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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Allgemein

Ibrahim Arslan: Der Mölln-Überlebende, der nicht mehr Objekt des Gedenkens sein will

von Fremdeninfo 8 Juli 2026
von Fremdeninfo

Von: dtj-online

Als Siebenjähriger überlebte Ibrahim Arslan den rassistischen Brandanschlag von Mölln. Heute kämpft er dafür, dass Betroffene rechter Gewalt nicht länger Kulisse deutscher Erinnerungspolitik bleiben. Seine Botschaft: Reclaim and Remember.

Es gibt Menschen, die werden von einem Ereignis geprägt. Und es gibt Menschen, die nehmen dieses Ereignis irgendwann selbst in die Hand, weil sie nicht länger zulassen wollen, dass andere ihre Geschichte verwalten.

Ibrahim Arslan gehört zur zweiten Gruppe

Als in der Nacht auf den 23. November 1992 zwei Neonazis in Mölln Brandsätze auf Häuser warfen, in denen türkische Familien lebten, war Ibrahim Arslan sieben Jahre alt. Er überlebte, weil seine Großmutter Bahide Arslan ihn in nasse Tücher wickelte und in der brennenden Küche unter dem Küchentisch wartete, bis er gerettet wurde. Seine Großmutter, seine zehnjährige Schwester Yeliz Arslan und seine 14-jährige Cousine Ayşe Yılmaz starben.

Nicht durch ein Unglück, nicht durch einen „Brand“, nicht durch eine abstrakte „Tragödie“. Sie wurden ermordet, weil sie als Türken, als Migranten, als Nicht-Dazugehörige markiert wurden. Mölln war ein rassistischer Anschlag. Einer jener Anschläge, die Deutschland bis heute nicht nur erinnern, sondern eigentlich erschüttern müssten.

Erschütterung hält in Deutschland nur bis zum nächsten Jahrestag

Genau dagegen arbeitet Ibrahim Arslan seit vielen Jahren an. Er geht an Schulen, spricht mit Jugendlichen, hält Vorträge, organisiert Gedenkveranstaltungen, vernetzt Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Er erzählt nicht, weil es ihm leichtfällt. Er erzählt, weil das Schweigen der Betroffenen für viele in der Gesellschaft leichter zu ertragen ist als ihre Geschichten. Und weil Deutschland bei rechter Gewalt ein strukturelles Erinnerungsproblem hat.

Dieses Problem beginnt schon mit der Frage, wer sprechen darf. Nach Anschlägen wie Mölln, Solingen, dem NSU-Komplex, Halle oder Hanau treten sehr schnell Behörden, Politiker, Experten, Gedenkredner und Kommentatoren auf. Sie erklären, ordnen ein, kondolieren, mahnen. Betroffene kommen auch vor, aber viel zu oft als Symbolfiguren. Als trauernde Angehörige. Als stille Opfer. Als Gesichter auf Plakaten. Als Menschen, denen man Blumen überreicht und deren Schmerz man für einen Moment sichtbar macht, bevor der Betrieb wieder weiterläuft.

Arslan akzeptiert diesen Ablauf nicht

Sein Ansatz heißt „Reclaim and Remember“: Zurückholen und erinnern. Es ist mehr als ein Slogan. Es ist eine politische Praxis. Die Erinnerung soll nicht länger von oben organisiert und den Betroffenen anschließend zugemutet werden. Die Betroffenen selbst sollen bestimmen, wie erinnert wird, worüber gesprochen wird und welche Konsequenzen sich aus der Erinnerung ergeben. Denn Erinnerung ohne Konsequenz ist Folklore.

In Mölln zeigt sich das besonders deutlich. Jährlich gibt es offizielle Gedenkveranstaltungen. Es werden Reden gehalten, Kränze niedergelegt, Worte gefunden, die niemand falsch finden kann. Aber Ibrahim Arslan kritisiert seit Jahren, dass bei solchen Formen des Gedenkens die Perspektive der Überlebenden und Angehörigen zu wenig im Mittelpunkt steht. Wer wirklich erinnern wolle, müsse den Überlebenden zuhören. Nicht nur am Jahrestag. Nicht nur für Pressefotos. Nicht nur dann, wenn sie versöhnliche Sätze sagen.

Die Betroffenen sind keine Statisten deutscher Betroffenheit

Diese Erkenntnis wurde mit dem Dokumentarfilm „Die Möllner Briefe“ noch einmal in eine größere Öffentlichkeit getragen. Der Film von Martina Priessner erzählt von einer zweiten Verletzung, die Jahrzehnte nach dem Anschlag sichtbar wurde: Nach Mölln schrieben Hunderte Menschen Solidaritätsbriefe an die Familien. Briefe, Karten, Zeichnungen, Worte des Mitgefühls. Doch diese Briefe erreichten die Überlebenden und Angehörigen über viele Jahre, nein Jahrzehnte nicht. Sie lagen im Stadtarchiv.

Man muss dafür nicht einmal böse Absicht unterstellen, um das Problem zu erkennen. Auch institutionelle Gleichgültigkeit kann verletzen. Auch verwaltete Anteilnahme kann ein Unrecht sein. Auch ein Archiv kann zu einem Ort werden, an dem Solidarität verstaubt, verschwindet.

Für die Familien bedeutete das: In einer Zeit, in der sie alles verloren hatten, erfuhren sie nicht einmal von all den Menschen, die ihnen Trost spenden wollten. Die Gesellschaft hatte geschrieben. Die Verwaltung hatte abgelegt. Die Betroffenen blieben allein.

Das ist der eigentliche Skandal der Möllner Briefe

Der Film macht schmerzhaft sichtbar, was deutsche Erinnerungspolitik oft verdrängt: Es geht nicht nur um die Tat. Es geht um das Danach. Um Behörden, die Betroffene nicht ernst nehmen. Um Gesellschaften, die schnell wieder Normalität wollen. Um Archive, Akten, Zuständigkeiten und Gedenkrituale, die den Schmerz der Betroffenen nicht heilen, sondern manchmal fortsetzen.

Dass „Die Möllner Briefe“ auf der Berlinale gefeiert wurde, Preise erhielt und im Kino lief, zeigt immerhin: Diese Perspektive findet ein Publikum. Aber zugleich bleibt die Frage, warum ein Film mit dieser gesellschaftlichen Wucht nicht selbstverständlich zur besten Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird. Warum müssen Betroffene rechter Gewalt immer wieder selbst darum kämpfen, dass ihre Geschichten eine große Bühne bekommen? Warum wird ihre Perspektive noch immer behandelt wie ein Sonderprogramm, obwohl sie zum Kern der deutschen Gegenwart gehört?

Natürlich wäre es zu einfach, daraus sofort eine Verschwörung abzuleiten. Aber die Frage bleibt erlaubt: Welche Geschichten hält dieses Land für mehrheitsfähig? Welche Trauer passt in den Betrieb? Welche Opfer bekommen Raum? Und welche müssen sich ihren Raum erkämpfen?

