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Religion

Er ist Arzt, seit 2006 in Deutschland – Was wir über den Attentäter von Magdeburg wissen

von Fremdeninfo 21 Dezember 2024
von Fremdeninfo

 

Er ist Arzt, seit 2006 in Deutschland – Was wir über den Attentäter von Magdeburg wissen

Artikel von Robert Tannenberg, Frederik Schindler, Lennart Pfahler, Johanna Magdalena Lauscher

Ein Mann rast mit einem Leihwagen in eine Menschenmenge auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Mindestens zwei Menschen sterben, darunter ein Kleinkind. Über den Täter kursieren etliche Informationen. Das wissen wir über den Attentäter von Magdeburg.

                                

                                                  AFP/RONNY HARTMANN

Es sind dramatische Szenen kurz vor Weihnachten: Bei einem Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen, ein Erwachsener und ein Kleinkind.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sprach außerdem von sehr vielen Verletzten, mindestens 60. „Das ist eine Katastrophe für die Stadt Magdeburg und für das Land und auch generell für Deutschland“, sagte Haseloff. Die Polizei sprach von 15 Schwerstverletzten.

Über den Täter kursieren etliche Informationen im Netz. Vieles ist unklar.

Was wir wissen

  • Der Mann ist nach ersten Erkenntnissen ein 50-jähriger Arzt (Geburtsjahr 1974) aus Saudi-Arabien.
  • Er kam 2006 nach Deutschland, sein Wohnort ist Bernburg, rund 50 Kilometer südlich von Magdeburg. Nach Informationen von WELT findet zur Stunde ein Polizeieinsatz an seinem Wohnort statt.
  • Er hat eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung.
  • Er war den Behörden nicht als Islamist bekannt. „Nach jetzigem Stand ist es ein Einzeltäter, sodass auch für die Stadt nach jetzigem Ermessen keine weitere Gefahr ausgeht, weil wir ihn festnehmen konnten und jetzt alle Untersuchungen laufen“, so Haseloff.
  • Der Täter raste laut Haseloff mit einem Leihwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt.

Welche Informationen über den Täter kursieren

  • Laut „Spiegel“ handelt es sich bei dem Mann um einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie namens Taleb A., und 2016 als Flüchtling anerkannt wurde. WELT fand in den sozialen Medien ein Profil von Taleb Al Abdulmohsen, auf den alle genannten Informationen zutreffen.
  • Die „Frankfurter Rundschau“ berichtete im März 2019 über diesen Mann. In dem Artikel heißt es: „Taleb al-Abdulmohsen lebt seit 2006 in Deutschland. Er kam als Gastarzt in der Facharztausbildung zum Psychotherapeuten nach Deutschland und beantragte hier später Asyl, weil er für seine Abkehr vom Islam mit dem Tod bedroht worden war. Der 44-Jährige ist als politischer Flüchtling anerkannt

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                                                                Foto vom Taleb Al Abdulmohsen (Foto von 2008)

  • Auf X tritt der Mann als ex-muslimischer Islamkritiker auf. Am Freitagabend hatte er dort mehrere Videos gepostet, in denen er auf Englisch sagt: „Ich mache die deutsche Nation für die Tötung von Sokrates verantwortlich.“ Und: „Ein anderer Grund, warum ich die deutschen Bürger für die Verfolgung verantwortlich mache, die ich in Deutschland erfahre, ist die Geschichte eines gestohlenen UBS-Sticks aus meinem Briefkasten.“ Später sagt er in dem Video: „Die Regierung ist kriminell, statt mich zu schützen. Die Polizei sind die Kriminellen. In diesem Fall mache ich die deutsche Nation und die deutschen Bürger dafür verantwortlich.“
  • Im Profiltext des Mannes heißt es auf Englisch: „Deutschland jagt saudische Asylbewerberinnen innerhalb und außerhalb Deutschlands, um ihr Leben zu zerstören“. Und: „Deutschland will Europa islamisieren“. Sein Titelbild zeigt ein Gewehr.
  • Im Juni dieses Jahres hatte der Account auf Deutsch gepostet: „Meiner Erfahrung nach, ist die deutsche Polizei der echte Treiber des Islamismus in Deutschland. Meine Erfahrung ist 7 Jahre lang in denen die Polizei, zuletzt im März 2024, schmutzige Taktiken gegen mich sowie andere Islamkritiker angewendet hat um unseren anti-islamischen Aktivismus zu zerstören. Die Linken sind Verrückt. Wir brauchen AFD um die Polizei vor sich zu schützen.“
  • 2020 und 2021 postete der Nutzer mehrere Tweets, in denen die Stadt Magdeburg erwähnt wurde.
  • 2019 berichtete die BBC, dass Taleb Al-Abdulmohsen „Ex-Muslimen bei der Flucht aus der Golfregion“ unterstütze. In Saudi-Arabien sei er nicht in der Lage gewesen, „seinen Atheismus sicher auszuleben“.

