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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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AllgemeinFlüchtlinge

Güler will in Syrien für „inklusiven Transitionsprozess“ werbenSerap

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Rassismus

Nach Morden in Hessen: „Der rassistische Diskurs wird geduldet

von Fremdeninfo 8 August 2019
von Fremdeninfo

Nach Morden in Hessen: „Der rassistische Diskurs wird geduldet“

von Pitt v. Bebenburg

Auf die Vorfälle der vergangenen Wochen sind teils rassistisch aufgeladene Debatten gefolgt. Die Ausländerbeiräte in Hessen sind beunruhigt.

Frankfurt – Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben Enis Gülegen, den Vorsitzenden der hessischen Ausländerbeiräte, aufgewühlt: der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, die Schüsse auf einen Eritreer in Wächtersbach, der Mord an einem achtjährigen Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof. Jedes Mal folgten teilweise rassistisch aufgeladene Debatten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass wachsendes Misstrauen durch solche Taten und rechte Hetze unsere Gesellschaft spaltet“, mahnte der Frankfurter Gülegen.

 

Frankfurt: Rechte Hetze spaltet Gesellschaft

Herr Gülegen, Sie wollen nicht zulassen, dass rechte Hetze die Gesellschaft spaltet. Wie wollen Sie das erreichen?
Wir müssen aufzeigen, dass im Rechtspopulismus der Grund liegt, dass wir zur Zeit solche Gewaltausbrüche erleben wie beim Mord an Herrn Lübcke. Der rassistische Diskurs ist mittlerweile ein fester Bestandteil der Mitte der Gesellschaft. Wenn wir Menschen zu Fremden machen, legitimieren wir deren Andersbehandlung. Das reicht bis zu Gewaltausbrüchen und in letzter Konsequenz bis zu Mord und Totschlag.

Sie haben den Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke erwähnt, der mutmaßlich von einem Neonazi begangen wurde. Es gab auch die Schüsse auf einen Mann aus Eritrea, die offenbar rassistisch motiviert waren. Ist der Rechtsextremismus in der Gesellschaft gefährlicher geworden?
Die Gewalt ist nichts Neues. Wir kennen sie seit den Gewaltausbrüchen in Solingen, Rostock und Hoyerswerda in den 90er Jahren. Was tatsächlich neu ist: Rechtspopulismus und Rechtsextremismus treten enthemmter auf. Diese Morde geschehen nicht im luftleeren Raum. Ihre Grundlage ist der rassistische Diskurs. Er tritt in der Mitte der Gesellschaft auf, dort wird er geduldet. Am Fall Lübcke sehen wir, dass die Gewalt nicht nur Ausländer trifft, dass es nicht nur eine Frage der Ethnizität ist, sondern dass Rechtsextremisten einen ideologischen Kampf führen. Die tödlichen Schüsse von Ohio sind übrigens auch in diese Reihe einzuordnen, auch das ist eine rassistische Tat.

Frankfurt: AfD leigitmiert rassistischen Diskurs

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die AfD?
Die AfD übernimmt die Legitimationsrolle. Sie legt den Nährboden für einen rassistischen Diskurs. Die AfD hat in ihrem Grundsatzprogramm deutlich rassistische Erklärungszusammenhänge. Diese werden in bestimmten Kreisen so aufgenommen, dass man andere bekämpfen darf. Man kann nicht sagen, dass die AfD dadurch zu Mordanschlägen anstiften würde. Aber es ist der Zusammenhang, der hergestellt wird. Das ist das Gefährliche.

Zur Person

Enis Gülegen ist seit 2013 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen (Agah). Er sitzt als Mitglied in der Kommunalen Ausländervertretung in Frankfurt und gehört auch dem Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks an.

Mehr als 90 Ausländerbeiräte sind in der Agah zusammengeschlossen. Sie vertreten die Interessen der ausländischen Bevölkerung in ihrer Kommune oder ihrem Landkreis und werden alle fünf Jahre direkt von der ausländischen Bevölkerung gewählt.

Der Diplompädagoge Gülegen unterrichtet seit mehr als 30 Jahren Deutsch für Menschen, die aus dem Ausland nach Frankfurt gekommen sind. Zuletzt war er mehr als ein Jahrzehnt an der Sophienschule tätig, die zum Schuljahresende geschlossen wurde. Nun wechselt Gülegen an die Philipp-Holzmann-Schule.

Was kann man diesem Klima entgegensetzen?
Wir müssen uns auf unsere demokratischen Grundsätze besinnen. Die Einhaltung dieser Grundsätze von allen, auch von Migranten, ist die einzige Grundlage, auf der wir uns auf ein friedliches Zusammenleben zurückbesinnen können. Wir müssen Diskriminierung bekämpfen, auf allen Ebenen. Auf dem Wohnungsmarkt zum Beispiel ist Diskriminierung eine Tatsache. Der Frankfurter Magistrat hat selbst festgestellt, dass Migranten dort für schlechtere Wohnungen höhere Mieten bezahlen müssen. Es gibt die Diskriminierung im Bildungsbereich, es gibt die Diskriminierung im Arbeitsbereich, es gibt sie überall. Wenn wir sie hinnehmen, legen wir die Grundlage dafür, dass Menschen zu Fremden und zu Außenseitern gemacht werden. Das, was wir jetzt erleben mit den Gewaltausbrüchen, ist die schlimmste Konsequenz, die in der Kontinuität folgt.

Nach dem Mord an einem achtjährigen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof haben Sie betont, dass Nationalität und Hautfarbe des Täters keine Rolle spielen. Läuft die Debatte in die falsche Richtung?
Ja, sofern sie in diese Richtung geführt wird. Von Rechtsradikalen und Rechtspopulisten werden solche Taten bewusst instrumentalisiert. Deswegen haben wir darauf hingewiesen, dass Mord überall Mord ist und auf niederen Beweggründen basiert. Ob jemand einer anderen Ethnie angehört oder einer anderen Religion, das ist völlig egal. Ich möchte aber unterstreichen: Es ist wirklich begrüßenswert, dass nach dem furchtbaren Mord in Frankfurt alle demokratischen Kräfte davor gewarnt haben, dass durch Rechtsradikale und Rechtspopulisten eine Instrumentalisierung versucht wurde.

Sollte die Polizei die Staatsangehörigkeit oder die Hautfarbe eines Täters erwähnen? Sollten die Medien dies tun?
Da gibt es eine sehr begrüßenswerte Linie des Presserats: Wenn es ausschlaggebend ist für die Nachricht, dass die Nationalität erwähnt wird, dann soll sie natürlich erwähnt werden. In dem Fall in Frankfurt habe ich keinen Zusammenhang gesehen, dass der Täter eine dunkle Hautfarbe hat oder einer anderen Ethnie angehört. Insofern wäre es nicht notwendig gewesen zu unterstreichen, dass derjenige ein Eritreer war.

 

8 August 2019 0 Kommentare
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Bildung

Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen: KMK will prüfen

von Fremdeninfo 9 Oktober 2017
von Fremdeninfo

Türkisch lernen von Konsulatslehrern

Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen: KMK will prüfen

  • dtj-online
  • KulturPolitik
  • 7. Oktober 2017 14:21

ARCHIV: Schüler an einer türkischen Schule. Prometheus72 / Shutterstock.com

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann (CDU), will den sogenannten Konsulatsunterricht in Deutschland auf den Prüfstand stellen. Sie werde das Thema bei der KMK-Sitzung am 12. Oktober zur Sprache bringen, kündigte die baden-württembergische Kultusministerin in einem Interview der «Heilbronner Stimme» (Samstag) an.

