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Einwandererinnen und Flüchtlingspolitik
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Flüchtlinge

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21 September 2026 0 Kommentare
Kultur

Antalya Partys: Ein moderner kultureller Hauch in Hannover

von Fremdeninfo 26 Mai 2026
von Fremdeninfo

Interview von: Cumali Yağmur

Frage: „Du organisierst seit Jahren kulturelle Veranstaltungen in Hannover. Wie kamst du auf die Idee zu den ‚Antalya Partys‘?“

Deniz Zeylan: „Damals war ich als DJ aktiv. Thomas, der Besitzer des Roter Biergarten, schlug mir vor, Ibiza-Partys zu veranstalten. Da ich aus der Türkei komme und die Atmosphäre am Maschsee in Hannover oft mit der von Antalya vergleiche, schlug ich stattdessen das Konzept der ‚Antalya Partys‘ vor. Thomas reagierte anfangs skeptisch und fragte: ‚Willst du meinen Laden mit Türken ruinieren und schließen lassen?‘

Ich antwortete ihm: ‚Das Bild, das du im Kopf hast, trifft vielleicht auf die erste Generation vor vielen Jahren zu. Aber hier lebt mittlerweile die dritte und vierte Generation. Wir haben viele junge Menschen mit Migrationshintergrund, die moderne Musik schätzen und über ein hohes kulturelles Niveau verfügen.‘

Deniz Zeylan und Mert Demir

Schließlich entschieden wir uns, die erste Antalya Party zu wagen. Ich eröffnete den Abend mit Titeln von Sezen Aksu, und das Event stieß sofort auf riesiges Interesse. Thomas war vom Ergebnis so begeistert, dass er mich noch am selben Abend fragte, wann die nächste Party stattfinden würde.
Als wir sahen, dass ein exklusives, junges Publikum die Antalya Partys besuchte, passten wir unser Konzept an, um noch bessere Rahmenbedingungen zu bieten. Mit der zweiten Party stieg das Interesse weiter; immer mehr junge Leute kamen zum Feiern. So ebneten die Antalya Partys den Weg für eine neue kulturelle Ära in Hannover. Diese Veranstaltungen werden heute gleichermaßen von musikbegeisterten Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie von Einheimischen besucht.

Interessant ist die Verteilung: Etwa 60 % der Gäste sind Frauen und 40 % Männer. Frauen gehen tendenziell lieber aus und tanzen mehr; wir Männer hinken da manchmal etwas hinterher. Unsere Partys ziehen zudem viele Besucher von außerhalb an. Da die Unterhaltungsmöglichkeiten in kleineren Städten oft begrenzt sind, kommen die Jugendlichen gezielt nach Hannover. Manchmal ist die Zahl der Gäste aus dem Umland sogar höher als die aus dem Stadtzentrum.

Ein aktuelles Highlight war das Event am 24. Mai 2026* im Theater am Aegi, wo wir gemeinsam mit dem Künstler Mert Demir feierten. Mert Demir ist in der Türkei ein absoluter Star unter Jugendlichen. Da er moderne Popmusik macht und in den sozialen Medien sehr präsent ist, ist die Welt klein geworden – auch die Jugendlichen in Deutschland verfolgen seine Karriere aufmerksam.

Dieses Event wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Tour-Veranstalter Herrn Serkan Kaya (Event) realisiert, der gemeinsam mit mir vor Ort für einen reibungslosen Ablauf sorgte.

Mein Ziel war es nie, einfach nur schnell Geld zu verdienen. Da ich kulturelle Veranstaltungen schon seit meiner Kindheit liebe, möchte ich den Menschen diese Kultur näherbringen. Auch in Zukunft werde ich Konzerte und Antalya Partys organisieren, um zum kulturellen Leben der Stadt beizutragen. Mein Hauptziel ist es, die Jugend bei qualitativen Veranstaltungen zusammenzubringen, einen kulturellen Austausch zu ermöglichen und das Interesse an Musik zu fördern.“

Anmerkung der Redaktion: Sehr geehrter Herr Deniz Zeylan, wir verfolgen Ihre kulturellen Aktivitäten aufmerksam und berichten regelmäßig über diese wertvolle Arbeit. Wir werden auch Ihre zukünftigen Projekte weiterhin begleiten und unterstützen.

26 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

„Dieses AfD-Förderprogramm muss sofort enden“ – Özdemir attackiert Merz-Regierung

von Fremdeninfo 26 Mai 2026
von Fremdeninfo

Von: welt

 

Cem Özdemir macht den öffentlichen Dauerstreit der schwarz-roten Bundesregierung mitverantwortlich für den Aufstieg der AfD. Man müsse die Anliegen der AfD-Wähler ernst nehmen – auch „wenn sie mal ein Wort benutzen, das wir nicht benutzen würden

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) macht die Bundesregierung für den Aufstieg der AfD mitverantwortlich. In einem Interview geht er insbesondere mit der aktuellen schwarz-roten Koalition hart ins Gericht. „Dieses AfD-Förderprogramm, das in Berlin schon seit vielen Jahren inszeniert wird, muss sofort enden“, sagte Özdemir der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Ein Vorgehen, bei dem die SPD Vorschläge macht, dann die CDU und am besten noch die CSU, ist nicht akzeptabel.“ Eine Regierung müsse nach außen mit einer Stimme sprechen. Was intern besprochen werde, gehöre „in die Küche“ und nicht in die Öffentlichkeit.

Mit Blick auf den Erfolg der AfD mahnte Özdemir zugleich mehr Selbstkritik an. Politiker müssten sich fragen, was sie selbst dazu beigetragen hätten, dass Bürger das Vertrauen verloren hätten. „Bei der Migration bedeutet das, dass wir Dinge nicht kleinreden, die Menschen als problematisch wahrnehmen. Ob es Volksfeste sind oder die Situation in Bahnhöfen oder Schwimmbädern – man darf darüber nicht lapidar hinweggehen.“ Er gab zu, dass auch Formulierungen aus seiner eigenen Partei in der Migrationspolitik nicht geholfen hätten.

Wenn man erreichen wolle, dass weniger Bürger AfD wählen, müsse man die Anliegen der AfD-Wähler ernst nehmen. „Das heißt: Die Bürgerinnen und Bürger werden nicht weggeschickt, wenn sie mal ein Wort benutzen, das wir nicht benutzen würden.“ Er betonte: „Die Politik ist in den letzten Jahren oft genug mit der Dampfwalze über die Ängste und Sorgen der Menschen hinweggegangen.“

Eine Zusammenarbeit mit der AfD im Landtag schloss Özdemir erneut aus. Wer Funktionär in der Partei von Björn Höcke sei, habe „keine guten Absichten gegenüber unserem Land“ und sei „kein Patriot“, sagte er. Zugleich betonte der Ministerpräsident, dies bedeute nicht, dass alle AfD-Wähler ein geschlossen rechtsextremes Weltbild hätten oder mit der Demokratie abgeschlossen hätten.

Özdemir: „Wer den Staat als Gängelstaat wahrnimmt, verliert den Glauben an ihn“

Der neue Ministerpräsident kündigte an, beim Bürokratieabbau mit anderen Landesregierungen zusammenzuarbeiten und die Bundesregierung so zum Handeln zu bewegen. „Wenn die Leute den Staat als Gängelstaat wahrnehmen, der nicht überall funktioniert und mit Bürokratie agiert, deren Sinn sie nicht verstehen, verlieren sie den Glauben an ihn“, sagte Özdemir.

Er habe sich mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) darauf verständigt, dem Bund künftig gemeinsam Vorschläge zu machen. Man werde sehen, ob man diese Vorschläge über eine Bundesratsinitiative oder auf einem anderen Weg einbringe. „In jedem Fall wollen wir dem Bund zeigen, dass es funktioniert, und sagen: Wie wär’s denn, wenn ihr ebenfalls eure Berichtspflichten und Dokumentationspflichten infrage stellt?“ Im Anschluss könnte man die Ideen gemeinsam mit dem Bund auch der EU in Brüssel vortragen.

