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Politik

„Integration ist für mich ein Herzensthema!“

von Fremdeninfo 25 August 2017
von Fremdeninfo

„Integration ist für mich ein Herzensthema!“

  • dtj-online
  • GesellschaftPolitikTop Thema
  • 17. August 2017 17:33
  • 110

NRW Staatssekretärin für Integration, Frau Serap Güler (CDU) im exklusiven DTJ-Sommerinterview

DTJ-Sommerinterview mit NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler. Das ehrenamtliche Team von DTJ-Online hat in einem ausführlichen Sommerinterview mit der frisch eingeweihten Staatssekretärin für Integration des Landes NRW gesprochen. Auf dem Tisch lagen türkische Verbände, der kritische Umgang mit türkischen Organisationen wie die DITIB, oder die UETD und türkeistämmige Politiker als Interessensvertreter bestimmter Gruppen.   

DTJ-Online:
Frau Güler, Sie sind in NRW die neue Staatssekretärin für Integration geworden. Bedient das nicht wieder die alten Klischees?

Serap Güler:
Überhaupt nicht. Ich kam aus dem Parlament und war dort integrationspolitische Sprecherin. Davor habe ich im Integrationsministerium gearbeitet und meine Magisterarbeit über das Thema „Integrationspolitik“ geschrieben. Von daher war es schon naheliegend, dass ich das mache, ohne dass man über Klischees sprechen muss. Wenn sich eine Lehrerin für Schulpolitik entscheidet, dann sagt auch keiner, dass es ein Klischee ist.

Hätten Sie nicht dennoch Lust gehabt, mal was anderes zu machen?
Auf neue Herausforderungen habe ich immer Lust, aber das Thema Integration möchte ich auch weiterhin unbedingt begleiten, denn es ist für mich ein Herzensthema. Ich interessiere mich auch für Europapolitik und Schulpolitik, Verkehrs- oder Wirtschaftspolitik, aber was mir wirklich am Herzen liegt, wofür ich brenne, ist das Thema Integration.

Weshalb hat die Landesregierung in Ihnen die am besten geeignetste Staatssekretärin für Integration gesehen? Was zeichnet Sie aus?

Ich habe mich in den letzten fünf Jahren als integrationspolitische Sprecherin meiner Partei für eine Integrationspolitik eingesetzt, die beide Seiten im Fokus hat. Dabei habe ich mich immer als Brückenbauerin verstanden. Ich war nie nur die Stimme der Migrantinnen und Migranten im Landtag. Ich war auch nie nur diejenige, die versuchte, der Migrantencommunity deutsche Positionen aufzuzwingen. Wenn es nötig war, habe ich schärfere Forderungen an die Migrantencommunity gestellt. Aber auch umgekehrt an die deutsche Seite, an die Mehrheitsgesellschaft, wenn ich da das Gefühl hatte, dass bestimmte Dinge nach jahrzehntelanger Diskussionen immer noch nicht verstanden werden.
Nehmen Sie das Beispiel Mehrstaatlichkeit oder Einwanderungsgesetz. Bei vielen Fragen, die uns in den letzten Jahren beschäftigt haben – auch im Rahmen der Flüchtlingssituation – hat es ganz viele kritische Stimmen aus der türkischen Community gegeben. Es hat viele als überrascht, dass sich Migranten gegenüber Flüchtlingen negativ äußern. Aber ich glaube man muss die Biographie, die Hintergründe dieser Menschen kennen und ich glaube, ich tue das.

Wenn wir schon bei der Migrantencommunity sind: Wie waren eigentlich die Reaktionen der Migrantenorganisationen auf Ihre Ernennung zur Staatssekretärin? Gab es beispielsweise auch von türkischen Verbänden, wie der DITIB, eine Reaktion?
Es gab ein Schreiben von der DITIB, in dem man mir gratuliert hat, aber auch von vielen anderen Migrantenselbstorganisationen. Auch von vielen Bürgerinnen und Bürgern habe ich Nachrichten bekommen. Das hat mich ungemein gefreut. Die Freude und der Zuspruch waren da wirklich sehr groß.

Wie wird mit Ihnen als Staatssekretärin das Verhältnis der Landesregierung zum größten islamischen Dachverband DITIB werden?
Ich hoffe, dass sich das Verhältnis nicht weiter zuspitzt. Ich wünsche mir eine Entspannung, weil ich ungern auf die DITIB als Partner verzichten will. Schließlich hat sie aufgrund ihrer Arbeit in der Vergangenheit viele Bedürfnisse gläubiger Menschen aufgefangen. Aber die Kritik am Kurs der DITIB bleibt: Sie muss anfangen, sich ausschließlich als Religionsverband zu verstehen, und den Bedürfnissen der hiesigen Menschen gerecht werden – und nicht ausschließlich  denen der Türkeistämmigen. Wenn die DITIB sagt, sie sei qua Satzung ein deutscher Verband, dann muss sie auch konsequent genug sein und sich von Ankara lösen. Wenn sie eine deutsche Einrichtung ist, dann geht es um die Belange deutscher Muslime und der Muslime, die in Deutschland leben. Das sind nicht nur Türken. Das muss die DITIB verstehen. Sie muss sich von ihrem politischen Kurs abwenden. Ich wünsche mir, dass sie die Kraft dafür findet. Allerdings bekomme ich im Moment keine Signale, dass sie das tun möchte. Die DITIB ist aufgrund ihrer Erfahrung und Vernetzung wichtig, aber wenn sie ihren politischen Kurs nicht verlässt, kann sie kein religiöser Verband mehr sein.

„Die DITIB ist aufgrund ihrer Erfahrung und Vernetzung wichtig, aber wenn sie ihren politischen Kurs nicht verlässt, kann sie kein religiöser Verband mehr sein.“

Der Diyanet-Chef wurde ausgetauscht. Der neue Chef soll ein Hardliner sein, so einige Vorwürfe. Beobachten Sie, dass die Position des türkischen Diyanet-Chefs Auswirkungen auf die DITIB hat?
Wir beobachten, was in Ankara passiert, aber es ist nicht unsere Aufgabe, das zu bewerten. Die türkische Regierung kann natürlich den Diyanet-Chef oder jeden anderen Amtschef jederzeit auswechseln, aber was unsere Position hier betrifft, ist diese unabhängig davon, ob der Amtschef in der Türkei wechselt oder nicht. Man muss, glaube ich, keine Parteipolitik daraus machen,aber es gilt: Wenn sich die DITIB nicht von Ankara abnabelt, dann wird das in der Zukunft mit einer Kooperation schwierig. Wenn sie sich loslösen will und die Landesregierung um Unterstützung bittet, dann werden wir gemeinsam einen Weg finden Wir sind bereit, die DITIB zu unterstützen. Das geht allerdings, wenn wir ehrlich sind, nicht von heute auf morgen, aber wenn sie weiterhin als wichtige Religionsorganisation in Deutschland ernst genommen werden möchte, dann muss dieser Emanzipationsprozess vollzogen werden. Insofern ist es eigentlich egal, wer da bei Diyanet kommt oder geht. Der nächste Vorsitzende könnte auch Liberaler sein. Allein die Positionen, die die Diyanet in den letzten Wochen und Monaten veröffentlicht hat, sind vor allem mit meinem Verständnis als Frau nicht vereinbar. Ich denke da an die Legitimation von Kinderehen oder Vergewaltigungen, wenn das Opfer anschließend geheiratet wird. Diese Punkte sind fernab der Menschenrechte und meines Demokratieverständnisses. Das kann ich auch als Frau nicht akzeptieren.

Minister Stamp hat der DITIB damit gedroht, die Zusammenarbeit aufzukündigen. Würden Sie auch soweit gehen, wie Ihr Minister?
Ja.

„Die DITIB ist und war immer politisch. Das haben alle lange akzeptiert, weil sie an Ankara gebunden ist und Ankara laizistisch ist. (…) wir müssen selbstkritisch sagen, dass wir da viel zu lange zugeschaut haben.“

Aber treibt nicht genau sowas weiter die Isolation der Deutsch-Türken von Deutschland voran?

Es gibt viele, die der DITIB sehr verbunden sind und das gar nicht so politisch sehen. Für uns in der Politik ist das natürlich schon ein Zwiespalt, aber machen wir uns nichts vor: Die DITIB selbst ist und war immer politisch. Das haben alle lange akzeptiert, weil sie an Ankara gebunden ist und Ankara laizistisch ist. Die DITIB war vor langer Zeit noch der beste und verlässlichste Partner von allen, obwohl sie immer politisch war. Aber wir müssen selbstkritisch sagen, dass wir da viel zu lange zugeschaut haben. Das haben wir viel zu lange akzeptiert. Dieser Schritt hätte eigentlich schon vor 20, 25 Jahren passieren müssen, aber irgendwann muss man einfach einen Cut machen. Viele Menschen finden die Kritik an der DITIB nicht gerechtfertigt. Sie denken, eine Kritik an ihr sei Kritik an die Türkei. Dann steht immer schnell der Vorwurf des Vaterlandsverräters – oder in meinem Fall: der Vaterlandsverräterin – im Raum. Das ist nicht einfach, aber ich glaube, vor allem gegenüber der jüngeren Generation müssen wir deutlich machen, dass die DITIB möglichst ein Partner bleiben soll. Aber wir möchten aus der DITIB eben einen deutschen Verband machen. Wir müssen Menschen über ihre Bedürfnisse, die sie hier im Lande haben, erreichen und nicht über Politik in ihrer Heimat oder der Heimat ihrer Eltern. Das ist der falsche Ansatz. Ich glaube, wenn wir jetzt nicht konsequenter sind, als wir es in der Vergangenheit waren, steht am Ende eine große, verlorene Generation von jungen Menschen da, die sich immer der Türkei zugehöriger fühlen wird als der Bundesrepublik Deutschland.

