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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Information

Forscher: Corona-Pandemie hat Integration von Geflüchteten behindert

von Fremdeninfo 23 Mai 2022
von Fremdeninfo

 

Forscher: Corona-Pandemie hat Integration von Geflüchteten behindert

Von

dtj-online

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22.05.2022

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Symbolfoto: Ein Busfahrer ist in Dresden unterwegs. Foto: Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild/dpa

Die Corona-Pandemie hat aus Sicht mancher Wirtschaftsexperten die Integration von Geflüchteten auf dem Arbeitsmarkt deutlich behindert.

„Die bis dahin stetige Aufnahme von Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt wurde vorerst fast gestoppt“, sagte Alexander Kritikos, Wirtschaftswissenschaftler bei DIW Econ, einem Unternehmen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Mit politischen Kampagnen müsse der Integration wieder neuer Schwung verliehen werden.

Im Auftrag der Organisation Tent Partnership for Refugees, einem Netzwerk von mehr als 200 Großunternehmen, hatte das DIW Econ die Integration auf dem Arbeitsmarkt zwischen den Jahren 2015 und 2021 untersucht. Demnach gingen im November 2021 knapp 36 Prozent der Menschen aus einem der acht Länder mit den meisten Auswanderern – darunter Syrien und Afghanistan – einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit in Deutschland nach. Damit hat sich dieser Anteil seit Anfang 2015 nahezu verdoppelt.

Ukraine-Krise nicht einschätzbar

Die Daten beruhen unter anderem auf Angaben aus dem Migrationsmonitor der Bundesagentur für Arbeit. Dort sind inzwischen aktuellere Werte aufgeführt: So lag der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Herkunftsgruppe im Februar dieses Jahres noch bei 35 Prozent.

Zwischen 2015 und 2020 wurden der Untersuchung zufolge rund 1,9 Millionen Asylanträge in Deutschland gestellt. Mehr als die Hälfte davon entfiel auf die Jahre 2015 und 2016. Der überwiegende Anteil der Antragsteller war unter 35 Jahre und männlich.

Das dürfte sich aus Sicht der Expertinnen und Experten mit Blick auf die nun aus der Ukraine ankommenden Menschen deutlich verändert haben. Vor allem Frauen und Kinder haben demnach in den vergangenen Monaten in Deutschland Schutz gesucht. Was das für den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet, bleibt indes ungewiss. Unklar sei etwa, wie viele Geflüchtete überhaupt in Deutschland bleiben wollten. Zudem werde die Kinderbetreuung eine deutlich größere Rolle spiele

23 Mai 2022 0 Kommentare
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Religion

Österreichisches Kopftuchverbot plötzlich kein Thema mehr

von Fremdeninfo 20 Mai 2022
von Fremdeninfo

Österreichisches Kopftuchverbot plötzlich kein Thema mehr

Von

dtj-online

–

20.05.2022

 
 

 
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Im Fokus: das islamische Kopftuch. In Österreich und Frankreich sind wieder einmal Debatten zum Tragen des Kopftuchs in staatlichen Einrichtungen entflammt. Foto: Habib Dadkhah / Unsplash

In österreichischen Kindergärten soll künftig kein Kopftuchverbot mehr gelten. Dies wurde in der letzten Regierung eingeführt. Warum es nun von der neuen Regierung abgeschafft  wurde.

In einer neuen Vereinbarung zwischen der konservativ-grünen Koalitionsregierung und den Bundesländern werde die Regelung nicht mehr enthalten sein, hieß es am Donnerstag aus dem Kanzleramt in Wien. Bereits Ende 2020 hatte der Verfassungsgerichtshof ein entsprechendes Verbot für Grundschulen aufgehoben.

Verfassungsexpert:innen hatten zuletzt festgestellt, dass die Regel für Kindergärten nicht verfassungskonform sein dürfte. Das Verbot von Kopftüchern in Kindergärten war im Jahr 2018 eingeführt worden. Ex-Regierungschef Sebastian Kurz (ÖVP) sowie sein rechter Koalitionspartner FPÖ argumentierten, Parallelgesellschaften verhindern zu wollen.

Neuer Kanzler nicht extrem

Während Kurz häufig vor „sozialen und politischen Gefahren“ im Zusammenhang mit dem Islam warnte, fährt der aktuelle ÖVP-Kanzler Karl Nehammer einen gemäßigteren Kurs.

