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Flüchtlinge

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Archive

Deutschland ist nicht mehr der Magnet für Migration in Europa“

von Fremdeninfo 19 Mai 2025
von Fremdeninfo

Deutschland ist nicht mehr der Magnet für Migration in Europa“

Von: Velt

Derweil sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klare zeitliche Begrenzungen für die intensiven Kontrollen. Die verschärften Kontrollen könnten „nur noch einige Wochen aufrechterhalten“ werden, sagte GdP-Chef Andreas Roßkopf. „Das schaffen wir nur, weil Dienstpläne umgestellt wurden, die Fortbildungen der Einheiten aktuell auf Eis liegen und derzeit der Abbau von Überstunden gestoppt ist.“

Roßkopf wies darauf hin, dass seit Tagen weit über 1000 Bereitschaftspolizisten im Grenzraum im Einsatz seien. Der GdP-Chef hob zugleich hervor, dass die Polizeigewerkschaft hinter dem Bemühen der Politik stehe, die „irreguläre Migration nach Deutschland auch mit Grenzkontrollen durch die Bundespolizei zu reduzieren“.

Die Grenzkontrollen zeigen Wirkung – das sagt der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion. Deutschland sei nun „nicht mehr der Magnet für Migration in Europa.“ Die SPD warnt vor möglichen Risiken.

 

                                

                                 Alexander Throm ist innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion Christoph Soeder/dpa

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm (CDU), sieht im Zusammenhang mit den verschärften Grenzkontrollen und den Zurückweisungen an den deutschen Grenzen erste Erfolge. „Wir sehen, dass die Grenzkontrollen Wirkung zeigen“, sagte Throm den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Mit dem verschärften Aufgebot an Bundespolizei setzen wir ein klares Zeichen: Deutschland ist nicht mehr der Magnet für Migration in Europa.“

Weiter sagte Throm: „Ein solches Signal einer restriktiveren Migrationspolitik in Deutschland haben sich unsere europäischen Nachbarn seit vielen Jahren erhofft.“ Die Zusammenarbeit an der Grenze funktioniere „weitestgehend reibungslos“.

Der SPD-Innenexperte Lars Castellucci warnte dagegen vor möglichen Risiken des Vorgehens. „Mit verschärften Grenzkontrollen und unabgestimmten Zurückweisungen auch von Asylsuchenden gehen wir allerdings ein Risiko ein, dass unsere europäischen Nachbarn den gemeinsamen Kurs der Asylreform in Europa verlassen und auf nationale Maßnahmen setzen“, sagte Castellucci den Funke-Zeitungen. In der Migration könne Deutschland aber „nur gemeinsam mit unseren Nachbarn erfolgreich sein“.

Zugleich hält Castellucci an dem Ziel fest, die „irreguläre Migration weiter zu senken“. Der SPD-Politiker setzt dabei aber nach eigenen Angaben auf „gemeinsame Kontrollen mit unseren Nachbarn“

Barley: Zurückweisungen kommen „ganz schlecht“ in Brüssel an

Die deutsche Vizepräsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, sieht die neue Migrationspolitik der schwarz-roten Bundesregierung kritisch. In Brüssel kämen die Grenzkontrollen und Zurückweisungen von Migranten an den deutschen Grenzen „ganz, ganz schlecht“ an, sagte die SPD-Politikerin im BR-Fernsehen. „Der Schengenraum ist ja mit das größte Geschenk für Europa.“

Man dürfe nicht so tun, als könne man mit den Maßnahmen bereits das Problem lösen, meinte Barley. „Wir erwecken eine Erwartungshaltung bei den Bürgern, die man nicht erfüllen kann.“

Die bisherigen Erfolge der Maßnahmen nannte sie „sehr überschaubar“. Sie sprach sich stattdessen für sogenannte Schleierfahndungen aus, bei denen die Polizei verdeckte oder anlassunabhängige Personenkontrollen durchführen kann.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte wenige Stunden nach seinem Amtsantritt eine Intensivierung der Grenzkontrollen verfügt. Gleichzeitig ordnete er an, dass auch Asylsuchende an der Grenze zurückgewiesen werden können – dies sieht der Koalitionsvertrag von Union und SPD vor, und zwar „in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn“

Derweil sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) klare zeitliche Begrenzungen für die intensiven Kontrollen. Die verschärften Kontrollen könnten „nur noch einige Wochen aufrechterhalten“ werden, sagte GdP-Chef Andreas Roßkopf. „Das schaffen wir nur, weil Dienstpläne umgestellt wurden, die Fortbildungen der Einheiten aktuell auf Eis liegen und derzeit der Abbau von Überstunden gestoppt ist.“

Roßkopf wies darauf hin, dass seit Tagen weit über 1000 Bereitschaftspolizisten im Grenzraum im Einsatz seien. Der GdP-Chef hob zugleich hervor, dass die Polizeigewerkschaft hinter dem Bemühen der Politik stehe, die „irreguläre Migration nach Deutschland auch mit Grenzkontrollen durch die Bundespolizei zu reduzieren

19 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Bundespolizist fordert klare Linie für illegale Flüchtlinge: „Grundversorgung ja – aber kein Komfort“

von Fremdeninfo 16 Mai 2025
von Fremdeninfo

Bundespolizist fordert klare Linie für illegale Flüchtlinge: „Grundversorgung ja – aber kein Komfort“

                    Artikel von Andreas Kopietz, Anne-Kattrin Palme/ Berliner Zeitung

                                           

       Die Bundespolizei kontrolliert den Einreiseverkehr am deutsch-polnischen Grenzübergang Stadtbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und Slubice. © Patrick Pleul/dpa

Seit zwei Wochen sind die Kontrollen an den Grenzen zu den EU-Nachbarstaaten verschärft worden. Die neue Linie: Wer keinen Anspruch auf Schutz nach deutschem Recht geltend machen kann, muss draußen bleiben. Ausnahmen gelten für Schwangere, Kranke und unbegleitete Minderjährige. Die Bundespolizei greift dabei auf das nationale Asylgesetz zurück, das Maßnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit erlaubt. Alles wird kritisch beäugt von den EU-Nachbarstaaten.

Erste Zahlen gibt es auch schon: Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gab es in den sieben Tagen seit seiner Weisung eine „deutliche Steigerung“ der Zurückweisungen um 45 Prozent. 739 Versuche der illegalen Einreise seien zurückgewiesen worden, in der Woche davor seien es nur 511 gewesen. Zudem seien in der vergangenen Woche zwar 51 Asylgesuche gestellt worden, aber 32 Mal seien die Personen zurückgewiesen worden. In der Vorwoche habe es 44 Asylgesuche gegeben – alle durften nach Deutschland einreisen, denn da gab es Dobrindts Anweisung noch nicht.

Heiko Teggatz, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft und dort zuständig für die Bundespolizei, verschärft derweil die Debatte um die Flüchtlingspolitik. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung stellt er klar: Grenzkontrollen wirken – doch so lange Deutschland attraktiv bleibt, wird der Zustrom nicht enden! Und fordert, die staatlichen Anreize für Flüchtlinge deutlich zu reduzieren. Er verweist dabei ausdrücklich auf das dänische Modell als politisches Vorbild. Ähnlich klingt auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP): Deutschland müsse weniger attraktiv für die illegale Migration werden, indem man die Anreize verringert.

Mit seiner Weisung vom 7. Mai hat Dobrindt das Wahlversprechen eines „faktischen Einreiseverbots“ umgesetzt, das CDU-Chef Friedrich Merz im Januar gegeben hatte. Die SPD hatte einen solchen Schritt im Wahlkampf noch als europarechtswidrig abgelehnt. Für ihren Koalitionsvertrag einigten sich Union und SPD auf den Kompromiss, dass Zurückweisungen „in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn“ vorgenommen werden sollen.

Am Freitag verteidigte der CSU-Politiker seinen Kurs im Bundestag: „Die Bürger, sie erwarten von uns einen Politikwechsel“, betonte Dobrindt. Dieser habe nun an den deutschen Grenzen begonnen. Illegale Migration gefährde die Stabilität Deutschlands und Europas. „Die Integrationsfähigkeit eines Landes“ hat aus Sicht des neuen Ministers „schlichtweg eine Belastungsgrenze, und deswegen müssen wir handeln“. Städte, Gemeinden und Landkreise in Deutschland seien am Limit. Für den Innenminister ist das nur ein erster Schritt beim Kurswechsel der neuen schwarz-roten Regierung in Sachen Migrationspolitik. Er kündigte an, dass die Begrenzung der Migration wieder als Ziel im Aufenthaltsgesetz festgeschrieben werden solle.

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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt am Donnerstag mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (beide CSU)  bei den Grenzkontrollen in Kiefersfelden. © www.imago-images.de

Das rief am Freitag erneut heftige Kritik bei den Grünen und der Linkspartei hervor. Sie sind gegen eine härtere Gangart. Der Vize-Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Konstantin von Notz, monierte beispielsweise, Dobrindt vergrätze mit seinen Plänen einen Großteil der europäischen Nachbarn und schade den Grenzregionen und der deutschen Wirtschaft.

