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TikTok-Trend Talahon: Rassistisches Klischee oder reale Gefahr? – „Wenn ein Deutscher es als Beleidigung sagt“

von Fremdeninfo 12 August 2024
von Fremdeninfo

TikTok-Trend Talahon: Rassistisches Klischee oder reale Gefahr? – „Wenn ein Deutscher es als Beleidigung sagt“

                                    Artikel von Marisa Lattemann und Maen Gesmat /Welt 
 
Sie stehen in der Fußgängerzone oder vor dem Bahnhof, die Miene grimmig, die Körperhaltung zum Angriff bereit – scheint es. So inszenieren sich die Talahons auf Social Media und gehen damit viral.

Zu diesem Thema interessant:++Islam-Influencer auf TikTok – „Mit wem darf eine Frau im Auto fahren?“ 

Doch es sind nicht nur Schattenboxen, rasierte Kopfseiten und Gucci-Imitat-Taschen, die Talahons zu einem Meme-Begriff gemacht haben. Es ist der vermeintliche Einblick in eine Subkultur, die für die einen verbindend, für die anderen bedrohlich wirkt. Die Talahons sind längst politisch geworden.

Was ist ein Talahon?

Talahon ist der neue Trend-Begriff, der durch Social Media geistert. Erkennbar ist ein Talahon demnach an der Cap (am besten von Gucci), der Bauchtasche (am besten auch von Gucci) und der Jeans oder Jogginghose – Marke egal. Der Begriff „Talahon“ stammt vom arabischen „Ta’al La’hon“. Das bedeutet so viel wie „komm mal her“, jedoch eher als freundliche Einladung gemeint, nicht als Pöbel-Anmache. Anders, als es in dem Track von Rapper Hassan aus Hagen gemeint ist, in dem es heißt: „Talahon, ich geb’ dir einen Stich, ich bin der Patron.“

Mit diesem Song des Rappers mit kurdisch-syrischen Wurzeln sind die meisten der Talahon-Videos unterlegt. Mit der Vape in der Hand boxen Jugendliche Schatten, manche zelebrieren ein rückwärtsgewandtes Frauenbild. Das passiert nur durch einzelne, doch es lässt einige, die den Begriff verwenden, auf eine ganze Kategorie junger Männer schließen.

Der Talahon-Trend wird kritisiert und mittlerweile von rechten Lagern zur Stigmatisierung einer ganzen Gruppe verwendet. Die meisten der Talahons im Internet haben, zumindest dem Anschein nach, einen arabischen Migrationshintergrund – ein gefundenes Fressen für rechte Communitys, die durch diesen Trend ihr Bild von solchen Jugendlichen bestätigt sehen. Was also als Selbstbezeichnung für oft minderjährige Jugendliche mit einer Vorliebe für materielle Statussymbole und Gangsta-Rap im Internet begonnen hat, ist in kurzer Zeit zum bedrohlichen Feindbild geworden.

Vom Social-Media-Trend zum politischen Zündstoff

Rechtskonservative Instagram-Accounts fordern die Abschiebung aller Talahons, die AfD-Landesfraktion in Baden-Württemberg nutzt den Begriff Talahon mit Hashtag in einem Post über kriminelle Migranten – untermalt mit dem Song „L’Amour toujours“. Sollte man dieses Wort also weiterhin verwenden? Oder ist es stigmatisierend und sogar rassistisch? Wir haben nachgefragt, was die Menschen darüber denken. Eine der Befragten ist sich sicher: „Dadurch, dass der Begriff auf Menschen mit vermeintlichem Migrationshintergrund zurückgeführt wird, finde ich es sehr problematisch. Weil es nur ein weiterer Vorwand ist, Leute negativ zu betiteln und abzustempeln.“

                                             

                                                    Talahon“ im Fokus: Jugendkultur oder rassistische Stigmatisierung? © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Ein anderer sagt: „Wenn ich als Talahon bezeichnet werden würde, wäre ich nicht erfreut.“ Es sei schon ein negativ konnotierter Begriff. Rassistisch findet er ihn aber nicht unbedingt. Sie nutzen die Bezeichnung auch untereinander, erklärt er. Ein anderer findet, es kommt darauf an, in welchem Kontext das Wort gesagt wird. „Wenn ein Deutscher es als Beleidigung sagt“, dann ist es rassistisch. Für ihn ist „Talahon“ aber eher ein Klamottenstil. „Das kann auch verbinden, man sollte niemanden deswegen abstempeln.“

Experte warnt: Wann der Begriff „Talahon“ rassistisch wird

Jannik Veenhuis, Experte für antimuslimischen Rassismus, sagte unserer Redaktion dazu: „Es gibt sicherlich Momente, wo der Begriff Talahon nicht rassistisch verwendet wird. Beispielsweise als ironische Selbstbezeichnung von irgendwelchen halbstarken Jungs, die über die Straße ziehen. Wenn sich andere aber darüber lustig machen, kann es sehr schnell rassistisch werden. Wenn es dann auf einmal ein Begriff ist, den wir für alle Menschen mit sichtbarer Migrationsgeschichte verwenden und uns über deren Dummheit und Grobheit lustig machen, dann ist das rassistisch.“

12 August 2024 0 Kommentare
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von Fremdeninfo 12 August 2024
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12 August 2024 0 Kommentare
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Can Dündar mit neuer Doku: „Der Mafiaboss, Präsident Erdoğan und ich“

von Cumali Yağmur 11 August 2024
von Cumali Yağmur

 

Can Dündar mit neuer Doku: „Der Mafiaboss, Präsident Erdoğan und ich“

 

Can Dündar, türkischer Exil-Journalist, posiert in einem Innenhof in Berlin-Mitte für die Kamera. Kommende Woche erscheint eine neue Doku von ihm. Foto: Annette Riedl/dpa

 
Mit einer neuen ARD-Doku über Verbindungen von Staat und Mafia will Can Dündar von Deutschland aus auch die türkische Öffentlichkeit wachrütteln. Sie heißt: „Der Mafiaboss, Präsident Erdoğan und ich“.

