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Flüchtlinge

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4 Februar 2026 0 Kommentare
Rassismus

NaDiRa-Bericht 2025: Rassismus in Deutschland weiter weit verbreitet

von Cumali Yağmur 11 April 2025
von Cumali Yağmur

NaDiRa-Bericht 2025: Rassismus in Deutschland weiter weit verbreitet

 

Von: dtj-online

Archivfoto: Pegah Edalatian (von l. nach r., Grüne), die Migrationsforscherin Naika Foroutan, Ferda Ataman, Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, und Serpil Midyatli (SPD), stehen bei einem Vernetzungstreffen von Politikerinnen und Politikern mit Migrationsbiografie im Willy-Brandt-Haus zusammen. Foto: Annette Riedl/dpa

Der neue Bericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors offenbart: Rassistische Einstellungen sind in Deutschland weiterhin weit verbreitet – insbesondere in subtiler Form. Besonders betroffen sind Muslime, Schwarze, Sinti und Roma sowie Menschen mit asiatischen und osteuropäischen Wurzeln. Die gesellschaftlichen Folgen sind gravierend.

Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) hat in der Vorwoche seinen Bericht über das Jahr 2025 der Öffentlichkeit präsentiert. Er trägt den Titel „Verborgene Muster, sichtbare Folgen. Rassismus und Diskriminierung in Deutschland„. Dafür wurden zwischen 2022 und 2024 Daten erhoben. Insgesamt hat das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) fast 30.000 Personen mit und ohne sogenannten Migrationshintergrund befragt.

Rassismus erfährt in Krisenzeiten eine zunehmende Normalisierung

Die Ergebnisse der Erhebung sind beunruhigend. So sind rassistische Einstellungen innerhalb der Bevölkerung nach wie vor weit verbreitet. Dies gilt insbesondere für moderne Formen des Rassismus, die weniger subtil und direkt zutage treten. Etwa 22 Prozent der Befragten stimmen unter anderem der Aussage zu, Minderheiten hätten in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stärker profitiert, als ihnen zustünde.

Dass die Betroffenen es mit ihren Forderungen nach Gleichberechtigung übertreiben, finden 23 Prozent. Rassismus, so die Schlussfolgerung von DeZIM, sei nicht nur ein individuelles Phänomen. Es sei vielmehr ein strukturelles Problem, das massive Folgen für Betroffene habe. Ganze Gruppen seien dadurch systematisch in ihrer Teilhabe eingeschränkt – über fast alle gesellschaftlichen Bereiche hinweg.

Zunehmende Polarisierung, die politische Krisensituation und wirtschaftliche Unsicherheit tragen dem Bericht zufolge dazu bei, dass rassistische Einstellungen Anschluss finden. Rechtsextreme Denkmuster und Narrative erführen gleichzeitig eine Normalisierung.

Afro-Europäer und Muslime besonders häufig betroffen – vor allem Frauen

Vor allem rassistisch markierte Personen bekommen die Entwicklung zu spüren. Mehr als die Hälfte der Betroffenen, nämlich 54 Prozent, hatten 2024 eigenen Angaben zufolge mindestens einmal im Monat Diskriminierung erfahren. Gleiches traf auch auf 32 Prozent der Menschen zu, die keiner dieser Gruppen angehören.

Am häufigsten sind Muslime und Afro-Europäer von Diskriminierung betroffen. Muslimische Frauen und Schwarze beiderlei Geschlechts machten zu mehr als 60 Prozent regelmäßig solche Erfahrungen. Auch unter osteuropäischen Frauen machten 55 Prozent entweder subtile oder offenkundige Diskriminierungserfahrungen. In überdurchschnittlicher Weise sind davon vor allem Angehörige der Community der Sinti und Roma betroffen. Aber auch Deutsche mit Migrationsgeschichte und Menschen mit asiatischen Wurzeln werden zu 40 und mehr Prozent regelmäßig diskriminiert.

Der primäre Diskriminierungsgrund für betroffene Afro-Europäer ist in bis zu 84 Prozent der Fälle die Hautfarbe, bei asiatischen Menschen bis zu 52 Prozent. Bei Muslimen ist es – in bis zu 51 Prozent der Fälle – die Religion. Ergänzende Studien der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) machen zudem deutlich, dass es systematische Diskriminierungen von Kindern der Roma-Community im Bildungsbereich gibt. Dies äußere sich in ungerechtfertigten Zuweisungen auf Förderschulen, Segregation durch sogenannte „Willkommensklassen“ und regelmäßigen verbalen sowie physischen Angriffen.

Lichtblick: Muslime häufiger frei von rassistischen Einstellungen

Zudem werden bis zu 55 Prozent der muslimischen und asiatischen Befragten dafür benachteiligt, dass sie als „nicht deutsch“ wahrgenommen werden. Diese Umstände verdeutlichen, so der Bericht, dass Diskriminierungserfahrungen „nicht zufällig, sondern anhand rassistischer Zuschreibungen erfolgen“.

Bei Betroffenen führt regelmäßige Diskriminierung zu psychischen Belastungen, unter anderem Depressionen und Angststörungen. Aber auch die Gesellschaft insgesamt leidet unter der Normalisierung rassistischer Denk- und Verhaltensmuster. Sie schwächen auch das Vertrauen in das gesellschaftliche Miteinander und in staatliche Institutionen.