Ibrahim Arslan hat sich diesen Raum erkämpft

Nicht nur für sich. Sondern auch für andere Betroffene. Beim NSU-Tribunal, in Workshops, bei Zeitzeugengesprächen und in politischen Bildungsformaten geht es ihm nicht darum, immer wieder dieselbe persönliche Leidensgeschichte abzurufen. Es geht ihm um eine Verschiebung der Perspektive. Weg von den Tätern. Weg vom Sensationsinteresse an rechter Gewalt. Weg von der Frage, wie aus „ganz normalen jungen Männern“ Mörder werden konnten. Hin zu den Menschen, deren Leben zerstört wurde. Hin zu den Familien, die weiterleben mussten. Hin zu den Kindern, die in Deutschland aufwuchsen und lernen mussten, dass ihr Zuhause brennen kann, weil andere sie nicht als Teil dieses Landes akzeptieren.

Was Ibrahim Arslan macht ist keine Erinnerung an die Vergangenheit. Das ist Gegenwartsarbeit.

Denn rechte Gewalt ist in Deutschland nicht verschwunden. Sie hat ihre Sprache verändert, ihre Milieus erweitert, ihre politischen Resonanzräume vergrößert. Zwischen Mölln und Hanau liegen fast drei Jahrzehnte. Und doch erzählen Betroffene immer wieder von ähnlichen Erfahrungen: von Behörden, die rassistische Motive zunächst herunterspielen; von Ermittlungen, die in die falsche Richtung laufen; von Angehörigen, die nicht ernst genommen werden; von Gedenkpolitik, die erst dann großzügig wird, wenn Kameras laufen. Ibrahim Arslan widerspricht dieser Logik schon durch seine Präsenz.

Er steht nicht mehr nur für das Kind, das aus den Flammen gerettet wurde. Er steht für einen Betroffenen, der sich weigert, auf seine Opferrolle reduziert zu werden. Er ist Bildungsreferent, Aktivist, Netzwerker, Mahner. Einer, der anderen Betroffenen sagt: Ihr müsst nicht warten, bis man euch zuhört. Ihr dürft sprechen. Ihr dürft fordern. Ihr dürft die Erinnerung zurückholen.

Reclaim and Remember

Auch deshalb ist es konsequent, dass „Reclaim and Remember“ inzwischen nicht nur auf Veranstaltungen oder in Reden auftaucht, sondern auch als sichtbare Botschaft im Alltag. Über „Moumi Clothing“ ist eine Kollektion entstanden, die Erinnerung tragbar macht. Man kann das als Merchandising bezeichnen. Man kann es aber auch als das verstehen, was es in diesem Kontext ist: ein Versuch, politische Botschaften aus den Gedenksälen herauszuholen und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Denn Erinnerung muss sichtbar sein. Auf Straßen. In Schulen. In Gesprächen. Auf Kleidung. In Archiven. Im Fernsehen. In Parlamenten. Und vor allem in den Händen derjenigen, denen diese Erinnerung gehört.

Die deutsche Gesellschaft hat sich gewöhnt, über Betroffene zu sprechen

Ibrahim Arslan hat einmal sinngemäß deutlich gemacht, dass Betroffene nicht als Statisten behandelt werden wollen. Genau dieser Satz trifft den Kern. Die deutsche Gesellschaft hat sich lange daran gewöhnt, über Betroffene rechter Gewalt zu sprechen. Arslan fordert etwas anderes. Er will, dass mit ihnen gesprochen wird. Und noch wichtiger: dass ihnen zugehört wird. Das klingt selbstverständlich. Ist es aber bis heute nicht.

Vielleicht liegt darin die Kraft seines Wirkens. Arslan erzählt nicht nur von Mölln. Er zeigt, was nach Mölln hätte passieren müssen. Eine Erinnerungskultur, die Betroffene in den Mittelpunkt stellt. Eine politische Bildung, die nicht bei Täterbiografien stehen bleibt. Eine Öffentlichkeit, die rassistische Gewalt nicht erst dann ernst nimmt, wenn Menschen sterben. Eine Demokratie, die sich nicht an den Jahrestagen ihrer Erschütterung beruhigt, sondern im Alltag Konsequenzen zieht.

Mölln war nicht nur ein Anschlag auf eine Familie. Mölln war ein Anschlag auf das Versprechen, dass Menschen in Deutschland sicher leben können, unabhängig von Herkunft, Namen, Sprache oder Religion. Ibrahim Arslan hat dieses Versprechen als Kind in Flammen aufgehen sehen.

Dass er heute trotzdem spricht, erinnert und andere Betroffene stärkt, ist kein versöhnliches Happy End. Es ist eine Anklage. Und zugleich ein demokratischer Dienst, den dieses Land ernster nehmen müsste. Denn wer ihm zuhört, versteht: Erinnerung ist kein Ritual der Vergangenheit. Erinnerung ist ein Kampf um die Gegenwart. Und manchmal beginnt dieser Kampf mit einem Satz, der einfach klingt, aber in Deutschland noch immer radikal ist: Die Betroffenen sprechen selbst.

8 Juli 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Offiziell: 26 Parteien dürfen antreten

von Cumali Yağmur 7 Juli 2026
von Cumali Yağmur

Eine Vereinigung nicht für die Kommunalwahl zugelassen

Hannover.

26 Parteien dürfen bei der Kommunalwahl in Niedersachsen in diesem Herbst antreten. Das hat der Landeswahlausschluss beschlossen, wie Landeswahlleiter Markus Steinmetz mitteilte. Demnach wurden mit einer Ausnahme alle Bewerber für die Kommunalwahl zugelassen. Nicht zugelassen wurde die Vereinigung Die Republikaner (REP) – Grund waren demnach „formale und materielle Mängel“. Gewählt wird am 13. September.

Zugelassene Parteien

CDU, SPD, AfD, Grüne und Linke mussten nach Angaben des Landeswahlleiters wegen ihrer Vertretung im Bundestag oder im Landtag keine sogenannte Wahlbeteiligungsanzeige einreichen.

Darüber hinaus hat der Landeswahlausschuss diese Parteien bei der Kommunalwahl zugelassen:

■ Basisdemokratische Partei Deutschland, Landesverband Niedersachsen

■ Bündnis C – Christen für Deutschland

■ BÜNDNIS DEUTSCHLAND Landesverband Niedersachsen

■ Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit

■ Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit – Landesverband Niedersachsen

■ DAVA-Niedersachsen

■ Die Demokraten

■ Die Haie-Partei mit Biss

■ Die Urbane. Eine HipHop Partei – Landesverband Niedersachsen

■ Familien-Partei Deutschlands

■ Freie Demokratische Partei Landesverband Niedersachsen e.V.

■ Freie Wähler& Niedersachsen

■ Liberale Demokraten – Die Sozialliberalen Niedersachsen

■ Ökologisch-Demokratische Partei Landesverband Niedersachsen

■ Partei der Humanisten Niedersachsen

■ Partei des Fortschritts Landesverband Niedersachsen

■ Die Partei, Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – Landesverband Niedersachsen

■ Partei für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, Landesverband Niedersachsen

■ Partei Mensch Klima Tierschutz (Tierschutzpartei)

■ Piratenpartei Niedersachsen

■ Volt Deutschland Landesverband Niedersachsen

Mit der Feststellung durch den Landeswahlausschuss können nun diese 26 Parteien Wahlvorschläge bei den örtlichen Wahlleitungen einreichen.

