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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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AN DIE PRESSE UND DIE ÖFFENTLICHKEIT

von Fremdeninfo 25 Juni 2026
von Fremdeninfo

Von: AABF Alevitische Gemeinde Deutschland (Regionalvertretung Nord))

Wir verurteilen den Anschlag auf das alevitische Gräberfeld auf dem Kieler Südfriedhof

Mit großem Bedauern haben wir von dem Anschlag auf das alevitische Gräberfeld auf dem Südfriedhof in Kiel erfahren.

Friedhöfe sind die wichtigsten Symbole des Respekts vor den Verstorbenen und des gesellschaftlichen Gewissens. Angriffe auf Gräber richten sich nicht nur gegen das Andenken der Verstorbenen, sondern verletzen auch den Schmerz der Angehörigen und greifen die Kultur des friedlichen Zusammenlebens an.

Es ist zudem äußerst besorgniserregend, dass dieser Anschlag kurz vor dem Jahrestag des Sivas-Massakers vom 2. Juli verübt wurde. Dies zeigt uns schmerzlich, dass Hass und Diskriminierung in verschiedenen Formen nach wie vor existieren.

Wir fordern die zuständigen Behörden auf, die Täter umgehend zu ermitteln und die notwendigen rechtlichen Schritte mit aller Entschlossenheit einzuleiten.

In stillem Gedenken an alle Opfer, die wir bei den Massakern in Sivas, Maraş, Çorum, Dersim und überall auf der Welt verloren haben, verurteilen wir diesen Anschlag auf das alevitische Gräberfeld auf dem Kieler Südfriedhof aufs Schärfste.

Wir werden weiterhin die Solidarität gegen den Hass, die Gleichheit gegen die Diskriminierung und die Werte der Menschlichkeit verteidigen.

Wir haben nicht vergessen, wir werden nicht vergessen lassen!

Mit Liebe (Aşk ile).

25 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Hannovers buntes Gesicht: Spuren der Migrationskultur – Teil 3

von Fremdeninfo 25 Juni 2026
von Fremdeninfo

Von: Cumali Yagmur

Mit  Kamera in der Hand und dem Notizblock in der Tasche ziehe ich erneut durch die Straßen von Hannover. Mein Ziel ist dasselbe geblieben: neue Orte entdecken, neue Gesichter kennenlernen und das multikulturelle Gefüge dieser Stadt dokumentieren.

Ich beginne meinen Rundgang im Viertel rund um das Steintor, wo die Dichte an migrantischen Betrieben besonders hoch ist. Den Tag starte ich im Efendi Bey. Der Besitzer, Herr Raşit, empfängt seine Gäste mit der ihm eigenen Herzlichkeit. Das Lokal ist randvoll… Für mich ist dies nicht nur ein Restaurant, sondern ein friedlicher Rückzugsort, an dem ich oft frühstücke und mir den Tag mit ihrem köstlichen Künefe versüße.

Nur ein Stück weiter befindet sich das Öz Urfa, seit Jahren eine feste Adresse für Lahmacun, Kebab und Fleischspieße. Urfa, eine der geschichtsträchtigsten Städte der Türkei, ist berühmt für ihre Grillgerichte; deshalb begegnet man dem „Urfa Kebab“ in fast jeder deutschen Stadt. Direkt daneben liegt das traditionsreiche Deli Sadi, das ebenfalls für seine Fleischspezialitäten bekannt ist. Die Besitzer sind äußerst leutselig und begrüßen ihre Gäste aufrichtig mit kurdischen und türkischen Grüßen.

Ich wende mich der Lange Laube zu. In dem von Cengiz geführten Lokal bieten die berühmten Süßspeisen, das Künefe und die Böreks aus Gaziantep mit jedem Bissen ein besonderes Geschmackserlebnis. Auf derselben Straße bedient die Ziraat Bank ihre Kunden, während gleich nebenan die Türkische Gemeinde (Türk Toplumu) sich um die Belange von Migranten kümmert und Lösungen für die Probleme von Minderheiten sucht. Auch Fikrets Frühstück gehört zu den populärsten Spots der Straße. Was einst als Meile für Computerläden bekannt war, hat sich heute in ein echtes gastronomisches Zentrum verwandelt.

 

 

In der Nordstadt angekommen, begrüßt mich in der Kornstraße 38 das Alevitische Kulturzentrum (Cemevi). Es ist ein Ort der Begegnung für Aleviten jeder Altersgruppe – ein bedeutungsvoller Treffpunkt, dessen Mitglied ich seit Jahren bin, an dessen kulturellen Aktivitäten ich teilnehme und über den ich bereits Porträts verfasst habe.

Hannover Alevi

Fast im selben Viertel, in der Kornstraße 17, befindet sich der Kurdische Verein. In den Vereinsräumen herrscht eine lebhafte Atmosphäre; es wird intensiv über Weltpolitik, die deutsche Migrationspolitik und aktuelle Themen diskutiert. Menschen aus allen Teilen Kurdistans – ob sunnitischen, jesidischen, alevitischen oder aramäischen Glaubens – finden hier in einer gemeinsamen Kultur und Sprache zusammen. Kurden, die in ihrer Heimat jahrelang unterdrückt wurden und oft nicht einmal ihre eigene Sprache sprechen durften, können hier frei über ihre Probleme debattieren und ihre Muttersprache pflegen.

 

 

 

Der Engelbosteler Damm ist berühmt für seine Dönerläden. Obwohl der Döner mittlerweile fast als europäisches „Nationalgericht“ gilt, steckt in den Küchen dieser Läden meist die harte Arbeit türkischer und kurdischer Betreiber. In der Oststadt schaue ich beim Tandure vorbei. Die Gerichte, die Herr Aytaç hier zaubert, sind längst nicht mehr nur bei Migranten, sondern auch bei den Deutschen zu absoluten Favoriten geworden.

Wer sich Richtung Herrenhausen begibt, den erwartet die prachtvolle Osmanische Küche. Mit modernen Präsentationen, Kellnern in traditioneller Kleidung und einem freundlichen Service werden hier die Spuren der Vergangenheit in die Gegenwart getragen.

Ich kehre zurück ins Zentrum und beende meine Tour auf der Lister Meile. Dies ist einer der schönsten Orte der Stadt mit einer sehr friedlichen Atmosphäre. Die Schlange vor Lister Döner reißt nie ab. Mit den italienischen Eisdielen, den gut besuchten chinesischen Restaurants und Pizzerien gleicht dieser Ort einer „Tafel der Welt“. Das Kulturzentrum Pavillon, das als kulturelles Herz der Region gilt, bildet mit seiner Bibliothek und seinen Veranstaltungen den Mittelpunkt des sozialen Lebens. Direkt gegenüber befindet sich das berühmte Extrablatt.

Die Extrablatt-Häuser leisten einen großen Beitrag zur Gastronomiekultur der Stadt und bieten eine neue kulturelle Offenheit. Der junge Unternehmer Umut Kuş betreibt in Hannover neben den Extrablatt-Filialen noch zahlreiche weitere Betriebe. Diese Unternehmen bieten der Stadt sowohl kulturell als auch wirtschaftlich große Möglichkeiten.