Ist die deutsche Politik an der derzeitigen Situation nicht mitschuldig?
Ja, die deutsche Politik der vergangenen Jahre ist nicht unschuldig. Was die Türkei betrifft, haben wir immer darüber gesprochen, was wir nicht wollen. Sie darf nicht EU-Mitglied werden, wir wollen kein kommunales Wahlrecht für Türkinnen und Türken und auch keinen Doppelpass. Wir haben es versäumt, zu kommunizieren. Schauen Sie sich die Familien-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik an: Da wurden viele Schritte gemacht, von denen vor allem Menschen mit Zuwanderungsgeschichte profitiert haben, aber wir haben den Fokus politisch nie auf diese Dinge gelenkt. Und das ist nicht nur ein Verschulden der konservativen Parteien oder meiner Partei gewesen. Die SPD hat auch kein Standing mehr, vor allem bei den Deutsch-Türken, weil sie vieles versprochen und zu sehr nach dem Mund der Türken geredet hat. Am Ende hat sie aber selten etwas eingehalten. Irgendwann fällt das diesen Menschen natürlich auf.

Aber warum dann die so extrem starke Bindung an die Türkei?
Die Bindung zur Türkei gab es immer schon. Die gibt es bei mir auch. Das kann mir auch keiner wegnehmen, aber dieses starke Zugehörigkeitsgefühl zur türkischen Politik, die gibt es meiner Meinung nach erst seit Erdogan. Weil er der erste Politiker ist, der ein Vakuum gefüllt hat. Die Kemalisten vor ihm haben die Gastarbeiter und deren Nachfahren im Ausland, vor allem in Deutschland, als einfaches Bauernvolk gesehen. Was die Rücküberweisungen betrifft, war dieses Bauernvolk immer sehr willkommen, aber was die Anerkennung und Wertschätzung betrifft, haben die Kemalisten nicht viel von diesen Menschen gehalten. Erdoğan war der Erste, der diese Menschen als „Brüder und Schwestern“ angesprochen hat. Er gab ihnen das Gefühl, dass er persönlich hinter ihnen steht, auch wenn sie im Ausland leben. Also eine große Rhetorik, die zwar nicht den Verstand, aber die Herzen der Menschen eingefangen hat. So konnte er sie emotional an sich binden.

Formun Üstü

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Formun Altı

Cem Özdemir, Sevim Dağdelen: Man hört aus der türkischen Community oft die Kritik, die türkeistämmigen Abgeordneten haben uns alleine gelassen. So beispielsweise bei der Armenien-Resolution. Würden Sie dieser Kritik zustimmen?
Zustimmen weniger, aber ich kenne keinen türkischstämmigen Politiker im Bundestag oder in irgendeinem Landtag, der dieser Kritik nicht ausgesetzt ist. Ich glaube, die Menschen haben die Erwartung in uns gesetzt, dass wir die türkische Stimme im Bundestag werden. Wir haben das allerdings nie so verstanden. Das habe ich auch immer gegenüber Verbänden betont. Wenn wir in ein Parlament einziehen, dann ist keiner von uns Vertreterin oder Vertreter der Muslime oder der türkischen Organisationen. Wir sind vor allem Interessenvertreter des eigenen Wahlkreises, für den wir angetreten sind. Als Abgeordnete habe ich 140.000 Menschen repräsentiert. Das sind nicht nur Muslime oder türkischstämmige Menschen. Dass man versucht, für die Position der Muslime oder der Türkeistämmigen zu werben, ist klar, aber man sitzt nicht dort, um nur deren Interessen zu vertreten. Ich glaube, das ist ein Punkt, den wir den Leuten deutlicher machen müssen.

„Bei Sevim Dağdelen ist es schon sehr offensichtlich, dass sie eine Interessensvertreterin ist“

Es wird ja auch kritisiert, dass bestimmte Politiker Interessenvertretung für einige Gruppen machen. Wie beispielsweise Sevim Dağelden, die oft im Visier der Kritik ist. Das verstärkt ja schon die Isolation.

Bei Sevim Dağdelen ist es schon sehr offensichtlich, dass sie eine Interessensvertreterin ist und weniger den Anschein erweckt, sie repräsentiere ihren Wahlkreis – es sei denn in diesem wird die PKK – anders als von der Bundesregierung – nicht als Terror- sondern als Menschenrechtsorganisation wahrgenommen, wie uns Frau Dagdelen manchmal weiß machen will. Es kann aber sein, dass das in ihrem Fall nicht so ernst genommen wird, weil sie eine Abgeordnete der Linken ist, die das ja als Gesamtpartei nicht anders sehen.

Sie haben vorhin auch erwähnt, dass Erdoğan eine große Rolle spielt. Dieser versucht anhand von bestimmten Gruppen Einfluss auf die hiesigen Deutsch-Türken zu nehmen. Wie wollen Sie mit diesen umgehen? Vor allem mit Vereinen wie der UETD?
Was die UETD betrifft habe ich persönlich die ganz klare Position, dass sie für mich kein Partner sein kann. Das habe ich als Abgeordnete so gesehen, das sehe ich auch als Mitglied der Landesregierung so. Ein Verband, der meint, hier eine Politik von einer Partei verbreiten oder verteidigen zu müssen, die sich auch für die Todesstrafe ausspricht, kann für mich kein Partner sein. Die UETD mag sich noch so oft hinstellen und sagen, sie habe nichts mit der AKP zu tun. Sie ist de facto der verlängerte Arm der AKP. Ich weiß, dass sich viele Türkeistämmige oder viele türkische Bürger in Deutschland der UETD jetzt nicht unbedingt zugehörig fühlen, aber eben Sympathie empfinden. Natürlich müssen wir uns Gedanken machen, wie wir diese Menschen für Deutschland gewinnen können. Dafür brauchen wir Konzepte, dafür brauchen wir die richtige Ansprache, was die Belange und Bedürfnisse der Menschen betrifft. Wir müssen ein ganzheitliches Konzept fahren, um diese Menschen für uns gewinnen zu können. Aber bei diesem sehe ich die UETD nicht als Partner.

„Die UETD kann kein Partner sein“

Noch vor einem Jahr bezeichneten Sie die gesunkenen Einbürgerungszahlen der Landesregierung als ein „Armutszeugnis für die Integrationspolitik der rot-grünen Landesregierung“ und forderten die „Integrationspolitik vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Welche konkreten Schritte können wir da nun von Ihnen und der neuen Landesregierung erwarten?
Intensiver auf die Menschen zugehen, vor allem auf diejenigen, die die Möglichkeit haben, sich einbürgern zu lassen. Das sind gerade in der türkischen Community gar nicht wenige. Dabei brauchen wir auch eine enge Kooperation mit diversen Migrantenselbstorganisationen, wie dem Eltern-Netzwerk in Nordrhein-Westfalen. Dort versucht man auch, junge Menschen einzubürgern, die vielleicht nicht die Möglichkeit auf das Optionsmodell gehabt haben, oder nicht in Deutschland geboren sind. Aber wir müssen auch Menschen der zweiten Generation in den Blick nehmen. Eine gute Schmiede können auch die Talentscouts sein.

Aber mit dem Zugehen und ein paar schönen Sätzen können Sie mich ja nicht überzeugen, meine Staatsbürgerschaft auszutauschen. Haben Sie denn keine konkreten Schritte?
Es gibt viele gute Gründe, deutscher Staatsbürger zu werden. Zum einen, wenn man in diesem Land geboren wurde, aufgewachsen und sozialisiert ist. Zum anderen, weil man damit auch anerkennt, dass man dazu gehört, weil man politische Mitspracherechte hat. 2010 habe ich mich einbürgern lassen. Das war relativ spät. Ich habe Wahlkampf gemacht und konnte bei Landtagswahlen nicht mit entscheiden. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Für mich selbst ist mit der Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft meine Bindung zu Deutschland viel stärker geworden. Mir geht es vor allem auch darum, dass ich die Menschen da abhole, wo sie sich bewegen. Ich habe große Hoffnungen, dass nach der Bundestagswahl der Generationenschnitt kommen wird. Das heißt, dass vor allem die erste und zweite Generation, die sich dann einbürgern lässt, ihren alten Pass auch behalten kann. Viele wissen gar nichts mit dem Generationenschnitt anzufangen. Im Rahmen unserer Einbürgerungskampagne können wir darüber informieren.

Viele leben zwar gerne in Deutschland. Aber es gibt auch eine große Gruppe, die irritiert ist von Skandalen wie dem NSU. Sie haben Angst davor, dass sich Deutschland mal wandelt und Menschen mit Migrationsgeschichte unterdrückt. Wie wollen Sie mit diesen Leuten umgehen?
Der NSU-Fall ist ein Schandfleck der jüngeren deutschen Geschichte. Jetzt aber daraus zu schließen, dass sich Menschen mit Migrationsgeschichte hier irgendwann nicht mehr wohlfühlen, finde ich ziemlich weit hergeholt. Was wir schuldig geblieben sind – und das muss ich auch als Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses der letzten Wahlperiode leider einräumen – sind sehr viele Antworten auf die Fragen der Menschen. Ich habe selbst viele Hoffnungen gehabt, als ich in den Ausschuss gegangen bin und musste dann feststellen, dass vieles davon nicht erfüllt wurde. Der Ausschuss hat ziemlich viel in Wallung gebracht, . Wut und Enttäuschung sind gestiegen. Aber machen wir uns nichts vor: Die türkische Community kann sich nicht hinstellen und sagen, dass nur die Polizei Fehler gemacht hätte. Viele aus der Community haben beispielsweise die Keupstraße in Köln gemieden, weil sie sich gefragt haben, wer dahinter steckt. Es war keineswegs so, dass die Community sich sicher war, dass der Terror aus der rechten Ecke kommt. Auch unter ihnen haben viele geglaubt dass der Terror und die Morde aus den eigenen Reihen heraus passiert sind. Und sich jetzt – nachdem alles aufgeklärt ist – hinzustellen und zu sagen, dass man es schon immer wusste, ist ein bisschen zu einfach.

