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Schluss mit der Ein-Mann-Diktatur in der Türkei

von Cumali Yağmur 24 März 2026
von Cumali Yağmur 24 März 2026
Cumali Yağmur
Cumai XYagmur
339

Schluss mit der Ein-Mann-Diktatur in der Türkei

Cumali Yağmur

Es ist ein Land, in dem die Menschen ihres Lebens überdrüssig und in die Verzweiflung getrieben sind. Wir stehen vor einem Bild tiefgreifender Wirtschaftskrisen, in denen die Inflation auf über einhundert Prozent gestiegen ist. Das Volk kämpft mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die von Tag zu Tag schwerer werden. Armut scheint zum Schicksal der Menschen gemacht worden zu sein, und die Gesellschaft wurde ihrem Los überlassen. Wenn ich an die Kinder denke, die jeden Tag hungrig ins Bett gehen, ertrinke ich in jener tiefen Ohnmacht, nichts tun zu können.

Druck und Gewalt gegen Frauen sind zu einem normalisierten Phänomen geworden, dem sie sich scheinbar beugen müssen. Mörder, die Frauen mitten auf der Straße vor den Augen ihrer Kinder abschlachten, können sich dank der „Politik der Straffreiheit“ frei bewegen. Durch die Unterdrückung der Kurden und die Einschränkung demokratischer Rechte werden diese Menschen wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Im Laufe der Geschichte waren sie unter jeder Regierung mit ähnlicher Ausgrenzung und Unterdrückung konfrontiert.

Die AKP-MHP-Allianz übt Druck auf alle Kreise aus, die nicht auf ihrer Seite stehen; oppositionelle Parteien und ihre Mitglieder werden wie „Feinde“ betrachtet. Es vergeht kein Tag, an dem Politiker der CHP und der DEM-Partei nicht in die Zange der Justiz geraten. Gewählte Bürgermeister werden abgesetzt und durch staatliche Zwangsverwalter ersetzt, viele von ihnen werden verhaftet. Namen wie Selahattin Demirtaş, Figen Yüksekdağ, Can Atalay und Osman Kavala werden trotz der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) wegen Rechtsverletzungen und der Forderung nach ihrer Freilassung seit Jahren hinter Gittern gehalten.

Die Haftstrafe und das Politikverbot gegen den Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu sind das konkretste Beispiel dafür, wie die Justiz als Keule instrumentalisiert wird. Obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, soll ein durch den Volkswillen gewählter Politiker durch Verfahren ohne rechtliche Grundlage ausgeschaltet werden.

Jeder, der in Opposition zu Präsident Erdoğan steht, hat mit Klagen wegen „Beleidigung des Amtes“ oder aufgrund seiner politischen Haltung zu kämpfen; Zehntausende durchlaufen diese Prozesse. Dieses „Ein-Mann-Regime“ lastet seit vielen Jahren wie ein Albtraum auf dem Volk; das Land wird mit Methoden des Drucks und des Zwangs regiert. Während die Vorwürfe über Rechtsverletzungen und Misshandlungen in den Gefängnissen zunehmen, tun die Verantwortlichen weiterhin so, als gäbe es keine Probleme.

Studenten, die an den Universitäten gegen dieses Regime protestieren, stoßen auf Repression und werden wegen ihrer demokratischen Aktionen verhaftet. Ihre Meinungsfreiheit wird ihnen entzogen; sie werden wie Untertanen behandelt. Journalisten werden zur Zielscheibe gemacht, nur weil sie ihre Arbeit tun, und viele von ihnen, wie etwa Merdan Yanardağ, werden ins Gefängnis geworfen.  Neueste Verhaftung: İsmail Arı Selbst der kleinste kritische Artikel gegen das Regime wird zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens.

Auch die Arbeiterklasse und die Gewerkschaften bleiben von diesem Druck nicht verschont. Streikrechte werden faktisch abgeschafft; gegen Arbeiter, die ihr verfassungsmäßiges Recht nutzen und einen menschenwürdigen Lohn fordern, wird die Polizei geschickt. Streikposten werden aufgelöst und Arbeiter festgenommen.

Die AKP schränkt sogar das Organisationsrecht religiöser Gruppen außerhalb ihrer eigenen Linie ein. Die Regierung, die die Religion monopolisiert hat, hat den Glauben zu einem Propagandainstrument des Regimes gemacht. Es wird versucht, das Land zu regieren, indem die Religion vollständig für die Politik instrumentalisiert wird.

Die diskriminierende und unterdrückende Haltung gegenüber den Aleviten hält unvermindert an. Die Religionspolitik des Staates konzentriert sich darauf, den sunnitischen Glauben über das Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) zu finanzieren. Während die Gehälter der Imame aus dem Staatsbudget gezahlt werden und dem Diyanet riesige Budgets zugewiesen werden, wird versucht, die religiöse Identität der Aleviten zu neutralisieren, indem man sie dem „Kulturministerium“ unterstellt. Während die Steuern der Aleviten an das Diyanet fließen, wird für ihre eigenen Glaubenszentren, die Cemevis, kein Budget bereitgestellt; der alevitische Glaube erfährt noch immer nicht den rechtlichen Status und die Anerkennung, die er verdient.

Junge Menschen ziehen es vor, das Land massenhaft zu verlassen, weil sie ihre Zukunft hier nicht mehr sehen. Die junge Generation erkennt, dass sie vom bestehenden Regime kontrolliert wird und nicht frei atmen kann. Während qualifizierte Ärzte das Land aufgrund von Druck und schlechten Arbeitsbedingungen verlassen, kann Erdoğan spöttisch sagen: „Sollen sie doch gehen.“ Der Druck auf Intellektuelle und Wissenschaftler nimmt von Tag zu Tag zu.

In der Außenpolitik verfolgt das AKP-MHP-Regime einen opportunistischen Weg. Indem sie im Russland-Ukraine-Krieg die Rolle des „Vermittlers“ einnehmen, versuchen sie, sowohl die Welt als auch die Bevölkerung der Türkei von dieser Neutralität zu überzeugen. Im Nahen Osten herrscht ein ähnlicher Widerspruch. Einerseits wird vermeintliche Kritik an der Regionalpolitik Israels und der USA geäußert, andererseits werden wirtschaftliche und strategische Interessen weiterverfolgt. Gegen unterdrückerische Regimes in Nachbarländern wie dem Iran kann keine klare Haltung eingenommen werden, da die eigenen Methoden auf einer ähnlichen Basis der Unterdrückung beruhen. Während Erdoğan für das Inland die Pose des „Weltenlenkers“ einnimmt, wird er in der Außenpolitik zu einem Akteur, der zunehmend isoliert ist und an Glaubwürdigkeit verliert. Unkritische Massen werden derweil durch diese Propaganda der „starken Führung“ konsolidiert.

Gegen dieses Ein-Mann-Regime müssen sich alle Progressiven, Demokraten, Sozialdemokraten, Kurden und Revolutionäre in der Türkei zusammenschließen und einen gemeinsamen Kampf führen. Solange diese Einheit nicht erreicht wird, wird die derzeitige Regierung ihre Herrschaft über die Völker mit der Taktik des „Teile und Herrsche“ und mit Unterdrückungsmethoden weiter fortsetzen.

 

 

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