 

Der Weißekreuzplatz, der früher ein ganz anderes Gesicht hatte, hat sich mittlerweile zu einem entspannten Platz entwickelt, auf dem Kinderlachen widerhallt und Menschen friedlich auf den Bänken verweilen.

Obwohl noch keine Wahlplakate der Parteien in den Straßen hängen, ist eine gewisse Wahlstimmung in der Stadt bereits spürbar. Hannover als 

 

internationale Stadt wird in den kommenden Tagen von politischer Spannung geprägt sein. Am 13. September 2026 finden in Hannover die Oberbürgermeisterwahlen statt. Vier wichtige Kandidaten treten an, um die Zukunft der Stadt zu gestalten:

  • SPD: Axel von der Ohe

  • CDU: Peter Krüger

  • Grüne: Belit Onay

  • Die Linke: Meran Kaminski

Sollte im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreicht werden, treten die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen am 27. September in einer Stichwahl erneut gegeneinander an. Für den Erhalt der multikulturellen Struktur Hannovers und die Fortführung des sozialen Friedens ist es von großer Bedeutung, dass alle wahlberechtigten Migranten an die Urnen gehen. Es ist für uns alle der richtige Schritt, von unseren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen, unsere Zukunft mitzugestalten und demokratische Kandidaten zu unterstützen.

In diesen vielstimmigen und farbenfrohen Straßen Hannovers werde ich meine Streifzüge von Zeit zu Zeit fortsetzen…

25 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Heidebad in Halle an der Saale: Strandbad-Einlass nur mit Deutschkenntnissen – das steckt dahinter

von Fremdeninfo 25 Juni 2026
von Fremdeninfo

Erstellt von Claudia Löwe / News.de

Im Heidebad in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) darf künftig nur noch schwimmen, wer ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzt. Die umstrittene neue Einlassregel von Betreiber Mathias Nobel hat einen bedrückenden Hintergrund.

Strandbad in Sachsen-Anhalt erlässt umstrittene Einlassregel

  • Kein Zutritt ohne Deutschkenntnisse im Heidebad in Halle an der Saale
  • So rechtfertigt der Betreiber das kontroverse Zutrittsverbot

Im Heidebad in Halle an der Saale gilt seit wenigen Tagen eine ungewöhnliche Einlassregel: Wer nicht ausreichend Deutsch versteht, bekommt keinen Zutritt zum Strandbad. Betreiber Mathias Nobel führte die Maßnahme ein, nachdem er am Wochenende selbst ein Kleinkind aus dem Wasser retten musste.

Heidebad in Halle an der Saale verweigert Badegästen ohne Deutschkenntnisse den Zutritt

Der 46-jährige Geschäftsführer begründet seinen Schritt mit den besonderen Gefahren des Gewässers. „Unser See ist zum Teil 13 Meter tief. Das ist einfach gefährlich“, erklärte Nobel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Das von ihm gerettete Kind habe sich ohne Schwimmhilfe in viel zu tiefem Wasser aufgehalten, während die Eltern nicht reagiert hätten. Für den Strandbad-Betreiber Grund genug für die neue Einlassbeschränkung: Seit dem Zwischenfall prüft das Kassenpersonal, ob Besucher die Baderegeln verstehen können. Bei Verständigungsproblemen wird im Einzelfall entschieden. Vereinzelt seien bereits Menschen abgewiesen worden. Die Entscheidung sorgt für erhebliche Kritik – Nobel hält dennoch daran fest.

Strandbad in Sachsen-Anhalt birgt als Tagebau-Restloch tödliche Risiken

Das Heidebad liegt an einem ehemaligen Braunkohle-Tagebau im Stadtteil Nietleben. Das Gewässer erstreckt sich über 12,5 Hektar und weist eine nahezu senkrechte Uferkante auf – Bedingungen, die Nobel als besonders gefährlich einstuft. Der Vorfall, der sich am Abend des 21. Juni gegen 20.00 Uhr ereignete, verdeutlicht das Problem aus seiner Sicht: Ein Kind spielte ohne Schwimmhilfe in den tiefen Bereichen des Sees. Nobel holte es selbst aus dem Wasser. Die Eltern hätten mit Unverständnis reagiert und ihn nicht richtig verstanden.

Immer wieder beobachte er, dass Badegäste mit mangelnden Sprachkenntnissen auf Ansprachen nur mit „ja, ja“ antworteten, ohne tatsächlich etwas begriffen zu haben. Auch Lautsprecherdurchsagen zur Schließzeit würden ignoriert. „Die bleiben einfach sitzen“, schildert Nobel gegenüber „Bild“. Wer die Haus- und Badeordnung weder lesen noch verstehen könne, stelle ein Sicherheitsrisiko dar. „Tot ist tot“, fasst der Betreiber seine Haltung zusammen.

Freibad-Betreiber mit Rassismus-Vorwürfen und Hass-Nachrichten konfrontiert

 

Die neue Regelung bringt Nobel heftige Kritik ein. Per E-Mail und WhatsApp erreichen ihn zahlreiche Hass-Nachrichten, in denen er als Rassist beschimpft wird. Manche drohen mit rechtlichen Schritten. Der Betreiber weist die Vorwürfe entschieden zurück: „Dabei weiß jeder, dass ich das komplette Gegenteil bin, überaus ausländerfreundlich“, sagte er gegenüber „Bild“. Nobel betont, dass seine Maßnahmen nicht auf bestimmte Gruppen abzielten. Auch deutsche Besucher würden abgewiesen, wenn sie für ihre Kleinkinder keine Schwimmhilfen mitbrächten. Der entscheidende Unterschied: Bei deutschsprachigen Gästen gebe es keine Verständigungsbarriere, die meisten verstünden seine Erklärungen und akzeptierten sie auch.

Zusätzlich will er mit der Regelung sein Personal entlasten. Bademeister hätten sich in der Vergangenheit geweigert, Schwimmregeln einzeln in Übersetzungsprogramme zu sprechen. „Mein Personal ist so schon an der Grenze“, erklärt der Geschäftsführer.

Update: Stadt fordert Strandbad zur Rücknahme von Einlassregel auf

Die Stadt Halle (Saale) hat den Betreiber des Heidebads aufgefordert, seine umstrittene Einlassregel zurückzunehmen. Dazu habe es ein Telefonat und ein entsprechendes Schreiben gegeben, teilte Stadtsprecher Drago Bock mit. Ziel sei, schnellstmöglich eine einvernehmliche Lösung zu erzielen. Die Stadt beruft sich mit ihrer Aufforderung auf den Betreibervertrag, der mit der Heidebad GmbH geschlossen wurde. Demnach habe die Pächterin zu berücksichtigen, dass ein Zugang zum Bad für die Allgemeinheit gewährleistet sein muss. „Die Ausgestaltung des Hausrechts darf diesen öffentlichen Charakter nicht durch pauschale Einlassverbote für ganze Bevölkerungsgruppen aushebeln“, teilte der Stadtsprecher mit.

