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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

EU-Bericht: Italien blockiert Rücknahme von Asylbewerbern

16 Juli 2026 0 Kommentare
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Asyl-Verschärfung: In Großbritannien zu bleiben, wird für alle Ausländer schwere

14 Juli 2026 0 Kommentare
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Rassismus

Land baut Forschungsstelle zu Rechtsextremismus auf

von Fremdeninfo 23 Februar 2022
von Fremdeninfo

Land baut Forschungsstelle zu Rechtsextremismus auf

Baden-Württemberg will den Rechtsextremismus systematisch wissenschaftlich untersuchen lassen. Das grün-schwarze Kabinett beschloss am Dienstag den Aufbau einer neuen Forschungsstelle und der deutschlandweit ersten politikwissenschaftlichen Professur für die Erforschung des Rechtsextremismus, wie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) in Stuttgart verkündete. Für den Aufbau der Forschungsstelle stellt das Land zunächst 400.000 Euro zur Verfügung. Geplant sind bis zu drei Professuren sowie weitere Personal- und Sachmittel. Die Gesamtkosten werden bei rund 1,2 Millionen Euro pro Jahr liegen.

«Der Aufbau kommt zur richtigen Zeit», sagte Bauer. Dass rechtsextremistisches Gedankengut in tödlicher Gewalt enden könne, zeigten die rassistisch motivierten Morde in Hanau, der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der Anschlag auf die Synagoge in Halle, sagte Bauer. Eine Forschungsstelle stelle sicher, dass das Thema Rechtsextremismus dauerhaft und systematisch bearbeitet werde.

Die Universitäten könnten sich nun in einem Auswahlprozess bewerben. Noch dieses Jahr soll es eine Entscheidung geben. Die neue Forschungsstelle soll interdiszplinär agieren – so sollen auch neuere Forschunggebiete wie «rechte» Musik oder die Umdeutung von Sprache erforscht werden.

Die Einrichtung geht auf eine Empfehlung des Untersuchungsausschusses Rechtsextremismus/NSU II in Baden-Württemberg zurück und steht auch im grün-schwarzen Koalitionsvertrag

 

 

23 Februar 2022 0 Kommentare
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Politik

Die neuen Migrationsbewegungen aus der Türkei in europäische Länder nehmen zu

von Fremdeninfo 23 Februar 2022
von Fremdeninfo

Die neuen Migrationsbewegungen aus der Türkei in europäische Länder nehmen zu

Cumali Yagmur

Vor den Sprachkursen in der Türkei stehen Menschen Schlange: die Zahl der jungen Leute, die Englisch, Deutsch oder Französisch lernen wollen und einen Weg nach Europa suchen, nimmt zu. Neue Migrationsbewegungen aus der Türkei in europäische Länder zeichnen sich ab.

Es sind vor allem die gut Ausgebildeten und die, die in bestimmten Berufen spezialisiert und bereits erfahren sind und davon ausgehen können, europaweit einen Job zu finden, Ingenieure, IT-Leute, auch im Hotel und in der Gastronomie tätige, Kellner, Köche und Bäcker, vor allem auch im Gesundheitsbereich tätige Fachkräfte.

Mittlerweile haben bereits Hausarztpraxen in der Türkei haben die Arbeit niedergelegt, aus Protest gegen schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen. Weitere Ärzt:innen in mehreren Städten des Landes haben sich dem Protest angeschlossen. Vor dem Hintergrund starker Preisanstiege protestieren fast täglich Beschäftigte aller Art für bessere Löhne. Die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor haben sich, wie in anderen Bereichen auch, deutlich verschlechtert, Belastungen seien im Zuge der Pandemie stark gestiegen, zudem habe die Gewalt gegen die Beschäftigten zugenommen. Einem Bericht der Gewerkschaft zufolge wurden im vergangenen Jahr 316 Mitarbeiter im Gesundheitswesen angegriffen. Immer mehr Ärzte gingen ins Ausland, Allein im Januar seien es 197 Ärzte gewesen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1.400. Im Jahr 2012 seien es nur 59 gewesen. Oft gehen sie dort anderen Beschäftigungen nach und verdienen damit genauso gut oder gar besser, als wenn sie als Mediziner in der Türkei blieben.

Zukunftssorgen und finanzielle Schwierigkeiten seien die Hauptgründe für die Emigration. Die Türkei kämpft derzeit mit einer Währungskrise und einer Inflation von offiziell knapp 50 Prozent. Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs waren zuletzt immer teurer geworden.

Zum Jahreswechsel wurden die Energiepreise stark angehoben, Strom für Haushalte kostet nun etwa 50 Prozent mehr. Fast täglich verbrennen Menschen aus Protest dagegen öffentlich ihre Rechnungen. Die Gewerkschaft Disk hatte am Mittwoch angekündigt, zu landesweiten Protesten mobilisieren zu wollen

Der Grund dafür ist erst einmal ein ökonomischer: die mangelnden Arbeitsmöglichkeiten und der geringe Verdienst. Aber auch die Repressionen der regierenden AKP-MHP-Regierung, die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und die mangelnde Lebenssicherheit spielen für diese Abwanderungsbewegungen und diesen „Braindrain“ keine unerhebliche Rolle.

