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Flüchtlinge

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Kultur

Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

 

Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

Von

Murat Gökmen

–

01.01.2023

https://dtj-onl“Mehmed vs Vlad Netflix“
Sultan Mehmed II. (l.), der als Eroberer Konstantinopels seinen Beinamen „Fatih“ erwarb, kämpft gegen Vlad III., der einst mit ihm zusammen am osmanischen Hof aufwuchs und später rebellierte. Foto: Screenshot/Netflix

Im Rahmen der Netflix-Themenserie „Der Aufstieg von Weltreichen“ war bereits 2020 die erste Staffel zum Osmanischen Reich erschienen. Damals ging es um die Eroberung von Konstantinopel. Seit Donnerstag können sich Geschichtsinteressierte nun die zweite Staffel anschauen. Sie dürfte aber durchaus ein größeres Publikum ansprechen. Eine Rezension.

„Unsere Vorfahren ritten (ihre Pferde) 600 Jahre lang auf drei Kontinenten“, heißt es im Türkischen gerne, wenn über das osmanische Erbe gesprochen wird. Damit wird einerseits der Stolz auf die Vorfahren ausgedrückt, andererseits auch die Bewunderung über die Stärke des einstigen Weltreichs. Doch sieht man sich den Satz genauer an, bedarf er einer kleinen Korrektur.

Dass das Reich 600 Jahre lang existierte, entspricht den Tatsachen. Genauer gesagt bestand es sogar 623 Jahre fort, wenn man seine Entstehung auf das Jahr 1299 datiert. Ebenfalls richtig ist, dass sich der Herrschaftsbereich der Osmanen auf drei Kontinente erstreckte. Allerdings nicht von Anfang an bis zum Ende, wie der eingangs erwähnte Satz suggeriert, sondern zunächst auf (Klein-)Asien, dann ab Mitte des 14. Jahrhunderts auf (Südost-)Europa, später dann ab dem 16. Jahrhundert auch auf (Nord-)Afrika. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 16. und 17. Jahrhundert galt der osmanische Sultan als mächtigster Herrscher der Welt. Zwar verloren er und seine Nachfolger danach nach und nach Gebiete, doch im Kern blieb der Einfluss des Reiches bis zu seinem Ende auf drei Kontinenten bestehen.

Zum Weltreich bzw. Imperium wurde das Reich, wie bereits die erste Netflix-Staffel zeigt, mit der Eroberung Konstantinopels, das heute Istanbul heißt. Der Sultan, dem dies gelang, hörte auf den Namen Mehmed. Er war der zweite mit diesem Namen im Hause Osman, sein Vorgänger war sein Großvater, der vor seiner Geburt verstarb. Um Mehmed II., der mit der Einnahme der damaligen Weltstadt den Lauf der Geschichte entscheidend veränderte und prägte, geht es nun auch in der zweiten Staffel, die seit Donnerstag auf Netflix zu sehen ist.

Wie Brüder aufgewachsen, zu Feinden geworden

Der historische Stoff, der behandelt wird, ist besonders und gibt viel her. Eine gute Wahl von Netflix, die beiden historischen Persönlichkeiten Mehmed II. und Vlad, die beide im 15. Jahrhundert lebten, aufzugreifen und sie als Gegenspieler zu präsentieren, auch wenn der Sultan der deutlich mächtigere der beiden ist.

Vlad war der Sohn des osmanischen Vasallen in der Walachei, Vlad II. Dieser entschied sich laut Netflix-Darstellung nach Druck Sultan Murads II., als Zeichen seiner Treue seine beiden Söhne als Faustpfand am Hof Murads zu lassen. Neben Vlad ist das noch Radu. Sie wachsen gemeinsam mit dem späteren Mehmed II. auf, der der Sohn von Murad ist. Die Söhne von Vlad werden am osmanischen Hof als dessen potentieller Nachfolger aufgezogen. Und tatsächlich wird Vlad später Fürst, sogenannter Woiwode, der Walachei. Als solcher ist er zwar autonom, aber tributpflichtig gegenüber dem Osmanischen Reich. Er muss eine jährliche Abgabe zahlen und im Falle eines Kriegszugs des Sultans Soldaten zur Verfügung stellen. Seine Weigerung und Provokationen führen dazu, dass Mehmed II. schließlich gegen den aufmüpfigen Fürsten zu Felde zieht.

In den Folgen werden mehrere Szenerien eingespielt, die Mehmed und Vlad, die beide etwa gleich alt gewesen sein müssen, in ihrer Kindheit zeigen, wie sie miteinander spielen, kämpfen, wetteifern. Sie nennen sich gegenseitig immer wieder „mein Bruder“, wobei deutlich wird, dass sich Vlad nicht als Osmane und erst recht nicht als Teil der osmanischen Familie versteht. Radu hingegen, der jünger als Vlad ist, kann sich schon eher mit seinem neuen Umfeld identifizieren. Als Nebendarsteller taucht er in der Staffel in nahezu allen sechs Folgen auf.

Schauspieler-Wahl gut bis mittelmäßig

Während Mehmed wie in der ersten Staffel von Cem Yiğit Üzümoğlu verkörpert wird, übernimmt der Rumäne Daniel Nuță die Rolle von Vlad. Und das macht er recht gut. Seine feindselige Einstellung gegenüber den Osmanen im Allgemeinen und Mehmed im Besonderen wird in jeder Folge gut sichtbar. Auch seine Grausamkeit – sein Beiname lautete „der Pfähler“ – kommt oft genug zum Ausdruck.

Üzümoğlu hingegen ist eine eher mittelmäßige Wahl. Zwar schafft er es, das (taktische) Genie von Mehmed II. widerzuspiegeln, doch gelingt es ihm nicht ganz, den wohl bedeutendsten osmanischen Sultan gut zu spielen. Treffen die beiden aufeinander, wirkt es manchmal, als sei Vlad der überlegene. Historisch betrachtet war das sicherlich nicht so.

Vlad und Mehmed II. überleben die Schlacht, Vlad verliert aber seine Macht

Die Macher der Staffel orientieren sich weitestgehend an den verfügbaren Quellen und lassen auch regelmäßig Historiker und Experten zu Worte kommen. Hin und wieder lassen sie aber auch ihrer Fantasie freien Lauf, um zu zeigen, wie es gewesen sein könnte. Anders wäre es aber auch nicht möglich, solches Filmmaterial zu produzieren. Kameraführung und Musikauswahl tragen zur Dramaturgie bei und sind durchaus in der Lage, das Publikum zu fesseln. Vor allem gelingt das in der nächtlichen und entscheidenden Schlacht im osmanischen Hauptlager, die zu großen Verlusten auf osmanischer Seite geführt haben soll, am Ende aber dank der Überlegenheit der Janitscharen, der schier unüberwindbaren Elite-Einheit des Sultans, zu dessen Gunsten ausging.

Unser Fazit, ohne allzu viel verraten zu wollen: Trotz leichter Abstriche eine gelungene Produktion über die Auseinandersetzung zwischen „David und Goliath“, die durchaus Lust auf mehr bzw. eine weitere Staffel macht.

Wie fandet ihr die zweite Staffel? Diskutiert mit auf unserer Facebookseite!

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Flüchtlinge in NRW: Wie viele Menschen suchen Schutz bei uns?

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo

Flüchtlinge in NRW: Wie viele Menschen suchen Schutz bei uns?