Özdemir kündigte außerdem an, den Entwurf für sein Effizienzgesetz möglichst noch vor der Sommerpause vorlegen zu wollen. „Der fundamentale Wandel ist, dass nun gerechtfertigt werden muss, was bleibt, und nicht, was gestrichen wird.“ Zudem gebe es einen klaren Auftrag an seine Ministerien: „Wer eine neue Regelung möchte, muss erklären, welche dafür wegfällt – ansonsten kommt sie nicht.“

Der Ministerpräsident sprach sich auch für einen schnelleren Ausbau der Windenergie aus. Er forderte eine „gesonderte Südausschreibung mit festen Quoten“ für Bayern und Baden-Württemberg, um „das industrielle Powerhouse in Süddeutschland“ zu erhalten.

26 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

Opposition in Aufruhr – Wie geht es in der Türkei weiter?

von Fremdeninfo 26 Mai 2026
von Fremdeninfo

Artikel von Henrik Henk / News in Five

Tränengas, Polizei und ein abgesetzter Oppositionschef, der durch den strömenden Regen läuft. Die Vorfälle in der Türkei überschlagen sich. Warum dahinter mehr steckt als ein parteiinterner Konflikt.

Seit der gerichtlichen Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, in der Türkei vergangene Woche reißen die Proteste nicht ab. Der ehemalige Parteichef Kemal Kilicdaroglu, der vorläufig wieder eingesetzt wurde, wird als Verräter beschimpft. Beobachter sehen die Demokratie im Land in Gefahr – und Präsident Recep Tayyip Erdogan schweigt. Was steckt hinter dem Konflikt?

Wie kam es zu der Absetzung des Oppositionschefs? 

Um die Hintergründe zu verstehen, muss man zur Niederlage von Kilicdaroglu gegen Erdogan bei einer Stichwahl um die Präsidentschaft im Mai 2023 zurückgehen. Der heute 77-jährige Kilicdaroglu galt trotz seines farblosen Auftretens als Hoffnungsträger, gewann aber in seinen 13 Jahren als Oppositionsführer keine Wahl. Er trat dennoch nicht zurück.

Der 51-jährige Özel forderte Kilicdaroglu beim Parteitag im November 2023 heraus und gewann. Er richtete die Partei daraufhin neu aus, was sich bei den Kommunalwahlen im März 2024 auszahlte: Die CHP gewann erstmals landesweit mehr Stimmen als Erdogans islamisch-konservative Regierungspartei AKP.

Im Dezember 2024 reichten ein ehemaliges Parteimitglied und einige Delegierte der Partei Beschwerden wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Wahl Özels ein. Delegierte sollen bestochen worden sein. Das Verfahren war im Oktober vergangenen Jahres zunächst abgewiesen worden und wurde dann neu aufgerollt. Am Donnerstag dann ordnete ein Gericht die Annullierung des Parteitags von vor drei Jahren und die Absetzung Özels an. Es setzte zudem Özels Vorgänger Kilicdaroglu wieder ein.

Die CHP-Parteiführung weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Sie argumentiert zudem, das Urteil sei verfassungswidrig, weil eigentlich die Wahlbehörde und nicht ein Gericht darüber entscheiden müsste, ob Abstimmungen bei Parteitagen rechtmäßig waren.

Warum ist das Urteil wichtig?

Seit dem Erfolg der CHP bei den Kommunalwahlen steht die Partei zunehmend unter Druck. Zahlreiche ihrer Bürgermeister wurden wegen Terror- und Korruptionsvorwürfen festgenommen. Das prominenteste Beispiel ist der ehemalige Istanbuler Bürgermeister und Erdogan-Rivale Ekrem Imamoglu.

Beobachter halten die Annullierung des CHP-Parteitags für politisch motiviert. Die Regierung weist Einflussnahme auf die Justiz zurück und betont, es handele sich um einen innerparteilichen Konflikt. Korruption ist ein weit verbreitetes Problem in der Türkei über alle Parteien hinweg – Ziel von Ermittlungen war bislang vor allem die CHP.

Politikwissenschaftler Berk Esen sieht den Konflikt nicht als parteiinterne Angelegenheit. Vielmehr sei die Wahlbehörde an den Rand gedrängt und die Voraussetzungen für einen fairen und freien Wahlkampf quasi beseitigt worden, so Esen auf X.

Die Menschenrechtsorganisation Human Right Watch schreibt, Erdogan selbst habe bei einer Rede 2024 erstmals Unregelmäßigkeiten beim CHP-Parteitag ins Spiel gebracht und habe eine klare politische Motivation für die Absetzung Özels. Die Justiz gilt als politisiert.

Nach Einschätzung des Analysten Murat Yetkin ist Erdogan bewusst, dass er eine CHP unter der Führung Özels nur schwer besiegen könne. Regulär stehen die nächsten Präsidentschaftswahlen 2028 an, sie könnten aber vorgezogen werden.

Was ist die Motivation von Kemal Kilicdaroglu?

Darüber scheiden sich die Geister. Er selbst betont, er handele nicht im persönlichen Interesse, sondern in dem der Nation. Er wolle die CHP, die von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk gegründet wurde, schützen und von «beschmutzter Politik» befreien.

Beobachter gehen davon aus, dass Kilicdaroglu die Aussicht auf einen Regierungswechsel bereits aufgegeben hat und sich damit zufriedengibt, wenn die CHP auf kommunaler Ebene mitregieren kann.

Wie viel Unterstützer Kilicdaroglu innerhalb der Partei hat, ist unklar. Sein Gegner Özel hatte sich am Samstag mit überwältigender Mehrheit zum Vorsitzenden der CHP-Fraktion im Parlament wählen lassen, was dafür spricht, dass er die Unterstützung der meisten Abgeordneten hält.

Wie geht es nun weiter und gibt es neue Proteste?

Özel hat zu weiteren Demonstrationen aufgerufen. Angesichts des Opferfests diese Woche könnte die Teilnahme aber eher zurückhaltend ausfallen. Außerdem drängen CHP-Politiker auf einen außerordentlichen Parteitag, auf dem Özel auch im Kampf um den Parteivorsitz wieder antreten würde. Am Ende liegt die Entscheidung darüber aber in der Hand Kilicdaroglus.

Die Stürmung der Parteizentrale am Sonntag, wo sich Özel mit seinen Unterstützern verschanzt hatte, hat viele CHP-Anhänger im Land schockiert und die Wut gegen Kilicdaroglu befeuert. Özel wiederum, der anschließend einen Protestmarsch im strömenden Regen abhielt, gewann weiter an Format.

Analyst Yetkin geht davon aus, dass Kilicdaroglu Politiker aus der CHP ausschließen wird, gegen die ermittelt wird. Das würde auch den inhaftierten Erdogan-Gegner Imamoglu betreffen.

Özel und seine Anhänger hätten auch die Option, eine neue Partei zu gründen. Das hätte am Ende die Zersplitterung der Opposition zur Folge – davon profitieren würde Erdogan.

Quelle: Material der dpa.

26 Mai 2026 0 Kommentare
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Zwei Warnungen an die demokratische Öffentlichkeit

von Fremdeninfo 25 Mai 2026
von Fremdeninfo

Von Celal Işık / Istanbul

Erdoğan und die Palastverwaltung sind in die Offensive gegangen, um dem Druck der größten Oppositionspartei CHP nach vorgezogenen Neuwahlen entgegenzuwirken und eine weitere Amtszeit an der Macht zu bleiben. Die Regierung hat einen taktischen Angriff an zwei Fronten entwickelt, um die gegen sie vereinte und erstarkende Opposition zu spalten.

Das Ziel dieses Angriffs ist es, den internen Machtkampf in der CHP – deren Umfragewerte steigen – zu vertiefen, um die öffentliche Unterstützung zu schwächen. Gleichzeitig soll Zwietracht zwischen der CHP und dem „kurdischen Lager“ gesät werden, um die Bedingungen für vorgezogene Neuwahlen zu schaffen, die die Regierung gewinnen kann.

