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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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AllgemeinFlüchtlinge

Güler will in Syrien für „inklusiven Transitionsprozess“ werbenSerap

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Politik

Die Ereignisse in der Türkei müssen als Teil der neuen Weltordnung akzeptiert werden.

von Cumali Yağmur 5 September 2025
von Cumali Yağmur

Von  Cumali Yağmur

Die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu verstärkt die Sorgen um die Zukunft der türkischen Politik, während die internationale Presse diese Situation im Kontext einer „sich wandelnden Weltordnung“ behandelt. Aber warum vermeidet Europa eine direkte Konfrontation mit Ankara?

Die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu hat weltweit bemerkenswerte Reaktionen hervorgerufen. Insbesondere Organisationen der Europäischen Union und europäische Parlamentarier haben über soziale Medien und mit Videos Unterstützung bekundet. In einigen europäischen Städten wurden Protestmärsche organisiert.

Während die Verhaftungswelle in der Türkei mit voller Geschwindigkeit weitergeht, gab es eine interessante Einschätzung der Lage aus der israelischen Presse. In einer Analyse, die in der in Tel Aviv ansässigen, rechtsgerichteten Zeitung Jerusalem Post veröffentlicht wurde, wurden die Ereignisse in der Türkei im Kontext einer „sich wandelnden internationalen Ordnung“ betrachtet.

Auf der einen Seite will Europa sich nicht zu sehr in einen Konflikt mit der Türkei einmischen. Sie schweigen angesichts des Drucks, den die AKP und MHP auf die sozialdemokratische CHP ausüben. Dies wird vom Westen oft ignoriert. Europäische Länder und die NATO haben die Türkei über viele Jahre hinweg weiterhin unterstützt. Die Türkei positioniert sich zwischen Europa und Russland, gibt vor, Moskau entgegenzutreten, agiert aber gleichzeitig in enger Zusammenarbeit mit ihm. Gleichzeitig baut sie auch starke Beziehungen zum Iran auf.

In der Vergangenheit hatte Ankara auch Drohungen gegen Israel und Griechenland ausgesprochen, versucht, die NATO-Mitgliedschaft Schwedens zu verhindern, und die Flüchtlingskrise als Verhandlungsinstrument gegen Europa genutzt, um Kritik westlicher Länder an der Türkei zu unterbinden.

Europäische Länder sind besorgt, dass die Türkei Einfluss auf Migrationspopulationen ausüben könnte, und vermeiden daher eine direkte Konfrontation mit Ankara.

Die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters wird im Westen und in den Ländern der Region genau verfolgt. Er ist jedoch nicht der einzige Oppositionspolitiker, der von den politischen Repressionen der AKP MHP betroffen ist. Der ehemalige Vorsitzende der Demokratischen Partei der Völker (HDP), Selahattin Demirtaş, ist seit fast zehn Jahren inhaftiert, und auch andere Oppositionsführer wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kein oppositioneller Politiker in der Türkei von den politischen Prozessen ausgenommen ist, die die AKP MHP mithilfe des Justizapparats durchführt.

Im Gerichtsverfahren des CHP-Parteitags kam es zu einer Entwicklung bezüglich der „Einsetzung eines Treuhänders für Istanbul“. Das 42. Zivilgericht von Ankara hat Straf- und Zivilakten zum CHP-Provinzparteitag in Istanbul angefordert. In der Klage zur Aufhebung des CHP-Provinzparteitags, der am 8. Oktober 2023 in Istanbul stattfand, hatte das Gericht entschieden, den Provinzvorsitzenden Özgür Çelik und die derzeitige Führung von ihren Aufgaben zu entbinden.

Anstelle des Istanbuler Provinzvorsitzenden Özgür Çelik wurde ein Treuhänder eingesetzt, wodurch ehemalige CHP-Führer in die Istanbuler CHP-Verwaltung zurückkehrten. Diese Situation führte zu einer neuen Debatte innerhalb der CHP.

Diese politische Vernichtungspolitik der AKP MHP gegen die CHP wurde von der kurdischen Partei DEM Partei scharf verurteilt. In der Vergangenheit hatte die DEM Partei sich nicht geäußert, als Treuhänder für Bürgermeister der DEM Partei eingesetzt wurden. Einige CHP-Mitglieder haben im Laufe der Zeit Selbstkritik für ihre Fehler geübt.

5 September 2025 0 Kommentare
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Information

Grüne wollen AfD-Verbotsverfahren vorantreiben – mit Union, SPD und Linken

von Fremdeninfo 4 September 2025
von Fremdeninfo

Artikel von AFP

Die Grünen im Bundestag wollen die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens vorantreiben – und streben dabei ein gemeinsames Vorgehen mit den Fraktionen von Union, SPD und Linken an. Es gehe darum, „die Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens verantwortungsvoll zu prüfen und gegebenenfalls zeitnah auf den Weg zu bringen“, schrieben die Fraktionschefinnen Britta Haßelmann und Katharina Dröge in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an ihre Kolleginnen und Kollegen von Union, SPD und Linkspartei.

In dem Brief luden Dröge und Haßelmann die Vorsitzenden der anderen Bundestagsfraktionen – mit Ausnahme der AfD – zu entsprechenden Gesprächen ein. Darin wollen die beiden Grünen-Politikerinnen „das weitere gemeinsame Vorgehen in dieser Sache“ absprechen, wie es in dem Schreiben heißt. „Ein gemeinsames Vorgehen der demokratischen Fraktionen und aller Demokrat*innen im Deutschen Bundestag ist von zentraler Bedeutung.“

Vorgeschlagen wird ein Termin in der ersten Sitzungswoche nach der parlamentarischen Sommerpause, diese wäre also schon in der kommenden Woche. „Die Angelegenheit drängt: Es geht um die Verteidigung unserer Demokratie“, schrieben Haßelmann und Dröge weiter.

Die beiden begründen die Dringlichkeit mit der „fortschreitenden Radikalisierung der AfD und zahlreichen Hinweise auf ihre mögliche Verfassungswidrigkeit“. Letztere seien Gegenstand rechtlicher und fachlicher Gutachten, unter anderem des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Gerichtet ist der Brief vom Mittwoch an die Fraktionschefs von Union, Jens Spahn (CDU), und SPD, Matthias Miersch, sowie die Linken-Fraktionsspitze Heidi Reichinnek und Sören Pellmann. Die Linksfraktion nahm die Einladung umgehend an, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigte.