So geben türkische Kapitalbesitzer und Investoren offen an, in einem Land ohne demokratische Stabilität, in dem Gesetze und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, keine Anlagen tätigen wollen, auch aus Sorge um mangelnde Investitionsgarantien.

Ausländische Kapitalanleger sehen, dass heimische Investoren das Land verlassen und halten sich entsprechend auf dem Markt zurück.

Die AKP-MHP-Regierung sucht lediglich ihren Machterhalt zu festigen und verstärkt nur noch die Repressionen, sie fühlt sich sicher an der Macht. Die Abwanderung eines qualifizierten Fachpersonals lässt sie anscheinend kalt.

 Doch das Ende dieser Politik ist in Sicht!

23 Februar 2022 0 Kommentare
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Kultur

Deutsche Willkommenskultur? Weniger Skepsis bei Zuwanderung auch dank Corona

von Fremdeninfo 22 Februar 2022
von Fremdeninfo

 

Deutsche Willkommenskultur? Weniger Skepsis bei Zuwanderung auch dank Corona

Von

dtj-online

–

18.02.2022

„Einbürgerungstest“ width=“696″ height=“498″>
Im Bild füllt eine Person einen Einbürgerungstest aus. Migration wird in vielen Teilen der Gesellschaft nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen. Foto: Uli Deck/dpa

Die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Migration sinkt. Positive Effekte rücken in den Vordergrund: Integration wird weniger als Einbahnstraße gesehen. Die Analyse zur Willkommenskultur zeigt aber auch Sorgen, Vorbehalte und Ablehnung.

Die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Zuwanderung sinkt einer Studie zufolge, die Chancen von Migration rücken stärker in den Fokus. Zugleich haben Sorgen vor negativen Folgen von Zuwanderung weiter abgenommen, auch wenn diese noch immer bei einer Mehrheit bestehen.

Dies ergab eine Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zur Willkommenskultur in Deutschland. Sie fördert auch eine klar gestiegene Bereitschaft zur Aufnahme Geflüchteter zutage. Kantar Emnid hatte im November 2021 gut 2.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ befragt.

„Es bewegt sich was“

Die Ergebnisse machten deutlich: „Es bewegt sich was“, wie es in der am Mittwoch veröffentlichten Analyse aus Gütersloh hieß. „Migration ist ein emotionales Thema“, sagt der Studienautor Orkan Kösemen der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Offenheit gegenüber Zuwanderung habe es nach der sehr hohen Anzahl aufgenommener Geflüchteter 2015/2016 einen Einbruch gegeben.

„Das ist jetzt vorbei.“ Kritische Betrachtungen und Ablehnung seien aber weiter „präsent und spürbar“, bilanziert die Untersuchung. Und ein „harter Kern“ ausgeprägter Migrationsskeptiker – immerhin ein Fünftel der Bevölkerung – sehe Geflüchtete als „Gäste auf Zeit“, um deren Integration das Land sich nicht bemühen solle.

Auf der Chancenseite meinen mit Blick auf die Wirtschaft 68 Prozent der Befragten, Zuwanderung bringe Vorteile für die Ansiedlung internationaler Firmen, und 55 Prozent, sie helfe gegen Fachkräftemangel. Knapp zwei Drittel erwarten eine geringere Überalterung der Gesellschaft dank Migration, 48 Prozent Mehreinnahmen für den Rententopf.

Befürchtungen sind gesunken

Alle Werte fallen höher aus als Befragungen zuvor 2017 und 2019. Noch 36 Prozent finden, Deutschland könne keine Geflüchteten mehr aufnehmen – 2017 hatten das 54 Prozent gesagt. Fast jeder Zweite (48 Prozent) gibt an, man solle aus humanitären Gründen mehr Schutzsuchende aufnehmen – im Vergleich zu 37 Prozent 2019 und 2017.

Nach wie vor gibt es in weiten Teilen der Bevölkerung Befürchtungen, sie sind aber gesunken. So gehen noch 67 Prozent von Belastungen für den Sozialstaat aus, 66 Prozent erwarten Konflikte zwischen Eingewanderten und Einheimischen. Rund 56 Prozent rechnen mit Problemen in den Schulen.

Migration keine „Einbahnstraße“ mehr

Wohnungsnot in Ballungsräumen macht 59 Prozent Sorgen, in diesem Fall unverändert zu 2019. Kösemen sieht bei dem insgesamt aber positiveren Blick auf die Zuwanderung einen Corona-Faktor: Vielen sei bewusst geworden, dass man auf Zugewanderte in Bereichen der kritischen Infrastruktur wie Pflege, Landwirtschaft oder bestimmten Dienstleistungen angewiesen sei.

Integration wird weniger als Einbahnstraße verstanden. Erwartungen an die Aufnahmegesellschaft und deren Verantwortung rücken ins Blickfeld: Diskriminierung wegen der Herkunft und mangelnde Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt werden von vielen Befragten als große Integrationshemmnisse genannt.

„Für junge Leute ist Vielfalt Realität“

Und bei Polizei, Schulen oder Kitas seien Personen mit Migrationshintergrund zu schwach vertreten. Ein Detail: „Frauen befürworten neue Antidiskriminierungsgesetze eher als Männer“, scheinen laut Studie sensibler für Benachteiligung und Stigmatisierungserfahrungen zu sein.