1. Taktik: Die Nichtigkeitserklärung (Butlan Kararı)
Diese Entscheidung schlug in der CHP wie eine Bombe ein. Es entstand die starke Wahrnehmung eines „Verräters Kılıçdaroğlu“, der mit der AKP und dem Palast paktiert, gegenüber einem „widerständigen Özgür Özel“. Auf diese Weise wurde die CHP in zwei unversöhnliche, verfeindete Gruppen gespalten, die um zwei Personen herum die Schwerter gegeneinander ziehen.

2. Taktik: Wahrnehmungsmanipulation bezüglich der kurdischen Seite
Es wird eine Kampagne geführt, um die in den letzten Jahren gewachsenen Beziehungen zwischen dem kurdischen Lager und der CHP zu zerstören. Dies ist eine Strategie, die sogar im linken Milieu und an der Basis der CHP Anhänger findet.

Gemäß dieser konstruierten Wahrnehmung sei die DEM-Partei ebenfalls durch einen Widerspruch zwischen zwei Personen gespalten: „Auf der einen Seite Öcalan, der mit der Regierung kooperiert, und auf der anderen Seite S. Demirtaş, der gegen die Regierung steht.“ Diese Sichtweise wird in der CHP, in linken Gruppen und auch in nationalistischen kurdischen Kreisen weitgehend übernommen und propagiert. Genau dies ist die Wahrnehmung, die die Regierung ohne große Mühe erzeugen wollte und die nun von diesen Gruppen verbreitet wird.

Über diese Manipulation hinaus gibt es eine große Lüge, die durch ständige Wiederholung für wahr gehalten wird: Die Behauptung, die DEM-Partei verteidige zwar Öcalan, setze sich aber nicht für Demirtaş ein. Es sind vor allem diese Schwächen und Defizite innerhalb des Oppositionslagers, die dem Versuch der Regierung dienen, die Opposition nach eigenem Belieben umzugestalten, um erneut zu gewinnen.

Der tiefere Grund für diese Schwäche liegt wohl im unterbewussten „Anti-Kurdischismus“, den die offizielle Ideologie geschaffen hat. Eine weitere große Lüge, die zuletzt von diesen Kreisen in Umlauf gebracht wurde, lautet: „AKP + MHP + Kılıçdaroğlu + DEM-Partei werden sich zusammenschließen und vorgezogene Neuwahlen anstreben.“

Die Antwort auf diese Lüge gab jüngst Ayşegül Doğan mit ihrer Erklärung: „Der Angriff auf die CHP ist eine politische Intervention gegen die gesamte Gesellschaft, gegen uns alle und gegen die Demokratie.“ Die DEM-Partei betrachtet den Angriff auf die CHP als einen Angriff auf sich selbst.

Was soll man dazu noch sagen? Es existiert ein Zustand des „Türkentums“, bei dem selbst die Sozialisten dieses Landes die Existenz der Kurden nicht verarbeiten können.

25 Mai 2026 0 Kommentare
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WAHLEN VON DEN ERSTEN URNEN BIS HEUTE: WILLE UND DAS SICH AUFLÖSENDE REGIME

von Fremdeninfo 25 Mai 2026
von Fremdeninfo


Von: Zeynep Hayır

Als in der Geschichte die ersten Wahlurnen aufgestellt wurden, keimten auch die Hoffnungen auf Demokratie auf. Wahlen wurden als Symbol einer Zukunft dargestellt, in der sich der Volkswille frei entfalten würde und jeder mit gleichen Rechten seine Entscheidungen treffen könnte. Die Menschheit glaubte lange Zeit daran. Doch von Anbeginn an bis heute blieb die Frage, wie sehr Wahlen den tatsächlichen Willen des Volkes widerspiegeln, ein großes Rätsel. Die Wahlurnen, die angeblich ein Instrument der Repräsentation für die Mehrheit der Bevölkerung sein sollten, verwandelten sich oft in Mechanismen, welche die Interessen der Herrschenden schützten und das Volk so darstellten, als sei das Ergebnis die Spiegelung seines eigenen Willens.

Die ersten demokratischen Wahlen im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr. werden oft als eines der fortschrittlichsten Beispiele für Volksherrschaft jener Zeit beschrieben. Doch diese Demokratie repräsentierte nur den Willen einer bestimmten Klasse. Frauen gab es nicht. Sklaven gab es nicht. Die Armen gab es nicht. Fremde waren vom System ausgeschlossen. Schon bei ihrer Geburt war die Demokratie nicht der Name für gleiche Rechte für alle, sondern ein Privileg bestimmter Kreise.

Jahrhunderte vergingen. Imperien zerfielen. Regimes änderten sich. Flaggen änderten sich. Doch diese eine Frage blieb:
Wählt das Volk wirklich?
Oder wird es lediglich dazu gezwungen, innerhalb vorab gezogener Grenzen eine Wahl zu treffen?

VON DEN SELBEN MECHANISMEN EINER VERROTTENDEN ORDNUNG ZU ERWARTEN, DASS SIE BEFREIUNG HERVORBRINGEN, HAT NICHTS MIT HISTORISCHER REALITÄT, SONDERN MIT POLITISCHER ILLUSION ZU TUN

Heute müssen wir diese Frage nicht nur theoretisch, sondern aufgrund der historischen Schwelle, an der die Welt steht, neu stellen. Denn die Welt ist in eine neue Ära eingetreten.

Lange Zeit überlebte die liberale Demokratie zumindest durch ihre „Fassade“. Man sprach von Rechtsstaatlichkeit. Man sprach von Gewaltenteilung. Von Menschenrechten. Von Wahlsicherheit. Das System war fehlerhaft, aber es konstruierte seine eigene Erzählung. Heute jedoch bröckelt diese Erzählung selbst.

Es wäre ein großer Fehler, die neue Ära, die durch Trump symbolisiert wird, lediglich als einen Führungswechsel zu lesen. Der Kern der Sache ist das Erstarken einer neuen Mentalität in der Weltpolitik. Demokratie wird heute oft nicht mehr als ein prinzipieller Wert betrachtet, sondern als ein Werkzeug, an das man sich nur erinnert, solange es mit den eigenen Interessen vereinbar ist. Wenn die Energiewege sicher sind, das militärische Gleichgewicht gewahrt bleibt, das Kapital sich frei bewegen kann und die Migrationsströme unter Kontrolle sind, stören die internen Unterdrückungsmechanismen autoritärer Regime kaum noch jemanden.

Der Nahe Osten ist eines der härtesten Labore dieser neuen Ära.
Die Welt sieht mit eigenen Augen zu, wie leichtfertig Menschenleben in Palästina entwertet werden können. Die Geografie Syriens ist seit Jahren weiterhin das Schlachtfeld für die Kalküle globaler Mächte. Der Druck auf den Iran, Israels Sicherheitsstrategien, die Dynamiken am Golf, Energiekriege und militärische Allianzen errichten eine neue geopolitische Architektur.

In dieser Gleichung werden Länder nicht nach ihren demokratischen Standards, sondern nach ihrer Funktion bewertet.
Die Türkei befindet sich mitten in diesem Bild.
Eine strategische Schwelle für die NATO. Ein Puffer, der die Migration für Europa zurückhält. Billiglohnsektor und ein verwaltbarer Wirtschaftsraum für das internationale Kapital. Ein regionaler Akteur mit Verhandlungsmacht für den Nahen Osten.

In einem solchen Bild ist das interne Demokratieproblem oft nicht das vorrangige Anliegen der Außenwelt.
Deshalb gewinnt das Erdoğan-Regime nicht nur durch die im Inneren errichteten Unterdrückungsmechanismen an Stärke, sondern auch durch das selektive Schweigen der Welt.
Denn der globale Kapitalismus verlangt in manchen Phasen nicht nach Freiheit, sondern nach steuerbarer Stabilität.