Für AfD-Chefin Alice Weidel entbehrt ein Verbotsverfahren gegen ihre Partei „jeder Grundlage“. Der Nachrichtenagentur AFP sagte sie: „Ein Verbot der größten Oppositionspartei würde der Demokratie schweren Schaden zufügen und das Vertrauen der Bürger in den Staat erschüttern.“ Weidel sprach vom „verzweifelten Versuch von Grünen und SPD, von ihrem eklatanten Versagen als Regierungsparteien und ihrem Absturz in der Wählergunst abzulenken“.

Über den Versuch, die AfD als verfassungsfeindliche Bestrebung verbieten zu lassen, wird schon seit langem sehr kontrovers diskutiert. Die Hürden gelten als sehr hoch. Ein Parteiverbotsverfahren beantragen können Bundestag, Bundesrat oder Bundesregierung. Über das Verbot entscheidet dann ausschließlich das Bundesverfassungsgericht.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die AfD in einem im Mai vorgelegten Gutachten als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Die Partei reichte dagegen per Eilantrag Beschwerde beim Verwaltungsgericht Köln ein. Das Bundesamt für Verfassungsschutz gab daraufhin für die Dauer des Verfahrens eine sogenannte Stillhaltezusage ab und behandelt die AfD vorläufig weiter lediglich als rechtsextremistischen Verdachtsfall.

awe/

4 September 2025 0 Kommentare
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Allgemein

Deutlicher Anstieg: Syrer auf Platz 1 bei Einbürgerungen in NRW

von Fremdeninfo 4 September 2025
von Fremdeninfo

 

Syrer stellen seit 2021 die größte Gruppe bei den Einbürgerungen in Nordrhein-Westfalen. Seit 2021 seien im bevölkerungsreichsten Bundesland 66.366 syrische Staatsangehörige eingebürgert worden, teilte das Statistische Landesamt am Donnerstag in Düsseldorf mit.

Allein 2024 waren es 24.349 Menschen. Die Zahl der Einbürgerungen sei seit 2021 merklich angestiegen, weil immer mehr der zwischen 2014 und 2016 eingereisten syrischen Schutzsuchenden die formellen Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllt hätten, hieß es.

Syrer sind die zweitgrößte Ausländergruppe in NRW

Insgesamt stellen Syrerinnen und Syrer laut Statistik inzwischen die zweitgrößte Ausländergruppe in NRW, nach türkischen Staatsangehörigen. Ihre Zahl hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren verneunfacht: Ende 2024 lebten knapp 288.000 syrische Staatsangehörige in NRW, 2014 waren es erst gut 31.000. Den größten Anstieg gab es den Angaben zufolge in den Jahren 2015 und 2016, als besonders viele Menschen aus Syrien nach Europa flüchteten.

Einbürgerung schneller möglich

Im Juni 2024 trat das Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft. Nun kann eine Einbürgerung bereits nach fünf statt bisher acht Jahren Aufenthalt in Deutschland beantragt werden. Bei besonderen Integrationsleistungen (etwa Erfolg in Schule oder Beruf) kann sich die Frist auf bis zu drei Jahre verkürzen. Auch kann die bisherige Staatsangehörigkeit generell behalten werden.

Die Zahl der Einbürgerungen stieg infolge der Änderungen bundesweit im Jahr 2024 um 46 Prozent auf einen neuen Höchststand: Laut Statistischem Bundesamt erhielten 291.955 Ausländer die deutsche Staatsangehörigkeit. 28 Prozent von ihnen – und damit mit Abstand die meisten der Neubürger – waren syrischer Herkunft.

In dieser Zeit sei der Anteil männlicher Jugendlicher und junger Erwachsener bei den syrischen Staatsangehörigen zunächst überdurchschnittlich hoch gewesen, erklärte die Statistikbehörde: Der Männeranteil lag 2015 bei zwei Drittel (65 Prozent) in Folge des Familiennachzugs ging er auf 58,4 Prozent im vergangenen Jahr zurück.

In diesen Ruhrgebiets-Städten leben die meisten Syrer

Besonders viele aus Syrien stammende Menschen leben laut Statistik im Ruhrgebiet: Mehr als 125.000 und damit 43,5 Prozent aller syrischen Staatsangehörigen in NRW sind dort zu Hause. Die meisten syrischen Einwohner gibt es den Angaben zufolge in Essen (18.970), Dortmund (14.600), dem Kreis Recklinghausen (13.610), Wuppertal (11.475) und Bochum (11.350). Die Zahlen basieren auf Daten aus dem Ausländerzentralregister des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge und der kommunalen Einbürgerungsbehörden.

Von: dpa

4 September 2025 0 Kommentare
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terrorfreie Türkei
Politik

Hinter dem Slogan „Nationale Einheit“: Klasse, Staat und das Projekt „Terrorfreie Türkei“

von Can Taylan Tapar 4 September 2025
von Can Taylan Tapar

Die politische Atmosphäre in der Türkei wird einmal mehr von einem der fundamentalsten Widersprüche des Staates geprägt: der „Terrorfrage“. Ein neues Projekt mit dem Namen „Eine Türkei ohne Terror“ und die in diesem Zuge im Parlament eingerichtete „Kommission für Nationale Solidarität, Brüderlichkeit und Demokratie“ werden von der Regierung als historischer Schritt zur Lösung der chronischen Probleme des Landes präsentiert. Die offizielle Rhetorik spricht von einem strategischen Zug, der auf dem Weg zu den Zielen des „Jahrhunderts der Türkei“ den gesellschaftlichen Frieden und die nationale Einheit festigen soll. Um jedoch das wahre Wesen dieses Projekts zu verstehen, ist es unerlässlich, die hinter dieser glänzenden Rhetorik liegenden Klassendynamiken, die ideologischen Funktionen des Staatsapparates und das durch historische Erfahrungen gewachsene Misstrauen einer marxistischen Kritik zu unterziehen.

In diesem Artikel werde ich diese Initiative im Lichte der Grenzen bürgerlicher Demokratie und der Natur von Sekuritisierungspolitik analysieren. Ich werde darzulegen versuchen, warum das Projekt Gefahr läuft, weniger ein Versprechen für echten Frieden und Demokratisierung zu sein, sondern vielmehr zu einem Instrument zu werden, das die Hegemonie des aktuellen Machtblocks reproduziert und gesellschaftliche Widersprüche verschleiert.