Artikel von Sandra Liermann

 Es gab ständig Fliegeralarm, der Flughafen wurde bombardiert, das Internet ist zusammengebrochen. Es herrschten Angst und Panik“, erinnert sich Bogdan Tereschenk an die letzten Tage in seiner Heimatstadt Dnipro. Der 16-jährige Ukrainer lebt seit einigen Monaten in Sankt Augustin.

So wie mehr als 200.000 weitere Menschen ist Bogdan vor dem Krieg in der Ukraine geflohen und in Nordrhein-Westfalen gelandet. Doch nicht nur aus der Ukraine kommen Flüchtlinge nach NRW. In Russland machen sich junge Männer auf den Weg, um einer Einberufung zu entgehen, in Syrien herrscht nach wie vor Bürgerkrieg und auch viele Türken sind wohl wieder auf dem Weg, um der Inflation, die mehr als 80 Prozent beträgt, zu entfliehen.

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Zahl der Flüchtlinge weltweit deutlich gestiegen

Noch nie waren weltweit so viele Menschen auf der Flucht wie zurzeit, schreibt das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR): weltweit rund 103 Millionen. Die Zahl umfasst Flüchtlinge, Asylsuchende, Binnenvertriebene und andere schutzbedürftige Menschen. 

Als Flüchtling im juristischen Sinne gelten nur Personen, die sich nach der Genfer Flüchtlingskonvention aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Ethnie, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung außerhalb des Landes befinden, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen. Auf Menschen, die vor Krieg oder Kriegsfolgen fliehen, bezieht sich die Genfer Flüchtlingskonvention nicht explizit. Das UNHCR vertritt jedoch den Standpunkt, auch diese Menschen als Flüchtlinge anzusehen.

Mehr als eine Million Menschen auf der Flucht sind 2022 nach Deutschland gekommen, der Großteil von ihnen aus der Ukraine. Ihre genaue Zahl kann nur geschätzt werden, da sie hierzulande kein Asylverfahren durchlaufen müssen, oft bei Verwandten oder Bekannten unterkommen und sich nicht immer registrieren lassen. In Nordrhein-Westfalen sind etwas mehr als 2000 Geflüchtete aus der Ukraine in Landeseinrichtungen untergebracht, Schätzungen gehen insgesamt jedoch von mehr als 200.000 Ukrainerinnen und Ukrainern aus, die in NRW untergekommen sind.

40 Prozent mehr Asylanträge als vor einem Jahr

Auch aus anderen Ländern haben in diesem Jahr wieder mehr Menschen Schutz in Deutschland gesucht, verglichen mit Ukrainerinnen und Ukrainern sind das aber nicht viele: Bis Ende Oktober gingen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) rund 160.000 Erstanträge auf Asyl ein – dennoch fast 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die meisten Antragssteller kamen aus Syrien, gefolgt von Menschen aus Afghanistan und der Türkei. Mehr als 30.000 Anträge wurden in Nordrhein-Westfalen gestellt.

Rund ein Fünftel aller Geflüchteten, die nach Deutschland kommen, muss das Bundesland Nordrhein-Westfalen aufnehmen. Das legt der sogenannte „Königsteiner Schlüssel“ fest, der die Verteilung von Asylsuchenden auf die verschiedenen Bundesländer regelt. Berücksichtigt werden dafür unter anderem die Bevölkerungszahl sowie die Steuereinnahmen eines Landes.

Wo kommen Geflüchtete in NRW unter?

Wenn Geflüchtete in Nordrhein-Westfalen ankommen, durchlaufen sie ein dreistufiges Verfahren. Zunächst müssen sie sich persönlich in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Bochum (LEA) melden und werden registriert. Nach wenigen Stunden werden sie in eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) gebracht, wo sie medizinisch untersucht werden und ihren Antrag stellen. Nach etwa einer Woche werden Geflüchtete von der Erstaufnahmeeinrichtung in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) gebracht, bis sie nach Erfüllung der sogenannten Wohnsitzverpflichtung einer Stadt oder Gemeinde in NRW zugewiesen werden.

Dass zuletzt wieder mehr Menschen Schutz in Nordrhein-Westfalen gesucht haben, zeigt auch der Anstieg bei den pro Tag gestellten Asylanträge. Während sich deren Zahl in den vergangenen Jahren meist im ein- bis zweistelligen Bereich bewegte – ein markanter Ausreißer ist nur im Frühjahr 2022 zu erkennen, als Geflüchtete aus der Ukraine zeitweise in derselben Statistik erfasst wurden –, gingen zuletzt regelmäßig mehrere hundert Anträge pro Tag ein.

Angesichts des zu erwartenden weiteren Anstiegs will das Land NRW nun kurzfristig Kapazitäten ausbauen und die Zahl der vorhandenen Plätze für die Erstaufnahme von Geflüchteten erhöhen – von rund 26.000 im November 2022 auf 34.000. Im Nachtragshaushalt des Landes wurden dafür zusätzlich 570 Millionen Euro bereitgestellt.

Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat Ministerpräsident Hendrik Wüst von der Bundesregierung jüngst eine dauerhafte Unterstützung bei der Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine gefordert.

Je nach Nationalität werden unterschiedlich viele Schutzsuchende in den nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden untergebracht. Falls bereits Verwandte einer geflüchteten Person in Deutschland wohnen, wird diese mit erhöhter Wahrscheinlichkeit einer Erstaufnahmeeinrichtung im selben Bundesland zugewiesen. Auch deswegen lassen sich auch regionale Unterschiede erkennen.

Zum Stichtag 31. Dezember 2021 lebten beispielsweise vor allem in den neuen Bundesländern Schutzsuchende aus Russland, während Personen aus dem Kosovo eher in Baden-Württemberg sowie in Nordrhein-Westfalen unterkamen. Auch bei Schutzsuchenden aus dem Iran war eine Häufung in Nordrhein-Westfalen erkennbar.

Wie sich die Zahlen im Jahr 2022 verändert haben, wird derzeit noch untersucht und ausgewertet. Dass sie sich verändert haben, steht allerdings jetzt schon fest: „Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat zu einer der größten Flüchtlingsbewegungen Europas seit Mitte des 20. Jahrhunderts geführt“, wie Katharina Spieß vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) weiß.

Um die Fluchtbewegungen besser zu verstehen, gibt es seit Kurzem ein Forschungsprojekt, mit dem Daten zu den Menschen und ihren Fluchtumständen erhoben werden. Denn: „Erkenntnisse aus den Analysen früher Fluchtbewegungen lassen sich nur teilweise auf die aktuelle Situation übertragen“, erklärt Spieß. 

Unausgewogenes Geschlechterverhältnis unter Schutzsuchenden in NRW

Auch die Familienbeziehungen der Geflüchteten werden in dem Forschungsprojekt des BiB unter die Lupe genommen, vor allem mit Blick auf die große Zahl von Frauen, Kindern und Jugendlichen, die seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine nach Deutschland gekommen sind. Sie dürften das bisherige Geschlechterverhältnis der Schutzsuchenden hierzulande deutlich verschieben.

Bislang gab es unter Schutzsuchenden in Nordrhein-Westfalen einen deutlichen Männerüberschuss – das Verhältnis lag Ende vergangenen Jahres bei 60 zu 40 Prozent. Vor allem unter jungen Erwachsenen war das Verhältnis unausgewogen, in einigen Altersgruppen lebten mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen in Deutschland.