Die Zustimmung zu rassistischen Aussagen verharrte über den Zeitraum von 2022 bis 2024 auf einem konstanten Niveau. Immerhin zeigten muslimische Befragte jedoch eine positive Entwicklung: Der Anteil derjenigen, die keiner rassistischen Einstellung zustimmen, ist dem Bericht zufolge von 43 Prozent im Jahr 2022 auf 51 Prozent gestiegen.

Rassismus-Bericht soll fortan jährlich erscheinen

Der NaDiRa-Monitoringbericht soll ab jetzt jährlich erscheinen. Er liefert eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Rassismus und Diskriminierung in Deutschland. Das Projekt wird seit 2025 durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

11 April 2025 0 Kommentare
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Information

Türkei geht weiter gegen Journalisten vor

von Fremdeninfo 10 April 2025
von Fremdeninfo

 

 

 

 

 

 

 

Türkei geht weiter gegen Journalisten vor

Artikel von dw.com

In der Türkei sind zwei regierungskritische Journalisten festgenommen worden. Die beiden Investigativ-Reporter sind nicht das erste Mal ins Visier der Justiz geraten.

                                                  

                                          Türkei  kritisch für Erdogan? Timur Soykan und Murat Agirel © ANKA

Timur Soykan und Murat Agirel, arbeiten in der Türkei unter anderem für die Tageszeitungen „Cumhuriyet“ und „Birgun“, sowie für den Nachrichtensender Halk TV, der Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisch gegenübersteht. Wie aus einem Gerichtsdokument hervorgeht, stehen die Festnahmen bei einer morgendlichen Razzia in Istanbul im Zusammenhang mit Vorwürfen der Bedrohung und Erpressung. Ein Strafgericht hatte demnach einen Durchsuchungsbefehl für die Wohnungen der Reporter erlassen und die Beschlagnahmung von Computern, Festplatten und Mobiltelefonen genehmigt.

Investigationen zur Mafia

Soykan und Agirel sind in der Türkei für ihre investigativen Recherchen bekannt. Sie haben mehrere Bücher über mutmaßliche Beziehungen zwischen der Mafia und staatlichen Institutionen geschrieben.

Zuletzt für Schlagzeilen gesorgt hatte die Festnahme des Erdogan-Rivalen Ekrem Imamoglu, der von seinen Aufgaben als Bürgermeister von Istanbul entbunden wurde. Imamoglu werden Korruption und die Unterstützung einer Terrorgruppe vorgeworfen. Gegen die Festnahme, aber auch gegen die Regierung Erdogans gab es zahlreiche Demonstrationen im ganzen Land.

Zuletzt wurden mehr als ein Dutzend Journalisten in ihren Häusern festgenommen, nachdem sie über die Proteste berichtet hatten, die von den Behörden verboten worden waren. Sieben wurden wegen „Teilnahme an illegalen Protesten“ angeklagt. Die Staatsanwaltschaft fordert Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren.

Kritik von der Opposition und Journalistengewerkschaften

Die jüngsten Verhaftungen haben neue Besorgnis über die Pressefreiheit in der Türkei aufgeworfen, wo Journalisten häufig aufgrund weitreichender Anti-Terror- oder Strafgesetze verfolgt werden. Soykan und Agirel waren bereits in der Vergangenheit wegen ihrer Berichterstattung ins Visier der Justiz geraten.

Der Zweck der Verhaftungen ist es, „Journalisten einzuschüchtern, die die Regierung und die freien Medien kritisieren“, schrieb Burhanettin Bulut, stellvertretender Vorsitzender der größten Oppositionspartei Republikanische Volkspartei (CHP), auf seinem Social-Media-Kanal. Journalistengewerkschaften verurteilten die Verhaftungen ebenfalls. Von der Regierung gab es keine unmittelbare Reaktion.

fab/AR (rtr, dpae, ape)

10 April 2025 0 Kommentare
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Archive

PM: Repräsentanzlücken führen zu Planungsfehlern – 25 Millionen Menschen werden ausgeschlossen!

von Cumali Yağmur 10 April 2025
von Cumali Yağmur

PM: Repräsentanzlücken führen zu Planungsfehlern – 25 Millionen Menschen werden ausgeschlossen!

 

Pressemitteilung vom 10. April 2025

 

Repräsentanzlücken führen zu Planungsfehlern – 25 Millionen Menschen werden im Koalitionsvertrag ausgeschlossen!

Die Parteichefs von Union und SPD haben gestern in einer Pressekonferenz die Pläne für eine gemeinsame Regierung vorgestellt. Die Türkische Gemeinde in Deutschland e.V. (TGD) zeigt sich erleichtert über die rasche und solide Regierungsbildung und darüber, die doppelte Staatsbürgerschaft beizubehalten. Sie mahnt aber auch an, die Lücken im Bereich der chancengerechten Vielfaltsgestaltung zu schließen, inhaltlich und personell.