Beim Konsulatsunterricht schicken die Herkunftsländer Lehrer nach Deutschland, um Kinder zu unterrichten, deren Wurzeln in ihrem Kulturkreis liegen. Der muttersprachliche Unterricht findet meist an staatlichen Schulen statt, wird aber nicht von der Schulaufsicht kontrolliert. Kritik gibt es unter anderem am Unterricht für türkischstämmige Schüler. Die Gewerkschaft GEW, aber auch Politiker verschiedener Parteien befürchten eine politische Einflussnahme der Türkei.

Ist der Türkische Konsulatsunterricht noch zeitgemäß?

«Natürlich geht es zentral um die Frage, ob die Grundlage für den Unterricht – die Wanderarbeiterrichtlinie der EU von 1977 – noch zeitgemäß ist», sagte Eisenmann. «Damals ging es darum, dass Kinder von Wanderarbeitern den Kontakt zu ihrem Herkunftsland nicht verlieren. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen.» Heute gehe es um Integration. «Wir wollen schauen, ob wir zu einem gemeinsamen Vorgehen finden, ob wir auch europäisch initiativ werden müssen.»

Eisenmann: Pädagogisch-didaktischen Erfahrungen von Konsulatslehrern genau überprüfen

Änderungsbedarf sieht Eisenmann insbesondere bei der Überprüfung der Konsulatslehrer. Man müsse sich das genau anschauen in der KMK: «Über welche pädagogisch-didaktischen Erfahrungen verfügen die Lehrkräfte? Ich halte es für sinnvoll, dass wir bestimmte Anforderungen stellen, die die Lehrkräfte erfüllen müssen.»

 

9 Oktober 2017 0 Kommentare
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Allgemein

Fremdeninfo

von Fremdeninfo 2 Oktober 2016
von Fremdeninfo

Unsere „Fremden“ Info-Zeitung besteht in Niedersachsen als Redaktion. In anderen Bundesländern haben wir Unterstützer, die regelmäßig den Informationsaustausch, die Aktualisierung der Nachrichten, die Berichterstattung, die Kommentierung etc. gestalten, koordinieren und auch mitschreiben.

Die „Fremden“ Info Online-Zeitung ist in Hannover ansässig und hat hier ihre Redaktion. Sie beschäftigt sich überwiegend mit den rechtlichen, politischen und sozialen Angelegenheiten der EinwandererInnen und Flüchtlinge in der Stadt Hannover, in den Gemeinden der Region Hannover und in dem Land Niedersachsen. Wir sind hier vor Ort und nehmen an allen entscheidungserheblichen Entwicklungen in der Stadt, bei Verbänden, politischen Parteien und bei Behörden teil, verfolgen, verwerten und analysieren alle aufkommenden Fragen betreffend der Mitbürger hier mit Migrations- bzw. Fluchthintergrund. Wir beteiligen uns bei Demonstrationen zur Geltendmachung von Rechten für Flüchtlinge. Wir sind dabei, wenn gegen Diskriminierungen vorgegangen wird. Wir waren dabei beim Bündnis „Bunt, statt braun“, haben zur Teilnahme aufgerufen, haben selbst daran teilgenommen und haben darüber berichtet. Wir waren dabei bei der Veranstaltung im Pavillon in Hannover bei der Veranstaltung „Sexismus und Gewalt gegen Frauen“ dabei. Wir waren auch vor Ort bei der Kundgebung „Tanzen gegen Gewalt und Sexismus zum Nachteil von Frauen“ dabei. Darüber hinaus sind wir beteiligt an „Niedersachsen packt an“. Wir führen mit den Beteiligten regelmäßig Gespräche, tauschen Meinungen aus, hören uns Vorträge an und werten diese in unserer Online-Zeitung aus. Die Folgen, die daraus für die Mitbürger aller Nationalitäten in Hannover entstehen, werden öffentlich gemacht. Es werden auch Lösungsvorschläge unterbreitet, wie die Stadt Hannover z. B. die Probleme mit der Gewalt angehen sollte. 

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2 Oktober 2016 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Aktuelle wirtschaftliche und politische Lage in Deutschland

von Cumali Yağmur 16 Juni 2026
von Cumali Yağmur


            Von: Cumali Yağmur

Wirtschaftliche Herausforderungen und Lebensstandards
Während die Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran die Welt beeinflussen, haben sie auch Deutschland tief erschüttert. Der Anstieg der Kraftstoffpreise führte dazu, dass auch alle anderen Kosten in die Höhe schossen. Insbesondere aufgrund der gestiegenen Flugpreise mussten viele Menschen auf ihre Urlaubspläne verzichten; viele lassen ihr Auto stehen und ziehen es vor, im Land zu bleiben.

Die extrem steigenden Lebensmittelpreise lassen die Kaufkraft der Massen schrumpfen, während die Armut in der Gesellschaft zu wachsen beginnt. Die verarmten Bevölkerungsschichten, insbesondere Rentner, sind massiv von Armut betroffen. Verschiedene Teile der Bevölkerung bringen ihre Unzufriedenheit über diese Situation immer lautstarker zum Ausdruck. Die breite Masse blickt mit Sorge in die eigene Zukunft und durchlebt angstvolle Zeiten.

Politische Verschiebungen und der Aufstieg der Rechten
Während die Regierungsparteien (CDU/CSU und SPD – Hinweis: Hier sind wohl die etablierten Volksparteien gemeint), die politisch nicht mehr auf die Bedürfnisse der Bürger reagieren können, an Boden verlieren, gewinnen rechte Parteien unter der zunehmend verarmenden Bevölkerung an Basis. Massen, die mit der aktuellen Führung unzufrieden sind, wenden sich der AfD (Alternative für Deutschland) zu. Laut Meinungsumfragen ist sie zur stärksten Kraft avanciert.

In Ostdeutschland deuten Umfragen darauf hin, dass die AfD in einigen Bundesländern eine Mehrheit erreichen könnte, die es ihr ermöglicht, allein zu regieren. Diese Entwicklung sorgt für große Fragezeichen und Besorgnis in den Köpfen.

Sozialhilfe und Existenznöte
Während die Inflation in Deutschland bei 2,9 % liegt, sinkt die Kaufkraft der Bevölkerung stetig weiter. Angesichts steigender Preise ist die Situation derjenigen, die von Sozialhilfe und Grundsicherung leben, äußerst schwierig geworden. Während die Lebenshaltungskosten steigen, stagnieren die Unterstützungsleistungen. Dass ein Großteil der Migranten ebenfalls von Sozialhilfe und Grundsicherung lebt, macht die Lage noch komplexer. Die Lebensbedingungen für kinderreiche Familien verschlechtern sich, und das Phänomen der sogenannten „Kinderarmut“ tritt immer deutlicher zutage. Dass das Kindergeld nicht ausreichend erhöht wurde und die geplante 1.000-Euro-Prämie für Arbeitnehmer von den Ministerpräsidenten (zugunsten der Arbeitgeber) abgelehnt wurde, hat die Unruhe in der Bevölkerung weiter verstärkt.

Obwohl Deutschland mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 49.000 Dollar als eines der reichen Länder Europas erscheint, belastet die ungerechte Einkommensverteilung breite Bevölkerungsschichten schwer. Während die Steuerlast für die Bürger nicht sinkt, ist das Vertrauen in die Regierung erschüttert. Die Regierung scheint keine konkreten Lösungsvorschläge oder Pläne gegen diese Krise zu haben; zudem wird die „Angst vor einem Sturz der Regierung“ zunehmend zum Thema.

Da man erkannt hat, dass dieser Situation nicht allein durch Neuverschuldung beizukommen ist, stehen neue Steuern und Lösungswege auf der Agenda. Es wird berichtet, dass einige Kommunen in Deutschland tief in der Schuldenfalle stecken und kein Budget für die Sanierung von Schulen, Brücken und öffentlichen Einrichtungen (wie Schwimmbädern) vorhanden ist. So bestätigte der Stadtkämmerer unserer Stadt Hannover, dass diese mit 700 Millionen Euro verschuldet ist. Auch andere Kommunen befinden sich in einer ähnlich prekären finanziellen Lage.