7 Juli 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Nationalismus und Rassismus sind Feinde der Menschheit, egal von wem sie ausgehen.“

von Cumali Yağmur 7 Juli 2026
von Cumali Yağmur

Von:  Cumali Yağmur

Reaktionäre Kreise türkeistämmiger Herkunft säen innerhalb der Migrationsbewegung ständig Samen des Hasses. Selbst wenn sie in dieser Gesellschaft keine gravierenden Probleme haben, leben sie permanent mit einer Ideologie der Feindseligkeit. Mit Vorurteilen wie „Die Deutschen beneiden uns“ oder „Sie schikanieren uns ständig“ agieren sie voreingenommen. Sie ziehen sich in ihre eigene Welt zurück und wählen nationalistische sowie rassistische Ideologien als ihre Waffen. Indem sie sich gegenüber anderen Migranten als überlegen betrachten, spalten sie die migrantische Minderheit. Für ihre eigenen Interessen sind sie bereit, jede erdenkliche Position einzunehmen.

In den Ländern, in denen Migranten als Minderheit leben, spielt es keine Rolle, aus welchem Herkunftsland man kommt. Sie bilden in ihrem Wohnsitzland eine migrantische Minderheit, und ihre Probleme sind gemeinsamer Natur. Seit Jahren gründen türkisch-nationalistische, rassistische und reaktionäre Kreise verschiedene Parteien und Listen, doch es gelingt ihnen nicht, die Unterstützung der Migranten zu gewinnen und erfolgreich zu sein. Sie versuchen ständig, die Migrationsfrage zu spalten. Auch die reaktionären, nationalistischen und rassistischen Kreise in Hannover werden hier nicht die Unterstützung der Migranten erhalten.

Ich bin fest davon überzeugt, dass reaktionäre, nationalistische und ittihatistische Ansätze keinen Wahlerfolg erzielen können, indem sie die migrantische Minderheit spalten und lediglich türkischen Nationalismus und Rassismus auf die Tagesordnung setzen. Meines Erachtens ist die Chance der migrantischen Minderheit wesentlich höher, wenn sie sich von den nationalistischen und rassistischen Gedanken einer einzelnen Nation fernhält und stattdessen unter einer Struktur repräsentiert wird, die die politische Lage des gemeinsamen Wohnsitzlandes analysiert und alle Migranten mit einbezieht.

Ich glaube nicht, dass Personen, die ausschließlich türkischen Nationalismus betreiben und keinerlei Anstrengungen für die allgemeinen Probleme der Migranten unternehmen, bei Wahlen erfolgreich sein werden. Eine Gesinnung, die das Migrantenthema spaltet und den türkischen Nationalismus in den Vordergrund rückt, wird von den migrantischen Wählern nicht bevorzugt werden. Ich bin davon überzeugt, dass alle Migranten bei den Wahlen demokratische Parteien wählen werden, die ihre tatsächlichen Probleme thematisieren; denn auch in vergangenen Wahlen hat die Mehrheit der Migranten demokratische Parteien bevorzugt.

Die Teilnahme der von reaktionären, nationalistischen und rassistischen Türken gegründeten DAVA Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch   an den Kommunalwahlen in Niedersachsen wird keinen Erfolg bringen.

Ich glaube fest daran, dass die Migranten auch bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen überwiegend für demokratische Parteien stimmen werden. Von hier aus empfehle ich allen Migranten – auch jenen aus EU-Ländern, die wahlberechtigt sind –, sich zahlreich an den Kommunalwahlen in Niedersachsen am 13. September 2026 zu beteiligen und die demokratischen Parteien zu unterstützen

7 Juli 2026 0 Kommentare
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Religion

DAS ENDE EINER ÄRA IN DER ALEVITISCHEN ORGANISIERUNG

von Fremdeninfo 6 Juli 2026
von Fremdeninfo

Von: Turgut Öker

Als wir Ende der 1980er Jahre begannen, uns unter unserer alevitischen Identität zu organisieren und die historische Bühne betraten, lastete eine jahrhundertealte, schwere Bürde auf den Schultern der alevitischen Gemeinschaft. Das erfahrene Leid war nicht nur gesellschaftlicher Natur; es gab persönliche Schmerzen, Ausgrenzungen und Unterdrückungen, die das Leben fast jedes Aleviten berührten.

Eines der schwersten Traumata war der Zwang, die alevitische Identität verbergen zu müssen. In jenen Jahren bedeutete es, Beleidigungen, Diskriminierung, Ausgrenzung und sogar Lebensgefahr in Kauf zu nehmen, wenn man im öffentlichen Raum sagte: „Ich bin Alevit“.

Die Massaker von Koçgiri bis Dersim, von Maraş bis Çorum, von Sivas bis Gazi sind nicht nur schmerzhafte Seiten unserer Geschichte, sondern auch unser kollektives Gedächtnis, das unser Kampf- und Krisenbewusstsein geformt hat. Diese Leiden haben uns gelehrt, überall dort zu sein, wo Unrecht geschieht, und dass Widerstand gegen Unterdrückung nicht nur ein Recht, sondern auch eine menschliche und gewissensnahe Verantwortung ist. Wir haben unsere Jugend im revolutionären Kampf für Demokratie, Freiheit und gleichberechtigte Bürgerschaft verbracht.

Mit dem Bewusstsein dieser historischen Erfahrung und Verantwortung waren wir von Anfang an Teil dieses Kampfes, damit sich die alevitische Gemeinschaft unter eigenem Namen organisiert, sichtbar wird und der Kampf für Gleichberechtigung institutionalisiert wird. Als jemand, der in fast jeder Phase dieser etwa vierzigjährigen Reise Verantwortung übernommen hat, glaube ich heute, dass es an der Zeit für eine aufrichtige und mutige Bilanz ist.

Was haben wir gewonnen, was haben wir versäumt?

Dieser Kampf hat wichtige Errungenschaften hervorgebracht.
Das Alevitentum hat die Mauer der Leugnung und des Ignorierens eingerissen. Wir haben begonnen, in unserem eigenen Namen zu sprechen. Wir haben Cem-Häuser eröffnet und Institutionen gegründet. Wir haben Föderationen in der Türkei und Konföderationen in Europa aufgebaut. Die alevitische Frage steht nun nicht mehr nur auf der Agenda der Türkei, sondern der ganzen Welt.

Doch wir müssen mit demselben Mut auch über unsere Versäumnisse sprechen.
Einen Großteil der Reflexe, die uns vor etwa vierzig Jahren mobilisierten, wiederholen wir heute immer noch. Doch die Welt hat sich verändert, die Türkei hat sich verändert, und auch die Herangehensweise des Staates an die alevitische Gemeinschaft hat sich erheblich gewandelt. Wir hingegen bewegen uns weitgehend mit derselben Rhetorik und denselben Methoden weiter.