„‘Wir wollen ein einwanderungsfreundliches Land bleiben.‘ – Das steht im Koalitionsvertrag und war für mich eine Erleichterung“, sagt Gökay Sofuoğlu, Bundesvorsitzender der TGD und führt weiter aus: „Unter 19 Spitzenpolitikern, die den Vertrag verhandelt haben, war nur leider kein einziger, der aus persönlicher Erfahrung wüsste, worauf es ankommt bei der Einwanderungsfreundlichkeit. Im Ergebnis kommen die Menschen mit Migrationsgeschichte als Subjekte mit eigenen Interessen nicht vor. Den Begriff ‚Mensch mit Migrationsgeschichte‘ habe ich genau einmal im Kontext der Gewinnung von Soldaten gefunden – aber nicht bei der Förderung von Führungskräften. Das Wort „Muslime“ oder „muslimisch“ habe ich vergeblich gesucht. Der Islam kommt ausschließlich in negativen Kontexten vor. Das grenzt an Realitätsverweigerung. Ich halte das übrigens nicht für Absicht. Ich glaube Herrn Merz, dass er Kanzler für alle Menschen sein möchte. Das wird nur eben nicht funktionieren, wenn er im politischen Alltag nicht auch von allen umgeben ist. Im Kabinett werden wir sehen, ob sich dieses Problem fortsetzt. Der Anspruch wäre: 30 % Menschen mit Migrationsgeschichte.“

In migrantisch geprägten Communitys werden Rechtsextremismus und rassistische Gewalt als die größte Bedrohung der inneren Sicherheit wahrgenommen. Die Bundesvorsitzende der TGD, Aslıhan Yeşilkaya-Yurtbay, verweist auf fehlende Konzepte im Koalitionsvertrag: 

„Viele Menschen mit Migrationsgeschichte sind nach dem Wahlkampf extrem verunsichert. Auch ich halte mich jetzt an den guten Dingen in diesem Koalitionsvertrag fest. Das klare Bekenntnis zum bedingungslosen Schutz unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Beispiel und zum Kampf gegen Antisemitismus. Jüdinnen und Juden leben in Deutschland aktuell in Angst. Das darf die Politik nicht hinnehmen. Angesichts der explodierenden Zahlen im Bereich der rassistischen Übergriffe hätte ich mir gewünscht, dass auch Schwarze Menschen, Muslime und Sinti und Roma eine vergleichbare Berücksichtigung im Text erfahren. Aber was mir noch mehr fehlt ist ein überzeugendes sicherheitspolitisches Konzept gegen Rechtsextremismus, das uns allen das Gefühl vermittelt, wir können in Deutschland eine sichere Zukunft planen.“  

10 April 2025 0 Kommentare
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Politik

Brief aus Istanbul: Warum boykottieren die Erdoğan-Gegner Volkswagen?

von Fremdeninfo 10 April 2025
von Fremdeninfo

Brief aus Istanbul: Warum boykottieren die Erdoğan-Gegner Volkswagen?

                                        Artikel von Bülent Mumay/ Faz

                                        

                                            Demonstranten protestieren gegen die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters. © dpa

Seit Erdoğan seinen aussichtsreichsten Kontrahenten Ekrem Imamoğlu inhaftieren ließ, ist die Türkei auf den Beinen. Der Haftbefehl löste weit größere Proteste aus, als das Palastregime vermutet hatte. Zunächst waren einige Hundert Menschen auf die Straße gegangen, täglich wurden es mehr, mittlerweile sind es Millionen. Nicht von ungefähr waren es überwiegend junge Leute, die die Proteste anstießen und die nun auf Straßen und Plätzen sind. Natürlich lehnen sie sich gegen die Inhaftierung Imamoğlus auf, es gibt aber noch andere Gründe dafür, dass sie demons­trieren, obwohl die Polizei brutal inter­veniert. Erdoğans Coup vom 19. März gegen die Opposition war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Bevor ich Ihnen die Gründe für die Empörung der jungen Leute schildere, ein paar Worte zu dem Funken, der die De­monstrationen auslöste. Alles begann am Abend des 18. März damit, dass Imamoğlus Diplom, das er vor 31 Jahren von der Universität Istanbul erhalten hatte, annulliert wurde, um zu verhindern, dass er für die Präsidentschaft kandidiert. Nach seiner Festnahme am nächsten Morgen gingen einige Hundert Studenten dieser Universität aus Protest auf die Straße. Die Polizei erwartete sie mit Schilden und Knüppeln. Mit dem Niederreißen der Barrieren trotz der brutalen Intervention lösten die Studenten eine mächtigere Protestwelle als die Gezi-Proteste 2013 aus. Waren es zunächst Studenten im ganzen Land, beteiligten sich bald auch andere Kreise. Eine Woche lang versammelten sich Hunderttausende vor Imamoğlus Rathaus in Istanbul. Kurz darauf kamen über zwei Millionen Menschen zu einer Kundgebung, die auf einem nur unter Mühen zu erreichenden Platz stattfand

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                                                                                      Bülent Mumay © privat

Warum ist vor allem die Jugend auf der Straße, obwohl Erdoğans autoritäre Regierung doch sämtliche Kreise der Gesellschaft betrifft? Bei einer Umfrage des Non-Profit-Thinktanks Toplum Çalışmaları Enstitüsü (Institut für Sozialforschung) unter jungen Demonstrationsteilnehmern wurden am häufigsten drei Gründe genannt: die Sorge um die Zukunft, die antidemokratischen Maßnahmen der Regierung und dass das politische System nicht auf ihre Forderungen reagiert. Und die Inhaftierung Imamoğlus? Nach ihrer Motivation zur Teilnahme an den Protesten gefragt, rangierte diese Antwort bei den jungen Leuten auf dem letzten Platz. Was nicht bedeutet, dass Imamoğlu bei der Jugend nicht beliebt wäre. Es spricht vielmehr von der Enttäuschung einer Generation, die seit 23 Jahren unter der Regierung Erdoğans aufgewachsen ist, der eine Freiheit nach der anderen genommen wurde und die nicht von einer besseren Zukunft träumen kann.