Zukunftssorgen und Demokratie
Dass ein so reiches Land derart große wirtschaftliche und politische Probleme durchmacht, macht die zerstörerischen Auswirkungen von Kriegen und Krisen auf Entwicklungsländer noch beängstigender. Der Rechtsruck in der deutschen Gesellschaft und die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung der AfD bringen das Risiko eines Endes der Demokratie mit sich. Das Aufkommen autoritärer und faschistischer Regime könnte die dunklen Tage der Vergangenheit zurückbringen. Daher ist es von lebenswichtiger Bedeutung, schon jetzt Maßnahmen zu ergreifen, um in Zukunft nicht noch höhere Preise zahlen zu müssen.

Die aktuelle Regierung muss dringend neue Maßnahmen ergreifen, um die wirtschaftliche Lage im Land so schnell wie möglich zu verbessern. Statt den Ukraine-Krieg materiell und ideell weiter anzuheizen, sollte Deutschland darauf hinwirken, die Parteien für einen Frieden an den Verhandlungstisch zu bringen. Die Regierung hat kein Recht, die Lasten eines angeheizten Krieges allein auf den Schultern des deutschen Volkes abzuladen.

16 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Mit einem Kandidaten, dessen Muttersprache Kurdisch ist, könnten wir uns eventuell nicht zusammenschließen.“

von Cumali Yağmur 16 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Celal Işık / Istanbul

Ein Satz, der die Reaktion auf diese Erklärung des TİP-Vorsitzenden Erkan Baş widerspiegelt, lautet genau wie folgt:
„Als ihr mit den Stimmen der Kurden als Abgeordnete in die Große Nationalversammlung der Türkei (TBMM) eingezogen seid, habt ihr euch doch mit jenen zusammengeschlossen, deren Muttersprache Kurdisch ist.“

Ein weiterer Kommentar aus den sozialen Medien zu diesem Satz von Erkan Baş lautet:
„Während Erkan Baş und seine Partei gestern noch auf dem Rücken der Kurdischen Politischen Bewegung ins Parlament einzogen, setzen sie heute die Tradition fort, sich ins Parlament tragen zu lassen, indem sie Distanz zur DEM-Partei und der Kurdischen Politischen Bewegung wahren und der CHP zunicken.“

Diese zwei Stimmen geben im Grunde die beste Antwort auf die obigen Worte von Erkan Baş.
An diejenigen, die versuchen, diese Worte von Baş zu rechtfertigen, gibt es nur eines zu sagen:
Hört auf, „türkischen Suprematismus“ (Türk üstünlükçülüğü) zu betreiben, indem ihr euch hinter abgedroschenen Phrasen von Sozialismus, Gleichheit und Brüderlichkeit versteckt.
Wie können diejenigen, die nicht einmal in der Lage sind, die Identität eines Volkes gleichberechtigt anzuerkennen, behaupten, sie seien Sozialisten oder Verfechter der Gleichheit?
Darüber würden selbst die Krähen lachen.

Letztendlich gibt es keinen Grund, die Dinge zu verdrehen.
Sagt doch einfach: „Wir sind Atatürk-Nationalisten, wir sind den Gründungscodes dieser Republik treu.“
Wenn jemand die Muttersprache der Kurden nicht als gleichwertig mit der eigenen Muttersprache ansieht, ist die Rede von Sozialismus, Gleichheit und Brüderlichkeit bestenfalls ein geschmackloser Witz.


Anmerkung:
Die türkische Linke kann sich noch immer nicht aus dem Schatten des Kemalismus befreien.


Der TİP-Vorsitzende Erkan Baş sagte: „Die DEM-Partei möchte vielleicht mit einem Kandidaten antreten, dessen Muttersprache Kurdisch ist. Hier könnten wir uns eventuell nicht zusammenschließen.“

Diese Erklärung zeigt einmal mehr, dass viele Strukturen in der Türkei, die sich selbst als sozialistisch, linksorientiert oder revolutionär definieren, noch immer nicht aus dem Schatten des Kemalismus und des etatistischen (staatsgläubigen) Verständnisses herausgetreten sind.
In dieser Linie, die bis zur TİP reicht, weht ein durchdringender Geruch von „Ulusalcılık“ (nationalistischer Säkularismus). Dass Ahmet Şık zuvor die alevitische Identität von Kemal Kılıçdaroğlu als wahltaktischen Nachteil darstellte, war ein weiteres Spiegelbild desselben Verständnisses.

16 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Europäisches Parlament fordert Sanktionen gegen Akın Gürlek: „Vermögenswerte einfrieren“

von Cumali Yağmur 16 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Das Europäische Parlament (EP) hat zum ersten Mal ein hochrangiges Mitglied der türkischen Justiz ins Zentrum von Sanktionsdebatten gerückt. Im Entwurf des Türkei-Berichts, über den am 17. Juni abgestimmt werden soll, wird der Name des stellvertretenden Justizministers Akın Gürlek explizit unter den Personen aufgeführt, die in den EU-Sanktionsmechanismus für Menschenrechte aufgenommen werden sollen.

Im Berichtsentwurf wird betont, dass Akın Gürlek in das „Globale Sanktionsregime der EU im Bereich der Menschenrechte“ einbezogen werden sollte. Der slowenische Parlamentarier Vladimir Prebilic, einer der federführenden Namen hinter dem Bericht, behauptete, Ankara habe verschiedene Versuche unternommen, Gürleks Namen aus dem Text streichen zu lassen.

Einfrieren von Vermögenswerten auf der Agenda
Der Bericht fordert restriktive Maßnahmen wie das Einfrieren von Vermögenswerten innerhalb der EU-Grenzen und Einreiseverbote gegen Beamte, die für „schwerwiegende und vorsätzliche“ Verletzungen der Menschenrechte und Grundfreiheiten in der Türkei verantwortlich gemacht werden. In diesem Zusammenhang wurde Gürlek als „eine der Schlüsselfiguren im repressiven Staatsapparat“ bezeichnet.

Der Text verweist auf Gürleks frühere Tätigkeiten als stellvertretender Generalstaatsanwalt von Istanbul und Vorsitzender eines Gerichts für schwere Strafsachen. Es wird die Einschätzung abgegeben, dass er „während seiner gesamten Karriere nicht als juristischer, sondern als politisch motivierter Akteur gehandelt habe“.

Ein Novum für die Türkei: EU-Sanktionsagenda
Obwohl die Beschlüsse des Europäischen Parlaments empfehlenden Charakter haben und nicht unmittelbar bindend sind, ist die direkte Verknüpfung eines türkischen Beamten mit den Sanktionsmechanismen der EU von großer politischer Bedeutung.

Sollte der Bericht angenommen werden, wird Gürlek nicht automatisch auf der Sanktionsliste stehen; jedoch wird das EP einen offiziellen Appell an die Europäische Kommission und den Rat der EU richten und damit starken politischen Druck für die Einleitung des Prozesses ausüben. Im Rahmen dieses 2020 in Kraft getretenen Sanktionsregimes wurden bisher zahlreiche Personen aus Ländern wie Russland, Iran und Syrien gelistet. Dass nun ein Name aus der Türkei in diesem Kontext genannt wird, gilt als diplomatischer Wendepunkt.

Prebilic: „Es reicht, wir machen keine Scherze“
Der slowenische Abgeordnete Vladimir Prebilic, der eine Schlüsselrolle bei der Erstellung des Berichts spielte, teilte Cansu Çamlıbel von T24 bemerkenswerte Details mit. Prebilic erklärte, man betrachte Gürlek als „einen der Hauptakteure politisch motivierter Justizprozesse“.