Der Vorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, bewertet die Maßnahmen indes als klaren Wendepunkt. „Wenn zweimal in der Woche die Grünen aus dem Anzug springen, dann weiß man: Wir machen es richtig. Die Zeit ist reif – wir werden 2025 einen starken Rückgang erleben, wenn wir konsequent bleiben“, sagt er. Bereits jetzt sei ein Rückgang der Flüchtlingszahlen zu verzeichnen. Schon unter Nancy Faeser habe sich die Entwicklung abgezeichnet, doch jetzt wirke auch die Verschärfung an den Grenzen: Schleusungen seien spürbar schwieriger und teurer geworden. Auch Österreich verschärfe seine Maßnahmen – ein Dominoeffekt.

Zufrieden zeigt er sich auch mit den ersten Auswirkungen: Die Zahl der Zurückweisungen steigt, das Delta zwischen unerlaubten Einreisen und Rückführungen verringert sich. „Die Wirkung sehen wir bald in den Zahlen“, so der Bundespolizist.

Für ihn steht fest: Das Asylrecht bleibt trotz harter Linie unangetastet. „Jeder, der das Wort ‚Asyl‘ sagt, wird erfasst – und wenn er an der Grenze zurückgewiesen wurde, gilt er im nächsten Land als Dublin-Fall.“ Entscheidend sei künftig der Nachweis, dass Schutzsuchende direkt nach Deutschland gekommen sind – was laut Teggatz 99,9 Prozent nicht belegen könnten. Wer durch sichere Drittstaaten reise, solle in Deutschland kein Bleiberecht mehr haben.

Doch der neue Kurs hat seinen Preis: Die Einsatzbelastung für die Bundespolizei ist hoch. Zwölf-Stunden-Schichten, teils sieben Tage am Stück, sind inzwischen Standard. „Das ist so nicht dauerhaft durchzuhalten“, warnt Teggatz. In einem Brief an Innenminister Alexander Dobrindt fordert er 3000 zusätzliche Tarifkräfte, die vollzugsfremde Aufgaben übernehmen könnten – etwa Datenerfassung, Zeltaufbau oder Sachbearbeitung. Bereits 1993 habe ein ähnliches Modell an der Ostgrenze erfolgreich funktioniert.

Im Gegensatz zur DPolG sieht die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die stationären Grenzkontrollen nach wie vor skeptisch. Sie spricht sich unter anderem auch für den Einsatz moderner Technik und eine verstärkte Schleierfahndung entlang der „grünen Grenze“ aus – den Waldgebieten und Flüssen, durch die Schleuser die Migranten schicken.

Andreas Broska, Vorsitzender der Direktionsgruppe Bundespolizei, sagt zur Berliner Zeitung, dass Deutschland etwa 3000 Kilometer Landgrenze habe: „Die können natürlich nicht voll geschlossen und voll gesichert werden.“ Nach seinen Worten hat es sich bei Schleusern herumgesprochen, dass jetzt an bestimmten Punkten kontrolliert wird. „Also suchen sich die Leute jetzt andere Wege über die Grüne Grenze. Die Neiße, die jetzt nicht so tief ist, dass man sogar durchlaufen kann.“

Er verweist dennoch auf die Erfolge der verstärkten Grenzkontrollen: „Seit in mehreren Ländern Europas stärker kontrolliert wird, speziell auch an den Außengrenzen, sind die Zahlen bei uns zurückgegangen“, sagt Broska, der auch einen Dominoeffekt sieht: „Sie sind nicht nur zurückgegangen, weil wir hier so intensiv kontrollieren, sondern weil unsere Nachbarstaaten auch kontrollieren.“

Die GdP fordert seit Jahren ein modernes Bundespolizeigesetz. Das jetzige stamme aus den 90er Jahren, sagt Broska. „Wir brauchen dringend KI-basierte Technik, auch Drohnen, Fahrzeuge, Erfassung, die den Kollegen helfen, besser Schleuser und unerlaubte Einreisen festzustellen.“ Und auch wie Teggatz unterstreicht er, dass die Kontrollen für die Bundespolizisten eine enorme Belastung seien. „Viele Kollegen stellen sich die Frage, inwieweit diese Maßnahmen zum Erfolg führen sollen. Das hier ist nur ein Puzzle, aber sicher ein sehr medienwirksamer Teil.“

Außerdem führten die Maßnahmen zu vielen Staus. „In der EU gilt Freizügigkeit, und die Kontrollen haben Auswirkungen auf die Wirtschaft. Händler und Arbeitnehmer finden es nicht toll, wenn sie eine Stunde länger brauchen, um zur Arbeit zur kommen.“ Ein Aspekt, den Dobrindt bislang nicht beobachtet haben will. Der Bundesinnenminister betonte auch am Freitag, dass es keine Probleme gebe.

Broska sagt auch: Im Wahlkampf habe man sicher ein Zeichen gegen Kritiker setzen wollen. „Aber am Ende sind wir der Auffassung, dass es eine gesamteuropäische Lösung geben muss. Das wird Deutschland allein nicht schaffen können.“

Geht es nach Teggatz, reicht es allerdings nicht aus, illegale Migration nur an den Grenzen zu stoppen. Er sagt zur Berliner Zeitung: „Wenn man wirklich etwas gegen illegale Migration tun will, muss man an die Pull-Faktoren ran. Ich plädiere für ein System wie in Dänemark: Unterkunft, Essen, medizinische Grundversorgung – aber kein Komfort.“ Der Bundespolizist weiter: „Wer rechtsbrüchig wird, verliert den Aufenthalt. In Dänemark bekommt man 1,50 Euro am Tag. Das wirkt. Wer keinen echten Anspruch hat, will da gar nicht hin. Deutschland muss das Aufenthaltsgesetz verschärfen – zum Beispiel bei Angriffen auf Polizisten.“

Nach Meinung des GdP-Mannes Broska kommt es darauf an, ebenfalls die Pull-Faktoren zu verringern, die Deutschland für die illegale Migration so anziehend machen: „Dass man Kürzungen im Sozialsystem vornimmt oder weitere Anreize wegnimmt. Das ist sicher nicht so medienwirksam wie die Kontrollen, aber auch ganz wichtig.“

Die Debatte, dass Deutschland zu viele Anreize bietet, gibt es seit Jahren, allerdings zum Unmut von Grünen, Linkspartei und Teilen der SPD. Daher dürfte die Diskussion, nun angestoßen von Polizeigewerkschaftern, erneut hitzig werden. Hier eine kleine Übersicht, wie viel Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Staaten leistet:

Deutschland: Während der Antragsstellung erhält eine alleinstehende Person in Deutschland 441 Euro pro Monat. Asylbewerber, deren Antrag in Deutschland genehmigt wurde, erhalten das Bürgergeld. Der Regelsatz für Alleinstehende beträgt 563 Euro. Hinzu kommen Kosten für Wohnung, Heizung und gesetzliche Krankenversicherung. Abgelehnte Asylbewerber mit Duldung müssen es drei Jahre in Deutschland aushalten. Nach 36 Monaten werden ihnen Leistungen wie allen deutschen Sozialhilfeempfängern gewährt: Bürgergeld, Wohn- und Heizkosten und gesetzliche Krankenversicherung. Erste Einschränkungen: In Deutschland gibt es inzwischen eine Bezahlkarte, aber nicht alle Bundesländer oder Städte, wie Berlin, ziehen mit.

Frankreich: Ein Asylbewerber in Frankreich erhält bei fehlender Unterkunft 440 Euro, sonst nur 210 Euro. Anerkannte Asylbewerber erhalten eine ähnliche Leistung, allerdings kein Wohngeld. Für abgelehnte Asylbewerber werden die Leistungen komplett gestrichen. Den Aufenthaltsstatus der Duldung gibt es in Frankreich nicht.

Dänemark: Asylbewerber erhalten in Dänemark 217 Euro zusätzlich zur Unterbringung im Heim. Abgelehnte Asylbewerber müssen freiwillig an ihrer Heimreiseplanung teilnehmen, um weiter Geld zu erhalten. Wer nicht mitmacht, bekommt nur noch Essen, Kleidung und Unterkunft in einem Abschiebelager. Sprich: Bett, Brot und Seife.

Niederlande: In den Niederlanden gibt es für Asylbewerber ein Lebensunterhaltsgeld in Höhe von14,87 Euro pro Woche. Das Geld gibt es nicht in bar, sondern immer auf einer Bankkarte. Zusätzlich gibt es pro Erwachsenen 38,24 Euro pro Woche und für Kinder 48,51 Euro. Erhält man die gesamte Verpflegung in Erstaufnahmeeinrichtung, gibt es kein Essensgeld. Asylsuchende haben Zugang zur Gesundheitsversorgung und sind gegen die meisten medizinischen Kosten sowie gegen die Folgen der gesetzlichen Haftung versichert.

Polen:  In Polen erhalten Asylbewerber lediglich Unterkunft und Essen, ohne finanzielle Unterstützung. Wer in Polen als Asylbewerber anerkannt wird, erhält 160 Euro und damit am wenigstem. Gleiches gilt in Ungarn. Auch in Polen bekommen abgelehnte Asylbewerber kein Geld mehr.