„Der NSU-Fall ist ein Schandfleck der jüngeren deutschen Geschichte. (…)[Aber a]uch Türken haben geglaubt, dass der Terror aus den eigenen Reihen heraus passiert ist. Und sich jetzt – nachdem alles aufgeklärt ist – hinzustellen und zu sagen, dass man es schon immer wusste, ist ein bisschen zu einfach.“ 

Kommen wir zum anonymisierten Bewerbungsverfahren: Warum ist es Ihnen wichtig, das anonymisierte Verfahren abzuschaffen, während viele andere Bundesländer sie gerade einführen?
Wenn sie sich heute auf eine Stelle im öffentlichen Dienst bei den Landesbehörden bewerben, müssen sie sich ganz normal bewerben. Wenn sie sich auf eine Ausbildungsstelle bewerben, können sie sich anonym bewerben. Die SPD tut gerade so, als ob wir das abschaffen wollen. Sie sagt, Menschen mit Migrationsgeschichte haben überhaupt keine Chance, im öffentlichen Dienst anzukommen. Ich habe als Abgeordnete dieses Paradoxon immer kritisiert. Wir können doch nicht auf der einen Seite fordern, mehr Menschen mit Migrationsgeschichte im öffentlichen Dienst einzustellen und auf der anderen Seite diesen Menschen sagen, dass sie erst einmal ihre Migrationsgeschichte verstecken sollen. Da frage ich mich, was das für ein Bild vom öffentlichen Dienst ist? Neulich hat das Statistische Bundesamt Zahlen veröffentlicht: 22 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Zuwanderungsgeschichte, das ist der höchste Stand seit 2005. In NRW liegen wir mit knapp 25 Prozent sogar über dem Bundesdurchschnitt. Und da kommen wir als Land und sagen unserer vielfältigen Bevölkerung, sie müsse sich auf den öffentlichen Dienst einstellen. Das Gegenteil ist doch der Fall: Nicht die Menschen mit Migrationsgeschichte müssen sich auf die Behörde einstellen, sondern die Behörden müssen sich auf die Vielfalt in unserer Bevölkerung einstellen. Jeder kann sich so bewerben, wie er ist und wird rein nach den Qualitätskriterien, die von vorne herein festgesetzt sind, ausgesucht. Ich finde, das ist ein fairerer Prozess.

Nach dem Putschversuch in der Türkei mussten viele das Land verlassen. Darunter auch viele Akademiker, die künftig vermutlich ein Teil Deutschlands sein werden. Werden Integrationskonzepte für diese oft gut bis sehr gut ausgebildeten Personen entwickelt?
Wir müssen die Integrationspolitik in den nächsten Jahren als Gesamtkonzept verstehen und nicht gruppenbezogen. Aber ich denke, dass diese Menschen von einer neuen Integrationspolitik profitieren können, wenn wir beispielsweise die Anerkennungsverfahren anders gestalten. Wir haben viele, die einen Antrag auf die Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse stellen, aber bei weitem nicht das Potenzial ausgeschöpft haben. Das hat viele Gründe: zu hohe Kosten, lange Verfahren, keine 1:1-Anerkennung oder keine bindende Möglichkeit auf Nachqualifizierung. Das sind Dinge, die wir unter die Lupe nehmen müssen. Aber als Land können wir nicht alles allein ändern. Unser Anerkennungsgesetz ist an das Bundesanerkennungsgesetz angeknüpft, was auch Sinn macht, damit es keinen Anerkennungstourismus innerhalb der Bundesländer gibt. Es wird Bundesratsinitiativen geben müssen, um das Asylverfahren zu vereinfachen. Das ist etwas, wovon auch Menschen, die als Hochqualifizierte über Asyl ins Land kommen, profitieren werden. Ich denke auch an das Einwanderungsgesetz, das wir als Landesregierung neu denken und anstoßen möchten, so dass hochqualifizierte Menschen künftig über einen anderen Weg nach Deutschland kommen können.

Wie viele Asylanträge aus der Türkei gibt es denn in NRW?
Im Zeitraum von Januar bis Juni 2017 sind es bundesweit knapp 3.000 Asylanträge aus der Türkei, davon 887 in NRW.

Vielen Dank für das Gespräch!

25 August 2017 0 Kommentare
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Politik

Welche Parteien wählen Türken und Kurden in Deutschland?

von Fremdeninfo 19 August 2017
von Fremdeninfo

Welche Parteien wählen Türken und Kurden in Deutschland?

Am 24.09.2017 findet die Bundestagswahl statt. Am 15.10.2017 findet die Landtagswahl in Niedersachsen statt.

Es stellt sich die Frage, welche Parteien die hier lebenden Deutschtürken und –kurden und andere Migranten bei diesen Wahlen wählen werden.

 Aufgrund des aktuellen Aufrufes des türkischen Präsidenten Erdogan stellt sich eine nunmehr eine weitere Frage, werden die Deutschtürken und –kurden überhaupt zur Wahl gehen?

 Zwischen der Türkei und Deutschland gibt es derzeit eine diplomatische Krise. Das Ganze begann damit, dass die türkische AKP-Regierung während der Wahlen im Jahr 2016 und während des Referendums 2017 Wahlkampagnen in Deutschland für die hier in der BRD lebenden Türken und Kurden veranstaltete. Diese Wahlkampagnen liefen aggressiv ab und entsprachen nicht dem Demokratieverständnis in der Türkei. Denn, während in der Türkei die Opposition keinen Wahlkampf führen konnte, wenn doch, dann unter Repressalien, genoss die AKP hier in Deutschland alle demokratischen Rechte und konnte für ihre undemokratischen politischen Ziele, nämlich weitere Einschränkung der demokratischen Rechte, der Menschenrechte, Gleichschaltung, Säuberung und sogar für die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei, werben. Als die deutschen Behörden die Erlaubnisse für Veranstaltungen aufhoben oder einschränkten, wurden die deutschen Politiker mit Nazivergleichen beschimpft.

 Seit dem Neuantritt der AKP-Regierung und der Verfestigung und Erweiterung der Macht des türkischen Präsidenten wurde die Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei nahezu aufgehoben. Unzählige Medien wurden geschlossen oder an regierungstreue Medien zwangsübertragen. Journalisten, auch deutsche Staatsbürger darunter, wurden inhaftiert und viele von ihnen sitzen noch ohne Anklage in Haft. Die Spitze des Eisbergs wurde erreicht durch die Inhaftierung des Menschenrechtlers Peter Steudtner in der jüngsten Zeit.

 Der türkische Präsident hat dem nun eine neue unerhörte Verhaltensweise aufgesetzt. Er gibt eine Wahlvorgabe für alle Deutschtürken und –kurden ab während der nächsten Bundes- und Niedersachsenlandtagswahl ab. Sie

sollen die Wahlen in Deutschland boykottieren und/oder nicht die CDU, SPD oder

Grünen wählen.

 Ca. 63 % der in Deutschland lebenden Türken und Kurden hatten bei den letzten

Wahlen und beim Referendum die AKP gewählt. D. h., der Aufruf des türkischen Präsidenten an die Deutschtürken und –kurden könnte sich massiv auf das Wahlergebnis der einzelnen deutschen Prateien auswirken.

 Der türkische Präsident hat während der Parlamentswahlen und während des

Referendums in der Türkei sich jede Einmischung in innere türkische Angelgenheiten verbeten. Aber jetzt mischt er sich selbts in den deutschen Wahlkampf ein. Das ist paradox.

 Fatal ist dabei auch, dass der türkische Präsident damit zum Einen die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Er fordert Bürger in Deutschland mit türkischem Migrationshintergrund dazu auf, nicht an aktivem und passivem Wahlrecht teilzunehmen, nicht an politischen Geschehnissen, die hier in der BRD auch ihr Leben bestimmen, zu partizipieren und/oder mitzuwirken und damit sich entweder von der hiesigen Gesellschaft abzuschotten und/oder Parallelgesellschaften zu bilden. Das ist eine unerhörte Einmischung in freiheitlich demokratische Rechte in Deutschland. 

 Zum anderen erklärt er seine ehemaligen Staatsbürger – für die er sich aber ansonsten nie einsetzt, wenn es um ihre Rechte in der Türkei oder in den Ländern, in denen sie leben geht – zu Staatsfeinenden oder Verrätern des Türkentums bzw. des türkischen Staates, wenn sie die CDU, SPD oder die Grünen wählen. Die türkische Gesellschaft ist ohnehin wegen der derzeit in der Türkei herrschenden politischen Situation, dass man entweder nur für die AKP-Regierung, FETÖ (Anhänger der Gülenbewegung, die in der Türkei als Terrorgruppe eingestuft wird) oder PKK sein kann, stark gespalten. Wenn festgestellt wird, dass man zur FETÖ oder PKK gehört – wenn man nicht mit der AKP sympathisiert, gehört man automatisch zu einer der beiden anderen Gruppen – wird man zu einem Terroristen erklärt und festgenommen.

 In Deutschland sind 1,2 Mio. Deutschtürken und –kurden wahlberechtigt. So viele Wähler können entscheidend mit dazubeitragen, welche Partei eine Mehrheit erzielen kann. Ein Großteil dieser Wähler hatte traditionell die SPD gewählt. Wegen der derzeitigen diplomatischen Krise der CDU/SPD-Regierung mit der  AKP-Regierung werden diese Wähler wahrscheinlich nicht mehr die SPD wählen können.

Es könnte sein, dass diese Wähler nun aufgrund des Aufrufes die Linke Partei wählen, weil sie auch sozialdemokratische Forderungen zum Ziel hat.

