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Türkei und Kurden: Wird jetzt das Ende der kurdischen PKK eingeleitet?

von Fremdeninfo 31 Dezember 2024
von Fremdeninfo

 

Türkei und Kurden: Wird jetzt das Ende der kurdischen PKK eingeleitet?

                                       Artikel von Marion Sendke

Erdoğans neue Doppelstrategie: In Nordostsyrien lässt die Türkei kurdische Milizen bekämpfen – und umwirbt gleichzeitig den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan.

                                                          

 Trauernde tragen am 22. Dezember 2024 den Sarg einer kurdischen Kämpferin, die in der Nähe der syrischen

Stadt Kamischli bei einem türkischen Drohnenangriff getötet wurde. © Delil Souleiman/​AFP/​Getty Images

 

Der türkische Staatsfeind Nummer eins ist auf einer Insel im Marmarameer eingesperrt. Seit einem Vierteljahrhundert sitzt Abdullah Öcalan in Isolationshaft auf Imrali ein. Der türkische Staat achte streng darauf, dass es dem Gründer der Terrororganisation PKK gut gehe, heißt es seit Jahren aus Sicherheitskreisen. Denn Öcalan wird als Schlüsselfigur angesehen, um eines Tages den jahrzehntelangen Konflikt mit den kurdischen Extremisten beizulegen.

Der Zeitpunkt dürfte nun gekommen sein. Öcalan sei bereit, den „notwendigen Schritt für einen Aufruf zur Niederlegung der Waffen zu gehen“, hieß es vor wenigen Tagen von den beiden Abgeordneten der prokurdischen DEM-Partei, Sırrı Süreyya Önder und Pervin Buldan. Die türkische Justiz hatte ihnen erlaubt, Öcalan zu besuchen. Das Treffen ist historisch, der letzte Besuch von Vertretern der DEM ist etwa zehn Jahre her. Die Parteiführung bestritt stets, Verbindungen zur PKK zu haben. Unbestritten ist dagegen der Kultstatus Öcalans in der DEM. Seine Worte haben Gewicht.

Nach dem Besuch erklärten Önder und Buldan, dass der PKK-Chef einen Friedensprozess unterstützen wolle. Details nannten sie nicht. Dafür sei der Prozess zu sensibel, sagte Buldan. Die DEM-Abgeordneten seien aber hoffnungsvoller als bei früheren Prozessen. Öcalan selbst habe von einer „Ära des Friedens, der Demokratie und der Brüderlichkeit für die Türkei und die Region“ und einer Stärkung der „türkisch-kurdischen Geschwisterschaft“ gesprochen. 

Die Türkei unterdrückt die Kurden seit Jahrzehnten

Die Wortwahl ist wichtig und hat eine internationale Dimension. Denn in der Türkei ist die PKK seit Jahren kaum noch aktiv. Vereinzelte Anschläge gehen in der Regel auf ihre Ableger im Nordosten Syriens zurück. Dort ist von Öcalans „Ära des Friedens“ bisweilen nichts zu spüren. Kurdisch geführte Milizen kämpfen seit etwa drei Wochen gegen Brigaden der sogenannten Syrischen Nationalarmee, die von der Türkei unterstützt wird.

Die Lage in Nordostsyrien ist kompliziert. Im Kampf gegen den Islamischen Staat sind die USA offiziell mit der Einheit der „Syrisch Demokratischen Kräfte“ (SDF) verpartnert. Die vor allem arabische Bevölkerung im Nordosten Syriens berichtet seit Jahren, dass kurdische Militärs sie anwerben und ihnen die Lehren Öcalans beibringen würde. Diese fußen auf einer streng marxistisch-leninistischen Ideologie, weshalb Länder wie Russland oder China die PKK nie als Terrororganisation eingestuft haben.

Der türkische Staat verbindet mit Öcalans Ideologie dagegen die Gefahr, dass sich das Land spaltet. Sie unterdrückte die Kurden jahrzehntelang, ganz gleich, ob sie für oder gegen die PKK waren. Nach etwa einem halben Jahrhundert Krieg mit mehr als 40.000 Toten halte sich die Zahl der kämpfenden Frauen und Männer in der PKK konstant bei rund 10.000, heißt es aus türkischen Sicherheitskreisen. Ein Ende der Terrororganisation könne nur aus der Gruppe selbst kommen. Dafür brauche es Öcalan.

Der war 1999 vom türkischen Geheimdienst mithilfe der CIA in Kenia gefasst und in der Türkei wegen der Gründung einer terroristischen Vereinigung, Mordes und Hochverrats zum Tode verurteilt worden. Ausgerechnet die rechtsnationalistische Partei MHP trug mit ihren Stimmen dazu bei, dass die Todesstrafe abgeschafft wurde. Öcalans Strafe wandelte sich in lebenslangen Freiheitsentzug um. Seitdem trat er vor allem dann in Erscheinung, wenn der türkische Staatspräsident ihn benutzte, um sich die Unterstützung der Kurden im Land zu sichern. Vor Wahlen ließ Recep Tayyip Erdoğan etwa Briefe veröffentlichen, in denen der PKK-Führer indirekt für ihn warb. Als Öcalan 2015 die PKK aufforderte, die Waffen abzulegen, hoffte Erdoğan, zum Friedensfürst zu werden. Doch die Milizen widersetzten sich. Ihre Ableger in Syrien waren beseelt von selbsterklärter Autonomie und der Partnerschaft mit den USA.