Bis Ende September konnten im Rahmen des BiB-Forschungsprojekts bereits mehr als 10.000 Ukrainerinnen und Ukrainer befragt werden. Mit ersten Ergebnissen ist Anfang 2023 zu rechnen

1 Januar 2023 0 Kommentare
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Archive

Güle Güle, Currywurst: Deutschland wird zu Dönerland und Pizzarepublik

von Fremdeninfo 31 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Güle Güle, Currywurst: Deutschland wird zu Dönerland und Pizzarepublik

Von

dtj-online

–

28.12.2022

Ein Imbiss-Mitarbeiter bereitet einen Döner zu. Foto: Jörg Carstensen/dpa

Pizza und Pasta statt Schnitzel und Wurst: Der Geschmack wird internationaler. Wie sehr Deutschland heute Burgerrepublik Dönerland ist und Jüngere der Currywurst leise Servus sagen, zeigt eine Umfrage.

In vielen deutschen Familien gibt es die Geschichte vom Opa oder Uropa, der als echtes Fleisch nur Schweineschnitzel akzeptierte. Der als Beilage auf Kartoffeln schwor und Nudeln oder Reis für Teufelszeug hielt.

Eine neue Yougov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass bei den Jüngeren in Deutschland ein Sinneswandel stattgefunden hat und beispielsweise die Liebe zur Currywurst oder Bratwurst verloren geht.

In der jungen Generation sind Pizza, Pasta, Döner oder auch Burger als Snacks und Fast-Food-Gerichte weit beliebter als die früher typisch deutschen Schweinefleischmahlzeiten. Während bei den Leuten über 55 noch das deutsche Lokal mit gutbürgerlicher Küche beim Essengehen erste Wahl ist (mit 32 Prozent weit vor italienischer Küche mit 21 Prozent), liegt bei jüngeren Erwachsenen längst die italienische Küche mit Abstand vorne.

„Plumpsküche deutscher Hausfrauen“

Deutschland war lange Zeit das Land der Mehlschwitzengerichte und „Plumpsküche deutscher Hausfrauen“, wie es einst der Gourmet und Gastrokritiker Wolfram Siebeck (1928-2016) verächtlich formulierte. Und viele Jahrzehnte war eine Mehrheit der Deutschen – völlig verzogen vom Nationalismus – internationaler Küche gegenüber geradezu feindlich eingestellt.

Ausländische Restaurants wurden hierzulande sehr skeptisch beäugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten in der Bundesrepublik dann erste Balkangrills, die ehemalige Zwangsarbeiter eröffneten, die im Land blieben, oder Flüchtlinge aus dem kommunistisch-autokratischen Jugoslawien von Josip Broz Tito.

Sehnsucht nach dem Süden

In Ost-Berlin als Schaufenster der DDR gab es ab den 1950er-Jahren sechs Nationalitätenrestaurants, allen voran das „Budapest“, in dem zum Beispiel „Hatsizinszelet Udparmestermod“ (Rumpsteak nach Hofmeisterart) serviert wurde. Weitere Bruderstaatenlokale hießen „Warschau“, „Bukarest“, „Moskau“, „Sofia“ und „Café Praha“.

In Westdeutschland etablierten sich ab den 1950er-Jahren die ersten Italiener, sie stillten die enorme Sehnsucht nach dem Süden und brachten deutschen Zungen langsam Pizza und Pasta näher. Das Dolce Vita blieb vielen Deutschen dennoch erstmal verdächtig – ebenso wie Spaghetti, Meeresfrüchte, Crème fraîche oder Espresso.

Gastarbeiter bringen neue Esskultur mit

Ab den 1960er- und 1970er-Jahren kamen in der Restaurantlandschaft Griechen und Türken hinzu. Kurz: Die sogenannten Gastarbeiter brachten auch ihr Essen und ihren (oft besseren) Geschmack in die Bundesrepublik mit.

Ab den 1960er-Jahren waren außerdem Chinarestaurants die erste außereuropäische Gastronomie, die Fuß fassen konnte und nun boomte, anders als noch in der Zwischenkriegszeit, als sie etwa in Berlin als Exotik pur gesehen wurde. Ab den 1980er-Jahren – und verstärkt in den 1990er-Jahren und nach der Jahrtausendwende – boomten dann zum Beispiel auch Japaner und Inder, zunehmend auch Thais und Vietnamesen.

Döner statt Wurst

Parallel zur Etablierung französisch inspirierter Gourmetküche mit ersten Michelin-Sterne-Lokalen wie dem „Tantris“ in München, breitete sich in der Bundesrepublik ab den 1970er-Jahren auch US-Fast-Food aus. Die erste deutsche McDonald’s-Filiale machte 1971 in München auf.

Ab Mitte der 1970er-Jahre setzten sich zudem von Berlin aus Döner-Imbisse durch und machten althergebrachten Wurstbuden Konkurrenz. In den vergangenen Jahren – nicht zuletzt wieder durch Fluchtbewegungen – eröffneten vermehrt Syrer, Araber und Georgier in Deutschland Restaurants. Falafel, Hummus und Co. sind populärer geworden.

Männer essen eher heimisch

Afrikanische Restaurants etwa mit der Küche Ghanas oder Äthiopiens sind dagegen bis heute noch selten in Deutschland. Fragt man in Deutschland repräsentativ alle Erwachsenen, welche Richtung ihnen beim Essengehen am meisten zusagt, siegt wegen der bevölkerungstechnisch dominanten Gruppe der über 55-Jährigen nach wie vor „deutsche/gutbürgerliche Küche“ (26 Prozent) – und zwar vor der italienischen (20 Prozent), griechischen (13) und chinesischen (12).

Den Ausschlag dafür, dass die deutsche Küche auf Platz eins landet, geben die Männer, bei denen sie mit Abstand vor der italienischen liegt (30 zu 16 Prozent). Frauen gehen dagegen lieber italienisch als deutsch essen (24 zu 22 Prozent).

„Heute gab es nochmal Currywurst!“

Fragt man Leute über 55, was ihr liebstes Fast-Food-Gericht sei, liegt Currywurst gleichauf mit Pizza (jeweils 16 Prozent), gefolgt von Döner (12), Bratwurst und Backfisch (je 10). Ein typischer Vertreter der alten Wurstliebhaber scheint CDU-Chef Friedrich Merz zu sein. Der 67-Jährige posierte vor Weihnachten (15.12.) bei Twitter fröhlich mit Wurst und Pommes: „Letzte Sitzungswoche im Bundestag! Heute gab es nochmal Currywurst.“

Bei jüngeren Erwachsenen in Deutschland (18 Jahre bis Mitte vierzig) ist dagegen die Wurstliebe verloren gegangen – Currywurst oder auch Bratwurst landen bei der Umfrage recht weit hinten. Mit Abstand beliebtestes Fast Food ist die Pizza, gefolgt von Döner und Burger.