 Die CDU/CSU  könnte wenige Stimmen von den Deutschtürken und –kurden

bekommen, weil während der Wahlkampfveranstaltungen für die türkische Wahlen die Frage aufgekommen ist, dass diejenigen Deutschtürken und –kurden, die den türkischen Wahlkampf auf deutschem Boden so massiv unterstützt haben, sich nicht zur deutschen demokratischen Verfassung bekennen würden. Aus diesem Grunde war bei diesen Parteien die Debatte aufgekommen, die Doppelstaatigkeit wieder aufzuheben. Die „deutsche Leitkultur“ war auch aufgekommen.  

 Die Grünen hatten in der Vergangenheit von den Deutschtürken und –kurden viele Stimmen erhalten, weil der Vorsitzende dieser Partei Cem Özdemir türkischer Abstammung ist. Aber er hatte die Armenienfrage im Deutschen Bundestag vorangetrieben und eine Abstimmung im Bundestag erreicht. Dadurch haben sich viele Deutschtürken und Türken von ihm abgewendet. Er wurde zu einem Vaterlandsverräter in der Türkei und unter den Türken hier in Deutschland erklärt. Dass die Grünen die Themen zu Menschenrechts-, Meinungs- und Pressefreiheitsfragen in der Türkei, zur Einwanderungspolitik in Deutschland und die Flüchtlingsfragen vorantreiben, ist durch diese Einstufung der Partei in den Hintergrund geraten.

 Die Bundes- und Landtagswahl in Niedersachsen sollten streng auseinander gehalten werden. Beide Wahlen betreffen verschiedene Aufgabenbereiche. Die Themen zum Schulsystem, Bildungssystem, bezahlbare Wohnungen, Arbeitsplatzversorgung etc. gehören zu den Landtagswahlen. Die Wähler sollten bei ihrer Landtagswahl darauf achten, welche Parteien sich für die Bürger aktiv auf diesem Gebiet einsetzen und ihre Stimmen danach abgeben.

 Etliche AKP-Anhänger hatten bei den letzten Kommunalwahlen in Niedersachsen auf ihre Wahlzettel „Recep Tayyip Erdogan“ geschrieben und damit ungültige Stimmen abgegeben. Aufgrund des Aufrufes des türkischen Präsidenten könnte das wieder passieren. Sie könnten diesmal aber auch als Protest BIG, Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit, eine sog. Türkenpartei, wählen. Ihre Stimme wäre wieder ungültig. Die AKP-Anhänger könnten alternativ zu Hause bleiben. Auf jeden Fall wären das verlorene Stimmen. Diese Wähler würden damit unmittelbar oder mittelbar sich selbst schaden. Weil sie damit die hieisge politische Landschaft nicht mitgestalten würden und weil sie für ihre eigenen Rechte als Bürger in diesem Land, in dem sie eigentlich ihren Lebensmittelpunkt haben, nicht einstehen und kämpfen würden. Das müssen sie sich bewusst machen, wenn sie den Aufruf des türtkischen Präsidenten befolgen wollen.

 Hätten die etablierten Parteien Kandidaten aufgestellt, die der AKP nahestehen, so

 hätten die Deutschtürken- und –kurdenwähler diese Kandidaten gewählt.

 Die FDP bekommt von den Deutschtürken und –kurden in der Regel weniger Stimmen, so dass diese Wähler für die FDP nicht zum Zünglein an der Waage werden können.

 Außer den Deutschtürken und –kurden gibt es natürlich auch andere Migranten, die auch wahlberechtigt sind und mit dazubeitragen können, dass die eine oder andere Partei ausreichende Stimmen bekommen kann, um in den Landtag oder Bundestag einziehen zu können.

Es gibt z. B. eine große Gruppe von Wählern unter den Vertriebenen und Spätaussiedlern aus der ehemaligen UdSSR und aus den Ostblockländern, die traditionell die CDU/CSU gewählt haben. Ein Großteil von ihnen fühlt sich mttlerweile durch die CDU/CSU nicht mehr ausreichend vertreten. Sie sind unter den Anhängern der AfD zu finden. Häufig haben sie rechte Einstellungen, die von der AfD propagiert werden.

 Alle Migranten – auch Aussiedler und Spätaussiedler, unter diesen Mitbürgern gibt es auch viele, die keine Vertriebenen- oder Aussiedlerankernnungen bekommen haben, die unter hoher Arbeitlosigkeit und Altersarmut leiden und genauso wie die anderen Migranten als Ausländer behandelt werden – sollten sich genau überlegen, wie sie ihre Zukunft hier in der BRD gestalten wollen und welche Parteien dabei für sie etwas tun können oder in welchen Parteien sie sich einbringen können. Denn Ziel kann nur sein, dass alle gleiche demokratische Rechte wie die deutschen Bürger erhalten können. Dabei sollten Aufrufe wie von dem türkischen Präsidenten außen vor bleiben.

 Wir Migranten haben alle unseren Lebentsmittelpunkt hier in der BRD. Wir haben hier die Probleme mit der Arbeitslosigkeit, Altersarmut, unzureichendes Bildungsniveau, Ausbildungslosigkeit, Schulabgänger ohne Schulabschlüsse, Fehlen von bezahlbaren Wohnungen, unzureichende kulturell angepasste Pflegemöglichkeiten für alte oder kranke Migranten etc. Das alles müssen und können wir nur gemeinsam mitanpacken, in dem wir die Politik hier in der BRD und in den Bundesländern mitgestalten. Lösungen können wir nur hier gemeinsam und nur mit der deutschen Gesellschaft zusammen finden. Die deutsche Gesellschaft kann und sollte nicht über das, was für uns richtig oder nötig sein könnte, allein entscheiden. Also sollten wir alle unter demokratischen Voraussetzungen am 24. September 2017 und am 15. Oktober 2017 zu den Wahlen gehen und hiesige demokratische Parteien nach unserer eigenen freien Entscheidung wählen. 

19 August 2017 0 Kommentare
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Religion

Niedersachsen verbietet Vollverschleierung an Schulen

von Fremdeninfo 17 August 2017
von Fremdeninfo

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  1. August 2017 | 12.56 Uhr

Gesetzesänderung

Niedersachsen verbietet Vollverschleierung an Schulen

 

Hannover. Das Tragen einer Vollverschleierung ist an den Schulen in Niedersachsen künftig verboten. Eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes hat der Landtag in Hannover am Mittwoch einstimmig beschlossen.

Hintergrund ist der Fall einer aus religiösen Gründen vollverschleierten Schülerin aus Belm bei Osnabrück, die sich weigerte, ihren Nikab abzulegen. Der Fall hatte in der Landespolitik intensive Debatten ausgelöst. Die junge Frau hat mittlerweile ihren Abschluss gemacht und die Schule verlassen.

Im Gesetz heißt es nun, Schüler dürften mit ihrem Verhalten oder ihrer Kleidung nicht die Kommunikation im Schulleben erschweren. Eine aus religiösen Gründen getragene Vollverschleierung könne eine Erschwerung sein.

„Die Vorschrift markiert eine eindeutige Grenzlinie für religiös motivierte Kleidung in der Schule“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Zur praktischen Umsetzung des Verbots will die Landesschulbehörde noch Begleitmaterialien für die Schulen herausgeben.

(das/dpa)

17 August 2017 0 Kommentare
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Salafismus

Deutscher Islamistenführer muss 5 Jahre in den Knast

von Fremdeninfo 28 Juli 2017
von Fremdeninfo

Sven Lau

Deutscher Islamistenführer muss 5 Jahre in den Knast

Der deutsche Islamistenführer Sven Lau musste sich vor Gericht wegen verschiedener Terrorvorwürfe verantworten. Jetzt haben die Richter in Düsseldorf das Urteil verkündet.

Der angeklagte Salafistenprediger Sven Lau steht am 25.04.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. Bild: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa

Islamistenführer Sven Lau ist als Terrorhelfer zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den 36-Jährigen am Mittwoch wegen Unterstützung der islamistischen Terrormiliz Jamwa schuldig.

Islamistenführer Sven Lau vor Gericht

PROZESS: Begann vor gut zehn Monaten. Der Senat unter Vorsitz von Richter Frank Schreiber hat seit dem 6. September 2016 nach Gerichtsangaben 52 Verhandlungstage absolviert, vernahm 38 Zeugen und hörte zwei Sachverstände

DIE VORWÜRFE: Reichen ins Jahr 2013 zurück. Es geht um Unterstützung der terroristischen Vereinigung Jamwa, einer islamistischen Miliz. Lau soll unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe die Jamwa mit Personal, Ausrüstung in Form von Nachtsichtgeräten und 250 Euro Bargeld unterstützt haben.

Das ist der Islamistenführer Sven Lau

Zählt mit Pierre Vogel, der in dem Prozess als Zeuge aussagte, zu den prominentesten Gesichtern des radikalen Islam in Deutschland. Lau stammt aus Mönchengladbach, ist zum Islam konvertiert. Dort trat er als Anführer des salafistischen Vereins „Einladung zum Paradies“ auf, der sich 2011 auflöste – vermutlich, um einem Verbot zuvorzukommen. Ein Gutachter bescheinigte Lau mit seiner „emotionalen Rhetorik“ eine „hohe suggestive Wirkung“ auf junge Muslime.

Bis zu seiner Festnahme im Dezember 2015 lebte er im Süden Düsseldorfs. Lau gilt auch als Initiator der „Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Bevor er den Dienst quittierte, war er Feuerwehrmann in Mönchengladbach. Lau (36) hat fünf Kinder. Ein Foto zeigt ihn in Syrien mit Kalaschnikow auf einem Panzer. Aussteiger aus der Szene berichteten, dass er sich radikalisiert habe.