Danach wurde es ruhig um Öcalan. Erst vor drei Monaten brachte MHP-Chef Devlet Bahçeli ihn wieder auf die Tagesordnung. „Er soll ins Parlament kommen und erklären, dass der Terror beendet und die PKK aufgelöst ist“, forderte Bahçeli und überraschte damit Nationalisten wie Anhänger der prokurdischen DEM-Partei gleichermaßen. Einen Tag später gab es einen Terroranschlag in Ankara. Ein Flügel der PKK bekannte sich dazu, die alte Ordnung schien wieder hergestellt. Doch Bahçeli ließ nicht locker und sagte Ende Oktober: „Ein Türke, der die Kurden nicht liebt, ist kein Türke und ein Kurde, der die Türken nicht liebt, ist kein Kurde.“ Erdoğan wiederholte den Satz daraufhin, während sein Außenminister die Türkei zur einzigen Beschützerin Kurden in der Region erklärte.

Wenige Wochen nach der Charmeoffensive stürzte Syriens Diktator Baschar al-Assad. Kurdische Milizen hatten bis dahin mit ihm kooperiert. Seitdem das Regime nicht mehr ist und die USA über einen Teilrückzug aus dem Land nachdenken, gibt es ein heimliches Gerangel um die kurdische Führung. Israels Regierung hat sich Anfang Dezember deutlich zu den Kurden Syriens bekannt. Die Türkei fürchtet nun, dass diese zu Proxys für israelische Interessen werden und will selbst ein neues Verhältnis zu ihnen aufbauen. Die Regierung zeigte sich sogar bereit, eine neue, autonome Region der Kurden in Syrien zu akzeptieren – nur nicht unter der Führung von PKK-nahen Funktionären.

Um das zu erreichen, setzt die Türkei auf eine Doppelstrategie: militärischer Druck in Syrien und Dialog mit Öcalan zu Hause. Im Hintergrund wird seit Wochen verhandelt. Mitte Dezember teilte SDF-Chef Mazlum Abdi in Syrien mit, ausländische Kämpfer würden das Land verlassen werden, wenn es mit der Türkei eine Einigung gebe. Parallel sucht die kurdische Militärführung einen Schulterschluss mit der syrischen Interimsregierung, die der islamistischen Miliz Hayat Tahrir al-Scham nahesteht. Deren Führer Ahmed al-Scharaa wiederholte bisher aber nur die Forderungen der Türkei: Ausweisung der ausländischen Kämpfer, Trennung von PKK-nahen Funktionären und Niederlegung der Waffen.

Der Höhenflug kurdisch geführter Milizen in Syrien scheint vorbei zu sein. In ihren Gebieten protestieren Teile der mehrheitlich arabischen Bevölkerung seit Wochen gegen sie. Auch jenseits der Grenze wünschen sich viele Kurden und Türken ein Ende des jahrzehntelang politisch geschürten Hasses. Sollte Öcalan seine aktuelle Ankündigung umsetzen und ein de facto Ende der PKK fordern, dürfte seine Stimme mehr Gewicht haben als vor neun Jahren

31 Dezember 2024 0 Kommentare
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Nach Wahlempfehlung: Fordert Elon Musk jetzt AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zum Duell heraus?

von Cumali Yağmur 30 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

 Nach Wahlempfehlung: Fordert Elon Musk jetzt AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zum Duell heraus?

 

                       Welt am Sonntag

Ein Gastbeitrag des Unternehmers Elon Musk in der Welt am Sonntag sorgt derzeit für Wirbel. In diesem wirbt er für die AfD. Jetzt könnte noch ein direkter Austausch folgen.

Sophie-Marie Schulz

Treffen AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel und der amerikanische Unternehmer Elon Musk bald in einem Livestream auf X aufeinander?Fotoillustration: BLZ. Fotoquelle: dpa

Versucht der amerikanische Milliardär Elon Musk den deutschen Bundestagswahlkampf zu beeinflussen? Wird er möglicherweise dafür sorgen, dass die Umfragewerte der AfD weiter steigen? Seit der Veröffentlichung eines Gastbeitrags des Unternehmers in der Welt am Sonntag wird darüber wild diskutiert. In seinem Meinungsbeitrag bezeichnet Musk die Alternative für Deutschland als den „letzten Funken Hoffnung für dieses Land“.

Der Beitrag sorgte nicht nur unter Politikern für Entrüstung. Die Leiterin des Welt-Meinungsressorts, Eva Maria Kogel, kündigte, da sie mit der Veröffentlichung nicht einverstanden war. Doch jetzt scheint Musk sogar noch einen Schritt weiter zu gehen, er könnte sich nach einem Dialog auf X wohl vorstellen, die AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel zu interviewen.

Musk liefert Beweis für Deutschlands Doppelmoral: Meinungsfreiheit ja, aber nur für Mitläufer

Auf X interviewte Elon Musk im Wahlkampf Donald Trump

Auch im Wahlkampf in den USA ergriff Elon Musk eindeutig Partei: Er unterstützte Donald Trump nicht nur finanziell, sondern warb öffentlichkeitswirksam für dessen Wahl. Auf X führte Musk ein Livestream-Interview mit Trump, das von mehreren Millionen Nutzern live verfolgt wurde. Wenige Monate später gewann Trump die Wahl, obwohl er in den Umfragen hinter seiner Rivalin Kamala Harris gelegen hatte. Ob das digitale Interview dabei ausschlaggebend war, bleibt unklar. Dennoch plant Musk offenbar, dieses Format fortzusetzen – allerdings nicht in den USA, sondern in Deutschland.

Auf X schrieb jetzt ein Nutzer an Elon Musk gerichtet: „Du solltest ein Live X mit Alice Weidel von der AfD machen. Sie werden ihren Verstand verlieren.“ Mit „sie“ scheint der Nutzer auf deutsche Medien und Politiker anzuspielen, wohl angesichts der kontroversen Reaktionen auf Musks Gastbeitrag.