Der türkische Journalist Can Dündar hofft darauf, mit kritischen Beiträgen im deutschen Fernsehen auch die Öffentlichkeit in der Türkei wachzurütteln. Es gebe ein „enormes Interesse“ in der Türkei an solchen Sendungen, sagte der 63-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Die Themen, die wir ansprechen, sind dort ein absolutes Tabu.“

Das Erste zeigt in der kommenden Woche seine neuen Recherchen: Die „ARD Story: Der Mafiaboss, Präsident Erdoğan und ich“ läuft am Dienstag (13.8., 22.45 Uhr). Dündar und Co-Autorin Stella Könemann gehen in der 45-minütigen Dokumentation Spuren nach, die auf eine Verbindung der türkischen Regierung mit dem organisierten Verbrechen hindeuten.

ARD-Doku auch in türkischsprachiger Version

In der ARD-Mediathek wird es auch eine türkischsprachige Version geben. Daneben wird sie unter anderem auf dem #Özgürüz – YouTube-Kanal zu sehen sein. Das von Dündar gegründete Online-Magazin konnte im Juli trotz Ferienzeit mehr als 1,5 Millionen Videoabrufe verzeichnen.

Denn jenseits des Bosporus existiere überhaupt nahezu keine Möglichkeit mehr, sich mittels unabhängiger Medien zu informieren, so Dündar. Es gelte vor allem, gegen einen Gewöhnungseffekt anzukämpfen. „‚Okay, ein Journalist wurde getötet, schon wieder einer…‘ – wir müssen immer und immer wieder wachrütteln. Zeigen, dass dieses Land dabei ist, sich in einen Mafia-Staat zu verwandeln.“

Mit diesem Engagement macht sich der Autor nach eigenen Worten auch selbst zur Zielscheibe: „Jeder Artikel, den ich schreibe, jedes Interview, das ich gebe, bringt mich in Gefahr. Aber jemand muss die Gefahr auf sich nehmen.“

Ein Mafiaboss packt aus

Ausgerechnet der in der Türkei bekannte Mafiaboss Sedat Peker, mutmaßlich der Drahtzieher eines Mordanschlags auf Dündar, wird dabei zum Kronzeugen. Aus seinem arabischen Exil hatte der Ex-Pate über YouTube-Videos Verflechtungen von Regierung und Gangstern in den Raum gestellt – offensichtlich auch aus Rache für seine Entmachtung.

 

„Für mich war es bei dieser Doku die größte Herausforderung, den Mafiachef als Hauptquelle zu nutzen, der wahrscheinlich für das Attentat auf mich verantwortlich ist“, sagte der preisgekrönte Journalist der dpa.

„Viele Deutsche werden Bodrum mit anderen Augen sehen“

„Viele Deutsche machen gerne Urlaub in der Türkei, etwa in Bodrum, aber sie werden die Hafenstadt nach unserer Dokumentation sicher mit anderen Augen sehen“, glaubt der Exilant. Seine weitere Hoffnung: Deutsche Entscheidungsträger könnten mehr Klarheit darüber gewinnen, was dort geschieht und mit wem sie eigentlich in Kontakt stehen, wenn sie zu der türkischen Regierung vielfältige Beziehungen pflegen: „Und zum anderen lassen wir die Verantwortlichen in Ankara wissen, dass das, was sie tun, nicht mehr geheim ist – und davor fürchten sie sich.“

Can Dündar arbeitete für Fernsehsender und verschiedene Zeitungen in der Türkei und schrieb eine Reihe von Büchern. Bis 2016 war er Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“. Bereits im November 2015 wurde er verhaftet und war drei Monate im Gefängnis. Seit 2016 lebt Dündar in Deutschland im Exil. 2020 wurde er von einem türkischen Gericht in Abwesenheit zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt. Im national-konservativen Lager der Türkei gilt er als Landesverräter, andere sehen in ihm einen wichtigen Journalisten, der auf krasse Missstände im Land aufmerksam macht.

dpa/dtj

11 August 2024 0 Kommentare
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Rechtsextreme Krawalle in Großbritannien: Eine Warnung für Deutschland

von Fremdeninfo 9 August 2024
von Fremdeninfo

Rechtsextreme Krawalle in Großbritannien: Eine Warnung für Deutschland

                 Artikel von Alexander Fröhlich
Der rechte Mob randaliert in britischen Städten, das Ausmaß ist neu. Sicherlich ist in Deutschland vieles anders. Doch auch hier wird die Zündschnur für gesellschaftliche Konflikte kürzer.
                                           
                                             Ein Fahrzeug der Polizei brennt während Unruhen in der Nähe von Southport. © Foto: dpa/Richard Mccarthy

 

Wir sehen die Bilder aus Großbritannien, wie der rechte Mob Polizisten und Flüchtlingsunterkünfte angreift, und reiben uns verwundert die Augen. Die Briten kennen Unruhen und Zusammenstöße, aber in diesem Ausmaß und über das ganze Land – das ist neu. Müssen wir uns auch in Deutschland davor fürchten? Die Antwort lautet: Das gab es schon in der Bundesrepublik, in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen. 30 Jahre ist das jetzt her – und doch kommt es wieder näher.