JAMWA: Steht für „Armee der Auswanderer und Helfer“. Der islamistischen Miliz gehörten in Syrien bis zu 750 Kämpfer an, darunter auch eine Kampfeinheit mit Islamisten aus Deutschland. Die Miliz kämpfte gegen syrische Regierungstruppen und kurdische Einheiten. Der von Lau unterstützte Jamwa-Flügel hatte sich später der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen.

Der Islamist Sven Lau – Vom Feuerwehrmann zum Salafisten

Sven Lau (36) ist einer der bekanntesten Köpfe der Salafistenszene in Deutschland. Die Behörden haben ihn schon lange im Verdacht, Terroristen zu unterstützen. Videos im Internet zeigten ihn 2013 in Bürgerkriegsgebieten in Syrien, auf einem Foto ist er auf einem Panzer mit einer Kalaschnikow zu sehen. Er selbst hatte behauptet, zu humanitären Zwecken dort gewesen zu sein. Am Mittwoch verurteilte ihn das Düsseldorfer Oberlandesgericht wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe.

Schlagzeilen machte Lau unter anderem als Initiator der Wuppertaler „Scharia-Polizei“. 2014 waren mit Warnwesten ausgestattete Islamisten als „Sittenwächter“ durch die Stadt patrouilliert und hatten damit bundesweit für Empörung gesorgt.

Nach einer Lehre als Industriemechaniker war Lau zunächst als hauptberuflicher Feuerwehrmann in Mönchengladbach tätig. Bis 2008 arbeitete er fünf Jahre lang als Brandmeister. Schließlich konvertierte er zum Islam.

2014 saß er drei Monate in Untersuchungshaft. In einem Verfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ließ sich der Vorwurf, Lau unterstütze Terroristen, aber nicht erhärten. Bis zu seiner Verhaftung im aktuellen Strafverfahren im Dezember 2015 war Lau für verschiedene salafistisch-extremistische Organisationen bundesweit aktiv, darunter das Koran-Verteiler-Netzwerk „Lies!“. Lau ist Vater von fünf Kindern.

Lesen Sie auch: Das bizarre Sex-Leben deutscher Salafisten

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koj/news.de/dpa

28 Juli 2017 0 Kommentare
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Information

Für jeden Cent verspäteter Lohnzahlung 40 € Verzugsschaden

von Fremdeninfo 26 Juli 2017
von Fremdeninfo

Für jeden Cent verspäteter Lohnzahlung 40 € Verzugsschaden

Av.Mahmut Erdem

26 Temmuz 2017, 17:04

   Jüngst hat das Landesarbeitsgericht Niedersachsen vom 20.04.2017 entschieden, dass Arbeitgeber die ihren Arbeitnehmern den Lohn nicht korrekt überweisen, selbst wenn es sich auch nur um 1 Cent handelt, für je 40 € Verzugsschaden zahlen müssen. Hintergrund ist dieses Urteils ist der, dass die BRD seit jüngsten eine EU-Richtlinie umgesetzt hat in dem der Verzugsschaden nicht nur der Verzugszins geltend gemacht wird sondern auch eine Schadenpauschale

Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen ging von dieser EU-Richtlinie aus und begründete sein Urteil damit, dass auch bei einem Betrag in Höhe von 1 Cent nicht gezahlten Arbeitslohn ein Schadenersatz von 40,00 € entstünde, welches auf die EU-Richtlinie beruht.

Das Gericht führte aus, zu dem sei es widersinnig, wenn Arbeitnehmer bei verspäteter oder unvollständiger Zahlung des Arbeitsentgeltes zwar den normalen Verzugszins geltend machen könnten, nicht aber den neuen Pauschalschadenersatz.

Daher hat das Gericht ein Gebäudereinigungsunternehmen verurteilt für den monatlichen Lohn für Juli und August 2016, wo jeweils 70,00 € zu wenig überwiesens wurde, pro Monat noch 40,00 € für den Verzug zu zahlen.

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Arbeitgeber den Lohn eines Arbeitsnehmers entweder nicht korrekt oder aber verspätet überweisen.

Auch die Verspätung führt zu dem Verzugsschaden, so dass dem Arbeitnehmer nicht nur der volle Lohn zusteht, sondern auch jetzt nach der jüngsten Rechtsprechung und der EU-Richtlinie, ein Betrag in Höhe von 40,00 € als Schadenersatz.

Demnach sollten alle Arbeitnehmer ihre Lohnabrechnung prüfen ob die Lohnzahlung vom Arbeitgeber korrekt überwiesen worden ist. Ist dies nicht der Fall so steht dem Arbeitnehmer ein Schadenersatz von 40,00 € neben dem vollen Lohn und noch die Verzugszinsen von ca. 5 – 10 % der Verzugssumme. Daher lohnt es sich immer wieder seine Lohnabrechnung genau zu prüfen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern eine erholsame und geruhsame Urlaubszeit.

Rechtsanwalt

26 Juli 2017 0 Kommentare
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Politik

AKP-Regierung belastet türkische und kurdische EinwanderInnen

von Fremdeninfo 23 Juli 2017
von Fremdeninfo

AKP-Regierung  belastet türkische und kurdische EinwanderInnen

 Seitdem die AKP-Regierung  an der Macht ist, wächst die Spaltung der Gesellschaft und die Unzufriedenheit der Menschen.  Sie haben Angst vor der Zukunft, die ungewiss ist. Der türkische Präsident geht gegen jeden seiner Kritiker mit Brutalität und ohne Beachtung von Rechtsstaatsprinzipien vor. Die Verhaftung und der Vorwurf einer Mitgliedschaft oder Unterstützung einer Terrororganisation kann in jedem Moment jeden Treffen, egal ob das zutrifft oder nicht. Darauf kommt es nicht an. Die tagtäglich stattfindenden Festnahmen und Verhaftungen bedeuten eine neue Eskalation der sog. Säuberungsaktionen nach dem 15. Juli 2016, dem Tag des Putschversuches. Seitdem sind ca. 138.000 Staatsbedienstete entlassen worden. 149 kritische Medien wurden geschlossen. 1.500 Nichtregierungsorganisationen wurden verboten. Mindestens 56. 000 Menschen sitzen im Untersuchungshaft. In diesem Jahr haben in Deutschland bereits 2.898 Menschen aus der Türkei einen Erstantrag auf Asyl gestellt. 

Nach Berichten aus mehreren Quellen ist bekannt geworden, dass die AKP-Regierung ca. alle 2 Monate eine Liste an die deutsche Regierung bzw. an die Staatssicherheitsorgane gibt, mit der Begründung, dass die darauf namentlich genannten

Personen, Organisationen und Unternehmen den Terror in der Türkei unterstützen bzw. unterstützt haben.

Seit der AKP-Regierung in der Türkei sind die Verhandlung für die Vollmitgliedschaft der Türkei in der EU gestoppt worden.

Deutschland hat nach den jüngsten Festnahmen von mehreren Menschenrechtsaktivisten in der Türkei, unter denen sich mindestens ein deutscher Staatsbürger befindet, verschärfte Reisehinweise herausgegeben. Die deutsche Regierung hat zudem die staatliche Hermes-Bürgschaften für die Wirtschaft für Geschäfte und Warenlieferungen mit der Türkei auf den Prüfstand gestellt.

Die Bundesregierung erwägt darüber hinaus Pläne darüber, die Vorbeitrittsbeihilfen für die Türkei prüfen bzw. einstellen zu lassen. Die Türkei erhält nämlich zwischen 2014 und 2020 rund 4,45 Milliarden Euro als Beitrittshilfen.

Weil in der jüngsten Vergangenheit sich immer wieder gezeigt hatte, dass die gewünschten Ergebnisse in der Türkei nicht erreicht werden, wurden durch die EU-Kommision ohnehin die Unterstützung eingestellt. 

Damit wird die Türkei finanziell sehr empfindlich getroffen werden. Durch die verschärften Reisehinweise wird der Tourismus, der in der Türkei ein großer Wirtschaftszweig ist,

von der viele Türken ihren Lebensunterhalt erwirtschaften, noch mehr einbrechen.

Diese Umstände schaden sowohl den in der Türkei als auch im Ausland lebenden Türken.

Die AKP-Regierung hat in Europa und in Deutschland als verlängerten Arm u. a. die UETD (Union Europäisch-Türkisdher Demokraten) . Diese versucht die im Ausland lebenden türkischen Bürger gegen die jeweiligen europäischen Länder, in denen sie leben, aufzuwiegeln. Sie verteilt unter ihnen rassistische und antisemitsiche Ideologien und erklärt ihnen die europäischen Länder und wegen der aktuellen politischen Probleme insbesondere Deutschland zu Feindbildern. Sie ruft  die türkischen EinwandererInnen dazu auf, ihre Fahnen zu nehmen, auf die Straßen zu gehen und für die Interessen des türkischen Staates zu demonstrieren. Auch diese Union erstellt Listen über Menschen, die regimekritisch sind und sendet solche Listen an die türkischen Behörden. Aufgrund solcher Informationen ist es in jüngster Zeit immer wieder dazu gekommen, dass türkischen Staatsbürgern, die in den Konsulaten Behördengänge zu erledigen hatten, die Reisepässe eingezogen wurden. Es wurden für diese Vorgehensweisen seitens der Konsulate keine Gründe genannt. Damit sind Spitzel,

Spione und Agenten der AKP-Regierung nicht nur in den Vereinen des DITIB-Verbandes unterwegs, sondern auch bei der UETD.