Musk antwortete sogar mit einem „o.k.“ – das ist aber weder eine klare Zusage noch eine Absage. Ob es tatsächlich zu einem Gespräch mit der AfD-Kanzlerkandidatin kommt, bleibt ungewiss. Fest steht jedoch: Ein solches Interview würde für erhebliches Aufsehen sorgen, unabhängig von seiner Ausgestaltung.

Der Kanzlerkandidat der Union, Friedrich Merz, übte nach der Veröffentlichung des Beitrags in der Welt am Sonntag harsche Kritik an Musks Wahlaufruf: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es in der Geschichte der westlichen Demokratien einen vergleichbaren Fall der Einmischung in den Wahlkampf eines befreundeten Landes gegeben hat.“ Er bezeichnete Musks Äußerungen im Text als „übergriffig und anmaßend“.

Lars Klingbeil, der Parteivorsitzende der SPD, verglich Musks Äußerungen gegenüber der Funke-Mediengruppe mit dem Verhalten des russischen Präsidenten Wladimir Putin: „Elon Musk versucht nichts anderes als Wladimir Putin. Beide wollen unsere Wahlen beeinflussen und unterstützen gezielt die Demokratiefeinde der AfD. Sie wollen, dass Deutschland geschwächt wird und ins Chaos stürzt

30 Dezember 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Bundestagswahl: Merz, Weil und Faeser zeigen sich hart in der Migrationspolitik

von Cumali Yağmur 30 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

 

 

Bundestagswahl: Merz, Weil und Faeser zeigen sich hart in der Migrationspolitik

                                                                 Artikel von , dpa

                                                                   

Nancy Faeser und Friedrich Merz: Die Bundesinnenministerin und der CDU-Chef haben nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt Magdeburg besucht. Das Thema Migration ist nicht erst dadurch auch zum Wahlkampfthema geworden. data-portal-copyright=

inden seien überschritten. „So geht es nicht mehr weiter. Und deswegen muss man jetzt konsequenter in der Einwanderungs- und Migrationsdebatte sagen: Wir brauchen einen Politikwechsel auch in der Einwanderungspolitik

Der CDU-Chef bekräftigt, dass seine Partei Straftäter nach Syrien abschieben wird. SPD-Politiker Weil will eine andere Willkommenskultur und die Innenministerin längere Grenzkontrollen.

CDU-Chef Friedrich Merz hält trotz der unklaren politischen Entwicklung in Syrien an der Forderung nach Abschiebungen syrischer Straftäter fest. „Das Land ist nach wie vor sehr instabil, das wissen wir“, sagte der Kanzlerkandidat von CDU und CSU der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. „Aber wir sind in der Union ja schon seit längerer Zeit der Auffassung, dass man nach Afghanistan und nach Syrien grundsätzlich abschieben kann und sollte. Das würden wir machen.“

Nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad formiert sich in Syrien derzeit ein neues Regime unter Leitung islamistischer Kräfte.

Die amtierende Bundesregierung fährt einen ähnlichen Kurs. Das machte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ deutlich. Abschiebungen seien in den vergangenen zwei Jahren um über 50 Prozent gestiegen, sagte sie dort: „Außerdem haben wir erstmals wieder gefährliche Straftäter nach Afghanistan abgeschoben – als einziges Land in Europa.“ Das werde man fortsetzen.

Zudem will sie die zuletzt im September ausgeweiteten Grenzkontrollen mit Blick auf illegale Migration verlängern: „Wir brauchen diese Kontrollen, bis der Schutz der EU-Außengrenzen deutlich verstärkt wird.“

Abgestimmte Haltung mit EU-Partnern

Friedrich Merz verlangte weiter, man müsse auch genau hinschauen, wer derzeit noch aus Syrien nach Deutschland und Europa komme: „Ich möchte jedenfalls die Mitglieder der Assad-Milizen, die in Syrien schlimme Verbrechen begangen haben, hier in Deutschland nicht sehen.“ Das seien Mittäter des Assad-Regimes, die in Syrien nun möglicherweise Strafverfahren vor sich hätten, sich aber stattdessen lieber auf die Flucht begeben würden. „Die klare Botschaft muss sein: Wir werden euch hier an den Grenzen sofort zurückweisen.“

Merz verlangte eine klare, abgestimmte Haltung mit allen anderen europäischen Ländern nach dem Motto: „Die EU und Deutschland werden die Getreuen Assads nicht aufnehmen. Das Ganze mit Maß und Augenmaß, aber auch trotzdem mit Klarheit und mit Konsequenz“, sagte er.

Derzeit leben in Deutschland laut Bundesinnenministerium rund 975.000 Syrer. Die meisten kamen seit 2015 infolge des syrischen Bürgerkriegs. Mehr als 300.000 von ihnen haben einen subsidiären Schutztitel. Sie wurden also nicht wegen einer individuellen Verfolgung aufgenommen, sondern wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat.

Deutschland habe vielen Flüchtlingen geholfen und Unterkunft gewährt, sagte der Unionsfraktionschef. Doch die Zahl der in Deutschland lebenden Flüchtlinge sei jetzt schon zu hoch, die Aufnahmemöglichkeiten der Städte und Geme

30 Dezember 2024 0 Kommentare
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Religion

Christentum und Islam: Die interkulturelle Dimension von Weihnachten

von Cumali Yağmur 26 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

              Christentum und Islam: Die interkulturelle Dimension von Weihnachten

                               Von: Stefan Kreitewolf

Das Symbol für Weihnachten schlechthin: ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum. Foto: Sabri Tuzcu / Unsplash

 
Weihnachten – für viele eine Zeit der Besinnung, der Familie und des Lichts. Doch jenseits von geschmückten Weihnachtsbäumen, Geschenken und Lebkuchen birgt dieses Fest eine bemerkenswerte interkulturelle Dimension – besonders für Christen und Muslime.