Italien: Asylbewerber bekommen 77 Euro Taschengeld zusätzlich zur Unterbringung im Heim. Je nach Einrichtung und Region kann das Geld aber auch in Form von Sachleistungen ausgegeben werden, zum Beispiel für Busfahrkarten und Essensgutscheine. Außerdem erhalten Asylbewerber einmalig ein Handyguthaben in Höhe von 15 Euro. In Italien gibt es auch für anerkannte Asylbewerber keine Sozialhilfe. Abgelehnte Asylbewerber erhalten nichts.

Griechenland: In Griechenland erhält ein Asylbewerber während der Antragsphase 150 Euro. Für Wohnen gibt es kein zusätzliches Geld. Anerkannte Asylbewerber bekommen in Griechenland 200 Euro zuzüglich Wohngeldzuschuss. Wer abgelehnt ist, bekommt nichts.

Die EU-Länder sind zudem unterschiedlich streng bei der Vergabe des Asylstatus. Dänemark hat eine deutlich schärfere Asylpolitik als Deutschland. Auch die osteuropäischen Länder vergeben den Schutzstatus seltener.

Die deutsche Linie bleibt nicht ohne Widerhall – vor allem bei den europäischen Nachbarn. Während Kanzler Friedrich Merz den Kurs als „notwendige Rückkehr zur Ordnung“ verteidigt, wächst andernorts die Kritik. Polen verweigerte jüngst die Rücknahme zweier afghanischer Flüchtlinge und berief sich auf die Dublin-Verordnung. Auch in der Schweiz und in Österreich wird das deutsche Vorgehen aufmerksam registriert. Vielen gilt der nationale Alleingang als Belastung für die ohnehin fragile europäische Asylkoordination.

Eine Sprecherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) / Staatssekretariat für Migration (SEM) sagt der Berliner Zeitung: „Zurückweisungen von deutscher Seite sind nichts Neues und wurden bereits vor den Ankündigungen der deutschen Regierung im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten durchgeführt. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit, BAZG, stellt seit den neusten Ankündigungen keine Veränderungen an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz fest.“

Sie fügt allerdings auch hinzu: „Die Schweiz beobachtet die Entwicklung der Lage aber laufend. Und sollte sich die Situation verändern, behält sich der Bundesrat eine entsprechende Reaktion vor.“ Man erwarte, dass deutsche Maßnahmen an den Grenzen in Abstimmung mit der Schweiz und unter Einhaltung des geltenden Rechts erfolgen – also insbesondere das bilaterale Rückübernahmeabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz, das Dublin-Recht sowie die Genfer Flüchtlingskonvention beachten.

Auch im EU-Nachbarstaat Österreich zeigt man sich noch gelassen, aber wachsam. Doch das Land findet es im Prinzip gut, was Deutschland macht. Das sei der Kurs, den auch Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker von der ÖVP vorgegeben habe, hieß es am Freitag. Ein Kurs, den der konservative Volkspartei-Mann schon vorab mit dem CDU-Mann Friedrich Merz abgesprochen habe.

Der Gewerkschafter Teggatz dagegen sieht derzeit keine echten Konflikte mit den Nachbarstaaten. „Was Zurückweisungen betrifft, klappt das überraschend reibungslos. Die erfolgen direkt an der Grenze.“ Er verweist darauf, dass viele EU-Staaten jahrelang selbst gegen Dublin-Regeln verstoßen hätten – und nun überrascht seien, dass Deutschland Konsequenzen zieht. „Jetzt merken sie: Deutschland lässt nicht mehr alles durchgehen.“

16 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

32 Asylsuchende zurückgewiesen – Dobrindt zufrieden

von Fremdeninfo 16 Mai 2025
von Fremdeninfo

 

32 Asylsuchende zurückgewiesen – Dobrindt zufrieden

                           Artikel von Timo Frasch/ Faz

 

 

                           

                                    32 Asylsuchende zurückgewiesen – Dobrindt zufrieden © AFP

 Der neue Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat während eines Besuchs des deutsch-österreichischen Grenzübergangs auf der Autobahnraststätte „Inntal Ost“ bei Kiefersfelden eine aus seiner Sicht positive Bilanz der von ihm angewiesenen verstärkten Grenzkontrollen gezogen.

Die Zahl der Zurückweisungen insgesamt habe in der vergangenen Woche bei 739 gelegen, das sei eine Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, da habe es an allen deutschen Grenzen 511 Zurückweisungen gegeben. Vergleichsweise gering an den 739 Fällen ist allerdings der Anteil derer, die trotz Asylgesuchs zurückgewiesen wurden: laut Dobrindt 32. 51 Asylgesuche habe es insgesamt gegeben. 19 Personen seien als Angehörige der vulnerablen Gruppen identifiziert und nach Deutschland gelassen worden. In der Vorwoche, als er, Dobrindt, noch nicht im Amt war, seien 44 Asylsuchende an den deutschen Grenzen angelangt – alle seien ins Land gekommen.

Smarte Kontrollen

Dobrindt verwahrte sich gegen Kritik, wonach es sich bei den verstärkten Kontrollen um Showmaßnahmen handele. Nicht nur seien 3000 zusätzliche Kräfte der Bundespolizei im Einsatz, sondern auch Drohnentechnik, Wärmebildkameras und Hubschrauber. Davon abgesehen handele es sich bei den Kontrollen um „smarte“, das bedeutet, nicht an jeder Grenze stehe ein Bundespolizist, „aber es könnte einer stehen“. Das soll Deutschland „nichtausrechenbar“ machen für Schleuser.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder, der mit Dobrindt an die Grenze gekommen war, wies auf die wichtige Rolle der von ihm 2018 reaktivierten bayerischen Grenzpolizei hin. Die Bundespolizei sei der erste „Schutzwall“, die Grenzpolizei, die nach Art der Schleierfahndung im grenznahen Landesinneren operiert, der zweite.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verfolgt das neue Vorgehen an der Grenze aufmerksam und kritisch. Alle Dienstpläne seien umgestellt worden, Zwölf-Stunden-Schichten die Regel. So beschreibt es Sven Hüber, Vorsitzender der GdP für den Bereich Bundespolizei. Im Wahlkampf hatte die CSU, voran Söder, nicht nur verlangt, die bayerische Grenzpolizei mit genuinen Aufgaben der Bundespolizei zu betrauen, sondern auch die Bundespolizei mit 10.000 neuen Kräften zu verstärken. Söder wiederholte die Forderung nach mehr Personal, ohne eine Zahl zu nennen. Zur Grenzpolizei sagte er, indirekt weise diese ja zurück, indem sie die entsprechenden Fälle der Bundespolizei übergebe. Das freilich war schon so, als er mehr Kompetenzen verlangte.

Dobrindt zeigte sich mit der gegenwärtigen Aufgabenteilung zufrieden. Was die personelle Ausstattung der Bundespolizei betrifft, äußerte er sich offen, er sei „sehr dafür, dass wir die Kräfte der Bundespolizei Zug um Zug weiter aufstocken“, er verwies aber auf die nötige Abstimmung mit der SPD.

Gewerkschaftschef Hüber sagte am Donnerstag, die Haltung der Nachbarstaaten zu dem deutschen Vorgehen sei ambivalent. Polen habe sich kürzlich geweigert, zwei Personen, die Asyl beantragt hatten, zurückzunehmen. Die polnische Polizei nannte als Grund, dass die zwei Afghanen nicht unmittelbar an der Grenze aufgegriffen wurden, sondern einige Kilometer jenseits auf deutschem Boden.

In so einem Fall spricht die Bundespolizei nicht von einer Zurückweisung, die es nur direkt an der Grenze gibt, sondern von einer Zurückschiebung. Dann verlangt Warschau einen Nachweis, dass die Personen wirklich über Polen gereist sind. Auf den Fall der Afghanen wurde Dobrindt in Kiefersfelden angesprochen. Er sagte, die Bundespolizei habe „klug“ und „mit Augenmaß“ gehandelt. Es habe eine Diskussion über die Zuständigkeit gegeben, man habe die Personen dann übernommen. „In vielen anderen Fällen“ laufe es andersherum. „Das nenne ich ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis.“

16 Mai 2025 0 Kommentare
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Rassismus

Rassismus in Deutschland: „Wie sicher würdest du dich fühlen, wenn der Staat dich töten könnte?“

von Fremdeninfo 15 Mai 2025
von Fremdeninfo

 

Rassismus in Deutschland: „Wie sicher würdest du dich fühlen, wenn der Staat dich töten könnte?“

                                Artikel von Watson

 

                                                

                                      Jette Nietzard schreibt bei watson über Rassismus. © Watson

Jette Nietzard sagt in der Politik ihre Meinung genauso deutlich wie auf Social Media. Hier schreibt die Co-Chefin der Grünen Jugend über Rassismus und ihre Wut über den Fall Lorenz A. Der 21-Jährige aus Oldenburg starb Ende April, nachdem ein Polizist fünfmal auf ihn geschossen hatte.

Ich würde gerne mit dir über Rassismus reden. Dabei meine ich nicht einmal „Ausländer raus“-Parolen aus Popsongs. Ich meine nicht die Beschimpfungen, die sich asiatisch gelesene Menschen anhören mussten, weil Menschen sie für die Corona-Pandemie verantwortlich gemacht haben. Und ich meine auch nicht deinen Onkel, der ignorant ist und auch nach der dritten Erklärung weiterhin das N-Wort sagt.