Was wir nicht wissen

  • Der Name des Täters ist noch nicht bekannt gegeben worden.
  • Das Motiv des Täters ist noch unklar.
  • Die genaue Zahl der Verletzten ist nicht bekannt, die Behörden gehen von mehr als 60 aus. Da einige schwer verletzt wurden, können weitere Tote nicht ausgeschlossen werden.
21 Dezember 2024 0 Kommentare
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Religion

Magdeburg-Terrorist hasst den Islam, ist pro AfD und will Todesstrafe für Merkel

von Cumali Yağmur 21 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

 

. Magdeburg-Terrorist hasst den Islam, ist pro AfD und will Todesstrafe für Merkel

                        Artikel von Marcel Görmann

Nach dem grauenvollen Terroranschlag von Magdeburg wirft das Täterprofil Fragen auf. Der 50-jährige Taleb Al A. wirkt in seinen Beiträgen auf X teilweise wirr. Manches erinnert an den Terroristen Anders Behring Breivik, des islamfeindlichen Verschwörungstheoretikers, der im Jahr 2011 77 Menschen in Norwegen tötete. Auch der Mörder von Magdeburg hasst den Islam und wirft unter anderen Altkanzlerin Angela Merkel vor, die „Islamisierung Europas“ vorangetrieben zu haben.

+++ Mehr dazu: Newsblog zum Terroranschlag in Magdeburg +++

Was auch nicht ins Bild der ersten Spekulationen rund um einen mutmaßlichen islamistischen Anschlag passt: Der Mann arbeitete offenbar in einer Klinik als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, war also in Deutschland integriert. Er kam 2006 aus Saudi-Arabien ins Land und lebte in Sachsen-Anhalt.

Islam-Hasser und AfD-Sympathisant begeht Terroranschlag in Magdeburg

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bezeichnete sich Taleb Al A. 2019 als „aggressivsten Kritiker des Islams in der Geschichte“. Der bekennende Atheist war auch aktiv im Netzwerk X und Fan des Trump-Vertrauten Elon Musk. Sein X-Account ist weiterhin online. Dort konnten seine Follower die zunehmende Radikalisierung des Mannes verfolgen. Laut „Welt“-Informationen meldete eine Frau auch extreme Beiträge ans Netzwerk, die daraufhin gelöscht wurde. Die Polizei aber wurde anscheinend nicht informiert.

m Jahr 2016 postete der Mann: „Ich und AfD bekämpfen den gleichen Feind um Deutschland zu schützen.“ Er wollte mit der Partei Kontakt aufnehmen und über die Gründung einer „Ex-Muslim-Academy“ zu beraten. Laut Recherchen des „Spiegel“ folgten mehrere bekannte AfD-Funktionäre sowie Mitglieder ihrer Jugendorganisation „Junge Alternative“ dem Account.

+++ Auch interessant: Anschlag in Magdeburg: Täter aus Saudi-Arabien – Reaktion aus Riad irritiert +++

Nach dem Terrormord an dem Polizisten Rouven L. im Juni in Mannheim teilte der Magdeburg-Attentäter einen Beitrag von AfD-Chefin Alice Weidel. Dazu postete er: „Meiner Erfahrung nach, ist die deutsche Polizei der echte Treiber des Islamismus in Deutschland.“ Sie wende „schmutzige Taktiken“ gegen ihn und andere Islamkritiker an, „um unseren anti-islamischen Aktivismus zu zerstören“. Die Linken seien „verrückt“ und weiter: „Wir brauchen AfD, um die Polizei vor sich zu schützen“.

Mann aus Saudi-Arabien will Todesstrafe für Merkel – wegen „Islamisierung“

In diesem Jahr forderte Taleb Al A. auf X eine lebenslange Haft für Merkel, weil sie in einem „Geheimprojekt“ die „Islamisierung Europas“ befördert habe. Darüber hinaus plädierte er für die Reaktivierung der Todesstrafe in Deutschland. „Sie verdient es, ermordet zu werden“, so der Mann vor seiner Terror-Tat in Sachsen-Anhalt.

Vollkommen wirr wirken die letzten Einträge auf X, die möglicherweise Aufschlüsse auf die Motivlage vor dem Magdeburg-Anschlag geben können. „Ich mache die deutsche Nation für die Tötung von Sokrates verantwortlich“, schrieb er. Er fühlte sich von den deutschen Behörden verfolgt. „Die Regierung ist kriminell, statt mich zu schützen. Die Polizei sind die Kriminellen.“ Deutschland würde in einer „Geheimoperation“ saudische Ex-Muslime verfolgen, behauptete er weiter.