Im direkten Duell von Currywurst und Döner, wenn die Befragten also einen dieser beiden Klassiker wählen müssen, bevorzugen auch in der Gesamtbevölkerung 45 Prozent den Döner (und 37 Prozent die Currywurst). Je jünger die Befragten, desto größer also die Döner-Liebe. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich der steigende Preis des Döners auf diese Liebe auswirken wird.

dpa/dt

31 Dezember 2022 0 Kommentare
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Archive

Zuwanderung: Saskia Esken will bessere Willkommenskultur für Fachkräfte

von Fremdeninfo 31 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Zuwanderung: Saskia Esken will bessere Willkommenskultur für Fachkräfte

Von Die Zeit

Ohne Zuwanderung droht Deutschland Mangel an Fachkräften. Deutschland solle von der Einwanderungs- zur Integrationsgesellschaft werden, fordert die SPD-Vorsitzende.

Saskia Esken, SPD-Vorsitzende, im Gespräch mit Journalisten © Wolfgang Kumm/​dpa

SPD-Chefin Saskia Esken fordert angesichts des Fachkräftemangels eine Integrationsoffensive. „Wenn meine Generation, also die Boomer-Generation, in Rente geht, entsteht wirklich ein Problem. Daher müssen wir Zuwanderung verstärken – und dafür sorgen, dass Integration gelingt“, sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir brauchen eine verbesserte Willkommenskultur. Wir sprechen von Fachkräftezuwanderung, aber es kommen Menschen. Wir müssen von der Einwanderungs- zur Integrationsgesellschaft werden.“

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Integration sei viel mehr eine Leistung der Gesellschaft als des Zuwanderers, sagte Esken. „Natürlich muss der oder die Einzelne bereit sein, Teil unserer Gesellschaft zu werden. Aber wir als Gesellschaft müssen auch offen dafür sein, Menschen aufzunehmen und sie bei ihrer Integration nach Kräften zu unterstützen.“ Klassische Einwanderungsländer wie Kanada würden das tun – auch mit einer schnellen Vergabe der Staatsbürgerschaft. Die deutsche Staatsbürgerschaft sei „essenzieller Bestandteil der Integration“.

Ganze Familie soll integriert werden

Die Menschen, die nach Deutschland kommen, „sollen uns als Arbeitsmarkt und als Gesellschaft aufnahmebereit finden“, forderte die SPD-Vorsitzende. Sie suchten nicht nur Arbeit, sondern eine Heimat für sich und ihre Familie. Daher müsse Ziel der Integrationsleistung die Familie als Ganzes sein.

Von entscheidender Bedeutung sei dabei das Bildungssystem. Deutschland brauche „besser ausgestattete Kitas und Schulen mit mehr Ganztagsbetrieb – zur Stärkung der Sprachkompetenz und für die bestmögliche Förderung aller Kinder“, sagte die SPD-Chefin. Bildungschancen hingen in Deutschland immer noch zu stark vom Elternhaus ab. Selbst in zweiter und dritter Generation seien Kinder mit Migrationshintergrund im Nachteil.

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Nötig seien auch Veränderungen in der Arbeitswelt. Gerade in Mangelberufen wie der Pflege „müssen wir Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbessern und die Tarifbindung deutlich erhöhen“, sagte Esken. Auch sei Deutschland zu bürokratisch bei der Anerkennung beruflicher Kompetenzen und Abschlüsse. „Wenn wir wollen, dass Integration nachhaltig gelingt, dann müssen wir da ran.“

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„Klassische Einwanderungsländer wie Kanada würden das tun – auch mit einer schnellen Vergabe der Staatsbürgerschaft.“

Klassische Einwanderungsländer wie Kanada haben vor allem ein Punktesystem, welches sicherstellt, dass diejenigen, die einwandern, auch einen wirtschaftlichen Gewinn für Kanada darstellen. Seltsamerweise vergisst Frau Esken diesen Teil.

Wenn Deutschland endlich einmal ein Punktesystem einführen würde, dass auch wirklich nur Qualifizierte einwandern lässt, wäre die Situation mit Kanada vergleichbar, vorher nicht.
Nur wird man dann feststellen, dass Deutschland für wirklich Qualifizierte aufgrund der hohen Abzüge auf Arbeitseinkommen eher unattraktiv ist, im Vergleich zu Kanada, USA oder Schweiz.

Zudem nimmt Deutschland derzeit sowieso jeden Menschen per Asyl auf, der es irgendwie an unsere Grenze schafft und lässt diesen dann fast immer de facto unbegrenzt bleiben, weil kaum abgeschoben wird.
Es wird inzwischen (wurde vor kurzem eingeführt) ja nicht einmal überprüft, ob der Asylgrund (wenn er denn einmal vorlag) nach einer gewissen Zeit überhaupt noch fortbesteht.
Damit wird ein mögliches Einwanderungsrecht in Deutschland sowieso ad absurdum geführt.

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Übrigens verzeichnet Deutschland jedes Jahr eine nicht unerhebliche Netto (!)-Abwanderung von hochqualifizierten Deutschen.

„die Deutschen, die auswandern, sind in der Mehrheit hoch qualifizierte Fachkräfte: Fast drei Viertel von ihnen haben ein Studium abgeschlossen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB).“
„Knapp 1,8 Millionen deutsche Staatsangehörige sind laut BiB im vergangenen Jahrzehnt ins Ausland umgezogen. Etwa 1,3 Millionen Menschen kamen zurück.“.

Macht im Schnitt also 50.000 überwiegend hochqualifizierte Deutsche die netto (!) jedes Jahr das Land verlassen.
Vielleicht sollte die deutsche Politik lieber daran arbeiten, hochqualifizierte Deutsche im Land zu behalten.

Alles leere Worte, so lange wir international nicht wettbewerbsfähig sind. Um das auch nur ansatzweise zu werden, müssten Steuern und vor allem Sozialabgaben massivst gesenkt werden. Wir sind wegen Faktoren wie Sprache oder Wetter ohnehin nicht sehr weit oben auf der Beliebtheitsskala, wenn dann noch die wirtschaftlichen Rahmendaten völlig neben der Spur liegen, braucht man sich um solche Dinge keinerlei Sorgen zu machen.

Wir müssten in der Liste uns mal mindestens Richtung OSZE Durchschnitt bewegen, damit in Sachen sinnvoller Zuwanderung sich irgendwas bewegt. Leider absolut illusorisch.

Sie würden also sagen, dass Länder wie Schweden, Italien, Österreich, Frankreich und so weiter für Einwanderer aufgrund ihrer hohen ebenfalls hohen Steuern unattraktiv sind?

Es soll ja durchaus Leute aus den USA geben, die gerne nach Europa (auch Deutschland) kommen, weil sie das Sozialsystem und die Allgemeine KRankenversicherung sehr schätzen.

Diese Dinge haben eben ihren Preis.

Deutschland müsste andere Dinge besser machen als die Steuergesetzgebung.

Vor allem wäre es Hilfreich, dieses Land nicht an allen Ecken und Enden schlecht zu reden.

Deutschland ist eines der Erfolgreichsten Länder desPlaneten.

Wenn wir aufhören würden, uns dafür zu schämen, sondern diese Stärken ausbauen und auch anderen ermöglichen würden, dann hätten wir in Sachen Einwanderung schonmal viel gewonnen.

