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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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Allgemein

Im Wandel der Generationen: Der Prozess der Vereinsbildung und der soziologische Wandel in Deutschland

von Fremdeninfo 7 April 2026
von Fremdeninfo

 

Ahmed Takmaz / Köln

Ich fand den Artikel von Herrn Cumali Yağmur über Migrantenvereine sehr treffend. Zu diesem Thema habe ich mich entschlossen, einen Beitrag zu verfassen, und wünsche mir dessen Veröffentlichung als Leserbrief.

Die von der ersten Generation gegründeten Vereine haben ihren historischen Zyklus abgeschlossen und lösen sich allmählich auf. Während nur noch wenige Angehörige der zweiten Generation diese Vereine besuchen, haben die dritte und vierte Generation deren Türen fast nie geöffnet. Die ersten Generationen glaubten, die Kultur ihrer Herkunft durch diese Vereine in Deutschland am Leben erhalten zu können. Doch die Frage, wie halbfeudale kulturelle Elemente in einer hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaft fortbestehen können, blieb unbeantwortet.

Zuerst gründeten sie Vereine und Folkloregruppen, um ihre tänzerischen Fähigkeiten nach außen zu präsentieren. Als diese jedoch nicht das erwartete Interesse weckten, wandten sie sich der Theaterarbeit zu. Doch auch diese Theatergruppen, die nie über die Thematik des bloßen „Migrantenlebens“ hinauswuchsen, verschwanden im Laufe des historischen Prozesses, ohne einen dauerhaften Platz einzunehmen.

Die in den Vereinslokalen verbreitete Kartenkultur war der Versuch der Menschen aus der türkischen Provinz, ihre alten Gewohnheiten hier fortzusetzen. Anstatt an deutschen sozialen Aktivitäten oder Organisationen außerhalb des Vereins teilzunehmen, führten sie eine Art „Ghetto-Leben“ innerhalb ihrer eigenen vier Wände. Sie gründeten sogar Dorfvereine für ihre Heimatdörfer in der Türkei und versuchten, eine dörfliche Kultur in einer Gesellschaft zu bewahren, die den Gipfel des Kapitalismus darstellt. Da diese Menschen unter Heimweh litten und ihr Dorf vermissten, betrachteten sie diese Vereine als ein „warmes Nest“; dort kamen sie zusammen, um ihre Sehnsucht zu stillen.

Obwohl sie auch politisch aktiv waren, empfingen sie meist nur Vertreter verbündeter Gruppen und Parteien aus der Türkei. Gelegentlich organisierten sie Aktionen, um gegen politische Entwicklungen oder Verhaftungen in der Türkei zu protestieren. Heute verschwinden diese Strukturen allmählich in der Geschichte. Auch wenn sich die Vereinsvorsitzenden wie kleine „Beys“ oder „Paschas“ fühlten, lernten sie die gesellschaftliche Struktur und die politischen Abläufe des Landes, in dem sie lebten, nie wirklich kennen.

In jüngster Zeit hat sich ein Teil der Jugend der deutschen Politik zugewandt. Bei Kommunal-, Landtags- und Europawahlen wurden sie von Parteien als Kandidaten aufgestellt und konnten bestimmte Positionen erreichen. Dies ist eine Entwicklung, die man ausdrücklich begrüßen und loben muss. Man muss junge Menschen ermutigen und ihnen nahelegen, in politischen Parteien aktiv zu werden. Ausgehend von der Tatsache, dass nicht alle Jugendlichen in die bestehenden deutschen Parteien eintreten werden, sollten sie eigene politische Strukturen schaffen, um die allgemeinen Probleme der Gesellschaft und die Belange der Migration gemeinsam zu bearbeiten und Lösungsvorschläge zu entwickeln. Da eine Lösung der Probleme ohne Parteibildung und Organisierung nicht möglich ist, müssen neue politische Strukturen geschaffen werden.

Die Vereine bestanden überwiegend aus Männern; Frauen konnten sich in den Vereinslokalen oft nur in getrennten Räumen treffen. Es gab keinerlei Kontakt zu Frauenbewegungen oder anderen organisatorischen Kräften in Europa. Heutzutage sinkt die Mitgliederzahl in den Vereinen stetig; einige schließen, andere verlieren ihren inhaltlichen Kern.

Religiöse Vereine unterscheiden sich kaum von den anderen; sie sind lediglich nach religiösen Überzeugungen differenziert. Da es ihnen an politischem Inhalt mangelt, stecken auch sie in einer Sackgasse. Inzwischen sind sie fast nur noch zu Institutionen geworden, die sich um Leichenwaschungen und Bestattungen kümmern. Sie betreiben dies als Geschäft; sie organisieren die Bestattungen in Deutschland und den Transport in die Türkei. Neben sunnitischen Bestattungsunternehmen gibt es nun auch alevitische; ihre Aufgabe ist dieselbe, nur die Rituale unterscheiden sich.

Dieser Prozess mag noch einige Jahre so weitergehen, doch in fünfzehn bis zwanzig Jahren werden auch diese Strukturen verschwinden. Die Menschen werden nun hier begraben, und die meisten werden nicht mehr nach rein muslimischen Traditionen, sondern nach den in Deutschland etablierten Bräuchen beigesetzt werden. Die gesellschaftlichen Entwicklungen schreiten rasch voran; es ist nicht möglich, diesen Wandel aufzuhalten oder die Entwicklungen zu stoppen

7 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Fatoş Güneys Buch „Camları Kırın Kuşlar Kurtulsun“ (Brecht die Fenster ein, damit die Vögel frei werden

von Fremdeninfo 7 April 2026
von Fremdeninfo

İSKAN TOLUN / KÖLN
Wir präsentieren den Lesern einen Beitrag aus kultureller Perspektive.

Ich habe Fatoş Güneys Buch „Camları Kırın Kuşlar Kurtulsun“ in einem Atemzug, aber dennoch mit großer Sorgfalt gelesen. (İthaki Verlag: 1742/ 1. Auflage, November 2020, Istanbul). Der Titel des Buches war ursprünglich der erste Arbeitstitel des Films „Duvar“ (Die Wand). Das Buch ist ein autobiografischer Roman, der in einer sehr flüssigen Sprache und einem klaren Stil verfasst wurde. Es ist ein wunderbares Werk, ja, ein Meisterwerk entstanden. Zunächst möchte ich Frau Fatoş zu dieser wertvollen Arbeit gratulieren. Eigentlich hatte ich dieses Buch direkt nach dem Erscheinen gekauft, sogar mehrere Exemplare, um sie an Freunde und Bekannte zu verschenken. Aber ich selbst kam nicht dazu, es zu lesen; genauer gesagt, ich fand keine Gelegenheit dazu. Denn ich hatte zwei eigene Bücher, die auf ihre Übersetzung bzw. Veröffentlichung warteten („Deniz’in Ütopyası / Deniz’ Utopie“ und „Rovîyê Xasûk / Der schlaue Fuchs“), und in meinen Regalen standen hunderte andere Bücher, die noch gelesen werden mussten… (Übrigens kam Yılmaz Güney auch in meinem vorherigen Roman „3 Kafadarın Dönüşü“ vor). Wie auch immer, ich war sehr beschäftigt. Ich dachte mir: „Ich weiß sowieso alles über Yılmaz Güney, ich werde es bei Gelegenheit schnell durchlesen“, und so blieb es in den Regalen liegen und geriet in Vergessenheit. Plötzlich bemerkte ich, dass fast vier Jahre vergangen waren.