VOM ZWANGSVERWALTER ZUM PARTEITAG

Eines der deutlichsten Beispiele dafür, wie der Volkswille in der Türkei außer Kraft gesetzt werden kann, sind seit Jahren die Eingriffe gegen den gewählten Willen des kurdischen Volkes.
Gewählte Bürgermeister wurden abgesetzt. Zwangsverwalter (Kayyum) wurden in den Kommunen eingesetzt. Der Wille, den das Volk an der Wahlurne kundtat, wurde durch die administrativen und sicherheitspolitischen Mechanismen des Staates für nichtig erklärt. Gewählte Vertreter wurden kriminalisiert.
Dies war nicht nur die Angelegenheit einer bestimmten politischen Bewegung. Doch lange Zeit wollte man es so sehen.

Dabei gibt es keine geografischen oder politischen Grenzen mehr, sobald der Staat beginnt, sich über den Volkswillen zu erheben.
Was heute noch frappierender ist, ist die widersprüchliche Neuinszenierung derselben staatlichen Praxis.
Einerseits wird über neue Kontakte zum kurdischen politischen Raum, neue Lösungssuche, neue verfassungsrechtliche Kalküle und Mehrheitsarithmetiken gesprochen. Andererseits bestehen die seit Jahren andauernden Eingriffe gegen den gewählten Willen des kurdischen Volkes unvermindert fort. Die Politik der Zwangsverwaltung ist aus dem jüngeren Gedächtnis dieses Landes nicht gelöscht. Ahmet Türk ist nur eines der symbolischen Beispiele dieser langen Kette im kollektiven Gedächtnis.

Wenn der Volkswille tatsächlich als Grundlage dienen soll, kann dies kein Prinzip sein, an das man sich nur erinnert, wenn man es gerade braucht.
Wenn Demokratie zu einem Werkzeug verkommt, an das man sich nur in Momenten von Verhandlungen erinnert, hört sie auf, Demokratie zu sein.
Dies müssen nicht nur die Kurden, sondern alle, die in diesem Land etwas über Demokratie zu sagen haben, klar erkennen.
Denn es geht nicht um die Sprache des Dialogs, die in bestimmten Phasen etabliert wird, sondern um den strukturellen Charakter des Staates in seinem Umgang mit dem Volkswillen.
Und heute beschränkt sich diese Praxis nicht mehr nur auf den kurdischen politischen Raum.

Mit den Kommunalwahlen 2024 wurde eine neue Schwelle überschritten.
Die Republikanische Volkspartei (CHP) hat nach vielen Jahren einen bedeutenden Wahlsieg errungen. Die elektoral Überlegenheit des Regierungsblocks wurde ernsthaft erschüttert.
Hier muss man deutlich sein:
Wir verteidigen keine bürgerliche Partei.
Die CHP war historisch gesehen nie der Vertreter der Werktätigen, der Unterdrückten, des kurdischen Volkes oder einer echten Volksdemokratie. Als eine der ideologischen Gründungssäulen des Staates trägt sie ihre eigene historische Last.
Aber diese Tatsache macht das, was heute geschieht, nicht unbedeutend.
Denn es geht nicht mehr um die CHP.
Es geht um den Rückbau des Wahlsystems als solches.

Der Prozess gegen Ekrem İmamoğlu war der Anfang.
Aber es blieb nicht dabei.
Der Druck auf die Stadtverwaltung von Istanbul hielt an. Ermittlungen wurden ausgeweitet. Es gab neue Festnahmen. Neue Verhaftungen folgten. Nicht nur die Kommunen der Opposition, sondern ihr gesamtes Fundament politischer Legitimität wurde ins Visier genommen.
Parteitage wurden zur Debatte gestellt. Eine durch die Wahlbestätigung (Mazbata) erlangte politische Legitimität wurde infrage gestellt. Sogar Personen ohne offizielle politische Funktion wurden zum Gegenstand von Ermittlungen.

Dies sind keine Einzelfälle mehr.
Dies ist eine systematische politische Liquidation.
Es ist der Versuch eines neuen „Engineering“, um die Wahlkapazität der Opposition zu brechen.

SICH IMMER WIEDER INNERHALB DERSELBEN KONSTRUKTION GESCHLAGEN GEBEN ZU LASSEN UND DENNOCH GERECHTIGKEIT NACH DENSELBEN REGELN ZU ERWARTEN, IST NICHT MEHR NUR POLITISCHER OPTIMISMUS, SONDERN HISTORISCHE BLINDHEIT

An dieser Stelle muss die Figur Kemal Kılıçdaroğlu gesondert besprochen werden.
Eine Führung, die dreizehn Wahlen verloren hat, muss nicht nur wegen ihres Misserfolgs diskutiert werden, sondern auch wegen ihrer politischen Rolle, die die Energie der Opposition jahrelang innerhalb der Grenzen des Systems hielt.
Dass das Erdoğan-Regime so lange überleben konnte, lag nicht nur an der Stärke der Machtinhaber, sondern auch an den historischen Schwächen der Opposition.
Gesellschaftlicher Zorn wurde meist in parlamentarische Geduld kanalisiert. Die Opposition wurde innerhalb kontrollierter Grenzen gehalten. Die Krisen der Ordnung wurden nicht überwunden, sondern meist nur „verwaltet“.

Noch tragischer ist Folgendes:
Dass eine Linie, die jahrelang mit der Sprache von Moral, Gerechtigkeit und Versöhnung („Helalleşme“) Politik machte, heute im Schatten der staatlichen Zwangsgewalt genannt wird.
Tränengas in geschlossenen Räumen. Einsatz von Gummigeschossen. Die Verwandlung des politischen Raums in eine Atmosphäre von Sicherheitsoperationen.
Dies sind keine Bilder eines demokratischen Wettbewerbs.
Es sind Bilder eines Unterdrückungsregimes.
Früher versuchte diese Ordnung zumindest, ihre Fassade zu wahren.
Es wurden – wenn auch nur formal – rechtliche Deckmäntel vorbereitet. Eine Erzählung wurde konstruiert. Ein Kulisse der Legitimität wurde aufgebaut.
Heute ist auch diese Kulisse in sich zusammengebrochen.

EINST GAB ES EINE FASSADE. JETZT ZERBRICHT DAS GLAS DER FASSADE VON INNEN

Die Türkei ist nicht mehr nur ein Land, das autoritärer wird.
Sie verwandelt sich in ein nackteres politisches Gebilde, das es nicht einmal mehr für nötig hält, seinen Charakter zu verbergen.
Einst wurde das Recht gebeugt. Heute wird es offen beiseitegeschoben.
Einst wurde die Form gewahrt. Heute wird selbst die Form als unnötig erachtet.
Und vielleicht ist genau deshalb heute die eigentliche Frage:
Was passiert nun?
Wer ist wie sicher?
Die Oppositionellen?
Die Journalisten?
Die Revolutionäre?
Das kurdische Volk?
Die Künstler?
Die Frauen?
Der einfache Bürger, der seine Meinung in den sozialen Medien schreibt?
Oder diejenigen, die glauben, der Macht nahezustehen?

Denn wenn die Bindungskraft des Rechts beginnt, sich nach den täglichen Bedürfnissen der Machthaber zu biegen, geht es nicht mehr nur um Wahlen.
Wenn heute die Bedeutung einer Wahlurkunde (Mazbata) zur Debatte gestellt wird, welche rechtliche Grundlage wird dann morgen die Lebenssicherheit, die Eigentumssicherheit, die Meinungsfreiheit oder das Besitzrecht eines Bürgers schützen?
Das Recht garantiert nicht nur Wahlen.
Das Recht garantiert das Leben.
Wenn das Recht aufhört, die gemeinsame gesellschaftliche Basis zu sein, ist Sicherheit nicht mehr an Rechte, sondern an Machtverhältnisse gebunden.
Und dies ist die gefährlichste Schwelle für eine Gesellschaft:
Dass Menschen beginnen, nicht nach ihren Rechten, sondern nach den Grenzen der Willkür zu leben.

