigen. Sie haben Referentinnen und Referenten eingeladen und informative Workshops gemacht. Am Ende ist ein Rap-Song rausgekommen, den sie selbst geschrieben haben. In dem Song haben sie ihre Position für ein gutes Miteinander gegen Rassismus, gegen Menschenhass auf den Punkt gebracht. Dazu haben sie eine Performance gemacht und auf Video aufgenommen. Das ist ein Ergebnis, das sie auch anderen präsentieren können.

Als Sie im Jahr 2000 angefangen haben, waren nur drei Dutzend Schulen dabei. Inzwischen sind es 5000. Wie kam es dazu?

Die Motivation, warum Schulen Mitglied in diesem Netzwerk werden wollen, war wahrscheinlich 5000 mal unterschiedlich. Manchmal ist es jemand an der Schule, das können Kolleginnen oder Schüler sein, die sagen: Uns gefällt nicht, wie der Umgang hier an unserer Schule miteinander ist. Wir sehen, dass hier zu viele Vorurteile, zu viel Mobbing, zu viel Gewalt, zu viel Rassismus zu sehen ist. Wir wollen etwas dagegen tun. Andere haben sich schon engagiert für ein gutes Miteinander an der Schule und wollen sich in einem Netzwerk mit anderen Schulen austauschen. Oder sie haben mitbekommen, dass Schülerinnen und Schüler an anderen Schulen zu tollen Vernetzungstreffen und Workshops gehen, dass sie dort Theater und Fortbildung machen. Wichtig ist immer, dass es an einer Schule Menschen gibt, die verstehen, worum es geht in unserem Netzwerk. Denn alle müssen sich selber dazu verpflichten, Verantwortung dafür zu übernehmen, wenn Rassismus, Antisemitismus oder Menschenhass in irgendeiner Form auftauchen.

Das heißt, „Schule ohne Rassismus“ bedeutet nicht unbedingt, dass es da keinen Rassismus gibt, sondern dass er, wenn er auftritt, bearbeitet wird.

Auf jeden Fall. Sie stimmen ab über den Satz: „Wenn an meiner Schule Rassismus, Diskriminierung, Gewalt auftritt, dann spreche ich es an, greife es auf und wir suchen gemeinsam Lösungen, um ein friedliches Miteinander herbeizuführen.“

Das Aufkommen der AfD zeigt, wohin sich die Gesellschaft entwickelt. Teilen Sie den Eindruck, dass Rechtsextremismus und Rassismus auch an den Schulen zugenommen haben?

Was in den Herzen der Menschen vor zehn oder 20 Jahren vorgegangen ist, kann man nicht messen. Aber eins ist klar: Inzwischen werden rassistische Vorurteile, Hasssprüche und Handlungen viel offener und ungehemmter öffentlich und in der Gruppe ausgesprochen und ausgelebt. Es gibt Regionen, in denen genau diese Partei, die zumindest in Teilen als rechtsextrem zu bezeichnen ist, 40 bis 50 Prozent Zustimmung bekommt. Die Kinder, die auf die Schulen in dieser Region gehen, sind die Kinder dieser Wählerinnen und Wähler. Wie sollten die Kinder automatisch anders drauf sein?

Was beobachten Sie?

Rechtsextreme Kameradschaften und andere Organisationen sprechen gezielt Jugendliche an. Die fühlen sich ermuntert, aktiver und aggressiver an die Schulen und die jungen Menschen heranzutreten. Es gibt Regionen, in denen die Kolleginnen und Kollegen ganz klar sagen: „Es gilt an meiner Schule als cool, rechtsextrem zu sein. Es ist nicht cool, sich für ein Miteinander und für Frieden einzusetzen.“ Junge Menschen sind sehr stark davon abhängig, dass sie ein Zugehörigkeitsgefühl empfinden können. Sie sind deshalb leichter dafür zu gewinnen, mitzumachen, wenn sie befürchten müssten, dass sie sonst Ausgegrenzte bleiben könnten.

Wie kann eine Schule mit so einer Situation umgehen?

Ich erwarte, dass die Kolleginnen und Kollegen ihren pädagogischen Auftrag sehr ernst nehmen. Die allermeisten sind ja verbeamtet. Sie haben einen Diensteid abgelegt. Dieser Diensteid variiert in den 16 Bundesländern leicht, bezieht sich aber immer darauf, dass sie im Sinne des Grundgesetzes und der jeweiligen Schulgesetze arbeiten werden. Da in unserem Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, erwarte ich, dass die Lehrkräfte nicht stumm danebenstehen, wenn sich Menschenhass breit macht, verbal oder in Handlungen. Sie müssen sich aktiv einsetzen für diese Werte. Unser Slogan lautet „Wir sind nicht neutral“, denn neutral hieße ja: Es ist mir egal, ob gegen die Grundsätze des Grundgesetzes verstoßen wird oder nicht.

Gerade in Wahlkampfzeiten kommen immer Diskussionen auf, ob Schulen die AfD zu Kandidatenrunden auf Podien einladen sollen. Wie stehen Sie dazu?

Juristisch ist keine Schule gezwungen, alle Parteien einzuladen. Die Schulleitung besitzt das Hausrecht. Sie bestimmt, wer eingeladen wird. Bei aller Skepsis würde ich nicht sagen, dass niemals jemand von der AfD an irgendeine Schule eingeladen werden darf. Das wäre zu kurz gesprungen. Es kann Sinn ergeben, wenn es pädagogisch, methodisch und vom Rahmensetting gut vorbereitet ist. Es muss sichergestellt sein, dass die Vertreterinnen und Vertreter dieser Partei nicht einfach eine Plattform bekommen, auf der sie unwidersprochen ihre inakzeptablen Meinung aussprechen können. Es gibt aber neben diesen rechtlichen und pädagogischen Möglichkeiten auch die Ebene des Menschlichen.

Was meinen Sie damit?

An einer Schule, an der Schülerinnen, Lehrer, Kolleginnen sagen, wir sind selbst potenzielle Opfer dieses Hasses und dieses Rassismus, wir wollen uns dem nicht aussetzen, muss das Vorrang vor allem anderen haben. Sie müssen nicht erdulden, dass jemand kommt und versucht zu erklären, warum die Abschiebung von Menschen, die hier seit Jahrzehnten leben, richtig sei. Tatsächliche und potenzielle Opfer von Rassismus haben alles Recht der Welt, geschützt zu werden.

Wie finanziert sich „Schule ohne Rassismus“? Ist es zum Beispiel abhängig von den Bundesprogrammen zur Demokratieförderung, die von Kürzungen betroffen sind?

Der Bund kommt für die Bundeskoordinierungsstelle auf, das ist ein Büro in Berlin. Die 16 Landesbüros werden von den Ländern getragen. Die 120 regionalen Büros werden aus der Region finanziert – von der Kommune, von freien Trägern, Spenden und so weiter. Auf der Bundesebene ist der größte Fördertopf das Programm „Demokratie leben“. Wir haben gesehen, wie unsere Mittel daraus gekürzt wurden. Erst einmal von 600.000 pro Jahr auf 450.000 Euro, dann noch mal auf 425.000 Euro. Das sind am Ende 175.000 Euro weniger pro Jahr. Das ist nichts, was man einfach so wegsteckt.