Als ich anfing, das Buch zu lesen, wurde mir sofort klar, dass es viele Dinge über Yılmaz Güney gab, den ich so sehr bewundere, die ich noch nicht wusste. Es ist nicht nur ein Buch über das Leben von Yılmaz Güney, sondern auch über die Geschichte von Fatoş Güneys Familie, Yılmaz Güneys Familie, seinem Vater und sogar seinem Großvater. Gleichzeitig kann man es als ein Panorama des politisch-geopolitischen Kontexts in der Türkei, in Kurdistan und sogar weltweit betrachten.

Unter dem Eindruck der neu gelernten Entwicklungen und Ereignisse las ich das Buch und spürte ihren Schmerz tief in meinem Herzen. Als das Buch zu Ende war, konnte ich nicht anders, als zu sagen: „Fatoş Güney ist eine Königinmutter, deren Herz mit dem von Yılmaz verschmolzen ist!“ Sie hat mit großer Aufrichtigkeit geschrieben und ehrliche Antworten auf alle spekulativen Nachrichten, unbegründeten Gerüchte, Lügen, Satiren und Verleumdungen gegeben.

Während die geschätzte Autorin den Leser mit Spannung durch alle Winkel der Geschichte führt, verleiht sie dem Roman eine ganz eigene Farbe, indem sie gelegentlich Yılmaz Güneys originellen Humor einfließen lässt. Sie bringt den Leser ebenso zum Lachen, wie sie ihn in Spannung versetzt; für einen Moment lässt sie einen all den Schmerz vergessen.

Da Yılmaz Güney ein sozialistischer Revolutionär war und diese Haltung mutig vertrat, zog er ohnehin die Aufmerksamkeit des bestehenden despotischen Systems auf sich. Aus dieser Perspektive betrachtet wird deutlich, dass man seine Flucht ins Ausland nicht nur duldete, sondern dass auch der „Yumurtalık-Vorfall“ leider eine Provokation war, die auf einem sorgfältig und hinterlistig vorbereiteten Szenario basierte. Ja, dieses Buch ist ein Beweis für die Tatsache, dass nichts so ist, wie es scheint.

Yılmaz war immer voller revolutionärem Tatendrang. Auch im Ausland nutzte er jede Gelegenheit, um französischen und ausländischen Journalisten mit seiner einzigartigen Ausdrucksweise zu erklären, wie die militärfaschistische Junta des 12. März und 12. September wie eine Walze über das Land und die Menschheit hinwegrollte, wie sie die universellen Menschenrechte beschnitt und die Demokratie abschaffte. Er zog sie damit in seinen Bann.

Er erzählte von den Kerkern, der Folter, von Mahir Çayan und Deniz Gezmiş und weckte großes Interesse an der kurdischen Frage, auf die er besonders einging. Er berichtete voller Empörung darüber, wie die Putschisten das kurdische Volk unterdrückten und dieses antike Volk auf das (lautmalerische) Geräusch „Kart-Kürt“ reduzierten, was seine Zuhörer zutiefst erstaunte.

Yılmaz war mit Edi mit dem ersten Flugzeug von Rhodos nach Paris gekommen. Es war früher Abend. Die bezaubernde Atmosphäre von Paris, die bunten Lichter und die majestätischen Monumente hatten Yılmaz beim ersten Anblick beeindruckt. Ich wollte schreien, so laut ich konnte:
„Haltet an, hört mir zu! Wisst ihr überhaupt von den Leiden in meinem Land? Von den Ermordeten, den Gefängnissen? Wisst ihr von den Folterungen, den Galgen, und davon, dass der siebzehnjährige Junge Erdal gehängt wurde, nachdem man sein Alter künstlich heraufgesetzt hatte?“ (Seite 265).

Am Eiffelturm gibt es ein Feuerwerk, das sie als Familie vom Balkon aus beobachten können:
Die Entscheidung, ihn auszubürgern, hatte ihn tief getroffen; er konnte es einfach nicht verarbeiten. Er wusste, dass man denjenigen, der die Wahrheit sagt, aus neun Dörfern vertreibt. „Es lebe das zehnte Dorf!“, rief Yılmaz in den von explodierenden Raketen erfüllten Himmel. (Seite 289).

Er verstarb im Alter von 47 Jahren. Wer weiß, was er noch alles erreicht hätte, wenn er gelebt hätte? Er floh aus seinem Land und gewann im Ausland mit dem Film „Yol“ den großen Preis (Goldene Palme). In seinem eigenen Land hingegen gab man den Preis, den er für den Film „Baba“ verdient hatte, einem anderen. (Cüneyt Arkın lehnte ihn ab, aber Serdar Gökhan griff sofort zu).

Für einen Film, den er zuletzt geplant hatte, reiste er mehrfach nach Spanien, doch sein Leben reichte dafür nicht aus. Wie schade! Doch Yılmaz hatte bereits einen bedeutungsvollen Namen für den geplanten Film gefunden: „Der Tod des Stiers“ (Seite 319).

Yılmaz lachte bitterlich, seine schönen, weißen Zähne wurden sichtbar. Für einen Augenblick hellte sich sein Gesicht auf, dann legte sich wieder Trauer über seine Augen.
„Und noch etwas… ich möchte einen Brief an Kenan Evren schreiben. Ich möchte ihm ins Gesicht schreien, dass er ein Volksfeind ist. Hol mir Papier und Stift!“ (Seite 331).

Yılmaz hielt meine Hand mit seinen Fingern, die nur noch aus Knochen bestanden. „Ich möchte dich um etwas bitten, mein blauer Vogel. Versprich mir: Wenn ich es nicht schaffe, musst du es unbedingt tun!“
„Was soll ich tun, mein Yılmaz?“
„Du musst schreiben, du musst unbedingt schreiben! Du wirst es tun, nicht wahr? Du wirst von mir erzählen, von dir selbst, von dem, was wir erlebt haben, von unserem Widerstand, von den schweren Tagen…“ (Seite 333).

Ja, getreu dem Vermächtnis von Yılmaz Güney hat Frau Fatoş ein wunderbares Meisterwerk geschaffen. Es ist unmöglich, nicht bewundernd vor Fatoş Güneys Haltung, ihrem Fleiß, ihrem Widerstand, ihrer Geduld, ihrer Entschlossenheit und – wie Yılmaz Güney es nannte – ihrem „albanischen Dickkopf“ (Arnavut inadı) zu stehen. Nachdem ich dieses großartige Buch von Fatoş Güney gelesen habe, verspürte ich seltsamerweise das Bedürfnis, mich mehr Autorinnen zuzuwenden. Zurzeit lese ich das Buch „Rosa Luxemburg: Schriften über die Türkei“, das mir der geschätzte Lehrer Ragıp (Zarakolu) geschenkt hat (Belge Verlag, 1. Auflage, Juli 2013, Istanbul).