„Das Land braucht mehr als Willkommenskultur“

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich Unterschiede auch nach Alter. Jüngere Befragte bis 29 Jahre blicken positiver auf Zuwanderung. Ein Beispiel: Sie mache das Leben interessanter, sagen 76 Prozent. „Für junge Leute ist Vielfalt eher Realität; sie werden, etwa in den Schulen, in einem vielfältigeren Umfeld groß“, erläutert Kösemen.

Einkommen spielt eine Rolle

Menschen mit höherer Bildung sehen die Vorteile stärker, bei niedrigem Bildungsstand sind negative Einschätzungen deutlicher ausgeprägt. „Geringerer Bildungsstand bedeutet oft geringeres Einkommen. In diesem Personenkreis bestehen stärker Befürchtungen, auf dem Arbeitsmarkt oder Wohnungsmarkt verdrängt zu werden.“

Bei höherer Bildung sei Konkurrenzangst nicht weit verbreitet. Wie wird die Akzeptanz von Geflüchteten wahrgenommen? In Westdeutschland glauben 62 Prozent, dass die Bevölkerung vor Ort diese „sehr oder eher“ willkommen heißt. In Ostdeutschland beobachten das nur rund 42 Prozent.

NRW-FDP geht mit Pilotprojekt voran

„Für die Abweichungen kommt ein Bündel an Gründen infrage. Dazu gehört auch mangelnde Erfahrung mit Einwanderung“, schildert der Studienautor. Zudem gebe es dort für die AfD mehr Zuspruch als in Westdeutschland. Nordrhein-Westfalen wirbt mit einer Kampagne um mehr junge Leute mit Migrationsgeschichte für den öffentlichen Dienst.

Man wolle im „offenen Einwanderungsland“ mit gutem Beispiel vorangehen, hatte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) jüngst betont. Solche Initiativen, die auf kommunaler Ebene auch aus anderen Bundesländern bekannt seien, hält Kösemen für wichtig.

Deutschland als modernes Einwanderungsland

„Prinzipiell sollte auch die öffentliche Verwaltung die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegeln.“ Zum bundespolitischen Kurs sagt er: „Die Melodie, die die Ampel-Regierung bisher beim Thema Migration angeschlagen hat, und ihre Definition Deutschlands als modernes Einwanderungsland passen zur aktuellen Einstellung der Bevölkerung.“

dpa/dtj

22 Februar 2022 0 Kommentare
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Rassismus

Hanau ist überall – Gemeinsam gegen Rassismus

von Fremdeninfo 22 Februar 2022
von Fremdeninfo

 

Hanau ist überall – Gemeinsam gegen Rassismus

Von

Stefan Kreitewolf

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19.02.2022

 
 
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Der Schrecken vor zwei Jahren: SEK-Beamte in der Nähe eines Tatorts in Hanau. Noch immer kämpfen die Hinterbliebenen für Gerechtigkeit. Foto: Boris Roessler/dpa

Zwei Jahre nach Hanau steht fest: Die deutsche Gesellschaft gesteht sich ihren eigenen Rassismus nicht ein. Und die Politik ist viel schuldig geblieben. Dabei ist klar, was getan werden müsste. Ein Kommentar.

Grausame Morde, tödliche Versäumnisse, schleppende Aufklärung: 24 Monate nach dem Anschlag von Hanau plagen die Hinterbliebenen weiterhin viele offene Fragen. Eine prangt über allem und sie quält: Warum wird gegen Rassismus nicht konsequenter vorgegangen?

Denn Rassismus und Rechtsextremismus lauern überall – heute wie damals. Auch in Hanau: Bei der Auflösung des rechtsextremistisch unterwanderten Spezialeinsatzkommandos aus Frankfurt am Main wurde bekannt, dass 13 der 19 beschuldigten Mitglieder auch in der Hanauer Tatnacht im Einsatz waren. Ein unfassbares Beispiel unter vielen.

Ermittlungen eingestellt

Zur Erinnerung: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtovic, Vili-Viorel Paun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov – sie alle sind tot. Wie es genau dazukommen konnte, warum der Mörder ungestört so viele Menschen töten konnte und ob der rechtsextreme Täter Kompliz:innen hatte, das alles interessiert die deutschen Behörden nicht mehr. Das Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

Dass die Hinterbliebenen Spenden sammeln, um die Hintergründe der Tat nun selbst aufzuklären, ist eine Schande für den deutschen Rechtsstaat. Die „Initiative 19. Februar Hanau“, in der sich die Familienangehörigen der Opfer kurz nach der Mordnacht zusammengeschlossen hatten, fordert eine lückenlose Aufklärung und Konsequenzen.

Wer eine Waffe will, der kriegt sie auch

Was getan werden müsste, um solch eine Tat künftig unmöglich zu machen, ist indes klar: Das Nutzen von Waffen sollte nur psychisch gefestigten Menschen ohne extremistisches Gedankengut erlaubt sein. SPD und Grüne sehen das sogar ähnlich und wollen Waffenbesitzer:innen zu regelmäßigen psychologischen Begutachtungen verpflichten.