DIE GESCHICHTE WIEDERHOLT MANCHMAL NICHT NUR DIE UNTERDRÜCKUNG, SONDERN AUCH DIE ILLUSIONEN

Für revolutionäre, oppositionelle und arbeitnehmerorientierte Kreise war die bürgerliche Demokratie ohnehin nie der Name echter Volkssouveränität.
Doch was heute noch deutlicher zutage tritt, ist dies:
Dieses System bleibt nicht einmal mehr seinem eigenen Recht treu.
Wer kann in einer Ordnung von Recht sprechen, die ihre eigenen Regeln je nach Bedarf außer Kraft setzt?
Eine Regierung, die sich nicht einmal an ihr eigenes Recht hält, greift nicht nur die Opposition an.
Sie untergräbt auch die Legitimationsbasis der von ihr selbst geschaffenen Ordnung.
Und vielleicht wird deshalb heute nicht nur über die CHP diskutiert.
Nicht nur über Ekrem İmamoğlu.
Nicht nur über einen Parteitag.
Nicht nur über eine Kommune.
Was heute diskutiert wird, ist der Rückbau des Wahlsystems.

Die Frage, die sich seit den ersten Wahlurnen nicht geändert hat, steht immer noch im Raum:
Wählt das Volk wirklich?
Oder wird es lediglich dazu gezwungen, innerhalb vorab bestimmter Grenzen eine Wahl zu treffen?

25 Mai 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Die Geschehnisse in der CHP und die historische Abrechnung

von Cumali Yağmur 24 Mai 2026
von Cumali Yağmur

Von: Cumali YAgmur

Das Chaos innerhalb der CHP existierte bereits vor den jüngsten umstrittenen Entscheidungen. Doch diese Entscheidungen waren der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und haben die Anhänger endgültig gegeneinander aufgebracht. Man ignoriert die eigenen Fehler, indem man auf die Fehler der anderen zeigt. Diejenigen, die abseits stehen, wirken nur deshalb wie CHP-Anhänger, weil sie gegen die AK-Partei sind. Wenn das die Situation ist, warum bündelt ihr dann nicht all eure Kräfte und bildet eine Einheitsfront, um gegen die AKP-MHP-Regierung zu kämpfen?

Heute wird weder Kılıçdaroğlu-Anhängern noch Abgeordneten der Zutritt zur CHP-Zentrale gestattet. Innerhalb der CHP werden Kılıçdaroğlu-treue Abgeordnete als „bewaffnete Mafia“ abgestempelt, und diese Lügen werden im Chor verbreitet. Warum gibt es so viel Hass und Feindseligkeit gegenüber Kılıçdaroğlu? Weil er Alevit ist, aus Dersim stammt oder Kurde ist? Es heißt: „Das sind diejenigen, die sich gegen den Staat stellen, schlagt auf sie ein.“ Kılıçdaroğlu führte die CHP zehn Jahre lang an und erzielte den höchsten Stimmenanteil, den Sozialdemokraten erreichen konnten. Historisch gesehen liegen die Stimmen der Rechten in der Türkei bei 60 % und die der Linken bei 40 %. Dadurch war das rechte Lager stets an der Macht oder Teil der Regierung.

Fatih Altaylı, der behauptet, Kılıçdaroğlu habe zehn Wahlen verloren, stößt unsägliche Beschimpfungen aus. Dieser Möchtegern-Journalist ist jemand, der einst seine eigenen Kollegen beim Zeitungsbesitzer denunziert hat. Schamlos beschimpft er nun Kılıçdaroğlu. Schäm dich! Schäm dich für deine Denunziantentätigkeit. Bevor du Kılıçdaroğlus Namen in den Mund nimmst, geh und wasch dir erst einmal gründlich den Mund!

Auch diejenigen, die sich für Linke halten, laufen der CHP hinterher und beschimpfen Gott und die Welt. Hätten sie sich gegen das Ein-Mann-Regime gestellt, anstatt sich an Kılıçdaroğlu abzuarbeiten, wäre dieses Regime längst gestürzt. Bei vielen endet der Hass gegen Aleviten, Dersimer und Kurden nicht; sie lassen diese unterbewussten Gefühle über Kılıçdaroğlu freien Lauf. Diese Entwicklung schadet der CHP und schafft Feindseligkeit innerhalb der Massen. Genau das spielt der AKP und MHP in die Hände.

Beide Seiten sollten ihre Fehler eingestehen und einen vorgezogenen ordentlichen Parteitag abhalten. Auf dem Parteitag soll jeder sehen, wo er steht. Abgesehen davon nützen Provokateure, die sich als CHP-Mitglieder ausgeben, sowie Aleviten-, Dersim- und Kurdenhasser niemandem etwas.

Seit Jahren wurden in diesem Land im Laufe der Geschichte Massaker an Aleviten verübt. Die auf Lügen basierende offizielle Geschichtsschreibung wird im Müll landen, und die Geschichte wird neu geschrieben werden. Diejenigen, die 1915–1916 den Völkermord an den Armeniern begingen, waren auch an der Gründung der Republik beteiligt. In der Geschichte der Republik waren Kurden und Aleviten ständiger Unterdrückung ausgesetzt: Die Ereignisse nach Scheich Said 1925, die Plünderung des Eigentums und die Vertreibung von Juden in Thrakien (Edirne und Umgebung) 1934, das Dersim-Massaker 1938 (Ermordung und Exilierung von Menschen), die Plünderung des Eigentums von Nicht-Muslimen in Istanbul am 6. und 7. September 1955, die Markierung von Aleviten-Häusern und die Angriffe in Maraş, Malatya und Çorum 1978… Und 1993 wurden 35 alevitische Schriftsteller und Künstler vor den Augen der Welt lebendig verbrannt.

Bei der Gründung der Republik wurden andere Bevölkerungsgruppen ignoriert. Das Sunnitentum wurde als Staatsreligion aufgezwungen; den Aleviten sagte man zwar: „Ihr seid unsere Geschwister“, doch sie wurden Unterdrückung, Ausbeutung, Demütigung und Massakern ausgesetzt. Heute werden mit dieser Mentalität über das Chaos in der CHP und in der Person von Kılıçdaroğlu eigentlich Aleviten, Kurden und Dersimer beleidigt.

Vergesst niemals: Während diese Entwicklung auf einen Bürgerkrieg zusteuert, werden die AKP und die MHP die lachenden Dritten sein.

24 Mai 2026 0 Kommentare
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Kultur

Barış Atay und die Gruppe „Mengine“ begeistern in Hannover

von Fremdeninfo 24 Mai 2026
von Fremdeninfo

Von Cumali Yağmur / Hannover

Der Künstler Barış Atay gab gemeinsam mit seiner Gruppe „Mengine“ im Pavillon Hannover  ein vielbeachtetes Konzert vor einem großen Publikum. Zu dem Abend, der von Ali Pervez, dem Vorsitzenden des Sportvereins FC Can Mozaik, und Halit Yaşar Demirbağ organisiert wurde, kamen zahlreiche geladene Gäste, die die Lieder von Barış Atay und Mengine textsicher mitsangen und einen stimmungsvollen Abend verbrachten.

„Zurück zu meinen Wurzeln, jetzt bin ich freier“

Barış Atay, der eine Zeit lang als Abgeordneter für die Arbeiterpartei der Türkei (TİP) in der Großen Nationalversammlung der Türkei tätig war, kommentierte seine Rückkehr zur Musik nach dem Ausscheiden aus dem Parlament mit folgenden Worten: „Nachdem ich das Abgeordnetenmandat niedergelegt habe, bin ich wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Jetzt, wo ich Musik mache, fühle ich mich viel freier und unabhängiger.“
Atay betonte, dass die Mitglieder der Gruppe „Mengine“ bereits seit ihrer Schulzeit befreundet seien und sie diese langjährige Freundschaft nun auch auf die Bühne tragen. Während die Gruppe Stücke von ihrer neuen Schallplatte präsentierte, gab es jedoch auch einen Wermutstropfen: Da der Pianist der Gruppe aufgrund von Visumproblemen nicht ausreisen konnte, blieb das Klavier auf der Bühne unbesetzt.