Das auf Protest und Reaktion basierende Organisationsverständnis, das unter den Bedingungen der 1980er Jahre gerechtfertigt und notwendig war, reicht heute nicht mehr aus, um den aktuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Die neue Strategie des Staates: Kontrolle über die Aleviten

Von den Seldschuken über die Osmanen bis hin zur Republik war die grundlegende Politik des Staates die Leugnung und Vernichtung des Alevitentums. Die Türkisch-Islamische Synthese war eines der wichtigsten Instrumente dieser Politik.
Heute hat sich die Methode geändert.
Der Staat leugnet das Alevitentum nicht mehr; er versucht es unter dem Deckmantel der „Annahme“ unter seine Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck wurde im Ministerium für Kultur und Tourismus das „Präsidium für alevitisch-bektaschitische Kultur und Cem-Häuser“ eingerichtet. So wie der Staat den sunnitischen Islam über das Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) kontrolliert, versucht er nun ein ähnliches Modell auf das Alevitentum anzuwenden.

Das Staatsverständnis, das das Alevitentum früher als „Separatismus“, „Verrat“ oder „Spiel ausländischer Mächte“ betrachtete, versucht heute, über materielle und administrative Möglichkeiten Einfluss auf alevitische Institutionen zu nehmen. In den letzten Jahren basieren die Beziehungen zwischen dem Staat und einigen alevitischen Institutionen weitgehend auf Eigeninteressen. Es findet ein Prozess statt, in dem versucht wird, das Alevitentum über „Dedes“ (alevitische Geistliche), die auf die Gehaltsliste gesetzt wurden, umzugestalten – und leider wurden in dieser Hinsicht bereits erhebliche Fortschritte erzielt.

Auf unserer Seite halten die alten Gewohnheiten an

Wie reagieren die alevitischen Institutionen auf diesen Wandel?
Leider weitgehend mit den alten Methoden…
Die Rhetorik, die Veranstaltungen und der Arbeitsstil der letzten vierzig Jahre werden fast unverändert fortgesetzt. Die Welt hat sich verändert, die Politik des Staates hat sich verändert; aber in einem großen Teil der alevitischen Institutionen fehlt noch immer der Wille, eine entsprechende neue Strategie zu entwickeln.

Wir, als die Generation, die den Aufbruch der alevitischen Bewegung miterlebt hat, haben uns – nachdem wir 20-25 Jahre in unseren Institutionen tätig waren – entschieden, den Kampf mit dem gemeinsamen Willen unserer Organisationen ins Parlament zu tragen. Unser Ziel war es nicht, eine persönliche Karriere zu machen, sondern die Forderungen der alevitischen Gemeinschaft unter dem Dach des Parlaments zu verteidigen.

Heute hingegen ist das Hauptziel einiger Funktionäre geworden, in der nächsten Amtsperiode Abgeordnete zu werden. Die Abgeordnetenschaft ist weniger zu einem Bemühen geworden, die Forderungen der Aleviten in die Programme der politischen Parteien einzubringen, als vielmehr dazu, die Agenda der politischen Parteien in die alevitische Bewegung hineinzutragen.
Dieses Verständnis bringt der alevitischen Gemeinschaft keinen Nutzen.

Das Feld wird dem Staat überlassen

Da die alevitischen Institutionen angesichts der geplanten Schritte des Staates nicht den notwendigen gesellschaftlichen Reflex zeigen, den Menschen in schwierigen Zeiten nicht ausreichend zur Seite stehen und keine neuen Kampfmethoden entwickeln, wird das Feld zunehmend dem Staat überlassen.
Die demokratische alevitische Bewegung, die nach dem Madımak-Massaker große gesellschaftliche Unterstützung erhielt, steht heute vor dem ernsthaften Risiko der Marginalisierung.
Wenn dieser Entwicklung nicht entgegengesteuert wird, wird morgen nur noch das staatlich geschaffene „Präsidium für alevitisch-bektaschitische Kultur und Cem-Häuser“ übrig bleiben.

Das Bild, das ich im letzten Jahr in vielen Städten, die ich besuchte, gesehen habe, ist nachdenklich stimmend. Ein Verständnis, das es als „Dienst am Alevitentum“ betrachtet, Aktivitäten mit den von Kommunen bereitgestellten Mitteln durchzuführen, breitet sich immer mehr aus. Doch keine soziale Bewegung, die ihre Unabhängigkeit verliert, kann langfristig überleben.

Der neue Weg: Das Gesicht dem Volk zuwenden

Wenn wir die Gegenwart und die Zukunft nicht verlieren wollen, müssen wir dieses Verständnis ändern. Wir müssen unser Gesicht wieder dem Volk zuwenden. Wir müssen unsere Aktivitäten innerhalb der Gesellschaft organisieren und auf unsere eigenen Ressourcen, unsere Arbeit und unsere Solidarität vertrauen.
Ohne ein starkes gesellschaftliches Solidaritätsnetzwerk, das von unten nach oben organisiert ist und das Prinzip der „Rızalık“ (gegenseitiges Einvernehmen/Konsens) in jeden Lebensbereich trägt, ist es nicht möglich, diesen Lauf der Dinge zu ändern.

Die Wahrheit auszusprechen, mag heute einige Funktionäre stören. Doch wir, die wir fast vierzig Jahre… [Text bricht hier ab]

6 Juli 2026 0 Kommentare
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Allgemein

DAVA Demokratische Allianz für Vielfalt und Aufbruch 

von Fremdeninfo 6 Juli 2026
von Fremdeninfo

  ·Die DAVA stürmt entschlossen nach vorne:

Jetzt offiziell für die Kommunalwahl in Niedersachsen, bringen wir nicht nur zwei Oberbürgermeister-Kandidaten, wir sind die wachsende Kraft mit acht Ortsverbänden – und wir stoppen hier nicht! Niedersachsen hat genug von altem Stillstand, wir bringen den Umbruch. Und am Ende stehen wir – zusammen mit euch – und machen Geschichte, die bleibt!

#DAVA #Niedersachsen #Kommunalwahl #Kommunalwahl2026 #DAVANiedersachsen #GeschichteSchreiben #GemeinsamStark #Veränderung #Neuanfang #Politik #Demokratie #Zukunft #Oberbürgermeister #Ortsverband #JetztErstRecht #WirSindBereit #TeamDAVA #NiedersachsenWählt #Aufbruch #MitEuchGemeinsam

Fazit 

Die Zukunft der migrantischen Politik: Inklusion statt ethnischer Spaltung“

Cumali Yağmur  Chefredakteur  des Nachrichtenportals www.fremdeninfo.de.