Lass uns lieber über strukturelle Machtverhältnisse reden. Was ich damit meine? Die Polizei, die im Bahnwaggon nur nicht-weiße Menschen nach ihren Papieren fragt. Die Politik, die für Lorenz keinen Innenausschuss einberuft. Oder uns alle, die wir Spargel essen und unsere Großeltern pflegen lassen, aber bei den Arbeitsbedingungen der dafür verantwortlichen Menschen lieber kollektiv wegschauen.

Rassismus ist keine Sammlung von tragischen Einzelfällen, sondern ein strukturelles System der Unterdrückung, von dem ich profitiere. Von dem du wahrscheinlich profitierst. Von dem alle profitieren, die Macht in dieser Gesellschaft haben. Und je mehr Macht du hast, desto mehr profitierst du.

Strukturelle Probleme lösen wir nicht, wenn wir so tun, als wären sie individuelle Probleme, die sich durch das Canceln einzelner Leute klären lassen. Und zu behaupten, das Problem liege an Rechtsextremen und der AfD, wäre auch zu kurz gegriffen und befreit mich und dich von der Verantwortung, die wir ohne Zweifel tragen.

Nicht nur die AfD legitimiert in der deutschen Politik Rassismus

„Rassismus wirkt nicht nur dort, wo er offen als Ideologie auftritt, sondern auch dort, wo er institutionell normalisiert, bürokratisch codiert und kulturell legitimiert ist“, sagte schon Cihan Sinanoglu, Leiter des Nationalen Rassismusmonitors. Und nicht nur die AfD legitimiert ihn eben, sondern auch die CDU und SPD, wenn sie sich über Abschiebepläne im TV batteln, oder eben die Grünen, wenn sie sagen, dass Zuwanderung eine Zumutung ist.

Staatliche Institutionen sollten Menschen eigentlich schützen. Aber wie sicher würdest du dich fühlen, wenn nach deinem nächsten Streit in der Disco der Staat dich töten könnte? Eine Frage, die ich als weiße Person mir ehrlich gesagt noch nie gestellt habe, weil mein Discobesuch nicht damit beendet wird, dass die Polizei mich erschießt. Anders als Lorenz, der am Ostersonntag in Oldenburg von einem Polizisten niedergeschossen wurde.

„Die Medien haben es in vielen Fällen geschafft, in den letzten Jahren ein Bild von Angst und Schrecken vor migrantisierten Männern zu zeichnen.“

Und wenn ich im psychischen Ausnahmezustand bin, würde ich wohl auch nicht erschossen werden wie Mouhamed Lamine Dramé. Der damals 16-Jährige starb 2022 bei einem Polizeieinsatz in Dortmund.

Auf wen sollen sich migrantisierte Menschen nach solchen Vorfällen noch verlassen können?

Die Medien haben es in vielen Fällen geschafft, in den letzten Jahren ein Bild von Angst und Schrecken vor migrantisierten Männern zu zeichnen. Man könnte fast davon ausgehen, dass ich – jung, blond und Sozialarbeiterin – schon mehrfach von dieser Horde junger Männer vergewaltigt worden wäre. Schließlich bin ich alleine mit zehn von ihnen, wenn ich zu einer Nachtschicht an meinem Arbeitsplatz in der Geflüchtetenunterkunft komme. Liest man heute Zeitung, scheint es oft so, als seien migrantisierte Männer das größte Übel für die Bundesrepublik – gewalttätig, kulturlos, frauenverachtend. Spoiler: Es ist nicht so!

Dass die Bibel jetzt auch nicht gerade die Herrschaft der Frauen ausruft, dass Kultur kein eindimensionaler Begriff ist, über den Deutsche die einzige Deutungshoheit haben, und dass selbst die polizeiliche Kriminalstatistik diese Vorwürfe nicht stützt, spielt dabei keine Rolle. Kulturelle Kämpfe werden selten auf der Basis von Fakten ausgetragen. Wer auf dem Schulhof, aber auch in der Gesellschaft ausgegrenzt wird, darüber entscheiden keine Fakten. Rassismus entsteht nicht durch objektive Daten und Studien, sondern durch bestehende Machtverhältnisse und gewollte Agitation.

Wenn du an „Ausländer“ denkst, dann denkst du wahrscheinlich nur an Geflüchtete. Denn die Vielfalt der migrantisierten Menschen in Deutschland ist den meisten Menschen einfach egal.

Dass Geflüchtete nur 20 Prozent der Migration nach Deutschland ausmachen, bildet sich in der medialen Debatte nicht ab. Dass Menschen mit vietnamesischer Familiengeschichte einerseits mal als Arbeitskräfte in die DDR kamen, aber auch als sogenannte „Boatpeople“ vor dem kommunistischen Regime flohen, wird ignoriert.

Fehler bei der Integration: bewusst geschaffene Parallelgesellschaft

Wie erklärt man den Begriff „Wirtschaftsflüchtlinge“, wenn Gastarbeiter:innen die Prosperität in Westdeutschland erst ermöglicht haben?

Man wollte und brauchte ab 1960 die „Wirtschaftsflüchtlinge“, aber von damals bis heute wurde bewusst verhindert, dass sie am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Sie sollten die Sprache nicht lernen – und heute beschweren sich Menschen, dass sie die Sprache nicht sprechen. Sie sollten abgeschieden wohnen – und heute beschweren sich Menschen über das „Ghetto-Viertel“.

Dabei waren wir es doch, die bewusst eine Parallelgesellschaft geschaffen haben. Menschen haben sich kaputt gearbeitet, um heute in Altersarmut zu leben und abends mit Angst ins Bett gehen, weil sie wissen, dass ihre Enkel nachts bei einer Polizeikontrolle sterben könnten.

Ich schreibe diesen Text auch, weil es mir um die Sicherheit der 18.000 Schulkinder geht, die Mitte April in Duisburg nicht zur Schule gehen konnten, weil Rechtsextreme sie bedroht haben. In Duisburg gehen viele Kinder zur Schule, die Nachfahren eben dieser Gastarbeiter:innen sind. Deren Eltern auch nach Deutschland kamen, damit es ihren Kindern einmal besser geht. Doch dieses Aufstiegsversprechen ist eine große Lüge.

„Antirassistische und soziale Politik kann hier einen entscheidenden Unterschied machen.“

Ein sozialer Aufstieg ist in Deutschland kaum mehr möglich – dieser Zustand wurde absichtlich geschaffen, um Verhältnisse zu festigen.

Rassismus führt in Deutschland zu sozialer Ungleichheit, die sich auf den Geldbeutel und dadurch auch die Möglichkeiten migrantisierter Kinder auswirkt.

Antirassistische und soziale Politik kann hier einen entscheidenden Unterschied machen. Mit höheren Löhnen, damit Menschen nach Jahrzehnten am Fließband nicht in Altersarmut leben müssen. Mit einer Aufwertung von Wohnvierteln, damit gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird und der Wohnort nicht weiter die Gesundheit beeinflusst. Mit finanzieller Umverteilung, damit alle von wirtschaftlichem Reichtum profitieren. Damit könnten Schulen saniert oder günstige Mobilität ermöglicht werden.

Und es zeigt sich, dass wir als weiße Menschen und migrantisierte Menschen eigentlich einen gemeinsamen Kampf kämpfen. Denn diese Zementierung von sozialer Ungleichheit hilft eben jenen, die auch jetzt schon Macht haben. Statt uns gegenseitig zu bekämpfen, um im aktuellen System ein bisschen besser dazustehen, müssen wir gemeinsam gegen die bisherigen Machtverhältnisse ankämpfen.

Damit bin ich am Ende meiner Worte, aber die Wahrheit ist: Das alles ist mir nicht einfach so eingefallen. Das habe ich nicht in Schule, Studium oder Talkshows gelernt, wo wir es gewohnt sind, vor allem weiße Stimmen zu hören. Es sind migrantisierte Stimmen, denen ich dieses Wissen zu verdanken habe: den Autorinnen Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah, der Aktivistin Hami Nguyen, Musikerin Reyhan Şahin (aka. Lady Bitch Ray), der Sozialwissenschaftlerin Bafta Sarbo, Rapperin Nura, Journalistin Eleonora Roldán Mendívil und so vielen weitere. Und ich finde es wichtig, dass wir ihr Wissen wertschätzen und zur Sichtbarkeit beitragen

Jette Nietzard schreibt bei watson über Rassismus. © Watson

Jette Nietzard sagt in der Politik ihre Meinung genauso deutlich wie auf Social Media. Hier schreibt die Co-Chefin der Grünen Jugend über Rassismus und ihre Wut über den Fall Lorenz A. Der 21-Jährige aus Oldenburg starb Ende April, nachdem ein Polizist fünfmal auf ihn geschossen hatte.

Ich würde gerne mit dir über Rassismus reden. Dabei meine ich nicht einmal „Ausländer raus“-Parolen aus Popsongs. Ich meine nicht die Beschimpfungen, die sich asiatisch gelesene Menschen anhören mussten, weil Menschen sie für die Corona-Pandemie verantwortlich gemacht haben. Und ich meine auch nicht deinen Onkel, der ignorant ist und auch nach der dritten Erklärung weiterhin das N-Wort sagt.