Welche Folgen hat das?

Es führt zum Beispiel bei uns dazu, dass wir Publikationen nicht mehr finanzieren können, die wir bislang regelmäßig herausgegeben und kostenfrei an alle Schulen im Netzwerk verteilt haben. Anderen Trägern geht es schon an die Substanz, die müssen Personal reduzieren. Es ist politisch leider nicht gelungen, die Finanzierung von demokratiefördernden Projekten auf Bundesebene mit einem Demokratiefördergesetz abzusichern. Und auch in den Ländern ist es nicht durchgängig gelungen, die jeweiligen Landesprogramme gegen Rechtsextremismus abzusichern. Wir beobachten mit Sorge, wie die Situation nach den Landtagswahlen sein wird. In Sachsen-Anhalt hat die AfD schon vor einiger Zeit beantragt, dass „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nicht mehr finanziert werden soll und die Landeszentrale für politische Bildung, die dort unser Träger ist, auch gleich abgeschafft werden soll. Sie machen kein Hehl draus, dass sie das wollen. Warum sollten wir daran zweifeln, dass sie es tun werden, wenn sie an die Macht kommen?

Sie sind Anfang der 60er Jahre als Kind nach Deutschland gekommen und wurden hier eingeschult. Wie war das für Sie?

Ich hatte das Glück, in Bremen in einer Klasse mit einem tollen Lehrer zu landen, in der ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt habe und keinerlei Diskriminierung oder Rassismus erlebt habe. Ich erinnere mich allerdings, dass es in Bremen in meiner Kindheit große Vorbehalte und eine aggressiv verachtende Haltung gegenüber den Geflüchteten aus den östlichen Gebieten, im heutigen Polen, gab. Diese Flüchtlinge waren katholisch, und es gab ein massives antikatholisches Ressentiment. Wir Kinder haben zwar nicht verstanden, was katholisch ist, aber uns wurde von den Erwachsenen explizit gesagt, spielt nicht mit diesen katholischen Kindern. Ich habe das nicht verstanden. Was heißt denn das, wenn die katholisch sind? Was stimmt mit denen nicht?

Dass sie aus einem muslimischen Land kamen, war dagegen kein Thema?

Das fanden die Leute total interessant. Sie müssen sich vorstellen, wir reden von den 60er Jahren. Boah, Türkei, wo ist denn das? Sultan, Turban, Bauchtanz – so eine Märchenerzählung von einer Türkei war das, die als spannend empfunden wurde.

Sie sind dennoch Lehrerin geworden.

Ich wollte es gar nicht, denn in meiner Familie gibt es sehr viele Lehrerinnen und Lehrer und Hochschuldozenten. Aber meine Eltern sind mit mir zurückgegangen in die Türkei, als ich erst 15 war. Ich habe das Abitur daher in der Türkei gemacht. Dann bin ich an die Uni gegangen, aber das war schwierig für mich, weil ich nicht perfekt Türkisch sprach. Aber super war ich in Fremdsprachen und damit war mein Schicksal besiegelt, dass ich die Zugangsgenehmigung für deutsche Sprache und Literatur bekommen habe. Ich habe dann auch noch Pädagogik genommen, aber nicht mit dem Ziel, auf Lehramt zu studieren. Ich habe als Dolmetscherin und Übersetzerin gearbeitet, hatte aber auch die Lehrbefähigung in der Tasche. Als ich dann nach Berlin gegangen bin, wurde mir ans Herz gelegt, ich möge doch als Lehrerin arbeiten. Dann bin ich es eben doch geworden.

Haben Sie persönlich negative Erfahrungen von Diskriminierung und Rassismus machen müssen?

Ja, vor allem institutionellen Rassismus, anders kann ich es nicht nennen. Ich war auf einer der damaligen Top-3-Unis in der Türkei, die schon mit Bachelor und Master arbeiteten, das war hier überhaupt nicht bekannt. Meine Abschlüsse wurden nicht anerkannt. Ich hatte angefangen zu promovieren in der Türkei, und dann musste ich erfahren, dass ich überhaupt nicht zugelassen werden kann für eine Promotion, wenn ich nicht noch einmal vier, fünf Semester in Deutschland studiere. Weil mein Abschluss und der von anderen ausländischen Kolleginnen und Kollegen nicht anerkannt wurde, wurden wir bezahlt wie Sozialarbeiterinnen, die kein Studium haben. Das war eindeutig institutionelle Diskriminierung. Das hat mich schockiert, neben dem Unrecht, das migrantischen Schüler im Schulsystem angetan wurde.

Was hat Sie da schockiert?

Ich hatte mir nicht vorstellen können, dass Kinder nach ihrem Pass in verschiedene Klassen einsortiert werden, unabhängig davon, ob sie was sie konnten. Es gab sogenannte Ausländerregelklassen, da landeten alle Kinder, die keinen deutschen Pass hatten, obwohl manche hier geboren und aufgewachsen waren. Die sprachen fließend Deutsch und hatten alles drauf. Dann gab es sogenannte Vorbereitungsklassen. Das waren die Aussiedler, die direkt einen deutschen Pass bekamen, aber kein Wort Deutsch konnten. Die mussten auch zusammensitzen mit Kindern, denen es genau so ging, und dadurch hatten sie gar keine Chance, Deutsch zu lernen. Es war verrückt.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Das war der Grund, warum ich in der Gewerkschaft aktiv geworden bin, weil ich dachte, so ein System muss weg, und mich gefragt habe: Wo sind denn andere, die sich mit mir dafür einsetzen? Tatsächlich ist es nach vielen Kämpfen gelungen, dass es das so nicht mehr gibt. Ich habe daraus mitgenommen, wie wichtig es ist, Missstände nicht hinzunehmen, die ungerecht sind. Man muss sich dafür einsetzen, die Zustände zu verändern.

Gegen Rassismus

Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ stehen in diesem Jahr unter dem Motto „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“. Sie dauern noch bis zum 29. März. In Deutschland gibt es mehr als 3.600 Veranstaltungen innerhalb von zwei Wochen. Unter stiftung-gegen-rassismus.de findet sich eine Übersicht.

Der 21. März, um den sich die beiden Aktionswochen gruppieren, ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Das Datum erinnert an das Massaker von Polizisten im südafrikanischen Township Sharpeville am 21. März 1960, dem 69 Menschen zum Opfer gefallen waren, als sie friedlich gegen die Apartheid protestierten. Mehrere Hundert Menschen wurden durch die Polizeischüsse verletzt.

Im Jahr 1966 riefen die Vereinten Nationen (UN) den 21. März als „Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung“ aus. Im Jahr 1979 wurde er von den UN erweitert auf die Internationalen Wochen gegen Rassismus rund um diesen Tag.