Der vielbeschworene Volkswillen

Diese Umfrageergebnisse wie auch meine persönlichen Beobachtungen vermitteln Ihnen sicher einen Eindruck von der Situation. Doch nichts, was ich schreibe, könnte eindringlicher sein als die Gefühle des jungen Demonstranten Samet, der bei einer Protestaktion von Polizeigewalt betroffen war und auf die Frage, warum er auf die Straße gegangen sei, folgende Antwort gab: „Was bitte soll das? Was habe ich denn getan? Einen Wohnheimplatz fand ich nicht, mit zwei anderen hause ich in einem Zimmer im Studentenheim. Weil ich mich morgens und abends nur von Pogatschen und Nudeln ernähre, leide ich inzwischen an Verstopfung. Nach meinem Abschluss werde ich einer von etlichen hunderttausend Arbeitslosen sein. Für 18.000 Lira (rund 430 Euro) im Monat arbeite ich von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends im Copyshop. Ich mache mir Sorgen, habe Angst um meine Zukunft. Nicht davor, kein Geld zu haben, aber davor, mein ganzes Leben so verbringen zu müssen, gezwungen zu sein, ins Ausland zu gehen und mich dort für ein paar Kurusch als Arbeiter durchzuschlagen. Wenn ich das aber sage, beziehe ich Prügel.“

Polizeiprügel sind nicht der einzige Preis, den Samet und seine Mitstreiter zahlen. Beinahe 2000 Demonstranten wurden festgenommen. Etwa 300 von ihnen kamen in Untersuchungshaft. Und die Regierung ließ ihre Wut nicht nur an der Jugend aus. Auch 14 Journalisten wurden festgenommen, weil sie über die Proteste berichteten, sieben von ihnen mussten in Untersuchungshaft. Ein schwedischer Journalist wurde verhaftet, der Korrespondent der BBC ausgewiesen, und ein Fernsehsender, der über die Proteste berichtet hatte, erhielt ein zehntägiges Sendeverbot. Elon Musks Plattform X (ehemals Twitter) löschte auf Verlangen des Erdoğan-Regimes Hunderte Konten. Allerdings bewirkten diese Maßnahmen des Regimes zur Unterdrückung der Proteste das Ge­genteil, der Aufstand weitete sich noch aus. Stets hielt Erdoğan den Begriff „Volkswillen“ hoch, doch nun machte der Vorstoß, seinen wichtigsten Rivalen über die politisierte Justiz auszuschalten, die ohnehin geschrumpfte Legitimität des Palastregimes zunichte. Einer Umfrage des renommierten Meinungsforschungsunternehmens KONDA zufolge halten 73 Prozent der Bevölkerung in der Türkei die Proteste für berechtigt.

Brandlöschung für 40 Milliarden Dollar

Besonders auffällig ist indes das beschämte Schweigen der Erdoğan-Unterstützer. Bei der geringsten Kritik an der Regierung wetterten bisher stets auch Erdoğan-Anhänger gegen die Opposition. Imamoğlus Inhaftierung hingegen begegnete man in diesen Kreisen mit Schweigen. Das ist so auffällig, dass ein Erdoğan- naher Kolumnist die Parteigänger in ei­nem Artikel fragte: „Warum schweigt ihr? Erklärt euch!“ Nicht bloß Erdoğans Fähigkeit, Zustimmung zu generieren, schwand nach dem Coup vom 19. März. Die Ergebnisse der Umfragen, die zur Verhaftung von Erdoğans Rivalen geführt hatten, wurden im Nachgang nur umso dramatischer für den Palast. In allen Umfragen nach dem 19. März steigerte sich Imamoğlus Vorsprung zu Erdoğan um mindestens zehn Prozent.

In den letzten Jahren waren die Wählerstimmen für Erdoğan vor allem aufgrund der von ihm verursachten Wirtschaftskrise zurückgegangen. Imamoğlu wurde dank der Politik, mit der er sich in Istanbul um Abhilfe der vom Regime geschaffenen Armut bemühte, zum Star der Oppositionsführerin CHP. „In der Türkei bleibt kein Erfolg ungestraft“, lautet ein Spruch, der sich einmal mehr bewahrheitet hat. Imamoğlu musste ins Gefängnis. Doch der Coup vom 19. März erschütterte die Wirtschaft heftig, die Istanbuler Börse brach ein, ausländische Fonds strebten aus der Türkei hinaus. Um den Brand bei den Devisenkursen zu löschen, setzte die Zentralbank ihre Reserven von rund 40 Milliarden Dollar ein.

Etliche Bestellungen bereits storniert

Aus Protest gegen die Verhaftung Imamoğlus rief der CHP-Vorsitzende Özgür Özel zum Boykott auf. Medien und Firmen anderer Branchen, die Erdoğan un­terstützen, wurden auf die Liste für un­befristeten Boykott gesetzt. Der eintägige Konsumgeneralboykott, zu dem Studenten aufriefen und der auch von der CHP mitgetragen wurde, reduzierte die täglichen Ausgaben im Inland um die Hälfte. Angesichts der Auswirkungen des Boykotts auf die schwache Wirtschaft schwang Erdoğan sich zu einer Operation auf, die an die Hexenjagd von Senator McCarthy in den USA der Fünfzigerjahre er­innert. Künstler, Rechtsanwälte, Journalisten, die den Boykott unterstützt hatten, wurden festgenommen, ihre Konten in den sozialen Medien gesperrt. Das staat­liche Fernsehen warf Schauspieler, die sich dem Boykott angeschlossen hatten, aus Serien hinaus. Auch die Website, die für den Boykott aufgestellt worden war, wurde gesperrt.