Prebilic behauptete, Ankara habe versucht, den Text zu entschärfen, und gab einen Dialog mit İsmail Karayel, dem AKP-Ko-Vorsitzenden der Gemischten Parlamentarischen Kommission Türkei-EU, wie folgt wieder:
„Sie fragten uns, was sie tun könnten, um diesen Namen aus dem Text zu streichen. Ich sagte ihnen, dass sie die falsche Frage stellen. Nicht wir sind es, die diesen Namen streichen werden, sondern die konkreten Schritte, die die Türkei im Bereich Recht und Demokratie unternehmen wird. Unsere Botschaft ist klar: Es reicht, wir machen keine Scherze.“

Bericht trägt die Unterschrift von Nacho Sánchez Amor
Der Bericht, über den am 17. Juni im Plenum des EP abgestimmt wird, wurde vom spanischen Sozialdemokraten und EP-Türkei-Berichterstatter Nacho Sánchez Amor verfasst. Der Bericht stellt einen „systematischen Rückschritt“ bei der Rechtsstaatlichkeit, der Unabhängigkeit der Justiz und den demokratischen Standards in der Türkei fest.

Weitere Schwerpunkte der Kritik im Entwurf sind:

  • Autoritäre Praktiken des Präsidialsystems, die die Unabhängigkeit der Justiz untergraben.

  • Der politische Charakter der Verfahren gegen den Bürgermeister von Istanbul (IBB), Ekrem İmamoğlu.

  • Verletzungen des Rechts auf ein faires Verfahren durch anonyme Zeugenaussagen.

  • Die mangelnde Unabhängigkeit des Rates der Richter und Staatsanwälte (HSK) von der Exekutive.

  • Die Instrumentalisierung der Justiz zur Unterdrückung der Opposition.

„Fortschritt mit der derzeitigen Regierung nicht möglich“
Prebilic zeichnete auch ein düsteres Bild für die Zukunft der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU. Er erklärte, dass man ohne eine Änderung der aktuellen politischen Struktur keine Fortschritte in Themen wie der Aktualisierung der Zollunion oder der Visaliberalisierung erwarte. Der slowenische Parlamentarier fügte hinzu, dass sie mit einer Zustimmung von über 60 % für den Bericht im gesamten EP rechnen.

Die Abstimmung am 17. Juni wird sowohl für den Kurs der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU als auch für die Formalisierung des Sanktionsaufrufs gegen Akın Gürlek eine kritische Schwelle darstellen.

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AllgemeinFlüchtlinge

Güler will in Syrien für „inklusiven Transitionsprozess“ werbenSerap

von Cumali Yağmur 15 Juni 2026
von Cumali Yağmur

       Von: dts

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Außenstaatsministerin Serap Güler (CDU) ist am Montag zu einer Reise nach Syrien aufgebrochen. Während ihres Besuchs werde sie mit Vertretern der syrischen Regierung, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft sprechen, teilte das Auswärtige Amt mit.

Auf dieser Reise wollen wir als Bundesregierung erstmals seit dem Sturz der Assad-Diktatur neben Damaskus auch weite Teile Syriens besuchen, darunter die Küstenstädte Tartus und Latakia sowie Syriens früheres Wirtschaftszentrum, das heute so stark zerstörte Aleppo“, sagte Güler. Es bestehe die Chance, dass ein neues Syrien entstehe, und Deutschland wolle die Beziehungen zu Syrien weiter vertiefen. Deutschland habe ein großes Interesse an einem stabilen Syrien, das in Frieden mit seinen Nachbarstaaten lebe und seinen Bürgern Sicherheit und Würde biete. Die syrische Regierung habe angekündigt, die Wirtschaft zu öffnen und Investitionen zu fördern. Güler sagte, dass der Wiederaufbau der syrischen Wirtschaft auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft sei.

Entscheidend für die Stabilisierung und eine friedliche Zukunft für Syrien sei ein „inklusiver Transitionsprozess“, fügte Güler hinzu. Er müsse die Rechte aller regionalen, gesellschaftlichen, religiösen und ethnischen Gruppen in Syrien berücksichtigen und ihnen gleichberechtigte politische Teilhabe eröffnen. Dazu gehöre insbesondere auch das baldige Zusammentreten einer Nationalversammlung, welche die Anliegen aller Syrer, unabhängig von der Bevölkerungsgruppe, vertrete und als „Plattform für einen friedlichen und gleichberechtigten Dialog“ über die Zukunft Syriens dienen könne, so Güler.

15 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Länder beraten über Rückkehr von Syrern – „Lage neu bewerten“

von Cumali Yağmur 15 Juni 2026
von Cumali Yağmur

    Von Welt

Fast die Hälfte der syrischen Arbeitnehmer seien als Fachkräfte tätig, heißt es aus der SPD. Sie fordert deshalb eine verlässliche Bleibeperspektive. Die CDU hingegen will wieder regelhaft abschieben. Am Mittwoch wollen beide Seiten zueinanderfinden.

 Auf der Innenministerkonferenz (IMK) in Hamburg, die am Mittwoch beginnt, wollen die Ressortchefs der 16 Länder über die Zukunft der syrischen Migranten in Deutschland beraten. Laut „Focus“ haben die Unions- und SPD-geführten Länder jeweils einen Antrag zu dem Thema eingebracht.

Für die SPD-Länder, die sogenannten A-Länder, hat Niedersachsen einen Beschlussvorschlag eingereicht. In dem Papier, das dem „Focus“ vorliegt, heißt es: Viele Syrer seien „nachhaltig integriert, insbesondere durch Erwerbstätigkeit, schulische beziehungsweise berufliche Qualifizierung und gesellschaftliche Teilhabe“.

Die Mehrzahl der syrischen Arbeitnehmer sei in „systemrelevanten Berufen“ tätig, fast die Hälfte von ihnen als Fachkräfte. Für die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens (SPD) leisteten Syrer damit einen aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund fordert der Antrag Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) dazu auf, „die aufenthaltsrechtlichen Rahmenbedingungen für diese Personengruppe (…) so weiterzuentwickeln, dass Rechtssicherheit und eine verlässliche Bleibeperspektive geschaffen werden.“ Konkret solle das Bundesinnenministerium bis zum Herbst „gesetzgeberische Lösungsmöglichkeiten für eine Bleiberechtsregelung“ vorlegen.

CDU: Nach Ende Bürgerkrieg Lage in Syrien neu bewerten

Außerdem sollen bessere Bleibeperspektiven für aktuell geduldete und gut integrierte syrische Staatsbürger geschaffen werden. Aktuell sind in Deutschland knapp 10.000 Syrer geduldet. Eine Duldung liegt vor, wenn zwar keine Asylgründe für einen Ausländer vorliegen, gleichzeitig aber eine Abschiebung nicht möglich ist, etwa aufgrund schwerer Krankheiten oder fehlender Papiere.

Für die CDU-geführten Länder, die sogenannten B-Länder, hat das hessische Innenministerium die aufenthaltsrechtliche Zukunft syrischer Staatsangehöriger auf die IMK-Tagesordnung gesetzt. Darin verweist das Ministerium von Roman Poseck auf eine veränderte Entscheidungspraxis durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf): „Von 25.923 Anträgen im Jahr 2025 wurden nur 532 positiv beschieden“, erklärt das Ministerium in Wiesbaden. Mittel- und langfristig rechnet das Innenministerium mit Widerrufsentscheidungen. Das würde bedeuten, dass die Asylbehörde Schutztitel von syrischen Staatsbürgern widerruft – und damit diese Personen zur Ausreise auffordert.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs gilt es, die Lage in Syrien neu zu bewerten“, sagt Innenminister Poseck dem „Focus“. „Meiner Meinung nach müssen wir perspektivisch wieder zu regelhaften Abschiebungen auch nach Syrien kommen.“ Die Gespräche des Bundesinnenministers mit der syrischen Regierung begrüßt er.

