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Tabuthema Glücksspiel: Warum Migranten überdurchschnittlich betroffen sind

von Fremdeninfo 28 April 2026
von Fremdeninfo 28 April 2026
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Von: Dtj-online

Obwohl Glücksspiel im Islam verboten ist, sind insbesondere türkeistämmige Migranten überdurchschnittlich häufig von Spielsucht betroffen. Studien zeigen deutlich höhere Quoten als in der Mehrheitsbevölkerung. Experten sehen die Ursachen in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Faktoren – und warnen vor einer hohen Dunkelziffer.

Die Religion verbietet es – und dennoch ist die Glücksspielsucht in der türkischen Einwanderercommunity in weit überdurchschnittlichem Maße verbreitet. Es gibt noch nicht viele umfassende Untersuchungen zu dem Thema, aber Studien aus den 2010er Jahren zufolge machen Personen mit Migrationsgeschichte 44,1 Prozent der sogenannten Problemspieler aus.

In den Statistiken von Suchthilfeeinrichtungen weisen 55,3 Prozent der pathologischen Glücksspieler einen sogenannten Migrationshintergrund auf. Während nur 0,7 Prozent der Mehrheitsbevölkerung als pathologische Spieler gelten, sind es unter Türkeistämmigen 4 Prozent.

Glücksspiel unter Einwanderern regelmäßig stärker verbreitet

Neben ihnen sind auch arabischstämmige und osteuropäische Einwanderer in überdurchschnittlichem Maße von Glücksspielsucht betroffen. Zwar gibt es auch beispielsweise in südostasiatischen Einwanderercommunitys (wie Philippinen, Vietnam usw.) einen verbreiteten Zuspruch zu Spielangeboten. Allerdings handelt es sich dabei eher um Onlinespiele wie „Scatter“-Slots, bei denen sich die Einsätze in einem überschaubaren Rahmen bewegen.

Demgegenüber haben bei den am stärksten von der Spielsucht betroffenen Einwanderergruppen die Angebote auch eine soziale Komponente. Automaten-Spielhallen oder Wettbüros sind häufig beliebte Treffpunkte – die Angebote sind dabei aber oft verlockender, teurer und das Risiko, größere Summen zu verlieren, ist höher.

Betroffen von pathologischem Glücksspielverhalten sind vor allem Männer mit niedrigem sozialem Status. Etwa 12,2 Prozent der türkeistämmigen Einwanderer nutzen Automatenspiele (gegenüber 4,1 Prozent der deutschstämmigen Mehrheitsbevölkerung), bei den Sportwetten sind es sogar 16,4 Prozent (gegenüber 4,2).

Sozialer Faktor und Traum von einem besseren Leben

Die Ursachen dafür sind vielfältig. In der Türkei sind Geldspielgeräte verpönt, gleichzeitig überschätzen viele Teilnehmer ihre Gewinnchancen und unterschätzen das Abhängigkeitspotenzial. Dazu kommt der Druck, Familienangehörige im Herkunftsland zu unterstützen.

Oft erhoffen sich Besucher der Spielhallen schnelles Geld – während sie wegen sozialer Isolation, schlechter Deutschkenntnisse, Arbeitslosigkeit oder Teilzeitjobs ihren Lebensunterhalt nicht angemessen bestreiten können. Häufig spielt auch der familiäre Erwartungsdruck an Männer als traditionelle Ernährer eine Rolle.

Manchmal dient das Glücksspiel auch als Coping-Strategie gegen Einsamkeit und Alltagsprobleme und sorgt für Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Zudem bieten die Spiele Ablenkung und die Illusion eines besseren Lebens.

Beratungsstellen bieten auch muttersprachliche Hilfe für Glücksspiel-Süchtige

Da das Glücksspiel als schwere Sünde gilt, ist es mit einem hohen Maß an Scham und Tabuisierung verbunden. Dies verhindert häufig, dass Betroffene aus muslimischen Einwanderercommunitys Hilfsangebote wahrnehmen – obwohl es solche mittlerweile auch in ihrer Muttersprache gibt.

In Brilon-Wald gibt es sogar ein muttersprachliches klinisches Angebot für türkeistämmige Betroffene mit Spielsucht, Alkohol- oder Mehrfachabhängigkeit. Anträge dafür können über Suchtberatungsstellen oder Gesundheitsämter eingereicht werden. Zudem gibt es kostenlose, anonyme Telefonhotlines in türkischer Sprache. Diese betreiben unter anderem die Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland oder die türkische Beratungshotline in Mülheim an der Ruhr für Süchtige und Angehörige. Auch die Caritas bietet türkischsprachige Infos zu Suchtberatung, inklusive Glücksspiel.

In Berlin gibt es türkischsprachige Gruppen für Suchtkranke beispielsweise bei Misfit (dienstags 17–19 Uhr). Al Mudmin bietet muslimischen Betroffenen kultursensible Beratung. Die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung berät per Telefon oder Mail. Suchtberatungsstellen wie Caritas vermitteln Dolmetscher und spezielle Programme für Eingewanderte. Weitere Infos finden sich hier.

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