Es heißt, dass der autobiografische Roman „Camları Kırın Kuşlar Kurtulsun“ verfilmt werden soll. Wie alle Fans von Yılmaz Güney warte auch ich ungeduldig darauf. Ich hoffe, dass dieser Film unter sehr guten Bedingungen gedreht wird und sehr erfolgreich sein wird. Wer wohl die Hauptrolle spielen wird? Wir erwarten es mit großer Spannung!

Besondere Notiz:
Ich sende Frau Fatoş und Yılmaz (Sohn) Güney meinen Respekt und meine Liebe!

7 April 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Migrantenvereine schließen ihre historischen Prozesse ab

von Cumali Yağmur 6 April 2026
von Cumali Yağmur

Migrantenvereine schließen ihre historischen Prozesse ab
Cumali Yağmur

Die Migrantenvereine in Europa schließen allmählich ihre historischen Prozesse ab. In der Vergangenheit gab es Familienvereine, die von Italienern, Spaniern, Portugiesen und Griechen gegründet wurden. Diese Vereine verloren mit der Zeit ihre Funktion, lösten sich auf und an ihre Stelle traten keine neuen. Obwohl heute noch kleinere, von Türken und Kurden gegründete Vereine aktiv sind, nähern auch sie sich dem Ende eines ähnlichen historischen Prozesses.

Kurdische Vereine wurden von Gruppen gegründet, die aus der Türkei, dem Iran, dem Irak und Syrien nach Europa (insbesondere Deutschland) auswanderten, da Kurdistan nach dem Ersten Weltkrieg in vier Teile geteilt worden war. Diese Vereine haben meist einen politischeren Inhalt; hier werden die nationalen Belange der Kurden sowie die Probleme in der Aufnahmegesellschaft diskutiert. In diesen Räumlichkeiten, in denen die politische Identität im Vordergrund steht, werden – im Gegensatz zu türkischen Vereinen – keine Kartenspiele gespielt.

Die Migrantenvereine aus der Türkei hingegen haben sich in den letzten Jahren zu Treffpunkten gewandelt, die nur noch von wenigen Personen besucht werden und in die sich Einzelne flüchten, um der Isolation der Außenwelt zu entkommen. Auch wenn sich innerhalb dieser vier Wände alle als gleichwertig betrachten, herrscht im Verborgenen ein unerbittlicher Konkurrenzkampf. Bevor die Mitglieder den Verein aufsuchen, erkundigen sie sich oft telefonisch, wer gerade anwesend ist, und entscheiden danach über ihr Kommen. Wenn sie sich dem Vereinsheim nähern, beschleunigen sie ihren Schritt und betreten den Raum fast so, als würden sie eine Razzia durchführen. Personen, die im gesellschaftlichen Leben außerhalb keine Präsenz zeigen oder keinen Platz finden konnten, suchen in diesen Vereinen Trost. In diesen meist männlich dominierten Räumen müssen Frauen, falls sie überhaupt kommen, in separaten Zimmern sitzen.

In diesen Vereinen schlagen Männer als Überbleibsel der feudalen Kultur aus der Türkei stundenlang mit Kartenspielen die Zeit tot. Der Vereinsvorsitzende und die Vorstandsmitglieder gebärden sich innerhalb dieser vier Wände wie „Drachen“; dabei haben sie in der Außenwelt keinerlei gesellschaftliches Gewicht. Entgegen der dialektischen Tatsache, dass sich alles verändert, altern in diesen Lokalen nur die Menschen, während sich ihre Denkstrukturen niemals ändern. Auch wenn gelegentlich Versammlungen stattfinden, sieht man immer dieselben Gesichter. Selbst die organisierten Kulturabende tragen feudale Züge; die Mitglieder führen ein isoliertes Leben, abgekoppelt von der deutschen Gesellschaft, in der sie leben.

In den meisten Vereinen sind intellektuelle und politische Debatten verschwunden; außer dem Kartenspielen ist kaum eine Aktivität geblieben. In religiösen Vereinen sieht es nicht anders aus; sie definieren sich lediglich als Glaubensgemeinschaft. Sie bauen ihre Identität darauf auf, ob sie Sunniten oder Aleviten sind. Tatsächlich unterscheiden sie sich in ihrer Lebensweise kaum voneinander, lediglich ihr Glaube ist verschieden.

Eine der heutigen Hauptfunktionen dieser Vereine sind die Bestattungsdienste. Sie übernehmen meist den Prozess der Überführung verstorbener Mitglieder oder externer Leichname in die Türkei oder organisieren die Beisetzung vor Ort. Selbst verstorbene Personen mit linker Gesinnung werden meist in alevitische Vereine (Cemevis) gebracht und von dort verabschiedet. Sowohl alevitische als auch sunnitische Vereine verfügen über zu diesem Zweck eingerichtete Bestattungsfonds.

Zudem gibt es in diesen Vereinen Disziplinarausschüsse. Die Personen in diesen Gremien lauern bei jeder Gelegenheit auf einen Vorwand, um die ohnehin nur noch wenigen verbliebenen Mitglieder zu bestrafen. Sie ertragen nicht die geringste Kritik und setzen sofort den Disziplinarmechanismus in Gang. Diese Personen, die in der Außenwelt keinerlei Einfluss haben, wähnen sich mächtig, indem sie ihre kleinen internen Befugnisse ausspielen. Da sie die Dinge aus einer sehr engen Perspektive betrachten, können sie unterschiedliche Nuancen und Ideen nicht wahrnehmen. Sie sind keine Experten und können oft nicht einmal unterscheiden, was tatsächlich eine disziplinarische Maßnahme rechtfertigt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Vereine ausgedient haben. Die bestehende Struktur ist geprägt von der ersten Generation, und diese zieht sich allmählich von der Bildfläche zurück. Die Zahl derer aus der zweiten Generation, die diese Vereine besuchen, ist verschwindend gering, und sie spielen zumindest keine Karten. Die dritte, vierte und fünfte Generation sieht man in diesen Gebäuden überhaupt nicht mehr. Ihre Welt ist eine völlig andere; ihre Verbindung zu den kulturellen Strukturen in der Türkei ist abgerissen. Obwohl sie der deutschen Kultur näherstehen, werden sie leider auch von dieser Gesellschaft oft nicht vollständig akzeptiert und ausgegrenzt. Doch selbst diese Ausgrenzung treibt sie nicht mehr dazu, in diesen alten Vereinstypen oder religiösen Gemeinschaften  nicht Zuflucht zu suchen.

6 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Tragödie in Berlin-Tempelhof: Mehrere Tote in Flüchtlingsunterkunft

von Cumali Yağmur 5 April 2026
von Cumali Yağmur

Artikel von Redaktion BERLIN LIVE  /dpa

Auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof, das derzeit als große Notunterkunft für Geflüchtete dient, ereigneten sich in der jüngeren Vergangenheit mehrere tragische Todesfälle. Ein Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) bestätigte auf Nachfrage, dass im vergangenen Jahr drei Personen infolge einer Alkoholvergiftung verstarben. Zudem verzeichnete die Behörde zwei Suizide, von denen einer im Jahr 2025 und ein weiterer im laufenden Jahr stattfanden; beide Vorfälle ereigneten sich außerhalb der Unterkunft.