Die glänzende Fassade des offiziellen Narrativs und die autoritäre Realität

Die Art und Weise, wie das Projekt der Öffentlichkeit präsentiert wird, bedient sich des gesamten Instrumentariums der herrschenden Ideologie: Abstrakte und emotional aufgeladene Begriffe wie „nationale Einheit“, „Brüderlichkeit“ und „gesellschaftliche Integration“ bilden das Fundament seiner Legitimität. In den Erklärungen des Kommunikationsdirektorats der Präsidentschaft wird mit Formulierungen wie „eine Verwässerung des Prozesses wird von der Nation nicht verziehen“ der Boden dafür bereitet, kritische Stimmen potenziell als Gegner des „nationalen Willens“ zu positionieren. Dass die Arbeitsbereiche der Kommission auch Themen wie „Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“ umfassen, zielt darauf ab, den Eindruck zu erwecken, die Initiative sei nicht nur sicherheitsorientiert, sondern besitze auch einen reformistischen Charakter.

Dieses Narrativ kollidiert jedoch hart mit der konkreten Realität der Türkei. Berichte von Organisationen wie der Menschenrechtsstiftung der Türkei (TİHV) belegen, dass das Land in Bezug auf demokratische Werte eine seiner dunkelsten Perioden seit dem Militärputsch von 1980 durchlebt. Es herrscht ein Klima, in dem Rechtswidrigkeit zur Normalität und die Autoritarisierung institutionalisiert wurde. In einer solchen Atmosphäre klingen Versprechen von „Demokratie“ und „Brüderlichkeit“ wie eine tiefe Ironie oder gar wie „ein schlechter Scherz“.

Der Vorhang der nationalen Einheit und die verborgenen Konflikte

Die marxistische Analyse definiert den Staat nicht als über den Klassen stehenden, neutralen Schiedsrichter, sondern als Repressions- und Ideologieapparat, der die Interessen der herrschenden Klasse, der Bourgeoisie, schützt. Narrative wie „Nationale Solidarität“ und „Brüderlichkeit“ erfüllen genau an diesem Punkt die grundlegendste ideologische Funktion des Staates: Sie verschleiern die Klassengegensätze. Eine kapitalistische Gesellschaft basiert naturgemäß auf unversöhnlichen Widersprüchen. Auf der einen Seite steht die Bourgeoisie, die die Produktionsmittel besitzt, auf der anderen Seite die Arbeiterklasse und die Werktätigen, die gezwungen sind, ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um zu überleben. Dieses grundlegende Ausbeutungsverhältnis ist die Hauptquelle gesellschaftlicher Konflikte.

Das Projekt „Eine Türkei ohne Terror“ versucht, diesen fundamentalen Widerspruch sowie die seit Jahrzehnten andauernde ethnische Unterdrückung (insbesondere in der Kurdenfrage) im Schmelztiegel der „nationalen Einheit“ aufzulösen. Durch die Schaffung einer künstlichen „Wir“-Identität gegen einen als „Terror“ kodierten gemeinsamen „Feind“ werden die wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiter, die Suche des kurdischen Volkes nach politischen und kulturellen Rechten sowie der Kampf der Aleviten und anderer Minderheiten um gleiche bürgerliche Rechte zweitrangig oder sogar als „spalterisch“ dargestellt. Ein Beweis dafür, wie selektiv und ausgrenzend dieses Verständnis von „nationaler Einheit“ ist, ist die Tatsache, dass das Projekt sich zwar auf die Kurdenfrage konzentriert, aber mit keinem Wort die systemischen Probleme anderer ethnischer und religiöser Gruppen in der Türkei (Araber, Aleviten etc.) erwähnt. Es geht weniger darum, gesellschaftlichen Frieden zu schaffen, als vielmehr darum, jede Opposition, die nicht in die vom Staat definierten Grenzen eines genehmen Bürgertums passt, unter die Klammer des „Terrors“ zu setzen und damit zu kriminalisieren.

Das neue Gesicht des Sicherheitsstaates: Die Instrumentalisierung des Rechts

Das Projekt kann als ein weiteres Glied in der Kette der Manifestationen des Konzepts der „Sekuritisierung“ in der Türkei gelesen werden. Sobald ein Problem als „existenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit“ kodifiziert wird, werden normale demokratische und rechtliche Prozesse ausgesetzt; außerordentliche Maßnahmen werden legitim. Die türkische Geschichte ist voll von Beispielen, wie linke und sozialistische Bewegungen als „subversiv und spalterisch“ abgestempelt und zerschlagen wurden. Auch heute steht das Bekenntnis der Kommission zum „Rechtsstaat“ im krassen Gegensatz zur Praxis der aktuellen Regierung, die Urteile des Verfassungsgerichts und des EGMR missachtet und das Recht als politischen Knüppel einsetzt.

Dies ist ein klares Indiz dafür, wie der bürgerliche Staat Demokratie und Recht im Sinne seiner eigenen Interessen instrumentalisiert. Demokratie ist hier kein zu schützendes Ziel, sondern ein flexibles Werkzeug zur Erreichung bestimmter politischer Zwecke. Wenn es die Interessen der herrschenden Klasse erfordern, können die grundlegendsten Freiheiten im Namen der „Sicherheit“ problemlos eingeschränkt werden. Es besteht die große Gefahr, dass diese Kommission nicht die bestehende autoritäre Struktur in Frage stellt, sondern zu einer Institution wird, die deren sicherheitspolitischen Maßnahmen Legitimität verleiht.

Der Weg, der vom Waffenstillstand nicht zum Frieden führt

Das Schweigen der Waffen und die Verhinderung von Todesopfern sind zweifellos positive und unterstützenswerte Schritte. Kein Sozialist wünscht sich die Fortsetzung von Krieg und Gewalt. Die marxistische Dialektik erfordert jedoch, sich auf das Wesen hinter der Erscheinung zu konzentrieren. Die als „Terror“ bezeichnete Gewalt ist keine Ursache, sondern das Ergebnis tief liegender sozioökonomischer, politischer und kultureller Probleme. Wie der Abgeordnete der Arbeiterpartei der Türkei (TİP), Ahmet Şık, in der Kommissionssitzung betonte, bedeutet eine Reduzierung des Prozesses auf die bloße Niederlegung der Waffen „nichts weiter als einen Waffenstillstand“.