Auf der Boykottliste, die Erdoğan so erzürnt, stehen nicht nur türkische Unternehmen. Auch die Volkswagen-Gruppe wird mit sämtlichen Marken unter ihrem Dach boykottiert. Denn der Vertrieb von Marken wie VW, Audi oder Škoda in der Türkei liegt in der Hand des Erdoğan nahestehenden Geschäftsmanns Ferit Şahenk. Dieser ist nicht bloß ein Unterstützer der Regierung, auf Wunsch der Regierung verhindert er auch, dass in seinen Fernsehsendern über die landesweiten Proteste berichtet wird. CHP-Chef Özgür Özel forderte, niemand solle Wagen der VW Group kaufen, solange ihr Türkei­vertrieb nicht an andere übergeht. Der deutsche Automobilriese verkaufte im vergangenen Jahr nahezu 200.000 Autos in der Türkei. Sein Marktanteil beläuft sich auf 17 Prozent. Es ist nicht bekannt, ob die aufgrund der chinesischen Konkurrenz eh gebeutelte VW Group etwas un­ternehmen wird, um von der Boykottliste in der Türkei gestrichen zu werden. Özels Aufruf zeitigt jedenfalls Wirkung. Etliche Bestellungen bei VW wurden bereits storniert.

Das Schweigen der Freunde

Wie weit kann Erdoğans Einsperren des „Volkswillens“ die türkischen Konsumenten vom „Volkswagen“ fernhalten? Was wird der Boykott den deutschen Konzern kosten? Beides ist kaum abzuschätzen. Allerdings könnten die Kosten dafür, dass der Westen zuschaut, wie die Türkei sich in ein kleines Russland verwandelt, noch weit höher sein. Ein von Trump sich selbst überlassenes Europa ist zur Verteidigung auf die Türkei angewiesen, die innerhalb der NATO die größte Armee besitzt. Um Erdoğan nicht zu verprellen, kommt je­denfalls zurzeit bis auf die Wiederholung des Klischees, „zutiefst besorgt“ zu sein, kein Wort der Kritik daran, dass das Palastregime die Demokratie begräbt. Gefährdet das zunehmend autoritär regierende Regime in der Türkei nicht die Sicherheit Europas, wie zuvor mit einigen euro­päischen Ländern schon erlebt? Führte das Entstehen eines putinistischen Regimes im Süden Russlands nicht dazu, dass die Lage Europas unsicherer wird?

Selbstverständlich muss Europa das für sich entscheiden. In der Türkei kämpfen jedenfalls Millionen Menschen selbstbestimmt um ihre Demokratie. Nicht vergessen werden sollte ein Punkt, den CHP-Chef Özgür Özel kürzlich wie folgt formulierte: „Wenn das alles vorbei ist, werden der Türkei weniger die Stimmen ihrer Feinde in Erinnerung bleiben als vielmehr das Schweigen ihrer Freunde.“

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe

10 April 2025 0 Kommentare
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Flüchtlinge

Kein Bürgergeld für neue Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

von Fremdeninfo 10 April 2025
von Fremdeninfo

 

Kein Bürgergeld für neue Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

    Artikel von dpa

 

                    

Bislang hatten Ukraine-Flüchtlinge, die nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, gleich Anspruch auf Bürgergeld. Das soll sich nun ändern. (Symbolbild) © Sebastian Kahnert/dpa

 

Neue Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sollen kein Bürgergeld mehr bekommen, sondern die geringeren Leistungen für Asylbewerber. Darauf haben sich CDU, CSU und SPD bei ihren Koalitionsverhandlungen verständigt.

In ihrem Koalitionsvertrag, der von den Parteien vor der Unterzeichnung noch abschließend gebilligt werden muss, heißt es wörtlich: «Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht nach der Massenzustrom-Richtlinie, die nach dem 01.04.2025 eingereist sind, sollen wieder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten, sofern sie bedürftig sind.

Die Bedürftigkeit müsse zudem durch konsequente und bundesweit einheitliche Vermögensprüfungen nachgewiesen werden. Der Bund werde die durch die geplante Änderung bei den Ländern und Kommunen entstehenden Mehrkosten tragen.

Ukraine-Flüchtlinge müssen kein Asyl beantragen

Seit 2022 gilt für ukrainische Kriegsflüchtlinge EU-weit die «Massenzustrom-Richtlinie». Das bedeutet, dass sie einen Aufenthaltsstatus erhalten, ohne einen Asylantrag stellen zu müssen.

Die Flüchtlinge aus der Ukraine haben in Deutschland seit dem 1. Juni 2022, wenn sie nicht selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können, Anspruch auf Bürgergeld. Jetzt soll sich das ändern. Sie sollen wieder die niedrigeren Asylbewerberleistungen erhalten. Diejenigen, die schon länger in Deutschland sind, betrifft diese geplante Änderung nicht.

Die Geltungsdauer der EU-Richtlinie für die Ukraine-Flüchtlinge war bis März 2026 verlängert worden. Aktuell leben rund 1,25 Millionen Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland. Mehr als 60 Prozent der Menschen aus der Ukraine, die hierzulande Zuflucht gesucht haben, sind Frauen und Mädchen. Die Zahl der Menschen, die im Kontext des Krieges aus der Ukraine nach Deutschland geflüchtet sind, hatte zuletzt wieder leicht zugenommen.