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Im August postete Taleb Al A. auf Arabisch: „Ich versichere Ihnen: Wenn Deutschland Krieg will, werden wir ihn haben. Wenn Deutschland uns töten will, werden wir sie abschlachten, sterben oder voller Stolz ins Gefängnis gehen. Weil wir alle friedlichen Mittel ausgeschöpft haben, sind uns nur noch mehr Verbrechen seitens der Polizei, des Staatsschutzes, der Staatsanwaltschaft, der Justiz und des Innenministeriums begegnet. Frieden nützt ihnen

21 Dezember 2024 0 Kommentare
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Archive

Innerhalb von 15 Tagen“ – Erdogan erfüllt sich Traum und besucht Damaskus

von Cumali Yağmur 20 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

 

 

Innerhalb von 15 Tagen“ – Erdogan erfüllt sich Traum und besucht Damaskus

Artikel von Erkan Pehlivan

                                 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommt nach Damaskus – und das schon bald. Zuvor hatte Erdogan bereits seinen Geheimdienstchef in das Land geschickt.

Ankara/Damaskus – Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geht ein Traum in Erfüllung. „Wir werden so Gott will in der Umayyaden Moschee in Damaskus unser Gebet verrichten“, hatte Erdogan am 5. September 2012 in einer Ansprache gesagt, und das „innerhalb kürzester Zeit“. Ein Jahr zuvor war der Bürgerkrieg in Syrien ausgebrochen, und Erdogan hatte sich auf die Seite der Aufständischen gestellt, obwohl er bis dahin beste Beziehungen zu dem syrischen Machthaber Baschar al Assad pflegte.

Nach einem Bericht der regierungsnahen Zeitung Türkiye unter Berufung auf syrische Quellen soll der Termin für den Besuch von Erdogan in Damaskus feststehen. „Syrische Quellen rechnen mit einem historischen Besuch innerhalb von 15 Tagen“, schreibt das Blatt. „Erdoğan, der mit dem HTS-Führer Abu Mohammed al-Dscholani zusammentreffen wird, wird voraussichtlich auch mit syrischen Turkmenen zusammenkommen“.

Massive Sicherheitsvorkehrungen in Syrien wegen Erdogan-Besuch

Deswegen liefen in dem Land die Sicherheitsvorkehrungen. „Für den Präsidenten wird ein außerordentlicher Luft- und Bodenschutzschild entlang der Linie Hama, Homs und Idlib eingerichtet. Außerdem werden die türkischen Radare aktiviert und der gesamte Luftverkehr kontrolliert“, heißt es in dem Bericht.

In Syrien droht ein Konflikt zwischen der Türkei und USA sowie Israel auf der anderen Seite. © dpa/Maxim Shemetov

Erdogan hatte zuvor den Chef des Geheimdienstes MIT, Ibrahim Kalin, am 12. Dezember nach Damaskus geschickt. In den Videos war zu sehen, wie Kalin die Umayyaden-Moschee verließ und gemeinsam mit Dscholani im Auto fuhr. Erdogans Geheimdienstchef war dabei umringt von schwer bewaffneten Leibwächtern. Die Rede von 2012, in der Erdogan ankündigte, innerhalb kürzester Zeit Damaskus zu besuchen und in der Umayyaden-Moschee zu beten, hatte bei den Kritikern von Erdogan, damals noch Ministerpräsident, jahrelang für Spott gesorgt.

Erdogan baut Einfluss in Syrien aus und setzt Kurden unter Druck

Der zunehmende Einfluss der Türkei in Syrien scheint auch eine Machtdemonstration gegen den Westen zu sein. Erdogan gehört zu den Unterstützern der neuen Machthaber der HTS. Im Norden des Landes (Kurdisch: Rojava) drängt die mit der HTS Verbündete und von der Türkei bewaffnete Syrische Nationalarmee (SNA) die kurdisch dominierte SDF (Syrian Democratic Forces) zurück, die Erdogan mit der verbotenen kurdischer Arbeiterpartei PKK gleichsetzt. Gleichzeitig greift die türkische Luftwaffe immer wieder kurdische Ziele in Nordsyrien an.

Es droht daher ein Konflikt mit den USA und Israel, die die Kurden im Norden des Landes unterstützen. In seinen ersten Amtszeit als Präsident hatte Donald Trump Erdogan vor Angriffen auf die Kurden mit den Worten „sei kein Dummkopf“ gewarnt. Laut israelischem Außenminister Gideon Sa´ar müsse die Sicherheit der kurdischen Minderheit in Syrien gewährleistet werden, die immer noch Angriffen ausgesetzt ist. „Die Kurden haben tapfer gegen die Terromiliz IS gekämpft und die internationale Gemeinschaft muss ihren Schutz vor Angriffen radikaler Islamisten gewährleisten“, lässt der israelische Top-Diplomat über X mitteilen. (erpe)

20 Dezember 2024 0 Kommentare
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Religion

Land unterzeichnet Verträge mit Islamverbänden

von Fremdeninfo 20 Dezember 2024
von Fremdeninfo

 

Land unterzeichnet Verträge mit Islamverbänden

                                                                  Artikel von dpa

 

                                                    

013 starteten die Verhandlungen, nach jahrelanger Unterbrechung sind sie kürzlich zum Abschluss gekommen (Archivbild). © Boris Roessler/dpa

                                             

Nach jahrelangen Verhandlungen und kontroversen Debatten steht heute (16.30 Uhr) die Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und vier islamischen Religionsgemeinschaften an. Bei den Verhandlungen ging es unter anderem um den Religionsunterricht sowie um den Umgang mit Begräbnisvorschriften, Seelsorge, religiöse Feiertage sowie die theologische Ausbildung an Hochschulen. 