Ein echter und dauerhafter Frieden erfordert, an die Wurzeln des Problems zu gehen. Dies ist nur möglich durch die Einrichtung von „Wahrheits- und Gerechtigkeitskommissionen“ zur Aufarbeitung der Vergangenheit, die Abschaffung antidemokratischer Gesetze wie des Anti-Terror-Gesetzes und vor allem durch die Schaffung eines neuen Gesellschaftsvertrags auf der Grundlage „gleicher Staatsbürgerschaft“. Die Strategie des Staates, den Konflikt von seinen Ursachen zu abstrahieren und ihn lediglich als Frage der „Waffenabgabe“ zu behandeln, ist Teil seiner Strategie, die bestehenden Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse zu bewahren. Das Problem wird nicht gelöst, sondern lediglich für eine Weile eingefroren.

Nicht verhandelbare Rechte: Demokratie ist eine Vorbedingung

Die Grundlogik des Projekts basiert auf einer problematischen Kausalität, die sich so zusammenfassen lässt: „Wenn der Terror endet, kommt die Demokratie“. Dieser Ansatz betrachtet Rechte und Freiheiten als eine Belohnung, die als Gnadenakt des Staates gewährt wird – als Verhandlungsmasse. Die sozialistische und universelle Menschenrechtsperspektive stellt diese These jedoch auf den Kopf: Demokratie ist nicht das Ergebnis von Frieden, sondern seine unabdingbare Voraussetzung.

Nur in einem Umfeld, in dem Grundrechte und -freiheiten garantiert sind, Meinungs- und Organisationsfreiheit kompromisslos gelten und Rechtsstaatlichkeit herrscht, können gesellschaftliche Probleme ohne Gewaltanwendung auf demokratischem Wege diskutiert und gelöst werden. Wie auch die TİHV betont, sind Grundrechte nicht verhandelbar. In einem Land, in dem Gesetzlosigkeit und Willkür grassieren, eine „Demokratiekommission“ einzurichten, ist wie der Versuch, das Dach eines baufälligen Gebäudes zu reparieren.

Das Misstrauen der Geschichte und der Zwang der neuen Konjunktur

Hinter der vorsichtigen Haltung der links-sozialistischen und der kurdischen politischen Bewegung gegenüber diesem Prozess verbirgt sich ein schmerzhaftes historisches Gedächtnis. Man erinnert sich gut daran, wie frühere ähnliche Initiativen – insbesondere der, in den Worten von Tanıl Bora, „verstorbene ‚Lösungsprozess‘“ – verschwendet wurden, wie der Staat solche Prozesse für seine eigenen politischen Interessen manipulierte und sie letztlich zu einer noch größeren Zerstörung führten. Der Staat ist immer die Partei, die die Regeln festlegt und die Macht besitzt, den Spielverlauf zu ihren Gunsten zu wenden. Dieses historische Erbe nährt ein tiefes Misstrauen gegenüber den Versprechungen des neuen Projekts.

Gleichzeitig wäre es eine unvollständige Analyse, anzunehmen, dieser Prozess entspringe ausschließlich der internen Dynamik der Regierung. Die sich wandelnde internationale Konjunktur, insbesondere die neuen Gleichgewichte im Nahen Osten (in Syrien und im Irak), zwingen den türkischen Staat, eine neue Position zur Kurdenfrage einzunehmen. Dieser Schritt ist also nicht nur ein innenpolitisches Manöver, sondern auch eine Folge regionaler und globaler Machtverhältnisse. Doch während diese notwendige Veränderung ein inklusives, demokratisches zivilgesellschaftliches Verständnis erfordert, sind die nationalistischen, konservativen und staatszentrierten ideologischen Codes des aktuellen AKP-MHP-Machtblocks weit davon entfernt, die Kapazität für eine solche Transformation zu besitzen.

Fazit: Der Weg zum wahren Frieden führt über den Klassenkampf

Das Projekt „Eine Türkei ohne Terror“ und die dazugehörige Kommission sind in ihrer jetzigen Form weniger ein Versuch, gesellschaftlichen Frieden zu schaffen, als vielmehr eine Initiative, die den Staat restrukturiert, das sicherheitsorientierte Paradigma mit einer neuen Rhetorik fortsetzt und vor allem darauf abzielt, Klassen- und ethnische Widersprüche durch die Ideologie der „nationalen Einheit“ zu unterdrücken. Auch wenn das Schweigen der Waffen angestrebt wird, ist das eigentliche Ziel dahinter, die Dynamiken unter Kontrolle zu bringen, die die herrschende Ordnung von Ausbeutung und Unterdrückung bedrohen.

Ein echter und dauerhafter Frieden ist nur möglich, wenn nicht die Symptome, sondern die Krankheit selbst bekämpft wird. Dies erfordert die Schaffung einer neuen, demokratischen Verfassungsordnung, die den Willen zum Zusammenleben aller in diesem Land lebenden Völker und Glaubensgruppen – nicht nur der Kurden, sondern auch der Türken, Araber, Aleviten – auf der Grundlage gleicher Staatsbürgerschaft widerspiegelt. Dieser Weg führt nicht über scheinheilige Kommissionen, sondern über einen gemeinsamen gesellschaftlichen Kampf gegen Ausbeutung, Ungleichheit und jede Form von Diskriminierung – also über den Klassenkampf. Der Frieden wird nicht durch die Gnade des kapitalistischen Staates oder des Palastes gewährt, sondern durch den Willen der Völker selbst erkämpft.

Referenzen und verwendete Quellen:

Türkiye Büyük Millet Meclisi (TBMM) bünyesinde oluşturulan “Millî Dayanışma, Kardeşlik ve Demokrasi Komisyonu” ile ilgili Türkiye İnsan Hakları Vakfı’nın (TİHV) görüş ve önerileri – TİHV – Türkiye İnsan Hakları Vakfı

Komisyonun ilk toplantısında hangi parti ne dedi?

TİHEK – Terörsüz Türkiye Sürecinde Terör Örgütünün Kendini Feshetmesi Hakkında Basın Açıklaması

“Terörsüz Türkiye” – Tanıl Bora | Birikim Yayınları

5 Ağustos 2025 | Ahmet Şık’ın TBMM’deki Komisyon Konuşması – Türkiye İşçi Partisi

Millî Dayanışma, Kardeşlik ve Demokrasi Komisyonu Hk. Değerlendirmem – Mustafa Yeneroğlu

Sürece dair notlar… – Gazete Nisan

Milli Dayanışma, Kardeşlik ve Demokrasi Komisyonu, TBMM Başkanı Kurtulmuş başkanlığında toplandı

4 September 2025 0 Kommentare
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Information

Sie wollen in den Stadtrat! Tarnen sich „Graue Wölfe“ für Kommunalwahl in Gelsenkirchen?

von Fremdeninfo 4 September 2025
von Fremdeninfo

Sie wollen in den Stadtrat! Tarnen sich „Graue Wölfe“ für Kommunalwahl in Gelsenkirchen?