 In Großbritannien reichten Fakenews über eine Bluttat, um ein ohnehin erstarktes rechtsextremistisches Netzwerk anzustacheln und Menschen auf die Straße zu treiben. In der vergangenen Woche wurden in Southport drei Kinder mit einem Messer getötet und weitere Menschen schwer verletzt, sie nahmen an einem Taylor-Swift-Tanzkurs teil. Im Internet verbreitete sich schnell das Gerücht, der Täter sei ein muslimischer und illegal eingereister Asylbewerber. Stimmt aber nicht: Der Verdächtige ist 17 Jahre alt, in Großbritannien geboren, seine Eltern stammen aus Ruanda.

In Großbritannien ist die soziale Frage akut

Nach den rechten Krawallen gab es auch gewaltsame Gegenaktionen von linken und muslimischen Gruppen. Und um das nicht zu vergessen: Mitte Juli kam es zu Ausschreitungen in Leeds, Polizisten wurden angegriffen, Autos brannten. Auslöser war das Vorgehen des Jugendamts, es wollte ein Kind aus einer Familie holen. Der Stadtteil ist ein sozialer Brennpunkt, viele Nachfahren von Einwanderern leben dort, ein Drittel sind Muslime. Rechtspopulisten verbreiteten Bilder der Randale samt: „England ist gefallen.“

Die Zündschnur für gesellschaftliche Konflikte ist kurz. Viel kürzer als die Politik es derzeit wahrhaben will. 

Der Autor

Vor allem England ist tief gespalten. In dieser Lage reicht ein Funke, um einen Flächenbrand zu entfachen. Besonders akut ist die soziale Frage. Seit dem Brexit, mit dem die Konservativen – erfolglos – weniger Migration versprachen, erlebt das Land einen Abstieg – und wird zum Pulverfass.

Vieles ließe sich mit Recht dagegen anführen, dass Deutschland ein ähnlicher Ausbruch rechter Gewalt nicht droht: Die meisten Parteien distanzieren sich klar vom Rechtsextremismus. Gewalt als Mittel des politischen Protests ist lagerübergreifend geächtet. Und der Sozialstaat federt anders als in Großbritannien die schlimmsten Härten ab.

Nur in Sicherheit wiegen sollten wir uns nicht. Auch in Deutschland herrscht allgemeine Unzufriedenheit. Die Infrastruktur ist marode, die Wirtschaft brummt nicht mehr, Wirtschaft und Bundesregierung haben sich entfremdet wie nie, die Ampel hickhackt sich durch die Legislatur.

Seither mobilisiert ein rechtsextremistisches Netzwerk zu den Protesten in mehreren Städten, es gab Ausschreitungen, Polizisten, Moscheen und Geschäfte wurden angegriffen. Die Polizei wirkte anfangs hilflos, als die Rechtsextremen sich im Netz organisierten. In Deutschland wäre es in diesem Ausmaß nur schwer vorstellbar, dass Staats- und Verfassungsschutz so blind und unvorbereitet gewesen wären.

Wärmepumpe, Bürgergeld, Kindergrundsicherung – im Land fragen sich nicht wenige, ob die Politik in dieser Welt der Krisen nicht andere Aufgaben zu meistern hätte. Zumindest um den Eindruck von Stabilität und wirtschaftlicher Zuversicht zu vermitteln – vor allem von Handlungsfähigkeit. Zum Beispiel in der Migrationspolitik, über die selbst drei Generationen von Einwanderern inzwischen nur den Kopf schütteln.

In diesem gesellschaftlichen Klima verbreiten sich auch in Deutschland rechtsextreme Vorstellungen, was vor Jahren nicht sagbar war, ist es nun. Rechtsextremismus wird entgrenzt und normalisiert. Von der Rückkehr der Baseballschlägerjahre ist schon die Rede.

Vielleicht ist das übertrieben, denn es verharmlost das Ausmaß der rechten Gewalt in den 1990er Jahren. Noch. Die Ostwahlen stehen bevor, die in Teilen rechtsextreme AfD ist in Umfragen stärkste Kraft, für große Teile der Jugend ist „rechts sein“ das neue Ding. Der Blick nach Großbritannien muss eine Warnung sein. Die Zündschnur für gesellschaftliche Konflikte ist kurz. Viel kürzer als die Politik es derzeit wahrhaben will.

9 August 2024 0 Kommentare
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Religion

Islamismus in sozialen Medien: Die neue Generation der „Tiktok-Dschihadisten“

von Fremdeninfo 9 August 2024
von Fremdeninfo

Islamismus in sozialen Medien: Die neue Generation der „Tiktok-Dschihadisten“

                                                                                     Artikel von Mike Schier
 
                                  
                                             
                                                Demonstration der islamistischen Szene in Hamburg © Axel Heimken/dpa

                                                 

                                               Radikale Chatgruppen

Islamismus in sozialen Medien: Die neue Generation der „Tiktok-Dschihadisten“

Sie sind jung, radikalisieren sich im Internet und bekommen ihre Befehle aus dem Ausland. Islamistische Chatgruppen sind eine zunehmende Bedrohung.