Wer ausreisepflichtig ist, müsse Deutschland wieder verlassen. „Dies gilt grundsätzlich auch für Personen, denen ein lediglich vorübergehender Schutz vor einer Kriegssituation gewährt wurde“, sagt der CDU-Politiker. Das Asylsystem sei gerade kein Einwanderungssystem. Der hessische Innenminister fordert damit indirekt mehrere hunderttausend Syrer zur Ausreise auf. Denn aktuell haben über 500.000 syrische Migranten einen befristeten humanitären Aufenthaltstitel – entweder auf Grundlage eines subsidiären Schutzstatus oder eines Schutzstatus nach Genfer Flüchtlingskonvention.

„Kosten werden durch die arbeitende Bevölkerung erbracht“

Neben der Abschiebung von Straftätern fordert Poseck die Rückführung von „Personen aus Syrien, die nicht gut integriert sind und die seit Längerem in den Sozialsystemen verharren“. Dadurch würde man auch den Sozialstaat entlasten, was ein Gebot der Gerechtigkeit sei. „Denn die Kosten für Asylbewerberleistungen und Bürgergeld werden durch die arbeitende Bevölkerung erbracht.“

Poseck hält auch zusätzliche Anreize und Förderungen für eine freiwillige Rückkehr nach Syrien für notwendig. Bislang erhalten syrische Migranten im Schnitt 1000 Euro für die freiwillige Rückkehr. Laut „Focus“ prüft das Bundesinnenministerium derzeit, die Rückkehrprogramme zu erweitern – darunter auch die Option von 8000 Euro Rückkehrförderung.

Mit dem Sturz des langjährigen syrischen Diktators Baschar al-Assad ist der Bürgerkrieg in Syrien seit dem 8. Dezember 2024 beendet. Dennoch kehrten bislang nur wenige Syrer aus Deutschland in ihre Heimat zurück. Eine „Focus“-Umfrage bei allen 16 Bundesländern ergab kürzlich, dass erst 10.009 Syrer ausgereist sind. In Deutschland leben indes über 900.000 Syrer ohne deutschen Pass.

15 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Tausende Teilnehmer beim traditionellen „Festival für Einheit und Solidarität“ der DIDF

von Fremdeninfo 15 Juni 2026
von Fremdeninfo

Von Mehmet Tanlı, Köln

Am Samstag nahmen fast 8.000 Menschen am „Festival für Einheit und Solidarität“ teil, das von der Föderation Demokratischer Arbeitervereine (DİDF) im Tanzbrunnen, einem der bekanntesten Veranstaltungsorte Kölns, organisiert wurde. Neben einem sehr facettenreichen Musikprogramm sprachen auf dem Festival namhafte Persönlichkeiten wie der Vorsitzende der Partei EMEP, Seyit Aslan, die Europaabgeordnete Özlem Alev Demirel, deutsche und türkische Gewerkschafter, Vertreter von Jugendorganisationen und Betriebsräte sowie DİDF-Vorsitzende Alev Bahadır und das DİDF-Vorstandsmitglied, der Journalist und Autor Yücel Özdemir. In den Reden wurde auf die politischen Entwicklungen in Deutschland, der Türkei und weltweit aufmerksam gemacht. Es wurden starke Botschaften gegen Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Kürzungen, Rassismus, Diskriminierung sowie gegen die Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft durch rassistischen Nationalismus gesendet. Die über 7.000 Besucher, die hauptsächlich durch die Organisation der regionalen DİDF-Vereine aus ganz Deutschland und den Nachbarländern angereist waren, sangen gemeinsam Lieder und tanzten voller Begeisterung Halay.

Vielfalt bei Rednern und Musikgruppen
Das Festivalprogramm in Köln, das von Zara Canbay und Emre Ögüt erfolgreich zweisprachig auf Deutsch und Türkisch moderiert wurde, begann mit den folkloristischen Tänzen der Volkstanzgruppe der DİDF Wuppertal und einer Rede der Kölner Bezirksbürgermeisterin Derya Karadağ. In den Eröffnungsreden standen der Arbeitskampf, gesellschaftliche Solidarität, Frieden und das demokratische Zusammenleben im Vordergrund. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm mit Künstlern wie Grup Kontrast, Kai Degenhardt, Junge Arbeiter, Mustafa Özarslan, Agire Jiyan, Gaye Su Akyol und der bekannten Gruppe Moğollar bescherte allen Teilnehmern einen unvergesslichen Tag voller Musik und Kunst.

Seyit Aslan: „Das zionistische Israel bekommt den Hals nicht voll“
Der aus der Türkei eingeladene Gastredner, der EMEP-Vorsitzende Seyit Aslan, thematisierte in seiner Rede vor allem die politischen Entwicklungen in der Türkei: „Die Welt erlebt eine große Krise. Das zionistische Israel beispielsweise bekommt den Hals nicht voll; es mordet weiterhin Menschen in Palästina und im Libanon. In der Türkei hält der Druck auf die Opposition, die CHP, unvermindert an; doch dies ist längst nicht mehr nur eine Angelegenheit der CHP. In unserem Land findet heute ein Kampf zwischen der herrschenden Kapitalklasse und Millionen von unterdrückten Arbeitern und Rentnern statt. Sie wollen, dass diese Plünderung weitergeht. Femizide und die Zerstörung der Natur halten an. Die Arbeiterklasse in der Türkei wird dieses Palast-Regime durch gemeinsamen Kampf definitiv stürzen. Auch die Rechte des kurdischen Volkes werden von dieser Regierung missbraucht. Diese Macht kann das kurdische Problem nicht lösen und keine Gleichberechtigung schaffen. Ich gratuliere den DİDF-Verantwortlichen, Mitgliedern und Freunden zur Organisation dieses großartigen Festivals mit so breiter Beteiligung und wünsche viel Erfolg für die weitere Arbeit.“

Yücel Özdemir: „DİDF ist die richtige Adresse im Kampf für soziale Rechte und gegen Rassismus“
Das DİDF-Vorstandsmitglied, der Journalist und Autor Yücel Özdemir, betonte als letzter Redner, dass die DİDF die führende Organisation im Kampf gegen den Abbau sozialer Rechte, Rassismus, Diskriminierung und gegen die rechtsextreme AfD sei. Er rief dazu auf, die DİDF zu unterstützen und sich an ihrer Arbeit zu beteiligen.

Özdemir sagte: „Der Lauf der Welt ist nicht gut; aber wenn wir als Menschen unterschiedlicher Ethnien, Glaubensrichtungen und Ansichten wie heute hier zusammenkommen und kämpfen, gibt es nichts, was wir nicht erreichen können. Wir leben seit 65 Jahren hier, wir sind hier bleibend. Die Probleme hier sind auch unsere Probleme. Wir sind Teil des Kampfes gegen Rassismus und Diskriminierung. Wie Sie heute sehen, sind auch unsere deutschen Freunde hier. Wir lehnen jede Form von Diskriminierung, Rassismus und Flüchtlingsfeindlichkeit ab. Auch manche Migranten tun dies; das ist eine völlig falsche Haltung. Wir müssen nicht gegen diejenigen kämpfen, die ihre Heimat verlassen mussten, sondern gegen die imperialistischen und kapitalistischen Systeme, die sie zur Flucht zwingen. Während wir unseren Kampf hier fortsetzen, dürfen wir die Ungerechtigkeiten in der Türkei nicht ignorieren. Wir müssen den Kampf in der Türkei mit internationaler Solidarität unterstützen. Unser Herz schlägt für eine demokratische Türkei, in der Journalisten und Politiker nicht ins Gefängnis gesperrt werden. In der Hoffnung, uns in zwei Jahren, am 10. Juni 2028, wieder hier zu treffen, danke ich Ihnen allen.“

Lieder in verschiedenen Sprachen vereinten die Menge
Die auftretenden Künstler begeisterten das Publikum mit Liedern, Volksliedern und „Deyiş“ in den Muttersprachen Türkisch, Kurdisch und Deutsch; sie brachten die Menge dazu, gemeinsam zu tanzen.
Damit spiegelte sich erneut der verbindende und tolerante Charakter der DİDF-Festivals wider, die die Kultur der Völker respektieren und ansprechen. Neben dem Bühnenprogramm verliehen Stände von Buchverlagen, Autoren, Gewerkschaften sowie Essensstände dem Festival zusätzliche Farbe.