Reiches Repertoire und eine arabische Überraschung

Im Konzert wurden Werke von Meistern wie Zülfü Livaneli, Ruhi Su, Barış Manço, Ali Ekber Çiçek und Pir Sultan Abdal dargeboten. Bei einem arabischen Stück im Repertoire, das die anderen beiden Bandmitglieder sprachlich nicht beherrschten, präsentierten Barış Atay und ein weiteres Mitglied das Lied mit arabischen Melodien. Die Zuhörer zeigten sich begeistert: „Wir haben uns nach Herzenslust amüsiert und wunderbare Volkslieder (Türkü) gehört; solche Konzerte sollten öfter stattfinden.“

Wichtiger Gast aus der Politik: Axel von der Ohe

Der Überraschungsgast des Abends war der SPD-Oberbürgermeisterkandidat für Hannover, Axel von der Ohe, begleitet von seinem Wahlkampfteam. Von der Ohe, der das Konzert mit großem Interesse verfolgte, sagte in seiner Rede:

„Das Konzert von Barış Atay hat uns wirklich verzaubert. Wie Sie wissen, finden am 13. September Kommunalwahlen statt. Als Oberbürgermeister von Hannover werde ich mich intensiv um die Belange der in unserer Stadt lebenden Migranten kümmern. Ich werde für die Gleichberechtigung aller kämpfen. Ich werde der AfD, die versucht, den Frieden in der Stadt zu stören und die Menschen zu spalten, nicht das Feld überlassen. Wir werden nicht zulassen, dass diese Partei Zwietracht zwischen den Migranten und der deutschen Bevölkerung sät. Wenn ich am 13. September mit Ihrer Unterstützung gewählt werde, werden wir alle gemeinsam in Frieden und Gleichberechtigung leben.“

Axel von der Ohe, dessen Rede mit stehenden Ovationen bedacht wurde, machte am Ende des Konzerts zahlreiche Erinnerungsfotos mit den Bürgern und suchte das persönliche Gespräch.

24 Mai 2026 0 Kommentare
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Allgemein

DER STAATSSTREICH DER „ABSOLUTEN NICHTIGKEIT“ IST EIN PUTSCH EINES STAATSFLÜGELS GEGEN DEN GRÜNDUNGSFLÜGEL (CHP) DIESES STAATES:

von Fremdeninfo 24 Mai 2026
von Fremdeninfo

                         Von:Celal Isik /Istanbul

Die Palast-Regierung, die den Staat übernommen hat, hat einen Putsch gegen den anderen, staatsorientierten Flügel verübt – jenen Gründungsflügel, der sich darauf vorbereitet, die Staatsmacht durch Wahlen zu übernehmen. Dieser Putsch richtet sich gegen die gesamte Gesellschaft und die Demokratie.

Der Kampf ist in Wahrheit ein Machtkampf zwischen zwei Staatsflügeln. Es wäre naiv zu erwarten, dass aus diesem Konflikt, der die Gesellschaft in zwei feindliche Lager spaltet, Demokratie oder gesellschaftlicher Frieden hervorgeht.
„Wenn die Elefanten kämpfen, wird das Gras zertrampelt.“
Die Lira bricht zusammen, die wirtschaftliche Ungerechtigkeit wächst, das Land geht unter. Und leider ist es unser politisches Dilemma, das fast seit der Gründung dieser Republik andauert, dass wir von einem der zwei schlechten Kapitäne, die dieses Schiff versenkt haben, Rettung erhoffen.

Wie auch die jüngsten Umfragen belegen, ist die CHP zur stärksten Partei der Türkei aufgestiegen. Erdoğan hat den Weg der CHP blockiert und sogar einen Punkt erreicht, an dem er ihre Existenz bedroht, indem er eine Entscheidung zur „absoluten Nichtigkeit“ (Mutlak Butlan) herbeigeführt hat – quasi ein ziviler politischer Staatsstreich. Tatsächlich ist dies ein Putsch, der bereits seit 2013 andauert. Die „absolute Nichtigkeit“ ist keine juristische Entscheidung, sondern ein politisches Urteil der Erdoğan-Justiz, die in Panik vor dem Machtverlust agiert. Es ist eine Entscheidung, die bestehende Gesetze und die Verfassung missachtet und mit Füßen tritt.

Der Erdoğan-Flügel des Staates will eine CHP, die sich nicht mit den Kurden einigt und kein Bündnis mit der DEM-Partei eingeht; eine CHP, die keine Kompromisse bei ihren gespaltenen Gründungscodes eingeht. Eine CHP, die den Kurden Zugeständnisse macht und durch ein Wahlbündnis an die Macht kommt, ist unerwünscht. In jüngster Zeit hat die positive Haltung von Özgür Özel zum Prozess und zur kurdischen Frage – trotz der traditionellen antikurdischen Politik der CHP – Erdoğan (wenn auch vielleicht nicht Bahçeli) beunruhigt. Um die Annäherung zwischen CHP und DEM zu beenden, wurde diese Entscheidung zur „absoluten Nichtigkeit“ ins Spiel gebracht.

Die Gründungscodes der Republik sorgten jahrelang dafür, dass die CHP keine Verbindung zum „kurdischen Viertel“ (Lager) hatte, wodurch es gelang, die Stimmen und die Unterstützung der Kurden auf der Basis des Islamismus im Monopol rechter Parteien zu halten. Dass die CHP nun in ihrer traditionellen Haltung zur kurdischen Frage eine gewisse Mäßigung zeigt, hat ein Klima geschaffen, in dem die CHP auch im kurdischen Lager unterstützt werden könnte. Es liegt im größten Interesse von Parteien wie der AKP und von Erdoğan, dass die CHP die traditionelle, kurdenfeindliche CHP bleibt.

Die CHP, die diesen Staat gegründet hat, besitzt die „Sechs Pfeile“ (Altı Ok), und jeder dieser sechs Pfeile steht für die Prinzipien einer monistischen, pantürkischen, nationalistischen und etatistischen Staatsideologie. Keiner dieser sechs Pfeile sieht eine klassische Sozialdemokratie im westlichen Sinne vor. Sie lassen keinen Raum für eine demokratische, pluralistische, freiheitliche und laureatische Türkei. Denn damit dies möglich wäre, müssten die ersten vier Artikel der Verfassung, die als unabänderlich gelten, geändert werden. Es ist eine Tatsache, dass sowohl die alte als auch die heutige CHP an diese Gesetze, deren Änderung nicht einmal vorgeschlagen werden darf, wie an ein Dogma gebunden sind.

Es ist ein großer Irrtum und eine Täuschung zu behaupten, dass diese monistische, nationalistische und etatistische CHP „links“ sei. Die Gründungsgesetze, deren erhabene Hüterin die CHP ist, sind jene Gesetze, die seit der Gründung den antikommunistischen und linksfeindlichen Charakter dieser Republik bestimmt haben. Ob ich die Linksfeindlichkeit der Republik Türkei hier erläutern muss, weiß ich nicht. Es ist wohl eine unbestreitbare Realität zu sagen, dass die Gründung dieser Republik auf dem Völkermord an den Armeniern, der späteren Leugnung der Kurden und der Feindseligkeit gegenüber der Linken basierte und dies bis heute fortbesteht.

Tatsächlich war diese Gründungsideologie die gemeinsame Ideologie aller rechten Parteien, die in der Türkei der CHP gegenüberstanden. Die Demokratische Partei (DP), die Gerechtigkeitspartei (AP), die MHP, die ANAP – sie alle sind verschiedene Zweige desselben Stammbaums der CHP, die wiederum eine Fortsetzung des Komitees für Einheit und Fortschritt (İttihat ve Terakki) ist. Die einzige Partei, die sich ideologisch davon unterscheidet, ist die islamistische und kalifatsorientierte AKP. Doch auch die AKP hat sich mit dem „Geist von Yenikapı“ mit dieser Staatstradition versöhnt und setzt ihre Macht heute mit deren Unterstützung fort.