Die Gespräche hatten 2013 begonnen. Nach dem Putschversuch in der Türkei waren sie im Sommer 2016 einvernehmlich ausgesetzt worden. Danach gab es mehrere Gutachten, um die Unabhängigkeit der Landesverbände zu untersuchen. Im Sommer 2023 wurden die Gespräche wieder aufgenommen, die Einigung wurde am vergangenen Dienstag bekannt. 

Mit dabei sein werden bei der Unterzeichnung im Stresemannsaal der Staatskanzlei in Mainz neben Ministerpräsident Alexander Schweitzer und Wissenschaftsminister Clemens Hoch (beide SPD) Vertreter der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB Rheinland-Pfalz (DITIB RLP), der Schura Rheinland-Pfalz Landesverband der Muslime, der Landesverband islamischer Kulturzentren Rheinland-Pfalz (LVIKZ) und von Ahmadiyya Muslim Jamaat.

20 Dezember 2024 0 Kommentare
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Archive

Türkei und Europa: Von der Leyens gefährliche Verhandlungen mit Erdoğan

von Fremdeninfo 18 Dezember 2024
von Fremdeninfo

Türkei und Europa: Von der Leyens gefährliche Verhandlungen mit Erdoğan

 

                                                                          Artikel von Tobias Schibilla/  t-Online

 

                                                     

                                                    Der türkische Präsident Erdoğan: Für den Westen ist er ein unberechenbarer Partner. (Quelle: Khalil Hamra)

 

Ursula von der Leyen reist in die Türkei. Sie muss Präsident Erdoğan Angebote machen, damit der türkische Präsident seine militärischen Ziele nicht brutal umsetzt. Doch dabei muss sie geschickt vorgehen.

Die Diplomatie hat in Syrien einen schweren Stand. Nach dem Fall der brutalen Diktatur von Baschar al-Assad versuchen die Regionalmächte, ihren Einfluss in der Region auszuweiten. Israel bombardiert in Syrien alles, was auch nur den Anschein erweckt, einen militärischen Nutzen für eine künftige syrische Regierung zu haben.

Gleichzeitig droht die Türkei unter ihrem autokratisch regierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan mit einer großen Bodenoffensive gegen die von Kurden kontrollierten Gebiete in Nordsyrien. Insbesondere die überwiegend kurdisch besiedelten Großstädte Kobanê und das arabische Ar-Raqqa laufen Gefahr, von der türkischen Armee und den von der Türkei unterstützten islamistischen Milizen überrannt und erobert zu werden.

Es ist daher gut und wichtig, dass Ursula von der Leyen in dieser angespannten Situation am Dienstag in die Türkei reist. Doch die Präsidentin der Europäischen Kommission muss dabei mit Bedacht vorgehen – denn Erdoğan könnte die Region stabilisieren, er könnte sie aber auch weiter ins Chaos stürzen.

Erdoğans Machtansprüche reichen weiter als die Türkei

Keine Frage: Die Türkei hat eine entscheidende Bedeutung für die politische Neuordnung in Syrien und gehört militärisch zu den stärksten Regionalmächten in Nahost. Immerhin verfügt das Land über die zweitgrößte Armee in der Nato und Erdoğan nutzt diese militärische Stärke, um seine hegemonialen Ziele in der Region zu untermauern.

Erdoğan träumt davon, das osmanische Reich neu aufleben zu lassen. Nationalismus spielt eine große Rolle in der modernen türkischen Außenpolitik. Außerdem sieht sich der türkische Präsident als Schutzherr der Sunniten im Nahen Osten. Damit eckt er insbesondere beim Iran, dem stärksten schiitischen Land in der Region, immer wieder an. Hinzu kommt außerdem noch der schwelende Konflikt mit den Kurden, die in großen Teilen Nordsyriens herrschen. Erdoğan sieht sie als bewaffneten Arm der Arbeiterpartei PKK, die er in der Türkei seit Jahren bekämpft hat.

Die EU ist unter Zugzwang, muss auf Erdoğan einwirken, damit er Syrien und die Kurden nicht noch weiter bekämpft. Aber wie? Die EU und die Türkei sind wirtschaftlich eng verbunden, und Erdoğan braucht Geld aus Europa. Denn die Inflation in der Türkei liegt bei 49 Prozent, die Landeswährung Lira ist schwach. Und dann sind da noch die europäischen Rüstungsexporte, die die EU zurückdrehen könnte. Somit hat von der Leyen mehrere gute Druckmittel gegenüber der türkischen Regierung, aber sie muss diese auch einsetzen wollen und Erdoğan möglicherweise wirtschaftliche Zugeständnisse machen.