Tödliches Versagen und viele offene Fragen in Hanau

Das reicht aber noch nicht: Polizei, Gesundheitsämter und Waffenkontrollorgane der Länder müssen künftig enger zusammenarbeiten. Das wäre aber nur ein verbesserter institutioneller Schutz vor extremistischen Waffennarren. Wer dennoch eine Waffe besitzen und nutzen möchte, der findet auch Mittel und Wege. Im Klartext: Wer eine Waffe will, der kriegt sie auch.

Gezielter gegen Rassismus vorgehen

Deswegen müssen Schutzmaßnahmen früher beginnen: Aufklärung und Bildungsarbeit bei Menschen, die potenziell offen für rassistisches und rechtsextremes Gedankengut sind, sind dabei nur ein Mittel. Institutionell muss die Politik und letztlich der Staat stärker und gezielter gegen Rassismus vorgehen.

Zum Beispiel mit einem Bundespartizipationsgesetz, einer flächendeckenden Opfer- und Antidiskriminierungsberatung oder einer gesetzlich festgeschriebenen Definition von Rassismus – diese Forderungen kommen direkt von den Betroffenen. Die Hoffnung dahinter: Behörden handlungsfähiger gegen Rassist:innen zu machen.

Rassismus bedroht uns alle

Denn Rassismus bedroht uns alle, nicht nur die – immerhin 26 Prozent – Menschen mit Migrationsgeschichte in unserem Land. Er ist Gift für unser Zusammenleben, für unsere Gemeinschaft. Zusammenhalt und nicht Hass sollte unser Land definieren. Doch davon sind wir (aktuell) weit entfernt.

Hanau war kein Einzelfall. Rassismus hat in diesem Land Tradition – genau wie das Leugnen rechter Gewalt und das Versagen der Behörden. Das zeigen der NSU-Komplex und Halle, Hoyerswerda und Lichtenhagen, Mölln und Solingen.

Hanau ist überall, tun wir endlich etwas dagegen. Gemeinsam.

22 Februar 2022 0 Kommentare
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Rassismus

Hanau-Angehörige fassungslos wegen Gestaltung der Gedenkstunde

von Fremdeninfo 22 Februar 2022
von Fremdeninfo

 

Hanau-Angehörige fassungslos wegen Gestaltung der Gedenkstunde

Von

dtj-online

–

21.02.2022

 

 

„Gedenken an die Opfer von Hanau“ width=“696″ height=“495″>
19.02.2022, Hessen, Hanau: Als Erinnerung an die Verstorbenen lassen Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung in Hanau weiße Tauben fliegen. Hier zu sehen ist Emis Gürbüz, Mutter des ermordeten Sedat Gürbüz. Foto: Boris Roessler/dpa

Sedat Gürbüz kam vor zwei Jahren bei den rassistischen Anschlägen von Hanau ums Leben. Seine Mutter kritisierte nun, das Land Hessen habe mit der Gedenkstunde am Jahrestag, zu der nur 100 geladene Gäste zugelassen waren, das „Gedenken vereinnahmt“.

Mit einer Demonstration und weißen Tauben haben laut Polizei rund 1000 Menschen in Hanau der neun Opfer des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 gedacht. Zu denen, die am Samstag an einem der Tatorte am Heumarkt eine weiße Taube aufsteigen ließen, gehörte auch Emis Gürbüz, die Mutter des ermordeten Sedat Gürbüz. „Wir werden die neun Kinder nicht vergessen lassen, wir werden immer, immer erinnern“, sagte sie, als der Demonstrationszug an dem Ort pausierte, an dem ihr Sohn erschossen worden war.

Gürbüz kritisierte scharf, dass die Angehörigen bei der Gedenkfeier auf dem Hanauer Hauptfriedhof nicht über die Teilnehmer und die Gestaltung entscheiden konnten. Das Land Hessen habe mit der Gedenkstunde, zu der nur 100 geladene Gäste zugelassen waren, das „Gedenken vereinnahmt“. Wünsche der Familien seien ignoriert worden. „Die nehmen alles weg von uns, wer gibt ihnen dieses Recht?“, fragte sie. „Ich gebe dieses Recht nicht. Ich will mein Kind wieder zurück haben.“

Kampf gegen Menschenhass: Faeser will schon in Kita ansetzen

Anwesend bei der Veranstaltung am Samstag war auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Sie betonte, rechtsextreme Strömungen in Deutschland künftig möglichst frühzeitig bekämpfen zu wollen. Der Kampf gegen Rechtsextremismus fange mit guter Bildungsarbeit an, sagte die SPD-Politikerin zum zweiten Jahrestag der Anschläge von Hanau der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ („FAS“): „Er muss schon im Kindergarten ansetzen.“

Kinder und Jugendliche müssten so stark gemacht werden, „dass sie für Ideologien der Ausgrenzung gar nicht erst anfällig werden“, sagte Faeser. „Wir brauchen eine Demokratieerziehung, die klarmacht, dass es egal ist, wo eine Familie irgendwann einmal hergekommen ist, welche Hautfarbe jemand hat, an wen er glaubt oder wen er liebt.“

dpa/dtj

22 Februar 2022 0 Kommentare
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Düsseldorf: Inhaftierter Kavala erhält Menschenrechtspreis

von Fremdeninfo 21 Februar 2022
von Fremdeninfo

Düsseldorf: Inhaftierter Kavala erhält Menschenrechtspreis

Von

dtj-online

–

20.02.2022

 
 
 
 
„Inhaftierter Kulturförderer Kavala erhält Menschenrechtspreis“ width=“696″ height=“464″>
Archivfoto: Osman Kavala, Gründer von Anadolu Kültür, posiert für ein Foto in der Hauptniederlassung von Anadolu Kültür. Der in der Türkei inhaftierte Kulturförderer erhält den Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2022. Das teilte die Pressestelle des Konzerthauses am Freitag mit. Foto: Kerem Uzel/dpa

Der in der Türkei inhaftierte Kulturförderer Osman Kavala erhält den Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2022.

