Ich träume von einem Land, in dem ich den Lohn für meinen Schweiß erhalten kann, ohne darum kämpfen zu müssen.“

von Cumali Yağmur

Von Zeynep Hayır

Ein Bergarbeiter

Gestern sind 63 Jahre seit dem Tod eines großen Menschen vergangen, der sein Leben dem Handwerk der Poesie gewidmet hat: Nazım Hikmet.
Ein Dichter, der ein Leben lang über Arbeit, Hoffnung und schöne Tage schrieb.
Er träumte von einer Welt, in der sich die Menschen an der „Tafel der Sonne“ versammeln würden.
Von einer Welt der Gleichheit.
Von einer Welt der Freiheit.
Einer Welt, in der Menschen durch den Schweiß ihres Angesichts in Würde leben können.

Nach 63 Jahren sind seine Gedichte geblieben.
Die Hoffnung ist geblieben.
Der Widerstand ist geblieben.
Doch die Geschichten der Menschen, die in diesen Gedichten leben, sind noch nicht zu Ende.
Seine Hoffnung lebt weiter.
Sein Widerstand lebt weiter.
Sein Kampf lebt weiter.

Manchmal in einem Gedicht.
Manchmal in einem Volkslied.
Manchmal im Klang der gelben Helme, die Bergarbeiter auf den Boden schlagen.
Manchmal in der Beharrlichkeit der Arbeiter, die vor den Fabriktoren Widerstand leisten.
Manchmal in der Geduld der Werktätigen, die auf ihre gewerkschaftlichen Rechte warten.
Und manchmal im Widerstand derer, die hinter Gittern das Siegeszeichen machen, lächeln und niemals von der Sache lassen, an die sie glauben.

Denn Hoffnung ist nicht nur ein Gefühl.
Sie ist ein Gedächtnis.
Sie ist eine Beharrlichkeit, die von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.
Sie ist ein langer Weg, auf dem andere dort weitergehen, wo einer stehen geblieben ist.

Die Geschichte der Bergarbeiter, die heute wieder auf den Plätzen sind, erzählt genau das.
Wir kennen sie von den Straßen nach Ankara.
Wir kennen sie von den hunderten Kilometern, die sie barfuß zurückgelegt haben.
Wir kennen sie von den Parolen, die sie riefen, während sie ihre gelben Helme auf den Boden schlugen.
Wir kennen sie von den Nächten, die sie auf dem nackten Beton von Ankara verbrachten.
Wir kennen sie von den Tagen ihres Hungerstreiks.
Wir kennen sie von dem Kampf, den sie begannen, als ihnen nichts anderes mehr blieb als ihr eigener Körper, um sich Gehör zu verschaffen.

Vor Monaten machten sich diese Arbeiter auf den Weg nach Ankara für Löhne, Abfindungen und rechtmäßige Forderungen, die sie seit Jahren nicht erhalten hatten.
Sie hatten unter Tage gearbeitet.
Sie hatten in der Dunkelheit produziert.
Sie hatten Risiken auf sich genommen.
Sie hatten ihren Schweiß vergossen.
Nun verlangten sie lediglich den Gegenwert ihrer eigenen Arbeit.

Nach tagelangem Marsch erreichten sie Ankara.
Sie legten sich auf den Beton.
Sie erwachten auf dem Beton.
Sie warteten vor den Polizeibarrikaden.
Sie versuchten, ihre Stimmen vor den Mauern zu erheben, die zwischen Staat und Volk errichtet wurden.
Dann begannen sie einen Hungerstreik.
Weil sie sagten, dass sie es leid seien, jahrelang zu warten.
Weil sie sagten, dass sie keine Zeit mehr zu verlieren hätten.

Der Kampf wuchs.
Menschen aus der ganzen Türkei hörten ihre Stimme.
Gewerkschaften unterstützten sie.
Demokratische Massenorganisationen unterstützten sie.
Politische Parteien unterstützten sie.
Die öffentliche Meinung wuchs.
Und schließlich schaltete sich der Staat ein.
Es gab Gespräche auf Ministerebene.
Verhandlungstische wurden errichtet.
Den Arbeitern wurden Versprechen gegeben.
Es wurde verkündet, dass ihre Forderungen ausgezahlt würden.
Zahlungspläne wurden erstellt.
Die zuständigen staatlichen Institutionen erklärten, den Prozess zu überwachen.

Als die Arbeiter Ankara verließen, kehrten sie nicht einfach nur nach Hause zurück.
Sie kehrten im Glauben an ihren Sieg zurück.
Im Glauben, dass ihr Kampf Früchte getragen hatte.
Im Glauben, dass die gegebenen Versprechen gehalten würden.
Denn diese Versprechen wurden nicht von irgendeinem Firmenchef gegeben, sondern an Tischen, die unter staatlicher Aufsicht standen.

Wochen vergingen.
Der Mai verging.
Das Fest (Bayram) kam.
Doch nach Angaben der Arbeiter wurde ein erheblicher Teil der erwarteten Zahlungen nicht geleistet.
Die genannten Termine verstrichen.
Neue Termine wurden genannt.
Neue Fristen wurden erbeten.
Neue Vorwände wurden vorgebracht.
Und heute sind die Arbeiter, die voller Hoffnung aus Ankara zurückgekehrt waren, wieder auf den Plätzen.