Ein Vorgehen, das in der Öffentlichkeit als „ausländerfeindlich“ wahrgenommen werden kann, würde das Ansehen der Stadt beschädigen und verstieße gegen die vertragliche Wohlverhaltenspflicht, hieß es weiter. Das läge nicht im Interesse der Stadt Halle. Wegen der Verhältnismäßigkeit müssten außerdem zunächst mildere Maßnahmen einem pauschalen Verbot vorgezogen werden.

Die Stadt Halle hat dem Badbetreiber nun Unterstützung angeboten, um die Sicherheit auf anderem Wege zu erreichen. „Ziel der Stadt ist es, zu helfen, die Kommunikationsschwierigkeiten zu beheben, um die Sicherheit und die Gesundheit aller Badenden zu gewährleisten“, erklärte Stadtsprecher Bock. „Insofern richten sich mögliche Hilfsangebote an all jene, die nicht lesen können oder die deutsche Sprache aus unterschiedlichen Gründen nicht beherrschen. Das können Piktogramme, Übersetzungen oder QR-Codes mit mehrsprachigen Angeboten sein.“

DLRG bestätigt wachsende Probleme im Badebetrieb

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Sachsen-Anhalt kennt die Schwierigkeiten, die Nobel beschreibt. „Unsere Arbeit wird deutlich erschwert, wenn der Badegast nicht versteht – oder verstehen will“, erklärt DLRG-Geschäftsführer Holger Friedrich. Allerdings differenziert Friedrich das Problem: Sprachbarrieren seien nur ein Teil der Herausforderung. Immer häufiger träfen die Rettungsschwimmer auf Badegäste, die Regeln schlicht ignorieren wollten. „Das hat dann in erster Linie gar nicht mit der Sprache an sich zu tun. Aber natürlich wird es umso komplizierter, wenn es Sprachbarrieren gibt.“

Besonders an beliebten Stellen wie Sprungtürmen oder Rutschen komme es verstärkt zu Regelverstößen. Für Ordnung zu sorgen gehöre eigentlich nicht zu den Aufgaben der DLRG und lenke von der eigentlichen Rettungsarbeit ab, kritisiert Friedrich. Über Einlassregeln entscheiden die Rettungskräfte jedoch nicht – sie können Betreibern lediglich aufzeigen, wo Probleme entstehen.

Fazit :

Die Auffassung, dass Menschen, die kein Deutsch sprechen, das Schwimmbad nicht betreten dürfen, ist ausgrenzend. Dies ist eine rassistische und nationalistische Einstellung. Jedes Jahr reisen Millionen von Deutschen in die Türkei, nach Italien, Frankreich und Spanien – kurzum in die ganze Welt –, um Urlaub zu machen. Wie würden sie reagieren, wenn man ihnen sagen würde, dass diejenigen, die kein Türkisch oder Italienisch sprechen, „nicht ins Meer gehen dürfen“? Dies wäre nicht nur eine falsche Praxis, sondern würde sie auch daran hindern, ins Meer zu gehen. Solche nationalistischen und rassistischen Diskurse reißen tiefe Wunden in der Gesellschaft.

Selbst wenn diese Regel zum Zwecke des Schutzes eingeführt wurde, ist sie eine falsche Maßnahme. Es wäre richtiger gewesen, einen Hinweis zu geben wie: „Wer nicht schwimmen kann oder Angst hat, soll dies dem Bademeister mitteilen, damit verstärkt auf sie geachtet wird.“ Die Aussage „Wer die Sprache nicht beherrscht, darf dieses Schwimmbad nicht betreten“ ist ein rassistischer Ansatz.

25 Juni 2026 0 Kommentare
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İsa Turan
Allgemein

Wenn Fetischismus und organisierte Unwissenheit aufeinandertreffen, entsteht nicht nur ein Irrtum.

von Fremdeninfo 25 Juni 2026
von Fremdeninfo


          Von: Isa Turan / Schweden

Wenn Fetischismus und organisierte Unwissenheit aufeinandertreffen, entsteht nicht nur ein bloßer Irrtum; es entsteht ein Verständnis, das sich in eine gefährliche gesellschaftliche Macht verwandeln kann. Fanatismus ist im Kern der Feind der Vernunft und des Hinterfragens. Wenn er dem Falschen dient, ist er zerstörerisch; selbst wenn er gelegentlich auf der Seite einer gerechten Sache steht, bleibt er dennoch abstoßend, da er nicht auf dem Denken, sondern auf blinder Ergebenheit beruht. Denn das Ziel des Fanatikers ist nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern die Verabsolutierung des eigenen Glaubens. Er denkt nicht; er glaubt. Er hinterfragt nicht; er unterwirft sich.

Das Wesen des Sports besteht aus Disziplin, Anstrengung, technischer Meisterschaft, Solidarität und der Freude am Spiel selbst. Doch wenn der Sport, insbesondere der Fußball, von diesen Grundwerten entfremdet wird, kann er zu einer Art Droge werden. Er verwandelt sich in ein Spektakel, das die Menschen von ihren realen Problemen ablenkt und ihren Zorn, ihre Enttäuschungen und ihre Hilflosigkeit vorübergehend unterdrückt. So werden die Tribünen zu riesigen Schauplätzen, auf denen sich der in der Gesellschaft angestaute Zorn, Schmerz und die Verzweiflung entladen.

Die Zugehörigkeit, die durch fanatische Anhängerschaft entsteht, beruht meist nicht auf gemeinsamen Werten oder echter menschlicher Solidarität. Oft basiert sie auf dem Bedürfnis, einen gemeinsamen Feind zu erschaffen. Das „Wir-Gefühl“ gewinnt an Stärke, je schärfer „die Anderen“ definiert werden. Der Rivale ist dann kein Mensch mehr; er wird zu einem Symbol, das verachtet, gehasst oder vernichtet werden muss. So stellt sich der verbindende Aspekt des Sports in den Dienst der ältesten Stammesinstinkte des Menschen.

Diese Psychologie ist unschwer zu verstehen. Die Masse kann dem Einzelnen ein Gefühl von Bedeutung und Sinn verleihen, das er in seinem eigenen Leben nicht findet. Wer sich allein schwach fühlt, spürt in der Menge Stärke. Wer sich für unbedeutend hält, kann sich durch die Euphorie der Masse für etwas Besonderes halten. Die Siege der Mannschaft werden als persönliche Erfolge erlebt; die Größe des Teams wird mit dem eigenen Selbstwert verwechselt. So hört das Fantum auf, ein bloßes Interesse zu sein, und wird zu einer Ersatzidentität für die individuelle Persönlichkeit.

Das größte Versprechen des Fanatismus ist es, dem Einzelnen ein Gefühl der Überlegenheit zu vermitteln, das er nicht durch eigene Anstrengung erlangt hat. Der Mensch beginnt, sich allein aufgrund der Gruppe, der er angehört, als wertvoller, wichtiger oder überlegener zu sehen. Dieses Gefühl kann an eine Mannschaft, eine Nation, eine Ideologie oder eine andere kollektive Identität geknüpft sein. Die Symbole und Formen mögen sich ändern, doch der grundlegende Mechanismus bleibt derselbe: Anstatt den eigenen Wert durch Charakter und Verhalten aufzubauen, versucht der Mensch, ihn von der Größe der Gruppe zu borgen.