Ergänzend dazu gab es in diesem Jahr zwei Versuche, sich das Leben zu nehmen. Wie der Sprecher weiter ausführte, existiert in der Einrichtung eine Gruppe von etwa 50 bis 60 Bewohnern, die massiv mit Alkoholproblemen zu kämpfen haben. Dabei handele es sich überwiegend um ältere Menschen, die bereits eine längere Historie im Umgang mit Suchtmitteln aufweisen.

Berlin: Aufarbeitung und Verbesserungen der Lebensbedingungen

Die Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales und Integration, Cansel Kiziltepe (SPD), betonte die Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung. Sie versicherte: Alle Vorfälle werden dokumentiert, jeder Vorfall wird konsequent aufgearbeitet. Nur durch dieses Vorgehen ließe sich effektiv gegen bestehende Missstände vorgehen. Gleichzeitig räumte die Senatorin ein, dass die Unterbringung in den Hangars keine idealen Bedingungen für eine gelungene Integration biete.

Da eine Schließung der Einrichtung aktuell nicht möglich ist, wurden laut Kiziltepe diverse Verbesserungen eingeleitet, um den Alltag der Menschen zu erleichtern. Wir wissen, dass Notunterkünfte wie in den Tempelhofer Hangars keine guten Voraussetzungen für die Integration geflüchteter Menschen sind, erklärte die Politikerin.

Zu den Maßnahmen gehören die Einstellung von Personal mit Russisch- und Ukrainischkenntnissen sowie der Einsatz von Psychologen, die speziell auf die Betreuung traumatisierter Personen ausgerichtet sind. Zudem wurde die Belegung der Container reduziert, sodass dort nun maximal drei statt zuvor vier Personen leben.

 

Herausforderung durch Alkoholkonsum und Gewalt

Aktuell beherbergt das Gelände in den Hangars sowie in den angrenzenden Containern rund 1.050 Menschen, während in den sogenannten Tempohomes weitere 775 Geflüchtete untergebracht sind. Die beengten Verhältnisse stehen seit geraumer Zeit in der Kritik, da Frustration und Streitigkeiten regelmäßig eskalieren. Laut LAF-Sprecher kommt es im Schnitt monatlich zu gravierenden Auseinandersetzungen, die eine direkte Meldung an die Behörde erfordern, etwa bei Messereinsätzen.

Bei derartigen Konflikten spiele häufig Alkohol eine entscheidende Rolle. Besonders der Konsum von hartem Alkohol stelle für die Mitarbeiter eine erhebliche Herausforderung dar. Zwar ist der Alkoholkonsum innerhalb der Unterkunft untersagt, doch außerhalb des Geländes lässt sich dieses Verbot nicht kontrollieren. (mit dpa)

5 April 2026 0 Kommentare
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Es ist sehr schwer, das alles zu ertragen

von Cumali Yağmur 5 April 2026
von Cumali Yağmur

 Von; Turgut ÖKER  

Alevitische Institutionen, die sich in letzter Zeit rasant von ihren Gründungsprinzipien entfernt haben und jenen reaktionären Strukturen ähneln, an denen wir jahrelang schärfste Kritik geübt haben, verrotten durch ihre antidemokratischen Praktiken von innen heraus und entwickeln sich zu einer Gefahr, die demokratische Werte vollends vernichtet. Diese Mentalität, die keine Kritik erträgt, Fragen ausweicht und Andersdenkende als Bedrohung ansieht, ist mittlerweile ein offenkundiger Verfall.

Das konkretste Beispiel dieses Verfalls ist der Fall Ali Balkız. Ali Balkız, der diesem Verband 37 Jahre seines Lebens gewidmet hat, an vorderster Front stand, dessen Zeitschrift leitete, den Bundesvorsitz innehatte und mit seiner Identität als Literat und Schriftsteller bedeutende Beiträge zu diesem Kampf geleistet hat, wurde aus den „Pir Sultan Abdal Kulturvereinen“ ausgeschlossen – einzig und allein deshalb, weil er Kritik übte, Fragen stellte und sprach.

Genau das ist das Problem. Anstatt auf Kritik zu antworten, schließen Sie den Kritiker aus. Anstatt Fragen zu klären, versuchen Sie, den Fragesteller mundtot zu machen. Anstatt das eigene Handeln zu rechtfertigen, schließen Sie Andersdenkende aus.

Mehr noch: Diese Gesinnung, die Boshaftigkeiten ohne Zögern in die Tat umsetzt, veranstaltet in dem Moment, in dem sie kritisiert wird, ein Geschrei nach dem Motto „Bloß keine öffentliche Kritik an den Institutionen!“. Jene, die beim Begehen von Fehlern keine Grenzen kennen, zeigen plötzlich eine „institutionelle Sensibilität“, sobald diese Fehler in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Dies ist ein offener Widerspruch und Heuchelei.

Im Alevitentum gibt es keinen blinden Gehorsam (Biat), keine Knechtschaft und kein Schweigen. Es gibt das Hinterfragen, das Zur-Rechenschaft-Ziehen und die Suche nach der Wahrheit. Trotzdem kann eine Mentalität, die Kritik als Verbrechen, Hinterfragen als Bedrohung und das Einfordern von Rechenschaft als Feindseligkeit betrachtet, nichts mit dem Alevitentum zu tun haben.

Reden wir Tacheles: Was hier geschieht, ist nicht der Schutz einer Institution, sondern die Verwandlung von Kritikunfähigkeit in organisatorische Tyrannei. Dass ein Name, der diesem Verband 37 Jahre gegeben hat, auf diese Weise ausgeschlossen wird, ist ein schwerer Schlag nicht nur gegen Ali Balkız, sondern auch gegen die Geschichte, die Mühe und die Glaubwürdigkeit dieser Institution.

Dieser Weg ist kein gangbarer Weg. Diese Mentalität ist inakzeptabel.

Die Entscheidung über den Ausschluss von Ali Balkız muss unverzüglich zurückgenommen werden.

5 April 2026 0 Kommentare
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Insolventer Integrationsverein hat auch 350.000 Euro vom Land bekommen: Entsetzen in der Ratspolitik

von Cumali Yağmur 5 April 2026
von Cumali Yağmur

Quelle: Christian Link 7 Haz

Hat Verein bei Bund und Land doppelt abkassiert?

Aktiv am Kronsberg: Die ehemalige SPD-Ratsfrau Hülya Iri hat für ihre Integrationsarbeit am Kronsberg sehr viel Fördergeld bekommen. Dennoch hat ihr Verein nun Insolvenz angemeldet.

Der Verein Integrationsarbeit Kronsberg, gegründet von SPD-Frau Hülya Iri, hat nicht nur knapp eine Million Euro Fördergeld vom Bund bekommen, sondern auch insgesamt 350.000 Euro aus der Landeskasse. Dennoch hat der Verein jetzt Insolvenz angemeldet. Ratspolitiker fordern eine rasche Aufklärung.