Burkini-Verbot: Frankreichs Streit um ein Stück Stoff

Der Verfassungsgerichtshof hatte das Kopftuchverbot an Grundschulen als diskriminierend befunden und aufgehoben, weil es muslimische Mädchen von der Bildung fernhalten könnte, und weil es nur für Muslimas gelte, aber nicht für Kopfbedeckungen von Juden oder Sikhs.

dpa/dtj

20 Mai 2022 0 Kommentare
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Salafismus

IS-Kämpferin verlässt Gericht nach Urteil auf freiem Fuß

von Fremdeninfo 18 Mai 2022
von Fremdeninfo

IS-Kämpferin verlässt Gericht nach Urteil auf freiem Fuß

Nach ihrer Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien ist eine 22-jährige Frau zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Sie verlasse damit etwa ein halbes Jahr nach Prozessbeginn das Justizzentrum in Halle auf «freiem Fuß», sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichts (OLG) in Naumburg am Mittwoch. Die Öffentlichkeit war seit dem ersten Prozesstag vom der Verhandlung ausgeschlossen, da die Angeklagte zum Tatzeitpunkt minderjährig war und der Schutz der Persönlichkeit nach Ansicht des Gerichtes besonders gewahrt werden musste.

Das Gericht sah laut Urteilsbegründung die Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz als erwiesen an. Vom Vorwurf der Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit sprach das Gericht die Angeklagte hingegen frei.

Hochzeit mit einem IS-Kämpfer

2015 habe sich die damals 15-jährige Angeklagte dem IS angeschlossen und einen seiner Kämpfer geheiratet, sagte der Gerichtssprecher. Sie habe sich mit den Zielen der Terrormiliz identifiziert und «nach ihren Kräften» zu deren Förderung beigetragen. So sei die Jugendliche unter anderem in einem Krankenhaus der Organisation beschäftigt gewesen. Außerdem besaß sie den Angaben zufolge eine Schusswaffe und hatte vorübergehend «Gewalt über eine Kalaschnikow» – eine Waffe, die dem Kriegswaffenkontrollgesetz unterliegt.

18 Mai 2022 0 Kommentare
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Information

Wieder Frankreich: Burkini-Erlaubnis entzweit das Land

von Fremdeninfo 18 Mai 2022
von Fremdeninfo

 

Wieder Frankreich: Burkini-Erlaubnis entzweit das Land

Von

dtj-online

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17.05.2022

Archivfoto: Eine muslimische Schülerin sitzt in einem Ganzkörperbadeanzug (Burkini) am Rande eines Schwimmbeckens. In Frankreich ist erneut ein Streit um Burkinis ausgebrochen. Foto: Rolf Haid/d

Und wieder streitet Frankreich über Kopftuch & Co. Grenoble lässt künftig Burkinis in Schwimmbädern zu – die Menschen sollen tragen, was sie wollen, meint der Bürgermeister. Kritiker sehen das anders, es gibt Drohungen.

In Frankreich ist erneut ein Streit um Burkinis, die muslimischen Ganzkörperbadeanzüge, losgebrochen. Der Anlass ist lokal: Die Großstadt Grenoble hat am Montagabend nach kontroverser Debatte eine Änderung der Schwimmbadordnung beschlossen. Frauen wird künftig nicht mehr vorgeschrieben, mit wie viel oder wie wenig Stoff sie ins Wasser dürfen. Oben ohne ist vom 1. Juni an ebenso in Ordnung wie Badekleidung, die über Knie und Nacken hinausreicht – wie eben die Burkinis. Manche Kritiker im auf strikte Trennung von Staat und Religion pochenden Frankreich vermuten hinter der Lockerung eine schleichende Islamisierung.

Bürgermeister Éric Piolle, der die Änderung initiierte, sieht darin kein großes Ding. Diskriminierung im Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen müsse vermieden werden, es gehe um den sozialen Fortschritt, dass Menschen zum Baden tragen könnten, was sie wollten, betonte Piolle. „Eigentlich ist es uns egal, ob es ein körperbedeckender Badeanzug ist zum Schutz vor der Sonne oder aus religiösen Gründen, das geht uns nichts an“, sagte der Bürgermeister und beklagte „Debatten von extremer Gewalt“.

Politischer Islam in Schwimmbädern?

Sein konservativer Widersacher im Stadtrat, Alain Carignon, wittert eine illegitime Schützenhilfe für einen politischen Islam und rief zu einem Referendum auf. Außerdem lancierten Burkini-Gegnerinnen und -Gegner eine Petition. „Eine Änderung der Baderegeln würde Forderungen eines politischen Islams erfüllen, das heißt einer totalitären und radikalen Ideologie“, heißt es in dem Aufruf. Mit dem Koran hätten Burkinis nichts zu tun, es gehe um die sexistische Ideologie der Unterwerfung der Frau. Eine Ablehnung von Burkinis sei nicht islamfeindlich, vielmehr könnten Sonderansprüche einzelner Gruppen nicht über die Prinzipien der Republik gestellt werden.

In der neuen Badeordnung wird der Begriff „Badeanzug“ durch den Begriff „Badekleidung“ ersetzt, außerdem entfällt die Festlegung, dass der Badeanzug höchstens von den Knien bis zum Nacken reichen darf. Es bleibt dabei, dass die Badekleidung aus dafür konzipiertem Stoff bestehen und eng anliegen muss. Verboten bleibt Kleidung, die schon vor Betreten des Schwimmbads getragen wurde oder die eine Gefahr für Sicherheit und Hygiene darstellt.