Der EU fehlt der entscheidende Hebel

Erdoğan ist kein einfacher Verhandlungspartner, und es wird für die EU darum gehen, zwar Druck auf die Türkei aufzubauen, sie aber gleichzeitig nicht zu verprellen. Daher sollte die EU versuchen, die Türkei wirtschaftlich und politisch enger an sich zu binden. Auch geopolitisch wäre das für den Westen von Vorteil.

Einen weiteren Schritt zu mehr Zusammenarbeit wagte von der Leyen am Dienstag. Die EU-Kommissionspräsidentin hatte bei ihrem Besuch in Ankara eine weitere Tranche von einer Milliarde Euro für Flüchtlinge in der Türkei angekündigt. „Eine weitere Milliarde Euro für das Jahr 2024 ist auf dem Weg“, erklärte sie. Der Zeitpunkt dafür ist wenig überraschend.

Die Türkei geht als Sieger aus dem Chaos in Syrien hervor, aber Erdoğans Erfolg ging auf Kosten von Kremlchef Wladimir Putin. Es ist für die EU daher auch eine Chance, mit kluger Diplomatie den Graben zwischen Ankara und Moskau zu vergrößern. Dabei darf von der Leyen dem türkischen Präsidenten aber nicht mit Naivität begegnen, denn er bleibt ein gefährlicher Partner. In der Vergangenheit hat er oft genug gezeigt, dass er diplomatische Absprachen beiseite wischt, wenn er dadurch seine eigene Machtposition stärken kann.

Erdoğan weiß, dass er sich aktuell in einer Machtposition befindet. Die Europäische Union ist auf die Türkei angewiesen, um die Stabilität in der Region zu sichern. Um einen gewichtigen politischen Hebel zu haben, der Erdoğan zum Einlenken bewegt, müssen die EU und die USA nun eng zusammenarbeiten. Auf den türkischen Staatschef einwirken, ihm Angebote machen, eigene Forderungen untermauern. Es besteht die Chance für eine langfristige Lösung und Frieden in der Region – allerdings müssen die Kurden einbezogen werden. Zu oft wurden sie in der Vergangenheit vom Westen verraten.

Das muss nun alles schnell geschehen, bevor die Amerikaner unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump wieder das Interesse an der Region verlieren. Mit Blick auf Stabilität im Nahen Osten läuft dem Westen erneut die

18 Dezember 2024 0 Kommentare
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Religion

Religionsunterricht, Seelsorge – Rheinland-Pfalz und Islamverbänden einigen sich

von Fremdeninfo 17 Dezember 2024
von Fremdeninfo

Religionsunterricht, Seelsorge – Rheinland-Pfalz und Islamverbänden einigen sich

Seit 2013 verhandelte die rheinland-pfälzische Regierung mit Unterbrechungen mit vier Islamverbänden. Es geht um den Religionsunterricht, aber auch um den Umgang mit religiösen Feiertagen. Nun sind die Verträge des Landes und der Verbände unterschriftsreif.

                                                          

Mutter schiebt ihr Kind im Kinderwagen in traditionellem Gewand und Kopftuch durch einen Park in München picture alliance/SvenSimon/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Die langwierigen Verhandlungen zwischen der rheinland-pfälzischen Landesregierung und den vier Islamverbänden sind abgeschlossen. Die Verträge sollen am kommenden Freitag (16.30 Uhr) in Mainz unterzeichnet werden, teilte die Staatskanzlei mit.

Mit den Verträgen soll die Zusammenarbeit auf eine feste Grundlage gestellt werden. Nach der Billigung des Kabinetts ist der Weg frei für eine Unterzeichnung der Kontrakte.

Die vier beteiligten Verbände sind die Schura Rheinland-Pfalz, ein Zusammenschluss von Moscheegemeinden, die Islamische Religionsgemeinschaft Ditib Rheinland-Pfalz, der Landesverband Islamischer Kulturzentren Rheinland-Pfalz (LVIKZ) und Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Religionsunterricht, Begräbnisvorschriften, Seelsorge

Die Verhandlungen zwischen dem Land und den vier islamischen Verbänden waren nach mehrjähriger Unterbrechung im Sommer 2023 wieder aufgenommen worden. Es geht um Themen wie Religionsunterricht, Begräbnisvorschriften, Seelsorge, um religiöse Feiertage sowie die theologische Ausbildung an Hochschulen.

Begonnen hatten die Verhandlungen schon im Jahr 2013. Wegen des Putschversuchs in der Türkei waren sie im Sommer 2016 einvernehmlich ausgesetzt worden. Danach hatte es

In Rheinland-Pfalz bilden die Muslime neben den beiden christlichen Kirchen die drittgrößte religiöse Gemeinschaft.