Das Festival in Köln endete mit dem kraftvollen Auftritt der legendären Anadolu-Rock-Gruppe Moğollar, angeführt von dem Meistermusiker Cahit Berkay und dem Solisten Emrah Karaca.

15 Juni 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Nacktdurchsuchung als Unterwerfungsinstrument: Eine institutionalisierte Form sexualisierter Gewalt

von Cumali Yağmur 14 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Quelle: Velev / Gündem

Die Zahlen zu Nacktdurchsuchungen belegen – entgegen den Behauptungen der politischen Führung –, wie verbreitet und systematisch diese Praxis ist. Fast die Hälfte (48 Prozent) der im Jahr 2025 aus dem Gefängnis Entlassenen, die sich an die Menschenrechtsstiftung der Türkei (TİHV) wandten, gaben an, einer Nacktdurchsuchung unterzogen worden zu sein.

Özen Evren
13. Juni 2026 | Panorama

In der 47. Anhörung des IBB-Prozesses (Stadtverwaltung Istanbul) stand Fatoş Pınar Türker, die Generaldirektorin der IBB-Tochtergesellschaft Medya A.Ş., vor dem Richter. Türker beschrieb die Gewalt und Misshandlung, die sie durch die Polizei während ihrer Festnahme im Istanbuler Polizeipräsidium in der Vatan-Straße in Form einer „Nacktdurchsuchung“ erfahren hatte, wie folgt:

  • „Eine Polizistin, die Handschuhe trug, sagte: ‚Zieh dich aus‘. Ich zog mich aus. Als ich fragte, ob ich gehen könne, sagte sie mir, ich solle auch meine Hose und meine Unterwäsche herunterlassen. Sie sagte: ‚Öffne dein Geschlechtsteil‘, ‚Dreh dich um – bück dich‘.“

An dieser Stelle wandte sich Türker an die weiblichen Zuschauerinnen im Gerichtssaal:

  • „Wer sich schämt, kann hinausgehen; ich schäme mich nicht. Es fühlt sich an, als würde dies getan, um die Ehre und den Stolz der Menschen zu brechen. Derjenige, der es tut, soll sich schämen, nicht ich.“

Türker, die am 25. März 2025 aufgrund einer anonymen Zeugenaussage verhaftet wurde, befindet sich seit 450 Tagen in Haft und wird derzeit im Gefängnis von Düzce festgehalten.

Die Polizei sagte nicht „Wir haben keine Nacktdurchsuchung durchgeführt“, sondern „Die Anwendung entspricht den Vorschriften“

Nachdem Türker die Folter der Nacktdurchsuchung im Gerichtssaal geschildert hatte, fand das Thema in der Presse große Beachtung und löste öffentliche Empörung aus.

Das Istanbuler Polizeipräsidium sah sich gezwungen, eine Erklärung abzugeben. Dabei bestritt die Behörde die Nacktdurchsuchung nicht, sondern erklärte im Wesentlichen: „Die Anwendung entspricht den Vorschriften“:

„Bei den Maßnahmen, die während des Gewahrsams der betreffenden Person durchgeführt wurden, gab es keine Anwendung, die gegen die geltenden Vorschriften verstieß, und die Behauptungen entsprechen nicht der Wahrheit.“

Nach den Protesten leitete das Innenministerium eine Untersuchung zu dem Vorfall ein.

Die Anwältin Yağmur Kavak vom Verein zeitgenössischer Juristen (ÇHD), die mit dem Journalisten Can Öztürk (T24) sprach, widersprach der Polizei und betonte, dass diese Praxis keine rechtliche Grundlage habe:

„Nacktdurchsuchungen haben keinen Platz in den Vorschriften“

„In den Rechtsvorschriften ist dies nicht vorgesehen. Technisch gesehen darf die Polizei den Körper berühren, aber nur über der Kleidung. Darüber hinaus ist das Ausziehen von Kleidung oder eine Untersuchung der Vagina nicht zulässig. Wir können diese Situation als sexualisierte Folter definieren.“

„Ermittlungen werden nicht geführt oder es gibt keine abschreckenden Strafen“

Kavak wies darauf hin, dass Strafanzeigen wegen Nacktdurchsuchungen nur sehr selten zu Ergebnissen führen: „Entweder werden keine Ermittlungen und Strafverfolgungen eingeleitet, oder die verhängten Strafen sind nicht abschreckend“, sagte sie und fügte hinzu:

„Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat zahlreiche Urteile zu Nacktdurchsuchungen gefällt. In den nationalen Vorschriften ist sie eigentlich gar nicht vorgesehen. Es ist klar, dass es sich hierbei um Folter und Misshandlung handelt. Nacktdurchsuchungen werden sowohl vom EGMR als auch von der Verfassung als ‚Folter‘ eingestuft.“

Die Zahlen belegen, dass das Problem – entgegen den Behauptungen der Behörden – systematisch ist.

48 Prozent der aus Haft Entlassenen wurden nackt durchsucht

Im Jahr 2025 gaben fast die Hälfte (48 Prozent) der aus den Gefängnissen entlassenen Personen, die sich an die Menschenrechtsstiftung der Türkei (TİHV) wandten, an, einer Nacktdurchsuchung oder Entkleidung unterzogen worden zu sein. Bei Anträgen bezüglich Polizeigewahrsam wurde sexualisierte Folter (in einem breiten Spektrum von verbaler Belästigung bis hin zu körperlichen Übergriffen) bei insgesamt der Hälfte der Antragsteller dokumentiert.

Şebnem Korur Fincancı: „Nacktdurchsuchung ist ein Instrument der Unterwerfung“

„Die Nacktdurchsuchung ist keine Suchmethode, sondern ein Instrument der Unterwerfung. Diese Praxis, die unter dem Vorwand der Sicherheit legitimiert werden soll, wählt ihr Ziel sehr präzise: den Körper bloßzustellen, den Willen zu brechen und die Person zu demütigen“, sagt die Gerichtsmedizinerin Prof. Dr. Şebnem Korur Fincancı. Sie betont, dass Praktiken, die auf die körperliche Integrität, die Privatsphäre und die Würde abzielen, unter das Verbot von Folter und Misshandlung fallen.

„Nacktdurchsuchung ist eine institutionalisierte Form sexualisierter Gewalt“

Wenn es um Frauen geht, wird diese Definition noch schärfer. Fincancı unterstreicht, dass dies eine „institutionalisierte Form sexualisierter Gewalt“ ist:

„Die Nacktdurchsuchung ist eine institutionelle Form sexualisierter Gewalt, die darauf abzielt, die Herrschaft über den weiblichen Körper zu etablieren, die Person einzuschüchtern und sie aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen. Das Ziel ist nicht nur dieser Moment oder dieser Körper; es ist der Mut dieses Körpers, jemals wieder auf die Straße zu gehen, und der Wille, jemals wieder die Stimme zu erheben.“

Was sagen die geltenden Vorschriften zur Personendurchsuchung?

Hier sind die rechtlichen Bestimmungen (Artikel 28), die für Durchsuchungen gelten (in der Hoffnung, dass man sie nie braucht…):

„Artikel 28 – Am Ort der Durchsuchung werden zunächst die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um eine Flucht oder einen Angriff der Person zu verhindern.