10 April 2025 0 Kommentare
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Archive

Die neue Regierung setzt künftig auf Kontrollen an Deutschlands Grenzen. Bei der Zurückweisung

von Cumali Yağmur 10 April 2025
von Cumali Yağmur

Die neue Regierung setzt künftig auf Kontrollen an Deutschlands Grenzen. Bei der Zurückweisung

 

 ckführungsoffensive

Die Parteien haben sich auf ein Bündel von Maßnahmen zur Begrenzung der irregulären Migration geeinigt. In ihrem Koalitionsvertrag kündigen sie eine „Rückführungsoffensive“ mit mehr Haftmöglichkeiten für Ausreisepflichtige an. Vorgesehen ist zudem, freiwillige Aufnahmeprogramme des Bundes „so weit wie möglich“ zu beenden. Das Ziel der „Begrenzung“ der Migration soll außerdem wieder ausdrücklich in das Aufenthaltsgesetz geschrieben werden.

Zurückweisungen an den Grenzen

Bei den von der Union geforderten Zurückweisungen an den Grenzen auch von Asylsuchenden bleibt es beim Sondierungskompromiss, dass diese „in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn“ erfolgen sollen. Dies wurde schon bisher unterschiedlich interpretiert: Unionsvertreter sahen keine Notwendigkeit einer Einwilligung der betroffenen Länder, die SPD schon. SPD-Chef Lars Klingbeil betonte am Mittwoch, „das Grundrecht auf Asyl“ bleibe dabei „unantastbar“.

 Fmiliennachzug

Der Familiennachzug für sogenannte subsidiär Schutzberechtigte wird für zwei Jahre ausgesetzt – also für Menschen, die kein Asyl bekommen, aber aus anderen Gründen vorerst bleiben dürfen. „Danach prüfen wir, ob eine weitere Aussetzung der zuletzt gültigen Kontingentlösung im Rahmen der Migrationslage notwendig und möglich ist“, heißt es im Koalitionsvertrag.

Turbo-Einbürgerungen

Die von der Ampel-Regierung eingeführte beschleunigte Einbürgerung besonders gut integrierter Zuwanderer soll wieder abgeschafft werden. Diese hatte es Menschen mit besonderen Integrationsleistungen ermöglicht, nach drei Jahren einen Antrag auf Einbürgerung zu stellen. Die von der Union als „Turbo-Einbürgerung“ geschmähte Möglichkeit soll nun gestrichen werden. An der Reduzierung der Wartefrist für normale Einbürgerungen von acht auf fünf Jahre und an der Erlaubnis für den Doppelpass, die von der Ampel ebenfalls beschlossen worden war, wollen CDU, CSU und SPD aber festhalten.

Entzug der Staatsbürgerschaft

Abstand genommen haben die Verhandler von der bei den Sondierungsgesprächen noch diskutierten Idee, eingebürgerten Menschen, die mehr als eine Staatsangehörigkeit haben, in bestimmten Fällen die deutsche Staatsangehörigkeit wieder zu entziehen. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir prüfen Änderungsbedarf bei Ausweisung auch bei öffentlicher Aufforderung zur Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“ Dies würde dann nur Ausländer betreffen, nicht deutsche Staatsbürger.

10 April 2025 0 Kommentare
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Neue Befragung: Antisemitische Vorfälle an vielen Universitäten

von Fremdeninfo 9 April 2025
von Fremdeninfo

Neue Befragung: Antisemitische Vorfälle an vielen Universitäten

                                         Artikel von Heike Schmoll

                                

                                Der geschäftsführende Bildungsminister Cem Özdemir am 9. April 2025 © dpa

 Antisemitische Einstellungen unter Studenten an Hochschulen haben sich nicht verstärkt und sind geringer ausgeprägt als in der Gesamtbevölkerung. Das geht aus der zweiten vom Bundesbildungsministerium geförderten Schnellbefragung zum Antisemitismus hervor, die von Forschern an der Universität Konstanz erhoben und am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Außerdem wurden im Rahmen einer von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unterstützten Befragung erstmals Daten zu antisemitischen Vorfällen und Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus an Hochschulen erhoben.

Vom 9. Dezember vergangenen Jahres bis 7. Januar nahmen 1885 Studenten an der Befragung teil, in der Vergleichsgruppe der volljährigen Bevölkerung waren es 2031 Personen. Antisemitische Einstellungen finden sich unter sechs bis sieben Prozent der Studenten, in der Gesamtbevölkerung sind es etwa 20 Prozent. 40 Prozent der Hochschulen berichteten von antisemitischen Vorfällen, Universitäten deutlich häufiger als Hochschulen für angewandte Wissenschaften.

Meist äußern die Vorfälle sich in Gestalt von Graffitis, Aufklebern oder Plakaten auf dem Hochschulgelände und in antisemitischen Parolen auf Demonstrationen. Vereinzelt kam es aber zu verbalen oder körperlichen Angriffen auf jüdische Studenten oder verbalen Angriffen auf jüdische Lehrer. An fünf der 94 befragten Hochschulen wurden Personen wegen antisemitischer Vorfälle des Geländes verwiesen. In Einzelfällen wurde auch die Exmatrikulation angedroht.

 

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit dürfen nicht toleriert werden“, sagte der geschäftsführende Bundesbildungsminister Cem Özdemir (Grüne) bei der Vorstellung der Studie. Er begrüßte es, dass die Mehrheit der Hochschulen Anlaufstellen zur Bekämpfung des Antisemitismus eingerichtet haben. Der Vizepräsident der HRK, der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Georg Krausch sagte, die Hochschulen hätten viele Schritte gegen antisemitische Tendenzen unternommen.