Weihnachten ist für viele Menschen in Deutschland ein besonderes Fest: Es symbolisiert Gemeinschaft, Besinnlichkeit und Hoffnung. Und in einer Gesellschaft, die von kultureller Vielfalt beeinflusst ist – wie der deutschen –, wird Weihnachten oft auch als eine Brücke zwischen Kulturen und Religionen verstanden.

Besonders spannend ist dabei der interreligiöse Dialog zwischen Christentum und Islam, zwei Glaubensrichtungen, die in Deutschland und in türkischstämmigen Familien viele Berührungspunkte haben. Das Weihnachtsfest feiert die Geburt Jesu Christi, der im Christentum als Sohn Gottes und Erlöser der Welt verehrt wird.

Meryem – die Mutter Jesu

Doch auch im Islam spielt Jesus – im Türkischen „İsa“ – eine zentrale Rolle. Als einer der großen Propheten wird er im Koran hochgeachtet. Die Sure 19, „Maryam“, widmet sich ausführlich seiner Geburt und positioniert Maria (Maryam / Meryem), die Mutter Jesu, als Vorbild in Sachen Frömmigkeit.

Und während Christen die Niederkunft Marias als Manifestation göttlicher Liebe feiern, erkennt der Islam in ihrem Sohn einen Boten Gottes, der Menschen zur Rechtschaffenheit aufrief. Die gemeinsame Wertschätzung Jesus‘ bildet eine Brücke zwischen beiden Religionen.

Globalisiertes Weihnachten

Dennoch spielt Weihnachten in vielen mehrheitlich muslimischen Ländern keine religiöse Rolle, Weihnachtmärkte, Santas und Tannenbäume sind indes auch in Ländern wie der Türkei oder den Vereinigten Arabischen Emiraten zu finden. Wenn auch eher über Silvester und Neujahr als an Weihnachten selbst. Der Globalisierung sei Dank.

 

Hierzulande ist das Weihnachtsfest für viele Muslime eine Gelegenheit, an der Freude und Gemeinschaft teilzuhaben, ohne ihre eigene religiöse Identität zu verlieren. Denn neben allen theologischen Unterschieden gibt es auch universelle Werte, die beide Glaubensrichtungen verbinden. Liebe, Barmherzigkeit, Familie und Mitgefühl stehen in beiden Religionen im Mittelpunkt.

Das DTJ-Team wünscht ein frohes Fest und ruhige Feiertage

In einer Zeit, in der Polarisierung und Segregation zwischen Kulturen und Religionen zunehmen, kann Weihnachten eine Brücke schlagen. Denn Menschen unterschiedlichen Glaubens eint mehr als sie trennt. Wer Weihnachten feiert, sollte das Fest der Liebe auch mit Menschen teilen, die ihm oder ihr sonst nicht so nahestehen – mit ausgestreckten Händen und offenen Herzen.

Das Deutsch-Türkische Journal wünscht allen die feiern: Frohe Weihnachten! Wer das Fest zur Einkehr nutzt: Genießen Sie die Ruhe und die freie Zeit mit Ihren Liebsten!

26 Dezember 2024 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Migrationspolitik: Lindner dringt auf Rückkehr syrischer Flüchtlinge

von Fremdeninfo 25 Dezember 2024
von Fremdeninfo

                  Migrationspolitik: Lindner dringt auf Rückkehr syrischer Flüchtlinge

                                                                     Artikel von , dpa

 

                                                          

ARCHIV – 19.12.2024, Berlin: Christian Lindner, Parteivorsitzender der FDP, spricht in einem Interview mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (dpa). (zu dpa: «Lindner dringt auf Rückkehr syrischer Flüchtlinge») Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ data-portal-copyright=

Was soll mit den Syrern in Deutschland geschehen, die vor Baschar al-Assad geflohen sind? Für FDP-Chef Lindner ist die Sache klar: Wer bleiben wolle, müsse klare Kriterien erfüllen.

Nach dem Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad dringt der FDP-Vorsitzende Christian Lindner auf eine Rückkehr der von dort nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. „Bei den Menschen, die aus Syrien wegen des Bürgerkriegs zu uns kamen, muss die Rückkehr in die Heimat die Regel sein“, sagte der frühere Bundesfinanzminister der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wer bleiben will, kann sich nach unserem Einwanderungsrecht um dauerhaften Aufenthalt bewerben.“

Dabei müsse der Verbleib in Deutschland an klare Kriterien gebunden sein und dürfe kein Automatismus werden. „Zentral ist, ob der Lebensunterhalt durch Arbeit bestritten wird, ob Straftaten vorliegen und ob es eine klare Identifikation mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung gibt“, sagte Lindner. „Als aufnehmende Gesellschaft haben wir das Recht zu entscheiden. Einwanderung in unser Sozialsystem können wir uns nicht leisten.“

In Deutschland leben laut Bundesinnenministerium aktuell rund 975.000 Syrer. Die meisten kamen seit 2015 infolge des syrischen Bürgerkriegs. Mehr als 300.000 von ihnen haben einen subsidiären Schutztitel. Sie wurden also nicht wegen einer individuellen Verfolgung aufgenommen, sondern wegen des Bürgerkriegs in ihrer Heimat. 

Lindner will rasche Verhandlungen mit neuer syrischer Führung

„Wer das Aufenthaltsrecht in Deutschland verloren hat, der muss ausreisen“, betonte der FDP-Chef. Die Bundesregierung sollte mit der neuen Führung in Syrien schnell eine Verabredung aushandeln, wie dieses Land Verantwortung für seine in Deutschland lebenden Staatsangehörigen übernimmt.

