Leyla Kuru / Mannheim
Mit dem Körper in Deutschland, mit den Gedanken in der Türkei
Seit Jahren hat niemand den Mut aufgebracht, einen solchen Text über diese Fehlentwicklungen zu schreiben. Es ist längst überfällig, diesem Kurs ein „Stopp“ entgegenzusetzen. Es gibt immer noch Personen und Organisationen, die der Migrantenbewegung schaden. Sie begreifen nicht, wie politisch falsch es ist, die politischen Inhalte ihres eigenen Herkunftslandes hierher zu tragen.
Ich rufe euch zu, ihr Utopisten: Seid ihr immer noch nicht zur Besinnung gekommen? Wie lange wollt ihr der Migrantenbewegung noch schaden? Ihr habt den Frauenbewegungen in ganz Europa Schläge versetzt und nicht einmal die Frauenrechte verteidigt. Ohne jemals einen Marsch oder eine Versammlung gegen Gewalt an Frauen zu organisieren, habt ihr die kleinsten, unbedeutendsten Probleme eures eigenen Landes hierher getragen. Ihr habt euch damit getröstet, jedes Wochenende Demonstrationen und Versammlungen abzuhalten. Tut ihr das wirklich unbewusst, oder versucht ihr absichtlich, den Migranten hier zu schaden? Ihr kommt aus Ländern, in denen männliche Dominanz herrscht, und agiert auch hier nach diesen patriarchalischen Strukturen. Wann seid ihr jemals für eine Frau marschiert, die vor den Augen ihres Kindes ermordet wurde?
Ich habe nur auf eine Gelegenheit gewartet, um diese angestauten Gefühle in mir herauszulassen. Als ich heute jenen auf „Fremde“ fokussierten Artikel las, keimte in mir der Mut auf, diesen Text zu verfassen. Obwohl ich weiß, dass ich mich damit gegen bestimmte Männer und Organisationen stelle, möchte ich dieses Problem ansprechen. Trotz der Tatsache, dass wir in dieser Gesellschaft seit Jahren als Frauen und Migrantinnen leben, haben sie nie eine Versammlung abgehalten, um Diskriminierung, Herabwürdigung und Gewalt eingehend zu diskutieren. Ihr habt so getan, als gäbe es diese Probleme nicht, und habt stattdessen die politischen Inhalte eurer Länder hierher getragen, womit ihr den Anliegen von uns Frauen geschadet habt. Als ob dieser Schaden nicht schon genug wäre, wollt ihr weiterhin nach euren eigenen Utopien handeln. Es reicht! Von hier aus rufe ich alle Frauen auf: Ich glaube daran, dass es an der Zeit ist, dieser Fehlentwicklung ein Ende zu setzen.
Es muss eine gesunde Debatte über die Organisierung der Migrantenminderheit geführt werden
Gökhan Sönmez / Stuttgart
Eine gesunde Debatte muss geführt werden. Ich habe www.fremdeninfo.de erst als Zeitschrift und später als Webseite kennengelernt. Ihr verfolgt eine sehr konsistente Politik in Bezug auf Migranten. Zuerst möchte ich euch gratulieren: Ich möchte betonen, dass ihr die einzige Seite seid, die sich seit Jahren zum Thema Migranten behauptet.
Es ist eine Tatsache, dass Minderheiten in der Welt immer wieder mit der Politik des „Teile und herrsche“ konfrontiert werden. Auch bei der Migrantenminderheit in Deutschland lassen sich Probleme in den internen Institutionen und persönlichen Beziehungen beobachten. Ich glaube, dass es notwendig ist, eine gesunde Debatte über jene Organisationen und Personen zu führen, die den Belangen der Migranten bisher geschadet haben. Die Probleme in ihren Heimatländern beeinflussen sie auf die eine oder andere Weise; so wie ein Teil nicht vom Ganzen getrennt werden kann, tragen sie diese Merkmale in sich.
Trotzdem muss die Migrantenfrage in einer Zeit, in der die Technik fortgeschritten ist und die Welt kleiner wird, sensibler und inhaltlich fundierter angegangen werden. Einerseits der Druck der Mehrheitsgesellschaft, andererseits die fehlerhaften Organisationsformen innerhalb der Migrantenminderheit selbst schaden der Sache sehr.
Unter den heutigen Bedingungen müssen alle Migranten eine Bestandsaufnahme machen und über neue Organisationsmodelle diskutieren. Neue Organisationen sollten nicht in Form von Vereinen oder Föderationen entstehen, sondern tatsächlich den Weg einer Parteibildung einschlagen. Der Prozess der Parteibildung muss sehr gut definiert und die Partei mit einem soliden Programm gegründet werden. Andere Organisationsformen haben ihren historischen Zyklus abgeschlossen und lösen sich nun auf. Die Parteibildung sollte unter der Führung aller zukünftigen Organisationen diskutiert werden.