Da in einige Regionen in Deutschland so gut wie keine Ärztin und kein Lehrer mehr geht, wird sich die Einstellung zu Migration sehr wohl schnell wandeln

31 Dezember 2022 0 Kommentare
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Rassismus

Rassismus-Vorwürfe: Dasselbe in Blau

von Fremdeninfo 29 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Rassismus-Vorwürfe: Dasselbe in Blau

Artikel von Daniel Kothenschulte •

 

 

3D-Büste einer Figur aus Avatar. © AFP

James Camerons Antwort auf Rassismus-Vorwürfe gegen „Avatar“ macht es nicht besser

Nun hat die Winnetou-Debatte also auch James Cameron und seinen zweiten „Avatar“-Film erreicht. Schon in unserer Filmkritik hatten wir auf die Problematik hingewiesen: „Unter dem Deckmantel der Kolonialismuskritik verwendet Cameron die Muster der alten Kavallerie-Western. Auch in diesem Genre war Hollywood Ende der 50er Jahre so weit, sich auch mal auf die Seite der ,edlen Wilden‘ zu stellen. Aber verlieren diese Klischees nun ihre Muffigkeit, nur weil man die indigenen Völker Amerikas durch Phantasiewesen auf einem fremden Planeten ersetzt?“

Nun, sie tun es so wenig, wie Karl Mays Typisierung der Apachen, so verklärend sie sich auch verstand, in einem deutschen Kinderfilm über den „jungen Winnetou“ frischer Wind eingehaucht werden könnte. Rund fünfeinhalb Millionen Mal wurde auf Twitter ein Beitrag des Navajo-Künstlers und Aktivisten Yuè Begay angesehen. Nach der Frage „Sie wollen den kolonial-verherrlichenden Blaue-Leute-Film nicht sehen?“ präsentiert er eine gut recherchierte Liste von Science-Fiction-Filmen indigener Filmemacherinnen und Filmemacher.

Es ist nicht nur die aus verschiedenen Kulturen kompilierte Melange spiritueller Naturverbundenheit, mit der in „Avatar: Way of the Water“ das „Indigene“ gleichgesetzt wird, das gerade Nutzer sozialer Netzwerke tausendfach empört. Es ist vor allem die von James Fenimore Cooper und Karl May in ihren Erzählungen bis hin zu populären Western wie „Der gebrochene Pfeil“ gepflegte Idee des „weißen Retters“. Auch da tut es wenig zur Sache, dass Held Sully seine weiße Identität schon im ersten Teil als Avatar zugunsten des Aussehens eines Na’vi abgelegt hat und danach zum Oberhaupt des Omaticaya-Clans aufgestiegen ist.

Es ist wie es ist: Cameron verwendet sorglos die alten, für ein westliches Publikum identifikationsstiftenden Narrative über wohlmeinende weiße Siedler oder Trapper, wie sie etwa James Stewart im alten Hollywood verkörperte. Wie Old Shatterhand kämpfen sie für die Unterdrückten – und bestätigen doch in ihrer Überlegenheit eine koloniale Hierarchie. Im Grunde ist Camerons Film selbst ein Avatar, der lediglich eine neue Farbe auf die alte Folie legt – dasselbe in Blau.

Disneys Haltung lässt staunen

Es gibt vieles in diesem Film zu bestaunen, wunderbare Wasserwelten und lyrische Tauch-Choreografien, aber das Drehbuch wird sicher für keinen Oscar nominiert. Erstaunlich, dass ein so auf Konsensfähigkeit bedachter Konzern wie Disney keine Probleme damit hatte. Jetzt befindet sich Cameron, wie er erklärt, in intensiven Verhandlungen, wie man das in den weiteren Fortsetzungen besser hinbekommt.

Bereits 2012 hatte sich der Regisseur, als ihm in einem Rechtsstreit vorgeworfen wurde, er haben die Idee zu „Avatar“ gestohlen, zu den indigenen Vorbildern bekannt: „Die amerikanischen Ureinwohner sind die Na’vi. Es ist gar nicht subtil gemeint.“

Und schon Anfang Dezember nahm er gegenüber dem Internetmagazin UNILAD zur Kolonialismus-Kritik Stellung: „Es könnte sein, dass mir einige Leute widersprechen werden. Ich hoffe, nicht. Ich hoffe, sie verstehen die Absicht, die darin liegt, die Hüter der Weisheit zu feiern. Für mich sind die indigenen Völker, die es heute noch in unserer Welt gibt, diejenigen Völker, die mehr mit der Natur verbunden sind als wir in unserer industrialisierten, urbanisierten Zivilisation, und wir müssen von ihnen lernen.“

So bekommt er seinen Hals natürlich nicht aus der Schlinge. Darin liegt ja gerade der Vorwurf des „positiven“ Rassismus. Vielleicht würden indigene Menschen ja auch gerne einmal mit etwas anderem als Naturverbundenheit und Spiritualität assoziiert werden. Aber die westlichen Mythenschmiede lassen sie da einfach nicht raus.

29 Dezember 2022 0 Kommentare
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Politik

Brief aus Istanbul: Das ist die Türkei

von Fremdeninfo 29 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Brief aus Istanbul: Das ist die Türkei

 

Artikel von Bülent Mumay •

 

 

 15 Dezember: Vor dem Rathaus von Istanbul haben sich Tausende Menschen versammelt, um den Bürgermeister Ekrem Imamoglu zu unterstützen, der unter Anklage gestellt worden ist, was es ihm unmöglich macht, bei der Wahl im Juni anzutreten. © dpa

Neujahr ist für jeden eine Wende. Ein Kilometerstein, mit dem große und kleine Absichten und Erwartungen verbunden sind. Das Jahr 2023 aber bedeutet für uns in der Türkei weit mehr. Die Wahlen, die im Jahr des 100. Jubiläums der Repu­blikgründung anstehen, werden ein Wendepunkt sein. Entweder beenden die Wähler Erdoğans zwanzigjährige Herrschaft und, nach einer vermutlich etwas chaotischen Normalisierungsphase, öffnet sich das Tor zur Demokratie. Oder Erdoğan bekommt vom Volk erneut die Zustimmung für sein autokratisches System und setzt die Türkei auf ein Gleis, von dem eine Umkehr kaum möglich sein wird

Die historische Wahl steht normalerweise im Juni 2023 an. Doch um ein verfassungsrechtliches Hindernis zu umgehen, bereitet Erdoğan sich darauf vor, die Wahl um einen Monat vorzuziehen. Laut Verfassung kann ein Staatspräsident nur zweimal in Folge gewählt werden. Da Erdoğan seine zweite Amtszeit vollendet, kann er also nicht noch mal kandidieren. Um die Diskussion über diesen Umstand zu beseitigen, wird er das Parlament zu vorgezogenen Wahlen drängen und damit das Verbot der Bewerbung für eine dritte Amtszeit aushebeln

Er kann nicht dreimal kandidieren, doch er tut es

Wie in einem vorangegangenen Brief bereits erwähnt, erklärte Erdoğan vor Kurzem auf einer Kundgebung, er bitte die Bürger zum letzten Mal um ihre Unterstützung. Doch fünf weitere Jahre scheinen nicht zu genügen, denn er korrigierte seine Aussage wie folgt: „Ein drittes Mal kann ich nicht kandidieren. Aber das bedeutet nicht, dass Tayyip Erdoğan sich aus der Politik zurückzieht

Es ist nicht erstaunlich, dass der 68 Jahre alte Erdoğan sich, falls er die Wahlen gewinnt, auch mit 73 nicht aus der Politik verabschieden will. Aus Erfahrung wissen wir, dass er alles unternimmt, um seinen Sessel im Präsidentenpalast zu behalten. Er wird sich vor allem an die Macht klammern, weil ihm aufgrund der Wirtschaftskrise, in die er das Land gestürzt hat, eine der für ihn schwersten Wahlen bevorsteht.