Solche Vorgehensweisen der türkischen Regierung gegen die eigene auch im Ausland lebende Bevölkerung schadet den EinwandererInnen in Deutschland und in Europa. Die EinwandererInnen haben hier in Deutschland ihre eigenen eklatanten gesellschaftlichen, politischen, beruflichen und sozialen Probleme, die seit Jahrzehnten nicht gelöst worden sind. Z. B. beträgt die Arbeitslosigkeit unter den EinwandererInnen ca. 46 %. Die Zahl der jungen arbeitslosen MigrantenInnen ist sogar noch höher. Die Zahl der Schulabrecher ohne Schulabschluss, der Ausbildungsabbrecher ohne Ausbildungsberuf und Studiumabbrecher ohne Universitätsabschluss ist unter den jungen MigrantenInnen alarmieren hoch. Das sind Probleme, die hier am Ort ihres Lebensmittelpunktes dringend gelöst werden müssen. Sie erfahren hier vor Ort keine soziale und wirtschaftliche Entwicklung und sind perspektivlos. Die AKP-Regierung macht sich die Frustration und Perspeltivlosigkeit dieser Menschen zunutze, indem sie sie für ihre nationalistischen, diktatorischen und rassistischen Sichtweisen zu gewinnen sucht. Dabei ist zu betonen, dass das alles geschieht ohne das Versprechen einer Gegenleistung. Die AKP-Regierung verspricht ihnen nichts und

keine Zunkunfsperspektiven, keine Ausbildung, keine Studien etc. Würden sie in die Türkei zurückkehren, so würden sie womöglich festgenommen und inhaftiert werden, weil sie sich aufgrund ihrer erlebten Freiheiten hier in Deutschland dort in der Türkei womöglich nicht einschränken würden. Aber das alles scheinen sie nicht zu bedenken, wenn sie zu Tausenden für Erdogan auf die deutschen Straßen gehen, dazu aufgefordert durch den türkischen Präsidenten.  

Die EinwandererInnen sind ein Bestandteil der hiesigen Gesellschaft geworden. Das ist eine Tatsache. Eine 60- und mehrjährige Einwandung kann und darf nicht mehr ignoriert werden. Die hiesige Regierung, die hiesigen Parteien, Verbände und Organisationen müssen sich für diese EmigrantenInnen öffnen, damit sie sich auch verantwortlich in der hiesigen Gesellschaft einbringen können. Nur dann kann  die Wahrung der demokratischen Grundsätze garantiert werden. Nur so können die Probleme gemeinsam gelöst werden. Nur so kann die Entwicklung der deutschen Gesellschaft gemeinsam vorangetrieben werden.

23 Juli 2017 0 Kommentare
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Salafismus

Militäraktion im Irak: Offenbar fünf deutsche IS-Anhängerinnen festgenommen worden

von Fremdeninfo 18 Juli 2017
von Fremdeninfo

Militäraktion im Irak: Offenbar fünf deutsche IS-Anhängerinnen festgenommen worden

© dpa Militäraktion im Irak: Offenbar fünf deutsche IS-Anhängerinnen festgenommen worden

Bei einer Militäroperation in der irakischen Stadt Mossul sind offenbar fünf IS-Anhängerinnen aus Deutschland festgenommen worden. Ein Offizier der irakischen Anti-Terror-Kräfte berichtete von 20 Kämpferinnen, die am vergangenen Donnerstag in der Altstadt festgenommen worden seien, darunter fünf deutsche. Auch die „Welt“ (Online, Print: Dienstag) schreibt unter Berufung auf Sicherheitskreise darüber. Nach ihren Angaben befindet sich möglicherweise auch eine 16-jährige Schülerin aus Sachsen darunter.

Der Offizier berichtete weiter, die Frauen hätten sich in einem Tunnelsystem der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versteckt. Sie hätten Waffen und Sprengstoffgürtel in ihrem Besitz gehabt, um die irakischen Truppen anzugreifen. Demnach arbeiteten sie für die Polizei des IS. Unter den Festgenommenen seien auch Frauen aus Russland, der Türkei, Kanada und Tschetschenien gewesen. (dpa)

18 Juli 2017 0 Kommentare
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Politik

Heute sind wir 2 Jahre alt geworden.

von Fremdeninfo 15 Juli 2017
von Fremdeninfo

Heute sind wir 2 Jahre alt geworden.

Unsere Web-Seite ist heute 2 Jahre alt geworden. In dieser Zeit haben   Menschen unsere Online-Zeitschriftsseite 2.175 359 besucht. Wir sind eine Online-Zeitung in Hannover, in der Region Hannover und auch in weiten Teilen des Landes Niedersachsen. Unsere Redaktion ist in Hannover, Niedersachsen. Unterstützer haben wir aber aus allen Bundesländern. Alle sorgen mit dafür, dass ein reger Informationsaustausch, Aktualisierung der Nachrichten und Berichterstattung, Kommentierung von politischen Prozessen und Entwicklungen etc. statt findet. Auf diese Weise versuchen wir unseren politischen, sozialen und gesellschaftlichen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Unser Ziel, für eine offene Gesellschaft zu sorgen, miteinander zu reden und um Vorurteile gegenüber anders Denkenden und Aussehenden zu abzubauen, verfolgen wir unermüdlich weiter.

Eine latente Vorurteilsbereitschaft, Amtisemitismus und Rassismus ist in Teilen der Gesellschaft gegeben. Dies ist ein Nährboden für ein rechtes Gedankengut. Sobald es zu irgendwelchen Vorfällen mit Flüchtlingen und Migranten kommt, brodelt dieses Gedankengut nach oben und es kommt in einigen Teilen der Gesellschaft zur Unterstützung des rechten Gedankengutes. Es kommt dadurch zu einem Run auf solche Parteien wie die AfD, z. B. wie in der jüngsten Vergangenheit geschehen. Aufgrund von Fehlinformationen entwickeln Menschen unberechtigte Ängste vor Zuwanderung und vor dem Islam. Die Religion Islam wird als islamischer Terror dargestellt. Als es den RAF-Terror in der BRD gab, wurde nicht vom christlichen Terror gesprochen. Die Gesellschaft muss aufgeklärt werden, muss einen Zugang zu Informationen und zum Gedankenaustausch haben.

Als „Fremden“Info wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, in dem wir uns mit den rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten der Einwanderung und Flucht in der Stadt Hannover, in der Region Hannover und in Niedersachsen beschäftigen. Wir nehmen an allen

entscheidungserheblichen Entwicklungen in der Stadt, bei den Verbänden, politischen Parteien und bei den Behörden teil, in dem wir die

Entwicklungen, Migrations- und Fluchtgründe verfolgen, bewerten und analysieren.

Wir beteiligen uns an Demonstrationen und sind dabei, wenn Diskriminierungen an der Tagesordnung sind. Wir waren dabei beim Bündnis „Bunt, statt bran“. Zur Teilnahme daran haben wir rigoros aufgerufen. Wir haben selbst daran auch teilgenommen und Kontakte mit vielen anderen Teilnehmern hergestellt. Wir nahmen auch teil an der Veranstaltung „Sexismus und Gewalt gegen Frauen“ im Pavillon in Hannover. An der Veranstaltung „Tanzen gegen Gewalt und Sexismus zum Nachteil von Frauen“ waren nahmen wir ebenfalls teil.

Bei „Niedersachsen packt an“ führen wir mit den Beteiligten regelmäßige Gespräche, tauschen Meinungen aus und hören uns die Beiträge und Vorträge an. Diese werden dann in unserer Online-Zeitung ausgewertet. Die Folgen und Ziele von solchen Veranstaltungen für die Mitbürger Hannovers aus allen Nationen veröffentlichen wir. Lösungsvorschläge wie die Stadt Hannover das Problem der Gewalt angehen sollte, zeigen wir ebenfalls auf.

Die Themen  Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit möchten wir erforschen und an die Öffentlichkeit bringen. Wir möchten unsere LeserInnen für diese Themen vor Ort in den Kommunen der Stadt Hannover und des Landes Niedersachsen sensibilisieren.

Die EinwandererInnen und auch die Jugendlichen mit Migrationshintergrund möchten wir über Salafismus und über den Is-Terrorismus aufklären. Wir möchten Sie dazu bewegen und auch erreichen, sich davon zu distanzieren. In Hannover gibt es einige große salafistische Gemeinden. Wir arbeiten daran, alle diejenigen, die mit den Salafisten sympathisieren oder zu Mitläufern werden, aufzuklären und sie der modernen Welt mit ihren Werten und Normen in der hannoverschen Gesellschaft zuzuführen.

Die terroristische Gefahr in Europa, Deutschland, Niedersachsen und auch in Hannover ist größer und spürbarer geworden. Sie muss bekämpft

werden. Ein Fußballspiel musste in Hannover wegen Terrorgefahr abgesagt werden. Ein junges Mädchen aus der salafistischen Szene hat am hannoverschen Hauptbahnhof einen Polizeibeamten mit einer Messerattacke schwer verletzt. Dass der Terrorismus in unserer Stadt Hannover unseren Lebensalltag bestimmt, möchten wir mitverhindern. Mit unserer Aufklärungsarbeit wollen wir in Hannover unseren geistigen Beitrag dazu leisten.

Es müssen auch Gefahren von Rechts wie von der Pegida, der AFD oder von anderen rechtsextremistischen Gruppen die durch Propaganda und Stammtischparolen gegen den Islam und gegen die EinwandererInnen geschürt werden, beseitigt werden. Auch diese Themen gehen wir an. Wir machen die Öffentlichkeit in Hannover auf diese Gefahren aufmerksam und fordern sie dazu auf, ihre Stimme zu erheben und die von der deutschen Verfassung garantierten Menschenrechte zu verteidigen.