17 Dezember 2024 0 Kommentare
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Eine Million Syrer in Deutschland – Die schrille Debatte verhindert einen echten Plan

von Cumali Yağmur 17 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

 

 

Eine Million Syrer in Deutschland – Die schrille Debatte verhindert einen echten Plan

Artikel von Jan Klauth

Die einen prognostizieren den Zusammenbruch des Arbeitsmarktes, sollten syrische Flüchtlinge vermehrt zurückkehren – die anderen wollen sie mit 1000-Euro-Prämien schnell zum Rückflug bewegen. Bei den entscheidenden Problemen kommen wir so aber kein Stück weiter.

Zuweilen fragt man sich, wer Friedrich Merz eigentlich berät. „Das eine Drittel, […] das in Deutschland arbeitet und integriert ist, kann selbstverständlich hierbleiben“, so der CDU-Chef im „Bericht aus Berlin“ mit Blick auf die hierzulande lebenden Syrer. „Aber zwei Drittel arbeiten nicht, das sind ganz überwiegend junge Männer und von denen können viele zurück.“

Diese Aussage ist bestenfalls halb richtig. Erstens liegt die Beschäftigungsquote syrischer Staatsangehöriger aktuell bei 41,7 Prozent. Zweitens ist die Arbeitslosenquote der Frauen aus Syrien um ein Vielfaches höher als die der Männer.

Nicht nur bei Merz läuft in der Syrien-Debatte gerade einiges durcheinander. Da ist einerseits die Unklarheit in Syrien selbst. Während vollkommen offen ist, wie sich das Land unter den Islamisten-Milizen, die Assad gestürzt haben, entwickelt, fliegt die Türkei weiterhin Angriffe auf die kurdischen Gebiete. Die CDU-Pläne, Flüchtlinge möglichst schnell mit einer 1000-Euro-Prämie zur Rückkehr zu drängen, kommen daher zu früh und blenden die volatile Lage vor Ort aus.

Dennoch muss langfristig über Lösungen nachgedacht und gleichzeitig die Lage auf dem Arbeitsmarkt ohne Scheuklappen analysiert werden. Lange hat man genau das vermieden. Zwar gibt es viele Erfolgsgeschichten von Syrern in Deutschland. Zu Recht wird darauf verwiesen, dass Tausende aus systemrelevanten Berufen nicht mehr wegzudenken sind.

Die Kehrseite der Medaille: Knapp die Hälfte der rund einer Million Syrer in Deutschland bezieht Bürgergeld, der Großteil ununterbrochen über viele Jahre.

Arbeitsminister Hubertus Heil und Kanzler Olaf Scholz fuhren bisher eine Verschleierungstaktik. Viel zu spät und erst nachdem hunderttausende ukrainische Staatsangehörige ins Bürgergeld gekommen waren, konnte man das Problem nicht mehr wegignorieren und hat im Herbst 2023 den „Jobturbo“ aufgesetzt.

Zwar sorgte er dafür, dass mehr Flüchtlinge in Arbeit kamen, schrammte aber weit an der eigenen Zielsetzung vorbei. Im Kanzleramt sprach man dennoch vom Erfolg.

Zieht man jedoch die geringfügige Beschäftigung ab, liegt die Beschäftigungsquote der syrischen Staatsangehörigen nur bei 34,4 Prozent (Stand September). Viele arbeiten zwar, sind aber auf ergänzende Transfers angewiesen. Unter dem Strich lebt der überwiegende Teil der Syrer nach wie vor von staatlichen Leistungen: Auch, weil der Zuzug in den vergangenen Jahren anhielt und viele erst seit Kurzem im Land sind. Gleiches gilt für Menschen aus Afghanistan und dem Irak.

In der Debatte fällt das meistens unter den Tisch, öfter wird eine andere Zahl zitiert: Demnach liegt die Beschäftigungsquote jener Flüchtlinge, die zwischen 2015 und 2022 kamen, bei 60 Prozent, unter den Männern gar bei 73 Prozent. Ein klarer Erfolgsbeleg – eigentlich.

Denn: Die Zahlen beruhen nur auf einer Stichprobenumfrage und wurden vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hochgerechnet (siehe Grafik). Im Vergleich zur Statistik der Bundesagentur für Arbeit klafft eine Lücke. Als Gradmesser, wie gut die Flüchtlingsintegration geklappt hat, taugen die Angaben daher nur bedingt.

Genau diese Rechnung wird aber oft von jenen angeführt, die nun den Zusammenbruch des deutschen Arbeitsmarktes herbeireden, sollten Flüchtlinge vermehrt in ihre Heimat zurückkehren. „Es würden ganze Bereiche im Gesundheitssektor wegfallen“, warnt etwa Innenministerin Nancy Faeser.

Auch das ist maßlos übertrieben. Ja, tausende Syrer sind eine wichtige Stütze des Gesundheitssystems geworden. Würden 100 Prozent dieser Gruppe zurückkehren – und diese Wahrscheinlichkeit geht gegen null – wäre das ein empfindlicher Schlag für die Branche. Existenzbedrohend wäre es aber keineswegs, wie auch die Forscher des IAB selbst klarstellen.