Deutschland könne beim Wiederaufbau des Landes ein attraktiver Partner sein. „Aber eine solche Partnerschaft muss auf Wechselseitigkeit beruhen. Wenn Deutschland beim wirtschaftlichen Aufbau Syriens unterstützt, muss die Erwartung daran geknüpft werden, dass eine neue syrische Führung nach der Stabilisierung des Landes daran mitwirkt, dass Ausreiseverpflichtungen aus Deutschland vollzogen werden.“

Reserviert zeigte sich der Freidemokrat zu Überlegungen für Rückkehrhilfen für Syrer. Er wies darauf hin, dass die deutschen Steuerzahler in den vergangenen Jahren für den Aufenthalt der Syrer aus Solidarität viele Milliarden Euro aufgewendet hätten. „Die aus der CDU ins Spiel gebrachte finanzielle Starthilfe für freiwillige Ausreise sehe ich daher skeptisch.“

25 Dezember 2024 0 Kommentare
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Kurdische und protürkische Milizen führen heftige Kämpfe in Nordsyrien

von Cumali Yağmur 24 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

Kurdische und protürkische Milizen führen heftige Kämpfe in Nordsyrien

Im Osten von Aleppo bekämpfen sich Kurden und von der Türkei unterstützte Gruppen teils mit Raketen. Annalena Baerbock warnt vor einer Eskalation.
 
 

Menschen trauern am 22. Dezember in der syrischen Stadt Kamischli um ein bei einem türkischen Drohnenangriff getötetes Mitglied der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten. Nun gibt es erneut Kämpfe zwiscchen kurdischen und protürkischen Milizen. © Delil Souleiman/​AFP/​Getty Images

 
 In Nordsyrien ist es zu heftigen Kämpfen zwischen dem von Kurden angeführten Militärbündnis Syrian Democratic Forces und von der Türkei unterstützten Gruppierungen gekommen. Das berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Kämpfe im Osten von Aleppo dauerten demnach mehrere Stunden, die protürkischen Gruppierungen setzen schwere Artillerie und Raketen ein.
 

Angaben über Tote auf beiden Seiten sowie getötete Zivilisten konnte die Beobachtungsstelle bisher nicht bestätigen.

Nach kurdischen Angaben bereiten die Türkei und verbündete Milizen eine Offensive auf die nordsyrische Grenzstadt Kobanê vor. Kurdische Kämpferinnen und Kämpfer hatten die Stadt in der sogenannten Schlacht um Kobanê 2014 gemeinsam mit ihren Verbündeten gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) verteidigt.

Die Türkei begründet ihre Militäreinsätze gegen kurdische Milizen mit dem Kampf gegen den „Terror“.

Baerbock warnt vor erneuter Vertreibung der Kurden

Außenministerin Annalena Baerbock warnte unterdessen vor einer weiteren Eskalation zwischen den beiden Parteien. Diese würde die Terrormiliz IS stärken und könnte Sicherheitsrisiken für Syrien, die Türkei und Europa bedeuten, sagte Baerbock im Deutschlandfunk.

Baerbock hob zudem hervor, dass die Kurden eine wichtige Rolle im Kampf gegen den IS gespielt hätten. Die Stadt Kobanê sei „ein Symbol für den mutigen Kampf der Kurd

Was jetzt, America? – Der US-Überblick

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Die derzeitige Lage in Syrien dürfe „nicht dafür genutzt werden, dass die Kurden erneut vertrieben werden, dass es erneut zu Gewalt kommt“. Genau dies fordere Deutschland vom Nato-Partner Türkei ein, sagte die Außenministerin.

Nach einem Treffen mit ihrem türkischen Kollegen Hakan Fidan vergangenen Freitag hatte Baerbock aber auch gefordert, dass die kurdischen Milizen in Nordsyrien ihre Waffen niederlegen sollten. Sie müssten in die syrische Sicherheitsarchitektur eingegliedert werden, sagte Baerbock.

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24 Dezember 2024 0 Kommentare
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Türkische Journalist Özlem Gürses zu Hausarrest verurteilt

von Cumali Yağmur 24 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

Türkische Journalist Özlem Gürses zu Hausarrest verurteilt

Türksiche Moderatorin wird die Sendung „Para Politika“ (Geld und Politik) von zu Hause aus moderieren

 
 
 

Es wurde bekannt, dass die Sözcü-TV-Moderatorin Özlem Gürses, die zu einem Hausarrest verurteilt wurde, ihr werktägliches Morgenprogramm „Para Politika“ (Geld und Politik) künftig von zu Hause aus durchführen wird.

Die Journalistin und Sözcü-TV-Moderatorin Özlem Gürses, wegen ihren Kommentar zu Militäreinsätzen in Nord-Syrien, war von der Staatsanwaltschaft festgenommen und anschließend vom Gericht unter Hausarrest gestellt worden. Die Zukunft ihres beliebten Morgenprogramms „Para Politika“ auf Sözcü TV hatte daraufhin Fragen aufgeworfen.

 

 

Gürses äußerte sich erstmals zu ihrer Strafe im Rahmen der Sendung „Nokta Atışı“, die von İpek Özbey moderiert wird und ebenfalls auf Sözcü TV ausgestrahlt wird. Gegen Ende der Live-Sendung stellte İpek Özbey die Frage nach dem Fortbestand des Programms „Para Politika“, was das Thema in den Fokus rückte.