Die Lage stellt sich für das Palastregime nicht besonders rosig dar. Das oppositionelle Bündnis hat sich auf die Rückkehr zum parlamentarischen System verständigt und ist in der Lage, die Wahl zu gewinnen. Das unter Führung der größten Oppositionspartei CHP gebildete Sechserbündnis setzt große Hoffnungen auf die am selben Tag stattfindenden Präsidentschafts- und Parlamentswahlen. Erdoğan sieht die Gefahr und versucht die Situation mit populistischen Interventionen in der Wirtschaft und rechtlichen in der Politik in ihr Gegenteil zu verkehren.

Beginnen wir bei der Wirtschaft: Seit dem Übergang zum Präsidialsystem, das sich kaum von einem Sultanat unterscheidet, durchlebt die türkische Wirtschaft schmerzhafte Zeiten. Für Investoren ist die Türkei kein Anziehungspunkt mehr. Die Einkommenskluft wächst, die Hälfte der Bevölkerung muss mit dem Mindestlohn auskommen, die Inflation liegt nach offiziellen Angaben bei rund 85 Prozent. Da ist es nur natürlich, dass die Stimmen für die Regierung schwinden. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, die besonders die unteren und mittleren Schichten, Erdoğans Stammwähler, spüren, schlagen sich in nahezu allen Umfragen nieder.

Drohungen gegen Griechenland machen niemanden satt

Bis vor ein paar Jahren gelang es Erdoğan, die wahren Probleme wie die Teuerung mit nationalistischen oder islamistischen Maßnahmen zu kaschieren. Doch die Verschärfung der Krise und der Armut schwächt solche Effekte ab. Seine gegen Griechenland gerichteten Drohungen machen niemanden satt. Ebenso wenig, wie die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ihm die davonlaufenden Wähler zurückbringt.

So unternimmt Erdoğan beim Einlauf auf die Zielgerade Schritte, die sich auf das Portemonnaie der Wähler auswirken. Zunächst hat er den Mindestlohn um 54,5 Prozent angehoben. Bald soll zudem dererste „TOGG“ auf der Straße sein, ein von dem Joint Venture aus fünf vom Palast zusammengeführten Unternehmen produziertes „einheimisches und nationales“ Elektroauto. Und die Nutzung des, wie im vergangenen Jahr vollmundig behauptet, im Schwarzen Meer gefundenen Erdgases steht angeblich auch bevor.

Die große Mehrheit der Erdoğan-Wähler wird kaum in das Elektroauto steigen, das wohl mindestens 50.000 Euro kosten wird. Und das Erdgas aus dem Schwarzen Meer wird die Rechnungen nicht senken. Der Propaganda-Effekt dürfte begrenzt bleiben. Ähnlich sieht es beim Mindestlohn aus. Den Statistiken der Gewerkschaften zufolge liegt der jetzt auf 430 Euro angehobene Mindestlohn nur knapp oberhalb der Armutsgrenze. Mit 430 Euro kommt man in einem Land mit einer Inflation von 85 Prozent, wobei die Preise in den von Erdogan empfohlenen staatlichen Discountern sogar um 270 Prozent gestiegen sind, nicht aus. Die Rede ist von einem Land, in dem die Menschen sich um fünf Uhr morgens in die Schlange stellen, um günstig Fleisch zu kaufen, und zwar in der Hauptstadt Ankara.

Jetzt nimmt er wieder die Kurdenpartei ins Visier

Zweifellos wird Erdoğan weitere populistische Maßnahmen ergreifen, je näher die Wahlen rücken. Dafür stellt er bereits ein Budget auf. Für die Umsetzung seiner Wahlökonomie stürzt er das Land in Schulden. Bei der Debatte über den Haushalt für 2023 im Parlament wurde eine Neuverschuldung von 200 Milliarden Lira (umgerechnet etwa 10,1 Milliarden Euro) genehmigt. Das staatliche Gasunternehmen hat begonnen, die Zahlungen an Russland auf die Zeit nach den Wahlen zu verschieben. Doch Erdoğan weiß selbst, dass der Effekt all dessen nicht mehr als ein Strohfeuer sein kann.

Statt nach dem eigenen Sieg zu streben, unternimmt er deshalb nun Anstrengungen, um seinen Widersachern eine Niederlage beizubringen. Auf juristischem Weg versucht er die Opposition zu lähmen. Vor gut zwei Wochen ließ er gegen Ekrem Imamoglu, einen der aussichtsreichsten Gegenkandidaten, ein Politikverbot verhängen. Jetzt bemüht er sich, die Kurden-Partei HDP, die eine Schlüsselrolle spielt, auszuschalten. Denn selbst in den für Erdogan optimistischsten Umfragen liegt seine Partei mit der Opposition gleichauf. Da erschreckt ihn die Existenz der HDP mit ihrem Wählerpotential von mindestens zehn Prozent enorm.

Aus diesem Grund wurde das im letzten Jahr eingeleitete Verbotsverfahren gegen die HDP, die den oppositionellen Block von außen unterstützt, plötzlich beschleunigt. Die Justiz macht Anstalten, die Konten der Partei zu sperren, weil sie angeblich Verbindungen zur Terrororganisation PKK unterhalte. Das Ziel ist klar: die finanziellen Ressourcen der HDP trockenlegen, um ihr Wahlkampagnen unmöglich zu machen. Auch polizeiliche Repressalien gegen die Partei ebben nicht ab. Selbst bei friedlichen Aktionen geht die Polizei mit Gewalt gegen HDP-Politiker vor. In der vergangenen Woche wurde der Ko-Vorsitzende der HDP Istanbul vor laufenden Kameras von einem Polizisten geohrfeigt. Vor ein paar Monaten brach die Polizei einem HDP-Abgeordneten ein Bein. Vor einer Woche wurde einem HDP-Mitglied nach Aufhebung seiner Immunität der Abgeordnetenstatus aberkannt. Einem anderen Abgeordneten wurde der Pass entzogen. All dies deutet darauf hin, dass die HDP verboten werden könnte.

Vor den Wahlen begnügt sich das Palastregime aber nicht mit Eingriffen in die Wirtschaft und gegen die Opposition gerichteten politischen Schritten. Der Kampf gegen Tatsachen geht weiter. In meinem Brief vom 1. Dezember hatte ich berichtet, dass qualifizierte Arbeitskräfte abwandern, allein 2021 haben mehr als dreißigtausend Softwareentwickler die Türkei verlassen. Die Quelle für diese Information war der Verband der Softwareunternehmer. Der Palast wollte nicht, dass diese Tatsache publik wird, und ließ per Gerichtsbeschluss den Zugang zu Meldungen über dieses Thema sperren. Wahrscheinlich ist die F.A.Z. das einzige Presseorgan, das dieses Faktum weiterhin legal verbreitet. Ein noch tragischerer Beschluss: Unsere Justiz, die vor wenigen Monaten mehr als zwanzig kurdische Journalisten verhaften ließ, verbot auch den Untersuchungsbericht darüber. Zudem haben wir das erste Opfer des Desinformationsgesetzes, der neuen Handschelle, die den Medien vor den Wahlen angelegt wird. Ein Lokalreporter wurde wegen angeblicher Fake News verhaftet. Und eine Regisseurin, die eine Doku über öffentlichen Aufruhr drehte, wurde inhaftiert, weil in ihrem Video im Hintergrund ein Polizeiwagen zu sehen war.