Dennoch ist heute am Steuer desselben Staates immer noch die AKP unter Erdoğans Ein-Mann-Herrschaft. Es ist eine Tatsache, dass es innerhalb des Staates unterschiedliche Tendenzen gibt. Der Staat, in dem einst das Militär dominierte und der unter der Vormundschaft des Nationalen Sicherheitsrates (MGK) stand, ist heute durch das Präsidialsystem in die Herrschaft des „Einzelherrschers“ Erdoğan und seines Gefolges übergegangen. Alle Staatsgewalten (Exekutive, Legislative und Judikative) sind in der Hand eines einzigen Mannes vereint.

Zwei Tendenzen, die innerhalb des Komitees für Einheit und Fortschritt und der Republik Türkei existierten, aber gegeneinander standen, setzen auch heute ihren Kampf fort, das Steuer des Staates zu übernehmen und die Privilegien der Macht zu besitzen. Erdoğan hat – wie durch jüngste Umfragen belegt – den Weg der zur stärksten Partei gewordenen CHP blockiert und durch eine Entscheidung zur „absoluten Nichtigkeit“ quasi einen zivilen politischen Staatsstreich vollzogen. Eigentlich ist dies ein Putsch, der seit 2013 andauert. Diese „absolute Nichtigkeit“ ist keine juristische Entscheidung, sondern eine politische Entscheidung der Erdoğan-Justiz in Panik vor dem Machtverlust.

Wie dieser Putsch der „absoluten Nichtigkeit“, der den Machtkampf innerhalb der CHP vertiefen und die Partei spalten wird, ausgehen wird (er könnte sich auch gegen Erdoğan wenden), wird die Zeit zeigen. Dieser Angriff der Regierung auf die CHP ist ein Angriff auf die Türkei und den Kampf um Demokratie – ohne Wenn und Aber; er kann weder für richtig befunden noch verteidigt werden. Die Gesellschaft sollte diesen Angriff auf sich selbst nicht akzeptieren und die notwendige Reaktion zeigen.

Dieser Angriff, der heute gegen die CHP erfolgt, wurde gestern gegen die HDP und die DEM-Partei (die Kurden) geführt. Hätte man damals gemeinsam gegen diese Angriffe der Macht auf das kurdische Lager gekämpft, wäre heute vielleicht nicht die CHP an der Reihe. Heute liegt der Angriff auf die CHP den Kurden vielleicht mehr am Herzen als jedem anderen. Denn die Kurden sind ein Volk, das mehr als jeder andere seinen Anteil an solchen Putschen und Angriffen abbekommen hat. Sie haben 17.000 Morde durch unbekannte Täter (faili meçhul), Völkermord und Verleugnungsprozesse durchlebt und unter schweren Opfern einen Kampf ums Überleben und Dasein geführt – und führen ihn weiter.

Die DEM hat klar und deutlich erklärt, dass sie gegen diese Angriffe auf die CHP ist. Niemand kann jedoch erwarten, dass die DEM morgen gemeinsam mit den kurdenfeindlichen, kemalistischen (ulusalcı) und rassistischen Nationalisten, die die CHP von allen Seiten umzingelt haben, auf die Straße geht. Man kann nicht erwarten, dass diese rassistisch-nationalistischen Kreise, die nicht einmal Bahçeli tolerieren, gemeinsam mit den Kurden auf die Straße gehen.

Die tiefgreifend nationalstaatliche (ulusalcı) und nationalistische Rhetorik sowie das Klima auf den CHP-Kundgebungen sind leider nicht kompatibel oder versöhnlich mit dem „dritten Lager“ der Türkei (den Kurden). Dennoch würden die Kurden morgen, wenn die Wahlurnen aufgestellt werden, als „kleineres Übel“ (ehveni şer) gegen die Regierung für die CHP stimmen. Dies ist durch die Erfahrungen vergangener Wahlen belegt. Dass linke Gruppen in der Türkei auf CHP-Kundgebungen im Einklang mit der CHP und der Republik stehen, dürfte eine Notwendigkeit ihrer eigenen nationalstaatlichen Ideologie sein.

Fußnote:
Dass die Gegnerschaft zu Kılıçdaroğlu innerhalb der CHP zu einem großen Teil über seine Identitäten als Person aus Dersim, als Kurde und als Alevit geführt wird – auch wenn er selbst diese Identitäten nicht immer offen thematisierte –, zeigt leider den aktuellen Zustand der CHP auf eine andere Weise auf.

24 Mai 2026 0 Kommentare
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Can Taylan Tapar
Politik

Die chengeliere Richterschaft und die Liquidation der Urne: Wovon ist das Urteil der „absoluten Nichtigkeit“ der Wendepunkt?

von Can Taylan Tapar 22 Mai 2026
von Can Taylan Tapar

Das Urteil der 36. Zivilkammer des Regionalgerichtshofs Ankara über den 38. Ordentlichen Parteitag der Republikanischen Volkspartei (CHP), das auf „absolute Nichtigkeit“ (mutlak butlan) lautet, wird nicht als gewöhnlicher Rechtsstreit oder als technische Unregelmäßigkeit in die politische Geschichte der Türkei eingehen. Das Bild, das sich uns bietet, zeigt eine faschistische Institutionalisierung, einen Rundumschlag, mit dem das Palastregime die minimalsten Normen der bürgerlichen Demokratie, die verbliebenen Fragmente eines formellen Rechtsstaates und die Organisationsfreiheit liquidiert.

Dieses Urteil ist weit mehr als ein Schlag gegen die inneren Abläufe der größten Oppositionspartei; es ist einer der kritischsten Wendepunkte in jenem schleichenden und planmäßigen Prozess, der auf die Errichtung des Faschismus abzielt.

Kein Systemfehler des Rechts, sondern die Verwandlung der Justiz in einen Apparat des Regimes

Die größte Illusion der liberalen Opposition und der etablierten Politik besteht darin, die gegenwärtige Struktur hartnäckig als „Beschädigung des Rechtsstaates“ oder als „Beeinträchtigung der richterlichen Unabhängigkeit“ zu beschreiben. Doch hier ist keine Waage aus dem Gleichgewicht geraten oder defekt; vielmehr operiert hier ein Justizmechanismus, der bewusst, programmatisch und systematisch zu einem Werkzeug des politischen Engineerings der Exekutive transformiert wurde.

Seit geraumer Zeit nutzt das Palastregime die Verfassung und die Gesetze ausschließlich als Schutzschild zur Sicherung der eigenen Existenz und als Guillotine zur Bestrafung der Opposition. Dieser Eingriff in den CHP-Parteitag kann nicht losgelöst von den per Zwangsverwalter (kayyum) usurpierten Kommunen, den politischen Betätigungsverboten für Oppositionsführer und der juristischen Belagerung von Massenorganisationen betrachtet werden. Das Regime vermag keine Hegemonie durch Zustimmung mehr zu erzeugen; in dem Maße, in dem diese Zustimmung schwindet, stützt es sich auf die Repressionsapparate des Staates, auf die Polizei und die richterlichen Roben. Carl Schmitts These „Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“ bildet heute die praktische Regierungstechnik des Palastes.

Wer die Opposition an der Urne nicht besiegt, designt eine „genehme Opposition“

Die sinsi, perfide „Regimetechnik“ hinter diesem Urteil zielt darauf ab, den Mechanismus der Wahlurne formal aufrechterzuteilen, während das politische Fundament darunter vollständig dynamitiert wird. Die fundamentale Strategie des Machtblocks besteht nicht mehr darin, den Gegner an der Wahlurne zu schlagen, sondern jene Mechanismen auf institutioneller Ebene zu lähmen, die überhaupt erst Konkurrenz hervorbringen können.

Der Schachzug, die alte Parteiführung per Gerichtsbeschluss quasi als „juristischen Zwangsverwalter“ wieder in Amt und Würden einzusetzen, bezweckt nicht bloß die Zerschlagung der Opposition, sondern deren Implosion. Der Palast duldet kein Zentrum, das den gesellschaftlichen Zorn organisieren könnte; er sehnt sich nach einem „gelenkten und genehmen Theater“, das seine Energie in internen Machtkämpfen verzehrt, sich in Gerichtssälen gegenseitig eliminiert und innerhalb der vom Regime gesteckten Grenzen agiert. Dass dieses Urteil durch ein kalkuliertes Timing-Engineering unmittelbar am Vorabend des Opferfestes verkündet wurde – um reflexartige Reaktionen der Massen auf den Straßen und Plätzen zu verhindern –, ist der handgreiflichste Beweis dieser verzweifelten und finsteren Ränkespiele.