Doch der Wert des freien Menschen entspringt nicht den Parolen der Menge, sondern dem eigenen Charakter und der inneren Integrität. Unabhängig denken zu können, zu hinterfragen und im Bedarfsfall die eigene Gemeinschaft kritisieren zu können, ist das wesentliche Merkmal, das das freie Individuum vom Fanatiker unterscheidet. Nur unter dieser Bedingung kann der Sport seine wahre Bedeutung finden: eine Quelle der Freude, der Entwicklung und der aufrichtigen Solidarität zu sein.

Andernfalls hört Fußball auf, ein Spiel zu sein; er wird zu einer Zeremonie, in der sich Menschen von sich selbst entfremden und nach Sinn suchen, indem sie ihren eigenen Wert über die Abwertung anderer definieren. Die Ästhetik und der Geist des Spiels gehen verloren; was bleibt, ist lediglich der Rausch der Zugehörigkeit.

25 Juni 2026 0 Kommentare
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Rassismus

Islamfeindlichkeit in Deutschland erreicht Höchststand – „Ein Alarmsignal“

von Fremdeninfo 25 Juni 2026
von Fremdeninfo

             Von: Artikel von Pia Pentzlin/ Waz 

Antimuslimischer Rassismus in Deutschland nimmt zu und ist für viele Menschen eine alltägliche Erfahrung. Wer betroffen ist, wird in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft damit konfrontiert. Fest steht aber: Die Zahlen steigen und haben im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. Das geht aus einem heute vorgestellten Bericht der „CLAIM“-Organisation hervor. Diese setzt sich bundesweit gegen antimuslimischen Rassismus und Islam- und Muslimfeindlichkeit ein und wird vom Bundesbildungsministerium gefördert. Bereits zum vierten Mal erscheint das von „CLAIM“ erarbeitete „zivilgesellschaftliche Lagebild antimuslimischer Rassismus“.

Antimuslimische Vorfälle: Zahl der Angriffe in Deutschland steigt deutlich

Wie Ferda Ataman, unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, einordnet, handelt es sich nicht um repräsentative Zahlen. Dennoch gebe das Lagebild „wichtige Hinweise darauf, wie Diskriminierung erlebt wird und mit welcher Bandbreite an Übergriffen Muslim*innen konfrontiert werden“. Die Ergebnisse würden mit repräsentativen Befragungen übereinstimmen, die besagen, dass Musliminnen und Muslime in Deutschland jeden Tag Diskriminierungen erleben.

Ataman: „Migration gehört zu Deutschland wie die Bratwurst“

Laut des „CLAIM“-Berichts gab es 2025 in Deutschland 4096 dokumentierte Fälle antimuslimischer Vorfälle. Das sei ein Höchststand. Zum Vergleich: In dem Jahresbericht zuvor lagen die Fälle bei 3080. Rechnet man die Fälle auf einen einzelnen Tag, so habe es im vergangenen Jahr elf solcher islamfeindlicher Vorfälle in Deutschland gegeben. Über 60 Prozent dieser Fälle sollen verbale Angriffe gewesen sein, hinzu kommen Diskriminierungen mit 20 Prozent und verletzendes Verhalten mit knapp über 17 Prozent. Für rund 200 Fälle sollen laut Bericht keine Angaben zur Art des Vorfalls vorliegen. Die Zahlen aus dem Bericht stammen mitunter aus Melde- und Beratungsstellen und Polizeimitteilungen. Die Datengrundlage wird in dem Bericht auf mehreren Seiten genau beschrieben

Anmerkung der Redaktion

Von (häuslicher) Gewalt betroffene Personen können sich an die Telefonseelsorge wenden. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt. Das Opfer-Telefon des Weißen Rings ist unter 116 006 erreichbar. Opfer und Zeugen von häuslichen Gewalttaten können – bei Tag und Nacht – über den Notruf 110 Hilfe holen.

Frauen erhalten zudem Unterstützung beim bundesweiten Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ der Bundesregierung unter der 116 016. Der Anruf ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Über die Internetseite www.hilfetelefon.de können sich Betroffene zudem online per E-Mail oder Chat beraten lassen.

Das Männerhilfetelefon ist unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 123 99 00 zu erreichen. Hilfe erhalten Betroffene auch im Internet auf der Seite der Bundesfach- und Koordinierungsstelle Männergewaltschutz.

Antimuslimische Vorfälle 2025: Zahl und Brutalität nehmen deutlich zu

„Insgesamt zeigt sich für 2025 nicht nur ein Anstieg dokumentierter antimuslimischer Vorfälle, sondern auch eine Zunahme bei schweren Delikten in Form von Körperverletzungen“, heißt es in einer Zusammenfassung des Lagebilds weiter. Diese Brutalität zeige sich anhand von:

  • zwei Tötungsdelikten
  • 214 Körperverletzungen mit vier schweren Körperverletzungen/versuchten Tötungen
  • 320 Sachbeschädigungen
  • fünf Brandstiftungen

„Das Lagebild von CLAIM ist ein Alarmsignal, das wir ernst nehmen müssen“, kommentiert Ferda Ataman den Bericht. Es dürfe nicht zur Normalität werden, dass Musliminnen und Muslime wegen ihres Glaubens beschimpft, bedroht oder angegriffen werden. „Lassen Sie uns gemeinsam dafür einsetzen, dass der Schutz vor Diskriminierung im Grundgesetz und im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zur gelebten Normalität wird“, so Ataman.

Antimuslimische Gewalt: Frauen besonders häufig betroffen

Derzeit tritt antimuslimische Gewalt laut Bericht in allen Bereichen der Gesellschaft auf. Sowohl im öffentlichen Raum, Bildungseinrichtungen, auf der Arbeit als auch in Wohnungen. Auch zwischen online und offline unterscheidet der Bericht. Demnach sollen sich knapp 60 Prozent der islamfeindlichen Fälle offline ereignen, rund 40 Prozent in der digitalen Welt.

Auch bei den Geschlechtern zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Laut „CLAIM“ sollen überwiegend Frauen von antimuslimischer Gewalt betroffen sein (knapp 65 Prozent). Diese Erkenntnis decke sich mit repräsentativen Befragungen. Frauen, die sichtbar muslimisch sind, seien häufig von einer Verschränkung von Sexismus und Rassismus betroffen.

EU-Vergleich: Deutschland schützt am wenigsten vor sexueller Belästigung

„CLAIM“ macht in dem Lagebild deutlich, dass von einer hohen Dunkelziffer im Bereich der Islamfeindlichkeit auszugehen ist. Antimuslimischer Rassismus werde häufig nicht erkannt. Viele Vorfälle würden zudem nicht gemeldet oder angezeigt. Denn: Bei Personen, die häufig Diskriminierung erleben, führe das zu einer schleichenden Normalisierung. Das beeinträchtige nicht nur das Sicherheitsgefühl, sondern auch die Lebensqualität von Betroffenen.