  • Polizeibeamte müssen sich durch ihren Dienstausweis legitimieren.
  • Die Durchsuchung muss von einer Person desselben Geschlechts durchgeführt werden.
  • Der Grund und der Gegenstand der Durchsuchung müssen der betroffenen Person erklärt werden.
  • Gegenstände, die die Person bei sich trägt, werden nach Möglichkeit mit elektromagnetischen Geräten, andernfalls mit den fünf Sinnesorganen durchsucht.
  • Leistet die Person Widerstand, kann die Durchsuchung unter Anwendung verhältnismäßiger Gewalt durchgeführt werden.
  • Die Durchsuchung erfolgt am Ort des Anhaltens oder in der Nähe, möglichst so, dass Dritte sie nicht sehen können.
  • Private Papiere und Briefumschläge dürfen nicht geöffnet oder gelesen werden, es sei denn, es besteht der Verdacht auf beschlagnahmepflichtige Gegenstände.

Wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass die Person etwas Gesetzwidriges bei sich trägt, und der Zweck der Durchsuchung nicht anders erreicht werden kann, kann eine Durchsuchung durch Ausziehen der Kleidung wie folgt durchgeführt werden:

  1. Vor der Durchsuchung muss der ranghöchste Polizeiführer der Einheit der Person mitteilen, warum dies notwendig ist und wie es durchgeführt wird.
  2. Die Durchsuchung wird von Beamten desselben Geschlechts unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt.
  3. Die Durchsuchung erfolgt so, dass das Schamgefühl der Person so wenig wie möglich verletzt wird.Zuerst wird die Oberbekleidung ausgezogen; erst nachdem diese wieder angezogen wurde, wird die Unterbekleidung ausgezogen. Diese Kleidungsstücke müssen durchsucht werden.
  4. Es muss streng darauf geachtet werden, den Körper während der Durchsuchung nicht zu berühren.
  5. Die Durchsuchung muss so schnell wie möglich abgeschlossen werden.“
14 Juni 2026 0 Kommentare
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Menschenrechtsbericht: Europarat rügt Türkei wegen Justiz und Meinungsfreiheit

von Fremdeninfo 14 Juni 2026
von Fremdeninfo

 

            Von:  dtj-online

Der Menschenrechtskommissar des Europarats zeichnet in seinem aktuellen Memorandum ein kritisches Bild der Lage in der Türkei. Er beklagt Defizite bei Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit, mangelnde Unabhängigkeit der Justiz sowie die Nichtumsetzung von 445 Urteilen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

Der Menschenrechtskommissar des Europarates, Michael O’Flaherty, hat kürzlich seinen Beobachtungsbericht über seinen Besuch in der Türkei vom 1. bis 5. Dezember 2025 vorgelegt. Darin hat er unter anderem festgestellt, dass strukturelle Probleme in Bezug auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit sowie im Justizsystem der Türkei weiterhin bestehen.

Unter anderem wies er darauf hin, dass die Türkei bislang 445 Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) nicht umgesetzt hat. Kein anderer Mitgliedstaat des Europarates ignoriert in einem solchen Umfang dessen Erkenntnisse.

Vorgehen der Türkei gegen Regierungskritiker „unvereinbar mit demokratischen Standards“

Aber auch bei Redefreiheit, Pressefreiheit und der Unabhängigkeit der Gerichte weist der Berichterstatter erhebliche Defizite nach. Die Art und Weise, wie Journalisten verfolgt würden und Widerspruch erstickt werde, sei unvereinbar mit demokratischen Standards. Die Türkei missbrauche das allgemeine Strafrecht ebenso wie die Sonderbestimmungen zur Terrorbekämpfung, um zivilgesellschaftliche Organisationen und Journalisten zum Schweigen zu bringen.

Im Memorandum des Menschenrechtskommissar ist auch die Rede von exzessiver Nutzung polizeilicher Befugnisse und weitreichenden Demonstrationsverboten. Auch die Kontrollfunktion der Justiz sei nicht mehr gewährleistet. Das Memorandum, das vom 22. April 2026 datiert, wurde Mitte Mai der Öffentlichkeit vorgestellt.

Insbesondere Straftatbestände wie „Beleidigung des Präsidenten“ oder „Verbreitung terroristischer Propaganda“ würden zunehmend zur Allzweckwaffe der Staatsmacht zur Unterdrückung von Kritik. Zur Zeit der Aufbereitung des Memorandums hätten sich 29 Journalisten in Untersuchungshaft befunden. Auch die Rundfunkbehörde RTÜK gehe mit großer Härte gegen unabhängige Medienportale und soziale Medien vor.

Selbstverwaltungsgremien der Justiz „erheblich durch Exekutive beeinflusst“

Demonstrationen würden immer häufiger unter Vorwänden wie dem Schutz der „öffentlichen Ordnung“ und „Moral“ untersagt. Dies ließ sich insbesondere im März 2025 beobachten, als die Opposition gegen die Verhaftung von Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu mobilisierte.

Der bis dahin als aussichtsreichster Rivale von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan geltend İmamoğlu wurde am 19. März 2025 wegen angeblicher Korruption verhaftet. Kritiker betrachten die Vorwürfe als einen Vorwand, um diesen an der Teilnahme an den Präsidentenwahlen zu hindern, die im Jahr 2028 stattfinden sollen.

Rechtsstaatlichkeit in der Türkei darf kein geopolitisches Nebenthema sein

O’Flaherty äußerte generell ernsthafte Besorgnis über den Zustand der türkischen Justiz. Sogar Selbstverwaltungsorgane wie der Rat der Richter und Staatsanwälte (HSK) stünden weiterhin unter erheblichem Einfluss der Exekutive. Anklagen seien häufig von schlechter Qualität, ihnen fehle es häufig an fundierten rechtlichen Analysen. Außerdem würden rechtmäßige Aktivitäten als Beweise für kriminelle Absichten gewertet. Bisweilen würden Unterinstanzen sogar Urteile des Verfassungsgerichts ignorieren.

Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention „senkt Schutzniveau für Frauen“

Kritik übte O’Flaherty auch am Umgang mit Frauen und Angehörigen der LGBTQ*-Community. In beiden Fällen fehle es diesen häufig an Schutz gegenüber Übergriffen – auch dort, wo Gewalt gegen diese im Spiel sei.

Der Menschenrechtskommissar sieht den Austritt der Türkei aus der sogenannten Istanbul-Konvention zum Schutz vor Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt als Faktor, der Schutz verhindert. Außerdem soll die Türkei nach dem Willen O’Flahertys ihren Rat für Menschenrechte und Gleichstellung (TİHEK) reformieren. Zu den Empfehlungen des Berichts gehören auch eine Reform der Terrorismusgesetzgebung und des Ehrenschutzes für Politiker nach europäischen Standards.

14 Juni 2026 0 Kommentare
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EU-Erweiterung: Fortschritte der Beitrittskandidaten

von Cumali Yağmur 14 Juni 2026
von Cumali Yağmur

Von: dpa

Am Mittwoch wird das Parlament seine Jahresberichte zu den Fortschritten der Türkei, Georgiens, Montenegros, Albaniens, Nordmazedoniens, Bosnien-Herzegowinas und des Kosovo annehmen.

In den vom Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten angenommenen Berichtsentwürfen werden Montenegro und Albanien als Vorreiter für den EU-Beitritt gesehen. Die Abgeordneten nehmen das Bestreben Albaniens zur Kenntnis, die Verhandlungen bis Ende 2027 abzuschließen. Ziel Montenegros hingegen ist es, die Beitrittsgespräche bis Ende 2026 abzuschließen und bis 2028 der 28. EU-Mitgliedstaat zu werden.