Shitstorm für den Bürgermeister

Obwohl die Vokabel Burkini gar nicht vorkommt, erntete der Bürgermeister in der dreieinhalbstündigen Debatte im Stadtrat heftige Kritik. Er setze die Vorstellungen von Salafisten um und trete Frauenrechte mit Füßen, es handele sich um eine Unterwerfung an den Islam, sagten Gegner.

Schweres Geschütz gegen die Burkini-Pläne in Grenoble fuhr bereits im Vorfeld der konservative Regionspräsident Laurent Wauquiez auf. „Ich warne den Bürgermeister: In diesem Fall wird die Region sämtliche Subventionen für die Stadt Grenoble einstellen. Kein Centime der Bewohner von Auvergne-Rhône-Alpes wird die Unterwerfung an den Islamismus finanzieren.“

Streng laizistisch

Präfekt Laurent Prévost hatte bereits am Sonntagabend gerichtliche Schritte angekündigt, sollte es grünes Licht für das Tragen von Burkinis in öffentlichen Bädern in Grenoble geben. Gemäß der Anweisungen, die er von Innenminister Gérald Darmanin erhalten habe, werde er vor das Verwaltungsgericht ziehen, um eine Aussetzung der Regelung zu erwirken.

Doch warum wird in Frankreich schon seit langem so verbissen über Kopftuch & Co. gestritten? Die Nachbarn verstehen sich als laizistisches Land, in dem eine strikte Trennung von Staat und Religion herrscht. Der Umgang mit religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit sorgt immer wieder für Kontroversen, vor allem im Zusammenhang mit dem Islam.

Kippa und Kreuz ausgenommen

Bereits 1994 trat ein Gesetz in Kraft, das in Schulen nur noch diskrete religiöse Symbole erlaubte. Zehn Jahre später wurden Kopftücher in Schulen vollständig verboten – Kippa und Kreuz nicht. 2010 folgte das Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit, das sogenannte Burka-Verbot.

Um Burkinis gab es bereits im Sommer 2016 einen heftigen Streit in Frankreich. Kommunale Burkini-Verbote, wie etwa an der Côte d’Azur erlassen, erklärte der Staatsrat schließlich für rechtswidrig. Um Burkinis weiterhin von Stränden und aus Bädern zu verbannen, bedienten Kommunen sich danach Vorwänden der Hygiene und der Sicherheit. Die Hauptstadtregion Île-de-France erließ 2017 eine „Charta der Laizität“, die ein Verbot beinhaltete, das 2021 noch einmal bekräftigt wurde. In Grenoble unterdessen probten muslimische Frauen 2019 bereits zweimal mit einem „Swim-In“, einem Badbesuch im Burkini, den Aufstand.

dpa/dtj

18 Mai 2022 0 Kommentare
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Information

Wie pleite ist Hannover wirklich?

von Fremdeninfo 17 Mai 2022
von Fremdeninfo

Von HAZ

 

Wie pleite ist Hannover wirklich?

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300 bis 350 Millionen Euro nimmt die Stadt Hannover durchschnittlich jeden Tag an Krediten auf, um laufende Ausgaben zu finanzieren. Und jeden Tag bezahlt sie eine ähnliche Summe zurück. Was genau wird mit dem Geld eigentlich bezahlt? Wir klären die wichtigsten Fragen zur Finanzmisere der Stadt Hannover.

https://www.haz.de/resizer/tHvWK5-iDvRND–7NFnMmK4VMgk=/84×84/filters:quality(70)/s3.amazonaws.com/arc-authors/madsack/a9d7fe9e-89bb-4e72-845b-499b94a61136.png 84w“ sizes=“(min-width: 0px) 56px“ srcset=“https://www.haz.de/resizer/AGMeUdgkccjk1E9oEzXCmilgr-4=/56×56/filters:quality(70)/s3.amazonaws.com/arc-authors/madsack/a9d7fe9e-89bb-4e72-845b-499b94a61136.png 56w, https://www.haz.de/re

Andreas Schinkel

17.05.2022, 08:28 Uhr

Hannover.Corona-Pandemie, Ukraine-Krise, immer mehr staatliche Aufgaben, die den Kommunen aufgedrückt werden – die finanzielle Lage der Stadt Hannover ist sehr ernst. So schwierig wie jetzt, sei es noch nie zuvor gewesen, sagte Kämmerer und Erster Stadtrat Axel von der Ohe (SPD) kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung. Indiz dafür ist die Höhe der kurzfristigen Kredite („Kassenkredite“), die die Stadt in Anspruch nehmen muss, um laufende Ausgaben zu finanzieren. Bis zu 350 Millionen Euro braucht sie derzeit, um alle Rechnungen bezahlen zu können. Befindet sich Hannover am Rande einer Pleite? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was sind überhaupt Kassenkredite?