25 Juni 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Politische Fragmentierung in der Türkei und die Suche der Opposition nach Einheit

von Cumali Yağmur 24 Juni 2026
von Cumali Yağmur

      Von Cumali Yağmur

Der Türkei mangelt es an einer politischen Gesinnung, die konstruktiv, tolerant und einigend wirkt. Die CHP (Republikanische Volkspartei) leidet gegenwärtig unter den Qualen interner Spaltung. Dabei agiert die Sozialdemokratie weltweit eigentlich mit einem vielstimmigen und integrativen Politikverständnis. Angesichts der wirtschaftlichen und politischen Krise, in der sich die Türkei befindet, müsste die Opposition all ihre Kräfte bündeln und wie eine Festung gegen den AKP-MHP-Block zusammenstehen.

Aktionen wie das nächtliche heimliche Eindringen in Provinzgebäude, um die Bilder von Kemal Kılıçdaroğlu zu beschädigen oder durchzustreichen, können niemals eine korrekte politische Methode oder ein legitimes Mittel sein. Wer auch immer dies tut – solche Ansätze sind Methoden, auf die nur Menschen mit gewaltbereitem und oberflächlichem politischem Bewusstsein zurückgreifen.

In der Geschichte der Türkei waren die sozialdemokratische CHP und andere oppositionelle Kräfte noch nie so tief gespalten. Unter dem Einfluss von Kreisen, denen es an politischer Tiefe mangelt, haben die Methoden, die die Einheit innerhalb der CHP stören, noch nie ein solches Ausmaß erreicht. Es ist ein vollkommen falscher Weg, wenn diejenigen, die intern kein Verständnis für Einheit umsetzen können, versuchen, die CHP in Zusammenarbeit mit externen „Claqueuren“ zu spalten.

Das gegenwärtige Politikverständnis in der Türkei ist feudal, reaktionär und konservativ; es hinkt modernen politischen Methoden weit hinterher. Von dieser Mentalität muss man sich schleunigst verabschieden und Wege finden, wieder eine Einheit zu bilden. Die Mentalität, die seit etwa 23 Jahren an der Macht ist, versucht, der gesamten Gesellschaft eine aufzwingende Ideologie aufzuerlegen. Während die Gesellschaft darunter leidet, ist die Opposition nicht in der Lage, eine neue Route festzulegen, und verharrt stattdessen in veralteten kulturellen Codes.

Auf der einen Seite stehen die Kräfte, die gegen das aktuelle Regime sind, auf der anderen jene, die die Regierung verteidigen. Doch beide Seiten befinden sich in einer radikalen, kompromisslosen und politisch flachen Polarisierung. Diese Situation fügt der Gesellschaft großen Schaden zu.

Andererseits inszenieren sich Social-Media-Phänomene ohne politische Tiefe durch ihre opportunistische Haltung („mal dem einen, mal dem anderen rechtgebend“) als fortschrittlich. Dieser inhaltlich leere Ansatz ist sehr gefährlich, da er zunehmend die Mehrheit der Gesellschaft beeinflusst und fälschlicherweise als ein Standpunkt wahrgenommen wird, der fortschrittlicher sei als die bestehenden Parteien. Dieses individualistische und vermeintlich progressive Verständnis, dem jegliche organisatorische Basis fehlt, stellt ein großes Risiko für die gesellschaftliche Opposition dar. Es gibt keinen anderen Ausweg, als diese undisziplinierte Haltung, die die Einheit stört und nicht gemeinsam mit der Opposition handelt, unwirksam zu machen und diese Personen aus dem System zu drängen.

In der heutigen globalisierten Welt erlebt die Türkei eine Form von Isolation, als ob sie an diesem Prozess überhaupt nicht teilhätte. Ein weiterer gefährlicher Ansatz ist die nationalistische und rassistische Haltung unter dem Deckmantel des „hundertprozentigen Kemalismus“. Diese Gesinnung verhindert nicht nur das gemeinsame Handeln der Opposition, sondern blockiert auch die Bemühungen, eine zukunftsorientierte demokratische Einheit aufzubauen.

Auch einige Journalisten in der Türkei beschädigen die Berufsethik, indem sie Parteien wie Fußballmannschaften unterstützen, anstatt eine unabhängige öffentliche Meinung zu bilden. Sie agieren als Sprachrohr einer Seite und schaffen eine aggressive Atmosphäre, die fast schon an Beleidigung der Gegenseite grenzt. Journalisten inszenieren sich auf ihren eigenen Podien, als suchten sie ständig nach Feinden, und legen eine „Ich bestimme alles“-Attitüde an den Tag. Dieses schlechte Beispiel für Journalismus ist weltweit einzigartig und findet sich so nur in der Türkei.

Dabei können in Europa Sozialdemokraten und rechte Parteien Koalitionen bilden und gemeinsam handeln, wenn es um das Staatswohl geht. In der Türkei hingegen behauptet zwar jeder, das Wohl des Landes zu verteidigen, doch man zieht den Konflikt der Einigung vor.

Alle oppositionellen Kräfte müssen wieder zusammenkommen, diese Fehler hinter sich lassen und eine neue, zukunftsorientierte Methode entwickeln. Solange die Opposition zersplittert bleibt und sich mit sich selbst beschäftigt, werden in der Gesellschaft schwer heilbare Wunden entstehen. Gesellschaftliche Strukturen werden zunehmend eine ablehnende Haltung gegenüber Politikern und der Opposition einnehmen und deren Legitimität infrage stellen. Dies ist eine gefährliche Entwicklung, die das soziale Gefüge zerstört. Es ist dringend notwendig, Einigkeit zu zeigen und alle schädlichen Ideen beiseite zu schieben.

Die Opposition muss den Kampf gegen die Mentalität des AKP-MHP-Blocks fortsetzen, indem sie sich durch die Methode einer breiten Frontbildung zusammenschließt.

24 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Fußball und Literatur

von Fremdeninfo 24 Juni 2026
von Fremdeninfo

               Von İSKAN TOLUN / Köln

Ich möchte zwei wertvollen Stars gratulieren, die in zwei verschiedenen Bereichen – der Welt des Fußballs und der Literatur – sehr erfolgreich sind und mich, wie jeden anderen auch, mit Stolz erfüllen: Deniz Undav und Burhan Sönmez. Zuerst zum aktuellen Thema Fußball: Ich gratuliere dem jesidischen Fußballer Deniz Undav von ganzem Herzen, der mit seinen zwei großartigen Toren im Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste den 2:1-Sieg seiner Mannschaft sicherte! Mit seinen Toren zeigte der Starfußballer Deniz Undav eine Leistung, die an Pelé und Maradona erinnerte; die Weltpresse ist ihm bereits auf den Fersen. Möge dein Weg geebnet sein! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg. Und nun zur anderen erfreulichen Nachricht aus meinem Interessengebiet, der Literatur:

Kürzlich wurde der geschätzte Schriftsteller und Präsident von PEN International, Burhan Sönmez, in Italien mit dem Internationalen Hemingway-Preis in der Kategorie „Zeuge unserer Zeit“ ausgezeichnet. Es wird erwartet, dass Burhan Sönmez am 27. Juni zur Preisverleihung nach Lignano Sabbiadoro reist und dort eine Rede über die „Bedeutung, ein Zeuge unserer Zeit zu sein“ halten wird. Möge dieser wertvolle Preis, den er am Samstag bei der Zeremonie entgegennehmen wird, Segen und Glück bringen! Ich gratuliere Kekê Burhan schon jetzt und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg.