Sanem Kleff, 70, hat seit dem Jahr 2000 das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ geführt, bei dem heute bundesweit 5000 Schulen mitmachen. Seit 2002 leitete Sanem Kleff die Bundeskoordination des Projekts gemeinsam mit Eberhard Seidel. Ende 2025 übergaben die beiden die Führung an Zonya Dengi und Carsten Völtzke. „Schule ohne Rassismus“ war 1995 vom Verein Aktion Courage gegründet worden, dessen Vorsitzende Kleff nach wie vor ist.

Mit fünf Jahren kam Kleff aus ihrem Geburtsland Türkei nach Deutschland. Sie wurde Lehrerin und engagierte sich in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sanem Kleff und Eberhard Seidel wurden für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhielt in diesem Jahr den

26 März 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Deutschlands Migrationsrealität und institutionelle Defizite

von Cumali Yağmur 26 März 2026
von Cumali Yağmur

 Von: Cumali Yağmur

Obwohl Deutschland die Tatsache anerkennt, ein Einwanderungsland zu sein, wurden die damit verbundenen Standards noch nicht vollständig erfüllt. Die Realität der Einwanderung ist leider eher zu einem rhetorischen Diskurs geworden, anstatt in konkrete Taten umgesetzt zu werden.

Während in Deutschland für fast jedes Thema ein separates Ministerium existiert, ist das Fehlen eines eigenständigen Ministeriums für Migranten ein erhebliches Defizit. Um dieses Problem zu lösen, werden Posten unter Bezeichnungen wie „Integrationsbeauftragte“ (oder Beauftragte gegen Rassismus und Nationalismus) geschaffen. Doch die ernannte Person ist meist nicht migrantischer, sondern deutscher Herkunft. Obwohl es in Deutschland Migranten in der fünften Generation gibt, stellt sich die Frage: Findet man wirklich niemanden, der die Probleme dieser Gesellschaft von innen heraus kennt und diese Aufgabe angemessen erfüllen könnte?

Diese Situation erinnert an den früheren Kampf für Frauenrechte. Früher wurden Männer auf Positionen berufen, mit der Ausrede, man fände keine geeignete weibliche Führungskraft für Frauenthemen. Dank des Kampfes der Frauen wurde dieses Verständnis jedoch überwunden; heute besetzen Frauen selbst diese Positionen. Parteien haben sogar Frauenquoten eingeführt, um die Repräsentation zu erhöhen; bei den Grünen und der Linkspartei liegt der Anteil im Parlament bei 50 %. Während die SPD die Repräsentation von Frauen berücksichtigt, haben Parteien wie die CDU und CSU Frauen noch nicht ausreichend Raum gegeben.

Da eine solche Quote für Migranten noch immer nicht angewandt wird, ist das Problem mittlerweile unerträglich geworden. Trotz einer 70-jährigen Migrationsgeschichte sträubt man sich weiterhin gegen grundlegende Lösungen für die Probleme der Einwanderer. Dahinter steckt wohl die Angst der Parteien, Wählerstimmen zu verlieren, wenn sie konkrete Lösungsvorschläge für Migranten einbringen. Oder aber Nationalismus und Rassismus wiegen in den Parteien so schwer, dass man sich den Problemen der Migranten nicht ausreichend widmet.

Gäbe es in den Parteien wirklich einen politischen Willen, wären diese Probleme längst gelöst. In der Gesellschaft herrscht nach wie vor die Sichtweise vor, Migranten als „Menschen zweiter Klasse“ zu betrachten. Solange sich diese Mentalität nicht ändert, werden Lösungen bloße Theorie bleiben.

Solange kein unabhängiges „Migrationsministerium“ eingerichtet wird, lassen sich diese chronischen Probleme nicht allein durch einen von oben ernannten Beauftragten lösen. Anstatt dauerhafte Strategien gegen Rassismus und Nationalismus zu entwickeln, dienen symbolische Ernennungen von Personen deutscher Herkunft lediglich dazu, das Thema beiseitezuschieben.

Rassismus und Antisemitismus sind kulturelle Phänomene und in allen Kulturen verankert. Als kulturelle Erscheinungen haben Rassismus und Antisemitismus an sich nichts mit Juden zu tun. In der Vergangenheit wurden Juden Opfer von Rassismus und Antisemitismus. Auch EinwandererInnen können Opfer von Rassismus und Antisemitismus werden. Rassismus und Antisemitismus sind alt; in diesem Prozess gibt es sowohl Täter als auch Opfer, wobei Juden und EinwandererInnen die Opfer sein können. Fremdenfeindlichkeit hingegen ist neu und entsteht aus dem Verhältnis zwischen Starken und Schwachen.

Wenn die Probleme in der 70-jährigen Migrationsgeschichte immer noch nicht gelöst sind, bedeutet das, dass etwas im System falsch läuft. Für eine tiefgreifende Lösung muss primär ein Migrationsministerium eingerichtet und die aktuelle Lage neu bewertet werden. Dieses Ministerium sollte die Probleme wie jedes andere Ministerium ernsthaft angehen und konkrete Lösungsvorschläge unterbreiten.

Es müssen praktische Schritte unternommen und konkrete Strategien zur Problemlösung entwickelt werden. Anstatt über Migranten von außen zu sprechen, sollten innerhalb des Ministeriums Kommissionen gebildet werden, die direkt aus Migranten bestehen. Probleme müssen gemeinsam mit den Betroffenen diskutiert und Lösungsvorschläge auf diese Weise umgesetzt werden.

26 März 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Ratsfrau Hülya Iri gibt Mandat zurück

von Fremdeninfo 25 März 2026
von Fremdeninfo

 

Quellenangabe: HAZ vom 26.03.2026, Seite 16 

Gesundheitliche Gründe – Nachrücker ist Bernd Rödel
Personeller Wechsel bei der Ratsfraktion der SPD: Vize-Fraktionsvorsitzende Hülya Iri gibt zum 31. März ihr Ratsmandat zurück. Ausschlaggebend seien gesundheitliche Gründe, sagt Fraktionsvorsitzende Kerstin Klebe-Politze. Iri hatte schon länger nicht mehr an politischen Sitzungen teilgenommen. Sowohl Kerstin Klebe-Politze als auch Co-Fraktionsvorsitzender Bala Ramani zollten der Entscheidung von Hülya Iri Respekt.

Automatischer Nachrücker von der Ratsliste des Ortsvereins Kirchrode-Bemerode-Wülferode, dem Iri angehört, ist Bezirksbürgermeister Bernd Rödel. Ihn wird die Stadt nun anschreiben und anfragen, ob er als Nachrücker das Mandat annimmt. Auf HAZ-Anfrage kündigte Rödel an, das Mandat anzunehmen. Fraktionsintern hatte Iri bereits angekündigt, für den neuen Rat nicht kandidieren zu wollen.