Artikel von Metin Gülmen

Schlichte Wahlplakate, freundlich blickende Kandidaten und der Schriftzug „GUT“ – tarnen sich zur Kommunalwahl in Gelsenkirchen in Wirklichkeit türkische „Graue Wölfe“, um in den Stadtrat einzuziehen? Erstmal tritt die Partei „GUT“ zu einer Wahl an. Sie fordert „eine aktive, solidarische Integrationspolitik“ oder die „soziale und ökologische Transformation“ der Wirtschaft in Gelsenkirchen. So weit, so normal.

Doch das alles könnten womöglich nur Nebelkerzen sein. Denn die Spitzenkandidaten der „GUT“ gehören den „Grauen Wölfen“ an, haben mindestens sehr enge Verbindungen zur türkisch-rechtsextremen Ideologie! Lenken diese Männer also nach der

Dass die „Grauen Wölfe“ keine Folklore-Gruppe ist, beweisen bereits unsägliche Vorgänge bei Veranstaltungen in Dortmund oder Köln, als islamistische Allah-Akbar-Rufe und Hass-Parolen gegen Israel durch den Saal hallten. Laut Verfassungsschutz sind sie mit rund 11.000 Anhängern die stärkste rechtsextremistische Bewegung Deutschlands. Die Bewegung gilt als antisemitisch, rassistisch und als gewalttätig, insbesondere gegen Kurden, Armenier und Aleviten. Selbst hierzulande werden diese Bevölkerungsgruppen als „Feinde des Türkentums“ angegriffen.

Besonders perfide: Diese Organisationen arbeiten daran, ihre menschenfeindliche Agenda unbemerkt in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Der NRW-Verfassungsschutz nennt das „Strategie der Entgrenzung“, die auch lokal vor kleineren Wahlen stattfinde. Wie „Correctiv“ berichtet, ist der „GUT“-Spitzenkandidat Gökhan Yilmaz ein typisches Beispiel dafür.

Er ist nämlich gleichzeitig auch Vorsitzender des „ATF Gelsenkirchen“, kandidiert für den Rat im Wahlbezirk Hüllen und für die Bezirksvertretung Mitte. Es gibt viele Fotos, die im Vereinsheim des „ATF“ in Gelsenkirchen aufgenommen wurden, beispielsweise eines, als er eine Rede vor Mitgliedern hält. Im Hintergrund eine rote Flagge mit drei weißen Halbmonden – ein eindeutiges und berüchtigtes Erkennungszeichen der „Grauen Wölfe“.

AfD-Kandidaten vor Kommunalwahl in NRW gestorben – ihr Tod hat Folgen

Nicht nur das: Auf einem Foto vom Oktober 2024 posiert er auch neben einem ehemals hochrangigen MHP-Abgeordneten, der als Ehrengast aus der Türkei nach Gelsenkirchen kam. Andere Fotos zeigen, wie Yilmaz den berüchtigten „Wolfsgruß“ macht – ein weiteres Erkennungszeichen der „Grauen Wölfe“, die in Frankreich und Österreich übrigens verboten sind. Es bleibt abzuwarten, ob die „Wölfe im Schafspelz“ letztlich wirklich den Einzug in den Stadtrat schaffen

 

 

 

 

4 September 2025 0 Kommentare
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Politik

Demokratie gilt nicht nur für die Mehrheit, sondern auch für die Minderheiten, die im Land leben

von Cumali Yağmur 3 September 2025
von Cumali Yağmur

Cumali Yagmur

Angesichts der Tatsache, dass demokratische Völker für alle Menschen ohne Unterschied da sind, sollten alle gleichermaßen davon profitieren.

Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Migration. Migration bedeutet die langfristige Umsiedlung von Menschen von einem Ort zum anderen, die aus freiem Willen oder aus Notwendigkeit erfolgen kann; der rechtliche Rahmen variiert entsprechend. Da Demokratie eine Form der Regierung und Verwaltung ist, die auf den Prinzipien der menschlichen Gleichheit und Freiheit basiert, sollten alle Menschen davon profitieren. Die Demokratien der Staaten werden in erster Linie durch Wahlen geregelt: Parlament und Regierung werden durch freie und gleiche Wahlen legitimiert.

Im Zusammenspiel von Migration und Demokratie entsteht eine Spannung: Erstens wegen der Bedeutung einer dauerhaften Präsenz im Land. Zweitens wird sie im Hinblick auf die Frage beurteilt, ob und wie die Migrationsregeln selbst demokratisch sein können. In demokratischen Staaten erfordert die Demokratie eine gemeinsame, durch Wahlen legitimierte und kontrollierte Regierung. Daher basiert sie auf Verfahren und Regelungen, wer das Recht zur Teilnahme hat, das heißt, wer von den demokratischen Völkern profitiert.

Artikel 20 des Grundgesetzes besagt: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Damit wird betont, dass „alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht und die Regierung ihre Pflichten mit dem Volk, der Mehrheit und der Minderheit, erfüllt.“ Grundsätzlich zielt die Idee der Demokratie darauf ab, dass diejenigen, die dauerhaft der Regierung unterliegen, von der Regierung gleichmäßig profitieren, indem sie die Legitimität und Kontrolle der Regierung in ihren Händen halten.

Die Entwicklung demokratischer Institutionen im Rahmen des regionalen Staates bildet den Anwendungsbereich der Regierung und gleichzeitig den Rahmen der demokratischen Staatsbürgerschaft. Auch wenn die Regelungen zum Erwerb von Staatsbürgerschaft und Wahlrecht andere Faktoren umfassen, sind sie ein wichtiger Bezugspunkt für politische Gleichheit. Jeder, der sich auf dem Staatsgebiet befindet, sollte nach einer bestimmten Zeit das Recht haben, ein vollwertiges politisches Mitglied zu werden, indem er zusätzliche Bedingungen wie Sprachkenntnisse erfüllt. Diese Rolle als Rahmen für politische Gleichheit im Land sollte das Demokratiebewusstsein stärken, um die im Land lebenden Migrantenminderheiten für einen demokratischen Staat so wichtig zu machen. Ohne ein erhöhtes Demokratiebewusstsein wird Widerstand geleistet, um der Minderheit nicht alle demokratischen Rechte zu gewähren.