„Es ist mir eine Ehre!“

In der Live-Sendung fragte İpek Özbey: „Du wirst am Montag ‚Para Politika‘ von zu Hause aus moderieren, oder?“ Daraufhin antwortete Özlem Gürses:

„Ich weiß nicht, ob das möglich ist. Ich habe ein kleines Studio bei mir zu Hause, und mein Chefredakteur, der gerade vor mir sitzt, sagt ‚Ja, ja, das werden wir machen.‘ Also gut, machen wir es – es ist mir eine Ehre! Ich dachte schon, ‚Na, wenn ich schon unter Hausarrest stehe, könnte ich die fünf Tage mal ordentlich ausschlafen.‘ Aber das wird wohl nichts, liebe İpek. Vielleicht gewöhne ich mich daran und komme gar nicht mehr ins Büro. Es gefällt mir hier, vielleicht lade ich euch alle mal zu mir ein!“

 

24 Dezember 2024 0 Kommentare
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Politik

Nahost – Die Lage am Morgen: Kurden rechnen mit türkischem Angriff in Nordsyrien

von Fremdeninfo 22 Dezember 2024
von Fremdeninfo

Nahost – Die Lage am Morgen: Kurden rechnen mit türkischem Angriff in Nordsyrien

                                            Artikel von , dpa

                             

ARCHIV – 04.09.2023, Syrien, Al-Baseera: Ein Kämpfer der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) steht 2023 auf einem bewaffneten Fahrzeug. (zu dpa: «Kurden rechnen mit türkischem Angriff in Nordsyrien») Foto: Baderkhan Ahmad/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ data-portal-copyright

Nach dem Sturz des syrischen Machthabers Assad fürchten die Kurden eine türkische Großoffensive. Sie hoffen auf die USA, die für sie ein wichtiger Partner sind.

Die Türkei und mit ihr verbündete Milizen bereiten nach kurdischen Angaben eine Offensive gegen die nordsyrische Grenzstadt Kobane vor. Die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten würden Verstärkung in die Region südlich der von Kurden gehaltenen Stadt entsenden, sagte der Sprecher der kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Farhad al Schami, der Deutschen Presse-Agentur. Möglich sei ein Angriff von Süden und von Westen aus auf die Stadt. Rund um die Stadt kommt es schon seit längerem zu heftigen Gefechten.

Die SDF hätten Kontakt mit der US-geführten Koalition und der US-Regierung aufgenommen, um die türkische Offensive zu stoppen, sagte al Schami. Bereits am Dienstag hatte der Oberkommandierende der SDF, Maslum Abdi, für Nordsyrien eine Pufferzone vorgeschlagen.

Sie seien bereit, in Kobane eine entmilitarisierte Zone einzurichten, in der Sicherheitskräfte unter US-Aufsicht und -Präsenz aufgestellt werden sollten. Eine entmilitarisierte Zone unter internationalem Schutz könnte als Sicherheitsgarantie für die Kurden dienen und der Türkei die Sorgen hinsichtlich der Kurden nehmen.

Kurden für USA Verbündete

Der Türkei wird vorgeworfen, das Machtvakuum nach dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad in Syrien nutzen zu wollen, um die unter Verwaltung kurdischer Milizen stehenden Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die Kurden und die SDF werden von den USA unterstützt, für die die SDF ein wichtiger Partner im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien sind. Die Türkei sieht die Miliz hingegen als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – und damit als Terrororganisation.

 Syrische Übergangsregierung besetzt Posten neu

Die von Rebellen geführte Übergangsregierung in Syrien ernannte offiziellen Angaben zufolge einen Außenminister und einen Verteidigungsminister. Asaad Hassan al-Schaibani übernehme das Außenministerium, meldete die frühere Staatsagentur Sana auf Telegram. Neuer Verteidigungsminister wurde nach Angaben der Übergangsregierung der Agraringenieur Marhaf Abu Kasra, einer der bekanntesten Anführer der Rebellen, die den Machthaber Baschar al-Assad gestürzt hatten.

Al-Schaibani war seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien im Frühjahr 2011 in der Opposition aktiv. Syrien war während des Bürgerkriegs tief gespalten. Assad ging brutal gegen jegliche Oppositionskräfte vor und kontrollierte bis zu seinem Sturz etwa zwei Drittel des Landes. Im Nordwesten gründete die Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) 2017 eine Parallelverwaltung. 

Schaibani hatte dort die Abteilung für politische Angelegenheiten aufgebaut. Er soll im humanitären Bereich tätig gewesen sein und für auswärtige Angelegenheiten. Er habe gute Verbindungen unter anderem zu den Vereinten Nationen aufgebaut, hieß es aus informierten Kreisen.

US-Militär greift Huthi-Stellungen an

US-Streitkräfte bombardierten derweil im Jemen erneut Stellungen der Huthi-Miliz. Wie das US-Zentralkommando Centcom mitteilte, wurden Luftangriffe auf ein Raketenlager und eine Kommandozentrale der vom Iran unterstützten Miliz nahe der Hauptstadt Sanaa geflogen. Darüber hinaus seien mehrere Drohnen der Rebellen und ein Marschflugkörper über dem Roten Meer abgeschossen worden. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Seit Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der Hamas greifen die mit den Islamisten verbündeten Rebellen regelmäßig mit Raketen und Drohnen Ziele in Israel und Schiffe im Roten Meer an. Erst am Samstag wurde Israel erneut Ziel eines Raketenangriffs aus dem Jemen. In der Hafenmetropole Tel Aviv ging ein Projektil nieder, es gab 16 Leichtverletzte. Die Huthi-Miliz reklamierte den Angriff für sich. 

Nach dem missglückten Versuch, die von der Huthi-Miliz abgefeuerte Rakete abzufangen, startete die israelische Armee nach eigenen Angaben eine Untersuchung. Es war bereits der dritte Treffer von Geschossen der Huthis in Israel im Dezember.

