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DIESER JUNGE MANN MUSS LEBEN!

von Cumali Yağmur 28 April 2026
von Cumali Yağmur 28 April 2026
Bild Yeni Yasam
449

 Von: İSKAN TOLUN / Köln

In den frühen Morgenstunden verfolge ich regelmäßig die Zeitungen über Google. Doch heute sah ich mich gezwungen, am späten Nachmittag erneut nachzusehen, und als ich die Nachricht über Naser Bekirzade und insbesondere seinen Brief las, hat es mir das Herz zerrissen. Mit einem emotionalen Brief wandte sich ein junger Mann an die Weltöffentlichkeit, an Menschenrechtsorganisationen und insbesondere an Amnesty International. Während er noch von einer Hochzeit und einer eigenen Familie träumte, steht er nun unter dem Schatten der Hinrichtung.

Er wurde wegen angeblicher „Spionage für Israel“ zum Tode verurteilt, wobei das Urteil zuvor zweimal vom Obersten Gerichtshof wegen Mangels an Beweisen aufgehoben worden war. Dennoch wurde er am Samstag, den 25. April, in das Vollstreckungsbüro des Zentralgefängnisses von Urmia gerufen, wo ihm offiziell mitgeteilt wurde, dass der Oberste Gerichtshof das Todesurteil bestätigt hat. Nachdem Naser Bekirzade gegen diese Entscheidung protestiert hatte, wurde er von den zuständigen Beamten beleidigt und grausam gefoltert.

Angesichts dieser Situation hat auch seine Familie einen Appell an die Weltöffentlichkeit gerichtet:
Bekirzades Mutter und Vater, die gegen diese ungerechte Entscheidung protestieren, forderten die Aussetzung der Vollstreckung der Todesstrafe. Die Familie appellierte an die Öffentlichkeit: „Naser hat kein Verbrechen begangen. Wenn unser Sohn etwas getan hätte, warum wurde sein Urteil dann zweimal aufgehoben?“

Wie ich bereits erwähnte, verfasste Naser Bekirzade unmittelbar nach der Bekanntgabe des Hinrichtungsurteils und direkt nach der Folter einen offenen Brief an die Weltöffentlichkeit und Menschenrechtsorganisationen, in dem er um internationale Unterstützung bat. Hier ist sein herzzerreißender Brief:

„Mein geliebtes Volk und meine ehrenhaften kurdischen Brüder und Schwestern,

ich bin Naser Bekirzade. Ihr hört meine Stimme aus dem Zentralgefängnis von Urmia. Vielleicht wird dies meine letzte Stimme sein. Ich bin der Sohn von Molla Mansur, 26 Jahre alt, und habe zwei jüngere Schwestern. Ich wurde im Alter von 23 Jahren verhaftet, in der schönsten Zeit meines Lebens, als meine Hoffnungen auf dem Höhepunkt waren.

Meine Familie, insbesondere meine Mutter und mein Vater, sind seit dem Tag meiner Verhaftung jeden Tag tausend Tode gestorben. Der Schmerz der Trennung hat sie zermürbt; sie sind in jungen Jahren gealtert. Einst waren sie glücklich und träumten davon, ihren einzigen Sohn im Bräutigamsanzug zu sehen. Nur wenige Tage vor meiner Verhaftung wollten wir um die Hand eines Mädchens anhalten. Seit nunmehr vier Jahren wartet dieses Mädchen auf mich. Gerade habe ich erfahren, dass mein Todesurteil bestätigt wurde; ich weiß nicht einmal, wie ich sie anrufen und ihr das sagen soll.

Nachdem ich die Schule beendet hatte, begann ich sowohl auf eigenen Wunsch als auch auf Anraten meines Vaters eine Ausbildung an der religiösen Medrese ‚Selahaddin Eyyubi‘ in Pîranşar. Zwei Jahre später eröffnete ich ein Mobiltelefongeschäft in Urmia, um meinen Vater finanziell zu unterstützen.

Am 2. Januar 2024 wurde ich verhaftet. Drei Monate lang wurde ich in einer Zelle des Geheimdienstes der Revolutionsgarden festgehalten und schwerer psychologischer Folter ausgesetzt. Die 1. Kammer des Revolutionsgerichts von Urmia verhängte im Herbst desselben Jahres, nach zwei Verhandlungen im Sommer 2024, die Todesstrafe, ohne ausreichende Beweise oder Dokumente vorzulegen.

Diese Entscheidung wurde im April 2025 von der 39. Kammer des Obersten Gerichtshofs wegen Mangels an Beweisen aufgehoben. Die Akte wurde zur Neuverhandlung an die 2. Kammer des Revolutionsgerichts von Urmia zurückverwiesen; doch dasselbe Gericht verhängte im Schatten des zwölftägigen Krieges erneut die Todesstrafe. Auch diese Entscheidung wurde im Herbst 2025 wieder aufgehoben und meine Unschuld bestätigt.

Trotzdem wurde die Akte zum dritten Mal an dasselbe Gericht geschickt, und leider wurde im Januar 2026 mit einem Text, der eine Kopie der vorherigen Entscheidung war, zum dritten Mal die Todesstrafe verhängt. Dieses Urteil wurde heute Morgen unter den Kriegsbedingungen des Landes von der 39. Kammer des Obersten Gerichtshofs bestätigt.

Ein Todesurteil zu hören, mag für die meisten Menschen schwer begreiflich sein. Aber es ist eine Strafe, die kein Mensch ertragen kann. Das Urteil hat mich zerrissen. In jedem Moment sehe ich meinen eigenen Tod vor Augen, und meine Familie zerbricht unter dieser Last. Ignorieren Sie diesen Brief nicht; heute trifft es mich, morgen kann es jemand anderen treffen.

Ich bitte mein ganzes Volk, alle ehrenhaften Kurden auf der Welt und die religiösen Gelehrten, bei denen ich ausgebildet wurde, meine Stimme zu erheben. Bringt meine Stimme zu den Menschenrechtsorganisationen – insbesondere zu Amnesty International – und zur ganzen Welt.

Urmia unterscheidet sich vom Rest des Irans. Ich sage das von Herzen: Mein erstes ‚Verbrechen‘ war es, Kurde zu sein, das zweite, Sunnit zu sein. Helfen Sie mir. Ich bin weder der Erste noch der Letzte.

Naser Bekirzade
25. April 2026
Zentralgefängnis von Urmia“

Quelle: MA

Dieser junge Mann muss leben!.. Dieser junge Mann ist unschuldig und schwebt in Lebensgefahr; er könnte jeden Moment, wie Tausende andere, am Galgen hängen. Dagegen müssen sofortige Maßnahmen ergriffen werden.

Während ich Naser Bekirzade eine freie Zukunft wünsche, glaube ich von ganzem Herzen daran, dass die zuständigen Stellen sowie die betroffenen Institutionen und Organisationen aktiv werden und diesen staatlich begangenen Mord stoppen werden. Ich wünsche allen, jeder Institution und Organisation, die sich für das Leben dieses jungen Mannes einsetzen und Sensibilität zeigen, viel Erfolg!..

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Cumali Yağmur

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