Kavala sei unter anderem Gründer der Organisation Anadolu Kültür, die lokale türkische Kulturinitiativen durch die Stärkung von nationalen und internationalen Kooperationen unterstütze.

Der Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker, Adam Fischer, erklärte, der Fall Kavala sei ein erschütterndes Beispiel für eine massive politische Einflussnahme auf die Rechtsprechung. „Ganz offensichtlich soll hier eine Person, die sich für Menschen- und Bürgerrechte einsetzt, bestraft und mundtot gemacht werden“, sagte Fischer. Er ist Initiator des mit 10.000 Euro dotierten Preises.

Verleihung im März an Cem Özdemir

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte schon vor rund zwei Jahren die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten angeordnet und die Haft als politisch motiviert eingestuft. Der 64-Jährige ist seit vier Jahren inhaftiert, ohne je verurteilt worden zu sein.

Die Verleihung ist am 19. März bei einem Konzert in Düsseldorf geplant. Da Kavala nicht teilnehmen könne, werde der Grünen-Politiker und Bundesminister Cem Özdemir den Preis entgegennehmen, teilte die Tonhalle mit. Die Auszeichnung wird von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle gestiftet. Zu bisherigen Preisträgern gehören die Organisation Ärzte ohne Grenzen und die Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future.

dpa/dtj

 

 

21 Februar 2022 0 Kommentare
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Proteste in der Türkei: Hausärzte schließen Praxen

von Fremdeninfo 21 Februar 2022
von Fremdeninfo

 

Proteste in der Türkei: Hausärzte schließen Praxen

Von

dtj-online

–

18.02.2022

Ein Arzt untersucht ein Kind. In der Türkei haben Hausärzt:innen aus Protest ihre Praxen geschlossen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Hausarztpraxen in der Türkei haben aus Protest gegen schlechte Bezahlung und Arbeitsbedingungen die Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft Hekimsen rief die in staatlichen Praxen beschäftigten Medizinerinnen und Mediziner dazu auf, Donnerstag und Freitag nicht zu öffnen. Die Details.

Via Twitter verbreitete die Gewerkschaft Fotos von Ärzt:innen, die sich dem Protest in mehreren Städten des Landes angeschlossen haben. Vor dem Hintergrund starker Preisanstiege protestieren fast täglich Beschäftigte für bessere Löhne – so etwa auch Mitarbeitenden der Supermarktkette Migros und Beschäftigte beim Lieferdienst Yemek Sepeti.

Die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor hätten sich, wie in anderen Bereichen auch, deutlich verschlechtert, sagte der Generalsekretär der Türkischen Ärztevereinigung, Vedat Bulut, der dpa. Die Belastung sei im Zuge der Pandemie stark gestiegen, zudem habe die Gewalt gegen die Beschäftigten stark zugenommen.

Gewalt gegen Gesundheitspersonal

Einem Bericht der Gewerkschaft Sağlık-Sen zufolge wurden im vergangenen Jahr 316 Mitarbeiter im Gesundheitswesen angegriffen. Immer mehr Ärzte gingen ins Ausland, so Bulut. Allein im Januar seien es 197 Ärzte gewesen, im vergangenen Jahr waren es insgesamt 1.400. Im Jahr 2012 seien es nur 59 gewesen. Oft gehen sie dort anderen Beschäftigungen nach und verdienen damit genauso gut oder gar besser, als wenn sie als Mediziner in der Türkei blieben.

Zukunftssorgen und finanzielle Schwierigkeiten seien die Hauptgründe für die Emigration. Die Türkei kämpft derzeit mit einer Währungskrise und einer Inflation von offiziell knapp 50 Prozent. Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs waren zuletzt immer teurer geworden.

Preise steigen, Löhne sinken

Zum Jahreswechsel wurden die Energiepreise stark angehoben, Strom für Haushalte kostet nun etwa 50 Prozent mehr. Fast täglich verbrennen Menschen aus Protest dagegen öffentlich ihre Rechnungen. Die Gewerkschaft Disk hatte am Mittwoch angekündigt, zu landesweiten Protesten mobilisieren zu wollen.

dpa/dt

21 Februar 2022 0 Kommentare
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Erdoğan-Frust und Lira-Krise: Die Jugend will raus aus der Türkei

von Fremdeninfo 17 Februar 2022
von Fremdeninfo


Erdoğan-Frust und Lira-Krise: Die Jugend will raus aus der Türkei

Von

dtj-online

–

16.02.2022

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Die Generation Z wendet sich von Präsident Erdoğan ab, hat aber auch kein Vertrauen in die Opposition des Landes. Foto: Unsplash

Inflation, Armut, Arbeitslosigkeit: In der Türkei sind die Perspektiven für junge Menschen nicht besonders gut. Ein Großteil von ihnen wünscht sich deswegen eine Zukunft im Ausland. Eine neue Umfrage liefert neue Erkenntnisse.