Krankenhaus in Gaza kann Patienten nicht mehr versorgen

Ein Krankenhaus im Norden des umkämpften Gazastreifens bat die internationale Gemeinschaft dringend um Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln. Rund um das Kamal-Adwan-Krankenhaus im Ort Beit Lahia gehe der israelische Beschuss weiter und die Patienten könnten nicht mehr versorgt werden, teilte das von der islamistischen Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium mit.

Auch gebe es kaum noch Lebensmittel und Trinkwasser. Nach palästinensischen Angaben forderte die israelische Armee am Abend die Evakuierung des Spitals. Die israelische Armee machte dazu trotz einer Anfrage keine Angaben.

Seit dem Massaker der Hamas und anderer Extremisten aus dem Gazastreifen in Israel am 7. Oktober 2023 mit 1.200 Toten und rund 250 Verschleppten kämpft die israelische Armee in dem Küstenstreifen. Bemühungen um eine Waffenruhe scheiterten immer wieder.

Papst Franziskus spricht von „Grausamkeit“ in Gaza

Papst Franziskus erinnerte in einer Ansprache im Vatikan an die verheerenden Folgen des Gaza-Kriegs. Das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken beklagte, im Gazastreifen seien am Tag zuvor Kinder bombardiert worden. „Das ist Grausamkeit. Das ist kein Krieg. Ich will dies sagen, weil es das Herz berührt“, sagte der Pontifex sichtlich bewegt. Israel bezeichnete die Worte des Papstes als „enttäuschend“, da der Pontifex außer Acht lasse, dass Israel einen Mehrfrontenkrieg führe, der ihm aufgezwungen worden sei.

Israels Außenminister Gideon Saar hielt Franziskus vor, den Vorwurf der Grausamkeit an die falsche Adresse gerichtet zu haben. „Grausamkeit ist, wenn Terroristen sich hinter Kindern verstecken, während sie versuchen, israelische Kinder zu ermorden; Grausamkeit ist, wenn 100 Geiseln, darunter ein Baby und Kinder, 442 Tage lang von Terroristen festgehalten und misshandelt werden“, erklärte Saar.

22 Dezember 2024 0 Kommentare
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Politik

Kurden in Syrien: Erdoğan rasselt mit dem Säbel

von Fremdeninfo 21 Dezember 2024
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 Kurden in Syrien: Erdoğan rasselt mit dem Säbel

                            Artikel von Othmara Glas/ FAZ

                                         

 Unterstützung die SDF: Syrische Kurden protestieren am 19. Dezember 2024 in Qamischli gegen die türkische Forderung, dass die SDF ihre Waffen niederlegen soll © AFP

Als islamistische Rebellen auf die syrische Hauptstadt Damaskus vorrückten und am 8. Dezember den langjährigen Gewaltherrscher Baschar al-Assad stürzten, nutzten von der Türkei unterstützte Milizen die Gunst der Stunde. Kämpfer der „Syrischen Nationalen Armee“ (SNA) haben ihre Angriffe auf kurdische Einheiten im Norden Syriens verstärkt. Ankara selbst zieht Truppen an der Grenze zusammen und attackiert kurdische Stellungen mit Drohnen. Zudem werden öfter Angriffe von Kämpfern der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gemeldet.

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Îlham Ahmad, Außen­beauftragte der international nicht anerkannten kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten Syriens. © Picture Alliance

„Die Lage in Nordostsyrien ist sehr schwierig“, sagt Îlham Ahmad im Gespräch mit der F.A.Z. Sie ist die Außen­beauftragte der international nicht anerkannten kurdischen Selbstverwaltung im Nordosten Syriens. Die Kurden nennen das Gebiet Rojava. „Wir brauchen dringend internationale Unterstützung“, sagt Ahmad. Dabei geht es einerseits um humanitäre Hilfe, andererseits bittet sie die internationale Gemeinschaft, auf die Türkei einzuwirken und einen Waffenstillstand für ganz Syrien auszuhandeln.

Die Flüchtlinge leben vorerst in Schulen

In den vergangenen Wochen waren protürkische Milizen in kurdisches Gebiet vorgerückt. Sie nahmen Städte wie Tal Rifaat und Manbidsch ein; die von kurdischen Einheiten geführten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) mussten sich auf die Ostseite des Flusses Euphrat zurückziehen. Hilfsorganisation meldeten bis zu 100.000 Menschen, die in dem Gebiet auf der Flucht seien, Ahmad spricht gar von 150.000. Ein Teil der Flüchtlinge sei in Schulen untergebracht in der Umgebung von Raqqa, ein anderer Teil auf Häuser, Privatwohnungen und Siedlungen in anderen Bereichen von Nordostsyrien verteilt worden. „Es ist Not am Mann“, sagt sie.

Und die Lage spitzt sich zu. Ankara zieht Truppen nahe der Stadt Kobane zusammen, die direkt an der türkisch-syrischen Grenze liegt. 2015 hatte die ame­rikanisch-kurdische Allianz den IS von dort vertrieben. Ahmad sagt, die Stadt sei mittlerweile von drei Seiten umzingelt. Protürkische Milizen stünden vor den Toren der Stadt, die Türkei greife Kobane mit Drohnen an. Am Dienstag zitierte das „Wall Street Journal“ aus einem Brief Ahmads an Donald Trump, in dem sie darauf dringt, der künftige amerikanische Präsident solle die Türkei von einer Militär­offensive

Zwar versuchen laut Ahmad die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien, die Situation zu entschärfen, indem sie eine Waffenruhe mit Ankara verhandelten, doch sei bisher jeder aus­gehandelte Waffenstillstand von der SNA gebrochen worden. Die aktuelle Feuerpause gelte bis Sonntag. „Was dann passiert, weiß Gott allein.“ Manche Beobachter glauben an einen Einmarsch in den kommenden Wochen. Andere gehen davon aus, dass Ankara zwar eine Droh­kulisse aufbaue, aber nichts unternehmen werde, bevor Trump am 20. Januar das Präsidentenamt übernimmt.