Kassenkredite sind kurzfristige Kredite, die eine Kommune aufnimmt, um finanzielle Engpässe zu überbrücken. Häufig werden sie mit einem Dispokredit verglichen. Die Stadt überzieht gewissermaßen ihr Konto, um ihre Rechnungen bezahlen zu können.

Und wie läuft die Kreditaufnahme in der Praxis?

Die Kämmerei leiht sich das Geld tagesaktuell je nach Liquiditätsbedarf. Die Experten telefonieren morgens mit verschiedenen Banken und suchen nach dem günstigsten Angebot. Bereits am nächsten Tag zahlt die Stadt das Darlehen wieder zurück, etwa aus dem Erlös von Grundstücksverkäufen oder aus Gewerbesteuerzahlungen von Unternehmen. Da der Liquiditätsbedarf aktuell auch am nächsten Tag hoch bleibt, beginnt der Prozess von Neuem. Das hat Vorteile: Durch die tagesaktuelle Kreditaufnahme bleiben die Konditionen günstig, aber auch rechtlich ist das in Niedersachsen so vorgeschrieben. Kredite auf der sogenannten „Over-Night“-Basis („über Nacht“) werden solche Darlehen genannt. Derzeit liegt der tägliche Geldbedarf der Stadt zwischen 300 und 350 Millionen Euro.

Was bezahlt die Stadt mit solchen Krediten?

Meist sind es größere Posten, die die Stadt mit kurzfristigen Krediten finanziert, etwa Lohnzahlungen für Mitarbeiter oder die Regionsumlage, also Überweisungen an die Regionsverwaltung.

„(min-width: 1009px) 596px“ media=“(min-width: 1009px)“>Derzeit geschlossen: das Fössebad. Betonteile drohten, von der Decke zu fallen. Das Bad soll für 30 Millionen Euro neu errichtet werden. Die Sanierung aller hannoverschen Bäder verschlingt 21 Millionen Euro.

Derzeit geschlossen: das Fössebad. Betonteile drohten, von der Decke zu fallen. Das Bad soll für 30 Millionen Euro neu errichtet werden. Die Sanierung aller hannoverschen Bäder verschlingt 21 Millionen Euro.

© Quelle: Moritz Frankenberg

Welche Konditionen bekommt die Stadt?

In der vergangenen Woche hat die Stadt noch Geld dazu bekommen, als sie Schulden machte. Der Zinssatz für Kassenkredite lag bei minus 0,47 Prozent. Das dürfte in dieser Woche ähnlich sein. Doch ein Trend ist abzusehen: Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass der Leitzins noch in diesem Sommer angehoben wird, und dann kann es teuer werden für die Stadt.

Steht Hannover jetzt kurz vor der Pleite?

Nein. Zwar sind die Kassenkredite für hannoversche Verhältnisse außerordentlich hoch, aber im Vergleich zum Haushaltsvolumen und zur Anzahl der Einwohner relativieren sich die Zahlen. Rund 14 Prozent vom Gesamthaushalt machen die Kassenkredite derzeit aus. Die Kämmerei hat sich in der Corona-Krise sogar einen erhöhten Kreditrahmen von 800 Millionen Euro vom Rat genehmigen lassen, ohne dass die Kommunalaufsicht, eine Behörde des Innenministeriums, zustimmen musste. Diesen Rahmen hat die Stadt aber nie ganz ausgeschöpft. Bei der Pro-Kopf-Verschuldung liegt Hannover derzeit bei 560 Euro pro Einwohner. Das hört sich viel an, aber Kommunen in Nordrhein-Westfalen kennen ganz andere Zahlen. In Oberhausen liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 7300 Euro, in Mühlheim an der Ruhr bei 6400 Euro. Die Kassenkredite übersteigen in diesen Kommunen die Milliardengrenze.

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Die Fassade bröckelt: Darum ist Hannovers Bauamt seit vielen Jahren eingerüstet. 45 Millionen Euro kostet eine Sanierung des Gebäudes.

© Quelle: Michael Thomas

Wie kommt die Stadt runter von den Schulden?

Die Rathausspitze setzt auf eine sogenannte Aufgabenkritik. Das bedeutet, dass sich die Verwaltung von verschiedenen Dienstleistungen trennt, um laufende Ausgaben zu reduzieren. Welche Leistungen das sein könnten, sollen jetzt Unternehmensberater herausfinden. Sie durchforsten derzeit die Abteilungen und legen voraussichtlich noch in diesem Jahr Vorschläge vor, wo der Rotstift angesetzt werden könnte. Zugleich könnte die Stadt ihre Einnahmen erhöhen, indem sie an der Gebühren- und Steuerschraube dreht.

Was könnte Hannover mit 300 bis 350 Millionen Euro anfangen?