Hülya Iri ist seit 2016 im Rat der Stadt Hannover, seit 2021 ist sie Vize-Fraktionsvorsitzende und war bisher Sprecherin für Internationales. Der SPD gehört die türkischstämmige Iri seit 2013 an. Bei der Bewältigung von Problemen im Stadtteil Bemerode vor einigen Jahren durch die sogenannten „Kronsberg Kids“, die wiederholt Anwohner terrorisiert hatten, hatte Iri erfolgreich eine Rolle als Vermittlerin übernommen – sie lebt selbst im Quartier Kronsberg. Wie es mit der Nachbesetzung der Ausschüsse weitergeht, entscheidet die Fraktion intern nach Ostern.

25 März 2026 0 Kommentare
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Der Gerechtigkeitskämpfer (Ein Buch von Nebi Barlas

von Cumali Yağmur 25 März 2026
von Cumali Yağmur

 Von: İSKAN TOLUN / Köln

Das Buch mit dem Titel Adalet Savaşçısı (Der Gerechtigkeitskämpfer), ein Interview von Metin Ağaçgözgü und Hasan Çelikkol mit Nebi Barlas (Gökkuşağı Kitabevi – Regenbogen Buchhandlung, 2. Auflage: Januar 2016, 352 Seiten), habe ich mit großem Interesse, mal mit Trauer und mal mit Freude, in einem Rutsch gelesen. (Die erste Auflage des Buches war innerhalb von zwei Monaten vergriffen, woraufhin sofort die zweite gedruckt wurde.) Als ich das Buch beendete, sagte ich mir: „Wer weiß, wie viele Menschen ohne diesen wertvollen Anwalt zu Unrecht hingerichtet worden wären oder ihr Leben jahrelang in dunklen Verliesen verbracht hätten…“

Das Buch konzentriert sich auf die außergewöhnlichen Anstrengungen und Erfolge eines Anwalts mit militärischem Hintergrund bei seiner Suche nach Gerechtigkeit. Während er vor dem Richterrat mit erhobenem Finger ausrief, dass seine Mandanten in den Gefängnissen gefoltert wurden, setzte er alles daran, dass sie mit den geringsten Strafen davonkamen. Vielen verhalf er geschickt dazu, ihre Unschuld zu beweisen und freigelassen zu werden.

Nebi Barlas saß selbst jahrelang zu Unrecht im Gefängnis. Nach seiner Entlassung begann er, beeindruckt von Cesare Beccarias Werk Über Verbrechen und Strafen, Jura zu studieren. Marchese Cesare Beccaria schrieb:
„Wenn ich durch die Verteidigung der Rechte der Menschheit und das Ergreifen der Partei der unbesiegbaren Wahrheit meine Stimme erhebe und dadurch auch nur einige der unglücklichen Opfer aus den Klauen der Tyrannei und der ebenso verhassten Unwissenheit retten kann, dann würden mich die Gebete und die Freudentränen eines einzigen Unschuldigen gegen die ungerechten Anschuldigungen und bitteren Beleidigungen aller anderen Menschen trösten und beruhigen.“ (Seite 15)

Barlas schließt sein Studium an der Rechtsfakultät der Universität Istanbul erfolgreich ab. Mit Beginn seiner Tätigkeit als Anwalt scheint er zu sagen: „Mir wurde Unrecht getan, aber ab jetzt soll kein Mensch mehr vor dem Gesetz Unrecht erfahren.“ Ohne Rücksicht auf materiellen Gewinn und ohne Diskriminierung eilt er mit außergewöhnlicher Energie jahrelang – fast ein ganzes Leben lang – von Gericht zu Gericht und von Gefängnis zu Gefängnis, um Gerechtigkeit walten zu lassen. Der Gerechtigkeitskämpfer ist ein Buch, das Zeugnis ablegt von einem atemlosen Kampf gegen die Mentalität von „Entweder der Staat überlebt oder die Raben fressen die Leichen“ bzw. „Sollen wir sie füttern, statt sie aufzuhängen?“.

Nebi Barlas übernimmt tausende Fälle wie eine humanitäre Pflicht, eine heilige Mission. Es ist höchst bemerkenswert, dass er die Vor- und Nachnamen seiner tausenden Mandanten einzeln aufzählen kann – ein phänomenales Gedächtnis, das reif für das Guinness-Buch der Rekorde wäre! (Seiten 143, 144, 145)

Das Buch wurde mir zusammen mit einigen anderen Werken vom Inhaber der Regenbogen Buchhandlung, dem geschätzten Autor Metin Ağaçgözgü (Metin Abi), am 12.12.2023 signiert und geschenkt. Während ich mich mit Metin unterhielt, kümmerte sich seine Frau, die geschätzte Professorin Gülçin Hanım, um die Kunden. Später schenkte er mir auch seinen signierten Roman Bir Şey Yapmalı (Man muss etwas tun) – vielen Dank dafür! Ich wollte schon lange zur Regenbogen Buchhandlung nach Berlin reisen, fand aber nie die Zeit. Berlin ist schließlich weit weg von der Stadt, in der ich lebe… um es etwas zu übertreiben: eine Reise wie von Köln nach Istanbul und zurück.

Eines Tages, als mein Roman Deniz’in Ütopyası (Deniz’ Utopie) erschienen war, rief Metin an: „Deine Bücher sind angekommen. Ich habe Deniz’in Ütopyası gelesen, ich gratuliere dir, es ist ein sehr schöner Roman, komm mal vorbei“, sagte er. Ich hatte ihm schon lange versprochen zu kommen und erneuerte mein Versprechen. Aber dieses Mal musste ich mich mit der deutschen Übersetzung beschäftigen. Die Übersetzung wurde erfolgreich abgeschlossen und unter dem Titel Deniz’ Utopie veröffentlicht. Dann stand die Frankfurter Buchmesse vor der Tür, wo die Präsentation stattfinden sollte, was ebenfalls erfolgreich verlief. Schließlich schaffte ich es wenige Wochen vor Jahresende nach Berlin. Metin hatte meinen Roman Deniz’ Utopie an die prominenteste Stelle im Schaufenster der Buchhandlung gehängt. Nun ja, er gehört schließlich zur 78er-Generation und ist jemand, der Deniz (Gezmiş) schätzt.

