Rettet die Turkologie an der JLU Gießen – Finanzierung dauerhaft sichern!

von Cumali Yağmur

Fremdeninfo

Wir fordern die hessische Landesregierung auf, die Finanzierung der Professur für Turkologie an der Justus-Liebig-Universität (JLU) dauerhaft zu sichern und eine nahtlose Wiederbesetzung nach der Pensionierung des bisherigen Lehrstuhlinhabers ab Oktober 2026 zu garantieren.

Es darf nicht zugelassen werden, dass diese strategisch, kultur- und geopolitisch bedeutende Säule unserer hessischen Bildungslandschaft den Sparzwängen des Hessischen Hochschulpaktes zum Opfer fällt.

Warum das wichtig ist: Die geplante Streichung der Professur ist ein bildungspolitischer Skandal und ein offener Bruch von Regierungsversprechen. Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD wurde der Ausbau des herkunftssprachlichen Unterrichts fest vereinbart. Um Türkisch als Fremdsprache flächendeckend in Hessen anzubieten, haben das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst und das Kultusministerium in der letzten Legislatur ein Projekt zur Entwicklung des Studienfachs Didaktik des Türkischen in Auftrag gegeben. Dieses wissenschaftliche Konzept liegt nun fertig in der Schublade. Die Streichung der Professur entzieht diesem mühsam erarbeiteten Fundament die Existenzberechtigung und verbrennt Steuergelder.

Mit hunderttausenden Menschen bildet die türkeistämmige Community die größte Bevölkerungsgruppe nichtdeutscher Herkunft in Hessen. Türkisch ist hier die meistgesprochene Herkunftssprache. Das Streichen dieser Professur ignoriert die Lebensrealität und die kulturelle Identität von Hunderttausenden Bürgerinnen und Bürgern und verhindert die professorale Ausbildung künftiger Lehrkräfte für Türkisch an hessischen Schulen.

Die Türkologie ist kein akademisches Nischenfach, sondern auch ein Kernbereich strategischer Außen- und Sicherheitspolitik. Die Expertise der Gießener Turkologie umfasst den gesamten zentralasiatischen Raum. Eine Region, die für die deutsche Wirtschaft und die europäische Rohstoffsicherheit im globalen Systemwettbewerb von herausragender Bedeutung ist. Wer in Zeiten globaler Krisen Sprach- und Kulturkompetenz abbaut, betreibt strategische Selbstverzwergung. Wir fordern das Land Hessen auf, die Turkologie in Gießen als Sondertatbestand und Landesprofessur zu finanzieren, anstatt die Verantwortung auf die sich in den Zwängen des Hochschulpaktes agierende Universität abzuwälzen.

Begründung

  1. Steuergeldverschwendung stoppen: Das hessische Wissenschafts- und Kultusministerium haben ein zweijähriges Projekt zur Entwicklung des Studienfachs Didaktik des Türkischen in Gießen in Auftrag gegeben und finanziert. Dieses Konzept liegt jetzt fertig ausgearbeitet vor. Die Professur jetzt einzustampfen bedeutet, dieses Fundament ungenutzt zu vernichten und Steuergelder mutwillig zu verbrennen.
  2. Koalitionsversprechen einlösen: Die schwarz-rote Landesregierung bricht ihr eigenes Wort des Ausbaus des herkunftssprachlichen Unterrichts. Ohne eine universitäre Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Gießen ist dieses Versprechen eine reine Luftnummer. Wer die Professur streicht, verhindert Türkischunterricht in Hessen.
  3. Respekt vor der Lebensrealität hundertausender türkeistämmiger Menschen in Hessen: Das Streichen dieser Professur ist ein Schlag ins Gesicht der kulturellen Identität und Anerkennung dieser Menschen. Während Russisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch, Polnisch und Ukrainisch als prüfungsrelevante reguläre Fremdsprachen an hessischen Schulen eingeführt wurden, werden die Strukturen für die Einführung von Türkisch als Fremdsprache kaputtgespart, obwohl Türkisch die quantitativ größte, am tiefsten verwurzelte Herkunftssprache in Hessen ist.
  4. Geopolitische Kurzsichtigkeit verhindern: Wir brauchen wirtschaftlich und außenpolitisch Expertise für den gesamten zentralasiatischen Raum.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Ayse Asar, Berlin

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