München – Vieles an diesem Vorgang erinnert an Wien: Im November 2023 taucht in einer islamistischen Chatgruppe ein Video auf. Darin wird ein Anschlag angekündigt, bei dem Ungläubige sterben sollen. Kurz darauf nehmen die Ermittler einen jungen Deutsch-Afghanen im Rheinisch-Bergischen-Kreis (Nordrhein-Westfalen) fest.

Der junge Kerl, erst 15 Jahre alt. Er wird im Juni dieses Jahres zu vier Jahren Jugendhaft verurteilt. Erst vor ein paar Tagen bekommt sein tschetschenischer Komplize (17) vor dem Landgericht Neuruppin (Brandenburg) die gleiche Strafe. Die beiden hatten sich im Netz kennengelernt.

In radikale Chatgruppen konkretisieren sich gewalttätige Ideen unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie der moderne islamistische Terrorismus inzwischen funktioniert. Gleichgesinnte findet man nicht mehr unbedingt in dubiosen Moscheen in großstädtischen Hinterhöfen, wie es beispielsweise vor dem 11. September 2001 bei der Hamburger Terrorgruppe um Mohammed Atta der Fall war. Man trifft und radikalisiert sich im Netz – und wird dort aus dem Ausland gesteuert.

Die Pläne der Jugendlichen waren noch in einem frühen Stadium, aber doch konkret: Mit einem Lkw wollten die beiden über den Weihnachtsmarkt in Leverkusen-Opladen rasen. „Diejenigen Weihnachtsmarktbesucher, die dadurch nicht sofort getötet worden wären, hätten sie im Anschluss mit Messern erstechen wollen“, berichtete das Landgericht Neuruppin nach seinem Urteil. Die Verhandlungen fanden in beiden Fällen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – wegen des jugendlichen Alters der beiden Täter.

„Tiktok-Dschihadisten“ erhalten laut Staatsschutz Anweisungen aus dem Ausland

Experte Peter R. Neumann, der am Kings College in London lehrt, spricht von „einer neuen Täterdemografie“. Er nennt sie „Tiktok-Dschihadisten“. „Die zentralen Akteure des Islamischen Staates und von El Kaida erhalten ihre Anweisungen aus dem fernen Ausland“, sagt Omar Haijawi-Pirchner, der in Österreich die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) leitet, die federführend an der Aufdeckung der Terrorpläne in Wien beteiligt war.

Dieses Phänomen beschreibt auch das 60 Seiten starke „Lagebild Islamismus“, das der NRW-Verfassungsschutz im Januar veröffentlicht hatte. Extremistische Salafisten orientierten sich im Auftreten inzwischen eher an populären Influencern. Anstelle anspruchsvoller theologischer Diskurse gebe es heute „ein betont lockeres Auftreten, das häufig von Vorbildern aus Gangster-Rap, Kampfsport und kriminellem Milieu beeinflusst ist“. Einzelne Akteure haben mehr als 450 000 Follower auf Tiktok. Den Fahndern erschweren aber oft harte deutsche Datenschutzregelungen die Arbeit im Netz.

Bayernweit 730 Personen dem salafistischen Spektrum zugerechnet

Als besonders gefährlich gilt den Fahndern inzwischen der IS-Ableger in Afghanistan und Pakistan: „Islamischer Staat Provinz Khorasan“, kurz ISPK. Dieser steckte auch hinter der großen Attacke auf einen Konzertsaal nahe Moskau, bei der im März mindestens 140 Menschen starben. Auch in Wien, wo eine hohe Summe Falschgeld gefunden wurde, deutet vieles auf organisierte Strukturen und Hintermänner hin. Nach Ansicht von Experten hat sich die Gefahr seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober und der israelischen Reaktion darauf deutlich erhöht. Die Zahl der vereitelten und ausgeführten Anschläge in Europa habe sich im Vergleich zu 2022 mehr als vervierfacht.

Laut Landesamt für Verfassungsschutz werden aktuell bayernweit 730 Personen dem salafistischen Spektrum zugerechnet, der bedeutendsten islamistischen Strömung. „Der Anteil der 15- bis 25-Jährigen in der salafistischen Szene liegt aktuell bei rund zwölf Prozent“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) unserer Zeitung. Damit werde sich auch der Verfassungsschutzbericht fürs erste Halbjahr 2024 beschäftigten, den er kommende Woche vorstelle, sagte der Minister. „Vor allem bei Jugendlichen stellt der Verfassungsschutz fest, dass sich diese gewaltbereiter und radikalisierter zeigen als in den Jahren zuvor.“

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Großer Run auf deutschen Pass: Hannover hat fast doppelt so viele Anträge

von Fremdeninfo 8 August 2024
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Großer Run auf deutschen Pass: Hannover hat fast doppelt so viele Anträge

                                                           Jutta Rinas / Hannoverfche Allgemeine 07.08.2024

                                   

Bereits seit Anfang 2024 steigt die durchschnittliche monatliche Zahl der Einbürgerungsanträge von Ausländern in Hannover stark an. Grund ist ein neues Gesetz, das es Menschen aus anderen Nationen erleichtert, deutsche Staatsbürger zu werden.

Hannover. Im Jahr 2024 haben in Hannover im Schnitt pro Monat nahezu doppelt so viele Menschen aus dem Ausland einen Einbürgerungsantrag gestellt wie 2023. 2024 habe die Zahl monatlich zwischen 362 und 493 Anträgen gelegen, teilte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit. Im Vorjahr seien es durchschnittlich nur 220 Anträge pro Monat gewesen. Insgesamt entspreche dies einer durchschnittlich 90-prozentigen Steigerung pro Monat. Zwischen dem 1. Januar 2024 und dem 26. Juni 2024 seien 2532 Anträge eingegangen.