Da es bei einem halben Jahrhundert Migration nicht nur um die Existenz, nicht nur um Rechte, sondern potenziell auch um politische Gleichheit geht, konzentriert sich die Forderung nach Kontrolle oft auf den ersten Zugang zum Land. Aufenthalts- und Staatsbürgerschaftsrechte sind komplex, und da viele Migranten dauerhaft bleiben möchten, sollten alle demokratischen Rechte bedingungslos gewährt werden. Allerdings beeinflusst die Migrantenminderheit immer auch den Kreis zukünftiger Mitentscheider, das heißt die Zusammensetzung des demokratischen Volkes.

Zweitens steht die Migration im Spannungsverhältnis zur Demokratie hinsichtlich der Legitimität von Grenzen. Wenn Demokratie den Anspruch beinhaltet, dass diejenigen, die Regeln und der Regierung unterliegen, auch Einfluss darauf haben müssen, dann ist das Recht auf gleiche Staatsbürgerschaft Teil demokratischer Entscheidungen; so sollte die Staatsbürgerschaft der im Land lebenden Migrantenminderheit nicht nach dem Blutsverwandtschaftsprinzip, sondern nach dem Akzeptanzprinzip angeboten werden. Während die Staatsbürgerschaftsdebatte von reaktionären Kreisen lange nach dem Blutsverwandtschaftsprinzip geführt wurde, hat sie heute das Akzeptanzprinzip akzeptiert. Auch wenn die Staatsbürgerschaft nach dem Akzeptanzprinzip erworben wird, sollten sie als vollwertige Bürger akzeptiert werden, ohne dass sie stiefmütterlich behandelt werden.

Demokratie basiert einerseits auf dem Prinzip der menschlichen Gleichheit und Freiheit und andererseits auf der Notwendigkeit konkreter Institutionen. Gleiche Freiheit erfordert, dass Menschen gleichermaßen mitbestimmen können und sich politisch als gleich anerkennen. In diesem Sinne führen nur konkrete Institutionen zu einer sehr guten Verinnerlichung der Demokratie, um der Idee der gleichen Freiheit Wirksamkeit zu verleihen. Gleichzeitig sollten diese Institutionen, solange sie dem Prinzip der gleichen Freiheit verpflichtet sind, keine ungleiche Behandlung gegenüber den später eingebürgerten Personen mit sich bringen.

In einem halben Jahrhundert Migrationsprozess werden diese Unterscheidungen im Migrationskontext besonders sichtbar. Zum Beispiel werden diejenigen, die die deutsche Staatsbürgerschaft nicht erhalten, in undemokratischer Weise von allen politischen Beteiligungen ausgeschlossen. Undemokratische Praktiken werden gegen sie angewandt, indem ihnen alle demokratischen Rechte entzogen werden. Wenn den Menschen selbst das natürlichste Recht, das Wahlrecht, entzogen wird, welchen Zusammenhang kann dies mit dem Namen Demokratie haben? Niemand kann dies als institutionalisierte Demokratie im Land und als ungleiche Anwendung der Demokratie auf alle im Land lebenden beschreiben. Kann es auch in institutionellen Demokratien wirklich Demokratie genannt werden, wenn zum Beispiel das Wahlrecht nur dem Deutschen gegeben wird? Nach einem halben Jahrhundert Leben werden Migrantenminderheiten, die seit Jahren in Deutschland leben, vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Demokratien müssen durch Institutionen ständig neu formuliert werden, und es muss die Möglichkeit geschaffen werden, dass alle davon profitieren, um keine Feinde zu schaffen. Auch bei der Neuformulierung der Demokratie sollte diese Spannung zwischen Institutionen und Inklusivität nicht durch die Einschränkung der Rechte der Migrantenminderheit, sondern nach dem Prinzip der gleichen Rechte neu umgesetzt werden. So sollte die Beteiligung der im Land lebenden Migrantenminderheit und der Mehrheit am politischen Prozess zu gleichen Bedingungen gewährleistet werden.

Zur Demokratie gehören zum Beispiel auch öffentliche Demonstrationen, bei denen Menschen an der Politik teilnehmen und ihre Meinungen äußern können. Diese Dimension der Demokratie, das institutionalisierte politische Mitspracherecht, sollte allen gegeben werden. Da es viele Grautöne demokratischer Beteiligung gibt, ist die Entscheidung über Grenzen und Zugang kein demokratisches Paradoxon, sondern unterliegt einer demokratischen Asymmetrie.

Das Recht spielt auch eine wichtige schützende oder einschränkende Rolle für nicht-institutionalisierte Formen der Politik in Gesellschaften. Insbesondere die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit sowie die besondere Regelung des Versammlungs- und Vereinsrechts sind dafür von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus wird die Spannung zwischen Institutionalisierung und Inklusivität an verschiedenen Türen des demokratischen Staates diskutiert: Wahlrechte, Staatsbürgerschaftsbedingungen. Zum Beispiel gab es lange Zeit wichtige Debatten über das „Ausländerwahlrecht“, d.h. das langfristige Wahlrecht für Migranten ohne deutschen Pass. In Deutschland haben nur Bürger und hier lebende Bürger anderer EU-Mitgliedstaaten (Unionsbürger) nur auf kommunaler Ebene das Wahlrecht. 1990 entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfGE 83, 37), dass die Bundesländer keine Wahlrechte regeln dürfen, die über diese Rechte hinausgehen. Die Entscheidung betraf ein Gesetz aus Schleswig-Holstein. Das Bundesverfassungsgericht urteilte, dass das „Volk“, von dem nach Artikel 20 des Grundgesetzes alle Staatsgewalt ausgeht, nur deutsche Staatsbürger sein können.

Diese Entscheidung wurde getroffen, bevor das Unionsrecht das Kommunalwahlrecht für Unionsbürger eingeführt hatte. Gegen diese Auslegung des „Volkes“ wird zu Recht der Einwand erhoben, dass es mit der Idee der Demokratie kaum vereinbar ist, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung an einem Ort kein demokratisches Mitspracherecht hat.

Wie Migration und Demokratie miteinander in Beziehung stehen, ist daher eine vielschichtige Frage: Migration prägt und verändert die Gesellschaft, was sich auch in den kollektiven Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen der Demokratie widerspiegelt. Umgekehrt bildet die Demokratie die zentrale Legitimitätsquelle des Rechts: Wie Migration gestaltet wird, hängt letztendlich von demokratischen Entscheidungen ab. Solange die Demokratie die im Land lebenden Minderheiten nicht einbezieht und ihnen nicht die Möglichkeit gibt, zu gleichen Bedingungen davon zu profitieren, kann dies nicht Demokratie genannt werden.