Hannover. Wie kann es sein, dass ein Verein, der in einem Stadtteil Hilfsangebote für Geflüchtete macht und Hunderttausende Euro Fördergeld aus staatlichen Kassen bekommt, dennoch Insolvenz anmeldet? Wie hoch die Fördersummen wirklich sind, die der Verein Integrationsarbeit Kronsberg, gegründet von SPD-Frau Hülya Iri, über Jahre kassiert hat, wird erst jetzt bekannt.

Dabei stellt sich auch die Frage, ob Iris Verein eine Doppelförderung von Bund und Land erhalten hat. Die wäre rechtlich unzulässig. Ratspolitiker sind fassungslos und verlangen Aufklärung. Iri selbst ist trotz vielfältiger Bemühungen dieser Redaktion nicht zu erreichen. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Insolvenz und Rücktritt vom Ratsmandat

Die SPD-Politikerin hat ihren Integrationsverein 2019 gegründet. Sie wollte im Kronsberg-Quartier eine Beratungsstelle für Migranten einrichten, Frauen bei der Jobsuche helfen und Schwimmkurse organisieren. Dem Vernehmen nach hat der Verein zwei feste Mitarbeitende beschäftigt.

Der Bund hat Fördergelder von rund 925.000 Euro für die Jahre 2023 bis 2025 bewilligt. Das geht aus einer Anfrage der AfD im Bundestag vom September 2025 hervor. Vergangene Woche meldete der Verein Insolvenz an. Nahezu zeitgleich legte Iri auf Druck der SPD ihr Ratsmandat nieder.

350.000 Euro für Beratungsstelle und Sportprojekt

Jetzt teilt das Landessozialamt Niedersachsen auf Nachfrage dieser Redaktion mit, dass auch Geld aus der Landeskasse zum Kronsberg geflossen ist – insgesamt rund 350.000 Euro. 295.684 Euro hat das Amt für die Jahre 2019 bis 2025 genehmigt. Mit dem Geld sollte die Beratung von Zugewanderten finanziert werden, teilt das Amt mit.

Weitere 54.558 Euro bewilligte das Landessozialamt für die Jahre 2025 und 2026. Damit sollte ein Projekt mit dem Namen „Sport Kronsberg – Kampf gegen Antisemitismus“ gefördert werden. Jugendliche mit Migrationshintergrund zwischen 14 und 21 Jahren sollten in Workshops und Sportkursen für das Thema Antisemitismus sensibilisiert werden, heißt es in der Projektbeschreibung.

Haben alle Veranstaltungen stattgefunden?

Nach Informationen dieser Redaktion umfasste das Sportprojekt insgesamt 45 Workshops und Sportkurse, vor allem im Bereich Fußball und Kampfsport. Dem Vernehmen nach hegt das Landessozialamt Zweifel, ob alle Veranstaltungen wirklich stattgefunden haben. Offiziell teilt die Landesbehörde mit, dass man den gesamten Vorgang prüfe. „Das Landesamt führt aktuell ein Anhörungsverfahren mit dem betroffenen Verein durch“, sagt ein Sprecher. Alle bekannten Informationen seien erfasst worden, und der Verein habe nun die Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. „Danach wird das Landesamt über die nächsten Schritte entscheiden.“

Zudem geht die Landesbehörde der Frage nach, ob eine „Doppelförderung“ vorliegt, ob der Verein also Geld von verschiedenen staatlichen Stellen – Bund und Land – für dieselben Vorhaben bekommen hat. „Auch diese Frage muss in jedem Einzelfall individuell geprüft werden“, sagt der Behördensprecher.

Doppelförderungen sind unzulässig. Bei der Bundestagsanfrage zu den Bundesfördermitteln für Iris Verein kam lediglich heraus, dass der Projektträger eine „entsprechende Erklärung“ vorgelegt habe, die ausschließen sollte, dass doppelt abkassiert wurde.

 

Verärgert: CDU-Fraktionschef Felix Semper fordert Aufklärung der Vorgänge rund um den Integrationsverein am Kronsberg.

Quelle: Jonas Dengler

Iri hat sich Verdienstausfälle erstatten lassen

Ratsfrau Iri hat es nicht nur verstanden, große Fördersummen für ihre Projekte zu akquirieren. Sie hat sich nach Informationen dieser Redaktion für ihre Ratsarbeit auch hohe Verdienstausfälle aus der Stadtkasse erstatten lassen. Das ist rechtlich möglich. Ehrenamtliche Ratsmitglieder bekommen eine Aufwandsentschädigung von 520 Euro pro Monat. Zudem zahlt die Stadt monatlich bis zu 2400 Euro, wenn Ratsleute aufgrund ihrer ehrenamtlichen Arbeit ihrem Job nicht nachgehen können und Einkommenseinbußen haben.

Ratspolitiker macht der Wirbel um Iris Integrationsverein fassungslos. „Mich ärgert, dass Frau Iri im Rat Zuschusskürzungen bei anderen Integrationsvereinen wie Kargah mitgetragen und gerechtfertigt hat, aber offenbar selbst hohe Fördersummen bekam“, sagt Grünen-Fraktionschef Daniel Gardemin. Klar sei auch, dass das ganze Thema aufgeklärt werden müsse.

CDU: Wurde die Vergabe von Fördermitteln ausreichend kontrolliert?

Dieser Ansicht ist auch die CDU. Insbesondere müsse geprüft werden, sagt CDU-Fraktionschef Felix Semper, ob die eingesetzten öffentlichen Mittel zweckentsprechend verwendet wurden und ob die bestehenden Kontrollmechanismen ausreichend funktioniert haben. „Darüber hinaus muss aufgeklärt werden, wie es überhaupt zur Bewilligung dieser erheblichen Fördermittel kommen konnte und ob dabei sämtliche Verfahren ordnungsgemäß eingehalten wurden“, sagt Semper. Der Fall werfe grundsätzliche Fragen zur Vergabepraxis auf.

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke fordert, dass noch vor der Kommunalwahl im September Transparenz geschaffen werden müsse.

Die SPD-Ratsfraktion fordert Parteigenossin Iri auf, „umgehend und aktiv zur Aufklärung der Vorgänge beizutragen“. Es gelte die Unschuldsver

5 April 2026 0 Kommentare
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Eine große Gruppe feierte im kurdischen Verein NAV-DEM in Hannover den Geburtstag von Abdullah Öcalan.

von Cumali Yağmur 4 April 2026
von Cumali Yağmur

 Von: Cuali Yağmur
„Abdullah Öcalan wurde 1949 im Dorf Ömerli im Bezirk Halfeti der Provinz Şanlıurfa geboren. Heute sind Kurden unter dem Dach von NAV-DEM in großer Zahl zusammengekommen, um den am 4. April geborenen Abdullah Öcalan mit großer Begeisterung zu feiern. Für uns ist der 4. April nicht nur ein Geburtstag, sondern wird zugleich als die Geburtsstunde der kurdischen Unabhängigkeitsbewegung angesehen. Seine Geburt wird als Vorbote einer Wiedergeburt im Kampf der unterdrückten, missachteten und herabgesetzten Völker in Kurdistan, im Nahen Osten und in der Türkei betrachtet. Herr Öcalan hat sich den Kampf gegen Gewalt an Frauen und die Verteidigung der Frauenrechte von Anfang an zur grundlegenden Aufgabe gemacht. Er hat nicht nur den Kampf des kurdischen Volkes angeführt, sondern den Kampf aller Völker der Welt aus einer internationalistischen Perspektive betrachtet. Dass er an der Seite der unterdrückten Völker steht und heute zu einem Symbol des Friedens geworden ist, ist für die Völker der Welt von großer Bedeutung.“

Während der Feier wurden immer wieder Parolen wie „Es lebe der Vorsitzende APO“ (Bijî Serok APO) und „Es lebe der glorreiche Kampf der kurdischen Frauenbewegung“ gerufen.