Grund für den Run auf den deutschen Pass in der Landeshauptstadt ist eine Ende Juni 2024 in Kraft getretene, bundesweite Gesetzesänderung der Ampelkoalition: das neue Staatsangehörigkeitsrecht. Es erleichtert es Ausländern, deutsche Staatsbürger zu werden. Ein Anspruch auf Einbürgerung besteht beispielsweise nun schon nach fünf statt bisher acht Jahren – wenn der Antragsteller bestimmte Bedingungen erfüllt. Dazu zählt beispielsweise, dass er seinen Lebensunterhalt grundsätzlich selbst bestreiten kann. Bei besonderen Integrationsleistungen können Menschen aus anderen Nationen sogar bereits nach drei Jahren Deutsche werden.

Begehrtes Stück Papier: Menschen, die schon länger in Deutschland leben, sollen künftig schon nach fünf Jahren deutsche Staatsbürger werden können.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tm

Einbürgerung künftig nach fünf statt nach acht Jahren möglich

Mehrstaatigkeit – der sogenannte Doppelpass – wird künftig generell zugelassen. Dazu kommen deutliche Erleichterungen für sogenannte Gast- und Vertragsarbeiter. Als Sprachnachweis genügt bei ihnen künftig, dass sie sich im Alltag auf Deutsch ohne nennenswerte Probleme mündlich verständigen können. Auf den Einbürgerungstest wird verzichtet. Eine deutlich erhöhte Nachfrage nach dem deutschen Pass war nach Angaben der Deutschen Presseagentur zuletzt auch in Städten wie Berlin, Bremen oder Hamburg zu beobachten gewesen.

Bei der neuen Einbürgerung kommt es überdies nicht auf den Tag der Antragstellung an, sondern darauf, welches Recht bei der Entscheidung über den Antrag gilt. Das erklärt laut Stadtverwaltung, warum in Hannover bereits seit Anfang des Jahres ein erheblicher Anstieg bei den Einbürgerungen zu beobachten ist. In der Landeshauptstadt haben nach Angaben der Verwaltung aufgrund des neuen Staatsangehörigkeitsrechts bislang vor allem Menschen einen Einbürgerungsantrag gestellt, die eine doppelte oder mehrfache Staatsangehörigkeit wünschen. Auch die Möglichkeit, einen Antrag nach bereits nach fünf statt nach acht Jahren zu stellen, sei für viele attraktiv.

Stadt Hannover fehlen noch 23 Stellen für Einbürgerungen

Die Stadtverwaltung hatte mit einer Flut von neuen Anträgen gerechnet und ihren Stellenpool in der Ausländerbehörde im Bereich Einbürgerungen bereits im Vorfeld der Gesetzesänderung von 15 auf jetzt 53 Stellen (teils befristet, teils unbefristet) erhöht. Von diesen Stellen sind nach Angaben eines Sprechers unter anderem aufgrund von Fachkräftemangel bislang nur 30 besetzt. Die Stadtverwaltung habe ihre Ausschreibungen deshalb auch für Quereinsteiger geöffnet.

8 August 2024 0 Kommentare
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Migration, Gewalt und Deutungshoheit: Rechtsstaat vor dem Kipppunkt?

von Fremdeninfo 8 August 2024
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Migration, Gewalt und Deutungshoheit: Rechtsstaat vor dem Kipppunkt?

                                                                                        Artikel von Claudia Wangerin
                                             
                                                Bürgerkriegsähnliche Zustände oder Trauerarbeit und wirksame Gewaltprävention? Symbolbild: Pixabay Licence

 

 

 

Angst vor britischen Zuständen: Mehr Messerattacken und Angriffe auf Minderheiten befeuern Debatte. Droht eine Zukunft zwischen Faustrecht und Law and Order?

Drohen in Deutschland Zustände wie in Großbritannien, wo sich nach dem Messermord an drei Mädchen beim Tanzkurs in Southport Rechte Straßenschlachten mit der Polizei liefern, Asylsuchende und muslimische Geschäfte angreifen?

Immer die Herkunft der Täter im Blick

Die Information, dass der 17-jährige Täter von Southport Brite sei und seine Eltern aus Ruanda stammen, beeindruckte nationalistische Randalierer kaum. Auch im deutschsprachigen Social-Media-Raum ist die Stimmung aufgeheizt – und auch bei Messerattacken in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um die ethnische Herkunft der Täter.

Nicht aber die Genetik, sondern der Fakt, dass es häufig Männer sind, die in Kriegsgebieten gelebt haben, ist aus der Sicht von Psychologen relevant für die Gewaltprävention. Unbehandelte Kriegstraumata könnten bei Männern das Gewaltrisiko erhöhen, warnte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina schon 2018.

Messer gegen Netflix-Abo: Polizeigewerkschaft erntet Spott

Viele beunruhigt aktuell die Meldung, dass die Berliner Charité immer mehr Messerstichverletzungen in der deutschen Hauptstadt registriert. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erntet derweil im Netz Hohn und Spott, weil sie als Anreiz für die freiwillige Abgabe illegaler Messer ein einjähriges Netflix-Abo vorgeschlagen hat. Preiswerte Butterfly-Messer dürften sich demnach erst einmal besser verkaufen, wenn der Vorschlag umgesetzt würde.