Wenn es nicht laufende Rechnungen wären, die die Stadt mit den Kassenkrediten finanzieren müsste, könnte man mit einer solchen Summe viel machen. Etwa das Stadtbahnnetz ausweiten: Die Stadtbahnverlängerung nach Hemmingen kostet rund 77 Millionen Euro für etwas mehr als drei Kilometer Länge. Oder marode öffentliche Gebäude flott machen: Das seit Jahren eingerüstete Bauamt neben dem Rathaus müsste komplett saniert werden. Die Kosten schätzt die Stadt auf 45 Millionen Euro. Oder die Bäder erneuern: 21 Millionen Euro kostet die Reparatur der hannoverschen Schwimmbäder, nicht eingerechnet ist der Neubau des Fössebads für mindestens 30 Millionen Euro.

 

17 Mai 2022 0 Kommentare
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Özdemir kritisiert Indiens Ausfuhrstopp für Weizen

von Fremdeninfo 17 Mai 2022
von Fremdeninfo

 

Özdemir kritisiert Indiens Ausfuhrstopp für Weizen

Von

dtj-online

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16.05.2022

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14.05.2022, Baden-Württemberg, Stuttgart: Cem Özdemir, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, spricht bei der Abschluss-Pressekonferenz des G7-Treffens der Agrarminister zu Journalisten. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die G7-Staatengruppe tritt angesichts steigender Getreidepreise für freie Märkte ein – da kommt der indische Exportstopp zum falschen Moment. Minister Özdemir findet deutliche Worte.

Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) hat sich für offene Märkte ausgesprochen und den indischen Exportstopp für Weizen kritisiert. „Wir haben alle miteinander, gerade die großen Exportnationen, auch eine Verantwortung für den Rest der Welt“, sagte Özdemir am Samstag in Stuttgart nach Abschluss des Treffens mit seinen Amtskollegen der G7-Industriestaatengruppe. „Ich sehe das sehr kritisch“, sagte er mit Blick auf die Entscheidung Neu Delhis.

Nach dem Willen der Ressortchefs sollen die G7-Staats- und Regierungschefs nun über das Thema beraten, wie Özdemir berichtete. Indien sei beim Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern Ende Juni zu Gast. Deutschland führt derzeit die Staatengruppe. Die internationalen Getreidemärkte sind wegen des Russland-Ukraine-Kriegs besonders angespannt, die Preise gehen nach oben. Der Höhenflug bedroht insbesondere arme Länder, die auf Importe angewiesen sind.

Neue Aufgaben für G20

Die G7 sprechen sich Gastgeber Özdemir zufolge grundsätzlich gegen Exportstopps aus. „Wir rufen dazu auf, die Märkte offen zu halten.“ Indien als weltweit zweitgrößter Weizenproduzent hatte zuvor angekündigt, die Ausfuhr des Getreides mit sofortiger Wirkung zu verbieten. Die Entscheidung sei angesichts des Anstiegs der weltweiten Weizenpreise getroffen worden, wodurch Neu Delhi die Lebensmittelsicherheit Indiens gefährdet sieht.

Die G7 wollen laut Özdemir die Preise für Produktions- und Lebensmittel stärker überwachen als bisher, dabei gehe es beispielsweise um Düngemittel. Dazu solle das Agrarinformationssystem der G20-Gruppe der Industrie- und Schwellenländer gestärt werden.

Ernährungssicherheit und Klimaschutz vereinen

„Es darf keine übermäßige Lagerhaltung von Agrarprodukten in einzelnen Ländern geben – das ist unsolidarisch und führt zu weiteren Preissteigerungen“, sagte Özdemir. Der G7-Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

Özdemir sieht nach eigenen Worten „Rückenwind“ aus den Reihen der G7 für seine Agrarpolitik. Die Gruppe stimme überein, dass Ernährungssicherung, Klimaschutz und Erhalt der Biodiversität nur im Dreiklang erreicht werden könne.

Der Krieg in der Ukraine habe den Druck auf die weltweiten Ernährungssysteme erhöht, resümierte der Berliner Ressortchef. Nach einer Debatte mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Mykola Solskyj sicherten die Ministerinnen und Minister bereits am Freitag Hilfe zu. Dabei geht es unter anderem um den Getreideexport aus dem kriegserschütterten Land. „Putins Krieg verstärkt den Hunger in der Welt“, sagte Özdemir mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin.

Neue Routen für Transport

Die G7 prüft nun Alternativen zum Schiffstransport von Getreide aus der Ukraine, um die russische Blockade zu brechen. Nachdem es beim Schienentransport über Rumänien wegen der unterschiedlichen Spurbreite der Bahnen Probleme gebe, prüfe man etwa die Ausfuhr über die baltischen Häfen, sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Samstag zum Abschluss eines G7-Treffens nahe dem Weißenhäuser Strand an der Ostsee.