Ferhat Akhan, der an der Feier teilnahm, äußerte sich wie folgt über den Vorsitzenden APO:
„Im Laufe der Geschichte haben Völker in jeder Epoche ihre Anführer aus ihren eigenen Kämpfen hervorgebracht. Volksführer wurden von den unterdrückten und missachteten Völkern stets anerkannt. Auch Abdullah Öcalan wurde durch das Bewusstsein und den Kampf für die Führung der unterdrückten Völker in Mesopotamien und im Nahen Osten geprägt. Als Wegbereiter der kurdischen Bewegung hat Öcalan heute eine neue Fackel des Friedens entzündet. Ich glaube, dass dieser Friede den Kurden sowie den Völkern des Nahen Ostens und der Türkei großen Nutzen bringen wird. Das kurdische Volk führt seit Jahren unter der Führung von Öcalan einen harten und langen Kampf. Obwohl die Republik Türkei ihn verhaftet und inhaftiert hat, hat er selbst im Gefängnis einen unermüdlichen Kampf für den Frieden geführt. Seine Ideen und seine Führung werden heute von breiten Kreisen anerkannt. Der harte Kampf des kurdischen Volkes und der Vorsitzende APO werden als Symbole des Friedens in die Geschichte eingehen.

Die Anführer der revolutionären Bewegung in der Türkei – Mahir Çayan, Deniz Gezmiş, İbrahim Kaypakkaya und Mazlum Doğan – sind heute in den Herzen des kurdischen und türkischen Volkes verankert. Abdullah Öcalan hat die Fahne dort übernommen, wo sie sie hinterlassen haben, und hat wie sie mit einem tiefgreifenden und langen Kampf das Epos des Friedens geschrieben. Der Kampf aller unterdrückten und missachteten Völker ist für uns heilig. Abdullah Öcalan symbolisiert heute die Bedeutung des demokratischen Kampfes und des Friedens in der Gegenwart.“

 

4 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Fast eine Million Euro Fördergeld – und dennoch insolvent: Wirbel um Integrationsverein am Kronsberg

von Fremdeninfo 3 April 2026
von Fremdeninfo

 

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Quelle: Nele Schröder

SPD distanziert sich

Beratungsstelle: SPD-Ratsfrau Hülya Iri hat den Verein Integrationsarbeit Kronsberg 2019 gegründet. Jetzt hat der Verein Insolvenz angemeldet.Der Verein Integrationsarbeit Kronsberg hat fast eine Million Euro Fördergeld kassiert – und ist jetzt insolvent. Ein Insolvenzverwalter prüft, ob alle Fördermittel korrekt verwendet wurden. Der Verein wurde von SPD-Ratsfrau Hülya Iri gegründet, die inzwischen ihr Mandat niedergelegt hat.Hilfe für Frauen bei der Jobsuche wollte sie anbieten, Schwimmkurse für Geflüchtete, Hausaufgabenhilfe für Kinder und eine Beratungsstelle, die „spontan und kurzfristig auf alle Hilfesuchenden eingeht“. Das kündigte 2019 die damalige SPD-Ratsfrau Hülya Iri gegenüber dieser Redaktion an, als sie im Jakobskamp in Bemerode die Räume ihres neuen Vereins „Integrationsarbeit Kronsberg“ eröffnete.

Sieben Jahre später meldet der Verein Insolvenz an, obwohl rund 800.000 Euro Fördergeld aus Berlin in die Vereinskasse geflossen sind und vermutlich auch Geld aus der Landeskasse. Iri hat jetzt auf Drängen der SPD-Parteispitze ihr Ratsmandat niedergelegt, aus gesundheitlichen Gründen, wie es offiziell heißt. Was ist geschehen? Und vor allem: Wo ist das Geld geblieben?

Wurden Fördermittel zweckmäßig verwendet?

Die Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Iri selbst hat auf mehrere Bitten dieser Redaktion um Stellungnahme nicht reagiert. Selbst für die SPD-Parteispitze soll sie nicht mehr erreichbar sein. Wenn man die Büronummer ihres Vereins wählt, springt ein Anrufbeantworter an. Für Iri gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Licht ins Dunkel zu bringen, ist jetzt Aufgabe von Insolvenzverwalter Joachim Heitsch. Das Amtsgericht Hannover hat ihn beauftragt, zu prüfen, wie die finanzielle Lage des Vereins aussieht. Dem Vernehmen nach verfügt der Verein weder über nennenswerte liquide Mittel noch über Vermögenswerte.

Ich schaue mir jetzt an, ob Fördermittel zweckmäßig verwendet worden sind oder nicht.

„Ich schaue mir jetzt unter anderem an, ob Fördermittel zweckmäßig verwendet worden sind oder nicht“, sagt Heitsch. Zwei bis drei Monate werde er brauchen, um sich einen Überblick zu verschaffen und Zahlungsströme nachzuvollziehen. Wenn der Verein nachweislich überschuldet und zahlungsunfähig ist, eröffnet Heitsch das Insolvenzverfahren.

Sein Gutachten entscheidet auch darüber, ob strafrechtlich relevante Vorgänge der Staatsanwaltschaft übergeben werden müssen. Das wäre dann der Fall, wenn öffentliches Fördergeld nicht für Integrationshilfen, sondern für private Zwecke ausgegeben worden wäre. „Derzeit steht der Verein unter vorläufiger Insolvenzverwaltung“, sagt Heitsch. Das bedeutet: Der Insolvenzverwalter hat Kontrolle über sämtliche Zahlungsein- und ‑ausgänge.

Anschlag: Durch ein Geschoss ist vor fünf Jahren ein Fenster im Vereinsbüro von Hülya Iri beschädigt worden.

Quelle: Rainer Dröse

Bund: Keine Unregelmäßigkeiten festgestellt

Bereits seit mehreren Monaten wird in der Ratspolitik, aber auch in Kreisen von Flüchtlingshelfern über Iris Integrationsverein diskutiert – und spekuliert. Spätestens, seit im September die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD bekannt wurde. Die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei fragte nach Fördersummen und möglichen Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der Mittel für Integrationsprojekte. Dabei wurde deutlich, dass der Bund dem Verein in drei Jahren (2023 bis 2025) insgesamt 924.479 Euro bewilligte. Abgerufen wurden 739.583 Euro (Stand September 2025). Erforderliche Verwendungsnachweise für die Mittel seien eingereicht worden, Unregelmäßigkeiten habe man nicht festgestellt, heißt es weiter in der Antwort der Bundesregierung. Dem Vernehmen nach soll der Verein auch Fördermittel vom Land bekommen haben.