Die Türkei hat schon angekündigt, ihre Truppen so lange an der Grenze zu lassen, bis die kurdischen Kämpfer im Norden Syriens „die Waffen niederlegen“. Die Bedrohung dort bestehe weiter, sagte ein Sprecher des türkischen Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Ankara sieht in den zu den SDF gehörenden Kurdenmilizen Ableger der in der Türkei als terroristisch eingestuften und verbo­tenen „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK). Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan legte am Freitag nach: „Es ist an der Zeit, die in Syrien existierenden Terrorgruppen auszulöschen“, sagte er. Erdoğan nannte dabei ausdrücklich den IS und die kurdische Arbeiterpartei „PKK und ihre Verbündeten“.

Kurden kommen Erdoğan entgegen

Einer Forderung Ankaras hat die SDF schon zugestimmt: Sollte es zu einem andauernden Waffenstillstand mit der Türkei kommen, würden ausländische Kämpfer Syrien verlassen, die sich der SDF angeschlossen haben, sagte der Komman­deur Maslum Abdi am Donnerstag in ei­nem Gespräch mit der Agentur Reuters. Neben dieser Zusage gibt es laut Ahmad eine weitere Initiative für einen dauerhaften Waffenstillstand. „Um der Türkei ihre sogenannte Terrorangst zu nehmen, würden wir uns für eine – wie von der Türkei gefordert – entmilitarisierte Zone von 30 Kilometern an der türkisch-syrischen Grenze einsetzen.“

Das Angebot basiert auf einem Vorschlag des türkischen Präsidenten Erdoğan, den er 2019 in New York den Vereinten Nationen präsentierte. Erdoğan sprach damals von einer „Schutzzone“ in Nordsyrien, um die Rückkehr von syrischen Flüchtlingen aus der Türkei zu ermöglichen. Er schlug vor, dass zunächst ein Korridor mit einer Breite von 30 und einer Länge von 480 Kilometern eingerichtet werde, der die Ansiedlung von bis zu zwei Millionen Syrern ermögliche. Später könne dieser Korridor bis nach Raqqa und Deir ez-Zor ausgeweitet werden. Ahmad sagt nun, dass so eine ent­militarisierte Zone unter die Aufsicht und den Schutz einer internationalen Friedenstruppe gestellt werden könne. „Dann wäre die Türkei zufrieden, und es gäbe keinen Grund mehr, Krieg zu führen.“

Über die Rolle der Kurden in Syrien ging es auch beim Besuch von Außen­ministerin Annalena Baerbock in Ankara am Freitag. Zuvor hatte sie die Türkei aufgefordert, die Kurden in den syrischen Friedensprozess einzubeziehen. Das werde sie „sehr, sehr deutlich machen“. Die Kurden seien wie Deutschland Teil der Koalition gegen den IS. Die Einbeziehung aller Gruppen in Syrien sei daher auch „in unserem eigenen nationalen Sicherheitsinteresse“, sagte Baerbock.

Ahmad betont, dass ihr Ziel ein Syrien sei, in dem die Menschen in Sicherheit und Frieden leben können. Die Selbstverwaltung zu behalten ist dabei das oberste Ziel. „Wir könnten einen sehr großen Beitrag zum modernen Syrien liefern“, sagt sie. „Wir sind weltlich und kein religiöser Staat.“ Die nun in Damaskus herrschende Islamistengruppierung Hayat Tahrir al-Sham (HTS) unterhält Kontakte mit der SDF, beide haben einen Nichtangriffspakt geschlossen.

2000 amerikanische Soldaten stationiert

Auch mit den Behörden der Selbstverwaltung steht die HTS zwar in Kontakt. „Für die Sicherheit Syriens, den Aufbau einer neuen Armee und den gesamt­gesellschaftlichen Wiederaufbau Syriens haben wir viele Punkte, die wir gern mit HTS besprechen würden“, sagt Ahmad. „Aber man hat unserem Vorschlag, dass man sich zusammensetzt, noch nicht geantwortet.“ Die HTS behaupten bisher, die Rechte von Minderheiten zu schützen, auch die der Kurden. Gleichzeitig sprechen sie sich für ein geeintes Syrien aus. Ein autonomes Gebiet im Nordosten dürfte nicht in ihrem Interesse sein.

Eine Bedrohung für Syriens Sicherheit stellt derweil der IS dar. Während die kurdischen Kräfte im Westen gebunden sind, nehmen die Angriffe der Terroristen zu. Der Syrien-Fachmann Alexander McKeever sieht aber weniger einzelne aktive Zellen als Gefahr an als vielmehr die Tausenden IS-Kämpfer, die in kurdischen Gefängnissen sitzen, und ihre Familien, die in Lagern in Nordostsyrien leben. Sie könnten die Lage für einen Ausbruch nutzen. Zur Unterstützung der kurdischen Kräfte im Kampf gegen den IS sind amerikanische Truppen in der Region stationiert. War man bisher von 900 Soldaten ausgegangen, korrigierte das Pentagon am Donnerstag die Zahl auf 2000.

„Wir hoffen, dass er die Truppen nicht abzieht“, sagt Ahmad mit Blick auf Trump, der schon in seiner ersten Amtszeit einen kompletten Abzug aus Syrien geplant hatte. „Die SDF wäre allein ohne internationale Unterstützung auf Dauer nicht in der Lage, ganz allein diesen schwierigen Kampf zu führen.“

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