Die Gruppe der G7 forderte Russland auf, die Blockade ukrainischer Getreideexporte zu beenden. Russlands grundloser Krieg in der Ukraine habe die globalen Wirtschaftsaussichten mit stark steigenden Nahrungsmittel-, Kraftstoff- und Energiepreisen verschlechtert, hieß es in einer beim Treffen der Außenminister verabschiedeten Erklärung. Rund 43 Millionen Menschen stünden nur einen Schritt entfernt von einer Hungersnot. Es drohe Ernährungsunsicherheit und Unterernährung.

dpa/dtj

17 Mai 2022 0 Kommentare
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Bratwurstbude“: Deniz Yücel schmeißt als PEN-Präsident hin

von Fremdeninfo 16 Mai 2022
von Fremdeninfo

Bratwurstbude“: Deniz Yücel schmeißt als PEN-Präsident hin

Von

dtj-online

–

14.05.2022

 
 
 

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13.05.2022, Thüringen, Gotha: Christoph Nix, PEN-Mitglied, steht neben Deniz Yücel (l), Präsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland, zu Beginn der Mitgliederversammlung am Rednerpult. Foto: Martin Schutt/dpa

Es war die wohl kürzeste Amtszeit in der Geschichte des deutschen PEN: Nach nur siebenmonatiger Amtszeit warf Deniz Yücel als Präsident der Schriftstellervereinigung hin. Vorangegangen waren heftige Debatten und ein nur knapp gescheiterter Antrag. 

Nach dem überraschenden Rücktritt des PEN-Präsidenten Deniz Yücel ist eine Neuausrichtung der Schriftstellervereinigung nötig. Die Mitgliederversammlung des PEN-Zentrums Deutschland wollte am Samstag erneut im thüringischen Gotha zusammentreffen. Am Freitag hatten Mitglieder appelliert, endlich wieder zu Sachlichkeit zurückzukehren – fraglich ist, ob das rasch gelingt. An Sichtbarkeit hat PEN mit den teils öffentlich ausgetragenen Streitereien der letzten Monate gewonnen, an Ansehen wohl nicht.

Für seinen Rücktritt fand Yücel am Abend keine sachliche Formulierung: „Ich will keine Galionsfigur für diese Bratwurstbude sein“, sagte der 48-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Der Journalist erklärte zugleich seinen Austritt aus der Vereinigung. Kurz zuvor war ein Antrag auf die Abwahl von Yücel knapp gescheitert: Von 161 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 75 gegen die Abberufung, 73 dafür.

„Wichtigtuer und Selbstdarsteller“

Der 48-Jährige war erst im vergangenen Oktober an die Spitze des PEN-Zentrums gerückt. Der Führungsstil der Spitzenriege und interne Querelen hatten seither zu heftigem Streit in der Vereinigung geführt und diese entzweit. Dabei ging es unter anderem um Beleidigungen, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Auch in Gotha wurde bei der Jahresversammlung am Freitag über Stunden hitzig und in sehr aufgebrachter Stimmung debattiert.

Die Mehrheit der Mitglieder seien „Wichtigtuer und Selbstdarsteller“, die den Verein gekapert hätten und für die verfolgte Autoren nur Beiwerk seien, rechnete Yücel am Abend emotional mit der Vereinigung ab. Die schwelenden Konflikte und Spannungen wären, wenn nicht in diesem Präsidium, dann in einem anderen ausgebrochen. Der 48-Jährige hatte sich schon zum Auftakt des Treffens mit Buh-Rufen und Beleidigungen konfrontiert gesehen.

Das PEN-Zentrum Deutschland hat nach eigenen Angaben 770 Mitglieder und ist eine der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im internationalen PEN vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists und Novelists.

dpa/dtj

16 Mai 2022 0 Kommentare
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Nato-Beitritt von Finnland und Schweden: Erdoğan zurückhaltend

von Fremdeninfo 14 Mai 2022
von Fremdeninfo

Nato-Beitritt von Finnland und Schweden: Erdoğan zurückhaltend

Von

dtj-online

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14.05.2022

 
 

 
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Erdoğan zufolge stehen einige der skandinavischen Länder der PKK offen gegenüber. Foto: İletişim Başkanlığı

Jahrzehntelang waren Schweden und Finnland neutral. Doch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Lage fundamental verändert – in wenigen Tagen schon könnte es ernst werden. 

Die US-Regierung hat sich, anders als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, für einen Nato-Beitritt Finnlands und Schwedens ausgesprochen. „Die Vereinigten Staaten würden einen Nato-Beitritt Finnlands oder Schwedens unterstützen, sollten diese sich dafür entscheiden“, sagte die Top-Diplomatin des Außenministeriums für Europa, Karen Donfried, am Freitag. Ein formeller Mitgliedsantrag der beiden Länder wäre ein „weiterer Beweis für die strategische Fehlkalkulation“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Finnland und Schweden seien „geschätzte Nato-Partner“ und „blühende Demokratien“, so Donfried. Mit Blick auf Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdoğan sagte die Top-Diplomatin, dass nun die Position der Türkei geklärt werden müsse. Erdoğan hatte gesagt: „Derzeit beobachten wir die Entwicklungen bezüglich Schwedens und Finnlands, aber wir haben keine positive Meinung dazu.“ Skandinavische Länder seien „Gasthäuser für Terrororganisationen“ wie die PKK. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied des Bündnisses. Den Statuten des Verteidigungsbündnisses zufolge muss jede Entscheidung über eine Erweiterung einstimmig getroffen werden.