Die weitergehende Aufklärung von unserer Seite besteht auch darin, EinwandererInnen auf ihre Rechte und Pflichten in dieser Gesellschaft hinzuweisen. Damit sie ein Teil dieser Gesellschaft werden, die Werte und Normen hier achten, respektieren und bereichern, möchten wir in Hannover, Niedersachsen und in Deutschland darauf hin arbeiten, dass sie hier eingebürgert werden, sich an Wahlen beteiligen, demokratische Parteien wählen und damit das gesellschaftliche Leben mitgestalten. Nur so kann z. B. die Entstehung der Gettoisierung und der Parallelgesellschaften vermieden werden. Dazu ist es notwendig, dass die EinwandererInnen in allen Bereichen, sozialen Verbänden, Gewerkschaften, zivilen Organisationen, Parteien, staatlichen Diensten, Sicherheitsbehörden etc. vertreten sind. Das ist ein Lösungsweg, den wir aufzeigen. Wir fordern die Verantwortlichen auf, die EinwandererInnen in diese Organisationen und Verbände zu integrieren, ihnen Verantwortung zu übertragen und ihnen Selbstwertgefühle und Anerkenntnis zu verschaffen. Auf diese Art und Weise sollen die Einheimischen mit den Einwanderern ein friedliches

Zusammenleben, gegenseitige Verständnis, Respekt und Anerkennung erreichen. Wir sprechen diese Themen immer wieder an, fordern ihre Umsetzung und sorgen dafür, dass diese Forderungen an beide Seiten gerichtet werden und nicht unter den Tisch gekehrt werden. Wir sprechen

die Themen so lange an, bis es zur Umsetzung kommt. Wir sind damit auch vor Ort ein Wegweiser für die politisch Verantwortlichen bei der Stadt Hannover, vertreten durch den Oberbürgermeister, bei dem Land Niedersachsen, vertreten durch den Ministerpräsidenten. Diese politisch Verantwortlichen können durch die vielfältigen Berichte, Argumente, Diskussionen, Anregungen, Anschauungen und Lösungsansätze zu Einwanderungs- und Flüchtlingsfragen Erfahrungen direkt von Betroffenen erfahren. Diese können sie für ihre Arbeit auf der politischen Ebene verwenden und insbesondere für den Standort Hannover und Niedersachsen die Lösungsansätze übernehmen.

In der Stadt Hannover sind die folgenden Themen dringend zu lösen:

– Altersarmut unter den EinwandererInnen und unter der deutschen älteren       Bevölkerung, insbesondere bei den eingewanderten und einheimischen älteren Frauen

– fehlende bezahlbare einwandererspezifische Altersheime für             EinwandererInnen

– bezahlbare Wohnungen für EinwandererInnen, aber auch für sozialschwache Einheimische in Hannover

– Kindergartenplätze für Kinder aus allen Bevölkerungsschichten

– schulische Förderung für EinwandererInnen und Flüchtlinge

– berufliche Förderung von jungen und alten EinwandererInnen und für einheimische Langzeitarbeitslose

–   Sexismus und Gewalt gegen Frauen durch EinwandererInnen gegenüber deutschen Frauen

– Rassismusproblematik gegenüber Minderheiten  

– das fehlende Recht auf politische Mitbestimmung von EinwandererInnen

– kulturelle und soziale Aktivitäten für EinwandererInnen

– Diskriminierung von EinwandererInnen aufgrund ihrer Herkunft bei der Arbeit- und Wohnungssuche und dgl.

Diese Fragen sind in Hannover dringend zu lösen, wenn die Stadt Hannover nicht auf einen der niedrigsten Ränge der ärmsten Städte in Deutschland herabsinken möchte. Denn, die Stadt Hannover hatte lt. der Statistik des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes im Jahr 2012 eine Armutsquote von 15,1 %. Diese Quote ist laut einem Bericht des spiegel.de, „Armes Deutschland, reiches Deutschland“, Autoren Diekmann, Kalinowski und Kurt bis zum Jahr 2016 auf 19,6 % gestiegen. Die Stadtverwaltung hat das gegenüber der haz.de im Jahr 2016 versucht damit zu erklären, dass nahezu 40.000 Studenten mit niedrigem Einkommen und viele ältere Aussiedler bzw. Vertriebene ohne oder mit geringen Bezügen in der Stadt leben würden. Eine solche Erklärung kann nicht akzeptiert werden. Die Autoren des spiegel.de haben auch berichtet, dass 19,7 % der Kinder in Hannover in Hartz-IV-Haushalten leben. Das sind nicht die Studenten. Die bekommen kein Hartz-IV. Das sind dann auch nicht die älteren Aussiedler oder Vertriebenen. Die bekommen auch kein Hartz-IV. Sie bekommen allenfalls Grundsicherung oder Sozialhilfen. Fakt ist, dass die Politik aber auch die Gesellschaft dringend handeln muss. Wir bringen diese Themen ständig an die Öffentlichkeit, damit gemeinsam Lösungen entwickelt werden.

Wir sind vor Ort bei den Betroffenen. Wir bekommen direkt mit, welche Anliegen sie haben und leiten diese dann als ihr Sprachrohr an die Verantwortlichen in Hannover und im Land Niedersachsen weiter, in dem wir diese in unserer Online-Zeitung öffentlich machen.

Unsere Aufgaben sind damit vielfältig. Wir tragen mit unserer Tätigkeit dazu bei, das Leben für die EinwandererInnen, aber auch für die Einheimischen sozialer, menschlicher, besser und sicherer zu gestalten.

15 Juli 2017 0 Kommentare
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Politik

Integration: Warum Schüler türkischer Herkunft schlecht abschneiden

von Fremdeninfo 13 Juli 2017
von Fremdeninfo
  • Integration: Warum Schüler türkischer Herkunft schlecht abschneiden

Integration Warum Schüler türkischer Herkunft schlecht abschneiden

Türkischstämmige Schüler glänzen im deutschen Bildungssystem selten, auch wenn sie hier geboren sind, engagierte Eltern haben und ehrgeizig lernen. Warum ist das so?

Von Heike Klovert

privat

Ahmet Özdemir als Kind (Mitte), mit Schwester und Zwillingsbruder

Donnerstag, 13.07.2017   07:40 Uhr

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Ahmet Özdemir, 42, wuchs in einer Siedlung für Bergleute in Aachen auf. Als Kind hatte er alles, was eine Karriere im deutschen Schulsystem erschwert: türkische Eltern, die kein Deutsch sprachen, vier große Geschwister auf der Hauptschule – und dunkle Haare und Augen. „Ich war immer der Türke, der Ausländer“, erinnert er sich.

Özdemir schaffte es trotzdem auf die Realschule. Er holte das Abitur nach und studierte, heute arbeitet er als Marketing-Manager, Buchautor und Dozent an zwei Fachhochschulen. Und obwohl seine Eltern schon seit den Sechzigerjahren in Deutschland leben, ist er immer noch die Ausnahme.

Patrick Rettler

Ahmet Özdemir

Denn: Kinder und Enkel türkischer Einwanderer, die hier aufgewachsen und in deutsche Schulen gegangen sind, glänzen in Bildungsstatistiken relativ selten. Sie brechen häufiger die Schule ab, sind stärker von Armut bedroht und verdienen im Schnitt weniger. Nur acht Prozent schließen ein Studium ab, in Familien ohne Migrationshintergrund sind es laut Statistischem Bundesamt 24 Prozent.

Türkischstämmige schneiden damit deutlich schlechter ab als die Nachkommen von Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion und ähnlich schlecht wie Kinder italienischer Einwanderer.

Die nächstliegende Erklärung: Aus der Türkei zugewanderte Eltern und Großeltern stammen meist aus ärmlichen Gegenden, sind schlecht ausgebildet – und der Bildungsgrad wird in der Regel weitergegeben. Sprich: Wenn die Eltern nicht studiert haben, tun es deren Kinder häufig auch nicht. Das hat wenig mit dem Herkunftsland zu tun.

Interessant ist allerdings, dass Forscher sagen, sie könnten diesen und andere Faktoren herausrechnen. Wenn man zum Beispiel nur Kinder vergleicht, deren Väter maximal die Hauptschule abgeschlossen haben, ändert sich das Bild: Dann absolvieren sieben Prozent der türkischstämmigen Kinder ein Studium. Ohne Migrationshintergrund sind es 16 Prozent.

Bildungsniveau der Nachkommen von Migranten

Im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung (17- bis 45-Jährige), in Prozent

1739254044273123248167Kein AbschlussHauptschulabschlussRealschulabschlussAbiturAkademischer AbschlussOhne MigrationshintergrundMit türkischemMigrationshintergrundOhne Migrationshintergrund (Vatermax. Hauptschulabschluss)Mit türkischemMigrationshintergrund (Vater max.Hauptschulabschluss)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenreport 2016

Der Unterschied schrumpft also, aber er ist nicht weg. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) kam 2015 sogar zu dem Schluss: Die „Kompetenznachteile“ der türkischstämmigen Jugendlichen in Deutsch und Englisch am Ende von Klasse neun seien oft auch dann noch „substanziell“, wenn der soziale Hintergrund und die in der Familie gesprochene Sprache berücksichtigt würden.

Eine andere IQB-Studie hatte drei Jahre zuvor ähnliche Ergebnisse für Naturwissenschaften und Mathe ergeben. Türkischstämmige Neuntklässler hatten damals einen „Lernrückstand von bis zu zwei Jahren“. „Ihr Ehrgeiz ist teilweise größer als der von Jugendlichen ohne ausländische Wurzeln“, sagt IQB-Forscherin Nicole Haag, „aber sie zeigen nicht dieselben Leistungen.“

Woran liegt das?

Erstens: Mit dem Rausrechnen ist es so eine Sache. Ein Klempner aus der Türkei lässt sich nicht unbedingt mit einem Klempner vergleichen, der die deutsche duale Ausbildung genossen hat. „In Deutschland haben fast alle Handwerker einen Schulabschluss, türkische Handwerker jedoch oft nicht“, sagt Bildungsforscher Aladin El-Mafaalani aus Münster.