Fast drei Viertel (72,9 Prozent) der befragten 18- bis 25-Jährigen würden die Türkei gern verlassen, wie aus einer am Dienstag von der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlichten repräsentativen Umfrage hervorgeht. Ein knappes Drittel würde am liebsten in europäischen Ländern leben, weil sie dort unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, mehr Freiheiten und Menschenrechte sowie einen höheren Lebensstandard erwarten.

Nur gut 27 Prozent der Befragten sagten, sie würden weiterhin in der Türkei bleiben wollen. Für Präsident Recep Tayyip Erdoğan lässt die Umfrage nichts Gutes hoffen. Mehr als 80 Prozent der Befragten, von denen viele bei der Wahl im kommenden Jahr erstmals an die Urne treten dürften, sagten, sie hätten kein Vertrauen in den Präsidenten.

Unzufrieden mit der Regierung, aber auch mit CHP und Co.

62,5 Prozent sind allgemein unzufrieden mit der Führung des Landes. Die Politikverdrossenheit scheint hoch: nur 3,7 Prozent vertrauen Politikern. Im Übrigen geben die jungen Türkinnen und Türken nicht allein den Regierungsparteien AKP und MHP die Schuld für die aktuelle Lage. Aus ihrer Sicht sei es auch der Opposition nicht gelungen, eine Alternative zur Regierung darzustellen.

Als die drängendsten Probleme im Land nannten die Teilnehmenden die wirtschaftliche Situation, mangelnde Freiheit und Gerechtigkeit sowie ein schlechtes Bildungssystem.

Hoffnungsloser Blick in die Zukunft

62,8 Prozent der Befragten äußern, dass sie die Zukunft der Türkei nicht positiv sehen. Die Rate der Befragten, die angaben, dass sie die Zukunft der Türkei sogar völlig hoffnungslos sehen, liegt bei 35,2 Prozent. Dies liegt vor allem daran, dass die türkische Jugend einen besonders pessimistischen Blick auf die wirtschaftliche Situation und ihr eigenes Leben hat.

Die Gründe dafür sind hauptsächlich hohe Lebenshaltungskosten für Studenten, die hohe Inflation und die Angst vor einem möglichen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Befragung fand im Sommer 2021 statt – bevor die Inflation also in die Höhe schoss und die Lira massiv an Wert verlor.

Nationalismus als Bindeglied der jungen Gesellschaft

Das Vertrauen ins Militär spiegelt sich auch in der Bedeutung, welche den nationalen Symbolen der Republik zugemessen wird: Die Daten zeigen eine nationalistische junge Gesellschaft, die die nationalen Symbole wie die türkische Flagge (89,7 Prozent), die Republik Türkei als Institution (87,4 Prozent) und das Türkisch-Sein (71,6 Prozent) für äußerst wichtig hält.

Auch der Gründer der Republik, Mustafa Kemal Atatürk, ist weiterhin sehr wichtig für den Großteil (83,3 Prozent) der jungen Bevölkerung. Nationalismus ist in der Türkei nicht negativ konnotiert und wird in gewisser Weise als Orientierung an die Ideale der türkischen Republik aufrechterhalten.

Fünf Millionen Erstwähler

Die „Heimatliebe“ wurde auch deutlich in den Gesprächen, in denen einige junge Menschen erzählten, dass sie aus Verzweiflung ins Ausland gehen wollten, sich aber für einen Verbleib in der Türkei entschieden haben, weil sie Nationalisten sind und ihr Land lieben.

Dennoch distanziert sich die türkische Jugend davon, sich selbst in einen ideologischen Rahmen zu stellen, wie es die Jugend der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre tat. Obwohl die am häufigsten zum Ausdruck gebrachte ideologische Identität „Pro-Atatürk – Kemalist“ (20,5 Prozent) ist, definiert sich fast ein Fünftel (18,8 Prozent) nicht mit einer ideologischen Identität und erklärt, keine Ideologie zu haben und unpolitisch zu sein.

In der Türkei leben mehr als 84 Millionen Menschen. Bei den Kommunalwahlen 2019 waren gut 57 Millionen Menschen wahlberechtigt. Laut der regierungsnahen Denkfabrik Seta werden bei den nächsten Wahlen etwa fünf Millionen Erstwähler ihre Stimme abgeben.

dpa/dtj

17 Februar 2022 0 Kommentare
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Türkei: Opposition trifft sich – aber kann sie auch etwas bewirken?

von Fremdeninfo 16 Februar 2022
von Fremdeninfo

Türkei: Opposition trifft sich – aber kann sie auch etwas bewirken?

Von

dtj-online

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14.02.2022

 
 

 
Von links nach rechts: Temel Karamollaoğlu (Saadet), Kemal Kılıçdaroğlu (CHP), Ali Babacan (Deva), Gültekin Uysal (DP), Ahmet Davutoğlu (Gelecek) und Meral Akşener (İYİ) aßen gemeinsam zu Abend. Foto: Ali Babacan/Twitter

Sechs türkische Oppositionsparteien haben sich auf eine Strategie zur Ablösung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan verständigt.