Als Metin und seine Frau mir ihre Bücher signierten und schenkten, war ich als Buchliebhaber sehr erfreut und glücklich. Ich bedankte mich für den herzlichen Empfang und verabschiedete mich, um am nächsten Tag wiederzukommen. Am Morgen schaute ich erneut vorbei; die Buchhandlung lag ohnehin in der Nähe meines Hotels. Neben der berühmten Don Quijote-Ausgabe (den ersten Teil hatte ich vor Jahren gelesen) wählte ich zehn weitere Bücher aus. Da noch einige Exemplare meiner eigenen Bücher im Laden waren, signierte ich diese für Bekannte und verabschiedete mich. In der Zwischenzeit hatte mir mein Lehrer Ragıp (Zarakolu) eine Nachricht geschickt: „Du bist in der Hauptstadt, geh spazieren und genieße es.“ Also erkundete ich Berlin ein wenig. Ich ging nach Kreuzberg, zum Brandenburger Tor und zum Parlament, bevor ich mich am Abend auf den Heimweg machte. Eigentlich wollten Metin und ich gemeinsam die schönen Ecken Berlins besichtigen, aber er hatte zu tun, da ich unangemeldet gekommen war. Eines muss ich noch erwähnen: Metin hat einen sehr großen und angesehenen Bekanntenkreis in Berlin. Überall in Kreuzberg, wo ich hinkam, wurde ich sehr herzlich empfangen. Aber kehren wir zum eigentlichen Thema zurück…

Als ich anfing, Der Gerechtigkeitskämpfer zu lesen, dachte ich sofort an Halit Çelenk, den wertvollen Anwalt von Deniz Gezmiş und seinen Gefährten. Ich erinnerte mich an die Staatsstreiche jener stürmischen Jahre, die Morde unbekannter Täter, die außergerichtlichen Hinrichtungen, den Schmerz, die Tränen und die Qualen sowie Folterungen an jungen Körpern in dunklen Kerkern – ohne Rücksicht darauf, ob sie schuldig oder unschuldig waren. Was Frauen in der Haft angetan wurde, ist ohnehin der Punkt, an dem die Menschlichkeit endet (Seite 163). Ich denke, dieser Satz lässt den Inhalt des Buches bereits erahnen.

Obwohl Folter und Unterdrückung unvergessen bleiben, hat Metin im Vorwort einen schönen Satz geschrieben: „Unser Ziel ist es nicht, an den erlebten Schmerz zu erinnern!“ (Seite 9). Der geschätzte Anwalt Nebi Barlas musste leider, genau wie Halit Çelenk, Zeuge der Hinrichtung zweier seiner Mandanten werden. Er litt sehr darunter, dass er sie nicht vor dem Galgen retten konnte. Doch er war sich bewusst, dass der Befehl von „ganz oben“ kam: aus den USA.

Bemerkenswert ist auch die Geschichte einer beliebten Sängerin/Künstlerin, die in den Zeitungen als „Mordmaschine“ dargestellt wurde, obwohl sie mit den Vorfällen nichts zu tun hatte. Sie wurde zu Unrecht verhaftet und in das Metris-Gefängnis geworfen. Kenan Evren kam in seiner Generalsuniform und sagte: „Freunde! Wie ich aus den Zeitungen erfahren habe, gibt es da jemanden namens Akrep Nalan, die freigelassen wurde. Wie kann das sein?“ (Seite 153/299).

Nebi Barlas hat, wie bereits erwähnt, längst seinen Platz in der ehrenvollen Geschichte der türkischen Verteidigung eingenommen – an der Seite von Namen wie Mehmet Ali Cingöz (Anwalt von Sabahattin Ali), Mehmet Ali Sebük (Anwalt von Nazım Hikmet), Orhan Adli Apaydın (Anwalt von Menderes), Halit Çelenk (Anwalt von Deniz Gezmiş) und vielen anderen. (Seite 212)

Metin ist mit Nebi Barlas in die Tiefen der jüngeren Geschichte eingetaucht. Durch seine Fragen und die Antworten von Barlas präsentiert er den Lesern die Ereignisse in der Türkei von den 1940er Jahren bis heute in einer klaren und flüssigen Sprache. Je mehr man das Buch liest, desto besser versteht man, was für ein humanistischer, großzügiger und wertvoller Mensch Nebi Barlas ist.

Wenn ich an die Opfer der Notstandsdekrete (KHK), an die auf Gerechtigkeit wartenden Familien und insbesondere an die kranken Häftlinge denke, die selbst unter normalen Bedingungen kaum überleben könnten, muss ich sagen: „Wie sehr brauchen wir wertvolle Anwälte wie Halit Çelenk und Nebi Barlas!“ Halit Çelenk ist bereits zu den Sternen gegangen; Nebi Barlas ist im Ruhestand und liest zwanzig Bücher im Monat. (Seite 188)

Ohne das Buch weiter zu beschreiben, möchte ich diesen Artikel mit zwei schönen Zitaten beenden…

Das Zitat auf der Rückseite des Buches:
„… Wenn sie mich lesen und verstehen würden, hätte ich wahrlich Angst vor ihnen; aber die Tyrannen lesen niemals!“ (Marchese Cesare Beccaria)

Einer der Wahlsprüche, die Nebi Barlas liebt:
„Liebe und Freundschaft. Ich wollte den Streit auf ein Blatt schreiben, damit der Herbst kommt und das Blatt abfällt. Den Zorn wollte ich auf eine Wolke schreiben, damit der Regen fällt und die Wolke verschwindet. Den Hass wollte ich auf den Schnee schreiben, damit die Sonne scheint und der Schnee schmilzt. Und die Freundschaft und die Liebe wollte ich in die Herzen aller neugeborenen Babys schreiben, damit sie mit ihnen wachsen und die ganze Welt umarmen.“ (Yılmaz Güney) (Seite 248)

Der Gerechtigkeitskämpfer ist ein sehr wertvolles Werk, das man immer wieder lesen sollte!

Hinweis: Dieser Artikel wurde am 05.01.2024 auch in verschiedenen angesehenen Zeitungen auf Türkisch veröffentlicht.

25 März 2026 0 Kommentare
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Rassismus

Rassismus in Deutschland: Studie zeigt „verfestigtes“ rassistisches Denken in Deutschland

von Cumali Yağmur 25 März 2026
von Cumali Yağmur

Von: welt

Laut einer Studie glauben viele Menschen an angeblich naturgegebene Unterschiede zwischen Ethnien. Zwei Drittel der Befragten halten bestimmte Kulturen für besser.

Viele Menschen in Deutschland glauben einer Studie zufolge an vermeintlich naturgegebene Unterschiede zwischen verschiedenen Ethnien und Kulturen. So stimmten zwei von drei Befragten der Aussage zu, dass bestimmte Kulturen „fortschrittlicher und besser“ seien als andere, wie aus der Erhebung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hervorgeht. Knapp die Hälfte vertrat die Ansicht, dass gewisse Gruppen „von Natur aus fleißiger“ seien als andere. 36 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass es unterschiedliche „Rassen“ gäbe.

Für die Studie wurden von Oktober 2025 bis Januar 2026 rund 8.200 Menschen mithilfe eines Online-Tools befragt. Die Ergebnisse sind den Angaben zufolge repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland im Alter zwischen 18 und 74 Jahren. Die Studie ist Teil des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa). Dieses langfristig angelegte Forschungsprojekt erhebt und analysiert im Auftrag der Bundesregierung Daten zur Situation von Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind.

Rassismus gehört zum Alltag vieler Menschen in Deutschland

Rassistische oder diskriminierende Erfahrungen gehören für viele Menschen in Deutschland laut der Studie zum Alltag. Dies gelte besonders für „rassistisch markierte Personen“, also Menschen, die aufgrund bestimmter äußerlicher Merkmale als „fremd“ oder „anders“ wahrgenommen werden. In der Studie genannt wurden hier vor allem Menschen anderer Hautfarbe oder als solche erkennbare Musliminnen und Muslime.