Als ein Arbeiter am Rednerpult sprach, erzählte seine Stimme nicht nur von seiner eigenen Familie, sondern von hunderten Arbeiterfamilien.
„Unsere Kinder sind hungrig in das Fest gegangen. Sie konnten keine Schuhe kaufen. Sie konnten keine Kleider kaufen. Sie konnten kein Opfertier schlachten.“

Dieser Satz ist keine bloße Nachrichtensentenz.
Dieser Satz ist ein Zuhause.
Er ist ein Esstisch.
Er ist die Stille einer Küche.
Er ist das Warten eines Kindes.
Er ist die Hilflosigkeit, die sich in das Herz einer Mutter und eines Vaters senkt.

Derselbe Arbeiter erzählte auch von den Versprechen, die ihnen seit Jahren gegeben wurden:
„Sie sagten, am Mittwoch wird gezahlt. Sie sagten, am Freitag wird gezahlt. Sie haben uns immer nur hingehalten.“

Ein anderer Arbeiter sprach kürzer.
Aber er war vielleicht derjenige, der am deutlichsten sprach:
„Wir haben nicht gestohlen. Wir sind nicht korrupt. Wir wollen nur unser Recht.“

Diese Worte waren wie eine Zusammenfassung der ganzen Geschichte.
Denn sie verlangten kein neues Privileg.
Sie verlangten keine Gunst.
Sie verlangten kein Almosen.
Sie verlangten den Lohn für die Tage, an denen sie gearbeitet hatten.
Ihre rechtmäßigen Gehälter.
Ihre aufgelaufenen Forderungen.
Den Gegenwert für die Arbeit, die sie über Jahre geleistet hatten.

Bei der heutigen Aktion vor dem Firmengebäude waren verschiedene demokratische Organisationen, politische Parteien und viele Menschen zur Solidarität gekommen.
Doch wie die Arbeiter berichteten, war es wieder nicht einfach, den Platz zu erreichen.
Es gab massive Sicherheitsvorkehrungen.
Straßen waren gesperrt.
Die Arbeiter versuchten, den Platz über verschiedene Umwege zu erreichen.
Ein Bergarbeiter beschrieb es so:
„Als Bürger der Republik Türkei mussten wir diesen Ort über Umwege erreichen, als wären wir Kriminelle.“

Vielleicht beginnt genau hier die Frage, die man heute stellen muss:
Warum werden Barrikaden vor Arbeitern errichtet, die ihre Rechte fordern?
Warum werden Menschen, die nur den Lohn für ihre Arbeit wollen, immer noch dazu gezwungen, zu kämpfen?
Warum werden nach jahrelangen Versprechen immer noch dieselben Forderungen laut?

Diese Fragen gehören nicht nur diesen Arbeitern.
In der ganzen Türkei dauern ähnliche Kämpfe an.
Es gibt Arbeiter, die monatelang auf ihren Lohn warten.
Es gibt Arbeiter, die ihre Abfindungen nicht erhalten.
Es gibt Arbeiter, die Widerstand leisten, weil ihre gewerkschaftlichen Rechte nicht anerkannt werden.
Es gibt Werktätige, die trotz Gerichtsurteilen ihre Rechte nicht bekommen.

Einst kämpften Arbeiter für bessere Bedingungen, höhere Löhne und neue Rechte.
Heute kämpfen immer mehr Arbeiter darum, ihre bereits erworbenen Rechte zu schützen.
Um den Lohn zu erhalten, den sie bereits verdient haben.
Um die Abfindung zu bekommen, die ihnen bereits zusteht.

Deshalb ist die Stimme, die man heute hört, nicht nur der Ruf aus einem Bergwerk.
Diese Stimme mischt sich in die gemeinsame Geschichte von Millionen, die von ihrer Hände Arbeit leben.
Und heute warten nicht nur die Arbeiter.
Ihre Familien warten.
Die Menschen, die Solidarität zeigen, warten.
Tausende, die diesen Kampf seit den Straßen von Ankara verfolgen, warten.
Sie warten darauf, ob das gegebene Wort gehalten wird oder nicht.

Denn manchmal geht es bei einem Kampf nicht nur um Geld.
Manchmal geht es um das Wort.
Um Vertrauen.
Darum, ob man zu dem steht, woran man glaubt.

Vielleicht hallte deshalb der letzte Satz auf dem Platz wie eine Zusammenfassung aller Reden wider:
„Ich träume von einem Land, in dem ich das, was ich durch meine Arbeit und meinen Schweiß verdient habe, pünktlich und rechtzeitig erhalten kann, ohne in einen solchen Kampf ziehen zu müssen.“

Vor 63 Jahren sprach ein „Arbeiter der Poesie“ von schönen Tagen.
Heute erzählen Bergarbeiter dieselbe Hoffnung mit anderen Worten.
Denn Hoffnung lebt manchmal in einem Gedicht.
Manchmal in einem Marsch.
Manchmal in Nächten auf dem Beton.
Manchmal in einem Hungerstreik.
Und manchmal in der Stimme eines Arbeiters, der sein Recht fordert.
Und offensichtlich wird diese Stimme trotz aller Hindernisse nicht verstummen.

Ähnliche Beiträge