In der Zwischenzeit möchte ich, wie immer, kurz über zwei Bücher berichten, die ich parallel in zwei verschiedenen Sprachen (Kurdisch und Türkisch) lese:

Fırat Cewerîs kurdisches Buch Kevoka Spî (Die weiße Taube) besteht aus acht beeindruckenden Geschichten. Die Geschichte, die mich am meisten berührt hat, ist die titelgebende Erzählung: Kevoka Spî. Ja, in der Tat ist Kevoka Spî eine überaus tragische Geschichte, und leider lesen wir solche Ereignisse immer noch hin und wieder in den Zeitungen oder sehen sie im Fernsehen. Der geschätzte Autor Fırat Cewerî hat sie in einem so schönen, klaren und reichen Kurdisch beschrieben, dass der Leser das Buch nicht aus der Hand legen möchte, bevor er es zu Ende gelesen hat. Lassen Sie mich diese tragische Geschichte kurz zusammenfassen:
Eigentlich ist Kevoka Spî ein junges Mädchen, das kurz vor der Hochzeit steht; sie ist ein Opfer, und ihr Mörder ist ihr eigener Bruder, der haltlosen Lügen und Gerüchten Glauben schenkt.

Nachdem er fünfzehn Jahre im Gefängnis verbracht hat, kehrt er nach Hause zurück. Er bereut seine Tat zutiefst, doch was nützt das? Seine Schwester, die er so grausam ermordet hat, ist ständig vor seinen Augen, sie verlässt niemals seine Vorstellungskraft, und er spricht jeden Tag mit ihr. Vielmehr spricht seine Schwester mit ihm, aber was für ein Gespräch ist das? Ihr unschuldiges, engelhaftes Reden ist so erschütternd, dass es einem das Herz zerreißt. Ich denke, es ist besser, wenn ich das Ende nicht verrate. Es ist eine kurze Geschichte, aber sie berührt einen so tief wie ein tragischer Roman oder ein Film. Das Schreiben von Kurzgeschichten erfordert ein ganz besonderes Geschick. Als Schriftsteller kenne ich diese Themen aus nächster Nähe. Ohnehin schrieb die deutsche Beilage Der Kleine Bund einmal:

„Eine Erzählkunst mit so langem Atem zu schaffen, wie Fırat Cewerî es tut, ist wahrlich nicht jedermanns Sache.“

Und zu guter Letzt möchte ich ganz kurz auf Nazım Hikmets türkischen Roman Yaşamak Güzel Şey Be Kardeşim (Das Leben ist schön, mein Bruder) eingehen:
Wie jedes Buch von Nazım Hikmet habe ich auch diesen Roman mit großem Vergnügen gelesen. Der geschätzte Dichter reist darin wieder von Ankara nach Moskau und zurück. Er drückt das Menschliche, die Tiere, die Natur, den Hunger, das Elend, die Armut und den Reichtum auf eine schlichte und eindringliche Weise aus. Er spricht von einem Mustafa Suphi, einem Mustafa Kemal, dem Chaos des Zweiten Weltkriegs und einem romantischen Spaziergang im Gülhane-Park. Es ist ein Privileg, die Bücher und Romane von Nazım Hikmet zu lesen. In der Tat haben sie alle die Qualität von Poesie. Ohnehin scheint der geschätzte Dichter in diesem Roman seine eigene beeindruckende Lebensgeschichte zu erzählen, eine Feststellung, die auch auf dem Rückcover des Buches steht:
„Das Leben ist schön, mein Bruder trägt den Charakter einer geheimen Autobiografie. Ohne diese Romane ist das ‚Gesamtwerk von Nazım Hikmet‘ nicht denkbar.“

24 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Geht das Renteneintrittsalter in Deutschland auf 70 zu?

von Fremdeninfo 24 Juni 2026
von Fremdeninfo

                Von:Zeynep Hayır

Ein von der Regierung in Auftrag gegebenes 33-Punkte-Reformpaket zum Rentensystem hat in Deutschland eine breite bundesweite Debatte ausgelöst. Die Rentenkommission veröffentlichte am 23. Juni 2026 ihren Bericht. Darin wird vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, es langfristig anzuheben und die Regelungen zur Frührente zu ändern.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas erklärten nach der Veröffentlichung des Berichts ihre grundsätzliche Unterstützung für die Vorschläge. Es wird jedoch betont, dass der Bericht noch keine Gesetzeskraft besitzt; die von der Regierung zu erstellenden Gesetzentwürfe werden in der kommenden Zeit im Bundestag beraten und verabschiedet.

Im Zentrum der Diskussionen steht die Zukunft des Renteneintrittsalters. Die Kommission begründet die Verlängerung der Lebensarbeitszeit mit der alternden Bevölkerung und der finanziellen Belastung des Rentensystems. Zu den Vorschlägen gehört auch die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente für langjährig Versicherte, die heute nach 45 Beitragsjahren möglich ist. Wer hingegen 35 Beitragsjahre vorweist, soll zwar weiterhin vorzeitig in Rente gehen können, muss jedoch Rentenabschläge in Kauf nehmen.

Regierungskreise präsentieren diese Vorschläge als notwendige Schritte, um die Zukunft des Sozialversicherungssystems zu sichern. Gewerkschaften, Arbeitnehmerorganisationen und viele Sozialverbände sehen das jedoch anders. Ihrer Meinung nach resultiert das Problem nicht nur aus dem demografischen Wandel. Die Kosten für jahrelange strukturelle Probleme und politische Weichenstellungen sollen nach ihrer Ansicht erneut auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden.

Diese Debatte ist in Deutschland nicht neu. In vielen europäischen Ländern standen in den letzten Jahren ähnliche Reformen auf der Tagesordnung. In Frankreich wurde das Rentenalter nach Protesten von Millionen Menschen angehoben. Auch in Italien, Spanien und anderen europäischen Ländern werden die Rentenansprüche seit langem neu geregelt. Das Gesamtbild zeigt eine ähnliche Tendenz: längere Arbeitszeiten, ein späterer Renteneintritt und ein Abbau sozialer Rechte.

Auch die Haltungen der politischen Parteien sind bemerkenswert. Während CDU und CSU hinter den Reformen stehen, verschließt sich auch die SPD-Führung dem Kommissionsbericht nicht. Dass die SPD, die sich selbst als sozialdemokratisch definiert, in diesem Prozess gemeinsam mit der Regierung agiert, sorgt in Gewerkschaftskreisen und an der Parteibasis für Kritik. Die Linke lehnt die Anhebung des Rentenalters entschieden ab, während die AfD das Thema eher im Kontext von Migrations- und Budgetdebatten behandelt.

Die grundlegende Frage, die heute in Deutschland gestellt wird, ist nicht bloß, ob das Rentenalter 67 oder 70 betragen wird. Die eigentliche Frage ist, wer für die entstehenden Kosten aufkommen wird. Für Millionen von Werktätigen, die jahrzehntelang gearbeitet, Steuern gezahlt und Beiträge geleistet haben, ist diese Debatte mehr als nur eine Änderung von Zahlen. Es ist eine Diskussion über die Grenzen der Lebensarbeitszeit, das Recht auf ein würdevolles Leben im Alter und die Frage, wie gesellschaftlicher Reichtum verteilt wird.