Biden telefoniert mit Andersson

US-Präsident Joe Biden telefonierte am Freitagmorgen (Ortszeit) mit Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und dem finnischen Präsident Sauli Niinistö. Biden habe in dem Gespräch die Unterstützung für die Nato-Politik der offenen Tür bekräftigt, hieß es aus dem Weißen Haus. Er habe außerdem betont, dass Schweden und Finnland das Recht hätten, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden. US-Außenminister Antony Blinken reist am Samstag zu informellen Beratungen der Nato-Außenminister nach Berlin.

Finnland und Schweden sind bereits enge Partner der Nato, waren aber traditionell bündnisfrei. Russlands Einmarsch in die Ukraine löste in beiden Ländern eine intensive Nato-Debatte aus.

dpa/dtj

 

 

 

 

 

 

 

 

14 Mai 2022 0 Kommentare
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Türkischer Kassationshof bestätigt Urteil gegen Kaftancıoğlu

von Fremdeninfo 13 Mai 2022
von Fremdeninfo

Türkischer Kassationshof bestätigt Urteil gegen Kaftancıoğlu

Von

dtj-online

–

13.05.2022

 
 
 

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Parteichef Kılıçdaroğlu umarmt Kaftancıoğlu während einer Unterstützungsdemo vor der Parteizentrale in Istanbul. Foto: CHP İstanbul İl Başkanlığı

Der Kassationshof (türkisch: Yargıtay) hat Haftstrafen von insgesamt rund fünf Jahren sowie ein Politikverbot gegen Canan Kaftancıoğlu bestätigt. Will Ankara damit den Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu schwächen?

Canan Kaftancıoğlu dürfe sich damit fünf Jahre lang nicht mehr politisch betätigen, sagte ihr Anwalt Ergün Özer der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Er kündigte Einspruch an. Ob Kaftancıoğlu die Haftstrafe antreten muss, war zunächst unklar.

Kaftancioglu ist CHP-Vorsitzende der Provinz Istanbul und eine einflussreiche Unterstützerin ihres Parteikollegen Ekrem Imamoglu – dem Bürgermeister von Istanbul. Sie wurde im Jahr 2019 wegen mehrerer Anklagepunkte, darunter Präsidentenbeleidigung und öffentlicher Herabwürdigung des türkischen Staates, zu fast zehn Jahren Haft verurteilt worden.

„Weggefährte“ des Erdoğan-Rivalen

Das Oberste Gericht in Ankara bestätigte nach Angaben des Anwalts nun die Urteile in drei Anklagepunkten mit einer Freiheitsstrafe von 4 Jahren, 11 Monaten und 20 Tagen. Urteile wegen Terrorpropaganda und Volksverhetzung hob das Gericht demnach auf. Die Anklage hatte sich auf Twitter-Nachrichten aus den Jahren 2012 bis 2017 gestützt.

Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu rief alle Abgeordneten seiner Partei dazu auf, sich aus Protest umgehend zur Istanbuler Parteizentrale zu begeben. Der Istanbuler Bürgermeister İmamoğlu bezeichnete Kaftancıoğlu als seinen „Weggefährten“ und verurteilte die Entscheidung als politisch motiviert.

Strebt İmamoğlu Präsidentschaftskandidatur an?

İmamoğlu wird von einigen als Oppositionskandidat gegen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr gehandelt. Der Sieg İmamoğlus bei der Bürgermeisterwahl 2019 hatte Symbolwert: Davor wurde die Metropole mehr als 25 Jahre lang von Erdoğans Regierungspartei AKP regiert.

dpa/dtj

 

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Mafia-Rhetorik als Staatsjargon in der Türkei

von Fremdeninfo 12 Mai 2022
von Fremdeninfo

Mafia-Rhetorik als Staatsjargon in der Türkei

Von

dtj-online

–

11.05.2022

 
 
 
Innenminister Süleyman Soylu (r.) und Oppositionspolitiker Ümit Özdağ gehen nicht gerade zimperlich miteinander um. Collage: DTJ

„Junge, ich werde dich finden!“, „Du Operationskind, Du Soros-Kind!“, „Du bist kein Mann“. Diese Worte stammen aus den höchsten Reihen der türkischen Politik. Dieser niveaulose Jargon, der stark an die Mafia erinnert, ist mittlerweile in aller Munde. Und das ist vielleicht eine Erklärung dafür, warum so viele Figuren aus der Unterwelt in der türkischen Öffentlichkeit spielen. Treiber dieses Stilbruchs ist unter anderem der türkische Innenminister.