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Laut der Studie berichteten 25 Prozent der Schwarzen und 17 Prozent der muslimischen Menschen, mindestens einmal pro Monat beleidigt, belästigt, bedroht oder angegriffen zu werden. Jeweils etwa ein Drittel von ihnen berichtete von solchen Erlebnissen in den zurückliegenden zwölf Monaten. 63 Prozent der Schwarzen gaben an, mindestens monatlich subtilere diskriminierende Erfahrungen zu machen, beispielsweise unfreundliche Behandlung oder Missachtung.

Vertrauen in den Staat sinkt

Etwa 65 Prozent der Menschen, die häufig selbst Diskriminierung erfahren, haben laut der Studie deutlich weniger Vertrauen in staatliche Institutionen und Akteure wie Polizei, Justiz, Bundesregierung und Politiker. In Bezug auf die Bundesregierung haben nur etwa 29 Prozent Vertrauen.

Seit 2022 ist das Vertrauen unter Befragten von rassistisch markierten Gruppen wie etwa Muslimen zudem deutlich gesunken. „Diskriminierung ist somit kein bloßes Befindlichkeitsproblem, sondern eine reale Gefahr für die Legitimität staatlicher Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte Mit-Studienautor Tae Jun Kim.

Forderung nach Konsequenzen

Die Studie ergebe das Bild einer „sehr hartnäckigen Verfestigung“ rassistischer Einstellungen, sagte Frank Kalter, der Direktor des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Die Umfrage zeige auch, dass rassistische Diskriminierung für viele Menschen Alltag sei. Allerdings würden die Themen Rassismus und Diskriminierung in der politischen Debatte „vermehrt wegrelativiert“.

Ähnlich äußerte sich die unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte Ferda Ataman. „Rassistisches Denken und Handeln schadet nicht nur den Betroffenen, es gefährdet unsere Demokratie.“ Es schwäche das Vertrauen in die Institutionen. Ataman forderte daher, dass die Bundesregierung klare Grenzen setzen müsse. Es brauche eine „Null-Toleranz-Politik für Rassismus und Diskriminierung“. Nötig sei dafür unter anderem eine Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, die es ermögliche, sich effektiv gegen Diskriminierung zu wehren. Gefragt seien aber auch Unternehmen und Menschen, die sich im Alltag solidarisch zeigten.

Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass rassistische Diskriminierung in Behörden und Institutionen weitverbreitet ist. Ataman verwies daher auf eine notwendige Vorbildfunktion staatlicher Institutionen.

25 März 2026 0 Kommentare
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Allgemein

DOPPELTES FEST VOM BİNFİKİR THEATER IN BRÜSSEL: Das Lachen hallte wider!

von Fremdeninfo 25 März 2026
von Fremdeninfo

Von: Mehmet Tanli

Das Binfikir Theater, das den letzten Tag des Ramadan-Festes (Zuckerfest) und den Welttheatertag gemeinsam feierte, bescherte dem Publikum in Brüssel mit zwei verschiedenen Aufführungen einen unvergesslichen Tag.

BRÜSSEL – Am Sonntag, den 22. März, der mit dem letzten Tag des Ramadan-Festes zusammenfiel, trat das Binfikir Theater in Brüssel auf und feierte mit zwei unterschiedlichen Stücken eine vorgezogene Feier zum „Welttheatertag“. Das Ensemble, das seit 2008 mit zwei verschiedenen Gruppen arbeitet, rückte bei der diesjährigen Veranstaltung die „Meddah“-Tradition (traditionelles türkisches Geschichtenerzählen), einen Eckpfeiler des traditionellen türkischen Theaters, in den Vordergrund und gedachte ehrenvoll dem Meisterkünstler Erol Günaydın.

Politik und Kunst vereint
Trotz der Feiertage war das Interesse der Theaterliebhaber groß, was die Organisatoren sehr erfreute. Die Vorstellungen wurden von Abobakre Bouhjar (PS), dem stellvertretenden Bürgermeister von Brüssel für Jugend, Sport und sozialen Zusammenhalt, sowie von Hasan Koyuncu (PS), Abgeordneter der Region Brüssel, Senator und designierter Bürgermeister von Schaerbeek (ab 2028), besucht und unterstützt. Koyuncu, der 2018 beim Binfikir Comedy-Markt kurzzeitig Bühnenluft geschnuppert hatte, indem er William Shakespeare verkörperte, war diesmal im Saal, um den kleinen Talenten des Binfikir Kindertheaters Applaus zu spenden.

Meddah-Show der Kinder
Im Rahmen der Feierlichkeiten traten zunächst 16 kleine Schauspieler des Binfikir Kindertheaters auf. Das 50-minütige Comedy-Stück mit dem Titel „Çocuktan Al Kahkahayı!“ (Lachen von den Kleinen!) feierte um 13:00 Uhr Premiere. In dem Stück, das unter dem Untertitel „Sketche vom Traditionellen zum Zukünftigen“ präsentiert wurde, gab es die Abschnitte „Wir sind alle Meddahs“, „Wir haben es geschrieben, wir haben es gespielt“ und „Von Kleinen für Große“. Besonders die Sketche, die von den Kindern selbst geschrieben und von ihrer Schauspielkollegin Ela Çiçek inszeniert wurden, erhielten großen Beifall vom Publikum.

Erdinç Utku: „Wir adaptieren das Gırgır-Modell für das Theater“
In einer Rede nach der Veranstaltung erklärte der künstlerische Leiter des Binfikir Theaters, Erdinç Utku, dass sie im Rahmen des Welttheatertags Erol Günaydın mit einer Videopräsentation gedachten: „Wir haben auch unseren Lehrer Mustafa Zıngır, der am 15. Mai 1966 das Belgisch-Türkische Arbeitertheater gründete, mit Applaus geehrt.“

Utku betonte die Bedeutung der Kinder, die die Meddah-Tradition auf die Bühne bringen:
„Der wertvollste Teil des Stücks waren die von den Kindern selbst geschriebenen und inszenierten Sketche. Ohne Zuschauer gibt es kein Theater; wir danken allen Theaterfreunden, die den Saal am letzten Tag des Festes gefüllt haben. Das Binfikir Theater ist eine große Familie. In Belgien adaptieren wir das ‚Gırgır-Modell‘ für das Theater; zuerst machen wir die Jugendlichen zu guten Zuschauern, dann bereiten wir sie auf die Bühne vor. Wir bilden unsere talentierten Schauspieler erst zu Regieassistenten und dann zu Regisseuren aus.“

Hasan Koyuncu: „Theater vermittelt eine kritische Perspektive“
Hasan Koyuncu, Abgeordneter der Region Brüssel und Senator, der am Ende des Stücks das Wort ergriff, betonte, dass das Binfikir Theater der türkischen Gemeinschaft in Belgien seit Jahren die Liebe zum Theater vermittelt. Er wies darauf hin, dass Theater einen großen Beitrag zur persönlichen Entwicklung der Kinder und zum Erwerb einer kritischen Perspektive leistet, und gratulierte dem Team unter dem Wunsch auf weiteren Erfolg.