Gemeinsames Ziel sei, das von Erdoğan eingeführte Präsidialsystem abzuschaffen und das Parlament wieder zu stärken, erklärten die Parteivorsitzenden am Sonntag nach einem Treffen. Die Türkei befinde sich in einer der tiefsten politischen und wirtschaftlichen Krisen ihrer Geschichte. Schuld daran sei vor allem die „willkürliche“ Führung unter dem Präsidialsystem. Details zur Absprache sollen Ende Februar veröffentlicht werden.

Beobachter gehen davon aus, dass die sechs Parteien, darunter die größte Oppositionspartei CHP und die nationalkonservative Iyi-Partei, sich zu einem Bündnis zusammenschließen und einen gemeinsamen Kandidaten für die 2023 geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen aufstellen. An der Absprache nahmen auch jeweils der Chef der islamistischen Saadet Partei, der Demokratischen Partei (DP), der Partei für Demokratie und Fortschritt (Deva) und der Zukunftspartei teil.

Weitgehender Alleinherrscher seit 2017

Die prokurdische Oppositionspartei HDP, die wegen angeblicher Terrorverbindungen unter massivem politischen Druck steht, war nicht vertreten. CHP-Chef Kemal Kılıçdaroğlu wies im Sender Halk TV Vorwürfe zurück, dass man die HDP außen vor lasse.

Im April 2017 hatten die Türken in einem Referendum für den Übergang von einem parlamentarischen zu einem Präsidialsystem gestimmt. Erdoğan ist damit seit seiner Wiederwahl 2018 Staats- und Regierungschef zugleich und mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Er kann etwa per Dekret regieren. Im geschwächten Parlament hat Erdoğans islamisch-konservative AKP mit der ultranationalistischen MHP eine Mehrheit.

dpa/dtj

 

 

 

16 Februar 2022 0 Kommentare
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Steinmeier bleibt Präsident – Plädoyer für Demokratie und Appell an Putin

von Fremdeninfo 15 Februar 2022
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Steinmeier bleibt Präsident – Plädoyer für Demokratie und Appell an Putin

Von

dtj-online

–

14.02.2022

 
 
 
 
Biontech-Gründerin Özlem Türeci (Mitte) steht mit anderen Wahlfrauen vor dem Plenum. Foto: Landesregierung Rheinland-Pfalz

Kontinuität in einer aufgewühlten Zeit: Der bisherige Bundespräsident ist auch der neue. Gewählt haben unter anderem auch einige türkeistämmige Promis und Politiker.

Mit einem deutlichen Appell an Russland sowie einem starken Plädoyer für Demokratie und Mut zu Veränderung geht Frank-Walter Steinmeier in eine zweite Amtszeit als Bundespräsident. „Seien wir nicht ängstlich! Packen wir die Zukunft bei den Hörnern“, forderte er am Sonntag vor der Bundesversammlung nach seiner Wiederwahl. Auf die Zukunft habe nichts bessere Antworten als die Demokratie. Zugleich macht Steinmeier klar: „Wer für die Demokratie streitet, der hat mich an seiner Seite. Wer sie angreift, wird mich als Gegner haben!“

Zuvor hatte die Bundesversammlung den 66-Jährigen mit großer Mehrheit erneut zum Staatsoberhaupt gewählt. Er ist der fünfte Bundespräsident mit einer zweiten Amtszeit. Offiziell beginnt sie am 19. März.

Deutliche Worte an Putin

Mit ungewohnt scharfen Worten wandte sich Steinmeier gleich zu Beginn seiner Rede an den russischen Präsidenten Wladimir Putin und gab ihm klar die Verantwortung für die Eskalation im Ukraine-Konflikt. „Ich appelliere an Präsident Putin: Lösen Sie die Schlinge um den Hals der Ukraine und suchen Sie mit uns einen Weg, der Frieden in Europa bewahrt“, sagte Steinmeier. Der russische Präsident solle nicht den Fehler machen, die Stärke der Demokratie zu unterschätzen.

Aus Washington, Paris und Berlin komme in diesen Tagen die gleichlautende Botschaft: „Wir wollen friedliche Nachbarschaft im gegenseitigen Respekt.“ Frieden müsse immer wieder erarbeitet werden, im Dialog, aber wo nötig, auch mit Klarheit, Abschreckung und Entschlossenheit, betonte Steinmeier. Deutschlands Botschaft an die Nato-Partner in Osteuropa sei: „Sie können sich auf uns verlassen.“

Diskussion mit Corona-Politik-Gegnern suchen

Im ZDF betonte Steinmeier später, auch die Ukraine sollte keine Zweifel an der deutschen Bündnistreue haben. Er verwies auf die diplomatischen Bemühungen und die wirtschaftliche Hilfe Deutschlands für das Land. „Insofern sollten wir unser Licht auch nicht so sehr unter den Scheffel stellen.“

Vor der Bundesversammlung versprach der Bundespräsident, er werde der Auseinandersetzung mit radikalen Gegnern der Corona-Politik nicht aus dem Weg gehen. „Ich werde als Bundespräsident keine Kontroverse scheuen, Demokratie braucht Kontroverse“, sagte er. Die Pandemie habe tiefe Wunden in der Gesellschaft geschlagen. Es gebe heute Frust und Gereiztheit, auch seien Fehler gemacht worden. Aber: „Man zeige mir ein autoritäres System, das besser durch diese Krise gekommen wäre.“ Den Kampf gegen den Klimawandel bezeichnete Steinmeier als „Überlebensfrage der Menschheit“.