In meinem letzten Brief in diesem Jahr hätte ich Ihnen lieber keine derart unerfreulichen Nachrichten übermittelt. Doch das ist die Türkei. In diesen Zeiten vermag ich Ihnen in meinem Neujahrsschreiben nur ein bitteres Lächeln auf die Lippen zu legen. Eine der beiden letzten Nachrichten, die ich Ihnen mitteilen will, betrifft die Strafe gegen einen oppositionsnahen Fernsehsender. Die Produzentin einer auf Halk TV ausgestrahlten Sendung erhielt ein Sendeverbot für drei Tage, weil sie „mimisch Terrorismus gepriesen“ habe. Sie haben sich nicht verlesen, die Dame hat mit ihrer Mimik den Terrorismus gepriesen! Und die letzte Nachricht betrifft den Methamphetamin-Wahn. Der Chef des Rauschgiftdezernats erklärte, diese synthetische Droge sei in der Türkei aufgrund der Serie „Breaking Bad“ populär geworden, einer der beliebtesten Serien der Fernsehgeschichte. Nein, nein, noch wird Bryan Cranston, der in der Serie die Rolle des Chemielehrers und Meth-Produzenten Walter White spielt, nicht per Dringlichkeitsvermerk über Interpol gesucht. Hoffentlich sind die Wahlen bald überstanden.

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe

29 Dezember 2022 0 Kommentare
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Politik

NATO-Chef Stoltenberg drängt die Türkei – Stimmrecht auf der Kippe?

von Fremdeninfo 28 Dezember 2022
von Fremdeninfo

 

NATO-Chef Stoltenberg drängt die Türkei – Stimmrecht auf der Kippe?

Wie lange kann die Türkei noch den NATO-Beitritt von Schweden und Finnland blockieren? Zum Jahreswechsel äußert der Generalsekretär des Verteidigungsbündnis eine klare Erwartung. Über Änderungen am Gründungsvertrag der NATO will er nicht spekulieren.

Schweden und Finnland werden nach Einschätzung von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg im neuen Jahr offiziell Mitglieder des Verteidigungsbündnisses. Er könne nicht genau sagen wann, so der Norweger zum Jahreswechsel der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Er sei aber „absolut zuversichtlich“, dass der Ratifizierungsprozess zeitnah abgeschlossen werde.

Stoltenberg machte damit deutlich, dass er nicht mit einer noch viel länger andauernden Blockade des Aufnahmeprozesses durch die Türkei rechnet. Der östlichste Bündnisstaat weigert sich bislang, mit der Ratifizierung der sogenannten Beitrittsprotokolle den Weg für die Aufnahme Finnlands und Schwedens in die NATO freizumachen.

Die türkische Führung begründet ihre Haltung mit einer Unterstützung der beiden Staaten von Terrororganisationen wie der PKK. Spekuliert wird aber auch, dass von NATO-Partnern auf Eis gelegte Rüstungsexporte eine Rolle spielen könnten. So schlossen zum Beispiel die USA die Türkei aus dem F-35-Kampfjet-Programm aus, nachdem die Regierung in Ankara trotz erheblicher Sicherheitsbedenken der NATO-Partner Raketenabwehrsysteme vom Typ S-400 von Russland gekauft hatte.

Noch ist die Aussetzung des Stimmrechts kein Thema

Schweden und Finnland hatten Mitte Mai infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine die Bündnismitgliedschaft beantragt. Ende Juni hatte es zunächst so ausgesehen, als sei der Streit über die Unterstützung von Schweden und Finnland für Terrororganisationen beigelegt. Die Türkei stellt sich nun allerdings auf den Standpunkt, dass damals getroffene Absprachen vor allem von Schweden noch nicht erfüllt worden seien. Unter anderem fordert Ankara die Auslieferung tatsächlicher oder vermeintlicher Terroristen. In der heutigen Türkei ist es sehr leicht, als „Terrorist“ abgestempelt zu werden.

Kurz vor Weihnachten betonte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Rande eines Treffens mit seinem schwedischen Kollegen Tobias Billström, bei der Umsetzung der Absprachen stehe man „noch am Anfang“. Konkret kritisierte er unter anderem, dass jüngst der Oberste Gerichtshof von Schweden der Auslieferung des von der Türkei gesuchten Journalisten Bülent Keneş einen Riegel vorgeschoben hatte.

Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, im Zweifelsfall eine Möglichkeit zur Aussetzung der Stimmrechte von Ländern wie der Türkei zu haben, sagte Stoltenberg, es gebe keinen Grund zu spekulieren, was man tun würde, wenn der Gründungsvertrag der NATO heute ausgehandelt würde. Es gebe auch bei Themen wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit Meinungsverschiedenheiten zwischen den Alliierten. Die NATO sei aber ein wichtiges Forum für Verbündete, um Sorgen anzusprechen.

dpa/dtj

28 Dezember 2022 0 Kommentare
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Rassismus

Bülent Ceylan feiert Jubiläum: „Bei Rassismus hört jeder Spaß auf“

von Fremdeninfo 28 Dezember 2022
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Bülent Ceylan feiert Jubiläum: „Bei Rassismus hört jeder Spaß auf“

Von

dtj-online

–

27.12.2022

„Bülent Ceylan“
Archivfoto: Der „Monnemer“ Comedian Bülent Ceylan bei einem Auftritt im Januar 2020 im Capitol in Mannheim. In der Silvesternacht ist er im ZDF zu sehen. Foto: Uwe Anspach/dpa

Mit seinem markanten Dialekt hat Bülent Ceylan mittlerweile auch viele deutsche Herzen erobert. Im kommenden Jahr begeht er ein rundes Jubiläum. Mit der dpa sprach er über Silvester, seinen einstigen Jugendtraum und wie er ihn jetzt wiederbelebt sowie Grenzen von Comedy.

2023 ist ein besonderes Jahr für Bülent Ceylan: Vor dann 25 Jahren nämlich, 1998, stand er in Mannheim erstmals vor größerem Publikum auf der Bühne. „Die Bude war mit 150 Leuten ausverkauft, ich war glücklich. Aber ich träumte von mehr.“ Sein Traum bleibe eine eigene Musikshow im Fernsehen. „Wenn ich zurückblicke, hat Musik immer eine große Rolle in meinem Leben gespielt“, erzählt der Comedian. Berufswunsch: Rocksänger. „Nun, nach all den Jahren, nehme ich ein deutsches Rock-Album auf, das wahrscheinlich im Herbst 2023 erscheint. Das ist ein wenig wie sich neu erfinden.“

In 25 Berufsjahren habe sich auch Comedy verändert. „Bei Themen wie dem Gendern hat sich natürlich etwas getan“, schildert Ceylan. Auch Begriffe wie das „N-Wort“ seien heute zurecht tabu. „Aber es gilt auch: Wenn man sich zu viel über alles Gedanken macht, droht man die Lockerheit zu verlieren“, sagte der 46-Jährige. Als Kunstfigur auf der Bühne könne man bestimmte Dinge manchmal karikieren. „Es ist immer die Frage, wie man es verpackt. Aber bei Themen wie Rassismus hört jeder Spaß auf. Dagegen werde ich kämpfen, solange ich lebe“, sagte der Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters.