Lass uns lieber über strukturelle Machtverhältnisse reden. Was ich damit meine? Die Polizei, die im Bahnwaggon nur nicht-weiße Menschen nach ihren Papieren fragt. Die Politik, die für Lorenz keinen Innenausschuss einberuft. Oder uns alle, die wir Spargel essen und unsere Großeltern pflegen lassen, aber bei den Arbeitsbedingungen der dafür verantwortlichen Menschen lieber kollektiv wegschauen.

Rassismus ist keine Sammlung von tragischen Einzelfällen, sondern ein strukturelles System der Unterdrückung, von dem ich profitiere. Von dem du wahrscheinlich profitierst. Von dem alle profitieren, die Macht in dieser Gesellschaft haben. Und je mehr Macht du hast, desto mehr profitierst du.

Strukturelle Probleme lösen wir nicht, wenn wir so tun, als wären sie individuelle Probleme, die sich durch das Canceln einzelner Leute klären lassen. Und zu behaupten, das Problem liege an Rechtsextremen und der AfD, wäre auch zu kurz gegriffen und befreit mich und dich von der Verantwortung, die wir ohne Zweifel tragen.

Nicht nur die AfD legitimiert in der deutschen Politik Rassismus

„Rassismus wirkt nicht nur dort, wo er offen als Ideologie auftritt, sondern auch dort, wo er institutionell normalisiert, bürokratisch codiert und kulturell legitimiert ist“, sagte schon Cihan Sinanoglu, Leiter des Nationalen Rassismusmonitors. Und nicht nur die AfD legitimiert ihn eben, sondern auch die CDU und SPD, wenn sie sich über Abschiebepläne im TV batteln, oder eben die Grünen, wenn sie sagen, dass Zuwanderung eine Zumutung ist.

Staatliche Institutionen sollten Menschen eigentlich schützen. Aber wie sicher würdest du dich fühlen, wenn nach deinem nächsten Streit in der Disco der Staat dich töten könnte? Eine Frage, die ich als weiße Person mir ehrlich gesagt noch nie gestellt habe, weil mein Discobesuch nicht damit beendet wird, dass die Polizei mich erschießt. Anders als Lorenz, der am Ostersonntag in Oldenburg von einem Polizisten niedergeschossen wurde.

„Die Medien haben es in vielen Fällen geschafft, in den letzten Jahren ein Bild von Angst und Schrecken vor migrantisierten Männern zu zeichnen.“

Und wenn ich im psychischen Ausnahmezustand bin, würde ich wohl auch nicht erschossen werden wie Mouhamed Lamine Dramé. Der damals 16-Jährige starb 2022 bei einem Polizeieinsatz in Dortmund.

Auf wen sollen sich migrantisierte Menschen nach solchen Vorfällen noch verlassen können?

Die Medien haben es in vielen Fällen geschafft, in den letzten Jahren ein Bild von Angst und Schrecken vor migrantisierten Männern zu zeichnen. Man könnte fast davon ausgehen, dass ich – jung, blond und Sozialarbeiterin – schon mehrfach von dieser Horde junger Männer vergewaltigt worden wäre. Schließlich bin ich alleine mit zehn von ihnen, wenn ich zu einer Nachtschicht an meinem Arbeitsplatz in der Geflüchtetenunterkunft komme. Liest man heute Zeitung, scheint es oft so, als seien migrantisierte Männer das größte Übel für die Bundesrepublik – gewalttätig, kulturlos, frauenverachtend. Spoiler: Es ist nicht so!

Dass die Bibel jetzt auch nicht gerade die Herrschaft der Frauen ausruft, dass Kultur kein eindimensionaler Begriff ist, über den Deutsche die einzige Deutungshoheit haben, und dass selbst die polizeiliche Kriminalstatistik diese Vorwürfe nicht stützt, spielt dabei keine Rolle. Kulturelle Kämpfe werden selten auf der Basis von Fakten ausgetragen. Wer auf dem Schulhof, aber auch in der Gesellschaft ausgegrenzt wird, darüber entscheiden keine Fakten. Rassismus entsteht nicht durch objektive Daten und Studien, sondern durch bestehende Machtverhältnisse und gewollte Agitation.

Wenn du an „Ausländer“ denkst, dann denkst du wahrscheinlich nur an Geflüchtete. Denn die Vielfalt der migrantisierten Menschen in Deutschland ist den meisten Menschen einfach egal.

Dass Geflüchtete nur 20 Prozent der Migration nach Deutschland ausmachen, bildet sich in der medialen Debatte nicht ab. Dass Menschen mit vietnamesischer Familiengeschichte einerseits mal als Arbeitskräfte in die DDR kamen, aber auch als sogenannte „Boatpeople“ vor dem kommunistischen Regime flohen, wird ignoriert.

Fehler bei der Integration: bewusst geschaffene Parallelgesellschaft

Wie erklärt man den Begriff „Wirtschaftsflüchtlinge“, wenn Gastarbeiter:innen die Prosperität in Westdeutschland erst ermöglicht haben?

Man wollte und brauchte ab 1960 die „Wirtschaftsflüchtlinge“, aber von damals bis heute wurde bewusst verhindert, dass sie am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben. Sie sollten die Sprache nicht lernen – und heute beschweren sich Menschen, dass sie die Sprache nicht sprechen. Sie sollten abgeschieden wohnen – und heute beschweren sich Menschen über das „Ghetto-Viertel“.

Dabei waren wir es doch, die bewusst eine Parallelgesellschaft geschaffen haben. Menschen haben sich kaputt gearbeitet, um heute in Altersarmut zu leben und abends mit Angst ins Bett gehen, weil sie wissen, dass ihre Enkel nachts bei einer Polizeikontrolle sterben könnten.

Ich schreibe diesen Text auch, weil es mir um die Sicherheit der 18.000 Schulkinder geht, die Mitte April in Duisburg nicht zur Schule gehen konnten, weil Rechtsextreme sie bedroht haben. In Duisburg gehen viele Kinder zur Schule, die Nachfahren eben dieser Gastarbeiter:innen sind. Deren Eltern auch nach Deutschland kamen, damit es ihren Kindern einmal besser geht. Doch dieses Aufstiegsversprechen ist eine große Lüge.

„Antirassistische und soziale Politik kann hier einen entscheidenden Unterschied machen.“

Ein sozialer Aufstieg ist in Deutschland kaum mehr möglich – dieser Zustand wurde absichtlich geschaffen, um Verhältnisse zu festigen.

Rassismus führt in Deutschland zu sozialer Ungleichheit, die sich auf den Geldbeutel und dadurch auch die Möglichkeiten migrantisierter Kinder auswirkt.

Antirassistische und soziale Politik kann hier einen entscheidenden Unterschied machen. Mit höheren Löhnen, damit Menschen nach Jahrzehnten am Fließband nicht in Altersarmut leben müssen. Mit einer Aufwertung von Wohnvierteln, damit gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht wird und der Wohnort nicht weiter die Gesundheit beeinflusst. Mit finanzieller Umverteilung, damit alle von wirtschaftlichem Reichtum profitieren. Damit könnten Schulen saniert oder günstige Mobilität ermöglicht werden.

Und es zeigt sich, dass wir als weiße Menschen und migrantisierte Menschen eigentlich einen gemeinsamen Kampf kämpfen. Denn diese Zementierung von sozialer Ungleichheit hilft eben jenen, die auch jetzt schon Macht haben. Statt uns gegenseitig zu bekämpfen, um im aktuellen System ein bisschen besser dazustehen, müssen wir gemeinsam gegen die bisherigen Machtverhältnisse ankämpfen.

Damit bin ich am Ende meiner Worte, aber die Wahrheit ist: Das alles ist mir nicht einfach so eingefallen. Das habe ich nicht in Schule, Studium oder Talkshows gelernt, wo wir es gewohnt sind, vor allem weiße Stimmen zu hören. Es sind migrantisierte Stimmen, denen ich dieses Wissen zu verdanken habe: den Autorinnen Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah, der Aktivistin Hami Nguyen, Musikerin Reyhan Şahin (aka. Lady Bitch Ray), der Sozialwissenschaftlerin Bafta Sarbo, Rapperin Nura, Journalistin Eleonora Roldán Mendívil und so vielen weitere. Und ich finde es wichtig, dass wir ihr Wissen wertschätzen und zur Sichtbarkeit beitragen

15 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Rechtsextremismus: 2024 gab es 255 Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland

von Fremdeninfo 15 Mai 2025
von Fremdeninfo

Rechtsextremismus: 2024 gab es 255 Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland

 

Von Der Spiegel

Die Unterkünfte von Schutzsuchenden sind in Deutschland wieder vermehrt Ziel von Angriffen. Die Linke sieht die Schuld am Hass nicht allein bei der AfD.