Kein ernsthafter Gegenkandidat

An seiner Wiederwahl hatte es von Anfang an keine Zweifel gegeben. Gleich im ersten Wahlgang erhielt er 1045 von 1425 gültigen Stimmen, also rund 73 Prozent. Steinmeier war von den Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP sowie von der CDU/CSU-Opposition nominiert worden.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte anschließend, Steinmeier sei in der Lage, in schwierigen Zeiten Orientierung zu geben. Diese sei nötig mit Blick auf die Pandemie und die Sicherung des Friedens in Europa. „Er ist der richtige Präsident genau zur richtigen Zeit.“ SPD-Chef Lars Klingbeil äußerte die Erwartung, dass sich Steinmeier in seiner zweiten Amtszeit noch stärker in gesellschaftliche Kontroversen einmischen und dem Land Orientierung geben werde.

Lob von allen Seiten

Die Spitze der Grünen hob hervor, es brauche in dieser Zeit eine starke Stimme für den demokratischen Zusammenhalt. „Frank-Walter Steinmeier ist so ein Brückenbauer, der integrierend in die Gesellschaft wirkt“, erklärten die designierten Parteichefs Ricarda Lang und Omid Nouripour sowie die Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge und Britta Haßelmann.

FDP-Chef Christian Lindner nannte Steinmeier auf Twitter eine „berechenbare Größe und eine Stimme für das Beste, was unsere Demokratie ausmacht“. FDP-Fraktionschef Christian Dürr wünschte viel Erfolg für die zweite Amtszeit, „die in gesellschaftlich angespannten Zeiten beginnt“. CDU-Chef Friedrich Merz gratulierte Steinmeier via Twitter, CSU-Chef Markus Söder bescheinigte ihm Souveränität in schwierigen Zeiten. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erklärte: „Er ist ein Bundespräsident, der Deutschland jetzt gut tut.“

Macron gratuliert auf deutsch

Aus Paris gratulierte Frankreichs Regierungschef Emmanuel Macron auf deutsch. „Mögen wir auch weiterhin gemeinsam die kostbare Freundschaft stärken, die Deutschland und Frankreich verbindet, und die europäischen Werte fördern, die wir teilen“, schrieb er auf Twitter. Italiens Staatschef Sergio Mattarella, der mit Steinmeier befreundet ist, äußerte „Freude und eine tiefe Genugtuung“.

Die Kandidaten der anderen Parteien blieben wie erwartet chancenlos. Auf den von der Linken aufgestellten Mediziner Gerhard Trabert (65) entfielen 96 Stimmen, der von der AfD nominierte CDU-Politiker und Ökonom Max Otte (57) erhielt 140 Stimmen. Für die von den Freien Wählern ins Rennen geschickte Physikerin Stefanie Gebauer (41) stimmten 58 Delegierte. SPD, Grüne, FDP und CDU/CSU stellten zusammen 1223 der 1472 Mitglieder der Bundesversammlung.

Bundespräsident kommt von der SPD

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) nutzte die Bundesversammlung zu einem Appell für mehr Mut und Respekt angesichts der aktuellen Krisen. Sie rief Bürger und Politiker auf, auch unter den erschwerten Bedingungen von Corona-Pandemie, Ukraine-Konflikt, Klimawandel und Preissteigerungen nicht die Nerven zu verlieren. „Jede Zeit stellt neue Aufgaben. Mit jedem Schritt vorwärts sind Risiken verbunden“, sagte sie. „Trauen wir uns dennoch Veränderung und Fortschritt zu!“

Der 66-jährige Steinmeier, der seine Parteizugehörigkeit zur SPD als Staatsoberhaupt ruhen lässt, ist seit 2017 Bundespräsident. Zuvor war er von 2005 bis 2009 und dann wieder von 2013 bis 2017 Außenminister. Bei der Bundestagswahl 2009 scheiterte er als SPD-Kanzlerkandidat.

Auch Merkel und Türeci durften wählen

Die Bundesversammlung ist das größte parlamentarische Gremium in Deutschland. Ihre einzige Aufgabe ist die Wahl des Staatsoberhaupts alle fünf Jahre. Sie setzt sich zusammen aus den Abgeordneten des Deutschen Bundestags und einer gleich großen Zahl von Mitgliedern, die die 16 Landtage entsenden. Sie umfasste diesmal 1472 Wahlfrauen und -männer – so viele wie nie zuvor. Wegen der Corona-Pandemie kamen diese nicht wie üblich im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes zusammen, sondern im benachbarten Paul-Löbe-Haus, wo mehr Platz ist.

Mit dabei war am Sonntag auch Ex-Kanzlerin Angela Merkel, die vor der Wahl langen Applaus erhielt. Auf der Liste der Wahlleute standen außerdem Prominente wie Fußball-Bundestrainer Hansi Flick, der Musiker Roland Kaiser, der Astronaut Alexander Gerst, der Virologe Christian Drosten und Biontech-Mitgründerin und Impfstoff-Entwicklerin Dr. Özlem Türeci.

dpa/dtj

 
 
15 Februar 2022 0 Kommentare
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