Ich bin der festen Überzeugung, dass reaktionäre, nationalistische und unionistische Ansätze keinen nennenswerten Wahlerfolg erzielen werden, indem sie die Migrantenminderheit spalten und lediglich türkischen Nationalismus sowie Rassismus thematisieren. Meiner Meinung nach wären die Erfolgsaussichten der Migrantenminderheit weitaus höher, wenn sie sich von den nationalistischen und rassistischen Ideologien einer einzelnen Nation fernhält und sich stattdessen unter dem Dach einer Struktur (Institution) repräsentiert, die die politische Lage des Landes, in dem sie lebt, analysiert und alle Migranten gleichermaßen einbezieht.

Ich glaube nicht, dass Personen, die ausschließlich türkischen Nationalismus betreiben und keinerlei Anstrengungen hinsichtlich der allgemeinen Probleme von Migranten unternehmen, bei Wahlen erfolgreich sein werden. Eine Auffassung, welche die Probleme der Migranten spaltet und dabei türkischen Nationalismus sowie Rassismus in den Vordergrund rückt, wird nach meiner Einschätzung von den migrantischen Wählern nicht bevorzugt.

Ich bin davon überzeugt, dass alle Migranten bei den Wahlen demokratische Parteien wählen werden, die ihre eigenen Sorgen und Nöte artikulieren. Denn auch bei vergangenen Wahlen hat die Mehrheit der Migranten demokratische Parteien bevorzugt. Ich glaube, dass Migranten auch bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen überwiegend für demokratische Parteien stimmen werden. Daher lege ich allen Migranten – insbesondere auch den Unionsbürgern aus EU-Ländern, die bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen wahlberechtigt sind – nahe, am 13. September 2026 zahlreich an den Wahlen teilzunehmen und demokratische Parteien zu unterstützen.“

6 Juli 2026 0 Kommentare
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Kultur

27. Antirassistisches Festival in Athen

von Halit Yaşar Demirbağ 5 Juli 2026
von Halit Yaşar Demirbağ

von:  Halit Yaşar Demirbağ / Athen

Das jährlich vom Athener Komitee gegen Rassismus organisierte Festival fand dieses Jahr vom 3. bis 5. Juli im Goudi-Park statt. An den drei Veranstaltungstagen nahmen zehntausende Menschen teil. Neben offenen Panels und Diskussionsplattformen bot das Programm Auftritte verschiedener Musikgruppen und Theaterensembles. Auch die in Athen lebenden Migrantengemeinschaften erhielten die Gelegenheit, ihre eigenen Kulturen zu präsentieren.

In einer abschließenden Erklärung zeigte sich das Festivalkomitee äußerst zufrieden mit dem Erfolg der 27. Ausgabe und kündigte an, bereits jetzt mit den Vorbereitungen für ein noch prachtvolleres Festival im nächsten Jahr zu beginnen.

 

5 Juli 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Die Mär von der Schlussstrich Querfront

von Fremdeninfo 5 Juli 2026
von Fremdeninfo

                      Von: Daniel G.B. Weissmann

 

Prof Markus Linden wittert eine Querfront zwischen pro-Palästina Aktivisten und der AfD um die Erinnerungskultur abzuschaffen. Problem: Linden liefert keinen einzigen Beweis.

Markus Linden, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Trier, wittert in den Forderungen der Pro-Palästina-Szene eine Querfront mit der AfD um die Abschaffung des “Grundkonsens der deutschen Erinnerungspolitik”. Unter Querfront versteht man im Allgemeinen eine Koalition sich ansonsten gegenüberstehenden politischen Lagern, um gemeinsam für das gleiche Ziel zu kämpfen. Die Querfront, die Linden also zu sehen glaubt, ist die der Pro-Palästinensischen Linken und die der Rechtsextremen um AfD & Co um der Erinnerungskultur den Garaus zu machen.

Linden gehört zu dem Lager von Politikwissenschaftler*innen, die verzweifelt wie erfolglos versuchen den Status Quo gegen ‘Linksextreme’ und Rechtsextreme zu verteidigen. Anstatt jedoch den Status Quo durch die vermeintliche ideologische Überlegenheit des Liberalismus zu verteidigen neigt man eher dazu linke Kritiker*innen dadurch zu diskreditieren, indem man ihnen andichtet, wie die Rechtsextremen zu sein. Nach dem überraschende Erfolg der Linkspartei bei den Bundestagswahlen im letzten Jahr, die Wahl Zohran Mamdanis zum New Yorker Bürgermeister und die Teilnahme Zehntausender an der “All eyes on Gaza” Demo in Berlin betitelte Die Zeit einen Kommentar Lindens mit “Jetzt fangen die Linken an, die Rechten zu kopieren”. Anstatt sich jedoch mit der Kritik dieser ‘radikalen’ Linken auseinanderzusetzen, greifen Konkursverwalter des Status Quo lieber zu delegitimierenden Vergleichen, die es erlauben, sich aus Prinzip nicht mit linker Kritik an der eigenen Politik befassen zu müssen. Genau dem gleichen modus operandi folgt Linden in seinem neuesten Beitrag ebenfalls in der Zeit unter dem Titel “Hier entsteht eine neue Querfront”.

Der imaginierte Schlussstrich

Als Professor für die neue Rechte und Rechtspopulismus fällt es Linden leicht, den rechten Hass auf die deutsche Erinnerungskultur zu diagnostizieren und aufzuzeigen. Wir alle kennen schließlich Hirngespinste eines Alexander Gauland um den “Vogelschiss der Geschichte” oder das ständige Geheule von Björn Höcke über die “dämliche Bewältigungspolitik” und die Obsessionen der AfD generell zum Thema “Schuldkult”. Dass die AfD und die extreme Rechte die Erinnerungskultur abschaffen will, steht außer Frage. Zudem steht ebenfalls außer Frage, dass Martin Walser die Holocausterinnerung im Rückspiegel der Geschichte sehen wollte. Niemand bestreitet dies. Was Markus Linden jedoch imaginiert, ist, dass die pro-Palästinensische Linke in ihrer Kritik der Erinnerungskultur diese Positionen teilt.

Umso einfacher es für Linden ist, die obigen Beispiele für die Abschaffungsfantasien von Rechten zu finden, desto schwerer fällt es ihm, scheinbar ähnliche Beispiele von linken Kritikern der Erinnerungskultur zu finden. Man möchte Fragen wieso, denn schließlich hagelt es spätestens seit der Mbembe-Affäre 2020, der Katechismus Debatte 2021 und der documenta fifteen scharfe Kritik. Gab es in den letzten sechs Jahren keine Schriften, Statements oder Plakate von pro-Palästina Gruppen, die Linden eine Smoking Gun geliefert haben könnten? Wenn diese Querfront existieren sollte, wieso dann keine stichhaltigen Beweise?

Die Berlinale Querfront

Scheinbar ließ der Mangel an Beweisen keine andere Möglichkeit offen, als sich selbst einen Beweis zusammenzubasteln. In den Augen Lindens scheint niemand besseres Material für eine solche Bastelarbeit zu liefern als ein Palästinensisch-Syrischer Flüchtling, der es wagt auf offener Berlinale Bühne die deutsche Komplizenschaft an Israels Völkermord in Gaza anzusprechen. Wie hat es der Regisseur Abdallah Al-Khatib geschafft, in einer zweiminütigen Dankesrede die scheinbar offensichtliche Querfront von Linken und Rechten zu verraten?