Sedat Peker ist zu einem der wichtigsten Gesichter der jüngeren türkischen Geschichte geworden. Wie ihm das gelungen ist? Der Mafia-Pate hat mit seinen Enthüllungen die gesamte innenpolitische Lage des Landes auf den Kopf gestellt. In 10 Youtube-Folgen hat Peker kurzerhand offengelegt, dass türkische Regierungsmitglieder in Drogengeschäfte verwickelt und sogar an Ermordungen beteiligt sind.

Mittlerweile ist es um den in Abu Dhabi im puren Luxus verweilenden Peker wieder still geworden. Auch seine alternativen bzw. indirekten Sprachrohre wie die Exil-Journalisten Erk Acarer und Cevheri Güven bringen keine echten Neuigkeiten mehr über Pekers Rachefeldzug. Doch das vergangene Jahr 2021 hat Peker dominiert und seine „Ruhe vor dem Sturm“ bereitet der türkischen Regierung nach wie vor Kopfzerbrechen.

Innenminister Soylu setzt fast nur noch auf Mafia-Rhetorik

Nichtsdestotrotz hat der gesamte Prozess rund um die Peker-Enthüllungen bislang einiges zutage gefördert. Zum Beispiel, dass der türkische Innenminister Süleyman Soylu zum einen leicht zu provozieren ist und zum anderen in seinen Formulierungen bei laufender Kamera gerne unter die Gürtellinie rutscht. Denn unmittelbar nach den ersten Peker-Videos begann Soylu mit seinen streng gemaßregelten Live-Interviews in diversen türkischen Sendern. Bis heute sinkt die Hemmschwelle des aktuell höchsten Verantwortlichen für die innere Sicherheit der Türkei immer weiter. Seine aggressive Wortwahl bezieht sich nicht mehr nur auf Mafiosis, sondern auch auf einfache Oppositionelle.

Zuletzt sprach Soylu in einem TV-Interview über den Oppositionspolitiker Ümit Özdağ. Soylu bezeichnete ihn als „Operationskind“. In der niederen türkischen Umgangsform gilt dieses Wort als indirekter Ausspruch des Fluches „Hurensohn“. Dass Soylu seinen Adressaten in gleichem Atemzug auch „Soros-Kind“ nannte, untermauert diesen Angriff auf die Eltern besagter Person.

„Junge, ich werde dich finden!“

Gleichzeitig meinen beide Begriffe, dass Ümit Özdağ ein Verräter auf dem Gehaltszettel des Milliardärs und Philanthropen George Soros sei. Wie in vielen anderen Ländern ist Soros auch in türkischen populistischen Kreisen ein verschwörungstheoretisches Feindbild.

Obwohl die verbalen Ausraster des türkischen Innenministers hinlänglich bekannt sind, hat sich der Oppositionspolitiker Özdağ hiervon verleiten lassen. „Da die Beleidigungen nicht nur meine eigene Person, sondern auch meine Familie tangieren, werde ich vor das Innenministerium gehen. Unbewaffnet. Süleyman, Junge, ich werde dich finden. Dann werden wir sehen, wer ein „Operationskind“ und ein „Soros-Kind“ ist und wer nicht“, erwiderte er als Antwort auf Soylus Angriff.

Und der Vorsitzende der Sieges-Partei ließ seinen Worten tatsächlich Taten folgen. Soylu hingegen ließ die Einladung zum Duell vor dem Innenministerium verstreichen. Deshalb habe die Türkei gesehen, dass Soylu Angst habe und nicht „Manns genug“ sei, so Özdağ. Dieser Streit werde nun so lange weitergehen, bis einer der beiden Personen sterbe.

Schlechte Aussichten auf bessere Zeiten in der Türkei

Angesichts der immer näher rückenden Wahlen 2023 ist aktuell davon auszugehen, dass sich die Eskalationsspirale weiter dreht. Ganz zum Leidwesen der von der Wirtschaftskrise gepeinigten türkischen Bevölkerung. Denn weder Regierung noch Opposition stricken an konstruktiven Plänen zur Stabilisierung der türkischen Wirtschaft. Lediglich die von Ali Babacan geführte DEVA-Partei macht das zum Thema Nummer eins. Für eine echte Verbesserung sei es wichtig, das Vertrauen ausländischer Investoren und Unternehmen wieder zu gewinnen.

Vertreter anderer Parteien hingegen spielen das Spiel anders und lassen sich in ihrer Rhetorik auf die Kampfansagen türkischer Regierungsmitglieder ein. Dazu zählen auch andere Hoffnungsträger wie Meral Akşener von der IYI-Partei oder auch gelegentlich Kemal Kılıçdaroğlu von der CHP. Die Zeichen stehen schlecht. Ein weiterer Wahlkampf unter der Gürtellinie kommt auf die Menschen in der Türkei zu.

 

 

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