3 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Baden-Württemberg: Omid Nouripour sieht Cem Özdemirs Wahlsieg als „Blaupause“ für die Grünen

von Cumali Yağmur 3 April 2026
von Cumali Yağmur

Omid Nouripour

Ein Bericht des Spiegels

Özdemirs Sieg bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg wird maßgeblich auf die Distanz zurückgeführt, die er zur Bundespartei in Berlin wahrte. Dies scheint jedoch innerhalb der Partei niemanden zu verärgern; im Gegenteil, viele interpretieren dies als einen möglichen Weg zum Erfolg.

Nach einem beeindruckenden Aufschwung gewannen die Grünen unter der Führung von Cem Özdemir die Landtagswahl in Baden-Württemberg. Dass Özdemir im Wahlkampf oft eine andere Linie als die Bundespartei einschlug, löste an der Parteibasis kein Missfallen aus. Der Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass dieser Weg Özdemirs es wert sei, wiederholt zu werden.

Nouripour bezeichnete die Wahl als eine „Blaupause“ dafür, wie Bündnis 90/Die Grünen bundesweit wieder für breite Massen wählbar werden könnten. „Wir müssen nicht überall im gleichen Ton sprechen. Unterschiedliche Bundesländer, verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Lebensrealitäten vertragen unterschiedliche Narrative und Schwerpunkte“, so Nouripour.

Nouripour: Özdemirs Stil könnte den Grünen eine „neue Dynamik“ verleihen

Nouripour, der wie Özdemir dem „Realo“-Flügel der Grünen angehört, sprach von einem „Meisterstück“ Özdemirs: „Er hat gezeigt, dass grüne Politik die Unterstützung von Mehrheiten gewinnen kann, indem sie den Menschen zuhört, sich auf ihre Realitäten konzentriert und die Mitte der Gesellschaft anspricht.“

Der Bundestagsvizepräsident betonte, dass dieser Stil, der auf Vertrauen und Stabilität basiere und der Führung die nötige „Beinfreiheit“ lasse, der gesamten Partei eine neue Dynamik verleihen könne.

Lob von den Parteivorsitzenden, Skepsis von der Grünen Jugend

Die Co-Bundesvorsitzende der Grünen, Franziska Brantner, bezeichnete das Ergebnis als „sensationell“. Özdemir habe bewiesen, dass Wahlen in der politischen Mitte gewonnen werden können, was auch für die Bundesebene eine gute Nachricht sei. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte sie: „Wir können von ihm lernen, ehrgeizig in den Zielen und pragmatisch in der Methode zu sein und das Land über die Partei zu stellen.“

Der andere Co-Vorsitzende, Felix Banaszak, wertete das starke Wahlergebnis als Antwort auf die „politische Orientierungslosigkeit“ von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Kritische Stimmen kamen hingegen von der „Grünen Jugend“. Bundessprecher Louis Bobga äußerte am Sonntagabend gegenüber n-tv Zweifel daran, ob Özdemirs Kurs „tatsächlich noch grüne Politik“ darstelle. Die Grüne Jugend kritisierte insbesondere Özdemirs Unterstützung für Verbrennungsmotoren sowie das Aussparen von Themen wie der Umverteilung von Reichtum.

Bobga: Wir wollen Palmer nicht in der Regierung sehen

Bobga betonte, dass Özdemir nicht allein, sondern als Teil der Partei regieren müsse. Zudem forderte er, dass der umstrittene Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer keine Rolle in der künftigen Landesregierung spielen dürfe.

Die enge Freundschaft zwischen dem ehemaligen Grünen-Mitglied Boris Palmer und Cem Özdemir hatte Spekulationen befeuert, Palmer könne Minister im neuen Kabinett werden. Özdemir lobt Palmer bei jeder Gelegenheit und bezeichnet ihn als „sehr wichtigen Ratgeber“. Palmer hatte Mitte Februar zudem die Trauung von Özdemir und dessen Ehefrau Flavia Zaka vollzogen.


3 April 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Gastarbeiterkind Özdemir wird Ministerpräsident – aus der Türkei kommt dafür Gegenwin

von Cumali Yağmur 3 April 2026
von Cumali Yağmur

Artikel von Yasemin Kulen

Cem Özdemir ist in Bad Urach auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Seine Eltern kamen als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Jahrzehntelang hat er sich in der deutschen Politik nach oben gekämpft. Er war Bundesminister. Nun wird er voraussichtlich der erste Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes mit türkischen Wurzeln.

Das ist eine historische Zäsur. Für viele Menschen mit Migrationsgeschichte ist es ein Beweis: Integration funktioniert. Wer in Deutschland Leistung bringt, kann aufsteigen. Doch nicht alle teilen diese Begeisterung. Aus der Türkei und aus Teilen der türkischen Community in Deutschland kommt seit Jahren Gegenwind.

Eine gespaltene Community

„Özdemir ist eine Figur, die die Community ein bisschen spaltet“, sagt Tuncay Özdamar, Leiter der türkischsprachigen Redaktion von WDR Cosmo. „Ein Teil der Community ist stolz, dass ein Gastarbeiterkind es bis nach ganz oben geschafft hat. Er war schon Bundesminister, wird nun Ministerpräsident eines großen Bundeslandes. Das finden die Leute toll und viele sind stolz auf ihn.“

Auch interessant: Cem Özdemir ist der Falsche für den Job – aus einem guten Grund

Gleichzeitig betont der Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoglu vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM): „Aber die Community ist divers und heterogen. Es ist natürlich eine historische Wahl mit einer Aufstiegsgeschichte, die löst emotionale Gefühle aus.“ Ob diese positiven Gefühle von einem Großteil der Community geteilt werden, lässt er offen.

Die türkische Tageszeitung Hürriyet brachte die Ablehnung eines Teils der Community auf den Punkt. Özdemir sei „nur noch dem Namen nach einer von uns“, schrieb das Blatt.

Erdogan nennt ihn einen „angeblichen Türken“

Für die türkische Regierung ist Özdemir seit Jahrzehnten eine unbequeme Figur. Präsident Recep Tayyip Erdogan stellte einmal seine türkische Herkunft öffentlich in Frage. Im Streit um die Anerkennung des osmanischen Völkermordes an den Armeniern fragte Erdogan laut „Tagesspiegel“: „Was ist das denn für ein Türke? Das müsste mal mit einem Bluttest im Labor festgestellt werden.“ Bei anderer Gelegenheit nannte er Özdemir einen „angeblichen Türken“.