„Eyvah Zayıflıyorum!“ wieder auf der Bühne
Bei der zweiten Veranstaltung des Tages, um 15:00 Uhr, trat die Erwachsenengruppe von Binfikir auf. Die von Erdinç Utku geschriebene und von Vedat Yeşilyurt inszenierte Anti-Diät-Komödie „Eyvah Zayıflıyorum!“ (Oje, ich nehme ab!) wurde in einer neuen, auf 90 Minuten gekürzten Einakter-Version aufgeführt.

Das Stück, dessen Musik von Kadir Kankılıç komponiert wurde, mit Mehmet Avcu als künstlerischem Berater und Mesude Aytekin als technischer Verantwortlicher, thematisiert den Wettbewerb zweier Personen mit Gewichtsproblemen auf humorvolle Weise. Das Stück, das durch aktuelle Anspielungen und sein Tempo bestach, brachte das Publikum mit seinem überraschenden Finale zum Lachen.

Humor begann bereits an der Tür
Bei der Veranstaltung im Kulturzentrum De Kriekelaar begann der Humor bereits am Eingang. Die Zuschauer wurden vor dem Betreten des Saals gewogen, während die scherzhaften Slogans auf den T-Shirts der Mitarbeiter die Zuschauer auf die Atmosphäre des Stücks einstimmten.

Eine entschlossene Reise im türkischsprachigen Theater
Das Binfikir Theater, das seit 2008 die türkische Sprache auf der Bühne in Belgien am Leben erhält, setzt seinen Weg mit dem Slogan „Wir bringen die Straße ins Theater und das Theater auf die Straße“ fort. Das Team, das traditionelles türkisches Theater mit modernen Interpretationen zusammenbringt, ist entschlossen, das Strahlen in den Augen der Kinder und Jugendlichen mit dem Bühnenlicht zu vereinen.

25 März 2026 0 Kommentare
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Hardt kritisiert Iran-Aussagen des Bundespräsidenten

von Cumali Yağmur 25 März 2026
von Cumali Yağmur

 

„Die für diese Frage allein zuständige Bundesregierung hat ihre völkerrechtliche Prüfung noch nicht abgeschlossen“, sagte Hardt dem Nachrichtenportal T-Online. „Daran sollten sich alle Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in Amt und Würden halten.“ Hardt sagte weiter: „Die Bundesregierung handelt überlegt und souverän in einer komplexen Situation. Das wurde bei der exzellenten Rede von Bundesminister Wadephul deutlich.

Steinmeier hatte zuvor bei der Jubiläumsveranstaltung „75 Jahre Wiedergründung des Auswärtigen Amtes“ in Berlin gesagt, dass Deutschlands Außenpolitik nicht überzeugender dadurch werde, wenn man Völkerrechtsbruch nicht Völkerrechtsbruch nenne. „Damit mussten wir uns schon im Gaza-Krieg auseinandersetzen, und damit müssen wir auch im Iran-Krieg umgehen“, so der Bundespräsident. Denn dieser Krieg sei völkerrechtswidrig – daran gebe es wenig Zweifel.

25 März 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
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Schluss mit der Ein-Mann-Diktatur in der Türkei

von Cumali Yağmur 24 März 2026
von Cumali Yağmur

Schluss mit der Ein-Mann-Diktatur in der Türkei

Cumali Yağmur

Es ist ein Land, in dem die Menschen ihres Lebens überdrüssig und in die Verzweiflung getrieben sind. Wir stehen vor einem Bild tiefgreifender Wirtschaftskrisen, in denen die Inflation auf über einhundert Prozent gestiegen ist. Das Volk kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die von Tag zu Tag schwerer werden. Armut scheint zum Schicksal der Menschen gemacht worden zu sein, und die Gesellschaft wurde ihrem Los überlassen. Wenn ich an die Kinder denke, die jeden Tag hungrig ins Bett gehen, ertrinke ich in jener tiefen Ohnmacht, nichts tun zu können.

Druck und Gewalt gegen Frauen sind zu einem normalisierten Phänomen geworden, dem sie sich scheinbar beugen müssen. Mörder, die Frauen mitten auf der Straße vor den Augen ihrer Kinder abschlachten, können sich dank der „Politik der Straffreiheit“ frei bewegen. Durch die Unterdrückung der Kurden und die Einschränkung demokratischer Rechte werden diese Menschen wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Im Laufe der Geschichte waren sie unter jeder Regierung mit ähnlicher Ausgrenzung und Unterdrückung konfrontiert.

Die AKP-MHP-Allianz übt Druck auf alle Kreise aus, die nicht auf ihrer Seite stehen; oppositionelle Parteien und ihre Mitglieder werden wie „Feinde“ betrachtet. Es vergeht kein Tag, an dem Politiker der CHP und der DEM-Partei nicht in die Zange der Justiz geraten. Gewählte Bürgermeister werden abgesetzt und durch staatliche Zwangsverwalter ersetzt, viele von ihnen werden verhaftet. Namen wie Selahattin Demirtaş, Figen Yüksekdağ, Can Atalay und Osman Kavala werden trotz der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) wegen Rechtsverletzungen und der Forderung nach ihrer Freilassung seit Jahren hinter Gittern gehalten.

Die Haftstrafe und das Politikverbot gegen den Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu sind das konkretste Beispiel dafür, wie die Justiz als Keule instrumentalisiert wird. Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, soll ein durch den Volkswillen gewählter Politiker durch Verfahren ohne rechtliche Grundlage ausgeschaltet werden.

Jeder, der in Opposition zu Präsident Erdoğan steht, hat mit Klagen wegen „Beleidigung des Amtes“ oder aufgrund seiner politischen Haltung zu kämpfen; Zehntausende durchlaufen diese Prozesse. Dieses „Ein-Mann-Regime“ lastet seit vielen Jahren wie ein Albtraum auf dem Volk; das Land wird mit Methoden des Drucks und des Zwangs regiert. Während die Vorwürfe über Rechtsverletzungen und Misshandlungen in den Gefängnissen zunehmen, tun die Verantwortlichen weiterhin so, als gäbe es keine Probleme.

Studenten, die an den Universitäten gegen dieses Regime protestieren, stoßen auf Repression und werden wegen ihrer demokratischen Aktionen verhaftet. Ihre Meinungsfreiheit wird ihnen entzogen; sie werden wie Untertanen behandelt. Journalisten werden zur Zielscheibe gemacht, nur weil sie ihre Arbeit tun, und viele von ihnen, wie etwa Merdan Yanardağ, werden ins Gefängnis geworfen.  Neueste Verhaftung: İsmail Arı Selbst der kleinste kritische Artikel gegen das Regime wird zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.

