Mesut Özil rechnet endgültig mit Deutschland ab – „Einfach nur verletzt“

von Fremdeninfo

Artikel von Omar Ali/ WE der Westen 

In kaum einem ehemaligen deutschen Nationalspieler entzünden sich so viele Diskussionen wie an Mesut Özil. Der Weltmeister von 2014 lebt inzwischen weitgehend zurückgezogen. Eine neue Dokumentation widmet sich nun seinem Verhältnis zu Deutschland und der Frage, warum der ehemalige Profi sich so stark von der Öffentlichkeit entfernt hat.

Der frühere Profi Hamit Altintop, einst Teamkollege bei FC Schalke 04 und Real Madrid, nennt den Ex-DFB-Star seinen Freund. Gleichzeitig sagt er in der dreiteiligen Doku „Mesut Özil – Zu Gast bei Freunden“: „Keiner kennt ihn.“

Mesut Özil im Mittelpunkt der Doku

Die Produktion von Grimme-Preisträger Florian Opitz zeichnet Özils Weg nach, ohne ihn selbst zu Wort kommen zu lassen. Denn Mesut Özil, erklären die Macher, „war nicht dazu bereit“, mit ihnen zu reden. Trotzdem gilt die Dokumentation als sehenswert. Sie erzählt weniger eine klassische Fußballkarriere. Viel stärker beleuchtet sie Themen wie Integration und Rassismus in Deutschland.

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Regisseur Opitz betont die gesellschaftliche Dimension der Geschichte. Özils Lebensweg, so sagt er, bewege „die Gemüter der Deutschen“ noch immer „extrem“. Der Anfang dieser Geschichte liegt in Gelsenkirchen. In einem Interview aus dem Jahr 2017 nennt Mesut Özil die Stadt erstmals im Fernsehen „meine Heimat“.

Auch deshalb entschied sich der Spielmacher einst für die deutsche Nationalmannschaft. Er hätte ebenso für die Türkei spielen können, das Herkunftsland seiner Großeltern. Nicht alle in seiner Familie begrüßten diese Wahl. Sein Vater Mustafa berichtet, manche hätten sie sogar als „Verrat“ angesehen.

Mesut Özil und das Erdogan-Foto

Später geriet Mesut Özil wegen eines Fotos massiv unter Druck. Im Mai 2018 ließ er sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografieren. Die Aufnahme entstand in einer Zeit politischer Spannungen. Die Stimmung im Land veränderte sich deutlich. Integrations-Euphorie und Willkommenskultur wichen zunehmend neuen Konflikten.

Das Foto, dass für mächtig Aufregung sorgte. Foto: IMAGO/Anadolu Agency

Özil fühlte sich weiter als „Deutsch-Türke“ wahrgenommen. Viele betrachteten ihn nicht als vollwertigen Deutschen. Sein damaliger Berater Erkut Sögüt sagt: „Für Mesut war von Anfang an klar: Wir haben nichts Falsches gemacht“.

Nach dem Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft bei der WM wurde Özil stark kritisiert. „Wer mit Erdogan posiert“, sagt der damalige DFB-Präsident Reinhard Grindel, „kann keinen Platz in der deutschen Nationalmannschaft haben.“ Özil fühlte sich zunehmend angegriffen. Schließlich zog er die Konsequenz und trat aus dem DFB-Team zurück. Auch sportlich veränderte sich seine Karriere. Mesut Özil wechselte später in die Türkei und näherte sich politisch weiter Erdogan an.

Er ließ sich sogar das Logo der rechtsextremen Graue Wölfe tätowieren. Sein früherer Mitspieler Per Mertesacker sagt, er könne sich diesen Wandel „nicht erklären“. Heute lebt Mesut Özil überwiegend in der Türkei. Das berichtet sein ehemaliger Bundestrainer Joachim Löw.

Mesut Özil lebt heute in der Türkei

„Der Mesut“, so Löw, „lebt jetzt in der Türkei, ist weniger in Deutschland oder äußerst selten.“ Auch beim jüngsten Treffen der Weltmeister von 2014 fehlte er. Für Löw war das enttäuschend. „Das fand ich schade.“

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Der frühere DFB-Manager Oliver Bierhoff glaubt, den Grund zu kennen. Er vermutet, Özil wolle, „einen klaren Schlussstrich ziehen und die Brücken nach Deutschland abbrechen“. Warum dieser Schritt? Altintop hat eine eigene Erklärung. Mesut Özil, sagt er, „ist einfach nur verletzt

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