                             

                  Rechtsextremismus: 2024 gab es 255 Angriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland © Sebastian Christoph Gollnow / dpa

 

Seit 2015 werden in Deutschland immer wieder Flüchtlingsunterkünfte attackiert, angezündet, beschmiert. Die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen solche Unterkünfte ist 2024 auf den höchsten Wert seit 2017 gestiegen. Das geht aus Nachmeldungen der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkenfraktion im Bundestag hervor, wie die »Neue Osnabrücker Zeitung« (NOZ) berichtet. Demnach wurden im vergangenen Jahr 255 Straftaten mit Bezug zu Flüchtlingsunterkünften erfasst. 2023 hatte die Zahl mit 176 deutlich niedriger gelegen. 2017 lag sie bei 284.

Die Innenpolitikerin der Linken, Clara Bünger, begründete den Anstieg der Angriffe mit einem allgemeinen Rechtsruck. »Das gesellschaftliche Klima hat sich in den letzten Jahren besorgniserregend nach rechts verschoben«, sagte Bünger der NOZ. »Es ist wenig überraschend, dass Rassisten sich unter diesen Umständen ermutigt fühlen, individuell oder kollektiv Geflüchtete zu bedrohen, sie körperlich anzugreifen oder ihre Unterkünfte zu zerstören.«

Von SPD bis AfD herrscht weitgehende Einigkeit«

Die Schuld daran trägt laut Bünger nicht allein die AfD. »Von SPD bis AfD herrscht weitgehende Einigkeit, dass man möglichst wenige Geflüchtete aufnehmen will«. Schutzsuchende würden »als Feinde und Eindringlinge markiert, die möglichst pauschal an den Grenzen abgewiesen werden sollen«.

 

Für das erste Quartal 2025 wurden laut der Antwort des Bundesinnenministeriums bislang 30 politisch motivierte Straftaten registriert, bei denen Geflüchtetenunterkünfte Tatort oder Angriffsziel waren. In sechs Fällen konnte die Polizei Tatverdächtige ermitteln.

Auch die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen Geflüchtete außerhalb von Unterkünften ist 2024 mit den Nachmeldungen durch die Bundesregierung weiter gestiegen: auf insgesamt 2271. Darunter waren 287 Gewalttaten, infolge derer 235 Menschen verletzt wurden. Damit liegt die Zahl der Angriffe auf Geflüchtete zwar leicht unter dem Jahr 2023 mit 2450 Vorfällen, aber nach wie vor auf hohem Niveau. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es 249 solcher Fälle.

15 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Zahl der Angriffe auf Asylunterkünfte auf höchsten Wert seit 2017

von Fremdeninfo 15 Mai 2025
von Fremdeninfo

 

 

Zahl der Angriffe auf Asylunterkünfte auf höchsten Wert seit 2017

Von Welt

255 politisch motivierte Straftaten in Bezug auf Asylunterkünfte hat es im vergangenen Jahr gegeben – so viele wie seit 2017 nicht mehr. Die Linke macht das gesellschaftliche Klima verantwortlich. „Von SPD bis AfD“ herrsche schließlich weitgehende Einigkeit beim Thema Migration.

                                

                                    Polizisten vor einer Asylunterkunft Marius Bulling/onw-images/dpa

Die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen Asylunterkünfte ist 2024 auf den höchsten Wert seit 2017 gestiegen. Das geht aus Nachmeldungen der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) berichtet. Demnach wurden im vergangenen Jahr 255 Straftaten mit Bezug zu Unterkünften für Migranten erfasst. 2023 hatte die Zahl mit 176 deutlich niedriger gelegen. 2017 lag sie bei 284.

Die Innenpolitikerin der Linken, Clara Bünger, begründete den Anstieg der Angriffe mit einem allgemeinen Rechtsruck. „Das gesellschaftliche Klima hat sich in den letzten Jahren besorgniserregend nach rechts verschoben“, sagte Bünger der „NOZ“. „Es ist wenig überraschend, dass Rassisten sich unter diesen Umständen ermutigt fühlen, individuell oder kollektiv Geflüchtete zu bedrohen, sie körperlich anzugreifen oder ihre Unterkünfte zu zerstören.“ Die Schuld daran trägt laut Bünger nicht allein die AfD. „Von SPD bis AfD herrscht weitgehende Einigkeit, dass man möglichst wenige Geflüchtete aufnehmen will“.

Für das erste Quartal 2025 wurden laut der Antwort des Bundesinnenministeriums bislang 30 politisch motivierte Straftaten registriert, bei denen Unterkünfte Tatort oder Angriffsziel waren. In sechs Fällen konnte die Polizei Tatverdächtige ermitteln.

Zahl der Gewalttaten gegen Migranten auf hohem Niveau

Auch die Zahl der politisch motivierten Straftaten gegen Migranten außerhalb von Unterkünften ist 2024 mit den Nachmeldungen durch die Bundesregierung weiter gestiegen: auf insgesamt 2271. Darunter waren 287 Gewalttaten, infolge derer 235 Menschen verletzt wurden.

Damit liegt die Zahl der Angriffe auf Migranten zwar leicht unter dem Jahr 2023 mit 2450 Vorfällen, aber nach wie vor auf hohem Niveau. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es 249 solcher Fälle.

15 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Straftäter abschieben? Markus Lanz kritisiert in hitziger Debatte „Lebenslüge“ in der Asylpolitik

von Fremdeninfo 14 Mai 2025
von Fremdeninfo

Straftäter abschieben? Markus Lanz kritisiert in hitziger Debatte „Lebenslüge“ in der Asylpolitik

           Artikel von Natascha Wittmann

           Markus Lanz ©ZDF / Markus Hertrich

 

                                                 

                           Markus Lanz diskuierte am Dienstagabend unter anderem mit Linken-Politikerin Janine Wissler über die deutsche Asylpolitik.

Die Asylpolitik der neuen Bundesregierung spaltet landesweit die Gemüter. Bei „Markus Lanz“ lieferte sich Linken-Politikerin Janine Wissler ein hitziges Wortgefecht mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière, als es um das Thema Zurückweisungen an deutschen Grenzen ging.

Die neue schwarz-rote Regierung macht Ernst in Sachen verschärfte Asyl-Politik: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt offenbarte erst vor wenigen Tagen gegenüber dem ZDF: „Wir werden auch die Grenzkontrollen hochfahren. Ich werde diese Weisung gegenüber der Bundespolizei geben und dann auch die Zurückweisung infolgedessen verstärken.“

Grund genug für Markus Lanz, am Dienstagabend in seiner Sendung zu fragen: „Wie geht es weiter in der deutschen Migrationspolitik?“ Eine Frage, die Ex-Bundespolizist Jan Solwyn mit großer Skepsis beantwortete. Er gab zu: „Wir haben diesen europäischen Grenzschutz niemals so hergestellt, wie wir ihn bräuchten, um die europäischen Außengrenzen wirklich zu sichern.“ Der Ex-Bundespolizist warnte daher: „Wir stehen an einem Scheidepunkt“, sagte Solwyn, „Ich glaube, wir brauchen eine Entscheidung: Wollen wir im Schengenraum bleiben? Dann muss die Konsequenz daraus der konsequente Schutz der europäischen Außengrenzen sein. Dann müssen alle Staaten ihre Ressourcen mobilisieren und dahin verlegen.“

Jan Solwyn fügte mit ernster Miene hinzu: „Oder wir sagen: Schengen ist gescheitert (…) und wir ziehen nationale Grenzen wieder hoch. Ich glaube, wir sind an diesem Punkt angelangt.“ Der ZDF-Moderator reagierte sichtlich überrascht und fragte: „Ist das das Ende einer großen Illusion?“ Ex-Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte, dass „der Traum vom Schengen“ wahrscheinlich ausgeträumt sei: „Aber Schengen (…) komplett aufzugeben, das wäre verheerend.“

Dennoch blieb Jan Solwyn bei seiner Meinung und erklärte, dass ein Großteil der Geflüchteten lediglich nach Deutschland komme, „um dann ein besseres Leben zu haben“: „Das war die Masse der Fälle!“ Der Ex-Bundespolizist warnte: „So kann ein Asylsystem nicht funktionieren und so kann auch eine Gesellschaft nicht funktionieren.“ Eine Warnung, die Linken-Politikerin Janine Wissler nicht verstehen konnte. Sie hielt dagegen: „Das ist keine Gefahr, das sind Menschen, die auf der Flucht sind!“

Thomas de Maizière: „Solange es Wohlstandsgefälle in der Welt gibt, wird es Flüchtlingsbewegungen geben“

Mit Blick auf den verschärften Migrationskurs der neuen Bundesregierung wetterte Wissler weiter: „Ich bin schon entsetzt darüber, dass man hier mit Ansage auch geltendes Recht bricht. Die Menschenrechte kann man nicht über einen Notstand (…) einfach aufheben. Und man kann natürlich nicht einfach Menschen an der Grenze in ein Nachbarland zurückweisen.“ Als Thomas de Maizière kritisch reagierte, fragte die Linken-Politikerin: „Wie wollen Sie denn die Flüchtlinge davon abhalten, dass sie sich in Sicherheit bringen und aus einem Land heraus fliehen?“ Der ehemalige Bundesinnenminister zeigte sich unbeeindruckt und hielt dagegen. Die Fluchtursachen zu bekämpfen sei richtig: Aber „solange es Wohlstandsgefälle in der Welt gibt, wird es Flüchtlingsbewegungen geben.“

Laut de Maizière könne „die rechtliche und politische und soziale Lösung“ nicht darin bestehen, „dass alle zu uns kommen. Das heißt, sie brauchen Maßnahmen, um das einzugrenzen“. Eine Möglichkeit der Eingrenzung seien dabei auch die Zurückweisungen an der Grenze, die „einen kleinen Beitrag leisten“. „Die Idee, zu sagen, wir können einfach alle reinlassen“ bezeichnete de Maizière gleichzeitig als falsch. Besonders ärgerte er sich darüber, dass sich die Linkspartei gegen die Abschiebung von Kriminellen stark macht. „Ich kann es nicht genau verstehen“, so der CDU-Politiker.

