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Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

von Fremdeninfo 1 Januar 2023
von Fremdeninfo 1 Januar 2023
253

 

Mehmed II. gegen Vlad III.: Zweite Netflix-Staffel über Osmanisches Reich erschienen

Von

Murat Gökmen

–

01.01.2023

https://dtj-onl“Mehmed vs Vlad Netflix“
Sultan Mehmed II. (l.), der als Eroberer Konstantinopels seinen Beinamen „Fatih“ erwarb, kämpft gegen Vlad III., der einst mit ihm zusammen am osmanischen Hof aufwuchs und später rebellierte. Foto: Screenshot/Netflix

Im Rahmen der Netflix-Themenserie „Der Aufstieg von Weltreichen“ war bereits 2020 die erste Staffel zum Osmanischen Reich erschienen. Damals ging es um die Eroberung von Konstantinopel. Seit Donnerstag können sich Geschichtsinteressierte nun die zweite Staffel anschauen. Sie dürfte aber durchaus ein größeres Publikum ansprechen. Eine Rezension.

„Unsere Vorfahren ritten (ihre Pferde) 600 Jahre lang auf drei Kontinenten“, heißt es im Türkischen gerne, wenn über das osmanische Erbe gesprochen wird. Damit wird einerseits der Stolz auf die Vorfahren ausgedrückt, andererseits auch die Bewunderung über die Stärke des einstigen Weltreichs. Doch sieht man sich den Satz genauer an, bedarf er einer kleinen Korrektur.

Dass das Reich 600 Jahre lang existierte, entspricht den Tatsachen. Genauer gesagt bestand es sogar 623 Jahre fort, wenn man seine Entstehung auf das Jahr 1299 datiert. Ebenfalls richtig ist, dass sich der Herrschaftsbereich der Osmanen auf drei Kontinente erstreckte. Allerdings nicht von Anfang an bis zum Ende, wie der eingangs erwähnte Satz suggeriert, sondern zunächst auf (Klein-)Asien, dann ab Mitte des 14. Jahrhunderts auf (Südost-)Europa, später dann ab dem 16. Jahrhundert auch auf (Nord-)Afrika. Auf dem Höhepunkt seiner Macht im 16. und 17. Jahrhundert galt der osmanische Sultan als mächtigster Herrscher der Welt. Zwar verloren er und seine Nachfolger danach nach und nach Gebiete, doch im Kern blieb der Einfluss des Reiches bis zu seinem Ende auf drei Kontinenten bestehen.

Zum Weltreich bzw. Imperium wurde das Reich, wie bereits die erste Netflix-Staffel zeigt, mit der Eroberung Konstantinopels, das heute Istanbul heißt. Der Sultan, dem dies gelang, hörte auf den Namen Mehmed. Er war der zweite mit diesem Namen im Hause Osman, sein Vorgänger war sein Großvater, der vor seiner Geburt verstarb. Um Mehmed II., der mit der Einnahme der damaligen Weltstadt den Lauf der Geschichte entscheidend veränderte und prägte, geht es nun auch in der zweiten Staffel, die seit Donnerstag auf Netflix zu sehen ist.

Wie Brüder aufgewachsen, zu Feinden geworden

Der historische Stoff, der behandelt wird, ist besonders und gibt viel her. Eine gute Wahl von Netflix, die beiden historischen Persönlichkeiten Mehmed II. und Vlad, die beide im 15. Jahrhundert lebten, aufzugreifen und sie als Gegenspieler zu präsentieren, auch wenn der Sultan der deutlich mächtigere der beiden ist.

Vlad war der Sohn des osmanischen Vasallen in der Walachei, Vlad II. Dieser entschied sich laut Netflix-Darstellung nach Druck Sultan Murads II., als Zeichen seiner Treue seine beiden Söhne als Faustpfand am Hof Murads zu lassen. Neben Vlad ist das noch Radu. Sie wachsen gemeinsam mit dem späteren Mehmed II. auf, der der Sohn von Murad ist. Die Söhne von Vlad werden am osmanischen Hof als dessen potentieller Nachfolger aufgezogen. Und tatsächlich wird Vlad später Fürst, sogenannter Woiwode, der Walachei. Als solcher ist er zwar autonom, aber tributpflichtig gegenüber dem Osmanischen Reich. Er muss eine jährliche Abgabe zahlen und im Falle eines Kriegszugs des Sultans Soldaten zur Verfügung stellen. Seine Weigerung und Provokationen führen dazu, dass Mehmed II. schließlich gegen den aufmüpfigen Fürsten zu Felde zieht.

In den Folgen werden mehrere Szenerien eingespielt, die Mehmed und Vlad, die beide etwa gleich alt gewesen sein müssen, in ihrer Kindheit zeigen, wie sie miteinander spielen, kämpfen, wetteifern. Sie nennen sich gegenseitig immer wieder „mein Bruder“, wobei deutlich wird, dass sich Vlad nicht als Osmane und erst recht nicht als Teil der osmanischen Familie versteht. Radu hingegen, der jünger als Vlad ist, kann sich schon eher mit seinem neuen Umfeld identifizieren. Als Nebendarsteller taucht er in der Staffel in nahezu allen sechs Folgen auf.

Schauspieler-Wahl gut bis mittelmäßig

Während Mehmed wie in der ersten Staffel von Cem Yiğit Üzümoğlu verkörpert wird, übernimmt der Rumäne Daniel Nuță die Rolle von Vlad. Und das macht er recht gut. Seine feindselige Einstellung gegenüber den Osmanen im Allgemeinen und Mehmed im Besonderen wird in jeder Folge gut sichtbar. Auch seine Grausamkeit – sein Beiname lautete „der Pfähler“ – kommt oft genug zum Ausdruck.

Üzümoğlu hingegen ist eine eher mittelmäßige Wahl. Zwar schafft er es, das (taktische) Genie von Mehmed II. widerzuspiegeln, doch gelingt es ihm nicht ganz, den wohl bedeutendsten osmanischen Sultan gut zu spielen. Treffen die beiden aufeinander, wirkt es manchmal, als sei Vlad der überlegene. Historisch betrachtet war das sicherlich nicht so.

Vlad und Mehmed II. überleben die Schlacht, Vlad verliert aber seine Macht

Die Macher der Staffel orientieren sich weitestgehend an den verfügbaren Quellen und lassen auch regelmäßig Historiker und Experten zu Worte kommen. Hin und wieder lassen sie aber auch ihrer Fantasie freien Lauf, um zu zeigen, wie es gewesen sein könnte. Anders wäre es aber auch nicht möglich, solches Filmmaterial zu produzieren. Kameraführung und Musikauswahl tragen zur Dramaturgie bei und sind durchaus in der Lage, das Publikum zu fesseln. Vor allem gelingt das in der nächtlichen und entscheidenden Schlacht im osmanischen Hauptlager, die zu großen Verlusten auf osmanischer Seite geführt haben soll, am Ende aber dank der Überlegenheit der Janitscharen, der schier unüberwindbaren Elite-Einheit des Sultans, zu dessen Gunsten ausging.

Unser Fazit, ohne allzu viel verraten zu wollen: Trotz leichter Abstriche eine gelungene Produktion über die Auseinandersetzung zwischen „David und Goliath“, die durchaus Lust auf mehr bzw. eine weitere Staffel macht.

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