In Bezug auf Nordmazedonien bedauern die Europaabgeordneten den seit dem letzten Jahr ausbleibenden Fortschritt und fordern das Land auf, sich auf die Stärkung der Rechtsstaatlichkeit, Justizreformen und die Korruptionsbekämpfung zu konzentrieren. In Bezug auf Bosnien und Herzegowina bekräftigen sie ihre Unterstützung für das Land auf der Grundlage von Einheit, Souveränität und territorialer Integrität. Sie sind besorgt darüber, dass es im Kosovo seit mehr als einem Jahr nicht gelingt, eine funktionsfähige Legislative und Regierung zu bilden, und betonen, dass dies die notwendigen Reformen untergräbt.

In Georgien und der Türkei konstatieren die Abgeordneten weiterhin schwerwiegende demokratische Rückschritte sowie erhebliche Mängel in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte. Zusätzlich wird weiterhin Druck auf die Opposition, die Medien und die Zivilgesellschaft ausgeübt, so der Textentwurf. Im Jahr 2024 kam der Europäische Rat zu dem Schluss, dass der EU-Beitrittsprozess Georgiens zum Stillstand gekommen sei, nachdem die georgische Regierung die Beitrittsverhandlungen ausgesetzt hatte. Die Verhandlungen mit der Türkei liegen seit 2018 auf Eis und im Textentwurf heißt es, dass der EU-Beitrittsprozess der Türkei nicht fortgesetzt werden kann. Angesichts der geopolitischen Bedeutung des Landes wird stattdessen eine pragmatische und strategische Partnerschaft gefordert.

Nach der Abstimmung werden die ständigen Berichterstatter im Daphne-Caruana-Galizia-Pressesaal Pressekonferenzen zu den einzelnen Berichten abhalten. Während der Pressekonferenz zu Montenegro wird neben dem Berichterstatter, auch die montenegrinische Ministerin für europäische Angelegenheiten, Maida Gorčević, anwesend sein.

14 Juni 2026 0 Kommentare
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Justizministerin Stefanie Hubig sieht Lücken im Sexualstrafrecht, die sie schließen will

von Fremdeninfo 13 Juni 2026
von Fremdeninfo

 

Berlin/ .Quellenangabe: HAZ vom 12.06.2026

Das Büro von Stefanie Hubig liegt unweit des Berliner Gendarmenmarkts. Die 57-jährige Sozialdemokratin aus Rheinland-Pfalz arbeitet geräuschlos mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zusammen, der einerseits ihr Widerpart, andererseits aber auch ihr Partner ist.

Frau Hubig, an diesem Donnerstag und Freitag treffen Sie sich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern. Dabei wird es vor allem um das Thema Sexualstraftaten gehen. Sie haben auf dem Feld eine Menge unternommen. Sehen Sie trotzdem noch Lücken?

Definitiv. Wir müssen zum Beispiel den Schutz vor verbaler sexueller Belästigung verbessern. Das Phänomen betrifft vor allem junge Frauen. Wir arbeiten außerdem an einer Anpassung des Mordparagrafen. Wir wollen sicherstellen, dass Femizide konsequent als Mord bestraft werden. Ein dritter Punkt ist mir ebenfalls wichtig: Wir sollten die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung verlängern. Die Frist beträgt derzeit im Regelfall fünf Jahre. Das ist zu kurz. Angemessen wären aus meiner Sicht 20 Jahre – so wie bei vergleichbar schweren Verbrechen auch. Wir wollen das so bald wie möglich anpassen.

Gibt es dafür einen aktuellen Anlass?

Es gibt einen erschütternden Fall in Hamburg, auf den zunächst meine Hamburger Kollegin Anna Gallina aufmerksam gemacht hat. Die Staatsanwaltschaft wirft einem Mann vor, seine Ehefrau über Jahre viele Dutzende Male vergewaltigt zu haben. Die Frau war bei den Taten wohl nicht bei Bewusstsein, der Täter soll die Taten auf Fotos und in Videos dokumentiert haben. Trotz dieser erdrückenden Beweislage können viele Taten womöglich nicht bestraft werden – weil sie länger als fünf Jahre zurückliegen. So etwas ist schwer erträglich. Es geht uns dabei natürlich um das generelle Problem: Eine fünfjährige Verjährungsfrist ist für Vergewaltigung zu kurz.

Eine Forderung der Grünen lautet, aus „Nein heißt Nein“ ein „Nur Ja heißt Ja“ zu machen, weil manche Opfer ihren Willen in Extremsituationen gar nicht artikulieren könnten.

Ich persönlich bin auch für eine Regelung nach dem Prinzip „Nur Ja heißt Ja“. Bis 2016 war es so: Eine Vergewaltigung lag in der Regel nur dann vor, wenn sich das Opfer körperlich gewehrt hatte. Wir sind 2016 den wichtigen Schritt zu „Nein heißt Nein“ gegangen. Aus meiner Sicht ist jetzt die Zeit reif für den nächsten Schritt. „Nur Ja heißt Ja“ schützt die sexuelle Selbstbestimmung konsequent: Betroffene sind auch dann geschützt, wenn sie sich beispielsweise in einer Schockstarre befinden und nicht mal mehr ein Nein artikulieren können. Viele europäische Staaten haben diese Lösung schon – und sie funktioniert. Ich sehe darin ein Vorbild.

Eine andere Forderung ist, auch die Nichtanzeige von geplanten schweren Gewalttaten unter Strafe zu stellen, wenn man davon Kenntnis hat. Ist das angebracht?

Ich halte das zumindest für sehr erwägenswert. Es gibt neue schlimme Phänomene, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Wenn sich Männer auf digitalen Plattformen zu geplanten Vergewaltigungen austauschen, ist es aus meiner Sicht richtig zu sagen: Wer von einer solchen Chatgruppe Kenntnis erlangt und keine Anzeige stellt, macht sich strafbar.

Wie steht es beim Umgang mit Gruppenvergewaltigungen?

Für die Betroffenen sind Gruppenvergewaltigungen besonders traumatisierend. Sie müssen hart bestraft werden. Auch wenn bereits hohe Strafen möglich sind, haben wir uns im Koalitionsvertrag darauf verständigt, den Strafrahmen zu erhöhen. Das werden wir umsetzen.

Viele Frauen und mittlerweile auch ein paar Männer sagen, ein wesentliches Problem bestehe darin, dass Männer sich nicht genug gegen solche Taten wenden.

Ich teile die Überzeugung: Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, und wir werden es nur gemeinsam in den Griff bekommen. Das heißt: Alle müssen sich damit befassen – unabhängig von Klasse, Alter, Herkunft und Geschlecht. Und das heißt eben auch: Gerade auch Männer müssen sich mit sexualisierter Gewalt auseinandersetzen – und sich dagegen positionieren. Das findet noch zu wenig statt.

Zu einem anderen Thema: Die EU hat Deutschland und andere Staaten aufgefordert, die Grenzkontrollen zu beenden. Der Innenminister will daran festhalten. Was sagen Sie?

Es war von Anfang an klar: Grenzkontrollen innerhalb der EU können nur eine Übergangsmaßnahme sein. Sie belasten die Grenzregionen zu stark. Ich komme ja aus Rheinland-Pfalz. Da gibt es viele Pendler nach Frankreich und Luxemburg, die von den Grenzkontrollen aufgehalten werden. Und für die Bundespolizei sind die Kontrollen ebenfalls eine Belastung. Da häufen sich die Überstunden, Monat für Monat. Für mich ist daher die Antwort, dass wir die EU-Außengrenzen besser schützen müssen. Mit dem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem, das am Freitag in Kraft tritt, soll genau das geschehen. Perspektivisch entfallen damit die Gründe für Kontrollen an den deutschen Grenzen.

Sexualisierte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, und wir werden es nur gemeinsam in den Griff bekommen.

 

 

13 Juni 2026 0 Kommentare
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