Nach Meinung von GdP-Chef Jochen Kopelke wäre eine „Messeramnestie“ mit einer Art „Abwrackprämie“ aber grundsätzlich sinnvoll: „Im vergangenen Jahr haben meine Kolleginnen und Kollegen fast 9.000 Messerangriffe der schweren und gefährlichen Körperverletzung erfasst. Diese Zahlen geben Anlass zu großer Sorge und machen ein schnelles Handeln unabdingbar“, sagte der GdP-Chef am Dienstag in Düsseldorf.

ublizist sieht Rechtsstaat wegen Migration vor Kipppunkt

Von einem drohenden „Kipppunkt des Rechtsstaats“ sprach Alexander Kissler, der als Redakteur und Berlin-Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung tätig ist, am Sonntag in der österreichischen Talkshow „Links.Rechts.Mitte.“. Er befürchte diesen Kipppunkt „angesichts einer Migrationspolitik ohne Sinn und Verstand“.

Der Rechtsstaat lebe von einer „Geneigtheit, diese Kultur anzunehmen“, so Kissler. „Und wir sind hier nun mal noch Spätausläufer des Abendlandes, Europas, des Christentums, das muss man zur Kenntnis nehmen.“ Zudem kollabiere der Rechtsstaat auch dann, wenn er sämtliche Ansprüche „immer nur noch mit Gewalt“ durchsetzen müsse. Der Rechtsstaat funktioniere nur, wenn „80, 90, 95 Prozent der Bevölkerung ihn auch ohne Strafandrohung anerkennen“.

Wenn Gefängnis nicht mehr abschreckt

Dem stellte Kissler ein Szenario gegenüber, in dem es sehr viele Menschen gebe, die auch drei Jahre Gefängnis nicht abschreckten, weil sie dächten: „Da bin ich der King drin, da kann ich weiter meine Sachen verticken und wenn ich raus bin, habe ich vielleicht sogar in meiner Community einen Statusgewinn.“

8 August 2024 0 Kommentare
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Bêmal“: Doku erinnert an Völkermord an den JesidenBêmal“: Doku erinnert an Völkermord an den Jesidenon

von Cumali Yağmur 6 August 2024
von Cumali Yağmur

Bêmal“: Doku erinnert an Völkermord an den Jesiden

         Von dpa

Bêmal bedeutet heimatlos. Die Doku von Düzen Tekkal umd David Körzdörfer behandelt den Genozid an den Jesiden. Zehn Jahre sind bereits seit den Gräueltaten des IS vergangen, die Wunden sind aber nach wie vor frisch. Quelle: Radio Bremen

 Am 3. August 2024 jährte sich der Völkermord des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) an den Jesidinnen und Jesiden zum zehnten Mal. Diese Gräueltaten, die 2014 begannen, waren ein brutaler Versuch, eine gesamte religiöse Minderheit auszulöschen – und nicht der erste. Tausende von Jesiden wurden getötet, verschleppt, versklavt oder zur Flucht gezwungen. Der Völkermord ist nicht nur ein traumatisches Kapitel in der Geschichte der Jesiden, sondern auch ein erschreckendes Zeugnis von Menschenrechtsverletzungen und religiöser Intoleranz.

Die Jesiden, eine kurdischsprachige religiöse Minderheit mit einer Jahrtausende alten Tradition, wurden vom IS als „Ungläubige“ gebrandmarkt. Mindestens 5.000 Jesidinnen und Jesiden verloren ihr Leben durch die Gewalt der Terroristen. Unbestätigte Zahlen sprechen sogar von mehr als 10.000 Toten. Tausende Frauen und Kinder wurden verschleppt und als Sklaven verkauft, ihre Familien zerrissen, ihre Gemeinschaft zerstört. Die Jesiden, die fliehen konnten, fanden sich oft in überfüllten Flüchtlingslagern wieder, weit entfernt von ihrer Heimat und ihrer vertrauten Umgebung.

Inmitten dieser anhaltenden Tragödie erzählt der Film „Bêmal“, was so viel wie „Heimatlos“ bedeutet, die bewegenden Geschichten von Überlebenden. Den Film haben die jesidische Journalistin Düzen Tekkal und der Filmemacher David Körzdörfer produziert. Tekkal war 2014 als Kriegsreporterin in den Irak gegangen, um über den Völkermord zu berichten. Als sie nach Deutschland zurückkehrte, hatte sich ihr Leben verändert. Sie wurde zu einer Menschenrechtsaktivistin und arbeitet seither daran, dass das Leid der Jesidinnen und Jesiden weltweit anerkannt wird.

Ein Film, um das Massaker zu bezeugen

Im Film, der in der ARD-Mediathek zu sehen ist, werden die Stimmen der Schwestern Jihan und Sawsan sowie vier jesidischer Geschwisterpaare zum Leben erweckt. Sie berichten von ihrer Gefangenschaft, der erlittenen Gewalt und der Demütigung, die sie ertragen mussten. Doch ebenso erzählen sie von ihrem ungebrochenen Lebensmut und ihrem Streben nach Freiheit.

 

Die Geschichten in „Bêmal“ betonen die Würde jedes Einzelnen und die tiefe Sehnsucht der Jesiden, die in den letzten Jahrhundert vor allem durch sunnitische Muslime immer wieder verfolgt, vertrieben und massakriert wurden, nach Frieden und einer sicheren Zukunft. Die Protagonisten des Films schildern nicht nur die Schrecken, die sie erlitten haben, sondern auch ihren Willen, das Leben neu zu beginnen und sich eine neue Heimat aufzubauen, nachdem ihnen ihre alte entrissen wurde. Der Film gibt einen eindrucksvollen Einblick in das Schicksal dieser tapferen Gemeinschaft.