Die Studie helfe, noch zielgenauer vorzugehen. Jüdische Studenten und Mitarbeiter müssten sich auf dem Campus sicher fühlen können. Zwei Drittel der Hochschulen organisierten Informationsveranstaltungen, Diskussionen und Ausstellungen zum Antisemitismus, deren Bekanntheit unter Studenten allerdings gering ausgeprägt sei

9 April 2025 0 Kommentare
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Information

OB Reker zu Besuch in Istanbul: Familie von Imamoglu fühlt sich im Stich gelassen

von Fremdeninfo 9 April 2025
von Fremdeninfo

OB Reker zu Besuch in Istanbul: Familie von Imamoglu fühlt sich im Stich gelassen

Von :  NTV

Nach dem umstrittenen Arrest des Istanbuler Bürgermeisters Imamoglu kritisiert Kölns Oberbürgermeisterin Reker die internationale Zurückhaltung. Beim Besuch seiner Familie in Istanbul erlebte sie eine „erschütterte und bedrückte“ Stimmung. Reker fordert klare Worte aus Europa.

 

                                          

Ekrem Imamoglus Mutter und Familie nehmen an einer CHP-Kundgebung in Maltepe, Istanbul, am 29. März 2025 teil. © picture alliance / abaca

 Die Familie des inhaftierten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu ist nach Angaben der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker enttäuscht von den zurückhaltenden internationalen Reaktionen auf die Verhaftung. „Sie fühlen sich extrem im Stich gelassen, weil sich keine internationale Stimme wirklich dagegen erhebt“, sagte Reker in Köln.

Reker hatte Imamoglus Frau Dilek am Montag in Istanbul besucht. Köln ist einer der Partnerstädte Istanbuls, deshalb kannte sie die Familie schon vorher. Die Ehefrau, die beiden Söhne und die Tochter hätten auf sie „sehr angefasst“ und „erschüttert“ gewirkt, sagte Reker. „Das war schon bedrückend.“

Besuch im Gefängnis wurde nicht genehmigt

Die Festnahme des dann abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters Imamoglu am 19. März hatte in der Türkei die größten regierungskritischen Proteste seit Jahren ausgelöst. Imamoglu, der nach seiner Festnahme zum Präsidentschaftskandidaten der größten Oppositionspartei CHP ernannt wurde, ist einer der wichtigsten innenpolitischen Rivalen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Gegen Imamoglu werden Korruptions- und Terrorismusvorwürfe erhoben. „Was man von einem EU-Beitrittskandidaten erwarten darf, ist, dass solche Vorwürfe schnell aufgeklärt werden“, sagte Reker. „Nach unserem Rechtssystem kann man auch nur festgehalten werden, wenn Flucht- oder Verdunklungsgefahr besteht – das kann man von dem Bürgermeister einer Millionenstadt sicher nicht sagen.“ Insofern gehe es hier offensichtlich um ein abgekartetes Spiel, sagte Reker. Imamoglu selbst habe sie nicht besuchen dürfen. „Der Haftbesuch ist nicht genehmigt worden.“ Seine Frau Dilek habe ihn bisher dreimal besuchen dürfen.

Die Kölner Oberbürgermeisterin war zu einer Konferenz des türkischen Städtetages nach Istanbul gereist. Daran nahmen auch andere deutsche Bürgermeister teil, darunter Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte von der SPD und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay von den Grünen. Reker appellierte an deutsche Politiker, Solidarität mit Imamoglu zu bekunden. „Ich würde mir das deutlicher wünschen, dass man dazu etwas sagt. Wenn man sich verbunden ist, muss man sich auch beistehen.“

9 April 2025 0 Kommentare
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Sinti- und Roma-Vereine gründen neuen Hamburger Dachverband

von Fremdeninfo 9 April 2025
von Fremdeninfo

 

 

Sinti- und Roma-Vereine gründen neuen Hamburger Dachverband

                                    Artikel von dpa

                                    

In dem neuen Dachverband wollen sich Hamburger Sinti und Roma für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen. © David Hammersen/dpa

 Drei Hamburger Sinti- und Roma-Vereine haben sich zu einem neuen Dachverband zusammengeschlossen. Das Kooperationsabkommen unterzeichneten der Landesverein der Sinti, der Bildungsverein der Roma zu Hamburg sowie die Rom und Cinti Union. Die Organisationen bekannten sich damit zur Stärkung der politischen Teilhabe, zur Förderung von Bildung sowie zur Bewahrung und Sichtbarmachung der Kultur und Geschichte der Roma und Sinti in Hamburg.

«In einer Zeit, in der Antiziganismus und soziale Ausgrenzung noch immer Realität sind, ist unsere Zusammenarbeit ein notwendiger Schritt für eine gerechtere Gesellschaft», erklärten die drei Vereinsvorsitzenden Arnold Weiss, Diana Sima und Tino Knudsen. Sie bekräftigten: «Wir stehen zusammen – für Erinnerung, Teilhabe und eine gemeinsame Zukunft.» Sima sagte als Vorsitzende des Bildungsvereins der Roma: «Ich bin weiterhin daran interessiert, durch Bildung was zu erreichen.»

Internationaler Roma-Tag

Die Gründung des «Dachverbands der Sinti und Roma-Interessenvertretungen in Hamburg» erfolgte am Internationalen Roma-Tag, der seit Anfang der 2000er Jahre weltweit gefeiert wird. Er geht zurück auf die Gründung der Internationalen Roma-Union am 8. April 1971 in London. Der Mitgründer der Rom und Cinti Union in Deutschland, Rudko Kawczynski, sagte über die in ganz Europa lebende Minderheit: «Wir sind die einzigen echten Europäer, mit einer einzigen Sprache überall, wir sind pazifistisch, wo Krieg ist, laufen wir weg. Wo es keinen Krieg gibt, da sind wir zu Hause.»