 

 

 

 

 

 

 

3 September 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Wieder weniger neue Asylsuchende in Sachsen-Anhalt

von Fremdeninfo 3 September 2025
von Fremdeninfo

Von: Artikel von dpa

In Sachsen-Anhalt kommen immer weniger neue Asylsuchende an. «Während in früheren Jahren im August stets ein Anstieg der Asylzugänge im Vergleich zu den Vormonaten zu verzeichnen war, sind die Zugangszahlen im August 2025 im Vergleich zum Vormonat Juli seit langem sogar leicht rückläufig», teilte das Innenministerium in Magdeburg mit. In diesem Jahr wurden im August 214 Asylzugänge gezählt und damit 60 Prozent weniger als noch im Vorjahresmonat (512). Im Vergleich zum August 2023 liegt das Minus sogar bei 75 Prozent, damals kamen 880 neue Asylbewerber.

Die Migrationswende ist in vollem Gang», erklärte Innenministerin Tamara Zieschang (CDU). «Das belegen die deutlich rückläufigen Asylzugangszahlen. Seit Juni 2025 sind die Zugangszahlen regelrecht eingebrochen. Dieser Trend setzt sich auch im Monat August fort». Der deutliche Rückgang entlaste die Kommunen weiter.

44 Prozent weniger neue Schutzsuchende 

Von Jahresanfang bis Ende August lag die Zahl der neuen Schutzsuchenden in Sachsen-Anhalt bei zusammen 1.953, das sind 44 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, so das Innenministerium weiter.

Zum Ende dieses Jahres werde die Landesaufnahmeeinrichtung (LAE) Magdeburg in der Breitscheidstraße geschlossen. Dann werde die LAE in Stendal fertiggestellt und voll in Betrieb sein. Das Land setzt dann mit Stendal und Halberstadt auf zwei Standorte für die Unterbringung. Mehrere Außenstellen wurden bereits geschlossen.

3 September 2025 0 Kommentare
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Frauen

Attacke auf Muslima: Angeklagter verweigerte Prozess

von Fremdeninfo 3 September 2025
von Fremdeninfo

Von:VOLAT Voralber.online

Der Prozess gegen einen 66-Jährigen, der auf einem Markt in Schärding eine Muslima wegen ihres Glaubens verbal und körperlich massiv attackiert haben soll, ist am Mittwoch im Landesgericht Ried vorerst vertagt worden. Der Angeklagte war nicht erschienen, weil er einen „islamischen Schauprozess“ vermutete, wie er das Gericht wissen ließ. Der Strafantrag legt dem 66-jährigen Deutschen Verhetzung, Nötigung und Körperverletzung zur Last, dafür drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft.

Er soll am 17. April auf dem Wochenmarkt in Schärding eine Frau mit Kopftuch laut beschimpft und wegen ihrer Zugehörigkeit zum Islam gezielt beleidigt und herabgesetzt haben. Dann soll er sie gewaltsam gepackt haben, um ihr ein Stück Wurst in den Mund zu stecken. „Ich esse Schwein, jetzt musst du auch Schwein essen“, soll er gerufen haben. Danach habe er die Frau noch am Handgelenk gepackt, ihr den Arm verdreht und gedroht, ihr die Hand abzuhacken. Auch drei Faustschläge ins Gesicht habe er ihr laut Staatsanwaltschaft versetzt. Das Opfer wurde bei der Attacke an der Hand und im Gesicht verletzt.

Mann glaubt an „islamischen Schauprozess“

Mittwochfrüh wartete man im Gerichtssaal vergeblich auf den 66-jährigen Deutschen. Er hatte in einer 28-seitigen Eingabe an das Gericht mitgeteilt, dass er 700 Kilometer weit anreisen müsse und sich keinesfalls einem „islamischen Schauprozess“ stellen werde. Aufgrund ihres Namens unterstellte er der Vorsitzenden auch, eine „islamische Richterin“ zu sein. Sein Antrag auf Ablehnung der Richterin wurde aber von der Gerichtspräsidentin nicht Folge geleistet, weil keinerlei Zweifel an ihrer Objektivität bestehen würden.

In seiner Eingabe behauptete der Angeklagte auch, das Opfer habe ihn verbal angegriffen und beschimpft. Die Muslima, die in Österreich geboren wurde und tadellos Deutsch spricht, sagte zu Journalisten, sie habe bisher in Schärding noch keine derartige Islamfeindlichkeit erlebt. Der Prozess wurde vorerst vertagt. Im Raum steht zwar, dem Mann das nächste Mal einen Nachmittagstermin zu geben, damit er leichter anreisen kann, aber er könnte sich auch bald mit einem Europäischen Haftbefehl konfrontiert sehen.

(APA)

 

 

 

 

 

 

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Flüchtlinge

Jede vierte Abschiebung in NRW betrifft Minderjährige

von Fremdeninfo 3 September 2025
von Fremdeninfo

Artikel von Julia Rathcke

Düsseldorf. Mit 3007 abgeschobenen Personen über die Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn ist sowohl die Zahl der Rückführungen als auch der Anteil Minderjähriger gestiegen. Unabhängige Abschiebungsbeobachtern kritisieren Missachtung beim Kindeswohl und Zwangsmaßnahmen – und sprechen von 42 problematischen Fällen.

 Die Zahl der Abschiebungen ist unter dem politischen Druck im vergangenen Jahr nicht nur bundesweit, sondern auch in Nordrhein-Westfalen erneut gestiegen: Knapp 800 Abschiebungen mehr als im Jahr zuvor veranlasste das Land im Jahr 2024 – vor allem nach Georgien, Nordmazedonien, Albanien und in die Türkei. Insgesamt 3007 Personen sind auf dem Luftweg über die Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn zurückgeführt worden – ein Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zu 2023. Auch die Zahl der Minderjährigen darunter ist höher – jede vierte abgeschobene Person war nicht volljährig. Ein Punkt, der für Kritik sorgt.