Anhaltende Herausforderungen und Hoffnungen

Zehn Jahre nach dem Genozid leben viele Überlebende immer noch unter unsicheren Bedingungen. Die Rückkehr in ihre Heimatregionen im Irak ist oft unmöglich, da diese Gebiete nach wie vor instabil sind. Viele Jesiden befinden sich in einem rechtlichen und wirtschaftlichen Schwebezustand, ohne Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung.

Dennoch gibt es Hoffnung. Initiativen zur Unterstützung der Jesiden und zur Anerkennung des Völkermords auf internationaler Ebene gewinnen an Bedeutung. Die Gemeinschaft arbeitet daran, ihre Kultur und Traditionen zu bewahren und gleichzeitig neue Wege für eine sichere und friedliche Zukunft zu finden.

Der Völkermord an den Jesidinnen und Jesiden bleibt ein Mahnmal für die internationale Gemeinschaft. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Opfer nicht zu vergessen und den Überlebenden eine Stimme zu geben. „Bêmal“ leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Welt an die Gräueltaten zu erinnern und den Mut derjenigen zu würdigen, die trotz aller Widrigkeiten nach vorne schauen. Es ist ein Aufruf, die Menschenrechte zu verteidigen und die Vielfalt und Würde jeder Gemeinschaft zu respektieren.

6 August 2024 0 Kommentare
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Eine weitere Grenzüberschreitung“ – Grünen-Politiker zeigt Höcke wegen Volksverhetzung an

von Fremdeninfo 5 August 2024
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Eine weitere Grenzüberschreitung“ – Grünen-Politiker zeigt Höcke wegen Volksverhetzung an

Die AfD wolle immer mehr die NS-Ideologie bei ihrer Anhängerschaft verankern, sagt der Thüringer Grüne Bernhard Stengele – und stellt Anzeige gegen das AfD-Spitzenduo. Im Fokus: ein mehr 100 Jahre altes Lied eines nationalsozialistischen Lyrikers.

                                                  

                                                Gegen Stefan Möller (links) und Björn Höcke wurde wegen des Verdachts der Volksverhetzung Anzeihe erhoben dpa/Sebastian Willnow

Der Thüringer Grünen-Politiker Bernhard Stengele hat als Privatperson Anzeige gegen die beiden AfD-Landessprecher Björn Höcke und Stefan Möller wegen des Verdachts der Volksverhetzung gestellt. Die Anzeige ging an die Staatsanwaltschaft Erfurt – sie liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, ebenso wie die elektronische Eingangsbestätigung. Die Anzeige von Stengele, der auch Umweltminister ist, richtet sich gegen Höcke und Möller als Vertreter der Thüringer AfD.

Es geht um 21 Zeilen eines Liedes des Lyrikers Franz Langheinrich (1864 – 1945), das dem Programm der AfD zur Landtagswahl im September vorangestellt wurde. Langheinrich habe der völkisch-nationalistischen Szene angehört, er sei Teil der nationalistischen „Deutschen Kunstgesellschaft“ gewesen, heißt es in der Begründung der Anzeige.

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Madeleine Henfling und Bernhard Stengele (beide Bündnis90/Die Grünen) sind die Spitzenkandidaten ihrer Partei für die Landtagswahl in Thüringen im September dpa/Martin Schutt

Mit Äußerungen, die Assoziationen zur NS-Zeit wecken, sorgt vor allem Thüringens AfD-Chef Höcke immer wieder für kontroverse Debatten. Thüringens Verfassungsschutz hat die AfD im Freistaat als erwiesen rechtsextrem eingestuft und beobachtet sie. Stengele tritt für die Grünen als einer der beiden Spitzenkandidaten für die Landtagswahl an. Höcke ist Spitzenkandidat der AfD.

Weitere Grenzüberschreitung der AfD“

„Mit der Anzeige setze ich ein Stoppschild“, erklärte Stengele in Erfurt. Zeilen eines glühenden Nationalsozialisten am Beginn eines Wahlprogramms seien „eine weitere Grenzüberschreitung“ der AfD. Die Partei versuche, in Sprache und Denken ihrer Anhängerschaft immer mehr die völkisch-nationalistisch antisemitische NS-Ideologie zu verankern und die Verbrechen zu verharmlosen – „mal mehr, mal weniger subtil“. Diese Strategie gefährde das Fundament der Demokratie in Deutschland, sagte Stengele.

„Diese Anzeige ist ein Missbrauch der Justiz“, erklärte der AfD-Landesverband auch im Namen der beiden Sprecher. Es sei ein verzweifelter Versuch des Grünen-Spitzenkandidaten, „seinen eigenen Bekanntheitsgrad auf Kosten der AfD zu steigern. Am Gedicht von Franz Langheinrich ist nichts, aber auch gar nichts Verwerfliches oder gar ‚Volksverhetzendes‘ zu erkennen“, heißt es in der Stellungnahme.

 

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Nachfolge von Winfried KretschmannWarten auf Cem

von Cumali Yağmur 5 August 2024
von Cumali Yağmur
 

Nachfolge von Winfried Kretschmann: Warten auf Cem

Von TAZ

Baden-Württemberg hat noch über ein Jahre bis zur Wahl. Aber in Kretschmanns Koalition rumpelt es. Und alle Fragen: Wann entschließt sich Özdemir?