Der Kommissionsbericht ist noch nicht gesetzlich verankert. Aufgrund der offenen Unterstützung durch die Regierung ist jedoch zu erwarten, dass umfassende Änderungen am Rentensystem in den kommenden Monaten eines der wichtigsten Themen der politischen Agenda in Deutschland sein werden.

24 Juni 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Religion

Das Sivas-Massaker und der historische Kampf der alevitischen Gemeinschaft

von Cumali Yağmur 23 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali Yağmur

Am 2. Juli 1993 wurden in der türkischen Stadt Sivas im Madımak-Hotel 33 alevitische Intellektuelle vor den Augen der Weltöffentlichkeit ermordet, indem das Hotel in Brand gesetzt wurde; sie verbrannten bei lebendigem Leib. Reaktionäre Kräfte, deren Augen von Hass und Groll gegenüber den im Madımak-Hotel versammelten alevitischen Intellektuellen erfüllt waren, griffen das Hotel an und setzten das Gebäude in Brand. Diese Mörder sahen der Grausamkeit zu, während Menschen verbrannten. Obwohl staatliche Kräfte später intervenierten, hatten Menschen alevitischen Glaubens nach dem damaligen Verständnis – da die Ermordeten Aleviten waren – scheinbar keinerlei Wert. Von den Tätern, die das Madımak-Hotel anzündeten und Menschen bei lebendigem Leib verbrannten, wurden zwar einige verhaftet, doch in den meisten Fällen wurden sie ohne konkrete Strafe quasi durch die „Hintertür“ wieder freigelassen.

In der Türkei wurden gegen Menschen alevitischen Glaubens seit der Zeit des Osmanischen Reiches in jeder Epoche Unterdrückung, Assimilationspolitik und Massaker verübt. Die Anführer der alevitischen Gemeinschaft standen stets im Visier; sie wurden verhaftet, gefoltert und hingerichtet.

Bei der Gründung der Republik unterstützten die Aleviten die Gründungsader; sie bezogen Stellung für Demokratie, Menschenrechte und Fortschrittlichkeit. Doch während der Gründung der Republik hat der Staatsapparat unter dem Namen des Laizismus das Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) an seine Seite genommen und den sunnitischen Islam als offizielle Religionsauffassung des Staates akzeptiert. Den Aleviten wurden ihre Rechte mit den Worten entzogen: „Ihr seid unsere Geschwister, ihr seid für Demokratie und Menschenrechte.“ Im Jahr 1925 kam es unter der Führung von Şeyh Said zu einem Aufstand. Während eine auf dem Ein-Nationen-System basierende Struktur errichtet wurde, wurden andere Identitäten ignoriert. Unter dem Vorwand der in diesem Prozess erlebten Widerstände und gesellschaftlichen Ereignisse wurden zahlreiche Kurden und Aleviten getötet, verhaftet und ins Exil geschickt. Im Jahr 1938 wurde in Dersim ein Massaker gegen die Forderungen des Volkes nach demokratischen Rechten verübt; zahlreiche Menschen wurden getötet und es kam zu großflächigen Vertreibungen.

Seyit Rıza, einer der Führer der Volksbewegung, und seine Gefährten wurden hingerichtet. Die Leichname der Hingerichteten wurden ihren Familien nicht übergeben; es ist bis heute unklar, wo sich ihre Gräber befinden – oder ob sie überhaupt ein Grab haben.

Die Geschichte der Republik muss von den darin enthaltenen Lügen und Fehlern bereinigt und neu geschrieben werden. Diese verzerrte Geschichte ist in keiner Weise verteidigenswert; dieses Verständnis muss endgültig auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen werden. Bei der Gründung der Republik wurde die Ideologie des türkischen Nationalstaats in Form von „ein Staat, eine Nation, eine Flagge“ zugrunde gelegt. Da die Rechte von Armeniern, Tscherkessen, Kurden, Lasen und Arabern nicht gewährt wurden, konnten diese Gesellschaften die Republik nicht vollumfänglich annehmen.

Aleviten wurden auch in der Zeit der Republik verfolgt, erhielten keinerlei demokratische Rechte und ihr Glaube wurde ständig herabgewürdigt. Im Jahr 1978 wurden in Malatya, Kahramanmaraş und Çorum die Häuser von Aleviten vorab markiert; anschließend griffen reaktionäre Kräfte diese Häuser an, ermordeten zahlreiche Aleviten und vertrieben sie aus ihrer Heimat. Die Ereignisse im Sivas Madımak-Hotel am 2. Juli 1993 sind ein weiteres Glied in dieser Kette. Die 33 Seelen, die an jenem Tag brannten, wurden von der alevitischen Gemeinschaft niemals vergessen und werden nie vergessen werden. Ihr Andenken wird stets in unserem Bewusstsein weiterleben.

Auch in der 24-jährigen AKP-Ära wurden den Aleviten keinerlei demokratische Rechte zugestanden. Erdoğan verspottete die Cemevis – die Gebetshäuser, die Aleviten mit eigenen Mitteln errichtet haben – als „Cümbüş-Häuser“ (Häuser der Belustigung) und würdigte den alevitischen Glauben herab.

Heutzutage wird gegen den ehemaligen Vorsitzenden der größten Oppositionspartei, Kemal Kılıçdaroğlu, eine Lynchpolitik betrieben, weil er alevitischer Herkunft ist und aus Dersim stammt. In den sozialen Medien und in den Mainstream-Medien wird eine Lynchkampagne gegen die Identität von Kılıçdaroğlu geführt. Während gegen keinen Vorsitzenden der CHP ein Angriff mit der Begründung „dieser ist Sunnit“ erfolgte, wird gegen Kemal Kılıçdaroğlu eine diskriminierende Politik verfolgt, indem betont wird, dass er „aus Dersim, Alevite und Kurde“ sei.

Die Aleviten haben zu jeder Zeit, sowohl in der Türkei als auch in Europa, an der Seite fortschrittlicher Kräfte gegen Ausbeutung, Erniedrigung und Unterdrückung gekämpft. Heute leben in Europa etwa 800.000 Aleviten. In Deutschland und anderen großen europäischen Städten haben sie Cemevis erworben und können dort ihren Glauben frei ausüben. In einigen Bundesländern haben sie sich über die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) und die ihr angeschlossenen Vereine stark organisiert. In vielen Bundesländern wurde das Alevitentum als „Religionsgemeinschaft“ anerkannt. Alevitische Vereine und Verbände leisten in großem Umfang Seelsorgearbeit, und an staatlichen Schulen wird alevitischer Religionsunterricht erteilt.

Im alevitischen Glauben nimmt der Platz der Frau in der Gesellschaft einen sehr hohen Stellenwert ein. Aus diesem Grund gibt es auch weibliche geistliche Führerinnen, die sogenannten „Anas“. Im alevitischen Glauben werden die geistlichen Oberhäupter allgemein als „Dede“ (Großvater) oder „Ana“ (Mutter) bezeichnet.