17 Dezember 2024 0 Kommentare
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Politik

Erdoğans Vertreibung der Kurden hat längst begonnen

von Cumali Yağmur 17 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

Erdoğans Vertreibung der Kurden hat längst begonnen

 

Von: Stefan Kreitewolf

Ein von den USA unterstützter Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) auf einem gepanzerten Fahrzeug in Ostsyrien. Foto: Baderkhan Ahmad/AP/dpa

 
 

Während in Damaskus gefeiert wird, greift die Türkei im Norden Syriens die Kurden an. Im bislang relativ stabilen Quasistaat Rojava geht die Angst um. Zurecht, wie die Aggressionen der vergangenen Tage zeigen. Wann reagieren andere Staaten?

Fırat Kalkanı (Euphrat-Schild), Zeytin Dalı (Olivenzweig) und Barış Pınarı (Friedensquelle): Diese klangvollen Namen täuschen über ihre tödliche Bedeutung hinweg. Sie betiteln die drei Militäroffensiven der türkischen Streitkräfte im Norden Syriens in den letzten Jahren. Ihr Ziel: die Vertreibung der Kurden aus ihrem Territorium an der türkisch-syrischen Grenze.

Die Offensiven verliefen seit 2016 blutig: Tausende kurdische Kämpfer der YPG und hunderte Zivilisten wurden im kurdischen Quasistaat Rojava ermordet. Mehr als 450.000 Kurden aus ihren Heimatgebieten vertrieben. Ankara bricht internationales Recht – und muss bislang keine Konsequenzen fürchten. Recep Tayyip Erdoğan macht einfach immer weiter.

Feiern in Damaskus, Sterben in Rojava

Während in Damaskus der Sturz des Assad-Regimes gefeiert wurde, griff die Türkei im Norden Syriens an – mit Unterstützung islamistischer Söldner und ehemaliger IS-Kämpfer. Die Angriffe auf kurdische Selbstverwaltungsgebiete passen ins Bild, hatte Erdoğan doch zuletzt mit antisemitischer Rhetorik gegen Kurden gewettert. Und so geht das Sterben weiter in Rojava.

 

Nach schweren Gefechten nahmen Erdoğans Schergen die nordsyrische Stadt Manbidsch ein, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien. Erst am Montagabend machte der türkische Präsident klar, dass er eine kurdische Präsenz an der Grenze zur Türkei nicht dulden werde.

Wieder einmal stehen die Kurden allein da

Das sind zwar keine Neuigkeiten, unterstreichen aber die Entschlossenheit der Türkei, gegen Kurden vorzugehen. Und so stehen die Kurden, die im Kampf gegen den IS zehntausende Leben geopfert hatten, am Ende aber auch durch den heldenhaften Einsatz kurdischer Frauen triumphierten, wieder einmal allein da.

Minderheiten schützen, Genozide verhindern, politische Teilhabe ermöglichen: Das sind Positionen, die sich westliche Staaten und die Vereinten Nationen immer wieder auf die Fahnen schreiben. Im Norden Syriens müssten sie sich nun ihrer moralischen Verantwortung stellen. Was sie bislang nicht tun.

17 Dezember 2024 0 Kommentare
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Syrien in „den Händen des Terrorismus“: Assads erste öffentliche Erklärung seit Umsturz

von Fremdeninfo 16 Dezember 2024
von Fremdeninfo

 

Syrien in „den Händen des Terrorismus“: Assads erste öffentliche Erklärung seit Umsturz

                                               Von.  afp

                                                   

 Baschar al-Assad, ehemaliger Präsident von Syrien, während eines arabischen Gipfels. (Archivbild) © Saudi Press Agency/AP/dpa

 

Der frühere syrische Machthaber Baschar al-Assad hat in seinen ersten öffentlichen Äußerungen seit seinem Sturz versichert, vor seiner Flucht noch so lange wie möglich in Damaskus ausgeharrt zu haben. „Ich bin bis zum Tagesanbruch des Sonntag, 8. Dezember, in Damaskus geblieben und habe meine Pflicht erfüllt“, hieß es in einer am Montag im Onlinedienst Telegram verbreiteten Erklärung des Ex-Staatschefs. Die neuen Machthaber in Syrien nannte Assad darin „terroristisch“.

„Meine Abreise aus Syrien war weder geplant, noch fand sie während der letzten Stunde der Kämpfe statt“, schilderte Assad seine Version der Ereignisse. Er trat damit der Darstellung entgegen, wonach er bereits das Land verlassen habe, während seine Truppen noch in Damaskus gegen die islamistischen Milizen kämpften.

Assad hat laut ex-Regierungsmitarbeitern Damaskus frühzeitig verlassen

Fünf frühere Regierungsmitarbeiter hatten der Nachrichtenagentur AFP zuvor berichtet, dass Assad das Land schon Stunden vor der Einnahme der Hauptstadt durch die islamistische Gruppe Hajat Tahrir al-Scham (HTS) und der mit ihr verbündeten Milizen verlassen habe.