Janine Wissler über Abschiebungen: „Das ist doch absurd!“

Statt einzulenken, konterte Janine Wissler genervt: „Ich halte es für sehr viel sinnvoller, wenn wir Mörder in deutschen Gefängnissen haben als frei auf Kabuls Straßen. Da gibt es nämlich auch Menschen, denen er was antun kann.“ Die Linken-Politikerin echauffierte sich weiter darüber, dass bei „der Debatte, ‚Lasst uns doch die Kriminellen abschieben'“ häufig so getan werde, „als würde man die auf den Mond schießen“ Die Straftäter seien aber ja nicht weh: „Die gefährden doch auch anderswo Menschen. Ist uns das egal?“. Die Politikerin redete sich daraufhin in Rage und sagte: „Dieses ganze Asylsystem, das ist doch krank! Wir reden gleichzeitig über Fachkräftemangel!“ Laut Wissler werde beispielsweise ein Krankenpfleger ohne triftigen Grund aus der Nachtschicht abgeschoben: „Das ist doch absurd!“

Thomas de Maizière ließ dies nicht unkommentiert und gab zu, dass es in der Vergangenheit durchaus „verwaltungsmäßig Einzelfälle und Fehler“ gegeben habe. Janine Wissler konterte prompt: „Das sind keine Einzelfälle!“ Während Jan Solwyn davor warnte, nicht alle Menschen „über einen Kamm“ zu scheren, sagte auch Markus Lanz mit strenger Miene: „Es ist in gewisser Weise auch eine Lebenslüge, wenn man einer deutschen Öffentlichkeit immer erklärt: Es geht hier ausschließlich um Menschen, die vor Tod und Krieg und Verderben fliehen. Das ist nicht so!“

14 Mai 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Freie Universität Berlin: Keine Abschiebungen nach propalästinensischen Protesten

von Fremdeninfo 14 Mai 2025
von Fremdeninfo

Freie Universität Berlin: Keine Abschiebungen nach propalästinensischen Protesten

Weil sie an der Freien Universität randaliert und Uni-Mitarbeiter bedroht haben sollen, sollten zwei Iren, eine Polin und eine Person aus den USA Deutschland verlassen. Jetzt hat sich ein Gericht dagegen gestellt.

 

                                                         

 

 

 

Freie Universität Berlin: Keine Abschiebungen nach propalästinensischen Protesten © Fabian Sommer / dpa

Sie sollen bei propalästinensischen Protesten an der Freien Universität Berlin Beschäftigte bedroht haben, daraufhin ordnete das Land Berlin ihre Ausweisung oder Abschiebung an. Jetzt hat das Berliner Verwaltungsgericht dieses Vorhaben gestoppt und zugunsten zweier Iren, einer Polin und einer Person aus den USA entschieden. Das teilte das Gericht mit.

Am 10. April und am 6. Mai hatte das Gericht in einem ersten Eilverfahren den Beschwerden eines Mannes und einer Frau aus Irland stattgegeben. Sie dürfen nicht abgeschoben werden, bis über ihre Klage in der Hauptsache entschieden ist. Nun ging es um eine Polin, der ebenfalls die EU-Freizügigkeitsrechte entzogen worden waren, und um einen Menschen aus den USA, der ausgewiesen werden sollte.

Das Land Berlin hatte die Entscheidung, die Personen ausweisen oder abschieben zu lassen, mit deren Teilnahme an propalästinensischen Protesten begründet, bei denen es zu Straftaten gekommen war. Die Senatsinnenverwaltung argumentierte, von den Betroffenen gehe eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit Deutschlands aus. Sie begründete das damit, dass bei gewaltsamen Vorfällen im Rahmen der Proteste an der Freien Universität Berlin Vermummte in ein Gebäude eingedrungen waren und Beschäftigte bedroht hatten.

u dem Menschen aus den USA stellte das Gericht nun fest, es gebe keine Vorstrafen, und eine Handlung als Täter sei nicht klar. Ebenso wenig sei ersichtlich, ob die Person der gewalttätigen Gruppe der propalästinensischen Szene als festes Mitglied angehöre. Auch bei der Polin seien die Voraussetzungen für eine Abschiebung nicht gegeben. Viele Ermittlungen der Polizei würden noch laufen.

14 Mai 2025 0 Kommentare
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Politik

Türkei: Die PKK verkündet eine „neue Ära“

von Fremdeninfo 13 Mai 2025
von Fremdeninfo

                      Türkei: Die PKK verkündet eine „neue Ära“

                                                            Artikel von Von Raphael Geiger, Istanbu/ S.Z

                                             

Kommt der seit 1999 inhaftierte PKK-Führer nun möglicherweise frei?  Anhänger mit einem Bild von Abdullah Öcalan bei einer Kundgebung in Diyarbakır im Südosten der Türkei. © YASIN AKGUL/AFP

Im Land passieren zwei Dinge zugleich: Die kurdische PKK-Miliz verkündet nach einem halben Jahrhundert das Ende des bewaffneten Kampfs, sie löst sich auf. Und die Proteste gegen Recep Tayyip Erdoğan gehen weiter. Schafft es der Präsident, das Land neu zu sortieren?

Die PKK verkündet eine „neue Ära“

Nach einem halben Jahrhundert des Krieges reichen für den Frieden ein paar Sätze. Sie trete „in eine neue Ära“ ein, teilte die PKK am Montagmorgen mit, die „Arbeiterpartei Kurdistans“, jene Miliz, die seit den Siebzigerjahren gegen den türkischen Staat gekämpft hat – und der Staat gegen sie. Mehreren Zehntausend Menschen hat dieser Krieg das Leben gekostet, er hat die Türkei geprägt und die ganze Region.

Jetzt, so heißt es in der Erklärung der PKK nach ihrem Parteitag, sei der bewaffnete Kampf vorbei. Und nicht nur das. „Alle unter dem Namen der PKK stattfindenden Aktivitäten sind beendet“, heißt es. Die Organisation löst sich auf.

Es ist ein historischer Schritt, der nicht ganz überraschend kommt. Abdullah Öcalan, der die PKK damals in einem Dorf im Südosten der Türkei gegründet hatte, der seit 1999 auf einer Insel im Marmarameer in Haft sitzt, er hatte seine Kameraden im Februar genau dazu aufgefordert. Vorher war eine kurdische Delegation immer wieder zwischen dem inhaftierten Anführer und der türkischen Regierung in Ankara hin und her gereist und hatte vermittelt.

Es war der türkische Ultranationalist Devlet Bahçeli, der den neuen türkisch-kurdischen Friedensprozess begann. Ein Mann, der früher leugnete, dass es eine kurdische Ethnie gibt, und dessen Forderung es lange Zeit war, dass Öcalan hingerichtet werde. Vor einigen Monaten nun gab Bahçeli im Parlament kurdischen Abgeordneten die Hand. Er ist der Koalitionspartner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Dieser spricht selbst schon länger von einer „terrorfreien Türkei“.

Die Regierung ist nun gefragt, der kurdischen Minderheit etwas anzubieten

Aus Sicht der Regierung hat die PKK den Krieg ohnehin verloren, die Kämpfe fanden nur noch in den Bergen des Nordirak statt, wohin sich die Organisation zurückgezogen hatte. Zumindest öffentlich ließ sich Erdoğan deshalb auch nicht auf Zugeständnisse ein. Bis jetzt ist unklar, was er anbot, damit sich Öcalan zur Auflösung der PKK bereit erklärte. Aus Ankara hieß es, über politische Schritte werde man erst reden, wenn die Organisation sich an ihr Versprechen halte: Sich also auflöse und ihre Waffen abgebe.

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Vor einem Balanceakt: Präsident Recep Tayyip Erdoğan braucht die Stimmen der Kurden, aber auch die der Nationalisten. © Antonio Masiello/Getty Images

In deren Erklärung heißt es nun, ihr Kampf erst habe es ermöglicht, dass „die kurdische Frage nun durch demokratische Politik gelöst werden kann“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die kurdische Frage aus Sicht der PKK eben noch nicht gelöst ist. Dass die Regierung nun gefragt ist, der kurdischen Minderheit etwas anzubieten: das Recht auf ihre Sprache etwa. Oder auch, dass kurdische Häftlinge aus den türkischen Gefängnissen freikommen. Zum Beispiel der seit 2016 einsitzende Selahattin Demirtaş, der wohl populärste kurdische Politiker in der Türkei.

Für einen „dauerhaften Frieden“ sei es außerdem wichtig, lässt die PKK wissen, dass „Führer Apo“, so nennen sie Öcalan, den Friedensprozess leite. Ein Satz, der sich als Forderung lesen lässt, dass der Gefangene entweder freikommen muss oder sich wenigstens, anders als bisher, öffentlich äußern darf.