Enge Vertraute: Winfried Kretschmann und Cem Özdemir bei einer Party in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin Foto: Sebastian Gollnow/dpa

 

STUTTGART taz | „Es liegt ja nicht an mir“, sagt Winfried Kretschmann merklich genervt, wenn man ihn fragt, ob er auch gern so smart sein Amt übergeben hätte wie jüngst die rheinland-pfälzische Regierungschefin Malu Dreyer. Die SPD-Politikerin hatte durch ihren Rücktritt mit gebührendem Abstand vor der Wahl ihrem Nachfolger alle Chancen gegeben, mit einem Amtsbonus vor die Wähler zu treten.

Kretschmann tritt ebenfalls nicht mehr an, ihm bleibt dieser Schachzug aber verbaut. Dank der CDU brauche er sich darüber keine Gedanken zu machen, sagt Kretschmann mit vorwurfsvollem Unterton in Richtung Koalitionspartner. Und betont: „Obwohl es im Koalitionsvertrag anders vereinbart war.“

Tatsächlich war es das erste Aufmucken der CDU in der sonst so harmonischen grün-schwarzen Koalition, als der junge Fraktionschef Manuel Hagel im Herbst vergangenen Jahres verkündete, seine Leute würden keinen Nachfolger für Kretschmanns vorzeitig ins Amt wählen. Bis dahin hatte sich die CDU brav in den vorrangig grünen Koalitionsvertrag gefügt. Europa- und Kommunalwahl geben ihr nun weiteres Selbstbewusstsein.

Bei der Europawahl hatte die Union die Grünen in Kretschmannland mit 32 Prozent um fast 18 Prozentpunkte hinter sich gelassen. Und auch Umfragen zur Landespolitik zeigen: Der Kretschmannbonus scheint in der Spätphase seiner Amtszeit aufgebraucht. Die Mehrheitsverhältnisse seit der letzten Wahl haben sich fast umgekehrt. Damals lagen die Grünen mit 32,6 Prozent fast neun Prozentpunkte vor der Union. Wäre demnächst Landtagswahl käme die CDU laut Umfragen auf 32 Prozent, die Grünen gerade noch auf 22 Prozent.

Bei diesen Werten stellt sich die Frage, ob sich das laut Süddeutscher Zeitung „schlechtgehütetste Geheimnis“ der Grünen noch bewahrheitet. Nämlich, dass Cem Özdemir in diesem Herbst – nach der politischen Sommerpause und vor der Aufstellung der Wahllisten für den Bundestag – seine Kandidatur für Kretschmanns Nachfolge bekannt gibt.

Seit Jahren im Gespräch

Der Bundeslandwirtschaftsminister ist seit Jahren als Kretschmann-Nachfolger im Gespräch. Der Regierungschef bezeichnet den schwäbischen Realo schon mal als seinen engsten Vertrauten im Bund. Aber würde Özdemir auch dann zurück ins Land kommen, wenn der allgemeine anti­grüne Trend anhält und die Gefahr besteht, statt der zweite grüne Ministerpräsident eher Oppositionsführer im Stuttgarter Landtag zu werden?

Grüne in Bund und Land beteuern, ein Cem Özdemir würde sich davon nicht schrecken lassen. „Der kommt, um zu gewinnen“, heißt es. Und tatsächlich hat Özdemir gegenüber jedem anderen Spitzenkandidaten einen wesentlichen Vorteil: Den Landwirtschaftsminister, der trotz Protesten stabil zu den beliebtesten Politikern im Land gehört, kennt jeder.

Um diese Bekanntheit weiter auszubauen, tourt er seit Monaten auffällig oft durch Baden-Württemberg und lässt sich gern von einem Tross Journalisten dabei beobachten, wie er alle Fragen beantwortet außer der einen: ob er Nachfolger von Kretschmann werden will.

CDU-Chef macht es Grünen schwer

Derweil arbeitet auch der CDU-Fraktionschef Manuel Hagel in Festzelten und Podien an seiner Popularität. Seit er Thomas Strobl als Parteivorsitzenden beerbt hat, ist seine Kür zum Spitzenkandidaten nur noch Formsache. Der 35-Jährige hat die traditionell zerstrittene Landes-CDU mit der Hoffnung auf einen Machtwechsel geeint. Kretschmann und den Grünen macht er das Regieren auf den letzten Metern noch mal schwer.

Gerade erst mussten die Haushaltsverhandlungen in die Verlängerung, weil die CDU bei grünen Vorhaben wie der so genannten Mobilitätsgarantie und dem Ausbau des einst so umstrittenen Nationalparks Schwarzwald nicht mehr mitziehen will. ­Hagel wandert inzwischen lieber öffentlichkeitswirksam mit FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke als mit dem Grünen Fraktionschef Andreas Schwarz und sendet Sympathiebekundungen an die SPD, als sei eine „Deutschland-Koalition“ mit diesen Parteien nach der Wahl schon ausgemachte Sache.

„Es drohen 15 Monate Wahlkampf“, stöhnen sie bei den Grünen. Die Bundestagswahl ist im September 2025, sechs Monate später folgt die Landtagswahl im Südwesten. Wer weiß, ob dann die Regierungsbildung in Berlin schon abgeschlossen ist.

Und ob die Grünen dabei mitmischen. Das macht es strategisch schwierig. Erfolgreich waren die Grünen in Baden-Württemberg immer, wenn sie sich von der Bundespartei abgegrenzt haben. Das dürfte in dieser Gemengelage nicht so einfach werden.

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