Für Linder war das Auftreten Al-Khatibs der erste Beweis, dass die Linke wie die Rechte die Erinnerungskultur abschaffen will:

Die obligatorische Kufiya, das sogenannte Palästinensertuch, war als längliches Dreieck über die rechte Schulter des Redners gelegt und symbolisierte so die Umrisse von Israel und Palästina. Die palästinensische Fahne vom danebenstehenden Produzenten war wiederum so umgedreht, dass ihr rotes Dreieck parallel dazu verlief. Bei einem Filmteam, das sich schon qua Beruf mit sorgsamer Inszenierung auskennt, liegt deshalb folgende Deutung nahe: In diesem spezifischen Zusammenspiel von Tuch und Fahne symbolisierte man die Umrisse eines anzustrebenden Palästinas ohne Israel.

Wenn das noch nicht genug war, trug Al-Khatib auch noch einen Palästina Solidarity Button “dessen gemalte, aus einer Faust kommende Mohnblumen teilweise eine auffällige, diesmal nach unten weisende Dreiecksform aufwiesen. Das nach unten gerichtete rote Dreieck steht für die Zielmarkierung der Hamas.”

Abdallah Al-Khatib fotografiert von Paulo Portugal bei der Berlinale mit besagtem Button.

Wo genau auf diesem Button ein rotes ‘Hamas Dreieck’ zu sehen sein soll ist nicht klar, vielleicht ist Markus Lindens Sehstärke pro-Hamas und wollte ihm einen Streich spielen, ein Fall für RIAS!

Noch schlimmer als ein imaginierter Button war jedoch Al-Khatibs Forderung auf ein Recht palästinensischer Erinnerung was für Linden ein “perfider Sprechakt [war], der mittels unmissverständlicher Drohung letztlich alle Verständnis- und Eskalationsebenen ansteuerte”. Die ‘“Drohung”:

The long awaited day will come and when people ask you what happened, tell them Palestine remembers. We will remember everyone who stood with us and we will remember everyone who stood against us against our right to live with dignity…

Natürlich kann man ein “we will remember” als Drohung interpretieren, aber nur wenn man sich bei “everyone who stood against us” angesprochen fühlt.

Narzissmus und Israel

Die Empörung über das Einfordern von Erinnerung macht nur dann Sinn, wenn man Erinnern primär als einen Sühneakt der Täter oder deren Nachfahren begreift. Würde man es wagen, den Überlebenden des Holocausts das Gleiche vorzuwerfen, als diese sich geschworen haben, sich zu erinnern? Dürfen Opfer von Menschheitsverbrechen sich an die Täter und Mittäter dieser Verbrechen erinnern? Kann Erinnern ohne das Erinnern an die Täter überhaupt funktionieren? Kann man an Taten ohne Täter erinnern?

Die vermeintliche Verteidigung der Erinnerungskultur gilt überhaupt nicht der Erinnerung sondern einer partikularistischen Lektion aus dem Holocaust welche im Kern der deutschen Erinnerungskultur sitz. Denn die Dankesrede von Abdallah Al-Khatib sei eine “Attacke auf jenen politisch-kulturellen Grundkonsens dieser Republik, wonach Israel als Staat und sicherer Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden erhalten bleibt”. Ergo geht es nicht um die Erinnerung an sich, sondern für was diese Erinnerung ge- oder missbraucht wird.

Es geht einzig und allein um das narzisstische Verhältnis zur deutschen Vergangenheit und welche Lektionen mit aller Gewalt verteidigt werden müssen, komme was wolle. Linden kommt nicht umhin, sich indirekt einzugestehen, dass Al-Khatib nicht die Erinnerungspolitik an sich angegriffen hat, sondern die daraus resultierende bedingungslose Unterstützung Israels. Es ist kein Zufall, dass in siebzehn Paragraphen neunmal von Israel die Rede ist jedoch kein einziges mal von Jüdinnen und Juden, es sei denn es ist von “Israel als Staat und sicherer Zufluchtsort für Jüdinnen und Juden” oder “dem jüdischen Staat” die Rede.

Al-Khatib hat in seiner Dankesrede mit keinem Wort die deutsche Erinnerungspolitik erwähnt. Er hat Deutschlands Unterstützung in Israels Völkermord angeprangert, etwas das in den Augen Linden schwerer zu wiegen scheint als die Rufe der AfD die Erinnerungskultur abzuschaffen.

Mitte-Rechts Querfront

Markus Linden hat es in einem 1900 Wort schwachen Kommentar nicht mit einem Satz geschafft aufzuzeigen wo Abdallah Al-Khatib, geschweige denn die pro-Palästina Linke die Abschaffung der Erinnerungskultur oder einen “Schlussstrich” gefordert hat. Im Gegenteil, die pro-Palästina Linke fordert die Einbettung des palästinensischen Schicksals nach 1948 in die geschichtliche Verantwortung Deutschlands und somit in die Erinnerungskultur. Gleiches wird aus der Lehre des deutschen Völkermords an den Herero und Nama gefordert. Es ist also genau das Gegenteil einer Abschaffung der Erinnerungskultur. Es ist eine Bereicherung und Erweiterung dieser.

Für Markus Linden scheint das jedoch der größte Affront zu sein, weil laut seiner singulären Obsession Israel im Mittelpunkt deutscher Erinnerungskultur stehen muss. In diesem Sinne ist er schon auf halbem Weg in Richtung AfD welche Israel nicht als Mittelpunkt deutscher Erinnerungskultur sondern als den einzigen Punkt der deutschen Verantwortung aus dem Holocaust sieht. Was wäre, wenn sich Linden zwischen einer Erinnerungskultur in der Israel keinen zentralen Punkt mehr einnimmt und einer Erinnerungskultur, deren einziger Fokus Israel ist, entscheiden müsste, was würde er wählen? Wäre er bereit, die Erinnerungskultur im Namen Israels zu opfern?

Was hier nach einem hypothetischen Szenario klingt, ist in Wirklichkeit schon passiert. Markus Linden & Co haben sich schon vor langer Zeit entschieden und zwar für das Letztere. Die deutsche Erinnerungskultur, wie wir sie kenne ist genau deswegen tot. Sie wurde von all jenen getötet die glaubten die Verteidigung von Israels Verbrechen bis hin zum Völkermord sei die moralische Lehre des Holocausts. Es war nur eine Frage der Zeit, wann dieser letale Partikularismus seine endgültige Wirkung zeigt.

Die Frage die sich jetzt stellt ist nicht ob sie wieder belebt werden kann, sondern was danach kommt. Wird man sich in einer Mitte-Rechts Querfront an der endgültigen Abschaffung der Erinnerungskultur im Namen Israels beteiligen oder gesteht man ein, dass Erinnerung nur als universelles Projekt eine Zukunft?