Enttäuschte Nationalisten sammeln sich jetzt rechtsaußen

Für Präsident Erdoğan ist das ein politischer Balanceakt. Einerseits will er den Frieden mit den Kurden, wobei ihm viele auch taktische Motive unterstellen: Er braucht deren Stimmen für eine mögliche Wiederwahl. Andererseits dürfte Erdoğan wissen, dass der Friedensprozess in weiten Teilen der Gesellschaft nicht sehr beliebt ist. Die meisten türkischen Männer haben als Wehrpflichtige in der Armee gedient und waren oft im Südosten eingesetzt, also im Kampf gegen die PKK. Die Familien der gefallenen Soldaten fragen auch öffentlich, wofür ihre Söhne gestorben sind, wenn der Staat sich nun auf Amnestien einlässt – vielleicht sogar für Öcalan selbst

Erdoğan riskiert damit, dass er nationalistische Wähler verliert. Von ihm enttäuschte Nationalisten sammeln sich etwa in der „Zafer Partisi“, der „Partei des Sieges“, einer oppositionellen Rechtsaußenpartei, die in den Umfragen immer beliebter wird. Ihr Chef sitzt in Haft. Auch deswegen nehmen die Zafer-Anhänger an den aktuellen Straßenprotesten teil, die das Land seit der Verhaftung des Istanbuler Oberbürgermeisters İmamoğlu erlebt.

Ekrem İmamoğlus eigene Partei, die ebenfalls in Teilen nationalistische CHP, hat sich bisher nicht gegen den Friedensprozess gestellt, sie hat ihn sogar begrüßt. İmamoğlu gewann seine Wahlen in Istanbul stets mithilfe kurdischer Wählerinnen und Wähler.

So steht die Türkei vor einer Phase, in der sich die Politik neu sortiert. Und in der sich die Zukunft des Präsidenten entscheidet: Das Ende der PKK geschieht parallel zu den Protesten gegen Erdoğan; gerade am Wochenende kam die Führung der CHP zu einer Kundgebung in die kurdische Stadt Van im Osten des Landes. Dort wählte früher kaum jemand die Partei, die ihre Hochburgen in den Städten des Westens hat.

Die CHP will zeigen, dass auch kurdische Bürgerinnen und Bürger hinter İmamoğlu stehen, ihrem designierten Präsidentschaftskandidaten – und dass es echten Frieden erst gibt, wenn das Land zurück zur Demokratie findet. In der Erklärung der PKK fällt das D-Wort 29-mal

13 Mai 2025 0 Kommentare
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Politik

Beschluss der Kurdenpartei lässt Menschen in der Türkei hoffen

von Fremdeninfo 13 Mai 2025
von Fremdeninfo

                                           Beschluss der Kurdenpartei lässt Menschen in der Türkei hoffen                 

 

                                         

PKK will sich auflösen

Beschluss der Kurdenpartei lässt Menschen in der Türkei hoffen – es gibt aber auch Grund zur Sorge

Von Anne Pollman /Haz

Istanbul. Nach einem jahrzehntelangen blutigen Konflikt mit dem türkischen Staat hat die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ihre Auflösung angekündigt. Es sei beschlossen worden, die organisatorische Struktur der PKK aufzulösen und die Methode des bewaffneten Kampfs zu beenden, schrieb die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF. Dieser Prozess solle vom Gründer der Organisation geleitet werden, dem auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali inhaftierten Abdullah Öcalan. 

Die Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan (AKP) reagierte vorsichtig optimistisch auf die Entscheidung: „Wenn der neue PKK-Beschluss vollständig umgesetzt wird und alle PKK-Unterorganisationen und illegalen Strukturen geschlossen werden, wird dies ein Wendepunkt sein“, sagte Parteisprecher Ömer Celik der Nachrichtenagentur Anadolu. Die PKK war 1978 von Öcalan in der Türkei gegründet worden – hauptsächlich als Reaktion auf die politische, soziale und kulturelle Unterdrückung der Kurden in dem Land. Seit den Achtzigerjahren kämpft sie mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. Inzwischen ist die PKK von der Forderung eines unabhängigen Staats abgerückt. Die PKK wird in der Türkei, in der EU und in den USA als Terrororganisation eingestuft. 

Die PKK reagiert mit dem Schritt auf einen Aufruf Öcalans, der seit 1999 in der Türkei inhaftiert ist. Im Februar hatte er die Organisation aufgefordert, die Waffen niederzulegen und sich aufzulösen. Zentrale Fragen sind nun, wie dieser Prozess ablaufen wird, wer die Entwaffnung beaufsichtigen und was mit den Kämpfern der Organisation geschehen wird. Laut ANF fordert die Vereinigung rechtliche Garantien, um den Prozess abzusichern. Die PKK hatte ihre Auflösung zuvor daran geknüpft, dass Öcalan „in die Lage versetzt werde, unter freien Bedingungen zu leben und zu arbeiten“. Dazu ist bisher aber nichts bekannt. Auch Erdogan hatte eine Freilassung strikt abgelehnt. 

Ein Ende der PKK dürfte Auswirkungen über die Türkei hinaus haben: Die PKK hat ihr Hauptquartier in den irakischen Kandilbergen und ist auch in Syrien und Europa präsent. Ob alle Gruppierungen der PKK der Entscheidung folgen, ist ungewiss. Die Türkei hatte in der Vergangenheit gefordert, dass eine Auflösung auch die syrische Kurdenmiliz YPG umfassen müsse. Ankara sieht diese als einen Ableger der PKK. Die YPG hatte sich kürzlich aber mit der neuen syrischen Regierung darauf geeinigt, sich vollständig in die Streitkräfte des Lands integrieren zu lassen – ein Schritt, der Ankaras bisherige Forderung hinfällig machen könnte.

Die Aussicht auf ein Ende der PKK hatte bei vielen die Hoffnung auf eine Lösung des Kurdenkonflikts, mehr Rechte für Kurden in der Türkei und vor allem ein Ende der Kämpfe geschürt. Laut der Denkfabrik International Crisis Group sind im Kurdenkonflikt im Lauf der Jahrzehnte bisher rund 40.000 Menschen getötet worden. Zuletzt war 2013 eine Waffenruhe ausgerufen worden, der Friedensprozess scheiterte dann aber im Sommer 2015. Das türkische Militär geht regelmäßig gegen die PKK in der Türkei, im Irak und in Syrien vor. 

Der Aufruf Öcalans geht auf eine Initiative von Erdogans ultranationalistischem Regierungspartner, der Partei MHP, zurück. Ihr Chef Devlet Bahceli, bisher ausgesprochener Gegner einer Aussöhnung mit der PKK, hatte im Oktober eine Freilassung Öcalans ins Spiel gebracht, sollte die PKK ihre Waffen niederlegen und sich auflösen. Experten sehen dafür mehrere Gründe. Zum einen sei die PKK im Irak durch die türkischen Angriffe geschwächt. Auch in der kurdischen Bevölkerung wachse die Forderung nach einem Ende der Kämpfe. Zudem sei mit dem Gaza-Krieg, der Schwächung des Irans und dem Umsturz in Syrien in der Region ein Machtvakuum entstanden – sowohl Kurden als auch die Türkei wollten das gestalten. Eine nicht unwesentliche Rolle dürfte zudem Erdogans angestrebte Verfassungsänderung spielen, um erneut als Präsident kandidieren zu können. Dafür braucht er etwa die Stimmen der prokurdischen Partei.

Die Kurden in der Türkei fordern seit Jahrzehnten eine gesellschaftliche und politische Gleichstellung. Das wird auch jetzt vorgebracht: Verhandlungspunkte könnten die Anerkennung des Kurdischen als Nationalsprache oder die Änderung des Verfassungsartikels sein, der besagt, dass jeder türkische Staatsbürger Türke ist. Weitere zentrale Forderung der kurdischen Seite ist ein Ende der Einsetzung von Zwangsverwaltern. In von der prokurdischen Partei regierten Provinzen in der Türkei werden immer wieder gewählte Bürgermeister durch regierungsnahe Zwangsverwalter ersetzt. Nicht zuletzt wird auch ein Ende von Öcalans Isolationshaft gefordert.

Ein tatsächlicher Friedensprozess müsste neben der PKK auch andere kurdische Gruppierungen und Akteure einbeziehen, zumal es nicht nur um den bewaffneten Kampf zwischen PKK und dem türkischen Staat geht. Beobachter sagen auch, ein ernsthafter Friedensprozess könne nur mit einer zumindest teilweisen Demokratisierung einhergehen. Ob dies unter der Führung des zunehmend autoritär regierenden Erdogan geschehen kann, bezweifeln viele.

 

13 Mai 2025 0 Kommentare
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Die „Fremden“ Info-Zeitung ist eine in Niedersachsen ansässige Redaktion, die sich auf die rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten von Einwanderern und Flüchtlingen konzentriert. Wir beobachten und analysieren relevante Entwicklungen in der Region Hannover und vertreten die Interessen von Mitbürgern mit Migrations- und Fluchthintergrund bei Behörden, Verbänden und politischen Parteien.

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