Ohne sich Unterdrückung, Grausamkeit und Ausbeutung zu beugen, müssen die Aleviten ihren Kampf fortsetzen, bis sie alle ihre demokratischen Rechte erhalten haben. Es liegt in ihrer Verantwortung, an den Orten, an denen sie leben, gemeinsam mit allen unterdrückten und missachteten Völkern und Glaubensgruppen für Gleichheit und demokratische Rechte zu kämpfen. Die Aleviten lehnen Völkermorde in der Türkei und weltweit ab, verurteilen diese und verschaffen ihrer Stimme in der Welt Gehör.

23 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Streit um DFB-Elf und Nationalismus: WM-Spiel sorgt auf Linken-Parteitag für Debatte

von Fremdeninfo 22 Juni 2026
von Fremdeninfo

Artikel von Fabian Hartmann

Von: F.R.

Toronto/Potsdam – Nationalismus und Liebe zu Deutschland sind in politisch links geprägten Lagern bekanntermaßen ein heikles Thema. Und davon ist auch die deutsche Fußballnationalmannschaft keineswegs ausgenommen. Am späten Samstagabend (20. Juni) drehte die DFB-Elf ihr zweites Gruppenspiel bei der WM 2026 gegen die Elfenbeinküste durch einen Doppelpack von Deniz Undav und zog so erstmals seit zwölf Jahren in die K.-o.-Runde einer FIFA-WM ein. In Linken-Parteikreisen sorgte die Partie in Toronto jedoch für Diskussionen.

otomontage aus jubelndem Deniz Undav nebst Odilon Kossounou (l.) und Linken-Parteivorsitzendem Luigi Pantisano

Am Wochenende kamen Politikerinnen und Politiker der Partei Die Linke in Potsdam zum Parteitag (19. – 21. Juni) zusammen. Bei der dreitägigen Veranstaltung wurde Ines Schwerdtner mit großer Zustimmung (85,7 Prozent) in ihrem Amt als Bundesvorsitzende bestätigt. Der neu gewählte Linken-Parteivorsitzende Luigi Pantisano holte sein Amt dagegen nur denkbar knapp (53,3 Prozent) ein. Daneben ging es in Potsdam um den parteiintern umstrittenen Gehaltsdeckel sowie um eine Reihe weiterer Themen – und eben auch um das Spiel der DFB-Elf gegen die Elfenbeinküste.

„Ich hasse die FIFA und Infantino“ – Linken-Delegierter bringt Antrag ein, das Spiel der Nationalelf beim Parteitag nicht zu übertragen

Das zweite WM-Gruppenspiel der Nationalmannschaft wurde nämlich im Zuge eines parteiinternen Public-Viewings bei einer Aftershow-Party im Nachgang des Linken-Parteitags in Potsdam übertragen. Unruhe entstand dabei im Zuge der Frage, ob man als Linken-Politikerin oder -Politiker grundsätzlich Spiele der deutschen Nationalmannschaft verfolgen dürfe oder nicht. Dem Focus zufolge versuchte ein Linken-Delegierter per Dringlichkeitsantrag herbeizuführen, dass die für den Parteitag bereits feststehende Übertragung der Begegnung gegen die Elfenbeinküste immerhin kritisch eingeordnet wird. Auch die Junge Freiheit, Sprachrohr der Neuen Rechten, berichtete entsprechend.

„Ich hasse die FIFA und Infantino (FIFA-Präsident Gianni Infantino, Anm. d. Redaktion) ist ein Faschist“, begründete der Linken-Politiker, auf dessen Namensnennung nach außen die Linke verzichtete, seinen Antrag demnach. Die Linken-Führungsriege zeigte sich von jenem Vorstoß nicht angetan und lehnte ihn geschlossen ab. Linken-Bundesgeschäftsführer Jannis Ehling hielt eine Gegenrede zum Antrag und bezeichnete die Avance als „Kleinkram“.

Linken Bundesparteichefin Schwerdtner fällt differenziertes Urteil zur WM – „Die FIFA ist ein Drecksverein, aber Fußball ist natürlich toll

Weil Angehörige der Partei die Übertragung der Partie schon im Voraus als heikel antizipierten, wurde auf einem Flyer zum Potsdamer Parteitag gleich mal eine Zusatzinfo zur Übertragung des Spiels gegen die Elfenbeinküste positioniert: „Keine Fahnen, kein Nationalismus, kein Stress!“, hießen demnach die Verhaltensregeln für das Spiel.

Bereits unmittelbar vor dem Linken-Parteitag in Potsdam hatte sich die später als Bundesparteichefin bestätigte Schwerdtner auf einer Pressekonferenz zum Thema der Nationalelf bei der WM 2026 in Kanada, Mexiko und den USA geäußert. „Die FIFA ist ein Drecksverein, aber Fußball ist natürlich toll“, bilanzierte sie dabei. Ein Linken-Parteisprecher erklärte auf Focus-Anfrage, im Parteivorstand sei davon ausgegangen worden, dass es Delegierte geben werde, die das Spiel gerne schauen würden

Neuer Linken-Parteivorsitzender Pantisano trübt sein Vertrauen in der Partei durch schärfste und populistisch anmutende Merz-Kritik

Neben dem WM-Trubel ging es beim Linken-Parteitag in der brandenburgischen Landeshauptstadt jedoch auch noch um reichlich rein politische Themen abseits jeglichen Sportgeschehens. Auf sein knappes Wahlergebnis reagierte Neu-Parteivorsitzender Pantisano auf Nachfrage der ARD-Tagesthemen mit den folgenden Worten: „Ab Montag werde ich daran arbeiten, mir das Vertrauen aller Mitglieder zu erarbeiten.“ Offensiv ausgerichtete Rhetorik brachte Pantisano jedoch schon zu Beginn des Parteitags an, als er als Kandidat bei Bild TV Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) scharf angriff und dessen christdemokratische Partei in ideelle Nähe zum Faschismus rückte.

Er selbst kandidiere als neuer Vorsitzender seiner Partei, „damit Friedrich Merz Angst hat vor uns Linken“, so Pantisano dabei. Weiter nannte er den Bundeskanzler einen „Versager“. Ferner entglitt Pantisano jedoch noch ein weiterer Satz – mit verheerender Aussagekraft. Und zwar auch für einige seiner Parteigenossinnen und -genossen, wie sich bei der späteren Wahl auf dem Potsdamer Parteitag zeigen sollte.

„Letztlich gibt es kaum einen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, und den Faschisten selbst“, urteilte Pantisano dabei. Das Resultat war, wie bei der Wahl am Samstag unschwer erkennbar, ein getrübtes Vertrauen vieler Parteimitglieder, die sich offenbar an Pantisanos scharfer und zugleich populistisch anmutender Rhetorik störten. Denn mit einer solch geringen Zustimmung wie für Pantisano war zuvor noch nie eine Linken-Politikerin, geschweige denn -Politiker ins Amt des Parteivorsitzenden gewählt worden. (Quellen: Focus, Bild-TV, Junge Freiheit) (fh)

22 Juni 2026 0 Kommentare
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