Historische Kontinuität und klassenspezifische Bedrohung: Morgen ist jeder an der Reihe

Aus einer sozialistischen Prinzipientreue heraus muss betont werden: Faschismus manifestiert sich nicht nur im Schlagstock auf der Straße oder in der Uniform auf der Kaserne. Faschismus bedeutet die Konzentration aller Staatsgewalten in einem einzigen Zentrum, die Verwandlung des Rechts in eine Peitsche und die Enteignung des Volkswillens in den Gerichtssälen. Jene Mentalität der Zwangsverwaltung, die gestern den Willen des kurdischen Volkes in Diyarbakır oder Esenyurt ins Visier nahm, und die heutige Hybris der „absoluten Nichtigkeit“, die an die Pforten der Oppositionszentrale klopft, speisen sich aus derselben Quelle.

Dieser Angriff zielt nicht nur auf die Sicherheit von Wahlen, sondern auf die gesamte Zukunft der Arbeiter und Werktätigen dieses Landes. Es darf nicht vergessen werden: Die Verschärfung der faschistischen Repression im politischen Raum fungiert als Schutzpanzer für jenes ökonomische Ausbeutungsprogramm, das die Massen zu Hunger, Armut und Prekarität verdammt.

Diese Rechtlosigkeit, die heute den Willen eines Parteitags in den Müll wirft, ist der Vorbote kommender Angriffe auf das Streikrecht in den Fabriken, auf die gewerkschaftliche Organisierung, auf die Tarifverträge der Arbeiter und auf ihren elementarsten Kampf um das tägliche Brot. Eine diktatorische Hybris, die imstande ist, die Türen politischer Parteien zu verriegeln, wird nicht davor zurückschrecken, die organisierte Kraft der Arbeiterklasse vollständig zu versklaven.

Fazit: Die Rettung liegt nicht in den Gerichtskorridoren, sondern im organisierten Kampf

Autoritäre Regimes überleben nicht allein durch nackte Gewalt, sondern durch das Gefühl der „Alternativlosigkeit“ und „Ohnmacht“, das sie der Gesellschaft injizieren. Doch diese Skrupellosigkeit ist kein Zeichen von Stärke; sie ist im Gegenteil das Eingeständnis der Angst und der Hilflosigkeit einer schwindenden Macht, die ihre gesellschaftliche Legitimität längst verloren hat.

Der Weg, diese Finsternis zu vertreiben, führt weder durch die verfallenen Korridore der bürgerlichen Justiz noch durch das Schlangestehen für Petitionen vor den Toren der Obersten Gerichte. Die Antwort auf den chengeliere Absolutismus des Regimes lautet: die Organisation des kollektiven und vereinten Kampfes des Volkes in den Fabriken, in den Industriegebieten, auf den Campussen, in den Vierteln und auf den Straßen.

Gegen die Putschpläne der Herrschenden bleibt uns keine andere Wahl, als uns für die Verteidigung des Wahlrechts, der Demokratie und der Zukunft der Arbeit zu verbünden. Es gibt keine Rettung allein – entweder alle zusammen oder keiner von uns!

22 Mai 2026 0 Kommentare
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Cumali Yağmur
Allgemein

Heute ist der Tag der Einheit und der dauerhaften Versöhnung

von Cumali Yağmur 22 Mai 2026
von Cumali Yağmur

 

 

Von: Cumali Yağmur

In der CHP wurde der Parteitag vom 6. November 2023 durch eine Entscheidung der „absoluten Nichtigkeit“ (mutlak butlan) annulliert. Mit dieser Entscheidung wurde der ehemalige Vorsitzende Kemal Kılıçdaroğlu erneut in das Amt des CHP-Vorsitzenden berufen. Diese Entwicklung löste einen intensiven Diskussionsprozess aus, der von Krisen innerhalb der CHP und in der türkischen Politik geprägt ist. Dass Abgeordnete, die dazu aufriefen, die Gerichtsentscheidung zu „respektieren“, aus der Partei ausgeschlossen werden, verschärft die Spannungen zusätzlich.

Sowohl vor als auch nach der Nichtigkeitserklärung sind heftige Angriffe gegen Menschen aus Dersim, Aleviten und Kurden in der Person von Kemal Kılıçdaroğlu zu beobachten. Diese Angriffe sind nicht neu; im Laufe der Geschichte gab es immer wieder ähnliche Haltungen gegenüber Aleviten, Menschen aus Dersim und Kurden. Heute sehen wir jedoch, dass sich diese Angriffe nochmals verschärft haben. Die Gerichtsentscheidung sieht vor, dass Kılıçdaroğlu erneut die Führung der CHP übernimmt, und rechtlich wird der Prozess in diese Richtung verlaufen.

Auf der anderen Seite wollen die Anhänger von Özgür Özel die Gerichtsentscheidung nicht anerkennen. Sie haben begonnen, die CHP-Basis mit dem Aufruf „Versammeln wir uns in der Parteizentrale und schützen wir unsere Partei“ zu mobilisieren. Diese Situation wird entweder zu einer Spaltung der Partei und der Entstehung einer neuen Struktur führen oder den Prozess in die Länge ziehen und in einen neuen ordentlichen Parteitag münden. Ob Kılıçdaroğlu bei einem neuen Parteitag erneut kandidieren wird, ist noch ungewiss. Politische Tugendhaftigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, einen Kompromiss zu finden, gemeinsam zu handeln und sich bei einem neuen Parteitag auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Es erfordert großes Geschick, beide Seiten in der Politik zu versöhnen.

Die Diskussionen über die ethnische Herkunft und den Glauben von Kılıçdaroğlu in diesem Prozess führen zu nichts anderem als zur Polarisierung der Gesellschaft. Die Herkunft und Heimat keines früheren CHP-Vorsitzenden war jemals Ziel derartiger Angriffe. Dieser Ansatz ist äußerst gefährlich und spaltet die Gesellschaft. Es gibt für beide Seiten keinen anderen richtigen Weg, als sich zu vereinen und gemeinsam zu handeln, ohne der AKP in die Hände zu spielen.

Die Kılıçdaroğlu-Anhänger zeigen ein eher versöhnliches Profil, indem sie schweigen und eine Politik fernab von Aggression verfolgen. Im Gegensatz dazu schadet die parteiische und harte Haltung von Özgür Özel und seinen Anhängern der Partei. Anstatt sich zu versöhnen, die Massen gegeneinander aufzuhetzen, wird schwerwiegende politische Folgen haben. Wenn die CHP so weitermacht, sägt sie an dem Ast, auf dem sie sitzt, und stärkt die AKP. Alle Beteiligten müssen eine tugendhafte, vernünftige und zukunftsorientierte Haltung einnehmen, um der Partei nicht zu schaden. Der AKP-MHP-Block, der von dieser Ungewissheit innerhalb der CHP profitieren wird, könnte durch vorgezogene Neuwahlen die Opposition vollständig besiegen.

Im aktuellen politischen Umfeld der Türkei hat leider auch die Presse ihre Unparteilichkeit verloren. Medienorgane, die Partei ergreifen und die Gegenseite beleidigen, entfernen sich von unabhängiger Berichterstattung. Auch diese Situation spielt dem Regierungsblock in die Hände und führt zur Schwächung der CHP und anderer Oppositionsparteien. Eine besonnene Presse sollte stets unparteiisch agieren und die Fehler beider Seiten ehrlich aufzeigen.

Zusammenfassend ist heute der Tag der Einheit, der Versöhnung und der Vernunft. Durch die Einberufung eines neuen Parteitags muss ein CHP-Vorsitzender gewählt werden, auf den sich alle einigen können und der die Partei voranbringen wird.

22 Mai 2026 0 Kommentare
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