Das IQB vergleicht gezielt Familien mit und ohne Migrationshintergrund, die zu Hause Deutsch sprechen. Dabei sagt das wenig über das Sprachniveau der Kinder aus. Wissenschaftler sind sich einig, dass es dem Deutschlernen nicht schadet, wenn Eltern mit ihren Kindern in der Sprache sprechen, die ihnen selbst am leichtesten fällt. Es wäre besser, wenn man nur Kinder vergleichen würde, die etwa gleich gut Deutsch sprechen, sagt auch Nicole Haag vom IQB. „Doch die entsprechenden Daten gibt es nicht.“

Zweitens: Es gibt noch viele andere Faktoren, die türkischstämmigen Kindern das Schulleben erschweren.

  • Da wäre zum Beispiel die Unterstützung von Zuhause. Dort mangelt es entgegen der Klischees zwar oft nicht an gutem Willen. Eine Studie ergab 2011, dass türkischstämmige Eltern besonders häufig bei den Hausaufgaben helfen. Allerdings tun sie sich praktisch oft schwer damit, ihre Kinder wirklich zu unterstützen.

„Mein Vater hat immer gesagt, dass wir studieren sollen, damit wir nicht wie er am Hochofen stehen müssen“, erzählt die türkischstämmige Chemikerin Selma Henrichsen, 40, die im niedersächsischen Peine aufwuchs. „Aber meine Eltern konnten selbst kaum Deutsch und sie wussten auch nicht, wie man ein Studium angeht.“

Es helfen ihren Kindern bei den Hausaufgaben…

in Prozent

173935921432511Eltern insgesamtEltern mit türkischem Migrationshintergrundhäufiggelegentlichseltennie

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach/Vodafone Stiftung Deutschland 2011

So hat das auch Kommunikationswissenschaftler Özdemir erlebt. „Wir haben von vielen Eltern gehört: Macht was aus eurem Leben! Aber sie haben nicht gesagt, was wir machen sollten.“ Die Kinder deutscher Eltern hätten hingegen praktische Tipps bekommen, welche Fächer sie wo studieren könnten.

Die Unterstützung bei den Hausaufgaben fällt….

in Prozent

17383051528408Eltern insgesamtEltern mit türkischem Migrationshintergrundsehr leichteher leichteher schwersehr schwer

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach/Vodafone Stiftung Deutschland 2011 (auf 100% fehlende Werte = Unentschieden)

  • Vorbehalte der Lehrer spielen auch eine Rolle. Berliner Integrationsforscher stellten fest, dass Lehrer Kindern aus türkischstämmigen Familien weniger zutrauen, selbst wenn sich deren Leistungen faktisch nicht von denen der anderen unterscheiden. Schülern, an die sie geringere Erwartungen haben, schenken Lehrer weniger Aufmerksamkeit und rufen sie seltener auf.

Wissenschaftler der Uni Mannheim fanden heraus, dass Gymnasiallehrer in Mathe Schüler mit Migrationshintergrund schlechter benoteten als Kinder ohne Migrationshintergrund – auch bei gleicher Sprachfertigkeit, ähnlicher sozialer Herkunft und selbst dann, wenn die Kinder in standardisierten Tests gleich gut abschnitten.

Ahmet Özdemir sagt, er habe von seinen Lehrern jahrelang vermittelt bekommen: Du schaffst das nicht. Als er Deutsch als Leistungskurs wählen wollte, habe seine Lehrerin gesagt, er solle sich nicht übernehmen: Das sei kein Deutsch für Ausländer. „Ich habe diese Kommentare immer geschluckt. Was sollte ich machen?“ Verwandte und Freunde hätten ähnliche Erfahrungen gemacht.

Selma Henrichsen erinnert sich an einen Physiklehrer, der auf einer Klassenfahrt zu ihr sagte, dass sie immer mit schlechteren mündlichen Noten rechnen müsse, weil sie dunkle Haare habe. „Das hat mich jahrelang beschäftigt“, sagt sie. „Es hat mir viel Motivation genommen.“

 

Dirk Henrichsen

Selma Henrichsen

Befragungen im Rahmen des sozioökonomischen Panels haben gezeigt, dass sich die türkischstämmige Minderheit sehr viel häufiger wegen ihrer Herkunft diskriminiert fühlt als andere Zuwanderergruppen. „Das trifft die zweite und dritte Generation stärker, weil sie besser integriert ist und damit höhere Erwartungen hinsichtlich Teilhabe und Chancengerechtigkeit haben“, sagt Caner Aver vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung. „Sie fragen sich: ‚Was soll das? Ich bin doch hier geboren!'“

Häufig wahrgenommene Benachteiligung wegen der Herkunft

in Prozent

1882110Bevölkerung mit MigrationshintergrundNachkommenTürkeiGesamt

Quelle: Statistisches Bundesamt, Datenreport 2016

Dass Kinder am erfolgreichsten lernen, wenn sie sich wertgeschätzt und angenommen fühlen, ist bekannt. Ein Experiment an elf Berliner Sekundarschulen zeigte unlängst: Wenn Schüler mit türkischer und arabischer Herkunft vorher positiv motiviert wurden, schnitten sie danach bei einem Mathetest viel besser ab.

Was Arabisch an deutschen Schulen bringt

SPIEGEL ONLINE

Russisch, Türkisch, Arabisch: In einigen Bundesländern unterrichten öffentliche Schulen Kinder auch in deren Herkunftssprachen.

  • Das hilft vielen Schülern – wenn man es richtig macht.
  • Hinzu kommt, dass vielen Schülern mit türkischen Wurzeln die Vorbilder fehlen. „Für erfolgreiche Bildungsprozesse braucht es immer Personen, die motivieren“, sagt der Freiburger Soziologe Albert Scherr. Ob Onkel, Freunde, Lehrer, mit oder ohne Migrationshintergrund, das sei zunächst egal.

Allerdings identifizieren sich Kinder oft leichter mit Erwachsenen, die ähnliche Erfahrungen wie sie selbst gemacht haben – und womöglich stoßen sie dort auch häufiger auf Verständnis. Wie viele Lehrer bundesweit auf eine Zuwanderergeschichte zurückblicken, ist statistisch nicht erfasst. Dass es vergleichsweise wenige sind, kritisierte vor zwei Jahren auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Solche Lehrer können oft besser einschätzen, wie schwer es sein kann, mit mehreren Sprachen und Kulturen aufzuwachsen“, sagt Laura Hordoan vom Berliner Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationshintergrund.

  • Hinter allem steht ein Schulsystem, das immer noch darauf angelegt ist, Kinder früh nach Leistung zu sortieren. „Ich wollte gern aufs Gymnasium“, erzählt Henrichsen. Doch das Gespräch mit dem Rektor der Orientierungsstufe war so einschüchternd, dass sie sich mit der Realschule abfand. Vielleicht hätten engagierte Eltern hier etwas bewirken können. „Doch meine Eltern konnten kein Deutsch, sie hätten sich das nicht getraut“, sagt Henrichsen.

Özdemir hatte eine Empfehlung fürs Gymnasium. „Doch meine Brüder sagten, das sei eine Nummer zu groß für mich, ich würde sowieso nicht weiterkommen“, erzählt er. Also ging auch er zunächst auf die Realschule.

Özdemir und Henrichsen haben Abitur gemacht und studiert, beide sind beruflich erfolgreich. Doch es kostet Kraft, sich ständig beweisen zu müssen – auch nach der Schule noch. Eine Studie hat gezeigt, dass Jugendliche mit türkischem Namen schlechtere Chancen haben, wenn sie ins Berufsleben oder in eine Ausbildung starten wollen.

Jedoch, bei allen Schwierigkeiten: „Jedes Jahr steigt der Anteil der türkischstämmigen Schüler, die Abitur machen oder studieren gehen“, sagt Integrationsforscher Aver. Vor zehn Jahren hätten rund elf Prozent aller Deutschtürken, die hier zur Schule gegangen sind, das Abitur absolviert. Acht Jahre später seien es bereits 16 Prozent gewesen. „Es gibt noch große Defizite, aber es geht aufwärts.“

13 Juli 2017 0 Kommentare
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Politik

Beate Zschäpe: Gericht lehnt Psychiater als Sachverständigen im NSU-Prozess ab

von Fremdeninfo 11 Juli 2017
von Fremdeninfo

Beate Zschäpe: Gericht lehnt Psychiater als Sachverständigen im NSU-Prozess ab

 
Das Oberlandesgericht München hat den Psychiater Joachim Bauer als Gutachter im NSU-Prozess abgelehnt. Der Senat folgte am Dienstag einem Antrag mehrerer Nebenkläger. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl sagte, Bauer habe den „Eindruck der Parteilichkeit nicht beseitigen“ können.
Der Freiburger Psychiater bewerte das Verfahren als eine „Hexenverbrennung“, vor der er die Hauptangeklagte Beate Zschäpe in Schutz nehmen wolle. Bauer mache damit deutlich, dass nach seiner Ansicht „ein massiver Schuldspruch bereits feststeht“.
Jochim Bauer hatte Zschäpe als eingeschränkt schuldfähig bewertet
Bauer hatte Zschäpe mehrmals in der Untersuchungshaft in der Münchner Vollzugsanstalt Stadelheim besucht. Im Auftrag ihrer beiden Wahlverteidiger Mathias Grasel und Hermann Borchert hatte er als Zeuge über diese Gespräche berichtet und als Sachverständiger befunden, Zschäpe sei wegen einer krankhaften Persönlichkeitsstörung nur eingeschränkt schuldfähig.
 © dpa Gericht hält Zschäpe-Gutachter Bauer für befangen
Bauer hatte danach in einer E-Mail an den Online-Chef der Zeitung „Die Welt“ einen „exklusiven Beitrag“ angeboten. In der Mail sprach er von „Hexenverbrennung“ und davon, dass seine Begutachtung Zschäpes „einigen nicht passe“.
Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. (dpa)

11 Juli 2017 0 Kommentare
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