Assad war von der Hauptstadt Damaskus zunächst in einem Flugzeug zum russischen Militärstützpunkt Hmeimim in der westsyrischen Stadt Latakia transportiert worden. „Als terroristische Kräfte in Damaskus eindrangen, habe ich mich in Koordination mit unseren russischen Verbündeten nach Latakia begeben, um die Kampfeinsätze zu beaufsichtigen“, berichtete Assad.

Laut Assad habe Moskau seine Evakuierung nach Russland veranlasst

Doch habe sich in dieser Gegend „die Lage am Boden weiter verschlechtert“, dann sei auch der russische Stützpunkt selbst mit Drohnen angegriffen worden, schrieb der Ex-Staatschef. Moskau habe daraufhin die Kommandanten des Stützpunkts angewiesen, seine „unverzügliche Evakuierung nach Russland am Abend des Sonntag, 8. Dezember“ zu organisieren, schrieb Assad auf Telegram. Syrien sieht er nun in den „Händen des Terrorismus“.

Der Einnahme von Damaskus und Assads Flucht nach Moskau war ein rasanter militärischer Vormarsch der HTS und ihrer Verbündeten durch das Land vorangegangen. Dem gestürzten Machthaber werden massive Menschenrechtsverstöße sowie Kriegsverbrechen vorgeworfen, darunter Folter und Ermordung von Andersdenkenden sowie der Einsatz von Giftgas im Bürgerkrieg. (afp)

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Erschreckendes Ergebnis: Migranten im Staatsdienst klar unterrepräsentiert

von Cumali Yağmur 16 Dezember 2024
von Cumali Yağmur

Erschreckendes Ergebnis: Migranten im Staatsdienst klar unterrepräsentiert

 

Reem Alabali-Radovan (SPD), Staatsministerin der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung und Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, hat eine Einwanderungsgeschichte. Foto: Soeren Stache/dpa

 
Das Statistische Bundesamt hat Daten der Integration analysiert. Ein Ergebnis: Im öffentlichen Dienst sind Menschen mit ausländischen Wurzeln vergleichsweise schwach vertreten.

Nur 11 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte waren im vergangenen Jahr in Deutschland im öffentlichen Dienst beschäftigt. Ihr Anteil war damit etwa halb so hoch wie bei Menschen ohne Migrationshintergrund. Von ihnen waren 20 Prozent beispielsweise als Lehrer, Erzieher, Polizist oder Sachbearbeiter tätig, wie das Statistische Bundesamt anlässlich der Veröffentlichung des Dashboards Integration auf Grundlage von Ergebnissen des Mikrozensus mitteilte.

Eine Einwanderungsgeschichte haben demnach Personen, die entweder selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Unterschiede gibt es auch innerhalb dieser Gruppe: Während 2023 jede zehnte selbst eingewanderte Person (10 Prozent) im öffentlichen Dienst tätig war, traf dies bei den Nachkommen mit zwei eingewanderten Elternteilen auf jede siebte Person und damit auf 14 Prozent zu.

Nachkommen häufiger im öffentlichen Dienst als zehn Jahre zuvor

Bei Personen mit einem eingewanderten Elternteil lag der Anteil der im öffentlichen Dienst Beschäftigten mit 18 Prozent nur geringfügig niedriger als bei Personen ohne Einwanderungsgeschichte mit 20 Prozent. Die zeitliche Entwicklung fällt bei den einzelnen Gruppen ebenfalls unterschiedlich aus.

 

So ist der Anteil der im öffentlichen Dienst Beschäftigten bei den selbst Eingewanderten im Vergleich zu 2013 um einen knappen Prozentpunkt auf 10 Prozent im Jahr 2023 angestiegen. Bei den Nachkommen hat er um gut die Hälfte von 9 Prozent auf 14 Prozent zugelegt.

15 Prozent haben Einwanderungsgeschichte

„In diesem Zeitraum sind viele Menschen neu nach Deutschland eingewandert, wodurch sich die Zusammensetzung der Eingewanderten verändert hat“, erklärten die Statistiker. Bei Personen mit einem eingewanderten Elternteil ist der Anteil der im öffentlichen Dienst Beschäftigten ebenfalls angestiegen – von 13 Prozent auf 18 Prozent. Insgesamt hatten 2023 gut 15 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst eine Einwanderungsgeschichte.

Knapp 12 Prozent waren selbst eingewandert und knapp 4 Prozent waren Nachkommen Eingewanderter. „Damit sind sie auch gemessen an der Gesamtbevölkerung deutlich unterrepräsentiert“, erläuterte das Bundesamt. Menschen mit Einwanderungsgeschichte hatten demnach einen Anteil von 29 Prozent an der Gesamtbevölkerung. An den Erwerbstätigen von 15 bis 64 Jahren betrug ihr Anteil 26 Prozent.

dpa/dtj

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