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Özdemir seinerseits zog gegen Erdogan verbal vom Leder. Nach den Niederlagen der AKP bei den Kommunalwahlen 2019 bezeichnete er den türkischen Staatspräsidenten als „alten verbitterten Mann, der sein Land vergiftet“, berichtet der „Tagesspiegel“. Die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu kommentierte Özdemir in der Wochenzeitung „Kontext“: Der türkische Staatschef habe Angst vor Wahlen, „selbst wenn die Wahlen unfair sind.“

Özdemir macht keinen Hehl aus seiner Haltung. „Ich bin Deutscher mit türkischen Wurzeln. Ich bin Bundesbürger und Baden-Württemberger. Was ich politisch anstrebe, entscheide ich selbst“, sagt er laut „Stuttgarter Zeitung“. „Dort träumt man davon, die türkischstämmigen Menschen in Deutschland politisch zu führen. Dagegen habe ich immer gekämpft.“

Kein Einlenken trotz Druck aus Ankara

Dass Özdemir in der türkischen Community kein einfaches Standing hat, wurde ihm früh deutlich gemacht. Laut „Stuttgarter Zeitung“ suchten prominente Vertreter türkeistämmiger Menschen das Gespräch mit ihm. Sie wollten ihn dazu bringen, seinen kritischen Kurs gegenüber Ankara aufzugeben. Er sollte sich vor türkischstämmigem Publikum anders äußern als vor Deutschen.

Özdemir lehnte das ab. „Ich rede den Leuten nicht nach dem Mund und äußere mich vor türkischstämmigen Zuhörern nicht anders als vor deutschstämmigen“, sagt er. Dafür zahle er bekanntermaßen einen Preis. Er kenne türkischstämmige Kollegen in Deutschland, die sich auf die Bevormundung aus Ankara eingelassen hätten. Manche würden regelrecht Politik für Erdogan machen. Die Messlatte für ihn sei das Grundgesetz – keine autoritären Ideen aus Ankara. An diesem Kurs hat sich bis heute nichts geändert.

Graue Wölfe: Organisierte Feindschaft

Der Sozialwissenschaftler Kemal Bozay forscht über türkische Rechtsextreme in Deutschland. Er gilt laut „Stuttgarter Zeitung“ als einer der renommiertesten Experten zu den sogenannten Grauen Wölfen.

Den Ursprung der Ablehnung sieht er in einer alten Integrationsleerstelle: „Viele junge Menschen, die über ihr Elternhaus eine Verbindung zur Türkei haben, haben in Deutschland Diskriminierung und Stigmatisierung erlebt“, sagt Bozay. Das habe dazu geführt, dass sich viele von deutschen Werten getrennt und neue Identitäten gesucht hätten. Dieses Vakuum hätten rechtsextreme Parteien und Bewegungen aus der Türkei gefüllt.

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„Die Ülkücü waren immer sehr gut organisiert in Jugendclubs und Fußballvereinen und haben den jungen Menschen eine Heimat geboten“, sagt Bozay. Die Ülkücü – Türkisch für „Idealisten“ – ist ein Sammelbegriff für türkische Rechtsextreme. Heute versuchten diese Gruppen, Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen. Bozay beobachtet, dass viele von ihnen sich der CDU verbunden fühlen und teilweise in die Partei eintreten. Konkret wurde das kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Der türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Varank trat bei einer Veranstaltung in Esslingen auf und betonte Nähe zur CDU. Man solle nicht „Feinde der türkischen Flagge“ wählen – gemeint waren damit Politiker wie Özdemir.

Die Armenien-Resolution als Wendepunkt

Einen entscheidenden Einschnitt markierte das Jahr 2016. Özdemir setzte sich im Bundestag für die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern ein. Für viele Türken – auch in Deutschland – ist das ein rotes Tuch. Die Folge war eine beispiellose Hetzkampagne gegen ihn.

„Die sozialen Medien tragen mit dazu bei, dass solche aus der Türkei politisch orchestrierten Aktionen auch bei den Grauen Wölfen in Deutschland ankommen“, sagt Bozay laut „Stuttgarter Zeitung“. Die Anfeindung sei nachweisbar nicht von einzelnen Personen ausgegangen, sondern in großem Umfang organisiert worden.

Für Bozay ist Özdemir trotzdem ein historisch wichtiger Politiker: „Man muss zunächst klarstellen, dass Özdemir auch für viele andere migrantische Gruppen Türen geöffnet hat und eine Art Pionier gewesen ist.“ Er habe den Weg für andere Personen mit Migrationsgeschichte geebnet. Seit den 90er Jahren sei er eine wichtige Identifikationsfigur gewesen.

Distanz zur Community als politisches Kalkül

Sinanoglu vom DeZIM erklärt, dass Özdemir immer eine gewisse Distanz zur eigenen Community gewahrt habe. „Das gehört aber zum Besteck eines Politikers. Allerdings identifizieren sich dann viele Leute nicht mehr mit ihm. Die sagen dann: ‘Er spricht nicht meine Sprache’“, so der Experte.

Hinzu kommt Özdemirs Verhältnis zum Islam. WDR-Redakteur Özdamar fasst es zusammen: „Özdemir ist ein Vertreter des Laizismus und macht dementsprechend Politik. Er weiß aber auch, dass die meisten Türken in Deutschland eher konservative Wurzeln haben. Deshalb tritt er moderat auf. Er akzeptiert den Islam, die Islamisten lehnt er aber ab.“ 2018 war Özdemir Mitbegründer der „Initiative säkularer Islam“. Sinanoglu ordnet Özdemirs Verhalten grundsätzlicher ein: „Diese Mischung aus Bezugnahme und Distanz auf die eigene Community lässt sich auch als politische Strategie lesen.“

Türkischstämmige Wähler als Druckmittel

Für Ankara bleibt der Einfluss auf die Diaspora strategisch wichtig. Der Politikwissenschaftler Eren Güvercin beziffert laut „Stuttgarter Zeitung“ die Zahl der wahlberechtigten Türkischstämmigen in Baden-Württemberg auf bis zu 350.000. „Diese Wähler könnten auch bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg das Zünglein an der Waage sein“, sagt er.

AKP-Abgeordneter Varank formulierte den türkischen Machtanspruch offen: Erdogan habe mit seinen Anhängern in Deutschland ein Druckmittel gegen Bundeskanzler Friedrich Merz in der Hand. Viele Vertreter der türkischen Community mieden deshalb öffentliche Auftritte mit Özdemir. Sie hätten Angst, bei Erdogan in Ungnade zu fallen.

Özdemir: „Ein einfacher Erfolg in der deutschen Demokratie“

Özdemir lässt sich von alldem nicht beirren. „Ich habe es als Arbeiterkind zum Bundesminister geschafft. Für die Regierung in Ankara ist das ein Widerspruch, den sie nicht aushält“, sagt er laut „Stuttgarter Zeitung“. „Für mich ist es ein einfacher Erfolg in der deutschen Demokratie, in der ich zuhause bin.“

Er wolle weiterhin als positives Beispiel für türkischstämmige Menschen dienen. „Viele junge Türkinnen und Türken in Deutschland sehen, dass man es mit türkischen Wurzeln bis nach oben schaffen kann“, sagt Özdamar vom WDR. „Deutschland gibt den Menschen die Möglichkeit, darauf kann das Land stolz sein.

3 April 2026 0 Kommentare
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