Der Jahresbericht der unabhängigen „Abschiebungsbeobachtung des Forums Flughäfen NRW“ nennt 42 problematische Fälle , bei denen unter anderem das Kindeswohl nicht vorrangig berücksichtigt worden oder Zwangsmaßnahmen nicht verhältnismäßig gewesen seien. Die Beobachtungsstelle, die beim evangelischen Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe angesiedelt ist, mahnt an, die humanitären Standards einzuhalten und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit in jedem Einzelfall zu wahren. „Der politische Druck, Abschiebungen konsequent umzusetzen, und der zunehmend polarisierende mediale Diskurs hatten im vergangenen Jahr spürbare Auswirkungen auf den Vollzug“, erklärte Mert Sayim vom Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe am Dienstag in Düsseldorf.

Sayim und seine Kollegin Judith Fisch, die zusammen eine Vollzeitstelle zum Zwecke der Abschiebungsbeobachtung ausfüllen, waren 2024 bei 19 von insgesamt 36 Chartermaßnahmen sowie 60 Einzelmaßnahmen dabei, die überwiegend am Flughafen Düsseldorf stattfanden und grundsätzlich von der Bundespolizei durchgeführt werden. 42 Fälle mit insgesamt 106 beteiligten Personen stuften die Beobachter als „diskussionswürdig“ ein, nicht immer hätten alle Fragen mit den zuständigen Behörden geklärt werden können. In drei Fällen Fall seien etwa Minderjährige gefesselt im Fahrzeug zum Flughafen gebracht worden. In einem Fall sei ein Geschwisterpaar (17 und 20 Jahre alt) ohne die Mutter zur Abschiebung gebracht worden, weil laut zuständiger Ausländerbehörde „die Mutter eh nie zu Hause sei“ und der Vater nicht in Deutschland lebe. Stahlfesseln hätten sie benutzt, „weil bei den letzten Aufgriffen Leute flüchten wollten“, zitierten die Beobachter die Behörde. Das NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration (MKJFGFI) äußerte ebenfalls Unverständnis und will den Fall prüfen.

Es gebe im Abschiebeprozess „keine Rückführung um jeden Preis“, betonte Anja Kleinmann von der Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf. Man arbeite professionell, aber so menschlich wie möglich und sei sich im Klaren darüber, dass jede Abschiebung emotional belastend sei. Alle Beamten würden speziell und wiederkehrend geschult, das Haupthilfsmittel bei Abschiebungen sei die Kommunikation. Für Familien seien jüngst zwei neue Räume am Flughafen eingerichtet mit Teddybären und Spielzeug. Alle Abschiebungsmaßnahmen seien „bewährt und strukturiert“. Bei Gefahr einer gesundheitlichen Verschlechterung seien Rückführungen in Einzelfällen auch abgebrochen worden. „Handfesseln, Festhaltegurte, Kopf- und Beißschutz kommen nur in sehr wenigen Fällen zum Einsatz“, so Kleinmann.

 

3 September 2025 0 Kommentare
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Antisemitismus

Antisemitismus-Kritik an Street-Art-Schau in Chemnitz

von Fremdeninfo 2 September 2025
von Fremdeninfo

Antisemitismus-Kritik an Street-Art-Schau in Chemnitz

Artikel von dpa

Nach Antisemitismusvorwürfen haben die Organisatoren der Street-Art-Ausstellung Ibug in Chemnitz Teile eines Kunstwerks abgehängt. Konkret handelt es sich den Angaben zufolge um eine Arbeit des Künstlers Luke Carter mit dem Schriftzug «DEUTSCHLAND MORDET MIT». Laut einem Experten der Johns Hopkins Universität seien Teile des Werkes problematisch, teilten die Veranstalter auf Anfrage mit. «Obwohl die Arbeit des Künstlers in ihrer Intention nicht antisemitisch ist, haben wir uns entschieden, diese Teile abzuhängen.» Darüber hatte zuvor die «Freie Presse» berichtet.

Kulturhauptstadt-Geschäftsführung reagiert

Das Festival für urbane Kunst ist Teil des Programms von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025. Die Ibug als Projektpartnerin sei für die Inhalte eigenverantwortlich, betonte die Geschäftsführung der Kulturhauptstadt gGmbH auf dpa-Anfrage. Die Vertragspartner seien aber verpflichtet, sich an vereinbarte Richtlinien zu halten. Dazu gehörten Werte wie Menschenwürde, Vielfalt und Toleranz. «Antisemitische oder menschenverachtende Äußerungen widersprechen diesen Grundwerten und finden in unserem Umfeld keinen Platz.» Die Vorwürfe gegen die Ibug würden nun unabhängig auch seitens der Kulturhauptstadt gGmbH juristisch und inhaltlich geprüft.

«Ich bin froh, dass hier Chemnitz und die Veranstalter umgehend gehandelt haben», sagte Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Man habe sich Expertise an den Tisch geholt, die Kunstwerke dann noch mal gesichtet und eingeordnet.

Mehrere Arbeiten thematisieren Gaza-Krieg 

Etliche Arbeiten beschäftigen sich mit dem Gaza-Krieg und dem Leid der Zivilbevölkerung. Neben dem Werk von Luke Carter etwa Gino Dambrowski, der eine Mutter mit ihrem vier Jahre alten Kind zeigt, das bei einem israelischen Luftangriff ums Leben gekommen ist. Darüber steht nur ein Wort: «STAATSRÄSON». In einem anderen Werk zeigt der Künstler Plan B unter der Überschrift «Netanyahu’s Stickers Gaza Set» verstümmelte Kinder. Auch daran gibt es laut «Freie Presse» Kritik. Es referiere klischeehaft auf die Ritualmordlegende aus dem Mittelalter, wird ein jüdischer Professor zitiert.

Das sagen die Künstler selbst

Der Künstler selbst verteidigt seine Arbeit. Die Vorwürfe seien unbegründet, «da die Werke nichts Antisemitisches enthalten», schreibt Plan B in einer Reaktion. Sie richteten sich nicht gegen Juden als Bevölkerungsgruppe, sondern basierten auf Fakten zur Situation in Gaza. Es gehe um eine Kritik an den Machthabern. Carter verwies auf Berichte von Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen. Und der Slogan «DEUTSCHLAND MORDET MIT» beziehe sich auf militärische und finanzielle Unterstützung Deutschlands für Israel. Er monierte, dass in Deutschland der Antisemitismusvorwurf benutzt werde, um Menschenrechtsexperten zum Schweigen zu bringen.

Die Schau hatte am 22. August regulär für Publikum geöffnet und ist jeweils Freitag bis Sonntag zu sehen – das letzte Mal am kommenden Wochenende.

2 September 2025 0 Kommentare
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