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Von Daniel G.B. Weissmann · Launched 4 years ago

Kritische Reflektionen und Kommentare zum deutschen Palästina-Diskurs

5 Juli 2026 0 Kommentare
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Allgemein

AfD-Verbot: Neue Umfrage zeigt klare Tendenz der Deutschen

von Fremdeninfo 5 Juli 2026
von Fremdeninfo

 

Artikel von Ceren Balantekin / WE

Die AfD steht in den Umfragen so stark da wie keine andere Partei. Trotzdem wird weiter darüber gestritten, ob sie überhaupt verboten werden sollte. Eine neue INSA-Umfrage für BILD zeigt nun, wie die Deutschen über ein mögliches AfD-Verbot denken.

Das Ergebnis fällt knapp aus, ist aber eindeutig: 40 Prozent der Befragten sprechen sich für ein Verbot aus, 45 Prozent sind dagegen. Besonders groß ist die Zustimmung unter den Anhängern der SPD. Dort würden 69 Prozent ein Verbotsverfahren unterstützen. Auch bei den Wählern von CDU und CSU gibt es mit 55 Prozent eine Mehrheit dafür.

📌 So wurde die Umfrage erhoben

  • Den Sonntagstrend führte INSA im Auftrag von BILD durch
  • Befragt wurden 1205 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger
  • Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 29. Juni und dem 3. Juli 2026
  • Die maximale Fehlertoleranz beträgt plus/minus 2,9 Prozentpunkte
  • Zu AfD-Verbot und Brandmauer befragte INSA am 2. und 3. Juli 1005 Bundesbürger
  • Bei diesen Fragen liegt die maximale Fehlertoleranz bei plus/minus 3,1 Prozentpunkten

AfD-Verbot? Mehrheit der Deutschen ist dagegen

Damit findet ein AfD-Verbot unter allen Befragten derzeit keine Mehrheit. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem die Partei im Sonntagstrend weiter deutlich vor der Konkurrenz liegt.

Wäre am Sonntag Bundestagswahl, käme die AfD erneut auf 29 Prozent. Die Union verliert dagegen einen Prozentpunkt und rutscht auf 21 Prozent ab. Der Vorsprung der AfD wächst damit auf acht Prozentpunkte.

Die Infografik zeigt aktuelle Umfragewerte zur Haltung der Deutschen gegenüber einem AfD-Verbot und der Brandmauer sowie den aktuellen Sonntagstrend. Foto: Infografik/KI-generiert

SPD und Grüne liegen jeweils bei 13 Prozent, die Linke kommt unverändert auf zehn Prozent. Das BSW legt zwar einen Punkt zu, würde mit vier Prozent aber ebenso den Einzug in den Bundestag verpassen wie die FDP.

Für die schwarz-rote Bundesregierung sind das keine guten Nachrichten. Union und SPD erreichen zusammen gerade einmal 34 Prozent. Eine Mehrheit hätten sie damit nicht mehr.

AfD und Union kämen zusammen auf 50 Prozent

Rechnerisch gäbe es mehrere Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Eine Kenia-Koalition aus Union, SPD und Grünen käme auf 47 Prozent und hätte eine parlamentarische Mehrheit.

Noch deutlicher wäre das Ergebnis bei einem Bündnis aus Union und AfD. Beide Parteien erreichen zusammen 50 Prozent. Eine solche Zusammenarbeit schließt die Union mit ihrer Brandmauer allerdings aus.

Dieser Kurs hat unter den eigenen Wählern weiterhin großen Rückhalt. 63 Prozent der Anhänger von CDU und CSU lehnen eine Zusammenarbeit oder Koalition mit der AfD ab. Nur 29 Prozent sehen die Brandmauer kritisch.

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AfD und Union kämen zusammen auf 50 Prozent

Rechnerisch gäbe es mehrere Möglichkeiten, eine Regierung zu bilden. Eine Kenia-Koalition aus Union, SPD und Grünen käme auf 47 Prozent und hätte eine parlamentarische Mehrheit.

Noch deutlicher wäre das Ergebnis bei einem Bündnis aus Union und AfD. Beide Parteien erreichen zusammen 50 Prozent. Eine solche Zusammenarbeit schließt die Union mit ihrer Brandmauer allerdings aus.

Dieser Kurs hat unter den eigenen Wählern weiterhin großen Rückhalt. 63 Prozent der Anhänger von CDU und CSU lehnen eine Zusammenarbeit oder Koalition mit der AfD ab. Nur 29 Prozent sehen

 

 

5 Juli 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Das Meer fragt nicht nach Identität: Die ins Wasser gefallene Spur der Erinnerung

von Cumali Yağmur 5 Juli 2026
von Cumali Yağmur


       Von : Zeynep Hayir

Ein Schiff, ein Roman und die endlose Geschichte der Ausgrenzung des Menschen

Am 4. Juli stieß ich in der internationalen Presse auf eine Nachricht, die mich Jahre zurückversetzte.

Die Türkei hatte einem Kreuzfahrtschiff mit LGBTQ+-Passagieren das Anlegen in den Häfen von Kuşadası und Istanbul verweigert. Der Grund waren die moralischen Werte sowie die Sitten und Gebräuche der Gesellschaft. Das Schiff musste seine Route ändern. Auf den ersten Blick wirkte die Nachricht wie eine aktuelle diplomatische Entwicklung. Doch während ich diese Zeilen las, fand ich mich in Zülfü Livanelis Roman Serenad wieder. Dann sogar jenseits des Romans, in einer Tragödie, die die Geschichte verschwiegen hat. Und schließlich im Gedächtnis des Meeres. Denn manche Meere tragen nicht nur Schiffe. Sie tragen auch das Gewissen der Menschheit.

Livanelis Roman ist eine kraftvolle Erzählung, die die Vorstellungskraft der Literatur mit den realen Spuren der Geschichte vereint. Die Figuren des Romans erwachen durch die Feder des Autors zum Leben. Doch der Schmerz, den sie tragen, sickert aus den verschwiegenen Seiten der Geschichte hervor. Livaneli macht eine fast vergessene menschliche Tragödie durch die Sprache der Literatur wieder sichtbar.

Im Jahr 1942 wartete die Struma wochenlang vor Istanbul; sie hatte hunderte jüdische Flüchtlinge an Bord, die vor dem Terror der Nationalsozialisten flohen. Den Menschen wurde das Anlanden verweigert; sie wurden zwischen den politischen Kalkülen Englands, den verschlossenen Häfen der Türkei und dem Schweigen der Diplomatie ihrem Schicksal überlassen. Am Ende versank im dunklen Wasser des Schwarzen Meeres nicht nur ein Schiff. Auch das Gewissen der Menschheit versank in diesen Fluten.

Vierundachtzig Jahre sind vergangen. In denselben Meeren ist diesmal von einem anderen Schiff die Rede. Diesmal flohen die Menschen nicht vor dem Tod. Das Geschehene war nicht dasselbe wie bei der Struma. Aber wieder ging es um die Identität der Menschen; Menschen wurden aufgrund dessen, wer sie sind, diskutiert. In diesem Moment dachte ich nach: Bleibt Geschichte wirklich nur in der Vergangenheit? Oder reproduziert sich dieselbe Mentalität in unterschiedlichen Formen und mit anderen Begründungen immer wieder neu?