Ceylan, der demnächst durch NRW tourt und in der Silvesternacht, also am 1. Januar, ab 00.50 Uhr mit Beatrice Egli eine „Mitternachtsparty“ im ZDF moderiert, ist als Kind nach eigenen Worten ein „Silvester-Fan“ gewesen. „Da durfte man bis in die Puppen aufbleiben, mit den Eltern Filme schauen und mal mit einer Fackel ums Haus gehen“, sagte Ceylan der Deutschen Presse-Agentur. „Das war Abenteuer pur.“ Der heutigen Generation sei das schwer zu vermitteln, meinte der Mannheimer. Außerdem: „Da ist ein Beigeschmack. Heute fliegen in Europa echte Raketen. Die flogen zwar früher auch irgendwo, aber das war nicht so präsent.“

dpa/dtj 

28 Dezember 2022 0 Kommentare
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Religion

Leichen verwechselt: Türkischer Muslim aus Versehen eingeäschert

von Fremdeninfo 27 Dezember 2022
von Fremdeninfo

 

Leichen verwechselt: Türkischer Muslim aus Versehen eingeäschert

Von

dtj-online

–

26.12.2022

 

 

In Hannover wurden zwei Leichen verwechselt – ein Muslim wurde deswegen versehentlich eingeäschert. Die Polizei ist eingeschaltet, der Landesverband der Muslime zeigt sich entsetzt.

Nach einer Verwechslung von zwei Leichen an der Medizinischen Hochschule Hannover ist aus Versehen ein Muslim eingeäschert worden. „Die MHH bedauert die Verwechslung zutiefst, unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagte ein Sprecher der Medizinischen Hochschule am Freitag. Feuerbestattungen gelten im islamischen Bestattungsritus als Tabu.

Die Leiche des 71 Jahre alten türkischen Staatsbürgers war am vergangenen Freitag im Krematorium verbrannt worden, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtete. Eigentlich sollte der Leichnam eines 81-Jährigen aus der Region Hannover eingeäschert werden. Am Montag war dann die Beisetzung mit der Urne und dem falschen Verstorbenen. Die Leichen waren nach dpa-Informationen Anfang Dezember in der MHH verwechselt worden. Der Irrtum wurde bemerkt, als der vermeintliche Leichnam des 71-Jährigen für die Beisetzung vorbereitet werden sollte.

Die Angehörigen des irrtümlich Verbrannten schalteten die Polizei ein. „Wir stehen im Austausch mit den Angehörigen beider Familien“, bestätigte ein Sprecher der Polizei Hannover. Es gebe keine strafrechtlichen Ermittlungen, da es keinen Hinweis auf eine vorsätzliche Tat gebe. „Wir betrachten aber die Arbeitsabläufe bei den Obduktionen in der MHH“, sagte der Sprecher.

Muslime entsetzt

Der Landesverband der Muslime, die Schura Niedersachsen, zeigte sich entsetzt. Die Verantwortlichen der MHH müssten den Fehler lückenlos sachlich aufarbeiten, forderte der Vorsitzende Recep Bilgen in einer schriftlichen Mitteilung. Er kritisierte das Handeln der MHH als „leichtsinnig und verantwortungslos“. Zu dem Leid der Hinterbliebenen sei nun ein weiteres hinzugekommen. Gerade für die muslimische Familie sei dieser Vorfall besonders schwerwiegend, da nach islamischen Glaubensvorschriften Tote nicht eingeäschert werden dürfen. Die Medizinische Hochschule wollte sich zu dem Vorwurf der Schura nicht äußern.

Die Geschäftsführerin des türkischen Moscheeverbandes Ditib in Niedersachsen und Bremen, Emine Oğuz, äußerte sich in einer schriftlichen Stellungnahme ähnlich. Sie sagte, allein das Bedauern des Falles sei nicht ausreichend. „Wichtig ist nun, dass alle verantwortlichen Stellen gemeinsam für Aufklärung sorgen müssen, damit dieser unverzeihliche „Fehler“ nicht nochmal vorkommt.“

dpa/dtj

27 Dezember 2022 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Migration: EU erwartet weiter steigende Zahl von Asylbewerbern

von Fremdeninfo 26 Dezember 2022
von Fremdeninfo

Migration: EU erwartet weiter steigende Zahl von Asylbewerbern

 

 

 

 

 

Migration: EU erwartet weiter steigende Zahl von Asylbewerbern

 ie europäische Asylbehörde (EUAA) erwartet einen weiteren Anstieg der Asylbewerberzahlen im kommenden Jahr. „Es ist ziemlich klar, dass die steigenden Antragszahlen in absehbarer Zeit anhalten werden“, sagte Behördenchefin Nina Gregori, den Zeitungen der Funke Mediengruppe nach Angaben vom Montag. Instabilität und Bedrohungen, die Menschen zur Flucht bringen, seien leider nicht vorübergehend.

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres seien in der EU fast 790.000 Asylanträge gestellt worden, sagte Gregori. Dies sei ein Anstieg um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zuletzt waren nach Behörden-Daten Migranten aus Syrien die größte Gruppe von Asylantragsstellern in der EU, gefolgt von Menschen aus Afghanistan und aus der Türkei.

Die Entwicklung in der EU entspricht auch dem Trend in Deutschland. Hier waren nach Daten des Bundesamtes für Migration bis Ende November fast 190 000 Asylbewerber mit Erstanträgen registriert worden – dies entspricht einem Anstieg um 43,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum. Deutschland bleibt damit weiter das wichtigste Zielland für Asylbewerber in der EU.

„Die geopolitischen Entwicklungen in diesem und im vorigen Jahr hatten direkte Auswirkungen auf den Bedarf an internationalem Schutz und führten zu einer zunehmenden Vertreibung in EU-Länder“, sagte die EUAA-Direktorin. In den letzten Monaten habe sich dieser Trend noch verstärkt.

Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass die Zahl der Asylbewerber in diesem Jahr trotz des Anstiegs unter der Zahl der Jahre 2015 und 2016 liegen werde – damals waren jeweils um die 1,3 Millionen Asylbewerber registriert worden.

In die neuen Zahlen nicht eingerechnet sind allerdings die Flüchtlinge aus der Ukraine, die nach einer EU-Entscheidung keinen Antrag auf Asyl stellen müssen: In der EU sind nach Gregoris Worten 4,7 Millionen Menschen aus der Ukraine für vorübergehenden Schutz registriert worden.

Die Reaktion auf die russische Invasion in der Ukraine sei in diesem Jahr die größte Herausforderung gewesen, sagte Gregori. Die europäischen Aufnahmesysteme seien damit „unter erheblichen Druck gesetzt“ worden. Die Aktivierung der Richtlinie über vorübergehenden Schutz habe aber einen Zusammenbruch der nationalen Asylsysteme in der EU verhindert.

Die EUAA-Chefin mahnte auch Fortschritte bei der geplanten EU-Asyl- und Migrationsreform an. Sie begrüße die Ankündigung auf EU-Ebene, dass eine strukturelle Lösung für das Asyl- und Migrationsmanagement bis zu den Europawahlen 2024 gefunden werden solle. Über ein Gesetzespaket zur Reform des europäischen Asylsystems wird bereits seit mehreren Jahren ergebnislos diskutiert.

26 Dezember 2022 0 Kommentare
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