Auch die Arbeiterklasse und die Gewerkschaften bleiben von diesem Druck nicht verschont. Streikrechte werden faktisch abgeschafft; gegen Arbeiter, die ihr verfassungsmäßiges Recht nutzen und einen menschenwürdigen Lohn fordern, wird die Polizei geschickt. Streikposten werden aufgelöst und Arbeiter festgenommen.

Die AKP schränkt sogar das Organisationsrecht religiöser Gruppen außerhalb ihrer eigenen Linie ein. Die Regierung, die die Religion monopolisiert hat, hat den Glauben zu einem Propagandainstrument des Regimes gemacht. Es wird versucht, das Land zu regieren, indem die Religion vollständig für die Politik instrumentalisiert wird.

Die diskriminierende und unterdrückende Haltung gegenüber den Aleviten hält unvermindert an. Die Religionspolitik des Staates konzentriert sich darauf, den sunnitischen Glauben über das Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) zu finanzieren. Während die Gehälter der Imame aus dem Staatsbudget gezahlt werden und dem Diyanet riesige Budgets zugewiesen werden, wird versucht, die religiöse Identität der Aleviten zu neutralisieren, indem man sie dem „Kulturministerium“ unterstellt. Während die Steuern der Aleviten an das Diyanet fließen, wird für ihre eigenen Glaubenszentren, die Cemevis, kein Budget bereitgestellt; der alevitische Glaube erfährt noch immer nicht den rechtlichen Status und die Anerkennung, die er verdient.

Junge Menschen ziehen es vor, das Land massenhaft zu verlassen, weil sie ihre Zukunft hier nicht mehr sehen. Die junge Generation erkennt, dass sie vom bestehenden Regime kontrolliert wird und nicht frei atmen kann. Während qualifizierte Ärzte das Land aufgrund von Druck und schlechten Arbeitsbedingungen verlassen, kann Erdoğan spöttisch sagen: „Sollen sie doch gehen.“ Der Druck auf Intellektuelle und Wissenschaftler nimmt von Tag zu Tag zu.

In der Außenpolitik verfolgt das AKP-MHP-Regime einen opportunistischen Weg. Indem sie im Russland-Ukraine-Krieg die Rolle des „Vermittlers“ einnehmen, versuchen sie, sowohl die Welt als auch die Bevölkerung der Türkei von dieser Neutralität zu überzeugen. Im Nahen Osten herrscht ein ähnlicher Widerspruch. Einerseits wird vermeintliche Kritik an der Regionalpolitik Israels und der USA geäußert, andererseits werden wirtschaftliche und strategische Interessen weiterverfolgt. Gegen unterdrückerische Regimes in Nachbarländern wie dem Iran kann keine klare Haltung eingenommen werden, da die eigenen Methoden auf einer ähnlichen Basis der Unterdrückung beruhen. Während Erdoğan für das Inland die Pose des „Weltenlenkers“ einnimmt, wird er in der Außenpolitik zu einem Akteur, der zunehmend isoliert ist und an Glaubwürdigkeit verliert. Unkritische Massen werden derweil durch diese Propaganda der „starken Führung“ konsolidiert.

Gegen dieses Ein-Mann-Regime müssen sich alle Progressiven, Demokraten, Sozialdemokraten, Kurden und Revolutionäre in der Türkei zusammenschließen und einen gemeinsamen Kampf führen. Solange diese Einheit nicht erreicht wird, wird die derzeitige Regierung ihre Herrschaft über die Völker mit der Taktik des „Teile und Herrsche“ und mit Unterdrückungsmethoden weiter fortsetzen.

 

 

24 März 2026 0 Kommentare
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Öffentliche Erklärung der Redaktion von Fremdeninfo

von Fremdeninfo 24 März 2026
von Fremdeninfo

Von:Redaktion

Wir haben erfreuliche Neuigkeiten, die wir mit der Öffentlichkeit teilen möchten. In letzter Zeit erhalten wir äußerst positives Feedback zu Fremdeninfo. Gelegentlich gab es Momente, in denen wir in Pessimismus verfielen und uns fragten: „Ist es den Kampf, den wir für Migranten führen, wirklich wert?“

Während wir zu Beginn noch zahlreiche Drohungen und beleidigende Briefe erhielten, erreichen uns heute viele Leserbriefe, die Fremdeninfo loben und unsere Arbeit sehr positiv bewerten. Dies hebt nicht nur unsere Moral, sondern steigert auch unsere Entschlossenheit. Für unsere Mitstreiter, die diesen Weg seit Jahren mit Standhaftigkeit gehen, ist dies eine große Motivationsquelle. Von Migranten erhielten wir ohnehin schon viele lobende Zuschriften; dass wir in letzter Zeit jedoch verstärkt Post von deutschen Lesern bekommen, freut uns ganz besonders.

Diese Briefe geben uns Mut und Ausdauer für unseren Kampf und steigern unseren Arbeitseifer. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass wir von Ihnen, unserer Leserschaft, noch mehr Kritik und Vorschläge erwarten. Diese Rückmeldungen werden unseren Kampfgeist weiter stärken und uns anspornen, noch intensiver zu arbeiten. Auch wir verfallen angesichts von Schwierigkeiten zeitweise in Pessimismus, doch wenn wir zurückblicken, sind wir davon überzeugt, dass unsere Arbeit richtig und zielführend ist.

Wir thematisieren kontinuierlich die Probleme, Erfolge und die gesellschaftliche Stellung von Migranten. Es kommt uns niemals in den Sinn, angesichts von Hindernissen aufzugeben. Wir informieren unsere Leser, indem wir an Treffen und Demonstrationen für Migrantenrechte teilnehmen. Dabei machen wir keine Unterschiede zwischen den Nationalitäten und begegnen jedem Menschen mit der gleichen Wertschätzung. Ein besonderes Augenmerk legen wir auf die gesellschaftliche Stellung von Migrantinnen sowie auf die spezifischen Probleme, die sich aus der Doppelrolle als „Frau“ und „Migrantin“ ergeben. Unser Ziel ist es, Migranten nicht immer nur als „Unterdrückte und Herabgesetzte“ darzustellen, sondern aufzuzeigen, in welchen Bereichen sie erfolgreich sein können, und ihren Erfolgswillen zu stärken.

Bei Schwierigkeiten bewerten wir die Situation gemeinsam und handeln erst nach eingehender Beratung. Fremdeninfo nimmt in der deutschen Öffentlichkeit und Presselandschaft einen wichtigen Platz ein. Die Richtigkeit unserer Berichterstattung, unsere Inhalte und unser Stil ziehen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, was unsere Entschlossenheit weiter festigt. Wir erwarten von Ihnen, unseren Lesern, nicht nur Lob, sondern auch konstruktive Kritik zu unseren Defiziten und dazu, was wir besser machen können. Wir freuen uns auf Worte, die uns nicht entmutigen, sondern anspornen.

Wir bitten Sie, die Website von Fremdeninfo weiterhin zu verfolgen und uns in Ihrem Bekanntenkreis weiterzuempfehlen.

Mit freundlichen Grüßen,

24 März 2026 0 Kommentare
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