Die Geschichte der Menschheit ist nicht nur eine Geschichte der Kriege. Sie ist zugleich eine Geschichte der Ausgrenzung (Othering). Vielleicht zog der Mensch seine erste Grenze an dem Tag, an dem er das definierte, was ihm nicht glich. Später wuchsen diese Grenzen im Namen der Religion, der Rasse, der Nation, der Konfession, der Klasse, der Ideologie und der Moral. Jede Ära schuf ihr eigenes „Anderes“. Zuerst wurde Angst erzeugt. Dann Hass. Danach folgten Diskriminierung, Unterdrückung, Vertreibungen, Konzentrationslager, Kriege und Massaker. Hinter den größten Leiden der Menschheit steckte meist derselbe Mechanismus.

Der Faschismus schuf zuerst ein „Anderes“. Ebenso der Kolonialismus. Der Rassismus. Der Imperialismus. Denn um ein Volk ausbeuten zu können, darf man es erst einmal nicht als sich selbst ebenbürtig betrachten. Um ein Land besetzen zu können, muss man es zuerst für barbarisch erklären. Um einen Krieg zu rechtfertigen, muss man zuerst einen Feind erschaffen. Ausgrenzung erzeugt nicht nur Hass. Sie erzeugt Macht. Sie erzeugt Dominanz. Sie erzeugt Ausbeutung. Und schließlich macht sie die Unterdrückung alltäglich.

Deshalb ist Ausgrenzung kein Zufall. Es ist ein gesellschaftlicher und politischer Mechanismus, der sich durch die Geschichte hinweg wiederholt. Die Ziele ändern sich. Die Begründungen ändern sich. Aber die Methode bleibt meist dieselbe. Gestern waren es die Juden. In einer anderen Zeit die Roma. In einer anderen Weltgegend die Ureinwohner. Migranten. Flüchtlinge. Menschen mit unterschiedlichem Glauben. Oppositionelle. Künstler. Journalisten. Komiker. Heute können an verschiedenen Orten der Welt unterschiedliche Identitäten zum Ziel derselben ausschließenden Sprache werden.

Ausgrenzung trifft nicht nur eine bestimmte Gruppe. Sie verengt auch die Atemräume der gesamten Gesellschaft. Denn jede Gesinnung, die keine Kritik erträgt, beginnt mit der Zeit, jede abweichende Stimme als Bedrohung wahrzunehmen: Humor, Kunst, Wissenschaft und das freie Denken. Der Mensch bringt erst das Wort zum Schweigen, dann einander.

Vielleicht bringt mich das Meer deshalb immer wieder auf denselben Gedanken. Das Meer fragt niemanden nach seiner Nationalität. Nicht nach der Religion. Nicht nach der Rasse. Nicht nach der Konfession. Nicht nach der Identität. Nicht nach der sexuellen Orientierung. Nicht nach der politischen Gesinnung. Jeder, der auf ihm schwimmt, ist einfach nur ein Mensch.

Häfen hingegen entscheiden. Manchmal öffnen sie ihre Tore. Manchmal schließen sie sie. Manchmal aus Angst, manchmal aus politischem Kalkül, manchmal aus Vorurteilen und manchmal durch bloßes Schweigen.

Vielleicht ist die Geschichte der Menschheit auch ein Stück weit die Geschichte der Häfen. Wer aufgenommen wurde. Wer abgewiesen wurde. Wer als „einer von uns“ galt. Wer zum „Anderen“ erklärt wurde.

Und vielleicht vergisst das Meer deshalb nicht. Denn das Meer vergisst niemals, was der Mensch dem Menschen angetan hat.


5 Juli 2026 0 Kommentare
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Meryem Yılmaz
Politik

Meryem Yılmaz und die Menschenrechtsverletzungen im Gefängnis

von Cumali Yağmur 5 Juli 2026
von Cumali Yağmur

             Von: Cumali Yağmur

Meryem Yılmaz, Studentin im dritten Jahr am Fachbereich Psychologie der İzmir-Demokrasi-Universität, leidet an fortgeschrittener Skoliose. Yılmaz, die sich einer äußerst riskanten Operation unterzog, bei der 22 Schrauben und Platinplatten in ihre Wirbelsäule eingesetzt wurden, leidet seit dem Tag ihrer Festnahme an schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wie Ohnmachtsanfällen, Schwindel und Sehverlust. Obwohl der Gefängnisarzt eine Überweisung ins Krankenhaus angeordnet hat, wurde sie bisher immer noch nicht dorthin verlegt.

Die verhaftete und ins Gefängnis eingelieferte Meryem Yılmaz kämpft dort mit schweren Krankheiten. Nachdem ihre Familie von der Situation erfahren hatte, reichte sie bei der Gefängnisleitung einen Antrag ein und forderte ihre sofortige Einlieferung ins Krankenhaus. Da Meryem Yılmaz jedoch nicht überwiesen wird, ringt sie im Gefängnis unter großen Entbehrungen förmlich mit dem Tod.

Aus humanitärer und rechtlicher Sicht muss ein Häftling, der im Gefängnis schwer erkrankt, unverzüglich in ein voll ausgestattetes Krankenhaus überwiesen und ärztlich untersucht werden. Doch Meryem Yılmaz wird trotz all ihrer Leiden das Recht auf Behandlung verwehrt. Hier wird eine Gewissenlosigkeit an den Tag gelegt, die selbst in der Finsternis des Mittelalters ihresgleichen suchen würde. Während in der Geschichte der Türkei selbst während der Militärjunta-Zeiten von 1960, 1971 und 1980 kranke Gefangene zur Behandlung ins Krankenhaus geschickt wurden, haben kranke Häftlinge heute, unter der AKP-MHP-Regierung, keinen Zugang zu ihrem grundlegendsten Recht: der Gesundheitsversorgung.

Diese Ära der repressiven Regierung geht als ein Prozess in die Geschichte ein, der der Jugend und den Menschenrechten feindlich gesinnt ist. Jeden Tag werden die Gefängnisse durch neue Verhaftungen gefüllt, und selbst die Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) gegen die Türkei werden nicht umgesetzt. Die über 22-jährige Herrschaft der AKP-MHP setzt Arbeitnehmerrechte, Demokratie und Menschenrechte außer Kraft und zeichnet sich durch repressive Praktiken aus.

Meryem Yılmaz muss ohne einen einzigen Tag Verzögerung ins Krankenhaus gebracht werden. Dieser Zustand ist unerträglich geworden. Alle progressiven, demokratischen, sozialdemokratischen und revolutionären Kreise, Gewerkschaften und Menschenrechtsverteidiger müssen ihre Stimme gegen diese Unterdrückung erheben und aktiv werden, damit der Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Wie lange soll man noch warten? Um unsere Pflicht gegenüber künftigen Generationen zu erfüllen, müssen wir die Fahne des Kampfes gegen das Ein-Mann-Regime und die AKP-MHP-Regierung hissen.

5 Juli 2026 0 Kommentare
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