50.000 Sinti und Roma in Hamburg

Weiss sagte: «Wir sind hier, wir sind viele, und wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen.» Nach seinen Angaben leben in Hamburg rund 50.000 Sinti und Roma. Der Landesverein der Sinti habe rund 1.700 Mitglieder in der Hansestadt. Die Roma und Cinti Union vertritt nach Angaben von Kawczynski etwa 5.000 Menschen in Hamburg

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Religion

Berliner Jusos gegen Begriff Islamismus

von Fremdeninfo 9 April 2025
von Fremdeninfo

Berliner Jusos gegen Begriff Islamismus

                                       Artikel von dpa

 

                    

Berlins Jusos sehen im Begriff Islamismus eine Stigmatisierung aller Muslime. (Symbolbild) © Christophe Gateau/dpa

 Die Berliner Jusos wollen den Begriff Islamismus in ihrem Sprachgebrauch nicht mehr verwenden und sprechen stattdessen künftig nur noch von «religiös-begründetem Extremismus» – ohne Bezug zu einer konkreten Religion. Einen entsprechenden Beschluss, der nun für Kritik sorgt und im Netz heißt diskutiert wird, fasste der Berliner Landesverband der SPD-Nachwuchsorganisation bei einer Delegiertenversammlung. 

Die begriffliche Nähe zwischen Islam und Islamismus sei ein Problem, heißt es in dem Beschluss vom vergangenen Samstag. «Dadurch entsteht ein Bild, bei dem der Islam als solcher problematisiert und mit Negativität assoziiert wird.» Eine ganze Religion werde stigmatisiert. Zudem würden als Muslime gelesene Menschen unter Generalverdacht gestellt – sie stünden permanent unter Druck, sich von Extremismus etwa der Hamas oder des Islamischen Staats (IS) zu distanzieren. Folge sei auch ein Erstarken von antimuslimischem Rassismus.

CDU übt Kritik 

Kritik an dem Beschluss, über den zuerst der «Tagesspiegel» berichtet hatte, kam von der CDU. «Probleme kann man nicht lösen, indem man sie unkenntlich macht», sagte der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, der Deutschen Presse-Agentur. «Voraussetzung für die Lösung von Problemen ist es, sie klar zu benennen.»

Die begriffliche Nähe des Wortes Islamismus zum Islam sei unabdingbar für eine zutreffende Bezeichnung dieses Extremismus-Phänomens. «Denn die Angehörigen dieser extremistischen Ausrichtung berufen sich ja explizit auf den Islam. Der Begriff „religiös begründeter Extremismus“ hingegen vernebelt diesen Zusammenhang.»

Wissenschaftlerin wundert sich 

Auch Islamismus-Forscherin Susanne Schröter hält das Vorgehen der Jusos für nicht sachgerecht. Die Direktorin des «Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam» (FFGI) sagte bei Welt TV: «Was die Jusos machen, das ist eine bekannte Methode, die man bei linken Organisationen häufig findet, (…) ist, das Problem des islamischen Extremismus wegzumoderieren, indem man nicht mehr darüber spricht, indem man plötzlich andere Begriffe verwendet.» 

Das Problem sei aber nicht vom Islam zu trennen, argumentiert auch sie. Attentäter, aber auch islamistische Politiker bezögen sich auf den Islam und begründeten ihre Haltung, Werte und Taten mit dem Islam. 

Juso-Landesvorsitzende sieht Abbau von Diskriminierung

Die Berliner Juso-Landesvorsitzende Svenja Diedrich, die den Verband gemeinsam mit Kari Lenke führt, sprach angesichts der Diskussion von «viel Lärm um nichts». Ziel des mit breiter Mehrheit gefassten Beschlusses sei ein Abbau von Diskriminierung in der Verbandsarbeit, sagte sie der dpa. Es handele sich nicht um ein Verbot. «Alle Leute dürfen weiter sagen, was sie wollen.» 

Extremismus, der sich auf Religionen berufe, müsse bekämpft werden – allerdings ohne «rassistische Narrative und Stigmatisierung», heißt es im Beschluss der Berliner Jusos weiter. «Stattdessen soll in Zukunft in unserem Verband von „religiös-begründetem Extremismus“ gesprochen werden. So werden keine weiteren Vorurteile gegenüber dem Islam geschürt.» Das solle etwa für Anträge und Debatten im Verband gelten. 

Islamisten wollen «Gottesstaat»

Laut Definition der Bundeszentrale für politische Bildung ist Ziel des Islamismus ein islamischer «Gottesstaat» mit strengen Regeln für alle Lebensbereiche nach islamischer Gesetzgebung, der sogenannten Scharia. «Der Islamismus steht im Widerspruch zu wichtigen demokratischen Grundsätzen.» Dazu gehörten freie Wahlen und eine ständige Veränderung unterworfene Gesetzgebung. 

Das Bundesinnenministerium definiert Islamismus als Form von Extremismus, die unter Berufung auf den Islam auf die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland abziele. Islamisten stünden damit im Widerspruch zu den im Grundgesetz verankerten Grundsätzen der Volkssouveränität, der Trennung von Staat und Religion, der freien Meinungsäußerung und der allgemeinen Gleichberechtigung

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